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J U L I   —   O K T O B E R 2 014 E U R 6 , 9 0 D /A

S F R 9, 9 0

W W W . A R T M A P P. N E T

M AGA ZIN FÜR KUNST ARCHITEKTUR DESIGN MODE FOTOGR AFIE

G R ATIS IM APP STORE

M O B I L . A R T M A P P. N E T

METZ SAARBRÜCKEN

BERLIN ART WEEK FRAC SURROGATE CITIES RUHR

GROSSE HILDEBRANDT KUBALL STRUNZ THEISS

BADEN-BADEN GRAZ HAMBURG MANNHEIM ULM VÖLKLINGEN ZÜRICH


OCTOBER NOVEMBER

20 YEAR S

30–02

20th International Contemporary Art Fair | ABB Hall 550 | Zürich-Oerlikon Thu 4pm – 10pm | Fri 11am – 9pm | Sat Sun 11am – 7pm | www.kunstzuerich.ch


Titelmotiv: Franticek Klossner „Frozen Face“ © VG Bild-Kunst, Bonn 2014 (siehe auch S. 188)

Editorial 06 2014

Foto Editorial: © Carmen Jäger

„Saarvoir vivre“

In dieser Ausgabe berichten wir über die „Kathedrale der Industriekultur“: Gerade feierte die ­ ölklinger Hütte den 20. Jahrestag, an dem sie als erstes Industriedenkmal überhaupt in die Liste V der UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten aufgenommen wurde.

AUGEN AUF!

Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des UNESCO-Weltkulturerbes Völklinger ­ ütte, weist ihr bei den Einheimischen eine besondere Stellung zu: „Der Rost im Weltkulturerbe H ­Völklinger Hütte ist im Grunde Ausdruck der Emotion des ganzen Landes. Das, was sich hier ­symbolhaft darstellt in unserer UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte, ist nichts anderes als Ausdruck der Identität der Saarländerinnen und Saarländer sowie der Menschen, die in dieser Großregion Saar-Lor-Lux (Saarland, Lothringen, Luxemburg) leben. Und man muss ja auch dazu sagen: Diese Industriekultur hat weit über 100 Jahre das Leben der Menschen, ihre Existenzen, ihre Befindlichkeiten, ihre Liebe und ihre Freuden bestimmt.“

Thomas Mann und die bildende Kunst

In der Landeshauptstadt Saarbrücken übernahm Dr. Roland Mönig am 1. Dezember 2013 den ­ orsitz der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz und damit die Leitung des Saarlandmuseums, V ­dessen markantester Teil die Moderne Galerie ist. Roland Mönig will zurück zum Kerngeschäft der Kunst: „Warum sollen wir nicht das Eigene der Kunst zeigen“. Vor allem die Sammlung der Modernen ­Galerie spiegelt die noch junge Geschichte des Landes, in dem einst 1945 die französische Militärregierung eine Kunstschule, ein Konservatorium und eine Universität gründete.

Sonderausstellung im

Beide Protagonisten der saarländischen Kunst- und Kulturszene wissen um das große Potential ihrer Häuser: Alles ist vorhanden, man muss es nur sehen und sich auf den Weg ins Saarland machen.

Buddenbrookhaus und im

Das Saarland hat natürlich noch mehr zu bieten: reizvolle Landschaften an der Saar mit gleichermaßen vom Barock wie auch vom Industriezeitalter geprägten Städten. Erleben Sie das „Saarvoir vivre“ in Saarlouis, der heimlichen Hauptstadt des Saarlandes, aber auch in Metz, der Metropole der l­othringischen Nachbarschaft – mehr dazu im zweiten Schwerpunktthema dieser Ausgabe.

Museum Behnhaus Drägerhaus Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer und viel Spaß bei der Entdeckungsreise mit ARTMAPP

Ihr Reiner Brouwer Herausgeber

13.09.2014 BIS 06.01.2015 IN LÜBECK www.die-luebecker-museen.de


29. JUNI - 28. SEPTEMBER 2014 SCHREINEREI 14 FRUTHWILERSTR. 14 CH-8268 SALENSTEIN WWW.DIERK-MAASS-CH.COM


DIERK DIERKMAASS MAASS HIGHWAY° HIGHWAY°TO´HEAVEN“ TO´HEAVEN“


Katharina Grosse, „Wer, ich? Wen, Du?“, 2014, Ausstellungsansicht, Kunsthaus Graz, 2014, © Katharina Grosse und Bildrecht, Wien 2014, Foto: N. Lackner/UMJ


Katharina Grosse „Wer, ich? Wen, Du?“ 06.06.-12.10.2014

Alles fließt: Die Malerin Katharina Grosse – eine der international bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Generation – lässt Böden in das Bild wachsen: Farbe legt sich über Leinwand-Landschaften, Räume und Funktionsobjekte erfahren eine skulpturale Kleidung. Der analytische Blick auf das Detail fließt dabei in die metaphysische Erkenntnis des Gesamten. Das Bild wird als eigenständiges Wahrnehmungsereignis begreifbar, das den Farbraum dynamisiert. Brutal, direkt, evolutionär und physisch festzumachen. Lendkai 1, 8020 Graz, Di-So, 10-17 Uhr www.museum-joanneum.at


Inhalt

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(auszugsweise)

ARTM APP Sommer 2014 Metz

Foto: Architektur FRAC (Eingang) © tourisme -metz.com

Kreation von Laura Theiss für „Wings“, 2013 Choreografie: Marguerite Donlon Foto: Bettina Stoeß

zusammengestellt von Susanne Jakob & Kai Bauer

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IN TERVIEW MIT HÉLÈNE GU ENIN Chef kuratorin des Centre Pompidou-Metz

26

BÉATRICE JOSSE Direktorin des FRAC Lorraine (Fonds régional d’art contemporain)

30

ZWEI KÜ NSTLER AUS METZ Guillaume Barborini Elodie Lanotte

32 34

VON METZ NACH DELME Die Synagoge und das Centre d’art contemporain in Delme

38

Saarbrücken

44

GESPR ÄCH MIT ROL AND MÖNIG Neuer Vorsitzender der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz von Sabine Graf

48

GOT TFRIED BÖHM IN SA ARBRÜCKEN von Henry Keazor

52

DIE MODEDESIGNERIN L AU R A THEISS von Silvia Buss

60

DAS SA ARBRÜCKER MODELL Gabriele Langendorf, Rektorin der HBKsaar, über die Vorteile einer vermeintlichen Randlage – von Silvia Buss

66

KÜ NSTLER AUS DEM SA ARL AND Gregor Hildebrandt und Katja Strunz von Lina Scheewe und Stefanie Bringezu

76

IN TERVIEW MIT MEINR AD MARIA GREWENIG Generaldirektor des UNESCO-Weltkulturerbes Völklinger Hütte von Sabine Graf

82

INTERVIEW MIT JO ENZWEILER Direktor des Instituts für aktuelle Kunst im Saarland – von Oranna Dimmig

86

HOTELPORTR ÄTS Das Hotel Leidinger im Quartier Mainzer Straße – von Silvia Buss Der Linslerhof bei Überherrn – von Ruth Rousselange

62 98

Por träts ROBERT SCHAD von Christoph Schütte

120

MISCHA KU BALL von Katja Behrens

126

Porträt Robert Schad, Foto: Robin Billecard


Porträt Katja Aßmann Foto: Roman Mensing © Urbane Künste Ruhr

Kultururlaub in Schleswig- Holstein

RuhrKunst

Das „Kulturreisetagebuch“ lädt ein, den Norden zu entdecken. (Folge 2)

132

Kunst in Hamburg HAMBU RG IM AU F WIND Interview mit Bettina Steinbrügge, Katja Schroeder und Anna Sabrina Schmid – von Heiko Klaas & Nicole Büsing

150

Neubrandenburg & Rügen DAS KU NST MUSEU M IM NORDOSTEN in Neubrandenburg & Landeskunstausstellung auf Rügen von Susanne Burmester

159

Ausstellungen

180

K ATHARINA GROSSE im Kunsthaus Graz – von Marc Peschke

182

SABINE VON BREU NIG Fotografie, Galerie im Rathaus Tempelhof – von Matthias Harder

186

SAMMLU NG REINKING IN DER WESERBU RG Museum für moderne Kunst Bremen – von Anna Moldenhauer

188

PORZELL AN WELTEN LEUCHTENBU RG Interview mit Sven-Erik Hitzer – von Sarah Alberti

192

20 JAHRE KU NST ZÜ RICH Interview mit Evelynne Fenner – von Janine Schmutz

196

Termine

168

Impressum

198

Katharina- Grosse -Ausstellungs-App, Kunsthaus Graz Foto: UM J / N. Lackner

Da gibt es jede Menge Kultur zwischen den Meeren! Mitarbeiterinnen der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein berichten von ihren kulturellen Entdeckungstouren zwischen Nord- und Ostsee – und laden ein, kulturelle Schätze zu bergen. Das „Kulturreisetagebuch“ ist immer einen Klick wert, denn hier gibt es vieles zu entdecken. Letzte Station z.B. ein Geheimtipp und eindeutig ein Lieblingsort: das Künstlermuseum Heikendorf (s. Abb.). Auch heute noch sagen viele in Schleswig-Holstein lebende Künstler, es sei das ganz besondere Licht, das ihnen Inspiration ist. Dass dies keine neue Erkenntnis ist, wird in Heikendorf klar: Eine ehemalige Künstlerkolonie wird im Wohn- und Atelierhaus des Künstlers Heinrich Blunck in wechselnden Ausstellungen präsentiert. Die Bilder vom Impressionismus bis hin zum späten Expressionismus zeigen subjektive Eindrücke norddeutscher Landschaften. Die intimen Räumlichkeiten machen die Kunstwerke authentisch erlebbar. Ein weiteres Highlight ist der Garten mit seiner Blütenpracht; er verbindet das Wohnhaus mit der modernen ­A usstellungshalle. (Fortsetzung folgt) Informationen www.sh-tourismus.de/kultur www.kuenstlermuseumheikendorf.de

© U.M.L. Baldrich

RUHRGESTALTERIN Interview mit Claudia Aßmann, künstlerische Leiterin Urbane Künste Ruhr von Heiko Klaas & Nicole Büsing


Albert Weisgerber, David und Goliath, 1914


Euphorie und UNTERGANG K端nstlerschicksale im Ersten Weltkrieg 7. Juni bis 28. September 2014 Saarlandmuseum moderne galerie

www.saarlandmuseum.de

In Kooperation mit


Generaldirektor Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig 66302 Völklingen / Saarbrücken Gruppenbuchungen und Tickets + 49 (0) 6898 / 9 100 100

Götter. Menschen. Pharaonen.

Meisterwerke aus dem Museum Egizio Turin

25. Juli 2014 bis 22. Februar 2015 täglich ab 10 Uhr (außer 24., 25 und 31. Dezember)

www.voelklinger-huette.org


Ägypten – Götter. Menschen. Pharaonen. Kaum eine Kultur fasziniert die Menschen so nachhaltig wie die Hochkultur des Alten Ägypten. Die Pyramiden, die Hieroglyphen oder die altägyptische Götterwelt beschäftigten seit jeher die Phantasie zahlreicher Gelehrter und Reisender. 2014/2015 entführt das Weltkulturerbe Völklinger Hütte seine Besucher in die Welt des Alten Ägypten. "Ägypten – Götter. Menschen. Pharaonen." zeigt die Kunst, die Götter­ welt und die Alltagswelt der altägyptischen Kultur aus vier Jahrtausenden vor Christus. Die 250 hochkarätigen Exponate stammen aus dem Museum Egizio Turin, dem ältesten ägyptischen Museum der Welt mit einer der international bedeutendsten Sammlungen zur altägyptischen Kultur. Nahezu alle dieser Leihgaben sind erstmals in Mitteleuropa, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Belgien zu sehen. Damit wird das Weltkulturerbe Völklinger Hütte zum inter­ nationalen Zentrum altägyptischer Kultur.

Mit freundlicher Unterstützung von:

die Metall + Elektroindustrie


29.06.— 31.08.2014

WATER! Edward Burtynsky, Colorado River Delta # 2, Near San Felipe, Baja, Mexico, 2011, © Courtesy Galerie Stefan Röpke, Köln

NEUE FOTOGRAFIEN VON EDWARD BURTYNSKY

MUSEUM SINCLAIR-HAUS

Bad Homburg v. d. Höhe Löwengasse 15 www.altana-kulturstiftung.de

ÖFFNUNGSZEITEN Di 14—20 Uhr, Mi bis Fr 14—19 Uhr Sa, So und an Feiertagen 10—18 Uhr


Alle ausstellungen im sommer 2014 unter:

www. Ruhr Kunst Museen .com

zwanzig museen, eine kunstregion.

KUNSTMUSEUM BOCHUM + Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Campusmuseum. Sammlung Moderne und Situation Kunst + JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP + MUSEUM OSTWALL IM DORTMUNDER U + LEHMBRUCK MUSEUM, DUISBURG + MUSEUM DKM | STIFTUNG DKM, DUISBURG + MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, DUISBURG + MUSEUM FOLKWANG, ESSEN + KUNSTMUSEUM GELSENKIRCHEN + EMIL SCHUMACHER MUSEUM HAGEN + OSTHAUS MUSEUM HAGEN + GUSTAV-LÜBCKE-MUSEUM, HAMM + EMSCHERTAL-MUSEUM HERNE, STÄDTISCHE GALERIE + FLOTTMANN-HALLEN HERNE + SKULPTURENMUSEUM GLASKASTEN MARL + KUNSTMUSEUM MÜLHEIM AN DER RUHR + LUDWIGGALERIE SCHLOSS OBERHAUSEN + KUNSTHALLE RECKLINGHAUSEN + ZENTRUM FÜR INTERNATIONALe LICHTKUNST UNNA + MÄRKISCHES MUSEUM WITTEN

KUNSTMUSEUM GELSENKIRCHEN: Anton Stankowski, Mathematische Felder, 1955, Öl auf Leinwand, 60 × 60 cm, Detail, Foto: Hanno Trebstein


ART FAIRS EXHIBITIONS JuRy SElEcTION PERFORmANcES ScREENINgS cONFERENcE TAlkS

ABc ART BERlIN cONTEmPORARy POSITIONS BERlIN — ART FAIR AkAdEmIE dER küNSTE BERlINIScHE gAlERIE c/O BERlIN dEuTScHE BANk kuNSTHAllE HAuS Am wAldSEE HAuS dER kulTuREN dER wElT kw INSTITuTE FOR cONTEmPORARy ART mE cOllEcTORS ROOm NATIONAlgAlERIE — STAATlIcHE muSEEN Zu BERlIN NEuER BERlINER kuNSTVEREIN NEuE gESEllScHAFT FüR BIldENdE kuNST

www.BERlINARTwEEk.dE


Gisèle Freund Fotografische Szenen und Porträts

23. 5.– 10.8.14 Hanseatenweg 10, 10557 Berlin Di – So 11–19 Uhr, www.adk.de

Eine Ausstellung der Akademie der Künste, der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und des IMEC (Institut Mémoires de l’édition contemporaine), Paris Abbildungen (UZS von links oben): James Joyce, Paris 1939; Jean-Paul Sartre, Paris 1966; Victoria Ocampo, Paris 1939; Eva Perón, Buenos Aires 1950; Vita Sackville-West, Sissinghurst Castle 1939; Frida Kahlo, Mexico City um 1948; Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, Paris 1966 Alle Abbildungen © IMEC, Fonds MCC, Vertrieb bpk / Photo Gisèle Freund

Mit freundlicher Unterstützung

Die Akademie der Künste wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


Die absolute Landschaft Michael Ruetz

4. Juli – 5. Oktober 2014 Museum für Fotografie

Fotos: Michael Ruetz: Timescape 817 © Michael Ruetz

Museum für Fotografie

Jebensstraße 2, 10623 Berlin www.smb.museum


Lobby of the Helmut Newton Foundation, Photo: Stefan Müller

HELMUT NEWTON FOUNDATION

05.06. - 16.11.2014

HELMUT NEWTON ALICE SPRINGS

US AND THEM SEX AND LANDSCAPES HELMUT NEWTON FOUNDATION • MUSEUM FÜR FOTOGRAFIE • JEBENSSTRASSE 2, 10623 BERLIN DI, MI, FR 10-18, DO 10-20, SA, SO 11-18 UHR WWW.HELMUTNEWTON.COM


1 | Himmelsscheibe von Nebra, LDA Sachsen-Anhalt, Foto: Juraj Lipták 2 | „Gefährliche Liebschaften“, neues theater, Foto: Gert Kiermeyer 3 | Händel-Haus, Stiftung Händel-Haus, Foto: Horst Fechner 4 | L. Feininger, „Marienkirche mit dem Pfeil“, Foto: Klaus Göltz, Halle; © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

H I G H L I G H T S 2 0 1 4 /1 5 AU S STE L LU N G E N

F E STI VA LS & V E R A N STA LTU N G E N

DA S JA H R Ü B E R Landesmuseum für Vorgeschichte Die Himmelsscheibe von Nebra und eine der bedeutendsten archäologischen Sammlungen Europas Dauerausstellung bis 02.11.2014 Franckesche Stiftungen Mit Gott für Kaiser und Vaterland. Die Franckeschen Stiftungen im Ersten Weltkrieg Ausstellung 19. – 20.07.2014 An den Standorten der Kunsthochschule Jahresausstellung der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Einblicke in die Werkstätten und Ateliers

BÜHNEN

KO N Z E RT E

AU S B L I C K 2 0 1 5 14.08. – 02.11.2014 Stiftung Moritzburg Im Land der Palme. August von Sachsen (1614 – 1680). Erzbischof von Magdeburg und Fürst in Halle Korrespondenzorte: Dom zu Halle, Schloss Neu-Augustusburg Weißenfels und Schloss Neuenburg Freyburg

2015 verschiedene Veranstaltungsorte 100 Jahre Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

28.09.2014 Oper Halle West Side Story Premiere des Musicals nach Leonard Bernstein

04. – 14.06.2015 authentische Orte in Halle und Umgebung Händel-Festspiele Ticketvorverkauf ab November 2014

21.11. – 23.11.2014 Händel im Herbst-Tage Konzerte, Opernaufführung

25.04. – 03.05.2015 women in jazz 10. Internationales Jazz-Festival

03.07.2015 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 14. Lange Nacht der Wissenschaften

Werden auch Sie Kulturhäuptling – in Halle!


