Jazz Festival Willisau 2019 Magazin

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Anfahrtssplan Festivalgelände mit Halle, Zelt & Late Spot sowie Camping

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Festhalle NAPF

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Rathausbühne

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Intimities

WOLHUSEN

Altstadt

Festivalherberge

Festivalgelände

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Zeltplatz

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Zelt

WC Eingang Late Spot

Festhalle

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Kasse

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Festival Eingang

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Intimities


Vorwort Liebe Festivalbesucherinnen und – Besucher

Impressum

Bei der Planung und Vorbereitung eines neuen Festival-Programmes lasse ich mich stets auch inspirieren von künstlerischen und emotionalen Eindrücken, die mir bei den vorangegangenen Auflagen besonders haften geblieben sind. Was mich Jahr um Jahr immer wieder tief berührt, ist das Verhalten unseres ausgezeichneten Publikums. Die Musikerinnen und Musiker werden geradezu mitgezogen in die uneingeschränkte Konzentration der Zuhörenden auf musikalische Prozesse, die sich meist unmittelbar entwickeln. Wir dürfen auf ein äusserst interessiertes Publikum zählen, das wirklich zuhört, Unbekanntes erforschen will und sich auch Extremen stellt. Ich bin überzeugt, dass die Besucher gerne nach Willisau kommen, weil sie in erster Linie von der Musik fasziniert sind und hier nicht einer Sponsorenflut und VIP-Revieren ausgesetzt werden. Dabei ist eine Tatsache besonders wichtig: Es ist uns nur möglich, das Festival in dieser Art durchzuführen, weil wir auf eine langjährige und grosszügige Unterstützung zählen dürfen, die gerade unsere diskrete Ausgestaltung des Werbeumfeldes anerkennt und nicht darauf pocht, Sponsoren in den Vordergrund zu schieben. Ich weiss diese – keinesfalls selbstverständliche – Haltung sehr zu schätzen und bedanke mich bei allen Unterstützern ganz herzlich. Wir mussten heuer zum ersten Mal seit knapp 20 Jahren die Preise für die Konzertkarten erhöhen. Mit fünf Franken haben wir versucht, diesen Aufschlag möglichst niedrig zu halten.

Texte: Pirmin Bossart Fotografien: S.2: Palma Fiacco S.5: Ingrid Hertfelder S.6: Marcel Meier S.13: Christian Schnur S.19: Marco Sieber Gestaltung: Pank, www.pank.ch Druckkoordination: SWS Medien AG

Ihnen allen wünsche ich viele berührende, spannende und überraschende Konzerterlebnisse sowie anregende Gespräche und Begegnungen.

Arno Troxler Festivalleiter

fördert den Schweizer Jazz

Fahrzeug Partner:

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Bäume betrachten Eigentlich wollte sie Tierärztin werden, aber inzwischen ist sie von der Musik absorbiert: Die französische Perkussionistin Camille Émaille (26) ist eine hellwache Improvisatorin. Sie arbeitete unter anderem mit Fred Frith, Heiner Goebbels, John Butcher, Roscoe Mitchell, Fritz Hauser und Hans Koch. Auf der Rathausbühne ist sie als Solistin zu erleben.

«Ich habe keinen Plan. Der einzige Plan ist, dass ich als Solistin auf den Instrumenten spiele, die ich dabei habe», sagt Camille Emaille auf die Frage, ob sie in Willisau komponiertes Material verwende oder frei improvisiere. «Ich versuche dem zu folgen, was mit dem ersten Sound auf der Bühne freigesetzt wird.» Ok, fügt sie an, «das ist natürlich auch ein Plan.» Die junge Perkussionistin, die 1993 in Nizza geboren wurde, ist musikalisch vielseitig tätig. Sie spielt in Bands (Escargot, Ghoast), improvisiert als Solistin oder im Kollektiv und macht Musik für Tanz- und Theaterprojekte. In den letzten Monaten tourte sie mit dem multimedialen Werk «Everything that happened and would happen» des deutschen Komponisten Heiner Goebbels (Europa, St. Petersburg, New York). Was immer sie tut, sie macht es mit Klarheit und Leidenschaft. Musikalisch lässt sie sich von ihrer Intuition leiten. «Es ist eine Mischung aus dem, was mich anzieht und Sachen, die einfach passieren. Wenn sich unvermutet etwas zeigt, versuche ich, es als Geschenk zu nehmen.» So vieles, was sie realisiert habe, sei einem Zufall entsprungen. «Als ich vor Jahren durch Kanada trampte, traf ich einen Soundengineer. Dieser hat mich später eigeladen, in seinem Studio Musik aufzunehmen. So entstanden das Debutalbum «Dart Love» von Escargot und «Bekkos», meine Solo Einspielung.» Die Begegnung mit dem Soundengineer ist einer dieser Impulse gewesen, ein Geschenk von unterwegs im Leben. Camille Émaille hütet sich, Sachen zu forcieren. «Das heisst nicht, dass ich passiv bin, im Gegenteil. Ich bin eigentlich sehr aktiv, indem ich Augen und Ohren offenhalte, um zu entdecken, was alles schon da ist. Ich denke, das ist das Einzige, das mir erlaubt, Dinge zu tun, die mich in einem natürliche Flow weiterbringen.» Nach ihrem Klassik-Studium am Konservatorium Strassburg suchte die Perkussionistin ein besseres Umfeld, um sich gezielter mit zeitgenössischer Musik auseinandersetzen zu können. Sie entschied sich für Basel, weil es nahe lag und vor allem, weil dort Fred Frith unterrichtet. «Ich wollte nicht den Master Freie Improvisation absolvieren. Aber die Tatsache, dass

die Schule Fred Frith angestellt hatte, schien für mich ein gutes Zeichen für deren Offenheit zu sein.» In Basel habe sie auch erstmals bekannte zeitgenössische Komponisten wie Maierhof, Billone oder Ablinger kennenlernen dürfen, von denen sie in Frankreich nie gehört habe. Hat man die Perkussionistin schon live erleben können, mutet es erstaunlich an, dass sie eher «zufällig» bei der Musik gelandet ist. «Ich wollte immer Tierärztin werde und ich hoffe noch immer, dass ich einmal dorthin gelange.» Weil sie das Propädeutikum im Medizinstudium enttäuschte, begann sie Geschichte zu studieren und besuchte parallel dazu das Konservatorium. Sie spielte mit Strassenmusikern, reiste nach Griechenland, Israel und in die Türkei, liess sich von Fügung und Zufall inspirieren. Irgendwann wurde die Musik stärker und sie setzte auf diese Karte. Der Bieler Holzbläser Hans Koch hat schon mehrmals mit Camille Émaille zusammengearbeitet, etwa im Trio am Taktlos 2019. Koch lernte sie in Basel kennen, als er mit Fred Frith spielte. Sie lud ihn dann an ein Konzert mit dem Saxophonisten Tom Weeks ein. «Ohne jeglichen Soundcheck war dieses Konzert eine Wucht und hat super funktioniert. So habe ich sie das erste Mal erlebt.» Camille Émaille sei eine intelligente und kreative Musikerin, die sich schon in vielen musikalischen Stilrichtungen auskenne. «Sie ist auf dem besten Weg, eine grosse Karriere zu starten. Sie ist neugierig und kritisch zugleich, schnell im Reagieren und hat einen ausserordentlich guten musikalischen Geschmack.» Camille Émaille ist sich nicht sicher, ob sie das ganze Leben professionell Musik machen will. Sie möchte die Musik frisch halten und sie nicht in irgendeine Richtung zwingen. Stets mehr und mehr beschäftigt zu sein und Sachen zu produzieren, wie alle anderen, das wäre nicht ihre Vision. «Wenn ich eines Tages mit diesem klaren Gefühl aufwache, muss ich aufhören. Ich spiele gerne Musik und teile sie mit Menschen. Ich bin auch gerne in den Bergen und schaue mir die Bäume an. Wenn die Konzerte einmal aufhören, ist das ok. Ich hoffe, dass die Bäume lange genug da sein werden, damit ich sie anschauen kann.»

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«Vielfalt ist wichtig» Mit Einflüssen aus Gospel, Funk, avantgardistischem Jazz und einem rauen Sound hat sich der Saxophonist James Brandon Lewis (36) einen Namen gemacht. Der in New York lebende Musiker äussert sich in einem E-Mail-Interview zu seinem Duo mit Chad Taylor, mit dem er nach Willisau kommt. Sie treten das erste Mal in Willisau auf. Haben Sie einen Bezug zu diesem Festival?

Was macht die Musik mit Ihnen? An welchem Punkt stehen Sie heute?

