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Lehrer 1,50 €

Offizielle Schülerzeitung des ev.Kreuzgymnasiums Dresden Ausgabe Sommer 2011

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EDITORIAL D

as Schlaraffenland – eine alte Geschichte. Kennt wahrscheinlich jeder noch aus der Kindheit: Ein Grießbrei- oder Puddingberg, durch den man sich hindurch essen muss. Und dann: Flüsse voll mit Wein und süßem Kakao, gebratene Schweine mit Messern im Rücken, Früchte,

die einem in den Mund wachsen. – Alles nur Träume. Und nicht mal sonderlich attraktiv… Es scheint, als ob die Menschen, die sich diese Geschichte ausdachten, vor allem unter Hunger litten und sich eine Welt erträumten, in der dieser keine Rolle mehr spielt. Worunter leiden wir heute? Was erträumen wir uns? Vielleicht: Einfach mal so lange zu schlafen, wie man möchte. Oder: Die neuesten technischen Gimmicks zu besitzen. Oder weit zu reisen. In-

mitten des Duftes eines Schokoladenmuseums zu schwelgen. Essen in der Cafeteria. Oder einfach nur davon, dass eine langweilige Schulstunde endlich vorbeigeht… In viele Richtungen träumen könnt ihr mit den Artikeln in unserer neuesten Ausgabe zum Thema „Schlaraffenland“. Viel Vergnügen also beim Lesen der Lehrersprüche, der Vorschläge zum Survival in Unterrichtsstunden und den Fotos von Herr Leonhardt! Dass aber das Schlaraffenland auch weniger vergnügliche Seiten haben kann, zeigen euch andere Artikel: Was passiert eigentlich mit den Waren im Supermarkt, die abgelaufen sind und nicht bei einer der „Tafeln“ landen? Wie ist es, wenn man Diabetiker ist – hier, in unserer Gesellschaft, die doch einem Schlaraffenland so ähnlich ist? Manchmal, wenn Wirklichkeit und Wunsch nicht übereinstimmen – dann baut man sich eine Phantasiewelt. Schön, solange die Bausteine dazu nicht Drogen sind. Wunschvorstellungen und Wirklichkeit – denkt mal nach, wie dies für euch zusammen passt. Und dann: Ab in die Ferien mit der neuen Ausgabe unserer Schülerzeitung– und erfüllt euch ein paar Wünsche (vielleicht nicht alle…)! Viel Spaß wünscht euch die Redaktion von kreuz&quer!

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kreuz&quer

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Inhalt Editorial

Sagen Sie jetzt nichts.. .

Seite 3

Seite 14

Herr Leonhardt sprachlos

Manchmal muss man fragen... Das Schlaraffenland – eine alte Geschichte.

Seite 12

Referendarin im Interview

Alert Bay

Seite 16

Home of the Killerwhale

Urlaub im Land der Faulpelze Seite 6

Leitartikel

Ein Sonntag im Schlaraffenland

Seite 8

Lernst du noch oder liest du schon? Seite 1 3

Langeweile im Unterricht

Ein Besuch im Schokoladenmuseum

Kaufen, Kaufen, Kaufen!

Seite 18

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Traubenzucker und Insulin f체r Pumpis und Penner Seite 28

Erfahrungsbericht einer Diabetikerin

Arbeitsplatz Schlaraffenland

Was tun, wenn man erst 9 Uhr in die Schule will?

Seite 20

Seite 30

Essen aus dem M체ll

Rauswurf

Seite 26

Was bedeutet Containern?

Seite 32

Wen interessiert schon, wer ich bin?

Ein Nachruf

Seite 29

Nach den Erfahrungen eines Drogenabh채ngigen

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Leitartikel

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Urlaub im Land der Faulpelze Ein Land, in welchen Milch und Honig fließen. In welchem die Häuser mit Pfannkuchen gedeckt sind, und in welchem alle Tiere bereits gebraten und mundfertig sind, gerade so, dass man nur die Hand nach ihnen ausstrecken muss. Wer nichts kann außer schlafen, essen, tanzen und spielen, wird zum Grafen ernannt; die Fleißigen vertrieben. In diesem Land wachsen Brötchen an den Bäumen, und wenn man will, fallen sie in die Milchbäche, sodass man sich nicht mehr die Mühe machen muss, sie selbst einzutunken. So beschreiben die Gebrüder Grimm in einem ihrer Märchen das sagenhafte

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us dem mittelhochdeutschen Wort ‚sluraf‘ für Faulenzer leitet sich der, für mich etwas eigentümliche Begriff „Schlaraffenland“ ab. Die Faulpelze und Tagträumer, die Schlafmützen und Arbeitsmüden, die sich diese Geschichte ausdachten, spannen sich eine Welt zusammen, in der es ihnen an nichts mangeln sollte. Dabei haben sie sich vermutlich vom Garten Eden in der Schöpfungsgeschichte inspirieren lassen. Doch warum hat sich dieses Märchen so lange gehalten, besteht es doch nur aus der Beschreibung eines fiktiven Ortes? Schließlich weist es keinerlei Handlung auf. Vielleicht liegt es daran, dass es im Laufe der Geschichte immer Nichtstuer gegeben hat,

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Schlaraffenland.

die sich an der Vorstellung einer „faulen Welt“ festhielten, sie ausbauten, und an die nächste Generation weitergaben: Auch uns behagt die Vorstellung dieser völlig stressfreien und unkomplizierten Welt. Nun kann man sich natürlich fragen, inwieweit die Vorstellung des Schlaraffenlandes überhaupt noch auf heutige Verhältnisse zutrifft. Da die Menschen, wie schon gesagt, danach streben, ein möglichst angenehmes und wenig anstrengendes Leben zu haben, gibt es bereits vieles, was aus früherer Sicht ein undenkbarer Luxus gewesen wäre: Unsere Wäsche wird von Maschinen gewaschen, wir müssen nicht laufen, sondern werden von Autos von einem Ort zum anderen gebracht, Essen können wir fertig im Supermarkt kaufen und

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brauchen es bei Bedarf nur noch aufzuwärmen. So lässt sich also vermuten, dass das Märchen vom Schlaraffenland in einigen Jahren oder Jahrzehnten seine Attraktivität verloren haben wird. Um dies zu verhindern, müsste man die Geschichte umschreiben. So sind zum Beispiel Weißbrötchen und Milch nichts allzu Besonderes mehr. Heutzutage müssten elektronische Geräte (z.B. die mit dem kleinen Obstsymbol auf der Rückseite) an den Bäumen wachsen, die Flüsse aus Coca Cola oder zumindest Limonade bestehen. Der Jungbrunnen, der Wasser spendet, welches kranke und alte Leute gesund machen kann, wäre sicher auch jetzt


noch von großem Nutzen. Ebenso die Zäune aus Bratwürstchen und der Brunnen, aus welchem man süßen Saft trinken kann. Außerdem wären einige Zusatzeffekte auch nicht schlecht. Zum Beispiel sollte sich jeder Gegenstand nach der Benutzung von selbst aufräumen, der Boden sich selbst wischen und wer will schon die Gabel bis zum Mund führen müssen? Natürlich muss sich das vorgebratene Essen auch selbst kleinschneiden und in den Mund des Genießers wandern! Was wäre das für ein Leben? Und vor allem, wie würden wohl die Bewohner des Schlaraffenlandes aussehen? Übergewichtige, vielleicht sogar adipöse und vor allem unbewegliche Menschen überall! Nach spätestens einigen Monaten würden sie beginnen, sich zu langweilen. Ganz zu schweigen von der Verblödung, die die Nichtbenutzung des Gehirns bzw. des Verstandes nach sich ziehen würde.

Man stelle sich einmal dieses Desaster vor: Überall vollgefressene Menschen, klebrig vom Honigregen, den es im Schlaraffenland ja „Wer gern hinreisen will, geben soll, und dazwischen aber den Weg nicht weiß, kopflose gebratene Tiere! Angenommen, diese verblödete Kultur könnte tatsächlich einige Generationen überdauern, so würde sich die Intelligenz der Schlaraffen wahrscheinlich wieder auf Urmensch-Niveau zurückschrauben, sie würden sich in ihrer Langeweile mit Keule und Faustkeil gegenseitig jagen. Ihr seht, worauf ich hinauswill: Das Schlaraffenland ist, so schön die Vorstellung auch klingt, keine langzeitig optimale Lösung. Trotzdem bedeutet das nicht, dass wir diese Phantasie aus unseren Köpfen streichen sollten. Wäre das Schlaraffenland nicht ein wunderbarer Ort für die Sommerferien? Ich werde mich auf den Weg machen. Falls ihr mich sucht:

der frage einen Blinden. Auch ein Stummer wird ihm keinen falschen Weg sagen. Aber der Weg dahin ist weit für die Jungen und für Alten, denen es im Winter zu heiß und im Sommer zu kalt ist. Noch dazu ist um das ganze Land herum eine berghohe Mauer aus Reisbrei. Wer hinein oder heraus will, muss sich da erst mal durchessen.“

Laura Blome Klasse 10

Gebrüder Grimm

Wäre das Schlaraffenland nicht ein wunderbarer Ort für die Sommerferien?

