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E di tor i a l

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Früher war alles besser! Oder doch nicht? Die Noir-Redaktion und das Organisationsteam der JMT freuen sich über deine Post!

Inhalt

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nd drittens kommt es anders: Wer an dieser Stelle Noir Nummer drei erwartet hat, muss leider enttäuscht und auf das neue Jahr vertröstet werden. Stattdessen in euren Händen: die Noir Sonderausgabe. Was das ist? Ein Heft das ursprünglich innerhalb von 18 Stunden entstanden ist, als Veranstaltungszeitung der Jugendmedientage Baden-Württemberg. Aufgrund der knappen Zeit wurde die erste Auflage kopiert, zusammengetackert und ist nur in limitierter Auflage erhältlich. Damit nicht nur die Teilnehmer und Helfer der Jugendmedientage in den Genuss dieser Lektüre kommen, gibt es diese Sonderausgabe nun in zweiter Auflage. Sie hat einen optischen sowie inhaltlichen Feinschliff bekommen; kleine Schönheitfehler wurden verbessert. Wir hoffen, dass nun niemand denkt: „Früher war alles besser!“ Im neuen Jahr erscheint die vierte Ausgabe von Noir in gewohnter Form. Bis dahin wünschen wir euch viel Spaß bei der Lektüre dieser Sonderausgabe. Sie soll einen kleinen Einblick in ein arbeitsreiches, aber auch lehrreiches und spaßiges Wochenende geben. Nicht zuletzt unser fünfköpiges Text- und Layoutteam hatte während der Nachtschicht von Samstag auf Sonntag neben viel Arbeit auch jede menge Spaß! Aus müde wird eben irgendwann blöd! ;–) Wer auch mal Noir-Redaktionsalltag miterleben möchte ist herzlich eingeladen bei uns mitzuarbeiten – wir freuen uns über jedes neue Gesicht! 

F o t o : F ab i a n Som m er

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Gegen unseren Willen Workshop „Onlinemedien“ So war‘s: Workshop Wirtschaftsjournalismus

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Sprungbrett in den Journalismus Umfrage unter den Teilnehmern

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Die Jugendmedientage BW 2007 Ein Überblick

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„Wenn alle gegen Bush sind, dann bin ich für Bush“ Interview mit Thees Uhlmann

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Dürfen wir uns von HipHoppern die Politik erklären lassen? Resumée der Podiumsdiskussion

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Dicker Geldbeutel Die Finanzierung der JMT BW Gute Töne Workshop „Musikjournalismus“

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Gekonnter Einstieg Workshop Printmedien Die Stimme aus dem Äther Radio-Workshop mit DASDING

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Hinter den Kulissen der JMT Gespräch mit zwei Orgas

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Unauffindbar und doch überall Projektleiter Sören Binder

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Alles für den guten Zweck Live Earth und Großkonzerne Für Augen und Ohren Workshops Layout und Film

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Blitzlichtgewitter Der Foto-Workshop

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Shut up and sing Filmkritik „The Dixie Chicks“

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Editorial Impressum Sponsoren der JMT BW

Miriam Kumpf

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Gegen unseren Willen… Und trotzdem war der Online Workshop ein Glücksgriff

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igentlich wollte keiner den Workshop „Onlinejournalismus“ besuchen. Aber wir hatten keine Wahl. Unsere Lieblingsworkshops waren alle vergeben. Die meisten von uns waren zunächst enttäuscht. Aber schon nach kurzer Zeit erwies sich der Workshop als großer Glücksgriff. Uns konnte nichts Besseres passieren, als an diesem Workshop teilnehmen zu können. Wir waren eine kleine Gruppe und wurden von unseren sehr netten und hilfsbereiten Workshopleiterinnen Eva Rothfuß und Miriam Kumpf sehr gut betreut. Sie haben uns alles bestens erklärt und haben uns in der Praxisphase sehr unterstützt. Im Grunde unterscheidet sich der Onlinejournalismus nicht sehr vom Printjournalismus. Wir haben zuerst die Journalistischen Grundregeln gelernt (was für diejenigen von uns, die eigentlich Printgrundlagen lernen wollten, sehr willkommen war). Danach haben wir uns überlegt, welche Regeln für das Schreiben im Web

gelten. Grundregel Nr.1: Eine aussagekräftige Überschrift und ein knackiger Vorspann sind das A und O für einen spannenden Artikel. Ein Bild darf dabei nicht fehlen. Denn der durchschnittliche Internetsurfer liest sehr oberflächlich und die Gefahr, dass der eigene Artikel Journalistische Arbeit mit Stift und Block - auch für‘s Internet... ignoriert wird, wäre sonst sehr hoch. Am Nachmittagkonnten wir unsere Kenntnisse direkt sind. Die anfängliche Angst und Enttäuanwenden. Wir zogen los und sammelten schung war völlig umsonst. Dieser WorkInfirmationen. Danach setzten uns an die shop hat uns zum Onlinejournalismus moLaptops und schrieben unsere Artikel. Ge- tiviert, weil wir eine neue Art zu schreiben gen Ende des Tages stellten wir stolz unse- entdeckt haben. Wir können den Besuch eines Onlinejournalismus-Workshops jere Ergebnisse ins Internet. Wir sind froh, dass wir „gegen unseren dem empfehlen, der etwas Neues ausproWillen“ in diesen Workshop gekommen bieren will. Silke Brüggemann

So war´s: Wirtschaftsjournalismus Vier Teilnehmer über ihren Workshop „Wirtschaftsjournalismus“

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ass Wirtschaftsjournalismus ein hartes Handwerk ist, ahnten wir bereits. Positive Nebeneffekte wie Abendessen mit Vorständen waren uns jedoch ebenso neu wie vermeintlich unangenehme Arbeit mit hartnäckigen PR-Arbeitern. Interessant war die Schilderung aus dem Alltag des Wirtschaftsjournalisten der Financial Times Deutschland Oliver Wihofszki allemal. In kleiner, aber geselliger Runde erzählte er uns unser Workshopkeiter unter anderem vom Markt der Wirtschaftszeitungen, auf was es in welchem Ressort besonders ankommt und weshalb das Papier der Finan-

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cial Times orangefarben ist. In der Tat ein gelungener Workshop aus dem ich sehr viel mitgenommen habe.  Jens Holder Vier Leute, ein Referent: Die perfekte Arbeitsatmosphäre. In dieser hatten wir stundenlang Gelgenheit, um alles zu erfahren, was wir über den Witschaftjournalismus schon immer wissen wollten. Doch auch darüber hinaus lernten wir sehr Vieles. Dieser Workshop und seine Inhalte werden immer in meinem Gdächtnis bleiben. Danke.  Silke Steinbrenner

Der Workshop „Wirtschaftsjournalismus“ hat es erneut bewiesen: Wirtschaft ist bei Weitem nicht so trocken wie der Volksmund behauptet. Das die Wirtschaft häufig begleitende Gähnen blieb beim Workshop mit Financial Time Journalist Oliver Wihofszki völlig aus. Mit Spannung entdeckte ich gerne die Vielseitigkeit dieses Themas, wobei meine Faszination der gegenseitigen Abhängigkeit von Pressesprechern der Unternehmen und den Journalisten galt. So verbrachten wir einen überaus informativen Tag in lockerer und aufgeschlossener Atmosphäre.  J u l i a S p i e s b e r g e r

Fo t os : T ob i a s F i s c h er


Lifest y le ~ Ku lt u r ~ Ti t e l th Juegmean d~m Ped o ri en t r ätta g~e W Bai sse den-W nscha ürtftt em Re i se2~ 0 0 S7port i n S t~utjpbw-I t g a rt nt ern ~ Pol i t i k ~ B untes ~ berg

Sprungbrett in den Journalismus? Bestärken die Jugendmedientage bei den Teilnehmern den Berufswunsch Journalist? Traumberuf oder doch nicht? Hanna Alene hat nachgefragt.

