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nr. 39 sep / okt 2011 chf  6,00  (schweiz) eur 4,00 (deutschland) eur 4,50  (österreich) eur 8,00  (nederland)


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auftakt garderobe besetzt: die modeausgabe zum thema verwandlung

Lieber Leser. Endlich hast du etwas gefunden, das dir wirklich steht! Die Farbe, der Schnitt, die Frisur: Sieht alles viel besser aus als auf diesen komischen alten Fotos, auf denen du so verloren und orientierungslos in die Kamera starrst. Gut, dass du dich für einen Stil entschieden hast, das wirkt viel erwachsener. Bisschen bieder, aber völlig okay. Doch, doch, das passt schon zu dir, schliesslich haben sich ja auch deine Ansichten geändert, oder? Jetzt steht ja der Job im Vordergrund und manchmal auch die Beziehung, über Politik wird diskutiert und nicht mehr gestritten. Am liebsten am Wohnzimmertisch, nicht in der verrauchten Küche und nur noch selten in Clubs, schliesslich musst du morgens ja immer früh raus. Endlich hast du sämtliche Geschmacksverstauchungen deiner Jugendtage überwunden, da darf man sich auch mal was Teureres leisten, das nur 30 Grad gewaschen werden darf und von der Verkäuferin in Seidenpapier gewickelt wurde. Steht dir gut, das sagt mittlerweile sogar Mama. Also nichts wie weg damit? Haare färben, Gesichtstattoo stechen lassen, gelbe Hosen und endlich mal wieder Wein ohne Gläser? Passt eigentlich viel besser zu dir, in dieser ganzen Verkleidung hat dich doch sowieso niemand ernst genommen. Nochmal Glück gehabt: Endlich hast du etwas gefunden, das dir wirklich steht! Deine gut betuchte kinki Redaktion

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THE SUPERLATIVE UNION


2011

T H E S U P E R L AT I V E U N I O N SHOT BY C H E RY L D U N N w w w. w e s c . c o m


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inhalt

standard

Auftakt 03 Inhalt 10 Neuzeit 12 kinkimag.ch 18 Klagemauer 20 Kopfkino 96 Maske 98 Abo / Impressum 110 Ghettofaust 114

mode

‹Der Künstler ist das neue Role Model› von Stefanie Schweiger 22 I heart anything 28 Dorian old and grey 30 Wortlaut: Cristian Straub 34 Alis Pelleschi 36 Querschläger: Magic Hasy 42 Kleider machen Geschlecht? 44 ‹Formwechsel› von Neven Allgeier 50 Blattmacher: Kid’s Wear 58 Gekommen um zu bleiben 60 Interview: Dashenka 64 Interview: Boy 68 Vorspiel: Girls 72 Lights out,spot on 74 Interview: S.C.U.M 78 ‹Pantone› von Eva Tuerbl 80 Interview: Niels Peeraer 86 Back to School 88 Ganz in Weiss 90 Vorher, Nachher 92 Potpourri: Transformation 100 Schauplatz: The Empire Project, Istanbul 112

50 ‹Formwechsel› Neven Allgeier

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‹Der Künstler ist das ...› Stefanie Schweiger

kinki inhalt

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Alis Pelleschi Alis Pelleschi

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60 Gekommen um zu bleiben

Die Mode gilt als schnelllebiges Phänomen und wartet jede Saison mit neuen Musthaves auf. Manche Trends halten sich allerdings trotzdem hartnäckig in unseren Kleiderschränken. Die kinki Redaktion wirft einen Blick auf Tote Bags, Karohemden und andere ‹modische Highlander›. 11

The kinki Clan

Nur selten traut sich die kinki Redaktion vors kritische Auge seiner Leserschaft zu treten. Für unsere Modeausgabe zum Thema Verwandlung durften wir allerdings unserer Liebe zur Selbstinszenierung freien Lauf lassen. Wir entschieden uns für Outfits, die nicht nur unser schnödes Äusseres, sondern auch unsere wahren charakterlichen Gesinnungen sichtbar machen: machthungrig, geldgierig und luxusverwöhnt. Die Fotografin wählten wir dabei aus den eigenen Reihen: Ellin Anderegg verwandelte die kinki Familie in ihrem Studio mit Hilfe von Stylistin Andrea Serrano und der Make-up Artists Fabienne Pauli, Jaqueline Christ und Wellington Borges de Morais in einen bourgeoisen kinki Clan. Wer sich hinter den einzelnen Figuren versteckt, erfahrt ihr auf kinkimag.ch.


neuzeit

eins, punkt, null und los Bald heisst es wieder ‹Film ab› für das Zurich Film Festival, welches vom 22. September bis 2. Oktober bereits zum siebten Mal stattfindet. Das Fest der Filme ist in Zürich langsam aber sicher zur Tradition geworden. Und Tradition ist auch, dass im Rahmen des Festivals das Londoner Digitalfestival onedotzero_adventures in motion in Zürich Halt macht. So auch dieses Jahr: Vom 29. September bis 1. Oktober wird dem Publikum im ehemaligen Kino Plaza eine ausgewählte Reihe unkonventioneller Digitalkurzfilme und Musikclips präsentiert. Neben dem Programm der Londoner zeigt das ‹onedotzero_ch›, die Schweizer Ausgabe des Festivals, auch digitale Filmkunst aus der Schweiz, wofür sich hiesige Talente im Vorfeld mit ihren Arbeiten bewerben konnten. Am Festival wird

die beste Produktion dann von einer Jury auserkoren und prämiert. Der Ort des Geschehens, das Plaza, hat für das Zurich Film Festival übrigens eine besondere Bedeutung: Die allererste Ausgabe des Festivals ging nämlich ebenfalls im damaligen Kino über die Bühne – beziehungsweise über die Leinwand! Wer sich das filmische Treiben in Zürich nicht entgehen lassen will, aufgepasst! kinki verlost 2x2 Tickets für das Zurich Film Festival sowie zehn Tickets für das Digitalfestival onedotzero. Einfach eine E-Mail mit dem Betreff ‹Zurich Film Festival & onedotzero› und eurer Adresse an wettbewerb@kinkimag.ch schicken und vielleicht schon bald Filme for free schauen. (rh) onedotzero.ch

agenda

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03.09. – 13.11. shirana shahbazi – much like zero Fotomuseum, Winterthur 08.09. neon special feat. trentemøller, p.bell, maesoo, the kids are terrorists, jack pryce, mannequine hive Club, Zürich 15.09 yuksek abart, Zürich 16.09 labrador city / silver firs Hinterhof, Basel 16.09. − 15.10.2011 coup de coeur no. 8: john fanning Galerie Daeppen, Basel 22.09. neon party feat. gesaffelstein, discod hive Club, Zürich

fauler depp

17.09 who made who La Case à Chocs, Neuchâtel

Die Mode von Lazy Oaf nimmt sich selbst nicht ganz so ernst. Sehen lassen kann sie sich trotzdem!

18.09. art brunch mit buffet und kurzfilmen Galerie Susi Brunner, Zürich 24.09 – 25.09. freestyle.ch Landiwiese, Zürich 26.09 art brut Grabenhalle, St. Gallen 28.09 friendly fires abart, Zürich 29.09. neon, party hosted by sabotage mit mt dancefloor, malik sabotage, rumory hive Club, Zürich

Die deutsche Übersetzung ‹Fauler Depp› des englischen Labels ‹Lazy Oaf› ist wahrlich nicht sehr charmant, umso freundlicher lächeln einem dafür die Designs des in London ansässigen Fashionbrands entgegen. Im seriösen Modebusiness werden Humor und Cartoons ja eigentlich ausgeschlossen, bei Lazy Oaf finden diese lustigen Aussenseiter ein Refugium – ja eine Spielwiese. Auf den T-Shirts, Pullovern und Accessoires tummeln sich Comicfiguren, Illustrationen, schielende Augen, knallige Farben und Hamburger-Prints. Die ganze Streetwear ist vom schrulligen Illustrationsstil der Labelgründerin Gemma Shiel ‹gezeichnet› und kinki neuzeit

sieht witzig – ohne zu übertreiben – erfrischend und cool aus. Im Sommer gab es einen zum Anbeissen süssen Wassermelonen-Rock oder das blaue Seemanns-T-Shirt von Donald Duck. Die Herbst- / Winterkollektion bietet für Männer und Frauen wiederum farbenfrohe Prints und Illustrationen auf Shirts, Röcken und Outerwear. Es finden sich subtile Designs wie der dunkelblaue Regenmantel mit den Farbblocks, aber auch auffällige Knochen- oder Zickzack-Punkte-Muster, sowie ein Leopard, der über die Schulter krabbelt. Einen Heidenspass bereiten diese faulen Deppen. (fr) lazyoaf.co.uk

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10 15.10. goose Salzhaus, Winterthur 18.10 boy Parterre, Basel 04.10 the duke spirit / tape the radio Mascotte, Zürich


vintage queen Ein bisschen wie bei den verrückten Royal Tenenbaums müssen sich Paolo und Andrea von Kimandra wohl gefühlt haben, als sie das aufgeregte kinki Team fürs Mitarbeiterfoto (das ihr auf der Inhaltsseite dieses Hefts bestaunen könnt) im standesgemässen Sonntagskostüm mit etwas Denver Clan-Flair ausstatteten und stylten. Kimandra beweisen ihr stilsicheres Händchen jedoch nicht nur bei Shootings, son-

Eine erlesene Auswahl an Vintage Mode passend inszeniert findet ihr auf kimandra.blogspot.com.

JAMAICAN SPIRIT.

dern in erster Linie auch durch die Auswahl der Modeschätze, die sie in ihrem virtuellen Shop feilbieten. Begonnen hat alles 2008 mit Kim und Andreas Vintage Onlinestore und ihren vielseitigen Mode- und Fotografieprojekten – wie treue kinki Leser längst wissen. Seit diesem Frühjahr erscheint nun die Website, sowie der hauseigene Blog in neuem, frischen Design. Erweitert wurde auch das Team, Paolo unterstützt Kimandra beflissen bei Stylings und Fotoshootings und Miss Golightly haut fortan in die Tasten und berichtet auf ‹Kimandras Diary› von ihren persönlichen ‹fashion moments›. Auf ihrer Website stellen Kimandra zudem tolle Outfits zusammen, welche als Komplettlook und selbstverständlich auch einzeln erstanden werden können. Weiterhin wird es auf der Website die charakteristischen und einzigartigen fotografischen Inszenierungen der Vintage-Perlen geben, die uns inspirieren und liebevoll zum Kaufe verführen. Nach dem Makeover stehen noch viele stilvolle Überraschungen und Kooperationen an, am besten ihr schaut selber mal vorbei. (fr)

kimandra.blogspot.com kimandrasdiary.blogspot.com

digitale russin Lomografie hat es dank der Hipstamatic App schon aufs iPhone geschafft, da erscheint eine physische, digitale Lomo-Kamera im technischen Sinne fast schon als Rückschritt. Doch auch wenn ambitionierte Lomografen traditionell nichts davon halten, ihre geliebten Kleinformatfilme gegen einen digitalen Chip einzutauschen, könnte Saikat Biswas, der Erfinder der ‹Holga D›, doch den einen oder anderen Lomo-Fan in die Welt der Digicams locken. Der indischdeutsche Industriedesigner hat das Gehäuse der ‹Holga D› nämlich genauso minimalistisch gestaltet wie das des russischen Lomo-Originals ‹Holga›. So gibt es auch bei seinem Modell keinen Sucher, ein puristisches Bedienfeld – und kein Display, was eigentlich zur Grundausstattung jeder herkömmlichen Digitalkamera gehört. Doch durch

das Weglassen jeglicher ‹PreviewMöglichkeit› ist gespanntes Warten auf die geschossenen Bilder wie bei analogen Kameras gewährleistet. Ob man das optisch wirklich sehr gelungene Gerät irgendwann auch hierzulande kaufen kann, ist noch ungewiss. Eine detaillierte Beschreibung der Holga D und ihrer Features findet ihr aber schon mal auf der Website von Saikat Biswas. (ah) saikatbiswas.com

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magischer punk Zeitlose Schmuckkreationen aus Los Angeles: Kittinhawk.

Handgemachte Einzelstücke sind in der heutigen Zeit der Massenproduktion eine Seltenheit gewor-

olow? wow! Manche geniale Idee entsteht beiläufig bei einem Feierabendbier in einer Kneipe. So war es bei den beiden Jungs Mathieu und Valentin aus dem bei Paris gelegenen Montreuil. Ihr Label Olow begeistert durch eine klare Linie und einen individuellen Charakter. Besonders die ansprechenden Aufdrucke verleihen den Olow T-Shirts den letzten Schliff. Entstanden ist das Projekt 2008 und konnte sich seither bereits in der Pariser Streetwear-Szene etablieren. Die Ober-

den. Nicht so beim Schmucklabel Kittinhawk aus Los Angeles: Allysun Maria Dutra stellt jedes ihrer Stücke selbst her. Die Ohrringe, Halsketten und Haarbänder von Kittinhawk sind eine Mischung aus magischen Elementen und hartem Punk. Das sieht man an den Materialien: Kristalle und Federn werden mit Leder, Nieten und Metall gemischt. Allysun Maria ist eine regelrechte SelfmadeWoman. Nach Abschluss ihres Studiums der Fotografie und Malerei fing sie an, sich selber Kleider zu nähen. Dabei entfachte ihre Leidenschaft für das Kreieren von schönen Dingen und sie gründete das Label Kittinhawk. Das war vor zwei Jahren. Mittlerweile sind bereits Magazine wie Nylon auf die schmucken Stücke des Labels aufmerksam geworden. Vielleicht liegt der Erfolg von Kittinhawk darin, dass sich Allysun Maria bewusst nicht an Trends orientiert. Viel lieber möchte sie Schmuckstücke schaffen, welche dem Träger über mehrere Jahre Freude bescheren und nach Ende der Saison nicht gleich in das unterste Fach der Schmuckschatulle verbannt werden. (rh)

Mode ist oberflächlich? Das französische Label Olow beweist mit seinen Shirts das Gegenteil.

artyou – see you soon Jetzt ist sie schon wieder vorbei − die ‹Artyou›-Messe für urbane Kunst in Basel. Auch dieses Jahr haben junge, talentierte Künstler Anfang September ihre Arbeiten in der Ackermanns Druckereihalle ausgestellt und wieder einmal gezeigt, wie vielfältig Urban Art sein kann. Unter den 14 Künstlern waren auch der Zürcher Grafiker Thierry Furger und der in Lausanne wohnende Alberto Russo, der unter dem Künstlernamen Sting One kreativ tätig ist. Die Werke der beiden haben uns an der ‹Artyou› besonders gut gefallen. Thierry Furger überzeugte uns mit seinen pastellfarbenen Werken mit einem Hauch Graffiti. Eines seiner ausgestellten Werke hiess übrigens passend zum Durchführungsort der Messe ‹Hommage à Bâle›. Sting One zeigte unter anderem das Werk ‹dss›, was die Abkürzung für ‹The dark Side of Switkinki neuzeit

zerland› ist: Ein Star-Wars-Figur, bei der man beim genauen Hinschauen eine idyllische Bergwelt aus Bauern, Bäumen, Rehen und Kühen erkennt. Unterstützt wurde die Messe von Swatch, die auf der ‹Artyou› ihre neue Uhrenkollektion ‹Kidrobot for Swatch› dem kunstinteressierten Schweizer Publikum vorstellten. Die Zusammenarbeit mit dem Hersteller für Designerspielzeug erstaunt nicht: Der Schweizer Uhrenhersteller ist seit seiner Gründung der zeitgenössischen Kunstszene verbunden und arbeitet immer wieder mit Künstlern, Musikern und Modedesignern zusammen. Die frisch vorgestellten Uhren gibt es in acht Designs und zaubern einem kindliche Freuden ans Handgelenk. (rh)

Zwischen Heimat und All: das Werk ‹The dark Side of Switzerland› des Künstlers Sting One.

artyou.ch swatch.com

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teile für den Herrn bestehen aus organischer Baumwolle und treffen so nicht nur den Zeitgeist, sondern erfüllen auch hohe Ansprüche an Tragekomfort. Kein Wunder, ist das künstlerische Duo auch hierzulande ein Geheimtipp. Ihre aktuelle Kollektion ‹Where is my mind› soll übrigens zum Nachdenken anregen. Visuell kann man die kleinen Meisterwerke unter olowshop.com bestaunen. Und sie dort auch gleich ergattern. (aa)


coffee goes creative

endlich herbst!

Hurra, hurra, der Herbst ist da! kinki verlost deshalb 5 Giftcards von H&M.

Der Sommer fiel dieses Jahr ja ziemlich ins Wasser. Die extra für die warme Jahreszeit angeschafften Kleider verstauben im Schrank und müssen wohl noch ein Jahr auf ihren grossen Auftritt warten. Doch kein Grund zur Trauer, denn der Herbst steht bereits in schönstem Gewand vor der Tür! Auch unser ‹Lieblingsschwede› H&M hat ein paar richtig tolle Teile am Start. Bei einem Blick ins Lookbook stechen einem dicke Pullover mit Zopfmuster, wind- und wetterfeste Parkas und kuschelige Capes ins Auge. Und Farben, so leuchtend wie ein Herbstwald: Orange, Rot und Grün zeugen

von herbstlicher Fröhlichkeit, der auch Nieselregen und Nebel nichts anhaben kann. Bei so schönen Kleidern packt man sich im Gegensatz zu den Sommermonaten ja auf einmal richtig gerne warm ein! Und um euch den Herbstanfang noch mehr zu versüssen, verlost kinki fünf Giftcards von H&M, im Wert von je 20 Franken. Schreibt dafür einfach eine Mail mit dem Betreff ‹H&M› und eurer Adresse an wettbewerb@kinkimag.ch. Übrigens: Auch für Männer gibt’s viele tolle Stücke in der Herbstkollektion! (rh) hm.com

Ein Snowboard zu designen, welches anschliessend von einem namhaften Hersteller produziert wird: Das ist wohl eine Vorstellung, die fast jedem gefällt. Und die schon bald Wirklichkeit werden könnte! Nach dem grossen Erfolg der letztjährigen Ausgabe findet nämlich auch dieses Jahr wieder der Nescafé design it!-Wettbewerb statt, welcher ganz im Zeichen des kreativen Snowboard-Designs steht. Künstler und Kreative können sich ab sofort ihre Stifte schnappen oder ihre Designprogramme am Computer hochfahren. Auch dieses Jahr gilt es nämlich, ein Snowboard zum Thema ‹Nescafé Champs Leysin› zu designen, der ältesten Snowboardveranstaltung Europas. Mitmachen kann jeder und alle Design-Techniken sind erlaubt. Nur den Einsendeschluss sollte man sich gut merken: Bis spätestens 9. Oktober müssen die Kreationen eingereicht werden. Die Arbeiten werden anschliessend im Internet veröffentlicht und das beste Design von einer Jury ausgewählt. Schon letztes Jahr war das bestimmt keine leichte Aufgabe, haben doch rund hundert Kreative ihre Entwürfe eingereicht. Damals hat der in Genf lebende Grafiker Nicolas Constantin das (Snowboard-)Rennen gemacht, der schon seit über zehn Jahren unter dem Pseudonym Akïone83 als Künstler arbeitet.

Wie bereits erwähnt, wird der Gewinner auch dieses Jahr wieder auf eine ganz besondere Art prämiert: Sein Design wird nämlich vom Snowboardhersteller Dupraz als Limited Edition produziert! Ausserdem wird er zu allen wichtigen Anlässen rund um die Nescafé Champs Leysin eingeladen. Wenn das kein heisser Preis ist! Mehr Info zum Wettbewerb findet ihr unter nescafe-designit.ch oder facebook.com/nescafé.switzerland.

Altstadthaus Buchpräsentationen, Künstlergespräche und Performances veranstaltet, für die jeweils im Museum der Gegenwartskunst begleitend Ausstellungen stattfinden. Nikola Dietrich (Kuratorin MGK), Scott Cameron Weaver (Kuratorische Assistenz MGK), Hannah Weinberger (Künstlerin) und Tenzing Barshee (Autor), werden das Programm im Elaine gemeinsam gestalten. Aktuell gibt es im Elaine eine Vitrine des Künstlers Danh Vo sowie eine Ausstellung von Hernik Olesen zu bestaunen.

Zudem finden auch Filmvorführungen hier ihren Platz. Das Filmund Videoarchiv der Öffentlichen Kunstsammlung Basel wird dafür rege genutzt und ergänzt das Programm mit Kunst- und Spielfilmen. Darüber hinaus werden dem Gast Konzerte, Performances und Ausstellungen dargeboten, eines der kommenden Konzerte ist das von Paolo Thorsen-Nagel. Weitere Info findet ihr unter: elaine-mgk.ch

(rh)

Der letztjährige Gewinner der Néscafe Design-it Competition, Nicolas Constantin, wurde mit einem eigenen ‹Signature-Snowboard› belohnt.

bâle elaine Basels Kunst- und Kulturszene wird bereichert: Nachdem das Medienkunsthaus Plug.In ins ‹Haus der elektronischen Künste› umgezogen ist, bezog im August 2011 der neue Veranstaltungs- und Ausstellungsort ‹Elaine› deren ehemalige Räumlichkeiten am St. Alban-Rheinweg 64, nur einen Katzensprung vom Basler Rheinufer entfernt. Übernommen und realisiert wurde das Ganze vom Museum der Gegenwartskunst (MGK) Basel. Auf über 230m2 werden in dem historischen Basler kinki neuzeit

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(vl)


hoch hinaus

über die Big-Air-Schanze jagten und ihre Tricks in schwindelerregender Höhe vollführten. Dieses Jahr werden ihnen neben Freeskiern und FMXern nämlich auch die Skateboarder den Luftraum streitig machen und um die Aufmerksamkeit und die Gunst des Publikums buhlen. Wie das? Durch eine so genannte mini-MegaRamp mit 9m hohem Absprung, die am diesjährigen freestyle.ch vom 24. – 25. September Premiere feiert. Somit holt das freestyle.ch den ersten Skateboard-Big-Air-Contest nach Europa und bietet auch entsprechende Skateboardgrössen dafür auf: Andy McDonald (USA), PierreLuc Gagnon (CAN), Sandro Dias (BRA) oder Adam Taylor (USA) werden unter anderem die erste miniMegaRamp auf Schweizer Boden gebührend einfahren. Auch in den anderen Disziplinen werden einige der weltweit besten Athleten sich

Dieses Jahr fliegen nicht nur FMXer, Freeskier und Snowboarder, sondern auch Skateboarder über eine Big-Air-Schanze.

Alle paar Jahre wartet das freestyle.ch in Zürich mit neuen Attraktionen auf: Skateboard, FMX und Freeski gehörten in den vergangenen Jahren zu den Neue-

rungen und sind seitdem fester Bestandteil von Europas grösstem Freestylesport-Event auf der Landiwiese. Vorbei sind die Zeiten, wo in erster Linie die Snowboarder

messen, mitunter auch die Schweizer Iouri Podladtchikov, Elias Ambühl und Mat Rebeaud, die sich für einen Heimsieg extra ins Zeug legen werden. Besonders spannend dürfte auch die Crossover Session werden, bei der Fahrer aller Disziplinen − FMX, Snowboard, Freeski, Skateboard und auch BMX mit je einem Sprung gegeneinander antreten. Unterstützt werden die Athleten der jeweiligen Sportarten erstmalig durch ihre eigenen DJs, welche dem Publikum zusätzlich einheizen werden. Ebenfalls für gute Stimmung sorgen wird das Konzert von Lil’ Jon am Samstag, den 24. September. Danach geht es wie jedes Jahr auf die Afterburner Party in die Härterei. Nackenschmerzen vom Bouncen und begeistert in die Luftstarren ist allen freestyle.ch-Besuchern gewiss. (fr) freestyle.ch

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kinkimag.ch

chanson à la mode Die Band Brigitte macht irgendwie alles anders – überzeugt und richtig.

Sylvie Hoarau und Aurélie Maggiori sind glamouröse Gangsterbräu-

te, Filmliebhaberinnen, Hippies und liebende Mütter und stehen ganz anders im Leben, als die meisten pubertären Popsternchen. Sie sind so französisch wie ihr Name, singen neckisch über ihre Schwäche für harte Jungs und fröhlich über bittere Geschichten. Brigitte machen Folk Pop mit akustischer Gitarre und bringen französischen Chanson endlich wieder ‹en vogue›. Aufsteigende Klischees brechen sie charmant durch Rap-Einlagen oder NTM Covers, die sie in hippiesker oder retro 60er-Jahre Kleidung vortragen. Florence Ritter hat die Antiheldinnen zum Interview getroffen.

modische verwandlung Was wäre eine Modeausgabe ohne passende Fashiondesigner? Wir waren für euch unterwegs und haben uns auf die Suche nach zahlreichen interessanten und aufstrebenden (Jung-) Designern gemacht und sie zu Wort kommen lassen. Vom brandneuen Dessouslabel Ryder & Rowe, deren reizende Mieder, Slips und Co. aus Seide und Chiffon von Schriftsteller F. Scott Fitzgerald inspiriert wurden,

geht es zu Jacob Kimmie, dessen Kindheit in der Apartheid Südafrikas einen starken Einfluss auf seine Kollektionen hat. Rede und Antwort stand uns auch die Pariserin Alice Ritter, welche erfolgreich vom Musikbusiness in die Modewelt umgestiegen ist und Fuss gefasst hat: Kürzlich brachte sie eine Kollaboration mit Urban Outfitters raus. Alice Palmer erzählt uns von ihren unkonventionelle ‹Knitwear-

Kollektionen› und beweist, dass Strickware ebenfalls modisch und gewagt sein kann. Und auch die Amerikanerin Jen Kao, die Britin CC Kuo und unsere deutschen Lieblinge Hien Le, A.F. Vandevorst und Vladimir Karaleev stehen uns Rede und Antwort zum Thema Verwandlung.

elene usdin

‹Meine Fotografie ist das Theater meiner Fantasie›, sagt Elene Usdin zu ihrer fotografischen Arbeit. Ein Blick darauf verrät, dass ihre Fantasie eine äusserst lebendige und farbige ist, in der märchenhafte Charaktere, Masken, Matratzen, gemalte Porträts historischer Figuren und Koffer immer wiederkehrende Konstanten sind. Überhaupt bewegt sich ihre Fotografie immer zwischen Schlaf, Traumwelt und Alptraum – man weiss nie, ob

man wach ist oder träumt. Studiert hat die Französin an der Ecole Nationale des Arts Décoratifs, wo sie eigentlich den Weg zur Illustratorin einschlug, bis sie eher zufällig bemerkte, dass es Fotografie und theatralische Inszenierungen – oft auch Selbstporträts – sind, die ihre Tagträume am meisten beflügelten. Die Verwandlung ihrer Gedanken in Bilder könnt ihr diesen Monat auf unserer Website verfolgen.

noch mehr ...