M ETZ Bertrand Lavier, „Duralux“, 2010 Tour Coislin, Metz, 15 Mai 2010 Koproduktion: Faux Mouvement / Centre Pompidou-Metz © Bertrand Lavier, ADAGP, Paris, 2013.

METZ Foto: Masahiro Handa für Faux Mouvement

Edition FauxMouvement, Metz


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Susanne Jakob und Kai Bauer in M etz

La Métropole de la Cour d’Or links: Place St. Jacques, rechts: Plan d‘Eau Fotos: Christian Legay, Marc Royer © QuattroPole, Ville de Metz

Es ist nur ein Sprung über die Grenze nach Frankreich, der von Saarbrücken nach Metz führt. Kleine Ausflüge mit dem Zug oder mit dem Auto hierher lohnen sich unbedingt, schließlich findet man innerhalb einer knappen Stunde Stationen einer der vielfältigsten Kunst- und Kulturregionen im Herzen ­Europas, die vor den alten Grenzen keinen Halt macht. Die 3.000 Jahre alte Stadt Metz liegt historisch an einer strategisch wichtigen Achse. Ihre 1230 fertiggestellte Ringmauer mit der berühmten „Porte des Allemands“ sicherte die Ostseite der Stadt. Bereits ins 11. Jahrhundert reicht der Baubeginn der ­K athedrale Saint-Etienne im Zentrum von Metz zurück. Der hochgotische Bau aus ockerfarbenem Jaumont-Sandstein wurde 1546 fertiggestellt und bestimmte über Jahrhunderte die Skyline von Metz. Der französische Künstler Bertrand ­L avier setzte zur Eröffnung des Centre Pompidou-Metz am 15. Mai 2010 für einige Stunden einen markanten Gegen­ akzent zum goldgelb erleuchteten Kathedralbau: Den Tour Coislin, ein 54 Meter hohes Büro- und Mehrfamilienhaus aus den frühen 1960er-Jahren, ließ der Künstler in Rot, Weiß und Grün anstrahlen, einer Farbauswahl, die aus seiner spezifischen Palette stammt. Dieses Projekt in situ belegt bereits die kulturelle Spannweite, die in Metz von der traditionsreichen Kultur bis hin zur zeitgenössischen Kunst reicht und dem Besucher mit hoher Qualität an vielerlei Orten dargeboten wird. Wir richten uns im Hôtel de la Cathédrale am Place de Chambre ein, einem über 400 Jahre alten Bau, der zunächst eine Umspannstation für Postkutschen war, dann im 17. Jahrhundert zu einem privaten Wohnsitz umgebaut wurde und heute als Hotel im Herzen der lothringischen Metropole ganz das historische Flair der Stadt verspüren lässt.

Vom Hotel sind es nur wenige Meter zur gotischen Kathedrale Saint-Etienne und zum zentralen Marché Couvert, der historischen Markthalle von Metz, die mit Leckereien der lothringischen Küche – von deftig bis fein – aufwartet. Die Kathedrale Saint-Etienne von Metz liegt übrigens mit e­ iner Höhe von 43 Metern im Gewölbe des Querschiffs sogar über den vergleichbaren Maßen der hochgotischen ­K athedralen von Amiens, Paris oder Reims. Sie besitzt zwar nicht deren imposante Türme über dem Westwerk, statt­ dessen sind die Wandf lächen des mächtigen Baus mit der größten Gesamtoberf läche an Glasfenstern aufgebrochen. Hier findet man nicht nur historische, sondern auch moderne Glasmalereien. Die bekanntesten sind die Glasfenster, die Marc Chagall (1887–1985) in den 1960er-Jahren entworfen hat. Weniger ­bekannt, aber nicht minder qualitätvoll sind die für die öst­l iche Seitenkapelle entworfenen Fenster von ­Jacques Villon (1875–1963), einem Bruder des französischen Künstlers M ­ arcel Duchamp, dem Erfinder des Readymades. Informa­tionen zur Besichtigungen der Kathedrale, der Krypta und des Domschatzes können unter www.cathedrale-metz.fr in E ­ rfahrung gebracht werden. Mit dem Centre Pompidou-Metz, dem FRAC Lorraine und dem Kunstraum „Faux Movement“ stellen wir die drei wichtigsten Institutionen der zeitgenössischen Kunst vor Ort vor. Außerdem sind wir mit zwei engagierten jungen Künstlern, Elodie Lanotte und Guillaume Barborini verabredet. Im ­A nschluss fahren wir nach Delme, ein Dorf, das mitten in ­Lothringen, circa 30 Kilometer vor Metz und circa 35 Kilometer von Nancy entfernt liegt. Dort wollen wir mit dem Centre d’Art Contemporain – La Synagogue de Delme (CAC) eine Kunstinstitution vorstellen, die in der ländlichen Region ­a rbeitet und ein ungewöhnliches Ausstellungs- und ­A rtist-in-Residence-Programm anbietet. Das „Quartier de l’Amphithéâtre“ zählt wohl zu den ambitioniertesten Stadtentwicklungsprojekten in der Metropolregion, für das das Planungsbüro von Nicolas Michelin (ANMA) den Masterplan entwickelte. Der Name dieses 50 Hektar großen Areals geht auf ein ehemaliges römisches Amphitheater zurück, dessen spärliche Überreste im 19. Jahrhundert entdeckt wurden. Heute wird dieses Stadtgebiet von zwei prominenten Bauwerken f lankiert: dem im Stil des ­wilhelminischen Historismus erbauten Hauptbahnhof (1908) von Jürgen Kröger und dem filigranen Centre Pompidou-­ Metz (2010), einer Konstruktion der Architekten Shigeru Ban und Jean de Gastines.


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m u s e e . m e t z m e t ro p o l e . f r

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www. tour isme-met z . com

Foto: Bahnhof Metz © Ginster Bauer

ARTM APP

Bereits 2002 wurde der Sportpalast „Les Arènes“ und die ihn umgebende Parklandschaft eingeweiht, die direkt in das ­A real des Centre Pomidou-Metz einmündet. Den architektonischen Höhepunkt in diesem 50.000 Quadratmeter großen Areal bildet jedoch das von dem Pritzker-Preisträger Shigeru Ban und dem französischen Architekten Jean de Gastines entworfene Centre Pompidou-Metz, das 2010 eröffnet wurde. Diesem folgten die ebenfalls vom Planungsbüro ANMA 2012 fertiggestellten „Amphitheater-Hallen“. Das überwiegend kommerziell genutzte Gebäude mit 180 Metern Länge flankiert den großzügig angelegten Fußweg, der das Centre Pompidou-Metz mit dem Hauptbahnhof verbindet, und grenzt damit die ikonische Architektur des Kulturareals von der gesichtslosen Funktionsarchitektur des kommerziellen Arenaviertels ab. Der martialisch wirkende Hauptbahnhof mit 300 Metern Länge bildet eine wichtige Scharnierfunktion zwischen dem neuen Quartier um das Centre Pompidou-Metz, der historischen Altstadt und dem um die Jahrhundertwende erbauten wilhelminischen Kaiserviertel, dem „Quartier Impériale“, das wertvolle Einblicke in die deutsche Baugeschichte in ­L othringen vermittelt. Noch heute weisen Straßennamen wie die Rue des Allemands auf die Annektierung der Stadt Metz durch Kaiser Wilhelm I. nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 hin. In der Stadtgeschichte von Metz überlagern sich unterschiedliche kulturelle Einflüsse, die von den keltischen und gallo-romanischen Anfängen über nordafrikanische Tra­ ditionen, auf die Straßennamen mit der Endung „-wad“ hinweisen, bis hin zu den 140 Nationalitäten reichen, die ­heute in Metz und Umgebung leben. Einen historischen Überblick über die unterschiedlichen Kulturen, die auch das heutige Erscheinungsbild der lothringischen Metropole ­prägen, vermittelt das Regional- und Stadtmuseum „Musée de Metz Métropole La Cour d’Or“, das sich auf dem Kathe­ dralhügel „Saint-Croix“ befindet. Das 1839 gegründete Museum residierte zunächst in einem Gebäude der öffent­ lichen Bibliothek von Metz und zog im Jahre 1988 in das ehemalige Kloster „Petit Carmel“ um. Seither vereint das ­Museum mehrere Sammlungen unter einem Dach, die von ­a rchäologischen Exponaten über ein Militärmuseum bis hin zur Sammlung nicht nur regionaler bildender Kunst der 1950er- und 1960er-Jahre reichen. Metz bietet jedoch nicht nur ein reiches architektonisches Erbe und museale Sehenswürdigkeiten, sondern auch Er­holung am Wasser und im Grünen; daher wird Metz auch

die „grüne Stadt“ genannt. Diese Auszeichnung der Moselstadt belegen der Botanische Garten aus dem 19. Jahrhundert, der im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt ist, die neu gestalteten Uferpromenaden (z. B. der Boulevard Poincaré) an Mosel und Seille, an denen man entlangflanieren kann, und auch die an die Uferpromenade im Südwesten ­angrenzende Parklandschaft um die Kirche Saint-Pierre-auxNonnains, die aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. stammt und damit zu den ältesten Gotteshäusern Frankreichs zählt. Inzwischen sind im Südwesten der lothringischen Hauptstadt neue Bautätigkeiten im Gange: Der Masterplan für die Neustrukturierung des „Quartier Bon-Secours“ wurde von der Stadt Metz dem französischen Stadtplaner Yves Lion über­tragen. Lions urbane, auf kulturelle und soziale Diversität setzende Experimente sind nicht nur in Paris, sondern bisher auch in zahlreichen französischen Regionalstädten aus­ geführt worden, etwa beispielsweise im Jahr 2013 in der Einwandererstadt Marseille. Anlässlich der Nominierung Marseilles zur Europäischen Kulturhauptstadt wirkte das Atelier Lion Associés dort beim größten Stadtentwicklungsprojekt Westeuropas mit, dem Euroméditerranée. In Metz soll nun das Atelier Lion Associés das circa 4,5 Hektar große Gebiet um das aus den 1960er-Jahren stammende Krankenhaus Bon-Secours über eine Diagonalachse wieder an das Stadtzentrum angliedern. Gemeinsam mit den Nutzern des Stadtteils sollen außerdem neue kommunikative „Nachbarschaftsräume“ geschaffen und die bisherige „autogerechte Stadtplanung“ zurückgenommen und neu definiert werden. Die „grüne“, mit Parks, Rad- und Fußgängerwegen gestaltete Neustadt Bon-Secours soll im Jahr 2018 fertiggestellt sein.


Centre Pompidou - M etz

Unter einem Hut


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Centre Pompidou- Metz © Shigeru Ban Architects Europe et Jean de Gastines Architectes, avec Philip Gumuchdjian pour la conception du projet lauréat du concours / Metz Métropole / Centre Pompidou- Metz

ARTM APP

Die lothringische Metropole Metz, nur eine knappe Zugstunde von Saarbrücken entfernt, profitiert von der französischen Kulturpolitik, die in den letzten Jahren zunehmend eine Strategie der Dezentralisierung verfolgt. Traditionell verschlang zuvor die Anziehungskraft der Hauptstadt Paris einen Großteil der internationalen Aufmerksamkeit für Frankreich als Kulturnation. In den letzten Dekaden bilden nun die dort angesiedelten namhaften großen Museen und Kulturinstitutionen Ableger in den einzelnen Regionen des Landes, die damit auch überregional und sogar international punkten können. Das 2010 eröffnete Centre Pompidou-Metz etwa ist schon heute zum neuen Wahr­zeichen der vor 3.000 Jahren gegründeten Stadt geworden. Bis in 77 Meter Höhe schwingt sich dessen zeltartiges Dach, mit dem der japanische Architekt und Pritzker-Preisträger Shigeru Ban zusammen mit seinem französischen Kollegen Jean de Gastines das Gebäude veredelt hat. Die aus einer Teflon- und Glasfasermembran bestehende Dachhaut wurde über eine innovative Konstruktion aus Schichtholz ­gespannt und weist Ähnlichkeiten zu einem Zirkuszeltdach oder zur Form eines chinesischen Bambushutes auf. Das markante Museum ist inzwischen zum architektonischen Symbol der Stadt geworden und hat die Institution mit ihren außergewöhnlichen Ausstellungsprojekten auf über 5.000 Quadratmetern Ausstellungsf läche zu einem wahren Anziehungspunkt gemacht, dessen Besucherzahlen sich inzwischen bei etwa 350.000 Besuchern pro Jahr stabi­lisiert haben.

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Fotos: Roland Halbe, 2010


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Interview mit Hélène Guenin, Chefkuratorin des Centre Pompidou-Metz VO N SUSAN NE JAKO B U N D K AI BAUER

ARTMAPP interessiert vor allem die spektakulären Ausstellungsprojekte des Centre ­Pompidou-Metz. Wer steckt hinter Titeln wie „Meisterwerke“, „ERRE – Variations ­labyrinthiques“ oder „Paparazzi! ­Fotografen, Stars und Künstler“ und damit den attraktiven Themen und Titeln, die vor allem auch auf e­ iner fundierten, eigenständigen und innovativen kunstwissenschaftlichen Forschungsarbeit basieren? Wir sprechen mit Hélène Guenin, der Chefkuratorin des Centre Pompidou-Metz.

ARTMAPP: Mme Guenin, Sie waren von Anfang an – neben dem bisherigen Direktor Laurent Le Bon – als Chefkuratorin des Centre Pompidou-Metz tätig. Mit der Ausstellung „Le Chef d’Œuvre“ ­gelang Ihnen 2010 ein fulminanter Start. – Wie sehen Sie die Arbeit nach ­inzwischen vier Jahren? Hélène Guenin: Tatsächlich haben wir gerade eine Art Bilanz gezogen, denn wir wussten selbst nicht mehr, wie viele ­Ausstellungen wir seit der Eröffnung 2010 eigentlich gemacht hatten. Dann wurde uns klar, dass es inzwischen schon 22 Einzelprojekte gewesen sind, die wir hier seitdem präsentiert haben. Dazu kommen noch zahlreiche Veröffentlichungen, Konferenzen, Performances und Vermittlungsprojekte, insgesamt fast 100 Veranstaltungen pro Jahr. Rückblickend kann ich nach vier Jahren sagen: Wir wissen jetzt, wo wir stehen. Ich denke, wir haben in der Vergangenheit schöne Ausstellungen gemacht und wir haben gute Besucherzahlen, bessere als man sie sich im Vorfeld erhofft hatte.

ARTM APP

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ARTMAPP: Es sind etwa 300.000 Besucher im Jahr? HG: Mehr noch! Man hatte auf 250.000 gehofft, tatsächlich sind es zurzeit aber sogar zwischen 350.000 und 400.000 pro Jahr. Wir wissen außerdem, dass dabei etwa 60 Prozent unserer Gäste aus der Gegend kommen; und das wiederum heißt, dass das Museum seine Bestimmung als Ort der modernen und der zeitgenössischen Kunst in der Region und für die Region erfüllt. Die große Frage und zugleich Aufgabe, die sich uns jetzt stellt, ist, ob dieser Ort auch in Zukunft seine Bedeutung halten kann und dabei die gleiche prägende Wirkung haben wird, die er zweifellos bisher hatte. ARTMAPP: Bisher zeichnete sich das Centre ­Pompidou-Metz durch anspruchsvolle, wissenschaftlich gut recherchierte und auch unterhalt­ same Ausstellungen aus. Man denke etwa an die Eröffnungsausstellung „Le Chef d’Œuvre“, die Ausstellungen „Labyrinth“ oder „Eine kleine ­Geschichte der Linie“.

HG: In der Tat versuchen wir immer wieder neu, ein Gleich­ gewicht zu finden, zwischen der Tatsache, dass wir hier einerseits einen Ausstellungsort für die Kunst des 21. Jahrhunderts haben, und dem Umstand, dass es in Metz und der Umgebung auch andere Institutionen gibt, die wesentlich ­e xperimenteller arbeiten. Das heißt, wir sind nicht ausschließlich ein Zentrum für die zeitgenössische Kunst, aber wir sind auch mehr als nur ein Museum. Sie werden hier durchaus die großen Namen des 20. Jahrhunderts finden, aber wir haben uns von Anfang auch das Ziel gesetzt, in der ­Tradition und im Geist der ersten großen Ausstellungen des Centre Georges Pompidou in Paris zu arbeiten. Die große Erzählung der Kunst des 20. Jahrhunderts wollen wir unter Aspekten zeigen, die hier in dieser Region bisher noch nicht so im Vordergrund standen. ARTMAPP: Welches Publikum wollen Sie damit ansprechen? HG: Wir versuchen Leute zu interessieren, die nicht das erste Mal in einem Museum für bildende Kunst sind, aber trotzdem etwas Neues erfahren möchten, und natürlich Besucher aus aller Welt, die wegen einer bestimmten Ausstellung anreisen. Es geht uns darum, durch die kunstwissenschaftliche Er- und Bearbeitung eines Themas etwas Neues zu entdecken – und dies dann auch ansprechend zu vermitteln. Immerhin arbeiten wir an jedem einzelnen Thema etwa zwei bis drei Jahre. Man muss natürlich trotzdem der Allgemeinheit gegenüber eine gewisse Großzügigkeit entwickeln. ARTMAPP: Sie haben viele enzyklopädische ­Ausstellungen gemacht, dabei aber immer auch einzelne Künstler eingeladen, etwa Daniel Buren, für das Haus spezielle Arbeiten in situ zu ­entwickeln. Wird es das weiterhin geben? HG: Ja. Wir werden weiterhin regelmäßig das Ausstellungsprogramm durch Projekte mit einzelnen zeitgenössischen Künstlern ergänzen. Es gibt hier auch weiterhin Ateliers für Kinder und Jugendliche. Das wird vielleicht in der Öffentlichkeit noch nicht so wahrgenommen. Künstler erarbeiten auch ständig Vorschläge für raumbezogene Arbeiten. Drei- oder viermal im Jahr laden wir dann Künstler ein, mit solchen Konzeptideen zu arbeiten und diese vor Ort bei uns umzusetzen.


