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IRREAL IDEAL


joshua marr — 8. semester kommunikationsdesign Editorial Design — FH Potsdam Prof. Jutta Simson

Dokumentation

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KONZEPT ide·al — ein als höchsten wert erkanntes ziel, eine angestrebte idee der vollkommenheit

Irreal Ideal ist ein Gesellschaftsmagazin, das sich mit dem Begriff des Idealen auseinandersetzt. Das Ideal, als Idee der Vollkommenheit, ist etwas Abstraktes, Erstrebenswertes, dass die Menschheit seit Jahrhunderten beschäftigt. Das wahrhaftig Ideale existiert nicht in der realen Welt, sondern geistert nur durch unsere Köpfe als utopische Vorstellung. Das Ideal­e ist unerreichbar, fern und in manchen Fällen sogar Weltfremd. Das blinde und unnachgiebige Streben nach Perfektion und Vollkommenheit, so ehrenhaft wie die Absicht sei, nimmt meistens Ausmaße an, die schwer zu bändigen sind. G­ enau mit diesen empörenden Ausmaßen setzt sich Irreal Ideal auseinander.

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THEMEN 1. ausgabe

Schön sein.

Schönheitswahn, Modeopfer, Ordnung

2. ausgabe

Realität

Reality TV, Trash, Realitätsverzerrung

3. ausgabe

Religion

Das Schlimmste ist, dass hierfür keine Erklärung nötig ist

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UMSETZUNG

IRREAL IDEAL


IRREAL IDEAL 1. ausgabe <> sommer 2011

Schön sein. d: 5,60 € ö: 7,90 € ch: 8,50 €


IRREAL IDEAL 2. ausgabe <> winter 2011

Realität

d: 5,60 € ö: 7,90 € ch: 8,50 €

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IRREAL IDEAL 3. ausgabe <> frühling 2011

Religion

d: 5,60 € ö: 7,90 € ch: 8,50 €


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DAS AUGE DES BETRACHTERS text: tim ackermann

Hier ein wenig Lippenaufpolsterung, da eine kleine Nasenkorrektur, dort etwas Hüftgold absaugen – zu keiner Zeit wurde die Perfektionierung des Körpers derart ins Strahlungsfeld der Ereignisse gerückt wie in der Gegenwart. Für Menschen mit geringem Selbstwertgefühl bleibt diese Entwicklung nicht folgenlos: Je größer der Unterschied zwischen propagiertem Ideal und Bewertung der eigenen Attraktivität, desto unzufriedener ist man mit seinem Erscheinungsbild.

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Im bEkLEIdEtEn ZustAnd hAttEn FRAuEn tunLIchst jEdEs GRAmm FEtt Zu kAschIEREn Dass aber das Schönheitsideal im Laufe der Geschichte immer wieder neu definiert wurde, scheint fast in Vergessenheit geraten zu sein. Eine Stupsnase in der römisch-griechischen Antike? Nicht gerade der Inbegriff weiblicher und männlicher Anmut? Die knabenhafte Damen-Taille im Barock? Peter Paul Rubens hätte vermutlich nicht mal seine Staffelei aufgebaut. Sonnengebräunte Gesichter im viktorianischen Zeitalter? Schlichtweg undenkbar. Heute gilt die schlanke Silhouette als wesentliches Merkmal einer attraktiven Optik. Auch im klassischen Altertum, insbesondere bei den Griechen, standen ausgewogene körperliche Proportionen stellvertretend für ein erstrebenswertes Schönheits-Ideal. Allerdings mit einem Unterschied: Ein schmalgliedriges, gertenschlankes Erscheinungsbild war mit der hellenistischen Forderung nach Harmonie von Körper und Geist nicht gemeint. Zwar hatten der Kopf und die weibliche Brust möglichst klein zu sein, mäßige Fettpolster waren aber erlaubt. Von Hippokrates ist überliefert, dass er sehr rundlichen Spartanern empfahl, überflüssige Pfunde durch extreme Bewegungsübungen kombiniert mit Fasten, zu Leibe zu rücken. Doch die gebräuchliche Redewendung spartanischer Lebensweise bezieht sich ihrem Ursprung nach ausschließlich auf die bescheidenen Behausungen der Einwohner der Stadt Sparta. Der christliche Glaube prägt das Weltbild im Mittelalter. Demgemäß ist nun jegliches Augenmerk auf Körperlichkeit verpönt. Die »edeliu schoene Frouwe reine«, wie Walther von der Vogelweide das Frauenideal im 13. Jahrhundert in seinen Minneliedern umschrieb, sollte vor allem eines sein: ansehnlich, aber schmucklos. Mit einem zwölfteiligen Dossier über die Kosmetik und Pflege von Gesicht und Haaren verfasste der Gelehrte Gilbertus Anglicus ein für damalige Verhältnisse richtungsweisendes Werk – auf die Gegenwart