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ie Jugendmedientage waren für viele eine Möglichkeit neue Leute kennen zu lernen, Kontakte zu Profis aus der Medienbranche zu knüpfen und Spaß zu haben. Hanna Alene hat bei ihrer Umfrage Stimmen junger Journalisten eingefangen, die mit dem Gedanken spielen, einen Beruf im Medienbereich zu ergreifen. Ob sie die Jugendmedientage in ihrem Berufswunsch bestärkt haben oder ob sie es sich anders überlegt haben, erfahrt ihr hier. Johanna Heuer, 17 Schülerin aus Freiburg: „Eigentlich interessiert mich Journalismus schon, ich hatte es mir auch schon überlegt, aber es mir leichter vorgestellt. Ich glaube es ist zu schwer, Fuß zu fassen und die Konkurrenz ist zu groß, da das einfach zu viele wollen. Außerdem würde mich die finanzielle Unsicherheit durch die unbezahlten Praktika und die unregelmäßigen Arbeitszeiten stören, so hat man viel zu wenig Zeit für eine eigene Familie.“

Alexander Schmitz, 19 Schüler aus Schwieberdingen: „Ich bin Chefredakteur bei der Schülerzeitung an meiner Schule, plane und organisiere gerne und war auch schon Pressesprecher bei einem Schulprojekt. Ich habe also dadurch schon Erfahrungen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und bin ganz gut im Koordinieren von Abläufen. Beruflich würde ich letztendlich gerne in Richtung Magazinjournalismus gehen.“ Ann-Katrin Wieland, 19 Studentin aus Hochdorf/Enz: „Ich studiere Medienmanagement mit der Fachrichtung Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation an der Macromedia Stuttgart. Ich möchte später in der Musikbranche arbeiten. Zum einen interessiert mich Öffentlichkeitsarbeit, zum anderen der Bereich Veranstaltungsorganisation. Je nachdem, wo es klappt. Nebenbei möchte ich Musikjournalistin für Printmedien werden. Ich bin momentan auch schon freie Mitarbeiterin bei einer Kreiszeitung, wo ich unter anderem CD-Kritiken schreibe.“ Anne Theimer, 18 Schülerin aus Heidelberg: „Ich bin hier, weil mich Journalismus an sich schon immer interessiert und ich die verschie-

denen Berufsfelder kennen lernen möchte. Mein Ziel ist, noch genauer herauszufinden welcher Beruf letztendlich in Frage kommt. Ich habe den Workshop „Printmedien: Musikjournalismus“ belegt, weil ich mich viel mit Musik beschäftige, selbst in einer Band spiele und ich so meine beiden Interessen miteinander verbinden kann.“ Pirmin Clossé, 18 Schüler aus Kaiserslautern „Ob der Journalismus das ist, was ich mein ganzes Leben lang machen will, weiß ich noch nicht. In den Bereich „Medien“ wird es aber auf jeden Fall gehen. Ich interessiere mich für Medien im Allgemeinen. Ich habe mich aber noch nicht genauer festgelegt und will mich im Moment auch noch nicht entscheiden. Nach meinem Abitur im Frühjahr möchte ich Medienwissenschaften studieren. Im Prinzip ist das eine Aufschiebung meiner Entscheidung, weil ich nach diesem Studium eigentlich in alle Richtungen gehen kann: Journalismus, Fernsehen, Radio Werbung und so weiter. Ich höre sehr viel Musik und lese Musikzeitschriften, und so war das hier die ideale Gelegenheit, mich näher über Musikjournalismus im Speziellen zu informieren, auch wenn ich es zu Hause immer wieder ausgeredet bekomme. Ich will mir hier mein eigenes Bild machen.“ Hanna Alene

Oliver Wihofszki, Referent des Workshops „Wirtschaftsjournalismus“

Von der Frauenquote bei der Financial Times Deutschland bis hin zu Testfahrten in der Toskana – bei Oliver haben wir einiges über den Arbeitsalltag eines Wirtschaftsjournalisten erfahren. Dass dabei bei weitem nicht nur trockene Bilanzen im Vordergrund stehen, ist spätestens bei den

Berichten über informelle Abendessen mit Porsche-Chef Wendelin Wiedeking aufgefallen. Nach dem Motto „klein aber fein“ hatten wir fünf „Wirtschaftler“ bei Brezeln, Red Bull und einem unkomplizierten Redaktionsklima einen super Workshoptag. 

A n n - K a t r i n S i e k e m e i e r,

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Gleich geht‘s weiter... Auf Seite 14 findet ihr den Artikel „Alles für den guten Zweck“, der im Workshop Wirtschaftsjournalismus recherchiert und verfasst wurde.

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Jugendmedientage BW 2007 Workshops, Podiumsdiskussion und Jubiläumsparty: Rund 100 Jungjournalisten feierten gemeinsam das 25. Jubiläum der Jugendpresse Baden Württemberg.

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ie Jugendmedientage fanden dieses Jahr vom 26.-28.Oktober unter dem Motto „Früher war alles besser! Oder doch nicht?“ in Stuttgart statt. Dort konnten junge Medienmacher in verschiedenen Workshops ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen und von Profis lernen. Veranstalter war die Jugendpresse BW. Rund 100 Teilnehmer trafen sich am Freitag im Stuttgarter Rathaus zur Eröffnung der Jugendmedientage. Im Großen Saal wurden sie von Vorstandssprecher der Jugendpresse Kai Mungenast und Albrecht Kutteroff von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg begrüßt. Auf der anschließenden Medienmesse im Foyer des Rathauses konnten sich die Jungjournalisten über verschiedene Verbände und Organisationen informieren, um so einen Einblick in verschiedene Medien zu bekommen. Vertreten waren unter anderem das Jugendnetz Baden-Württemberg und die Landeszentrale für politische Bildung. Später sahen sich die Teilnehmer den Film „Shut up And Sing/The Dixie Chicks“ im Stuttgarter Metropol-Kino an. Dieser gab ihnen einen Vorgeschmack auf das Thema der Podiumsdiskussion, die am nächsten Tag auf dem Programm stand: „Die Wiederkehr der politischen Musik“. Geschlafen haben die Jugendlichen ganz spartanisch in der Turnhalle des Dillmann-Gymnasiums in der Nähe des Tagungsortes mit Schlafsack und Isomatte. Nach einer unruhigen Nacht begann der Samstag mit einem gemeinsamen Frühstück. Im Anschluss starteten die Workshops. Zur Auswahl standen Fotojournalismus, Layout, Printmedien Grundlagen, Printmedien Musik- sowie Wirtschaftsjournalismus, Radio, Film, Online und Redaktionsleitung. Nach dem Mittagessen begaben sich die Teilnehmer wieder ins Rathaus zur Podiumsdiskussion „Die Wiederkehr der

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politischen Musik“. Geladen waren vier Referenten: der Leiter der Kommunikationsabteilung im Kulturamt der Stadt Stuttgart Werner Stiefele, der Sänger der deutschen Band Tomte Thees Uhlmann, die Kulturwissenschaftlerin und Publizistin Sonja Eismann sowie der freie Journalist Frank Apunkt Schneider. Mirko Drotschmann vom Jugendradiosender DASDING moderierte die Diskussion, die zu Beginn noch recht informativ und angeregt verlief. Spätestens beim Reizwort „Nationalstolz

in der Musik“ verlor sie ihren roten Faden und das Gespräch driftete in emotionale Äußerungen ab. Die Informationen wurden in den Workshops medial aufgearbeitet. Abends feierten alle Beteiligten im Stuttgarter Kunstmuseum das 25-jährige Jubiläum der Jugendpresse BW.  

Ann-Kathrin Freude, Marc Broens, Sebastian Häuslein

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“Wenn alle gegen Bush sind, dann bin ich für Bush.“ Mit Thees Uhlmann wurde für die Podiumsdiskussion ausgerechnet ein Musiker eingeladen, dessen Band als explizit unpolitisch wahrgenommen wird. Um zu klären, warum das so ist, und um festzustellen, ob sich hinter Tomte nicht doch ein politisch denkender Mensch verbirgt, haben wir mit ihm gesprochen.