Fotos: Ginster Bauer

ARTMAPP: Und was spielt sich da gerade in Ihrem Foyer ab? HG: Da kann man aktuell ein Kollektiv von Architekten und Filmemachern aus Nancy hautnah erleben. Gemeinsam ­haben sie beschlossen, in unser Forum, in unser Foyer einzuziehen. Hier leben und arbeiten sie nun in aller Öffentlichkeit. Geplant und konzipiert ist das Ganze als temporäres Projekt, aber immerhin mit einer Dauer von zwei Jahren, wie die Ausstellung „Phare“ auch. Das haben sie jedenfalls angekündigt. ARTMAPP: Das Konzept des Guggenheim-­ Museums in Bilbao zeichnet sich dadurch aus, dass man es dort nicht bei einer „Drop-Sculptecture“ belassen hat, sondern das gesamt Haus in einen Masterplan (von César Pelli) mit weiteren Highlights der Architektur, z. B. Santiago Calatravas Brücken, eingebunden hat. Ist das Centre Pompidou-Metz nicht erst ein Anfang? Lohnen sich die bisherigen Investitionen nicht erst dann, wenn man das Konzept weiterführt? HG: Der Hauptunterschied unseres Hauses zu dem in Bilbao ist, denke ich, die Größe der Stadt. Bilbao ist viermal so groß wie Metz und hat dadurch ganz andere Möglichkeiten. Das Centre Pompidou hier in Metz war ursprünglich als letztes Element nach der Errichtung eines ganzen neuen Stadtgebietes mit Wohnungen, Geschäften und Büros vorgesehen. Durch unterschiedliche wirtschaftliche und krisenhafte Entwicklungen hat sich dann die Stadtplanung entsprechend verändern müssen. Heute sind wir das erste fertige Projekt am Platz. ARTMAPP: Inzwischen hat sich eine neue Spielklasse von Museen und Kulturstandorten etabliert, die die Lücken der ehemaligen Industriegesellschaft schließen und als Wirtschaftsfaktor Arbeitsplätze und Wohlstand am Standort sichern sollen. Metz und Bilbao sind beides Orte der ehemaligen Schwerindustrie – vergleichbar wäre auch das Strukturprogramm für Lens. – Können Museen dieser Aufgabe und den damit verbundenen ­E rwartungen überhaupt gerecht werden?

HG: Zweifel daran sind natürlich berechtigt. Ich glaube, in den letzten 30 Jahren hat sich auf dem Gebiet der Kultur einiges entwickelt, vor allem auch die Rolle der Museen hat sich verändert. Mehr und mehr fordert man von ihnen, auch von uns, eine Art Tourismusbetrieb zu sein. Das sind wir aber definitiv nicht. Unsere Arbeit übt zwar eine gewisse Wirkung auf die Wirtschaft und den Tourismus der Region aus. Viele unserer Besucher kommen aus der ganzen Welt oder aus Paris und bleiben einen Tag zum Shoppen, bleiben auch über Nacht. Natürlich sind wir uns dessen bewusst und es freut uns auch. Aber unsere allererste Mission ist dennoch die, Teil einer Geschichte der Kunst zu sein, auch der Kulturgeschichte. Und darüber nachzudenken, was zeitgenössische Künstler uns vorgeschlagen haben, was sie mit der Öffentlichkeit zu teilen versucht haben. Diese Beiträge des 21. Jahrhunderts möchten wir auf neue Weise zeigen und in der Öffentlichkeit bekannter machen. ARTMAPP: Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Wenn Sie in Metz ausgehen, was sind da Ihre Lieblingsorte? HG: Oh je, jetzt werde ich sicher einige Leute verärgern! Zum Essen mag ich am liebsten ein Restaurant: das „Derriere“ in der Innenstadt. Ein sehr sympathischer Ort mit familiärer ­Atmosphäre und einer sehr guten italienischen Küche. ARTMAPP: Mme Guenin, wir danken Ihnen ganz herzlich für dieses Gespräch!

bis 2016 Phares bis 2 . März 2015 198 4-1999. Das Jahrzehnt bis 5 . November 201 4 Ur for men www. ce nt re pompidou-me t z . f r


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Eine Kämpferin für die zeitgenössische Kunst

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Béatrice Josse

Ein Modell französischer Kunstförderung ist der Fonds régional d’art contemporain (FRAC), der inzwischen in jeder Hauptstadt einer Region des Landes angesiedelt ist. Insgesamt gibt es in Frankreich 23 Institutionen des FRAC – inklusive des FRAC auf Martinique. In Metz existiert der Fonds régional d’art contemporain de Lorraine seit 1984 und seit 1993 leitet Béatrice Josse, die in Paris Kunstgeschichte und Jura studierte, den FRAC Lorraine. Sie war maßgeblich am Umbau des aus dem 12. Jahrhundert stammenden Stadthauses Hôtel SaintLivier, dem ältesten in ganz Metz, zum Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst beteiligt und organisierte in den ­zu­r ückliegenden Jahren zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland sowie Projekte im öffentlichen Raum, unter anderem mit Thomas Hirschhorn, Tadashi Kawamata und Roman Signer. Ein besonderes Anliegen der engagierten Direktorin sind jedoch Themenausstellung, in denen genderspezifische und postkoloniale Fragestellungen aufgeworfen und visua­ lisiert werden, beispielsweise in ihren Ausstellungen „Bad Girls“ und „Wonder Women“. Aufgrund ihrer konsequenten und mitunter auch streitbaren Haltung wurde sie von der Zeitschrift „Le Monde“ einmal als „Kämpferin für die zeit­ genössische Kunst“ bezeichnet. ARTMAPP sprach mit der Direktorin Béatrice Josse und erhielt Einblicke in die Arbeitsweise und in das Aus­ stellungsgebäude des FRAC Lorraine. ARTMAPP: Der FRAC Lorraine feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen und seit zehn Jahren residiert er in diesem Stadthaus. Was ist die Auf­ gabe des FRAC vor Ort und worin unterscheidet er sich von anderen Kunstinstitutionen?

Béatrice Josse: Die Gründung der F R ACs geht auf die ­R egierungszeit des Staatspräsidenten François Mitterand (1981–1995) zurück und war Ausdruck seiner Dezentrali­ sierungspolitik. Mitterand hatte sich überlegt, einen Fonds zu gründen, um die zeitgenössische Kunst in den Regionen ­bekannter zu machen, weil es dort zuvor kaum Institutionen mit diesem Fokus gab. Zunächst gab es kein Modell, keine Orte, keine Struktur, sondern nur die utopische Idee. Inzwischen existiert pro französischer Region jeweils ein FRAC, dessen Aufgabe es ist, Werke zeitgenössischer Kunst zu erwerben, zu sammeln und bekannt zu machen. Jede einzelne FRAC-­Institution hat ein eigenes spezi­f isches Ausstellungsprogramm und andere Sammlungsschwerpunkte. Die Häuser der FRACs sind jedoch keine klassischen Museen, sie sind auch keine typischen Centres d’art; sie sind ein bisschen von beidem, eine Art Hybrid. In Lothringen geht die Gründung des FRAC Lorraine auf die 1980er-Jahre zurück. Anlass war hier die Wirtschaftskrise und das Ende der Minenarbeit. Und dann ausgerechnet zeitgenössische Kunst, das erschien vielen damals etwas lächerlich. Der FRAC Lorraine benötigte viel Zeit, um das Interesse und die Akzeptanz der Regionalpolitik zu erhalten. Wir brauchten etwa allein zehn Jahre, um genug Unterstützung für die Renovierung unseres Gebäudes zu bekommen. Das ist viel Zeit! ARTMAPP: Wie viele Ausstellungen organisieren Sie pro Jahr? BJ: Es sind aktuell drei große Projekte im Haus. Das sind ­jedoch keine herkömmlichen Kunstausstellungen. Normalerweise sind sie stets mit einem Thema oder einer Programmatik verbunden, die durchaus unterschiedlichen Wissensfeldern und Diskursen entstammen, etwa der Soziologie, der Psychologie, der Philosophie oder auch der Politik. Außerdem organisieren wir weitere Ausstellungen an unterschiedlichen Orten überall in der Region, in Schulen, Rathäusern und auch an Orten, die nicht so sichtbar sind. ARTMAPP: Sie verfolgen zudem zahlreiche Kollaborationen und bieten auch Künstlerresidenzen an? BJ: Ja, es gibt bei uns eine Residenz für Kunstkritiker und eine für Künstler. Vor Kurzem etwa hatten wir ­einen Gast aus ­N orwegen und zurzeit haben wir eine ­c hinesische Kunst­k ritikerin hier, die im Rahmen des französisch-­ c h i ne si s c hen Ku lt u r au st au s c h s u nd D i a log s üb er Ausstellungen chinesischer Künstler in Metz berichtet. Ebenfalls werden regelmäßig Kuratoren eingeladen, die verschiedene Projekt konzipieren, selbst wenn diese nicht ­u nbedingt sofort realisiert werden können.


ARTMAPP: Wer entscheidet über diese Residenzen? BJ: Das wird hier in Haus entschieden, es ist ja auch nur ein kleines Budget vorhanden. Ausschlaggebend für uns ist stets der jeweilige Projektvorschlag und der Grad an Reflexion, den dieser enthält. ARTMAPP: Wie sieht der Sammlungsschwerpunkt des FRAC Lorraine aus? Wer wählt aus? BJ: Die Sammlung steht in Verbindung zum Programm des hiesigen F R AC und umfasst hauptsächlich Projektvorschläge und weniger realisierte Arbeiten. Viele Werke in der S ­ ammlung sind immaterieller Natur, beispielsweise Performances oder Protokolle von Künstlern. Die Sammlung, das sind im Wesentlichen die roten Archiv­ordner in meinem Arbeitszimmer. Jährlich werden fünf bis acht Werke von einer Jury ­ausgewählt, zu ihr gehören etwa Laurent Le Bon bzw. Hélène Guenin vom Centre Pompidou-Metz, die selbst zuvor hier im FRAC Lorraine sechs Jahre lang gearbeitet hat, sowie eine ­unabhängige Kuratorin aus Paris und ein Kurator aus Afrika, der in Dakar und in der Schweiz lebt. Ich hätte auch gern eine Afrikanerin in der Jury gehabt, doch die Politik unterstützte das nicht. In Frankreich wird das postkoloniale Problem eben nicht bearbeitet. Aber in meinen Augen muss man sich gerade diesem Thema zuwenden, es ist Teil unserer Geschichte. Zum Beispiel haben wir die Arbeit eines Künstlers für die Sammlung angekauft, der ein Projekt zu einer Stadt namens Metz in Algerien gemacht hat. Gerade in Elsass-Lothringen gab es in den 1890er-Jahren [Anm. d. Red.: nach der Annektierung ­A lgeriens durch Frankreich] viele, die nach Algerien ausgewandert sind und so den Namen ihres Geburtsortes dorthin brachten. Es gab beispielsweise auch ein Straßburg in Algerien. Der Künstler hatte in seiner Arbeit eine andere Kartografie von Algerien entworfen mit den Ortsnamen der ehemaligen französischen Einwanderer. Wir finanzieren ebenfalls ­P rojekte von Künstlern, die dahin gehen. Der kulturelle Austausch ist uns sehr wichtig, denn wir sind hier in Metz ebenfalls in einer Grenzsituation zwischen drei Ländern: Deutschland, Luxemburg und Belgien.

stachelig oder gar giftig sind. Durch einen Parcours aus Brettern, die man etwa aus Naturschutzgebieten kennt, wird diese Anpflanzung begehbar und dennoch geschützt. ARTMAPP: Wie lösen Sie die Ansprüche, die die Künstler aus der Region Lorraine an den hiesigen FRAC haben? BJ: Ja, ich kenne das Problem. In unsere Gruppenausstellungen integrieren wir jedes Mal eine Künstlerin oder einen Künstler aus der Region. Allerdings muss sie oder er die Kriterien der internationalen Künstler erfüllen. Es ist für mich sehr wichtig, dass die Qualität stimmt. Es gibt aber auch Austauschprogramme für die regionalen Künstler. ARTMAPP: Wie sehen diese Programme aus? BJ: Es gibt zum Beispiel Residenzprogramme mit zwei anderen Institutionen des FRAC, einer im Westen und einer im Norden Frankreichs. Für diesen doppelten Austausch machen die Künstler Projektvorschläge und es gibt jeweils zwei Di­ rektoren, die diese jurieren. Durch diese Juryform gibt es die doppelte Auswahl und sie ist gegenüber den Kandidaten ­unvoreingenommen und offen. Allerdings sind die Interessen in den einzelnen Regionen sehr partikulär. Es gibt etwa ­Regionen, in denen eher das Handwerkliche überwiegt, beispielsweise Keramik oder Tapisserie. ARTMAPP: Welches Programm werden Sie im Sommer und Herbst 2014 präsentieren? BJ: Vom 11. Juni bis 21. September 2014 gibt es dann eine mo­ nografische Ausstellung zum Werk des argentinischen Konzeptkünstlers David Lamelas, in der er die Relation von Raum und Zeit thematisiert. Es ist seine erste Einzelausstellung in Frankreich seit 2004. SUSAN NE JAKO B U N D K AI BAUER

bis 2 1. September 201 4 David Lamelas ON T HE MOON w w w . f ra c l o r ra i n e . o r g

Wir beginnen mit dem Rundgang durch das Gebäude. ­Béatrice Josse zeigt uns eine Galerie mit Plakaten von Aus­ stellungen der letzten Jahre. BJ: Einen Überblick über unser Programm geben auch die ­Plakate hier. Neben Ausstellungen wie „Le Moins du Monde“ und „Rêve Collective“, in der das Unsichtbare zum Thema wurde, sind die Genderthematik im Allgemeinen sowie die des dritten Geschlechts ebenfalls wichtige Aspekte des Programms. Diese fließen natürlich auch in unsere Sammlung ein, die aus Konzepten und permanenten, kaum sichtbaren Werken besteht. Das ist eigentlich eine paradoxe Sache, aber das Paradoxe ist auch ein Instrument der Erkenntnis. Das kann die Farbe sein, die im ganzen Raum verteilt ist [Anm. d. Red.: Placebo Paint ©], es kann aber auch die Sorgfalt sein, wie Blumen arrangiert wurden ... Eines dieser permanenten ­P rojekte ist der Garten des FRAC Lorraine, der von der argentinischen Künstlerin Liliana Motta gestaltet wurde. Sie hat für den Garten Pf lanzen ausgewählt, die exotisch, fremdartig,

links: Porträt Béatrice Josse Foto: Ginster Bauer, 2014

Foto: Architektur FRAC (Eingang) © tourisme -metz.com

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Guillaume Barborini

Interaktionen zwischen der Welt und dem Ich

„Durch die Bewegungen, die ich ausführe, nähere ich mich der Welt und mir selbst und entferne mich zugleich von beidem“, schreibt Guillaume Barborini, geboren 1986 in Chambéry. Der Künstler, der mit Zeichnungen, Texten und Videos arbeitet, lebt heute in Metz, ist aber auch in Saarbrücken bekannt. Nach dem Studium an der École Supérieure d’Art de Lorraine (ÉSAL) in Épinal und in Metz waren seine Arbeiten bereits in der Ausstellung „Landscape as an Attitude“ in der HBKsaar, Saarbrücken, zu sehen. In Zusammenarbeit mit Marianne Mispelaere zeigte er 2012 wandübergreifende Zeichnungen in der Ausstellung „formes brèves, autres, 25“ im FRAC Lorraine in Metz. In Barborinis Arbeiten entwickeln sich Zeichnungen, Texte und einzelne Buchstaben zu strukturierten Wandbildern. Nach dem Prinzip des Anagrammierens, das auf Permutation und Kombination basiert, werden Worte und Buchstaben zu immer neuen Satzmodulen zusammengefügt. Diese Schriftelemente trägt der Künstler in sich überlagernden Struk­ turen zu strahlen- und sternförmigen Zeichnungen mit Kugelschreiber, Grafit- oder Kohlestiften direkt auf die Wände des Ausstellungsraums auf. Dabei werden Wahrnehmungsprozesse ausgelöst und sowohl visuell als auch sprachlich neue Kontexte und Bedeutungen initiiert.


