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kinki

nr. 4 2008 chf 6.–


SCHÖNHEIT DIE BEWEGT

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NEU

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matthias willi S. 20

Das Motiv ist Effekt genug bei Matthias Willi. Seine Fotografie besticht durch Klarheit. Das kommt an bei seinen Kun­ den aus Werbung, Mode und Print­ medien – und es ist auch Kunst. Zumin­ dest wurden seine Bilder in Galerien in Zürich und Basel ausgestellt. Näher als die Kunstwelt steht dem einstigen Punkrock-Shouter aber die Musikszene. Mit dem Team Switzerland arbeitet er für Rock’n’Roller von Basel bis nach Los Angeles. Hinter der Bühne fing er auch Iggy Pop, Josh Homme oder Juliette ­Lewis ab – direkt ‹After The Show›: ­verschwitzt, abgekämpft, geil. So wollen wir Rockhelden sehen und darum be­ kommt er 12 Seiten. www.matthiaswilli.ch www.aftertheshow.ch

adrian schräder S. 54

Am Wohlsten fühlt sich Adrian Matthias Schräder, wenn er mit umgeschnalltem Bass in einer Ecke des Studios stehen und seinen beiden besten Freunden beim gemeinsamen Musizieren zuschauen kann. Deshalb würde er die Tatsache, die Band nicht früher gegründet zu haben, auch als den grössten Fehler der vergan­ genen dreissig Jahre bezeichnen. Die Zeit bis zur ersten Japan-Tournee von Les Profiteroles überbrückt er mit intensiver journalistischer Tätigkeit für verschiedene Zeitungen, Magazine und Fachzeitschrif­ ten. Besonders gerne fragt er fremde Leute oder den Zürcher Rapper E.K.R. aus. Für das kinki magazine hat er mit Estelle und Kenna gesprochen.

g   et

ur freak O   n D

u kennst das bestimmt: Du willst weg, bist aber immer noch da. Du willst weiter, bleibst aber stehen. Du willst alles, bekommst aber nicht mal die Hälfte. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirk­ lichkeit ist auch ein innerlicher Riss. Durch die tägliche Informationsflut aus den Medien wissen wir, was alles möglich ist. Dass man mit dem Mountainbike eine senkrechte Wand runter bret­ tern kann. Oder dass man als fleissiger, aber eher mittelmässiger Sänger ein millionenfaches Publikum erreichen kann. Und wie mühelos das immer scheint! Es scheint, als ob allen das gelänge, was man sich (am Beispiel der anderen) für das ei­ gene Leben vorstellt. Man muss sich nur mit der Handy Cam beim Heulen filmen und schon kennt einen die halbe Welt. Oder zumindest die, die wir für die Welt halten. Beim genauen Betrach­ ten ist es nämlich nur die YouTube Gemeinde und die war noch nie berühmt dafür, dass sie Qualität von Sensation besonders gut unter­ scheiden zu können. Ist der Frust also vorpro­ grammiert? Und muss man sich gleich jedes Mal beim kleinsten Anflug von Frust und Überforde­ rung der Emo Gemeinde anschliessen und mit

Schlaftabletten die Lichter ausblasen? Wir fin­ den, dass uns das Scheitern voranbringt und dass wir immer weiter kommen – egal ob unser Schaffen mit ‹Erfolg› gekrönt ist oder halt nicht. Denn die Wahrheit liegt im Tun selbst, das wuss­ ten schon die alten Chinesen und leider auch unsere ewig präsenten Eltern. Und selbst denen muss man nichts beweisen, wenn man nicht will. Hauptsache du schaffst es irgendwann wegzu­ kommen – und nicht mehr da zu sein. In diesem Sinne, mach was oder lass es! Deine dich liebende kinki Redaktion

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THE SWISS SURF AND SNOW


WBOARD SHOP


content

standard

editorial 03 gossip 12 agenda 13 evangelium 15 was läuft… 18 querschläger 50 vive la fragrance 50 abo / impressum 88 net check 96 versammelt 98

report

after the show 20 die demokratie der sauferei 32 bringt die emos um! 34 pekings hoffnung ist grün 36 mafia der meere 44 heavy metal? easy money! 46 mit comics gegen die diktatur 48

20 

sound

we are scientists 52 estelle 54 cd des monats: kenna 56 cd check 58 playlist: hood regulators 60

fashion

figaro 17 witness the fitness 62 vertreter 68 peter müller 70 cogama 72 play style lab 76 vive la fragrance 84

art & co

post aus fernost 74 bag bellow’s break 86 top notch gallery: lazy dog 89 eric andersen 90

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after the show

Der Fotograf Matthias Willi hatte die mehr als seltene Gelegenheit, von den grossen UndergroundStars ein Foto nach dem Konzert zu machen: verschwitzt, erschöpft und nicht immer gut gelaunt.


34 36 52 90   62    bringt die emos um!

we are scientists

Ausgerechnet Mexiko hat sich zu einer Emo-Hochburg entwickelt. Das gefällt nicht allen und es werden ­regelrechte Treibjagden auf Emos veranstaltet. Kommt dieser un­ heimliche Trend auch in die Schweiz?

Kann man sich nicht ernst nehmen, seine Arbeit aber schon und bei den Damen gut landen? ‹We Are Scientists› sind überzeugt davon.

pekings hoffnung ist grün Unter einem falschen Namen hat unsere Reporterin aus Chinas Hauptstadt über die neue Umweltbewegung berichtet. Aus Angst das Land verlassen zu müssen.

witness the fitness

Der Fotograf Florian Renner hat sich einer sportlichen Herausforderung gestellt und in einer staubigen ­Turnhalle ausgesprochen Körper betonte Fotos geschossen.

70  peter müller

Jung, weiblich, aus Basel sucht… Style. Und hat ihn gefunden. Zwei Mädels mit dem Decknamen ­Peter Müller machen Mode, die man nicht erwartet.

eric andersen

Handwerkliches Geschick und eine Eselsgeduld: der junge Wahlzürcher Andersen schnitzt die schönsten Plakate der Schweiz.

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gossip

feuchte bowle für lieblings-

töchter und muttersöhnchen

Gewinner 2007 Louri Podlatchikov Bild: Alan Maag

Der Skatepool von Lausanne war genau so lange trocken, wie die knapp 30 Teilnehmer des Quiksilver Bowlriders am 24. Mai brauchten, um den Besten unter ihnen zu ermitteln. Der 14-jährige Martino Cattaneo stach mit seinen flüssigen und stilvollen Runs alle aus. Dann

fing es an zu schütten, in wenigen Minuten war alles unter Wasser. Aber Martinos Drink bleibt trocken, denn er kann sich freuen. Der Luganese darf Mitte Juni in Malmö, Schweden mit den Profis fahren. Und die Schweden wissen, was feucht-fröhlich bedeutet...

stark. ist die coolste modemesse in berlin

Berlin steht für Kultur, Lifestyle, Kunst und Business. Eine Stadt, die sich im Mittelpunkt der interna­ tionalen Märkte befindet und gleichzeitig auch Attraktionspunkt für Besucher aus der ganzen Welt ist. In diesem dynamischen Stadt­bild wird vom 18.–21.07. die nächste Auflage von STARK. aufgestellt, die, in drei sich ergänzende Bereiche unterteilt, die ganze Bandbreite internationaler Damen- und Herrenmode sowie Accessoires präsentiert. Internationale Brands und etablierte Marken werden in der Haupthalle in gehobenem Ambiente ausgestellt. Jungdesigner und die ‹Avantgarde› stellen sich in neu 12

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gestalteten, interessanten Flächen in unmittelbarer Anbindung an die Haupthalle vor. Auf zwei Etagen präsentiert Norbert Klauser die viel­ seitigen Brands der Agentur. STARK. findet in den eindrucksvollen Räumen des in den 30er Jahren errichteten, ehemaligen Humboldt Umspannwerks im Prenzlauer Berg, im Herzen der Stadt, statt. Das Interieur der Messe wird von verschiedenen Berliner und internationalen Künstlern mitgestaltet, die das Umspannwerk in einen kleinen Mikrokosmos der Energien und Einflüsse Berlins und internationaler Trends verwandeln. www.stark-berlin.com

...im 18. Semester, in eurer von Papi bezahlten Wohnung auf dem Züriberg, für euch ist das neue Portal 80punkt00.ch leider nix. Denn 80punkt00.ch ist ein neues interaktives Stadtportal von Zürchern für Zürcher gemacht und hat sich zum Ziel gesetzt, die schönsten Ecken von Zürich und Umgebung ins beste Licht zu setzen. Auf animierte Werbung mit Prozenten und Bonusprogrammen wird verzichtet, stattdessen möchten euch die Macher eine bezahlbare Plattform für regionale Kultur und Gastronomie präsentieren. Eine gute Auswahl an Veranstaltungshinweisen für eine Zielgruppe ab 23 und einem kulinarischen Planer mit täglichen Empfehlungen, lassen keine Wünsche offen. Das Team von 80punkt00 ist bunt gemischt, vom Gastronomen über Werber, den Studenten bis hin zum Ladenbesitzer. 80punkt00 versteht sich als Open Source Plattform und lädt zum Mitmachen ein. Egal ob Bild, Video oder Textbeiträge, alles wird veröffentlicht und zur Bewertung gestellt. Hoffentlich macht bei der aktuellen Verlosung niemand mehr mit, sonst sinken noch die Gewinnchancen des Autors dieses Artikels. An die Maus! Klicken, Profil ausfüllen, auf den Gewinn hoffen und Artikel bewerten, was das Zeug hält. Also los, auf was wartest du noch!?

Von Zürchern für Zürcher: Das 80punkt00-Team präsentiert seine neue Kultur- und Gastronomieplattform.


06 agenda

25.06. Mi

the dirtbombs (usa) Gaswerk Winterthur 26.06. Do

killer!

Party mit Pharell (Fluokids, F), Miss Toasts (IHeartcomix, US), DiscoD & DJ Banga, Digital Natives, 22.00 Uhr, Stall 6, Zürich 27.–29.06. Fr–So

openair st.gallen

Sittertobel St.Gallen, Freitag: u.a. Justice, Miss Platnum, Does It Offend You, Yeah? und viele andere Samstag: u.a. BECK, The Kooks, Navel, Lightspeed Champion, und viele mehr Sonntag: u.a. We Are Scientists, The Gossip, und viele mehr 28.06. Sa

dirty pretty things (uk), santogold (usa), orishas (cuba), nouvelle vague (f), crystal castles (can), the rumble stripes (usa), u.a., sun jam dieterswil

07 irgendwo bei Bern, 10.00, 75.–

04.07. Fr

erykah badu (usa), n.e.r.d. (usa), auditorium stravinski css (bra), fischerspooner (usa), the whip (uk), miles davis hall Montreux Jazz Festival 07.07. Mo

the raconteurs (usa), vampie weekend (usa), Montreux Jazz Festival 08.07. Di

m.i.a. (uk), madness (uk), fiji (ch) Montreux Jazz Festival

santogold (usa), mdh club Montreux Jazz Festival

bug girl (aus)

Cultbar St.Gallen, 21.00, gratis 10.07. Do

gnarls barkley (usa), travis (uk), auditorium stravinski Montreux Jazz Festival

the gossip (usa), the kills (uk/usa), das pop (bel), miles davis hall Montreux Jazz Festival 14.07. Mo

the turbo ac’s (usa) Hafenkneipe Zürich, 20.00

t-shirts für ein freies tibet ‹People for a free Tibet›. ‹T-Shirts sind ein beliebtes Mittel, um persönliche Meinungen auszudrücken oder ein Statement abzugeben. Unsere Free-Tibet-Shirts richten sich an alle, die gegen die Menschenrechtsverletzungen in Tibet durch China sowie gegen die aktuelle Lage protestieren und dies auch nach aussen sichtbar machen wollen›, so Sascha Coldewey, Geschäftsführer von KolibriShop.com. Damit den Worten auch Taten folgen, spendet KolibriShop.com drei Franken jedes verkauften Shirts direkt an die Organisation Im Kommen: Soli-Mode ‹International Campaign for Tibet› für einen guten Zweck. (ICT), die seit 20 Jahren den fried­ lichen Widerstand des tibetischen Als Zeichen des Protests gegen Volkes unterstützt. Die ICT macht das Vorgehen der chinesischen Re- Menschenrechtsverletzungen in gierung in Tibet vertreibt StreetTibet öffentlich und setzt sich für tiwear-Anbieter KolibriShop.com ab betische Flüchtlinge, Gefangene sofort speziell angefertigte T-Shirts. und Misshandelte ein. Politiker werden aufgefordert, die chinesiMit der unmissverständlichen Botschaft ‹Free Tibet› setzt das Unter- sche Regierung verstärkt unter nehmen ein klares Zeichen gegen Druck zu setzen, damit sie die MenMenschenrechtsverletzungen in schenrechte der Tibeter respektiert. Tibet und unterstützt durch SpenDamit unterstützt die ICT den friedden eine wohltätige Organisation lichen Protest des 14. Dalai Lama. bei der Verbesserung der dortigen Erhältlich sind die Shirts ab soLage. fort ausschliesslich auf Die T-Shirts sollen als Protest- www.kolibrishop.com. mittel gegen die Unterdrückung der Region und gegen die Einschränkung der Menschenrechte in Tibet gelten. Auf der Frontseite der Shirts prangt auf schwarzem Grund die Flagge der tibetischen Exil­ regierung, welche in der Volksrepublik China verboten ist. Die aufgehende Sonne, umrahmt von 12 blauen und roten Strahlen gilt als Symbol eines freien Tibets. Dies unterstreicht die Aufschrift

silber gegen bier

Fussball Armband für die Dame – die neue Kollektion zur EM von Magdalena Hafner

‹Schatz, bringst du uns noch Bier?› Nun brauchen fussballsüchtige Männer auch dann kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn sie sich während der EM 2008 zeitweilig in Couch Potatoes verwandeln. Denn als passende ‹Abwehr› gegen Gelbe und Rote Karten der (vorübergehend) vernachlässigten Frau oder Freundin gibt es jetzt das schicke und absolut trendsichere Präsent. Zum laufenden Spielbetrieb in Österreich und der Schweiz stellt Magdalena Hafner ihr EM-Armband vor. Es handelt sich dabei um ein Bettelarmband aus massivem Silber 925 mit hochwertigem Karabiner-Verschluss und fünf tollen Fussball-Motiven als edle Anhänger. Die Motive sind frei kombinierbar und lassen sich durch individuell angefertigte weitere Anhänger ergänzen. Selbstverständlich sind auch individuelle Gravuren – etwa persönliche Widmungen oder der Lieblingsclub – möglich. Im VK liegen die Bänder bei ca. CHF 400.– mit 5 Anhängern. www.magdalena-hafner.de

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die genialität eines säuglings

Baby Genius heisst die neue Schweizer Indie-Hoffnung.

Vergesst Pete Doherty, vergesst alle nonchalanten und gehypten englischen Retro-Bands! Die Schweiz hat ihren eigenen Rock-Troubadour: Baby Genius. Er hat Witz, Chuzpe und das Je ne sais quoi, das eine Rock’n’Roll-Platte zum Hit macht. Er vereint den Lo-Fi-Charakter eines Urban Jr. mit der Eingängigkeit der Lovebugs. Der zwanzigjährige Luzerner Ivo Amarilli hat mit seinem selbstbetitelten Debütalbum auf Anhieb seine Reifeprüfung abgelegt. Von Null auf Hundert begeistert der Innerschweizer mit gewitztem Songwriting, hitverdächtigen Ar­ rangements und erreicht eine musikalische Spannweite, die in der Schweiz ihresgleichen sucht. Baby 14

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Genius scheint alle Facetten des Rock’n’roll-Genres zu beherrschen. Ob punkige Abgeh-Nummern wie ‹Dance› und ‹F.E.V.E.R.› oder semirockige und unglaublich hitver­ dächtige (Anti)-Love-Songs wie ‹Couldn’t Love You›, ‹Just Wanted to Know› oder ‹Need to Feel›, er spielt auf der Klaviatur der angesagten Musik-Stile wie ein abgebrüh-­ ter Konzertpianist. Text: Mathias Menzl www.myspace.com/babygenius

erfahrene newcomer mit verve

Im dritten Jahr in Europa bleibt die Sneaker-Marke Kustom ihren noch recht jungen Wurzeln treu. Auch in der aktuellen Kollektion bietet der Brand seine Modelle für Mädels und Jungs in einer grossen Auswahl an verschiedenen Farben und Materialien an. Kustom verbindet bewährte Styles wie zum Beispiel die vulkanisierte Sohle mit modernen Fashiontrends: Schmale Schnitte, extra dünne Sohle, quadratische oder spitze Zehen, Klettverschluss sowie viele kleine weitere Details, die jeden Schuh zu einem kleinen Highlight machen. www.kustom-footwear.eu

wake up! Nach zwei erfolgreichen Ausgaben wird die diesjährige O’Neill Wakesurftour zwischen Donnerstag, 10. und Samstag, 12. Juli, am linken Zürichseeufer in Wollishofen und Horgen ausgetragen. Wakesurfen ist eine der upcoming Fun-Sportarten, die relativ einfach zu lernen ist. Und der Surfbrand O’Neill will diese junge Sportart in der Entwicklung unterstützen. Die Wakesurftour bietet den Surfern eine Plattform, sich bei einem organisierten Contest zu messen. Schweizer Top-Wakesurfer wie Martin Suter und Sascha Gattiker haben Ihre Teilnahme angekündigt. Bereits im letzten Wettkampf haben die beiden ein Duell auf höchstem Niveau gezeigt. Zudem stehen mit der ‹Brasilianer-Fraktion› rund um Surflegende und Shaper Dani Paez weitere heisse Kandidaten für den Sieg an der diesjährigen Wakesurftour parat. Contest-Manager und Headjudge Oliver Schibli zeigt sich optimistisch, dass sich an der diesjährigen Ausgabe der Tour genügend weibliche Teilnehmerinnen einschreiben, um eine separate Kategorie zu schaffen. Er meint: ‹Die Girls haben es verdient, einen separaten Wettkampf zu bestreiten, obschon sich Surferinnen wie Salome Lerner oder Korina Smyrek auf gleichem Niveau wie die Jungs bewegen›. Die Qualifikationen werden am Donnerstag in Zürich Wollishofen und am Freitag in Horgen ausgetragen. Die Finals finden ebenfalls in Horgen am Samstagnachmittag in einer einzigartigen Location statt. Neben dem Contest wird auf dem Horgner Seegüetli-Areal an diesem

Wochenende eine Beachparty mit Bars, Foodständen und DJ’s veranstaltet. Die Möglichkeit, sich sofort anzu­­­melden gibt’s auf www.wakesurftour.ch. Achtung: Die Startplätze sind limitiert! Ebenfalls auf der Website findest du mehr Infos über den Event sowie eine exklusive Verlosung von Wakesurf-Sessions auf dem Zürichsee!

Wakesurfen bringt die Strasse in den See


4. evangelium

mini rock und charity liess sich das auch anmerken. Ich schätze Carrie, nur dieses spezielle Bühnenstück hatte ich einfach nicht gut gefunden. Hätte sie in ihrem Stück der­ artig gut vorgetäuscht, dass sie dringend wegmüsse – also so, wie ich das in jenem Moment tat – ich hätte ihr Spiel in den Himmel gepriesen. An einem Tisch sass die Sängerin Debbie Harry. Ich bewundere diese Frau. Sie ist Stilikone und dennoch tanzender Punk zugleich. Aus Erleichterung, sie zu treffen, lehnte ich mich leider zu fest an den latent fixierten Tisch, und dieser brach krachend zusammen. Als ich hilflos aufschaute, blickte ich in die Augen von D., einer Redakteurin aus Berlin, die mich seit jeher von oben herab behandelt. Sie denkt wohl, sie sei intelligenter als ich. Dank des Tisches fühlt sie sich nun bestätigt. ‹Warum ist ihnen so langweilig?›. Was für eine Name Langeweile um Himmels willen? Ich tastete die Chic Chariq Festplatte in meinem Gehirn ab, um herauszufinTanz Kontratanz und Swing den, wer mir diese Frage stellte. Um Zeit zum Anzug Nachdenken zu gewinnen, fragte ich ihn, was er Etro und Romeo Gigli hier mache. Der Mann antwortete: ‹Ich habe Auto den diesjährigen Charity-Mini für Agent ProvocaWiessmann Roadster M3 BMW Motor und Mini teur gestaltet.› Datei gefunden. Es handelt Musik Ride und Caetano Veloso sich um niemand geringeren als Joseph – Mr. Agent Provocateur – Corré himself. uch! Da denkt man an nichts Böses, und Ich fragte ihn, wieso er gerade dieses Auto gewird einfach so von einem grossen staltet hat? ‹Mein erstes Auto war ein Mini und bayerischen Konzern auf eine Party nach in dem hatte ich die ersten paar Mal GeschlechtsWien eingeladen. Nicht zu einer Prä­ verkehr. Ausserdem strahlt es totale Britness aus, sentation der neusten Weisswurst-Kollektion aus was auch ich bin. Gott sei dank gab es die Mögdem Hause Hoeness etwa oder zu einer Infolichkeit, den Mini Clubman mit dem grösseren KofVeranstaltung zur ergonomisch korrekten Haltung ferraum zu gestalten, so dass ich da drin eine der einlitrigen Biergefässe: Es war die Pre-Party grosse Spielwiese mit einem genoppten Lederbett des alljährlichen Charity-Krachers Lifeball. Dort einrichten konnte. Und das alles für einen guten trifft man natürlich auch mal bajuvarische Fuss­Zweck. Denn der Mini wird versteigert und der Erball-Industrielle und bekommt mit Sicherheit auch lös der AIDS Stiftung gespendet›. Ich war beeinWurst – wenn es denn unbedingt sein muss – druckt, als er mir die Fotos von mehreren sich räaber in erster Linie trifft man hier jede Menge inter- kelnden Agent-Provocateur-Models präsentierte. essanter Personen. Cover-Models zum Beispiel. Der Person, welche dieses wunderhübsche GeDie sehen super aus und zieren die Titelblätter neuer fährt ersteigert, kann man alles Gute wünschen, Zeitschriften, die erzählen mir aber auch auf aber hauptsächlich die Pest. Denn wer möchte sympathisch-lockere Weise vor den Schwierigkei- solch ein stylishes Wägelchen nicht für sich ten, die man als Supermodel so hat – negative selbst!? Das Bestaunen der Bilder als Nobody mit Kritiken am Aussehen par exemple. Die haben üb- dem Something hatte schnell Gaffer und Möchterigens auch männliche Supermodels. Wie Markus gern-Somebodys gelockt – ein ganz natürliches Schenkenberg. Mitten auf der Party, zwei Stufen Ritual auf Partys dieses Kalibers. Ich versperrte, unter mir, stand er da. Einfach so. Grösser und weil ich eh als erster da war, einer attraktiven Frau dennoch kleiner wirkte er: ‹So also sieht der Esel die Sicht zum Something. Das Mädel wurde stinkaus, der mich dreckig und hässlich aussehen sauer. Das letzte Mal hatte ich solch eine wütende lässt?› Ein unhöflicher Schwede. Und nur weil ich Frau im Jahre 1999 gesehen, als sich ihr teures mal extrem schlechte Fotos von ihm gemacht Kleid in meinem Reissverschluss verfing – und der habe, die eben super waren, aber nicht modelmäs- Hauch von Nichts zu Fetzen mutierte. Wüste Erinsig rüber kamen. Das war schade für uns beide. nerungen und Sekt statt Champagner? Ich mussStatt Esel könnte er auch Schwein gesagt haben. te weg – erneut oscarreif! Am Schluss habe ich Die Leute merken sich eben immer nur das Ne­ übrigens vergessen, gewissen Leuten auf Wiedergative. Neben ihm stand leider eine Schauspielesehen zu sagen. Sie meinten, es sei nicht so rin, deren Stück ich mal verrissen habe. Sie schlimm.

usbfridge Wer kennt das nicht? Ein kühler Drink ist bei der Arbeit manchmal genau die richtige Erfrischung, aber vielleicht gibt es im Büro gar keinen Kühlschrank – oder er ist so weit vom Schreibtisch entfernt, dass man immer seine Wanderschuhe anziehen muss, wenn man sich auf den Weg dorthin macht. Mit dem USB-Minikühlschrank wird jetzt alles anders! Er hat Platz für eine Getränkedose und kann an den PC angeschlossen werden. So hat man immer ein perfekt gekühltes Bier zur Hand. Ganz nebenbei sieht er im RetroDesign auch ziemlich stylish aus und wird garantiert die neugierigen Blicke der Kollegen auf sich ziehen. www.usb.brando.com.hk

H

Kühle Getränke am Arbeitsplatz sind Gold wert

kopfball Euro und EM 2008? Hier ist unsere Antwort auf den Tschuutewahn. Statt nichts Anderem als Fussball im Kopf, gibt es von kinki magazine denselben auf den Kopf. Hopp!

Zeitlupenaufnahme eines Kopfballes

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Rechtzeitig für laue Sommerabende kommt ein neuer Drink in die Schweiz: Das helvetische TopModel Anouk Manser präsentiert den Martini Fiero Drink in der Schweiz.

top model anouk nippt gerne am martini glas Martini ist seit vielen Jahren eng mit der Mode- und der Filmbranche verbunden und international arbeiteten bereits Stars wie Gwyneth Paltrow, Naomi Campbell und George Clooney als Botschafter für die Marke. Martini Fiero trinken wie die oben genannten Stars kann man ab sofort auch auf den Martini Terrazzas, die in diesem Sommer in fünf Schweizer Städten zum Genuss in trendigem Loungeambiente einladen.