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Ein Sonntag im Schlaraffenland Reportage

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Ein Besuch im Schokoladenmuseum Halle

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onntag. 10 Uhr morgens. Die Sonne scheint. Ich stehe verschlafen nach einer dreistündigen Zugfahrt in einer Schlange und warte ungeduldig darauf, dass sich die Türen des Museums endlich öffnen. Nun könnte man sich fragen - und glaubt mir, in dem ein oder anderen schwachen Moment habe ich das auch getan - warum tue ich das? Warum liege ich nicht wie jeder normale Mensch um diese Zeit im Bett oder genieße wenigstens das wunderschöne Wetter? Zu sagen, ich bin wegen der Schülerzeitung hier, wäre irgendwie zu einfach. Schließlich war das Ganze meine Idee. Eine Ausgabe unserer Schülerzei-

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tung über das Schlaraffenland. Als das Thema feststand, war ich mit meinen Gedanken sofort bei Süßigkeiten. Gummibärchen, Zitronenbonbons, riesige bunte Lollys, aber vor allem: Schokolade. Tja, so kommt es also, dass ich nun in Halle an der Saale vor dem Schokoladenmuseum stehe. Denn genau hier hoffe ich, mein Schlaraffenland zu finden.

Betritt man das Gebäude, steht man sofort mitten im Fabrikverkauf der ältesten deutschen Schokoladenfabrik „Halloren“. Schon nach wenigen Sekunden bin ich von dem Anblick der zahlreichen Hallorensorten und dem nicht zu verachtenden weiteren Angebot gebannt und kann mich, als die Führung beginnt, nur schwer von diesem Anblick losreißen. Der Museumsrundgang beginnt mit einer Zeitreise. Nach Mittelamerika, zur Zeit der Urvölker vor der Entdeckung Amerikas. Denn schon hier wurde der Kakao erst von den Olmeken, die die Kakaobohnen zur Alkoholherstellung verwendeten, später auch von den Maja und Azteken genutzt. Bei den Azteken waren Kakaobohnen eine Währung: Im 14. Jahrhundert konnte man mit 50 Bohnen eine Frau erwerben. Gott sei Dank verfehlte Kolumbus dann irgendwann den Weg nach Indien, sonst wäre

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die Schokolade nie zu mir, ähm, nach Europa gekommen. Im 19. Jahrhundert war Kakao ein Luxusgetränk bei Hofe, sehr beliebt und sehr, sehr teuer. Im Laufe der Führung erfahre ich, wie viel ich in Halloren wiege (über 5000) und, dass der Durchschnittsdeutsche im Jahr 10,8 kg Kakao verbraucht und damit den zweiten Platz hinter den Schweizern belegt. Den Besuchern wird (wohl nicht ganz eigennützig, obwohl der Führer das vehement abstreitet) eingebläut: Das Ziel sind 12 kg pro Kopf, um die Schweiz zu überbieten und zu zeigen, wer die bessere Schokolade hat! Es werden natürlich noch weitere Argumente geliefert: Wer mehr Schokolade isst, lebt nicht nur länger, sondern ist zudem auch schöner, glücklicher und sogar fruchtbarer. Ob das stimmt? Ich bin jedenfalls durchaus bereit, alles zu glauben, was meine Schokoladensucht rechtfertigt. Weiter geht es durch die Museumsräume, neben Zeitleisten zur Geschichte der Schokolade wird ihre Herstellung erklärt, dann ein Überblick zur Gründung und Entwicklung der Fabrik gegeben. Gegründet 1804 als Konditorei, übernommen und zu großem Ansehen geführt von Friedrich David. Da hieß sie noch „David & Söhne AG“, zur Nazizeit musste sie sich in „Mignon Schokoladenwerke“ umbenennen. Nach dem


Krieg war die Fabrik zerstört, der Aufbau dauerte jahrelang. In der DDR kamen dann schon die nächsten Schwierigkeiten aufgrund des Rohstoffmangels auf die Produktion zu. So mussten Kompromisse gemacht werden, Marzipan wurde vonnun an aus Persipan statt Mandeln hergestellt, Erbsenbrei wurde zum Streckungsmittel. Nach dem Mauerfall waren internationale Marken vorerst eine große Konkurrenz, doch die Marke setzte sich durch, erneuerte ihr Design, und erweiterte das Sortiment. Da sind wir auch schon am Ende der Geschichte der Fabrik bis heute, die Gruppe strömt in die Schokoladengalerie.

len, doch auch ihn darf ich leider nur durch das Glas bewundern.

Neben zahlreichen Schokoladenmodellen, unter anderem der Halloren-Schokoladenfabrik und dem Händelhaus, ist die lebensgroße „Schoko-Lady“ noch eine ganz neue Attraktion. Sie wurde von einem österreichischen Künstler aus 140 kg Schokolade gefertigt, und ist für mich ja nun der ultimative Beweis dafür, dass Schokolade nicht dick macht. Außerdem darf ein Schokoladenbrunnen im Museum selbstverständlich nicht feh-

Doch damit die Besucher nicht über das wertvolle Zimmer herfallen, gibt es an dieser Stelle eine Verkostung. Die Gruppe, ich natürlich unter den Ersten, greift zu. Nur mein schlechtes Gewissen den anderen Besuchern gegenüber hält mich davon ab, von allem etwas zu probieren. Die klassischen Hallorenkugeln, Katzenzungen, Mozartkugeln und anderen Köstlichkeiten sind verlockend auf einem Tablett drapiert.

Unbestrittener Höhepunkt ist das Schokoladenzimmer. In dem 27 Quadratmeter großen Raum befinden sich insgesamt 1400 kg Schokolade und 300 kg Marzipan. Vom Grundanstrich der Decke bis zur Blumenvase auf dem Tisch besteht alles aus Schokolade, allein die größeren Möbelstücke haben einen Holzkern. „Wie eine wahr gewordene Illusion aus dem Schlaraffenland“, beschreibt das Museum diesen Raum meiner Meinung nach sehr treffend, obwohl natürlich eines fehlt – naschen darf man nicht.

Wie eine wahrgewordene Illusion aus dem Schlaraffenland...

Abgerundet wird die über 750 Quadratmeter große Ausstellung mit einem gläsernen Gang, der den Besuchern einen Einblick in die Produktion gewährt. Auch am Sonntag, wo die Produktion natürlich stillsteht, ist dies durchaus spannend. Videos zeigen, was ich heute nicht zu sehen bekomme: Trubel in der Halloren-Confiserie. Trotz der unzähligen Maschinen wird viel per Handarbeit erledigt, die Halloren werden auf dem Fließband zurecht gerutscht, geduldig wird auf eine Praline nach der anderen eine Walnuss gesetzt. An normalen Arbeitstagen werden hier 11 bis

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16 Tonnen Halloren produziert.

Clara Gerhardt Klasse 10

Verlässt man das Museum, sind nun natürlich die besten Voraussetzungen für einen großen Umsatz der Fabrik geschaffen, denn der Rundgang endet dort, wo er begonnen hat: im Fabrikverkauf. Ich verbringe hier fast so viel Zeit wie im Museum selbst, entdecke ein Schnäppchen nach dem anderen, überlege verzweifelt, wem ich denn noch etwas mitbringen könnte, um meinen Kaufrausch zu entschuldigen. Letztendlich ist es eine Hallorenschachtel mit der blauen Verpackung aus DDR-Zeiten für meine Mutter, Nougatspitzen für meinen Vater, herabgesetzte Halloren mit Untergewicht

für mich, Haselnussnougat für mich und eine große Tüte der Hallorensorte mit Karamell, die ich hier entdeckte habe – ihr könnt es euch schon denken: auch für mich. Nachdem ich meine Beute bezahlt habe (und dabei schon etwas geschockt war,

ten Raum war ich noch nicht: im Galerie-Café. Hier kann man Kuchen, Torten und alle erdenklichen Kaffespezialitäten genießen, doch was mich am meisten begeistert, ist die Sammlung von Büchern über Schokolade, in den man schmökern kann. Mein neues Lieblingsbuch ist ein amerikanisches

Die klassischen Hallorenkugeln, Katzenzungen, Mozartkugeln und anderen Köstlichkeiten sind verlockend auf einem Tablett drapiert. wie viel die ganzen, doch so billigen Süßigkeiten insgesamt kosten), ist der Besuch im Museum immer noch nicht ganz vorbei. Denn im letz-

Büchlein mit dem Titel „Life is a struggle between good, evil, and chocolate“, mit illustrierten Sprüchen wie: „If you inherited a million dollars, would you invest it or spend it on chocolate?“ Da kann ich bloß sagen: Der Autor ist mir sympathisch.