Porträt Guillaume Barborini, Metz 2014

Foto: Ginster Bauer

„Proposition à 2 fois 180 cm 2 “, 2013 Performance und Bodenarbeit, 800 x 6400 cm Im Rahmen der Ausstellung „Beautiful Landscapes“, Halle Verrière in Meisenthal, 2013

Daneben arbeitet der Künstler an einer Reihe von Video­a rbeiten, in denen er selbst mit der Kamera agiert, das aufgenommene Motiv aber eher passiv bleibt. Durch die Veränderung der Parameter zwischen Aufnahme und Handlung wird die Wahrnehmung von zeitlichen, räumlichen und sprachlichen Zusammenhängen zum Thema. „Mir geht es um die Interaktionen zwischen der Welt und dem Ich. Meine Arbeit ­entsteht innerhalb meiner Sub­jektivität, ich versuche jedoch immer die Grenzen der Subjektivität zu überschreiten“, so Barborini im Gespräch. Speziell bei den Videoarbeiten Barborinis, die mit Spaziergängen durch die Stadt oder Landschaften verbunden sind, wird deutlich, wie er darum ringt, einen gemeinsamen Rhythmus zwischen Kamera, Körper und Aufnahmeobjekt zu finden. So wird beim Umkreisen eines kahlen Baumes in einer verschneiten Landschaft dieser zur zentralen Figur auf dem Bildschirm, die sich selbst zu verformen und zu bewegen scheint. Ein anderes Video zeigt den Schatten des gehenden Künstlers auf unterschiedlichen Bodenbelägen in der Stadt. Auch dieser Clip hat stark zeichnerischen Charakter, vermittelt jedoch über die Veränderung der unterschiedlichen Bodenoberflächen im Hintergrund und durch das Überschreiten von Grenzlinien ein subjektives Porträt des urbanen Terrains. Eine seiner bekanntesten Arbeiten hat Guillaume ­Barborini 2013 in der Ausstellung „Beautiful Landscapes“ in der 3.200 Quadratmeter großen „Halle Verrière“ im lothringischen Meisenthal realisiert. Für die monumentale Bodenzeichnung „Proposition à 2 fois 180 cm 2“ ging der Künstler an zehn Tagen für je zehn Stunden auf dem Beton­boden auf und ab. Dabei stützte er sich bei jedem Schritt auf einem selbst gebauten Holzgestell ab, das es ihm ermöglichte, seine nackten Füße aus mitgeführten Farbeimern mit weißer Kalkfarbe zu benetzen. Das dabei entstandene Feld aus w ­ eißen Fußabdrücken bedeckte am Ende eine Fläche von etwa 8 mal 64 Metern und ließ den Betonboden als eine ­v isuell vibrierenden Ebene er­scheinen, die ihre Intensität auch aus den einzelnen, mühevoll und immer verschieden auf­ getragenen Abdrücken bezog.

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G u i l l a u m e B a r b o r i n i : c h e r c h e r- s e p e rd r e . o v e r- b l o g . c o m


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Elodie Lanot te

Die humansten Teile des Körpers „ L e g ro s o r t e i l e s t l a p a r t i e l a p l u s h u m a i n e d u c o r p s h u m a i n . . .” Georges B atailles, in: doc uments 19 29

Elodie Lanotte, „Aveux à souhait“, 2010, S/W- Fotografie,

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42 x 62 cm

Die Foto- und Videokünstlerin Elodie Lanotte (*1988 in Silhouetten oder Fragmente von sich preis, wodurch ein ­Nancy) studierte bildende Kunst an der École Supérieur d’Art Wahrnehmungsfeld entsteht, in dem sich Wirklichkeit und de Lorraine (ÉSA L) und wurde 2013 mit dem Robert-­ Fiktion, Wahrheit und Verstellung durchdringen. Schuman-Preis ausgezeichnet, den die QuattroPole-Städte Elodie Lanotte arbeitet mit den Mitteln der inszenierten Saarbrücken, Metz, Luxemburg und Trier im Abstand von ­Fotografie, die es ihr ermöglichen, die Aufnahmesituation ­jeweils zwei Jahren verleihen. Damals hatte die Jury Elodie samt Requisiten und ebenso die Haltung der Akteure selbst Lanotte unter 1 4 Bewerbern aufgrund ihrer Fotoserie zu bestimmen. ­„Vêtements“ (Kleidungsstücke) und der Videoarbeit „Plis“ Oft werden die Fotos zu gleichwertigen Bestandteilen (Falten) ausgewählt. Seit ihrem Studium arbeitet Elodie einer künstlerischen Aktion und stellen dabei das einzige Lanotte zweigleisig, wenn man außerdem noch ihre poe­ ­bestehende Ergebnis dieser Körperinszenierungen dar. tischen Texte in Betracht zieht, die ihre Bilderproduktion In diesen Arbeiten spielen Haut, Kleidung und verhülkommentieren, sogar dreigleisig. Alle Arbeiten beruhen lende Requisiten eine zentrale Rolle. Für ihre Fotos inszeniert ­folglich auf diesem triadischen Prinzip von Bild, Körper und sie Geschehnisse, in denen Personen und Kleidungsstücke Sprache. ­a ktiv zusammenspielen. Dabei entwickeln die Kleidungs­ In „Vêtements“ und „Plis“ wird der menschliche stücke ein Eigenleben und nehmen oft die Hauptrolle in den ­Körper im Prozess des Ver- und Enthüllens beziehungsweise Szenen ein. Besonders faszinierend sind jedoch die Arrangeder Faltung und Entfaltung gezeigt: Der verhüllte, entper­ ments von Händen und Füßen wie beispielsweise in der Serie sonalisierte Körper gibt in Elodie Lanottes Werken immer nur „Aveux à souhait“ (I), in der die Künstlerin auf die Tradition


der Body-Art der 1960er-Jahre zurückgreift und mit dem ­ edium Fotografie verbindet. In diesen Schwarz-Weiß-­ M Fotos übernehmen die unverhüllten Gliedmaßen die Rolle souverän agierender Körper. Körper, die sich umschlingen; Körper, die sich umklammern oder sich durchdringen und die in den Aufnahmen zu eigenmächtigen erotischen Figuren werden, die das Bildformat beherrschen. In der Fotoserie „Rencontres anonymes“ (2013) ­h ingegen verzichtet die Künstlerin auf die performative ­Darstellung des menschlichen Körpers. Stattdessen wird nun der m ­ enschenleere nächtliche Stadt-Körper zum Unter­ suchungsgegenstand ihrer fotografischen Recherchen. Lanottes nächtliche Streifzüge durch Metz und Paris erinnern an die literarischen Stadtgänge des surrealistischen Autors Louis Aragon durch das nächtliche Paris, in denen er die ­„magnetischen Felder“ der Metropole zu finden suchte. Auch

in den fotografischen Dokumenten von Lanottes nächtlichen Suchbewegungen wird urbane Realität in unwirtliche Pas­ sagen, einsame Reviere und bedrohliche Zonen zerlegt. Ein versperrter Treppenaufgang, eine dunkle Gasse, die auf eine Barriere zuläuft, verlassene Metrostationen, nur spärlich ­il­luminiert von grünen und bleiern gelben Lichtern. Elodie Lanotte ist dabei selbst die „einsame Spaziergängerin“, die mit der Kamera bewaffnet städtische Unorte aufsucht. Sie schildert in ihren Fotograf ien urbane Empf indungs- und Erfahrungsräume und leistet damit auch einen genderspezifischen Beitrag zur „psychogeografischen Fotografie“. SUSAN NE JAKO B U N D K AI BAUER

Elodie Lanotte, „Rencontres anonymes“, 2007 – 2009 Farbfotografie

Fotos: © Elodie Lanotte, Metz/Paris

elodie. lanot te. f ree. f r

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Claude Parmentelat vor dem Cultur Café

d o u - M e t z u n d d e r Ka t h e d r a l e S a i n t - É t i e n -

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n e b e w e g e n, l i e g t i n e i n e r s t i l l e n Seitengasse im Zentrum der unteren A l t s t a d t d a s Re s t a u r a n t L a Ta b l e d e Po l. D a s k l e i n e L o ka l m i t 32 S i t z p l ä t z e n

Hôtel de la Cathédrale

g e h ö r t z u r G r u p p e d e r „Ta b l e s d e

25 P l a c e d e Ch a m b r e

Ra b e l a i s“, e i n e m Z u s a m m e n s c h l u s s v o n

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w w w.h o t e l c a t h e d r a l e - m e t z.f r

Re s t a u r a n t s, d i e s i c h d e r l o t h r i n g i s c h e n

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Kü c h e v e r p f l i c h t e t f ü h l e n, r e g i o n a l e

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Hier stiegen bereits schon Madame de

P ro d u k t e v e r w e n d e n u n d S p ez i a l i t ä t e n

S t a ë l u n d d e r Po l i t i ke r Fr a n ç o i s - Re n é d e

v o n h ö c h s t e r Q u a l i t ä t a n b i e t e n.

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Das Hôtel de la Cathédrale Metz

l o t h r i n g i s c h e G a s t ro n o m i e t r a d i t i o n e i n

le und ist eine besondere Mischung aus

D a s Cu l t u r C a f é l i e g t a m P l a c e d e

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u n d e r w e i t e r t d i e s e d u r c h u n ko nv e n t i o -

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m a n a l s G a s t n e u z u s a m m e n s t e l l e n ka n n.

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D i e M e n ü s ko s t e n z w i s c h e n 28 – 3 4 Eu ro.

Pa r m e n t e l a t t ä g l i c h f r i s c h z u b e r e i t e t. B e i

d u r c h d i e Fr e u n d l i c h ke i t d e s Pe r s o n a l s .

D e r N a m e d e s g a s t ro n o m i s c h e n

d e n a n g e b o t e n e n Ei n z e l g e r i c h t e n u n d

Ei n i d e a l e r O r t f ü r I n d i v i d u a l r e i s e n d e,

N e t z w e r ke s e r i n n e r t a n d e n g e n u s s f r e u -

M e n ü s (23 –29 Eu ro ) o r i e n t i e r t s i c h

die auf der Suche nach dem historischen

d i g e n A r z t u n d D i c h t e r Fr a n ç o i s Ra b e l a i s

Ch e f ko c h C l a u d e b e w u s s t a n d e r

M e t z s i n d u n d a u f d i e A n n e h m l i c h ke i t e n

(1494 –1553), d e r M i t t e d e s 16. J a h r h u n -

l o t h r i n g i s c h e n Kü c h e, d i e j e d o c h m i t

d e s 21. J a h r h u n d e r t s n i c h t v e r z i c h t e n

der ts für einige Jahre in Metz unterge -

zeitgenössischen Ak zenten bereicher t

t a u c h t w a r. D a s G e b ä u d e, i n d e m

w i r d. D a s H e r z s t ü c k d e s Cu l t u r C a f é s i n d

w o l l e n.

Ra b e l a i s v o n 15 42 b i s 15 47 g e l e b t h a t,

j e d o c h d i e Ö n o l o g i e ( We i n k u n d e ) u n d

ist ein mit telalterliches Stadthaus aus

d i e Pa t i s s e r i e. D i e „ Ku n s t “ d e r Pa t i s s e r i e

Hôtel du Théâtre

d e m 12. J a h r h u n d e r t, i n d e m s i c h h e u t e

u n t e r r i c h t e t C l a u d e Pa r m e n t e l a t a m Ly c é e

3 Ru e d u Po n t S a i n t - M a r c e l

a u ß e r d e m d i e Ch a p e l l e S a i n t - G e n e s t u n d

d e s m é t i e r s d e l’h ô t e l i e r Ra y m o n d

w w w.h o t e l d u t h e a t r e - m e t z.c o m

e i n C a f é b e f i n d e n.

Mondon in Metz und ebenfalls im h a u s e i g e n e n Ko c h a t e l i e r, z u d e m m a n

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v e r k n ü p f e n w i l l, i s t i m H o t e l d u T h é â t r e b e s t e n s u n t e r g e b r a c h t. D a s D r e i s t e r n e ­ hotel befindet sich in einem erst kürzlich r e n o v i e r t e n G e b ä u d e a u s d e m 18. J a h rhunder t und liegt nur wenige Schrit te v o m T h e a t e r u n d d e r K i r c h e Te m p l e N e u f e n t f e r n t. D e n G ä s t e n s t e h e n a u ß e r d e m e i n e Te r r a s s e, We l l n e s s r ä u m e u n d e i n Sw i m m i n g p o o l m i t B l i c k z u m H a f e n z u r Ve r f ü g u n g.

La Table de Pol


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M a r c h é C o u ve r t P l a c e J e a n - Pa u l I I w w w.m a r c h e - c o u v e r t - m e t z.c o m D i e ü b e r d a c h t e M a r k t h a l l e (178 5 –1820 ) w u r d e v o n J a c q u e s - Fr a n ç o i s B l o n d e l zunächst als Stadtpalais des Bischofs b e g o n n e n u n d w a r Te i l e i n e s s t a d t p l a n e r i s c h e n G e s a m t ko n z e p t s . D u r c h d i e Fr a n z ö s i s c h e Re v o l u t i o n s t a g n i e r t e d i e B a u t ä t i g ke i t. B e r e i t s 1831 n a h m d a s u - förmige Gebäude seinen Betrieb als M a r k t h a l l e a u f. Bis heute werden hier täglich frische P r o d u k t e a u s v e r s c h i e d e n e n Re g i o n e n

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S O M M E R 2 014 — M E T Z

P l a c e J e a n - Pa u l I I w w w. s o u p e s a s o u p s .c o m


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La Synagogue de Delme – Centre d’ar t contemporain (CAC)

Delme

Das Dorf Delme mit etwa 1.050 Einwohnern liegt mitten in Lothringen zwischen Metz (30 Kilometer) und Nancy (36 Kilometer). Delme wäre eine dieser typischen verschlafenen Straßenortschaften, gäbe es dort nicht zwei Institutionen, für die es sich lohnt, Halt zu machen und auszusteigen. Die erste davon ist die alte Synagoge von Delme, die nach dem Vorbild der Berliner Synagoge (1881) mit Kuppel ­e rbaut worden war. Nach der Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde dieses Gotteshaus renoviert und noch bis 1978 von der jüdischen Gemeinde liturgisch genutzt. Im Rahmen der kulturellen Dezentralisierungspolitik im Frankreich der 1990er-Jahre wurde der seitdem leer stehende Sakralraum von der Kommune Delme mit Unterstützung des Departments für kulturelle Angelegenheiten der Region Lorraine (DRAC) einer neuen Bestimmung zugeführt. Inzwischen zählt das hier eingezogene Centre d’art contemporain (CAC) wohl zu den ungewöhnlichsten Ausstellungsorten für ­z eit­g enössische Kunst, in denen die jüdische Geschichte Frankreichs und Positionen zeitgenössischer Kunst in Dialog treten. Für die Umnutzung hatte man die alte Synagoge weitgehend im originalen baulichen Zustand belassen und nur im Innern mit einem neuen Fußboden ausgestattet und einer weißen Farbschicht überzogen. Die Raumaufteilung und der orientalische Charakter des Gebäudes sowie die jüdischen Symbole blieben jedoch erhalten. Seit das CAC 1993 seine Arbeit aufgenommen hat, lädt es Künstlerinnen und Künstler der unterschiedlichsten Richtungen ein, den Dialog mit dem vor Ort sehr ausgeprägten Genius loci aufzunehmen, darunter waren beispielsweise

Daniel Buren, Tadashi Kawamata, Jeppe Hein, Yona Friedman, Muntadas, Katinka Bock, Michel Blazy, Simone Decker, Marc Camille Chaimowicz, Susan Hiller und viele andere. Seit Ende der 2000er-Jahre ist die Pariser Kuratorin Marie Cozette für das Programm des CAC verantwortlich, das pro Jahr aus drei bis vier Ausstellungen mit Begleitprogramm besteht. Neben ortsbezogenen künstlerischen Eingriffen in die Synagoge fanden in den zurückliegenden Jahren immer wieder auch Gruppenausstellungen statt, für die Gastkuratoren oder kuratierende Künstler eingeladen wurden wie zum Beispiel das Künstler- und Architektenteam Berdaguer & Pejus aus Marseille, die 2011 ebenfalls mit dem Umbau des hinter der Synagoge liegenden Gefängnisses zum Gästehaus beauftragt wurden. Laut Agathe Borgne, die für die Öffentlichkeitsarbeit des CAC zuständig ist, finden als wichtiger Teil der Vermittlungsarbeit auch Projekte außerhalb der Synagoge statt, um mit der Bevölkerung in Dialog zu treten: So konnte man ­w ährend der Ausstellung „Mille Yeux“ von Clément Rod­ zielski von März bis Juni 2014 weitere Exponate des Künstlers im ortsansässigen Restaurant „12ème Borne“ entdecken. ­Außerdem gibt es seit einigen Jahren sogenannte „Ateliers“ mit Kursangeboten für Kinder und Jugendliche von Absolventen der Kunsthochschulen in Nancy und Epinal sowie ein ­A rtist-in-Residence-Programm für Künstler der ­R egion ­L indre-Basse. Nach über 20 Jahren Ausstellungstätigkeit, zahlreichen Begleitaktivitäten und ungewöhnlichen (Bau-) Projekten ist Delme zu einem Ort für zeitgenössische Kunst geworden, der als Geheimtipp in internationalen Kunstkreisen gehandelt wird.


Berdaguer & Péjus, „Gue(ho)st house“, Delme

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© VG Bild- Kunst, Bonn 2014

„ Die Geschichte des Or tes, i n s e i n e r Tra n s f o r ­m a t i o n u n d M u t a t i o n , von der Synagoge zum Kunstzent r um, vom Gefängnis zur Schule, vom Leichenhaus z u m Ve ra n ­s t a l t u n g s o r t , s p r i c h t z u u n s i n F o r m v o n G e s p e n s t e r n . . .“ B e rd a g u e r & P é j u s

Dieses Wortspiel von Marcel Duchamp umschreibt am besten das öffentliche Projekt „Gast(Ghost)Haus“, das von den Marseiller Künstlern Christophe Berdaguer und Marie Péjus konzipiert und 2012 in Delme fertiggestellt wurde. Anknüpfungspunkt für die von Berdaguer & Péjus durchgeführte Architekturverwandlung bot das ehemalige Gefängnis des Ortes, das sich zwischen dem heutigen Rathaus (dem ehemaligen Amtsgericht) und der Synagoge befand und vor seiner Transformation auch temporär als Schule und Leichenhaus genutzt wurde. Aufgrund der zuletzt genannten Nutzung des Gebäudes war es der Kommune Delme ein Anliegen, im neuen Gebäude nicht nur eine Gästewohnung einzurichten, sondern es weiterhin als öffentlichen Treffpunkt und als Ort der Kommunikation und des Lernens zu erhalten. Die mit dem Umbau beauftragten Künstlerarchitekten nahmen diese Aufgabenstellung wörtlich: Das neue Gebäude beherbergt nun sowohl eine Gästewohnung für das seit 2002 bestehende Artist-in-Residence-Programm des CAC als auch einen ­g roßen Veranstaltungsraum, in dem Kurse, Vorträge und andere öffentliche Veranstaltungen stattfinden, und daneben noch ein Informationszentrum mit Bibliothek. Der dritte ­A spekt, die eingangs zitierte Geschichte oder vielmehr der Geist des Hauses, der die Künstlerarchitekten inspirierte, spiegelt sich hingegen in der ungewöhnlichen skulpturalen Gestalt des neuen Gebäudes.