Obwohl auch unsere Website diesen Monat im Zeichen der Mode steht, verwandeln wir uns nicht in einen Modeblog, sondern halten an unseren vielseitigen Interessen fest. Diesen Monat gibt es die kinki kinkimag.ch

Albumkritiken unseres Reviewnators Mathias Bartsch unter kinkimag.ch/magazines zu lesen, Antonio Haefeli zeigt euch in der Blogrubrik ‹gehört› wöchentlich neu entdeckte Musikperlen und 18

dank der kinki tunes könnt ihr euch das Album des Monats in EndlosSchleife anhören. Ach, und Kunst gibt es auch noch ’ne Menge oben drauf.


Gewinne ein Treffen mit Skicross-Crack Mike Schmid oder eine von zehn Squares-Jacken sowie Squares Multipacks.

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Schnapp dir einen KELLOGG’S® Rice Krispies Squares® Riegel und zeig uns deine kreative Schokoladenseite. Lass dich beim Snacken in einer ausgefallenen, lustigen, ungewöhnlichen Situation fotografieren und lade das Bild bis 30. November auf die Internetseite www.ricekrispies-squares.ch hoch. Unter allen Teilnehmern verlosen wir ein Meet & Greet mit Skicross Olympiasieger Mike Schmid am Skicross Weltcup Rennen in Grindelwald am 11. März 2012 sowie zehn Squares-Jacken. Ausserdem erhält jeder 25. Teilnehmer ein schokoladiges KELLOGG’S® Rice Krispies Squares® Multipack. Teilnahmebedingungen, weitere Informationen und Bilder der Wettbewerbsteilnehmer findest du auf www.ricekrispies-squares.ch. Einsendeschluss ist der 30. November 2011.

Total neu – total schokoladig! Vergiss alles, was du über Schokolade weisst und stell deine Geschmackserlebnisse auf den Kopf. KELLOGG’S® Rice Krispies Squares® ist der perfekte Snack für alle Schokoladenliebhaber. Das unvergesslich grosse Schokoladenerlebnis aus knusperleichten Rice Krispies, Schokostückchen und zartschmelzender Milchschokolade.


klagemauer Ist dein neuer Kashmir-Pulli eingegangen? Der Joghurt im Kühlschrank zu neuem Leben erwacht? Setzen sich die Psychopathen im Bus immer neben dich? Egal was dich gerade stresst oder nervt: Auf kinkimag.ch unter ‹Klagemauer› kannst du Dampf ablassen. Die besten Einträge werden hier veröffentlicht.

UNKLARHEIT. UNINTELLIGENZ. WUT wut | wie kann man nur den wassertank mit dem benzintank verwechseln? drsch. jetzt hab ich die sauerei. dreckiges wasser | katzen. ich hasse es eingetrocknete blutende arme vögel vom parket zu schrubben während der allzweckreiniger ein schleimiges gemisch mit blut bildet und die ganze wohnung ekelhaft nach TOD riecht. Ich hasse es !! fine | Immer nie am Meer zu sein. seepferd | ich brauch n job - n job den brauch ich. aber bin zu faul um ihn zu suchen. komm hol mich. hopp faule nudel | Wenn man Lust auf Kinderbueno hat, hat man keine. Und wenn man Kinderbueno hat, kommt die Lust nie. kinderbuenostinken | wenn man auf einer party nach dem namen gefragt wird und am nächsten tag auf facebook 1. etliche freundschaftsanfragen hat 2. sie aus mitleid annimmt und 3. dann von allen gefragt wird ob sie zu aufdringlich waren. hahahahha :P. herziges mädchen | nackte brüste gehören von denen gesehen die sie zu schätzen wissen. egal wo. Dosenoeffner | Ich sitze im zug und weiss noch nicht was aus dieser fahrt werden soll... help | meine eigene idiotie. ja. die nervt gewaltig. wie stellt man das ab? Lola | Ich bin ja bestimmt nicht tolerant, aber ich finde, besoffene Typen sind nur lächerlich, aber besoffene Frauen total abstoßend! Leo | nackte brüste gehören für mich persönlich weder in hefte noch in den fernseher. sie gehören ehemännern america | wenn er mich ‹du süsses ding› nennt. und mir das wider willen gefällt. und ich grundsätzlich der meinung bin kein ding zu sein. und es mir trotzdem gefällt. bin ich dann verliebt? wenigstens ein bisschen? really confused | @really confused. Ziemlich sicher ;-) ich auch | seine ex ich hasse ihren blossen anblick | Das man sich Schwiegermütter nicht aussuchen kann. Birger | theoretisch kann man sich die Schwiegermutter aussuchen, ob man dann mit ihrer Tochter resp Sohn zufrieden ist, ist eine andere Frage birgere | dass fliegen ein gedächtnis von 0,7 Sekunden haben. verpiss dich | ich hab ein date in weniger als fünf stunden. sollte mein zimmer aufräumen. pedi- und maniküre machen. mails beantworten, telefonate machen. ABER: ich ziehe mir deutschen unterschichten-TV rein ich schlaf bald ein und der himmel ist grau | hunger und zu viele gründe, nichts zu essen 1. um diese zeit 2. genug gegessen insgesamt tagesmässig 3. geh endlich pennen du doofe kuh 4. fühle mich schöner, wenn ich nicht vollgefressen bin 5. jemand für den es sich lohnt schön zu sein luft und liebe klappt nicht | Dieser ‹Sommer› ist ein Arschloch! kittipa | meine güte! ich weiss echt nicht was gegenseitige Liebe bedeutet. ich hoffe aber, dass ich ein ‹NOCH› einfügen kann... kittipa | Das ganze Land schwitzt gerade, da bringen die tatsächlich Weihnachtswerbung im Radio ... world is crazy | kinki klagemauer

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Stefanie Schweiger

‹Der Künstler ist das neue Role Model.› Dietrich Diederichsen 1998

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Dress: Lala Berlin

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Top: Stine Goya Pants: Lala Berlin Belt: Comme des Garçons

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Jacket: Stine Goya Skirt: Lala Berlin

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Left Dress: Lala Berlin Right Jacket: Henrik Vibskov Blouse: Givenchy Pants: Lala Berlin

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Top: Martin Margiela Skirt: Wood Wood Cardigan: Monocrom

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Left T-shirt: Boss Black Pants: Comme des Garçons Necklace: Sabrina Dehoff Coat: Lala Berlin Right Dress: Rika Jewellery: Sabrina Dehoff Belt: YSL Photography Stefanie Schweiger Styling Alessandra Coico @ perfectprops Make-up Catrin Kreyss @ perfectprops Hair Daniel Züwerink @ artlist Paris Models Natascha @ seeds management, Pepa @ m4 models

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I heart anything

Liebe verbindet: das Love-Shirt ist auf der ganzen Welt beliebt.

Das wohl bekannteste Souvenir der Welt wird nächstes Jahr 35 Jahre alt. Wir begaben uns auf die Suche nach den abstrusesten Kopien und stellten uns die Frage, warum der einfache Claim ‹I  NY› eine derartige Erfolgsgeschichte hinlegte. Text: Viviane Lichtenberger, Illustration: Kaja Paradiek

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licken wir zurück in die Zeit, in der dieser simple Schriftzug entstanden ist, in das Manhattan der 70er. Gewalt und Kriminalität beherrschten den ‹Big Apple›, die Stadt galt als eine der unsichersten der Welt und das hatte Folgen: New Yorks Ruf war ruiniert, die Bewohner zogen fort, Unsicherheit machte sich breit. Und das zeichnete sich natürlich auch im Tourismus-Sektor der Ostküstenstadt ab. Also handelte man. Im Jahr 1977 lancierte die Stadt eine Werbekampagne und heuerte den Grafik- und Produktdesigner Milton Glaser an. Er erschuf das ‹I ♥ NY›-Logo. Das ‹NY› steht dabei übrigens nicht nur für New York City selber, sondern für den ganzen Bundesstaat New York. Das Herz sei am Anfang eigentlich gar nicht geplant gewesen: kinki mode

‹Ich habe zuerst etwas anderes, etwas typografisches, sehr simples gemacht›, so Glaser in einem Interview mit der englischen Studentenzeitung Nouse. Auf dem Weg zur Arbeit kam dem Schöpfer dann eines Tages die Erleuchtung: Etwa eine Woche nachdem er das erste Logo designt hatte, kritzelte er im Taxi auf die Rückseite eines Briefumschlags ‹I ♥ NY›. Ein Geistesblitz mit Folgen, wie sich herausstellen sollte.

Liebe über Umwege

Auch einer der ersten bekannteren Träger des Shirts, Musiklegende John Lennon, verhalf dieser einstigen Kritzelei zu Ruhm und vom billigen Souvenir zu einer der bekanntesten und meist kopierten Grafiken zu mutieren. Natürlich holte das T-Shirt New York nicht aus seiner Krise her28

aus, aber ab Mitte der 90er veränderte sich das Bild der gefährlichen, heruntergekommen Metropole mit Hilfe des ehemaligen Bürgermeisters Rudolph Giuliani. Die Kriminalitätsrate sank, die Bewohner zogen zurück in die Stadt und der Tourismus florierte wieder. Es war wieder hip und attraktiv nicht nur in der Stadt zu leben und zu arbeiten, sondern sie auch zu besuchen. Und es galt auch als trendy, seine Liebe zur Stadt nicht zu verheimlichen: ‹I  NY›w T-Shirts wurden beliebt, begehrt und bekannt.

Copy Love

Der Erfinder selber, Glaser, besitzt aber nicht die Rechte am Markenzeichen und verdient somit ironischerweise auch nichts an dessen Verwendung. Dies tut der Staat New York. Ohne


dessen Erlaubnis darf man das Logo offiziell nicht benutzen oder ‹nachahmen›. Ein Streitfall war zum Beispiel das ♥- Logo von Gucci. Zur Eröffnung eines neuen Gucci-Geschäfts in New York City hängte Gucci ein riesengrosses ‹I ♥ NY› Logo ins Schaufenster und gab extra eine Taschenlinie mit ‹Gucci  ♥ New York› heraus. Der NY-Schriftzug war dabei identisch mit dem von Milton Glaser und Gucci wurde daraufhin verklagt. Jede ‹Kopie› ohne das ‹NY›-Zeichen sollte aber nach offiziellen An-gaben völlig legal sein. Man darf also von der Mutter bis zum Hund alles ‹hearten›, was man will.

Grenzenlose Liebe

Dementsprechend gross ist die Palette der Abwandlungen und Neuinterpretationen des Logos: Beginnend mit anderen Metropolen wie Barcelona, Berlin oder Paris geht es weiter zu grossen Labels wie Adidas, welches zu verschiedenen Städten Kleider und Taschen entworfen hat und das Herz dabei durch das Adidas-Logo ersetzte. Eine weitere Sportmarke war Nike, die für ‹I ♥ Nike› oder ‹I ♥ my kicks› den Swoosh an Stelle des Herzens einfügten. Dior benutzte schliesslich gar kein Logo, aber die Idee dahinter. In der Werbung zum Parfum ‹J’adore› haucht Schauspielerin Charlize Theron mit laszivem Blick ‹J’adore Dior› in die Kamera. Grafikdesigner Stephen Kenny entwarf passend dazu ein Shirt in Blindenschrift, mit hoch

Mit dem ‹lieblichen› Logo assoziiert man eigentlich nur Gutes und vielleicht ist gerade das das Geheimrezept. stehendem Herzen und Braille-Punkten. Bei der Künstlerin Nana Yuriko wird aus dem ‹I› ein unverkennbares Markenzeichen der jeweiligen Stadt, der man seine Liebe erklärt. Für ‹I ♥ NY› war es das Empire State Building, bei Berlin stand anstelle des ‹I› der Fernsehturm und bei Paris der Eiffelturm. Und mit den handbestickten Buttons des Berliner Labels Starstyling kann man seine Zuwendung zu allen möglichen Dingen offenbaren: Vögel, Hunden, Katzen, Männern, Frauen oder Schuhen. Stolze Mamas und Papas stecken ihre Kleinen in Strampelanzüge mit ‹I ♥ my mum› oder ‹I  ♥ my dad›, Sushi-Liebhaber sind mit einem ‹I  ♥ Sushi-Shirt› mit Sushi-Symbol (Googelt man ‹I  love Sushi› T-Shirt erscheint da auch noch ein nicht-jugendfreies Fun-Shirt – eine eindeutige Botschaft an die (Frauen-)Welt mit anderer Bedeutung von ‹rohem Fisch›). Die ethnische Vielfalt von New York City wird durch Drucke wie ‹I ♥ NY› auf Arabisch, mit einem Judenstern oder Herz in den Farben der italienischen Nationalflagge betont. Bewohner der französischen Hauptstadt tragen T-Shirts mit ‹I ♥ rien, I’m parisien› und machen dadurch ihrem Ruf alle Ehre. Wer sich gerade in

Paris aufhält und von Ceylor, Billy Boy oder Crest genug hat, kauft sich Kondome in der ‹I ♥ Paris›-Verpackung. Vielleicht kann man da bei den Pariser Jungs und Mädels noch zusätzlich punkten, wer weiss. Richtig heftig scharf wird es mit der ‹I ♥ you›-Hot Sauce von Pepper King. Geschmacklich aber auch optisch süss hingegen sind die ‹I ♥ NY›-Cookies vom Food Store ‹Zabar’s›, der sich direkt am Broadway in Manhattan befindet. Selbst Tiere, zumindest Hunde, kommen nicht zu kurz: Wer seinen Vierbeiner im Partnerlook Gassi führen möchte, besorgt sich die passende Hundebekleidung vom New York Dog Shop. Computerfreaks schnappen sich ein ‹I ♥ Pixels›-Shirt mit einem gepixelten statt eines normalen Herzens. Für New Yorker, die ihren Frust über nervende Touristen kundtun wollen, gibt es ein ‹New York doesn’t love you›-Shirt mit durchgestrichenem Herzen. Die Liste könnte wahrscheinlich noch ewig so weitergehen – wem das nicht genug ist, der kreiert einfach sein eigenes Shirt, zum Beispiel auf de.myloveshirt.com.

One heart, one love

Nach den Terroranschlägen vom 11.September war es für die New Yorker noch wichtiger als Ende der 70er, ihre Unterstützung und Solidarität gegenüber ihrem Zuhause zu offenbaren. Das dachte sich auch Milton Glaser: Er designte das ‹I ♥ New York more than ever›-Logo mit einem kleinen schwarzen Fleck auf dem Herzen. Der schwarze Punkt soll symbolisch den Ground Zero darstellen. Er ist im ‹Südwesten› des Herzens platziert, genau wie Ground Zero auf einem Stadtplan. Ein verwundetes Herz – eine

Alles auf dieser Welt lässt sich herzen!

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verletzte Gemeinschaft. Bei keinem anderen ‹I  ♥›-Logo ist die gemeinschaftliche Verbundenheit und der emotionale Faktor wohl so gross wie hier. Über Nacht wurden ausserdem 5000 Poster gedruckt und in der ganzen Stadt aufgehängt.

Love is the answer

Aber worin liegt nun der Erfolg dieses roten Herzens und den drei grossen Buchstaben? Einerseits ist es einfach gestaltet und gleichzeitig ausdrucksstark. Andererseits genauso leicht verständlich – und das auf der ganzen Welt. Denn wir alle lieben und mögen gewisse Dinge oder sind stolz auf irgendetwas. Das kann mal auf amüsante Weise mit einem Sushi-Symbol dargestellt werden, originell in Gestalt eines Kondoms oder Anteil nehmend wie nach den Terroranschlägen. Ein Herz verbindet, weckt Sympathie, je nach Aufschrift sogar sehr stark und grenzüberschreitend, weil jeder es entziffern kann. Mit dem ‹lieblichen› Logo assoziiert man eigentlich nur Gutes und vielleicht ist gerade dies das Geheimrezept: Man nimmt es nicht nur optisch schnell wahr, sondern schliesst es im wahrsten Sinne des Wortes ins eigene Herz. Je nachdem, was man (gerade) liebt, regt man damit zum Denken an, zaubert ein Schmunzeln auf ein Gesicht oder fällt einfach modisch aus der Reihe. Das ist das eine. Was die Liebe zu der pulsierenden, schnelllebigen und hippen Weltstadt New York anbelangt: Solange diese Liebe nicht ausstirbt und New York eine der trendigsten Städte bleibt, wird es ihnen das populärste Souvenir der Welt gleichtun.


Recherche und Collagen: Ulrike Miebach @ ninaklein.com

Jung ist sexy, alt ist krank. Oder vielleicht doch eher umgekehrt?

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Dorian old and grey Niemand ist gefeit vor dem Alter und den Spuren, die das Leben an unserem Körper hinterlässt. Auch unsere Autorin Natalie Gyöngyösi nicht. Deshalb wagte sie schon jetzt einen Blick auf das, was sie und uns alle einmal erwartet. Auch wenn wir uns noch so dagegen wehren. Fotografie und Collagen: Armin Zogbaum @ renehauser.com

E

s ist ein bisschen paradox. Einerseits wollen die meisten Leute lange leben, andererseits aber nicht alt sein. Das Leben ist zwar hart, aber schön. Es soll nicht einfach zu Ende gehen. Und zwar bevorzugt in einer Verfassung, die frisch und knackig ist. Die Vorstellung, irgendwann schrumplig und alt, abgeschoben in irgendein Altersheim, auf das Ende seiner Tage zu warten, ist hingegen ziemlich trostlos. In unserer Gesellschaft herrscht Verunsicherung gegenüber dieser Aussicht, vielleicht kann man sogar sagen, es herrscht Angst. Eine Angst vor der Verwandlung, vor dem Älterwerden und vor allem vor dem Altsein.

Halbzeit

Als ich 30 wurde, sass ich bei meiner eigenen Party draussen vor der Tür auf der Treppe und heulte wie ein Schlosshund. Ich war quasi davon überzeugt, okay, das war’s, jetzt ist es praktisch bald gelaufen: Die Hälfte meines Lebens habe ich jetzt sicher hinter mir – habe aber weder beruflich irgendwelche steilen Erfolge gefeiert, noch ist weit und breit Haus, Kind, Garten, geschweige denn ein Mann in Sicht. Noch nicht einmal ein dämlicher Hund. Zwar hat sich heute (ein Jahr und ein paar Zerquetschte später) an diesem Umstand wenig geändert aber inzwischen finde ich das – zum Glück – nicht mehr ganz so schlimm. Den Gedanken, dass sich diese unangenehme Unruhe vermutlich spätestens mit dem Einsetzen der Midlife-Crisis wieder einstellen wird, schiebe ich momentan mal mehr, mal weniger erfolgreich zur Seite. Doch auch schon bei Kindern und Jugendlichen gibt es einzelne, die sich schwer tun, sich damit abzufinden, dass sich ihr Körper verändert. Während des Heranwachsens und der Metamorphose des Körpers zum Erwachsenen bildet sich

bei jungen Menschen teilweise ein seltsamer Widerstand gegen diesen auf natürliche Weise unabwendbaren Prozess der Zeit. Besonders häufig bei Mädchen passiert es während Adoleszenz, dem Übergang vom Kindsein zur ausgewachsenen Frau, dass sie sich der körperlichen Reife verweigern, indem sie zum Beispiel Essstörungen entwickeln.

Unschuld für immer

Ein Winterthurer Psychologe, der auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert ist, meint dazu: ‹Anorexie oder Bulimie kann in einigen Fällen durchaus aus Ablehnung der biologischen Veränderung entstehen. Betroffene Mädchen lehnen innerlich die körperliche Reife ab und tun das, indem sie sich der Nahrungsaufnahme entziehen oder diese nur unterdrückt wahrnehmen, und so nicht nur untergewichtig und krank werden, sondern durch die zurückgehaltene Entwicklung auch der geschlechterspezifischen Körpermerkmale unnatürlich kindlich und asexuell bleiben.› Durch das schiefe oder negative Bild, das Mädchen vom Frausein mitbekommen – Modelmasse, Karrierefrauen und die ganzen anderen Klischees – und mit dem sie vielleicht all die Verantwortlichkeiten und Rollen sowie Erwartungen und Forderungen der Umwelt, beziehungsweise der Gesellschaft assoziieren, wehren sie sich, in dieses Erwachsenenleben hinein zu gleiten. Sie wehren sich, versuchen, länger Kind und unschuldig und ohne Verantwortung für sich selbst und andere zu bleiben.

Neverlands Bewohner

Als vergleichbares Pendant dazu existiert bei jungen Männern das so genannte ‹Peter-PanSyndrom›, inspiriert vom Haupthelden des 31

Anfang des 20. Jahrhunderts von Autor J. M. Barrie verfassten Kinderromans. Der amerikanische Familientherapeut Dan Kiley schrieb Anfang der 80er-Jahre sein Buch über ‹Männer, die nie erwachsen werden›. Kiley definiert die Symptome dieses Syndroms anhand von sechs Merkmalen: Verantwortungslosigkeit, Angst, Einsamkeit, sexueller Rollenkonflikt, Narzismus und Chauvinismus.

Alt gleich defekt

Dem Kampf gegen die Zeit sind aber einige auch noch im Erwachsenenalter stärker als andere ausgesetzt. So gibt es für die krankhafte Verweigerung des Alterungsprozesses im Erwachsenenalter den Begriff der Dysmorphophobie, wobei es sich um eine Störung der Wahrnehmung des eigenen Leibes handelt. Eine weitere Bezeichnung hierfür ist das DorianGray-Syndrom. Dieses bezeichnet eine soziokulturell bedingte Zeiterscheinung, die durch die seelische Unfähigkeit zu altern und zu reifen, durch Ablehnung der eigenen Gestalt und durch exzessiven Gebrauch sogenannter LifestyleAngebote der Medizin gekennzeichnet ist. Haarwuchsmittel werden gekauft, Schlankheitspillen, alles, was Schönheit und Besserung verspricht. Es herrscht oft die wahnhafte Überzeugung, von einem körperlichen Defekt betroffen zu sein, und der Betroffene empfindet aufgrund seines Äusseren Scham.

