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PrivatVorstellung INTERNATIONALES AMATEURFILMFESTIVAL 12.–15. November 2015

Eine Veranstaltung der Kinothek Asta Nielsen e.V. in Zusammenarbeit mit Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt am Main

KI NOTHEK ASTANIELSEN


Privat-Vorstellung Internationales Amateurfilmfestival 12.–15. November 2015

Das Festival ist der Erinnerung an Siegfried Mattl (1954–2015) gewidmet.

Gefördert mit Mitteln der Hessischen Filmförderung maecenia Frankfurter Stiftung für Frauen in Wissenschaft und Kunst Mit freundlicher Unterstützung Moving MENA. Ein Projekt des Goethe-Instituts, gefördert durch das Auswärtige Amt


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PRIVAT-VORSTELLUNG Der Amateurfilm ist ein weites Feld – für Archivierung, für Forschung, für Geschichtsschreibung und gegenwärtige Aufführungspraxen. Die digitale Technik spielt für all diese Arten der Popularität eine wichtige, wenn nicht maßgebende Rolle. Aus der Celluloid-Epoche des Familienfilms sind uns die männlichen Amateure geläufiger als die Amateurinnen. Frauen, die die Kamera in die Hand nahmen, haben in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem als Werbeträger fungiert, nicht zuletzt, um zu suggerieren, wie kinderleicht der Schmalfilm handhabbar sei. Auf dem Festival soll die Celluloid-Technik und -Ästhetik des Amateurfilms noch einmal zum Leuchten kommen und ebenso die Beteiligung von Frauen ins Licht gerückt werden. Dank der Freundinnen und Freunde aus den Archiven – öffentlichen und privaten – setzt unser Festival die Amateurin in Szene – in die home movie-Szene. Wir verzichten dabei, soweit es möglich ist, auf digitale Reproduktionen. Die leichte Zugänglichkeit, die die Digitalisierung verspricht, hat den Nachteil, dass sie nur auf Kosten einer Abstraktion zu haben ist. Privat-Vorstellung will dazu beitragen, dass Filme, die im privaten Umfeld entstanden und gezeigt wurden, wieder ein konkretes Publikum finden. Ein kleines Publikum sicherlich. Für die große Leinwand sind sie nicht gemacht, ebenso wenig aber für den Bildschirm. Zum Abschluss des Festivals werden die Möglichkeiten und Wege diskutiert, Amateurfilme in ein Kinoprogramm aufzunehmen. Vertreter_innen kleinerer Kinos sind dazu eingeladen. Die Veranstaltungen finden in deutscher und englischer Sprache statt. 3


DONNERSTAG, 12.11.2015

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17.30 UHR // FOYER 1. STOCK


AUSSTELLUNG Die Amateurfilmschachtel Eine Ausstellung von Sammlungsstücken aus dem Österreichischen Filmmuseum Wien, vorgestellt von Paolo Caneppele Eine Verpackung kann verschiedene Funktionen erfüllen: sie beinhaltet ein Produkt, bestimmt seine Menge, schützt vor Verunreinigungen oder Stößen, erleichtert den Transport und die Lagerung, liefert Informationen oder macht den Artikel attraktiver. Die Amateure, in ihrem Individualismus, wählen nach eigenem Charakter und ökonomischen Möglichkeiten ein Behältnis, welches sich dem Inhalt, der Größe und Menge am besten anpasst. Jeder Sammler oder Filmamateur scheint eine persönliche, freigeistige Theorie des Verpackungssystems zur Langzeitkonservierung entwickelt zu haben. Die Angestellten der filmischen Institutionen erhalten Filme von Amateuren in vielfältiger Art und Weise verpackt, umhüllt oder eingewickelt: Tageszeitungen, Folien aus Aluminium, Schuhschachteln, Keksdosen, Holzkästchen, Pappkartons und Bananenkisten, um einige zu nennen. Ein besonderes Kapitel sind die Koffer. Die Filmamateure, Künstler in ihrem Familienkreis, spüren die Bedeutung, die viele andere Künstler in der Transformierung gefunden haben. Das objet trouvè, das ready made begeisterten Marcel Duchamp, Alberto Burri, Claes Oldenburg oder Daniel Spoerri sowie Legionen von kameragerüsteten Mamas und Papas. (Paolo Caneppele)

Paolo Caneppele ist Archivleiter der Sammlungen des Österreichischen Filmmuseums in Wien. 5


DONNERSTAG, 12.11.2015

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18.30 UHR // FOYER 1. STOCK


BUCHVORSTELLUNG

Abenteuer Alltag. Zur Archäologie des Amateurfilms Hrsg. Siegfried Mattl, Carina Lesky, Vrääth Öhner, Ingo Zechner FilmmuseumSynemaPublikationen, Wien 2015 Buchvorstellung von Carina Lesky Derzeit ist international ein lebhaftes Interesse an nicht für das Kino produzierten, ephemeren filmischen Formen zu beobachten – insbesondere am Amateurfilm. Ist dieses Interesse auch nicht allein auf die veränderte Sammlungspolitik der Archive sowie auf neue (digitale) Zugangsformen zurückzuführen, so fällt doch auf, dass wesentliche Impulse in der aktuellen Debatte von Beiträgen ausgehen, die auf einer detaillierten Auseinandersetzung mit dem filmischen Material basieren. Abenteuer Alltag. Zur Archäologie des Amateurfilms ist die erste Publikation im deutschsprachigen Raum, die einen Überblick über aktuelle archivbasierte Forschungen zum Amateurfilm im europäischen Raum gibt. Der Band versammelt Beiträge zu Themen wie Technologie und Ästhetik, Genres und Variationen oder Politik und Geschichte. Zusätzlich informieren ausgewählte europäische und amerikanische Archive über ihre Sammlungen und ihre Archivierungsstrategien. Mit Beiträgen von Paolo Caneppele, Ian Craven, Nico de Klerk, Karin Fest, Karianne Fiorini, Karola Gramann, Annette Groschke, Ji í Horní ek, Mats Jönsson, Carina Lesky, Karen Lury, Siegfried Mattl, Annamaria Motrescu-Mayes, Sabine Nessel, Heather Norris Nicholson, Vrääth Öhner, Heide Schlüpmann, Raoul Schmidt, Alexandra Schneider, Ryan Shand, Karan Sheldon, Paolo Simoni, Leslie Swift, Linda Waack, Lindsay Zarwell, Ingo Zechner Carina Lesky ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft. Sie arbeitet zu kulturwissenschaftlichen, filmwissenschaftlichen, stadtsoziologischen und medienarchäologischen Themen. 7