Ich freue mich extrem, mit Chad Taylor in Willisau aufzutreten. Es ist der Ort, an dem 1980 Dewey Redman und Ed Blackwell das legendäre Album «Red and Black» aufgenommen haben. Es ist ein Album, das – neben anderen Einflüssen – Chad und mich für unsere Musik inspiriert hat.

Ich habe ein Bedürfnis, kreativ zu sein, und die Musik erlaubt mir das. Das ist meine innerste Motivation heute. Für eine Weile ging es darum, meine Emotionen auszudrücken, dann war es die reine Lust, einfach zu spielen oder das Bestreben, aus der ganzen Jazzgeschichte zu lernen. Jetzt geht es darum, so kreativ wie möglich zu sein.

Mit eurem Album «Radiant Imprints» rufen Sie den Geist von John Coltrane in Erinnerung: Was bedeutet seine Musik für Sie? Sie macht mir klar, dass wir alle versuchen sollten, die wahrhafteste Version von uns selbst zu suchen. John Coltrane zeigte eine Neugierde, die jeden dazu inspiriert, sich selbst bis zur mentalen Erschöpfung zu treiben und so eine Ebene zu erreichen, die die Tiefe der eigenen Seele, des Seins und des Intellekts anspricht. Sie imitieren Coltrane nicht, sondern bringen Ihre persönlichen musikalischen Erfahrungen ein. Was ist das für ein Prozess? Die Welt braucht keinen anderen John Coltrane, und das meine ich nicht unhöflich. Wenn ich versuchte, wie jemand anderes zu sein, als derjenige, der ich natürlich und authentisch bin, dann habe ich musikalisch versagt. Ich wäre bloss eine verwässerte Version des Originals. Also ist es mein tiefstes Interesse, herauszufinden, wer ich bin. Wenn ich irgendeine grosse Musik studiere, Poesie, Tanz, dann achte ich immer auf die Qualität der Art und Weise, wie das vermittelt wird und was ich für mich davon lernen kann. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Chad Taylor? Vor ein paar Jahren wurde ich gebeten, an einem John Coltrane Tribute Solo Sax Marathon teilzunehmen. Dort brachte ich Solo-Arrangements von verschiedenen, Coltrane beeinflussten Stücken mit. In der folgenden Woche war ich bereit, diese mit Chad Taylor zu spielen. Ich hatte ihn 2015 kennengelernt. Chad ist ein sehr dynamischer und melodischer Schlagzeuger. Es klingt immer so, als würde er Melodien auf seinen Drums spielen. Sind der starke Sinn für Melodie und die seelenvolle Energie, die in Eurem Duo zum Ausdruck kommen, besonders wichtige Qualitäten für Sie? Ich bin offen für alle Sounds und Spielarten, ob atonal oder harmonisch, komponiert oder frei. Die Freiheit ist die Fähigkeit, auf all diese Möglichkeiten zuzugreifen, wenn du dich dafür entscheidest! Vielfalt ist wichtig.

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Haben Sie neben Coltrane noch andere Musiker oder Künstler, von denen Sie lernten? Ich bin von vielen beeinflusst, von Dewey Redman, Ornette Coleman, David S Ware oder Sonny Rollins, ich könnte sie den ganzen Tag hören. Gene Ammons ist wunderschön. Es gibt so viele erstaunliche Musiker. Ich denke auch an Albert Ayler. Kürzlich checkte ich das Solo-Material von Bill Evans aus. Es hängt immer von meiner Stimmung ab, was ich verfolge. Werden schwarze Musiker heute mehr respektiert als in den Sechzigerjahren, wo zahlreiche schwarze Musikerinnen und Musiker für ihre Rechte kämpften? Ich habe keine gelebte Erfahrung damit, wie ein Schwarzer in den 1960er Jahren behandelt wurde. Also kann ich nicht sagen, ob es heute besser ist. Ich möchte auch nicht einfach wiedergeben, was ich darüber gelesen oder gehört habe. Worüber ich sprechen kann, ist dass die Welt mich jeden Tag wissen lässt, dass ich schwarz bin. Ich gehe aus meiner Haustür und werde eingeteilt, bevor ich etwas dazu sagen kann. Ich bewege mich mit der Schönheit, die mich als Person ausmacht, und schenke jenen gegenüber nicht viel Aufmerksamkeit, die mich ständig in destruktiver Weise an meine blackness erinnern wollen. Das zeigt nur ihre Unsicherheit, aber sagt nichts über meine Stärke aus. In der globalen Welt von heute gibt es mehr Musik als je zuvor. Wie können Sie in dieser Fülle Ihren unverwechselbaren Klang, Ihre Musiksprache finden? Wichtig ist, nicht im Konkurrenz-Modus zu operieren, das wäre der Tod für jeden Künstler. Wir alle haben einen eigenen Weg. Er wird nur sichtbar, wenn wir uns entscheiden, ehrlich zu sein, nach innen zu schauen, zu überprüfen. Zum «mind mapping» gehört, auch mal spazieren zu gehen, in ein Journal zu schreiben und heraus zufinden, was man gerne hat und was nicht. Oder dich dem Ding zuzuwenden, von dem dir alle gesagt haben, das passe nicht zu dir. Und es passend zu machen.


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Halle / Mittwoch

Mi 28. Aug, 20 Uhr

Still Dreaming with Joshua Redman, Ron Miles, Scott Colley and Dave King Joshua Redman ts Ron Miles tp Scott Colley b Dave King dr Joshua Redman ist ein «big name» im zeitgenössischen Jazz. Ein Saxophonist mit einem warmen Sound, melodisch und improvisationsstark, der mit Jack DeJohnette, Charlie Haden, Elvin Jones, Pat Metheney oder Brad Mehldau gespielt hat. Wie Ravi Coltrane beweist er seit Jahren, dass man trotz berühmten Vätern eine eigene Stimme entwickeln kann. Mit «Still Dreaming» nimmt Joshua Redman explizit Bezug auf das Quartett «Old and New Dreams», das von 1976 bis 1987 existierte. Die superbe Band, in der neben Don Cherry, Charlie Haden und Ed Blackwell auch sein Vater Dewey Redman mitwirkte, liess den musikalischen Geist von Ornette Coleman wieder aufleben. An diesen Faden knüpft «Still Dreaming» an und zwirnt ihn mit der Erfahrung von heute zu einem akustischen Ereignis. Es ist eine raffinierte Musik mit reichen, harmonischen und melodischen Farben, präzisem Zusammenspiel, eleganten Unisono-Passagen, Schlichtheit und Wucht gleichermassen. Das gleichnamige Album war 2018 weltweit in vielen Bestenlisten. Jetzt steht die Band in Willisau auf der Bühne, diesmal mit dem «The Bad Plus»-Schlagzeuger Dave King.

Mi 28. Aug, 20 Uhr

The Great Harry Hillman Nils Fischer bcl David Koch g Samuel Huwyler b Dominik Mahnig dr The Great Harry Hillman ist elf Jahre nach ihrer Gründung immer noch die gleich besetzte Formation, die experimentierfreudig ihren Kollektivsound weitertreibt. Nach ausgiebigen Touren in Europa, Japan und Russland hat das Quartett diesen Sommer an drei Abenden in einem Berliner Club die Aufnahmen für ihr viertes Album eingespielt. Nach gezielten Studio-Produktionen wurde diesmal versucht, stärker die Energie und die oft überraschenden Momente eines Livekonzertes mitzunehmen. Der Bandsound lebt von Klanggeweben und atmosphärischen Sound-Texturen, ist aber in seinen Mischungen aus Jazz, Rock und Improvisation deutlich energischer und lauter geworden. Die Band balanciert zwischen Transparenz und Exploits und absorbiert permanent neue Einflüsse. 2015 gewann sie den ZKB-Jazzpreis im Moods. Ihr letztes Album erschien auf dem renommierten US-Label Cuneiform. Ihre Kreativität findet sich auch in den Album-Covers und in den Videos, mit denen sie oft augenzwinkernd an ihren Namensgeber erinnern, den amerikanischen Hürdenläufer und mehrfachen Olympiasieger Harry Hillman.