Sonntag. 7 Uhr abends. Die Sonne scheint immer noch und ich bin wieder zu Hause. Habe komischerweise gar keinen Hunger. Aber Appetit. Gut, dass ich mich eingedeckt habe. Zugegeben, die eine Packung Halloren hat schon auf der Rückfahrt im Zug dran glauben müssen, aber hey, die hatten Untergewicht! Und jetzt ab, Schokolade essen. Wir kriegen die Schweizer! Mhmmmhmm…

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Ein Kissen bitte! X

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m Montag haben alle Schüler das gleiche Problem.

Da ist es völlig egal, ob sie sich Sonntagnacht nicht von ihrem Lieblingsbuch trennen oder unbedingt einen spannenden Film zu Ende sehen wollten, noch spätabends für einen anstehenden Test gelernt oder das Wochenende durchgefeiert haben. Am Montagmorgen sind alle müde! Die erste Hürde besteht darin, heil in die Schule zu kommen und das möglichst noch rechtzeitig. Die meisten haben Glück oder einfach nur genug Koffein im Blut und überwinden den Schulweg ohne größere Zwischenfälle. Ist man erst einmal in der Schule, kann man sich durch seine Klassenkameraden ein bisschen von seiner Müdigkeit ablenken. Schließlich hat man sich zwei ganze Tage nicht gesehen und sich einiges zu erzählen. Doch dann sitzt man im Unterricht. Nur die eigene Selbstbeherrschung kann einen jetzt noch davon abhalten, den Kopf

auf die Schulbank zu legen und den versäumten Schlaf nachzuholen. Die Worte des Lehrers klingen viel zu monoton und erinnern an die Zeit der Gute-Nacht-Geschichten im Kindergarten. Wenn man doch heute nur noch einmal in das verhasste „Mittagsschläfchen-Zimmer“ geschickt würde… nur noch einmal in einem dieser weichen Minibetten ein Schläfchen halten könnte… Langsam beginnt man zu halluzinieren: Schäfchen, die in gleichmäßigen Abständen blökend über die Schiefermappe hüpfen, der Sandmann winkt aus einer schwebenden Seifenblase, der Lehrer trägt jetzt eine Nachtmütze und einen gestreiften Schlafanzug. - So zieht sich der Tag endlos hin bis zur letzten Stunde. Die Vorfreude auf das Bett zu Hause ist riesengroß, das ersehnte Klingeln vermischt sich mit dem erleichterten Seufzen der Schüler.

Kommentar

an den Schlafentzug gewöhnt! So ist man nachmittags auch ohne Nickerchen guter Dinge, ebenso am Abend und in der Nacht. Irgendwann beschließt man, doch zu schlafen zu gehen, aber da ist es schon zu spät:

Laura Blome Klasse 10

Am Dienstagmorgen wacht man genau mit demselben Problem wieder auf.

Wenn man doch nur einmal in das verhasste "Mittagsschläfchen-Zimmer" geschickt würde... nur noch einmal in einem dieser weichen Minibetten ein Schläfchen halten könnte...

Aber sobald man das Schulgebäude verlässt, ist die Müdigkeit plötzlich verschwunden. Der Körper hat sich nach einigen Stunden tatsächlich

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Interview

Manchmal muss man fragen... "Ich weiß ein Land, dahin mancher gern ziehen möchte, wenn er wüsste, wo es liegt. Dieses schöne Land heißt Schlaraffenland.", so heißt es im Märchen der Gebrüder Grimm. Und wie sieht das Schlaraffenland von Frau Zimmermann-Törne aus? Das haben wir sie ganz einfach mal gefragt... Beschreiben Sie uns ihr persönliches Schlaraffenland!

In meinem Schlaraffenland habe ich ganz viel Zeit, meine Familie und Freunde um mich, frische Erdbeeren und natürlich Schlagsahne, gutes Wetter und Musik zwischen Balkanpop und Kalkbrenner.

Wen würden Sie mit in ihr Schlaraffenland nehmen? Meinen Sohn und meinen Mann.

Thekla Liebmann & Louisa Hutzler Klasse 10

Was wäre auf gar keinen Fall dort zu finden?

Das ist die klassische Feindbildfrage… das ist schwierig. Alle Antonyme aus der ersten Frage. Was ich nicht dabei haben möchte, sind solche TOIToiletten. Stattdessen ein mit Mosaiken gestaltetes LuxusWC mit Sauna und Schwimmbad.

Wie nah ist unsere Welt an Ihrem Schlaraffenland? Na, 91%.

Finden Sie es erstrebenswert in einem solchen zu leben?

Natürlich braucht man die Wolken, um sich über die Sonne zu freuen. Es gibt in der Kunst ein sehr tolles Gemälde von Pieter Bruegel, der ein Schlaraffenland gemalt hat. Wenn man sich in die Bildanalyse begibt, erkennt man, dass all die amüsanten,

sich dem Verzehr darbietenden Lebensmittel und der Faulenzerreigen um eine ruhige, formal leere Bildmitte kreisen. So verweist schon Bruegel (- dem ich mich anzuschließen weiß - ) zentral und dennoch hintergründig darauf, dass ein Leben im Schlaraffenland eigentlich leer ist.

Frau Habermann: "Also schreiben wir jetzt

schön als Überschrift auf ,Nachweis von Herr Bieneck: "Lest mal die Bibel! Sulfat-Ionen'... Tanja: ,Wann haben wir Kann ab und zu ganz unterhaltsam sein." nochmal Ferien?' " Herr Großer: "Ja, naja... nee.. ja..nee, also stimmt, aber das ist nicht der Grund!"

Herr Berger: "Ihr würdet sagen,

meine Vernunft hat gesiegt? Nee! Meine Frau hat gesiegt!" 12

Herr Hägele: "Und hier das Chromosom vom Vati, das mach ich mal blau, der war in der Kneipe."

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Schulintern

Lernst du noch oder liest du schon? Wer kennt das nicht: Das Vergleichen der Hausaufgaben dauert fast die ganze Stunde und danach werden nur längst vergangene, schon lange im Gehirn unter der Kategorie „Müll“ eingestufte Lektionen wiederholt. Du fragst dich: WAS SOLL ICH MACHEN??? Diese Frage kennen wir nur zu gut und haben einige Lösungsvorschläge: 1. Frage deinen Banknachbarn, ob ihn der Unterricht interessiert. Ja? Such dir jemand neuen. Nein? Wunderbar. Klaubt alle eure Stifte zusammen und versucht damit Mikado zu spielen. Gewonnen hat der, der die meisten Stifte hat.

2. Rolle deine Jacke ein wenig zusammen und leg deinen Kopf drauf, sodass du sie als Kopfkissen verwenden kannst (nicht vergessen: Handywecker stellen, es wäre doch schade, die Pause mit Schlafen zu vergeuden).

3. Geh doch mal auf die Toilette. Vielleicht triffst du auf dem Gang rein zufällig den Biolehrer, den du unbedingt noch etwas fragen musst. So geht ganz schön viel Zeit ins Land.

4. Bring dir eine Ladung Papier mit (unseretwegen auch Tests, Klassenarbeiten etc.)

und falte was Schönes draus. Aber bitte nicht in den Schülerzeitungsbriefkasten tun. Besser sieht es aus, wenn man die kleinen, gefalteten Dinge im Biotop wie kleine Boote schwimmen lässt.

5. Denk dir doch irgendeinen lustigen Streich oder Scherz aus. (Für Leute, die viel Zeit und

ein Smartphone haben: www.sybillesstreiche.de.) Die ausgedachten Dinge kannst du spätestens am nächsten 1. April verwenden.

Lisa Marie Pigulla & Carolin Rothmann Klasse 8

6. Stelle dir vor, wie du mit deinen besten Freunden an einem Strand auf einer einsamen Karibikinsel sitzt und male dir aus, was ihr alles so machen würdet...

7. Schmeiße irgendwas runter! Vielleicht einen Blumentopf, den die Klassenlehrerin mal mitgebracht hat oder so was. Das sorgt für Ablenkung und 5 Minuten weniger Unterricht.

8. Sag deinen Mitschülern vor dem Unterricht, dass ihr euren Lehrer so sehr provozieren sollt, dass er schließlich eher Schluss macht (haben wir schon ausprobiert).

9. Schön ist es auch, wenn du sämtliche Gegenstände deiner Federmappe „aus Versehen“ aus dem Fenster wirfst. Aber alles woanders hin.

