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KH

Die Zeitung des Keren Hajessod Schweiz Mai 2008 / Ijar 5768

Israel vor 60 Jahren

Ben Yakir

Vom Pioniergeist geprägt

Das religiĂśse Jugend-Aliyah-Dorf

Bei Atid muss etwas laufen

Grund zum Singen

Ein Interview mit Naama Eisenmann

Die erfolgreichen Magbit-Veranstaltungen

www.kerenhajessod.ch - info@kerenhajessod.ch


Mai 2008 / Ijar 5768

Inhalt

EDITORIAL Liebe Freundinnen und Freunde des KH Die Openings sind bereits wieder Geschichte. Erinnerungen an zahlreiche spannende, bewegende und interessante Momente nehmen wir mit in die Zukunft. Allen, die mit viel Energie und Einsatz zum Erfolg beigetragen haben, sei hier nochmals herzlichst gedankt. Die enormen Leistungen sind keineswegs selbstverständlich, erst recht nicht, wenn man bedenkt in welch knapper Zeit alles bewältigt werden musste. Ich danke Ihnen allen nochmals ganz herzlich für Ihre Grosszügigkeit. Dank Ihnen kann der KH auch in diesem Jahr viel Gutes in Israel leisten. Leider benötigen dort weiterhin viele Menschen unsere Hilfe. Im letzten Editorial (KH News Magbit Sonderausgabe) stellte ich «60 Jahre Unabhängigkeit» ins Zentrum. Zu diesem Thema liessen wir den äusserst informativen und bewegenden Film «60 Jahre Israel» vom engagierten Regisseur Alain Picard produzieren. Der Film bietet einen historischen Rückblick und eine Zusammenfassung dessen, was während 60 Jahren in Israel erreicht wurde. Ein Blick in die Zukunft verdeutlicht, dass es noch viel zu tun gibt und was der KH dabei helfen kann und muss. Wenn sie Interesse an diesem Film haben, können sie ihn als DVD gegen einen Kostenbeitrag von CHF 20.– im KH Büro bestellen.

(«Trustees»). Im Rahmen des Projekts «Youth Future» haben sich diese Jugendlichen dazu verpflichtet, nach ihrem Militärdienst bei der Arbeit mit schwererziehbaren Kindern zu helfen. Für diese anspruchsvolle Arbeit erhalten sie lediglich einen bescheidenen Lohn. Einer der Orte, an denen dieses Programm umgesetzt wird, ist Sderot. Dort arbeiten die Trustees mit 170 Kindern, die tagtäglich extremen Belastungen ausgesetzt sind. Allein in den zwei Stunden unseres Besuchs heulten vier Mal die Sirenen, und Kassam Raketen schlugen wiederholt in nächster Nähe ein. Ein Kind wurde dabei so schwer verletzt, dass ihm ein Bein amputiert werden musste. Für die Menschen in Sderot ist dies Alltag. Diese Erlebnisse waren es, die mich zu der Idee inspirierten, wenigstens einigen dieser belasteten Jugendlichen etwas Erholung zu ermöglichen. So entstand das Projekt des «Machaneh Noam». Im Rahmen dieses Projekts werden ca. 15 Jugendliche im Alter von 11 – 15 Jahren eine Woche in der Noam geniessen können. Ich werde Sie schon bald über den weiteren Verlauf dieses Projekts informieren. Wir haben gerade Pessach gefeiert, das Fest der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei. Damals wie heute geht es um die Unabhängigkeit des ganzen Volkes Israel. Nur dem Volk als Ganzem gelang die Befreiung. Im Sinne dieser Verbundenheit und Solidarität sieht der KH seine Aufgabe als immerwährende Verpflichtung. Auch ich werde mich mit allen mir verfügbaren Kräften, zusammen mit den wunderbaren Leuten, die mir tagtäglich beiseite stehen, weiterhin für den Klal einsetzen. Ein fröhliche Jom Ha’atzmaut-Feier wünscht Ihnen

Im Februar nahm ich in meiner Funktion als Board Member der Jewish Agency an einem Solidaritätsbesuch in Sderot teil. Wir trafen uns dort mit Ausbildnern

IMPRESSUM HERAUSGEBER: Keren Hajessod Schweiz, Aemtlerstr. 17, 8040 Zürich Tel. 044 461 68 68, Fax 044 461 68 69 info@kerenhajessod.ch www.kerenhajessod.ch PC-Konto 80-30297-4 REDAKTION, GESTALTUNG: Alain Picard, Zürich FOTOS: Alain Picard, Eric Rosenblatt, KH

Sami Bollag

INHALTSVERZEICHNIS 60 Jahre Israel Magbit 2008 Ben Yakir Amigur Die Kinder von Sderot Atid

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60 Jahre Israel

60 Jahre Israel

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Israel damals

Israel heute

Zur Zeit der Staatsgr체ndung 1948 und in den ersten Jahren danach war das Land von unz채hligen Einwanderern und viel Pioniergeist gepr채gt.

60 Jahre danach ist Israel ein modernes, fruchtbares weit entwickeltes Land, auf das wir mit Fug und Recht stolz sein d체rfen.

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60 Jahre Israel

Fünf Kreise der Bedrohung. Auch nach 60 Jahren ist der Staat Israel alles andere als sicher. Gleich von fünf Seiten her droht Gefahr. (von Dr. Gil Yaron)