Martini. Junge, selbstbewusste Frauen wie Anouk, die gerne einen Aperitif trinken, werden den neuen Drink mögen.› Martini Fiero basiert auf Weissweinen der Regionen Emilia-Romagna, Apulien sowie Sizilien. Durch die Aromen reifer Blutorangen und anderer Zitrusfrüchte erhält er eine erfrischende Leichtigkeit. Das mediterrane Flair und das Rot von Martini Fiero erinnern an den Sonnenuntergang an der italienischen Küste. ‹Martini steht für ital­ ienische Lebensfreude und dafür, Und zu Hause geht das so: die schönen Momente im Leben zu geniessen. Ich bin italienischShortdrinkglas mit viel schweizerische Doppelbürgerin und Eis füllen, kenne dieses ganz besondere Le4–6 cl Martini Fiero dazu, bensgefühl. Deshalb freue ich mich 1 ⁄8 Liter frisch gepressten auch sehr, Martini Fiero vorstellen zu Orangen- oder Limettendürfen›, erzählt Fräulein Manser. ‹Ich saft ins Glas, kurz um­ finde es toll, dass eine grosse Marke rühren und mit einer mich als Botschafterin eigens für Orangen- oder Limettendie Schweiz gewählt hat. Martini hat scheibe dekorieren. schon mit so vielen Stars aus der Aaah! Mode- und Filmbranche zusammengearbeitet. Mit George Clooney, ‹Anouk ist die perfekte Botschafterin dem internationalen Ambassador für für Martini Fiero›, sagt Sibylle Valeggia Martini, würde ich übrigens auch von Bacardi-Martini, ‹denn sie gerne einmal anstossen›, schwärmt verkörpert den Style, Glamour und Anouk. das italienische Gioia di Vivere von

lieber chi gong?

handarbeit am fuss

Der hippe Sneaker Brand JB Classics wurde vor sieben Jahren von dem amerikanischen Street Art Künstler Jason Bass gegründet. Wofür Ex-Frauen nicht alles gut sein Die flotten Treter sind in weiss und Schon in seiner Karriere als Künstler können. Um der übertriebenen Yoschwarz zu haben. Neben Shirts und hat es JB nie fertig gebracht, sich gabegeisterung seiner Frau einen von seinen Werken zu trennen. Er Flipflops findet man selbst SkateRiegel vor zu schieben, beschloss hat sich dann gefragt, wie er Kunst boards unter: www.fuckyoga.com Barnaby Harris, mittels eines ‹Fuck verkaufen könnte, ohne seine GeYoga› T-Shirts seinem Ärger Luft zu mälde loswerden zu müssen. Aus machen. Nicht ganz ernst gemeint diesem Grund sind die wohl vielfäldoch eisern trug er 39 Tage lang tigsten und innovativsten Sneakers das T-Shirt und der Slogan stiess auf dem Markt entstanden. auf Interesse. Spätestens ein Foto Und die handgemachten und im GQ Magazin verhalf zum Durchaus hochwertigem Materialien verarbruch und selbst ein Auftritt in der beiteten JB Classics Sneakers sind Erfolgsserie ‹Sex and the City› folgte nun endlich auch in der Schweiz zu später. Das Sortiment wurde erweihaben! tert und neuerdings kann man per Der Zeitaufwand für die HerstelFlipflop gegen die Entspannungslung eines Paar Schuhe beträgt ca. übungen protestieren. Nur sollte 4h. Jeder Schuh ist auf der Innenseiman die möglichen Folgen genau te nummeriert und wird mit dem daabwägen. Wie schon erwähnt, ist zugehörigem Zertifikat verkauft. Die Yoga liebt man, Mr. Harris mittlerweile geschieden. Schuhe werden nur aus Leder heroder hasst es 16

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gestellt und in jeder Schuhschachtel sind noch ein Sneakerbag und Schnürsenkel in anderen Farben enthalten. Spezielle Modelle enthalten auch noch zusätzlich ein T-Shirt, spezielle Socken, etc. Die Frühlings-/Sommer-Kollektion ‹Premium Edition› (weltweit limitiert auf 100 – 400 Paare) ist ab sofort in ausgesuchten Fashion Stores erhältlich.


figaro

dreadlocks Herkunft die 40er Jahre und die Szene der Rastafari-Bewegung auf Jamaika Mindset relaxtes Auftreten, Bekenntnis zum Marihuana-Konsum Geschlecht weiblich wie männlich Passt gut zu bunter Häkelmütze (auch im Sommer), Batikshirts und Reggaemusik

A

uch wenn die Mumie Tutanchamuns Dreadlocks oder Rastazöpfe besitzt und die Geschichte der Filzlocken-Pracht älter ist als die ihrer Träger, wenden wir uns dennoch der karibischen Version aus Jamaika zu. Dort entstand der Kult um die Frisur von Bob Marley, einem der wohl berühmtesten Dreadköpfe. Und ebenfalls dort sah man in den unteren Schichten der Gesellschaft immer mehr Rasta-Mähnen durch die Strassen ziehen, um so gegen das Schönheitsideal der weissen Oberschicht zu protestieren: Die britische Kolonialmacht hatte neue Seitenscheitel eingeführt, die einem Rastafari nicht auf den Kopf kamen. Die originalen Dreads wurden ohne Hilfsmittel, regelrecht herangezüchtet. Während die NeoRastas heutzutage in jedem Coiffeurladen geflochten werden, entstehen die echten Dreadlocks einfach aus ungewaschenen und verfil zen Haaren. Lang lebe die Kulturrevolution! Ausgerechnet ungewaschene Haare haben eine biblische Belegung, die in der Zwischenzeit aber an Gewicht verloren zu haben scheint. Denn die Dreadlocks sollen an die Mähne Samsons erinnern, der seine sieben Locken von den Philistern abgeschnitten bekam und der dadurch seine übermenschlichen Kräfte verlor. Allerdings erlangte er sie wieder, nachdem die Haare nachgewachsen waren. Welche Superkraft die Rastafari allerdings durch ihre Filz-

pracht erhalten haben, ist bis dato nicht überliefert. Was früher wirklich noch eine Bedeutung hatte, wird heute in so ziemlich jeder Musikkultur gesehen und getragen. Die Hip Hopper haben sich die

Dreadlocks ebenso angeeignet, wie auch die MetalFans. Welcher Religion oder Gesinnung man auch immer angehören mag, wer Dreads auf dem Kopf trägt, hat auto-

matisch ein lässiges Image in der Tasche. Scheint es. Denn eines sind die Jungs mit der Bommelmütze ganz offiziell selten: gestresst. Text: Adriana Popescu Illustration: Lina Müller

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was läuft…

basel Philipp Brogli:

Nicht nur beim Fussball wird die Rote Karte ge­ zogen, sondern neustens auch im öffentlichen Raum. Gewaltbereite Personen soll die Polizei in Basel künftig von bestimmten Orten vorü­ bergehend wegweisen können. Für dieses in der Praxis bereits erprobte neue polizeiliche Instrument legt nun die Regierung nachträglich die rechtliche Grundlage vor. Die vor­ gestellte Ergänzung des Polizeige­ setzes erlaubt einen befristeten Platzverweis von bis zu 72 Stunden. In schweren Fällen – etwa bei Un­ belehrbaren – kann die Wegweisung auch für einen ganzen Monat verfügt werden. Seid also lieb zueinander.

‹freakshow› im abx

bern Arci Friede: ballvergnügen. Während an der Die unter der Fuch­ EURO 08 auf dem Grossbildtel von Stadtchef schirm an der Mittleren Brücke das Alexander Tsch­ Abendspiel übertragen wird, ge­ äppät flächende­ niessen 20 Personen einen gemütli­ ckend proklamierte chen Fussballabend auf der VogelGryf Rheinfähre, mit bester Sicht zur Auftaktstimmung zur Fussball­ europameisterschaft hat nun auch Leinwand. Hopp Schwiiizzz! Reservieren unter www.faehri.ch die Ritzen der städtischen Subkultur verschlackt und Gott Fussball treibt selbst die hochrossigen Kul­ turblogger unter seine Macht. Grund genug, allen anderen Geschichten, Der spezielle Sommertreff hoch über die derweil im medialen Abseits ste­ dem Basler Rheinhafen in Klein­ hen müssen, Raum zu geben. hüningen: Die Capri Bar verlegt den Nicht aus Protest; mehr als Beifall Standort ab Juni bis September für die Leute, die in Zeiten gros­jeden Samstag ab 20 Uhr auf die ser Spektakel für kleine Spektakel Aussichtsterrasse vom Bernoulli-Silo sorgen. mit herrlichem Hafenrundblick.

hafensilo

Bernoulli-Silos, Hafenstrasse 7, 4057 Basel. Endstation 8-Tram Klein­ hüningen und 5 Minuten zu Fuss

bier marsch!

kramgasse 8

So an der Kramgasse 8, wo in einem historischen Altstadtkeller eben neu die ‹Kappelle-Bar› die Falltüren geöffnet hat. Hinter dem Konzept Bevor auf dem beliebten Basler Gemütliche Grillparty und kein ‹Lounge-Bar mit elegantem ­NT-Areal alles zubetoniert und vor­ Bier? Der ‹Bierkurier› bringt’s! Hei­ ­Goth-Timbre und Rock’n’Roll-­ aussichtlich im 2011 die Wohn­ misches ‹Unser Bier› vom Fass oder Nimbus, täglich geöffnet bis halb siedlung Erlenmatt steht, wird das in Flaschen. Da die EURO Bierpreise eins, am Samstag lange Nacht sommerliche Ausgehangebot um in den Public-Viewing Zonen ziem­ mit DJ› stecken auf irgendeine ­einen kleineren Club namens ‹ABX› lich hoch sind, eine prima Alternative Hundsart auch die Jungs von ‹32 erweitert. An der Arealecke beim direkt an den eigenen Open Air-TV Tattoo› – des wohl kultreichsten Riehenring haben es sich Sandro zu bestellen. Tätowierkellers der Bundeshaupt­ Bernasconi und Iyad El Qirinawi zum www.bierkurier.ch stadt. Ziel gesetzt, eine Plattform für Freaks aus Überzeugung zu schaf­ fen. Das Programm bietet von ­ Kaffee & Kuchen, Live-Concerts, CityBei ‹32 Tattoo› lässt sich gerade Stories, Konserven-Sound, auch der Sämi stechen, bekannt als ­Electronica, Deephouse bis zur Wurst erste Geige des Dancehall & Brot Verpflegung alles, was ­Soundsystems ‹Goldrush Internatio­ sich Leute von heute so wünschen. ABX-Bar, Basel, Erlenstrasse 5 nal›. Und der hat was Frisches www.abx-bar.ch, www.areal.org ­laufen. Nach der Parole ‹Schluss mit brachialem French Touch à la Ed Banger und Hooligen-Elektro nach Boys Noize-Rezept› kommt der Sämi unter dem Pseudonym ‹Wild­ life!› mit mal fröhlichem, mal ­punkigem Tropentechno aus dem Ein Tipp jenen, welchen es auf Nichts um die Ecke. Seine Musik ­B asels Public-Viewing Plätzen zu nennt der Sämi ‹Yard Tek›. Klingt wie eng wird: Der Fähri-Verein und ein Eintopf aus verzerrtem und der Fährimaa Urs Zimmerli bieten in­ ­zerhacktem Technountersatz, kari­ teressierten Firmen und Privatbischem Urgeschrei und Afro­ personen ein ganz spezielles Fuss­ folklore.

yard tek

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mahamaya

So, das wär’s dann aus Bern – ­fertig. Ist jetzt Dienstag, 22.36 Uhr. Bestell mir beim neuen bierexpress.ch noch einen Harass Bier und ’ne Flasche Roten für’s Mädel. Die liefern nämlich bis 00.30 Uhr in ganz Bern und Umgebung. Hab den Tipp von Georgios. Grieche, der das wohl beste India-Restaurant der Welt führt. Mahamaya heisst’s und ist in der Länggasse. Tisch­ reservation empfohlen. Ist jetzt keine News, weiss ich. Dachte, ich erwähn das trotzdem an dieser Stelle. Wegen dem Tipp eben – als ­Dankeschön. So, jetzt aber Ende.


st. gallen Gallus Brothers:

Nein, wir können lei­ der nicht berichten, dass das Marktleuten ein toller Club ist. Aber garantiert gibt es schon Wetten darüber: Wird es der erste Club in diesem Keller neben dem McDo sein, der lange genug offen bleibt, dass auch ­jemand hingeht? Wie man hört, soll dort auch der (Reverend) Beat vom Naschwerk irgendwie die Fin­ ger drin haben, zumindest hat er die auch im Marktleuten öfter am Mischpult. Im Naschwerk sollen hin­ gegen bald die Spots ausgehen. Der Vermieter wollen den Stadtkel­ ler anderweitig nutzen.

trinken. Schlecht für den Klang & Kleid. Die Umsätze der Platten­ käufer, die nebenher noch irgend­ einen Quatsch gekauft haben, ­gehen jetzt wohl flöten.

kugl und schnauz fm

Nicht geflötet wurde am 30. Mai im Kugl. Da fand der erste St. Galler IPod-Battle statt. Aber so richtig ­haben die St. Galler wohl noch nicht begriffen, weshalb man das kleine Spielzeug im Club einsetzen soll. Von den acht angekündigten Teams, die sich da um den Applaus clicken wollten, stammte nur eines aus der Gallusstadt. Gehostet Nicht anderweitig genutzt werden ­wurde der Event von den Jungs von soll das Badhaus in der Lokremise. Schnauz FM, der Hip Hop-SenDJ Manuel Moreno wollte dort dung auf toxic.fm. Bei denen scheint einen Club aufmachen, zumindest auch einiges drunter und drüber so lange, bis dort St. Gallens neuer zu gehen. Sie senden ein MinimalKulturleuchtturm steht. Jetzt ist Programm. Was cooler tönt, als die Übung wieder abgeblasen. Das es ist. Wann es dort wieder richtig kantonale Hochbauamt hat den los geht, und was sich dann ge­ Schwanz wieder eingezogen. Ein re­ ändert hat, können wir euch hoffent­ kursfreudiger Anwohner und büro­ lich nächsten Monat berichten. kratische Hürden seien die Gründe. Schade eigentlich, die Party die es da mal gab war eigentlich cool (Nein, falsch. Es war ‹hot›. Die Lüf­ tung fehlte). Jetzt soll’s da einen Raum für Kunst geben. Dringend ei­ gentlich, denn mit dem Exex schliesst einer der raren Off-Kunst­ räume bald für immer die Türen. Im Juni gibt’s noch ein paar Ausstel­ lungen, also nichts wie hin.

badhaus

freshcuts

Das im gleichen Raum unterge­ brachte Büro des Kulturmagazins Saiten zieht ebenfalls aus. Der Juni ist für einige ein Zügelzeitraum. Auch für Philipp Buob a.k.a DJ Pbeat vom Plattenladen Freshcuts. Nach einer gefühlten Ewigkeit im Keller des Klang & Kleid-Shops zieht er Anfang Juni an die Metzgergasse. Am 10. eröffnet er seinen Neuen vis à vis der Bar CMC. Vielleicht ein Grund, da wieder mal ein Bier zu

luzern Kackmusikk:

b-sides festival sonnenberg, ­kriens

Gut, heutzutage hat jedes Kuhdorf sein eigenes Festival! Kriens jetzt auch! Nee komm, das war jetzt fies. Natürlich gibt’s dieses Open Air schon seit Längerem und es besticht immer wieder durch interessante Acts. Dieses Jahr reicht es von ­Indie Rock-Fenchelmusik (ich komm noch drauf zurück..) über Dark Ambi­ ent-whatever, zu noch mehr Gi­ tarrenmucke… Also, zieht alle eure Cheap Mondays an und feiert euch ins Delirium. Falls ihr nicht auf handgemachten Rock steht, pilgert doch einfach in die ‹Einfach-­ Bitte-Nicht-Italien-Arena› und zeleb­ riert die Hood Regulators und Kid Sleazy im Vierfarbenmodus. Die Jeans dürft ihr anbehalten. Mehr ­Infos gibt’s auf:

haben vom Bravda Club das Dach weggerissen. Unter Luzerns freiem Himmel findet sich Lounge-Atmo­ sphäre hier, Bar-Feeling da und in­ mitten von alledem ein Sonnendeck mit Pool, ein multifunktionaler Sand­ platz und eine Wellness-Area mit Baldachin-Betten wie es sich Cäsar nicht besser hätte erträumen kön­ nen. Irgendwo soll sogar noch ein komplettes DJ-Set inklusive DJ rum­ stehen, hab es aber leider nicht ge­ funden. Ich denke aber mal, dass die soundtechnisch in der ‹DJ AntoineLiga› spielen. Nach diesem Gedan­ ken hab ich mich dann mal so si­ cherheitshalber zum Food Court hingestellt, um mir bei allfälligem Er­ scheinen des örtlichen Plattenaufle­ gers gekonnt je ein Carpaccio-Röll­ chen in die Ohren zu stecken…. Mehr Infos gibt’s auf: www.city-beach.ch

taktlo$$ im sedel

‹Ihr seid alle Schwuchteln! So, jetzt ist das Wichtigste gesagt!› Nette Worte vom selbsternannten Boss der Schweiz, zu Beginn seines einzi­ gen CH-Gigs im Kult-Kulturzentrum Sedel. Sein Programm ist einzu­ ordnen zwischen grenzdebilen Hilfs­ schülern und totaler geistiger Um­ nachtung! Mir hat’s ausserordentlich www.b-sides.ch gefallen. Noch mehr als ausseror­ dentlich gefallen haben mir aber die Jungs von Keinondabel, welche als Support-Act fungierten. Zwei Mittzwanziger, der eine dünn und tä­ towiert, der andere auch dünn aber mit mehr Brusthaar, liefen, ohne Scheiss jetzt, nur in Windeln beklei­ det zum Babysitter Boogie auf die ‹Der erste Stadtstrand der Schweiz Bühne und strichen sich gegenseitig feiert VIP-Opening›. Gut, ich steh da Nutella-Kacke ans Bein. Neben die­ an, bekleidet mit meiner blauen Bra­ sen Fäkalspielchen wurde aber auch sil-Badehose und gleichfarbener gerappt! Und wie! Brachiale Beats, Luchador-Maske und will dem Publi­ Machine-Gun Raps, immer mit kum die ‹Horwer Arschbombe› de­ viel Witz vorgetragen. Ich kann jedem monstrieren. Leider sieht das die nur empfehlen, sich ein Live-Gig Einmeterneunzig-Schrankwand von ­dieser beiden Spinner anzusehen. Türsteher anders und verweist mich So sehr sich Hip Hopper durch ihre in typischer ‹Du kommst hier nicht Engstirnigkeit selbst zu Grunde rein›-Manier des Feldes. Am nächs­ ­richten, so sehr macht KOA das wie­ ten Tag komm ich dann doch rein der wett! Mehr Infos gibt’s auf: www.myspace.com/keinondabel und habe sogleich das Gefühl, die

eröffnung city beach luzern

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After The Show

‹No photos!› – die Ansage bei Juliette Lewis’ ­Promo-Termin zur ersten Tour mit The Licks war klar. Ebenso verboten waren Fragen zum Ex Brad Pitt und Scientology. Dazu will man von der Frau auch gar nichts Genaueres wissen. Fotos will man aber schon.

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ewis ist zum Glück nicht so zickig wie ihr Management glauben macht und reagierte begeistert auf die Idee, sie nach der Show abzulich­ten: ‹That’s the only way to show how we really are›. Die ‹After The Show›-Serie hatte ihren Segen. Anfangs gekoppelt an die Interviews, entwickelte sie über die zwei Jahre eine Eigendynamik, bei der Interviews teils nur arrangiert wurden, um an die Musiker ranzukommen. Denn die ausgemusterten Marines und Profil-Neurotiker, welche die meisten Bands als Manager begleiten, sehen keinen Sinn, ihre Schützlinge unvorteilhaft ablichten zu lassen. Doch waren die Musiker überzeugt, wurden die grössten Brüllaffen handzahm. Für das Set-up, ein Blitz und eine Mittelformat-Kamera, zählte die alte Rock’n’Roll-Weisheit: ‹Keep it simple›. Ausserdem war man so flexibel in der Location-Wahl: möglichst nahe der Bühne und schnell beim Aufbau. Noch schneller gingen die Shootings: ein Foto für Lemonheads’ Evan Dando, ‹thirty fuckin’ seconds› für Iggy Pop. Viel

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länger lohnt es sich eh nicht. Dann verfliegt der unverfälschte Moment frisch off the stage und die Stars werfen sich in ihre gewohnten Posen. Bands wie Audioslave, die sich erst in ihren Backstage zurückzogen, flogen deshalb raus aus der Serie. Was man jetzt bei ‹After The Show› sieht, ist mit all dem Schweiss und Emotionen in den Gesichtern der Musiker nicht nur authentisch, sondern auch ästhetisch. Das begreifen Business-Manager wohl nie, dafür Rock’n’Roller wie Jesse ‹The Devil› Hughes. Der schnauzbärtige Womanizer der Eagles Of Death Metal frohlockte: ‹You made me look good›! Text: Olivier Joliat Alle Fotografien: Matthias Willi


Iggy Pop

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Els Pynoo (Vive la FĂŞte)

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Kid Rock

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Chino Moreno (Deftones), Brian Molko (Placebo), Endo Anaconda (Stiller Has), Farin Urlaub (Die Ă„rzte)

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Robert Trujillo (Metallica)

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Juliette Lewis (Juliette and the Licks)

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Danger Mouse, Cee-Lo Green (Gnarls Barkley)

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Tyson Vogel (Two Gallants)

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Evan Dando (Lemonheads), Sebastian Hausmann (Fucking Beautiful), Jesse ‚The Devil› Hughes (Eagles of Death Metal), Pelle Almqvist (The Hives)

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Josh Homme (Queens of the Stone Age)

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Merrill Nisker (Peaches)

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Saufen für die Demokratie Wie sich liberale US-Bürger angesichts der ­politischen Lage im Lande von Vollrausch zu Vollrausch hangeln.

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ie USA haben politisch ein aufregendes Jahr vor sich. Der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten zwischen Hillary Clinton und Barack Obama ist in vollem Gange – während sich der republikanische Kandidat John McCain aufgrund der unklaren Verhältnisse im gegnerischen Lager wieder Hoffnungen auf die Nachfolge seines Parteigenossen George W. Bush machen darf. Spannende Vorwahlen und dramatische Fernsehauftritte werden weiterhin ungebremst über die Fernsehbildschirme der Amerikaner flimmern, bis Anfang November, mit der Wahl zum Präsidenten – oder zur ersten Präsidentin – der ultimative Showdown ins ‹Weisse Haus› steht. Eine wachsende Gruppe politisch interessierter, linker Bürger gewinnt diesen unruhigen Zeiten vor allem eines ab: Den organisierten Alkoholkonsum unter Gleichgesinnten...

Alkoholpegel in Beziehung zu Ver­ sprechern

Die Vereinigung der ‹Liberal Drinkers› ist in ihrem eigenen Selbstverständnis trinkfest, diskussionsfreudig, offen für neue soziale Kontakte und prinzipiell eher der Demokratischen Partei zugeneigt. Man trifft sich regelmässig in einschlägigen Bars, floskelt über aktuelle politische Strömungen in Washington oder die neuesten Sex-Skandale im Abgeordnetenhaus, kippt sich ordentlich einen rein und flirtet dann heftig mit der attraktiven Parteigenossin, die ebenfalls zu tief in Glas geschaut hat – so kann Politik noch Spass machen!? Während sich die Masse der Amerikaner eher zu TV-Ereignissen wie dem Superbowl zusammenfindet, um mit Freunden und Familie das ein eoder andere Bier zu trinken, nehmen die ‹Liberal Drinkers› beispielsweise Fernsehübertragungen der Präsidentschaftsvorwahlen als Anlass für alkoholisierte Zusammenkünfte – und die Zahl der Vorwahlen entspricht immerhin der Anzahl der US-Bundesstaaten. Ebenso beliebt sind die Reden des Noch-Präsidenten Bush Junior. Dabei steht der Alkoholpegel in direkter Beziehung zu Bushs legendären Versprechern: Bush nennt seinen iranischen Rivalen mal wieder ‹Ackmenjad› statt Ahmadinejad – der erste Shooter in Form eines Schnaps folgt. Aus social security wird die ‹social secureity› – es folgt das nächste klare Wässerchen. Zu Bushs Rede ‹Zur Lage der Nation› im 32

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Januar 2008 wurde gar eine Bingo-ähnliche Karte zum Download bereitgestellt, die als Trink-Regelwerk diente. Jeder kann übrigens einen Ableger dieser Trinker-Franchise-Organisation in seiner Heimatstadt gründen und die Ressourcen nutzen, die ihm die Homepage der Liberal Drinkers zur Verfügung stellt: Vom Flyer-Vordruck, über die passenden TShirts, bis hin zur Mailing-Liste ist alles online erhältlich. Nur eine billige Bar und ein paar gesprächige Leute muss der Filial-Leiter selbst zu Verfügung stellen – und den nötigen Durst natürlich auch. Bislang gibt es 236 örtliche Zusammenschlüsse der Liberal Drinkers in über vierzig Bundesstaaten. Tendenz steigend. Dass sich Clinton oder Obama mal bei einem der ‹Pitcher-Meetings› blicken lassen werden, ist eher unwahrscheinlich. Schliesslich müssen sie im Gegensatz zu ihren Fans im Wahlkampf einen klaren Kopf bewahren – zumindest ‹alkoholisch›. Text: Kai-Holger Eisele Illustration: Raffinerie


Bringt die Emos um!