10. Letzter Tipp (nur für Streber geeignet): Höre zu und beteilige dich am Unterrichtsgeschehen. Wir hoffen, dass euch unsere Tipps etwas genützt haben und wenn die Stunde jetzt noch nicht um ist, probiert doch was davon aus. Vielleicht fällt euch ja auch noch was anderes ein. Was wir nicht empfehlen, sind Körperverletzungen aller Art. Das bringt nur Standpauken und weniger Schule, in der man unsere Tipps ausprobieren kann. Ach ja, die Lehrer sind davon auch nicht soooo angetan. Anmerkung: Wir übernehmen keine Haftung für eventuelle Sachschäden, Misserfolge und bitten euch nicht alle Tipps nachzumachen! ____________________________________________________________________________________ kreuz&quer _________

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Interview

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Vielleicht kann sich der ein oder andere unter euch noch an das Interview ohne Worte mit Herr Ackermann erinnern, welches genau vor einem Jahr in unserer Schülerzeitung erschien.

Sagen Sie jetzt nichts... Zum Thema "Schlaraffenland" musste dieses Mal Herr Leonhardt vor die Kamera und unsere Fragen pantomimisch beantworten, statt wie sonst dem Darstellenden Spiel nur Anweisungen zu geben. Die professionelle Variante von "Sagen Sie jetzt nichts" findet ihr übrigens unter sz-magazin.sueddeutsche.de.

Was halten Sie von der Süßigkeit, die viele Gegner hat Lakritze?

Ihre Meinung zu All-You-Can-Eat?

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Mimen Sie doch bitte ein fliegendes Brathähnchen!

Marlene Woschni Klasse 11

Was ist Sünde?

Lea Grahn Klasse 10

Sind Sie die Biene, die den Honig herstellt oder doch eher der Bär, der ihn klaut? Ein großer Dank geht an Herrn Leonhardt! ____________________________________________________________________________________ kreuz&quer _________

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Reportage

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Alert Bay Home of the Killerwhale Alert Bay ist eine winzige Insel in Kanada neben Vancouver Island und mehr als die Hälfte der Bewohner von Alert Bay gehören einem der 17 Stämme der Kwakwaka´wakw an, meist den Namgis. In der Zeit vom 19.-25.April war ich dort zu Gast bei den kanadischen First Nation (First Nation ist der politisch korrekte Name für Indianer und Inuit).

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iele denken bei dieser Einleitung sicherlich zuerst an den Regenwaldlauf oder den dortigen Urwald. Doch Nordkanada hat einiges mehr zu bieten als nur Holz und Natur. Mein Weg ins Land der Bären führte über die Macht des Schenkens. Nun ja- eigentlich über Amsterdam, aber ohne Potlatch hätte all das gar nicht erst begonnen. Potlatch? Was soll das sein? Der Potlatch ist ein traditionelles Geschenkfest der Kwakwaka´waka, zu Deutsch Kwak´wala sprechenden Stämme, einer Gruppe Indianerstämme an der kanadischen Nordwestküste. Als Anlass gilt zum Beispiel die Geburt des ersten Sohnes oder der Tod eines hochrangigen Verwandten. Der Gastgeber beschenkt dabei alle seine Gäste, um den verstorbenen Verwandten oder das Neugeborene zu ehren. Dabei gilt: Je größer die Geschenke, desto höher der gesellschaftliche Rang des Schenkenden. Früher sollen manche Häuptlinge sogar ihr ganzes Vermögen verschenkt haben. Besonders interessant ist, dass die adligen Herrscher in Europa, 8000 km entfernt von Alert Bay, ganz ähnliche Strukturen entwickelten. Wer anderen Fürsten große Geschenke bieten konnte,

war ein reicher und mächtiger Mann. Eben diese Parallele führte dieses Jahr zu einem Kulturaustausch der besonderen Art zwischen Kanada und Dresden: Dreihundert Jahre alte hölzerne Potlatchmasken trafen auf etwa genauso altes Meißner Porzellan. Die Potlatchmasken wurden während der rituellen Tänze auf dem Potlatch getragen und stellen eine Art Verkleidung dar, mit der die Tänzer die von den Sängern gesungene Geschichte vorspielen. Auf Alert Bay befindet sich das Umista Cultural Center, in welchem zurzeit die Geschenke der sächsischen Herrscher zu sehen sind. Die Ausstellung wurde am Donnerstag den 21. April feierlich eröffnet, und ich war live dabei.

der ganzen Insel stehen Totempfähle, oder sind indianische Symbole und Schnitzereien zu sehen. Alles war faszinierend und schön, aber auf jeden Fall ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Im Sommer wird der 2. Teil des Austausches folgen. Dann kommen 15 kanadische Schüler zu uns nach Dresden und werden unter dem MotKnittel to: „Shorten Distances“ Alert Philipp 12 Klasse 11 Bay und Dresden ein wenig näher zusammenrücken. Wenn auch nicht topografisch, so doch wenigstens kulturell. Ich bin gespannt, welche Eindrücke unsere Gäste von Dresden mit in ihre Heimat nehmen werden.

Die Eröffnungszeremonie war einfach umwerfend. Im „Big House“ der Indianer auf Alert Bay wurden traditionelle Tänze aufgeführt und Lieder auf Kwak´wala gesungen. Der ganze Raum war erfüllt vom Geruch des Feuers, den Trommelschlägen der Sänger und dem fremdartigen Gesang. Aber nicht nur während der Feierlichkeiten konnten wir die alte Kultur erleben. Auf ____________________________________________________________________________________ kreuz&quer _________

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Artikel

X Kaufen,

Kaufen,

Kaufen! 18

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tellt euch bitte einmal die Frage: "Warum gehe ich shoppen?" - Klingt erst mal recht simpel, aber wenn man darüber nachdenkt, kommt man doch ins Stutzen. Häufige Antworten darauf sind: "Zum Zeitvertreib." Und: "Weil es Spaß macht, mit Freunden shoppen zu gehen." Oder: "Weil ich gerade nichts Besseres zu tun habe."

Aber warum müssen wir jede Saison neue Klamotten kaufen, dazu immer die aktuellste Technik haben? Im Grunde brauchen wir sie doch gar nicht! Eine mögliche Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Man möchte anerkannt werden, dazugehören und natürlich gut aussehen. Für viele Leute ist eine Shoppingmall daher das reinste Schlaraffenland. Dazu kommt: Kaufen löst positive Gefühle im Menschen aus, manche geraten dabei sogar in eine Art Ekstase. Was wir kaufen, wird oft nicht durch den Verstand bestimmt, sondern durch Emotionen. Man kauft aus dem Bauch heraus, je nachdem, ob man gut oder schlecht gelaunt ist. Da wird Frust befriedigt, man gönnt sich nach einem Sch...-Tag was Schönes oder belohnt sich für einen Erfolg. Bestes Beispiel: Samstags in der Altmarktgalerie. Völlig überfüllt jagt jeder der neusten Mode hektisch und ganz auf sich selbst konzentriert nach. Die lauten Unterhaltungen von ge-

fühlten tausend Menschen, das Schreien kleiner Kinder oder die Telefongespräche darüber, wo man sich gerade aufhält, scheint keiner mehr wahrzunehmen. Ganz zu schweigen davon, dass aus eher bequemen Menschen plötzlich "Jäger" werden. Wie ist es sonst zu erklären, dass sie fünf oder sechs Stunden durchshoppen und von einem Geschäft ins Nächste hetzen? Es scheint hier also eine Menge „positive“ Gefühle zu geben…

Jil Birgel Klasse 9

Was ist aber, wenn aus dem gelegentlichen Einkaufsbummel zwanghaftes "Dauershoppen" wird? Aus dem Zusammenspiel von Ekstase und Emotion kann sich schnell ein "Kaufrausch", eine Kaufsucht entwickeln. Das Motto "Nicht brauchen, sondern besitzen" ist die Regel. Und für einige heißt es, dass sie sich mit ihrem abnormen Konsumverhalten auf dem schmalen Grat zwischen Vergnügen und Sucht bewegen. Das Schlaraffenland wird zum Teufelskreis, aus dem schwer wieder herauszukommen ist. Heute scheint es wichtig, hip, angesagt, gut gekleidet, schlicht "cool" zu sein. Und möglichst oft „positive“ Gefühle zu erleben – eben auch beim Shoppen. Dies hinterfragen natürlich nur wenige Menschen, denn was die breite Masse tut, gilt ja als normal. Oft aber ist weniger mehr.

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Reportage

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Arbeitsplatz Schlaraffenland?