Die Jugendmedientage haben sich die Wiederkehr der politischen Rockmusik zum Thema gemacht. Ist Tomte eine politisch motivierte Band? Auf keinen Fall. Ich bin ein politischer Mensch – wahrscheinlich politischer als 90 Prozent meiner Generation. Ich würde Tomte aber nie als politische Band bezeichnen. Künstler haben ein großes Publikum - ist es ihre Aufgabe, dieses Forum zu nutzen, um das Publikum zu beeinflussen? Nur einem Prozent der Künstler hören viele Leute zu — 99 Prozent hört niemand zu. Bono sagt: „Jetzt hört mal auf, die Bäume abzuschneiden.“ Und dann sagen alle: „Boa, das stimmt, ist ja schlecht, die Bäume abzuschneiden.“ Wenn ich in den ersten acht Jahren von Tomte gesagt hätte, „Hört mal auf, die Bäume abzuschneiden“... Aber was ist mit Künstlern, die den Einfluss haben? Das muss jeder mit sich ausmachen. Ich halte das Publikum, das Tomte hört, für viel zu intelligent, als dass es sich von halbseidenen Typen wie mir die Welt erklären lässt. Auch glaub ich selber nicht an Leute, die einem die Welt in so kleine Stücke hauen, dass man die mit seinem kleinstädtischen Gedächtnis essen kann. Vor dem Interview hast du ganz beiläufig einen interessanten Satz fallen gelassen: “So kriegen wir Deutschland wieder aus der Scheiße raus.“ In welcher Hinsicht steckt Deutschland in der Scheiße? Das ist so ein Scherz. 2001, 2002, als alles so depressiv war und wir unsere coo-

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len Jobs bei den Internet-Firmen verloren haben, da war das so ein gängiger Witz: „Hey, ich geb mal ein Bier aus“ – „Mit der Einstellung kriegen wir Deutschland wieder aus der Scheiße! Schön die Konjunktur pushen“. Man kann das eigentlich gar nicht mehr so sagen, weil Deutschland ja auf einer Welle des Erfolges schwimmt.

Weil das „Indie“ ist? Nein, das ist eher „Uhlmann“. Ich hab mal zu meinem Freund Markus Wiebusch gesagt – wir streiten uns ab und zu über Politik, weil Wiebusch auch ein alter linker Haken ist – und da hab ich gesagt: „Weißt du was, wenn alle gegen George Bush sind, dann bin ich für George Bush.“

Heißt das, dass keine Protestsongs geschrieben werden, weil es uns zu gut geht? Ich glaube, dass es immer ein, zwei Leute gibt, die in der Lage sind, mit einem Protestsong das Lebensgefühl einer Generation zu verändern. Generell aber glaube ich, dass die Welt viel zu kompliziert und auch zu aufgeklärt geworden ist, dass wir sowas wie den klassischen Protestsong einfach nicht mehr brauchen – wenn die Leute mehr als drei Gehirnzellen haben. Ist Tomte vielleicht keine so explizit politische Band, weil du selbst keine so starken politischen Meinungen hast? Gute Frage. Wenn ich Tomte mach’, hab ich ein Gefühl in mir, das sehr intensiv ist. In Richtung Liebe, Hass, Neid, Gier, Wollen-haben, das ist das Allergrößte, das ich je erlebt habe, das ist so schlecht, hier gehts nicht mehr weiter – das ist der Impuls, wo ich anfange, Texte zu schreiben. Das hat manchmal politische Spitzen, aber es interessiert mich für die Kunst nicht, politische Komplexe auszudrücken. Es ist heute schon fast Mainstream, auf der Bühne gegen Bush zu wettern. Distanzierst du dich absichtlich von sowas? Genau.

Gestenreich: Thees Uhlmann, Sänger der Band „Tomte“, diskutierte mit 100 Jugendlichen Medienmachern über die Wiederkehr der politischen Musik.

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Dürfen wir uns von HipHoppern die Politik erklären lassen? Bei der Podiumsdiskussion im Stuttgarter Rathaus diskutierten nahmhafte Referenten mit den Teilnehmern über die Wiederkehr der politischen Musik.

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at die Uni nie von innen gesehen, denkt aber, dass er politisch ganz groß ist“, schimpft Thees Uhlmann, Sänger der Band „Tomte“ über den Rapper Curse. Dieser Satz fiel unter anderem bei der Podiumsdiskussion am 27.10.2007 im Stuttgarter Rathaus. Im Publikum saßen rund hundert junge, motivierte Journalisten, die im Rahmen der Jugendmedientage Baden-Württemberg über ihren Notizblöcken hingen und eifrig fotografierten. Viel entspannter verlief der Vorabend, den die Jugendlichen im Kino verbrachten und sich den Film „Shut up and Sing/The Dixie Chicks“ ansahen. Dabei handelte es sich um eine Dokumentation über die texanische Band „The Dixie Chicks“, deren Karriere aufgrund einer politischen Aussage der Sängerin auf dem Spiel stand. Ihr Satz „I’m ashamed that Bush is from Texas“, der auf einem Konzert zu Beginn des Irak Kriegs fiel, löste großes Entsetzen bei den US Bürgern aus. Die Musik der Dixie Chicks wurde aus allen Country Radiosendern verbannt, ihre Konzerte boykottiert, sogar eine Morddrohung bekam die Sängerin. Dank diesen Films wurde den Teilnehmern schon am ersten Tag der Jugendmedientage bewusst, welche große Rolle politische Musik für die Gesellschaft spielt. Der Kinobesuch sollte den Jugendlichen eine Grundlage bieten, sich am nächsten Mittag engagiert an der Podiumsdiskussion zu beteiligen. Man hatte den Eindruck, Teil einer richtigen Pressekonferenz zu sein, obwohl das Durchschnittsalter der Teilnehmer nicht über 16 Jahren lag. Hauptthema der Diskussion war „Die Wiederkehr der politischen Musik“, was unter das große Motto des Medienwochenendes „Früher war alles besser! Oder doch nicht?“ fällt.

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Fragen stellen, Informationen für den Artikel sammeln, Fotos schießen und Referenten ausquetschen: Die Podiumsdiskussion fand im großen Saal des Stuttgarter Rathauses statt.

Die vier geladenen Gäste aus den Bereichen Musik und Journalismus waren Sonja Eismann, Kulturwissenschaftlerin und Publizistin, Werner Stiefele der für die Kommunikationsabteilung des Stuttgarter Kulturamts arbeitet, Frank Apunkt Schneider, freier Journalist und Experte für Musik und der bereits erwähnte Sänger Thees Uhlmann. Geleitet wurde die Diskussion von Mirko Drotschmann, Moderator beim Jugend-Radiosender DASDING. Er eröffnete die Diskussionsrunde mit den Worten „Musik war immer schon politisch, vor allem in den letzen 50 Jahren.“ In den 70er Jahren spielte die politische Musik jedoch eine größere Rolle als heute. Sie war Ausdruck des Protests der Jugendlichen gegen die Eltern. Das Zitat der deutschen Band Ton Steine Scherben „Ich will nicht werden, was mein Alter ist“ spiegelte die Meinung vieler junger Männer zu dieser Zeit wieder. Der Generationskonflikt

entstand dadurch, dass die Jugendlichen das Gefühl hatten, ihre Eltern hätten nicht genug Widerstand während des zweiten Weltkriegs geleistet. Dadurch entwickelte sich die politische Musik, die auch durch die Verbote der Eltern, diese zu hören, an Popularität gewann. Neue junge Bands präsentierten in ihren Texten oder in ihrer Art und Weise zu komponieren und Musik zu machen, politische Aussagen, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Sonja Eismann formuliert die heutige Situation der Jugendlichen treffend mit der Aussage „Heute ist keine Zeit mehr vier Jahre zu kiffen und irgendwas zu studieren, worauf man grad Bock hat“. Der Großteil der jungen Menschen sei nämlich zukunftsorientiert und beschäftigt sich auf Grund der wirtschaftlichen Situation schon früh mit Berufsplanung. Kurz gesagt, in der heutigen Zeit lebe man als Jugendlicher vor allem für den Lebenslauf.