Sie tragen Röhrenjeans und sie weinen in aller Öffent­ lichkeit – die Emos sind in europäischen Gross­ städten schon lange kein ungewohntes Bild mehr. Doch der provokative Look stösst auch immer öfter auf harte Kritik. In Mexiko kam es nun zu einer wahren Hetzjagd, als hunderte Jugendliche drei EmoRocker krankenhausreif prügelten. Und auch in der Schweiz wurden bereits erste Emo-Riots gemeldet.

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rgendeine Seitenstrasse in der mexikanischen Stadt Queretaro: Drei Kids versuchen sich verzweifelt an den Wänden festzukrallen. Sie pressen sich fest aneinander und versuchen ihre Körper gegen die Tritte und Faustschläge der unzähligen Jugendlichen zu schützen, die das Gewaltszenario mit ihren Handys filmen. ‹Bringt sie um› schreit der aufgebrachte Mob, der lachend und grölend durch die Strassen flüchtet, als die Polizei die Gewalttäter unter Arrest zu stellen versucht. Das Trio liegt schwer verletzt auf dem Boden und wartet wimmernd auf die Sanitäter. Das Youtube-Video, dass derzeit durch die südamerikanischen Medien wandert, schildert nicht etwa eine spontane Prügelei zwischen hormongetriebenen Jugendlichen, sondern eine über das Internet sorgfältig geplante Aktion, gegen eine urbane Subkultur, die sich auch in Mexiko ständig wachsender Beliebtheit erfreut. Die EmoSzene sieht sich im Fadenkreuz aufgebrachter Punks und Skater.

Wechselnde Geschlechts­ partner und bunte Totenköpfe

Emos sind nur ein kleiner Teil neuer Subkulturen, die mit dem Internet aufgetaucht sind und deren Wurzeln in den Achtzigern zu suchen sind. Seit dem Jahr 2000 ist Emo (Kurzform für ‹Emotive› oder auch ‹Emotional Hardcore›) nicht nur das Lieblings-Wort der internationalen Musik-Presse für Bands, die sich nicht so recht in eine Schublade schieben lassen wollen, sondern steht auch für ein jugendkulturelles Phänomen, dass sich gar nicht so recht erklären lässt. Emo greift lediglich den modischen Stil der Achtzigerjahre auf und vermischt diese Elemente mit Merkmalen der Gothic-Szene. Charakteris34

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tisch sind Manga-Comic inspirierte Haarschnitte (typisch der schwarz gefärbte Seitenscheitel), hautenge Röhrenjeans und Band-Shirts sowie geschminkte Augenpartien. Bei weiblichen, wie auch männlichen Anhängern. Farbe und Muster spielen dabei eine wichtige Rolle. Die populärsten Schuhmarken sind Vans Slip-On und Converse Chucks. Zumeist werden bunte Kirschen- oder Sternmotive mit düsteren Symbolen wie Totenköpfen oder Fledermäusen kombiniert. Typische Accessoires sind Schweissbänder im Karomuster, Nieten­ gürtel, die unter der Hüfte getragen werden und Ketten an den Geldbörsen. Piercings an der Lippe gehören ebenso dazu, wie das so genannte Plug, die Erweiterung des Ohrlochs. Entstanden aus der amerikanischen Punk- und Hardcore-Szene, gibt es auch schon im Emo diverse Unterformen, wie das ‹Straight Edge› veranschaulicht. Die Befürworter dieser ehemaligen Punk-Bewegung lehnen Drogen- und Alkoholkonsum kategorisch ab. Wechselnde Geschlechtspartner sind für die extremen Emos genauso Tabu, wie der Verzehr oder das Tragen von tierischen Produkten. Spuckende Punks und geschminkte Opfer. Die zumeist jungen Emos sind bei ihren Altersgenossen unbeliebt. Ob nun Skater, Punks oder Hardcore-Anhänger, die Emos werden oftmals ausgelacht, herumgeschubst oder angepöbelt. Ein Grund dafür mag sicherlich die Gefühlswelt der Emos sein, die stets zwischen Verzweiflung, Einsamkeit und Liebe schwanken und dies auch ganz offen zur Schau stellen. Mit Bestimmtheit ist aber auch die Tatsache, dass männliche Emos durch ihren femininen Kleidungsstil einschlägige Klischees untermauern: ‹Sie nennen mich Schwuch­ ­tel, werfen Dinge nach mir und spucken mich an. Es ist richtig gefährlich da draussen›, erzählt der 16-jährige Santino Bautista. Der Schüler und Emo-Anhänger kämpft ebenso wie seine dunkel geschminkten Mitstreiter um Akzeptanz und sieht sich einer gewaltbereiten Gruppe gegenüber, die sich schlicht die ‹Anti-Emos› nennen. Die Anti-Emos entspringen ebenfalls urbanen Kulturen wie der Punk- oder Skater-Szene. Oft-

mals handelt es sich bei den gewaltbereiten Kids jedoch um schlichte ‹Arbeiter-Klassen-Teenager›. Sie beschimpfen die Emos als peinliche Weicheier, verheulte Mädchen und ideenlose Schauspieler, die ihren Stil lediglich geklaut haben. Musikalisch hat dieser Vorwurf seinen Ursprung in den Neunzigerjahren. Bands wie Mineral, Saetia oder die deutsche Band Yage untermalten ihren schram­meln­den Mix aus Indie, Hardcore und Punk, erstmals mit melodischen Ausbrüchen und chaotischer Experimentierfreudigkeit und kombinierten diese mainstreamtaugliche Mischung mit extrem gefühlsbetonten Texten. Noch heute ein Tabubruch für eingefleischte Punk- und HardcoreAnhänger.

Strassen­ kämpfe und sexuelle Zwei­ deutigkeiten

Ob Emo-Bands und deren Anhänger ihren Style nun geklaut haben oder nicht, die grösste Provokation geht in einem Macho geprägten Mexiko immer noch vom zweideutigen Kleidungsstil der Emos aus. Für die Südamerikaner stehen die baby­gesichtigen Rocker mit Homosexualität in Verbindung: ‹Das Problem ist die Homophobie. Alle andere ist nur Ausrede›, erklärt Street Worker ­Victor Mendoza dem Time Magazin. ‹Das hier ist keine Schlacht zwischen Musikstilen, es ist die konservative Seite Mexikos, die gegen die Andersartigkeit kämpft›. Die Emos sind ein einfaches Ziel für ihre Angreifer. Meist im Alter zischen 14 und 16 Jahren haben die Emo-Peiniger meist schon Erfahrungen mit Strassenkämpfen in den Gang geprägten Barrios der Stadt und stossen bei den Emos auf keinerlei Widerstand – diese versuchen die Auseinandersetzung auf intellektueller Ebene zu lösen, doch die verbale Auseinandersetzung kommt verhältnismässig selten zu Stande.


Vor den Übergriffen in Queretaro kam es in Online-Foren zu gezielten Aufrufen. ‹Kill the Emos› hiess es auf einschlägigen Blogs, wie dem ‹Movimiento Anti Emosexual›. Von einer Rückeroberung öffentlicher Plätze wie dem Plaza de Armas in Queretaro, auf dem sich die schwarzgekleideten Teenager gerne aufhalten, war da die Rede. Und auch in den Medien stossen die verfolgten Kids auf gezielten Widerstand. Kristoff, ein Moderator des Senders ‹Telehit›, bezeichnete die Emos sogar als eine Bewegung pubertierender Mädels, die lediglich die Sänger von Bands anhimmeln. Die drei Attackierten seien nur Angsthasen gewesen.

Die Emos vertreten zwar das liebevolle Miteinan­ der, doch auch die emotio­ nalen Teenager wissen sich gegen die Gewaltakte zu wehren: Mit Protest­ märschen in den mexika­ nischen Grossstädten.

Schweizer Emos im Fadenkreuz

schäftigen›, erklärt Hans Georg Signer vom Ressort Schulen. Street Worker sollen bereits berichtet haben, dass Emos immer wieder von andern Jugendlichen ‹Was tust du in Mexiko, wenn du mit Fragen der angepöbelt würden. Bis jetzt Sexualität konfrontiert wirst?›, beschreibt Journa- habe sich dies jedoch auf verbale list Gustavo Arellano die Problematik passender- Attacken und kleine Schubsereien beschränkt. weise, ‹Du schlägst sie nieder!›. Das ‹Emo-Bashing› (zu deutsch Emos fertigmachen) beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Städte Mexikos. In Chile kam es ebenfalls zu blutigen Übergriffen und in Internet-Communities präsentieren die Anti-Emos ihre Hass-Parolen zudem ganz offen: Auf Last.fm findet sich eine Gruppe namens ‹Anti Emo Death Squad›, die fast 4000 Mitglieder zählt. Auf MyVideo.de findet sich eine Gruppe mit dem Titel ‹Zerfiqqt die Emos›. In letzte- Trotz aller Widerstände, Hassparolen und gewaltrer findet sich das Video eines deutschsprachigen samer Übergriffe, die Emos wissen sich ebenfalls Rappers, der mit Zeilen wie ‹Es ist hart kleiner zu organisieren. Die mexikanischen Teenager Emo, ich weiss, ertränke dich doch einfach in den kämpfen um ihr Recht, Emo zu sein: Eine Woche Tränen, die du weinst.›, seiner Abneigung gegen nach den gewaltsamen Attacken auf das Trio, ordie Teenager-Bewegung wortgeballten Ausdruck ganisierten Emos einen stillen Protestmarsch in den Strassen von Queretaro. Ein Woche darauf verleiht. Behörden befürchten nun, dass es auch in der protestierten sogar hunderte Emos und SympathiSchweiz zu Emo-Hetzjagden kommen könnte. santen vor dem Justizministerium in Mexiko City. Grund zu dieser Annahme gibt ein Angriff auf zwei Diese Aktion wurde von dem Online-Portal ‹Ser15-jährige in Basel. Wie Blick.ch berichtet, wurden gay› organisiert, dass sich für die Rechte der zwei Schüler im Bäumlihof-Schulareal kranken- Schwulen in Mexiko einsetzt. Nach eigenen Aushausreif geprügelt. Laut der Staatsanwaltschaft sagen sind die Betreiber der Meinung, Anti-Emos wurden die Zwillinge nur aufgrund ihrer auffälligen wären Schwulenfeindlich. Die Aktion geschah unKleidung attackiert. Schulverwaltung, Sozialarbei- ter ständiger Aufsicht der Polizei, welche die Emos ter und die Justiz sind alarmiert: ‹Wir müssen uns anschliessend sogar zu den anliegenden Metrokünftig stärker mit dem Phänomen der Emos be- Stationen eskortierte.

Stille Protest­ märsche und Treffen mit der Polizei

OC Weekly Redakteur Arellano glaubt jedoch, dass

die Emo-Riots auch etwas Positives mit sich bringen könnten: ‹Das hier zeigt der Welt, dass wir Mexikaner mehr sind, als nur nur ein Haufen Kakteen und Sombreros›. Da kann man nur noch hoffen, dass die Schweizer nicht auf die gleiche Art und Weise versuchen, gängige Klischees zu widerlegen.

Text: Florian Hennefarth Fotos: Photocase.com

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Pekings Hoffnung ist grUn In Chinas Hauptstadt wächst ein noch wenig verbreitetes Bewusstsein für die ökologischen Folgen des Wirtschaftsaufschwungs. Was die jungen Streiter für eine saubere Umwelt jedoch für selbstverständlich erachten, gilt bei der Regierung als reaktionär.

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önnten die Menschen in der Volksrepublik China, sich die Parteien selbst aus­ suchen, wäre Bai Yihong vermutlich ein ‹Grüner›. Er trägt Turnschuhe, eine dunk­ le Hose, braunes Kordhemd, darüber eine naturfarbene Weste. Er sitzt in einem Starbucks-Café in der Nähe seines Büros. Von seinem Platz aus sieht er auf die Jiangguomenwai Dajie, eine der prunk­ vollsten Hauptstrassen Pekings. Der Lärmpegel gleicht einer Hochzeitsgesellschaft, die in ihren Autos 24 Stunden am Stück hupend durch die Stadt schleicht. Es wirkt neblig, der Smog drückt auf das Meer der Wolkenkratzer. Die Sicht reicht an diesem Tag drei Häuserblocks weit. ‹Wir kön­ nen die Politik in unserem Land nicht ändern. Aber wir können informieren und Energie spa­ ren›. Bai Yihong ist 23 Jahre alt und seit fünf Jah­ ren für die regierungsunabhängige Umweltorga­ nisation ‹Friends of nature›, kurz FO tätig. Die Bürgerinitiative entstand 1994 und ist die ältes­ te ihrer Art in China. Yihong spricht von rund 50 nichtstaatlichen Umweltorganisationen, die es in Peking gibt. ‹Plus eine Dunkelziffer, die niemand kennt›. Ganz leise hat sich in den vergangenen Jahren eine chinesische Öko-Szene gebildet – neben Industrieschloten, Chemiefabriken, Koke­ reien und vor allem immer mehr Autos. Vor allem junge Menschen und Studenten wollen der dre­ ckigen Realität ihres Staates ins Auge blicken. Und sie tun es in der Hauptstadt mit mehr Frei­ heiten als in irgendeinem anderen Winkel Chi­ nas. Ihre Arbeit wird seit den 90er Jahren tole­ riert. Legal ist sie nicht. 36

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Bai Yihong ist im Westen Pekings geboren. Von seinem Elternhaus sind es nur fünf Minuten zum Botanischen Garten. ‹Ich war sehr oft dort. Schon als kleiner Junge habe ich die Natur geliebt›, sagt Bai. Er wollte eigentlich Tourismus-Manager wer­ den. Das hat er zumindest studiert. Doch an dem Tag, an dem er seinen Arbeitsvertrag bei einer der grössten Firmen der Stadt unterschreiben sollte, bekam er ein Job-Angebot bei FON. Hier war er bis dahin ehrenamtlich tätig. ‹Ich habe mir gedacht: Von der Umwelt haben wir länger et­ was›. Er verdient jetzt monatlich 3000 Yuan (rund 375 Franken) statt 5000 wie seine ehemaligen Kommilitonen in der Tourismusbranche. ‹Das Geld reicht schon irgendwie. Ich lebe in einem kleinen Zimmer, habe kein Auto, und am Wochenende fahre ich zu meinen Eltern.›

Umwelt­ problematik: Bedrohte ­Affenarten und Kohlenstoff­ dioxid-Konto

Wenn der Pekinger nicht in abgelegenen Berg­ regionen vom Aussterben bedrohte Affenarten beobachtet, koordiniert er bei FON die Arbeit mit den studentischen Freiwilligen. Er informiert, spricht auf nationalen und internationalen Veran­ staltungen und betreibt eine Plattform im Internet für ostasiatische Umweltaktivisten. Mit Freunden

An jeder Ecke in Peking wird gebaut: Hier der neue Hauptsitz des ‹Central ­Chinese T ­ elevision› von StarArchitekt Rem Kolhaas.


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oben: Ein Pekinger mit Atemschutzmaske, im ­Hintergrund das Olympia-Stadion. links: Suppe wird in China mit Stäbchen gegessen – und das Besteck einfach ­weggeworfen.

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zur Nacht machen. Auf­ grund von Überweidung, dem Ausbau der Städte oder der Industrie versanden in China jährlich 2500 Quadratkilometer Nutzfläche. Das ist fast so gross wie der Kanton Tessin. Das Wirtschaftswachstum, Staatsziel Nummer eins, fordert seine Opfer. Überall dort, wo die In­ dustrie rasant wächst, kämpfen Chinesen mit Ge­ sundheitsproblemen. Von Asthma über Allergien bis hin zu Krebs. Sieben der zehn schmutzigsten Städte weltweit sind in China zu finden. Das 1,3-Milliarden-Volk hat 2007 die Vereinigten Staa­ ten von Amerika als grösster KohlenstoffdioxidProduzent abgelöst. Die Ozonwerte steigen, der Grundwasserspiegel sinkt. Insgesamt fehlt es nach amtlichen Angaben längst mehr als 300 Mil­ lionen Chinesen in den ländlichen Gebieten an sauberem Trinkwasser. Diese Zahlen ärgern Bai Yihong. Der sonst so ruhig wirkende Chinese lässt sich zu dem Satz hinreissen: ‹Die Politiker haben eine Volksrepublik gegründet. Sie sind stolz dar­ auf. Aber sie tun nichts für ihr Volk.› Er beugt sich über den Starbucks-Tisch, als er diese Worte sagt. Er lächelt nervös, fügt schnell hinzu: ‹Wir ha­ ben es hier in Peking besser als Aktivisten auf dem Land. Die Zentralregierung macht sich Gedanken über die Umwelt. Im Prinzip haben wir die gleichen Ziele.› Die ‹Hallen des Volkes› bei Sonnenuntergang

Chinesisches Idyll aus ­Plastik hat er ein persönliches Kohlenstoffdioxid-Konto aufgestellt: ‹Wenn ich zum Beispiel in die Schweiz fliege, muss ich als Ausgleich rund um Peking fünf Bäume pflanzen›, erklärt er das Prinzip. Es ist ein gut gemeinter Tropfen auf einen Ho­ rizont von heissen Steinen. Doch es wird nicht reichen, vor der eigenen Haustür zu kehren. Hier in Peking, wo der Smog die Menschen zwingt, Atemmasken in ihrer Heimatstadt zu tragen und die Wüste Gobi immer näher rückt. Diese hat ih­ ren Rachefeldzug gegen den Raubbau an der Na­ tur längst angetreten: Immer schwerer wüten die Sandstürme, die jedes Jahr im Frühjahr über die Hauptstadt herfallen, bis zu 330.000 Tonnen gel­ ben Sand abladen und den Tag in der Metropole

Die Umweltproblematik ist auf der To-do-Liste der regierenden Kommunistischen Partei Chinas tat­ sächlich ein Stück nach oben gerückt. Als dritt­ grösste Handelsnation der Welt, die dennoch als Entwicklungsland eingestuft wird, hat sich China nicht zu verbindlichen Reduktionszielen verpflich­ tet. Die Volksrepublik bastelt an ihren eigenen Ge­ setzen – wie etwa am Recht auf Information über Umweltverschmutzung. Es wird Aktivisten wie Bai Yihong die Arbeit erleichtern. Im Mai 2008 soll es in Kraft treten. Es macht sich gut als Aushänge­ schild an Chinas grossem Tor, wenn Politiker aus aller Welt anklopfen. Die Nachrichtenagentur Xin­ hau berichtet aus diesem Gesetztesentwurf: ‹Ver­ schmutzende Unternehmen haben, nachdem sie auf die schwarze Liste gesetzt wurden, 30 Tage

Zeit, um Informationen über ihre Emissionen in den loka­ len Medien zu veröffentli­ chen.› Das Recht auf Informa­ tion ist ein Novum. Daten zur Umweltqualität wurden bis­ lang wie Staatsgeheimnisse behandelt. Sehr erfolgreich. Erst in den späten 90ern durften Pekings Bürger erfah­ ren, welchen Ozonwerten sie täglich ausgesetzt sind. Und nach Angaben eines, dem chinesischen Umweltministe­ rium unterstehenden, Umwel­ tinformations- und Bildungs­ zentrums (CESDRRC) ist es seit 2005 offiziell zulässig, über Naturkatastrophen wie Erdbeben zu berichten. Ob die verpflichtenden Messungen und Zahlenwerte, deren Wahrheitsgehalt schlecht prüfbar sein wird, ein politischer Richtungswechsel oder ein Lippen­ bekenntnis sind, muss sich erst zeigen. Zu ver­ dächtig sind die pompösen Blumensträusse aus Kunststoff, die den Chinareisenden schon in der Halle des Flughafengebäudes wie Soldaten auf­ gereiht erwarten. Ein Idyll aus Plastik.

Umweltrecht als Spezial­­gebiet

Zu verdächtig sind auch die an die Oberfläche tre­ tenden Nachrichten von korrupten Parteikadern in der Provinz, wo wirksame Emissionskontrollen kaum möglich sind. Umweltaktivisten haben es deshalb schwer, weil sie der Willkür der Beamten ausgesetzt sind. ‹Sie sind skrupellos, denn sie werden am wirtschaftlichen Wachstum ihres Ein­ flussgebiets gemessen. Sie wissen, dass die Che­ miefabriken auf dem Land die Umwelt verschmut­ zen›, sagt Bai Yihong über die Kader. Sie würden Entscheidungen treffen, ohne von der Bevölkerung zur Rechenschaft gezogen werden zu können. Um diesen Zustand zu ändern, gibt es Men­ schen wie Yi Tian oder Zhang Xi. Sie sind Studen­ ten an der Pekinger Universität für Politik- und Rechtswissenschaften. Ihr Spezialgebiet nach der Zwischenprüfung: Umweltrecht. Da dieses juristi­ sche Feld theoretisch existiert, praktisch aber noch wenig Anwendung findet, haben sich ihre Professoren etwas einfallen lassen. 1999 gründe­ ten sie das CLAPV, ein Rechtsberatungszentrum für Opfer von Umweltschäden. Hier wird aus der grauen Theorie des Uni-Alltages Furcht erregende Realität. Das CLAPV-Büro auf dem Unigelände ist kaum von einer Studentenwohnung zu unterschei­ den. In einem grauen Wohnblock mit eingeschla­ genen Fensterscheiben befinden sich kleine Büro­ räume, deren Regale mit Akten voll gestopft sind. Heute hat Shi Li aus dem ersten Semester Tele­ fondienst. Sie ist eine von knapp 100 Freiwilligen der Universität, die wöchentlich drei Stunden kos­ tenlos im Rechtsberatungszentrum arbeiten. Wenn das rote Telefon auf dem Holztisch klin­ gelt, nimmt Shi Li Anrufe aus der ganzen Republik entgegen. Sie springt dann auf, schaltet den Laut­ sprecher ein und macht sich hastig Notizen. Sie spricht langsam, laut und deutlich. Denn nicht kinki 39


selten klingt der Dialekt einer Provinz auch für Chinesen wie eine Fremdsprache. Die Fabrikan­ gestellten fragen meistens, wie sie bessere Ar­ beitsbedingungen durchsetzten können. Die Stu­ denten analysieren die Situation, klären die Arbeiter über ihre Rechte auf oder vermitteln Anwälte. Oft ist es dann schon zu spät. Industrie-Gifte rinnen ungefiltert die Flüsse hinab, die Luft ist verpestet und viele Kinder sind bereits krank geworden. ‹Wir sind hier, um die Wahrheit herauszufinden›, sagt Shi Li. Für das Rechtsberatungszentrum auf dem Uni-Gelände arbeiten inzwischen rund 300 An­ wälte ehrenamtlich in der ganzen Volksrepublik. Yu Tian verweist auf eine Pinnwand im Büro, an der kopierte Zeitungsartikel der besonders bri­ santen Fälle hängen. Sogar das Staatsfernsehen war schon da. ‹Mit unserer Arbeit haben wir die Möglichkeit, die Regierung zu beeinflussen›, sagt er. Zu einem dieser traurig-prominenten Fälle ge­ hört Liukuaizhuang in der Provinz Hebei. Eine Spritzmittelfabrik mit neuen Arbeitsplätzen be­ scherte Tausenden von Bauern unerwarteten Wohlstand – und eine Krebsrate, die 30mal über dem nationalen Durchschnitt lag. CLAPV interve­ nierte, drei Jahre später wurde die Fabrik ge­ schlossen. Hunderte Bewohner verloren ihren Job. Sie kehrten zurück zum ärmlichen Alltag eines Bauerns und gehören damit der oft vergessenen Mehrheit des bevölkerungsreichsten Landes der Erde an. ‹Das Problem in unserer Rechtsspre­ chung ist, dass es für Fabrikbesitzer billiger ist, die Strafe für ihre Umweltsünden zu zahlen als in ent­ sprechende Filteranlagen zu investieren›, sagt der 24-Jährige Yi Tian. Er vergisst nicht hinzuzufügen: ‹Die wirtschaftliche Entwicklung ist aber sehr wichtig für unser Land. Ich hoffe auf eine Lösung des Konflikts.›

Hunger nach Energie und China im Wohl­ stand

Der Hunger nach Energie wird Chinas Zukunft be­ stimmen. Die Regierung sieht sorgenvoll, dass Umweltzerstörung und Konflikte um knappe Res­ sourcen an vielen Orten zum Auslöser für soziale Unruhen werden. Nur wenig dringt davon an die 40

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Freiwillige Studenten im CLAPV-Büro

Öffentlichkeit. Die Zu­ kunft für die Bevölke­ rung liegt deshalb auch in der Transparenz der Informationen und des Rechtssystems. Für vie­ le Chinesen sind die Leidenszeiten der ver­ gangenen Jahre und Jahrzehnte vorbei. Vor allem in den Metropolen wollen die Menschen das ge­ niessen, worauf Generationen vor ihnen verzich­ ten mussten: Wohlstand. Autos, Handys, Kons­ umfreiheit von 1,3 Milliarden Chinesen. Das sind die Errungenschaften des so genannten Sozialis­ mus chinesischer Prägung, der offiziellen Staats­ form. Student Yi Tian erklärt es so: ‹Unsere Le­ bensumstände in China sind besser denn je. Wir müssen nicht nur ans Überleben denken. Wir ha­ ben mehr Energie und können uns auch um ande­ re Angelegenheiten wie den Umweltschutz küm­ mern.›

Wer ­kon­trolliert hier wen?