DONNERSTAG, 12.11.2015

20 UHR // STUDIO 1

Das Programm versammelt eine Auswahl von Filmen, die uns – mit einer Ausnahme – über den von uns in den letzten Jahren veranstalteten Home Movie Day erreicht haben. Es schlägt einen Bogen von den traditionellen Familienleben zu Ausbruchsspielen der Jugend der 1970er Jahre. Familie erscheint als Sphäre, die sich gegen Krieg, Verfolgung, die politischen Verhältnisse abschirmte. Überwiegend vom Vater und Ehemann gefilmt, kommt den kleinen Buben eine besondere Aufmerksamkeit zu. Doch es gibt auch Frauen, denen die Kamera in der Hand eine Autonomie innerhalb der Familie gibt, den Ausdruck einer eigenen Sicht. Mit den 70er Jahren wird die Kamera sogar Teil eines Ausbruchs aus der Familie, es geht hoch auf die Berge, hinaus auf die Seen, und die Filme zeigen zudem, wie sich gesellschaftliche Geschlechternormen und Autoritätsstrukturen lockerten und das Filmen dabei mit macht. Die Kinothek Asta Nielsen e.V. wurde 1999 gegründet und begann im Jahr 2000, Filmprogramme und Filmfestivals zu veranstalten. Zu letzteren gehörten unter anderem Retrospektiven und Symposien zu Germaine Dulac, Alice Guy, Asta Nielsen, zu ‘68, Film und die Neue Frauenbewegung, zu Jack Smith. Filmarbeit von Frauen, Geschichte des Privaten und der Geschlechterverhältnisse, ebenso das Queer Cinema, bilden den speziellen Fokus unserer Arbeit. Außerdem steht für die Kinothek die Programmarbeit mit dem Publikum und die Vorführung von Filmen in den ihnen eigenen Formaten und der ihnen eigenen Materialität im Zentrum. Super 8, Normal 8 und 16 mm hat uns immer interessiert, der Amateurfilm nimmt seit 2010 einen größeren Raum ein. Seit 2011 veranstalten wir mit anderen zusammen den Home Movie Day. Diese ephemeren, von der Filmgeschichte vernachlässigten Filme zur Aufführung zu bringen, scheint uns immer noch ein Experimentierfeld zu sein. Es zu betreten, bedeutet, nicht nur das Spektrum der im öffentlichen Raum sichtbaren Filme zu erweitern, sondern auch den Blick darauf, was Kino ist, war oder sein kann. Karola Gramann ist freie Kuratorin und künstlerische Leiterin der Kinothek Asta Nielsen. Heide Schlüpmann, Prof. em. der Goethe Universität Frankfurt am Main, ist Mitbegründerin und Mitarbeiterin der Kinothek Asta Nielsen. 8


FILMPROGRAMM KINOTHEK ASTA NIELSEN E.V.

Vorgestellt von Karola Gramann und Heide Schlüpmann

(Im Pagenkostüm, Nach dem Bad ), D 1940, Kurt Fischer, Normal 8, s/w, ohne Ton, 4’ Ostern 1939, D 1939, Kurt Fischer, Normal 8, s/w, ohne Ton, 5’ Schweizer Herbst in Mutelkamp Briger Bad, D 1972, Margret Küppers, Super 8, Farbe, Ton, 3’ Klassentreffen, D 1965, Horst Fischer, Super 8, Farbe, ohne Ton, 9’30“ Schwimmbad, D 1970/71, Jochen Brinkmann, Normal 8, Farbe, ohne Ton,15’ Matterhorn, D 1984, Doris Kuhn, Super 8, Farbe, ohne Ton, 3’ (Ausflug), D 1970er, Oliver Friedman, Super 8, Farbe, Ton, 7’ Moderation Günter Zehetner, Filmmacher, Frankfurt am Main 9


DONNERSTAG, 12.11.2015

22 UHR // STUDIO 1

Zu meinem 18. Geburtstag überreichte mir meine Mutter ein Papier mit zehn Punkten, das sie mir als Vermächtnis auf meinen Weg mitgab. Punkt 1 lautet: Der Sinn unseres Lebens ist Evolution, hin zur Vollendung. Nichts, was entsteht und gut ist, wird weggeworfen. Es wird auf das schon Erreichte aufgebaut. Du stammst von Josefs Bruder Levi ab, der vor 3000 Jahren lebte. Meine Mutter sammelte und archivierte ihre eigene Geschichte. Ich habe sie geerbt und daraus einen Film gemacht. Der Schwerpunkt ist die Wahrnehmung, das Vermächtnis und das Umgehen mit Geschichte. Ich bin die Letzte aus dieser Familie, sagt meine Mutter. Nun kommen die noch, sagt sie, und meint meinen Bruder und mich. Anhand von Gegenständen, Fotos, Ton- und Filmaufnahmen erzähle ich, was in der Familie erzählt und auch nicht erzählt wurde. Der Film handelt von Traumatisierung und gleichzeitig davon, wie auf Makro- und Mikroebenen Geschichte dauernd produziert, archiviert, in Diskurs gebracht und ein-geordnet wird, und darüber hinaus, wie ich selber weiter sammelte, damit alles zusammen eine Erzählung ergibt. (Angelika Levi)