Sechzig Jahre nach seiner Gründung könnte man angesichts des lebensfrohen Alltags in Israel annehmen, der Staat habe die Phase des Existenzkampfes hinter sich. Doch weit gefehlt: Israel sieht sich einer Reihe einzigartiger, lebensbedrohlicher Gefahren ausgesetzt. Denn Israel, das sich heute noch mehrheitlich selbst als «demokratischer, jüdischer und zionistischer Staat» definiert, hat nicht nur mit denselben Problemen wie andere Staaten, wie Ressourcenknappheit, einer rapide wachsenden Bevölkerung, der Globalisierung und einer immer weiter auseinadergehenden Schere sozialer Ungleichheit zu kämpfen. Fünf Kreise besonderer Bedrohungen unterscheiden Israel von anderen Ländern. Der äußerste Kreis der Bedrohung stellt immer noch das Existenzrecht Israels in Frage. Kein anderer Staat muss seine Existenz angesichts Krieg oder Besatzung rechtfertigen, sei es in Tibet, Tschetschenien oder das Baskenland. Einzig Israels Recht auf Fortbestand wird unter dem Vorwand der Ungerechtigkeit, die den Palästinensern angetan werde, hinterfragt. Akademiker in Großbritannien rufen zum akademischen Boykott israelischer Universitäten auf, Internetkampagnen ermutigen ihre Leser dazu, israelische Produkte zu meiden. Nichts dergleichen wurde jemals gegenüber chinesischen oder russischen Waren erwogen, obschon Menschenrechte dort in ungleich größerem Ausmaß geschunden werden. Der zweite Kreis der Bedrohung wird von Israels Nachbarstaaten gebildet. Insbesonders nach dem zweiten Libanonkrieg vor zwei Jahren, in dem es der libanesischen Hisbollah Miliz gelang, 8

ein Drittel der israelischen Bevölkerung mit dem Raketenbeschuss einen Monat lang in Bunkern zu halten, setzt die Achse der Feinde Israels verstärkt auf die Raketen als strategische Option. Der Iran finanziert nicht nur die Bewaffnung Syriens mit tausenden Kurz- und Mittelstreckenraketen, die das gesamte Staatsgebiet Israels in Reichweite bringen. Er betreibt zudem ein intensives Raketenforschungsprogramm, mit dem Ziel, Langstreckenwaffen eines Tages mit nicht-konventionellen Sprengköpfen, seien sie biologisch, chemisch, oder nuklear, zu bestücken. Doch nicht bloß die Bewaffnung der bekannten Feinde Israels sollte in Jerusalem Besorgnis auslösen. Das Beispiel des Iran, dessen umfangsreiches Waffenarsenal mit der islamischen Revolution 1979 in die Hände der Ayatollahs fielen, lehrt, entlarvt die Aufrüstung instabiler verbündeter Regimes als zweischneidiges Schwert. Heute erhält Ägypten als Verbündeter der USA massive Militärhilfe. Der Drittweltstaat gibt jährlich rund 3 Milliarden Dollar für modernste Waffen aus, obschon er von keinem Nachbarstaat bedroht wird. Doch wie ist es um die Stabilität des dortigen Regimes bestellt? Kairo beschäftigt 1,4 Million Sicherheitsbeamte, um seine Bevölkerung im Griff zu halten, doch der Frust unter den Bürgern, von denen 60% jünger als 25 Jahre ist, wächst beständig. Vor dem Hintergrund massiver sozialer Ungerechtigkeit, jedes Jahr lassen rund 220’000 zusätzliche Arbeitslose die inoffiziell auf 23% geschätzte Arbeitslosenrate weiter steigen, ist es den Muslimbrüdern trotz massiver Zensur, Verfolgung, Folter und Wahlbetrug seitens der Regierung gelungen, 20% der Parlamentssitze zu er-

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60 Jahre Israel

scher Überlegenheit und geschickter Diplomatie beikommen kann, ist für die zwei engsten Kreise der Bedrohung revolutionäres Umdenken erforderlich. Laut dem Zensus des Jahres 2006 waren 1,4 Millionen der 7,2 Millionen Staatsbürger Israels Araber und machten damit ein Fünftel der Bevölkerung aus. Dank ihrer hohen Geburtenrate von

bereits 25. Das Gros der Araber Israels ist weder radikal noch sinnt es auf Gewalt, aber ihre Führung wird immer radikaler. Hemmungslos priesen arabische Knessetabgeordnete den Erzterroristen George Habasch, Gründer der PFLP, als einen der «größten Palästinenser». Die PFLP ist eine radikale Terrorgruppe, die auch nach den

ringen. Die ägyptische Gesellschaft wird zusehends islamischer. Mussten sich im Jahr 1986 noch 6031 Ägypter eine Moschee teilen, kam 2005 bereits auf alle 745 Landesbewohner ein Gotteshaus, obschon sich die Bevölkerung in diesem Zeitraum fast verdoppelt hat. So bleibt unklar, in wessen Dienst die modernen Panzer und Kampfflugzeuge der Ägypter nach Abdanken des Langzeitpräsidenten Hosni Mubarak stehen werden. Megaterror bildet den dritten Kreis der Bedrohung. Längst bringen moderne Technologie und Kooperation zwischen Organisationen wie der Hisbollah oder der Hamas und Staaten wie dem Iran eine neue Dimension des Terrors hervor. Zwar ist der gesamte Westen davon bedroht, trotzdem gilt die Gefahr Israel ganz besonders. Die Revolutionswächter des Iran haben ein internationales Terrornetz errichtet, das israelische und jüdische Ziele weltweit jederzeit treffen kann. Der Megaterror droht auch Israel, das von Norden und Süden mit Raketen bedroht wird. In der Umgebung des Gazastreifens hat der tägliche Beschuss der Hamas das Leben unerträglich gemacht. Mit der Verbesserung der selbstgefertigten Kassamraketen droht diese «Nadelstichtaktik» zu einer strategischen Bedrohung zu werden. Bereits heute befinden sich mehr als 200.000 Israelis in Reichweite der Terroristen, der Beschuss weiter entfernter Städte ist nur eine Frage der Zeit. Sollte es der Hamas eines Tages gelingen, sich auch des Westjordanlands zu bemächtigen, befänden sich rund 80% der israelischen Bevölkerung in Reichweite der Raketen von Hamas und Hisbollah. Doch während Israel diesen drei Kreisen der Bedrohung Dank technologi-

giösen Siedlern liegt sie immer noch bei 4,8 Kindern, und damit höher als bei Arabern oder «Durchschnittsisraelis» aus dem Großraum Tel Aviv. Weit mehr als nur die wirtschaftliche Belastung, rund 80% der haredischen Männer arbeiten nicht, ihre Familien leben in Armut von Spenden und Regierungsgeldern, birgt diese Entwicklung existentelle Gefahren. Bereits heute dient jeder vierte Jude nicht mehr in der Armee, meist aus «religiösen Gründen». Ein beständig wachsender Anteil dieser Bevölkerungsgruppe stellt das Gesetz der heiligen Tora und das Wort iher Rabbiner über die Gesetze des Staates Israel und seine Institutionen. War die Räumung der Siedler der Gazastreifens im Jahr 2005 noch eine Demonstration brüderlichen Zusammenhalts und des Gewaltverzichts innerhalb der israelischen Gesellschaft, versprechen extremistische Siedler, keine weitere friedliche Räumung, selbst eines Teils der 150 Siedlungen im Westjordanland, mehr zuzulassen.