Wie viele Aktivisten lebt Yi Tian gemäß Idea­ len, die er selbst gewählt hat. Das unterscheidet ihn von seinen Eltern, die Moral und Werte aus einem roten Büchlein auswendig lernten. Und es macht seinen Eltern Angst. Denn sie wünschen sich für ihre Kinder nichts mehr als einen stabilen Lebensrhythmus. Umweltaktivisten von regie­ rungsunabhängigen Organisationen stehen je­ doch in dem Ruf, gegen die Regierung zu sein. ‹Dabei arbeiten wir für sie, zum Beispiel als eine Art Kontrollorgan›, so Yi. Wer hier wen kontrolliert? Ma Ying hatte be­ reits Kontakt mit den staatlichen Aufpassern. Sie ist hauptamtlich bei Greenpeace China angestellt und organisiert Umweltaktionen, vor allem mit Stu­ denten. ‹Es ist erlaubt bis zu 1000 Menschen bei einer Aktion zu versammeln. Aber unsere Aktivitä­ ten müssen angemeldet sein›, erzählt die 25-Jähri­ ge. Sie macht sich keine Illusionen: ‹Natürlich sind wir nicht komplett frei. Aber wenn man unter ei­ nem bestimmten Level agiert, ist es okay.› Heute

Erste Versuche der Mülltrennung

ist sie mit einem zehnköpfigen Greenpeace-Team in einem Bürokomplex einer Computer­ firma im Nordwesten Pekings unterwegs. Im Foyer des 23stöckigen Gebäudes stellen sie Tische und Plastikbäume auf. Auf einem Poster ist ein Paar Essstäbchen abgebildet, das sagt: ‹Ich lebe nicht nur einmal. Rettet die Wälder und benutzt wieder verwertbare Stäbchen›. Manche der freiwilligen Studenten tragen grüne Perücken. Sie breiten Informationsmaterial aus und sprechen die Menschen auf dem Weg in ihre Büros an. Sie sammeln Unterschriften und E-Mail-Adressen. Sie verkaufen den Vorbeieilenden Stäbchen für zehn Yuan (rund ein Franken Fünzig) und bitten sie ein­ dringlich, heute noch damit anzufangen, das Be­ steck nach dem Essen nicht einfach wegzuwerfen. So wie es Land auf, Land ab ganz selbstverständ­ lich ist. Greenpeace in China, das ist kein Wett­ rennen Motorboot gegen Öltanker, um mit wehen­ den Fahnen auf die Titelblätter internationaler Zeitungen zu kommen. Greenpeace in China – das ist Arbeit an der Basis. ‹Unser Problem ist die Masse. So viele Menschen hier haben überhaupt kein Umweltbewusstsein. Sie sind es auch nicht gewohnt, sich einzumischen›, sagt Ma Ying. An einem Tag wie heute kommen an die 300 Unter­ schriften zusammen. ‹Auf dem Uni-Campus kann man eine ganz andere Zahl erreichen›, sagt Ma. Es sind kleine Schritte, die die Umweltaktivisten ge­ hen. Doch am Beispiel der Stäbchen-Revolution zeigen sich die Ausmasse: 45 Milliarden Essstäb­ chen werden jährlich gebraucht, das sind zwei


oben: Das Fahrrad dient nicht nur als Transportmittel fuĚˆr Altpapier rechts: Der Eingang des CLAPV

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oben: Papiersammler bei der Arbeit links: Arbeitsalltag im CLAPV

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Smognebel und Verkehr in Peking

Millionen Kubikmeter Holz. Mit den weggeworfenen Stäbchen könnte man je­ des Jahr 60 Fussballfel­ der auslegen. Ma Ying und ihre Mit­ arbeiter haben eine Liste der Restaurants in Peking erstellt, die zum Essen wieder verwertbare Stäb­ chen reichen. Die Liste kursiert im Internet, ‹inzwi­ schen melden sich man­ che Restaurants schon freiwillig›, sagt Ma. Sie selbst hat immer mehrere Paar Stäbchen in ihrer Handtasche, ‹für meinen Freund und meine El­ tern›, sagt sie und zieht die Schultern hoch ‹falls wir gemeinsam Essen gehen›. Ma Ying wusste schon als Zehnjährige, dass sie sich für die Welt, in der sie lebt, einsetzen will. ‹Mein Vater war auf einer Auslandsreise und hat eine Info-Broschüre über Umweltschäden mitgebracht›, sagt sie. Seit­ dem wollte sie mehr wissen. Viele der Umweltaktivisten haben im Ausland studiert oder zumindest ausserhalb des Reichs der Mitte ein Praktikum absolviert. So wie Liang Xin, der seine langen schwarzen Haare zu einem Zopf tief im Nacken gebunden trägt. Nach seinem Studium in Kanada ist er noch vor wenigen Jahren, täglich frisch rasiert, im massgeschneiderten An­ zug in das Büro einer Werbefirma gerannt. ‹An­ fangs wollte ich schnell viel Geld verdienen. So ist das in meiner Generation›, sagt der 28-Jährige Li­ ang. Vor zwei Jahren kam er zu Greenpeace. ‹Ich musste etwas machen, das mich zufrieden stellt.› Ähnlich ging es Li Jin. Die 25-Jährige war ein Jahr

lang Redakteurin der Renmin Ribao, Chinas Staats­ zeitung. Dann hat sie bei der Umweltorganisation angefangen: ‹Hier kann ich mehr für mein Land tun.› Chinas Umweltaktivisten setzen sich vor al­ lem dafür ein, akute Probleme vor ihren Augen zu lösen. Sie sind nicht nur ein wichtiger Faktor, um Informationen zu verteilen. Sie haben durch die Medien in Peking bereits einen gewissen Druck erzeugt: Im vergangenen Jahr haben Umweltakti­ visten verschiedener Organisationen gemeinsam erreicht, dass die Klimaanlagen laut Gesetz im Sommer auf kältestens 26 Grad gestellt werden dürfen.

Die Müll­ sammler von ­Chaoyang

Um künftige Fragen, wie die der Atomkraft, kümmern sich dagegen nur wenige. Vielleicht liegt es daran, dass bei chinesischen Energiepolitikern die Kernenergie als saubere Alternative zur Kohle angesehen wird. Dabei verfolgt China ein ehrgei­ ziges Programm. Nach Auskunft des Pekinger Umweltinformationszentrums sollen zu den beste­ henden neun Atomreaktoren in den kommenden 16 Jahren noch 32 weitere errichtet werden. Den­ noch sind die kleinen Schritte und Wirkungskreise der Umweltschützer erkennbar: An den Universi­ täten fordern Abfallbehälter zur Mülltrennung von wieder verwertbaren Stoffen und Batterien auf. In den Toiletten wird zum Wassersparen aufgerufen. In den Wohnungen junger Geschäftsleute in Pe­ king sind Behälter aufgebaut, um Plastikflaschen zu sammeln. ‹Man gibt sie unten an den Hochhäu­ sern ab›, erklärt eine junge Maklerin. Für die armen Menschen in der Stadt wäre das nun mal ein ­Zubrot. Einer von diesen armen Menschen ist Zhang Mei. Tagsüber hält sie sich mit ihrem Veloanhän­

ger in einer Wohnsiedlung in Chaoyang im Südos­ ten Pekings auf. Sie sammelt, was die Reichen wegwerfen. Kartons, Papier, Plastik. Das Kilo­ gramm Papier kann sie für acht Mao verkaufen, das sind knapp zehn Cent, ‹das Kilogramm Plastik liegt zwei Cent höher›, sagt Zhang. Abends liefert sie ihr Material ab, nachts schläft sie oft auf der zwei Qua­ dratmeter grossen Pritsche ihres Veloanhängers. Er ist ihr Warenlager und ihr Schlafzimmer, ihr Mit­ tagtisch und ihr Transportmittel. Das Sammelsys­ tem für bestimmte Altstoffe funktioniert. In vielen Städten Chinas sichert es anstelle eines Wohl­ fahrtssystems das Existenzminimum für die Armen des Landes. Selbst die Bedürftigen profitieren vom Konsum. Gleichzeitig sind sie Teil einer Öko-Bewe­ gung, die sich ihren Weg bahnt: Zwischen neuem Idealismus und alten Parteischranken. Zhang Mei steht mit ihrem Velo immer am glei­ chen Platz: Neben dem bewachten Eingangstor einer Hochhaussiedlung. Es ist ein guter Platz, um auf Wertstoffe zu warten. Neben ihr handelt eine befreundete Strassenverkäuferin mit Obst. Die Nachbarin hat auch Plastikblumen im Sortiment. Blaue, gelbe, rote. Schön anzusehen, aber tot. Ei­ nen Yuan kostet eine Kunstblume, das sind keine 15 Rappen. Wenn die Chinesin, die das Idyll am Strassenrand verkauft, ihren Kunden eine Blüte reicht, sagt sie: ‹Man zou›. Es ist der traditionelle Abschiedsgruss in China. ‹Gehen Sie langsam›. Text und Fotos: Sina Siller Um die Journalistin und ihre Interviewpartner zu schützen, wurden alle Namen geändert. Der Text entstand im Rahmen des Kontext­Recherche-Stipendiums für Nachwuchsjournalisten.

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Mafia der Meere Säbel, Holzbein, Augenklappe und ein Papagei, der auf die Schulter kackt? Nein, Piraten von heute neigen nicht zur Nostalgie. Mit Kalaschnikows und Raketenwerfern blasen sie auf den Welt­ meeren zur Jagd auf Yachten, Frachten oder Tanker. Was Tricks und Brutalität angeht, stehen sie ihren historischen Vorgängern in nichts nach.

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ie Besatzung an Bord des Containerschiffs im Hafen von Laem Chabang in Thailand muss bester Laune gewesen sein. 15 Nutten kamen an Bord und wollten ihnen ein paar vergnügliche Stunden bereiten. Wahrscheinlich flüsterten die Prostituierten den Matrosen gerade etwas Unanständiges ins Ohr, als der Kapitän die Mädchen zurück an Land schickte. Er sorgte sich vor dem Ärger mit den Behörden. Sein Glück: Denn die Aktion war ein Ablenkungsmanöver, die Damen beauftragt von Piraten, die sich an Bord schmuggeln wollten. Der Coup flog auf, die gewieften Angreifer suchten das Weite. An einigen Meeresküsten der Welt ist das Seeräuberdasein ein Beruf wie Fischer oder Hafenarbeiter – nur wesentlich einträglicher. Einen Schaden von rund 16 Milliarden US-Dollar sollen Piraten im vergangenen Jahr weltweit angerichtet haben, sagen Experten. In Somalia, den Philippinen oder Indonesien gibt es Familien, die über Generationen hinweg ihr Geld als Freibeuter verdienen. Die Bandbreite reicht vom Gelegenheitspiraten, der ab und zu, wenn die Familienkasse leer ist, auf Beutezug geht, bis hin zu schwer bewaffneten organisierten Mafiabanden. Seit 2007 hat die Piraterie um mehr als zehn Prozent zugenommen, meldete das internationale Schifffahrtsbüro (International Maritime Bureau, IMB). Dabei geht es im Piratengeschäft nicht anders zu als in der freien Wirtschaft: Man spezialisiert sich auf Marktnischen – je nach seinen unternehmerischen Fähigkeiten. Manche stürzen sich auf klapprigen Kuttern, bewaffnet mit Macheten, ins Gefecht. Für die Camorra unter den Seeräubern, ausgerüstet mit Raketenwerfern und Granaten, weckt die Berufsschifffahrt das grösste Interesse. Spitzel in den Häfen beschaffen Informationen über Routen und Fracht. Wer ein Containerschiff entert, muss wissen, wo sich die leicht transportierbaren Wertgegenstände befinden. Manchmal begnügen sich die Gangster mit Schutzgeldern. Nachdem der Wegzoll bezahlt ist, darf die Besatzung weiterfahren. Nicht selten aber ist das Schiff selbst die Beute. Der Bootsname wird überpinselt, im nächsten Hafen bekommt das Schiff falsche Papiere, Unterhändler verkaufen die erbeutete Ladung weiter. Kapitän und Matrosen müssen auf Gnade der Plünderer hoffen. Eines der brutalsten Massaker moderner Piraterie ereignete sich im Herbst 1998. Damals kaperten Seeräuber getarnt in Zöllneruniform den Schüttgut44

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frachter ‹Cheung Son›. Berichten zufolge ketteten die Piraten die 23 Besatzungsmitglieder an Gewichte und warfen sie über Bord. Fischer fanden Tage später mehrere der aufgedunsenen Köpfe in ihren Netzen. Geiselnahmen versprechen den höchsten Gewinn. 1,5 Millionen US-Dollar sollen im August 2007 geflossen sein, als mehrere dänische Seeleute des Frachtschiffs ‹Danica White› vor der Küste Somalias entführt wurden. Zwei Millionen US-Dollar Lösegeld seien es bei der Entführung der französischen Luxusyacht ‹Le Ponant gewesen, berichtete der französische Sender France Info. Eine satte Summe, die Nachahmungstäter motiviert.

Freibeuter sind nüchterne Analytiker

Mehr als 250 Piratenangriffe registrierte das IMB im vergangenen Jahr, die tatsächliche Anzahl liegt wohl weit darüber. Viele Attacken werden gar nicht erst gemeldet, sind sich Experten sicher. Oft liegt dies an der Sorge vor einem Anstieg der Versicherungssumme, manchmal auch an Scham oder Bequemlichkeit, um den Papierkrieg mit den Behörden zu vermeiden. Auch Piraten sind nüchterne Analytiker. Sie schlagen dort zu, wo die staatliche Kontrolle gering ist. Lange Jahre waren dies die Gewässer vor Indonesien und China sowie die Strasse von Malakka. Doch seit die Anrainerstaaten China, Indonesien oder Malaysia ihre Zusammenarbeit verstärken und ausländische Hilfe annehmen, liegt das Zentrum der Seeräuberei vor der Küste Afrikas. Nigeria hat sich weltweit an die Spitze der piratenverseuchten Gebiete gesetzt. Und Somalia, wo der Bürgerkrieg jegliche staatliche Ordnung zerstört hat, verzeichnet die stärksten Wachstumsraten. Einzig Waffenschmuggler können einigermassen sicher sein, dass sie unbehelligt die somalischen Häfen anlaufen können. Die Piraten rüsten auf, Banden haben ihre Gebiete abgesteckt. Mit grossen Basisschiffen wagen sich die Freibeuter immer weiter aufs offene Meer hinaus. Die Sicherheitsempfehlung, einen Mindestabstand von 200 Kilometern zur Küste einzuhalten, ist für Handelsschiffe keine Garantie mehr für eine sichere Fahrt.


Kalaschnikows und Raketenwerfer gehören zur Standardausrüstung der somalischen Piraten. Meistens war der seit 1991 andauernde brutale Bürgerkrieg wie eine militärische Grundausbildung. Alternative Einnahmequellen fehlen, also steigt die Piratendichte. Nun schmieden die Vereinten Nationen Pläne, härter gegen die Meeres­ kriminellen vorzugehen. Kriegsschiffe sollen die Erlaubnis erhalten, in die somalischen Hoheitsgewässer einzudringen und die Seeräuber bis an Land zu verfolgen.

9000 VoltSchock gegen Angreifer

Vor allem kleinere Schiffe haben es schwer, sich gegen die Gefahren moderner Seeräuber zu rüsten. Wer Schusswaffen zur Selbstverteidigung an Bord hat, muss diese bei Grenzübertritt beim Zoll deklarieren. Finden Beamte nicht gemeldete Waffen, wird meistens das ganze Schiff konfisziert. Verteidigung ist gleichwohl ein gefährliches Unterfangen. Nicht selten stehen die kampferfahrenen Piraten unter Drogeneinfluss. Geiseln seien meistens besser beraten, wenn sie sich nicht zur Wehr setzen, schreibt der Weltumsegler und Autor Klaus Hympendahl (‹Yachtpiraterie – Die neue Gefahr, 280 Seiten, Verlag Delius Klasing). In der Berufsschifffahrt macht ein professionelles Sicherheitsgewerbe den Piraten das Leben so schwer wie möglich. Elektrische Schutzzäune verpassen Angreifern beim Erklettern der Bordwände einen 9000-Volt-Schock, Wasserwerfer sollen die Angreifer in die Flucht schlagen, Luken werden bei einem Angriff zugeschweisst, Glasscherben auf dem Deck verteilt. Immer mehr Frachter verfügen über Schallkanonen, vom Militär entwickelte sogenannte Long Range Acoustic Device. Sie jagen den Attackierern mit unglaublichem Druck schmerzende Schallwellen entgegen. Auch wenn den Reedereien die Gefahr bewusst ist: Die Abwehrmöglichkeiten sind begrenzt. Schon seit Jahren sorgen sich Politiker darum, dass statt Piraten Terroristen ihren Kampf auf die Weltmeere ausweiten könnten. Denn wem es statt einer grösstmöglichen Beute nur darum geht, einen grösstmöglichen Schaden, etwa bei einem Öltanker, anzurichten, der muss keinen Elektrozaun überwinden. Und auch gegen die Schallkanonen gibt es ein recht einfaches Mittel: Einen guten Gehörschutz. Text: Jens Dierolf Illustration: efentwell.ch

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Heavy Metal? Easy Money! Steigende Weltmarktpreise für Metall haben die

Anzahl der Diebstähle von Eisen, Nickel und Kupfer in vielen Ländern rapide ansteigen lassen. Es werden Lastwagenfahrer entführt, Bauarbeiter überfallen und selbst vor kompletten Brücken und öffentlichen Kunstwerken wird nicht mehr halt gemacht. Und die Polizei? Die hat es leider mit echten Profis zu tun. Jährlich verschwinden Tausende Tonnen Metall auf dem Schwarzmarkt.

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n den guten alten Zeiten wurde sprichwörtlich alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest war. Heute hält auch das keinen Metall-Dieb mehr auf. Zu Beginn dieses Jahres wurde im tschechischen Cheb gleich eine ganze stillgelegte Eisenbahnbrücke (mit einem Gewicht von vier Tonnen) von unbekannten Tätern gestohlen. Einen absoluten Super-Coup landeten russische Metalldiebe: Diese demontierten nämlich eine immerhin zweihundert Tonnen schwere Brücke und nahmen sie einfach mit. Eine Aktion, die schweres Gerät und vor allen Dingen Zeit erfordert – manchmal zieht sich solch ein Brückenklau gleich über mehrere Tage hinweg. Ein Aufwand, der sich für Metall-Diebe dennoch lohnt. Die massiven Bautätigkeiten weltweit, vor allem aber in China, haben den Bedarf an Metall explodieren lassen. Preise haben sich teilweise vervielfacht. Aufgrund des steigenden Wertes ist besonders Kupfer beliebt. Bei Hauseinbrüchen kommt es zuweilen vor, dass Fernseher und Stereo-Anlagen von den Gangstern verschont und stattdessen die Kupferleitungen aus den Wänden gerissen 46

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werden. Diese wiederum lassen sich mit Metall-Detektoren leicht orten und entfernen. Aus den USA wird berichtet, dass einige Hausbesitzer dazu übergegangen seien, auf Schildern darauf hinzuweisen, dass die Leit­ungen in ihren Häusern nicht aus Kupfer bestünden. Ob das wohl helfen wird? Riskant sind solche Raubzüge allemal. So soll sich schon so mancher Metalldieb die langen Finger beim Klau von Starkstrom- und Überland­ leitungen bereits empfindlich geröstet haben. Die Jury der Darwin Awards, die alljährlich jene Mitmenschen kürt, die sich selbst durch Selbströstung, Selbstertränken oder Selbstkastration – also reinste Stupidität – aus der Kette der Evolution verabschieden, hat bei ihrer letzten Verleihung der zweifelhaften Auszeichnung auch die Gattung der Metalldiebe bedacht. Im Juli vergangenen Jahres hatte nämlich eine Gruppe nahe Prag beim Versuch, Altmetall aus einer stillgelegten Fabrik zu stehlen, die metallenen Träger des Fabrikdaches gleich mit entfernt. Das Ergebnis: Zwei Diebe wurden vom fallenden Dach erschlagen, drei verletzt – man sollte eben nicht am Ast sägen, auf dem man sitzt. Die Wirtschaft der Schwellenländer wächst, der Bedarf an Rohstoffen auch und die Preise für Metalle explodieren. Vor allem China, Indien und Südafrika stellen die Metallbranche vor immer grössere Probleme. So wird der aktuelle Goldpreis durch ständige Stromrationierungen weiter angetrieben und in Südafrika mussten teilweise schon Minen stillgelegt und Personal entlassen werden, da Minenbetreiber seit Monaten mit Str­ omengpässen kämpfen. Der Regen in Australien beeinträchtigt die Kohleproduktion. Insbesondere die Preise für Aluminium, Platin und Kupfer sind seit der Jahreswende zwischen 20 und 27 Prozent gestiegen. Die Investmentbank Merrill Lynch hat ihre Kupferprognosen für 2009 sogar um 50 Prozent angehoben. Für 2010 und 2011 sollen Auf-

wärtsrevidierungen zu 54 und 39 Prozent folgen. Kupfer wird hauptsächlich zur Herstellung von Rohrleitungen, Stromkabeln und Münzen verwendet. Hauptabnehmer von Kupfer sind die Bau- und Elektroindustrie, die ihre Lieferungen zu fast einem Drittel aus Chile beziehen, dem weltweit grössten Kupferproduzenten.

Kupfer, das rostfarbene Gold

Regenrinnen, Friedhofskreuze, ganze Kirchendächer, Bierfässer aus Brauereien, öffentliche Skulpturen und kilometerlange Eisenbahnschienen – es gibt kaum noch etwas, das vom organisierten Metalldiebstahl verschont geblieben wäre. Grössenordnungen scheinen dabei keine Rolle zu spielen. Manchmal treten die Diebesbanden als gewöhnliche Bauarbeiter auf, die sich an Leitungen und auf Baustellen zu schaffen machen. Das passt hervorragend ins Strassenbild und das Fehlen einer ganzen Brücke fällt erst nach Tagen so richtig auf. Teilweise gehen die dreisten Langfinger besonders geschmacklos vor: Aus der KZ-Gedenkstätte Theresienstadt wurden im April rund tausend GedenkTafeln von den Gräbern der Nazi-Opfer gestohlen. Der Grund: Die Mahnmal waren aus Bronze. In Kanada jedenfalls denkt man aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise inzwischen darüber nach, den einheimischen Penny künftig aus einem weniger wertvollen Material prägen zu lassen. Der Materialwert der Edelstahl-Münzen liegt nämlich mittlerweile über dem eigentlichen Präge-Wert. Eine Massnahme, die auch die Einwohner des kalifornischen Long Beach in Erwägung ziehen sollten. Diese leiden nämlich zunehmend unter dem massenhaften Diebstahl von GulliDeckeln – im tschechischen Budejovice hat man bereits auf Kanaldeckel aus Kunststoff umgestellt, um zukünftigen Diebstählen vorbeugen zu können. Text: Kai-Holger Eisele Foto: Photocase.com


mit comics gegen die diktatur Begonnen hat alles im Luzerner Jugendhaus Wärchhof im Jahre 1992. Heute ist die ‹Fumetto› ein ­Comic-Event mit internationalem Format und einer der wichtigsten im deutschsprachigen Raum. Unser Autor Jens Dierolf hat vom diesjährigen Festival drei besonders eindrucksvolle Comic-Bücher mit ­politischem Hintergrund mitgebracht.