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Halle / Donnerstag

Do 29. Aug, 20 Uhr

Svosve - Wiesendanger Hébert - Cleaver Tapiwa Svosve as Chris Wiesendanger p John Hébert b Gerald Cleaver dr Ein neues transkontinentales Quartett ist im Anflug: Die Zürcher Musiker Chris Wiesendanger und Tapiwa Svosve haben mit den New Yorker Musikern John Hébert und Gerald Cleaver im März 2018 ihr Debütalbum aufgenommen, das diesen Sommer erschienen ist. Pianist und Komponist Chris Wiesendanger hat Stücke geschrieben, die Komposition und Improvisation ineinander verweben. Dabei entsteht eine bewegte Musik mit starken rhythmischen Fäden, sich verdichtenden Klangfarben und einer unerschöpflichen Vielfalt an Texturen und freien Situationen. Die vier starken Improvisatoren stehen dem Unerhörten gegenüber und lassen dabei musikalische Perlen entstehen, imaginär und explosiv. Die melodisch und rhythmisch raffinierten Linien von Svosve und Wiesendanger durchschneiden sich mit Absicht, um sich dann in hoher Konzentration in Akkorden zu sammeln. Hébert und Cleaver spannen vielschichtig ein rhythmisches Gewebe auf. Abstraktion und Ordnung sind in perfekter Kommunikation. So entsteht eine Musik jenseits aller Genres, in der alles enthalten ist.

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Do 29. Aug, 20 Uhr

Ala Fekra Project Patricia Draeger acc Amr Darwish vl Albin Brun sax, schwyzerörgeli Yamen Abdallah qanun André Pousaz b Samuel Baur dr Das neue Projekt der wunderbaren Akkordeonistin Patricia Draeger ist ein inspirierender Kulturaustausch zwischen ägyptischen und Schweizer Musikern. Der Impuls kam während eines dreimonatigen Atelieraufenthalts in Kairo, wo Draeger die Musiker Amr Darwish (Violine) und Yamen Abdallah (Qanun) kennenlernte. «Ich spürte, dass wir etwas Neues kreieren können, eine neue Musik schaffen und eine gemeinsame Sprache finden können – dass wir Brücken bauen können.» Mit dem Multiinstrumentalisten und Komponisten Albin Brun, mit dem sie seit vielen Jahren zusammenspielt, und dem Bassisten André Pousaz holte sie zwei Schweizer in die Band. Neu dabei ist mittlerweile der Perkussionist Samuel Baur. Topversierte Musiker, die sich in allen Stilen zurechtfinden. Im Februar 2018 wurde während einer zehntägigen Tour in Kairo die Musik entwickelt. Sie integriert Eigenkompositionen von beiden Seiten, mit ihren jeweiligen Einflüssen. Diesen Sommer wurde eine CD aufgenommen. Ala Fekra spielen eine lebendige, mit Jazzelementen angereicherte Volksmusik, in der sich bodenständig Schweizerisches mit der Klangwelt und dem Sehnsuchtshauch orientalischer Musik verbindet.


Halle / Freitag

Fr 30. Aug, 20 Uhr

Makaya McCraven Makaya McCraven dr, elec Marquis Hill tp Greg Ward sax Matt Gold g Jeremiah Hunt b Wie Robert Glasper, Kamasi Washington oder Shabaka Hutchings gehört der in Chicago lebende Schlagzeuger Makaya McCraven zu einer neuen Liga von Musikern, die mit Hip-Hop, R&B und den Produktionsmethoden elektronischer Künstler aufgewachsen sind. Sie verstehen sich als Teil einer globalen musikalischen Bewegung, in der Genres und Kulturen Fr 30. Aug, 20 Uhr durchlässiger geworden sind. Ihr Zugang zum Jazz ist fern von Virtuosentum, wichtiger ist der Vibe. Jazz heisst im Falle von McCraven auch, dass die Tracks aus Livesessions entwickelt und nachträglich Martin Schütz voc, el. & ac. cello editiert werden, was wiederum an Teo Macero und Andi Marti tb Miles Davis erinnert, aber noch näher an der Hip-Hop Beni 06 Weber dr, farfisa drummachine Praxis von Madlib oder J Dilla liegt. Sein Album «UniMats Kolb b versal Beings» hat McCraven in Los Angeles, New Tobi Schramm dr York, Chicago und London mit vier verschiedenen Jay Schütz sound Ensembles aufgenommen. Da öffnet sich ein weites Feld von Hip-Hop- und Ambient-Moods, aufgebrochenen Rhythmen und jazzigen Improvisationen. Es Mal rockt es laut und dreckig, mal übernehmen dubbige Grooves, mal klingt es wie ein avantgardistischer sind mehr flottierende Stimmungen mit einem hypTheater-Soundtrack. «Dark, strange and friendly» notischen Timbre als virtuos gebretterte Formeln, nennt Mr. Schütz seine irre Musik, die zahlreiche Ein- Free Play oder Abstract-Konzepte. Eine «Organic flüsse verschmilzt, aber eines nicht ist: beliebig. Der Beat Music», die auf eine entspannende Weise die Bieler Cellist, Improvisator und Komponist Martin Grenzen von Hip-Hop/Elektronik und Jazz flüssiger Schütz ist ein musikalisch offener und auch belese- macht, wie das für diese neue Generation von Musiner Geist. Er hat mit dem Hardcore Chambermusic kern schlicht selbstverständlich ist. Trio «Koch-Schütz-Studer» Furore gemacht und ist parallel dazu ein gefragter Komponist für Theaterund Hörspielproduktionen geworden. Mit Mr. Schuetz & Paradox und ihrem Album «Strangers in my Mind» gibt er den Stimmen in seinem Kopf eine Plattform: Diesen fremden Gedanken-Wesen, die einen heimsuchen, inspirieren, erleuchten können. Schütz, der exzellente Instrumentalist, setzt hier erstmals seine Stimme ein und bedient sich dabei Texten von Fernando Pessoa, William Shakespeare, Bertrand Cantat (Noir Désir) oder Patricia Highsmith. Eine unpoliert aufspielende Band, die dem Paradox des multiplen Existierens eine würdige Aura erweist. Dark und erfrischend.

Mr. Schuetz & the Paradox

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Halle / Samstag

Sa 31 . Aug, 14 Uhr

Elio Amberg Quartet Elio Amberg sax Hans-Peter Pfammatter p Silvan Jeger b David Meier dr

Sa 31 . Aug, 14 Uhr

Pateras/Baxter/Brown Anthony Pateras prep p Sean Baxter dr David Brown prep g Dieses australische Trio hat zwei Spezialitäten: Erstens kreieren die Musiker ihren Sound mit präparierten Instrumenten und erweiterten Spieltechniken. Und zweitens wird durchgehend frei improvisiert. In diesem Fach der Grenzenlosigkeit sind sie Meister und stossen in der weltweiten Improszene auf Respekt und Begeisterung. Die Musik macht es einem nicht einfach, darin den Faden des Vertrauten zu finden. Dennoch packt ihr energetisches Spiel. Die Fantasie, wie sie ihre Klänge erzeugen, und die Art und Weise, wie ihre Ideen sich verbinden und Resonanzen erzeugen, halten einen hellwach. Oft klingen sie wie ein Perkussions-Trio, mit geklöppelten Rhythmen und brüsken Groove-Verwegenheiten. Dann wieder weiten sich die Räume und schimmern und pochen die Klänge geheimnisvoll und fast unhörbar. Anthony Pateras, David Brown und Sean Baxter haben ihr Trio 2002 in Melbourne gegründet. Mit ein paar Unterbrüchen haben sie nie aufgehört, ihre Soundwelt weiterzuentwickeln. Das aktuelle Album «Bern-Melbourne-Milan» ist eine Doppel-CD mit Archiv- und Liveaufnahmen. Sie macht die zeitlose Brisanz ihrer akustischen Reisen deutlich. «An essential document of an unusual, perhaps unique, musical force», urteilte das englische Musikmagazin The Wire.

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Der Luzerner Saxophonist Elio Amberg gehört zu den grossen Talenten der jungen Schweizer Jazz- und Improszene. Vor zwei Jahren erhielt er am Zürcher Gamut Festival eine Carte Blanche. Dort erfüllte er sich den länger gehegten Traum, mit ausgewählten Musikern ein «klassisches Quartett» zusammenzustellen und darin seinen eigenen Sound aus Kompositionen und Improvisation zu kreieren. Amberg versteht sich nicht als Solist, der sich begleiten lässt, sondern als Teil der Band. Sein rauer und rhythmisch angriffiger Tenorsound kommt in den fliessenden Interaktionen zwischen Struktur und Auflösung souverän zur Geltung. Ambergs Musik besteht aus konzeptionellen Modulen, die in unterschiedlichen Konstellationen entwickelt werden. Die Rhythmik ist ein wichtiger Impulsgeber für die Form und die Energie seiner Stücke. Mit Hans-Peter Pfammatter, Silvan Jeger und Gerry Hemingway hat Amberg drei erfahrene Musiker an Bord, die in der Interaktion stets offen und flexibel bleiben, ohne die Kerne der Kompositionen aus den Ohren zu verlieren. In Willisau wird der terminlich verhinderte Hemingway durch David Meier ersetzt. Ebenfalls ein raffinierter Schlagzeuger, der den Bandsound neu beeinflussen wird.