SUSAN NE JAKO B & K AI BAUER

C h r i s t o p h e B e rd a g u e r & M a r i e P é j u s G u e ( h o) s t h o u s e , 2 0 1 1 – 2 0 1 2 www. cbmp.f r L a S y n a g o g u e d e D e l m e – C e n t r e d ’a r t c o n t e m p o ra i n (C AC ) www. cac-synagog uedelme. org 10. Juli bis 2 1. September 201 4 Z b y n ě k B a l a d rá n . D e a d R e c k o n i n g Juli bis September 201 4 Ar tist in Residence: C a p u c i n e Va n d e b ro u c k

S O M M E R 2 014 — M E T Z

Marcel Duchamp

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„ A Guest + a Host = a Ghost“

Man kennt menschenleere Geisterstädte von Wildwestfilmen – aber ein Geisterhaus inmitten eines lothringischen Dorfes? Parallelen zu Film und Psychologie ziehen Berdaguer & Péjus jedoch auch bei ihren Architekturentwürfen, die von ihnen als „Psychoarchitecture“ und „Architecture Fantome“ bezeichnet werden. Denn ähnlich wie der Film konstituiert Architektur ebenfalls Räume, Sequenzen und Szenarien und beide Gattungen arbeiten mit Emotionen, Wahrnehmung und Erinnerung. Einen filmischen Verlauf erfährt der Besucher nun beim Begehen des Areals. Die erste Szene beginnt mit der ­Synagoge und dem Rathaus und mündet in den Schauplatz ein, den das blendend weiße „Gue(ho)st house“ für sich in Anspruch nimmt. Nicht ganz zufällig weckt die über das alte Gebäude geschobene weiße gehärtete Polystyreneschale ­Erinnerungen an die überdimensionale Marshmallow-Figur aus dem Film „Ghostbusters“ (1984) oder an gallertartige Monster in Sci-Fi-Streifen. Das wie mit einer schaumigen Masse übergossene Haus besitzt etwas Gruseliges und zugleich auch etwas Komisches – so wie ein geschmolzenes Softeismonster, dessen klebrige Masse sich in den Garten und die nähere Umgebung ergießt. Das Delmer „Gue(ho)st house“ ist nicht nur aufgrund seiner semantischen Aufladung eine Hybridarchitektur, sondern auch in seinem Erscheinungsbild und seiner Funktion, die zwischen Bewohn- und Nutzbarkeit und autonomer „Skulptur“ oszilliert und wie ein guter Film die Vorstellungskraft des Betrachters beflügelt.


TEN 10 JAHRE KUNST IM PUMPWERK

26/09 bis 18/10/2014


N Museum am Dom Würzburg

JACQUES GASSMANN Jakob – Gemälde und Installationen 18.7. bis 28.9. 2014 Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr Kiliansplatz 1 | 97070 Würzburg | Telefon 0931- 386 65 600 | www.museum-am-dom.de


Philharmonie Luxemburg

Centre Pompidou- Metz © Shigeru Ban Architects Europe et Jean de ­G astines Architectes, avec Philip Gumuchdjian pour la conception du projet lauréat du concours / Metz Métropole / Centre Pompidou- Metz / Foto: Roland Halbe

Vier Städte, drei Länder, ein Erlebnis L u x e m b u r g , M e t z , S a a r b r ü c k e n u n d Tr i e r h a b e n s i c h i m i n t e r n a t i o n a l e n S t ä d t e n e t z „ Q u a t t ro P o l e“ z u s a m m e n g e s c h l o s s e n . M i t Q u a t t ro P o l e e r w a r t e n S i e E r l e b n i s s e m a l v i e r : J e d e d e r v i e r S t ä d t e h a t e i n e i n z i g a r t i g e s P ro f i l u n d b i e t e t b e e i n d r u c k e n d e ­S e h e n s w ü rd i g k e i t e n m i t i n s g e s a m t z w ö l f U N E S C O - We l t e r b e s t ä t t e n . Die Städte liege n längste n s e ine Autost unde vone inande r e nt fe r nt . R und- und Ste r nre i se n s i n d i n d e r G r e n z r e g i o n v o n D e u t s c h l a n d , F ra n k r e i c h u n d L u x e m b u r g eine beliebte R eisefor m . Vielfalt gan z nah!

Luxemburg: Die Stadt der Kontraste

Metz: Die leuchtende Stadt

Oben, auf dem steil aufragenden Bockfelsen, mächtige Wehrtürme, Bastionen und Festungswälle. Unten das Flüsschen Alzette, überspannt von Viadukten, gerahmt von Gässchen und Plätzen. Luxemburg bietet auf Schritt und Tritt faszinierende Gegensätze: Eine mehr als tausendjährige Geschichte und moderne Bauten für das Europa von morgen. Stolze Festungswerke neben zeitgenössischer Architektur und Kunst. Im Europaviertel haben namhafte Architekten ihre Spuren hinterlassen. Im Alltag begegnen sich Menschen aus 159 Na­ tionen. Die europäische Idee – in Luxemburg ist sie lebendig.

Wenn es dunkel wird in Metz, erhebt sich die Kathedrale Saint-Etienne wie ein leuchtendes Gebirge über die Altstadt­ dächer. Gleich nebenan Gässchen wie aus dem Mittelalter, Arkaden und ockerfarbene Fassaden sowie ein wilhelminisches Bahnhofsviertel. Und immer wieder: Wasser mit Mosel und Seille, ­U ferpromenaden und auf einer Insel eine der ältesten ­T heater-Opern Frankreichs. Und inmitten der Geschichte: pulsierendes Stadtleben, Gärten und Plätze und ein faszinierendes Stück Zukunft: das Centre Pompidou-Metz. Ein Raum, der das zeitgenössische Kunstschaffen in all seinen Aus­ prägungen erfahrbar macht.


Ludwigskirche

Trier, Porta Nigra

Foto: Landeshauptstadt Saarbrücken

Foto: Tourist- Info Trier, Rudek

Saarbrücken: Die Barockstadt

Trier: Die Römer- und Weinstadt

Die kleinste deutsche Landeshauptstadt ganz groß: gelassen und weltoffen, typisch saarländisch und immer ein bisschen französisch. Saarbrücken hat viele Gesichter. Eines davon zeigt die Ludwigskirche, eine der stilreinsten und schönsten Barockkirchen Deutschlands. Ein anderes der St. Johanner Markt. Wer saarländische Lebensart erleben will, setzt sich am besten in einem Bistro einfach dazu und lässt sich anstecken. ­A nschließend noch ein leckerer Dibbelabbes oder eine ­Lyoner-Pfanne und schon stimmt man den Saarbrückern zu, wenn sie sagen: „Mir wisse, was gudd iss.“

Die älteste Stadt Deutschlands, das größte antike Stadttor, der größte freitragende Innenraum der Antike, der älteste Weinkeller Deutschlands. Trier ist die Stadt der Superlative. „Roma Secunda“, das zweite Rom, nannten die Römer ihre Weltstadt nördlich der Alpen. Bis heute ist die römische Vergangenheit allgegenwärtig. Wie auch die südländisch-­ leichte Lebensart. Ob es die weltberühmten Trierer Weine sind, die erstklassige Küche oder das bunte Stadtleben rund um den Hauptmarkt: ubi bene, ibi patria. Gut leben lässt es sich in Trier schon seit Römerzeiten.

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SAAR BRÜCKEN „Light_Act_Project“, Panorama Berliner Promenade, Lichtproben, 2014, Foto: Daniel Hausig © lightactproject.xmlab

SAARBRÜCKEN


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Ruth Rousselange

Saarbrücken – „Die Fließende“

Schlossgarten Saarbrücken

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S O M M E R 2 014 — S A A R B R Ü C K E N

Foto: Tourismuszentrale Saarland

Saarbrücken: Auf den ersten Blick stechen die Kirchen hervor, das Schloss auf dem Berg mit dem gläsernen Mittelrisalit, das einst eine Burg war, die Brücken natürlich, 17 an der Zahl, der Fluss mit seinen Wehren, die hügeligen Ausblicke und dunklen Wälder, die das einstige „Castellum Sarabrucca“ umgeben. Seine Reste sind noch vorhanden, unter dem Schloss liegen die Grundmauern des sogenannten Roten Turmes von 1250. 14 Meter unterhalb des Schlossplatzes erstrecken sich die Überreste: In der kühlen Luft der Kasematten kommt man der Geschichte und den Geschichten der Stadt näher, der von Saarbrücken, der Fließenden, deren Name sich von „Sara­ brucca“ aus dem Keltischen ableitet – „sara“ steht für fließendes Gewässer, „brucca“ für Fels oder auch Sumpf. Steigt man wieder hinauf aus den unterirdischen Gewölben zu Schloss und terrassenförmigem Schlossgarten, angelegt wie zu seiner barocken Zeit mit „Parterre de Broderie“, mit verschlungenen Mustern aus Blumen und Hecken, hat man einen guten Ausblick auf das Zentrum. Da ist die Johanneskirche zu sehen, mit 74 Metern besitzt sie den höchsten Turm der Stadt, dort die tempelartige Basilika St. Johann. Wie so viele Gebäude wurde sie Mitte des 18. Jahrhunderts unter Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken von Friedrich Joachim Stengel, dem stilprägenden Barockbaumeister der Stadt, erbaut. Vieles trägt seine Handschrift, die Bauten am Schlossberg, die Ludwigskirche und der Ludwigsplatz, wer könnte den in Saarbrücken verpassen? Er ist einer der schönsten Barockplätze überhaupt, mit schmucken Palais und prunkvoller Kirche.

Alt-Saarbrücken und St. Johann bilden den Stadtkern. Der St. Johanner Markt ist so etwas wie sein Herz. Auch hier stehen Stengel-Häuser, finden sich Cafés und Kneipen um den weißen Marktbrunnen, krumme Gässchen, einst war dort der Stadtgraben. Nahebei liegt das neoklassizistische Staats­ theater, die kopfsteingepf lasterte Alte Brücke, die zur Schlosskirche aus spätgotischer Zeit weist, heute ein Museum, rot, lila, grün leuchten bei Sonneneinfall ihre Fenster, geschaffen von Georg Meistermann. Saarbrücken brachte einige bekannte Regisseure ­hervor, Max Ophüls etwa, der aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie stammte. Das nach ihm benannte ­Saarbrücker Filmfestival genießt internationalen Ruf. Im Nauwieser Viertel in der Försterstraße ist er aufgewachsen, seine ersten Filme entstanden in Berlin, 1933 verließ er Deutschland, ging nach Frankreich, später in die USA. „Der Reigen“ (1950) und „Lola Montez“ (1955) wurden berühmt und berüchtigt. Franz Hofer aus Malstatt war ein großer Stummfilmregisseur. Manfred Kirchheimer aus St. Arnual etablierte sich als Filmemacher in New York und Wolfgang Staudte drehte wichtige Filme der Nachkriegszeit, legendär sein DEFA-Streifen „Der Untertan“ (1951) nach Heinrich Mann. Staudtes Geburtshaus liegt in der Mainzer Straße. Ebenso aus St. Arnual kommt der kürzlich verstorbene, mit einem Oscar prämierte, Animations-Filmemacher Frédéric Back.


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Edward Allington „Falling Temple“, 1990, Edelstahl, 6 x 13 m, Heizkraft werk Römerbrücke Foto: © Energie SaarLorLux, Saarbrücken

Saarbrücken hat den Staden, weite Rasenflächen, alte Bäume von der Bismarckbrücke bis zum Heizkraftwerk R ­ ömerbrücke, das – Überraschung – als Industriebau mit Kunst glänzt: ­Edward Allingtons „Falling Temple“, leuchtende Häuschen am Kesselblock von Thomas Schütte. Die Daarler Wiesen bei St. Arnual sind eine friedvolle Fluss­auenlandschaft unter ­N aturschutz, seltene Baum- und Pf lanzenarten sowie ­G ewächshäuser mit tropischem Klima finden sich im Bota­ nischen Garten der Uni. Dann der Deutsch-Französische Garten im Deutschmühlental mit Seilbahn und Weiher zum Tretbootfahren. Apropos französisch: Frankreich, das Saarbrückens Geschichte entscheidend mitprägte, ist nur ein paar Autominuten weit entfernt.

Letztendlich braucht eine Stadt auch das: Ausblick, Rundblick, Weite. Geht hier prima, denn Saarbrücken ist von Hügeln und kleine Bergen umgeben. Überhaupt, der Wald: Dicht, üppig, stadtnah ist er, 4.000 Hektar Saarkohlenwald. Erkundungswürdig in der näheren Umgebung sind der sich selbst überlassene Urwald bei Von der Heydt/Kirschheck, der Brennende Berg bei Dudweiler mit Felsspalten in denen man die Wärme längst erloschener Steinkohleflöze noch spüren kann, der Wald am Halberg mit römischen Kultstätten und die Felsenwege im St. Arnualer Stiftswald. Schmale, steile Pfade unter massigen Felsvorsprüngen, schroffes Gestein, wer dieses Naturdenkmal durchwandert, spürt Höhenluft, wo sich vor Millionen Jahren der Fluss in den Fels fraß. R uth Rousselange ist auch Autor in von „ S a a r b r ü c k e n ! D e r K i n d e r s t a d t f ü h r e r.“ , Ve r l a g J . G . S e u m e

Ludwigskirche in Saarbrücken Foto: Susanne Renk / Tourismuszentrale Saarland

Staden Foto: Landeshauptstadt Saarbrücken


Dr. Roland Mönig, Künstlerischer Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz Foto: Uwe Bellhäuser


Dr. Roland M önig, neuer Vorsitzender der Stif tung Saarländischer Kulturbesitz

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Museum vorstehenden Rudolf Bornschein, die klassische Moderne und der Impressionismus zum Zug kamen, die der Modernen Galerie ihre Bedeutung gaben. Von Bornschein-Nachfolger Georg-W. Költzsch, dem späteren Direktor des Essener Folkwang Museums, um das deutsche und französische Informel erweitert, entstand eine angesehene Sammlung. „Sie ist die Basis, von der aus sich das Museum weiterentwickelt.“ Es traf sich, dass Roland Mönig kurz nach seinem Amtsantritt im Januar 2014 die Ausstellung „Auf baujahre“ eröffnen konnte. Das Museumsteam hatte die Anfänge der modernen und der von Museumsdirektor Rudolf Bornschein nach 1952 systematisch aufgebauten Sammlung aufgearbeitet – ergänzt um ihre politisch wie polemisch aufgeladenen ­Begleitumstände. Die Geschichte der Sammlung und die des Saarlandes in seinen von Frankreich bestimmten Anfängen nach 1945 gehören zusammen. Dabei umfasst der Radius der Sammlung die 30 Jahre vor und die 30 Jahre nach 1900, erinnert Mönig. Darum schließen sich wie konzentrische Ringe das Informel, abstrakte und konkrete Kunst und die in jüngster Zeit erworbene Malerei der Jahrtausendwende. Die Sammlung bildet den Raum. „Darin werden“, so Roland ­Mönig, „wie bei Hermanns Positionen festgelegt. Doch die müssen sich zuerst entwickeln.“ Dahinter steht „seine Auffassung vom Museum“, das nicht nur den „local heroes“ der Sammlung Platz bietet, sondern „sie in einem Dialog mit nationalen und internationalen Positionen stellt. Es gilt, den Bestand durch wichtige Bezüge von außen zu erhellen.“ Daher ist die Sammlung kein statisches Gebilde, das über Jahrzehnte unverändert an den Wänden der Ausstellungs­ pavillons dahin welkt, während der Rest des Bestandes im Depot verstaubt, zu der sich die Wechselschauen wie schillernde Fremdkörper ausnehmen. Eine Ausstellung hat für ihn „im Idealfall immer etwas mit dem Ort zu tun“, und sie muss „sich zur Sammlung verhalten können.“ Die ist kein totes ­K apital, sondern beweist in immer neuen Konstellationen ihr Potenzial. Hier spielt seine Erfahrung vom Niederrhein mit hinein, erklärt er. Das Museum Kurhaus Kleve ist kleiner als die Moderne Galerie, auch was den Etat angeht. Bereits hier zeigte sich, wie nachhaltig es ist, wenn man sich Zeit und Raum für das Erkunden und Erweitern der Sammlung nimmt.