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ass es auf dem Comic-Festival, das übersetzt soviel wie SprechblasenFestival bedeutet, aber einiges mehr zu entdecken gibt als ein paar illustrierte Figuren in illustren Geschichten, beweisen die Werke von Christophe Badoux oder Guy Delisle: Künstlerpersönlichkeit trifft da auf Weltpolitik und Comic-Art auf die Helden des Alltags – Szenen des Lebens in faszinierenden, ehrlichen Bildern. In seiner Coolness ist Kapitän Haddock aus ‹Tim und Struppi› sicher nicht zu übertreffen: Wer Kraftausdrücke wie Feuerfresser, Affenschwanz oder Sauf-Eule verwendet, gegen den wirken Gangster-Rapper mit ihrem ‹Dicke-Hose-Gebrabbel›, wie Klassenkasper auf einer Steiner-Schule. Haddock und seine Comic-Mitstreiter erzählen eben ernste Geschichten und man erfährt beim Lesen etwas über fremde Kulturen und Länder, gesellschaftliche Werte und politische Attitüden. Der Maler Paul Klee jedenfalls wirkt in der ihm gewidmeten Comic-Biografie des Zürcher Illustrators Christophe Badoux, als stamme er aus der Feder des Belgiers Hergé, dem Erfinder Tim und Struppis. Paul Klee gehört auch heute noch zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts: Im künstlerischen Zentrum des deutschen Malers stand die Erfassung von Linie, Form und Farbe. Klee leitete am Weimarer Bauhaus eigene MalKlassen, an der Düsseldorfer Kunstakademie erhielt er eine Professur und der Künstlergruppe ‹Der Blaue Reiter› war er ebenso verbunden, wie seiner geliebten Wahlheimat, der Schweiz – im Jahre 1940 in Locarno-Muralto, wurde Klee post­ hum die Schweizer Staatsbürgerschaft verliehen, um die er sich zu Lebzeiten so vergebens bemüht hatte. Gezeichnet ist der Comic-Klee im klassischen ‹Ligne-Claire›-Stil, bei dem Gesichtszüge in vereinfachter Form dargestellt werden und auf Schattierungen und Farbverläufe weitgehend verzichtet wird. Der Leser soll sich dadurch mit dem Charakter besser identifizieren können: Mit ‹sei nicht frivol, Haller›, tadelt er in den Comics einen Jugendfreund, der über die Rundungen von zwei Damen mit Schirm und Hut spricht. Klee war eben nicht nur zu Lebzeiten Gentleman. 48

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Badoux erhielt den Auftrag für die Comic-Biografie vom Zentrum Paul Klee in Bern. «Ein erzählendes Werk zu dem Maler in der museumspädagogischen Kinder- und Jugendliteratur habe noch ge­­ fehlt», sagt Helen Moser vom Zentrum Paul Klee. Das Werk von Badoux soll das Leben Klees – von dessen Jugend in Bern, über seine Studienzeit in München, bis hin zu seinen Begegnungen mit Kandinsky und zur letzten Schaffensperiode vor seinem Tod – schildern und jugendgerecht erzählen. Ein äusserst dankbarer Auftrag sei die Biografie gewesen, sagt Badoux. Und eine Menge Arbeit. Weil er zuvor wenig über das Leben Klees wusste, musste er für die 67 Seiten seines Comics viel recherchieren. Sechs Monate lang las er die Tagebücher Klees und seine Briefe, studierte Ausstellungskataloge und setzte sich mit der politischen Epoche zu Klees Lebzeiten auseinander. Sechs weitere Monate dauerte die Umsetzung. Ein grosser Aufwand für einen Comic, dessen erste Auflage weniger als 10 000 betragen würde. Doch die Mühen haben sich gelohnt. «Die Leser waren begeistert», sagt Moser.

Führerstatuen und mieses Essen

Weniger Recherche musste Guy Delisle betreiben. Von seinem Aufenthalt in Nordkorea, wo er zwei Monate als Supervisor in einem Trickfilm-Studio arbeitete, hatte der franko-kanadische ComicZeichner genügend Stoff für seinen Illustrationsband ‹Pjöngjang› mitgebracht: Seine SchwarzWeiss-Zeichnungen erzählen von miesem Essen, den allgegenwärtigen Führerstatuen und den rauschenden Partys der Mitarbeiter westlicher Hilfsorganisationen. Delisle beschreibt in seinem detailreichen Bildband das Orwellsche AlptraumSzenario, das im heutigen Nordkorea allgegen­ wärtig ist. Delisle beschreibt Frauen, die am Strassenrand Steine streichen und Stromausfälle in den Armen-Siedlungen, während die Regierungsgebäude hell erstrahlen. Von einer anderen Reise berichtet der vor kurzem erschienene Band «Der Fotograf». Im Jahr


1986 begleitete der Fotoreporter Didier Lefèvre ein Team der Organisation ‹Ärzte ohne Grenzen› nach Afghanistan. Die Mudschaheddin kämpften dort gegen die Sowjetunion und die freiwilligen Mediziner bemühten sich, das wieder aufzubauen, was andere zerstört hatten. Mit seinen Aufnahmen dokumentiert Lefèvre die fürchterliche Epoche eines gebeutelten Landes – die von Emmanuel Guiberts und Frédéric Lemerciers angefertigten Zeichnungen schildern wiederum die Schrecken des afghanischen Bürgerkrieges und verknüpfen menschliche Schicksale mit dem Wahnsinn weltpolitischer Horrroszenarien. Tim und Struppi haben es auf die Leinwand geschafft, und auch so manch andere Comic-Biografie gibt es schon als Film – wie Marjane Satrapis Lebensgeschichte ‹Persepolis›, die von ihrer Kindheit im Iran während der islamischen Revolution erzählt. Der Anteil realistischer Comics auf

dem deutschsprachigen Büchermarkt wächst. Biografien von Martin Luther King oder Elvis sind gerade erschienen und auch in den USA, wo die so genannten Graphic Novels längst etabliert sind, gehören sie zu den Gewinnern auf einem schrumpfenden Büchermarkt. Zusammen mit religiösen Schriften. Was da wohl Kapitän Haddock sagen würde? «Hunderttausend heulende und jaulende Höllenhunde», ist doch eigentlich klar.

‹Der ­Fotograf› ­besticht durch die innovative Kombi­nation von ­Comic und Fotografie.

Text: Jens Dierolf Bild: ‹Der Fotograf›, Edition Moderne

Guy Delisle: ‹Pjöngjang› Reprodukt, 176 Seiten, 32.90 Franken

Christophe Badoux: ‹Klee› Edition Moderne, 67 Seiten, 35 Franken

Emmanuel Guibert Didier Lefèvre, Frédéric Lemercier: ‹Der Fotograf› Edition Moderne, 80 Seiten, 38 Franken

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querschläger

callboy phil: nachtschicht che stöhnen dir schon beim ersten Gespräch ins Telefon, dass du meinst, du bist in einem Pornofilm. Man erlebt wirklich alles Mögliche! Von einem Moment auf den anderen wird man vor Tat­s achen gestellt, mit welchen man vielleicht gar nicht gerechnet hätte. Das ist es wohl, was mich so reizt an diesem Beruf. Allerdings weiss ich natürlich auch, dass ich diese Tätigkeit nicht ewig ausüben werde, daher nutze ich auch das Geld, das ich damit verdiene, um mich in anderen Bereichen, wie zum Beispiel Fremdsprachen und Computerkenntnissen, weiterzubilden. Du arbeitest ja nicht haupt­ beruflich als Begleiter, sondern gehst auch noch einer ‹bürger­ licheren› Tätigkeit nach. Ja, das stimmt. Ich würde sagen, ich arbeite etwa zu fünfzig Prozent als Callboy, allerdings ist das auch saisonal bedingt… …saisonal? Ja, das ist wirklich so! Vor Weihnachten zum Beispiel besteht grös­seres Interesse. Nach Weihnachten, bis ungefähr Februar oder März, werde ich nur selten gebucht.

Wie wird man eigentlich Callboy? Phil klärt uns in allen Hinsichten gründlich auf.

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hil arbeitet seit bald zehn Jahren als Callboy. Wir treffen den kommunikativen und unscheinbaren jungen Mann mit leichtem Handgepäck an einem Schiffsteg am Zürichsee. Phil, wie kamst du auf die Idee, Callboy zu werden? Auf die Idee kam ich durch eine Fernsehdokumentation vor rund zehn Jahren. Ich fing daraufhin an, einige Inserate aufzugeben und machte meine ersten Erfahrungen. Altersunterschiede und Aussehen haben mich bei Frauen nie wirklich interessiert. Viel mehr reizt mich seit jeher die Art, wie die jeweilige Person auf einen reagiert: interessiert sie sich für dich? Was ergibt sich aus einem Gespräch? Frauen sind extrem unterschiedlich. Manchmal trifft man sich nur zu einem Kaffee, man-

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dann mehr, vielleicht aber auch nicht. Das hängt ganz von den Erwartungen der jeweiligen Person ab. Du lebst ja in einer festen Beziehung. Hatte deine Partne­ rin nie Probleme mit deinem doch eher aussergewöhnlichen Beruf? Ich war von Anfang an ehrlich zu ihr, und habe meine Tätigkeit nie vor ihr verheimlicht. Meine Freundin ist eine sehr aufgeschlossene und tolerante Person und hatte keine allzu grossen Probleme mit meinem Beruf. Natürlich gibt es Momente, in denen es mir schwer fällt, für längere Zeit wegzufahren. Ich glaube, man kann sich das so vorstellen, wie wenn jemand Schicht arbeitet: man ist dann halt einfach ein Weilchen weg von Zuhause. Aber natürlich diskutieren wir von Zeit zu Zeit auch kritisch darüber. Ich weiss, das tönt etwas abgedroschen, aber ich denke, wir sind ein sehr weltoffenes Paar.

Wie macht man eine Frau glücklich, Phil? Das kommt sehr auf die Frau an. Manche Frauen sagen ganz klar, was sie sich vorstellen, bei anderen muss man sich langsam rantasten. Vielleicht ist das Januarloch Rein körperlich würde ich sagen, schuld daran. reagieren Frauen am feinfühligsten Wohl kaum. Ich staune nämlich imauf eine Massage. Ansonsten sollte mer wieder, wie viel die Leute man sich für sie interessieren, ihnen sich ihr Sexualleben kosten lassen. zuhören, aber trotzdem auch klar Erst kürzlich wollte mir ein Kundenseine eigene Meinung äussern, das Pärchen meine gesamte Sextoy-Samm- schätzen die meisten Frauen. Aber lung abkaufen, nachdem ich ihnen das ist natürlich alles sehr individumeine Utensilien vorgestellt hatte. ell. Vorstellungen und Erwartungen unterscheiden sich natürlich von Wie viel Zeit verbringst du Person zu Person. morgens vor dem Spiegel? Phil, 38, lebt im Kanton Zürich. Für das Duschen und Rasieren Pro Tag (24 Stunden) verlangt Phil eine brauche ich eigentlich nicht lange. Grundpauschale von 600 Franken, Das geht alles zack-zack. Danach jeder weitere Tag kostet 300 Franken trage ich ein bisschen Creme auf (exklusive Spesen). Weitere Informationen und Kontakt und schmiere mir ein wenig Gel in unter: www.e-phil.ch die Haare – damit ich noch jünger aussehe (lacht). Kannst du dich noch an deinen ersten Job erinnern? Ja, das war schon ein seltsames Gefühl! Ich war ziemlich nervös. Wie Lampenfieber hat sich das angefühlt. Zu Beginn war ich sehr angespan­nt, doch das hat sich dann mit der Zeit gelöst. Man kann sich das eigentlich wie irgendein Blind-Date vorstellen: man lernt sich kennen, isst etwas mit­einander…vielleicht entsteht

Text und Interview: Rainer Brenner Foto: Daniel Tischler


E U E N DER

J V A V VI

HR U 8 1 , LI U J . 6 ,1 H C O W MITT


Triebgesteuerte, machtlose MAnner Nach dem Erfolg der Single ‹Nobody move, nobody gets hurt› lag grosses Augenmerk auf den Hipstern ‹We Are Scientists›. Mit geschrumpfter Besetzung möchten sie nun zum Kern ihres Schaffens kommen.

Wo sind eigentlich all die lustigen Gitarrenschrammler mit Entertainerqualitäten geblieben? Diese eigenwilligen Bands, die Groupies zu peinlichen Selbstinszenierungen nötigen und deren höchstes Ziel es ist, sich bei Interview-Terminen lächerlich zu machen. Verschwunden sind sie allesamt. Aber warum? Sind im professionellen Musikzirkus des neuen Jahrtausends keine Clowns mehr erwünscht? Ist das Business schlichtweg seriöser geworden? Nicht wirklich, denn hin und wieder gelingt es Künstlern immer noch, scharfsinnigen Humor mit guter Musik zu verbinden. Trotz dadaistisch anmutender Selbstdefinitionen (die Band ist der Meinung, ihre Musik gleiche einem Rennwagen, der in eine riesige Torte rast: Aufregend, süss und etwas matschig), zählen die mittlerweile auf zwei Mann geschrumpften ‹We Are Scientists› zu den ambitionierten Bands des humorgeprägten Indie-Rocks. Das Album ‹With Love And Squalor› verhalf der Band vor drei Jahren zum internationalen Durchbruch. Auch auf dem aktuellen ‹Brain Thrust Mastery› scheinen die bestaussehenden Bachelors der Welt nichts an Hit-Potenzial und Sarkasmus eingebüsst zu haben. Chris Cain, der Bassist des WissenschaftlerGespanns, war so nett, uns zwischen zwei Ski-­ Abfahrten auf dem Titlis zu erklären, warum * der perfekte Bandname ist und wieso die Engländer ihn lieben.

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ie Briten scheinen begeistert von euch zu sein, obwohl England selbst hun­derte Bands zu bieten hat – und ame­rikanischen Gruppen gegenüber kritisch ein­ge­stellt zu sein scheint.

Ich gebe es zu, wir haben sie reingelegt. Wir liessen sie glauben, wir seien Briten. Als sie dann irgendwann bemerkten, dass wir Amerikaner sind, war es schon zu spät. Wir waren da!

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hr seid eine lustige Truppe: Hattet ihr nie Angst, dass man euch lediglich als Clowns wahrnimmt und sich niemand mit eurer Musik auseinandergesetzt?

Nein, eigentlich nicht. Entweder man hat einen Sinn für Humor, oder man hat ihn nicht. Und in praktisch jeder Lebenslage ist es nützlich, wenn man einen gewissen Sinn für Humor beweist.

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omentan seid ihr als Zwei-MannBand unterwegs. Wie fühlt sich das an, mit einem fremden Drummer auf der Bühne zu stehen? 52

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Er spricht ja kaum! Du musst wissen, dieser Mann befindet sich auf dem Entwicklungsstand eines Fünfjährigen. Zwar verhält er sich hinter seinem Schlagzeug wie ein Erwachsener, aber in allen anderen Lebensbereichen ist er nichts weiter als ein mentales Kind im Körper eines Erwach­senen.

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hr solltet ihn behalten!?

Ja, das stimmt. Er unterscheidet sich ja eigentlich kaum vom Grossteil der übrigen Schlagzeuger. Und wie jedes wohlerzogene Kind tut er, was man ihm sagt. Er ist ein grossartiger Drummer. Wir sind sehr zufrieden mit ihm.

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n der Schweiz wimmelt es von schlechten Bandnamen: Ich glaube, euer Name hat wesentlich zu eurem Erfolg beigetragen. Kannst du den Schweizern Tipps geben?

Ja, natürlich kann ich das. Unseren eigenen Namen – We Are Scientists – würde ich als einen Intermediate/Advanced-Bandnamen bezeichnen. Er ist gut, bringt allerdings auch ein gewisses Risiko mit sich. Aber etwas mit dem man nie falsch liegt sind Namen aus dem Tierreich. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte also einen Tiernamen wählen. Zudem steht rund die Hälfte aller Tiernamen noch zur freien Verfügung.

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ine unerschöpfliche Goldmine?

Genau. Ausserdem ist das ja erst die Hälfte aller englischen Tiernamen. Viel inte­ ressanter wird es, wenn man einen russischen Tiernamen wählt und darauf besteht, dass er in Ky­ril­lisch geschrieben wird. Das wäre dann wohl ein Advanced-Bandname im klassischen Sinne. Allerdings sollte man für einen derart guten Band­ namen auch sehr gute Musik machen, sonst wird das nichts.

M

ir gefällt der jamaikanische Wort­schatz sehr gut: Wie wäre etwas mit ‹Irie› oder ‹jah›?

Auch nicht schlecht. Vor allem als Indie-Band wäre es sicher interessant, sich Irie Sensation oder irgendwas in der Art zu nennen.

W

ie oft hast du die Songzeile ‹my body is your body› schon aus dem Mund eines Groupies gehört?

Oft. Das ist so ein Anmachspruch, den Groupies gerne benutzen, um an uns ran zu kommen. Überraschend ist allerdings die Tatsache, dass diese Anmache nach wie vor bei allen von uns zieht!


Lieben das Spiel Selbstdarstellung: We Are Scientists ­zwischen Schwiegersohn-Image und Kokain-Dandy-Gehabe.

I­mmer! Wir sind triebgesteuerte, machtlose Männer. Sie schaffen es jedes mal wieder.

E

rkennen dich deine Fans überhaupt ohne Brille, oder ist das so wie bei Clark Kent und Superman?

Ich trage meine Brille eigentlich immer, ausser ­jemand erwischt mich ganz nackt. Man kriegt mich nicht allzu oft ohne Brille zu Gesicht.

F

reut ihr euch auf euer Konzert auf Ibiza?

Ja, und wie! Wir werden dort aber nicht auf irgendwelchen Partys rumrennen. Der Veranstalter leiht uns seine Villa mit Swimmingpool und allem was dazugehört. Vielleicht machen wir auch den einen oder anderen Ausflug zu ­einem der ruhigeren Strände im Norden der Insel. Da wir nur ein einziges Konzert spielen, bleibt uns viel Zeit zum Ausspannen.

D

ann wünsche ich euch eine erfolgreiche Tour und viel Spass beim Skifahren auf dem Titlis.

Danke. Gibt es irgendetwas, das ich unbedingt noch essen sollte, solange ich hier bin?

S

obald die Leute merken, dass du englisch sprichst, wird man dir automatisch geschmolzenen Käse oder Schokolade servieren.

Raclette heisst das oder? Das ist ziemlich gut, das hatte ich schon mal. Na dann, guten Appetit! Text und Interview: Rainer Brenner Fotos: EMI

Für weitere Infos und Tourneedaten: www.wearescientists.com oder www.myspace.com/­ wearescientists Das Album ‹Brain Thrust Mastery› (Virgin) ist seit dem 14. März im Handel er­hältlich (siehe CD-Review in kinki 02/2008). bedeutet übri* gens ‹die Frösche›. Ein ­‹Advanced-Bandname› für alle noch Namenlosen!

kinki 53


Mit Schuhtick und Instinkt In, und nicht über den Wolken: Die 28-jährige

­ ängerin und Rapperin Estelle hebt derzeit S ab. Die dabei auftretenden Turbulenzen schätzt sie. Und wir ihre Musik.

Nicht einmal James Bond, Roger Federer oder der Bundesrat können derzeit das Pensum von Fanta Estelle Swaray überbieten. Seit die Tochter einer Senegalesin und eines von der Karibikinsel Grenada stammenden Vaters mit ihrer Single ‹American Boy› erst London, dann England und nun schliesslich die Welt in Beschlag genommen hat, globetrottet sie im Eiltempo durch Zeitzonen, Radiostationen und Konzerthallen. Ihre Musik hingegen hat etwas Beruhigendes. Estelle vermittelt Entspannung und Wohligkeit. Ganz ungezwungen wechselt sie auf ihrem zweiten Album ‹Shine› zwischen Reggae, Hip Hop-Soul, Dancehall-Pop, Oldschool R’n’B und clubtauglichen Geschichten hin und her und hält ihren Kopf immer leicht in die Wolken. Und obwohl sie aus diesen eher unsanft, übermüdet und mit deftiger Verspätung in Zürich landet, lässt sie sich bei ihrem Showcase (Anfang Mai, Stall 6) davon gar nichts anmerken. Sie singt gut, wenn auch nicht perfekt. Dabei sieht sie über die miese Soundqualität locker hinweg und bittet sogar einen jungen Zürcher zum Tanz auf die Bühne. Am nächsten Tag, schon wieder unterwegs zu Promoterminen in ganz Deutschland, haben wir die junge Dame aus London dann schliesslich am Draht. Dass sie als Sängerin um Welten besser ist denn als Rapperin, verschweigen wir vornehm.

E

s ging also nicht darum, dass das Label auf eine Single wie ‹American Boy› ­gewartet hat?

Nein, die haben gesagt, ich soll locker lassen und mir Zeit nehmen.

P

retty Please (Love Me) ist ein aussergewöhnlich schön arrangierter R’n’BTrack. Produziert hat ihn Jack Splash von Plantlife. Was ist das für ein Typ?

Jack ist eine sehr, sehr eigene Persönlichkeit (lacht)! Du müsstest ihn mal treffen. Obwohl es längst dunkel war draussen, hatte er während der ganzen Session eine Sonnenbrille auf. Ich weiss nicht mal, wie seine Augen aussehen. Ein paar Tage nachdem Jack den Beat programmiert hatte und wir meinen Gesang aufgenommen hatten, sang dann Cee-Lo von Gnarls Barkley noch seinen Part ein. Er sagte: ‹Was soll ich da noch einsingen? Der Track ist doch schon perfekt!›. Das hat mich sehr geehrt. Ich finde aber trotzdem, dass seine Stimme das Lied erst richtig abrundet.

A

uf dem Album finden sich ver­ schiedene Styles. Gab es ein Konzept für das Album?

Nein, das Konzept war einfach, mich so sehr zu entfalten, wie es mir überhaupt möglich war. Ich stelle, du hast momentan einen volleren hab auch viele Sachen probiert, die einfach nicht Terminkalender als P. Diddy. Wie lange funktioniert haben. Aber wir haben es dann imgeht das schon so? mer gleich wieder sein lassen, wenn es uns nicht So hektisch wie jetzt geht es jetzt mindestens berührt hat. Ich habe immer schon viel Reggae, schon seit zwei Monaten. Ich schlafe derzeit wirk- viel Pop, viel Hip Hop, viel Indie und Folk gehört. lich nicht viel. Aber egal. Es ist eine spannende Die Mischung ergab sich also natürlich. Zeit.

E

W M

ann hast du angefangen, an deinem neuen Album ‹Shine› zu arbeiten?

Vor vier Jahren in London. Ich hab mir viel Zeit gelassen.

W

as ist schwerer: Eine perfekte Textzeile zu schreiben oder eine schöne Melodie zu erfinden?

Eine tolle Melodie zu finden, die noch nicht verwendet wurde. That’s the difficult part. Aber die meisten Künstler machen sich’s auch zu schwer it dem Album ‹The 18th Day› hattest mit den Melodien. Sie arbeiten zu krampfhaft dardu ja auch schon Erfolg. Wieso hat es an. Man muss sich nur vom Beat leiten lassen, trotzdem vier Jahre gedauert, bis du dann findet man schon eine schöne Melodie. Einjetzt mit ‹Shine› richtig Fuss fassen konntest? fach locker lassen. Meistens ist die erste MeloTja, das hat verschiedene Gründe. Der Wechsel die, die einem in den Sinn kommt, auch die besvom Label V2 zu Atlantic hat sich sicher über ein- te. Oft sucht man dann noch ewig nach was einhalb Jahre hingezogen. Ausserdem musste ich Besserem und findet es nicht. Man muss seinem wieder eine Weile ein normales Leben führen, um Instinkt vertrauen. neue Inspiration zu schöpfen und Dinge zu erleben, über die ich Songs schreiben konnte.

54

kinki


Die Sängerin Estelle r­ e­präsentiert eine neue ­Generation selbstbewusster R’n’B Künstlerinnen

sen Unterschied. Bei Grime gefällt mir die Energie. I like when the kids are getting hype and excited.

L

auryn Hill oder Mary J. Blige?

Mary, ganz klar. Ich bin mit ihren Platten aufgewachsen. Ihre Songs waren die ersten, die ich gesungen habe. Das Singen kam bei mir lange vor dem Rappen.

S

neakers oder High Heels?

High Heels. Ich habe einen Schuhtick. Bei mir im Schrank stapeln sich sicher dreihundert Paar Schuhe.

B

rixton Academy oder Madison Square Garden?

Madison Square Garden. In der Brixton Academy hab ich schon gespielt.

S

hine oder ‹The 18th Day›?

‹Shine›!

Text: Adrian Schräder Foto: Promo Das Album ‹Shine› (Homeschool Records/Atlantic/­ Warner) von Estelle ist bereits erschienen. Mehr Informationen auf www.estellemusic.com.

D

as müsste ja heissen, dass das nächste Album in zwei Wochen fertig ist…

Gut möglich, so wie ich momentan drauf bin. Anything can happen. Ich fang schon langsam an, Ideen zu sammeln.

I

ch habe gehört, du lebst jetzt im Big Apple?

Ja, es gefällt mir sehr in New York. Aber ich war in letzter Zeit verdammt selten dort. Ich war immer unterwegs, wirklich immer. Zurzeit steht der Koffer immer gepackt neben der Tür.

O D D

kay, jetzt noch ein paar Entscheidungsfragen. Here we go: London oder New York? London.

izzee Rascal oder Wiley?

Uuuh, that’s a hard one! Wiley. I like Wiley. Bei ihm weiss ich genau, wovon er spricht. ubstep oder Grime?

Grime. Dubstep klingt für mich nach Oldschool Garage. Ich höre da keinen groskinki 55


cd des monats

kenna: make sure they see my face 1. daylight

«Daylight» war tatsächlich der erste Song, den ich für diese Platte geschrie­ ben habe. Ursprünglich entstand er an der Gitarre, aber mit der Zeit hat er sich zu einem Klaviersong entwickelt.

2. out of control

(state of emotion)

Manchmal entsteht aus Chaos Verständ­ nis. Nachdem ich lange Zeit glaubte, ziemlich genau zu wissen, wer ich bin, hab ich plötzlich gemerkt, dass ich kei­ nen blassen Schimmer hatte. Das Gefühl, das dieser Song beschreibt, kam dann in mir auf, als ich ins Chaos stürzte und mich dazu entschied, meine ganzen Prob­ leme in dem Durcheinander zu begraben.