Sa 31 . Aug, 20 Uhr

Irreversible Entanglements Camea Ayewa voc Keir Neuringer sax Aquiles Navarro tp Luke Stewart b Tcheser Holmes dr Free Jazz und Spoken-Word-Poesie, Power und Dringlichkeit: Dieses Kollektiv aus Brooklyn macht uns bewusst, dass der Kampf der black communities gegen Rassismus und Unterdrückung in der USA des 21. Jahrhunderts nichts an Relevanz eingebüsst hat. Die Kritik an den sozio-politischen Zuständen wird zur Essenz der Musik, und die Musik ist ein waberndes Geflecht aus Basspulsen, hymnischen Melodien und treibenden Grooves. In eindringlichen Flows und ungeschminkten Wort-Attacken thematisiert die Poetin, Musikerin und Aktivistin Camae Ayewa – auch Sa 31 . Aug, 20 Uhr bekannt als Moor Mother – die Traumatas der schwarzen Bevölkerung, die Polizeigewalt, die Ungerechtigkeit, das Ringen um die schwarze Identität. Entstanden ist die Band 2015 bei der Aktion «Musicians Against Bex Burch gyil, voc Police Brutality» in Brooklyn. Ihr Debutalbum sorgte Tom Herbert b für Aufsehen. «One of the most powerful and rele- Jim Hart dr vant works of art you’ll encounter this year», hielt The Quietus fest. Das Quintett mit der kämpferischen Poetin verkörpert den Spirit von Black Power, wie er Dieses unkonventionelle, von Afro-Beat, Steve Reichin den 1960er Jahren als Fire Music (Archie Shepp, Jazz und Post-Punk befeuerte Trio ist eine EntdeNew York Art Quartet, LeRoi Jones/Amira Baraka) ckung aus Grossbritannien. Im Zentrum der Musik aufloderte und sich inzwischen in der zeitgenössi- stehen die asymmetrisch-repetitiven Rhythmen des schen Black Music mit vibrierender Energie wieder Gyil: Ein mächtiges Xylophon aus heiligem Holz, das neu manifestiert. bei der community der Dagaare im Nordwesten Ghanas gespielt wird und ähnlich wie ein Balafon klingt. Die ausgebildete klassische Perkussionistin Bex Burch hat drei Jahre dort gelebt und sich ausgiebig dem Gyil, dem Dorfleben und der Feldarbeit gewidmet. Zurück in London gründete sie Vula Viel, was in der Sprache der Dagaare «gut ist gut» bedeutet. Das Trio mit dem Bassisten Tom Herbert (The Invisible, Polar Bear) und dem Schlagzeuger Jim Hart (Ralph Alessi, Gwilym Simcock) hat in den britischen Medien begeisternde Kritiken ausgelöst. Eingängige Melodien, polyrhythmische Gyil-Texturen, zuweilen fast gitarristische Bassriffs und breakbeat-mässige Impulse des Schlagzeugers sorgen für eine sehr eigenständige und vitale Musik. Bex Burch sagte zur Struktur ihrer Musik: «It’s not a jam session, it’s not improvised, it’s just new.»

Vula Viel

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Halle / Sonntag

So 1 . Sept, 14 Uhr

Duo James Brandon Lewis & Chad Taylor James Brandon Lewis ts Chad Taylor dr «Together, they build a majestic house», schrieb «All About Jazz» über die Musik der beiden Protagonisten, die das Jazz Festival Willisau beschliessen. Ein So 1 . Sept, 14 Uhr Duo mit Saxophon und Schlagzeug, das auf der Suche nach dem essenziellen Jazz-Spirit keine Wünsche offenlässt. Die Tracks auf ihrem Album «Radiant Imprints» sind von John Coltrane inspiriert. Sie Gabriela Friedli p, comp machen deutlich, was dieser spirituelle Kern des Daniel Studer b, comp modernen Jazz bis heute an Kreativität und Energie Dieter Ulrich dr, bugle freisetzen kann. James Brandon Lewis, der mit Wadada Leo Smith und Charlie Haden studierte, debutierte als Leader 2010 mit seinem Album Man könnte die Musik dieses erfahrenen Zürcher Trios «als Konter auf den zunehmend einschläfernden «Moments» und erzeugte mit Trios viel AufmerksamZustand des Pianotrios im Jazz» (Bill Shoemaker) keit: 2014 mit William Parker und Gerald Cleaver, ein verstehen, denn sie ist stets gewagt, zaudert nicht Jahr später mit Jamaaladeen Tacuma und Rudy Royund sucht Bruchstellen. Die Pianistin Gabriela Friedli ston. Chad Taylor ist vor allem bekannt als Gründer hat Jazz und klassisches Klavierspiel studiert und der Chicago Underground Ensembles und als Partner gleichzeitig in verschiedensten Konstellationen von Fred Anderson, Pharoah Sanders oder Malachi immer frei improvisiert (Irène Schweizer, Billiger Favors. «Radiant Imprints» ist ein Duo in der TradiBauer). Mit dem umfassenden Bassisten Daniel Stu- tion von John Coltrane/Rashied Ali oder auch Charles der und dem filigran agitierenden Schlagzeuger Die- Lloyd/Billy Higgins. Hier werden keine Idiome kaputtter Ulrich hat sie zwei Partner im Boot, die am gespielt, sondern entfalten sich energetische Improgleichen Strick ziehen. Ihre Formen, Strukturen und visationen mit wunderbaren Melodien und hymnischer Klänge verweben und verändern sich permanent. Wir Kraft. Rau, elementar, seelenvoll. Ein würdiges Finale. spüren die kompromisslose Hingabe an den Moment und die Lust am Spiel. Es ist ein Tanz zwischen Improvisation, zeitgenössischer Klassik und Jazz. Die Musikerin und die zwei Musiker lassen sich von Konzepten, Skizzen und Kompositionen leiten. Der Freiraum ist gross, das Risiko nicht minder. Gleichzeitig zeitgenössisch und jazzig, abstrakt und vital, entsteht wie auf einer unsichtbaren Partitur, eine anspruchsvolle Hörmusik, die von Spannung und Radikalität lebt.