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Trotzdem ist die politische Musik noch passend zu ihrem Workshopthema, nicht ganz verschwunden. Die Übrigge- wie zum Beispiel „Fotojournalisbliebenen werden von der Öffentlichkeit mus“, „Printmedien Grundlagen“, als Skandalrapper bezeichnet. Diese sind „Radio“ und „Redaktionsleitung“ heutzutage Diskussions- und Streitthema im Publikum. Es wurde rege mitzwischen Erwachsenen und Jugendlichen, geschrieben, Zitate gesammelt und aber auch unter Jugendlichen selbst, wie der Fotoworkshop veranstaltete man auch in ein wahres Blitzlichtder Diskussion gewitter. Als sie sich zwischen den schließlich selbst zu geladenen GäWort melden durften, sten und den wurde die Diskussion jungen Journahitzig und aufgrund listen feststelder mangelnden Zeit len konnte. Bei abgebrochen. der anschlieZusammenfassend Sonja Eismann über unsere Generation ßenden Wortlässt sich zu diesem meldungen der Thema sagen, dass die Jugendlichen, die unter anderem lautete: politische Musik noch immer aktu„Ich bin nicht so’n Gangster, der nachts ell ist, sich jedoch stark verändert rausgeht und Mülltonnen verbrennt“ hat. Außerdem ist das Problem der zeigte sich, dass es ihnen nicht gefällt heutigen politischen Musik, dass aufgrund ihres Musikgeschmacks in eine Erwachsene jedes einzelne Wort Schublade gesteckt zu werden. In frauen-, der Texte auf die Goldwaage legen homosexuellenfeindlichen und generell und Jugendliche die Worte oft nicht diskriminierenden Texten finden sie nicht ernst genug nehmen. Außerdem „Ich bin kein Gangster der Mülltonnen verbrennt!“ ihre eigene Meinung wieder, obwohl sie „habe ich noch zwei Gehirnzellen Schubladendenken aufgrund des Musikgeschmacks ist für die Jugendlichen heute tabu. die Musik von Aggro-Berlin und Sido ger- und lass mir deshalb nicht von ne hören, da ihnen „der Beat gefällt“. `nem Hip-Hopper die Politik erkläVon Beginn an gespannt und aufmerk- ren“, appelliert Thees Uhlmann an sam verfolgten die Jugendlichen die auf die jungen Medienmacher, selbst akmoderne und verständliche Basis gestaltete tiv zu werden.  Benita Hummel, Andrea Diskussion. Zuvor in Workshops eingeteilt,  Schill, Nora Schütz saßen alle mit verschiedenen Aufträgen,

“Keine Zeit mehr vier Jahre zu kiffen...”

Kommentar

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Widerstand zwecklos? Rebellieren heute.

Auf den Jugendmedientagen gab es eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Die Wiederkehr der politischen Musik“. Hier wurde unter anderem behauptet, dass die heutige Wirtschaftslage am mangelnden politischen Engagement Jugendlicher Schuld sei. Was Silke Brüggemann darüber denkt, erfahrt ihr in ihrem Kommentar.

Die Jugend heutzutage hat es schwer. In der Podiumsdiskussion wurde behauptet, dass Jugendliche es sich in der heutigen Zeit nicht mehr leisten können, gegen Staat und Gesellschaft zu rebellieren. Stattdessen müssen sie sich um einen Job kümmern. Wer hat da noch Zeit für politisches Engagement? Zeitgleich wurde noch nie soviel Unter-

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haltung in den Medien angeboten. Warum also Politik, Gesellschaft und Medien kritisch hinterfragen, wenn wir uns heutzutage mit Fernsehen, Internet und Konsum betäuben können? Die größte Herausforderung ist jedoch: Wie sollen wir gegen die Generation unserer Eltern rebellieren? Unsere Eltern waren es, die die ältere Generation mit Rock´n Roll provozierte. Rock und Pop war damals etwas Revolutionäres. Heute regt sich kaum jemand über Rock und Pop auf. Ein Beitrag aus dem Publikum war: „Wir wollen doch unsere Eltern gar nicht erschrecken“. Das ist ein weiteres Problem: Wir haben zu unseren Eltern ein anderes Verhältnis, als die Jugendlichen in den

70er Jahren. Die meisten von uns sind freizügig erzogen und haben zu ihren Eltern ein freundschaftliches Verhältnis. Subkulturen werden als freie Meinungsäußerung oder als Möglichkeit zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit angesehen. Da bleibt nur noch der viel kritisierte Hip Hop. Aber Hip Hop als Protest? Selbst die Jugend hat keine eindeutige Meinung darüber. Schulstress, Notendruck, Jobsuche: Wo bleibt da unsere Freizeit? Sollen wir unsere Lage als gegeben hinnehmen? Die Möglichkeiten dafür sind knapp. Aber es lohnt sich, sie zu nutzen. Zum Beispiel versuche ich mich sozial zu engagieren und meine Jugend zu genießen. Das will ich mir nicht nehmen lassen. No i r So n d e r a u s ga b e

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Dicker Geldbeutel Förderungen, Sponsoring und Teilnehmerbeiträge: Die Finanzierung der JMT

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ann es sein, dass ein Jugendevent fast ausschließlich durch Förderungen und Sponsoring finanziert wird? Ja, es kann. Das Beispiel sind die Jugendmedientage Baden-Württemberg. Das Großevent, das Ende Oktober in Stuttgart stattfand, wurde zu 90 % durch Förderungen und Sponsoring finanziert. Die restlichen 10 % machen die Teilnehmerbeiträge aus. Wie hoch das Gesamtbudget ist, daraus macht das Organisationsteam ein Geheimnis: „Das sagen wir grundsätzlich nicht“, sagt Mitorganisator Andreas Hensler. Mit dem Geld wurde für die Teilnehmer ein ausgefeiltes Programm organisiert, das sowohl anstrengende und lehrreiche Arbeitsphasen, als auch entspannende

Momente beeinhaltete. Die Referenten, die die Workshops leiteten, wurden von den Medienpartnern zur Verfügung gestellt. An Kosten fielen somit nur die Anfahrt und gegebenenfalls eine Übernachtung an. Die Förderer und Sponsoren können als Gegenleistung damit werben, dass sie die Jugendmedientage unterstützen: Ihr Logo wurde im Internet und auf Flyern veröffentlicht und sie hatten die Möglichkeit, sich am Freitagabend auf der Medienmesse im Rathaus zu präsentieren. Den Förderern und Sponsoren wurde somit die Gelegenheit gegeben, während den Tagen präsent zu sein. Die Förderstiftungen geben das Geld allerdings nicht, weil sie mit ihrem Logo vertreten sein möchten, sondern weil sie etwas für die Gesellschaft tun möchten. Die Gelder werden von der Jugendpresse verwaltet, die sich auch um die Buchhaltung kümmert. Im Interesse der Teilnehmer wurde das gesamte Budget natürlich sinnvoll ausgegeben, damit das Wochenen-

de für alle zu einem unvergesslichen Ereignis wurde. Manche haben sich bestimmt gefragt, wie die Jugendpresse an die Veranstaltungsorte kam. Nun, die Standorte wurden mit Absicht gewählt: Das Rathaus, die Seminarräume im staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung und die Übernachtungsgelegenheit, die Turnhalle einer Schule, wurden kostenlos zur Verfügung gestellt. Stuttgart, das mitten im Herz von Baden-Württemberg liegt, ist außerdem von allen Richtungen gut zu erreichen. Die Fahrtkosten werden von den Jugendmedientagen übernommen, damit „das Geld kein Hindernis ist, um an den JMT teilzunehmen“, so die Veranstalter. Alle mitwirkenden Helfer engagierten sich auf ehrenamtlicher Basis. Warum sie das machen? Eigentlich nur, um die Chance wahrzunehmen, andere Jugendliche kennenzulernen, die genau wie sie engagiert und interessiert sind. Auf so eine Jugend kann die Presse in Zukunft bauen. Silke Steinbrennerr