Pimp yourself

Der Zürcher Arzt Dan Iselin strafft zusammen mit seinem Kollegen Philippe Snozzi seit 2007 im gemeinsamen Botox-Studio Smoothline den Kunden über Mittag die Haut. Iselins Business sorgt für Kontroversen in den Medien, immer wieder wird er von verschiedenen Seiten ange-


griffen, weil ihm Kritiker eine ethisch-moralisch verwerfliche Haltung vorwerfen. Ich frage Dan, ob er denn grundsätzlich alle Leute, die bei ihnen in die Praxis reinkommen, auch deren Wünschen gemäss behandle. Iselin verneint: ‹Es kommen grundsätzlich ganz normale Leute zu uns, die sich etwas «pimpen» möchten. Schönheit spielte schon immer eine wichtige Rolle für die Menschen, das ist ganz natürlich und deshalb ist es in meinen Augen auch nichts Verwerfliches, jemandem dies mit einem relativ einfachen und ungefährlichen Eingriff zu ermöglichen. Hauptsache ist doch, jemand fühlt sich danach wohler, weil er besser aussieht. Was wir nicht tun, ist Personen behandeln, die mit übersteigerten, unrealistischen Vorstellungen zu uns kommen. Die weisen wir ab.› Iselin erzählt von Leuten, die, obwohl sie über keine erkennbaren Falten verfügen, am liebsten auf einer Behandlung bestehen würden, und auch nach langer Diskussion nicht einsehen können, dass es komplett unnötig und deshalb dumm und unverantwortlich wäre, irgendeinen Eingriff vorzunehmen. ‹Die Menschen mit diesem Problem leiden unter Dysmorphophobie. Etwa vier Prozent der urbanen Bevölkerung sind von dieser Störung heute betroffen. Bei uns würden sie etwa 15 Prozent unserer Kunden ausmachen, würden wir

‹Eine kosmetische Behandlung kann keine psychologischen Probleme lösen.› sie annehmen.› Es sei nicht ganz einfach, die Betreffenden herauszufiltern, dazu brauche es Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen. Die meisten seien zwischen 35 und 45 Jahre alt und wollten etwas gegen ihren Achselschweiss oder Augenringe machen oder die Lippen auffüllen lassen. Man entlarve sie im Gespräch jedoch meistens schnell, weil sie sich dann auf eine mehr oder weniger offensichtlich besessene Weise ununterbrochen mit ihrem Körper und ihrem Erscheinungsbild beschäftigten, und nie gross auf Fragen auf einer anderen Ebene eingingen. ‹Diese Leute schicke ich weg. Du hilfst ihnen gar nicht, wenn du sie behandelst. Im Gegenteil. Eine kosmetische Behandlung kann keine psychologischen Probleme lösen. Sie würde sie bloss noch hochschaukeln, die Spirale würde sich in die falsche Richtung drehen, so dass sie nie aufhören könnten, etwas verbessern oder optimieren zu wollen.›

Im Wartezimmer

Der Wunsch, die Jugend, Schönheit und Gesundheit in irgendeiner Form für immer bewahren zu wollen, ist wohl unmöglich abzulegen. Auch wenn man nicht unter einem der beschriebenen psychologisch benannten Problemen leidet. Es scheint einiges an Reife dazu zu gehören, dem eigenen, allmählichen Zerfall des Körpers zuzusehen, ihn irgendwann auch zu verspüren und sich bewusst zu werden, dass man nicht darum kinki mode

herumkommt, dem Tod ins Auge zu blicken. Was mich mit der Zeit während dieser Gespräche mit eher jüngeren Menschen immer stärker zu interessieren beginnt ist – was denken eigentlich die Alten über das Altsein? Ich gehe also ins Zürcher Altersheim Sydefädeli. Es ist etwas komisch, weil es seltsam riecht, überall werden alte, un-

‹Eine richtig alte Schachtel!› beholfene Greisinnen und Greise in Rollstühlen herumgeschoben, niemand lacht. Eine Seniorin sitzt alleine mit ihrer Kaffeetasse am Tisch und grummelt vor sich hin. Ich bin nicht sicher, ob ich sie ansprechen soll, aber weil ich gleichzeitig denke, was das für ein blödes Vorurteil ist, überwinde ich mich. Sie zittert dauernd mit der Hand, wenn sie spricht. Irgendwann hört es auf, mich zu irritieren. Sie erzählt, dass sie sich deswegen schämt, dass sie die Jungen beneide. Sie redet klar, ich komme mir etwas dumm vor, sie vorher aufgrund ihrer geknickten Haltung nicht mehr ganz für voll genommen zu haben. Sie schäme sich ausserdem auch noch für ihren Körper, der zu nichts mehr zu gebrauchen und heute alles andere als schön sei. ‹Was bin ich nur geworden! Eine richtige alte Schachtel!› Jetzt lacht sie. Die Frau ist 89 und heisst Luisa. Sie sei mal ‹keine Leide› gewesen. Ich glaube es ihr. Das Altwerden habe eingesetzt, als sie erstmals Angst hatte, ihre Arbeit zu verlieren. Dann seien ihre Freunde von früher gestorben. Der Tod ihres Partners vor zwei Jahren hat sie dann seelisch gebrochen. Ab da seien ihre Gebrechen täglich schlimmer geworden, nichts sei mehr ein Trost gewesen, den ganzen Tag nur noch Schmerzen. Das Altersheim, das sei aber in Ordnung. ‹Die schauen schon. Die sind gut zu mir. Aber das ändert auch nichts daran, dass ich in einem Wartezimmer sitze›. Denn eigentlich hat Luisa nur noch einen Wunsch: sie will zu ihrem Mann. Sie will auch sterben.

Pflegen und aufräumen

Auf der Bank in einem Tramhäuschen treffe ich endlich einen alten Mann, der mir wieder Hoffnung in der Altersfrage gibt. Er freut sich darüber, dass ich mich für dieses Thema interessiere. Er stellt sich vor mit einem warmen Händedruck, eine Berührung die ich als angenehm und ein bisschen ungewohnt empfinde. Herr Hugentobler erzählt, dass er schon sein ganzes Leben lang im Zürcher Seefeld gewohnt habe und es sei immer noch grossartig dort. Die modernen Sachen, die man da baue, die gefallen ihm auch. Er verschweige sein Alter nicht: ‹79 bin ich jetzt, jawohl! Aber noch rüstig, oder?!›, er steht auf und macht Faxen mit seinem Gehstock. Ich mag ihn. Er erzählt, dass er und seine Frau, die Vreni, nur wenig jünger als er, sich eben gut schauten. Sie seien sehr dankbar füreinander und schätzen sich, das sei wichtig. Und seine Frau, die ginge regelmässig zur Kosmetikerin und zum Coiffeure. Nur weil sie nicht mehr so knackig aussehe wie diese Heidi Klum aus dem Fernsehen, dürfe sie sich trotzdem ein bisschen hübsch machen. Pflege sei gut, das tue auch innen gut, sage 32

sie immer. Das sei wie aufräumen. Wenn er über die Vergangenheit und das Leben redet, sehe ich einen  schönen Menschen. Völlig egal, ob er alt ist. Er ist ein Greis mit einem faltigen Gesicht und kaum mehr Zähnen im Mund – aber mit einer wundervoll ruhigen und angenehmen Ausstrahlung, einer warmen, freundlichen Stimme und einem (so denke ich, nach dieser nur halbstündigen Unterhaltung) inneren Frieden. So wie die zwei, er und seine Frau, will ich dann mit meinem imaginären Ehemann auch mal werden, denke ich. Und schwinge mich aufs Tram. Er winkt, er wartet auf die 15.

Altern in Würde

In Würde zu altern sei zwar nur ein Schlagwort, meint Botox-Spritzer Dan Iselin. Er sei überzeugt, dass Natürlichkeit glücklich mache. Bis das Altsein einsetzt, soll man das Leben in vollen Zügen geniessen, Schönheit und Jugend seien dazu da, gefeiert und gelobt zu werden. Danach müsse ein Umdenken stattfinden. Oder besser schon vorher. Durch die neuen Vorstellungen eines aktiven Rentnerdaseins und weil auch technisch-medizinische Entwicklungen neue Rehabilitationschancen bis ins hohe Alter bringen, kann die Autonomie auch hochaltriger Menschen verbessert werden. Selbst Sexualität im Alter, lange Zeit tabuisiert, wird offener diskutiert und praktiziert. Lernen im Alter, was lange als unmöglich oder unnötig erachtet wurde, gilt heute als Voraussetzung für erfolgreiches Altern.

Verschwende deine Jugend

Ich denke, dass ich ganz gute Chancen habe, eine glückliche Rentnerin zu werden. Und zwar deshalb, weil sich der Lebensstil der alten Menschen verändert. Er geht in Richtung einer aktiven und innovativen Lebensgestaltung. Die soziale Einbindung ist grösser, die allgemeine Lebenszufriedenheit ist höher. Meine Generation ist seit der Jugend mit einer aktiven, leistungs- und körperlich-orientierten Kultur konfrontiert worden. Somit wird es uns einfacher fallen, erfolgreich zu lernen, bis ins spätere Leben einigermassen ‹jugendlich› zu bleiben. Die wirtschaftliche Wohlstandsentwicklung und eine bessere sozialpolitischen Absicherung des Alters hängt sicher auch damit zusammen. Ich hoffe, dass ich so lange arbeiten kann, wie ich möchte und nicht plötzlich ausgegliedert, wegrationiert oder ersetzt werde. Und dass ich dann, wenn ich pflegebedürftig oder sogar demenzkrank werden sollte, würdevoll gepflegt und behandelt werde. Wahrscheinlich ist es gut, mir jetzt schon Gedanken über das Älterwerden zu machen, und trotzdem das Jetzt reinen Gewissens zu geniessen. Und sogar ein bisschen zu verschwenden. Ich will mal eine flippige alte Schachtel werden, so eine ohne Angst und wenn es geht auch ein bisschen weise und gütig. So wie der Alte vom Tram. Cooler Typ.


VerschĂśnert oder einfach nur Ăźberdeckt? Die Spuren des Alters lassen sich nicht so einfach vertuschen.

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wortlaut das 10 minuten interview

Cristian Straub: ‹Ein Softporno ist nichts für mich.› Interview kinki: Inszenierte Mode ist in den meisten Fällen schön anzusehen. Zu schön kann aber auch sehr schnell langweilig werden, oder? Cristian Straub: Genau das ist auch ein Riesenproblem. Und dann laufen noch die Models durch das Bild. Auch alle schön. Es ist eben alles sehr gefällig. Aber genau da trennt sich jetzt auch die Spreu vom Weizen: Die langweiligen Filme zeigen das Naheliegende, nämlich das Schöne. Und die spannenden Kreationen versuchen genau da einen Bruch rein zu bringen. Gerade dieser Kontrast macht es so viel aufregender. Wie genau sieht dieser Kontrast denn aus? Der ergibt sich, indem ein Filmemacher experimentell arbeitet. Sich von Konventionen löst. Der Extravaganz Platz macht. Und vor allem mutig ist und keinerlei Berührungsängste hat. Es ist sehr ähnlich wie bei den ersten Musikvideos in den achtziger Jahren. Wir können uns als Filmemacher austoben und wild herumspinnen, wir versuchen ein Lebensgefühl zu transportieren, welches gleichzeitig abstrakt sein kann.

D

er 33-jährige Regisseur Cristian Straub setzt Mode in Szene und Models in Bewegung. Eigenwillig, unnahbar und geheimnisvoll. In Deutschland ist Straub einer der Pioniere, die den Fashionfilm gepusht haben. Vor zwei Jahren hat der ambitionierte Filmemacher aus Hamburg dieses jungfräuliche Genre für sich entdeckt. Er gründete den Fashion Film Blog ‹Ravished by Illusions› und spezialisierte die Arbeit seiner Produktionsfirma Riese Farbaute auf Fashionfilme. Cristian Straub bewegt sich auf dem medialen Experimentierfeld zwischen Kunst und Kommerz wie kinki mode

Was genau versuchst du mit deinem neuen Fashionfilm ‹Format› zu transportieren? Die Designerin Esther Perbandt ist fasziniert von der russischen Avantgarde. Sie hat auch einen konstruktivistischen Ansatz entwickelt, wie man ein Hemd zu einem Kleid umformt. Genau das habe ich in die Filmsprache übersetzt. Mir ging es nicht darum, einen Kollektionsfilm zu machen und zwanzig Stylings abzufrühstücken. Sondern mir geht es in all meinen Filmen eher darum, die Inspirationswelten der Künstler zu inszenieren.

ein Eiskunstläufer – präzise und schnell. Seine Kreativität und Originalität bestimmen die Kür. Im März hat Straub seine FashionTrilogie ‹Dervishes in Space› veröffentlicht, sein jüngster Modefilm ‹Format› (für Esther Perbandt) feierte auf der Berliner Fashion Week Premiere. Für das Hamburger Label Anna Fuchs hat er bereits seinen zweiten Modefilm abgedreht und für die Marke Görtz im Netz unkonventionell geglänzt. Straub kreiert visuelle Momente mit einem hohen ästhetischen Anspruch. Für ihn darf der Modefilm alles sein, nur nicht langweilig. Und genau darüber sprachen wir mit ihm.

Auffällig ist, dass all deine Fashionfilme eine gewisse Kälte und Unnahbarkeit ausstrahlen. Ist 34

das die Straubsche FashionfilmHandschrift? Ich weiß auch gar nicht, woher das kommt. Ich bin privat ganz anders (lacht). Aber diese gewisse Unterkühltheit und ‹Cleanheit› habe ich auch schon in meinen Autorenfilmen als Stilmittel benutzt. Ich versuche in meinen Arbeiten immer eine Distanz oder ein Geheimnis zu erschaffen. Dadurch entstehen Sehnsüchte. Was ich bisher sehr wenig gemacht habe, ist im Fashionfilmbereich mit Sexualität zu spielen. Und ich glaube, wenn ich mit Sexualität spielen würde, würde ich es auch extremer machen, als eine sich sexy räkelnde Frau vor der Kamera. Ein Fashionporno also? Klar, wenn dann direkt ein Porno. Oder eben etwas komplett androgyn Kühles. Das ganze Dazwischen nervt nur. Ein Softporno ist nichts für mich (lacht). Du könntest der Terry Richardson des Fashionfilms werden! Auf keinen Fall. Diese Richardson-Nummer kann ich überhaupt nicht mehr sehen. In der Fashionfotografie ist das doch so was von totgenudelt. Was ich sehr spannend finde, sind die Pornos aus den Siebzigern, wo sie noch beim Vögeln philosophiert haben oder wirklich gute Dialoge hatten. Das kann man sich gar nicht mehr vorstellen. Aber damals haben wirklich intelligente Leute mit der Sexualität gearbeitet. Das waren eben experimentelle Kunstfilme, in denen aber auch kopuliert wurde. Sowas zu machen, darauf hätte ich Lust. Ich finde, man kann mit Sexualität sehr gute Aussagen treffen und Brüche schaffen. Gerade im Fashionbereich. Und abgesehen davon: Sex sells!

Text und Interview: Sara Hellmers Foto: Elena Getzieh


SONNTAGS um 19:00

E D I U G AL V I V R . SU N R R U A O E Y L D N A H WATC

MTV.CH/AWKWARD


Alis Pelleschi

Alis kinki mode

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‚Lonely Hearts is a self-portrait series based on the lonely hearts columns you might find in the back of a magazine or online. These lovely people just want to find their match in life.›

Ricky 37


Scary kinki mode

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Scary Mary - shot for Honk! magazine.

‹Scary Mary is a diva.›


Mary 39


Superfan No 7 kinki mode

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Super Fans - shot for SuperSuper magazine. Issue #21

‹These are the Superfans you read about in your gossip magazines. They are mad about Eminem, Lady Gaga, Princess Diana, Marilyn Manson ...›


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querschläger alles, ausser angepasst

Seit über 30 Jahren begeistert ‹Magic Hasy› als Zauberer sein Publikum auf Hochzeiten und Betriebsfesten. Wir trafen Hasy in seiner Wohnung am Fusse des Zürcher Üetlibergs und sprachen mit ihm über Illusion, Verwandlung und billige Tricks. Text: Rainer Brenner, Foto: Daniel Tischler

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uf seiner Website erinnert Hasy irgendwie an Lemmy Kilmister, den Sänger der berühmt-berüchtigten Band Motörhead: Mit dem Flammenwerfer zündet er sich seine Zigarette an und wirkt dabei unglaublich cool. Umso mehr verwundert uns Hasys warme Begrüssung. Bei einem Glas Eistee erklärt uns der kleine Mann mit den tätowierten Armen in breitem Züritüütsch gleich mal die Beziehungssituation mit seiner Frau, beziehungsweise Exfrau, die früher auch gemeinsam mit ihm auftrat. Man war verheiratet, hat 2 Kinder, man trennte sich und ist jetzt irgendwie doch wieder zusammen. In der vollen Wohnung erinnert einiges an Hasys Zauberei. Diverse Bilder, eine lebensgrosse Zaubererpuppe, sogar der Luftbefeuchter, der im Minutentakt seine Farbe ändert, wirkt irgendwie wie eine Illusion. Auf dem Tisch liegt sein kleines Köfferchen mit Zauberutensilien bereit, ‹damit kann ich 50 Minuten zaubern›. Darin liegen nebst Zauberstab ein Portemonnaie, eine Replika einer angebissenen Salamischeibe und ein angebissenes Wienerli. Hasy ist ein alter Hase. Und er erzählt gerne aus seinem Leben. Von seiner Kindheit als Konditorssohn, seinen ersten Auftritten, seiner Zeit als Bühnentechniker beim Fernsehen, von den Magierkongressen an allen Ecken und Enden der Welt, von lustigen Erlebnissen und Begebenheiten. Trotzdem wirkt er stets zurückhaltend und bescheiden, bodenständig und nüchtern. Während unseres Gesprächs streicht uns immer wieder eine kleine Katze um die Beine. ‹Wie diä heisst? Jä aso ich säg därä eifach Chatz›, meint Hasy, lehnt sich zurück und steckt die Hände in seine feuerfesten Hosentaschen.

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Interview

ten viele Leute und viel Technik im Hintergrund. Das ist keine Handarbeit im eigentlichen Sinne mehr.

kinki magazin: Mal ganz ehrlich: Glaubst du an Übersinnliches, Hasy? Magic Hasy: Das gibt es sicher. Ich persönlich sage den Leuten aber ganz klar, dass ich mit Tricks arbeite.

Also eigentlich saubillige Tricks, oder? Das würdest du vielleicht bei jedem Trick sagen, wenn ich ihn dir erkläre, aber das heisst nicht, dass du ihn deshalb beherrschst. Wenn jemand zum Beispiel auf der Bühne nicht gut rüberkommt, dann kann der Trick noch so gut sein und er kann die Leute trotzdem nicht begeistern.

Wie funktioniert dieser Trick mit dem Menschenzersägen, Hasy? Im Internet habe ich keine richtig gute Erklärung dafür gefunden. (schweigt und lächelt)

Geniesst man als Zauberer denn einen guten Ruf, oder wird man immer auch ein bisschen als eine Art Betrüger und Schausteller betrachtet? Hier oben zum Beispiel, in der Beiz hier vorne, nennt man mich selten beim Namen, da heisst es dann jeweils: ‹Ou, dä Zäuberler chunnt›. Oder man nennt mich Zirkusdirektor oder dergleichen. Und natürlich sagt auch manch einer, das Ganze sei doch einfach nur ein riesiger ‹Bschiss›. Natürlich ist das in gewisser Weise auch wahr, aber dahinter steckt viel Übung, viel Erfahrung und Können, das ist nicht einfach nur ein ‹Bschiss›. Es kommt auch bei den Auftritten immer darauf an, vor wem man auftritt, nicht allen gefällt das. Einmal bin ich zum Beispiel bei einer Computerfirma aufgetreten, die haben nie geklatscht, nur ein einziges Mal, als etwas schief ging. Die wollten einfach nicht für etwas so Unlogisches klatschen. Oder auch bei Hochzeiten, da kommt es extrem drauf an, vor wem man spielt, kein Auftritt ist gleich und der Auftritt ist immer so gut wie das Publikum, vor dem man spielt.

Du willst es mir nicht verraten, stimmt’s? Naja, es gibt mehrere Möglichkeiten. Man kann das zum Beispiel mit zwei Personen machen oder mit vielen anderen Tricks. Diese Tricks sind eigentlich nicht patentiert, aber das ist halt so eine Ehrensache, dass man die nicht nachmacht oder ausplaudert, wenn man sie durchschaut hat. Wo lernt man eigentlich neue Tricks, wenn einem die nie jemand verrät? Früher wurde man von einem anderen Zauberer in einen Kreis eingeführt. Heute hat sich das alles stark verändert, im Internet und in den ganzen Onlineshops werden die Tricks ja ganz klar aufgezeigt. Allerdings kann man sich natürlich nicht ohne Vorkenntnisse an irgendeinen Trick wagen. Funktionieren denn spektakuläre Tricks genau so wie einfache? David Copperfields Sachen seien ja oft einfach zusammengeschnitten worden, habe ich gehört. Copperfield, Siegfried und Roy und so, das ist mechanische Zauberei. Das heisst, wenn Copperfield auf der Bühne steht und jemanden verschwinden lässt, arbei-

Bist du denn auch privat manchmal ein bisschen der ‹Trickster›? Ja, ein bisschen schon, ich fin42

de zum Beispiel immer einen Parkplatz mitten in der Stadt. Aber als Trickster würde ich mich eigentlich nicht bezeichnen. Ich kenne halt einfach auch recht viele Leute, nur schon durch die Guggenmusig und so. Aber als ich zum Beispiel zu einem ausverkauften Konzert von Blues Max wollte, zeigte ich der Frau an der Kasse einen Trick, zufällig stand dann auch der Blues Max persönlich dort und hat mich dann gratis reingelassen. Solche Situationen kommen schon manchmal vor. Blues Max? Du wirkst ja eher wie ein Rocker, mit den Tattoos und dem Schnauzer … Häufig höre ich mir gerne ‹äs huärä Gestampfe› an, also so Technozeug, das mir mein Sohn manchmal aufnimmt. Zum Beispiel beim Autofahren. Aber ich mag manchmal auch Schlager und sowas. Am liebsten höre ich aber schon Jazz und Rock und wie gesagt ein bisschen ‹Stampfimusig›. Was würdest du gerne verschwinden lassen, Hasy? Aktuell? Vielleicht die ganzen Kernkraftwerke. Ansonsten weiss ich nicht, privat gibt es da eigentlich nichts. Vielleicht den einen oder anderen Menschen, den ich kenne. Aber nicht verschwinden lassen im Sinne von ‹ins Gras beissen›, sondern eher verbannen. Auf eine einsame Insel oder so (lächelt). Magic Hasy, 66, lebt im Kanton Zürich. Natürlich ist öfter mal ein Trick schief gegangen, wirklich gefährlich wurde es aber nur, als er das brennbare Öl bei einem Trick verschluckte. Da wurde er sofort ohnmächtig und musste ins Spital gebracht werden: ‹Jetz isch färtig mit därä huärä Füürlerei!›


‹Das ist nicht einfach nur ein Bschiss.›

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Kleider machen Geschlecht?

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In einer Zeit, in der Individualismus zur Religion erhoben wird, fehlt uns eigentlich nur noch die freie Wahl des eigenen Geschlechts. Das wird aber noch lange so bleiben. Mahret Kupka über Männer, Frauen und ihre jeweilige Kleiderordnung. Fotos: Hana Pesut

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Boyfriends

enn man manchen Beschreibungen modischer Trends, wie ‹maskulin›, ‹weiblich› oder auch ‹mädchenhaft verspielt› und ‹androgyn›, wie sie besonders gerne in einschlägigen Modemagazinen zu finden sind, Glauben schenken mag, dann gibt es wohl so etwas wie deutlich geschlechterbezogene Kleidung. ‹Klar›, mag sich der Leser spontan denken, schliesslich werden Röcke hauptsächlich von Frauen getragen, während der Businessanzug das Alltagskleid vieler Männer ist. Ganz so einfach ist es aber nicht. Genauer betrachtet ist ein Rock zunächst nichts anderes als ein spezifisch geformtes und zu tragendes Stück Stoff. Was den Rock in vielen Gesellschaften zu einem weiblichen Kleidungsstück macht, sind kulturelle Prägungen, verbunden mit stereotypen Vorstellungen davon, was es heisst, ‹weiblich› zu sein.

So ist seltsamerweise etwa auch ein berockter Mann eher besonders männlich, verweist damit auf Mut, Kühnheit und Stärke, weil er sich über Stereotype hinwegzusetzen vermag und naturnah und roh wirkt – wie Braveheart im Kilt in den schottischen Highlands. Eine Frau jedoch, die sich in der vermeintlich männlichen Kleiderschublade bedient, wird bestenfalls als androgyn bezeichnet, oder sogar als maskulin, am wenigsten aber als besonders weiblich. Eine genauere Analyse der Trendbeschreibungen in Frauenmodemagazinen zeigte, dass die Beschreibung maskulin meist Kleidung be-

Eine Frau, die sich in der vermeintlich männlichen Kleiderschublade bedient, wird bestenfalls als androgyn bezeichnet.

Zerbrechliche Damen und starke Typen

Bis zum ausgehenden Mittelalter wurden Röcke noch von beiden Geschlechtern getragen, bis sich in westlichen Kulturen die Hose für den Herren durchsetzte, von Trachten und vereinzelten modischen Erscheinungen, in denen Mann auch heute noch oder wieder Rock trägt, einmal abgesehen. Wenn in einem Modemagazin nun ‹männlich› oder ‹weiblich› zur Beschreibung eines Trends verwendet wird, kann der Leser davon ausgehen, dass es weniger darum geht, auf ein besonders auf die weibliche oder männliche Anatomie zugeschnittenes Kleidungsstück hinzuweisen, sondern vielmehr darum, bestimmte Assoziationen von dem, was wir typischerweise unter männlich oder weiblich verstehen, zu wecken. Im Modekontext könnte man da bei weiblicher Mode an Pastellfarben, fliessend, leichte Stoffe, zarte Blumenprints denken, wohingegen männliche Mode wohl eher Vorstellungen von klaren Schnittführungen und robusteren Materialien vermitteln. Stets gekoppelt an Stereotype der sensiblen, liebenden, mütterlichen Frau und dem rohen, strebsamen, arbeitenden Mann. Selbstverständlich sind all jene Assoziationen nicht von der gesellschaftlichen Ordnung zu trennen, auf die die jeweilige Mode sich bezieht. Dass es beispielsweise in den 50er Jahren eine striktere Vorstellung davon gab, was unter weiblich und männlich zu verstehen ist, zeigt heute umso mehr, dass solcherlei Beschreibungen ir-

Seite 44 oben: Peter & Brylee, unten: Katina & Jerry Seite 45: Michelle & Trevor

reführend sind, weil sie auf etwas Bezug nehmen und gleichzeitig zu zementieren scheinen, was eigentlich spätestens seit der Frauenbewegung längst nicht mehr so klar sein sollte. Anzumerken sei auch noch, dass die Männermode von derlei schriftlichen Attributen gänzlich frei zu sein scheint. Wohl kaum findet man in der Beschreibung eines beispielsweise rosa Hemdes die Bezeichnung ‹feminin›. Männer kleiden sich anscheinend nicht weiblich, selbst wenn sie etwas tragen, das sich streng genommen innerhalb der oben beschriebenen Kategorisierungen bewegt. 45

trifft, die im Englischen mit dem Wort ‹tailored› bezeichnet wird, also Blazer, Hosenanzüge oder auch Jumpsuits. Jüngstes Beispiel dürfte wohl auch die locker auf der Hüfte sitzende, etwas weiter geschnittene Jeans sein, die so ausschaut, als stamme sie aus dem Schrank des ‹Boyfriends›. Nicht, dass dem tatsächlich so wäre, sie heisst nur einfach so, die ‹BoyfriendJeans›. Und überhaupt, alles was irgendwie weiter geschnitten ist, neckisch von einer Schulter rutscht oder sonst wie übergross ist, wird scheinbar gerne als ‹boyish› bezeichnet.