Angelika Levi ist Filmemacherin aus Berlin; aktuell ist von ihr „Miete Essen Seele Auf“ in der Ausstellung Wohnungsfrage im Haus der Kulturen der Welt zu sehen. 10


ANGELIKA LEVI

Mein Leben, Teil 2 Regie Angelika Levi, D 2003, Farbe und s/w, Ton, 35mm, vorgeführt auf BetaSP, 90’. Deutsch mit englischen Untertiteln Zu Gast Angelika Levi

Moderation Heide Schlüpmann und Karola Gramann, Kinothek Asta Nielsen

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FREITAG, 13.11.2015

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10.30 UHR – 13 UHR // STUDIO 1


WORKSHOP Drehen, Schneiden, Vorführen und Konservieren Workshop mit David Landolf und Brigitte Paulowitz Die Filmrestauratorin Brigitte Paulowitz und der Kinokonservator David Landolf von der Kinemathek / Lichtspiel Bern führen kurz in die Geheimnisse der Kinematografie ein. Wie wurden Filme von Amateurinnen gedreht, entwickelt, geschnitten und vorgeführt? Wie funktionieren die verschiedenen Geräte, welche Filmmaterialien wurden verwendet? Wie können Filme heute gesichtet, kontrolliert, vielleicht vorgeführt, vor dem Vergessen gerettet und vor allem richtig konserviert werden? Wie können Filme digitalisiert werden? Eine kurzweilige Doppelstunde mit handfestem Material und vielen praktischen Ratschlägen.

Brigitte Paulowitz ist Filmrestauratorin und Leiterin der Filmsammlungen, David Landolf Direktor der Kinemathek / Lichtspiel Bern. 13


FREITAG, 13.11.2015

15 UHR // STUDIO 1

Das Lichtspiel ist Museum, Kino, Bar und Werkstatt in einem – und ein Ort der Entdeckungen. Hier werden Filme und kinematographisches Material vor dem Zerfall, der Vernichtung und dem Vergessen gerettet und die Geschichte des Kinos erzählt. Inmitten des Schaulagers wird schönstes Kino gemacht: Einmalige Programme mit Reprisen und Kurzfilmen aus dem eigenen Archiv, welches über 20.000 Titel umfasst, mit Schwerpunkt auf sogenannten Orphan-Filmen, darunter auch viele Amateurfilme. Diese werden nicht nur gesammelt, konserviert und restauriert sondern auch programmiert: über 40% der Sammlung wurden schon einmal projiziert.

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LICHTSPIEL / KINEMATHEK BERN Vorgestellt von David Landolf und Brigitte Paulowitz

Aus dem reichen Schatz an Amateurfilmen zeigen wir Filme von Hedi Casartelli, Elisabeth Witschi und Marie-Elisabeth Nägeli. Der Inhalt und die Themen der Filme könnten unterschiedlicher nicht sein: Hedi Casartelli entdeckte das Filmen als großes Hobby, nachdem sie lange fotografiert hatte. In einem Amateurfilmclub lernte sie schneiden, vertonen und viele Tipps und Tricks für ihre Leidenschaft. Elisabeth Witschi wurde von ihrem Mann zum Filmen gebracht, der zwar gerne gefilmt hätte, Frau Witschi erwies sich aber als wesentlich talentierter. Themen ihrer Filme sind zumeist Naturaufnahmen von bestechender bildlicher Qualität. Marie-Elisabeth Nägeli war vor allem Fotografin, hat aber zum Beispiel Winston Churchill bei seinem Besuch in Zürich 1946 gefilmt, ebenso wie ihre Reisen durch die Schweiz. (David Landolf, Brigitte Paulowitz)

Moderation Linda Waack, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

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FREITAG, 13.11.2015

18.30 UHR // STUDIO 1

Amateurfilme im Österreichischen Filmmuseum Wien Seit seiner Gründung im Jahr 1964 widmet das Österreichische Filmmuseum einen Bereich seiner Sammlungs- und Bewahrungspolitik dem nicht-industriellen Film. Diesem Schwerpunkt folgend, fanden bereits im Jahr 1967 als erste Schmalfilme vier Rollen 8mm-Film Eingang in die Sammlung. Weitere Spuren solcher Akquisitionen lassen sich auf 1969 datieren, als ein Sammler dem Museum 9,5mm-Filmrollen zum Kauf anbot. In den 1970er und 80er Jahren geschah dies weiterhin – langsam, aber stetig. Im Oktober 2014 begann das Filmmuseum die Sammelaktion Wien bewegt! in Zusammenarbeit mit den Wiener Bezirksmuseen, der Österreichischen Mediathek und dem Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft. Familienfilme, Amateuraufnahmen, Urlaubsfilme usw. werden entgegen genommen. Der langfristig angelegte Aufruf stieß bereits in den ersten Monaten auf breite Resonanz. Die Aktion wird auch in den kommenden Jahren weitergeführt, denn immer mehr Menschen, besonders jene in hohem Alter oder ohne Nachkommen, suchen nach einer Möglichkeit, ihre gefilmten Erinnerungen weiterzugeben und zu erhalten. (Paolo Caneppele, Raoul Schmidt) 16