Gute Töne? Politisches Gedankengut in der Musikszene

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rüher war alles besser! Oder doch nicht?“ lautete das Motto der diesjährigen Jugendmedientage Baden-Württemberg. Auch der Workshop Musikjournalismus, geleitet vom Musikexpress-Redakteur Christoph Lindemann, beschäftigte sich mit diesem Thema. Unter dem Motto „Die Wiederkehr der politischen Musik“ stand dabei ein Interview mit Thees Uhlmann, dem Frontmann der deutschen Indieband „Tomte“, im Mittelpunkt der Arbeit. In äußerst pro- Die Teilnehmer des Workshops Musikjournalismus duktiver Zusammenarbeit der zwölf engagierten Teilnehmer entstanden zunächst die Fragen, aus denen H a r t l i n g , H e l e n R o o b , sich ein sehr interessantes Interview mit dem überaus auskunfts- K a t r i n W i e l a n d

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freudigen Uhlmann entwickelte. Über eine Stunde lang diskutierten wir über den Einfluss der Politik in der Musik der vergangenen und der heutigen Generationen. Das abschließende Kürzen für eine Online- sowie die auf Seite 7 abgedruckte Version des Interviews stellte sich als besonders schmerzhaft für unser Redaktionsteam heraus. Lukas Bach, Pirmin Clossé, A n n e T h e i m e r, C h a r l ot t - A m é l i e Te u t s c h , I n g r i d H a n s c h k e , M a r i a Blenich, Chantal Busse, Corinna L i sa K re ss i n , M i r i a m B e r n e r, A n n -

Fo t o s : p ixe lio . d e ( J ü r ge n O b e r gu gge n b erg er) ; u n b ek a n n t


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No i r So nd er a u sg a b e

A n n ka t h ri n B ark e n in gs

C h ar lo tt e G au ck l er

J oh a n n es Sc h 채 fe r

C h a rl ot t e G a u c kl er

Fab ian So m m e r

Seb as t ian C z u b

F a b i a n S om mer

S eb a s t i a n C z ub

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Impressionen


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Gekonnter Einstieg Die wichtigsten Tipps und Tricks für den Start in den Journalismus

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as ist eine Nachricht? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigte sich der Workshop „Printmedien Grundlagen“ bei den Jugendmedientagen 2007. Die verschiedenen Formen, wie Informationen verarbeitet werden können, wurden von Simone Drescher von der Stuttgarter Zeitung vorgestellt. Darüber hinaus wurde allgemein über das Zeitungswesen gesprochen. Später wurde es praktisch und wir wurden selbst aktiv: Verschiedene Übungen machten die Mitglieder kreativ und bereiteten sie auf ihre eigentliche Tagesaufgabe vor. Diese bestand darin, bei der Veranstaltungszeitung mitzuhelfen. Hierfür wurden verschiedene Stilformen verwendet: So

wagte sich beispielsweise eine Gruppe an ein „Feature“ heran, eine Form zwischen Sachbericht und Reportage.

 

Te i l n e h m e r d e s Wo r k s h o p s Grundlagen Printmedien

Die Stimme aus dem Äther Auf den JMT blicken Jugendliche hinter die Kulissen von Radiostationen

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ir hören es fast täglich, aber wie es funktioniert, das wissen wir nicht. Was steckt hinter einer Radiosendung, wie viel Aufwand bringt eine Sendungsgestaltung mit sich? All dies lernten die Radioworkshopteilnehmer bei den Profis von DASDING.

zeigte eine Einführung in Schnittprogramme. Mit diesen können Themen, zum Beispiel durch Weglassen von Inhalten, manipuliert werden. Nachmittags wurden die Workshopteilnehmer in den Gebrauch von Reportagegeräten eingewiesen.

ten?“ angewendet. Diese Beiträge wurden selbständig sendefertig vorbereitet. Und das tollste daran: Die Beiträge wurden nicht nur zum Spaß prodziert, sondern im Programm von DASDING gesendet: einige gleich am Sonntag in der Sendung „Gefühlsecht“, die anderen am Montag.

Zuerst wurden die Jugendlichen in die Radiotheorie eingeführt. Anhand von DASDING wurden die Grundlagen der Radiotechnik erklärt. Dass Audio-Schnitt Macht bedeutet,

Das gelernte Wissen wurde in Umfragen zu den Themen „Ist es okay, am Tag nach einer Party blau zu machen?“, „Ist es wichtig, sich für den Partner fit zu halten?“ und „Wie kann man die Beziehung frisch hal-

Wer nicht zuhören konnte, weil er das Schlafdefizit des Wochenendes aufholten musste, kann sich die Beiträge übrigens auf www.jmtbw.de anhören.  Te i l n e h m e r R a d i o w o r k s h o p

F o t o s : S e ba sti a n C zub

No i r So n d e r a u s ga b e

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Hinter den Kulissen Nach der Podiumsdiskussion hatten wir die Gelegenheit, zwei Mitglieder des Organisationsteams, Sebastian Nikoloff und Kai Mungenast, zu interviewen.

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ann haben die Vorbereitungen für die Jugendmedientage begonnen? Sebastian: Die Organisation läuft seit Januar, aber im Juni hat die heiße Phase mit mehreren Stunden Arbeit pro Tag begonnen. Wie lange gibt es die Jugendmedientage schon? Sebastian: Die JMT gibt es seit drei Jahren in Baden-Württemberg. Außerdem finden jedes Jahr bundesweite JMT statt. Inzwischen gibt es sogar europaweite Jugendmedientage, die European Youth Media Days. Wie lange ist die Jugendpresse BadenWürttemberg schon aktiv? Kai: Die Jugendpresse Baden-Württemberg gibt es seit 25 Jahren. Das Jubiläum haben wir zum Anlass genommen, zusam-

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men mit den Teilnehmern am Samstagabend im Kunstmuseum eine große Jubiläumsparty zu feiern. Deutschlandweit ist die Jugendpresse schon seit 60 Jahren aktiv.

Bekommt ihr Geld für eure Arbeit? Sebastian: Nein, wir machen das ehrenamtlich. Aber unsere Ausgaben, wie zum Beispiel Fahrt- oder Handykosten werden natürlich erstattet.

“100 Teil nehmer und über 20 Helfer“

Wie wird diese Großveranstaltung eigentlich finanziert? Sebastian: Hauptsächlich durch Sponsoren und Fördergelder. Die 25 Euro Teilnahmebeitrag reichen nicht aus, um Essen und Übernachtung zu decken. Sponsoren sind zum Beispiel das MedienKompetenz Forum Südwest, die AOK oder die Deutsche Bahn.

Die Dimensionen der JMT BW

Wie viele Teilnehmer und Teammitglieder sind bei den JMT dabei? Sebastian: An der Veranstaltung nehmen rund 100 Teilnehmer teil, dazu kommen über 20 Orgas - das sind die in den orangefarbenen T-Shirts.