Gabriela Friedli Trio

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Intimities

So 1 . Sept, 11 Uhr

Camille Émaille ImprovisationPercussion Solo

Fr 30. Aug, 18 Uhr

Robert Torche Electronics Solo Robert Torche elec

Sa 31 . Aug, 11 Uhr

Co Streiff Sax Solo

Camille Émaille perc

Wie ein Plastiker manipuliert und Kleine Metalle tanzen auf den Felknetet Robert Torche die Klangma- Co Streiff sax len, gespannte Drähte vibrieren, terie, die er mit einem selber hergedunkle Impulse hallen auf der stellten Instrumentarium aus Bass-Drum: Wenn Camille Emaille elektronischen Geräten generiert. Die jüngere Generation mag den ihr präpariertes Schlagzeug beEs sind Maschinen, die durch Rück- Input und die Bereicherung verpasst spielt, wird sie ganz Rhythmus kopplungen und Kurzschlüsse an haben, die von dieser Saxophonistin und Klang. Die junge französische ihre physikalischen Grenzen stos- und Komponistin jahrelang ausge- Musikerin, die in Basel zeitgenössen – und den Ohren neue Erfah- gangen sind – und noch immer wir- sische Musik (Christian Dierstein) rungen ermöglichen. Robert Torche, ken. Co Streiff ist neugierig und und Improvisation (Fred Frith) studer in Biel lebt und arbeitet, hat unkonventionell geblieben. Sie ist diert hat, ist mit ihrer erfrischenzunächst Audiodesign studiert und eine so sensible wie expressive den Direktheit, Sensibilität und dann einen zweiten Masterab- Musikerin mit einem eindringlichen Zielgerichtetheit bereits eine aufschluss in Freier Improvisation bei Sound. Sie liebt das Rauhe, Unge- fallende Musikerinnen-PersönlichFred Frith und Alfred Zimmerlin an schliffene, Kantige, das Vexierspiel keit. Sie spielt in den Bands der Musik Akademie Basel gemacht. zwischen Chaos und Ordnung. In Escargot oder Ghoasts, arbeitet Als Soundtüftler entwickelt er seine den frühen 1980er Jahren hat sie mit Schattentheatern oder Videoeigene musikalische Hardware und als eine der ganz wenigen Frauen im künstlern oder tritt im Rahmen Software. Der Klangkünstler und Jazz mit den Oriental-Jazz Formati- von «wild events» an ungewöhnliMusiker hat seine Qualitäten schon onen Arkadas und Kadash oder der chen Orten wie in alten Tunneln in Projekte quer durch die Sparten improvisationsfreudigen Band To- oder unter Autobahnbrücken auf. einfliessen lassen: Musiktheater, bende Ordnung starke Akzente In der Schweiz war sie in Trios mit Multimedia-Installationen, zeitge- gesetzt. Sie hat mit Irène Schweizer dem Holzbläser Hans Koch zu nössische Musik, Film, Tanz, Theater gespielt, dem Vienna Art Orchestra hören. Am Manchester Internatiound Studiotechnik. Zurzeit ist er und war mit dem unvergleichlichen nal Festival spielte sie 2018 im Mitglied im Ensemble Inverspace, «Circus Theater Federlos» auf Ensemble, das Heiner Goebbels We Spoke, Collective Mycelium und monatelangen Tourneen in Europa neues Werk «Everything that hapin der freien Impro-Band UFO. Tor- und durch Afrika unterwegs. Bis pened and would happen» uraufche ist das Musterbeispiel für einen heute forscht Co Streiff an den geführt hat. Ihre Power und ihre modernen Soundkünstler, der sich Grenzlinien von Jazz und Volksmu- Präsenz lässt sich vor allem an zwischen den Disziplinen bewegt, sik, verbindet intellektuelle, archai- ihren improvisierten Solo-Konzergetrieben von Neugier und Experi- sche und feinsinnige Klangwelten. ten erleben, an denen Camille mentierfreude. In Willisau ist sie als Solistin zu Emaille auf Fellen und Metallen hören. Sie sagt es selber am besten: und mit einem feinst differenzier«Das Sax als eigene Stimme, als Teil ten Klangsensorium musikalische des eigenen Körpers, als Ausdrucks- Räume baut. Handwerk, Intuition mittel der innersten Bewegung, der und Emotion komponieren mit. freie Lauf des Gedankens. Atem. Artikulation. Sprache. Erzählung. Schwingung. Klang. Lied. Leise und Laut.»

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Late Spot

Zusammenarbeit Aktion Kultur Willisau Der Late Spot wird auch dieses Jahr in Zusammenarbeit mit dem Verein Aktion Kultur Willisau (AKW) realisiert. Sa 31 . Aug, 23.30 Uhr Ein Treffen von verschiedensten VertreterInnen der Willisauer Kulturarbeit hat im Sommer 2017 ergeben, dass in der Kulturlandschaft bezügMartina Berther b, voc lich des Angebots für HeranwachBéatrice Graf dr, keys, voc sende grosser Nachholbedarf besteht. Daraufhin haben Tobias HurAls die Schlagzeugerin Beatrice Graf schler und Elias Bieri die Initiative und die Bassistin Martina Berther ergriffen und einen neuen Verein ins 2014 begannen, regelmässig mitein- Leben gerufen. ander zu jammen, ahnten sie noch nicht, wie deftig und charmant sie Der Verein Aktion Kultur Willisau dereinst mit ihrem «Psychedelic setzt sich seitdem für die KulturExperimental Punk Clash» die Szene und Jugendförderung in Willisau ein. erschüttern würden. Ester Poly sind punky, sexy, rau, politisch und mehr Rock’n’Roll als zahlreiche Männerbands, die sich dafürhalten. Sie streicheln und stöhnen, flüstern und lärmen. Alles sehr ernsthaft und ironisch. Bei diesem Duo prallen Generationen und Genres aufeinander. Hier die 54-jährige Schlagzeugerin mit ihren unzimperlichen Grooves und ihrer Silben-Erotik, die auch in Hardcore-, Jazz- und Impro-Kontexten eine langjährige Erfahrung mitbringt. Dort die 34-jährige Martina Berther, eine der gefragtesten Musikerinnen der experimentellen Indie-Szene der Schweiz, die mit ihrem Instrument rockige Fundamente legt und avantgardistische Sounds und Noises produziert. Die feministische Attitüde der beiden kommt aus dem Bauch, und das bringt auch das Hirn zum Tanzen. Ein cooles Duo, sinnlich und anregend, für das wir viele Hipster-Bands noch so gerne eintauschen würden.

Ester Poly

Fr 30. Aug, 23.30 Uhr

Tanche Elischa Heller elec Christian Zemp g Chadi Messmer b, synth Jonas Albrecht dr «Tanche erzählt die Geschichte deiner surrealen Träume mit dem gewissen unheilschwangeren Unterton», schreibt die Band über ihren Sound. Wer sie schon live erlebt hat, weiss um ihren fein ausgetüftelten Klangzauber, der auf der Bühne mit Dringlichkeit in Szene gesetzt wird. Die Musik hat ihre klaren Elemente und Formen, ihre repetitiven Versatzstücke und ihre dichten Schübe, eingebettet in Soundscapes voller Kanten und Subtilitäten. Rockige Deftigkeiten, Noise und elektronische Infusionen vermischen sich mit Klangkunst-Ambitionen. Tanche entstand aus einem Bachelorprojekt des aus Willisau stammenden Schlagzeugers Jonas Albrecht, der sich gerne mit spartenübergreifenden Projekten auseinandersetzt. Die vier jungen Musiker sind erpicht darauf, aus den Kollisionen und Inspirationen zeitgenössischer Soundwelten ihre eigene musikalische Sprache zu bauen. Die Band verharrt nicht in einem künstlerischen Experimentierfeld, sondern bringt in frischen Interaktionen die zugrundeliegende Musik in Fluss.

anschliessend

anschliessend

Kia Mann

Edipo Re 15


Zelt

Do 29. Aug, 18 Uhr

Black Sea Dahu Mi 28 . Aug, 18 Uhr

Bibi Vaplan Bibi Vaplan voc, p «Ich bin zwar keine 23 Jahre mehr, aber immer noch knackig und habe etwas zu sagen! Lest mal meine Texte auf Deutsch nach», schrieb Bibi Vaplan vor einem Jahr in einem Beitrag in der «Annabelle». Die ausgebildete Pianistin, Sängerin und Songwriterin singt auf rätoromanisch – und hat etwas zu sagen. Mit ihren Wurzeln in Pop, Punk und Klassik kennt sie die lauten wie die stillen Töne. Bibi Vaplan arbeitete mit Musikern wie Carlos Leal von der Schweizer Hip- Hop-Band Sens Unik oder mit dem Rock-Chansonnier Stefan Eicher. Ihre Konzerte und ihre mediale Präsenz, beispielsweise im Kulturplatz oder Glanz und Gloria im Schweizer Fernsehen, machten die Engadiner Künstlerin schweizweit bekannt. Eine Konzertreise führte sie 2016 in den Libanon. 2017 veröffentlichte sie im Zytglogge-Verlag den Gedichtband «e las culurs dals pleds / und die Farben der Worte». Letztes Jahr folgte das neue Album «Cler cler» (klar, klar). Oft tritt sie im Trio mit Martina Berther (b) und Dario Sisera (dr) auf. In Willisau spielt sie mit Klavier und Stimme ein Solo-Set.

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Janine Cathrein g, voc Vera Cathrein g,b, voc Lukas Weber perc Paul Märki g, b Nick Furrer dr, voc Ramon Ziegler keys, voc Das Fabelwesen «Dahu» ist ein Bergtier mit unterschiedlich langen Beinen, damit es aufrecht den Hängen entlanggehen kann. Zusammen mit der «schwarzen See» bildet es den Namen einer Band, die zu einer Schweizer Entdeckung mit internationaler Ausstrahlung geworden ist. Im Mittelpunkt steht die Zürcher Sängerin und Gitarristin Janine Cathrein: Poetin, Velokurierin, Surferin. Die ehemalige Geigerin hat mit dem Wechsel zur Gitarre und ihrem lyrischen Songwriting eine musikalische Transformation erlebt. Während den Aufnahmen für ihr aktuelles Albums in Norwegen hat sie sich emotional völlig gehäutet, um ihren Songs den Tiefengehalt zu geben, der aus allen Poren von «White Creatures» dringt, zusammen mit ihrer dunklen Stimme, feinsinnigen Arrangements, mehrstimmigem Gesang und einer sphärischen, urban gedimmten FolkÄsthetik. Seit jeher sind ihre Schwester und ihr Bruder in der MusikerInnen-Family, Schlagzeug spielt der Luzerner Nick Furrer («Haubi Songs»). Der Song «In Case I Fall For You» wurde über anderthalb Millionen Mal gestreamt und hat das schwarze Berggeheimnis von Black Sea Dahu in alle Welt getragen. Und jetzt ans Jazz Festival Willisau.