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ie jeden Morgen gegen halb zehn stehe ich voller Hunger und Appetit vor einer enormen Auswahl an Süßigkeiten und anderen leckeren Dingen und kann mich kaum entscheiden, welche ich mir heute schmecken lassen möchte. Am Ende greife ich zu meinem Favoriten, dem größten Schokocroissant und bringe es zur Kasse. Es ist noch frisch und hier unten in der Cafeteria umgibt mich ein schwerer Duft von warmen Gebäcken, so dass sich bei mir ein allgemeines Wohlbehagen einstellt.

Anna Rothmann Klasse 11

Es ist noch nicht allzu lange her, als wir zum ersten Mal die neue Schule mit unseren eigenen Augen betrachten und die weißen Wände mit unseren eigenen Händen fühlen konnten. In der Luft hing der Geruch nach Farbe, die letzten Spuren der Arbeiten waren noch zu sehen. Es war wie im Traum, nie hätten wir gedacht, dass die Schule so schön werden könnte! Seit der Renovierung genießen wir nun auch den freundlichen Dienst des Studentenwerks, welches uns mit abwechslungsreichen und leckeren Angeboten verwöhnt. Täglich wird warmes Mittagessen in zwei Varianten angeboten. Zusätzlich können wir uns an reich gefüllten S��ßigkeitenregalen, einer Getränketheke sowie einer kalten Theke mit belegten

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Brötchen, Gebäck, Pizza, Hotdogs und so weiter erfreuen. Ist das nicht ein wahres Schlaraffenland?

Doch wie sieht es hinter den Kulissen aus? Wer stellt das Angebot zusammen, woher kommen die Croissants, wird hier überhaupt selbst gekocht? Und warum kosten die Süßigkeiten nicht genauso viel wie im Laden? Wie wird es möglich gemacht, dass wir spontan auswählen können, was wir heute essen wollen und nicht wie früher vorbestellen und umständlich mit Essensmarken hantieren müssen? Das und mehr habe ich in einem Interview mit Frau Edelmann erfragt und einige erstaunliche, wissenswerte Dinge erfahren. Der Essensanbieter Studentenwerk betreibt aktuell zwölf Mensen in Dresden.

Chefverwalter ist Udo Lehmann, der zum Beispiel die Personalbesetzung regelt. Jede einzelne Mensa hat zusätz-

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lich einen eigenen Mensaleiter, der die dortigen Handlungsabläufe plant und die Organisation dirigiert. Unter ihm steht der Küchenleiter, der an der Spitze des Küchenteams steht, mit dem er sich den Speiseplan für die nächsten sechs Wochen ausdenkt. Die nötige Ware muss schon vier Wochen im Voraus bestellt werden. „Was gegessen wird, wie viel - alles muss kalkuliert und ausgerechnet werden“, stellt Frau Edelmann heraus. Natürlich ist es da nur nützlich, dass die Verwaltung Zugriff auf den Jahresplan unserer Schule hat, in dem eingezeichnet ist, wann welche Klasse unterwegs und welcher Tag Hausarbeitstag ist. Wenn es spontane Änderungen gibt, steht als Verbindungsmann Herr Lüders unten in der Küche und gibt Bescheid. „Das Problem bei der Kalkulation ist, dass nicht immer so viel gegessen wird, wie wir uns gedacht haben. Besonders am Anfang, als wir noch keine Erfahrung hatten, was die Schüler essen und was nicht, war es schwierig“, klagt die Chefin. Um keine Verluste einzustecken, dürfte man am Tag nicht mehr als 10 % des bestellten Essens wegwerfen – was nicht immer gelingt. Als Lieblingsessen der Schüler haben sich herausgestellt -


wie zu erwarten war - Nudeln in allen Farben und Varianten (auch Lasagne) und natürlich Eierkuchen und anderer Süßkram…

In unserer Mensa sorgen zwei Chefköche und mehrere Hilfskräfte für die Zubereitung, die Essensausgabe, die Sauberkeit und die Kasse. Dabei ist die Organisation der Mahlzeiten durchaus keine leichte Aufgabe, denn zu Beginn der Mittagszeit muss warmes, fertig zubereitetes Essen da sein und die Wartezeit der Schüler durch genügend Personal möglichst verkürzt werden. Dazu werden am Standort Blasewitzer Straße, im Mensaklinikum, 1500 Portionen pro Tag frisch gekocht. Davon gehen 1000 Portionen ans eigene Haus, 300 Portionen kommen ins Kreuzgymnasium und 200 Portionen an die Paluccaschule. Auf diese Weise kann dem ersten An-

sturm in unserer Cafeteria warmes Essen geboten werden. Der Rest, welcher kalt geliefert wird, wird dann in der eigenen Küche regeneriert: „Das Fleisch wird vom Fleischer jeden Tag frisch geliefert und die Tiefkühlkost im Großhandel zwischengelagert und in der Küche frisch zubereitet“, bestätigt die gelernte Köchin.

D och wie sieht es hinter

den Kulissen aus? Wer stellt das Angebot zusammen, woher kommen die Croissants, wird hier überhaupt selbst gekocht?

Um die Transport- und Gehälterkosten und was sonst noch anfällt, abdecken zu können, wird ein kleiner Aufschlag auf die Süßigkeiten und alle andere Markenlebensmittel erhoben.

Inzwischen bin ich an der Kasse angekommen und kann ohne Umstände meine „lieber mensen gehen“ – Karte auflegen. Mein Blick hängt an meinem Croissant, welches unter allem Gebäck das schönste ist, und so langsam werde ich ungeduldig. Dann, endlich, ist der Kaufakt beendet und ich kann die knusprige Hülle durchbrechen und in Ruhe mein süß und angenehm nach Schokolade duftendes Croissant genießen.

An sich können wir auch nur von Glück reden, so einen

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wohlorganisierten, qualitativen, angebotsreichen, freundlichen Essensanbieter zu haben. Wie im Schlaraffenland.

ein allgemeines Wohlbehagen einstellt.

Es ist noch nicht allzu lange her, als wir zum ersten Mal die Wie im Schlaraffenland? Was neue Schule mit unseren eigemeint die Schülerschaft? Hier nen Augen betrachten und die ein aktuell geführtes Voweißen Wände mit unseren eitum:Wie jeden Morgen gegen genen Händen fühlen konnten. halb zehn stehe ich voller Hun- In der Luft hing der Geruch ger und Appetit vor einer enor- nach Farbe, die letzten Spuren der Arbeiten waren noch zu semen Auswahl an Süßigkeiten hen. Es war wie im Traum, nie und anderen leckeren Dingen und kann mich kaum entschei- hätten wir gedacht, dass die Schule so schön werden könnden, welche ich mir heute te! schmecken lassen möchte. Am Ende greife ich zu meinem Favoriten, dem

größten Schokocroissant und bringe es zur Kasse. Es ist noch frisch und hier unten in der Cafeteria umgibt mich ein schwerer Duft von warmen Gebäcken, so dass sich bei mir 22

Seit der Renovierung genießen wir nun auch den freundlichen Dienst des Studentenwerks, welches uns mit abwechslungsreichen und leckeren Angeboten verwöhnt. Täglich wird

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warmes Mittagessen in zwei Varianten angeboten. Zusätzlich können wir uns an reich gefüllten Süßigkeitenregalen, einer Getränketheke sowie einer kalten Theke mit belegten Brötchen, Gebäck, Pizza, Hotdogs und so weiter erfreuen. Ist das nicht ein wahres Schlaraffenland?

Doch wie sieht es hinter den Kulissen aus? Wer stellt das Angebot zusammen, woher kommen die Croissants, wird hier überhaupt selbst gekocht? Und warum kosten die Süßigkeiten nicht genauso viel wie im Laden? Wie wird es möglich gemacht, dass wir spontan auswählen können, was wir

heute essen wollen und nicht wie früher vorbestellen und umständlich mit Essensmarken hantieren müssen? Das und mehr habe ich in einem Interview mit Frau Edelmann erfragt und einige erstaunliche, wissenswerte Dinge erfahren.