Was ist das Hauptziel, das ihr in Zukunft mit eurer Arbeit und euren Angeboten erreichen wollt? Sebastian: Wir wollen noch mehr Jugendliche für die Medien begeistern. Denn die Arbeit mit den Medien ist wichtig für

F ot o: L u c a L ei c h t


Ju g e n d m ed i en ta g e Ba den-W ürt t em berg 2 0 0 7 i n S t ut t g a rt

Die Jugendmedientage BW

Wieso, weshalb, warum? Die Jugendmedientage sind dazu da, die Chance zu haben, Medien selbst zu produzieren. Es fängt an mit einfachen Grundlagen für die Schülerzeitung und reicht bis zum Layout einer ganzen Zeitung. Man kann sich auf fortgeschrittenem Niveau weiterbilden, lernen, im Team zu arbeiten und Verantwortung

zu übernehmen. Die Jugendmedientage sind eine tolle Gelegenheit, Talent zu entdecken und zu fördern. 2005 fanden zum ersten Mal die Jugendmedientage statt, allerdings waren es nur einzelne Tage. Dieses Jahr fanden die JMT BW zum drittten Mal statt – und erstmals an einem ganzen Wochenende.

Projektleiter Sören Binder

Unauffindbar und doch überall Die Orgas sind weithin gut sichtbar unterwegs — und ständig im Dienst der JMT auf Achse

die Gesellschaft. Journalisten schauen den Politikern auf die Finger und sorgen für Aufklärung. Kai: Seit es die Jugendpresse BadenWürttemberg gibt, hat sich schon vieles verbessert. So ist zum Beispiel die Finanzierung für Schülerzeitungen besser geworden, auch Vergünstigungen für Mitglieder wurden eingeführt. Der bundesweit einheitliche Jugend-Presseausweis hat eine immer größere Akzeptanz. Was ratet ihr Jugendlichen, die gerne im Journalismus arbeiten möchten? Sebastian: Es ist sehr wichtig, Praxiserfahrung zu sammeln und das Schreiben zu üben. Studieren kann man, was einem Spaß macht, man sollte aber auch an die Berufsaussichten denken. Es nutzt wenig, Fernöstliche Kulturgeschichte mit Nebenfach Ethnologie zu studieren. Es sei denn, es interessiert denjenigen tatsächlich brennend. Kai: Im Handbuch „Einstieg in den Journalismus“ findet man alles Wissenswerte zu diesem Thema. Außerdem kann man sich über Seminare und Praktika weiterbilden. Auch unser Verbandsmagazin „Noir“ bietet jungen Journalisten eine Plattform. Vielen Dank für dieses Gespräch. Okan Bellikli, Katharina Funk, Fabian Lippmann

Man hört von ihm - sieht ihn aber nicht. Die Rede ist nicht von einem Poltergeist, sondern vom 17-jährigen Sören Binder, dem Projektleiter der Jugendmedientage Baden-Württemberg 2007. Caroline Haro hat ihn getroffen und mit ihm über Handys, die Planung einer Großveranstaltung und die Vereinigten Staaten gesprochen.

Als wichtiger Teil der Jugendmedientage (JMT) ist er tatsächlich sehr selten zu sehen, doch Fadenzieher haben das nun mal so an sich. Da uns Teilnehmern dieser Veranstaltung die gute Planung schon am ersten Tag aufgefallen ist, liegt die Frage nahe: Wer steckt hinter all dem? Auf die Einladung zu einem kurzen Interview bekomme ich ihn zum ersten Mal zu Gesicht. Ganz entgegen meiner Erwartungen scheint er mir sehr locker und ruhig, keinesfalls nervös. Auf die Frage, wie er sich fühle, antwortet Sören, dass die ganze Aktion auf jeden Fall eine stressige Angelegenheit sei und sein Handy immerzu klingele. Doch der Spaß, den er dabei habe, lasse sich durch nichts verderben: „Wenn ich daran denke, dass die Teilnehmer Spaß an der Sache haben und etwas lernen, dann lohnt es sich.“ Sein Handy, das Sören auch während des Interviews in den Händen hält, spielt an diesem Wochenende in der Tat eine große Rolle. Bereits an den ersten beiden Veranstaltungstagen war das Organisationsteam immer fleißig dabei, ihn per Mobiltelefon mit vielerlei Fragen zu löchern: von PC-Problemen bis zu Terminänderungen.“Mindestens alle zehn Minuten klingelt mein Handy“, erzählt er. Zwei Minuten später, wie vorhergesagt, ertönt sein Klingelton. Ob er bei dem Stress überhaupt noch zum Essen oder Schlafen komme? „Verzögert und immer nebenher“ ist seine Antwort. Da erüb-

rigt sich fast meine nächste Frage und doch stelle ich sie: „Kommst du dazu, an den JMT teilzunehmen, in die Workshops mal reinzuschauen?“ Nein, die paar Minuten, die ihm frei blieben, wolle er sich auch frei halten. Durchaus verständlich bei all der Arbeit. Wichtige Erfahrungen mache er trotzdem, auch wenn sie nicht innerhalb der Workshops stattfinden. Obwohl die Planungen bereits im Januar auf dem Aktiventreffen der Jugendpresse begonnen haben, gebe es Verbesserungsmöglichkeiten. Um das ganze Projekt, die zahlreichen Veranstaltungen und Seminare auf die Beine zu stellen, sind ein fünfköpfiges Kernteam und über 20 weitere Mitarbeiter rund um die Uhr im Einsatz. Ein Medienevent für über 100 Jugendliche zu organisieren und den Schulstress unter einen Hut zu bekommen – für Sören eine besondere Herausforderung, die er nicht scheut. Manchmal komme dabei die Schule zu kurz, nur eines wolle er nicht: Schwänzen. Ein Wochenende kaum geschlafen, wenig gegessen, den ganzen Tag auf den Beinen - da träumt auch Sören von Erholung: „Einfach weit wegfahren, am liebsten in die USA. Und das ganz ohne Laptop und Handy.“ Doch daraus wird wohl nichts: Der nächste Ferienjob steht an, schon am Tag nach den JMT. So ist er, der Mann im Hintergrund. Sören Binder – der Projektleiter der JMT – unauffindbar und doch überall.

No i r So n d e r a u s ga b e

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Alles für den guten Zweck Während Al Gore auf der Bühne des Live Earth Festivals Reden für den Klimaschutz schwingt, lachen sich große Konzerne ins Fäustchen

L

ängst haben sie die globale Reichweite von Festivals für ihre Geschäfte entdeckt. Denn für die Unternehmen spielen keineswegs nur moralische oder politische Beweggründe eine Rolle. Vielmehr stehen für sie wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. „Konzerne wägen genau ab: Was kann mir nützen, was kann mir schaden“, sagt Sonja Eismann, Kulturwissenschaftlerin mit Spezialgebiet Popindustrie. Ein positives Image ist heutzutage alles – „aus reiner Nächstenliebe geschieht da nichts“, meint Eismann. Dabei sei der Wohlfühlfaktor, der sich bei den Konzerten auf die Produkte übertragen soll, entscheidend, sagt die Kulturwissenschaftlerin. Ein Beispiel von vielen ist das Elektronikunternehmen Philipps. Beim Live Earth Konzert 2007 war der Konzern einer der Hauptsponsoren. Mit dem Augenmerk auf den Klimaschutz sollte auf die neuen umweltschonenden Geräte aufmerksam gemacht werden. Doch nicht nur Philipps

Michael Heinz, Referent des Layout-Workshops, im Dialog mit den Teilnehmern

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No i r So nd er a u sg a b e

macht sich diese Marketingstrategie zu Nutzen. Auch Vertreter der Autoindustrie versuchen so ihre Zielgruppen zu erreichen und für ihre neuen Modelle zu werben. Getreu dem Motto „verbinde Lifestyle und Umweltschutz“ betrieb Smart den offiziellen Shuttle-Service für Künstler und Prominente beim Live Earth Festival. So meint Smart-Verkaufschef Anders Sundt Jensen: „Mit der Marke Smart wollen wir Menschen dazu anregen, bewusst zu leben, Bestehendes zu hinterfragen und offen für neue, zukunftsweisende Lösungen zu sein.“ Ein umweltbewusstes Image – dies ist auch das Ziel von Chevrolet. Aber lassen sich schnelle Autos und Umweltschutz wirklich miteinander vereinbaren? Für die Unternehmen scheint die Rechnung aufzugehen, sonst würden sie nicht viel Geld in das Sponsoring von Wohltätigkeitskonzerten stecken. Gibt es überhaupt Musikfestivals jenseits der Marktmechanismen? „Totaler

Nobelpreisgewinner Al Gore während einer Rede auf einem der Live-Earth-Konzerte

Humbug“, meint Werner Stiefele, erfahrener Musikjournalist aus Stuttgart, „diese Vision ist absolut unrealistisch“. Unternehmen haben dies schon vor geraumer Zeit erkannt. Für ein gutes Image zahlen sie Millionen. Um es auf den Punkt zu bringen: Bei der Kommerzialisierung stellen Benefizkonzerte leider keine Ausnahme dar.  