Fr 30. Aug, 18 Uhr

Belmondos Tanzkapelle Michael Leherbauer voc Nik Rindlisbacher p Nico Stettler g Laurin Moor b Hannes Junker dr Belmondos Tanzkapelle hat sich ganz dem Swing der 30er- und 40er-Jahre verschrieben, inspiriert von der Tanzbarkeit des Big-BandSounds und der spielerischen Verschmelzung von Kunst und Entertainment. Der Sänger Michael Leherbauer ist der perfekte Performer dafür. Lustvoll greift das Quintett den Puls der Tanzmusik auf und behält ihn auch bei, wenn es diverse Lieder aus den späteren Dekaden interpretiert. Michael Leherbauer, selber ein Lindy-Hop-Tänzer, erarbeitet mit der Band die Arrangements, die dem Sound die nötige Energie geben, um den Spass und die Kreativität der Tanzenden zu entfesseln. Mit Charme und Schalk führt der Sänger mit dem unverkennbaren Schmelz in der Stimme durchs Repertoire, getragen von der grundsoliden Band, die mit Schub und federndem Groove dem Grundsatz der Leichtfüssigkeit nachkommen: it must schwing!


Sa 31 . Aug, 12 Uhr

The Jazz Trio Florian Egli sax Raphael Walser b Jonas Ruther dr

So 1 . Sept, 12 Uhr Sa 31 . Aug, 18 Uhr

Die Drei Sonja Ott tp Leoni Altherr voc Johanna Pärli b

Jeanie Johnston Kathrin Künzi voc, fl, banjo Othmar Brügger g, voc Vincent Millioud vl David Zopfi b

Ein Jazz Trio ist ein Jazz Trio. Nichts mehr und nichts weniger sind die Jeanie Johnston, so hiess der Kahn, Zürcher Musiker Florian Egli (Saxoder während der grossen Hungersphon), Raphael Walser (Bass) und In der intimen Besetzung von not Tausende von Irinnen und Iren Jonas Ruther (Schlagzeug), wenn Stimme, Trompete und Kontrabass sicher nach Amerika schaukelte. Im sie auf die Bühne treten und losle- wissen diese drei jungen Musikerin- Gepäck hatten sie das Heimweh gen. Über Jahre hinweg haben sie nen aus Bern ein Publikum in Bann nach der alten und die Neugier auf sich in privaten Sessions mit nichts zu ziehen. Dabei wirkt ihre Musik die neue Heimat. Genau diese anderem als dem Spielen von Jazz- sehr getragen, sphärisch und Mischung packen Jeanie Johnston standards beschäftigt und später melancholisch. Ihre erste CD haben in ihre Songs und spicken sie mit an den monatlichen Anlässen von «Die Drei» in drei abgelegenen schauerlichen, komischen und düs«The Jazz Trio invites» ihre Musik Kapellen in den Bündner Bergen teren Geschichten. Mit Flöte, Banjo, auch öffentlich vorgestellt. Daraus aufgenommen. Eine Art Konzeptal- Violine, Gitarre, Kontrabass und der ist eine extrem eingespielte Band bum, dessen Songs der Akustik der wunderbaren Stimme von Kathrin gewachsen, die sich den Stoff der Kapellen auf den Leib geschneidert Künzi entsteht eine Musik voller Jazztradition einverleibt hat, ohne wurden. Live zeigt das Trio seinen Sehnsucht und Fernweh, genährt darin zu erstarren. Das Trio holt die feinen Sinn für Humor und lässt sich von jenen abenteuerlichen und auch Tracks aus dem Great American auch mal zu treibenden Grooves tragischen Storys, die ans Herz Songbook in die Gegenwart und hinreissen. Leoni Altherr (Stimme), gehen. Die Sängerin und die drei verleiht ihnen mit Respekt und eige- Sonja Ott (Trompete) und Johanna Instrumentalisten sind musikalisch nem Fokus das Timbre des Zeitlo- Pärli (Kontrabass) haben schon auf mit vielen Wassern gewaschen. Gut sen. Egli ist bekannt von der diversen Bühnen im In- und Ausland ausgebildet und in verschiedensten Formation Weird Beard, Walser hat oder am Cully Jazzfestival gespielt. Bands aktiv, flies-sen hier Können, seit 2013 seine eigene Band Gang- Die drei Musikerinnen überzeugen Spielfreude und Herzblut zusamArt, Ruther ist ein gefragter mit ihrem so spielerischen wie men. Die Band beschreibt ihre Musik «Beat-Wizard» im Jazz-Impro-Ge- ernsthaften Ansatz, die Klänge rei- wie folgt: «Wenn keltische Musik biet. Als The Jazz Trio treten die drei ben und fliessen zu lassen und den Sprung über den grossen Teich Musiker einen Schritt in die dadurch Stimmungen von grosser wagt und sich den Bluegrass anlacht Geschichte zurück und wachsen Ruhe zu schaffen. Die Songs schei- und was sonst alles im Südosten der über sich hinaus. musikalisch herumwabert, nen jenseits von Raum und Zeit zu USA stehen. Aber sie verströmen etwas dann ist das Jeanie Johnston.» sehr Erdiges und Bewusstes, was unwillkürlich die Ohren spitzen lässt.

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Geben und Nehmen Der Holzbau-Unternehmer Walter Schär ist ein Querdenker. Zu seiner Vorstellung von Ökonomie gehört auch die Kultur. Vor allem die freie Musik hat es ihm angetan. Im bau 4 in Altbüron haben schon zahlreiche einheimische und internationale Bands Gastrecht genossen.

«Kultur ist nicht nur Aufgabe des Staates, es ist auch unser Job», sagt Walter Schär. Der Unternehmer hat in Grossdietwil und Altbüron die Firma schärholzbau aufgebaut und schweizweit zu einer Marke für ein nachhaltiges Bauen entwickelt. Seine Frau Hildegard Schär programmiert das Kulturlokal bau 4, Teil des Werkplatzes in Altbüron. Dieses Jahr haben die beiden das Unternehmen an ihre Söhne Lukas Schär und Michael Schär übergeben. An der Übergabefeier spielte nicht die Dorfmusik oder ein Streichquartett, sondern das Fischermanns Orchestra.

in Altbüron den neuen Werkplatz bauten, gab es noch ein übrig gebliebenes Stück Land von etwas eigenwilliger Form. Wir entschlossen uns, dort einen Raum für Kultur zu bauen.» Im bau 4 treten zeitgenössische Jazz-Formationen von Rang und Namen auf. Hildegard Schär zahlt faire Gagen und hegt eine Wertschätzung für die Künstler. Die Konzertplakate werden von Niklaus Troxler gestaltet, dank dem die Schärs in Willisau den Jazz entdeckten. The Beat goes on.

Improvisation statt Mercedes

Umgekehrt leistet auch Walter Schär seinen Beitrag zum Jazz Festival Willisau. Es begann mit der «Jazzbar», einem modularen Holz-Pavillon, der noch unter der Ägide von Niklaus Troxler realisiert wurde. Als Arno Troxler die Festivalleitung übernahm, kam eine regelmässige Zusammenarbeit mit Schär zustande: Die Holzbauten auf dem Vorplatz verleihen dem Festival ein klares Ambiente. In den ersten fünf Jahren wurden diese Pavillons und Standbauten im Rahmen von Workshops mit Studierenden der Fachhochschule Fribourg entwickelt.