be, denn zu Beginn der Mittagszeit muss warmes, fertig zubereitetes Essen da sein und die Wartezeit der Schüler durch genügend Personal möglichst verkürzt werden. Dazu werden am Standort Blasewitzer Straße, im Mensaklinikum, 1500 Portionen pro Tag frisch gekocht. Davon gehen 1000 Portionen ans eigene Haus, 300 Unter ihm steht der Küchenlei- Portionen kommen ins Kreuzgymnasium und 200 Portionen ter, der an der Spitze des Küan die Paluccaschule. Auf diese chenteams steht, mit dem er Weise kann dem ersten Ansich den Speiseplan für die sturm in unserer Cafeteria warnächsten sechs Wochen ausmes Essen geboten werden. denkt. Die nötige Ware muss Der Rest, welcher kalt geliefert schon vier Wochen im Voraus bestellt werden. „Was gegessen wird, wird dann in der eigenen wird, wie viel - alles muss kalku- Küche regeneriert: „Das Fleisch wird vom Fleischer jeliert und ausgerechnet werden Tag frisch geliefert und die den“, stellt Frau Edelmann Tiefkühlkost im Großhandel heraus. Natürlich ist es da nur zwischengelagert und in der nützlich, dass die Verwaltung Zugriff auf den Jahresplan unse- Küche frisch zubereitet“, bestätigt die gelernte Köchin. rer Schule hat, in dem eingeUm die Transport- und Gehälzeichnet ist, wann welche terkosten und was sonst noch Klasse unterwegs und welcher anfällt, abdecken zu können, Tag Hausarbeitstag ist. Wenn wird ein kleiner Aufschlag auf es spontane Änderungen gibt, die Süßigkeiten und alle andesteht als Verbindungsmann re Markenlebensmittel erhoHerr Lüders unten in der Küche und gibt Bescheid. „Das ben. Problem bei der Kalkulation ist, dass nicht immer so viel ge- Inzwischen bin ich an der Kasgessen wird, wie wir uns gese angekommen und kann ohdacht haben. Besonders am ne Umstände meine „lieber Anfang, als wir noch keine Ermensen gehen“ – Karte auflefahrung hatten, was die Schügen. Mein Blick hängt an meiler essen und was nicht, war es nem Croissant, welches unter schwierig“, klagt die Chefin. allem Gebäck das schönste ist, Um keine Verluste einzusteund so langsam werde ich ungecken, dürfte man am Tag nicht duldig. Dann, endlich, ist der mehr als 10 % des bestellten Es- Kaufakt beendet und ich kann sens wegwerfen – was nicht im- die knusprige Hülle durchbremer gelingt. Als Lieblingsessen chen und in Ruhe mein süß der Schüler haben sich heraus- und angenehm nach Schokolagestellt - wie zu erwarten war - de duftendes Croissant genieNudeln in allen Farben und Va- ßen. rianten (auch Lasagne) und natürlich Eierkuchen und An sich können wir auch nur anderer Süßkram… von Glück reden, so einen wohlorganisierten, qualitativen, anIn unserer Mensa sorgen zwei gebotsreichen, freundlichen Chefköche und mehrere HilfsEssensanbieter zu haben. Wie kräfte für die Zubereitung, die im Schlaraffenland. Essensausgabe, die Sauberkeit und die Kasse. Dabei ist die Or- Wie im Schlaraffenland? Was ganisation der Mahlzeiten meint die Schülerschaft? Hier durchaus keine leichte Aufgaein aktuell geführtes Votum:

Der Essensanbieter Studentenwerk betreibt aktuell zwölf Mensen in Dresden. Chefverwalter ist Udo Lehmann, der zum Beispiel die Personalbesetzung regelt. Jede einzelne Mensa hat zusätzlich einen eigenen Mensaleiter, der die dortigen Handlungsabläufe plant und die Organisation dirigiert.

„...von sehr vielen Seiten ein ganz großes Lob an unsere netten Küchenfrauen...!“

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Hauptessen

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Snacks usw.

Eine Lehrerin, die in dieser Statistik nicht erwähnt werden möchte, ist dennoch voller Begeisterung über unser neues Schulessen, wenn sie an unseren alten Anbieter zurückdenkt.

zu spät, in der 7. Stunde, schon vollkommen ausverkauft. Weiterhin wünschen sich einige Schüler mehr Tische und Stühle, da es gerade in den Hauptzeiten doch schon recht eng zu geht.

Weitere Bemerkungen sind im Rahmen dieser Umfrage auch gefallen, so wünschen sich viele Schüler eine bessere Aufteilung der Angebote, vor allem zeitlich. Oft sei das Essen, kommt man nur ein paar Minuten

Man soll jedoch die positiven Punkte nicht vergessen, und da geht von sehr vielen Seiten ein ganz großes Lob an unsere netten Küchenfrauen hervor! Des Weiteren kam die Beschwerde

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auf, die Portionen würden in letzter Zeit immer kleiner und oft auch ungenießbarer werden. Auch seien die Salate manchmal zu scharf, so eine Schülerin der Unterstufe. Ein Schüler möchte hier gerne noch namentlich erwähnt werden, Friedrich aus der 11. Klasse ist Vegetarier und teilte mir im Rahmen dieser Umfrage mit, dass „Vegetarisches Essen oft eklig und zu wenig“ wäre. Ludwig Müller Klasse 11


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Reportage

X A

lle drei Sekunden verhungert auf der Erde ein Mensch. Das macht im Jahr ca. 8,8 Millionen. Diese erschreckenden Zahlen entstehen nicht, weil es nicht genug Essen gibt. In Deutschland, wie auch in allen anderen großen Industriestaaten, landet ungefähr die Hälfte unserer Lebensmittel im Müll. Daran sind nicht nur die vollen Teller, die in der Kantine unberührt stehen gelassen werden, schuld. Der Großteil dieses Essens war noch nicht einmal auf dem Tisch, bevor

Jonas Schlimbach Klasse 11

Essen aus dem Müll es weggeschmissen wurde. Vieles wird wegen kleinen Produktions- oder Schönheitsfehlern direkt vom Hersteller in die Tonne befördert. Aber keine Container sind so voll mit essbarer Nahrung wie die, die hinter jeder Supermarktfiliale stehen. Denn eine Filiale produziert täglich etwa 45 kg essbaren „Müll“. Jede Banane mit kleinen braunen Flecken, jeder Joghurt, der sein Haltbarkeitsdatum erreicht hat, jede Müslipackung, deren Karton eine eingeknickte Ecke aufweist, jedes Orangennetz, in dem auch

nur eine bräunliche Orange zu finden ist und jede Nudelsorte, die nur noch selten vorhanden ist und sich somit nicht gut im Regal macht, wird geradewegs in den Müll geschmissen. In unserer Welt des Überflusses wird einem in jedem Supermarkt die volle Auswahl geboten. Allein in Deutschland sind 100

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verschiedene Joghurtsorten erhältlich. Dass dieses riesige Angebot nicht verkauft werden kann, liegt auf der Hand. Ein gewisses Maß an zusätzlichem Essen, das nicht verkauft wird, ist also einkalkuliert und wird somit vom Käufer schon mitbezahlt. Die Ausmaße dieser Nahrungsmittelvernichtung wird einem erst beim so genannten „Containern“ im vollen Ausmaß bewusst. „Containern“, oder auch „Dumpstern“ genannt, bedeutet, dass man zu eben diesen Mülleimern geht, das noch genießbare Essen raus nimmt und sich so gut wie möglich davon ernährt. Das wird meistens praktiziert, um durch einen kleinen Protest auf diesen dekadenten Umgang mit Nahrung aufmerksam zu machen anstatt wirklich aus finanzieller Not. Um diesen Missstand öffentlich zu machen und zugleich einen Nutzen aus dem vielen Essen zu ziehen, wurde im Jahr 2005 eine Containerbar eingerichtet. Die Betreiber gehen einmal in der Woche containern und die Ausbeute kann dann kostenlos oder gegen Spende mitgenommen werden. In vielen anderen Städten gibt es Tauschbörsen, in denen man mit anderen Leuten das Containerte tauschen kann. Das ist nötig, da man meistens eine große Menge von einigen wenigen Produkten findet, aber keine große Auswahl hat.


Eigentlich könnte jede Mülltonne ein Paradies sein, randvoll mit kostenlosen Lebensmitteln. Das Problem ist der erbitterte Kampf der Supermärkte, dass ihr „Müll“ auch wirklich Müll bleibt. Dabei werden verschiedene Versuche unternommen, das Containern möglichst schwer zu machen. Angefangen bei eingezäunten Tonnen geht es über bewusst geöffnete Joghurtpackungen, die dann über die Lebensmittel gegossen werden und es endet bei Chemikalien, wie z. B. Fit, durch die das Essen ungenießbar gemacht wird. Der Grund für diese ganze Arbeit ist simpel und erschreckend zugleich: Jedes Nahrungsmittel, das kostenlos mitgenommen wird, wird nicht gekauft. Das bedeutet, die Kaufkraft würde

geringer ausfallen, was weniger Profit für den Supermarkt zur Folge hätte. Deswegen wird das Essen auch nicht an Institutionen wie die Dresdner Tafel gespendet. Ein weiterer Faktor, der das Containern erschwert, ist, dass es sich am Rande der Legalität bewegt, denn es ist Diebstahl, den Müll von anderen Menschen zu klauen. Allerdings besagt §248a der Strafgesetzbuches, dass der Diebstahl geringwertiger Sachen nur auf Antrag oder wenn ein besonderes öffentliches Interesse besteht, verfolgt wird. Erst vor wenigen Monaten wurde in Döbeln wieder ein Verfahren eingestellt, bei dem zwei Menschen des Containerns angeklagt wurden. Dies ist meistens das Ergebnis einer solchen Gerichtsverhand-

lung. Das Containern hört bei Lebensmitteln nicht auf. In New York wurden kürzlich in der Nähe eines H&M-Geschäftes Säcke voller ungetragener Klamotten gefunden, weil sie laut der Geschäftsleitung bestimmten Qualitätsnormen nicht entsprochen hatten. Der Umgang mit Essen und anderen Produkten folgt in unserer reichen Welt einer absurden Logik, die umso schrecklicher erscheint, wenn man bedenkt, dass während du diesen Artikel gelesen hast, wieder ungefähr 40 Menschen an zu wenig Nahrung gestorben sind.