Verwirrendes Dekolleté

Man sollte meinen, dass seit die Frauen in den 30er- und 40er-Jahren selbstbewusst und wohl auch Unverständnis erregend damit begannen, Hosen zu tragen, sich über 70 Jahre später an geschlechtlich-stereotypen Zuschreibungen etwas ändern würde. Wenn das Strassenbild westlicher Grossstädte an einem durchschnittlichen Tag auch mehr Frauen in Hosen als in Kleidern und Röcken offenbart, so sind diese – treibt man es auf die Spitze – allesamt ‹männlich› gekleidet und dadurch auch automatisch weniger weiblich. Als entledige ‹sie› sich mit ihrem Kleid auch gleich ihrer Weiblichkeit.


Oben: Cam & Jill Unten: Matt & Stormey

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Der Rahmen, innerhalb dessen jeder seine Individualit채t ausdr체cken kann, bleibt begrenzt.

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Brittney & Tyler

Das gern zitierte Beispiel der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel sei auch an dieser Stelle angeführt: Frau Merkel mag für vieles bekannt sein, aber nicht für ihre Freude an der Mode, was ihr nicht zu verübeln ist. Wählt sie im Alltagsgeschäft gern den unverfänglichen und in der Modewelt als eher ‹maskulin› konnotierten Hosenanzug, tut sie es ihren männlichen Kollegen gleich und wirkt gleichwohl weniger weiblich, mütterlich, sensibel, umsorgend, sondern eher männlich, autonom, stark und durchsetzungsfähig. Bei der Eröffnung der Osloer Oper 2008 wagte Frau Merkel aber den Griff in die Frauenkiste und erschien in tief dekolletierter Robe. Das Bild des Busens der Bundeskanzlerin ging um die Welt und das stolze Deutschland freute sich. Zumindest teilweise. Wohlwollende Stimmen ob des Mutes der Merkel mischten sich mit heftiger Kritik an einer scheinbaren Entgleisung, einer grossen Verwirrung darüber, dass sich unter dem immer wiederkehrenden Anzug der Kanzlerin wohl tatsächlich auch ein Frauenkörper verbirgt. Turnt Vladimir Putin mit nackter Brust auf seiner Yacht herum, dann ist das nicht unbedingt schön anzusehen, aber irgendwie auch ein Beweis seiner durchsetzungsstarken Männlichkeit, wohingegen Frau Merkels Brüste die patriarchale Gesellschaftsstruktur kurzzeitig ins Wanken bringen, die Frauen an der Macht zu dulden scheint, aber eben nur, wenn sie sich auf der imaginären Skala der Geschlechter möglichst nah am Pol der Männlichkeit befinden und somit gleichzeitig fern der Weiblichkeit, als passe das irgendwie einfach nicht zusammen: Führungskraft und Frausein.

Mann vs. Frau

Es gibt im Grunde zwei grosse Lager, die in ihrer Erklärungsfindung immer wieder aneinander geraten. Das eine vertritt sehr alte Ansichten darüber, dass mit dem biologischen Geschlecht automatisch entsprechende Eigenschaften auftreten. Dem sogenannten biologischen Determinismus zufolge sind Männer und Frauen von Geburt an anders und somit auch die gesellschaftliche Rollenverteilung, nach der Frauen eher dem ‹mütterlich-häuslichen› Bereich und Männer dem öffentlichen, arbeitenden Bereich zugeordnet sind, nur logisch. Frauen, die nun nach Macht ausserhalb von Küche und Waschküche streben, handeln demnach eher männlich, also nicht artgerecht, kinki mode

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während Männer, die sich gerne dem Haushalt und der Kindererziehung widmen möchten, automatisch an Männlichkeit einbüssen. Folgt man der poststrukturalistischen Ansicht, deren wohl berühmteste und umstrittenste Vertreterin Judith Butler ist, die sich wiederum auf die Aussage Simone de Beauvoirs bezieht,

Der Weg hin zu einer Frau, die einen übergrossen Blazer tragen darf, ohne dadurch etwas von ihrer Weiblichkeit einzubüssen, ist also wohl noch lang. nach der man nicht als Frau zur Welt komme, sondern erst ‹dazu gemacht werde›, sind die Geschlechterrollen allein kulturell festgelegt. Das heisst, Männer und Frauen verhalten sich entsprechend dem, was gesellschaftlich als männlich oder weiblich gilt. Beide Erklärungsansätze begegnen einer nach wie vor ungleichen Gesellschaftsstruktur, die sich in vielfältiger Ausprägung in Wirtschaft und Politik, bis hin zu Trendbeschreibungen in Modemagazinen abbildet. Der Weg hin zu einer Frau, die einen übergrossen Blazer tragen darf, ohne dadurch etwas von ihrer Weiblichkeit einzubüssen, ist also wohl noch lang. Ein starres Festhalten an biologischen Determinismen macht ihn schier unmöglich. Wird er doch immer wieder gerne als Legitimation für eine ungleiche Gesellschaftsstruktur mit geschlechtsspezifischen Kleiderordnungen angeführt. Die Möglichkeitsspanne des einzelnen Menschen bleibt dabei unberücksichtigt. Und der Rahmen, innerhalb dessen jeder seine Individualität – sei diese berockt, behost, bekleidet oder sonst wie – ausdrücken kann, bleibt begrenzt. Die Bilder in diesem Artikel stammen aus dem Projekt ‹Switcheroo› der Kanadischen Fotografin Hana Pesut. Sie forderte verschiedene Pärchen aus ihrem näheren und weiteren Umfeld zum ‹modischen Rollentausch› auf. Weitere Bilder findet ihr unter sincerelyhana.com.


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freestyleTV.ch


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Bluse: MTWTFSS Weekday Body: Hana Frišonsová

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Mantel: Hana Frišonsová Hose: MTWTFSS Weekday

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Kleid: Hana Frišonsová Kette: Cheap Monday

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Harnisch & Manschetten: Hana Frišonsová Hose: Monki

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Hose: Henrik Vibskov Trägershirt: COS Kette: Tanita Klein

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Kleid & Harnisch: Hana Frišonsová

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Kleid: MTWTFSS Weekday Kette: Hana Frišonsová

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hinten: Transparenter Mantel: Sadak Body: Hana Frišonsová Kette: Tanita Klein Stiefeletten: Cheap Monday vorn: Transparenter Mantel: Sadak Body: Hana Frišonsová Kette: COS Fotograf Neven Allgeier Styling Nha-Dan Tran, Hana Frišonsová, Kyra Kraus Hair  &  Make-up Johanna Prange Models Darya Semenchenko, Aurelia Schwarz Assistent Alexander von Dreis

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blattmacher die weite welt des prints

Printmacher sind auch Printliebhaber. Deshalb erkunden wir monatlich die Welt der Druckmedien und entdecken Magazine, die spannende oder auch schräge Themen aufgreifen. Interview kinki magazin: Wie kam es zur Idee, ein Kindermode Magazin zu machen? Wart ihr auf der Suche nach einer Nische? Ann-Katrin Weiner: 1995 gab es kein Magazin für Kindermode auf dem deutschen Markt, also hat Achim Lippoth eines gegründet.

Name: Kid’s Wear Herausgeber / Ort: Achim Lippoth / Köln Auflage: 32 000 Erscheinen: zweimal jährlich, im Januar und im Juni Gründungsjahr: 1995 Thema: Kindermode, Leben, Kultur Vertrieb: weltweit

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ass es bei Kid’s Wear nicht in erster Linie darum geht, Kindern das Lesen, die Mode oder Kunst schmackhaft zu machen, wird schnell ersichtlich. Bei all der teuren Kindermode, dem ausgewählten, ungestrichenem Papier, zeitgeistigem Layout und der schönen fotografischen Inszenierung muss wohl die Elternschaft im Fokus der Macher liegen. Dies bestätigt auch der von Mode losgelöste Essay-Part, in welchem Artikel über Kinderphänomene, Interviews mit Künstlern und Essays über philosophische Fragen der Erziehung den geneigten Magazinleser unterhalten und beglücken. Zeit, zahlreiche ästhetische Kulturmagazine zu durchstöbern, bleibt Eltern gemeinhin ja wenig. Wer diesem Leserprofil und Interesse nicht ganz entspricht, den dürften die Kindermodels, die wie Topmodels in Modemagazinen abgelichtet werden, etwas irritieren. Ann-Katrin Weiner, Redaktions- und Anzeigenleiterin bei Kid’s Wear, hat unsere Fragen beantwortet.

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Ein Kindermode Magazin, das nicht für Kinder bestimmt ist? Eigentlich geht es doch darum, ein Magazin zu machen, das schön ist und die selbe Klientel anspricht, die auch andere ästhetische Magazine liest? Die Kid’s Wear soll ein Magazin sein, das Kindermode professionell präsentiert und die Welt immer mit offenen ‹Kinderaugen› zu sehen versucht. Es ist für alle Leser, die sich gerne mit schönen Dingen beschäftigen. Inwiefern passen Kinder wirklich in diesen Kunst- und Modekosmos? Kinder sehen die Welt mit ganz anderen Augen, sie sind offen, kreativ und unvoreingenommen – die besten Voraussetzungen für Kunst und Mode. Stimmt, euer Blick auf die Mode und Kunst ist ein interessierter und entdeckungsfreudiger. Bei der Kreation der Mode und der Trendsetzung haben Kinder aber leider kaum Einfluss. Das würde ich verneinen, wenn es um Kindermode geht: Fast alle Designer in der dieser Branche haben selber Kinder und beziehen diese natürlich auch in ihre Arbeit mit ein. Nehmen bei eurem Magazin manchmal auch die eigenen Kinder Einfluss? Ja, bei jeder Ausgabe, manchmal gestalten sie sogar den gesamten Essay-Part. Sollen Kinder Modetrends folgen? Jeder sollte sich selbst verwirklichen. Mode ist eine mögliche Ausdrucksform. Wie viele eurer Leser haben schätzungsweise selber Kinder? Mindestens 90 Prozent. Weitere Info findest du unter kidswear-magazine.com


Gekommen um zu bleiben

Flowerprints

Laura Ashley ist die Mutter aller Flowerprints. Die walisische Designerin gestaltete in ihrer Freizeit erst Servietten und Tischtücher, später Kopftücher im unverkennbaren viktorianischen Blümchenmuster, die allesamt – so erzählt es die Legende – am heimischen Küchentisch mit einer selbst gebauten Maschine bedruckt wurden. Ihre ursprünglichen klassisch-ländlichen Kollektionen gefielen nicht nur der englischen Oberschicht und dem Mädchen vom Lande, der Floral Print fand früh seinen Weg vom Mauerblümchen in die Kleiderschränke der Fashionistas und feiert dem Gesetz der modischen Zyklen folgend in regelmässigen Abständen Revival. In den 60ern und 70ern trafen die Flowerprints den Nerv der Zeit und uniformierten ganze Hippie-Bewegungen. In den 80ern geriet der geblümte Stoff kurz als Deko unsäglich hässlicher Couch-Garnituren in Verruf, konnte sich mit dem ‹Back to the Nature›-Boom der 90er aber wieder einen Platz im modischen Bewusstsein der Designer und auf den Laufstegen der Modemetropolen ergattern. Seither vergeht kein Frühling, in dem nicht bei den ersten Sonnenstrahlen auf femininen Blümchenkleidern in herrlich pastellenen Farben zarte Blütenknospen ranken. (mm) kinki mode

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Saison für Saison zeigt uns die Modewelt, was wir uns unbedingt anschaffen und welche Teile wir lieber im Keller verschwinden lassen sollten. Von einigen Trends und modischen ‹Comebacks› scheinen wir uns aber einfach nicht lösen zu wollen. Die kinki Redaktion über die hartnäckigsten Hypes der letzten Jahre. Illustration: Aksiniya

Ballerinas

Es war einmal ein italienischer Schuhdesigner namens Salvatore Capezio, der mit einer Balletttänzerin liiert war. Irgendwann kam er auf die glorreiche Idee, Schuhe nach dem Vorbild der Ballettschuhe herzustellen: Die Ballerinas waren geboren. Internationale Bekanntheit erlangten diese zum ersten Mal, als sie 1949 auf der Titelseite der Vogue erschienen. Ein paar Jahre später gewann der Schuh durch die Schauspielerin Audrey Hepburn noch mehr an Popularität. Die Stilikone trug Ballerinas im Film ‹Funny Face› und präsentierte sie – kombiniert mit Skinny Jeans − auf der grossen Leinwand. Über die Jahre verschwand der Schuh wieder in der Versenkung, bis vor einigen Jahren sich eine weitere Stilikone in einem Paar Ballerinas zeigte: Supermodel Kate Moss. Ein regelrechter BallerinaBoom brach aus. An allen Ecken, in jedem Schuhgeschäft konnte sich Frau Ballerinas in allen möglichen Variationen kaufen: Ballerinas mit Schlaufen, sportliche mit Gummisohlen, elegante, solche aus Stoff, Peep-Toe-Ballerinas, spitze oder runde Ballerinas, und so weiter und so fort. Sogar MBT sprang auf den Trend auf und beglückte alle Gesundheitsbewussten mit einem Ballerinaschuh mit massiver Riesensohle. Und der Trend hält bis heute an, was eigentlich nur wenig verwundert. Ballerinas sind bequem, sie lassen sich beinahe zu allem problemlos kombinieren, seien es Jeans, Hosen, Röcke, Shorts, Leggins, ja, sogar zu einem Abendkleid. Ein weiterer Pluspunkt: Die Schühchen sind um Längen gesünder für die Füsse als jegliche Schuhe mit Absatz. Kein Wunder also, dass dieses praktische Teil seit Jahren nicht mehr aus dem Schuhschrank wegzudenken ist. (vl)

Die Retro-Uhr

Egal ob zerknautschter Indie-Rocker, Fixie fahrender Grafikpraktikant oder nerdiger Informatikstudent: Casios Oldschool-Uhren-Revival vermochte sie alle zu begeistern. In manchen mag die Uhr Kindheitserinnerungen an die wundervollen späten 80er hervorrufen, als die Jungs erste Freinächte in ihrem stickigen Zimmer zubrachten und mit offenem Mund auf PacmanFiguren starrten während sich die Mädchen zu Whitney Houston Löcher in die Leggins schnitten. Anderen mag sie als denkwürdiger Vorreiter der Digitaltechnik erscheinen und nochmals andere tragen sie vielleicht, weil sie so gut zum restlichen Vintage-Kram in der Wohnung passt. Und natürlich ist es gerade in der Ära der AppleHerrschaft fast schon eine Erleichterung, endlich mal ein technisches Gerät vor sich zu haben, das man nicht auf Anhieb versteht. Es gibt also viele Gründe, sich für ein Retromodell mit futuristischen Namen wie ‹F 91 W› oder ‹AL 180› des japanischen Herstellers Casio zu entscheiden. Aber mindestens genau so viele dagegen. Was genau soll man schliesslich mit einer ‹witzigen› Uhr anfangen? Und welche drei Knöpfe muss man gleichzeitig drücken, um den verdammten Alarm abzuschalten? Für was brauche ich einen solarbetriebenen Rechner am Handgelenk? Egal, sieht schliesslich lustig aus. Oder? (rb) 61


Die Wayfarer

Die Skinny Jeans

Im Grunde ist die Skinny Jeans nichts anderes als das Abbild westlicher Gesellschaft. Die Antwort auf die Frage, warum sie nicht aus der Mode kommen mag, ist eng gekoppelt an die, warum sich keine an natürlicheren Formen orientierte Körperideale durchsetzen wollen. Seit jeher hat es zu bestimmten Zeiten Vorstellungen davon gegeben, wie eine menschliche Erscheinungsform idealerweise beschaffen zu sein hat, um gesellschaftskonform zu sein. So schmiegt sich nun die Skinny Jeans an einen hageren Funktionskörper, den der damit gesegnete (oder jener, der ihn sich hart erarbeitet hat) nur zu gerne ausstellen und nicht unter wallenden Gewändern verbergen mag. Hinzu kommt, dass Modelle mit hohem Stretchanteil ungemein bequem sind und mehr kleiden als beispielsweise die Leggings, die ähnliche Funktionen wie die Skinny Jeans erfüllt. Kombiniert mit weiten Tops lassen sich spielend kleinere Schönheitsmakel verheimlichen. Was bleibt, sind dünne Arme und Beine, gerne noch mit hohen Absätzen optisch verlängert, die aus dem Outfit ragen. Die modische Prognose lautet: Sofern sich nichts am Idealkörper ändert, wird sich auch nichts am Vorherrschen der Skinny Jeans ändern. Modische Ausreisser bestätigen die Regel. (mk) kinki mode

Als in den 50ern Ray Ban das Brillenmodell ‹Wayfarer› vorstellte, dachte sich wohl noch niemand, dass dieses eigentlich so simple Kunststoffgestell mit den zwei legendären Nieten neben den Gläsern einmal so illustre Köpfe wie die des Präsidenten Kennedy, Buddy Hollys oder der Blues Brothers zieren würde. Auch wenn die Wayfarer immer wieder mal in der Versenkung verschwand, erlebte sie in zahlreichen Fernsehserien und Filmen der folgenden Jahrzehnte etliche Comebacks. Zwar wurde im Laufe der Jahre sachte am Design gefeilt, doch der Grundgedanke blieb stets derselbe: Diese Brille sieht einfach so aus, wie ein fünfjähriges Kind eine Sonnenbrille zeichnen würde. Keine Schnörkel, kein unnötiger Firlefanz. Leider wurde der Brille ihre Einfachheit auch zum Verhängnis, denn kein Brillenmodell lässt sich einfacher und billiger fälschen als dieser Klassiker. Auch nächsten Frühling werden wir bestimmt wieder hunderten echter und gefälschter ‹Wegbereiter› begegnen. Warum? Na, weil sie auf jeden Kopf passt. Und weil sie selbst das harmloseste und doofste Gesicht so verdammt cool aussehen lässt. Oder wie Brett Easton Ellis – der mit seinen Romanen einiges zum Kultstatus der Wayfarer beigetragen hatte  – es in ‹Glamorama› formuliert: ‹The better you look, the more you see.› (rb) 62

Das Dreieck

Was es mit dem Dreieck auf sich hat und weshalb sich die geometrische Figur in den vergangenen Jahren in den Olymp des Gestaltungsreiches schwingen konnte, weiss niemand so recht. Offensichtlich ist jedoch, dass das gleichseitige Dreieck, die einfachste flächige Form, sowohl bei den Gestaltern, den Modischen und den Musikern omnipräsent ist. Das Symbol setzt sich in Band- oder Labelnamen fest, wird in jedem grafischen Printerzeugnis auf subtile oder strukturierende Weise integriert, wird auf T-Shirts gedruckt und geht auch unter die Haut: auf Sterne- und Schwalbentattoos folgt das Dreieck. Im Musikkosmos passt das Triangel besonders zur Witch House-Musikrichtung, die sich über die Blogosphäre verbreitete und sich so auch im modischen Kontext festgesetzt hat: Dreiecke, okkulte Symbole, Totenköpfe und Edelsteinschmuck gehen Hand in Hand. Nur die Aussage bleibt weiterhin im Dunkeln. Wird der dreifältigen Natur gehuldigt, die Ähnlichkeit zum weiblichen Geschlechtsorgan zelebriert, der mystischen Zahl drei gedacht oder einfach die Gleichmässigkeit und Harmonie geschätzt? Trotz eines aufkommenden Überdrusses ist das Dreieck weiterhin Zeitgeist und vielleicht ist es gerade die Unerklärlichkeit dieser modischen Erscheinung, die sie so standhaft macht. (fr)


Das karierte Hemd gehört sowohl zur Grundausstattung eines jeden Hipsters von London über New York bis Berlin, als auch zur Garderobe von stämmigen Holzfällern, Schreinern und modebewussten Investmentbankern.

Der Tote Bag

Das Karohemd

Sie zieren die Kilts der schottischen Clans, die Hemden verstaubter Cowboys und die schicken Schals von Burberry: kleine und grosse Quadrate in allen erdenklichen Farbkombinationen. Das Karomuster ist ein nicht unterzukriegendes Ornament, das schon seit vielen Jahrhunderten die Kleider der unterschiedlichsten Kulturgemeinschaften schmückt. Die ältesten entdeckten ‹Tartans›, wie das mit unterschiedlich farbigen Fäden gewebte Webmuster auch genannt wird, stammen aus China, ca. 3500 v. Chr., wo sie Hüte für Jadefiguren schmückten.

In der Neuzeit sind Karos aber vor allem in der englischen Mode zu finden. So gibt es dort unzählige Karo-Kombinationen, die für unterschiedliche Berufsgruppen stehen oder den Stand des Trägers im Umfeld des englischen Königshauses anzeigen. Und auch im unmittelbaren Heute ist das Karomuster noch immer nicht verschwunden: Das karierte Hemd gehört sowohl zur Grundausstattung eines jeden Hipsters von London über New York bis Berlin, als auch zur Garderobe von stämmigen Holzfällern, Schreinern oder modebewussten Investmentbankern. Die Welt ist eben doch ein Viereck. (ah) 63

Auf Indie-Konzerten sieht man sie in Massen. Auf Vernissagen von gehypten Künstlern ebenfalls. Jawohl, die Rede ist hier von diesen viereckigen Baumwolltaschen, auch Tote Bags genannt. Der Ursprung der ‹Tragetaschen› (to tote = tragen) liegt rund 30 Jahre zurück und hat ursprünglich rein gar nichts mit einem modischen Accessoire zu tun. Wer seine Einkäufe damals in den Tragetaschen mit ‹Jute statt Plastik›-Aufdruck nach Hause trug, zeigte sein Bewusstsein für nachhaltige Ökologie und fairen Handel. Die kratzigen Bastfaser-Taschen wurden später aus Baumwolle hergestellt und fanden irgendwann Einzug in die Welt der hippen Kunst- und Modekreise. Und mittlerweile sogar in die Regale von Massenproduzenten wie H&M. Weshalb der Tote Bag eine derartige Erfolgsgeschichte hingelegt hat, dafür gibt es wohl mehrere Gründe. Zu einem sind es sicherlich die praktischen Vorzüge der Tasche: Sie bietet zum Beispiel richtig viel Platz und falls sie mal auf den dreckigen Clubboden fällt, kann man sie problemlos waschen. Da die Materialkosten für eine Tote Bag minim sind, kostet sie meistens auch nicht viel, es sei denn, sie ist mit einem Logo einer angesagten Marke oder Band bedruckt. Der wohl bahnbrechendste Grund für den Erfolg der Tote Bags ist aber wohl ein anderer: Männer können ihn tragen! Die Hosentasche ist nämlich zu klein für iPhone, Schlüssel und Portemonnaie des modernen Mannes, ein Rucksack oft zu klobig. Tada: da bleibt also nur noch der Tote Bag. Wahrscheinlich noch sehr lange. (rh)

Weitere hartnäckige Modetrends findet ihr diesen Monat unter kinkimag.ch/magazines.


Lost in communication

Die Bilder stammen aus einem Projekt, das Dashenka zusammen mit dem Luzerner Fotografen Daniel Tischler realisierte.

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Die Künstlerin Dashenka Prochazka schlüpft in viele Rollen. In erster Linie macht die Luzernerin mit ihrer verspielten, teils komplexen Kunst auf sich aufmerksam. Unser Autor Antonio Haefeli hat die umtriebige Künstlerin zum Gespräch mitten in der innerschweizer Touristenhochburg getroffen. Fotos: Dashenka by Daniel Tischler

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ch warte beim Brezelstand auf eine Blondine. Oder war sie brünett? Kurze Haare, lange Haare? Brille? Die Bilder, die ich von Dashenka Prochazka im Kopf habe, sind so unterschiedlich, dass ich nun, als ich hier am vereinbarten Treffpunkt in Luzern stehe, nicht genau weiss, nach wem ich Ausschau halten soll. ‹Hoi, ich bin die Dashenka›, begrüsst sie mich wie aus dem Nichts. Also doch brünett, denke ich mir und reiche ihr grinsend die Hand. Wir schlendern runter zum Ufer des Vierwaldstädtersees, sie stellt ihr Fahrrad an einen Baum und ich besorge uns zwei Kaffee in Pappbechern. ‹Ich find das super, wenn man sich so richtig treffen kann für ein Interview›, sagt sie und strahlt unter ihrer riesigen Sonnenbrille hervor. Dann setzen wir uns am Wegesrand auf eine Mauer an deren Seiten die Wellen sich klatschend brechen. ‹Also gut Dahenka, wer bist du eigentlich? So «ganzheitlich gesehen», meine ich› frage ich sie. Sie schweigt. Lange. Dann lacht sie leise.

‹Ich bin Skorpion›, fängt sie an, ‹und das sind nun einmal sehr tiefgründige Menschen, die oft extrem in die Tiefe gehen und anfangen zu «graben». Das Gegenteil machen sie aber auch, flippen total aus und steigen in die Höhe. Ich denke, das repräsentiert mich als Ganzes und meine Arbeit sehr gut. Diese Extreme bringen aber auch immer ein Abwiegen mit sich, zwischen Zeiten, in denen ich fast schon ein Mönchsdasein pflege und sehr mit mir selbst beschäftigt bin.› Es ist seltsam, wie mich diese eigentlich Unbekannte mit ihren Blicken und ihrem ganzen Gesicht innert Minuten irgendwie immer weiter in ihre Welt zieht. Und Dashenka Prochazka hat viele Gesichter. Zum einen arbeitet die in der Schweiz aufgewachsene, gebürtige Tschechin immer wieder als Designerin und Künstlerin für das Surf-, Snow- und Skate-Label Volcom, zum anderen ist sie seit vielen Jahren als freischaffende Künstlerin in unterschiedlichen Disziplinen tätig. Sie performt, schauspielert, designt, spielt Musik, malt, publiziert in Magazinen wie Dazed&Confused, Vogue, Elle, Snowboarder, beim Fernsehsender Arte und vielen mehr. 1999 begab sich die heute 33-Jährige auf Weltreise und machte sich rund um den Globus einen Namen in der internationalen Kunstszene –  Neuseeland, Bali, USA − sie drehte Videoclips für Angus und Julia Stone, aber auch für die Luzerner Post Punker Les Yeux Sans Visage.