Die Schärs lieben den Jazz und die improvisierte Musik. «In den 1980er Jahren begannen wir, die Jazzkonzerte in Willisau zu besuchen. Willisau war der grosse Garten, in dem wir die verrücktesten musikalischen Farben und Formen pflücken konnten. Es war spannend und ganz anders, als was man sonst unter Kultur erleben konnte.» Sie begannen, zu hause in Grossdietwil unter dem Titel «Kaff Kino», Filme zu zeigen. Es folgten erste Hauskonzerte mit Jazzbands. Auch bei der Eröffnung des neuen Werkplatzes 2001 in Altbüron stand Jazz auf dem Programm. Ab 2006 wurde im bau 4 ein regelmässiger Kulturbetrieb mit Musik und Ausstellungen aufgenommen. Andere Unternehmer kaufen sich nach ersten unternehmerischen Erfolgen ein prestigeträchtiges Auto. Walter Schär investierte in die Kultur. «Als wir

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Holzbauten für das Festival

Das war ganz im Sinne von Walter Schär: Ein Geben und Nehmen. «Die angehenden Holzfachleute konnten sich in der Praxis üben, und das Festival wurde eine ideale Plattform, um die Arbeiten sichtbar zu machen und ihnen einen Wert zu geben.» Inzwischen existiert eine feste Holz-Infrastruktur, die jedes Jahr von schärholzbau

erstellt wird. Dank Walter Schär lässt sich in den Konzertpausen auch ein ausgezeichneter Espresso trinken: Die professionelle Kaffeemaschine hat er gleich selber nach Willisau gebracht. Die freie Musik regt an Das kulturelle Engagement gehört wie selbstverständlich zur unternehmerischen Haltung von Walter Schär. Kultur sei ein ausgezeichnetes Feld, um sich mit ganz anderen Fragen als den obligaten betrieblichen Themen auseinanderzusetzen, sagt der Unternehmer. «Das wirkt anregend und kann in das eigene Denken und Handeln einfliessen.» Ihn fasziniert das freie Musizieren. «Wie ist es möglich, dass mehrere MusikerInnen ohne Netz und Abmachung spielen können - und es gelingt? Ich habe kaum je ein frei improvisiertes Konzert erlebt, das abgestürzt wäre.» Das seien Kompetenzen, von denen auch Unternehmer etwas lernen könnten, vermutet Schär. «Es muss nicht immer alles reglementiert und getaktet sein, damit etwas funktioniert. Vielleicht inspiriert es zunächst bloss als ein Stück Hoffnung. Aber es bricht das normierte Denken auf.» Schon früher, als er Rock und Pop hörte, horchte er vor allem dann auf, wenn die Bands ihre Schemen verliessen, um später wieder auf den Punkt zu kommen. «Es tut gut, eine normierte Form auch mal zu verlassen. Davon könnte man in der Wirtschaft mehr lernen.» Eine konkrete Analogie zum


Funktionieren einer guten Band bietet die Werkgruppe von schärholzbau: Sie besteht aus einem Team von Architekten, Ingenieuren, Finanzleuten, Handwerkern und Technikern, die gemeinsam ein Projekt entwickeln. «So wie eine Band mit verschiedenen Instrumentalisten und Individuen ihr Stück entwickelt, erstellen wir ein Bauwerk. Der Prozess ist partnerschaftlich. Jeder trägt seinen Teil zum Ganzen bei und lässt dem andern so viel Freiraum, dass dieser sich auch einbringen kann.» Kultur: «Eine sehr gute Währung» Walter Schär denkt in solchen Zusammenhängen, wenn er von Kultur spricht. Deshalb ist ihm der Begriff Mäzen etwas suspekt, wenn man ihn auf seine kulturfördernden Tätigkeiten anspricht. «Ich betrachte unser Engagement eher als einen Tausch von Leistungen. Wir sind bereit, einen Preis zu bezahlen und bekommen von den Musikern und den Kunstschaffenden etwas retour. Es ist eine sehr gute Währung.» Für Schär ist die Kultur ein wichtiger Teil der Ökonomie. «Man kann ihn nicht immer direkt bewerten und buchhalterisch erfassen. Aber kulturelle Inhalte und Aktionen bringen Impulse. Sie sind wie ein geistiger Reichtum. Das bringt einen weiter.» Auch nach der Übergabe der Firma an ihre Söhne werden Walter und Hildegard Schär ihr kulturelles Engagement weiterführen und der Kultur verbunden bleiben.

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Ein Leuchtturm-Festival Die öffentliche Hand unterstützt das Jazz Festival Willisau jedes Jahr mit 100 000 Franken. Das sind rund 20 Prozent des Festivalbudgets. Davon zahlt der Kanton Luzern 65 000 Franken. «Die Summe wurde vor drei Jahren leicht erhöht. Der Beitrag war bis jetzt immer unbestritten», sagt der kantonale Kulturbeauftragte Stefan Sägesser. Dafür gibt es gute Gründe. «Willisau ist ein Kernfestival für uns», sagt Stefan Sägesser, Verantwortlicher für die Kulturförderung des Kantons Luzern. «Das Jazz Festival hat einen regionalen, nationalen und internationalen Aspekt, und eine ebensolche Ausstrahlung. Für uns ein klares Leuchtturm-Projekt auf der Landschaft, deshalb sind wir mit zuständig», sagt Sägesser. In nackten Zahlen sind das 65 000 Franken, die das Jazz Festival Willisau jedes Jahr vom Kanton erhält. Grundlage dafür ist eine Leistungsvereinbarung, die alle drei Jahre erneuert wird. Weitere 35 000 Franken steuert die Stadt Willisau bei. Positiv für das Jazz Festival Willisau spricht aus kantonaler Fördersicht die lange und ungebrochene Tradition in einem Musiksegment ausserhalb des gängigen Mainstreams. Sägesser: «Niklaus Troxler rief das Festival 1975 ins Leben und hat es geschafft, den Anlass bis über die 2000er Jahre hinaus nicht nur zu halten, sondern auch zu etablieren. Und mit seinem Nachfolger Arno Troxler haben sich Türen zu neuen Trends und Einflüssen geöffnet und beginnt das Festival vermehrt jüngere Besucher anzuziehen.» Viele ehrenamtliche Leistungen

Nicht mehr und nicht weniger Die kantonale Kulturförderung ist ein komplexes Instrument. Die Verantwortlichen sind bemüht, möglichst gut auf die aktuellen Bedürfnisse zu reagieren und dafür die adäquaten Förder-Gefässe zu schaffen. Gleichzeitig ist alles, was mit Kultur angeschrieben ist, schnell einem politischen Hickhack ausgesetzt und konstant von Sparübungen bedroht. Kultur und insbesondere die Kulturförderung müssen sich ständig rechtfertigen. Eine Verlässlichkeit der Finanzierung wie im Gesundheitsbereich oder im Strassenbau gibt es nicht. Der entwürdigende Sparkurs, der 2017 von der kantonalen Regierung diktiert wurde, führte zu Protesten und Demonstrationen an der Basis. Wie sieht die Situation heute aus? «Der bisherige Modus hat sich einigermassen halten können. Es gibt nicht wesentlich weniger Geld, aber es gibt auch nicht mehr», fasst Stefan Sägesser den Status quo zusammen. Letzterer Punkt wird eine politische Knacknuss bleiben. «Wenn wir die Kulturbeiträge der wachsenden Bevölkerung anpassen und gewisse Bereiche wie beispielsweise den Film weiter stärken wollen, braucht es mehr Gelder.»

Positiv wertet Sägesser den Umstand, dass in Willisau nicht nur die etablierte und internationale Szene über die Bühne geht, sondern auch der Nachwuchs gefördert wird: «Arno Troxler gibt der jungen MusikerInnen-Generation eine regelmässige Plattform. Wir bilden ja mit der Musikhochschule in Luzern auch spannenden Nachwuchs aus. Sie finden in Willisau Vorbilder, mit denen sie sich auseinandersetzen können und selber die Gelegenheit erhalten, dort aufzutreten. Das unterstreicht und stärkt die Bedeutung des Festivals auch als Treffpunkt für die Szene und für jene, die daran teilhaben.»

Das Budget des Kantons Luzern für Museen, Denkmalpflege und Archäologie sowie die Kultur beläuft sich auf 39 Millionen Franken. Für die Kultur im engeren Sinne stehen rund 22 Millionen Franken zur Verfügung. Davon fliessen knapp 20 Millionen an den Zweckverband Grosse Kulturbetriebe (zusätzliche acht Millionen zahlt die Stadt Luzern). Von diesen Geldern profitieren das Luzerner Theater, das Kunstmuseum, das Lucerne Festival, das Luzerner Sinfonieorchester (LSO) und das Verkehrshaus der Schweiz.

Sägesser streicht auch den grossen Anteil von ehrenamtlichen Leistungen hervor, die mit diesem Festival verbunden sind. Willisau sei ein «vergleichsweise günstiges Festival». Andere Festivals hätten eine Ganzjahresstruktur mit einem festen Pensenpool und fix angestellten Personen. Mit einem Anteil von 40 Prozent weist das Jazz Festival zudem einen relativ grossen Eigenfinanzierungsgrad aus (Tickets, Gastronomie, eigene Leistungen). «Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass das Festival von Menschen gemacht wird, die nicht nur mit Herzblut dabei, sondern bereit sind, auch viele unentgeltliche Arbeiten zu leisten.» Nicht auszuschliessen: Käme das Festival mal in externe Hände, wäre es vielleicht gar nicht mehr finanzierbar.