Israel kann sich auch nach 60 Jahren keine Unachtsamkeit leisten.

durchschnittlich 4 Kindern pro Familie, der Landesdurchschnitt liegt bei 2,41, und den fallenden Zahlen jüdischer Einwanderer wird dieser Anteil weiter steigen. Es ist leicht verständlich, weshalb ein arabischer Staatsbürger sich kaum mit der «jüdischen Demokratie» Israel identifizieren kann. Wie soll er Loyalität zu einem Staat empfinden, dessen Nationalhymne von der «jüdischen Seele» im Herzen spricht, dessen Emblem der siebenarmige Leuchter aus dem jüdischen Tempel und dessen Flagge der Davidstern ist, und dessen Truppen einen Dauerkrieg gegen seine Verwandten führen? Israels Araber lesen andere Zeitungen, hören andere Nachrichtenprogramme und leben neben den Juden in einer parallelen Realität. Vor diesem Hintergrund erscheint die gespannte Ruhe in den Beziehungen zu den Juden fast verblüffend. Doch der Trend weist in Richtung Eskalation. Wurden in den Jahren 2000-2007 29 Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft wegen Verdachts auf terroristische Aktivitäten verhaftet, waren es allein in den ersten zwei Monaten von 2008

Osloer Friedensverträgen Anschläge fortsetzte und jede Einigung mit Israel ablehnt. Arabische Bürgerrechtsbewegungen fordern längst nicht mehr nur die ihnen zustehende individuelle Gleichheit, sondern kollektive Autonomie. Da ist es kein Wunder, dass besonders unter arabischen Jugendlichen eine Zunahme nationalistisch motivierter Gewaltakte zu verzeichnen ist. Spätestens seit den Unruhen von Oktober 2000, als Araber in Israel gewaltsam demonstrierten, das Land de facto für mehrere Tage entzweiten und 13 Demonstranten von Polizisten erschossen wurden, bleibt das Misstrauen zwischen Juden und Arabern groß. Die Kluft wird immer tiefer. Eine weitere Gefahr für das sekulare, westlich orientierte demokratische und zionistische Israel geht vom ständig wachsenden Anteil der anti-zionistischen jüdischen Bevölkerung aus. Haredim, also ultra-orthodoxe Juden, erfreuen sich mit 7,7 Kindern pro Familie der höchsten Geburtenrate im Land, auch bei militanten national-reli-

Arabische Israelis und Haredim stellen heute bereits 45% der Erstklässler Israels, Tendenz weiter steigend. Beide Gruppen haben gemein, dass sie die bisherigen Normen und Grundlagen des israelischen Staates weder akzeptieren noch fortführen, sondern grundlegend verändern wollen. Israel als jüdischer, säkularer und demokratischer Staat wird sich in wenigen Jahrzehnten diesem politischen Druck kaum erwehren können, wenn nicht bereits heute die Grundlagen dafür gelegt werden, diese Menschen dem zionistischen Staat nahe zu bringen. Dr. Gil Yaron ist als IsraelKorrespondent für zahlreiche deutssprachige Medien tätig. In der Schweiz ist er häufig auf Radio24 zu hören. In seinem Buch «Jerusalem - ein historisch-politischer Stadtführer» geht er zu den Ursprüngen der Stadt zurück und erläutert ihre historische Bedeutung aus Sicht der drei Weltreligionen.

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Magbit 2008

Ein voller Erfolg. In Basel, Bern, Zürich, Lugano und bei Atid Zürich gab’s viel Lob für die diesjährigen Keren Hajessod Magbit-Veranstaltungen. Rothschild - 22. Januar Der Reigen der Openings wurde in diesem Jahr wiederum vom exklusiven Grosspenderanlass der Bank Rothschild eröffnet. Am 22. Januar nahmen 32 geladene Gäste an diesem hochklassigen Lunch teil, zu welchem Baron Eric de Rothschild und der Präsident des Keren Hajessod Schweiz, Sami Bollag, persönlich geladen hatten. Ofra Strauss, gemäss Forbes Magazine eine der 50 mächtigsten Geschäftsfrauen weltweit, hielt einen interessanten Vortrag über die von ihren Grosseltern im Jahre 1936 gegründete Strauss-Group, deren Verwaltungsratspräsidentin sie ist. Ofra Strauss ist zudem Mitglied des Board of Governors der Jewish Agency. Basel - 26. Januar Das Opening in Basel fand am 26. Januar im Gemeindehaus der IGB statt. Unter der erfahrenen Leitung des Basler KH-Präsidenten Patrick Loeb und der unverzichtbaren Unterstützung unserer

Mitarbeiterin Evelyne Domb war der Abend wiederum ein voller Erfolg. Rund 120 Gäste kamen in den Genuss einer sehr persönlichen Rede von Israel’s Innenminister Meir Shitrit. Die nachfolgende Round Table Diskussion wurde von Dr. Simon Erlanger geleitet, Redaktor bei der Basler Zeitung sowie Lehr- und Forschungsbeauftragter am Institut für Jüdisch-Christliche Forschung der Universität Luzern. Panelisten waren Noah Klieger, Redaktionsmitglied der nationalen Tageszeitung Yedioth Ahronoth, und Dr. Gil Yaron, Korrespondent und freier Journalist. Unser Film zum Thema ‚60 Jahre Israel’ bewegte die Anwesenden. Der Abend klang stimmungsvoll mit der Israel Army Band aus. Zürich - 27. Januar Die Eröffnungsveranstaltung für das Magbit Jahr 2008 in Zürich fand am 27. Januar im Kongresshaus statt. Der Zürcher Präsident Marc Lauer und das be-