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Ein weißer Sockel, darauf eine schwarze flache Platte. Zwei Metallstifte ragen heraus und markieren die Endpunkte einer in Luftlinie gezogenen Diagonale. Da fehlt noch was? Keinesfalls. Denn die Platte mit den beiden Stiften ergibt die Skulptur „ohne Titel“ von Ernst Hermanns aus dem Jahr 1985, die bislang im Depot des Saarlandmuseums lagerte. Sie steht für sich und weist nicht über sich hinaus. Der Raum bestimmt die Positionen. Die Positionen verändern den Raum. Die Plastik Ernst Hermanns, die gerade im Rahmen der aktuellen Frank-Badur-Ausstellung am Eingang des ersten der drei Ausstellungspavillons der Modernen Galerie die Besucher begrüßt, taugt ihm zum Sinnbild für seine Arbeit in Saarbrücken, erklärt Roland Mönig, der seit dem 1. Dezember 2013 der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz vorsteht. Was so viel heißt wie: Man schaut auf das, was da ist, also auf „die Sammlung, die Architektur, die Lage“, die das Saarlandmuseum auszeichnen, entwickelt daraus etwas, das dem Raum gemäß ist, und macht ihn damit weit. Daher verstand es sich für ihn von selbst, nicht mit einem „fertigen Konzept“ im Gepäck aus dem Museum Kurhaus Kleve anzureisen, in dem der Kunsthistoriker zuvor 16 Jahre lang tätig war, sondern „im Dialog mit dem Ort und den Menschen, die hier arbeiten, etwas zu entwickeln“. Ein Museum ist kein Behälter, in den nach der jeweiligen Mode Kuratoren etwas einfüllen, was überall stattfinden könnte. Das erzeuge nur eine „Austauschbarkeit des Ortes“, weiß er. Nein, hier ist kein Platz für eine „Kuratorenkunst, die der Kunst abverlangt, Ideen oder Theorien zu liefern, für die weder die Kunst, noch der Kunsthistoriker zuständig ist“. Der ist weder Historiker, noch Sozialwissenschaftler, erinnert er. Roland Mönig will zurück zum Kerngeschäft der Kunst: „Warum sollen wir nicht das Eigene der Kunst zeigen“, und das ist rhetorisch gefragt. Was nicht bedeutet, einen heiligen Hain der Kunst im Museum zu errichten. Die Kunst selbst fasse die Zeit, schaffe die Verbindungen, auch ohne ein ihr aufgezwungenes Theoriegebäude. Man müsse es nur sichtbar machen, denn die Sammlung selbst, vor allem die der Modernen Galerie des Saarlandmuseums spiegele die noch junge Geschichte des Landes, dem einst 1945 die französische Militärregierung eine Kunstschule, ein Konservatorium und eine Universität verordnete. Vor allem sorgte sie dafür, dass unter dem von 1951 bis 1978 dem

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„Zeit ist das Wichtigste, was wir in diesen Ort investieren müssen“


Saarland Rendezvous Kultur

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bis 1 2 . Ok tober 201 4 F ra n k B a d u r bis 1 2 . Ok tober 201 4 E d o u a rd M a n e t – G ra f i k a u s d e m S a a r l a n d m u s e u m bis 28. September 201 4 Euphor ie und Untergang – K ü n s t l e r s c h i c k s a l e i m E r s t e n We l t k r i e g www. k ult urbesit z . de

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Schlosses gefunden, direkt neben dem Museum in der Schlosskirche. Zusammen mit dem Deutschen Zeitungsmuseum Wadgassen und dem Römischen Mosaik in Perl sind sie Teile der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Deren Kern bildet freilich das Saarlandmuseum am Saarufer, dessen Architektur Roland Mönig „wie eine minimalistische Plastik in einem Landschaftsgarten“ erscheint. Doch derzeit verdeckt das Ensemble der Pavillons im dezent zur Saar abfallenden Ufergelände mit seinem Skulpturengarten der Rohbau des sogenannten „Vierten Pavillons“, den Mönig bewusst als „Erweiterungsbau“ bezeichnet. Denn Schöneckers Architektur hat Vorrang. An ihr muss sich der Neubau orientieren. Daher heißt es nun „Bauen im Bestand“, weil es darum geht, etwas weiterzuentwickeln auf der Basis des Vorhandenen. Das verbinde ihn, sagt Roland Mönig, mit dem Berliner Büro Kuehn Malvezzi, das mit der Fertigstellung des Baus beauftragt worden ist, den Missmanagement und Inkompetenz zum die Museumslandschaft erschlagenden Klotz machten. Mancher sprach vom „Museumsmonster“, nicht so Mönig, der dem alles überragenden Betonwürfel auch etwas Positives abgewinnt: „Der Grundgedanke des Erweiterungsbaus ist nicht schlecht.“ Der markant in die Höhe ragende Bau macht das Museum weithin sichtbar und birgt durch die mit dem Anbau entstehende Platzsituation die Chance, den Ort zur Stadt hin zu öffnen und seinen Bezug zum Naturraum, den Uferwiesen und der nahen Saar zu gestalten. Es fehlt nichts. Alles ist vorhanden, man muss es nur sehen und ihm Raum geben. Hier ist ein seriöses Arbeiten mit der Architektur des Museums und seinem Bestand geboten. Und das gehe nie von jetzt auf gleich, erinnert Roland Mönig: „Zeit ist das Wichtigste, was wir in diesen Ort investieren müssen.“

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Für Roland Mönig ist das nichts weniger als die Voraussetzung, „ein Museum lebendig zu halten und in die Zukunft zu entwickeln.“ Demnach gestaltete sich auch seine erste, von ihm als Direktor verantwortete Ausstellung mit dem Konkreten Frank Badur. Der Gedanke für ein Projekt mit Badur kreiste zwar schon seit Längerem, aber die Ausstellung erwies sich ihm genau in diesem Moment „als wunderbare Möglichkeit“, um zu zeigen, wie sich durch Raum, Sammlung und Gastkünstler „Spannungsfelder herauskristallisieren“, die das Vertraute neu und anders wirken lassen und das Neue in das Vorhandene einbetten. Frank Badur, dem man zu seinem 70. Geburtstag in Saarbrücken eine Werkschau ausrichtete, erwies sich deshalb als Glücksgriff. Denn sein Schaffen ­verband sich aufs Beste mit den Anteilen an konstruktiv-konkreter Kunst der Sammlung, in der sich lokales Kunstschaffen mit internationaler Wahrnehmung überschnitt. Deren Anfänge liegen wiederum in der von Frankreich an der Saar gegründeten ehemaligen Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk, an der nach 1945 der gefragte Maler Boris Kleint lehrte, dessen Schüler Oskar Holweck, Leo Erb und der bei Otto Steinert, dem Nestor der „Subjektiven Fotografie“, ausgebildete Kilian Breier im Gefolge der ZERO-Bewegung ihren Weg machten. Hierin liegt die einzige überregional wahrgenommene Tradition, auch was Galerien und Sammler angeht. Diese arbeitet die Ausstellung heraus, nicht nur dadurch, dass sie aus dem Depot manches konkrete Kunstwerk hervorholte, das mit Badurs Farbfeldmalerei spannungsvoll interagiert, sondern auch, indem sie den Blick für die Besonderheit der Architektur mit ihren strengen Winkeln und geometrischen Konstellationen öffnete. In der für den Herbst geplanten Ausstellung mit dem in Braunschweig lehrenden Norweger Olav Christopher Jenssen soll sich dieses Miteinander von Malerei und Raum fortsetzen. Wiederum wird die Werkschau Jenssens eine Auswahl aus der museumseigenen Sammlung der Moderne begleiten. Dabei befiehlt nicht die Quote die Sensation, höchstens umgekehrt, meint Mönig: „Ich würde keine Ausstellung machen, um eine bestimmte Zahl von Besuchern zu erhalten, sondern mein Bestreben wird immer sein, etwas zu machen, was man in dieser Form noch nicht gesehen hat.“ Platz genug ist vorhanden, in den von dem Saarländer Hanns Schönecker zwischen 1968 und 1976 errichteten drei Pavillons für die Moderne Galerie zuzüglich eines Pavillons für Wechselausstellungen. Die Alte Sammlung des Museums hat gemeinsam mit dem Museum für Vor- und Frühgeschichte indes ihren Platz in der Nachbarschaft des Saarbrücker


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Got t fried Böhm in Saarbrücken

Sense and Sensibility

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Saarbrücker Schloss, Foto: Tourismus Zentrale Saarland

Als dem japanischen Architekten Shigeru Ban im März 2014 der renommierte Pritzker-Preis, sozusagen der „Oscar“ oder Nobelpreis der Architektur, zugesprochen und nun in diesen Tagen überreicht wurde, fiel ein Teil des damit verbundenen Glanzes auch auf das Centre Pompidou-Metz. Diese Zweigstelle des Centre Pompidou in Paris war von ihm gemeinsam mit Jean de Gastines entworfen und 2010 vollendet worden. Jenseits des durch den Pritzker-Preis auf Metz abgestrahlten Ruhmes hatte das Gebäude schon zuvor – einmal schon ­a l­l eine aufgrund seiner Wirkung als architektonischer ­Blickfang, sodann natürlich aber auch als eine interessant konzipierte Ausstellungen beherbergende Institution – für eine Revitalisierung des südlich der Innenstadt gelegenen Areals in der Nähe des Hauptbahnhofs gesorgt. Die Stadt Metz hatte also ganz offenbar schon bei der Auftragsvergabe die mit Bans Gebäude verbundenen Chancen erkannt. Die nun für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgende Verleihung des ­P ritzker-Preises bekräftigt und bestätigt die verfolgte Strategie im Nachhinein noch. Dass dies jedoch keineswegs selbstverständlich ist, wird deutlich, wenn man den Blick um einige Kilometer von Metz und Lothringen weg und hin nach Saarbrücken und in das Saarland richtet: Auch hier könnte man sich eigentlich rühmen, die Architektur eines Pritzker-Preisträgers vorweisen zu können, und in diesem Fall sogar die des ersten und bislang einzigen deutschen Gewinners dieser Auszeichnung, der diese zudem bereits 1986 erhielt: Gottfried Böhm. Allerdings wird man verwundert feststellen, dass man dort anscheinend keineswegs stolz auf diesen architektonischen Bestand und ihren Schöpfer ist, sondern, im Gegenteil, dessen Gebäude erstaunlicherweise entweder mit Schweigen

quittiert oder sie sogar – in einem speziellen Fall – fast entschuldigt. Dieser gegenüber Metz so unterschiedliche Umgang mit Bauten hat sicherlich nicht nur damit zu tun, dass der sogenannte Bilbao-Effekt, von dem die lothringische Hauptstadt Metz ganz offenbar gelernt und profitiert hat, erst 1997 seine Premiere hatte. Damals beauftragte die nordspanische Stadt Bilbao den US-amerikanischen Stararchitekten Frank O. Gehry mit dem Bau einer Dependance des Guggenheim Museums und machte damit vor, wie man eine zunächst mit einem Negativimage behaftete, wirtschaftlich schwächelnde Stadt durch den spektakulären Bau eines bekannten Architekten gezielt aufwerten kann. Denn andernfalls hätte man sich auch in Saarbrücken nach 1997 auf das reiche und preisgekrönte architektonische Œuvre besinnen können, das der Pritzker-Preisträger von 1986, der 1920 in Offenbach am Main geborene Gottfried Böhm, dort sowie in Dudweiler, Malstatt, Püttlingen, Saarlouis und Sulzbach geschaffen hat. Böhms Bautätigkeit im Saarland reicht dabei bis in die Mitte der 1950er-Jahre zurück, als er – noch gemeinsam mit seinem Vater Dominikus, seines Zeichens ebenfalls Architekt – bestehende Kirchenbauten erweiterte bzw. neu errichtete: Für die damalige Zeit war das eine typische Bauaufgabe, denn in dieser Phase wurden im Zuge des Wiederauf baus ­z ahl­r eiche Sakralbauten entweder renoviert bzw. mo­ dernisiert oder teilweise bis ganz neu errichtet (so baute Böhm bis 1959 deutschlandweit alleine 39 Kirchen). Ende der 1960er-Jahre flaute dieser Kirchenbauboom dann merklich ab und Böhm wandte sich vermehrt öffentlichen Gebäuden sowie dann auch verstärkt dem Entwurf von Geschäfts- und Siedlungsbauten zu.


Als signifikante Beispiele hierfür seien die Sanierung des Saarbrücker Schlosses 1981 bis 1989 (jenes Projekt, für das manch Saarbrücker sich noch immer Gästen gegenüber zuweilen entschuldigen zu müssen glaubt) sowie die bereits zuvor, 1978 bis 1982, ausgeführte Talstraßen-Siedlung vorgestellt. Beide Projekte liegen in unmittelbarer Nähe zueinander, quasi einander gegenüber, zum anderen sind sie geradezu charakteristisch für Böhms Denkweise und Ästhetik. Ab 1969 hatte der Plan bestanden, das Saarbrücker Schloss, zwischen 1741 und 1748 von dem Baumeister Friedrich Joachim Michael Stengel errichtet, einer Restaurierung zu unterziehen, die durch Kriegsschäden notwendig ge­ worden war. Dies wurde zum Anlass genommen, über das weitere Schicksal des zentralen Mittelpavillons der drei­ f lügeligen Schlossanlage zu entscheiden, dessen erste und ursprüng­l iche Gestalt bereits 1793 während der Französischen Revolution durch einen Brand zerstört worden war. Anfang des 19. Jahrhundert hatte man die Reste ganz abtragen, den P ­ avillon dann 1872 in veränderter Form wiedererrichtet und ab 1938 mit einer Neobarock-Fassade verkleiden lassen. ­W ährend eine Partei die neuerliche Restaurierung nun dazu nutzen wollte, um den Mittelpavillon in seiner Original­ gestalt zu rekonstruieren, verwiesen andere darauf, dass dies zum einen nicht möglich sei (da die originalen Pläne Stengels verbrannt waren), es zum anderen ohnehin einer täuschenden Verfälschung gleichkäme, da so die Spuren der Geschichte ­getilgt würden. Böhm, gemäß seinem Leitspruch „Geschichte kann man nicht einfach zitieren oder verfremden wollen – sie will schon anders weitergetragen werden“, entwickelte in diesem Dilemma ein Konzept, das gewissermaßen eine ­Synthese aus beiden Positionen darstellt: Er überfing die ­Reste des im Zweiten Weltkrieg beschädigten, stilistisch zudem unpassenden Mittelpavillons mit einem verglasten Stahlskelett, das in seinen Umrissen und Maßen dem verlorenen originalen B ­ arock-Mittelpavillon folgt und diesen quasi abstrakt nachzeichnet: Der Bau fügt sich so einerseits in die Gesamtanlage, täuscht jedoch zugleich nicht über seine moderne Abkunft, indem er mittels des Materials und des somit erzielten Erscheinungsbilds den Kontrast und Dialog zwischen Alt (massiver Stein, glatte Oberf lächen) und Neu (Stahlgeflechte und transparentes Glas, starkes Relief durch die metallenen Streben) artikuliert. Auch wenn viele Saarbrücker Böhms Mittelpavillon noch immer als „zu modern“ ablehnen mögen: Er gilt heute – zu Recht – als Musterbeispiel einer historisch bewussten Überformung im Geist der Moderne. Oder, wie es die Pritzker-Preis-Jury 1986 in Bezug auf Böhm formulierte: „Sein höchst suggestives Werk kombiniert vieles von dem, was wir von unseren Vorfahren ererbt haben, mit dem, was wir neu erworben haben – eine unheimliche und berauschende Ehe, der der Pritzker Architekturpreis mit Freude die Ehre erweist.“ Eben diese „Ehe“ von Tradition und Moderne hat Böhm auch in der von ihm zwischen 1978 und 1982 errichteten Talstraßen-Siedlung realisiert. Dabei klang der Auftrag zunächst durch und durch modern, galt es doch, auf einer bereits bestehenden mehr­ geschossigen Garage in einer Hanglage Wohnungen zu schaffen. Der Architekt löste die Aufgabe, indem er einen ­langen und hohen, von Ladengeschäften durchsetzten riegelartigen Bau an der Straßenseite vor die Garage setzte und dahinter und d ­ arüber eine idyllische Siedlung mit Gassen und Gärten nach dem Vorbild alter italienischer Bergstädte, jedoch

in modernen Formen, entfaltete. In für ihn typischer Weise artikuliert Böhm so erneut eine ganze Reihe von Kontrasten und Verschränkungen: z. B. den Gegensatz zwischen dem auf der Straße unten stattfindenden Autoverkehr und der darüber und dahinter sich erhebenden verkehrsfreien Siedlung, in der man sich nur zu Fuß bewegt, wobei das ansteigende bzw. ­abfallende Terrain, die Treppenverläufe und die beständig wechselnden Perspektiven der kleinen Plätze, Laubengänge und Durchblicke dem Fußgänger immer neue Eindrücke ­vermitteln. Auch die Verschränkung von innen und außen zeigt sich facettenreich, indem die Bauten sich nicht gegen ihre Umgebung verschließen, sondern diese zuweilen mit ein­beziehen, z. B. indem die Natur in die Gebäude geholt wird und dadurch einige Innenräume wie begrünte Plätze wirken, während dafür manche Außenbereiche durch Rankengerüste zu intime Räume bereitstellenden Lauben ausgestaltet wurden. Es dürfte deutlich geworden sein: Gottfried Böhm, der neben seiner Architekturausbildung parallel Bildhauerei studierte, ist ein Baumeister, der Rationalität mit Sensibilität verbindet. Ihm und seinen Bauten wäre zu wünschen, dass man ihnen im Saarland mit genau dieser Kombination von Verstand und Gefühl begegnete. HENRY KEA ZOR

Infos zu Got t f r ied Böhms Schaf fen im Saarland w w w . k u e n s t l e r l e x i k o n s a a r. d e

bis 2. August 2014 Armin Rohr ... aus dem Hinterhalt 4. September bis 4. Oktober 2014 Alexander Stublic´ The uncanny valley Saarländische Galerie – Europäisches Kunstforum e. V. Am Festungsgraben 1 10117 Berlin www.saarlaendische-galerie.eu

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WILLI BAUMEISTER INTERNATIONAL

4. Juli bis 5. Oktober 2014 MKM Museum Küppersmühle, Duisburg www.museum-kueppersmuehle.de Das MKM freut sich über die Unterstützung von

Willi Baumeister, Flämmchenbild (Ausschnitt), 1931, Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014


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K4 galerie / Galerie für zeitgenössische Kunst / Karlstraße 4 / 66111 Saarbrücken Werner Deller / mobil 0170-4144522 www.k4-galerie.de


Dr. Andreas Bayer stellt drei wichtige Ausstellungshäuser vor

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Kunstorte in Saarbrücken I m r e i c h e n K u l t u ra n g e b o t d e r s a a r l ä n d i s c h e n Landeshauptstadt Saarbr ücken gibt es, n e b e n d e n g ro ß e n I n s t i t u t i o n e n , a u c h k l e i n e r e ­A u s s t e l l u n g s h ä u s e r u n d K u l t u r i n i t i a t i v e n , d i e w e s e n t l i c h d a z u b e i t ra g e n , d a s s e i n g ro ß e s Spek t r um k ünstler ischer Ausdr uck sfor men h i e r v o r g e s t e l l t w e rd e n k a n n .