Frau Habermann: "Das ist

Kaliumcarbonat, er ist mein Freund. Hey, man muss auch Freunde haben!"

Frau Zimmermann - Törne:

"Die Kommunisten sind links, die sind im Osten - links!"

Herr Hägele: "Da ist das Kind

rot-grün-blind und spinnenfingrig. Da haste 'nen Zombie."

Herr Ilmer zu Frau Habermann: "Dann geh doch nach Hause, leg'

dich aufs Sofa und werd' FETT!" (verlässt Türe knallend den Raum) Frau Habermann: "Ist er nicht toll? Mein TRAUMmann!"

Frau Mehnert: "Die Elbe ist ein Jungbrunnen - ein Schluck, und du wirst nie alt!"

Herr Küfner: "Wie Sie sehen,

sehen Sie nichts, und warum Sie nichts sehen, sehen Sie gleich." 

Frau Scheuermann: "Dissen, das war doch in die Disco gehen, oder?"

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Reportage

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Traubenzucker und Insulin für Pumpis und Penner

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en ersten Satz, den ich zu hören bekomme, wenn ich mit dem Messgerät und der Stechhilfe meinen Blutzucker messe, ist folgender: „Mensch, Caro, tut das nicht weh?“ Vor 6 Jahren, als bei mir Diabetes diagnostiziert wurde, habe ich mich bei dieser Frage aufgeregt. Wenn es wirklich schmerzhaft wäre, dann würde ich auch so aussehen und hätte das Gesicht krampfartig verzogen. Heute antworte ich nur noch mit einem Lächeln: „Nein, möchtest du mal ausprobieren?“ Von der Nadel abgeschreckt, die ich in meiner Hand halte, geben sich die meisten dann doch mit dem ersten Teilsatz meiner Antwort zufrieden und ignorieren den zweiten. So ist es mir eigentlich ganz Recht. Diabetes Typ 1 ist eine Erbkrankheit, hat also weniger mit der fälschlichen Annahme zu tun, dass man zu viele Süßigkeiten gegessen hat. Obwohl das natürlich ein wundervolles Druckmittel der Eltern ist, damit das pubertierende Kind weniger Eis bei Café Lösch isst... diese Krankheit heißt Diabetes Typ 2 oder Altersdiabetes. Typ1-Diabetiker dürfen deshalb alles essen, müssen aber entsprechend viel Insulin spritzen, um das Essen im Körper verbrennen und in Energie umwandeln zu können. - Das, was der Körper von „gesunden“ Menschen

automatisch tut. Um diese Prozesse zu überprüfen, misst ein Diabetiker vor jeder Mahlzeit seinen Blutzucker und regelt danach mit einem Spritzplan, den er mit dem behandelnden Arzt erstellt hat, seine abzugebenden Insulineinheiten. Viele spritzen ihr Insulin mit dem Pen. Das ist

„Mensch, Caro, tut das nicht weh?“ so eine Spritze, die aussieht, wie ein überdimensionaler Füller, der anstatt einer Schreibfeder eine Nadel von 8mm besitzt. In der „Diabetesfachsprache“ werden diese Menschen Penner genannt. Ich spritze mit einer Insulinpumpe – einem Gerät, das durch einen Schlauch und eine Nadel an meinem Körper befestigt ist. Damit bin ich fein raus, ich bin ein Pumpi. Wenn ich Leuten erzähle, dass ich die Pumpe den ganzen Tag tragen muss, betrachten mich ungläubige Blicke: „Was, auch in der Nacht? Liegst du dann auf einer Nadel?“ Bei diesen Fragen überfällt mich erst einmal nicht die Wut – ich freue mich eher, dass Jugendliche in unserem Alter noch nicht verlernt haben, logische Schlüsse zu ziehen. „Ja, auch in der Nacht – immer! Die Nadel stört dabei nicht, die ist ja im Körper.“ Die ungläubigen Blicke verschwinden nicht sofort, aber dagegen kann ich auch nichts tun.Das Erklären fällt einem immer schwer,

wenn man nicht genau beschreiben kann. Kommen wir zurück zum Essen: Vielleicht habt ihr schon einmal einen Diabetiker gesehen, der nicht etwa genüsslich, nein, zwanghaft tafelweise Traubenzucker in sich hinein schaufelt. Da denkt man sich doch: „Warum hetzt der so? Der kann froh sein, dass er immer etwas dabei hat und überall essen darf!“ Das stimmt gewissermaßen schon, jedoch muss man bedenken, dass ein Diabetiker nicht aus Spaß Traubenzucker isst. Es ist wichtig, dass er den Blutzucker versucht, konstant zu halten. Dafür gibt es Richtlinien: 5 bis 8 mmol/l (Millimol pro Liter – fragt mal euren Chemielehrer!) Zucker im Blut ist Normalbereich. Wenn der Wert beim Blutzucker messen zu hoch ist, muss gespritzt werden, wenn der Wert zu niedrig ist, muss man Traubenzucker essen, sonst geht es dem Körper nicht gut. Das ist auch der Grund, warum die Regel „im Unterricht nichts essen und trinken“ bei Diabetikern etwas gelockert wird. So. Nach diesen ganzen Eindrücken sagen sich die meisten: „Schön, dass mir so etwas nicht passiert!“ Dazu kann ich nur sagen: „Stimmt schon.“ Aber ich glaube, dass der Diabetes nur wenige Einschränkungen im Alltag beschert, außerdem lernt man ein bisschen mehr Selbstdisziplin und... man darf im Unterricht vor den anderen eifersüchtigen Blicken Traubenzucker essen. Carolina Kanig Klasse 9

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X

X

Bericht

Wen interessiert schon, wer ich bin? keiner tiefer sehen konnte, jeder nur die Oberfläche streifte, fing ich an so zu sein, wie man es von mir erwartete. Aber gleichzeitig begann ich auch, mich hinter dieser Fassade zu verbergen. Ich wurde einsam. Keiner kannte mich gut genug, um zu bemerken, dass ich mich versteckte. Und mit jemandem reden wollte ich auch nicht. Dies waren wahrscheinlich die Grundlagen für meine späteren Probleme.

F

rüher, als ich noch klein war, wollte mich niemand so sehen, wie ich wirklich war. Jeder nahm nur meine äußere Schale wahr, fest und undurchdringbar für Gefühle. Ich erweckte den Eindruck, als ob nichts und niemand mir etwas anhaben könnte. Doch das war nur Schein. Da

Auch nach meiner Kindheit wurde es nicht besser. Nachdem ich schließlich eine Familie gegründet hatte, hielt ich das Schweigen und Rollenspielen nicht mehr aus. Andererseits wollte ich stark sein. Und so begann ich, mein Problem mit Drogen herunterzuschlucken. Mein innerer Konflikt schien durch sie gelöst und ich kam endlich zur Ruhe. Doch ich betrog mich nur selbst. Natürlich lösten die Drogen nicht meine Pro-

bleme. Sie vermehrten sie - und ich tat Dinge, die mir zweimal fast mein Leben nahmen. Außerdem verletzte ich die Menschen, die ich liebte. Die Droge beherrschte mich. Irgendwann fand ich jemand, der mich sah, wie ich war. Nun muss ich nicht mehr nach einer solchen Person suchen, sondern nach mir selbst. Denn die Droge zerstörte mein Ich. Ich hoffe, dass die Menschen, die ich verletzt habe, mir verzeihen können. Inzwischen bin ich seit einiger Zeit clean und lerne zu „reden“. Aber mit manchen, wie meinen Eltern, kann ich nicht mehr reden, weil sie gestorben sind. Die Zeit, die mir die Drogen nahmen und ich nicht „redete“, kann mir nicht zurückgegeben werden. Ich werde das nie vergessen können. Das Leben ist zu kurz und zu schön, als es mit Drogen zu verderben.

Friederike Sager Klasse 8 Nach dem Erfahrungsbericht eines Abhängigen.