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des spätmittelalterlichen Alltags hatte dies jedoch keinen Einfluss: Schlicht und möglichst unauffällig hatte sich der Mensch in der Öffentlichkeit zu zeigen. Anders das Zeitalter der Renaissance: Sämtliche Normen und Werte des Mittelalters kamen auf den Prüfstand. Das blieb nicht folgenlos: In der Kunst ist endlich wieder die Darstellung unverhüllter Körper erlaubt. Arme und Beine sollten möglichst grazil sein, Bauch, Gesäß und Taille durften hingegen deutliche Rundungen aufweisen. Ein porzellanfarbener Teint galt zunehmend als Ausdruck besonderer Anmut. Wen die Natur nicht mit ausgeprägter Hellhäutigkeit ausgestattet hatte, der konnte mit einer Paste aus Bleiweiß und Quecksilberverbindungen nachhelfen. Zwar rieten Zeitzeugen wie der Humanist L. B. Alberti vor der Anwendung der giftigen Schwermetallpomade ab, doch die Warnungen wurden besonders in Adelskreisen in den Wind geschrieben. Dass im Barock der Übergang von der wohlgenährten zur korpulenten Figur fließend war, ist hinlänglich bekannt. Heutige Begriffe wie Rubensfigur oder barocke Lebensart scheinen eine genussbetonte und ausschweifende Lebensart zwischen 1600 und 1720 zu beleuchten. Wohlgenährte Körper in Hülle und Fülle? Der Schein trügt. Denn im bekleideten Zustand hatten Frauen tunlichst jedes Gramm Fett zu kaschieren. Das Korsett erzeugt jetzt eine künstliche Wespentaille. Auch das in der bildenden Kunst postulierte Ideal vom wallenden, gekräuselten oder gelockten Haar durften Frauen außerhalb des Schlafgemachs nicht ohne weiteres verwirklichen. In der Öffentlichkeit hatte die Haartracht gebändigt, gescheitelt und zurückgekämmt zu sein. Ähnlich im Rokoko: Als schön und gepflegt galt das weibliche Geschlecht erst, wenn die Haare aufgesteckt und möglichst gepudert sowie mit Schleifen, Blumen und Schmuck verziert waren. Männer zeigten besonderes Stilgefühl, indem sie stets eine Perücke trugen. Bei den Männern löst jetzt ein künstlicher Haarbeutel die lange Lockenpracht aus dem Spätbarock ab, dessen seitlich befestigte Locken Wangen

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und Kinn umspielten. Hoch toupierte Haargebilde sind bei den Damen jetzt groß in Mode. Doch gegen Ende des Rokoko-Zeitalters, also zur Zeit Ludwig XVI., wachsen die Frisuren auf geradezu groteske Art und Weise in die Höhe. Der Bequemlichkeit halber greifen nun auch die Frauen zur Perücke. Anmutig und gesellschaftsfähig ist, wer eine bleiche Haut, mit Rouge gerötete Wangen und kohlengeschwärzte Augenbrauen zu Markte trägt. Die Tatsache, dass heiße Bäder nun als gesundheitsschädlich gelten, schafft die Grundlage für eine recht eigentümliche Vorstellung von Körperhygiene: Wozu sich waschen, wenn es doch Parfums gibt, hätte das damalige Motto lauten können. Hüllen sich doch Männer und Frauen nun zu jedem erdenklichen Anlass in eine großzügige Duftwolke – mit durchaus praktischem Nebeneffekt: unangenehme Körperausdünstungen werden einfach übertüncht. Im Klassizismus wird das Schönheitsideal aus der Antike wiederbelebt: Hochmodern ist – wie einst bei den Römern – eine über den Hüftbereich verschobene Taille. Ein rosiges Gesicht und möglichst ausdruckvolle, jedoch kaum geschminkte Augen waren Ausdruck von besonderer Anmut. Natürlichkeit ist Trumpf. Im 20. Jahrhundert vollzieht sich der Wandel von Schönheitsidealen immer schneller. Das Korsett wird zum lästigen Relikt vergangener Zeiten erklärt. Das bedeutete aber auch: Was das Mieder an überflüssigen Pfunden verbarg, musste nun am Körper selbst abgespeckt werden. Zwar galt noch um 1910 ein stattlicher Brustumfang als begehrenswert und schön, doch bereits zu Beginn der 20er Jahre änderte sich das Erscheinungsbild grundlegend. Die Haare wurden nicht mehr hochgesteckt, sondern möglichst in weichen Wellen auf Kinnlänge getragen. Ein kleiner Kopf, möglichst große Augen und ein voller, geschminkter Mund fungieren nun als Sinnbild weiblicher Schönheit.