A n n - K a t r i n S i e k e m e i e r, Julia Spiesberger

Layout Workshop

Film Workshop

Das Auge liest mit

Klappe zu und Action

Die Firma Adobe ist wohl jedem bekannt, der sich mit Bildbearbeitung, Layout & Co. beschäftigt. Im Layoutworkshop mit Michael Heinz von der Zeitschrift „Auto Motor Sport“ hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, die Grundlagen von Adobe InDesign, einem der populärsten und beliebten Layoutprogramme, zu lernen. Der Workshopleiter beantwortete geduldig und kompetent alle Fragen und gab im Vorraus Tipps zu Aufbau und Gestaltung eines ansprechenden Layouts. Dank dieser Hilfe kamen alle Teilnehmer gut mit dem Programm zurecht und haben sich ein Wissen erarbeitet, auf das sich gut aufbauen lässt.

Sie flimmern weltweit über die Bildschirme und bringen das aktuelles Geschehen aus aller Welt in unsere heimischen vier Wände. Dass viel Arbeit dahinter steckt bis eine TV-Nachricht entsteht, lernen die Teilnehmer des Filmworkshops. Ihnen wurden von Jonas van de Löcht, Produktionsassistent, und Gün Aydemir von Artists & Clients eine theoretische Einführung in die Grundlagen des Films geboten. Nach der Analyse von Werbespots und einem Musikvideo, drehten sie Szenen an den originalen Schauplätzen nach. Im Anschluss haben wurden diese besprochen und bearbeitet.

Fo t o s : Br e n d an Sm ialo ws ki/ G et t y I m ag es ; S eb a s t i a n C z u b


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blitZlichtGewitter

impressum

Der beliebteste Workshop dieses Jahr war zweifellos der Fotoworkshop

D

er Workshop „Fotographie“ beschäftigte sich mit der Theorie und Praxis der fotografischen Berichterstattung. Von der Vorbereitung einer Aufnahme und der Technik über die Bildbearbeitung bis zum Foto- und Urheberrecht, konnten die Teilnehmer alles über die Welt des Bildjournalismus erlernen. Zuerst musste geklärt werden, was „Bildjournalismus“ eigentlich bedeutet und was das Tätigkeitsfeld eines Journalisten dieses Bereichs beinhaltet. Anschließend lernten die Teilnehmer alles über das Werkzeug des Fotojournalisten: den Fotoapparat, dazu Bildausschnitte, Gestaltung, Objektive und Formate. Dazwischen gab es immer die Möglichkeit, Fragen an die Referentin und professionelle Fotographin Carina C. Kircher zu stellen. Um das gelernte Wissen umzusetzen, wurden die Jugendlichen zur Podiumsdiskussion geleitet, wo sie ihr

neu erlerntes Wissen gleich umsetzen konnten. In einem weiteren Schritt wurden die Workshop-Teilnehmer in die Kunst der Bildbearbeitung eingeführt. Sie lernten dabei, wie man mit Hard- und Software umgehen muss und damit Fotos bearbeitet. Zum Abschluss wurden Fragen zum Foto-, Urheber- und Persönlichkeitsrecht sowie zum Honorar und zur fairen Bezahlung geklärt.

Noir ist das junge Magazin der Jugendpresse BadenWürttemberg e.V. Sonderausgabe Oktober 2007 Erschienen im Dezember 2007 Herausgeber Jugendpresse Baden-Württemberg e.V. Schlossstr. 23 74372 Sersheim Tel.: 07042 831718 Fax: 07042 831740 www.jpbw.de buero@jpbw.de

Te i l n e h m e r F o t o w o r k s h o p Schlussredaktion (ViSdP) Tobias Fischer (Anschrift wie Herausgeber) tobias.fischer@noirmag.de

Layout Tobias Fischer, Simon Staib, Luca Leicht Fabian Sommer, Miriam Kumpf, Katrin Ehmke layout@noirmag.de

Bei den JMT ist voller Körpereinsatz für das perfekte Bild gefragt.

Titelbilder Sebastian Czub (2x), Luca Leicht, Annalena Bottmann

Redaktion

OriGinal-impressum der juGendmedientaGs-ausGabe * Redaktion (Zeitung & DVD): Hanna Alene, Oliver Ascherl, Lukas Bach, Annkathrin Barkenings, Martika Baumert, Annabell Bayer Oves, Okan Bellikli, Miriam Berner, Nikola Blaschke, Maria Blenich, Simon Bohn, Annalena Bottmann, Marc Broens, Silke Brüggemann, Chantal Busse, Tabea Bußmann, Nupelda Ciftci, Pirmin Clossé, Sebastian Czub, Felix Deiters, Manuel Dietz, Susan Djahangard, Timo Dorsch, Johanna Feld, Isabel Fichter, Paula Frank, Nicole Freihoff, Ann-Kathrin Freude, Steffen Frys, Katharina Funk, Gabriel Fürst, Charlotte Gauckler, Julia Geßner, Tamara Gröber, Philipp Günther, Ingrid Hanschke, Carolin Haro, Corinna Hartling, Sebastian Häuslein, Johanna Heuer, Lena Heuer, Angelika Hinz, Lukas Hoffmann, Lea Hokenmaier, Simon Holdermann, Svenja Horn, Benita Hummel, Philip Kanwischer, Wlada Kasper, Caterina Kattler, Olga Kiefer, Laura König, Bianca Krauss, Lisa Kressin, Miriam Kurz, Tanja Lau, Sabrina Lehrer, Nele Link, Fabian Lippmann, Michaela Mack, Gamze Mandaci, Patrick Mayer, Ronja Morgenthaler, Marcus Müller, Verena Negwer, Jasmin Pfirsing, Asuvini Ratnamaheson, David Rau, Daniel Reeß, Sarah Renner, Marcel Rich-

ter, Helen Roob, Sonja Ruhland, Johannes Schäfer, Marie-Christine Scheffold, Sandra Scherbarth, Pascal Schill, Andrea Schill, Ulrike Schirmer, Anna Schmauder, Veronika Schmid, Alexander Schmitz, Sarah Scholl, Melanie Schollenberger, Hannah Schüller, Nora Schütze, Nikolai Sexauer, Ann-Kathrin Siekemeier, Julia Spiesberger, Kevin Spitta, Silke Steinbrenner, Nadine Tannreuther, Nur Tetkin, Charlott-Amélie Teutsch, Anne Theimer, Patricia Vanek, Lisa Villing, Paul Volkwein, Hendrik von Raven, Alice Watmann, Stephan Westphal, Ann-Katrin Wieland, Jürgen Woidschützke und alle anderen Teilnehmern die wir hier vergessen haben... Ebenso danken wir ganz herzlich den Referenten und Workshopleitern Simone Drescher, Christoph Lindemann, Oliver Wihofszki, Eva Rothfuß, Miriam Kumpf, Carina Kircher, Michael Heinz, Mirko Drotschmann, Gün Aydemir, Jonas van de Löcht und Frauke Müller Wir (das 18 Std.-Layout-Team) danken: - den Red-Bull-Blondinen, - dem teuren Kaffeeautomaten im Seminar,

- dem Poltergeist, - Ferrero für die Strandnasen, - den zwölf stinkenden Laptops, - allen, die auf der Party waren und für uns mitgetrunken haben, - Sebastians sensibler Direktheit, - Frauke, die unsere Gesichter von den Spuren der durcharbeiteten Nacht befreien wird - Simons Geldbeutel, - Sebastians Dönergeld, - Tobias‘ ermunterndem „Sei kreativ!“, - Adobe für die tollen Testversionen von Photoshop, InDesign und Lightroom, - Fabian für seinen aufmunternden und sehr belustigenden Wutausbruch um kurz vor vier..., - der Zeitumstellung (ohne die zusätzliche Stunde wär‘s wirklich verdammt knapp geworden!!!), - dem Dönerladen dem die Frauen vertrauen - Mirko und DASDING für „Ehrlichkeit und den ganzen Schrott...“ - Miriam für den Zusammenbau der Ü-Eier-Figuren die uns stundenlang beim Layouten motiviert haben, - Luca und Tobi für die hoffentlich sichere Fahrt nach Sersheim zum Kopierer.