3. loose wires

An diesem Punkt meiner Reise, die das Album skizziert, habe ich auch mit vielen Leuten zu tun gehabt, die unbe­ rechenbar und unschlüssig waren und noch keine Balance in ihrem Leben gefunden hatten. Ich entschied mich dazu, die Düsternis meines Lebens zu erforschen – und damit die dringenden Änderungen vor mir her zu schieben.

4. say goodbye to love

Dieser Song ist wahrscheinlich einer der bedeutungsvollsten Songs auf dem Album. Er steht für die Idee, sich über die Veränderungen zu freuen, anstatt sich vor ihnen zu verstecken.

S

eine Musik klingt nach ei­ nem modernen, leicht an­ geschwärzten, beatlastigen Gemisch von The Cure, Duran Duran und Depeche Mode, sei­ ne Sätze nach reichen Erfahrungen im dreckigen Musikgeschäft: Obwohl der 29-jährige Sänger und Produzent Kenna Zemedkun von seinen Schul­ freunden Chad Hugo und Pharrell Williams alias The Neptunes seit lan­ gem prominenteste Rückendeckung bekommt, verbrachte er die letzten fünf Jahre auf allen möglichen Abstell­ gleisen der Industrie. Damit sollte es nun vorbei sein: Äusserst selbstbe­ wusst und gradlinig steuern die Songs seines zweiten Albums ‹Make Sure They See My Face› unsere Pop-An­ tennen an. Dick aufgetragene 80erJahre-Verträumtheit trifft auf dralle Beats, die auch bei aller Anpassung 56

kinki

an den ungewohnten Einsatzort den­ noch immer wieder ganz klar als bös­ artige Neptunes-Fabrikate auszuma­ chen sind. Und zwischendurch – mit einem Schlagzeugbreak, mit einem Drumsound, mit einer Textzeile – dringt immer wieder durch, dass der Ursprung der ganzen Zauberei eben doch Hip Hop ist. Bühne frei für unser Album des Monats, die einzelnen Tracks werden vom Meister selbst, also Kenna höchstpersönlich vorge­ stellt:

5. sun red sky blue

Das ist schon fast ein triumphierender Song. Er besagt, dass man den Glauben niemals verlieren darf und dass Verän­ derung einem Antrieb verleihen und dazu verhelfen kann, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

6. baptized

in blacklight

Wenn man sich entschliesst, viele Dinge in seinem Leben zu ändern, braucht man Hilfe. Ich habe oft Hilfe bekommen in meinem Leben.

7. static

«Static» habe ich um vier Uhr morgens geschrieben, ganz alleine. Ich mache nicht Musik, um besonders bekannt zu werden. Viel wichtiger ist, dass meine Musik Bedeutung hat.

8. phantom always

Dieser Song handelt von den Geistern und Mächten, die unsere Entscheidun­ gen beeinflussen und verfolgen. Sie können sich in der Form von Ereignissen oder aber in spiritueller Form bemerk­ bar machen. Es geht um die Geister, die in der Schaltzentrale unserer Existenz wirken und einen immer zu neuen Vor­ sätzen verleiten.

9. face the gun

Zu diesem Song wurde ich von Tom Mo­ rello, dem Gitarristen von Rage Against the Machine, inspiriert. Man muss den Leuten sagen, dass es wichtig ist, sich zu informieren, wählen zu gehen und Leuten zu helfen, die von der Regierung ignoriert werden.

10. good luck

In ‹Good Luck› komme ich auf das The­ ma von ‹Loose Wires› zurück. Es ist eine Art Rückfall. Ich musste mich wieder daran erinnern, dass ich eine Reise an­ getreten hatte und dass es schluss­ endlich eben um die Reise und nicht um den Endpunkt der Reise geht.

11. better wise up

Der Song steht für die Lebenslektion: mich den Veränderungen anzupassen und nicht wieder in alte Verhaltenswei­ sen zurückzufallen. ‹Change your fate or make your bed and live in it› – ‹Ändere dein Schicksal oder mach dein Bett und lebe darin›.

12. be still

Dieser Song gründet auf einer wahren Begebenheit. Ich musste meinen Finger operieren lassen und konnte deshalb längere Zeit kein Instrument spielen. Ich war ungeduldig und schrieb mit mei­­nen intakten Fingern diesen Song. Daraus wurde schliesslich die Lektion des Albums. Nicht immer sind die Werk­ zeuge, die uns zu der erhofften Verän­ derung verhelfen, sofort verfügbar.

13. wide awake

Der letzte Song erklärt schlicht und einfach, wo meine Reise hingeführt hat. Der Refrain lautet schlicht ‹I’m wide awake›. Meine Augen sind offen und mein Herz ist zugänglich. Ich bin nun bereit, mit dem Licht meiner Kreativität andere zu beeinflussen. Das Album ‹Make Sure They Can See My Face› (Interscope/Universal) von Kenna ist bereits erschienen. Text und Interview: Adrian Schräder Foto: Promo


cd check

nach diesem sound wirst du süchtig

Noch bevor ein Anflug von Langeweile aufkommt, stürzt sich unser todesmutiger Reviewnator Florian Hennefarth aka The Men-Man in die Fluten der Neuveröffentlichungen und fischt uns die frischesten CDs für den Player heraus. Auf der Henne-Skala von 1 bis 10 – hier sind die Gewinner

man ihn dennoch sympathisch und kann ihm mit der Zeit sogar noch etwas abgewinnen. Timbaland sei Dank. Urbane R’n’B- Sounds paaren sich mit industriellen Beats und lassen sich von der Wohligkeit hypnotisierender Flächen und schwermütiger Streicher bezirzen. ‹MP3› beheimatet tanztaugliche Soundtracks der jungen Rhythm-and-BluesGeneration, denen dennoch zu jeder Zeit ein gewisser Hauch von Melancholie anhaftet – das Leben als Popstar ist eben kein Zuckerschlecken. Ob nun Why Do You Cry, Climax, Matt Pokora: oder auch Dangerous - die VokoderMP3 stimmen und Synthie-Linien dieser Was bleibt einem als Vorzeigesongs reiten natürlich ganz Produzent schon ande- vorne auf den derzeitigen Trendwelres übrig, wenn einem len und erinnern auf alle Fälle an Jusdas Zugpferd davon tin Timberlake und dessen Klonkrierennt. Richtig, man züchtet sich einfach ger. Der Franzose schafft es dennoch, einen neuen Hengst heran. Im Falle mit ‹MP3› seinen eigenen Style zu von Timbaland heisst der ausgepräsentieren. Und sind wir mal ehrbüchste Gaul Justin Timberlake (die lich, war es nun Herr Bauholzfluss beiden hatten sich vor einigen Mona- denn wir all die Jahre so grossartig ten mit regelrechten Lästerattacken fanden oder eben seine Songs? Nur bombardiert und sich schon gegenso viel: Matt Pokora sieht auch ganz seitig mit Entzweiung gedroht). Sein schnuckelig aus, und Franzose ist er neuer Chart-Wallach heisst wiederum auch – c’est le ton qui fait la musique. Matt Pokora. Ein wahrlich prächtiges Tier, mit durchtrainierten Gliedmassen und einem glänzenden Fell in Form stylisher Tattoos. Und ein treues Ross ist er zudem: Pokora galoppiert nämlich nur, wenn er Timbalands Sporen spürt und ein feines Potpourri erlesenster Black-Music in seinem Trog serviert bekommt – da kann man sich am poppigen Durchschnitt auch mal so richtig satt fressen. Und wird nicht mehr in den Stall zu seinen alten Kollegen der Boygroup Linkup gesperrt – eine Ausgeburt der französischen Ausgabe von Popstars. Matts Sound ist zwar, wie soll Hadouken!: man sagen, wie ein alter Bekannter, Music For An dem man eigentlich nicht mehr viel Accelerated Culture zu sagen hat, doch wenn er dann ‹Schatz, drehst du von seinen verflossen Liebschaften, mal bitte diesen heissen Nächten in den Clubs oder fürchterliche Krach der flennenden Alten sinniert, findet

mehr als nur der böse zwilling

7

indiepop aus dem gameboy

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kinki

8

ab!?›. ‹Das ist kein Krach, das ist wahre Kunst›. ‹Liebling, wenn du Drogen nimmst, können wir darüber reden!›. Woher soll’s Mutti denn auch wissen: Schon zu ihrer wilden Zeit waren Röhrenjeans, Stirnbänder in Neonfarben und ein Bandname wie beispielsweise ‹Hadouken!› regelrechtes Teufelswerk. Und dass der Londoner Fünfer alles andere im Sinn hat, als christlichen Tugenden zu frönen, sagt schon ein AlbumTitel wie ‹Music For An Accelerated Culture›. Wer weiss, der liebe Gott tanzt vielleicht auch ganz gerne!? Drink, fuck, smoke, dance – und schon wäre die komplette Band-Philosophie des britischen Quintetts abgefrühstückt. Und wenn man es nicht besser wüsste, könnte man fast schon sagen, die vier Buben und die süsse Blonde hinter den Keyboards scherten sich einen regelrechten Scheiss um Klischees. Wie denn auch, wenn man als musikalischen Haupteinfluss eine japanische Spielekonsolenmanufaktur angibt. Die tagesaktuelle Mischung aus Elektronica, Pop und Indie macht dennoch Spass. Ein wenig härter als MGMT und einen Hauch sanfter als die angesagten Nintendocore-Bands aus den Staaten, präsentieren Hadouken! den Popsound von morgen. Frech, dreckig, pöbelnd, provozierend, angeheitert, partylustig und auch ein wenig hängengeblieben sind die Attribute, die einem zu ‹Music For An Accelerated Culture› als erste in den Sinn kommen. ‹We are the wasted youth and we are the future, too›, Hadouken nehmen sich in ihren Songs selbst nicht zu ernst und wissen gekonnt mit typischen Vorurteilen zu spielen: Dann trägt der Sänger eben Jeans aus der C&A-Kinderabteilung, klingt der Sound eben, als hätte die Band seit ihrem ersten Clubbesuch im geschätzten Alter von 14 Jahren nie wieder nach Hause gefunden und würde seitdem nur noch auf dem

Gameboy rumklimpern – wen kümmert es? Zumindest nicht diejenigen, die auf der Suche nach der nächsten grossen Elektroband mit Bumps auf den Boxen sind. Oder mit den Worten der Gruppe: ‹I wanna be arrested, i wanna be molested and my heads in pain, next weekend lets do it again›. Ja Mama, Philosophen!

soundtrack für die sonnigen szenen des lebens

8

Jason Mraz: We Sing. We Dance. We Steal Things

Jack Johnson ist ja ach so süss, seine Mucke ach so sommerlich und sowieso, wäre der Australier ein paar Jahrhunderte früher zur Welt gekommen, hätte auch der Heiland höchstpersönlich zu seinem Gedudel das Lagerfeuer geschürt. Jason Mraz ist da schon anders: Wäre der 31-jährige Songwriter zur Zeit der alten Römer zur Welt gekommen, nicht Jesus, sondern Jason hätte es heute in der heiligen Schrift gehiessen...Natürlich nicht, aber ein bisschen was himmlisch-luftiges hat Jason Mraz’ Sound dennoch an sich – Balsam für die Seele. Das wohl aussergewöhnlichste für einen typischen Gitarrensongwriter à la Jack Johnson ist mit Sicherheit die Tatsache, dass sich der Musiker aus


Virginia nicht auf einen Stil beschränkt, sondern seinen Launen freien Lauf lässt. Pop, Rock, Jazz, Folk, Reggae und sogar der Sprechgesang finden Platz im schier unbegrenzten musi­ kalischen Spektrum des sympa­ thischen Liedermachers. ‹We Sing. We Dance. We Steal Things.› ist eine Platte für den Sommer, die Festivals, das Zelten mitten im Nirgendwo und das gemeinsame Chillen, Feiern und Lieben unter freiem Himmel. Glasklare Stimme trifft auf gesangliche Versiertheit, und musikalische Experimentierfreudigkeit auf mitreissende Poppigkeit. Eigentlich ist jeder Track auf ‹We Sing. We Dance. We Steal Things.› ein kleiner Sommerhit für sich. Die frechen Trompeten, die weiblichen Backgroundstimmen und die karibischen Gitarren in ‹Make It Mine›, der zuckersüße Text über die Geliebte als beste Freundin in ‹Lucky›, das ist schlichtweg Musik, der man sich einfach nicht verschliessen kann. Das ist Musik, die einen durch die sonnigen Tage des Lebens begleitet. Ein treuer Gefährte durch die bunten Szenen des Lebens; einer der auch an diese erinnert, wenn die grauen Wochen mal wieder Einzug halten. Und Jason Mraz ist noch nicht mal am Strand gross geworden – das macht seine Musik dafür umso authentischer.

dennoch und die Ecken dadurch nicht weniger gedrängt. Auch eine Zeitschrift wie kinki magazine kann sich dem EmoWahnsinn nicht verschliessen. Insbesondere, wenn er so lieblich daherkommt wie bei den Buben von Cute Is What We Aim For. Irgendwo zwischen Collegerock und latent epischen Emohymnen praktiziert der gutgelaunte Vierer aus Buffalo einen Sound, der sofort gefällt, ein ekstatisches Zucken in die Hüften fahren lässt und selbst den letzten Cute Is What Emo-Muffel ins gefühlsbetontere LaWe Aim For: ger wechseln lassen dürfte. Die Rotation Rockband aus der New-York-Area Was ist Emo denn ei- präsentiert auf ihrem zweiten Album gentlich? Dunkel ge- ‹Rotation› endlich mal wieder guten, schminkte Jugendlialten Emorock im Stile grossartiger che, die sich zusammen in Ecken Bands wie Taking Back Sunday, Yelzwängen und zusammen weinen, lowcard oder auch Jimmy Eat World weil die Jeans vom Ex-Partner zum und lässt spätestens ab dem zweiTeufel nicht passen wollen? Wahrten Hördurchlauf jegliche Vorurteile scheinlich. Die Bands dieses, sagen versacken: ‹Practice Makes Perfect›, wir mal Meinung spaltenden, Gen‹Hollywood› oder auch ‹Doctor›, jeres wissen sich wiederum immer ge- der Track auf Rotation ist der perfekkonnter von den vielfach gefärbten te Stadionkracher und ist eigentlich Mangaköpfchen zu distanzieren und schon viel zu schade für das doch propagieren sich selbst als schlichte recht überschaubare Publikum im Rockbands. Das mag rein musikaheimischen Wohnzimmer. Man lisch schon stimmen, und auch im möchte zu ‹Safe Ride› oder ‹NavigaFalle von ‹Cute Is What We Aim te Me› am liebsten die Fäuste gen For›, doch emotional bleiben sie Himmel reissen, in einer Melange

emorock der alten schule

aus Schweiss und Bierdunst wild umherspringen und einfach eine gute Zeit haben. Und wer wil,l darf sich gerne auch in die Ecke stellen. Aber nur zu Hause! Denn da sieht’s ja keiner. Bewertungsskala 1–10 (1 = voll beschissen, 10 = megacool)

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Florian Hennefarth

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playlist

Johnny Cash: Cocaine Blues ‹Early one mornin’ while makin’ the rounds, I took a shot of cocaine and I shot my woman down...›. Da hat der Typ in einer Zeile Gangsta-Rap vorweg genommen. Immer noch unerreicht und ich hab dem Mann viel zu verdanken: Der erste Kuss mit meiner grossen Liebe bei ‹Walk the Line›... So schön.

hood regulators

Jeden Monat stellen die besten DJs der Schweiz ihre absoluten all time favourites vor. Cockboy und Kackmusikk aka Hood Regulators sind albern, peinlich und rocken die Katzen wie Siegfried und Roy.

DJ Donna Summer: Party People Das ‹Whoomp! There it is›-Sample ist der einzige Grund, warum gerade dieser Track es hierher geschafft hat. Jason Forrest aka DJ Donna Summer ist die Faust im Gesicht von jedem Hipster, der eigentlich Justice hören wollte, als er auf unsere Party kam. Happy ist sein Hardcore wohl nur die ersten paar Sekunden... Wir lieben ihn dafür, dass er Breakcore macht, den wir spielen können.

all time favourites von kackmusikk: Mickie Krause: Olé, wir fahrn in Puff nach Barcelona Das Sauf-Anthem schlecht hin! Auch bekannt als ‹Ballermann-Bumsmusik›. Bei diesem Song will man so schnell wie möglich zum nächsten Bankomat, einen Hunni ziehen und dann ab ins nächste Freudenhaus… Birdman feat. Lil’ Wayne: Championship (Pop Bottles) Das Club-Anthem schlecht hin! Straighter Crunk-Banger mit fiesen Synth’s! Bei diesem Joint steh ich auf und fühl mich wie der Boss! Ich geh zu einem Chick und verpass ihr den ‹Dirty South Fish Hook›! Weezys Part killt alles! ‹Chop with straight shots and then pop Bottles, flirt with the Hood Rats then pop models...›

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ockboy und Kackmusikk aus Luzern machen seit etwa zwei Jahren alles, was Gott verboten hat. Während es bei anderen DJs ‹Stil vor Talent› heisst, geht es beim Schaffen der beiden Knallköppe weder ums eine noch ums andere. Nebst mexikanischen Wrestlingmasken trägt man gerne auch mal Cowboy-Hemden oder sonst was, das ‹so last season› ist. Da können dann Bluegrass und Breakcore, Happy Hardcore und Eurodance, Gangsta-Rap oder karibische Soca-Tunes ohne mit der Wimper zu zucken gemischt, verbraten und in einem infernalischen Mix dem Publikum vor den Latz geknallt werden, nachdem man die trendbewusste Crowd vorher mit aktuellem Baile-Funk und Baltimore Club zufrieden gestellt hat. Und weil die Jungs sich bewusst sind, dass die Unberechenbarkeit der Alptraum jedes Partypromoters darstellt, wurden kurzerhand eigene Events auf die Beine gestellt. Wie die ‹Whut U Call it?›-Reihe oder das jüngste Kind ‹Hybrid Urban Subculture›. Als Teil des Musiker- und Graphic-DesignKollektivs ‹Korsett› weist die musikalische Biographie Bezüge zu unter60

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schiedlichsten Genres auf: Nebst Produktionen und Auftritten im Hip Hop-Bereich (Kackmusikk als Producer von Kein Ond Abel – Cockboy mit einer missglückten Rap-Karriere) versumpft man auch auf Afterhours, legt unverschämt cheesy House-Tunes auf Minimalparties auf (Cockboy als eine Hälfte von ‹nonchalance›) und pinkelt allgemein jedem Dogmatiker ans Bein. Und bis man sich sämtliche Sympathien verscherzt hat, ruiniert man seinen Ruf auch weiterhin. Denn wie der Volksmund sagt, lebt sich's ja dann gänzlich ungeniert. www.myspace.com/hoodregulators

all-timefavourites von cockboy: Snoop Dogg: Ain’t no fun Die Gangbang-Hymne par excellence. Nate Dogg, Kurupt, Warren G und Snoop Dogg erfassen den Kern der Thematik auf einem G-Funk Beat, den selbst Alice Schwarzer feiern würde: ‹I know the pussy’s mine, Imma fuck a couple more times, And then I’m through with it, there’s nothing else to do with it: Pass it to the homie, now you hit it.› The Outthere Brothers: Boom Boom Boom Nach den drei Singles ‹Fuk U in the Ass›, ‹Pass the Toilet Paper› und ‹Don’t Stop› kam 1995 ‹Boom Boom Boom›, das einschlug wie eine Bombe und auch im Königreich ein paar Wochen lang Platz 1 der Charts besetzte. Die Lyrics sind so grottig, dass sich wohl nur die Hookline ins kollektive Gedächtnis gebrannt hat... ‹Boom Boom Boom let me here you say Way-Ooh (Way-Ooh) Me say Boom Boom Boom now everybody say WayOoh (Way-Ooh)› Bronski Beat: Smalltown Boy Kam ’84, im Jahr meiner Geburt raus, und so richtig entdeckt hab ich’s ja dann wohl mehr als 20 Jahre später durch Kollege Kackmusikk. Der Schwulen-DiscopopEmanzipationstrack für Kleinstädter kontrastiert wunderbar mit unserem restlichen Programm und lässt sich schön mit House und Techno kombinieren.

Soggy Bottom Boys: I am a Man of Constant Sorrow Das Bluegrass-Anthem schlecht hin! Hat mich zu meinem Track ‹Hillbilly Raver› inspiriert. Dieser Mucke gehört die Zukunft! Das Zusammenspiel zwischen Fiddle und Banjo ist crazy! Wenn dann Ulysses Everett McGill singt, ‹I bid farewell to old Kentucky, the place where I was born and raised›, möchte ich meine Latzhosen anziehen, die Frisur scheisse schneiden und mit einem Grashalm im Mund im Barnyard tanzen! Motörhead: Killed by Death Das Rock-Anthem schlecht hin! Hier kenne ich keine Toleranz! Wenn es einen Gott gibt, dann heisst der Lemmy Kilmister. Über 60 Jahre alt und wahrscheinlich genau schon so lange schwerster Alkoholiker. Wenn man diese Band kennt, kann man gepflegt auf die Rolling Stones scheissen! Diesen Song höre ich am liebsten im ‹Downtown› wenn ich, mit meinem ‹Rickenbastard› um den Hals eine Kampflesbe in Latex unter den Tisch saufe! Oliver Onions: Bulldozer Das Bud Spencer-Anthem schlecht hin! Niemand weiss meinen Jugendhelden mit der ‹12 O’ Clock-Hammer› besser zu besingen als die Gebrüder de Angelis aus Italien. ‹You can see a mountain here comes Bulldozer, you can see a cloud of fists and dust...›. Präzise beobachtet und in astreinen Schlager verpackt, haben sich Massenschlägereien noch nie besser angehört. Wenn Buddy, untermalt von stimmungsvollen Gitarrenriffs, seine Backpfeifen verteilt und die bösen Jungs in die Botanik pflügt, wird mir warm ums Herz. Dieser Track ist ein Evergreen. Lasst euch das gesagt sein, ihr Käse-Yogis! www.myspace.com/hoodregulators


witness the fitness Fotografie Florian Renner Models Elaine Forsmark Charlotte Roski Make-Up & Hair Isabell ­Böttcher Laura ­Abendroth Styling: Isabell Böttcher

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links: Bikini Top und Hose O’Neill rechts: ‹Einteiler› Paul Frank

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links: Sonnenbrille MODELS OWN Bikini Bluts足 Geschwister rechts: Bikini Bluts足 geschwister

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links: Top Bluts­ geschwister Panty Paul Frank rechts: Bikini O’Neill

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vertreter

espadrilles

Über die wichtigsten Schuhe von 1920 bis heute. Geburtsjahr Name Hersteller Typ

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ca. 1920 Espadrilles billige Massenproduktionsfirmen überall Freizeitschuh

S

ommerurlaube mit den Eltern an Spaniens oder Italiens Sommerstränden. Sonnen­ brand und Freundschaftsbänder. Lang leben die 80er! Und ohne wel­ chen Treter durfte man die Heim­ reise natürlich auf gar keinen Fall an­ treten? Richtig, die Trendlatschen für den Strand, weit bevor die Flip Flops die sandigen Laufstege der Strände bevölkerten: Espadrilles! Die Sohle aus strohähnlichen ­Gewächsen, der Rest aus einfachem Stoff, das war bequem und vor allem billig. Da durften es gerne zwei oder drei Paar sein, die sich auf der Rückreise im Kofferraum befan­ den. Zwar wurden sie dann in der nasskalten Heimat bis zum nächsten Sommerurlaub verstaut, aber kultig waren sie alle mal. Welche Frau hat Pierre Cosso nicht schmachtend angeschaut, als dieser Sophie Marceau auf seiner Vespa und mit Espadrilles beschuht, im Film ‹Cinderella 87› abgeholt hat. Das war lässig und sexy zu­ gleich. Die Frauen wussten ja schon seit den 50ern und Grace Kelly, dass diese Schuhe schick sind und jedem Frauenfuss schmeicheln. ­Sogar zu einer heissen ‹Love Affair› konnte Annett Bening die Schuhe tragen und strahlte damit eine ­unglaubliche Erotik aus. Wie viele Beweise braucht man noch, um laut zu rufen: ‹Ja, das ist ein Kult­ schuh!› Jetzt sind sie wieder en vogue und erleben wie fast alles aus den schönen ‹damals war alles bes­ ser› 80ern ein Revival. Der nahende Sommer lässt es erahnen, die Strohtreter kommen wieder. Wie ­damals schon, in Scharen. Passend zu allem ausser dem Abendkleid waren und sind die Schuhe ein echtes Allroundtalent. Der wohl grösste Bonus liegt an der extremen Atmungsfähigkeit der ­Sohle. Schweissfüsse ade. Nur der erste Regenguss erinnert uns ­wieder daran, wieso man manchmal die sich auflösenden Steppen­ grashalme der Sohle verflucht hat. Aber was einmal war, muss sich ja nicht wiederholen. Inzwischen sind auch die grössten Designer der Welt auf den Strandschuhzug aufgesprungen. Donna Karan, ­Erfinderin von DKNY, hat entdeckt: Mit dem richtigen Absatz und den dünnen Schlaufen zierlich um den Knöchel gebunden, sieht der Schuh an einem schlanken Frau­ enfuss fast schon glamourös aus. Und ihrem Beispiel folgten weitere Designer, was zu einer wahren ­Espadrilles-Flut auf den roten Teppi­

chen, abseits der überfüllten ­Sommerstrände, führte. Als 2005 auch noch ausgerechnet Jennifer Lopez androhte, eine eigene Schuh­ kollektion auf den Markt zu bringen, zog Angst durch die Promireihen. Was würde La Lopez kreieren? Ihre einmalige Idee? Leinenschuhe mit Strohsohle. Oder im alltäglichen Sprachgebrauch: Espadrilles. Pro­ mis wie Normalos tragen wieder ­Erinnerungen aus den Teenagerzei­ ten mit den Eltern am Strand und verkörpern wieder das Lebensgefühl von ‹La Boum – Die Fete›. Text: Adriana Popescu Illustration: Sarah Parsons


Peter Müller ist herrlich w ­ eiblich Mit dem ‹Swiss Textile Award› haben wir einen der weltweit höchst dotierten Modepreise, ansonsten hört man international zur Zeit leider nicht so viel aus der Schweiz. Peter Müller könnte das jetzt ändern.