ÖSTERREICHISCHES FILMMUSEUM WIEN Vorgestellt von Paolo Caneppele und Raoul Schmidt

Kosmetische Ganzbehandlung, AT 1975, Elisabeth Gaidos & Peter Gruber, Super 8, Farbe, Ton, 15’ „Wenigstens zwei Stunden pro Monat sollte jede Frau sich selbst und ihrem Gesicht schenken“. Kosmetische Ganzbehandlung ist ein Dokumentarfilm über die Gesichtspflege der Frauen. Idee und Drehbuch Elisabeth Gaidos, Kamera gemeinsam mit ihrem Bruder Peter Gruber.

Klavierfilm mit Renate Buchta, AT ca. 1969, Annemarie Vavricek (1917–2013), Normal 8, s/w, ohne Ton, 3’30’’ Eine Frau spielt am Klavier und träumt von großen Erfolgen als Konzertpianistin. Der Film wurde gestaltet und gedreht von Frau Annemarie Vavricek unter Mitwirkung eines ambitionierten Filmamateurs.

Ostern 1959 mit unserem 5 Monate alten Walter, AT 1959, Margaretha Veith, Normal 8, s/w, ohne Ton, 3’55’’ Die Ehefrau fordert vom Ehemann die Betreuung des gemeinsamen Kindes. So muss er Fläschchen geben, Windeln wechseln, etc. – Rollentausch im Jahre 1959.

Schwimm-Woche Saalbach Juni 1970, AT 1970, Dr. Adele Kraft, Super 8, Farbe, ohne Ton, 11’ Klassenfahrt von Wien Westbahnhof nach Saalbach (Salzburg) einer Mädchenklasse der Mittelschule. Der Film wurde gedreht von Frau Dr. Kraft, Professorin an demselben Institut. Frau Kraft hat mehr als 60 Filme gedreht, die meisten davon auf ihren Fernreisen, bis Anfang der 1980er Jahre. Und weitere Filme Moderation Nia Perivolaropoulou, Universität Duisburg-Essen Raoul Schmidt ist Filmarchivar im Österreichischen Filmmuseum Wien und promoviert derzeit unter dem Titel Keepers of the Microframe. Der Amateurfilm und seine Archive an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung, Linz. 17


DO 12.11.

FR 13.11.

17:30 Uhr // Foyer 1. Stock Die Amateurfilmschachtel Ausstellungseröffnung Sammlungsstücke aus dem Österreichischen Filmmuseum Wien, vorgestellt von Paolo Caneppele

10.30 Uhr – 13 Uhr // Studio 1 Drehen, Schneiden, Vorführen und Konservieren Workshop mit David Landolf und Brigitte Paulowitz

18.30 Uhr // Foyer 1. Stock Abenteuer Alltag. Zur Archäologie des Amateurfilms Buchvorstellung von Carina Lesky 20 Uhr // Studio 1 Filmprogramm Kinothek Asta Nielsen e.V. Vorgestellt von Karola Gramann und Heide Schlüpmann 22 Uhr // Studio 1 Mein Leben, Teil 2 Regie Angelika Levi Zu Gast Angelika Levi

15 Uhr // Studio 1 Filmprogramm Lichtspiel / Kinemathek Bern Vorgestellt von David Landolf und Brigitte Paulowitz 18.30 Uhr // Studio 1 Amateurfilme im Österreichischen Filmmuseum Wien Vorgestellt von Paolo Caneppele und Raoul Schmidt 21 Uhr // Studio 1 Filmpogramm Filmarchiv Chicago Moderation Karola Gramann, Kinothek Asta Nielsen 22.30 Uhr // Studio 1 Werkstattkino München präsentiert So war das S.O. 36 Regie Manfred O. Jelinski, Jörg Buttgereit Vorgestellt von Bernd Brehmer und Doris Kuhn


SA 14.11.

SO 15.11.

14 Uhr // Studio 1 Filmprogramm Archiv Universität Paderborn Vorgestellt von Annette Brauerhoch

12 Uhr // Studio 1 Un’ora sola ti vorrei (Für eine Stunde mehr mit dir / For One Hour More With You) Regie Alina Marazzi Vorgestellt von Karianne Fiorini

16 Uhr // Studio 1 Privatarchiv Herbert Göttel Vorgestellt von Dennis Göttel 20 Uhr // Studio 1 Filmprogramm Cimatheque Kairo Vorgestellt von Yasmin Desouki 22 Uhr // Studio 1 Filme aus der Familie Shaymaa Shoukrys Vorgestellt von Shaymaa Shoukry

14 Uhr // Studio 1 Abschlussgespräch Wie Amateurfilm im Kino zeigen?, mit Bernd Brehmer, Gunter Deller, Doris Kuhn u.a.

Prolog zum Festival Privat-Vorstellung MI 11.11. 19 Uhr // Studio 1 Existenz I – immer nur lächeln und immer vergnügt (2000/2015) Buch, Regie, Kamera Günter Zehetner Vorgestellt von Günter Zehetner Uraufführung