Ein stimmungsvoller Round Table im Kongresshaus Zürich

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Magbit 2008

währte und hochkarätige Zürcher Team mit Maureen Meyer, Alain Picard, Denise Sachs, Chaim van Dijk und Irit Weinberg haben es wieder einmal geschafft, in ehrenamtlicher Arbeit einen faszinierenden Event zu organisieren. Wie bereits im Vorjahr, so wurden auch in diesem Jahr aus Kostengründen in erster Linie Spender eingeladen, die den Keren Hajessod im Vorjahr grosszügig unterstützt hatten. Rund 200 Gäste waren anwesend, unter ihnen auch Botschafter Ilan Elgar. Der Anlass stand ganz unter dem Motto ‚60 Jahre Israel’. Nach einer spannenden Rede von Innenminister Meir Shitrit folgte eine äusserst kurzweilige und hochstehende Round Table Diskussion. Unter der bewährten Leitung von Roger de Weck diskutierten Professor Shlomo Avineri, Direktor des Instituts für Europäische Studien an der Universität Jerusalem, Noah Klieger und Dr. Gil Yaron. Weitere Highlights des Abends waren die mitreissende Israel Army Band sowie der vom Keren Hajessod Schweiz

Minister Meir Shitrit in seinem Element

produzierte, sehr bewegende Film zum Thema ‚60 Jahre Israel’. Beim abschliessenden Auftritt der Israel Army Band kam es zu einer Deutschschweizer Premiere: es wurde ausgelassen getanzt. Atid - 29. Januar In der Zürcher «Laborbar» des bekannten Schweizer TV-Showmasters Kurt Aeschbacher konnten über 120 Gäste einen tollen Abend erleben. Sie waren zu einem Grossteil über die InternetCommunity «Facebook» eingeladen worden. Nach einem ersten Showblock mit der Israel Army Band sprach Kurt Aeschbacher auf der kleinen Bühne mit Dr. Gil Yaron, Yves Kugelmann (Chefredaktor des Tachles), Shira Averbuch, einer Sängerin der Band und schliesslich mit Dany Gliksberg, einem der Pioniere von Ayalim (siehe Seite 19). Die Gespräche waren gleichermassen informativ und äusserst unterhaltsam. Während des anschliessenden Films ‚60 Jahre Israel’ herrschte eindrückliche Stille. Dafür wurde es umso lauter und fröhlicher, als die Armyband schliesslich zu ihrem zweiten Auftritt kam.

leben, die wiederum von unserer langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiterin Dorly Bloch vorbereitet worden war, nach Kräften unterstützt von Dora Bigler von der Israelischen Botschaft Bern. Nach einem Apéro folgte eine spannende Round Table Diskussion, geleitet von dem für die NZZ und die Jüdische Allgemeine tätigen Journalisten Peter Bollag, mit Noah Klieger und Dr. Gil Yaron. Das Thema ‚60 Jahre Israel’ bewegte viele Gäste, und so schlossen sich an die Diskussion noch eine Reihe von Fragen aus dem Publikum an. Stimmungsvoll abgerundet wurde der Abend wiederum von der Israel Army Band und dem Film.

Lugano - 24. Februar Am Nachmittag des 24. Februar fand im Albergo Pestalozzi das Tessiner Opening statt. Werner und Maya Hoenigsberg luden zu Kaffee und Kuchen ein und etwa 60 Gäste folgten dieser Einladung. Auch der Botschafter Israel’s in der Schweiz, Ilan Elgar, war unter den Gästen und richtete einige Worte an die Anwesenden. Mit grossem Interesse wurde die Rede von Gottfried Wagner verfolgt, einem Nachkommen von Richard Wagner, der Spannendes über die Erfahrungen seiner Familie berichtete. Faszinierend waren die von einem Pianisten vorgetragenen Werke jüdischer Komponisten.

Bern - 30. Januar Am 30. Januar trafen rund 170 Gäste, unter ihnen Botschafter Ilan Elgar, im Hotel Bellevue Palace ein, um die Eröffnungsveranstaltung in Bern mitzuer-

Volle Aufmerksamkeit im Gemeindehaus Basel

Gottfried Wagner in Lugano

Bei Atid spricht Kurt Aeschbacher mit Dany Gliksberg von Ayalim

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Prioritäten 2008

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Das Ben Yakir Jugend-Aliyah-Dorf. Im Internat bei Hadera erhalten religiöse Kinder und Jugendliche aus problematischen Familienverhältnissen mehr als Schulbildung: eine Chance.

Die Jugend-Aliyah begann 1933 als eine Rettungsoperation für jüdische Kinder aus NS-Deutschland und hat sich seither zu einem führenden Modell der Fürsorge für neu eingewanderte und benachteiligte junge Menschen in Israel entwickelt. Die Jugend-Aliyah wurde bisher zum sicheren Hafen für über 300’000 junge Menschen der am stärksten benachteiligten Bevölkerung Israels: gefährdete Kin- Der Tag beginnt mit dem gemeinsamen Gottesdienst. der im Alter zwischen 12 und 18 Jahren, die einen problematischen FaDas Jugenddorf Ben Yakir liegt bei milienhintergrund haben. Hadera und ist das Zuhause von 150 religiösen Jungen im Alter zwischen 12 Gegenwärtig stellen Neueinwanderer und 18 Jahren. Diese Schüler stammen aus der ehemaligen UdSSR und Äthiosowohl aus alt eingesessenen israelipien mehr als die Hälfte der Schüler, die schen als auch aus neu eingewanderten in den Dörfern der Jugend-Aliyah leFamilien mit problematischem sozioben. In Israel geborene Jugendliche, deökonomischen Hintergrund. Die Mehrren soziale Integration nicht erfolgreich heit der Schüler stammt aus Familien, verlief, stellen die andere Hälfte der die aus Äthiopien einwanderten. Schüler. Das Jugenddorf Ben Yakir ist für diese In Zusammenarbeit mit dem Keren Hagefährdeten Jugendlichen die letzte jessod fördert die Jewish Agency vier Chance, später einmal ein normales Jugenddörfer. Diese bieten Kindern und Leben zu führen und die Aussicht auf Jugendlichen, welche von den israelieine produktive Zukunft zu haben. schen Erziehungs- und Wohlfahrtsministerien dorthin überstellt werden, so«Seit ich in Ben Yakir bin, habe wohl eine Unterkunft als auch Förderich viel mehr Selbstbewusstsein. massnahmen. Über diverse persönliche Ich lerne, ein Musikinstrument und familiäre Probleme hinaus leiden zu spielen, und zudem bin ich in die Betreuten unter Lernschwierigkeiten der Leichtathletikmannschaft. und einem niedrigen Selbstwertgefühl. Darüber hinaus kann ich mich in der Schule besser konzentrieren Bei diesem pädagogischen Ansatz der und habe bessere Noten. Den Jugend-Aliyah wird nach Möglichkeit Menschen hier liegt wirklich etdie Kooperation mit den Familien angewas an mir.» strebt. Viele Kinder, die in den Jugenddorfeinrichtungen leben, stehen weiterDavid, Ben Yakir-Schüler hin in Kontakt mit ihrer Familie, die sie darüber hinaus regelmässig besuchen.