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ugegeben, der Name ist auf den ersten Blick nicht sonderlich gewinnend. Der Jedermann, der von den Bergen kam? Peter Müller ist allerdings Zwei – zwei junge Damen, um genau zu sein. Und da kommt plötzlich Schwung in die Sache. Cornelia Peter und Nicole Müller lernten sich an der Kunsthochschule in Basel kennen, machten einige Wettbewerbe und Projekte zusammen und entschieden nach Erhalt ihrer Diplome 2005 gemeinsam weiterzumachen. Praktika bei Alexander McQueen in London und bei AsFour in New York brachten die ersten Erfahrungen auf dem harten, internationalen Parkett. Das Duo bevorzugte danach doch lieber die überschaubare Heimat. Nicole erklärt die Entscheidung zum eigenen Label recht pragmatisch: ‹Wenn ich schon Vollgas arbeiten muss ohne Freizeit, dann lieber für mein eigenes Baby.› Gesagt, getan. 2006 flanierte die Peter MüllerDebütkollektion ‹Am Himmel sind Wolken zu sehen aber die Luft ist klar› über den Laufsteg und erregte das Interesse der ersten Shops. ‹Making things› in Zürich, ‹Traumraum› in Luzern und ‹Kiosk› in Basel zählten zu den ersten Kunden. Peter Müller arbeitet nicht in festen Saisons, sondern präsentiert neue Styles, wenn die Zeit dafür reif ist. Wie so oft im Leben, ist Egoismus dabei der beste Motor, um Dinge voran zu treiben. Nicole und Cornelia wollen endlich die Kleider tragen, die sie sonst nirgendwo finden. ‹Ich hab immer irgendwo einen Fehler entdeckt, ein Detail von dem ich dachte: das würde ich aber anders machen›, erzählt Nicole.

Mit Vollgas für das eigene Baby

Noch werden die Einzelstücke mit Preisen von 160 bis 390 Franken in Kleinstserien im eigenen Studio von Hand genäht und danach liebevoll bedruckt. Die Idee: Streetwear trifft auf elegante Fashion. Das Ergebnis: gemütliche Oversized-Kleider, Kimono-Jacken, sexy Jeans und Jersey-Tops, die individuell gestylt zum Sneaker aber ebenso zum Highheel funktionieren. Weitestgehend unabhängig von schnellebigen Trends sollen die Wohlfühlstücke zu zeitlosen Lieblingen im Kleiderschrank werden. Dass die Gründung des eigenen Labels nicht gerade ein Picknick ist, zeigen die Kindertage von Peter Müller. ‹Es gibt halt keinen Fahrplan, jeder 70

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muss sich seinen eigenen Weg suchen›, weiss Nicole. ‹Wir experimentieren herum, lernen die Ansprüche unserer Kunden langsam kennen.› Mit diesem ‹Trial-and-Error›-Ansatz stehen die Beiden stellvertretend für das Dilemma aller Jungdesigner. Nur weil es mit Zeichenstift, Nadel und Faden klappt, bedeutet das ja nicht automatisch, dass auch der Rest funktioniert. Die Mädels lassen sich derweil nicht unterkriegen, arbeiten als Aushilfen in Kostümverleihen oder auch mal an der Kasse von Clubs.

Zwischen Catwalk und Club-Kasse

Als nächsten Step wollen Nicole und Cornelia die Produktion organisieren, um mehr Zeit fürs Designen zu haben. Man darf also gespannt sein und tolle Foto-Locations mit schicken Tapeten kennen die Mädels ja jetzt schon – da kann ja nix mehr schief gehen. Text: Romy Uebel Fotos: Christian Breitler Model: Sarah Haar & Make-up: Seraina Kraushaar @ K-PONY


Der Name des jungen Basler Hipster Labels Peter M端ller darf ruhig 足verwirren. Die aktuelle Kollektion ist im Gegensatz dazu sehr klar und feminin.

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Cogama: Schuh-Schwestern­ schaft So liebe Jungs, Ohren auf, es folgt eine weitere Lektion aus dem ‹Mythos Frau›-Lexikon. Und zwar geht es um die legendäre Obsession der Damen für Schuhe.

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ntgegen aller Behauptungen sind wir nämlich keine willenlosen Jäger und Sammler: haben wir ein­mal die wahre Liebe gefunden, hält diese bis auch der letzte Schuhmacher die Waffen streckt, und auch mit Tape und Prittstift nichts mehr zu reparieren ist. Nur die Fahndung nach der wahren Liebe lässt uns eben mitunter ins Schleudern geraten... Cogama aus Berlin kann die Suche nun deutlich verkürzen. 2007 von den Schwestern Conny, Gabi und Marlis gegründet, bietet das Label schickes Schuhwerk, das zu schnieken Kleidchen genauso funktioniert wie zu Jeans und Hoodies. ‹Wir machen Schuhe, die ohne übertriebenes Dekor auskommen und durch zeitloses, pures Design zu Alltagsbegleitern werden, egal ob man im High Fashion oder der Streetwear-Szene zu Hause ist›, erklären die umtriebigen Kreuzberger Girls dann auch. Mit Mode hatte das Trio bislang wenig zu tun, sondern arbeitete in verschiedensten DesignJobs und im Finanzmanagement. Das Unternehmen steht also auf sicheren Beinen und der durchaus egoistisch motivierte Wille, endlich kompromiss­ 72

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los schöne Schuhe auf den Markt zu bringen, ist Antrieb genug. Die Cogama Debüt-Kollektion kommt in diesem Frühjahr in die Shops und besteht aus 15 Styles in verschiedenen Materialien und Farben, angefangen von lieblichen Ballerinas bis hin zu zickigen Ankle Boots. Mit Preisen von 100 bis knapp 400 Franken sind die Cogamas nicht gerade Schnäppchen, dafür aber in Deutschland unter höchsten Qualitätsstandards gefertigt. Ausserdem gibt es den Authentizitätsbonus gratis dazu und das Gefühl, die richtigen Bräute zu unterstützen! Text: Romy Uebel Fotos: Cogama www.cogama.de

Die Ladys von Cogama ­verkaufen nicht nur schöne Damenschuhe, sondern gleich die passende Party mit dazu.


Post aus Fernost Das Projekt lässt Designer aus Japan PINGPONG

und der Schweiz zusammenarbeiten. Miteinander kommunizieren dürfen sie jedoch nie.

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st Design auf Sprache angewiesen? Kann nur die verbale Kommunikation für das Verstehen von Designarbeiten sorgen oder sprechen Mode, Grafik, Produktdesign und Co. ihre eigene Sprache, die global verstanden werden kann, die in Ost und West erkannt und interpretiert wird? Dieser Frage geht das Design-Projekt PINGPONG an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel nach, das Designschaffende aus Japan und der Schweiz gemeinsam, und doch durch tausende Kilometer und Sprachbarriere getrennt, an Cross-Genre-Produkten arbeiten lässt. Ausgangspunkt für jeweils neun ausgewählte Designerinnen und Designer aus beiden Ländern ist ein blankes Stück Stoff, das bearbeitet und dann an den weit entfernten Partner weitergesandt werden muss. So gestaltet dann etwa ein Textildesigner aus der Schweiz einen Druck, der von einer japanischen Möbeldesignerin zum Bezug eines Stuhles verwendet werden könnte. Näher an der Realität weltweiten Austauschs in den Zeiten der fortgeschrittenen Globalisierung kann ein Kunstprojekt wohl kaum sein. Das vorgegebene Thema ‹Shifting› soll so durch die einander Unbekannten, in ihren fertigen Arbeiten zwei Interpretationen zugleich enthalten. Spätestens zwei Wochen nach Erhalt, muss das Produkt an den Partner per Post zurückgesandt werden, worauf jener dann wieder die Chance hat, eigene Vorstellungen mit einzuarbeiten. Basis für den gemeinsamen Austausch ist nichts mehr als die nackte Zusammenarbeit per Postpaket, anders kommuniziert wird nicht. Die fertigen Einzelstücke bieten den Teilnehmern schliesslich auch meist die erste Möglichkeit zu einem internationalen Auftritt: Die Arbeiten werden sowohl in Basel wie im japanischen Tokio ausgestellt. Die Vernissage der Ausstellung wird im Rahmen der EXTEN­ DED III, unter dem Motto ‹Tokyo meets Basel›, am 26.07.08 in der E-Halle Basel stattfinden. Als Live Act kommt Akiko Kiyama aus Tokyo. Die Ausstellung ist in der darauf folgenden Woche zu bestaunen, wo alle Arbeiten aus dem Showroom auch gekauft werden können. Eine Publikation zum Projekt, in der alle Werke zu sehen sein werden, ist ebenfalls in Arbeit. www.pingpong-project.com

Die Idee ist einfach: Schweizer Designer schicken ‹roh› geschnittene Kleidungsstücke nach Japan. Dort werden sie von japanischen Designern weiter gestaltet und in die Schweiz zurück geschickt. Was dabei rauskommt, bleibt die grosse Überraschung.

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Die Schweizer PingPong ­Teilnehmer auf einen Blick: Amancaya Mariño

Alter: 24 Wohnort: Aarau Design-Disziplin: Modistin / Hut­ designerin Persönliche Erwartungen: Ich hoffe, es entstehen überraschende Produkte. Meine werden vom Fernweh inspiriert sein. Tokio ist neben Berlin eine meiner nächsten Wunschdestinationen.

Karin Borer, Viviane Vogt

Alter: 26, 27 Wohnort: Basel Design-Disziplin: Grafik Persönliche Erwartungen: Im Vordergrund steht ­sowohl das Interesse an der interkulturellen Zu­ sammenarbeit wie die Möglichkeit an einem freien öffentlichen Projekt teilzunehmen. Wir erwarten uns von diesem Projekt interessante Begegnungen, einen bereichernden Austausch und überraschende Resultate.

Charlotte Matter

Alter: 25 Wohnort: Basel Homepage: www.charlottematter.ch Design-Disziplin: Illustration Persönliche Erwartungen: Kontakte knüpfen mit unterschiedlichen Designern aus Japan und der Schweiz, wobei sich daraus vielleicht weitere Zusammenarbeiten ­entwickeln. Ausserdem macht es Spass, an einem Projekt mitzuwirken, an dem sich junge, kreative Leute aus unterschiedlichen Sparten beteiligen.

Franziska Portmann

Alter: 24 Wohnort: Luzern Design-Disziplin: Textildesign Persönliche Erwartungen: Neue inter­ nationale Kontakte knüpfen mit ­Design-Schaffenden und Interessierten und even­tuell Anfragen für weitere ­ rojekte erhalten. P

Iris Betschart

Alter: 30 Wohnort: St. Gallen Design-Disziplin: Modedesign Persönliche Erwartungen: Ich und ­jemand Fremdes in Japan bringen zusammen ein Produkt/Objekt zustande, welches für beide nicht so aussieht, wie wir es erwartet hätten.

Laura Weber

Alter: 25 Wohnort: Bern Design-Disziplin: Modedesign Persönliche Erwartungen: Das Reizvollste am Ping-Pong Projekt ist für mich, ohne jegliche Kommunikation, sondern nur über ein entworfenes ­Produkt mit einer fremden Person, aus einer fremden Kultur, in Kontakt zu treten. Dabei erwarte ich, dass ich auf neue Designformen und Inputs stosse.

Patricia Wicky

Alter: 29 Wohnort: Zürich Homepage: www.dessert.ch Design-Disziplin: Textildesign Persönliche Erwartungen: Networking & Austausch mit anderen Designern. Ein spannendes Projekt mit tollen Endprodukten. Ein breiteres Publikum zu erreichen durch Werbung, wie zum Beispiel in eurem Magazin.

René Loosli

Alter: 34 Wohnort: Winterthur Homepage: www.rakkatakka.com Design-Disziplin: Grafik, Illustration, Webdesign Persönliche Erwartungen: Das Pingpong Projekt ist für mich ein spannender Ausbruch aus dem Leben als gestalterischer Solotüftler. Der extrem andersartige und ausgeflippte japanische Style fasziniert mich. Ich erwarte einen ­inspirierenden Austausch und freue mich über neue Design-Kontakte, Ausstellungen und Auftritte – wie hier im kinki magazine!

Sabine Lauber

Alter: 33 Wohnort: Basel Homepage: www.itslauber.com Design-Disziplin: Modedesign Persönlichen Erwartungen: Auf den Entwurf des Gegenübers spontan ­reagieren und so ein gemeinsames Produkt schaffen. Kontakte mit anderen gestalterisch ­Tätigen. Mitwirken an einem interkulturellen/interdisziplinären Projekt.

Anna Weber, ­Regula Weber

Alter: 27, 25 Wohnort: Basel Design-Disziplin: Modedesign, Innenarchitektur und Szenographie, ­Grafik Persönliche Erwartungen: Ein ungewohnter kreativer Austausch zwischen ­Designern. Inspiration durch den Einfluss einer uns fremden Kultur. Eine neue Herausforderung.

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PLAY STYLE LAB PSL macht Ready-To-Play Mode, die nichts kann. Aber jede Menge Spass macht. Und ­dabei erst noch unverschämt gut aussieht. Warum gibt es eigentlich keine Modelinie, die wie ein guter Style-Blog funktioniert? So wie in: Jeder Tag ein neuer Look? So ein kleines, heisses Amateur-Ding, das ausschaut wie eine Kreuzung zwischen Facehunter, Style Bubble, Cobrasnake und Playlust? Das Fetzen produziert, die so direkt, unbekümmert, spontan und jetzt sind wie ein Schnapp­ schuss? Nun, rufen wir doch so ein Ding einfach mal ins Leben und schauen, ob es klappt.

Schritt 1: Der Plan ist, keinen Plan zu haben. Dafür gute Spiel­ kameraden.

Die goldene Gelegenheit dazu bekam ich dank der Zürcher Hochschule der Künste. Das Style & Design Departement lud mich ein, als Gastdozentin im April ein vierwöchiges Styling-Modul abzuhalten. Mangels Lust auf trockene Vorträge und wegen kompletter Unfähigkeit, etwas im Voraus zu planen, dachte ich mir PLAY STYLE LAB aus: Ein temporäres Kreativstudio, das schnelle, flippige Mode in Echtzeit produziert. Mir standen zur Verfügung: Ein kleines, internationales Team aus sie76

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ben Studenten aus dem 2. Semester. Um herauszufinden, wie das Zusammenspiel von Mode, Kunst und Hip Business konkret funktioniert, entschied ich mich für zwei sehr unterschiedlichen Modepartner: Nike als Kleidersponsor. Sowie das angesagte Fashion-Kollektiv Andrea Crews, bei dem ich in Paris einen Crash-Kurs absolvierte um zu lernen, wie man gewöhnliche Kleidungsstücke zu durchgeknallter Instant-Mode umstylt und damit Erfolg hat: Die Kollektionen hängen nicht nur im eigenen Geschäft, sondern auch beim angesagten Concept Store Colette.

Schritt 2: Behandle deine Nähmaschine wie eine Stromgitarre

Bei PLAY STYLE LAB stand von Anfang an fest: Wir sind keine Modedesigner. Und versuchen erst gar nicht, welche zu sein. Aber wir wollen Mode, die Spass macht. Die nach unseren Regeln tickt. Und die abgeht wie ein dreiminütiger Rock’n’Roll Knaller. Die Spielregel lautete: Nicht lange herumfackeln. Attacke! Eins, zwei Stylingschritte. Von Null auf fertig in maximal drei Stunden. Als nächstes beschlossen wir, unsere Nähmaschinen wie


Eltern kennen gelernt hatten. Er bat uns, daraus eine Lederhose zu schneidern. Kein Problem. Als Gegenleistung willigte der Herr ein, in Lederhosenmontur für unsere Modestrecke Modell zu stehen. Wir dachten uns dafür extra ein Boxkampf-Szenario aus. Nach gefühlten drei Sekunden riss die Hose. Da wir keine Männershorts hatten, stylten wir kurzerhand den Andrea Crews Hoodie in eine Beutelhose um und befestigten sie mit schwarzen Tapes. Absurd-verrückte Situationen wie diese bestimmen den PSL-Look. Meistens ging etwas schief und wir mussten improvisieren. Entsprechend durchgeknallt sieht die Fotostrecke auch aus. Darum nennen wir sie ‹A Little Cuckoo In The Head›. Eine Widmung an Stanley Kubricks IrrenhausKlassiker ‹One Flew Over The Cuckoo’s Nest›. Aber wir stehen drauf. Und ihr hoffentlich auch. Text & Fotografie: PLAY PLAY STYLE LAB (PSL) ist eine Kollabo­ ration von PLAY mit der ZHDK (Zürcher Hochschule der Künste), Vertiefung Style & Design, NIKE und dem Pariser Fashion ­Kollektiv ANDREA CREWS. Team PSL: Sophie Proché, Marie-Thérèse Humer, Nicole Fuchs, Pierre Lumineau, Martina Schenker, Alexandra Schmidtke, Sadira ­Campbell PSL-Infos & Launch Party Report: playlust.net ZHDK, Vertiefung Style & Design: http://ssd.zhdk.ch/ Andrea Crews: andreacrews.com Nike: nike.ch

Look: Blackout Loud Model: Marie-Thérèse Humer

Stromgitarren zu behandeln. Natürlich nähten wir uns erst einmal die Finger blutig. Bald aber fing die Sache an, wirklich Spass zu machen: Wir zersägten Sneakers und kreuzten sie mit Sonnenbrillen. Oder nähten daraus ein Badekleid. Wir tauschten das Zifferblatt einer Bling-Bling Angeberuhr mit einem Katzenmotiv aus. Wir hörten viel Musik. Alles Mögliche, immer und überall. M.I.A., Death In Vegas, Eagles of Black Metal, Griechischer Wein. Via Blog machten wir einen Kleideraufruf. Ein anonymer Spender überliess uns eine todhässliche schwarze Lackjacke und passende NuttenStilettos. Aus der Lackjacke entstanden Boxhandschuhe. Die Stilettos klebten wir mit schwarzem

Isolierband zu und fügten Schienbeinschoner bei. Jemand hatte die Idee, mit den restlichen Isolierbändern Action-Tapings für die Fotostrecke zu schaffen.

Schritt 3: We are ready-to-play. Are you?

Eines Tages betrat ein junger Herr mit Goldzahn und einer Lederjacke unser Atelier, von der er behauptete, sie sei dabei gewesen, als sich seine kinki 77


Space Oddity 2008 Model: Marie-ThÊrèse Humer

Filigrane Princess Model: Alexandra Schmidtke

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Shaman Swimsuit No1 Model: Marie-Thérèse Humer

Kan Guru Hood (Andrea Crews for PSL) Model: Dominik Locher

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Hey Supergirl Model: Alexandra Schmidtke

Death In Vegas Models: Pierre Lumineau Dominik Locher

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vive la fragrance

die ford’sche verführungskunst Für euch vorgeschnuppert: Im Auftrag der Wohlgerüche präsentiert kinki Neuigkeiten aus der Parfümerie.

­ onic. So durchlebte ich während T vier Tramhaltestellen noch einmal sämtliche Stationen dieser ‹amour fou› und verwandelte mich schnupper­ weise in ein sabberndes Etwas à ­ la Homer Simpson im Donut-Rausch. Nun könnte man meinen, dass meine dufte Fahrgesellschaft diese pheromonisierende Wirkung nicht alleine dem Parfum, sondern auch einer umwerfend männlichen Ausstrahlung zu verdanken hat. Das war und ist aber nicht so, ausser Neulich sass ich bei Latte Macchiato man würde eine Schwäche für Ton­ 20 Minuten im Tram, als mich nen Gel im Haar und Nadel­­streifenvöllig unvorbereitet eine Duftkeule Anzüge hegen. Da wir aber nicht aus Ingwer, Vetiver und Amber traf, vom Konjunktiv ausgehen, sondern die mich mit einem Mal in fast vom Präsens und ab und an vom Im­ schon orgiastische Zustände ver­ perfekt, gebe ich dem Meister setzte. Ausgelöst durch einen des Suspense, Alfred Hitchcock, ganz ­jungen Banker, der sich in Stadel­ nach dem mathematischen Prinzip hofen vor meine Nase setzte q.e.d. (quod erat demonstrandum) und mich mit ’ner gehörigen Portion die Ehre. Denn ‹Manchmal sind aber ‹Gucci pour Homme› einhüllte. auch Dämonen in den kleinen Par­ Und was ich normalerweise als olfak­ fumfläschchen. Sie überfallen einen torischen Affront empfinde – be­ immer dann, wenn man hofft, dass sonders am frühen Morgen, inmitten man sie vergessen hat›. einer Menge vor sich hin gähnenÄhnlich wie mir im Tram, erging der Individuen – erschien mir zu jenem es nun dem Herrn aus bereits er­ Zeitpunkt so herrlich wie wohlig-­ wähnter ‹amour fou› dieses Frühjahr rolliger Morgensex. in New York. Der durfte nämlich, Denn dieser ledrig-würzige Duft praktisch rettungslos, an jeder Ecke (Eau de Toilette ‹Gucci pour des Big Apple meinen momentan Homme› 100 ml um 95.00 CHF), absoluten Lieblingsduft ‹Black 2003 unter der Regie von ‹King ­Orchid› (100 ml um 180.00 CHF) er­ Cool› Tom Ford lanciert, platzierte schnuppern. Dabei hüllt nun das mich mit Wharp-Geschwindigkeit in 2006 erschienene Parfum die femi­ die Arme eines ehemaligen Lieb­ nine Welt in eine Wolke aus habers, mit dem ich diesen Duft so ­Johannisbeeren, Pfeffer sowie Trüf­ untrennbar verbinde wie Gin mit fel, wofür sich erneut der texanische Messias des Luxus verantwortlich zeichnet, der gerne für polarisierende Nasen sorgt. Weil auch hier gilt: ­entweder man mag diesen Duft oder nicht. Trotzdem hat der genannte New Yorker Tourist wie schon Charles Baudelaire den sinnlich ­sowie opulenten Duftstoff ‹berauscht und mit langsamer Genussfreude› eingeatmet, um hernach von lustvol­ len Erinnerungen heimgesucht zu werden. Wunderbar, wie ich finde. Denn Erinnerungen verleihen Düften auf ewig die Macht, uns über das limbische System in die Knie zu zwingen und augenblicklich in jene Situationen zurück zu transportieren, in welchen wir sie zum ersten Mal verzaubert gerochen haben. Und das ist irgendwie toll.

Schon als kleines Kind bewies Irène Schäppi, unsere neue Kolum­ nistin und Duft-Fetischi­ stin, einen guten ­Riec­her. So zum Bei­ spiel, als sie mit vier Jahren den elterli­ chen Schlafzimmerteppich mit dem ­damals angesagten Eau de Parfum (!) von Valentino tränkte. Mittlerweile weiss Irène zivilisierter mit den exklusi­ ven Wässerchen umzugehen und benetzt ihre Haut nur noch mit auserle­ senen Düften, wobei sie sich leiden­ schaftlich durch die olfaktorische Welt der Parfums schnuppert.

Text: Irène Schäppi Illustration: Raffinerie

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Bag Bellow’s Break Viele Hausmauern träumen sicherlich von einem

so märchenhaften Werdegang: jahrelang mit vorwurfs­vollen Blicken verspottet, wird die kahle Mauer an der Zürcher Herdernstrasse nun plötzlich zum stolzen Träger eines imposanten Kunstwerks.