FREITAG, 13.11.2015

21 UHR // STUDIO 1

Das Filmarchiv Chicago (CFA) ist eine gemeinnützige Einrichtung. Sie wurde 2003 gegründet, um eine Schenkung von der Stadtbibliothek Chicago über 5.000 16mm-Filme zu erhalten und zu katalogisieren. Schwerpunkt der Sammlung sind Filme, die die Geschichte und Kultur Chicagos und des mittleren Westens reflektieren.Im Zuge der Erweiterung der Bestände hat das CFA begonnen, Amateurfilme und home movies von Bewohner_innen der Umgebung zu sammeln. Das Filmprogramm wird einen Bereich des Filmemachens beleuchten, der großen Einfluss auf die Wahrnehmung unseres historischen und sozialen Selbstverständnisses haben kann. Das CFA nimmt jährlich am internationalen Home Movie Day teil. Das CFA bringt die Filme lokaler Filmschaffender in die Diskussion und untersucht die Wirkung, die sie auf unsere lokalen, nationalen und internationalen Gemeinschaften haben. Über das Sammlungsportal des CFA können mehr als 700 Filme zum Teil online angesehen werden. 20


CHICAGO FILM ARCHIVE Das Programm zeigt drei Filme der amerikanischen Amateurfilmmacherin Margaret Conneely (1915–2007). In den späten 1950er und frühen 1960er Jahren schuf sie einflussreiche, preisgekrönte und unterhaltsame Kurzfilme, die einen guten Eindruck vom einheimischen Filmschaffen nach dem Krieg vermitteln. Sie verweisen daneben auf die aktive Beteiligung organisierter Amateurfilmerinnen und verdeutlichen Können, Themenwahl und Selbstverständnis ihrer Arbeit.

Mister E,CAN 1959, Farbe,Ton,16mm,11’47’’. Digitale Fassung Eine häusliche schwarze Komödie, erzählt von der Rache einer jungen Ehefrau, die zuhause sitzt während ihr Gatte Karten spielt. Indem sie ein Rendezvous mit einer Schaufensterpuppe inszeniert, provoziert sie zugleich einen Ausbruch von Eifersucht und Gewalt, ehe sie die gewünschte häusliche Zuneigung erfahren darf.

Chicago: City to See in ’63, CAN 1962, Farbe, Ton, 16mm, 12’38’’. Digitale Fassung Eine spielerische Stadtsinfonie und ein überraschender Film: Hergestellt um die Mitglieder der Photographic Society of America zur Teilnahme an der Jahreskonferenz in Chicago 1963 zu motivieren, schneidet er schöne und dynamische Aufnahmen von Chicago zusammen und kombiniert diese mit trockenen Kommentaren, die sich über kommerzielle Reisefilme lustig machen.

The Fairy Princess,1956, Farbe, Ton,16mm, 7’15’’. Digitale Fassung Conneelys funkelnder Kodachrome-Film lässt ihre Nichte in einem Weihnachtsmärchen auftreten. Auch wenn er Aufnahmen des kleinen Mädchens auf den Knien des Weihnachtsmannes zeigt, von dem sie sich eine Puppe wünscht, die wirklich tanzen kann, ist er nicht einfach ein home movie – Fairy Princess ist unter mehreren Gesichtspunkten interessant. Auf der einen Seiten führt der Film Kindheit und häusliches Leben der 1950er Jahre vor und reproduziert dabei die Wunschvorstellung der Eltern von Wohlerzogenheit und Festtagssfreude. Der Film belegt aber auch, wie meisterhaft Conneely das Filmhandwerk beherrscht. Im Anschluss an die Vorführung findet ein Gespräch über Skype mit Charles Tepperman, University of Calgary, zur Arbeit von Margaret Conneely statt. Moderation Karola Gramann, Kinothek Asta Nielsen 21


FREITAG, 13.11.2015

22.30 UHR // STUDIO 1

Ende der 1970er eröffnete in einem ehemaligen Kreuzberger Supermarkt das S.O. 36 als Anlaufstelle für alle, die an der neuen Kunst und Musik interessiert waren. Punk- und Avantgarde-Bands spielten einträchtig nebeneinander. Bands wie Soilent Grün traten auf, kurz bevor sie Die Ärzte wurden, und Ratten-Jenny krachte durch den Boden. Diese und andere Geschichten hält Manfred Jelinskis Dokumentation fest, angereichert mit Konzertausschnitten von Einstürzende Neubauten, Carambolage, Malaria!, Der Wahre Heino, Die Tödliche Doris und natürlich Soilent Grün. Ein sympathisches Chaos der Stimmen und Meinungen, das die zwischen Kaputtness und Glamour torkelnde Atmosphäre West-Berlins um 1980 einfängt. Das Werkstattkino München wurde 1976 gegründet, verwandelte sich 1981 in ein Heim für Punkrock-Filme, und die waren gelegentlich auf Super 8. Sobald dann auch die jungen deutschen Künstler merkten, was Super 8 für ein funky Medium ist, rollte die Welle: Ein Großteil der deutschen 80-Jahre-Avantgarde wurde auf den schmalen, zur Bearbeitung extrem unhandlichen Filmstreifen gedreht, und alles, alles lief im Werkstattkino. Als nächstes stieg das Werkstattkino selber ein, die WK-X-Film Produktion entstand, Anatol Nitschke, Romuald Karmakar, Doris Kuhn, Florian Süßmayr kamen damit zu kurzem Ruhm (siehe Matterhorn). Heutzutage ist das Werkstattkino eine der wenigen Abspielstätten weltweit, die noch Super 8 auf großer Leinwand zeigen.