Innere Basis

Und doch zog es sie zurück ins beschauliche Luzern. Ihre ‹Basis›? ‹Naja, deine Basis solltest du nicht im Äusseren suchen. Die Basis muss in dir selber sein.› ‹Und die hast du gefunden?› Wieder lacht Dashenka laut auf. ‹Klar ist: je stärker die Basis ist, desto weiter kannst du von ihr abspringen. Wenn deine Mitte ins Wanken gerät dann fällst du. Dann kann man auch nichts repräsentieren, nichts darstellen. Um diesen Punkt zu festigen, sollte man immer wieder an seiner Stabilität arbeiten, quasi die Löcher füllen, die 65


schieht, inspirieren lässt. ‹Sind deine Arbeiten eigentlich auch in irgendeiner Form politisch oder gesellschaftskritisch?›, will ich darum wissen. ‹Das kann ich schwer sagen. Ich weiss nicht, ob ich eine Message habe oder so. Ich glaube vor allem, dass sie, falls vorhanden, ihre Kraft verlieren würde, wenn ich sie in Worte fassen müsste. Ich wüsste gar nicht wie. Ich glaube, dass ich sowieso nicht sehr wortgewandt bin und darum andere Ausdrucksformen brauche, um meine Anliegen und Ideen zu kommunizieren. Ich glaube, das war es auch, was mich überhaupt dazu brachte, mich durch Kunst auszudrücken›, antwortet sie in ernstem Ton. ‹Ich finde aber schon, dass es wichtig ist, dass man etwas zu sagen hat, wenn man als Künstler seine Arbeiten der Öffentlichkeit preisgibt und nicht einfach aus seinem eigenen Ego heraus etwas darstellt.›

Ein luftiges Wesen

Zerbrechlichkeit und Stärke, Männliches und Weibliches: der pinke Jumpsuit verwandelt Dashenka in eine Art ‹Zwischenwesen›.

‹Ich hatte schon immer irgendwie ein schräges Bild von der Welt.›

durch das ständige Abspringen entstehen.› Wenn Dashenka von diesen Gefühlen, diesen fast schon spirituellen Gedanken erzählt, wird sie ernst und blickt oft in die Ferne über den See. ‹Lass uns über dieses pinkfarbene Etwas sprechen, über diese Mischung aus Superheld und zerbrechlichem Geschöpf, in das du dich für eines deiner Projekte verwandelst. Was genau steht dahinter?›, frage ich sie. Wieder schaut mich Dashenka lange grinsend an. ‹Ich glaube du hast das schon richtig verstanden, ja. Es ist sicher eine Figur, die beides darstellt, sowohl Zerbrechlichkeit als auch Stärke – und all das verbunden mit Weiblichkeit. Männlichkeit und Weiblichkeit, diese beiden Pole waren es auch, um welche es mir ging. Darum, wie diese Pole sich abstossen und gleichzeitig anziehen und um das Spannungsfeld, das dabei entsteht. Das ist auch in anderen Arbeiten von mir immer mal wieder ein Thema, diese Anziehung und Abstossung von zwei Polen.›

‹Der Jumpsuit hat viel eher mich gefunden.›

‹Und wie habt ihr euch gefunden, du und dieses Ganzkörperkostüm?›, möchte ich wissen. ‹Das Teil hat eigentlich viel eher mich gefunden und zwar in Tokio. Ich hatte damals eine Ausstellung in der Stadt und fand da einen fantastischen Laden, der einfach alles verkaufte, eben auch dieses Kostüm. Es sprang mich irgendwie an. Ich bin dann reingeschlüpft und es war einfach so  … «Uah!» Es ist ja voll geschlossen und umhüllt den ganzen Körper, auch die Augen und alles. Man ist dann wirklich keine Person mehr, man verliert darin sozusagen seine Identität. Diese Art von Maske hat mich auch an der Japanischen Gesellschaft wahnsinnig fasziniert, wie sich die Leute makellos geben, eine Identität spielen und eigentlich Projektionen ihrer selbst sind.› Mir wird langsam klar, dass Dashenka eine jener Künstlerinnen ist, die sich tatsächlich direkt und ungefiltert von dem, was um sie gekinki mode

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Das tosende Horn eines vorbei schwimmenden Verkehrsschiffs übertönt ihre letzten Worte. ‹Du drückst dich also lieber non-verbal aus, hat das einen speziellen Grund?›, frage ich sie. ‹Bei mir hat das schon als Kind angefangen, als wir aus der Tschechei in die Schweiz gekommen sind. Da war die Kommunikation sehr schwer, weil ich halt in der ersten Zeit auch kein Deutsch konnte. Ich hatte schon immer irgendwie ein etwas schräges Bild von der Welt. Ich konnte sehr wohl die Kommunikation unter Menschen verstehen und ein Gespräch aufrechterhalten, doch irgendwann stellte ich fest, dass die wirkliche Kommunikation gar nicht auf Worten basiert. Und diese Art der Verständigung hat mich von da an immer mehr interessiert. Ich wollte dann teilweise gar nicht reden, weil ich dachte, dass die anderen eh nicht verstehen, was ich meine. Oder ich verstand überhaupt nicht was sie meinten. Ausserdem habe ich gemerkt, dass die Leute sehr oft Dinge sagten, die nicht mit dem übereinstimmten, was sie eigentlich kommunizierten, mit ihrem Körper und all dem. Und wenn du solche Dinge bemerkst, weil du vielleicht sehr sensibel bist, dann bist du immer in einer Art Beobachterrolle. Dann merkst du, auf welchen Ebenen was genau passiert und welche davon echt sind.› Unsere Kaffeebecher sind mittlerweile leer und ein kurzer Blick auf die Uhr verrät mir, dass wir nun schon fast eine Stunde geredet haben. ‹Es ist wohl nicht ganz so einfach zu verstehen, was und wie du kommunizierst›, sage ich. ‹Ja, ich verwandle mich halt gern. Zeige mich von verschiedenen Seiten. Das ist auch im Alltag so. Manchmal erkennen mich die Leute bei der Arbeit oder so gar nicht, weil ich immer wieder anders aussehe und mich anders verhalte. Ich bin halt ein luftiges Wesen, das viele Gesichter hat›, antwortet Dashenka mir, während wir langsam zurück zum Bahnhof schlendern.

Weitere Info findest du unter dashenkaprochazka.com.


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boy are girls Seite 68/69

Sonja: Maske: Paul Seville Kleid: Mikenke Bluse: Tiger of Sweden Rote Bluse: Sandro Armband: Renard Bijoux Boots: Monki Valeska: Maske: Paul Seville Kleid: Vladimir Karaleev Top: Mikenke Handschmuck: Bjørk Jewellery Kette: Renard Bijoux

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Sonja: Schuhe als Schulterstücke: Bless Top: Tim Van Valeska: Pullover: Reality Studio Kleid: Ikou Tschüss Leatherpiece: Lalotta

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Sonja: Kleid: Ikou Tschüss Kleid (gestreift): Stine goya Leggins: mikenke Kette: spörnli / krauthausen Valeska: Kleid: Vladimir Karaleev Bluse: Takoon Top: Issever Bahri Styling Stefanie Hille @ stylecouncil Haare und Make-up Lena Fleischer @ style-council 69


dass er es gar nicht mag, wenn Freunde oder Familie zu seinen Konzerten kommen, weil eben er auf der Bühne so ein bisschen jemand anders ist, und die das dann sofort merken. Sonja: Manche machen das vielleicht auch zum Schutz. Valeska: Ja schon, aber ich wüsste gar nicht, wie ich dann sein sollte. Okay, aber wenn ihr jetzt ganz frei auswählen könntet, was oder wer ihr gerne mal sein möchtet, was wäre das? Sonja: Ich habe vor kurzem darüber nachgedacht  … Schon als Kind wollte ich die unterschiedlichsten Tiere sein, aber im Moment wäre ich echt gern ein Vogel. Ich war eben gerade

‹Live zu spielen ist wie Urlaub.› im Urlaub und hab da die Vögel beobachtet, wie sie übers Meer flogen. Das muss so cool sein! Valeska: Bei mir in den Ferien war so eine coole Katze, die den ganzen Tag auf der Sonnenterrasse abgehangen hat. Da dachte ich auch: Du hast ein cooles Leben!

Es gibt ja relativ viele Musiker, die sich im nennen wir es mal ‹Pop-Folk-Singer-Songwritertum› tummeln. Denkt ihr bewusst darüber nach, wie ihr euch von andern abheben könnt? Valeska: Hm, also wir haben uns vor allem darüber Gedanken gemacht, wie wir auf dem Album einen bestimmten Sound erreichen können. Sonja: Ja, wir wollten schon einen eigenen Stil entwickeln, aber mehr so für uns, damit man es sich nicht so einfach macht und etwas schafft, das ein wenig speziell ist. Also ich meine damit nicht, dass das jetzt nicht megaspeziell ist, was wir machen. Es ist vielleicht nicht super abgedreht oder sowas, aber wir haben schon versucht, einen eigenen Sound zu entwickeln. Valeska: Wir haben auf dem Album vor allem versucht, etwas Dichteres zu erschaffen, eine Art Sound-Welt. Mehr als wenn wir nur mit zwei Akustik-Gitarren spielen. Kennengelernt habt ihr euch ja in einem ‹PopWorkshop› wie ihr selber sagt. Wie habt ihr damals gemerkt, dass ihr zusammen passt?

Also ein Tier? Valeska: Ja schon, etwas anderes kam mir jetzt gar nicht in den Sinn, ehrlich gesagt. Vielleicht ein anderer Mensch? Valeska: Hm, ein anderer Mensch (denkt nach)  … Nein. Lasst uns doch noch ein bisschen über eure Musik reden. In welchem Teil bei der Entstehung eines Songs passiert bei euch am meisten? Eher beim Schreiben, im Studio oder beim ersten Mal vor Publikum? Valeska: Schwer zu sagen. Also es lief bei uns meistens so ab, dass mir Sonja ein SongGerüst per Mail geschickt hat, ich dann einen Text und eine Melodie dazu entwickelt hab und das Ganze wieder an Sonja zurückgeschickt hab – obwohl wir nicht weit voneinander entfernt wohnen. Ich glaube, die intensivste Zeit ist dann, wenn wir zusammen ins Studio gehen und das Gerüst zu einem richtigen Song wird. Sonja: Ich finde, dass eigentlich gleich viel beim Schreiben und im Studio passiert. Wenn ich Ideen entwickle, ist das schon super zeitaufwändig und intensive Arbeit. Valeska: Ja schon, aber da habe ich das Gefühl, dass eher jede für sich ist. Die Arbeit im Studio war gerade beim Album sehr zeitaufwändig. Sonja: Und live zu spielen ist wie Urlaub. Ich kann mir vorstellen, dass sich das ein bisschen wie eine Art ‹Geburt› anfühlt, wenn man einen Song das erste Mal vor Publikum spielt? Sonja: Nein, für mich ist ‹die Geburt› eher der Punkt, an dem man einen Song zum ersten Mal jemandem vorspielt. Wenn man sich die Stücke mit jemand anderem anhört, dann hört man alles irgendwie auch durch das Ohr des anderen – und das verändert den Song nochmals. 71

Sonja: Also ich habe ein wenig geschummelt und mich in einen Kurs für Sänger geschlichen. Da habe ich dann Valeska gehört und ihre Stimme hat mich echt umgehauen – und sie war mir natürlich auch total sympathisch. Valeska: Dann hat sie mich angesprochen, und ich hab mich total gefreut und alles ging recht schnell. Sonja: Ich glaube, wir haben dann schon an einem der ersten Abende, nachdem wir uns kennenlernten, Musik gemacht. Valeska: Aber das war schon recht krass, denn in diesen Kursen sind immer so etwa fünfzig Musiker und Sänger, und dass man da so schnell die Leute findet, mit denen man arbeiten kann und möchte, ist schon aussergewöhnlich. Ich bin wirklich total glücklich darüber, was sich daraus ergeben hat und was wir bis jetzt alles so erleben durften! Das Album ‹Mutual Friend› ist bereits erschienen. Weitere Info und Tourdaten findet ihr unter listentoboy.com.


Da ist gar nichts nichts bubenhaftes und das ist auch gut so. Hinter dem Schweizer Duo Boy stehen nämlich zwei bezaubernde Damen, die ein ausgeprägtes Faible für dichte Popsongs voller filigraner Fragmente besitzen. Wir haben uns die beiden in Zürich geschnappt und bei marokkanischer Minze unterm Sonnenschirm über ihr Debutalbum, Metamorphosen und Urlaub auf der Bühne geplaudert. Interview: Antonio Haefeli, Fotos: Philipp Mueller

Interview kinki magazin: Ich würde gern mal als erstes gleich meine blödeste Frage stellen ... Valeska und Sonja im Chor: Warum heisst ihr Boy?! Genau! Valeska: Nun, wir haben sehr lange nach einem Namen gesucht, der uns irgendwie beschreibt oder der etwas besonders Weibliches hat oder mit der Zürich-Hamburg-Connection zu tun hat. Wir haben wirklich sehr lange darüber nachgedacht und fanden aber nichts, was wir wirklich cool fanden. Und irgendwann dachten wir dann: ‹Ach komm, wir nehmen einfach das Gegenteil davon  …› Das Gegenteil von was? kinki mode

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Valeska: Das Gegenteil von uns! Also das, was uns eigentlich gar nicht beschreibt. Wir stellten fest, dass das ganz gut funktioniert und so einen ‹Twist› mit sich bringt, den sich die Leute ganz gut merken können – weil man sich halt was anderes darunter vorstellt als das, was es ist. Sonja: Und es sieht auch ganz gut aus, so als Bandname. Gut, dann hätten wir das geklärt. Ihr wart ja eine ganze Weile auf Tour die letzten Monate. Habt ihr so etwas wie ein Bühnen-Alter-Ego? Oder seid ihr ganz ihr selbst vor Publikum? Sonja: Nee, gar nicht. Überhaupt gar nicht! Valeska: Ja, find’ ich auch. Wir beide. Wirklich gar nicht. Ich glaube, das wäre auch für jede von uns seltsam, wenn die andere plötzlich so ganz anders drauf wäre. Aber es ist lustig, ich habe nämlich gerade letztens mit einem Musiker-Kollegen darüber geredet, und der sagte,


vorspiel diesen monat auf kinki tunes

Girls: Father, Son, Holy Ghost 01 ‹Honey Bunny›

Das Tempo ist ziemlich schnell, doch wir wollten das Lied eigentlich ohne Metronom aufnehmen. Unser früherer Drummer hatte das irgendwie nie hingekriegt, jetzt haben wir es nochmals mit unserem neuen Drummer versucht, und diesmal hat’s geklappt. ‹Honey Bunny› hat definitiv einige Anläufe gebraucht.

02 ‹Alex›

Chris hatte den Song nach unserer Tour mit The Pains of Being Pure at Heart geschrieben. Auch hier war früher der Drumpart ein Problem, der Grund, warum wir ihn bisher nicht aufgenommen hatten.

03 ‹Die›

‹Die› zu spielen macht richtig Spass! Manchmal fragten wir, uns ob dieser Track nicht vielleicht ein bisschen too much sei, ob er überhaupt aufs Album passt. Doch je mehr wir aufnehmen, desto weniger streben wir nach Harmonie auf einer Platte.

04 ‹Saying I Love You›

Mein Lieblingssong auf der Platte. Bei den meisten Tracks haben wir jeweils nur eine Art Idee, wie er klingen sollte, aber bei ‹Saying I Love You› war uns beiden von Anfang an ganz klar, wie er sich anhören sollte.

Z

wei Jahre nach ihrem Erstling mit dem minimalistischen Namen ‹Album› liefern die beiden Boys von Girls endlich den heiss erwarteten Nachschub. Denn ‹Album› schaffte es, eingängige Popmelodien mit rotziger Rockattitüde zu verbinden, klassisches Songwriting traf auf experimentelle Sounds, lauter Krach auf zerbrechliche Klänge, stets untermalt von unverwechselbaren Vocals. Auf ‹Father, Son, Holy Ghost› schaffen es Christopher Owens und Chet ‹JR› White, ihren ganz eigenen Sound scheinbar mühelos weiterzuentwickeln. ‹Der Titel rührt natürlich religiös an›, meint Owens zur Namensgebung des Zweitlings, ‹allerdings geht es eher darum, die religiösen Qualitäten der Musik hervorzuheben.› So wurde beispielsweise in sieben der elf Songs ein Gospelchor eingesetzt. Und auch kinki mode

05 ‹My Ma›

sonst liessen Christopher und JR in ihrem kleinen Kellerstudio in San Franciscos Tenderloin-District ihrer Kreativität freien Lauf, forschten nach neuen Sounds und Aufnahmemöglichkeiten. So wurden Mikrofone beispielsweise unter Toiletten montiert und verschiedenste Instrumente ausprobiert. ‹Das Studio bestand eigentlich nur aus vier Betonwänden und war ein riesiger Saustall, aber es war perfekt!›, erklärt Owen. Und genau dieses kreative Chaos, die warmen Klänge, die schon auf ‹Album› so angenehm vertraut klangen, untermalen auch auf ‹Father, Son, Holy Ghost› die Texte Owens, die trotz düsterer Passagen stets ein wenig Hoffnung ausstrahlen. JR kommentierte für uns die 11 Tracks auf ‹Father, Son, Holy Ghost›.

Ich denke, dieser Song wäre eine gute Single, die Absicht und die Emotionen in diesem Lied sind ziemlich klar. Auch hier hatten wir von Anfang an eine ähnliche Idee, wie er sich anhören sollte.

06 ‹Vomit›

Wow, ein richtig alter Song, wir haben immer gelacht, wenn Chris ihn spielte. Die Lyrics sind ziemlich introspektiv, der ganze Song hört sich düster an. Ein Typ, der in seinem Zimmerchen durchdreht (lacht). Aber er lebt von seiner unglaublichen Dynamik, wenn Leute uns im Studio besuchten, sprangen sie jeweils aus ihren Sesseln auf, weil er irgendwann einfach extrem laut wird. Wir wollen, dass die Leute zu diesem Song durchdrehen.

07 ‹Just A Song›

Chris wollte hier keinerlei Input, niemand durfte ihm reinreden. Wir anderen waren bezüglich ‹Just A Song› manchmal etwas anderer Meinung als er… aber naja. Der Song ist live ziemlich schwierig zu spielen.

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08 ‹Magic›

Ich möchte die Lieder eigentlich nicht bewerten oder so, aber ‹Magic› ist definitiv nicht mein Lieblingssong auf diesem Album. Aber das ist immer so, wenn man als Band ein Album herausbringt, da sind auch mal Songs dabei, die man nicht so mag, Songs, von denen man vielleicht selbst eine andere Vorstellung hatte. Das lässt man aber die Leute normalerweise nicht wissen. Ich hoffe, Chris liest dieses Interview hier nicht (lacht).

09 ‹Forgiveness›

Ich mag den Inhalt des Textes sehr! Chris hatte den Song geschrieben, nachdem wir uns die Rede von Bob Dylan auf der Grammy-Verleihung angesehen hatten.

10 ‹Love Like A River›

Als wir das Demo zu diesem Track einspielten, dachten wir uns, das wird ein echter Soul-Song, mit richtig vielen Instrumenten und so: Bläser, Streicher, das volle Programm. Schlussendlich ist alles ganz anders gekommen, die Instrumentierung ist recht simpel. Aber das ist schon gut so.

11 ‹Jamie Marie›

Wir hatten immer die Vorstellung eines zweigeteilten Songs: der eine Teil mit Gesang und der andere Teil rein instrumental. Dan Eisenberg spielte hier die Orgel, seine Sololinie ist so unglaublich gut! Bei vielen Songs bringt seine Orgel so viel Gefühl mit rein, er ist ein unglaublicher Organist! Ich denke, dadurch wird auch Chris’ Songidee unterstrichen, der Song handelt eigentlich von einem Problem, endet aber dennoch sehr positiv.

kinki tunes on kinkimag.ch Das Vorspiel-Album gibt’s auf kinkimag.ch monatlich zum Hören, Abschweifen und sogar zum Herunterladen – die Schnellsten unter euch können jeden Monat GratisDownloads ergattern. Girls – ‹Father, Son , Holy Ghost› ist bereits erschienen. Alle, die Girls gerne live erleben wollen, finden am 22. November im Zürcher Mascotte Gelegenheit dazu! Text: Rainer Brenner Foto: Sandy Kim


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Lights out, spot on Reist man als musikinteressierter Mensch nach Dänemark, ist man immer wieder aufs Neue überrascht, welche bunte Vielfalt an musikalischen Gewächsen in diesem kleinen Staat zwischen Nord- und Ostsee gedeiht. Ein repräsentatives Schlaglicht auf die dänische Szene wirft jedes Jahr das SpotFestival in Aarhus, nordwestlich von Kopenhagen. Text und Fotos: Matthias Straub Von Dänemark weiss man nicht viel, da das kleine Land am südlichen Zipfel Skandinaviens meist keine grossen Aufregungen bereit hält. Jüngst war aber von anti-europäischen Tendenzen zu hören, da die rechtspopulistische Oppositionspartei in Dänemark Grenzkontrollen an den Grenzen zu Schweden und Deutschland durchgesetzt hat. Prinzipiell wird Dänemark aber natürlich hauptsächlich von netten Dänen bewohnt, die spannende Krimis machen können, eine weitgehend funktionierende Demokratie pflegen und eine bezaubernde Landeshauptstadt haben – ganz zu schweigen von der putzigen Königsfamilie.

Wegen der guten Förderung und der Offenheit der Dänen für neue und junge Bands bekommt man schnell den Eindruck, dass eigentlich so gut wie jeder junge Däne in einer Band spielt oder als Solokünstler Musik macht.

Mode in Dänemark

Schön sind sie, die Dänen. Gross, natürlich blond und wirklich nett. Zumindest während des Spot Festivals bekommt man den Eindruck, es gäbe nur gut gekleidete und freundliche Dänen. Natürlich ist aber auch Dänemark ein Absatzmarkt für Ed Hardy T-Shirts und Adidas-Trainingsanzüge. Erstaunlich sind die nahezu akzentfreien Englischkenntnisse der Dänen und die Offenheit, mit der sie Fremden entgegentreten.

Bei der Mode ist ein ähnliches Phänomen wie bei der Musik zu beobachten: Aus einem eher kleinen Land kommen überdurchschnittlich viele hervorragende Designer. Gemeint ist nicht nur der formidable Henrik Vibskov, Wood Wood und Konsorten, sondern auch grossartige Labels wie Norse Projects, Fnubbu oder Han Kjobenhavn. Auch hier gilt ähnliches wie bei der Musik: nicht wirklich unglaublich innovativ, aber trotzdem sehr schön! Die Looks lehnen sich gerne an Outdoor- oder Segel-Bekleidung an, bevorzugt in den Farben Blau (in allen Abstufungen), Weiss und Beige (ebenfalls in allen Abstufungen). Gibt es so etwas wie den typisch dänischen Look? Vielleicht eher einen typisch skandinavischen Style – Mädels mit Dutt und Jungs mit SegelSchuhen – denn irgendwie sehen dann doch alle wie aus dem Acne-Lookbook aus.

Musik in Dänemark

Aarhus

Dänen

Musik machen ist cool. Und Musiker sein noch viel mehr. Das findet auch die dänische Regierung und hat deswegen das ROSA ins Leben gerufen –  das Danish Rock Council (‹Dansk Rock Samråd›). Hier kann jeder einen kostenlosen Proberaum oder Zuschüsse für eine CD-Produktion beantragen. Da Dänemark selbst über einen eher kleinen Musikmarkt verfügt, lautet die dänische Strategie für Bands und Musiker: so schnell wie möglich ausserhalb der Landesgrenzen bekannt werden. Das sieht auch die dänische Regierung so. Deswegen hat sie Institutionen wie das Music Export Denmark (MXD) eingerichtet. Als Musiker kann man dort beispielsweise die Fahrtkosten für Konzert-Touren im Ausland einreichen. Übrigens: die meisten dänischen Künstler singen logischerweise auf Englisch. kinki mode

Wie die meisten dänischen Städte über 10 000 Einwohner liegt auch Aarhus am Meer und beherbergt einen Hafen, der alles andere als das Prädikat ‹pittoresk› verdient hat. In Aarhus ist ein steinzeitliches Dorf (‹Den Gamle By›) zu besichtigen und eine echt alte Moorleiche. Das war’s an modrigen Sehenswürdigkeiten. Ansonsten gibt es wie überall auf der Welt eine hundsgewöhnliche Einkaufsstrasse mit Convenient Food Restaurants und einer COS-Filiale (von Starbucks, Foot Locker und H&M brauchen wir nicht zu reden). Auffällig ist allerdings die extrem hohe (Holland)-Velo-Dichte –  da es ja so gut wie keine topographische Steigung gibt, sind die schönen schweren Ungetüme sehr beliebt. Damit rollt der geneigte Däne nach einem kurzen Besuch im Acne-Store dann ins 74

Szeneviertel rund um die Kunstakademie, um in einer der zahlreichen Organic Bakerys eine köstliche Zimtrolle zu verputzen. Ganz toll und unbedingt einen Besuch wert ist auch das ARoS Kunstmuseum mit lässig kuratierten Themenausstellungen und einer Dauerausstellungen mit Exponaten von Ron Mueck, Gilbert & George und Olafur Eliasson – um nur einige zu nennen.