Ben Yakir bietet Schulunterricht für die 7. bis 9. Klasse an. Während der Zeit ihres Schulbesuches leben die Kinder im Internat. Im Rahmen eines kürzlich initiierten Pilotprojekts bleiben Jugendliche nun auch noch nach der 9. Klasse in Ben Yakir, besuchen aber eine örtliche Oberschule. Die warmherzige Unterstützung und herzliche Atmosphäre dieses Jugenddorfes sorgen für grossen Erfolg. Ben Yakir bietet eine breite Palette von Aktivitäten zur Verbesserung der schulischen Leistungen an. Zum Beispiel Karate, Reiten, Sport, Musik und Tanz, Kunst und Handwerk ebenso wie Schreinern und Töpfern. Diese ermöglichen es den Schülern, sich konstruktiv einzubringen. Darüber hinaus ist Ben Yakir ein Bauernhof mit Streichelzoo angegliedert. Dort lernen die Schüler, respektvoll mit allen Lebewesen umzugehen. Während des Libanon-Krieges im Sommer 2006 diente Ben Yakir Tausenden von Kindern aus dem Norden als Sommerferiencamp. Sie waren so ausserhalb der Kampfzone in Sicherheit. Diese Bemühungen wurden vom Keren Hajessod unterstützt. Mehr als 90 Prozent der Schüler von Ben Yakir schliessen die Oberschule ab. Einige werden unmittelbar danach in die Elitetruppen der israelischen Armee aufgenommen. Andere besuchen zunächst eine Institution der höheren Bildung und leisten ihren Wehrdienst anschliessend in Bereichen, die mit ihrem Studium in Verbindung stehen.

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Celebrating Israel’s I srael’s 60 th year

INVITATION THE KEREN HAYESOD ANNUAL WORLD CONFERENCE June 18-20, 2008 We invite you to join us in showing solidarity with Jerusalem, the indisputable capital of Israel and heart of the Jewish world, during Keren Hayesod’s 60 th year Annual Conference. Join us in a forward-looking conference where we will be celebrating 60 years of achievement. For more information and reservation please contact Yonit Weiss, KH Schweiz, Telefon 044 461 68 68 weiss@kerenhajessod.ch

me Wir feiern gemeinsam

t concer

ON in r e T GALR

Einladung zur grössten Jom Ha’atzmaut Party der Schweiz NURI er Auftritt einernden Israels DONNERSTAG, 8. MAI 2008, 18.00 UHR, KONGRESSHAUS ZÜRICHexklusiv ängerin esten S t n n a Eintritt frei k be Mit der Band KOLOT SHVA aus Israel, Tanz/Hora, Lounge, Israel-Buffet, Kinderbetreuung und Überraschungen für Israel-Fans jeden Alters. Gastredner: Aviv Shir-On. Moderation: Rachel Manetsch und David Karasek. Gastgeber:

Keren Hajessod Schweiz

Israelitische Cultusgemeinde Zürich, Keren Hajessod Schweiz, Keren Kayemeth Leisrael Atid, Bne Akiwa, Emunah, Ges. Schweiz-Israel, Hagoschrim, Handelskammer Schweiz-Israel, Haschomer Hazair, Jüdische Gemeinde St. Gallen, Israelitische Gemeinde Winterthur, Jüdische Liberale Gemeinde Zürich, Jüdische Schule Noam, Tiferet Israel Zürich, WIZO.


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Aktuell

Sderot – Die Kinder von der Frontlinie. Die Stiftung für die Opfer des Terrors, unterstützt vom Keren Hajessod und den United Jewish Communities, ist in Sderot aktiv.

Am 9. Februar, dem vergangenen Shabbat, wurde dem achtjährigen Osher Tuito, einem Teilnehmer des «Jewish Agency Youth Futures-Programmes», sein linkes Bein durch eine KassamRakete abgetrennt, die in seiner Nähe einschlug. Osher Tuito war gerade auf dem Weg zu einem örtlichen Bancomaten, um Geld abzuheben, mit dem er seinem Vater ein Geburtstagsgeschenk kaufen wollte. Sein älterer Bruder Rami Tuito, er ist 19 Jahre alt, wurde bei dem Anschlag ebenfalls verwundet. Die beiden wurden schwer verletzt, als am Schabbat in Sderot mehrere Kassam-Raketen einschlugen. Osher und Rami wurden zuerst in das Barzilai-Hospital in Ashkelon eingeliefert. Aber angesichts der Schwere ihrer Verletzungen wurden beide in das Tel Hashomer Hospital in Ramat Gan verlegt, das Erfahrung mit der Behandlung dieser Art von Verwundungen hat. Hier werden Osher und Rami behandelt. Sie können sich erholen, und sie werden hoffentlich wieder voll genesen. Oshers linkes Bein musste allerdings amputiert werden, nachdem der heldenhafte Versuch der Ärzte, es zu retten, fehlgeschlagen war. Osher war viele Stunden lang bewusstlos gewesen. Die Nachricht, dass die beiden verletzt worden waren, verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den Aktivisten, die am Youth Futures Projekt in Südisrael beteiligt sind. Nach dem ersten Schock wurden Mitarbeiter der Jewish Agency aktiv, um der Familie beizustehen sowie all jenen, die direkt von dem Vorfall betroffen waren. Zuerst und vor allem kontaktierten sie Tami Betito, den Trustee von Youth Futures, der für Osher im Rahmen des Programmes ver-

Bei Raketenalarm bleiben den Bewohnern knapp 15 Sekunden bis zum Einschlag.