Doris Kuhn ist Regisseurin und Mitglied des Kollektivs Werkstattkino München. Bernd Bremer ist Filmsammler, Festivalleiter des UNDERDOX – Filmfestival für Dokument und Experiment und ebenfalls Mitglied des Werkstattkinos 22


WERKSTATTKINO MÜNCHEN

Vorgestellt von Bernd Brehmer und Doris Kuhn, Werkstattkino München

So war das S.O. 36 Regie Manfred O. Jelinski, Jörg Buttgereit, D 1981-1984, Kamera Manfred Jelinski, Uwe Bohrer, Jörg Buttgereit, Farbe, Ton, Super 8, 90’ Mit Blixa Bargeld, Marc Chung, Bela B. Felsenheimer, FM Einheit, Käthe Kruse, Der wahre Heino u.a.

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SAMSTAG, 14.11.2015

14 UHR // STUDIO 1

Gabriela Thiel ist die einzige Filmmacherin in unserem Archiv. 38 der vorhandenen 299 Filme sind von ihr, viele davon auf 120 m Spulen, d.h. über 30 Minuten lang. Frau Thiel hat von 1981 bis 1988 regelmäßig ihre nähere Umgebung – die Familie ihres Bruders, Umzüge und Feiern in Paderborn und der Region – gefilmt. Aber sie hat es weder auf Besonderheiten abgesehen, noch auf besondere technische Tricks. Sie ist eine Chronistin des Alltags, die auch ‚Nebensächlichkeiten‘ in den Blick nimmt. Ihre Objekte beobachtet sie in aller Ruhe. Die Spiele der Kinder, die Zusammenkünfte der Erwachsenen, Bewegungen im Haus und in der Natur. Dort nehmen die Dinge ihren Blick auf, zu dem sie sie verführt. Den Menschen verlangt sie die Geduld ab, mit der sie sie beobachtet. Es werden 15 Filme von Frau Thiel gezeigt, alle Super 8 auf Kodakcolor aus den Jahren 1981 bis 1988. Der überwiegende Teil ist stumm und hat die klassische Länge von 3,5 Minuten. Hochzeit, Libori und Jagd, Fische, Schwäne und Amseln, und immer wieder Frauen von nah und von fern. (Annette Brauerhoch) Das Archiv für den Amateur- und Familienfilm am Institut für Medienwissenschaften der Universität Paderborn umfasst ca. 300 Super 8-Filme und einige Normal 8-Filme, Grundlage für Seminare zur Theorie, Praxis und Ästhetik von Amateurfilm. Regionalhistorisches Interesse verbindet sich mit dem Wunsch, den Filmen einen Aufbewahrungsort und einen institutionellen Rahmen zu geben. Aber es ist uns genauso wichtig, sie in regelmäßigen Vorführungen, die jenseits des Seminarraums an verschiedenen Orten in der Stadt stattfinden, zu zeigen und mit einem nicht nur studentischen Publikum zu diskutieren. 24


Archiv Universität Paderborn

Vorgestellt von Annette Brauerhoch

Hochzeit, D o.J., 2’ Jagd, D o.J., Kodak Duplicata, 3’30’’ Libori, D 1981, 3’30’’ Holzminden, D 1981, 1’30’’ Marienkäfer & Aquarium, D 1982, 3’30’’, (Porst) Aquarium bis 1982, D, 3’30’’ Aquarium 20.10.1982, D 1982, 3’30’’ Schwäne 5.5.1983, D 1983, 2’30’’ Amseln – Nestbau, 2 Filme, D o.J., 8’ Freitag 20.8.83 (Auerstein?), D 1983, 3’30’’ Wohnung mit Mutter 1981, D 1981, 7’ Mutti 1981, D 1981, 4’ So 31.5.81, Mo 16.8.82, D 1982, 4’30’’ Kinder (Breakdance), D 1984, 3’ 17:1984 Abschied, D 1984, 3’30’’ 29:82 Blumen, D o.J., 3’

Moderation Raoul Schmidt, Österreichisches Filmmuseum Wien

Annette Brauerhoch ist Professorin für Film- und Fernsehwissenschaft an der Universität Paderborn. Sie forscht u.a. zum Super 8-Film. 25


SAMSTAG, 14.11.2015

16 UHR // STUDIO 1

Das Programm stellt Material aus dem umfangreichen Amateurfilmbestand Herbert Göttels vor, des Vaters des Vortragenden. Die Filme werden von Reflexionen zur Frage begleitet, welche ästhetischen, politischen und moralischen Implikationen die Präsentation von Amateurfilmen in der Öffentlichkeit hat. Gesucht wird eine Geste, die sich weder ideologiekritischem Ressentiment noch nostalgischem Sentiment gemein macht. Herbert Göttels Filmpraxis beginnt Ende der 1960er und dauert bis Mitte der 1980er Jahre an. Die ausgewählten Filme entstehen wenige Jahre, bevor der Amateur zur Videotechnik wechselt. An den Schauplätzen Schrebergarten und Hühnerhof inszenieren zwei Filme ereignislose Miniaturen des Alltäglichen, während der dritte Film mit der Schlachtung einer Sau die letzten Überreste ländlicher Traditionen Ende der 70er Jahre festhält.