Spot Festival

Das jährlich stattfindende Festival ist aus verschiedenen Gründen speziell. Erstens ist es nicht nur für die klassischen Festivalbesucher ausgerichtet, sondern soll vielmehr als Schnittstelle zwischen Kreativen (sprich Bands und Musiker), Medien und Industrie (also BookingAgenturen, Labels und Verlage) funktionieren. Deswegen ist das Festival angelegt wie eine Musikmesse, mit festen ‹Ständen› aller Player im Musikbusiness und streng getakteten Slots für Auftritte (max. 45 Minuten) und Interviews. Da gibt es keine Zugaben und keine ungeplanten Eskalationen, denn die nächste Band wartet schon auf ihren Slot. Und überhaupt: Es geht alles extrem zivilisiert und geregelt vor. Keine besoffenen Festivalbesucher, keine Dezibelüberreizung, kein Drängeln und Schubsen. Zweitens findet das Festival nicht nur auf einem festgelegten Gelände statt, sondern ist über die ganze Stadt in Aulen, Hallen, Zelten, Bars, Kneipen und Clubs verteilt. Es gibt auch immer ein fulminantes Side Program, wie beispielsweise eine Brauereitour für die Festivalbesucher. Abgesehen davon, dass man sich aufgrund der grosszügig verteilten Konzertlocations förmlich die Hacken abläuft, kann man natürlich einen Haufen über Aarhus erfahren und die verrücktesten Leute an allen Ecken und Enden der Stadt kennenlernen. Drittens ist Dänemark schweineteuer und man bekommt praktisch kein Bier unter 10 Franken.


Name: Giana Factory Klingen wie: Moloko auf Botox Sehen aus wie: drei dänische Engel für Charlie Status: Skandinaviens gut gekühlte Antwort auf britischen Flachbrett-Pop

3 Fragen an Giana Factory kinki magazin: Drei Mädels machen Clubmusik. Seht ihr euch denn in der Tradition weiblicher Dance-Trios wie ESG oder Chicks on Speed? Giana Factory: Wir sind eigentlich nicht konzeptuell ans Musikmachen rangegangen und haben gesagt ‹Mal sehen welche musikalische Tradition noch gepflegt werden müsste.› Im Gegenteil: Wir sind eher emotional zu dieser Ausdrucksform gekommen und haben uns aus Liebe zur Musik gefunden. Klingt das jetzt kitschig? Nein, nicht unbedingt. Uns ist aufgefallen, dass sowohl euer Bühnen-Outfit, die Visuals zu der Show, als auch eure CD-Gestaltung und Graphics extrem gut aufeinander abgestimmt sind. Zufall? Nein, sicher nicht. Wir verstehen uns als eine Art ‹Gesamtwerk› und wollen keine ästhetische Ausdrucksform isoliert betrachten. Alle Elemente sollen zusammenspielen: Musik, Mode, Kunst und Design. So ein bisschen wie bei Andy Warhols Factory. Nur eben die Factory von Giana ...

‹Ich studiere Musik, sogar mit dem Vertiefungsfach Elektronische Musik.›

Name: Rangleklods Klingt wie: der Aphex-Twin-Remix von Joy Division Sieht aus wie: der kleine Bruder von Ben Affleck, der in England aufs Internat musste Status: Next Step Danish Dance Act Sophistication

3 Fragen an Esben Andersen kinki magazin: Hallo Esben. Rangleklods ist ja ein seltsamer Name. Was soll das denn bedeuten? Esben: Es bedeutet eigentlich gar nichts und alles. Rangleklods ist ein Kunstwort, von dem ich erstmal finde, dass es gut klingt. Im Grunde kann jeder alles hineininterpretieren, was er möchte. Das passt zu der Idee von Rangleklods.

Habt ihr denn einen bestimmten Lieblingsdesigner? Das ist eine schwere Frage. Wir lieben natürlich Henrik Vibskov. Aber das Tollste für uns sind immer die neuen Outfits von Fnubbu – die müsst ihr euch unbedingt ansehen! Ohne Fnubbu wären wir auf der Bühne praktisch nackt ...

Wie meinst du das? Na ja, weisst du, es gibt noch gar nicht so lange eine Art von Szene für elektronische Musik in Dänemark. Bis vor kurzem war dieses Feld noch weitgehend unbeackert. Erst mit Trentemöller hat sich die internationale Aufmerksamkeit auf Dänemark gerichtet. Trotzdem gibt es hier noch viel Brachland, das gedanklich völlig frei bestellt werden kann. Das klingt nach einem gewaltigen Potential für dich als Künstler im elektronischen Musikbereich. Das ist es auch. Aber um dieses Potential zu erkennen, musste ich erst nach Berlin gehen, um festzustellen, wie demokratisiert elektronische Musik eigentlich sein kann. Ich studiere Musik, sogar mit dem Vertiefungsfach ‹Elektronische Musik›. Das ist ziemlich neu in Dänemark. Wir stehen hier gewissermassen gerade erst am Anfang und ich möchte alle Optionen nutzen, um die Wahrnehmung elektronischer Musik in unserem Land zu verbessern. 75


Name: French Films Klingen wie: Ramones mit Surfbrett unterm Arm Sehen aus wie: fünf Teen-Wölfe mit Chucks und Striped Shirts Status: Finnlands poppige Reaktion auf Kälte und Billboard-Wüste

3 Fragen an French Films

Name: Lucy Love Klingen wie: Dizzee Rascal als Frau mit mächtig Mainstream-Appeal Sehen aus wie: intergalaktische SpaceFreaks in überarbeiteten BeastieBoys-Kostümen Status: offizieller Grime-Importeur mit entsprechendem Monopol

3 Fragen an Lucy Love kinki magazin: Glückwunsch. Ihr seid der erste kommerziell erfolgreiche dänische Act, der mit einem absoluten Underground-Musiktrend Geld verdient. Lucy Love: Ja, nicht ohne Stolz dürfen wir behaupten, dass wir Grime nach Dänemark gebracht haben. Nicht nur, dass Lucy als weiblicher Rapper von den Kids gefeiert wird, wir haben sogar eine echte dänische Grime-Szene etabliert. Darüber freuen wir uns natürlich. Verständlich. Musstet ihr euch dafür in eine andere Person verwandeln, um glaubhaft zu wirken? Ich meine, ihr seid ja beide nicht gerade aus einem Londoner Vorort und mit Gewalt und Drogen aufgewachsen. Nein, wir mussten uns eigentlich nicht wirklich verwandeln. Wir sind als Menschen immer noch die selben, die wir vor Lucy Love waren. Aber wir benutzen das Konstrukt aus Grime-Musik, schrillen Bühnenoutfits und der grellen und lauten Gestaltung (die Lucy übrigens komplett selbst erstellt) als Vehikel, um unsere Themen und Emotionen zu transportieren. Insofern ist die Kunstfigur Lucy Love natürlich schon das Produkt einer metaphysischen Verwandlung zweier Menschen.

‹Uns gibt es gerade mal ein bisschen länger als ein Jahr und schon stürzt sich jeder auf uns.›

Die ja auf der Bühne zu einem kohärenten Produkt verschmelzen. Ja, das haben wir auch Helena Lindberg zu verdanken, die für uns als Kostümdesignerin immer wieder die unglaublichsten Outfits entwirft. Sie ist einfach grossartig und versteht unsere Idee ohne lange Diskussionen. Als ob Vivienne Westwood für Grace Jones Kostüme entwerfen würde. Danke, Helena! kinki mode

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kinki magazin: Hey, ihr klingt, als ob ihr direkt aus einem kalifornischen Surf-Film der späten Siebziger entsprungen wärt. In Finnland ist es aber doch eher kalt und Wellen gibt es auch nicht. French Films: Das ist natürlich immer die zweite Frage, die uns von den Journalisten gestellt wird. Aber weisst du, für uns ist die sonnige und vorwärtsgewandte Musik einfach eine Art Eskapismus, um dem gewohnten Alltag entgehen zu können. Wir stehen damit auch nicht gänzlich allein in Finnland. Es gibt andere tolle Bands, wie The Big Wave Riders oder The Casbah, die eine ähnlich gute Stimmung verbreiten. Gibt es also so etwas wie eine neuen MusikHype aus Finnland? So weit würde ich mit meiner Behauptung noch nicht gehen. Aber es ist schon erstaunlich: Uns gibt es gerade mal ein bisschen länger als ein Jahr und schon stürzt sich jeder auf uns, als ob unsere Musik die Bestätigung einer von der Presse vorausgesagten Trendwende in der finnischen Popmusik wäre. Das überrumpelt uns ziemlich. Schliesslich sind wir eigentlich alle noch Schüler, die vor und nach den ausgiebigen Touren durch halb Europa wieder die Schulbank drücken müssen – und keinen Nerv für Poptheorie haben. Verstehe. Nochmal zurück zu deiner ersten Antwort: Was ist denn die erste Frage, die Journalisten immer stellen? Ach so, ja. Jeder will natürlich wissen, wie wir zum französischen Film stehen. Ehrlich gesagt, fanden wir einfach nur, dass dieser Name gut klingt. Ich kenne einen französischen Regisseur, Godard heisst er, glaube ich. Der soll ganz gut sein, oder?


blok-club.ch

� Okt 2011 ab 23 Uhr Schiffbaustrasse 3 8005 Zürich

Sa 1. BLOK Opening ab 24 Uhr David evangelos, Kapara, Jimi Jules, The Kids are Terrorists, Ryan Riot – VJs: Bildstörung Fr 7. 4 JahRe KiLLeR autoerotique (DiM MaK/Toronto), The Stereo Youth, Luke Redford, Jack pryce – VJs: Les enfants Terribles Sa 8. 9 JahRe eSance gleichschritt, Kapara, nici Faerber, Jimi Jules, Roy engel – VJ: Raphael Wanner Fr 14. BaLDachin Thugfucker (Life & Death/new York), Don Ramon, Reto ardour, piratenkind, Rumlaut – VJs: Bildstörung Sa 15. RUn/aWaY Mustang (Different Recordings/Brüssel), playgroundkidz, Kris cavaleer, Mannequine – VJs: Dirty White Shoes

Fr 21. LUDMiLLa J-Wow (Buraka Som Sistema/Lissabon), pushking noize, Jin chillah Sa 22. 5 YeaRS The SexinVaDeRS The Sexinvaders (pink-pong/Berlin), The Stereo Youth, pete Dä Kneter, Lenz – VJs: Dirty White Shoes Fr 28. KiLLOUT Borgore (Buygore/Tel aviv), Tr3lux, Silent Rabbit, Jadah, Mc Mr. Bison – VJs: Les enfants Terribles Sa 29. MUch LOVe FROM Live: Rex The Dog (hundehaus/London), DiscoD, The Kids are Terrorists, Vascock – VJs: Bildstörung Vorschau: 18.11: Sound pellegrino Thermal Team 19.11: Deadboy 25.11: adam port 26.11: punks Jump Up, The Whip (Dj-Set)

Borgore Rex The Dog J-Wow Thugfucker autoerotique Mustang The Sexinvaders


‹Schönheit und totale Zerstörung› Sie verwandeln Städte und und Gefühle in Klangwelten: die Soundtüftler Sam (2. v. r.) und Brad (ganz links) von S.C.U.M.

Die Londoner Band S.C.U.M gehört zu den interessantesten Neuentdeckungen dieses Jahres. Arno Raffeiner unterhielt sich mit den Keyboardern Samuel und Bradley über Krach, Melodie und darüber, wie man Städte vertont. Foto: Matthew Stone

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ichts als purer Krach – ‹wie ein Block aus rohem Fels, den man erst noch behauen und gestalten kann›. So beschreibt Daniel Miller seinen ersten Eindruck der Band S.C.U.M. Miller hat viel gesehen, viel gehört. Ende der 70er Jahre gründete er mit Mute Records eines der einflussreichsten und langlebigsten englischen Labels. Trotzdem erzählt man sich, er habe es mit der Angst oder zumindest wohligen Gänsehautschauern zu tun bekommen, als er S.C.U.M, damals noch eine Gruppe hungriger 16-Jähriger, zum ersten Mal live erlebte. Die Londoner Band hatte sich nach dem

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Titel eines radikal-feministischen Manifests von Valerie Solanas benannt, das 1968 die Abschaffung aller Träger des ‹verkümmerten Y-Chromosoms› forderte: Society for cutting up men. Ein paar Jahre später erscheint nun bei Mute ihr erstes Album: ‹Again Into Eyes› betreibt Alltagsexorzismus in finsteren, fast schon sakralen Räumen und verwandelt den Shoegaze-Sound der frühen 90er in implosiven, kaputten Hedonismus. Samuel Kilcoyne und Bradley Baker, die bei S.C.U.M ihre Keyboards bearbeiten, erzählen, wie sie diese wuchtigen Klänge entstehen liessen und immer weiter entwickelten.


Interview kinki: Samuel und Bradley, ihr habt vor eurem ersten Album eine Reihe von ‹Signals› veröffentlicht, die ihr in Warschau, Berlin und Paris in wenigen Stunden aufgenommen habt. Wie verwandelt man eine Stadt in Klang? Samuel: Es ist umwerfend. Im Studio in Berlin stand zum Beispiel das Schlagzeug der Einstürzenden Neubauten herum, lauter merkwürdige Trommeln mit wirklich seltsamen Fellen, die absurd gestimmt waren. Berlin hatte für uns einen ziemlich elektronischen, industriellen Klang, davon haben wir gezehrt, als wir hier waren. ‹Berlin› ist auch mein liebstes Stück aus der Serie. Es hat diesen wirklich bizarren Sound, von dem wir nachher nie wussten, wie wir ihn noch mal genau so nachbauen können. Bradley: Das war das zweite ‹Signal›, das wir aufgenommen haben. Das erste war ‹Warsaw›, und im Vergleich dazu wollten wir in eine andere Richtung gehen. Wir haben mit einem DrumLoop begonnen, jemand hat eine SynthesizerMelodie darüber gelegt, und auf dieser Grundstruktur haben wir immer weiter aufgebaut. Es war radikal anders als bei den anderen ‹Signals›, aber das ist sowieso die Idee des gesamten Prozesses. Arbeitet ihr bei Aufnahmen generell so, auch wenn ihr mehr Zeit habt als nur ein paar Stunden? Bradley: Ich denke schon. Nur ist dann eben der Zeitplan nicht so straff. Bei diesen schnellen Aufnahmen steckt kein großer Denkprozess dahinter. Da machen wir einfach und sind nicht besonders wählerisch, sondern gehen gleich zur Sache. Samuel: Das Ergebnis hängt dann sehr von der jeweiligen Stimmung ab, aber genau darum geht es. Die ersten Dinge, die einem einfallen, sind wohl die ehrlichsten, und daran hält man sich. ‹Athens› ... Bradley: … unser viertes ‹Signal›, das bisher noch niemand gehört hat … Samuel: ... entstand, weil mein Keyboard auf dem Flug von London nach Griechenland vollkommen zerstört wurde. Diese Idioten passen kein bisschen auf Musikinstrumente auf. Ich musste in Athen also auf einem anderen Synthesizer spielen, dafür mussten wir den Song verändern, und zwar so sehr, dass daraus in einem Live-Jam das Stück ‹Athens› entstand. Wir haben das live aufgenommen und zurück in London ein wenig editiert. Wir müssen den Song unbedingt noch veröffentlichen. Wie lange habt ihr denn an eurem Debütalbum gearbeitet? Bradley: Etwa einen Monat lang im letzten Sommer. Zuerst gab es eine zweiwöchige Session, in der wir alle Songs aufgenommen haben, die wir schon hatten. Dann machten wir nach einer Woche Pause eine zweite, experimentelle Session. Die benutzten wir, um bereits vorhandene Ideen weiter zu entwickeln oder auch ganz neue Sachen zu schreiben. Ich persönlich habe diese zweite Phase bevorzugt. Sie fühlte sich freier an.

Samuel: Auf jeden Fall! Und das Studio war einfach unglaublich. Es befand sich in einem kreisrunden, hohen Raum in einem Bauernhof ein paar Stunden außerhalb von London. Der wurde zu einem Aufnahmeraum umfunktioniert, wir haben dort endlos viel Zeit verbracht und bei offenen Fenstern gespielt, egal, ob draußen die Sonne runter brannte oder die Nacht schon wieder zu Ende ging. Im Umkreis von zehn Meilen gab es keine Menschenseele. Es war unglaublich. In London ist man automatisch von all den

‹Manche Songs klingen wie der Ursprung und das Ende der Zeit zugleich. Wie die Apokalypse und der Beginn von etwas Neuem.› Dingen rund um sich beeinflusst. Das ist auf eine bestimmte Art nicht ehrlich. Als wir aber zwei Wochen aufs Land gefahren sind und experimentiert haben, kam die Inspiration wie von selbst. Bradley: Wenn ich mir die Platte jetzt anhöre, versetzt mich die Musik augenblicklich zurück an diesen Ort auf dem Land und ich erinnere mich an jede Einzelheit. Ihr sagt, ihr habt mitten im Sommer aufgenommen. Das Album ist aber von einer ziemlich düsteren, kalten Atmosphäre bestimmt. Samuel: Wir haben eigentlich nie beabsichtigt, dass unsere Musik finster klingen soll. Das ist nur die Energie, die wir generieren, wenn wir alle gemeinsam schreiben und spielen. Bradley: Da sind auch viele versteckte Melodien in den Songs. Ich denke, diese Atmosphäre hat mit den Instrumenten zu tun, die wir spielen und wie wir sie verwenden. Es war von Anfang an eine konstante Entwicklung. Als ich mir meinen ersten Synthesizer besorgt habe, konnte ich noch nicht richtig spielen. Man kann meine Entwicklung auf unseren Aufnahmen ziemlich gut nachverfolgen. Inzwischen haben wir einen Punkt erreicht, an dem wir viel genauer wissen, was wir tun. Allerdings weiß ich nicht wirklich, woher dieser Düster-Aufkleber immer wieder kommt. Samuel: Irgendwie kann ich das schon verstehen. Wenn du etwa an Songs wie ‹Cast Into Seasons› oder ‹Sentinal Bloom› denkst. Manche davon klingen wie der Ursprung und das Ende der Zeit zugleich. Wie die Apokalypse und der Beginn von etwas Neuem. Wir lieben diesen Gegensatz zwischen Schönheit und totaler Zerstörung. Eure Musik hat sich ziemlich stark gewandelt: vom fast ‹freejazzigen› Krach eurer frühen Konzerte zu ausgefeiltem Songwriting. Wie geht ihr an ein Stück heran? Samuel: Keiner von uns war vorher in anderen Bands. Wir spielen unsere Instrumente auf 79

der Bühne genau so, wie wir uns fühlen. Musiker, die Aggressionen, Ungestüm, Hunger vermitteln haben wir immer bewundert. Solche Bands hörten wir, und wir dachten: Zur Hölle, so werden wir auch spielen! Bradley: Vor ein paar Jahren war unsere LiveShow besser als unsere Aufnahmen. Wir fanden es schwierig, die Energie der Konzerte im Studio einzufangen. Also haben wir ein Weilchen innegehalten und überlegt, wie wir das schaffen könnten. Während dieser Art Pause hatten Sam und ich eine kleine Session und probierten neue Ideen aus. Damit sind wir dann ins Studio und haben sie mit der ganzen Band weiter entwickelt und daraus Songs geschrieben. So haben wir unsere eigene Nische gefunden, den Weg, der uns zu dem führte, was wir eigentlich wollten. Es hat dann noch ziemlich lange gedauert, bis wir genug Songs beisammen hatten, um überhaupt an ein Album zu denken. Aber als ich mit dem Musikmachen begonnen habe, hätte ich nie daran gedacht, irgendwann einen Plattenvertrag zu bekommen – schon gar nicht bei einem Label wie Mute, bei dem lauter Bands veröffentlichen, die ich liebe. Es ist eine surreale Erfahrung. Aber wir nehmen die Dinge, wie sie kommen. S.C.U.M: ‹Again Into Eyes› (Musikvertrieb) ist bereits erschienen. Weitere Info findet ihr unter myspace.com / scum1968.


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Dress: Dolce & Gabbana

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Top: Jil Sander Skirt: Etro Necklace: Laura Lombardi Gloves: Stylist’s own Blanket: via Grand Street Bakery

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Top & trousers: Gucci Fur: Gucci Top: Study NY Boots: Prada Necklace: All for the Mountain Belt: Poti Poti

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Jacket: Dolce & Gabbana Tank: Harvey Faircloth Top: H. Fredriksson Trousers: Chanel Tie: Christian Dior Belt: Malene Birger Necklace: Elizabeth Knight

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Top & trousers: Dolce & Gabbana Dress: Fendi Shoes: Balenciaga Hair necklace: Elizabeth Knight Necklace: Laura Lombardi Photographer Eva Tuerbl Stylist Julie Williams Hair & Make-up Emi Kaneko Model Isa @ NY Models


T AM Z T E J IOSK K

I AM A DREAMER

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Jungs in Heels Seine Kollektion ‹Guess technology isn’t ready for pancake teleportation› wurde mit fünf Preisen ausgezeichnet. Zahlreiche Blogs und Kritiker hypen den 22-Jährigen belgischen Jungdesigner Niels Peeraer, der seit Teenagertagen Heels und Kleider trägt – was sich auch auf seine Kollektionen überträgt: Niels unterscheidet nämlich nicht zwischen Frauen- und Männerbekleidung. Text und Interview: Viviane Lichtenberger Fotos: Dirk Alexander

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erade erst schloss Niels Peeraer in Antwerpen an der ‹Royal Academy of Fine Arts› mit einem Master ab. Mit seiner Abschlusskollektion ‹Guess technology isn't ready for pancake teleportation› war er der Abräumer: Insgesamt fünf Preise durfte er einheimsen. Rosafarbene Handtaschen und Overalls, Kopfbedeckungen mit Hasenohren, Wadenschoner mit goldenen Nieten – in seiner Kollektion allesamt von Männern getragen. Denn Niels vermeidet die Kategorisierung zwischen Frauen- und Männerbekleidung. Warum die Welt dazu noch nicht ganz bereit ist, erklärt er uns im Interview.

Interview kinki magazin: Was war die bisher grösste Verwandlung in deinem Leben? Niels Peeraer: Ich denke, das war in der Fashion Academy zwischen dem zweiten und dem dritten Jahr. Irgendwann dazwischen hat es kinki mode

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bei mir ‹Klick› gemacht und ich habe herausgefunden, was ich will, was ich als Designer erreichen möchte und wo meine Stärken und Schwächen liegen. Viele Rezensionen haben festgestellt, dass deine Kollektion ‹Guess technology isn't ready for pancake teleportation› die Trennung zwischen Männer- und Frauenkleidern bricht. Planst du das für weitere Kollektionen auch? Ja, ich werde keine Grenzen zwischen meine Kleider stellen, ich versuche einfach schöne Kollektionen zu kreieren, die von jedermann getragen werden können. Aber da ich Accessoires herausbringen werde, wird es auch so sein, dass man sich nicht über die unterschiedliche Körperstruktur zwischen den Geschlechtern Gedanken machen muss. Ist das deine Grundidee oder folgst du mit dem Verwischen der Geschlechtertrennung auch bloss einem Modetrend? (Lacht) Ich glaube, wenn man sich frühere Interviews von mir durchliest, kann man sehen,


dass ich mich wenig darum schere, was gerade ‹Trend› ist. Seit ich 16 bin, trage ich Heels. Wenn also Leute mich nach meiner Kollektion fragen, ist es immer die andere Person, die über dieses Geschlechterding anfängt zu reden, nicht ich. Das passiert nur, weil die Leute es immer noch nicht nachvollziehen und verstehen können. Für mich ist es etwas Selbstverständliches, es war nicht mal in meinem Inspirationsbuch festgelegt. Woher hast du dir die Inspiration für deine neueste Kollektion geholt? Der Anfang beruht auf einem Interview mit Terence Koh. Er sprach darüber, wie Liebe zu etwas Alltäglichem wird, wie Trinkwasser, und darüber, wie er sein eigenes Universum kreiert, um seine Freunde und sein Glück zu involvieren. Danach erschuf ich einen Charakter, der einen imaginären Freund hat und sich jeden Tag darauf vorbereitet, zu heiraten.

Ich liebe Japan so sehr, dass es ein konstanter Faktor in meiner Kollektion ist. Ich fühle mich immer, als hätte ich ein japanisches Herz. Für diese Kollektion habe ich vor allem die ‹unbegrenzte Niedlichkeit›, auf japanisch ‹Kawaisa›, genutzt. Etwas, das in der westlichen Gesellschaft ein grosses Tabuthema ist. (Anm. der Red.: Mit ‹Kawaisa› wird die ‹Niedlichkeit› in Japan bezeichnet, die in vielen Bereichen vorkommt: Charaktere wie Hello Kitty, Pokémon und auch die Tatsache, dass es in Japan normal ist, wenn man seinen Kunden Plüschtiere schenkt oder öffentliche Züge und Flugzeuge mit Pokémon-Figuren verziert. Auch in der Mode ist Kawaisa allgegenwärtig: Erwachsene Frauen, die durch ihre Kleidung an Schulmädchen erinnern. Was man in der westlichen Welt oft als unseriös oder kindisch ansieht, da ‹Kawaisa› auch bei staatlichen Veröffentlichungen vorkommt, ist fester Bestandteil der japanischen Kultur).