antwortlich war. Wie bei einem Domino-Effekt wurden nach und nach alle, die direkt oder indirekt an dem Projekt beteiligt sind, aktiv. Alle setzten sich ein und wollten sich besonders um den Jungen und um Sderot im allgemeinen kümmern. Die Jewish Agency und der KH sind Sderot seit dem Beginn der Anschläge durch Kassam-Raketen zur Seite gestanden. Sie bieten finanzielle Unterstützung über die Stiftung für TerrorOpfer, für den Ausbau von bombensicheren Schutzbunkern, für die Reparatur des zentralen Traumazentrums von Sderot. Sie bieten auch Erholung für die Kinder und Jugendlichen von Sderot und sie entwickeln weitere Beistandsprogramme. Die Jewish Agency für Israel stellt den Opfern von Raketen-Anschlägen in Sderot sofortige finanzielle Hilfe zur Verfügung, was der kürzlich erfolgten

Entscheidung zu verdanken ist, Mittel aus der Stiftung für Terroropfer zu verwenden, die vom Keren Hajessod und den United Jewish Communities garantiert und aufgebracht werden. So kann diesen Einwohnern sofort beigestanden werden. Sderot-Kinder in Zürich Im Juni dieses Jahres organisiert der KH Schweiz für 10-15 Kinder aus Sderot und ihre Betreuer eine kurze Erholungsreise in die Schweiz. Sie sollen einige Tage von der ständigen Angst in ihrer Heimat abgelenkt werden und fühlen, wie sehr wir in Gedanken bei ihnen sind. Integriert in den friedlichen Alltag von Schweizer Familien werden sie mit gleichaltrigen Noam-Kindern zur Schule gehen und in ein Klassenlager nach Kandersteg fahren.

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Atid

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«Es muss etwas laufen.»

Das neue Projekt von Atid Schweiz.

Naama Eisenmann hat sich für ihre Zeit als Präsidentin von Atid einiges vorgenommen.

Ayalim – die Pioniere des 21. Jahrhunderts.

Kannst du dir vorstellen, wieder zurück zu gehen, Aliyah zu machen? Früher konnte ich mir das nicht vorstellen. Heute schon. Ich bin froh, hier aufgewachsen zu sein, aber mein Herz schlägt immer noch – und immer mehr – für Israel. Im Anschluss an mein Studium ging ich im Herbst 2001 (nur zwei Monate nach 9/11 und mitten in der Intifada) für ein halbes Jahr nach Israel und besuchte einen Ulpan. Ich habe zwei Pässe. Alles Weitere wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Wie bist du zu Atid gekommen? Ich war letzten Herbst an einem «Young Leadership» Event des Keren Hajessod in Madrid. Dort lernte ich viele tolle Menschen aus ganz Europa kennen. Und natürlich erfuhr ich bei dieser Gelegenheit einiges über den KH, seine Ziele, seine Verpflichtungen und seine Bedeutung. Dany Gliksberg von Ayalim war auch dort und erzählte viel von diesem faszinierenden Projekt. Nach meiner Rückkehr war mir klar, dass ich mich irgendwie für diese Organisation engagieren möchte. Da kam auch schon prompt die Anfrage vom KH-Büro, ob ich nicht das Atid-Präsidium übernehmen würde. Seit wann lebst du in der Schweiz? Das ist eine lustige Geschichte. Meine Eltern lernten die Schweiz in ihren Flitterwochen kennen und lieben. Da beschlossen sie kurzerhand, irgendwann mal hier zu leben. Als ich drei wurde, war es dann soweit. Wir zogen nach Allschwil bei Basel, wo ich eine richtig schweizerische Jugendzeit verbrachte. 18

Warum engagierst du dich gerade für den Atid? Der Atid spricht eine Altersstufe an, der heute nicht viel geboten wird: junge, vorwiegend berufstätige jüdische Erwachsene. Ich möchte etwas für meinesgleichen tun, ihnen eine soziale Plattform und ein paar coole Events bieten. Ausserdem möchte ich natürlich Israel unterstützen und andere für Israel begeistern. Was sind deine Ziele als Atid-Präsidentin? Wir wollen einen grossen Teil der Schweiz mit unseren Aktivitäten abdekken, indem wir möglichst viele Leute für Events zusammen bringen und für Israel begeistern. Die Reaktionen auf unseren ersten Event im Januar zeigen, dass das Bedürfnis nach solchen Anlässen gross ist. Wie sieht der neue Vorstand aus? Mit Esther Caroline Nahmani (20), Simone Karasek (23), Ilona Sterenberg (24) und Andre Kurz (30) sind wir zu fünft. Es ist toll, wie gut wir zusammen funktionieren. Jeder von uns ist bereit, sich voll zu engagieren und einzubringen. Bei einem so kleinen Gremium kann es keine Passiv-Mitglieder geben.

Intifada ermordet. Bisher gründete «Ayalim» acht Studentendörfer in der Negev-Wüste und in Galiläa. Im kommenden Sommer soll ein neuntes Studentendorf in der Altstadt von Beer Sheva gegründet werden. «Viele denken, dieses Land wurde 1948 gegründet, doch wir gründen es immer noch weiter», sagt Dany.

Sind fünf Vorstandsmitglieder genug? Für die Aufbauphase ist diese Konstellation perfekt. Später können wir uns durchaus einen Ausbau des Vorstands vorstellen. Helfer können wir natürlich auch jetzt jederzeit gebrauchen. Was ist euer nächster Event? Wir planen ein Highlight Event – lasst Euch überraschen! Doch vorher kommen noch ein paar kleinere «Get together» Anlässe. Jede Veranstaltung, ob gross oder klein, ist eine Herausforderung für uns, doch genau der stellen wir uns liebend gerne. Über unsere ATID Gruppe bei Facebook erfährt man Näheres über unsere unterschiedlichen und innovativen Events. Atid will sich für das Projekt Ayalim engagieren. Warum? Wir finden das Projekt einfach genial. Es kommt dem dringenden Bedürfnis nach neuem Lebensraum entgegen, lässt den Pioniergeist der Kibbutzgeneration wieder aufleben und wird von Leuten in unserem Alter umgesetzt. Am Atid-Event in der Laborbar wurde Ayalim genauer vorgestellt (durch Dany Gliksberg und Videodoku). Mehr darüber kann man auf www.ayalim.org.il sehen und lesen. Zur Person Naama Eisenmann Die 31-jährige Baslerin studierte an der Uni Basel Wirtschaftswissenschaften. Nach ihrem Abschluss kam sie nach Zürich. Heute arbeitet Naama als Risk Controller bei einer Grossbank. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten tanzend.