„Regards sans Limites“, Saarländisches Künstlerhaus © Sylvie Guillaume, Preisträgerin des Foto -Wettbewerbs für junge Fotografie der ­g renzüberschreitenden ­G roßregion

Texten haben. Besonders widmet sich „Topicana“ – die ­g emeinsame Buchreihe mit dem saarländischen Schrift­ stellerverband – dem literarischen Experiment und der poetischen Grenzüberschreitung. In sechs Ausstellungszyklen jährlich realisiert das Künstlerhaus in der Regel drei Ausstellungen gleichzeitig, um den Dialog zwischen den verschiedenen künstlerischen ­Medien, Standpunkten oder auch verschiedenen Künstler­ generationen herauszufordern. Neben dem Schwerpunkt der Präsentation künstlerischer Positionen, welche dem Saarland durch ihren Arbeitsmittelpunkt, durch Ausbildung oder ­t hematische Bezüge verbunden sind, legt es die besondere Lage des Saarlandes selbst im Zentrum der Großregion SaarLor-Lux nahe, den Blick auch über die nahen Grenzen hinaus zu richten und die Gegenwartskunst dieses gesamten Kulturraumes verstärkt zu fokussieren. Um diesen Austausch zwischen den Künstlern zu fördern, ist die Kooperation mit verschiedenen kulturellen Institutionen aus Luxemburg, ­L othringen, Wallonien und Rheinland-Pfalz ein stetes Anliegen. b i s 7. S e p t e m b e r 2 0 1 4 R e g a rd s s a n s L i m i t e s / B l i c k e o h n e G r e n z e n w w w . k u e n s t l e r h a u s - s a a r. d e

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Das Saarländische Künstlerhaus zeigt sich von außen unauffällig eingereiht in klassizistische Mietshäuser und befindet sich doch mittendrin, umgeben von weiteren Institutionen der saarländischen Kulturlandschaft in der Saarbrücker Innen­stadt. 1985 gegründet, fand das Saarländische Künstlerhaus e. V. im sogenannten Riotte-Haus seine Heimat. Heute befinden sich hier im Erd- und Untergeschoss auf 230 Qua­ dratmetern Fläche die drei Ausstellungsräume Galerie, Studio und das Studioblau, welches seit 2008 den Neuen Medien ein Forum bietet. Herzstück des Hauses aber ist die Bibliothek. Hier ­t agen die Verbände, hier wird d ­ iskutiert, hier wird aus noch unveröffentlichten Texten erstmals vor kritischem Publikum gelesen, hier werden Pläne geschmiedet und hier wird ­entschieden, was in Zukunft in den Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen an zeitgenössischer Kunst, Literatur und aktueller Musik stattfinden wird. Aus ihren jeweiligen Blickwinkeln formulieren Bildende Künstler, Schriftsteller und Musiker gemeinsam das Programm in eigener Regie. Durch die Veröffentlichung literarischer Werke und den zu allen Ausstellungen herausgegebenen Katalogen, dient der Verlag des Saarländischen Künstlerhauses dazu, den Blick auf die umgebende kulturelle Landschaft zu vertiefen. In den literarischen Veranstaltungen gilt eine große Aufmerk­sam­ keit den Autoren, die einen Bezug zur Region auch in ihren

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Das Saarländische Künstlerhaus


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Die Stadtgalerie Saarbrücken Die Stadtgalerie Saarbrücken gehört seit ihrem Bestehen zu den herausragenden Institutionen für Gegenwartskunst mit überregionaler Ausstrahlung. Ihr Charakter als „permanentes Labor“ mit einem klaren Bekenntnis zu ortsbezogenen, instal­lativen und experimentellen künstlerischen Positionen ist einzigartig. Das barocke Stadtpalais im Zentrum der ­S aarbrücker Altstadt, in dem die Stadtgalerie residiert, wurde bereits seit den 1930er-Jahren als Museum genutzt. Seit 1985, dem Jahr der Gründung der Stadtgalerie als Haus für z­ eit­genössische Kunst, erlangte sie immer wieder auch internationale Aufmerksamkeit. Seit 2012 steht die Stadtgalerie Saarbrücken unter der neuen Leitung der Stuttgarter Kunstwissenschaftlerin Dr. Andrea Jahn, die sich mit Ausstellungen zu aktuellen ­Kunstformen wie Performance-, Installations- und Videokunst einen Namen gemacht hat. So bestimmt seit ihrer Wieder­e röffnung ein international besetztes Programm ­junger, noch ungesicherter Positionen das Profil der Stadt­ galerie Saar­brücken mit Konzeptkünstlern wie Pablo Wendel, ­Delphine Reist und Laurent Faulon, Video- und Performancekünstlerinnen wie Anahita Razmi oder Nezaket Ekici bis hin zu Ausstellungen, die sich wie die aktuelle Schau „Nach der ­Natur“ brisanten gesellschaftspolitischen Themen z­ uwenden. Andreas Bayer sprach für ARTMAPP mit Andrea Jahn. ARTMAPP: Worin sehen Sie die Stärken der ­Stadtgalerie Saarbrücken? Andrea Jahn: Das Haus selbst ist für Ausstellungen noch nicht etablierter, experimenteller Positionen wie geschaffen. Seine barocke Architektur besitzt einen starken, eigenen Charakter, der die Künstler immer wieder zu neuen Lösungen herausfordert. Dabei bieten die räumlichen Gegebenheiten auf zwei Geschossen mit Veranstaltungsraum und Innenhof so viele Möglichkeiten, dass wir unterschiedliche künstlerische Ansätze auch parallel zeigen können. ARTMAPP: Welche Kriterien legen Sie Ihrem Programm zugrunde? AJ: Mich interessieren künstlerische Positionen, die reflektieren, was – ganz allgemein gesagt – auf der Welt passiert. Das können feministische, medien- und bildkritische Ansätze ebenso sein wie die Auseinandersetzung mit eurozentrischen Konventionen. Wichtig ist mir dabei aber auch eine unverbrauchte Bildsprache, die sich nicht an marktgängigen Konzepten orientiert und im besten Fall die Strategien des Kunstmarkts unterläuft.

oben: Porträt Andrea Jahn Foto: Tom Gundelwein

Regula Dett wiler, „It’s my Nature“ 2012, Installationsansicht Kunst verein Friedrichshafen (Detail) Foto: Paul Silberberg

ARTMAPP: Wie sehen Sie die Stadtgalerie im Kontext der im Land befindlichen Museen und öffentlichen Galerien? AJ: Ich betrachte uns als Teil eines Netzwerks, in dem wir ­bereits im vergangenen Jahr anlässlich der Landeskunstausstellung „SaarART 2013“ erfolgreich zusammengearbeitet haben. Allerdings ist dieses Netzwerk – besonders in Saar­ brücken – noch ausbaufähig. Umso mehr freue ich mich darüber, dass wir mit Roland Mönig, dem neuen künstle­ rischen Leiter des Saarlandmuseums, und mit Gabriele Langendorf, der ­neuen Rektorin der Hochschule der Bil­ denden Künste Saar, kompetente und kooperative Partner bekommen haben. Mit ihnen werden wir die Auf bruchs­ stimmung in Saarbrücken nutzen können, um der Kunst wieder die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die sie verdient. ARTMAPP: Frau Jahn, vielen Dank für das Gespräch. bis 28. September 201 4 Nach der Natur www. stadtgaler ie. de


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Das KuBa – Kulturzentrum am EuroBahnhof

Mit dem 2007 eröffneten KuBa – Kulturzentrum am ­ uroBahnhof, das in einem historischen Schulungs- und E Kantinengebäude der Deutschen Bahn angesiedelt ist, wurde in der saarländischen Landeshauptstadt ein neuer, interes­ santer Kulturort geschaffen. Im KuBa, das von einem Verein betrieben wird, sind Ateliers für Künstler und Kulturschaffende aus unterschiedlichen Disziplinen eingerichtet. Ein Gastatelier wird außerdem von internationalen Künstlern genutzt, die über mehrere ­Monate hier wohnen und arbeiten. Das KuBa realisiert ein umfangreiches, experimentell orientiertes sowie spartenübergreifendes Kulturprogramm und nutzt hierfür auch die ehemalige Eisenbahnerkantine im ­G ebäude. In der Galerie im KuBa werden bis zu sechs Aus­ stellungen pro Jahr gezeigt, die besondere Akzente in der Darstellung der regionalen Kunst setzen, aber auch überregionale Positionen einbeziehen. Die Reihe „HörBar“ bietet mit Rezitationen, Soundperformances und audiovisuellen interaktiven Projekten der Hörkunst e­ inen besonderen Auftritt. ARTMAPP traf Michaela Kilper-Beer, 1. Vorsitzende und Geschäftsführerin des KuBa e. V., zum Gespräch.

Porträt Michaela Kilper- Beer Foto: Rachel Mrosek

ARTMAPP: Sie bieten nicht nur ein kulturelles Programm an, sondern setzen auch besondere Akzente in der Kunst- und Kulturvermittlung. Welche sind das?

MKB: Im September 2012 wurde das „kreativzentrum.saar“ im KuBa installiert. Die Beratungsstelle unterstützt saar­ ländische Künstler und Kreativschaffende, indem man dort auf die spezifische Problematik der Selbstständigkeit und ­Vermarktung in dieser Branche eingeht. Das Angebot besteht aus Beratung und Vernetzung mit Kunstinteressierten. Weiterhin werden die Interessen und Kompetenzen der Künstler durch zahlreiche Veranstaltungen und Workshops nachhaltig gestärkt. ARTMAPP: Michaela Kilper-Beer, vielen Dank für das Gespräch. b i s 7. A u g u s t 2 0 1 4 G a b r i e l Vo r m s t e i n : m e m o r y m e m o r y m e m o r y – Male re i und In stallat ion 1 2 . September bis 1 2 . Ok tober 201 4

MKB: Parallel zu unseren Ausstellungen finden regelmäßig Atelier- und Galeriegespräche statt. Auch Workshops und Vermittlungsprojekte für Kinder und Jugendliche bilden ­einen Schwerpunkt unserer Arbeit, die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten ist integraler Bestandteil der ­Vermittlungsarbeit. Sozio-kulturelle Projekte mit Bürger­ beteiligung im städtischen Umfeld ergänzen unser Profil.

C o n e t h e We i rd 25 . September bis 1 2 . Ok tober 201 4 Herbstsalon 201 4

www. k uba-sb. de

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Michela Kilper-Beer: Unser in der Großregion einmaliges Konzept mit der Kombination aus Atelierhaus für Künstler und Veranstaltungsort und natürlich die hohe Qualität des vielseitigen Programms spielen dabei eine große Rolle. Vor ­a llem aber ist es die spürbare Leidenschaft und das Engagement, mit dem hier von einem professionell und ambitioniert ­a rbeitenden Team und dem ehrenamtlich agierenden Vorstand eine Vision aufgebaut und realisiert wurde. Das hat dazu beigetragen, einen offenen, lebendigen Ort des Austauschs und der Diskussion zu schaffen, der auch Experimentellem Raum gibt. Die durch Auswahl bestimmte hohe Qualität der Künstler im Atelierhaus ist dabei enorm wichtig. Viele be­ geisterte Besucher und ein durchweg positives Medienecho motivieren und belohnen das ehrenamtliche Engagement des Vorstands und die ambitionierte Arbeit des Teams.

ARTMAPP: Für Künstlerinnen und Künstler der Region ist es nicht immer einfach, den Kunstmarkt zu erreichen oder sich selbst zu vermarkten. Bieten Sie in diesem Bereich eine Unterstützung an?

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ARTMAPP: Das KuBa ist eine noch sehr junge Einrichtung, dennoch ist es in den nur wenigen Jahren seit 2007 gelungen, den Ort zu etablieren und ein breites Publikum zu erreichen. Wie war das möglich?


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Inter view mit M odedesignerin Laura Theiss

Stricken in neuer Dimension Laura Theiss überführt das Stricken und Häkeln in neue Dimensionen. In Hand­ arbeit und mithilfe des Computers verwandelt die Modedesignerin alte, ­t raditionelle Muster in aufregende und moderne Silhouetten. Die Saarländerin hat an der berühmten Londoner Central Saint Martins – University of the Arts studiert, aus der auch Stars wie Stella ­McCartney, John Galliano und Alexander McQueen hervorgingen. Das New Yorker Magazin Paper kürte sie jüngst zu den zehn wichtigsten Strickmodedesignern der Welt. Theiss lebt mit Mann und Sohn im saarländischen Homburg. Im Gespräch mit ARTMAPP verrät sie, warum für sie Strick interessanter als Stoff ist, wie sie das Ballett entdeckte und warum sie ihr Londoner Atelier aufgibt.

ARTMAPP: Warum fasziniert Sie gerade das ­Stricken und Häkeln? Was ist so besonders daran, dass Sie sich als Modedesignerin darauf ­spezialisiert haben? Laura Theiss: Das wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Unsere Wohnung zu Hause in Litauen war voller gehäkelter Decken und Deckchen, Sofa- und Kopfkissen, Gardinen. Meine Oma hat von morgens bis abends gehäkelt und gestrickt. Wenn ich mit meiner Freundin Prinzessin spielte, haben wir uns die Häkeldecken um die Hüften geschwungen. Mit sieben Jahren habe ich dann angefangen, selbst zu häkeln.

„Wings“, 2013

ARTMAPP: Nun sind Ihre heutigen Kreationen von traditionellen Häkeldecken ja sehr weit ­entfernt ...

Choreografie: Marguerite Donlon Foto: Bettina Stoeß

LT: Ja (lacht), aber die traditionellen Muster, wie man sie für solche Decken benutzte, sind die Grundlage meiner Kreationen. Ich nehme diese alten Muster am Computer auseinander, setze die Fragmente neu zusammen und gebe ihnen neue, zeitgemäße Schnitte. Mode aus Strick- und Häkelwerk zu entwerfen, bietet einem als Designer die größtmögliche Freiheit. Das ist das Wunderbare daran: Man entwirft nicht nur die Schnitte selbst, sondern auch seinen „Stoff “. Man bestimmt die Muster, die Farbkombinationen, man kann sich seine Garnqualitäten selbst zusammenstellen. Ich verwende beispielsweise nur italienische Garne, die sind einfach die besten. Und man kann sein Material selbst herstellen, mit einfachsten Mitteln, man braucht dafür nur Häkel- oder Stricknadeln.


ARTMAPP: Gerade bei Ihren Kleidern erkennt man manchmal gar nicht auf Anhieb, ob sie gehäkelt oder gestrickt sind. Das sieht alles sehr kompliziert aus. Lassen Sie von Hand fertigen? LT: In Strick kann man heute dank der technologischen Fortschritte auch schon recht Kompliziertes maschinell fertigen. Einen Teil meiner Kollektion lasse ich von einer kleinen Firma in Shanghai produzieren. Nicht, weil es billiger wäre als in Europa, sondern weil sie es dort handwerklich einfach sehr gut können. Häkeln geht in der Tat nur von Hand. Manchmal kombiniere ich die verschiedenen Techniken. Ich versuche auch immer, die Grenzen des Möglichen noch ein Stück weiter zu verschieben. Für meine nächste Winterkollektion habe ich etwa Muster entworfen, in denen ich Wolle mit Metallicgarn zusammenbringe und die man in verschiedene Richtungen häkeln muss. Das ist schon ziemlich extrem. Die ersten Proben häkele ich selbst, die ersten Musterstücke der Kollektion lasse ich dann von erfahrenen Frauen in Litauen fertigen. Aber das ist auch das, wozu man auf dem Central Saint Martins ständig ermutigt und herausgefordert wird: Regeln zu brechen, weiterzugehen, denn nur so kann man als Designer etwas interessantes Neues schaffen. ARTMAPP: Man weiß, wer auf dem Saint Martins abschließt, dem stehen alle Türen offen. Sie haben sich nach dem Abschluss 2009 aber gleich dafür entschieden, Ihr eigenes Label zu etablieren. War das nicht mutig? LT: Vielleicht, aber es hat sich einfach so gefügt. Ich hätte nach der Abschlussmodenschau gleich zu einem Modekonzern nach Barcelona gehen können. Aber dann kam eine Agentur aus London auf mich zu und bot mir an, eine Kollektion unter meinem eigenen Namen zu machen und bei der Paris Fashion Week zu präsentieren. Das bot mir mehr Freiheit, meine Ideen zu verwirklichen. Und in Paris waren dann auch gleich die Modeeinkäufer zur Stelle und haben bestellt. Und so ging es dann einfach weiter ... ARTMAPP: Wie gehen Sie vor, wenn Sie eine neue Kollektion entwerfen? Was inspiriert Sie?

ich dann ein bisschen. Aber die Frauen, die meine Kleidung kaufen, sind in der Regel Fashionistas, Society Girls, die viel reisen und etwas Besonderes haben wollen.