Folge deinen eigenen ästhetischen Vorstellungen, stehe für sie ein und kämpfe für sie. Was sind deine Pläne für die nächste Kollektion und für deine Zukunft als Modedesigner? Über meine nächste Kollektion werde ich selbstverständlich nichts verraten, aber ich werde mein eigenes Label mit Lederaccessoires starten. In was für eine Person würde sich jemand durch das Tragen deiner Kleider wohl am ehesten verwandeln? Mit meinen Kleidern möchte ich Leute erreichen, die eine eigene Identität haben. Ich brauche sie nicht durch das Tragen meiner Kleider zu verändern. Ich hoffe, dass ich Menschen finde, die selbstredend in meine Ästethik passen. Ich möchte nur ein bisschen Niedlichkeit in all die Ernsthaftigkeit um uns herum bringen. Weitere Info findest du unter notjustalabel.com/nielspeeraer.

Was war deine grösste Verwandlung in Bezug auf Mode? Die geschah auch in meinem dritten Ausbildungsjahr, während der Bachelorphase. Ich realisierte, was ich wollte, wofür ich einstehen wollte: Nicht eine Frauen- oder Herrenlinie herausbringen – auch keine Unisex-Kollektion, weil das nämlich auch ein ‹Label› ist. Ich wollte einfach eine schöne Kollektion kreieren, die von irgendeiner Person getragen werden kann, welche sich den Kleidern verbunden fühlt. Und um meiner eigenen Ästhetik zu folgen, wollte ich nicht mit Models arbeiten, die heutzutage von allen eingesetzt werden – grosse, maskuline, weisse Jungs.

‹Ich bin sehr glücklich, dass ich meinem eigenen Schönheitsideal folgen kann.› Ich wollte vielmehr eine Alternative dazu bieten: Ein junger, hübscher, schlanker, nicht zu grosser asiatischer Junge. Ich bin sehr glücklich, dass ich meinem eigenen Schönheitsideal folgen kann. Wo hast du deine Musen denn gefunden? Es sind Freunde von mir, um genauer zu sein, Freunde meiner Freunde. Leute, denen ich online zufällig begegnet bin. Warst du jemals selbst in Japan? Ja, ich war letzten Sommer in Japan. Wie hat sich dein Aufenthalt in Japan und deine Eindrücke auf deine Kollektion ausgewirkt?

Es gibt Leute, die ihren Style jede einzelne Saison verändern. Was hältst du davon? Für mich ist das etwas, das bei mir irgendwie nicht funktioniert. Ich empfinde es nicht als natürlich, jedes Mal eine komplett neue Kollektion zu kreieren: Ich ziehe es vor, wenn sich die Kleidung entwickelt. Ich bin jemand, der in seinem eigenen Leben Erfahrungen und Emotionen einfängt, also ist es logisch, dass die Kollektionen in irgendeiner Weise miteinander verlinkt sind, ich bin aber trotzdem immer noch die gleiche Person. Du warst ein Student von Walter van Beirendonck. Was ist das Wertvollste, das du von ihm gelernt hast? 87


Back to School

Auch wenn er sich dieses Jahr nicht sonderlich bemerkbar machte – der Sommer ist vorbei. Und mit ihm leider auch die Sommerferien. kinki zeigt euch, womit ihr euch wieder startklar für die Uni oder das Arbeitsleben macht.

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1 es werde licht Ready für die Nachtschicht? Die originalgetreuen Re-Editionen von Le Corbusiers Design-Leuchten findet ihr bei Edition Populaire in Zürich. Ab CHF 395.editionpopulaire.ch

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2 click-tack Die Swatch & Art Collection mit dem britischen Modefotografen Rankin überzeugt einmal mehr. Mit der wohlgestalteten Kollektionen befindet man sich sozusagen Auge in Auge mit der Fotografen-Legende. Ca. CHF 60.– eu-shop.swatch.com/ch

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3 hut ab 2

Warme Ohren inklusive gutes Gewissen gibt’s bei Caramba: Der Gewinn der Produkte kommt in vollem Umfang dem Hilfswerk USDA zugute. Weitere Info zu diesem Projekt findet ihr auf ihrer Website. Ab CHF 39.caramba-benefiz.ch

4 schönschreiben Formschöne schmale Etuis aus Wildleder gibt’s von Wood Wood. ca. CHF 45.woodwood.dk

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Der ‹Heritage Pack› von doodah verbindet schickes Retrodesign mit Funktionalität und bietet jede Menge Platz. Sogar fürs Skateboard! Erhältlich in Schwarz und Grau bei Doodah. CHF 89.doodah.ch

6 frühlocket Der Arbeitsalltag hat uns wieder, mit ihm auch der allmorgendliche Stress im Bad. Da kommt der ‹Sleek & Curl›-LCDHaarglätter von Remington mit seiner kurzen Aufwärmzeit, verschiedensten Stylingmöglichkeiten und einfacher Handhabung wie gerufen! CHF 89.remington-europe.com

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7 alte schule Das ‹College Letterman Jacket› von adidas Originals kommt in klassischem, authentischem Oldschool-Design daher. Damit macht ihr nicht nur innerhalb des Campus’ eine gute Figur! CHF 170.adidas.com/originals

8 wollig warm Jetzt nur keine kalten Füsse kriegen! Im Model ‹Queen› von HUB läuft es sich dank Lammwoll-Fütterung kuschlig warm. Und stylish! Erhältlich unter anderem bei Pomp it up und Sportslab. CHF 199,90 hubfootwear.com

9 köpfchen Bei Regen imprägnieren nicht vergessen: das schnittige Lederhütchen von Patrik Ervell passt perfekt an die Uni! Erhältlich im Webshop des Designers. Ca. CHF 150.patrikervell.com

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10 snow und park Neben hoher Wassersäule und Atmungsaktivität überzeugt das ‹Marge›-Jacket von Zimtstern vor allem durch sein schickes Design. Und eignet sich so für Stadtpark und Snowpark. CHF 449.zimtstern.ch

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11 taschenliebe Die Wiederaufnahme der Arbeit nach den Sommerferien rührt nicht unbedingt zu Freudentränen. Eine hübsche ‹Satchel Bag› des spanischen Labels Su-Shi tröstet jedoch bestens darüber hinweg. Ca. CHF 200.– sushibags.bigcartel.com

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12 pull it over Herbstlich warme Farben wie Senfgelb, Burgunderrot und Kupfer zieren neben klassischen Schwarz und Grau die neue Kollektion von Stine Goya. Unser Lieblingsstück: der Pullover mit den Flechten in Grau oder Weinrot. Ca. CHF 289.– stinegoya.com 10

13 trittfest Matschige Strassen sind keine Ausrede für hässliches Schuhwerk! Bester Beweis: der ‹Hampshire›-Boot von Tommy Hilfiger. Erhältlich bei brandstore.ch. CHF 379,90 brandstore.ch

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14 stadtrakete Am schnellsten voran kommt man im Feierabendverkehr nicht per Velo, sondern mit dem Skateboard. Vor allem, wenn es sich dabei um das Longboard-Model ‹Helvet Rocket› der LGS Swiss Skateboard Company handelt, welches sogar Geschwindigkeiten von über 100 km/h standhält. Brett: CHF 599.- (Komplettpreis auf Anfrage) lgs-sk8.ch 14

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Ganz in Weiss

An der Schleppe des weissen Brautkleids scheint viel Tradition zu hängen. Könnte man meinen. Bis weit ins 19. Jahrhundert wurde nämlich in allen Farben des Regenbogens, selten aber selten in Weiss geheiratet. Wieso sich Frauen heute trotzdem nach dem klassischen ‹Traum in Weiss› sehnen? Einem Mysterium auf der Spur. Text: Sandra Schweizer Csillany, Foto: Ellin Anderegg kinki mode

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or favor, wir leben doch im 21. Jahrhundert, sagte eine chilenische Freundin, als sie vor ein paar Jahren heiratete. Im Geschäft hatte man ihr ein langes Kleid mit einem ausladenden Reifenunterrock verkaufen wollen. Ja, wir leben zwar im iPhone-Zeitalter, aber am Tag der Hochzeit scheinen für viele Frauen trotzdem modische Gesetze anderer Epochen zu gelten. Seide, Tüll und Spitzen lassen Roben wahr werden, bei denen einem Hören und Sehen vergeht. Zarte Schleier wippen über Hochsteckfrisuren auf dem Weg zum Traualtar auf und ab. Perlendiademe werden in Kurzhaarfrisuren mit Strähnchen gesteckt, auf den Köpfen derer, die sonst als vernünftige, patente Frauen durchs Leben gehen. Hat die weisse Hochzeit vielleicht einen persönlichkeitsverändernden Charakter?

Eine Erfolgsgeschichte

Über die Hochzeit sprechen alle gerne. Die, die in Weiss geheiratet haben sowieso. Bei einem Besuch im Spital vergisst ein befreundetes Paar die eben stattgefundene Operation, um sich mit Freude an seine weissen Hochzeit zu erinnern. Susanna, eine Frau im besten Alter, ist zwar nie vor dem Pfarrer gestanden, wüsste aber haargenau, was sie zu ihrer Hochzeit trüge, nämlich ein crèmefarbenes Empirekleid. Karin und Natascha haben zwar ‹nur› vor dem Standesbeamten geheiratet, trotzdem geben sie zu gerne Auskunft darüber, wieso sie in Weiss geheiratet haben. Die Hochzeit ist eine Erfolgsgeschichte, und mit ihr das weisse Brautkleid. Obwohl sich dieses auf den ersten Blick konservativ gibt, wäre es falsch anzunehmen, dass es um sein Überleben fürchten müsste. Im Gegenteil: es befindet sich seit Jahrzehnten im Dauer-Hoch.

Wie modern darf ein Brautkleid sein?

Mit den Adelshochzeiten in England und Monaco hatte das weisse Hochzeitskleid diesen Sommer ganz grosse Auftritte. Seiten- und ganze Hefte lang wurden alle Details der Hochzeit und natürlich die Roben der Bräute unter die Lupe genommen. Kate Middletons Kleid – lang, weiss, reich an Spitze, aber sonst eher schlicht – wurde als ‹Mischung zwischen Klassik und Moderne› gelobt. Moderne? Da möchte man gerne wissen, was denn das moderne Element an diesem Kleid gewesen sein mag. Einer hat darauf eine Antwort parat. Urs Wehrle, Inhaber von fünf Fachgeschäften für Brautmode in der Deutschen und Französischen Schweiz und damit nach eigenen Angaben der grösste Anbieter von Brautmode auf dem Schweizer Markt, weiss Bescheid, wenn es um Hochzeit und Brautkleider geht. ‹Adlige Bräute tragen bei Hochzeiten oft verhältnismässig klassische Kleider. Dasjenige der Südafrikanischen Schwimmerin Charlene Wittstock war ein Traum, aber das Kleid von Kate Middleton war unspektakulär, das würde in der Schweiz nicht gekauft werden.› Dass die Brautmode generell keinen modischen Strömungen unterliege, verneint er vehement: ‹Das ist eine total falsche Annahme. In den 90er-

Jahren kamen Brautkleider kurz und geschnürt daher. Im Moment sind nur etwa fünf Prozent der verkauften Brautkleider kurz.› Der Hochzeitsmode ergehe es wie der Jeansmode: Alle Welt denke, da passiere nie etwas. Die Jeansmode sei seiner Meinung nach wohl das innovativste Modesegment überhaupt.

Finde die Braut

Doch zurück zum Traum in Weiss. Die gängige Meinung, das Weiss des Hochzeitskleides symbolisiere die Jungfräulichkeit der Braut, ist höchstens halb richtig. Ironischerweise wurde Weiss als Farbe des Hochzeitskleides erst so richtig erfolgreich, als es für die Frauen immer weniger notwendig wurde, jungfräulich in die Ehe zu gelangen. Auf Fotografien von Hochzeitsgesellschaften aus Nordwestfrankreich Ende des 19. Jahrhunderts muss man erst einmal genau hinschauen, bis man die Braut erkennt. Daran ist nicht nur die Vergilbtheit des Schwarzweissbildes schuld: Die Braut trägt, wie alle anderen Frauen der Gruppe, eine schwarze Tracht. Gerade um 1900 herum war die Braut in Schwarz in ländlichen Gegenden Europas keine Seltenheit. Denn ein Hochzeitskleid sollte nach Möglichkeit für andere Festlichkeiten weiterhin seine Dienste leisten. Da war schwarz dankbar. Und davor war vieles möglich. Kostümhistoriker sprechen von rotgekleideten Bräuten im Alten Rom, wiesengrünen in der Renaissance und gar von bonbonfarbenen in der Biedermeierzeit. Das weisse Brautkleid setzte sich erst im 19. Jahrhundert im Bürgertum durch. Zum Stereotyp wurde die weisse Braut also vor relativ kurzer Zeit.

Starke Farbe

Wieso die weisse Robe schliesslich alles andere aus dem Ring schlug – dazu gibt es verschiedene Meinungen: ein leichterer Zugang zu weissen Stoffen habe eine Rolle gespielt, oder Hollywoods Filme und deren Bräute hätten starke kollektive Bilder hinterlassen. Urs Wehrle hat da seine eigene kurze und bündige Theorie: ‹Weiss ist einfach die stärkste Farbe.› Da hat er recht: Eine weisse Braut sticht immer aus der Menge heraus. Zusammen mit Hut, Schleier oder Brautkranz ist sie in den meisten Gesellschaften auf dieser Welt heute eindeutig als Braut kodiert. Auch, oder gerade weil sie in einem Kleid auftritt, das von seinem Schnitt her der gegenwärtigen Alltagsmode eher etwas hinterher hinkt. ‹Das konventionelle Brautkleid von heute verbindet noch immer Elemente des Brautkleides aus dem 19. Jahrhundert: ein eng geschnittenes Oberteil und eine schmale Taille mit langem weitem Rock›, erklärt Ursula Karbacher, Kuratorin am Textilmuseum in St. Gallen.

Gut gepflegter Mythos

Vielleicht ist die Frage nach dem Zeitgemässen in der Brautmode einfach verkehrt gestellt. Urs Wehrle ist zweifellos ein guter Verkäufer, aber es ist ihm ernst, wenn er sagt: ‹Bei einer Hochzeit geht es doch heute immer noch um genau das Gleiche wie in allen Zeiten zuvor. Die Liebe ist ein Urgefühl. Man will sich nicht mehr loslassen und der Welt gegenüber Zeug91

nis von seinen Gefühlen abgeben.› Dieses Zeugnis abgeben wollen, durchdringt als riesige Sehnsucht alle Zeiten und viele Gesellschaften, und deswegen gab es in jeder Hochzivilisation eine Form der Ehe. Diese scheint immer ein grosser Akt und Tag für das Brautpaar gewesen zu sein, ob es sich da um eine arrangierte Hochzeit der Renaissance unter Adligen oder um eine nachrevolutionäre Liebesheirat des 19. Jahrhunderts handelte. Das hat sich nicht geändert – im Gegenteil. In unserer bis zum Gehtnichtmehr

‹Bei einer Hochzeit geht es heute um genau das Gleiche wie in allen Zeiten davor.› technologisierten Welt vielleicht noch weniger als jemals zuvor. Die Hochzeit ist heute ein gut gepflegter Mythos. Damit bietet sie den geeigneten Hintergrund für einen grossen Auftritt. Einmal im Leben alles Mittelmässige hinter sich lassen. Die Schönste sein. Sich selber erfinden. Im grossen Kleid die grosse Liebe kriegen. Bigger than Life! Die Hochzeit war schon immer ein Akt der Transformation, der Verwandlung. Der Hochzeitsschleier macht dies noch heute anschaulich. Und ohne ‹Hochzeitstoilette›, wie es früher hiess, wäre diese Metamorphose undenkbar. Deswegen steht die typische weisse Braut von heute in eng anliegender Korsage, in einem von Reifen gehaltenen weiten Rock, schulterfrei und mit Schleier vor dem Traualtar. Allen Leggins, Ballerinas und Hängerkleidchen zum Trotz. Ach ja, die chilenische Freundin, die ich eingangs erwähnte, heiratete übrigens tatsächlich nicht in Weiss. Dafür aber in einem langen, geblümten Kleid mit gerafftem Ausschnitt, in dem sie etwas von einer Saloonlady des Wilden Westens hatte. Metamorphosen können unterschiedlich sein. Bei ihrer eigenen Hochzeit hat die Autorin Sandra Schweizer Csillany nur ein nüchternes Zivilstandsamt von innen gesehen. Im nächsten Leben möchte sie aber unbedingt eine todschicke weisse Braut sein.


Vorher

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Kiki Dieterle Goldschmiedin

Svenja Steinfelder Biologin

Viola Schmieskors Grafikdesignerin

Katja Waldschmidt Studentin

Nachher

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Helena Dietrich Grafikdesignerin

Louise Belfrage International Adviser

Nora Erdle Stylistin / Einkäuferin

Johanna Schneider Modedesignerin

Realisierung Helena Dietrich, Nora Erdle Fotografie Lars Borges Make-up Manuela Kopp

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kopfkino vom umschlag bis zum abspann

sich der auf Textilien Wenn man dasModekosmos iPhone in der lediglich Autotür zermalmt, amund TV AmeiCatwalks ausbreiten könnte, wäre er nurdann ein kleiner senrennen läuft und der Laptop streikt, ist es an der Zeit, Stern. Erst auf Film, undKamin Bücherder Technik dieFotopapier, kalte Schulter zuMagazinzeigen, den einzuheiseiten gebannt, entfaltet sich das Modeuniversum zen und sich unserer Buchauswahl zu widmen. Undinwer weiss, seiner vollen Grösse. vielleicht springt auch der DVD-Player bei unseren Filmtipps an.

Buch Visionen

inspirieren ihn: ‹Anthropologie, ren einsetzt. Als der Reisendegeseinetische Anthropologie, Migration, ne Meinung kundtut, kommt es Geschichte, Vorzum blutigengesellschaftliche Showdown. urteile, Politik, Science und Erschienen beim Verlag KlausFiction Wangensein eigener bach, CHF 16.50kulturelle Hintergrund›. Seit kurzem umfasst sein kreatives Schaffen auch ein Parfüm, ‹Airborne›, das er in Kollaboration mit Comme des Garçons realisiert hat. Die Erscheinung des Duftes feierte er kürzlich in London zusammen mit der Publikation seines selbstbetitelten Buches, herausgegeben von Robert Violette mit Texten von Judith Clark, Susannah Frankel, Emily King, Rebecca Lowthorpe und Sarah Mower. Es zeigt sein gesamtes modisches und kreatives Werk, das bahnbrechende Entwürfe sowie tragbare, wunderschöne Toyin Ibidapo – Cult of Boys Designs,zurzeit aber auch Installationen, Obwohl wieder vermehrt Videos und Fotografien umfasst. In Gesichtsbehaarung in der EditorialParis gibt esspriesst ausserdem nochmasbis Landschaft und eher zum 21. November 2011 eine Auskuline Models gefragt sind, sind es stellung Hussein Chalayan doch die über schönen Jünglinge – mit mit Titel ‹Fashion Narratives› in Les androgynen Zügen, langen Haaren Artshohen Décoratifs zu besichtigen. und Wangenknochen – die Erscheint am 6.9 bei Rizzoli, ca. CHF 70.– das modische Parkett besetzen. Eben solchen Schönlingen und ihrer Jugendlichkeit widmet sich die Modefotografin Toyin Ibidapo, die schon für Dazed & Confused und Alexander McQueen arbeitete, in ‹Cult of Boys›. Als eine Art Back-upPlan, falls sie es als Modefotografin nicht schaffen würde, und als ihr persönliches Projekt porträtierte sie androgyne Boys aus ihrem Umfeld bei sich zu Hause, über zehn Jahre lang. Die Flüchtigkeit der Jugend und die körperliche Verwandlung faszinierten sie. Im echten Leben The viele Fashion Of Jean sind ihrerUniverse Models heute keine Paul Gaultier: From The Street träumenden Jungs mehr, sondern To The Stars Männer. Dies bestärkte ihr Projekt 150Grunde Kollektionen langes vermied Jean im erst recht, ist Ibidapo Paul Gaultier gelungen, die Retrospektiven Zerbrechlichkeitund der Museen,den als Zustand wäre daszwischen nur was für Jugend, Verstorbene.und Vielleicht passte dieSelbstsuche Draufgängertum ser konventionelle einfach und die körperlicheRahmen und geistige nicht zu einem ‹Enfant Terrible›, Metamorphose der Jungen poetisch als das er seitEinziger seiner Mangel: ersten Koleinzufangen. der

sie seiner Frau, wie mit die Witwe June xelt›, indem sie ihn Newton im Vorwortbeklebt erzählt.oder Oft weiKartonschachteln chichen diese Testbilder an übrigens rurgische Korrekturen klassikaum von den Originalbildern schen Kunstwerken vornimmt, ab, Ilund dennoch haben sie ihre ganz lenbergers Illustrationen stehlen eigene Ästhetik, welcher manchem Text die Show. in ‹Polaroids› endlich gezollt wird. Im Erschienen beiTribut Gestalten, ca. CHF 25.– Buch findet sich eine von June zusammengestellte Selektion von Polaroids von Helmut Newtons grössten Shootings. Die Bilder reichen von 1972 bis 2003 und bilden einen Querschnitt durch drei Jahrzehnte fantastischer Arbeit, deren Leitfaden von Anfang bis Ende endlos lange Frauenbeine, nackte Haut und Mode waren.

Kreationen

Innovationen

Helmut Newton: Polaroids Sarah Illenberger Pose, Klick, Ratter, der charakterisArtikel brauchen Bilder oder Illusttische Duft verfaulten Eiern löst rationen zurvon Veranschaulichung leichte Irritation aus, wird und Unterstützung vondann Geschriedas BildSie mitvisualisieren Übereifer gewedelt, bis benem. und erkläsichTexte – oh Wunder – einimleicht unren und sorgen Idealfall scharfes Abbild abzeichnet. Wer dafür, dass ein gelesener Inhalt kann sich nichtinan seine erste Poladurch ein Bild Erinnerung bleibt. roidaufnahme erinnern? UnsereiSo ergeht es einem zumindest bei ner kennt die Bilder von zahlreichen den 3D-Illustrationen von Sarah IlPartys undDie Geburtstagen, lenberger. Münchnerin,wo diesie am den einen Moment einfangen und renommierten Central Saint Marihn im nächsten schonGrafikdesign abgebildet tins College in London ausspuckten. Im Modebusiness studiert hat, wandte nach ihrem wird die ‹Instant Photography› Studium dem Computer den Rü-bis heutezu genutzt. Oft werden beidie Fitcken und besann sich auf tingsalte Polaroidfotos von Models und gute Handarbeit. Aus Papier, Outfits geschossen, als Bastelugeistige Karton, allen möglichen Stütze und für den direkten Vertensilien, Alltagsgegenständen, gleich mitund anderen Models. bastelt VollPflanzen Lebensmitteln ständig von derIllenberger Digitalfotografie und inszeniert Illustratiüberholt ist indessen Verwenonen für Magazine wiedie Neon, die dung der Polaroid-Kamera, wie Süddeutsche Zeitung oder die New Helmut Newton undgestaltet andere beYork Times oder sie Kamkannte Fotografen sie nutzten. pagnen für Werbekunden. IhreNew3Dton testete jeden Shots zuArbeiten sind von seiner Witz, überraerst auf Polaroid, bevor er auf richtischenden sowie trefflichen gem Film fotografierte. Jede SzeneAssoziationen und einem unerrie, die Komposition und das Licht schöpflichen Einfallsreichtum gewollte Sie er erst im Bild sehen und prägt. beleben Geschichten überprüfen, bevor er richtigmit loslegoder stellen Informationen einer te. Die Testbildergenuinen erfüllten Einfachsomit ihunschlagbaren, ren Zweck Glücklicherheit dar, auf‹instantly›. die man selber niemals weise warf er sieOb danach nicht weg, kommen würde. sie Tiersilhousondern Abzüge des Taetten ausnahm ‹Colddie Cuts› (Wurstaufgeswerks nach einen HauseSmart und zeigte schnitt) macht, ‹verpikinki kopfkino

Erschienen bei Taschen, ca. CHF 50.–

Innovationen

Franz Kafka – In der Strafkolonie Ähnlich absurd und tragisch-amüsant wie meine Annäherungsversuche an die holden Jungfrauen zu Schulzeiten, waren die Geschichten von Kafka, die ich etwa zur gleichen Zeit zu lesen begann. Am eindrücklichsten in meine Erinnerung eingebrannt hat sich seine Erzählung ‹In der Strafkolonie›. Die Hussein Chalayan Handlung ist schnell erklärt. Ein Schon malbesucht von einem Kleid gehört, Reisender eine Strafkolodasauf sicheiner zusammenfalten undihm per nie Insel. Dort wird Post örtlichen verschicken lässt? Von einem vom Offizier und Richter viktorianisch inspirierten ausführlich und voller StolzDress, eine das sich binnen mittels Maschine erklärtSekunden und vorgeführt, neuester Technologie in ein futurisdie zur brutalen Folterung und Exetisch-modernes Designdient. verwandelt kution von Verurteilten Die oder von einem der Apparatur wurdeKaffeetisch, vom inzwischen eigentlich als hölzerner Rock geverstorbenen alten Kommandantragen werden Während kann? Dies ten entwickelt. dersind Offi-nur einige der bekanntesten, zier dessen Begeisterungvisionären teilt, Designspielereien Chalascheint der aktuelleHussein Kommandant yans, einem originellsten und wenig davon der zu halten. Der Offizier experimentierfreudigsten Modefürchtet, dass die Exekutionen bald designer unserer Zeit. Chalayan ist der Vergangenheit angehören bekannt für seine innovativen Entkönnten. Aus diesem Grund buhlt würfe undGunst die Integration ungeer um die des Besuchers wöhnlicher Materialien und Techund hofft darauf, dass dieser sich nologien. Inhaltlichund interessieren und für die Maschine das Verfah-

Kreationen

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lektion 1976 gilt. Nur auf eine Betrachter wird regelrecht von AusBilstellung Jahrüberschwemmt 2004 in der Fondern undim Jungs – dation Cartier liess gewesen. er sich ein, sie weniger wäre mehr hiess ‹Pain und Erschienen beiCouture› TeNeues, ca. CHFbrach 75.– selbstredend die Konventionen – mit aus Brot designten Kleidern. Mittlerweile ist Gaultier für seine tragbare, innovative Mode und belebte Klassiker ebenso bekannt, wie früher für seine avantgardistischen und provokativen Designs. 1997 gründete er sein eigenes Label, von 2004–2010 war er Creative Director von Hermès und blickt heute auf insgesamt 35 Jahre ausserordentlichen, modischen Schaffens zurück. Dieses würdigt nun endlich das Montreal Museum of Fine Arts mit der Ausstellung ‹The Fashion Jeanof Paul Faye DowlingWorld – TheOf Book Gaultier: From The Sidewalk To Skulls Theauf Catwalk› undArmspange zeigt natürlich Ob der tollen von keine gewöhnliche ModeretrosAlexander McQueen, den Plattenpektive,von sondern covern Rock eine über zeitgenössiWitchhouse sche Installation sprechenden bis Hip-Hop, aufmit den AnarchoMannequins. Zu sehen sind seine Fahnen beim Protestmarsch geEinflüsse und wichtigsten gen Atomenergie, als DiaKollabode los rationen, 140 Kleider-Ensembles Muertos-Wandschmuck in der Bar und viele Skizzen, Bühnenkostüme, oder Einrichtungsgegenstand Filmausschnitte und Fotografien, meiner Hippie-Bobo-Lieblingsdie teilweise Teil zum– ersten bloggerin auszum Kalifornien überall Mal gezeigt Die Monobegegne ichwerden. Totenköpfen. Das hat graphie zur jedoch Ausstellung heutzutage nichtsheisst Okkul‹Theoder Fashion Universe Of Jean Paul tes Religiöses mehr, TotenGaultier: From Street To The köpfe sind TeilThe unserer visuellen Stars› geworden. und beinhaltet noch mal so Kultur Auch die Bedeuviel Extramaterial wieRebellion die Aussteltung als Symbol für und lung selbst: Interviews mit KünstAnarchie, welche dem Totenschälernüber wie Dita von Teese, den Madonna, del die Rockmusik EinPedro Almodóvar, Pierre Cardin zug in unsere urbane Kultur eröffoder Martin Margiela, sowie ein Esnete, ist heute abgeschwächt. In say der einflussreichsten Mode‹The Book of Skulls› wird die vielkritikerin Suzy Menkes seitige Verwendung desergänzen Symbols seineBedeutung) Biographieoder und seine Kollek(mit des visueltionen um spannende len Stilelements in derAnsichten zeitgenösaus der Modewelt. Die Ausstellung sischen Kultur vorgeführt. Darundauert noch biszahlreiche zum 2. Oktober ter finden sich und zieht danach nach Dallas, San Kunstwerke aus den Bereichen Francisco, Rotterdam und Madrid. Musik, Street Art, Grafikdesign, Erschienen Abrams, ca.natürlich CHF 100.– Mode undbeiKunst und stolpert man allenthalben über Kunstwerke von bekannten Grö-

Assoziationen


ssen wie Shepard Fairey, Mike Gi-

ant, Nicola Bolla, Noah Scalin, Assoziationen Alastair Mackie, Alexander Mc-

Queen und Vivienne Westwood.