Marilyn Monroe trug Konfektionsgröße 42, ein für die 50er und frühen 60er Jahre durchschnittliches Maß – bis das britische Model Twiggy die öffentliche Bühne betrat. Knochig, hager und flachbusig hieß nun die Schönheits-Devise. Die Lippen wurden mattiert, die Form der Augen betonten Frauen jetzt großzügig mit flüssigem Eyeliner. Auch in den 70er Jahren galten möglichst ausdrucksstark geschminkte Augen nicht nur als modern, sondern auch als besonders begehrenswert. Zudem lagen eine schmale Taille und eine voluminöse Haarpracht voll im Trend. Als Dekade dekorativer Kosmetik – so präsentierten sich zweifelsohne die 80er. Schön war jetzt, wer symmetrischen Gesichtszügen mit Rouge, intensivem AugenMake-up und farbintensivem Lipgloss Ausdruck verlieh. Die schmale Taille, eine größere Oberweite und Schulterpolster waren in Sachen modisches Erscheinungsbild das Tüpfelchen auf dem i. Doch spätestens als Modemacher und Medien in den 90ern den Magersucht-Schick einer Kate Moss priesen, wurde klar: Der sich übers Schlanksein definierende Begriff von Schönheit hatte ein Stadium erreicht, das nicht nur gesundheitsschädigend war, sondern auch eine Diskussion um den weiblichen Schlankheitswahn im Allgemeinen neu aufflammen ließ. Heute muss die Entfernung von Rippen, oder das Einsetzen von Silikonkissen für denjenigen, der das nötige Kleingeld hat, kein Wunschtraum mehr sein. Und: Dass die Jugend heute nicht mehr komplexbeladen, sondern sehr selbstbewusst den Gang zum Schönheitschirurgen wählt, berichtet Dr. Detlef Witzel, Arzt für ästhetisch-plastische Chirurgie, auf den folgenden Seiten. Dennoch darf die Frage erlaubt sein: Wie steht es tatsächlich um das Selbstbewusstsein junger Leute auf dem OP-Tisch, wenn man hinter die Fassade souveränen Auftretens schaut? <>

Im 20. jAhRhundERt wAndELn sIch dIE schönhEItsIdEALE ImmER schnELLER

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text: tim ackermann

5S wurde von dem Japaner Taiichi Ono im Zuge des Entwurfs des Produktionssystems für Toyota geprägt. 5S dient als Instrument, um Arbeitsplätze und deren Umfeld sicher, sauber und übersichtlich zu gestalten. Ordnung und Sauberkeit sind Grundvoraussetzungen zur Verbesserung der Arbeitsprozesse, welche an ihnen ablaufen. Wir haben uns gefragt, ob 5S sich auf auf das gesamte menschliche Leben übertragen und anwenden lässt.


DIE SCHÖNHEIT DER ORDNUNG

整理 seiri — sort

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Ordnung schaffen Trenne Notwendiges von nicht Notwendigem und entferne alles UnnĂśtige vom Arbeitsplatz.

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Organisiere die verbleibenden Dinge Jeder Gegenstand hat seinen Platz und jeder Gegenstand ist auf seinem Platz. Hier geht es darum, den Arbeitsplatz zu organisieren. Dabei spielt die Ergonomie eine wichtige Rolle. Die Arbeitsmittel müssen im einwandfreien Zustand an ihrem Platz aufbewahrt werden. Und, was äußerst wichtig ist, alle Arbeitsmittel müssen ihren Platz haben. Wenn ein Arbeitsmittel keinen festgelegten Platz hat, wird es immer irgendwo herumliegen.