Bleiben noch knapp drei Millionen Franken, die für alle übrigen Kulturträger und vor allem den Kulturschaffenden selber zur Verfügung stehen. In diesem relativ verschwindenden Budget-Segment sind etwa die Filmförderung, die selektive Produktionsförderung, die Beiträge an regionale Kulturförderfonds wie Luzern WEST und Sursee Mittelland oder die Sammlung Rosengart untergebracht. Und das Jazz Festival Willisau. Ein Leuchtturm an einem Meer mit verrückter Musik, das sich hoffentlich noch lange etwas wild gebärdet. Für etwas braucht man schliesslich Leuchttürme.

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Knappe drei Millionen Franken


Informationen Bühnen & Tickets Halle Festivalpass für alle Konzerte in der Halle: Fr. 270.– Legipass für alle Konzerte in der Halle: Fr. 150.– Ticket pro Konzertblock: Fr. 60.– Legiticket pro Konzertblock: Fr. 30.– Seit dem zweiten Festival 1976 ist die Willisauer Festhalle die Bühne für die legendären Doppelkonzerte des Jazz Festivals Willisau. Die Tageskasse vor der Festhalle Willisau öffnet zwei Stunden vor Konzertbeginn. Intimities Ticket pro Konzert: Fr. 20.– Der intime Konzertraum der Rathausbühne Willisau, mitten im historischen Städtchen, bietet einen idealen Kontrast zur grossen Hauptbühne. Die Tageskasse in der Rathausbühne ist 30 Minuten vor Konzertbeginn geöffnet. Late Spot Ticket pro Konzert: Fr. 10.– Im Club kommen tanzfreudige Musikliebhaber und Nachtschwärmer bei Konzerten im Schmelztiegel von Jazz, Electro und Rock auf Ihre Kosten. Die Abendkasse im ersten Stock der Willisauer Festhalle ist ab 23.00 Uhr geöffnet. Zelt Tägliche Gratiskonzerte auf der Bühne mitten im Herzen des Festivalgeländes bei der Festhalle Willisau. Das Gelände ist mit viel Liebe zum Detail ausgestaltet und das Angebot kulinarischer Köstlichkeiten aus der Region begeistert Jung und Alt.

Anreise / Heimreise Wir empfehlen mit dem öffentlichen Verkehr anzureisen. Öffentlicher Verkehr Die S6 bringt Sie aus der Region Luzern / Wolhusen oder Langenthal / Huttwil bequem nach Willisau Bahnhof. Von dort sind Sie zu Fuss in 10 Minuten bei der Festhalle. Ab Nebikon oder Sursee erreichen Sie Willisau auch mit dem Bus. Der Bus aus Sursee fährt bis zur Haltestelle Willisau Friedhof weiter, wo Sie noch näher bei der Festhalle aussteigen können. Parkplätze Parkplätze für Besucher sind in unmittelbarer Nähe zum Festivalgelände keine vorhanden. Besucherparkplätze befinden sich beim Zehntenplatz, beim Sportzentrum an der Schlossfeldstrasse und bei der Wellis Möbelfabrik an der Ettiswilerstrasse. Letzter Zug ab Willisau 23.30 Uhr – Richtung Wolhusen / Luzern (täglich) 23.57 Uhr – Richtung Huttwil (täglich) 22.57 Uhr – Richtung Langenthal (täglich) 23.57 Uhr – Richtung Langenthal (Fr / Sa, Sa / So) Letzter Bus ab Willisau Bahnhof 23.20 Uhr – Richtung Nebikon (täglich) 23.20 Uhr – Richtung Sursee (täglich) (23.16 Uhr ab Willisau Friedhof) 00.28 Uhr – Richtung Sursee (Fr / Sa, Sa / So)

Übernachtung Buchungen fürs Festivalzelt oder Festivalherberge über unsere Webseite: jazzfestivalwillisau.ch Festivalzelt Neu stehen exklusiv ausgestattete Zweierzelte auf dem Campingplatz bei der Festhalle zur Übernachtung bereit. Das Zelt kostet Fr. 60.–  pro Nacht. (inkl. Kopfkissen mit Bezug, Wolldecken für kalte Nächte. Ein Schlafsack muss mitgebracht werden.) Festivalherberge Im neuen Bed & Sports Willisau stehen Einzelbetten im 6er Zimmer zur Verfügung oder es können ganze 6er oder 4er Zimmer gebucht werden. Sämtliche Zimmer verfügen über Etagenduschen und Toiletten. Die Betten und Zimmer sind inkl. Duvets, Kissen und Bezug, jedoch ohne Frühstück. Camping Auf dem Festivalgelände für Besucher kostenlos. Hotels Auskunft über Hotels in der Umgebung von Willisau erteilt das Regionale Verkehrsbüro: T +41 41 970 26 66 www.willisau-tourismus.ch

Nachtstern N11 Richtung Luzern Der Nachtstern bringt Sie am Freitag und Samstag auch nach den Late Spot Konzerten noch nach Luzern zurück. Um 02.10 Uhr ab Willisau Friedhof via Ettiwil-Ruswil nach Luzern für Fr. 10.–

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Mittwoch 28. Aug Zelt 18h

Bibi Vaplan Bibi Vaplan, voc, p

Halle 20h

Still Dreaming with Joshua Redman, Ron Miles, Scott Colley and Dave King Joshua Redman, ts Ron Miles, tp Scott Colley, b Dave King, dr

The Great Harry Hillman Nils Fischer, reeds

Freitag 30. Aug

Samstag 31. Aug

Intimities 18h

Robert Torche Electronics Solo

Co Streiff Sax Solo

David Koch, g

Zelt 18h

Samuel Huwyler, b

Belmondos Tanzkapelle

Dominik Mahnig, dr

Intimities 11h

Michael Leherbauer, voc

Zelt 12h

Nik Rindlisbacher, p

The Jazz Trio

Nico Stettler, g

Florian Egli, sax

Laurin Moor, b

Raphael Walser, b

Hannes Junker, dr

Jonas Ruther, dr

Donnerstag 29. Aug Halle 20h

Halle 14h

Zelt 18h

Mr. Schuetz & the Paradox

Pateras/Baxter/Brown

Black Sea Dahu

Martin Schütz, voc, el. & ac. cello

Anthony Pateras, prep p

Andi Marti, tb

Sean Baxter, dr

Beni 06 Weber, dr, drummachine

David Brown, prep g

Janine Cathrein, g, voc Vera Cathrein, g,b, voc Lukas Weber, perc Paul Märki, g, b Nick Furrer, dr, voc

Mats Kolb, b Tobi Schramm, dr Jay Schütz, sound

Ramon Ziegler, keys, voc

Makaya McCraven Halle 20h

Makaya McCraven, dr, elec

Svosve - Wiesendanger Hébert – Cleaver

Marquis Hill, tp

Tapiwa Svosve, as

Jeremiah Hunt, b

Chris Wiesendanger, p John Hébert, b Gerald Cleaver, dr

Ala Fekra Project Patricia Draeger, acc Amr Darwish, vl Albin Brun, sax, schwyzerörgeli Yamen Abdallah, qanun André Pousaz, b Samuel Baur, dr

Greg Ward, sax Matt Gold, g

Late Spot 23:30h

Tanche Elischa Heller, elec Christian Zemp, g Chadi Messmer, b, synth

Elio Amberg Quartet Elio Amberg, sax Hans-Peter Pfammatter, p Silvan Jeger, b David Meier, dr

Zelt 18h

Die Drei Leoni Altherr, voc Johanna Pärli, b

Halle 20h

Irreversible Entanglements

Intimities 11h

Camille Émaille Improvisation-Percussion Solo

Jonas Albrecht, dr

Camea Ayewa

Zelt 12h

aka Moor Mother, voc

Jeanie Johnston

Edipo Re

Keir Neuringer, sax

Kathrin Künzi, voc, fl, banjo

Aquiles Navarro, tp

Othmar Brügger, g, voc

Luke Stewart, b

Vincent Millioud, vl

Tcheser Holmes, dr

David Zopfi, b

Vula Viel

Halle 14h

Bex Burch, gyil, voc

Gabriela Friedli Trio

Tom Herbert, b Jim Hart, dr

Latespot 23:30h

Ester Poly Martina Berther, b, voc Béatrice Graf, dr, keys, voc

Kia Mann

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Sonntag 01. Sep

Sonja Ott, tp

Gabriela Friedli, p, comp Daniel Studer, b, comp Dieter Ulrich, dr, bugle

Duo James Brandon Lewis & Chad Taylor James Brandon Lewis, ts Chad Taylor, dr

jazzfestivalwillisau.ch