Kino

die politische Situation zu und Bernward und Gudrun stellen sich gegen die grosse Regierungskoali-

Streit

Erschienen bei Laurence King Publishing, ca. CHF 15.–

Mit Technik, störrischen Computern und Kronleuchtern, die man verkabeln sollte, sind unsere Rezensenten Florence Ritter und Thomas Hofmann restlos überfordert, aber sie sind ja ihres Zeichens Leseratten. Hadly Freeman: The Meaning of Sunglasses Am Flohmarkt entdeckte ich kürzlich einen Stand, an dem mehrere dieser populären ‹Style Bibs› triste oder Alex de la Iglesia: Balada ‹Fashion Guides› über High Heels de trompeta und aussortiert worAlexHandtaschen de la Iglesia machte sich die den waren. Darunter fanden altbekannte Doppelrolle des sich Clowns keine derund ganz fiesen Titel, dieein auszunutze zauberte daraus sehen, als wären sie für Daniela überlegtes Splatter-Drama. Javier Katzenberger verfasst worden, also (Carlos Areces), Sohn einer Clownsuchte Ansprechendste familie ich mit das düsterer Vorgeschichte, aus, da ich mich dazu verpflichtet beginnt in einem Zirkus als lebenfühlte, mich einmal in nicht dige Kanonenkugel zudieses arbeiten. ganz definierte literarische Genre Hinter dem Vorhang des Entertainzu wagen. In ‹The Meaning of Sunmentpalastes regiert Brutalität und glasses – And a Guide to Almost All alles gerät zunehmend ausser KonThings Fashionable› wird schon trolle, als er mit der Geliebten seines nach wenigen Seiten klar, dassandiegewalttätigen Gegenspielers ses modische A-Zjagt keine bandelt und nun ein oberflächClown den lichen Plattitüden serviert, sondern anderen. Man könnte ‹Balada triswitzige, analytische Kommentare te de trompeta› als bizarre Splatzum Konsumverhalten auchbeterversion von ‹Moulinoder Rouge› spannendes Wissen über die Straschreiben. Wer Spass an gruselitegien und Kampagnen grosser ger Unterhaltung à la ‹The Joker› Modelabels Dass die Auhat oder Reizpreisgibt. an den Abgründen des torin Hadley Freeman ModekolumZirkusalltags findet, gepaart mit nistin beim Guardian istder undwird auch blutrünstigen Szenen, diefür britische schreibt, sendie Film mögen.Vogue Quentin Tarantino verwundert da wenig. Die englische fand ihn übrigens grossartig. Sprache transportiert den geistreiAb 11.8 im Kino chen und kritischen Humor der Autorin sehr schön. Gerade die Sprache oder vielleicht auch der Fakt, dass aufPictet, 230 Seiten diskuOlivier MarcMode Recuenco, tiert wird,Veiel: machen Buch jedoch Andres Werdas wenn nicht wir auch seitenweise etwas anstrenUm von den Veränderungen um gend. Doch etwas zur Unterhaltung, zum uns herum zu lernen, lohnt Lachen und Sich-ertappt-fühlen es sich manchmal, die Ohren auf taugt das Buchder bestens, gewissezu die ‹Schienen Geschichte› witzige Assoziationen oder aufgelegen: Nach dem ‹Baader-Meinhofdeckte Strukturen der der ModeindustKomplex› kommt nun nächste rie werdenauf mirdie jedenfalls bleiben, RAF-Film Leinwand. In ‹Wer die modische Anleitung wenn nicht wir› geht es war um allerdie Bedings eher zweitrangig. ziehung zwischen Bernward VesErschienen bei Viking, CHF 20.– Ensper (August Diehl)ca. und Gudrun slin (Lena Lauzemis), die später mit Andreas Baader zusammen kommt Frau so Mitglied viele Schuund kauft aktives he (und Handtaschen), der RAF Bernward weil man wird. sich damit nie und fühlt. Gudrun dick Mitstudieren diesem in Tübingen, lernen ReWissen kann unsere sich dortRitter kennen und zensentin Florence getrost die Füsse (in neuen Isabel Marant verstehen sich schon schnell ausBoots) hochlegen und Schokolade gesprochen gut. Nach ihrem Umnaschen. zug nach West-Berlin spitzt sich

Kino Streit

Alex de laCDU. Iglesia: Balada tion SPD / Gudrun wirdtriste polide trompeta tisch aktiv, das Beziehungs-glück Alex de la Iglesia machte sich die zerbröckelt – Bühne frei für Baader. altbekannte des Clowns Andres VeielDoppelrolle betritt mit ‹Wer wenn zunutze und zauberteTerrain, daraus ein nicht wir› bekanntes da er überlegtes Splatter-Drama. Javier bereits 2001 eine Dokumentation (Carlos SohnBRD› einerfilmte. ClownnamensAreces), ‹Black Box familie mitHaupterzählstrang düsterer Vorgeschichte, Mit dem der beginnt in einem Zirkus als lebenscheiternden Liebesgeschichte dige Kanonenkugel arbeiten. bringt er durch das zu HerunterbreHinter dem Vorhang des Entertainchen auf die zwischenmenschliche mentpalastes regiert Brutalität und Ebene dem Zuschauer einen Teil alles gerät zunehmend ausser Konder deutschen Geschichte näher, trolle, als ervielen mit derwegen Geliebten der sonst des seines komgewalttätigen Gegenspielers plex-ideologischen Pathos’ zuanverbandelt und nun jagt ein Clown den worren erscheint. anderen. Man könnte ‹Balada trisSeit dem 14.7 im Kino. te de trompeta› als bizarre Splatterversion von ‹Moulin Rouge› beschreiben. Wer Spass an gruseliger Unterhaltung à la ‹The Joker› hat oder Reiz an den Abgründen des Zirkusalltags findet, gepaart mit Chris Malloy: 180� South blutrünstigen Szenen, dieEs sind meistens nichtder diewird offizielsen Film mögen. Quentin Tarantino len Ziele der menschlichen Gesellfand ihndie übrigens schaft, uns zugrossartig. dem formen, was Ab im Kino wir11.8 sind. Der innere Wandel zu menschlicher Grösse findet fern von Normen statt, was in der Dokumentation 180° von Chris Malloy wun-

und verstehen sich schnell tivierender Film, derschon einen zudem ausgesprochen gut. Nach darüber nachdenken lässt,ihrem warum Umzug nach West-Berlin spitzt wir unser Leben so komplex gestalsich politische Situation und ten, die wenn die wahre Kunst inzuder Bernward Gudrun stellen Einfachkeitund liegt. Das mag zwarsich hipgegen grosse Regierungskoalipieeskdie klingen, aber wer sein Letion / CDU. Gudrun wird benSPD einmal überdenken undpolieinen tisch aktiv,Wandel das Beziehungs-glück eigenen vornehmen möchzerbröckelt – Bühne Baader. te, dem diene dieserfrei Filmfürmit seiAndres Veiel betritt mit ‹Wer wenn nen mächtigen Naturaufnahmen, nicht wir› bekanntes da er klugen Sprüchen undTerrain, dem tollen bereits 2001als eine Dokumentation Soundtrack Denkanstoss. namens Box BRD› filmte. Ab 8.9 auf ‹Black DVD Mit dem Haupterzählstrang der scheiternden Liebesgeschichte bringt er durch das HerunterbreJulie Bertucelli: The Tree chen auf die Es klingt wiezwischenmenschliche ein tragisches MärEbene dem Zuschauer einen Teil chen: Nach dem überraschenden der näher, Toddeutschen des VatersGeschichte von vier Kindern der sonst wegen des austrakomtrauert dievielen Familie aus dem plex-ideologischen Pathos’ zu verlischen Hinterland. Als die zweitworren jüngsteerscheint. Tochter herausfindet, dass Seit 14.7ihres im Kino. die dem Seele verstorbenen Vaters durch den grossen Baum im Garten zu ihr spricht, teilt sie das Geheimnis mit ihrer Mutter, die nun ebenfalls Trost beim Baum findet. Nach einer Weile braucht sie

DVD

Eroberung

Eroberung

Protest

Olivier Pictet, Marc derschön gezeigt wird.Recuenco, Der UntertiAndres Veiel: Wer nicht wir tel ‹Conquerors of wenn the Useless. Um vonwhat den we Veränderungen um That’s were› dient dabei uns herum etwas zu lernen, lohnt bereits als Einleitung. 1968 reiste es manchmal, die Ohren auf dersich Umweltforscher Yvon Chouinard die der Geschichte› zu mit‹Schienen seinem Freund Doug Tompkins legen: Nach dem ‹Baader-Meinhofvon Kalifornien nach Patagonien. Komplex› kommt nun der nächste Übriggebliebenes Filmmaterial dieRAF-Film auf die Leinwand. In ‹Wer ser abenteuerlichen Reise bewegte wenn wir› geht es um dieauf Be2007 nicht Jeff Johnson dazu, sich ziehung zwischen die selbe Reise zuBernward machen.VesUm im per (August Diehl) und Gudrundass EnsEndeffekt natürlich zu lernen, slin Lauzemis), die später mit der(Lena Weg das eigentliche Ziel ist. Andreas Baader zusammen kommt Diese Reise führt durch Naturgeund aktives Mitglied der RAF walten, durch Berge und über wird. MeeBernward und Ängste Gudrunheraus, studieren re und fordert diein Tübingen, lernen gilt. sichEs dort es zu bewältigen ist kennen ein mo-

Ab 8.9 auf DVD

Trost

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eigenen Wandel vornehmen möchein Strandmädchen, dem Sand te, dem diene dieser Film mit seiund Wellen reichen, um von Glück zu sprechen. nen mächtigen Naturaufnahmen, klugen Sprüchen und dem tollen Soundtrack als Denkanstoss.

Chris Malloy: South allerdings mehr180 als�nur Trost, sprich Es sind meistens nichtZuneigung. die offizielGeld und körperliche len menschlichen GesellUndZiele dafürder rächt sich der lange Arm schaft, diein uns zu dem formen, was der Natur Form eines Astes im wir sind. Der innere zu menSchlafzimmer. Der Wandel neue Liebhaber schlicher Grösse findet fern vonGarwill den Baumgatten aus dem Normen statt, was der Dokumenten verbannen, dieinTochter kämpft tation 180°um vonHerrn ChrisPapa Malloy bestimmt undwunlehnt derschön gezeigt wird. Der Untertisich gegen die Erwachsenen auf. tel ‹Conquerors the Useless. Gespielt wird dieofRolle der Mutter That’s whatder wefaszinierenden were› dient dabei Dawn von Charbereits als Einleitung. 1968 reiste lotte Gainsbourg, die diesen fragder Umweltforscher würdigen Inhalt mitYvon ihrer Chouinard herausramit seinem Freund Doug Tompkins genden Schauspielkunst meistert. von Patagonien. JulieKalifornien Bertucellinach schaffte mit ‹The Übriggebliebenes Filmmaterial dieTree› einen bewegenden Film über ser abenteuerlichen Reise bewegte Verlust und deren Akzeptanz. Mit 2007 Johnsonuntermalt, dazu, sichist auf‹The tollemJeff Lichtspiel die selbe Reise zu machen. Umgeim Tree› ein melancholischer Film Endeffekt natürlich zu Leben lernen,nach, dass worden, der von dem der eigentliche Zielhandelt. ist. aberWeg vor das allem vor dem Tod Diese durch NaturgeBereits Reise auf DVDführt erschienen. walten, durch Berge und über Meere und fordert Ängste heraus, die Unsere Rezensentin Franziska es zu bewältigen gilt. Es ist ein movon Stieglitz brauchte diesen tivierender Film, der einen zudem Sommernachdenken wieder etwas Abwechsdarüber lässt, warum lung und Leben verlegte wir unser so deshalb komplexihren gestalStandort portugiesische ten, wenn an diedie wahre Kunst in der Atlantikküste, von wo aus sie weiEinfachkeit liegt. Das mag zwar hipter für uns Filme anschaut. Hier pieesk klingen, aber wer sein Leverwandelt sie sich allmorgendben überdenken und einen lich einmal nach langen DVD-Abenden in

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Julie Bertucelli: The Tree Es klingt wie ein tragisches Märchen: Nach dem überraschenden Tod des Vaters von vier Kindern trauert die Familie aus dem australischen Hinterland. Als die zweitjüngste Tochter herausfindet, dass die Seele ihres verstorbenen Vaters durch den grossen Baum im Garten zu ihr spricht, teilt sie das Geheimnis mit ihrer Mutter, die nun ebenfalls Trost beim Baum findet. Nach einer Weile braucht sie allerdings mehr als nur Trost, sprich Geld und körperliche Zuneigung. Und dafür rächt sich der lange Arm der Natur in Form eines Astes im Schlafzimmer. Der neue Liebhaber will den Baumgatten aus dem Garten verbannen, die Tochter kämpft bestimmt um Herrn Papa und lehnt sich gegen die Erwachsenen auf. Gespielt wird die Rolle der Mutter Dawn von der faszinierenden Charlotte Gainsbourg, die diesen fragwürdigen Inhalt mit ihrer herausragenden Schauspielkunst meistert. Julie Bertucelli schaffte mit ‹The Tree› einen bewegenden Film über Verlust und deren Akzeptanz. Mit tollem Lichtspiel untermalt, ist ‹The Tree› ein melancholischer Film geworden, der von dem Leben nach, aber vor allem vor dem Tod handelt. Bereits auf DVD erschienen.

Unsere Rezensentin Franziska von Stieglitz brauchte diesen Sommer wieder etwas Abwechslung und verlegte deshalb ihren Standort an die portugiesische Atlantikküste, von wo aus sie weiter für uns Filme anschaut. Hier verwandelt sie sich allmorgendlich nach langen DVDAbenden in ein Strandmädchen, dem Sand und Wellen reichen, um von Glück zu sprechen.


maske art must be beautiful

Jeden Monat setzen an dieser Stelle Schweizer Künstler drei Beauty-Produkte in Szene. Die Modefotografin Amanda Camenisch zeigt uns – passend zum Heftthema Verwandlung – ‹die zwei Gesichter› des Models Chantal. Yves Saint Laurent: Clarins: ‹Gelée Fructis: ‹Volume ‹Pure Chromatics› Eclat du Jour› restructure styling Egal, ob für den gesunden Natural Look oder Lidschatten mousse› als Basis für glamouröses Make-up: Das Die ‹Pure Chromatics›-Paletten erscheinen diesen Herbst in sechs verschiedenen Farbkombinationen und können sowohl trocken als auch feucht aufgetragen werden. Durch die Kombination der einzelnen Farben lassen sich ausserdem ungeahnte Kontraste und Farbtöne erzeugen. CHF 80.−

Crème-Gel aus Clarins ‹Eclat du Jour›-Linie gleicht Hautunregelmässigkeiten aus und spendet der Haut Frische und Energie. CHF 18.−

Die ‹Fructis Style›-Linie setzt ganz auf Mutter Naturs buntes Gärtchen: Bambus-Extrakte und Mikro-Fruchtwachse sorgen für extra starken Halt der Frisur und Fruchtextrakte und Vitamine für die richtige Pflege. CHF 7,50.−

Amanda Camenisch Die 24-jährige Schaffhauserin Amanda Camenisch lebt und arbeitet in Zürich und London als Modefotografin. In den sauren Apfel beissen musste sie nach eigenen Angaben glücklicherweise noch nie, um sich als Modefotografin durchzusetzen. Die restlichen Bilder der Strecke, welche Amanda zusammen mit Make-up Artistin Nicola Fischer, Stylistin Michèle Muhl und Model Chantal im Rahmen dieses kinki Shootings produzierte, findet ihr diesen Monat auf kinkimag.ch/magazines! Realisation und Text: Nicola Fischer, Foto: Amanda Camenisch (amandacamenisch.ch), Styling: Michèle Muhl @ Style Council, Make-up: Nicola Fischer @ Style Council, Model: Chantal Blaser@ Option

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sat : 24. 09. 201 1 Urban Knights DVJ DJ a. sKillZ (UK)

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22PM

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Promotion denise.buelow@kinkimag.ch franziska.bischof@kinkimag.ch Freie Mitarbeit Sandra Schweizer Csillany, Nicola Fischer, Natalie Gyöngyösi, Sara Hellmers, Mahret Kupka, Arno Raffeiner

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Die nächste Ausgabe gibt’s ab dem 17. Oktober!

foto des monats Mit wehendem Taschentuch und Krokodilstränchen im Augenwinkel verabschiedeten wir in der Sommerpause unseren treuen Lektor Peter Rösch, der sich fortan anderen Aufgaben widmen wird. Mehr als drei Jahre fungierte er als Hüter des guten Stils und setzte sich mit eiserner Hand für die Rechte der Grammatik ein. Wir wünschen Peter alles Gute und heissen auf diesem Wege seinen Nachfolger Florian Biedermann herzlich willkommen im Team. Lang lebe der Duden!

Ausschneiden und ab damit an: kinki magazin Mööslistrasse 3 8038 Zürich

Foto: Ellin

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schauplatz die besten adressen für kunst

Konstantinopel. Die Hauptresidenz von Konstantin dem Grossen ist Ausgangspunkt für eine der jüngsten zeitgenössischen Galerien des heutigen Istanbuls. Im Februar 2011 eröffnete The Empire Project, auf der Suche nach den Überbleibseln des römischen Kaiserreichs in der internationalen Kunstszene von heute. Text: Franziska von Stieglitz

I

n der Siraselviler, einer bekannten Strasse im Herzen der Kunst- und Kulturszene Istanbuls, nahe des Taksim-Platzes, wurde im Februar The Empire Project eröffnet. Die Galerie soll einerseits eine Plattform für Projekte der CSDD sein, einer türkischen Gesellschaft für die Unterstützung zeitgenössischer Kunst, aber auch die Förderung anderer Projekte, sowie ein eigenes Kunstmagazin, ein Fotografiefestival, diverse Preise, Stipendien, Workshops, Diskussionsforen sind in Planung. ‹Noch ist nichts in Stein gemeisselt›, so Süleyman Okan, Manager der Galerie, ‹aber voraussichtlich wird das Empire Project sich auf Fotografie- und Medienkunst spezialisieren›. Man merkt, dass diese Galerie noch ganz jung ist. Es gibt viele Visionen und Pläne, aber vor allem besteht eine glaubwürdige Konzept-Basis und überzeugende Anfangsausstellungen, die diese Gakinki mode

auch, wenn sie wieder verschwindet. Die Eröffnungsausstellung der Galerie zeigte Werke von Jasper de Beijer, und in der zweiten Ausstellung ‹Human›, einer Gruppenausstellung, die bis zum 27. August lief, wurden Themen wie sexuelle Identität, Trauma und Tod in den Vordergrund gestellt. Diese Ausstellung diente als Vorreiter für das kommende Ausstellungsjahr der Galerie, das im Herbst 2011 beginnt, in der jeder Künstler dieser Gruppenausstellung eine eigene Soloausstellung bekommen wird. Kerimcan Güleryüz, der Gründer der Galerie, erklärt: ‹Das Empire Project stellt zeitgenössische Kunst aus den Regionen aus, die aus historischen Gründen kulturell beeinflusst wurden von dem Ort imperialer Macht, der sich heute Istanbul nennt. Geografisch betrachtet ist das allerdings ein ziemlich weites Feld: vom Mittelmeer, der Arabischen Halbinsel, der grösste Teil Osteuropas, Anatolien, die

lerie für die Zukunft, und nicht nur für den türkischen Kunstmarkt, interessant machen.

Ein Kaiserreich für eine Galerie Neben dem bedeutungsschweren Standort der Galerie gibt auch der Name bereits den Ton an: ‹Man kann den Namen der Galerie wortwörtlich nehmen, da die Galerie den Fokus auf die Kunst setzt, die aus Istanbul kommt, oder von dieser Stadt beeinflusst wurde›, erklärt Okan. Das Kaiserreich ziehe mehrere Bedeutungsebenen mit sich. Einerseits hinterlasse es Konnotationen, die es der Galerie ermöglichen würden, Werke, die sich mit dem kaiserlichen Nachlass beschäftigen, auszustellen. Aber man könne das Wort ‹Empire› auch metaphorisch deuten, als jede Art von zentraler Macht, die eine Spur hinterlässt, ein Trauma verursacht – nicht nur, wenn sie erscheint und während sie herrscht, sondern 112

Region des Schwarzen Meeres bis nach Zentralasien.› Künstler, die der Gründer über die Jahre in der Kunstszene in Istanbul kennengelernt hat, werden das erste Ausstellungsjahr der Galerie nun leiten. Es sind junge und noch unbekannte Leute, wie Halil Koyutürk mit seiner Debütausstellung ‹I am playing Ping-Pong now›, Rasha Kahil mit ‹In your home›, Sean Lee oder Manolo Menéndez. Zu den Ausstellungen werden Workshops, Seminare und Diskussionsforen im Auditorium der Galerie für Künstler und Kunstinteressierte gegeben. Oben links: ‹Sükran / Gratitude› von Gözde Türkkan Oben rechts: ‹The Riveted Kingdom› von Jasper de Beijer Fotos: Ridvan Bayrakoğlu, mit der Genehmigung von ISF (Istanbul Sergi Fotoğlari) The Empire Project 10 Siraselviler, Kat 1 D4, Taksim 34433 Istanbul Öffnungszeiten: Mo–Sa 12 – 19 Uhr Weitere Info unter theempireproject.com.


Die Sektion onedotzero des Zurich Film Festival pr채sentiert dem Publikum eine Reihe von unkonventionellen, digitalen Kurzfilmen und Musikclips. Neben drei Programmen der Londoner Ausgabe onedotzero_adventures in motion pr채sentieren wir auch das heimische Filmschaffen mit dem Wettbewerbsprogramm onedotzero_ch.

Donnerstag, 29.9., Plaza onedotzero_ch

doors: 19.30 Uhr

screening und competition: 20:30 Uhr anschliessend aftershowparty mit animal trainer dj-set

Freitag, 30.9., Plaza wow+flutter 11

doors: 19.30 Uhr screening: 20:30 Uhr

Samstag, 1.10., Plaza

extended play und wavelength 11

doors: 17.00 Uhr screenings: 18 Uhr und 20.30 Uhr

www.onedotzero.ch


Š beni bischof

ghettofaust

kinki ghettofaust

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kinki magazin - #39  

Das kinki magazine #39 ist seit dem 24. September 2011 für CHF 6.– am Kiosk zu haben. Zusätzliche Inhalte zur Ausgabe 39 sowie zum Heftthema...

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