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整 頓 seiton — straighten

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清 掃 seiso — shine IRREAL


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Halten Sie den Arbeitsplatz sauber! Arbeitsplätze müssen sauber sein. Das gilt nicht nur für die Produktion, sondern auch für Büros. Keine überfüllte Mülleimer, kein Dreck in der Ecke, usw. In der Produktion, so wird man sagen, kann man doch nicht immer alles sauber haben! Wo gehobelt wird, fallen Späne! Richtig; aber diese Späne müssen nicht 2 Tage lang herum liegen. Mindestens einmal nach der Schicht muss der Arbeitsplatz gereinigt werden und damit in einwandfreiem Zustand sein. Dort, wo viele Späne oder Abfälle auf den Boden fallen, sollte mehrmals in der Schicht besenrein gefegt werden.

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清 潔

seiketsu — standardize

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Persönlicher Ordnungssinn Es geht darum, dass 5S gelebt werden muss. Das beginnt beim Geschäftsführer und endet beim letzten Mitarbeiter. Jeder muss die Standards einhalten, und jeder muss nicht eingehaltene Standards korrigieren.

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shitsuke — sustain

shitsuke — sustain Disziplin Halten Sie Standards, Regeln und Vorschriften ein! Wenn ein Standard einmal definiert wurde, so muss er auch immer eingehalten werden. Die einzige Ausnahme ist, dass man eine Verbesserung einführt und einen neuen Standard definiert; dann muss dieser eingehalten werden. <>