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Reportage

Jonas Schlimbach Klasse 11

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Was tun, wenn man erst 9 Uhr in die Schule will.

it Anfang des nächsten Schuljahres tritt die neue Schulordnung des Evangelischen Kreuzgymnasiums in Kraft. Die Schulordnung ist sozusagen die Verfassung der Schule. Neben allgemeinen Bestimmungen zum Auftrag der Schule, den Gründen, aus denen man von der Schule fliegen kann, dem Recht eine SchülerInnenzeitung zu gründen und weiteren grundlegenden Regelungen, ist darin auch erklärt, welche Organe der Schule welche Entscheidungsgewalt haben. Allerdings gilt die Schulordnung lediglich als Verhaltenskodex und somit sind die Beteiligten nicht zwingend zu ihrer Einhaltung verpflichtet.

Doch wie groß sind die neuen Chancen für SchülerInnen tatsächlich? Nehmen wir ein Gedankenexperiment vor und folgen wir dem Weg einer Idee durch die verschiedenen Instanzen, bis sie schließlich beschlossen wird. Angenommen ein Schüler kommt auf die Idee, dass der Schulbeginn um 8 Uhr ganz schön zeitig ist und möchte daher versuchen durchzusetzen, dass der Unterricht einfach eine Stunde später anfängt.

Die für die SchülerInnen wohl wichtigste Neuerung ist die Umstrukturierung der Schulkonferenz, dem gemeinsamen Organ von LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern. Zur Zeit setzt sich diese noch aus sechs Lehrkräften, drei Mitgliedern der SchülerInnenvertretung, drei Mitgliedern des Elternrates und der Schulleiterin zusammen. In der neuen Schulordnung wird jedoch eine Gleichberechtigung angestrebt, was bedeutet, dass die Anzahl der LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern gleich ist. Das eröffnet natürlich einige neue Möglichkeiten der Mitbestimmung für diejenigen, die am meisten von den dort gefällten Beschlüssen zu spüren kriegen.

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Die SchülerInnenvertretung Der erste Schritt wäre zunächst zur SchülerInnenvertretung zu gehen und dort den Vorschlag zu unterbreiten. Denn wie in § 37 Absatz 1 steht: „Die Schülervertretung dient der Wahrnehmung von Interessen der Schülerinnen und Schüler.“ Immer am Anfang des Schuljahres finden sich alle vorher gewählten Klassenund KurssprecherInnen im SchülerInnenrat zusammen und wählen dort ein bis zu


sechsköpfiges SprecherInnenteam. Außerdem werden vier SchülerInnen gewählt, die ständige Mitglieder der Schulkonferenz sind. Zur Zeit wird das vom SprecherInnenteam gestellt, was aber nach der neuen Schulordnung nicht mehr notwendig ist. Wenn die Idee des späteren Unterrichtsbeginns hier gut aufgenommen wird, dann wird sie in die LehrerInnenkonferenz weitergeleitet, denn auch wenn die Schul konferenz das gemeinsame Gremium ist, so ist die LehrerInnenkonferenz immer noch das leitende Organ. Die LehrerInnenkonferenz Sie setzt sich aus der Schulleiterin, die zugleich den Vorsitz inne hat, allen Lehrkräften, die mindestens sechs Wochenstunden Unterricht erteilen und den ReferendarInnen, die im 2. Jahr ihres Vorbereitungsdienstes sind, zusammen. Außerdem können Vertreter des Schulträgers, des Elternvorstandes und der SchülerInnenvertretung als Gäste ohne Stimmrecht geladen werden. Die LehrerInnenkonferenz tritt mindesten vier Mal im Jahr zusammen und „berät und beschließt über alle wichtigen Angelegenheiten der Schule.“ (§ 27 Absatz 1) Die Schulkonferenz Sollte die LehrerInnenkonferenz beschließen, dass es wirklich ganz gut wäre, wenn alle eine Stunde länger schlafen könnten, dann wird der Vorschlag weiter ge-

geben in die Schulkonferenz, denn nicht alle Entscheidungen können von der Lehrerschaft der Schule einfach durchgesetzt werden. Beschlüsse, die das Leitbild der Schule, die Einführung eines Ganztagsangebot, die Hausordnung, den täglichen Unterrichtsbeginn und vieles mehr betreffen, müssen von der Schulkonferenz zunächst abgesegnet werden. Die Schulkonferenz besteht nach der neuen Schulordnung aus vier LehrerInnen, vier SchülerInnen, vier Eltern und der Schulleiterin, die zugleich Vorsitzende ist. Mindestens einmal im Jahr wird sie einberufen, um für die Beschlüsse der LehrerInnenkonferenz Einverständnis oder Ablehnung zu bekunden. Sollte es dazu kommen, dass das Einverständnis verweigert wird, die LehrerInnenkonferenz an ihrem Beschluss aber festhält, dann muss sich die Schulkonferenz erneut damit befassen. Sollte es immer noch zu keiner Einigung kommen, dann kann die Schulleiterin die Entscheidung beim Schulträger einholen und somit die einzige Mitbestimmungsplattform der Schülerschaft übergehen. Da es aber unwahrscheinlich ist, dass die SchülerInnenvertretung gegen einen Beschluss stimmt, den sie selbst eingebracht hat, wir der spätere Unterrichtsbeginn, ist sie erst einmal durch die LehrerInnenkonferenz, wahrscheinlich auch durch die Schulkonferenz kommen. Damit wäre die Idee des Schülers beschlossen und könnte in Kraft treten. Inwiefern eine solche Regelung sinnvoll wäre, sei dahingestellt. Fakt ist aber, dass

SchülerInnen, obwohl sie in den wichtigsten Gremien, wie zum Beispiel in der LehrerInnenkonferenz, nicht vertreten sind, gewisse, wenn auch geringe, Möglichkeiten der Mitbestimmung haben. Diese werden allerdings kaum genutzt und so stellt sich auch niemand die Frage, ob sie weiter ausgebaut werden sollten. Über die ganze Schulpolitik solltet ihr aber nicht vergessen euren Lehrer oder eure Lehrerin mal wieder darauf hinzuweisen, dass er oder sie mit euch mehr spielen und feiern soll im Unterricht, denn nach § 3 Absatz 2 der neuen Schulordnung besteht Unterricht aus „voneinander lernen und miteinander leben in Arbeit, Feier und Spiel.“

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Nachruf

X

Der Rauswurf

10 Gr체nde, warum wir froh sind, diese beiden bekannten Mitarbeiter von kreuz&quer loszuwerden:

- Nie mehr E-Mails oder Anrufe beinahe rund um die Uhr, - Nie mehr Leute, die sich mit (fast) allem auskennen, - Nie mehr Sticheleien und ablenkendes Gel채chter bei gemeinsamen Treffen, - Nie mehr Leute, die vieles in die eigene Hand nehmen, 32

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- Nie mehr kreative Ideen, die wir dann auch noch umsetzen konnten, - Nie mehr hohe Ansprüche, - Nie mehr brandheiße Insiderinformationen, - Nie mehr Kompetenzgerangel und unerschütterliche Zeichnungen: Hartnäckigkeit, Flora Halbert Klasse 10 - Nie mehr Pizza Hawai und Funghi , - Nie mehr Regeln brechen.

Schade eigentlich!

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Impressum Herausgeber:

Evangelisches Kreuzgymnasium c/o Schülerzeitung kreuz&quer Dornblüthstraße 4 01277 Dresden

Bildrechte:

Abbildungen von pixelio.de (redaktionelle Lizenzen liegen vor) und können auf Verlangen vorgelegt werden.

Autorenfotos: Rechte bei den jeweiligen Personen

Chefredaktion Frida Stein Clara Gerhardt Guntram Bieneck V.i.s.d.P

Anzeigen (nach aktueller Anzeigenpreisliste vom 01.10.2010): Martens&Werner (S.2) Bäckerei Eisold (S.21) Kulilernzentrum (S.25) TU Freiberg (S. 25) Schoolads (S.35) Ostsächsische Sparkasse Dresden (S.36) Wir bitten um freundliche Beachtung.

Druckerei: Printpoint Digital, Dresden Auflagenzahl: 250 Stück Heftpreis: 1,00 € | Lehrer 1,50 € Redaktionsschluss: 29.06. 201 1 Lob, Kritik und Anregungen sowie neue Mitarbeiter (auch auf sporadischer Basis) sind uns jederzeit willkommen. Eine Mitteilung in unserem Briefkasten in der Caféteria genügt!

Finanzierung Nam Nyguen Clara Gerhardt Tilmann Sager Alfons Schlizio

Layout Lea Grahn Frida Stein Nam Nyguen Hannah Siedel Jakob Steinfeldt

Ihr findet uns auch online unter www.angekreuzt.wordpress.com, wo ihr Kommentare abgeben könnt.

Technische Beratung Jakob Steinfeldt

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kreuz&quer Sommer 2011