Alle Teilnehmer des Workshops „Redaktionsorganisation“ sowie Miriam Kumpf, Katrin Ehmke und Tobias Fischer redaktion@noirmag.de

Anzeigen, Finanzen, Koordination Sebastian Nikoloff anzeigen@noirmag.de sebastian.nikoloff@noirmag.de

Druck Horn Druck & Verlag GmbH & Co. KG, Bruchsal www.horn-druck.de

Noir kostet als Einzelheft 2,00 Euro, im Abonnement 1,40 Euro pro Ausgabe (8,40 im Jahr, Vorauszahlung, Abo jederzeit kündbar). Bestellung unter der Telefonnummer 07042 831718 oder per Mail an abo@noirmag.de. Für Mitglieder und Interessenten der Jugendpresse BW ist das Abonnement im Mitgliedsbeitrag enthalten. Noir wird gefördert von der Youth Bank Mannheim.

* Die Ausgabe der Jugendmedientage wurde innerhalb von 18 Stunden am Stück (!!!) gelayoutet, kopiert und getackert, um sie am Sonntagmorgen allen Teilnehmern, Referenten und Helfern als Veranstaltungszeitung mit nach Hause geben zu können.

F o t o : A n na l ena B ottm a nn

No i r So n d e r a u s ga b e

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Amerikas Radiosender gegen junge Musikerinnen Durch einen ungeschickten Kommentar über den amerikanischen Präsidenten löste die Musikgruppe „The Dixie Chicks“ aus Texas einen großen Skandal aus

N

äheres über den daraus resultierenden Einschnitt in der Karriere der Dixie Chicks konnten die Teilnehmer der Jugendmedientage am Eröffnungsabend bei der Kinovorführung von „Shut up and sing“ erfahren. Beeindruckend fand den Film auch Susan Djahangard, die über den Doku-Film berichtet und weitere Meinungen eingefangen hat. The Dixie Chicks, das sind drei junge Countrymusikerinnen aus den USA, hinter denen kaum einer selbstbewusste Frauen mit eigener politischer Meinung vermutet. Der Film „Shut up and Sing“ dokumentiert die tragische Geschichte der weltweit erfolgreichen Band aus Texas. Während eines Konzerts 2003 in London äußert sich Nathalie Maines, Frontfrau der Dixie Chicks, ohne große Hintergedanken provozierend gegenüber dem amerikanischen Präsidenten. Als Scherz gedacht, meint die Leadsängerin, dass sie sich schämen würde, dass George W. Bush ebenfalls aus Texas komme. Kurz vor dem Irak-Krieg stößt dies auf großen Widerspruch unter der amerikanischen Bevölkerung und löst in den USA einen großen Skandal aus.

Kommentar

~

Auswirkung ein Satz auf eine ganze Nation haben kann“. Silke Brüggemann, Studentin aus Waiblingen, bezeichnet es als „interessant zu sehen, wie drei junge Frauen durch diese provokante Nebenbemerkung ihr politisches Engagement entdecken“. „Shut up and sing“ ist auch für an der Countrymusik Nicht-Interessierte empfehlenswert. Es ist spannend und unterhaltsam für jeden zu sehen, wie stark der Einfluss der Medien ist und welche Auswirkungen eine achtlose Bemerkung mit sich bringen kann. Direkt auf die Band bezogen wirft der Film einen neuen Blick auf die Musikgruppe Dixie Chicks und regt dazu an, ein größeres Augenmerk auf den Inhalt ihrer Texte zu legen und sich Gedanken darüber zu machen. Die Teilnehmer der Jugendmedientage haben dies getan - und die Podiumsdiskussion am Samstag griff das spannende Thema nochmals auf. 

Susan Djahangard

Politische Musik damals und heute

Die heutige Jugend wird scheinbar immer unpolitischer, doch woran liegt das? Ein Grund könnte die aktuelle Musik sein. Die Zeiten, in denen man zum Woodstockfestival pilgerte und mit Überzeugung Häuser besetzte, sind definitiv vorbei. Stattdessen strömen die Massen zu diversen Castingshows und halten SPD für eine Hautcreme. Doch dieser Zustand ist sehr gefährlich. Schon seit Jahren nimmt die Wahlbeteiligung drastisch ab. Ein Aspekt könnte die

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Der Film verdeutlicht, wie eine Randbemerkung von den Medien aufgebauscht werden kann. Die amerikanischen Radiosender weigerten sich in Folge der Aussage von Nathalie Maines, Songs der Dixie Chicks zu spielen. Beeinflusst durch die Medien vernichteten viele einstige Fans ihre CDs und protestierten öffentlich. Sogar George W. Bush äußerte sich persönlich im Fernsehen zu dem Vorfall. Erstaunt, was sie ausgelöst hatten, bezog die Band öffentlich Stellung, welcher jedoch kaum Beachtung geschenkt wurde. Durch den Verlust eines Großteils ihrer Fans und die mangelnde Präsenz in der Öffentlichkeit nahm der Erfolg der Dixie Chicks stark ab und es dauerte mehrere Jahre, bis sich die Band zurück in die Charts kämpfen konnte. Im Rahmen der Jugendmedientage Baden-Württemberg wurde den Teilnehmern die Dokumentation „Shut up and Sing“ in einem Stuttgarter Kino vorgeführt. Die jungen Medienmacher äußerten sich durchweg positiv. Die 16-jährige Schülerin Paula Frank aus Weinheim hatte vorher nichts von den Dixie Chicks gehört, findet es jedoch beeindruckend, „was für eine

No i r So nd er a u sg a b e

fortschreitende Kommerzialisierung der Musik sein. Wo landen wir denn in zehn Jahren, wenn sich die Jugendlichen nur noch von Bands wie Monrose berieseln lassen? Aber auch hier gibt es kleine Lichtblicke: zum Beispiel Bands wie Freundeskreis oder Tocotronic. Doch der Großteil der Musiker und Labels sieht es wie Thees Uhlmann (Leadsänger von Tomte): „Der Künstler sollte seine verdammte Kunst machen und nicht die Welt verändern“. Platten-Labels

zum Beispiel fänden ein politisches Statement von ihrem Künstler nicht so prickelnd, da ihnen durch dieses Statement, wenn es sich nicht gerade um „Bush-Bashing“ handelt, viel Geld durch die Lappen gehen würde. Trotzdem sollten die Musiker die Möglichkeit nutzen, ihre Stücke ein bisschen zu politisieren und ihre Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft wahrzunehmen. Pa t r i c k M a y e r ,  N u r Te t k i n , R o n j a M o r g e n t h a l e r


D i e Ju g en d m e d i e n t ag e 2 0 0 7 wa ren ei ne Vera nst a l t ung de r

u n d w u r d en vo n f o l g e nden F örderern und Sponsoren unt e rst üt zt :

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NOIR - Ausgabe 3: Jugendmedientage 2007  

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