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dER bERLInER sZEnEnmEnsch

GESELLSCHAFTSKRITIK

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E lich in ne ue is u Wa t) anz nd vo r Stu rm sd ll u ti sei . Das ie Zu freun er Leb weh n. de re en t ü w g ist erden Frisc gelfre ezoge n. Nu slust ber d hf as D ne r ra ie . ble er grü Nein, leisch Berl n nic um d ffen Land a n s i ib .E ht n n ie a n e c o n t . Z u Punk icht d ufpas hat a wiss n fes sich r hei s t sst e t a l s i ä z d ) so e n e u t u alt Hand zlich hat. J von g n, hie doc : Der stell f und Lang en es en eA Ka we rk hb än zi L b l e G a m ä d e n c c e s elten gigen omm estim mpf , dass ehen ile in um er eb so ih de be B M t m S der otive oy m sorg ires w und ä uper der L te G den erlin re sch r Rest r t e m i n P i l u t , mi h t ei (Trib dem daru erden ter de ärkte rgan ndsä latz a icht S ckste BRD u a n n t g S n r n n c l z nd a t p K em s, h , Ju e z u e d ger Locat kle Thre iel Te r ries sschl tebe sonde um B , zum er Sp nacke lamo spül tt ige tte ieß er e W tri ut in in an itz io rn n auf nten n: Um en Sc olf s. Em Son lich el, de eine liner dest, e der burg n an, äglich ist we ne sto r, d Sz pf hw M in su um u S T a sic eena t r a c h e n n d m u t h e u n g o o n , o h l e n n b r i l k l e i n bess er sc enem nn m zene und h i M ittl nti s gen . B h l er um en st an en en el m ger s o für . Pe esser erwe sch z den icky M ind ir , die B o u . Er d n min sche in d härte bst d it de und n — er rfe m ien on Tw u da r u ie ile ti z d H is a k ö l u r Z e k t e i t e s , v ö l l w i r k e a l s g u s ) . S i s c h s g a n q u e n t Mä esten Ou It-Cr mkä langw Einhe eens gn ow ew mp Vi s1 ig tfi it nn ln ,a ze im eh ge n a e der s so der N et sic ertel über , sollt ickel r wic trage Gesi uf de ern u 0 Jah t: Un d sein ft al iligst isch n die s en wi en k n hd re c aus teu e m t w b m h n o z urd tig, u e T-S ht ve Ma d Fra alt i eding möch die le Men (also antig zuw rten an nen war h e de rden ar t s h u n t e t u d n z t N s r ähl i P . eck erp en d z irts un , un e. A te l che dem e Küs Os ärte e en, seud cht d , a d e g u b t-C d t e a r r is Wedd ul n k e j l ede so , un -Fl ich eine zu a er ni ere B n hier , der l e der die o-S em har t i , e n S etz n P s c r Ja i ller H ige d a o h m erm e i no zene fad h n o nen obal m e b a b e r g , a u r hre ntl mb ch aße bsku ers t ver flasc Coo tes J aupt ark vie der Sta d m e s i t k e i i k s a z t c e e h n r z r l t ein , t eit h vö sten od - g an als en 9 , mu weif e Sa ness hr h stadt der z d l t te en el Fr Stude e .Ü g ss e eln l Ha ms 0e sic t . r zum tteil h a l e ge ier l u tra ig i Ste ied i ä h en we sol ngeg e n n a k c h e i n S e - ndta r Jahr in Ju . Auc tagn bade herge berhe ric nten m p rde näch tsch für e w e r ac sc z t n b a uen t e h t : ei el a hsh folg n S z e p t a e n L Juteb he od Aufd ebeut du k hts a wurd ogen en auc n so sten ieden i- d a h s i c h uß ain ne erst m c e a o u e e i r Sze e e u h d ll, hal e n n l u rd o n u ne hat, a n , b e a n d s e v i m rec nd K d die , D T-Sh k un tel e r Bier ck (s ange nst c Kot- . suc ie . kig reu e s o t i d r e hen pas uss m viert m h n e n e r B n , w i c h o n r c h r e o g haf rb änz ans l eso zu r Ju t d ers und zbe ini e Sto . I send an el w ö o d h a u e . f m s 0 0 w f p h e sym un teb er tzt t de ort lieb t bill rg dea e W si s t r 5 ck iß, t noc c s g t e e . f s t n e a d b r D c u n i l w r ü g c L as h So o sch tel bli mit erw e o h r te zu up Mo Billg er ken Fra l. ck al e bei e un r nur ätz ist en ine erha leicht un eise hnun e m u t i u 2 i e K n e n t b v a s g i e 0 nd d Alt d e u d ü sic en ls a ve. es in n 00er oba f d rbau drit e l a y s d s , e n o n e n cti n man den. A . Lad ppar Legg h m und i e S c l h t l De uwoh en F tem ter l e P . B a n w u r d , k ö n ins atu it Mä t der en, el auf cke Co sofer t wer n elt n nu ern Au s e R k l n e e i v i d a n ö ( b s n o S ng seh s- h a u Die n ier im m ehab n. s spi be en d tang in d , de n a hren er de An udiu d zit e M , abg a j m i m e e Zim und mit turm a l g e ö r e r e r d e ä l t e e t n r m M r a D f e t n ns . ei . , mö ri S ie u w erh en ge o e Str icht bil mer Diel hohe M 5 0 H ä h n t gen danla ion oder lesen v in ppelc Kein ngeka noch inzig can n t u u T n i k – m e e m e e n e ö ) n e di n he tan rt xt u p k n u 20 erw men ge r at erz fun en ble üssen bode e il och felde spru ilien fhose e One n, w Angs ft we von üb die So er ine h ouac n F r u n i m , t e b n z r d . zu s P n as n g Bei e en, pär Siz enn , li rim er ne , me ver gslan die la arti el , um d od ch n ma und K h lich The n. D in passt e Fits u k i d c h n n Op ssen, es de um s ich a A r s . e e für ti ou ihr ; d äh mte etze Al r tim die so uft po n d oys t (sof tzsch kri der S B t teu wer Kik- em U iese l ein al i er no Frei n- sich estim wegs ilme, er i u e e i ti ol be ns de st er tw Pr er ga F b r in ch w eas u Ar lem N abs deste B t vom Mat das endi ng s i c h e r h f ü r l i s t i s n i e s o , d a n , s i e i s e s l z e i in h Zi g di ra ra b he K l e nich ss s nd em ea lick ss m nd spräc n vo B t v ou Kle Anti tze, e mmer ist. d a r ü o r a l l e n , r c h l i c . i u e n e n A km in ie G id te llt v g ,m en fü tsä m rog N W jedes er so gan ndelt Ma ersch arkt em (a it g i l t i t D r t a ä f t i g l - r E s s e l d l o e i r h a ra a c a w ar b. gek lten c h m o d e e s c h : j e ä ü b r i e n op en, d en. D t Clu halb- tive h b , si lt aus und nk gt a l H k i u n k i c d g u r B e fte ge a ip wi n l o us it er lle igh em hat rüste se-La d e n) G e w e n h e t r e g e e r M h e ic H t zu tet w ßer F it ein al Co t s i n t d c b u r n . s e u u e e t is de m nim hie chon Wer sprec em Beg ls Fa ser. In brit e uth gebil bgew lles a ruck A A h a ru l A ver h s a , m I e be alle re, T choo keit alk Also sausd ch um han m M lore kea k rn o t u i h ll-T k. del asse n, d a cht s s des vor e C ld S lic u a t. nan a es uft ter, das o Th er O Mög r-Sm lahni Gesi enn e d e e t a ls fer er tig sich h e i s s n d s , a l a s h o i n z i g S p i e ß u c k P w e i l t e n . W sol Popk e un ul lte gen he-Ba he C die nter n Ch elang werd . t n d den dav tur: T o g T sa , n i hs er s teres hen v tent werte werde , si on t A i text: sarah chahrrour Pop ch in abg nfän Sm Büch unin Sac in la t be ben era h ho ger n ku E D c e s ! l t e l i t l n a n a Mu ltur sku en h ge ) el sik ein ssio we eht n die läch als sc ervor g n r t e z n i h r - h t ich nac und ub me cht ri en ü gel hi hre gute ngen ber K o s t r t y : N s s i m s c h l e F . m Pa y mu als Bek ilme Gute t ge ann wer Par nla the den i n e r c h A e itsg au rad ü r z t k