Was die Studentinnen und Studenten schaffen, ist bemerkenswert.

Dank der fortwährenden Unterstützung des Keren Hajessod und der Jewish Agency vollbringt die «Ayalim Association» eine wahrhaft soziale Revolution in Israel. Inspiriert von den früheren Generationen, die den Staat Israel gründeten, belebt «Ayalim» den Pioniergeist erneut. Diese neuen Pioniere sind idealistische Studenten, die sich in Israels Norden und Süden niederlassen, um diese Regionen, die zu den nationalen Prioritäten zählen, von innen heraus zu stärken. Dank «Ayalim» lassen sich junge Studenten aus ganz Israel in notleidenden Regionen, in Entwicklungsstädten und in Innenstädten nieder. Sie arbeiten ehrenamtlich mit der lokalen Bevölkerung zusammen und setzen sich dafür ein, die Wohnviertel physisch und sozial ebenso wie im Hinblick auf den Bildungsstandard zu rehabilitieren. In der

Wüste und in ländlichen Regionen bauen diese Studenten mit eigenen Händen Dörfer auf und erwecken durch ihre Hingabe und ihren Enthusiasmus entlegene Gegenden zum Leben. «Mit Hilfe des Keren Hajessod und der Jewish Agency konnten wir drei neue Studentendörfer aufbauen», sagt Dany Gliksberg, 28, stellvertretender Direktor und Mitbegründer der «Ayalim Association» ist. «Ein Studentendorf wurde in Akko, eines im Norden des Kibbuz Neve Or und ein weiteres in der Innenstadt von Dimona gegründet. Zudem konnten wir andere Studentendörfer ausbauen.» Der Name «Ayalim» erinnert an Eyal und Yael Sorek, die Freunde der Gründer dieser Vereinigung waren. Das junge Paar wurde von Terroristen kaltblütig auf dem Höhepunkt der Zweiten

In den Studentendörfern leben gegenwärtig 430 junge Menschen. «Ayalim» hat einen grossen Einfluss auf Israel. «Als wir unsere Vereinigung ins Leben riefen, waren wir Aussenseiter», sagt Yuval Cohen, einer der Mitbegründer und Direktor eines Studentendorfes im Norden des Landes. «Niemand redete mehr über zionistische Werte. Jetzt ist das alles zu etwas Wunderbarem erblüht, und wir wachsen die ganze Zeit weiter. Es gibt viele junge Menschen, die etwas Bedeutendes tun möchten.» «Ich beteilige mich am Aufbau des Negev. Ich bin ein Teil der Geschichte, die hier sozusagen greifbar ist», sagt Adina Kruger, 23, die an der Ben-Gurion Universität Kunst und Pädagogik studiert. Sie wohnt in Adiel, dem ersten Studentendorf, das «Ayalim» ins Leben rief. Es fing alles mit lediglich zwei Wohncontainern an, die mitten in der Wüste auf einem Flecken Land standen, das die Jewish Agency stiftete. Studenten, die sich «Ayalim» anschliessen, erhalten akademische Stipendien. Als Gegenleistung sind sie 500 Stunden pro Jahr in den umliegenden Gemeinden ehrenamtlich tätig. Sie initiieren wichtige soziale Initiativen, die zur Stärkung der lokalen Gemeinden beitragen und eine Veränderung von innen heraus bewirken sollen. 19


Atid

Mai 2008 / Ijar 5768

Die Israel-Reise deines Lebens. Was du auf der Yachdav-Reise erlebst, vergisst du dein ganzes Leben lang nicht mehr.

Die Yachdav-Reise findet nur alle zwei Jahre statt. In diesem Jahr steht die Reise – wie könnte es anders sein – unter dem Motto «60 Jahre Israel». Das provisorische Programm ist schon ganz schön vielversprechend (Änderungen vorbehalten). Und bei Yachdav kommt alles immer noch besser. Melde dich schnell beim KH Zürich an und lass dich überraschen. Dienstag, 17/06/2008 16:30 Welcome-Empfang im Hotel 18:00 Eröffnungszeremonie und «Shecheyianu» bei «Ofel» mit dem Chief Rabbi der IDF (Israel Defense Force) 19:30 Israels 60. Geburtstag! Eröffnungsprogramm und Welcome-Dinner zur Feier der 6 Jahrzehnte Unabhängigkeit, im Garten von Keren Hajessod. Mit einem Auftritt der IDF Army Band, der Begrüssung durch den Generaldirektor des KH und einer speziellen Überraschung Hotel: Regency, Jerusalem Mittwoch, 18/06/2008 07:30 Frühstück im Hotel mit Einführung durch ein Mitglied des IDF Generalstabs 11:00 Besuch von Keren Hajessod Projekten in Beer Sheva 12:30 Fahrt zu einem Armeestützpunkt im Negev 13:00 Besuch des Stützpunkts und Teilnahme an einer interaktiven Übung mit IDF-Soldaten 16:00 Fahrt nach Ashalim und Besuch eines Ayalim Projektes 16:30 Ankunft in Ashalim – gemeinsames Anpacken mit den Bewohnern 18:00 Fahrt nach Sde Boker 18:30 Ankunft in Sde Boker – Besuch von David Ben Gurions Grab 19:00 Open-air Abendessen mit Blick in den eindrücklichen Zin Canyon 21:00 David Broza – Wüstenkonzert unter den Sternen – zusammen mit Ayalim-Studenten 23:00 Rückfahrt nach Jerusalem Hotel: Regency, Jerusalem Donnerstag, 19/06/2008 07:30 Frühstück 09:00 Besuch des Yad Vashem Museums und Zeremonie 12:30 Spezial-Event zu Ehren der Einwanderer und der IDF. Unter den Gästen werden hoch dekorierte Soldaten und Offiziere der IDF sein, die im zweiten Libanonkrieg dienten 14:00 Fahrt zum Lev Smadar Cinema 14:30 Vorführung des Oscar-nominierten israelischen Films «Beaufort», Treffen mit dem Filmautor, Ron Leshem und den Hauptdarstellern. 17:30 Fahrt zu einem Empfang mit Präsident Shimon Peres in der Präsidentenresidenz Teilnahme am festlichen Dinnerprogramm der KH Weltkonferenz, zusammen mit 20:30 Keren Hajessod Führungspersönlichkeiten aus aller Welt Hotel: Regency, Jerusalem Freitag, 20/06/2008 07:30 Frühstück und Hotel check-out 08:30 Vortrag von einem der Hi-tech-Tycoons Israels, im Hotel 9:30 Abfahrt nach Jerusalem, Walking Tour durch die Altstadt und den Mahane Yehuda Market 13:00 Rückfahrt zum Hotel und Abschluss der Mission

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news

KH

Interview

Mai 2008 / Ijar 5768

Prioritäten 2008

Der Titel...