Dennis Göttel ist Postdoc-Stipendiat, Leuphana Universität Lüneburg; davor u.a. wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HBK Braunschweig. Promotion zur Kinoleinwand. Aktuelle Forschungsprojekte sind Epistemologie der Filmwissenschaft, Darstellungen filmischer Arbeit, Kulturgeschichte des Flipperautomaten. 26


PRIVATARCHIV HERBERT GÖTTEL

Vorgestellt von Dennis Göttel

Im Garten, D 1983, Herbert Göttel, Super 8, Farbe, Ton [gezeigt ohne Ton], 4’ Hühnerhof, D 1983, Herbert Göttel, Super 8, Farbe, Ton [gezeigt ohne Ton], 4’ Schlachtfest, D 1976, Herbert Göttel, Super 8, Farbe, Ton,15’

Moderation Sabine Nessel, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz 27


SAMSTAG, 14.11.2015

20 UHR // STUDIO 1

Cimatheque ist ein alternatives Filmzentrum in Downtown Kairo, das die Vielfalt, Schönheit und Kraft des Films aus der Region und darüber hinaus feiern will. Cimatheque will ein Ort für Filmemacher und Cineasten gleichermaßen sein, ein Ort, um Filme zu diskutieren, über das Kino zu lernen und Kino zu machen, ein Ort, der an die Bedeutung des Filmerbes und die Zukunft der alternativen Filmszene glaubt. Die Sammlungen der Cimatheque enthalten Briefe, Unterlagen, Verleihverträge, Storyboards für Animationsfilme, Standfotografien, Zeitschriften, Programmhefte, Festivalkataloge, Pressematerialien, Plakate und Filmrollen aller Formate und Genres, darunter zahlreiche Amateurfilme. Die Bestände stammen aus den Jahren 1948 bis 2007 und zahlreichen Ländern, aber das Herz der Sammlung hebt Ägyptens reiches kinematographisches Erbe hervor. 28


CIMATHEQUE KAIRO Vorgestellt von Yasmin Desouki Historische Narrative und die Idee des Archivs sind in Ägypten umstrittene Themen. Als solche stellen die Cimatheque und ihr Langzeitprojekt „Revisiting Memory“ (Erinnerung überdenken) Fragen nach Besitz und Interpretationshoheit des kollektiven Gedächtnisses, indem sie den Eigentümern von home videos oder found footage die Möglichkeit geben, ihr Material öffentlich zu machen. Über die Jahre traten Sammler, Filmmacher und Privatpersonen an die Cimatheque heran, die Filmmaterial in ihren Familienschränken gefunden hatten, in der Hoffnung, diese analogen, längst vergessenen Filme wieder zu sehen. Cimatheque möchte einen Raum anbieten in dem die Menschen Material sehen, digitalisieren und sogar öffentlich zeigen können, wenn sie es wünschen, um ein Bewusstsein für Geschichte, bildliche Repräsentation und die Zerbrechlichkeit des filmischen Mediums selbst zu erwecken.

Das Filmprogramm gibt einen Eindruck von den Amateurfilmbeständen der Cimatheque.

Moderation Karola Gramann und Heide Schlüpmann, Kinothek Asta Nielsen

Yasmin Desouki ist Archivarin bei der Cimatheque Kairo, die im Juni 2014 erstmals öffentlich Filme zeigte. 29


SAMSTAG, 14.11.2015

22 UHR // STUDIO 1

Das Team der Cimatheque ist davon überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit privaten 8mm-Archiven, die eine alternative Geschichte zur offiziellen des staatlichen Filmapparats erzählen, ein wichtiger Teil archivarischer Praxis ist. Ein solcher Umgang mit dem sensiblen Material beinhaltet, dass diejenigen, die das Material überlassen haben, ihr eigenes Archiv kuratieren. Es geht um eine aktive Auseinandersetzung mit dem Medium durch die Idee des „SelbstKuratierens“ von persönlichem Material.

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FILME AUS DER FAMILIE SHAYMAA SHOUKRYS Vorgestellt von Shaymaa Shoukry

Shaymaa Shoukry wird Teile ihrer Archivsammlung von Super-8 Filmen zeigen, die ihre Großeltern in den 1960ern und 1970ern gedreht haben. Die Filme fangen ruhige, familiäre Momente in einer Zeit tiefgreifender Transformation der ägyptischen Gesellschaft ein; einige von ihnen wurden erst kürzlich von Shaymaa und ihren Verwandten durch die Zusammenarbeit mit der Cimatheque wieder entdeckt. Die Bilder dienen als Zeugnisse einer unerreichbaren Vergangenheit, sie sind eine erzählerische Quelle, um die verschütteten Stimmen der Vergangenheit zu erschließen.

Moderation Karola Gramann und Heide Schlüpmann, Kinothek Asta Nielsen

Shaymaa Shoukry ist Tänzerin, Choreografin und Künstlerin aus Kairo. 31


SONNTAG, 15.11.2015

12 UHR // STUDIO 1

Meine Mutter wurde 1938 geboren und starb 1972, als ich sieben Jahre alt war. Ich habe nicht viele Erinnerungen an sie, aber ich wußte immer, dass das gesamte visuelle Gedächtnis meiner Familie in einem Schrank im Haus meiner Großeltern verschlossen war. Dieser Schrank enthielt alte Filmschachteln, Amateurfilme, die mein Großvater zwischen 1926 und den 70er Jahren gedreht hatte. Aber erst vor einigen Jahren habe ich gewagt, diese Filme zum ersten Mal zu schauen, mit großer Neugier und starken Gefühlen. [...] Wie von Zauberhand schien diese mysteriöse und unbekannte Person auf der Leinwand vor mir lebendig zu werden. In nur einer Sekunde wurde ich in die Vergangenheit zurückgeworfen, in die Zeit, als meine Mutter noch lebte. Meine Mutter, die ich kaum gekannt und von der ich das Meiste vergessen hatte. [...] Der Film beginnt mit den Tonaufnahmen einer Schallplatte mit der Stimme meiner Mutter, die zu mir spricht; im Folgenden werden Briefe und private Aufzeichnungen meiner Mutter verwoben mit den Krankenakten der Kliniken, in denen meine Mutter viel Zeit verbrachte. Durch diese geschriebenen Worte und durch die home movies meines Großvaters war es möglich, ihr gesamtes Leben in unterschiedlichen Phasen zu rekonstruieren: Kindheit, Liebe, Familie, Krankheit, existentielle Zerrisssenheit. (Alina Marazzi) Die italienische Regisseurin Alina Marazzi hat zwischen 1991 und 2012 zahlreiche Dokumentar- und Spielfilme realisiert.