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WICHTIG IST ES, DASS mAn AUf DEn BILDERn GELAnGWEILT, LETHARGISCH UnD ATEmBERAUBEnD GUT AUSSIEHT

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Anders, als man es noch in der Schule im Heimatdorf gelernt hat, ist Ziel der Party nicht, Konversation zu führen, sondern besonders oft fotografiert zu werden. Strikt untersagt sind Kameras aus der gewöhnlichen Produktion. Hier das Ranking der zu benutzenden Apparate, angefangen mit dem beliebtesten Gerät um Coolness zu demonstrieren: — (originale) Polaroidkamera — Analoge Spiegelreflexkamera — Analoge Wegwerfkamera (in bunter Farbe) — Digitale Spiegelreflexkamera — iPhone Handykamera — Digi-Cam — Handykamera Wichtig ist es, dass man auf den Bildern gelangweilt, lethargisch und atemberaubend gut aussieht. Auf Parties sollte man deshalb immer mindestens ein Oberteil (für Männer besonders empfohlen ein V-Neck) von american apparel tragen. Jutebeutel (mit SterniBier oder Club Mate, da authentischer) nicht vergessen. Man sollte davon absehen, mit Freunden für ein Bild zu posieren, da man weder Freunde haben noch Enthusiasmus zeigen sollte. Spaß ist verboten. Niemals, unter keinerlei Umständen, darf getanzt oder gar mitgesungen werden. Auch Sport Bars oder Locations, von denen Touristen potenziell erfahren könnten, sind verpönt. Veranstaltungen sollten meist in seltsamen Spelunken statt finden, auf keinen Fall aber

in trendigen Szenebars, um Originalität zu demonstrieren. Sobald eine Party mit Flyern beworben wird, lohnt es sich nicht mehr hinzugehen. Doch egal, unter welchen Umständen, die Nacht muss dennoch von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang verbracht werden, um Standkraft und auch Langweile beweisen zu können.

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»YOu’VE PRObAbLY nEVER hEARd OF It«

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Job: Der Szenemensch in Berlin hat im Bestfall keinen Job, sondern wird von Mami und Papi unterstützt. Er rebelliert gegen diese Großzügigkeit, indem er sich keinen Audi A5, sondern ein Fixie mit ähnlichem Preis kauft. Selten kommt es vor, dass man trotzdem arbeiten muss. Schafft man es als DJ, Model oder Digital Boheme, hat man alles richtig gemacht. Im Zweifelsfall in schäbigen Kneipen barkeepern. Das Bildungs- und Lebensziel sollte auf jeden Fall der Höhepunkt des Hedonismus sein. Wer dieses Fundament wahrt, kann nichts mehr falsch machen. Für die kleinen Tücken des Alltags und Anfängerfehler hier eine abschließende Liste mit kleinen ProTipps:

Converse, auch bekannt als Chucks, sind nicht alternativ und auch nicht cool. Dreckige Turnschuhe? Ja. Chucks? Nein. Sogar deine kleine Schwester trägt Chucks. Niemals, niemals, niemals, darf man sich selbst als Hipster oder Scenester bezeichnen. Hipster müssen für den krampfhaften Versuch, cool oder in sein zu wollen, verachtet und verurteilt werden, da jeder Versuch auf das Defizit in ihrer Authentizität hinweist. Wer nicht magersüchtig ist, aber mindestens eine Modelfigur hat, sollte es lieber mit Emo oder Punk versuchen. Kaffee nicht von der Stange, sondern handgebrüht vom Herd oder einen starken, echt italienischen Espresso, der Speiseröhre und Magenboden völlig vernichtet. Zum Frühstück gibt es prinzipiell höchstens eine selbstgedrehte Zigarette.

Nach einer gewissen Warmlaufphase sollte man sich an die Klamotte der 80er Jahre orientieren. Schrille, neon-bunte Kleider für Frauen und kurze Sport-Shorts für Männer (inklusive Stirnband) sind sehr beliebte Accessoires für die, die schon eine höhere Stufe erreicht haben. Der Prenzlauer Berg, auch P-Berg oder Schwabenviertel genannt, ist kein geduldetes Szene-Viertel sondern die Ausgeburt an Spießertum. Prenzlauer Berg is the new Charlottenburg, daher sollte man nur für große Ausnahmen diese Gegend aufsuchen. Sollten all diese wichtigen Punkte berücksichtigt worden sein, sehe ich keine Probleme in den richtigen Berliner Einstieg. Merke: alles ist ironisch gemeint. Und wenn man etwas mal gut finden sollte, dann findet man es eigentlich schlecht. Und andersherum. <> 66 — 67


LAUTER KLEInE DORIAn GRAYS text: christian schuele

Eine gigantische Schönheitsindustrie schafft die Idole, denen alle gleichen sollen – und wehe, jemand macht nicht mit. Die Ideologie des Schönen als Kult ermöglicht einer rastlosen Schönheitsindustrie und ihren erfindungsreichen Designern unerhörte Umsätze. Das meist zulasten natürlicher weiblicher Schönheit künstlich gestanzte Idol wird zum gesellschaftlichen Ideal verklärt und in einem sublim ausdifferenzierten System verhandelt und verwaltet. In dem Maße, in dem – durch Massenmedien verstärkt – Schönheit boomt, boomt auch ihre Verwertung und die lukrative Verführung durch den Imperativ: Werde schöner! In einer Epoche verloren gegangener Gewissheiten ist Schönheit als erklärter Wert die letzte verbliebene Sicherheit. Das Schöne ist umflort von einer Aura des Religiösen. Schönheit ist der Leitwert einer Kultur des Konsumismus, deren Markenzeichen die glatte, gefällige Oberfläche ist, der Leitwert eines seelenlosen Materialismus, dessen Voraussetzungen sie bestens erfüllt: Sie setzt JedermannsSehnsüchte frei, spricht beide Geschlechter an, scheint als Ziel nicht unerreichbar und

greift auf ein universalmenschliches Bewusstsein für die ästhetische Erscheinung zurück. Für Schönheit gibt es, wie für Wahrheit, keine endgültigen Kriterien, es gibt nur Übereinkünfte das macht Schönheit als Wert attraktiv für folgenlose Interpretationen. Wann aber, abgesehen von der Grundsatzfrage, ob es ein angeborenes Empfinden für Schönheit gibt, ist etwas schön? Wann Kitsch? Wann erhaben? Und wer vor allem definiert, was schön ist? Schönheit unterliegt dem allgemeinen Wertewandel der Kulturen und ist letztlich eine theoretische Behauptung: Je länger eine bestimmte Vorstellung von Schönheit propagiert wird, desto allgemeingültiger ist die scheinbare Schönheit des Objekts, das diesen Vorstellungen entspricht. Aus einer immateriellen, grundlosen Behauptung wird so eine materielle, dinghafte Festlegung. Das ist nicht neu. Schönheit war in der Menschheitsgeschichte seit je ein existenzielles, elementares Thema, die Frage nach Gestaltung und Proportion. In der geltungssüchtigen Spätmoderne aber ist die Ästhetisierung der Lebenswelt mit der manchmal wahnhaften Verklärung makelloser Körperlichkeit und nie endender