Amigour – Hoffnungsschimmer für die Ärmsten.

Hier kommt der Untertitel hin anlässlich eines Anlasses KH wird hier also ein wenig mehr geschrieben...

Diese Einrichtungen des öffentlichen Wohnungsbaus vermittelt Sozialwohnungen.

Die Einweihung des Jugendzentrums sollte der Höhepunkt unserer Reise sein. Am Sonntag fuhren wir im Bus Richtung Süden. Wir hatten ein volles Programm: Besuch des Kulturzentrums für äthiopische Einwanderer in Beer Sheva, einer Klasse des Programms Net@, des Kibbuzes Sde Boker, der Heimat Ben-Gurions, Mittagessen in einem Beduinenzelt, Baden in einem Wüstenoase-Spa. Und am Abend die Einweihung. Die Besichtigung des Jugendzentrums und die Wahrnehmung von dessen ausserordentlichem Einfluss auf die Zukunft der Stadt und derer kommenden Generationen übertraf all unsere Erwartungen. Auf den höchsten technischen Stand gebrachte Einrichtungen stehen den jungen Teilnehmern der verschiedenen Kurse zur Verfügung: Tanz, Thea-

ter, Musik, Malerei, Skulptur, Photo, Video und vieles mehr. Ein Theatersaal wie auch ein in den Bau integriertes Amphitheater bieten den jungen Künstlern hervorragende Plattformen für ihre Darbietungen. Auch ein Restaurant als wichtiger Ort der Begegnung wird ein eher vernachlässigtes Stadtviertel wiederbeleben und ihm neuen Aufschwung geben. Anwesend bei der eindrücklichen Zeremonie waren u.a. der Botschafter der Schweiz in Israel, der Bürgermeister von Beer Sheva, der amtierende Präsident des KH-Schweiz, Sami Bollag sowie seine Vorgänger Erwin Rom und Dr. Claude Schneidinger und, last but not least, der Delegierte des KH Jerusalem in Zürich, Ishay Haramaty. Hervorragende musikalische und tänzerische Darbietungen, «Produkte» des

Rena ist allein erziehende Mutter von drei Kindern. Sie arbeitet täglich neun Stunden als Kassiererin in einem Supermarkt. Ihr Gehalt reicht kaum aus, um ihre Kinder zu ernähren und die Miete zu bezahlen. Ihre Kinder schämten sich, Freunde in die heruntergekommene Zweizimmer-Wohnung mitzubringen.

Chairman Sami Bollag eröffnet in Tel Aviv die Keren Hajessod Weltkonferenz.

schon seit einigen Monaten funktionierenden Jugendzentrums, umrahmten die Feier. Kinder und Jugendliche traten auf der Bühne selbstsicher wie vollblütige Professionelle auf und überzeugten uns von der Wichtigkeit, dieses Potential und die künstlerische Begabung zu fördern und zu unterstützen. Der positive Einfluss eines solchen Zentrums für die dortige Jugend ist unermesslich, sein Beitrag für die gesunde Entwicklung von Beer Sheva und seine Umgebung ebenfalls. Wir freuen uns jetzt schon auf die nächste Einweihung!

Chairman Sami Bollag eröffnet in Tel Aviv die Keren Hajessod Weltkonferenz.

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Das Leben von Rena veränderte sich dank «Amigour», Israels öffentlicher Wohnungsbaugesellschaft. Da es in Israel keine gün- Viele Neueinwanderer geraten in die Armutsspirale. stigen Mietwohnungen gibt, nimmt Von Kiryat Shmona im Norden bis «Amigour» eine wichtige Rolle ein bei Mitzpe Ramon im Süden unterhält «Amigour» Zentren, die sich um die der Bereitstellung von SozialwohnunVerwaltung und Instandhaltung von gen und durch Einrichtungen des beSozialwohnungen und Einrichtungen treuten Wohnens. «Amigour» unterhält des betreuten Wohnens kümmern. Aber gegenwärtig rund 22’000 Mietwohnungen für 70’000 Mieter – darunter auch um die Abwicklung von MietzahNeueinwanderer und alt eingesessene lungen und Verkäufen sowie um soziale Israelis, allein erziehende Personen, Angelegenheiten, wie Bauprojekte des junge Paare und Senioren – in 23 Orten betreuten Wohnens. In den Genuss der im ganzen Land. Hinzu kommen rund «Amigour»-Dienstleistungen kommen 8’000 Mietwohnungen, die im Besitz vorwiegend Neueinwanderer, sowohl der Regierung sind. junge als auch ältere Menschen.

Daneben bietet «Amigour» Sozialdienste für Neueinwanderer an: Hebräischunterricht, Fortbildungskurse und weitere Aktivitäten, die beim Aufbau eines neuen Lebens in Israel helfen sollen. Die Menschen, die von «Amigour» unterstützt werden, gehören zu den sozioökonomisch schwachen Schichten, die nur schwerlich ein Leben in Würde führen können. Ihr Einkommen liegt oftmals unterhalb der Armutsgrenze. «Amigour» gibt ihnen die Möglichkeit, dennoch in sauberen, renovierten Wohnungen zu leben, für deren Instandhaltung zudem gesorgt wird. Die öffentlichen Anlagen bestehen aus Parks und Grünflächen, die zum weiteren Wohlbefinden der Bewohner beitragen sollen. «Amigour» bekämpft die Obdachlosigkeit und erfüllt das grundlegende Bedürfnis von Menschen nach Geborgenheit und Sicherheit.


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Die Zeitung des Keren Hajessod Schweiz, Ausgabe Mai 2008 / I...