Karianne Fiorini ist unabhängige Filmarchivarin und Kuratorin, Mitbegründerin des Archivio Nazionale del Film di Famiglia, Bologna, dessen Sammlungsleiterin für Film und Katalogisierung sie von 2003 bis 2015 war. Derzeit arbeitet sie an einem „Katalog raisonné“ der Arbeiten der Filmmacherin Helga Fanderl. 32


UN’ORA SOLA TI VORREI

Vorgestellt von Karianne Fiorini

Un’ora sola ti vorrei (Für eine Stunde mehr mit dir / For One Hour More With You) Alina Marazzi, I 2002, Farbe, Ton, Video, 55’. Vorführung auf BetaSP. Italienisch mit englischen Untertiteln

SONNTAG, 15.11.2015

14 UHR // STUDIO 1

Zum Abschluss gibt es eine Gesprächsrunde Wie Amateurfilm im Kino zeigen?, mit Bernd Brehmer, Gunter Deller, Doris Kuhn u.a.

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MITTWOCH, 11.11.2015

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19 UHR // STUDIO 1


PROLOG ZUM FESTIVAL PRIVAT-VORSTELLUNG

Uraufführung

Existenz I – immer nur lächeln und immer vergnügt Buch, Regie, Kamera Günter Zehetner, Ton, Video, 180’, 2000/2015 Dasein, Vorhandensein – diese pure Idee von Existenz zeigt der neue Film des Frankfurter Filmmachers Günter Zehetner. Das Filmteam ist „Der Mann mit der Kamera“, der mitten im Geschehen steht und Kameramann, Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person vereinigt. Die Körperlichkeit des Films bringt uns die Essenz des Daseins filmisch ungewohnt nahe – Kochen, Essen, Schlafen, alltägliche Verrichtungen und die Kommunikation zweier Körper. Entbunden jeglicher Regeln entsteht ein Werk, das sich selbst genügt. (Günter Zehetner)

Vorgestellt von Günter Zehetner

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Impressum Festivalleitung, Programm und Gesamtorganisation Karola Gramann und Heide Schlüpmann unter Mitarbeit von Stefanie Plappert Gestaltung Sabine Hartung Pressearbeit Andrea Löser Technik Fritz Mettal unter Mitarbeit von Gunter Deller und Günter Zehetner Eine Veranstaltung der Kinothek Asta Nielsen e.V. in Zusammenarbeit mit Künstlerhaus Mousonturm Wir danken allen Archiven und Kopiengeber_innen, dass sie uns für das Festival ihre Materialien zur Verfügung stellen. Kinothek Asta Nielsen e.V., Stiftstraße 2, 60313 Frankfurt am Main Tel. +49 69 92039634 Fax +49 69 92039635 Fotonachweis U2 Foto Archiv Kinothek Asta Nielsen e.V., Dauerleihgabe Heinz Fischer, Kaderausbelichtung Gunter Deller; S. 4. Die Amateurfilmschachtel, Österreichisches Filmmuseum Wien; S. 6 Abenteuer Alltag. Zur Archäologie des Amateurfilms, Buchcover (Ausschnitt), FilmmuseumSynemaPublikationen, Wien; S. 9 Foto Archiv Kinothek Asta Nielsen e.V., Dauerleihgabe Heinz Fischer, Kaderausbelichtung Gunter Deller; S. 11 Still Mein Leben, Teil 2, © Angelika Levi; S. 12 Filmsichtung Freiwilligentag 2012, Foto © Gunter Deller, Archiv Kinothek Asta Nielsen e.V.; S. 14 Churchill / Sechseläuten, Marie-Elisabeth Nägeli, 1946, Kinemathek / Lichtspiel Bern; S. 16 Kosmetische Ganzbehandlung, Österreichisches Filmmuseum Wien; S. 20 CFA Chicago Film Archive, preservation Conneely; S. 23 So war das S.O. 36, Werkstattkino München; S. 24 Still aus Gabriela Thiel, Super 8 Farbfilm, Balkon, 1981 (Ausschnitt), Archiv Universität Paderborn; S. 27 Filmstill aus Der Stuhl, Herbert Göttel, 1979–91 (nicht im Programm), Privatarchiv Göttel; S. 28 Cafe George V, Cimatheque Kairo, Sammlung Shoukry; S. 30 Cimatheque Kairo, Sammlung Shoukry; S. 33 Un’ora sola ti vorrei, © Alina Marazzi; S. 34 Still Existenz I – immer nur lächeln und immer vergnügt, © Günter Zehetner; S. 38 Archiv Kinothek Asta Nielsen e.V., Dauerleihgabe Heinz Fischer, Kaderausbelichtung Gunter Deller; U 4 Klassentreffen, Horst Fischer, Screenshot, Archiv Kinothek Asta Nielsen e.V.

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Die Kionthek Asta Nielsen e.V. wird gefรถrdert von


www.kinothek-asta-nielsen.de

Privat-Vorstellung  

Internationales Amateurfilmfestival 12.–15. November 2015 Eine Veranstaltung der Kinothek Asta Nielsen e.V. in Zusammenarbeit mit Künstlerha...

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