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ast jeder, der an dieser Wand an der Zürcher Herdernstrasse vorbeilief, dachte sich wohl insgeheim, wie scheusslich diese glatte, fensterlose Fassade auf ihren Betrachter wirkt. Die Rückseite des Zic-Zac Restaurants beim Zürcher Letzigrund bestach seit jeher die Passanten durch ihre schreiende Unvollständigkeit. Vor allem seit nebenan ein nagelneues Fussballstadion alle Blicke auf sich zog, erschien einem die kalte, gerade Mauer fast peinlich gross. Es war eines jener Häuser, von dem man sich sicher war, dass es irgendwann zu einem Parkplatz platt gemacht würde, stand es doch so einsam in der Gegend, als sei es das Letzte seiner Art. Viele Ideen und Bilder wurden bestimmt schon in Gedanken an diese Hausmauer projiziert, und doch beschränkte sich das 190 m² grosse Stück Wandfläche bisher auf seine Aufgabe als Werbeträger. Lange Zeit lachte den heranströmenden Fussballfans aus aller Welt eine übergrosse Bierflasche der Brauerei Hürlimann entgegen, später diente die Wand als Träger für vielerlei Poster im Megaformat. Natürlich hätte das Fashionlabel Diesel auch einfach eines seiner Riesenplakate an diese Wand kleben können, doch wollte man diese einmalige Plattform lieber dem Werk eines Künstlers überlassen, der diese riesige Seitenwand zu mehr als reiner Werbung werden lässt, und somit auch den Bewohnern dieses Bezirks, die tagtäglich diese Wand passieren, einen Ort schenken zu welchem man gerne hinschaut. ‹Wir waren schon seit längerem auf der Suche nach einer Fläche in dieser Art. Die Aktion Dieselwall ist ein internationales Kunstprojekt, das seit 2005 in ähnlicher Form schon in Toronto, Barcelona, New York, Kopenhagen, Mailand und Berlin verwirklicht wurde›, meint Mike Meyer, Marketingleiter von Diesel Schweiz, ‹wir hatten das Glück, dass in diesem Falle die Stadt Zürich auf uns zu kam›. Unter dem Motto ‹Big Walls Need Big Ideas› suchte das Modelabel nach grossen Ideen für die Gestaltung dieser mächtigen Mauer und stellte eine fünfköpfige Jury aus fachkundigen Kunstexperten zusammen, die sich durch die fast vierhundert eingesandten Vorschläge ackerte. Die Bandbreite der Projektvorschläge hätte unterschied­licher kaum sein können, unzählige verschiedene Kunstrichtungen von Comic bis Streetart, von Design bis 86

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Installation fanden sich in dieser Auswahl vertre­ten. hinter einem Stück Papier oder der Wandtapete Die Wahl fiel jedoch einstimmig auf Andreas Marti. zu verstecken scheint. Der einundvierzigjährige Künstler lässt in seinen planskizzenartigen Bildern Formen miteinander verschwimmen oder stellt sie in direkten Gegensatz zueinander und schafft so Fantasiewelten, in denen man bei längerem Hinschauen immer wieder neue Verbindungen zu erkennen meint. Ganze zwölf Monate lang wird das Projekt ‹Bag Marti verwirklichte Installationen, WandzeichnunBellow’s Break› die Fassade an der Herdernstr­ gen und präsentierte seine Zeichnungen und Foasse schmücken. Die ca. fünf Zentimeter breiten, tografien seit 1999 in zahlreichen Gruppen- und teilweise gestrichelten Linien wurden mit schwar- Einzelausstellungen in und ausserhalb der Schweiz. zer Farbe auf die weisse Mauer aufgetragen und In diesem Jahr beendete Andreas Marti sein Stubilden eine Art Planskizze für einen zusammenge- dium der Bildenden Kunst an der Zürcher Hochfalteten Blasebalg. Es scheint fast, als könne sich schule der Künste und blickt auf einen einjährigen diese Konstruktionsskizze jederzeit mit Luft füllen Stipendienaufenthalt in Genua und Werkbeiträge und breite sich dann über den davor liegenden des Kantons Zürich und des Aargauer KuratoriParkplatz aus. So schaffte es Andreas Marti als ums zurück. einziger, auf die Geschichte des Hauses, welches Man darf nun gespannt sein, wie die Bewoheinst als Vorläufer einer nie realisierten Häuserrei- ner des Quartiers Hardau auf Martis Blasebalg he entstanden war, einzugehen und machte die reagieren werden und wie die Dieselwall auf die Unvollendetheit des ‹abgeschnittenen› Hauses in abertausenden fussballbegeisterten Touristen wirZürich Hardau zum Inhalt seiner grafischen Arbeit. ken wird, die schon bald das Zic-Zac und den Rest ‹Durch die grafische Reduktion auf weissen des Viertels zu ihrer Fanmeile erklären werden. Hintergrund und schwarze Linien, wirkt das Wand- Noch spannender wird es allerdings sein, zu sebild fast papierhaft und durch die gekonnt ange- hen, wie schwermütig manche diesem Kunstwerk legten Faltungen ergibt sich ein plastisches Bild, nachtrauern werden, wenn die Wand nächstes wie die Gebäude ineinander geschoben wurden›, Jahr übermalt, und einem weiteren kreativen Kopf heisst es im Jurybericht zu Andreas Martis Ar- zur Verfügung gestellt wird. Weitere Infos zum Wettbewerb und Andreas Martis beit.

Das aufblas­bare Haus

Verborgene Welten

Sobald man das Atelier des Zürcher Zeichners Andreas Marti direkt neben den Bahngeleisen im Kreis Vier betritt, merkt man, dass das Bemalen von Wänden für ihn nicht unbedingt ein Novum darstellt. Ein riesiger und dennoch kaum sichtbarer gezeichneter Wirbelsturm ziert die Rückwand seiner Arbeitsstätte. Bescheiden und dennoch begeistert blättert er durch sein Portfolio, welches unter anderem Fotos von diversen abstrakten Wandzeichnungen in Museen enthält, die er grösstenteils nur mit Hilfe eines (bzw. mehrerer) Kugelschreibers anfertigte. Viele seiner Werke wirken als Illusion und versprechen dem Betrachter das Eintauchen in eine verborgene Dimension, die jederzeit aufzubrechen droht und sich dennoch immer

Arbeiten: www.dieselwall.ch; www.andreasmarti.ch Text: Rainer Brenner Fotos: Diesel, Andreas Marti


oben: Das Kunstwerk wurde rechtzeitig zur EM ­fertiggestellt und befindet sich in ­direkter Nach­ barschaft zum Stadion ­Letzigrund. rechts: Ältere Werke von Andreas Martis zeigen, das die Wand eine logische Fortsetzung in seinem Ge­ samtwerk darstellt.

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04/2008

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Fotografie Daniel Tischler, Photocase.com, PLAY, Matthias Willi, Marvin Zilm Illustration Lina Müller, Raffinerie AG, Sarah Parsons, Efentwell Mitarbeit Layout, Bildbearbeitung Cyrill Frick Lektor Peter Rösch Korrektur InvaTrans GmbH Freie Mitarbeit Rainer Brenner, Gallus Brüder, Philipp Brogli, Jens Dierolf, Arci Friede, Olivier Joliat, Evangelos Kleiman-Kontopoulos, Vania Kukleta, Irène Schäppi, Adrian Schräder, Sina Siller, PLAY, Romy Uebel Marketing Service Melania Fernandez Abo Service www.kinkimag.com/abo Druck AVD Goldach Einzelverkauf CHF 6.– / EUR 4.– pro Exemplar

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Die nächste Ausgabe des kinki magazine liegt ab 21. Juli am ­Kiosk! www.kinkimag.com


top notch gallery Europas wichtigste Galerien für junge Kunst

lazy dog, paris: die kunstboutique

Seit rund fünf Jahren wird neben den Ver­ kaufräumen auch die dazugehörige Galerie betrieben und be­kann­ te Namen geben sich die Klinke in die Hand. AKROE, 123Klan, Mr. Jago, oder Flying Fortress und Dave the Chimp, alle sind sie in bisher zweiundzwan­ zig Ausstellungen schon mal da gewesen – manche nicht nur einmal. Und weil moderne Street Art eben primär auf der Strasse statt­ finden sollte, sind die visuellen Performances auch regelmässig unter freiem Himmel zu bewun­ dern – wie bei der ‹War of Monstars 2006› wird mit den Ausstellungsflächen dabei nicht gegeizt. Die Künstler haben es verdient. Das Konzept von Lazy Dog hat sich schon schnell als so erfolgreich erwiesen, dass seit Januar 2007 eine zweite Filiale (Lazy Dog Citadium, ebenfalls in Paris) hinzugekommen ist. In Koope­ ration mit den Künstlern erscheinen auch eigene Veröffentlichungen, Sketchbooks, Postkarten, ex­ klusive T-Shirts, usw. Ob mitmachen, mitreden, oder nur ganz schnöde konsumieren – das Rein­ schauen lohnt auf jeden Fall. Versteckt führt die schmale Treppe aus dem Buchladen in die KellerGalerie. Zur Belohnung findet man dort dann aber schon mal die EdBanger-­llustrationen.

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u behaupten, dass Romuald und Auré­ lie, die beiden Macher von Lazy Dog im schönen Paris, einfach nur einen Buch­ laden führen würden, wäre ein ganz ge­ höriges Understatement. Klar führt Lazy Dog auch über eintausend Bücher aus den Bereichen Gra­ fik, Fotografie, Mode, Graffiti und Musik. Gleich­ zeitig ist es aber auch Anlaufstelle und Treffpunkt für alle, die sich auch nur im Entferntesten für mo­ derne Kunst und Kultur interessieren und wissen wollen, was sich in der französischen Metropole, oder sonst wo auf der Welt in Sachen urbanen Styles so tut. Egal ob Kreativprofi oder Amateur­ sprayer, jeder Mensch und jedes Genre sind will­ kommen.

Lazy Dog Original Store: 2 passage Thiéré, 75011 Paris Citadium: 50 rue Caumartin, 75009 Paris www.thelazydog.fr

Text: Kai-Holger Eisele

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ERIC ANDERSEN Holz vor der Hütte

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ric Andersens Plakate schmücken die verborgenen Winkel von Zürich. Orte, an denen das Zeitungspapier in Ruhe vergilben darf, ohne dass es von unzähligen Werbungen für Salsa-Abende und Telefongesellschaften zutapeziert wird. Wie viel Handwerk und Zeitaufwand hinter jedem dieser Holzdrucke steht, wird allerdings erst klar, wenn man sich mit dem sympathischen Zürcher über seine Arbeit unterhält. Andersen scheint einer der wenigen Grafiker zu sein, die nicht mit ihrem Apple-Notebook verwachsen sind. Gemütlich setzt er sich an den Tisch des Strassencafés, kramt seine Zigaretten aus der Trainerhose und lehnt sich zurück. Auch wenn das Leben des siebenundzwanzigjährigen Künstlers mit skandinavischen Wurzeln sicherlich zeitweise alles andere als stressfrei ist, wirkt er dennoch äusserst zufrieden und gelassen. Eines seiner Plakate schmückt die gegenüberliegende Wand und wirkt in seinem vergilbten Gelb wie ein Mahnmal der Zeit, man könnte meinen, es hänge dort schon seit Jahrzehnten. Andersen verzichtet bei seiner Arbeit weit gehend auf strombetriebene Hilfsmittel und multimediale Platt90

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Eric in seinem Zürcher ‹Atelier›.

formen – eine Mentalität, die in der heutigen Zeit selten geworden ist, und vielleicht gerade deshalb dem Künstler immer mehr begeisterte Auftraggeber und Fans beschert. So gestaltet er unter anderem die Poster für Konzerte in der Zürcher Helsinki-Bar und den Club Zukunft. Durch die grafische Reduziertheit und ihre verblassten Farben verleihen Eric Andersens Plakate den jeweiligen Veranstaltungen einen Hauch von Broadway-Romantik und erscheinen neben den knalligen Hochglanzanzeigen anderer Events fast schon antik. Angefangen hat alles vor ungefähr zwei Jahren, als Eric sich auf einer Alm eine Auszeit vom hektischen Stadtleben gönnte. Allerdings besann sich der gelernte Grafiker auch weitab vom Rummel der Limmatstadt auf seine gestalterische Berufung und fertigte mit seinem Schnitzmesser erste Holzschnitte an. ‹Die Technik ist simpel und sehr ursprünglich. Ich zeichne das Bild, übertrage es auf die Holzplatte und schnitze dann aus diesem Stück Holz die Fläche heraus, die auf dem Plakat später weiss erscheinen wird. Danach bemale ich die Platte mit sehr fetthaltiger Farbe und drucke sie dann meis-

tens auf Zeitungspapier. Das ist dünn genug, um die Farbe einzusaugen und vergilbt im Sonnenlicht ziemlich schnell. Zum Trocknen hänge ich die Plakate wie nasse Wäsche über ein Seil, sei das nun in der Wohnung, im Treppenhaus oder wo halt sonst gerade Platz ist.› Jede Holzplatte verfügt über ihre eigene Geschichte: der Schnitt im Daumen des Künstlers, ein kleiner Schnitzfehler, das Stück vom Brückenpfeiler, den Anderson aus Materialnot zur Druckplatte verarbeitete… Durch die lange Produktionszeit, welche hinter jedem geschnitzten Kunstwerk steht, gewinnt das Endprodukt einen Hintergrund, auf welchen viele grafische Arbeiten nicht zurückblicken können. ‹Wenn ich Vollgas gebe, schaffe ich einen Auftrag in einer knappen Woche, da wird dann allerdings nicht viel geschlafen und ausgegangen, sondern nur geschnitzt, gedruckt und plakatiert.› Der Künstler ist sich also nicht zu schade, die handgefertigten Plakate auch gleich selbst an die Wände zu kleistern, wobei er bewusst Orte wählt, an denen den Plakaten auch etwas Zeit zum Altern gegönnt wird, oft auch an die Haustüren von Bekannten und Freunden, oder in die kleinen ‹Pissecken›, in die sich nur selten jemand zum Verrichten seiner Notdurft verläuft. Mit der Planung einer eigenen Ausstellung lässt sich Andersen Zeit. Er wolle ‹lieber noch ein paar Sachen mehr machen›, bevor er seine Arbeiten der Kunstwelt präsentiert, meint er und bestellt eine weitere Tasse Kaffee. So bleibt uns also in naher Zukunft nichts anderes übrig, als weiterhin mit offenen Augen Zürichs Hinterhöfe und Hauseingänge zu erforschen, stets in der Hoffnung, auf eines seiner Kunstwerke zu stossen, die auch bei genauerem Hinsehen ihren Ursprung nur durch die leichte Faserung in der Farbe verraten. Oder aber man klebt sich ein Schild mit der Aufschrift ‹Plakatieren erwünscht› an die Haustür. Wer weiss, vielleicht ist Eric ja gerade auf KleisterTour. Text: Rainer Brenner Foto: Raffinerie Kontakt: eric.hans.andersen@gmail.com


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Die spiegelverkehrten Holzdruckplatten schnitzt Eric Andersen stundenlang per Hand.

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net check

www.mixwit.com Mixe dein eigenes Tape online.

Der iPod kann über 600 Lieder auf einmal speichern. Das Gerät ist dabei so klein, dass es die Warnung ‹Nicht für

Kinder unter 3 Jahren› verdient hätte. Und so sehr man sich noch dem Fortschritt der Technik, vor allem in der Musik-­­ welt verschrieben haben mag, so einen nostalgischen Blick zurück über die eigene Schulter in die Jugend und den Mixtapes wirft man doch immer wieder. Wie schön war eine Kassette von 60 Minuten Spielzeit vom besten Kumpel oder der grossen Liebe zu erhalten. Die Lieder liebevoll ausgesucht und die Be­ schriftung in der Handschrift aufgetragen. Wie schön das war, wie dämlich der iPod plötzlich erscheint.

Aber jetzt kommt die Rettung. Und sie kommt natürlich aus dem Internet. Dort kann man unter www.mixwit.com ganz einfach eine virtuelle Musikkassette mit den Lieblingsliedern aufnehmen und sogar das Layout auf den eigenen Geschmack abstimmen. Dann einfach die URL an einen Freund oder gleich mehrere versenden und das Gefühl von damals geniessen. Selbst wenn die Umsetzung jetzt anders aussehen mag, der Liebe bei der Auswahl der Lieder tut das Ganze keinen Abbruch. Alles ist irgendwie wieder wie damals. Oder zumindest wieder fast. Lang leben die Mixtapes! www.mixwit.com

www.myspace. com/tigarche seine sein müssen und vermutlich auch nicht sind. Besonders witzig findet der ‹Möchtegern-Aufreisser› auch den Cursor, der einen nackten Frauenkörper darstellt, der sich auszieht. Das irritiert unheimlich und ist auch nur dann lustig, wenn man noch immer über die Witze in ‹Eis am Stiel› lacht. Ferienlagerhumor mitten in Las Vegas? Offensichtlich. Bilder von ‹Prominenten›, die alle eine herzliche Widmung an ihren Zahnarzt schreiben und merkwürdigerweise auch alle halb nackt oder gar ganz nackt sind. Bei manchen Bildern hat man die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale mit Photoshop ungeholfen übermalt. Unbeholfen und Übertriebenheit definiert auch das Auftreten des Dr. med. dent. Vegas, der bei den meisten Menschen mit einem gesunden Menschenverstand nicht in die Kategorie ‹Der Arzt meines VerStatt zahntechnischen Aspekten reizt den selbst ernannten Promi-Dentist wohl eher trauens› fallen würde. In Las Vegas die plastische Chirurgie am lebenden Objekt. ist alles eben ein bisschen anders Las Vegas, Stadt der Sünde. Casidie von ihm bereit gestellten Bildern und aufgrund dieses MySpace nos, viel Geld, Magier zwischen Fundstücks gewiss nicht besser. auch als clever erscheint. Wie viele Tigern und Löwen. Intrigen und viele Schönheitschirurgen da am Werk Dass es hierbei nicht um Zähne, Mitarbeiter von CSI auf den Strassen waren, bleibt sein Geheimnis. Wie sondern andere Merkmale des weiblichen Körpers geht, zeigen unterwegs. Zumindest kennt man auch immer, der Playboyzahnarzt merkt scheinbar nicht, wie erschredie Bilder zwischen Autos und Casidas aus der TV Welt so. Klischees. ckend peinlich seine MySpace nos nur zu deutlich. Wie kann man Oder auch nicht. Bedanken wir Darstellung wirklich ist. Ein blonder sich als erwachsener Mann nur so uns beim ‹Vegas Playboy Dentist›. Eine genaue Altersangabe will Mann mit weissen Zähnen und sehr zum Affen machen, will man uns der gute Arzt oder Playboy nicht brauner Haut lehnt lässig an teueren fragen. Die Antwort drauf ist einfach: It’s Vegas, Baby! machen, was bei einem Blick auf Autos, die aber nicht zwingend 96

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www.mypspace.com/ twitter cowboy007b Jesus liebt uns alle, gleiches gilt natürlich für Gott. Und gerne rekrutiert man neue Gläubige über das Internet. MySpace bietet da eine perfekte Fundgrube für artige Christen, die alle gerne miteinander über Gott und die Welt sprechen. Im wahrsten Sinne des

Jesus und Schrotflinten

der Seite versüssen sollen, es aber zu einer ‹Mission Impossible› werden lassen. Als stolzer Amerikaner betet er natürlich auch für die Opfer des 9/11. Mit Glitter natürlich. In anderen Worten, man verliert schnell die Geduld. Wie die grosse Liebe an Gott und die fest geschnürten Armyboots, die Wortes. an einer (geladenen?) Schnellfeuer Das alles wäre an sich waffe lehnen, allerdings zusammen auch gar nicht schlimm, wäre passen wollen, bleibt ein Rätsel. zumindest die MySpaceCowboy meint es bestimmt gut, verSeite ansehnlich und nicht eine Be- niedlicht er doch alles mit einem leidigung für das Auge. Es gibt leichten Glitzereffekt, den man in einfach Dinge, die gehen nicht. Nicht dieser Häufigkeit zuletzt auf der Britney Spears Fanpage gesehen mal bei MySpace. Wie soll man sich auf Gott oder gar den geschrie- hat. Die Musik, die man leider nicht abschalten kann, weil man den ben Text im Hintergrund konzen­ trieren, wenn unaufhörlich kleine rote Knopf für ‹mute› nicht sehen kann, Kreuze über den Bildschirm regmacht den Aufenthalt auf Cowboys nen? Wenn man, wie der Besitzer Seite noch unerträglicher. Somit dieser MySpace Seite, nennen wir steht nach Betrachten dieser Seite ihn einfach ‹Cowboy› (wie er sich eines fest: No Go. Laut sollte man selbst auch), meint, etwas zu sagen das, bei genauerem Anschauen zu haben, dann sollte man zumindest seiner Top Freunde, allerdings nicht sagen. Die gläubigen Herrschaften darauf achten, lesbar zu bleiben. Betende Hände im Hintergrund, un- fahren alle schwere Maschinen und sind bestimmt im Namen des Vaters zählige Glittericons von Engeln und Gebeten, die einem das Scrollen auf unterwegs.

Freunde für immer

MySpace, Facebook, eBlogs – es gibt unendlich viele Möglichkeiten, mit Leuten auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Wer braucht da noch ein Telefon oder gar einen Brief? Im Zeitalter der E-Mail sowieso wertlos geworden. Aber wenn man so richtig schnell sinnfreie Informationen mit möglichst vielen Menschen teilen will, dann bietet Twitter die beste Chance. Denn hier kann man keine langen Einträge verfassen, kein unnötiges Blabla, das radies reden. Woher die unzähligen sowieso niemand liest, nein, hier Freunde kommen, scheint niemand kommt man direkt auf den Punkt, ohne Umschweife. Die Frage ist einzu wissen, aber das wäre nicht die erste Nerd-Seite, die eine Nische für fach: Was tust du in genau diesem Augenblick? Egal ob Mittagessen sich entdeckt hat. Das Highlight der Seite ist ohne Zweifel die durch Pho- oder TV schauen, egal wie banal die toshop ermöglichte heimliche Phan- Antwort auch scheinen mag, Twitter tasie der guten Kathy. Ein Bild von ihr boomt wie noch nie. Fast minütlich refresht sich die Seite neu und zeigt und Mickey, in schwarz-weiss und verträumt. Passend dazu singt Blon- die genaue Momentaufnahme gelangweilter Menschen aus der gandie ‹Heart of glass›. Ein letzter Beweis für die Zeitreise in erfolgreiche zen Welt. Zwischen Einträge wie Zeiten, die schon lange vorbei sind. ‹Eating my dinner› mischen sich immer häufiger asiatische Schriftzeichen, die uns Europäern wie ein verschlüsselte Codes vorkommen mögen, aber egal was da auch stehen mag, man ist mit der Welt verbunden. Hier. Dort. Überall. Twitter, ein Mikrokosmos der Langeweile. Mickey Rourke: Wer sich kostenlos registrieren will für einige trotz Botoxface heute kann das unter www.twitter.com noch ein Star gerne tun. Lang lebe das Boredom!

www.myspace.com/ mickeyrourke

Es sollte in die Genfer Konvention eingetragen werden: Fans sollten niemals bei MySpace die Liebe zu ihrem grossen Star ausleben dürfen. Wieso? Weil andere darunter leiden. Nehmen wir einen Star, der keiner mehr ist und seit der letzten Botoxbehandlung vor 2 Jahren noch immer den leicht überraschten, jedoch völlig leblosen Gesichtsausdruck mit sich trägt und einen Fan, bevorzugt weiblich, der seinem Star ewigen Erfolg im Internet sichern möchte. Wozu führt das meistens? Richtig, volles Tempo gegen die Wand. Passiert im Fall von Mickey Rouke, dem heissen Feger aus ‹9 1/2 Wochen›, dem unzählige, heutige Muttis völlig erlegen waren. Inzwischen ist Mr. Rouke nicht mehr ganz so attraktiv und vor allem nicht mehr erfolgreich. Gegen die Vergessenheit kämpft mit allen Mitteln Kathy, Admi-

nistratorin einer Fanpage, die niemand kennt und wir jetzt schon wieder vergessen haben. Passend dazu natürlich die obligatorische MySpace-Seite, die eine Zumutung für jeden User mit Geschmack ist. Glitter wohin das Auge sieht. Bilder, Filmposter und kurze Ausschnitte aus einer Zeit, als der Name Mickey Rouke noch Lustschreie bei der Damenwelt auslöste. Ein virtueller Schrein, schlecht gestaltet und im klassischen Sinne ‹overdone› würde vielleicht bei Rouke himself einen entzückten Ausdruck auf sein Gesicht zaubern, wäre es nicht leblos in Botox konserviert. Bei aller Liebe zu den Helden der 80er und 90er Jahre, die in der Filmvergessenheit verschwinden, so etwas tut weder dem Star noch dem Fan gut. Nur echte Hardcore Fans können hier begeistert von einem Pa-

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versammelt Name, Vorname

Depuoz, Christian (www.spielzeug­ museum.ch) Wohnort

Zürich/Stein am Rhein Beginn der Sammel­tätigkeit

1969. Seit 1987 zusammen mit Ehefrau Claudia eigenes Spielzeugmuseum. Erstes Stück

Puppe mit Porzellan­ kopf Marke Kämmer & Reinhardt, Walters­ hausen, Deutschland, vor 1920 Letztes Stück

Musikautomat mit tanzenden Puppen­ paaren, Hersteller unbekannt, Deutschland, um 1890 Teuerstes Stück

Ausflugsdampfer ‹Kronprinz Wilhelm›, Gebr. Märklin, Göppingen, Deutschland, 1904 Beste Fundorte

Auktionen Gesamtzahl

ca. 2500 Spielzeuge vor 1914 Sammelgewohnheiten

sammelte bereits als Kind Steine mit schönen Mustern, Briefmarken und Münzen, heute auch alte Volkskunst Bist du auch Sammler? Oder kennst du jemanden, der Kakteen, Autorückspiegel oder mundgeblasene Glasfiguren aus der vorderen Mongolei sammelt? Dann schick uns eine Mail an: info@kinkimag.com, Stichwort ‹versammelt›. Wir schicken dir einen Fotografen und schon im nächsten Heft wird dein Sammeltrieb verewigt.

Foto: Marvin Zilm

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MINI clubman. The other mini. MINI.ch

A street performance.


Kinki Magazine - #4