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Igor und Grichka Bogdanoff

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Jugend ein das Alltagsleben maßgeblich dominierendes Lebenskonzept: Schön ist, was schön sein soll, und was schön ist, ist gut und richtig. Der nackte Körper wird zur Skulptur der nackten Seele, die Arbeit am eigenen Körper ist die Arbeit am Ich. Im Körper spiegelt sich die Seele. Wer also über einen schönen Körper verfügt, besitzt eine schöne Seele. Wem gelänge es schon, sich dieser Dressur, dieser Glücksprophetie von der totalen Schönheit als sozialem Privileg dauerhaft zu entziehen? Die Kulturhistorie erkennt in der Schönheit seit je das Ideal der gelungenen Form, das Abbild des Wohlgeratenen, vielleicht sogar das Wahre. Platon war es, der jedem Menschen einst dreierlei Streben zusprach: gesund, wohlhabend und schön zu sein. Der antike Glücksdreiklang hat sich, zumindest idealistisch, über die Jahrhunderte gehalten: Schönheit galt als eine Art sechster Sinn und gilt noch heute als Ausdruck von Reinheit, Gesundheit und Vergnügen. Schönheit verleiht Macht und ermöglicht einen hohen sozialen Status. Sukzessive wurden Tausch- und Gebrauchswert von Dingen und Objekten ersetzt in der gegenwärtigen Selbstdarstellungsepoche ist das gute Leben zu einer Frage des Erscheinens und seine Inszenierung zum Gradmesser von Geltung geworden. Über die Schönheit hat sich der Mensch selbst zum Ding gemacht, denn Schönheit ist herstellbar. Durch ihre industrielle Verwertbarkeit ist sie nicht länger ein rein biologisch bedingter Wert an sich – sie ist ein reproduzierbares Fabrikationsprodukt und hat, wie jedes Produkt, ein Haltbarkeitsdatum. Die Halbwertszeit normativer Schönheit ist an die gesellschaftliche Übereinkunft dessen gekoppelt, was als schön gilt und was nicht, ohne

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Schönheitsideale im Wandel der Zeit // optische Vergleiche zwischen Antike und Barbie

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DIE SCHÖNHEIT DER ORDNUNG

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Geordnete Verhältnisse im Rahmen des 5S-Systems // visuelle Dokumentierung von Ordnung – Vergleiche am Ende mit Fukushima

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WO VERLÄUFT DIE GRENZE ZWISCHEN INDIVIDUALITÄT U. UNIFORMITÄT?

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Schönheit der Symmetrie // Untersuchung der Weltformel für schöne Gesichter // ästhetisch aufbereitete Spiegelbilder

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DER BERLINER SZENENMENSCH

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Gesellschaftskritik über den Berliner Szenenmensch // Hipsteropfer

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Gesellschaftskritik über den Berliner Szenenmensch // Hipsteropfer

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LOB DER EINFACHHEIT 80

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Schlichte Objekte // Diamanten, iPhones, Luxusobjekte // visuelle Andeutung auf Herkunft (z.B. Blutdiamanten, Foxconn, Kinderarbeit)

LAUTER KLEINER DORIAN GRAYS

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Plastische Chirurgie // Übertreibung im Streben der idealen Schönheit // Disaster

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ÄSTHETIK DES VERFALLS

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Urban Exploration // Fotostrecke von Bauruinen, verfallene Häuser, urbaner Müll

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HEADLINE autor

Bei Irreal Ideal spielt die Typografie eine untergeordnete Rolle. Die Konzepte wirken stärker, wenn sie mit Bildern realisiert werden. Das große Seitenformat lässt viel Weißraum zu und hilft, die Spalten aufzuteilen. Es eignet sich weniger für viele Schriftblöcke und Mengensatz.

United Sans Condensed Eigenmodifikation (Strichkontraste erzeugt)

Absara TF Regular SC

Absara Regular Absara Italic

IRREAL IDEAL


Raster: 6 Spalten Seitenformat: 260 × 310 mm

IDEAL

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IRREAL IDEAL joshua marr â&#x20AC;&#x201D; 8. semester kommunikationsdesign

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IRREAL IDEAL

Magazine Concept IRREALIDEAL  

This was a concept I did for my class in Editorial Design in 2011, held by Prof. Jutta Simson. The magazine takes the concept of idealism an...