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ARTMAPP: In Saarbrücken haben Sie in der vergangenen Saison zum ersten Mal Kostüme für ein Ballett kreiert. Wie kam es dazu? LT: Ich hatte in London schon mehrfach Angebote bekommen, fürs Theater zu entwerfen. Ich hatte aber immer abgelehnt, weil ich dachte, dass man sich da zu sehr in den Dienst vorgegebener Rollen stellen muss. Als ich in Saarbrücken zufällig die Choreografin Marguerite Donlon kennenlernte, war es ganz anders. Wir entdeckten sofort viele Parallelen in der Art, wie wir kreieren. Ich saß gerade an einer Kollektion zum Thema Schmetterlinge, sie an einem Stück mit dem Titel „Wings“, Flügel, das passte also gut. Und sie ließ mir volle Freiheit. Ich habe durch die Arbeit für die Tänzer viel gelernt, auch für meine Kollektionen. Das geht so weit, dass ich darauf achte, wie viel Bewegungsfreiheit man in meinen Kleidungsstücken hat und wie stabil sie sind. ARTMAPP: Die Liebe hat Sie ins Saarland geführt, jetzt wollen Sie auch Ihr Atelier hierher verlegen, nach Homburg, wo Sie mit Mann und Kind leben. Wird Ihnen London nicht fehlen? LT: Nein, ich brauche London nicht mehr. Dort ist alles hektisch, man hat im Saarland einfach mehr Lebensqualität. Man kann hier besser genießen, besser essen. Es gibt hier erstaunlich viel gute Kultur. Durch die Ballettkostüme ist hier auch ein großes Interesse an meiner Mode entstanden, die es bisher ja nur in Londoner und Pariser Läden gab. In Saarbrücken bin ich mit zwei Boutiquen im Gespräch, in Homburg will man meine Arbeiten für ein Londoner Kindermode-Label verkaufen. Ich kann also demnächst direkt verfolgen, wie sie ankommt. Ich bin schon sehr gespannt. ARTMAPP: Laura Theiss, Danke für das Gespräch. Das Interview für ARTMAPP führte Silvia Buss. w w w . l a u ra t h e i s s . c o m

LT: Natürlich überlege ich schon, was im Jahr darauf dem Zeitgeist entsprechen könnte. Aber als Künstlerin fühle ich mich nur frei, wenn ich ohne Beschränkungen, ohne Rücksicht auf Tragbarkeit etwas Neues entwickeln kann. Für die Shows kann ich mich ja richtig austoben, Skulpturen schaffen, die den ganzen Körper bespielen. Für die Kollektion vereinfache

Laura Theiss, für „Shadow“, 2014 Choreografie: Marguerite Donlon Foto: Bettina Stoeß

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ARTMAPP: Wie viel Rücksicht müssen Sie auf die Tragbarkeit nehmen, wenn Sie entwerfen?

w w w . s a a r l a e n d i s c h e s - s t a a t s t h e a t e r. d e

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LT: Zuerst suche ich eine Idee, eine Geschichte, ein Motto. ­I nspirationen suche ich mir aus verschiedensten Bereichen. Das kann Architektur sein oder Natur, aber immer mit etwas Futuristischem touch. Ich begeistere mich sehr für die Kultur des Fernen Ostens. Wenn ich kreiere, brauche ich auf jeden Fall viele Bilder, Fernsehen und Musik um mich herum. Ruhe ist da kontraproduktiv. In ganz kreativen Phasen, Sie werden vielleicht lachen, höre ich am liebsten Popmusik der 1990er-Jahre.


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Inter view mit Gerhard Leidinger

Das „Leidinger“ im Quartier Mainzer Straße Früher war das Domicil Leidinger mal ein Alten- und Waisenheim. Heute kann man hier in Feng-Shui-Zimmern auf Viersterneniveau übernachten oder sich unter freiem Himmel im Zen-Garten ausruhen. Als Gerhard Leidinger das Gebäude aus dem Spätbarock Ende der 1980er-Jahre erwarb, um darin ein Hotel zu eröffnen, war es ziemlich heruntergekommen, so wie die ganze Straße. Schrittweise baute er, als gelernter ­A rchitekt, das Haus nach seinen Vorstellungen zu einem ­modernen, weitläufigen Stadthotel aus, in dem Kultur und Genuss einen besonderen Stellenwert haben. Auf der Kleinkunstbühne des Hauses finden regel­m äßig Jazzkonzerte, Theater- und Kabarettvorstellungen statt. Im Juni schloss der Spitzenkoch Jens Jakob sein ­Zwei­sternerestaurant in der Nachbarschaft, um ins Domicil Leidinger umzuziehen. Leidinger übertrug seinem neuen Partner nicht nur die Leitung für seine Panetteria-Bar-Lounge und das mediterrane Hauslokal „s’Olivo“, sondern baute sogar eine neue Küche und noch ein Restaurant hinzu: Im „Le Noir Gourmet“ wird man das ­E ssen bald wieder mit Sternen ge­ nießen können. ARTMAPP: Es gibt Einheimische, die halten das Domicil Leidinger für ein Kulturzentrum mit angeschlossenem Hotel. Warum unterhalten Sie als Hotelier eine Kleinkunstbühne? Wären Sie insgeheim vielleicht lieber Theaterdirektor geworden? Gerhard Leidinger: Ich habe früher selbst Musik gemacht und hatte zehn Jahre lang eine Musikerkneipe in Saarbrücken. Als ich anfing, das Objekt hier umzubauen, habe ich sie aufge­ geben, habe aber die Leidenschaft für Musik und Theater mitgenommen. Es ging uns, meiner Frau Katja und mir, darum, die Gäste in Kontakt mit den Saarbrückern zu bringen. Wir wollten keine Enklave, in der die Reisenden abgeschottet

unter sich bleiben. Das ist für uns selbst auch immer wichtig, wenn wir reisen, dass wir nicht in der Anonymität verschwinden. Das Authentische in den Städten sind ja die Menschen, die dort leben, die wollen wir kennenlernen. Und den Kontakt kann man nun einmal am besten über Kultur und Gastronomie herstellen. Wir haben zwei Schauspieler, die das Theater für uns managen, dazu haben wir das Saarbrücker Jazzfestival bei uns im Haus. Während des Filmfestivals Max-OphülsPreis stellen wir unseren zentralen Raum auch als Pressecafé zur Verfügung. Es ist ein Herzenswunsch von uns, dass wir mit den Künstlern und der Kunstszene selbst zusammenarbeiten. Wir können das nicht alles alleine machen, wir brauchen schon Leute aus der Szene, die uns behilflich sind. ARTMAPP: Hatten Sie das von Anfang an geplant, so viel Kulturprogramm zu bieten? GL: Das hat sich so entwickelt. Angefangen hat es mit der Einrichtung unseres Hotels. Wir wollten mit dem Gebäude an sich und den Möbeln sehr zurückhaltend arbeiten, um der Kultur, der Kunst einen Raum zu schaffen. Wir haben als ­erstes Haus in Südwestdeutschland damals eine Suite eingerichtet, die komplett von einem bildenden Künstler gestaltet wurde. Er hat sich ein paar Tage dort eingeschlossen und sie ausgemalt. Leider mussten wir dieses Gebäude dann aufgeben, als der Miet­vertrag auslief. Von der Suite existieren heute nur noch Fotografien. In den 1990er-Jahren haben wir dann viele Verlagsvertreter beherbergt. Sie haben hier immer eine Tischmesse veranstaltet, auf der die saarländischen Buchhändler ihre Neuerscheinungen buchten. Weil wir selbst gern lesen, kamen wir auf die Idee, Lesezimmer einzurichten, die uns die Verlage mit Büchern aus ihrem Programm bestückten. Solche Messen gibt es zwar heute nicht mehr, aber Kiepenheuer &

Im Juli 2014 übernahm Sternekoch Jens Jakob die Gastronomie im „Leidinger“. v.l.n.r.: Jens Jakob, Katja und Gerhard Leidinger Foto: Domicil Leidinger

rechts: Quartier Mainzer Straße Foto: Wini Sulzbach


GL: Was im Moment stattfindet, ist die Technisierung der ­Hotelzimmer. Wir hatten zwar als erstes Hotel in Deutschland auf allen Zimmern bereits WLAN, als andere das gerade mal in ihrer Lobby anboten. Aber ich will kein Hotel, in dem der Gast sich mit dem Smartphone das Zimmer reserviert und selbst die Tür öffnet, ohne einem Menschen zu begegnen. Wir wollen etwas anderes, wir wollen Nachhaltigkeit ausbilden, auch in der Ernährung. Bei uns steht der Genuss im Vordergrund. Das bedeutet für uns auch, dass wir die Lebensmittel für unser Hotel und die Gastronomie in der Region beschaffen, denn wir haben hier alles, was wir brauchen. ­ Unser besonderes Augenmerk liegt auf dem Wein. Wir haben das Glück, in einer Gegend zu leben, in der die besten Weißweine der Welt hergestellt werden, und durch die ­Zusammenarbeit mit Jens Jakob wird unsere Küche noch ambitionierter. ARTMAPP: Als Sie hier das Domicil Leidinger eröffneten, war die Mainzer Straße ziemlich verwahrlost, über die Hälfte der Geschäfte standen leer. Heute ist sie eine der lebendigsten Straßen

GL: Für mich war ganz klar, dass die Straße so nicht bleiben wird, wie sie einmal war. Als Architekt ist man ja auch Stadtplaner und hat eine Vorstellung, wie sich so ein Umfeld entwickeln kann. Ich kannte die Geschichte dieser Straße. Noch bis in die 1970er-Jahre war sie ein pulsierender Ort mit Geschäften, Gastronomie, Handwerkern und auch vielen Künstlern, die hier ihre Ateliers hatten. Wir haben eine Art Leitinves­t ition durch unseren ­Umbau geschaffen, andere Hausbesitzer zogen nach. Nachbarschafts- und Straßenfeste wurden veranstaltet, um die Leute zusammenzubringen und die Politiker herzu­b e­ kommen und auf die Probleme und Chancen der Straße hinzuweisen. Wenn man Öffentlichkeit herstellt und dranbleibt, dann bewegt sich auch etwas. Die Mischung macht’s. In unserer Interessengemeinschaft sind wir Geschäftsleute, Hausbesitzer, aber auch Mieter und viele Künstler, die sich gemeinsam engagieren. Wir haben noch viel vor. ARTMAPP: Gerhard Lindinger, vielen Dank für das Gespräch. Das Interview für ARTMAPP führte Silvia Buss. w w w . d o m i c i l l e i d i n g e r. d e w w w . q u a r t i e r- m a i n z e r- s t ra s s e . d e

S O M M E R 2 014 — S A A R B R Ü C K E N

ARTMAPP: Wie sehen Sie jetzt die Zukunft der Hotelbranche insgesamt und vor allem Ihre eigene?

Saarbrückens, in der mit Jens Jakob und Klaus ­ rfort gleich zwei Sterneköche residieren. Die Stadt E gab deshalb den Slogan „Fünf Michelin-Sterne auf 500 Metern“ aus. Sie selbst haben die Interessen­ gemeinschaft Mainzer Straße mitbegründet, ohne die das Quartier nicht so aufgeblüht wäre. Woher nahmen Sie damals die Zuversicht, dass in der Straße so viel P ­ otenzial liegt?

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Witsch, ein namhafter Verlag, stattet uns immer noch mit aktuellen Neuerscheinungen aus. Das wird von den Gästen gern genutzt. Als wir im Jahr 2000 unseren Viersternebereich eröffneten, haben wir das Mobiliar von einem befreundeten saarländischen Künstler auf Bali entwerfen und herstellen lassen. Den gedanklichen Überbau des Asiatischen, auch was Feng-Shui betrifft, h ­ aben wir da mit einfließen lassen. Wir haben uns immer Gedanken über die Zukunft gemacht, wie wir uns weiterentwickeln können.


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Gabriele Langendor f über die Vor teile einer vermeintlichen Randlage

Das Saarbrücker Modell

„Light_ Act_Project“, HBKsaar, François Schwamborn, Foto: Daniel Hausig

Gabriele Langendorf lehrt seit acht Jahren als Professorin für Malerei und Zeichnung an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar), die sie seit Oktober 2013 als Rektorin auch leitet. ARTMAPP traf die gebürtigen Badenerin zum Gespräch über die Vorteile einer vermeintlichen Randlage an der Grenze und die Zusammenarbeit der Disziplinen. ARTMAPP: Die HBKsaar ist eine relative junge Kunsthochschule. Sie feiern dieses Jahr das 25. Jubiläum. Was bewog die Politik in einem ­k leinen, industriell geprägten Land, sich 1989 auf einmal eine eigene Hochschule für die Kunst zu leisten? Gabriele Langendorf: Gerade weil das Land so industriell geprägt ist, von der Montanindustrie und vom Bergbau, dessen Ende absehbar war, erkannte die Politik, dass sie nicht nur auf neue Technologien wie Informatik setzen musste, um im Wettbewerb der Städte und Regionen mitzuhalten, sondern auch in Kulturförderung investieren sollte. Es gab damals im Umkreis von fast 300 Kilometern rund um Saarbrücken keine Kunsthochschule. Nur einen Fachbereich Design an der ­Fachhochschule und Kunsterziehung an der Saar-Universität.

Vor und nach dem Krieg hatte es hier aber schon Kunsthoch­ schulen gegeben, an denen bedeutende Künstler wie Frans Masereel oder Otto Steinert gelehrt hatten. Darauf konnte man mit der Neugründung der HBKsaar auf bauen und ein wichtiges Zeichen setzen. Eine sehr gute Entscheidung war es damals, die HBKsaar mit den Schwerpunkten Kunst und ­Design interdisziplinär auszurichten. ARTMAPP: Heute haben fast alle den Anspruch, interdisziplinär zu arbeiten. Trotzdem spricht man in Bezug auf die HBKsaar oft vom „Saarbrücker Modell“. Was ist denn das Besondere hier? GL: Bei der Gründung der Hochschule war diese interdiszi­ plinäre Orientierung nahezu einzigartig in der künstlerischen Hochschullandschaft Deutschlands. Mittlerweile ist das „ Saarbrücker Modell “ auch von anderen Institutionen ­übernommen worden. Lehrende und Studierende aus unterschiedlichen Studiengängen arbeiten bei uns gemeinsam an bestimmten Aufgabenstellungen. Designer können Kunstprojekte im öffentlichen Raum mitgestalten oder im Bereich des künstlerischen Films oder in der Fotografie arbeiten. Künstler entwerfen wiederum computergenerierte Bühnenbilder oder nehmen an Werbeprojekten teil. Auch ist es relativ


unproblematisch, den Studiengang zu wechseln. 2007 haben wir den Studiengang Media Art & Design eingeführt, in dem Künstler und Designer eng zusammenarbeiten. Wir haben mit diesem Studiengang schon Konzertvisualisierungen für den Saarländischen Rundfunk realisiert, neue Gamedesigns für Computerspiele gestaltet, zahlreiche Filme und Clips entwickelt und befassen uns momentan auch verstärkt mit interaktiven Räumen. In jüngster Zeit haben wir zudem den neuen Studiengang Medieninformatik geschaffen. In dem arbeiten unsere Künstler und Designer mit den Studierenden der Informatik der Universität des Saarlandes zusammen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit reicht also in vielen Bereichen über unsere eigene Hochschule hinaus

ARTMAPP: Das Saarland liegt abseits der großen Kunstzentren, ist das ein Nachteil oder ein Vorteil?

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GL: Momentan spielt die Frage nach den Zentren vielleicht keine so große Rolle mehr. Kaspar König hat uns kürzlich auf einem Symposium bescheinigt, dass es auch ein Vorteil für die eigene Kunstentwicklung ist, als Student nicht schon zu früh unter Beobachtung der Galerien- oder Kuratorenszene zu stehen. In Saarbrücken finden wir die internationalen ­Kontakte vor der Haustür. Unsere Studierenden arbeiten etwa im internationalen Glaskunstzentrum in Meisenthal, im ­benachbarten Lothringen, gemeinsam mit französischen und

ARTMAPP: Sie selbst unterrichten Malerei und Zeichnen, also in einem Bereich, der vielleicht noch am ehesten die klassische Tradition aufrechterhält. Wie wirkt sich denn da diese interdisziplinäre Ausrichtung aus? GL: Auch Maler und Zeichner arbeiten mittlerweile ja nicht mehr ausschließlich in nur einer Gattung. Sie kombinieren ihre Bilder installativ im Raum oder realisieren dazu noch ­V ideos. Solche Ansätze fördere ich auch innerhalb meines Ateliers. Zu mir kommen auch Studierende des Bereichs der Neuen Medien und experimentieren – oft zum ersten Mal – mit Pigmenten. Das sind neue Erfahrungen, die sie dann in ihren Medienarbeiten fruchtbar nutzen können. Die Studierenden haben also die Möglichkeit, mit allen Bereichen in Berührung zu kommen, sich auszutauschen und neue Impulse zu erhalten. Das führt dann oft zu überraschenden und innovativen Ergebnissen. Und ich finde, der Erfolg dieses interdisziplinären Modells gibt uns Recht. Unsere Studierenden sind regelmäßig erfolgreich in bundesweiten wie auch internationalen Wettbewerben vertreten.

Porträt Gabriele Langendorf Foto: Ingeborg Knigge

belgischen Studierenden und anderen internationalen Partnern an Projekten. Wir haben kürzlich ein Comic-Symposium mit Partnern aus Belgien und Frankreich veranstaltet. Wir können Tagesexkursionen zum Centre Pompidou-Metz, zum MUDAM, dem Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, in Luxemburg oder sogar nach Paris machen, und wir haben zahlreiche Partnerhochschulen in ganz Europa, in Nord­ amerika und in Asien. Also begrenzt durch die Lage fühlen wir uns ganz und gar nicht. ARTMAPP: Gabriele Langendorf, vielen Dank für das Gespräch. Das Interview für ARTMAPP führte Silvia Buss.

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GL: Absolut, wir sind zu einem wichtigen Impulsgeber für die Region geworden. Einige unserer Absolventen haben Unternehmen gegründet. Andere prägen mit der hohen Qualität ihrer künstlerischen Arbeit die Kunst- und Kreativszene der Region. Das wird auch überregional immer stärker wahrgenommen. Wir sind in wichtigen Innovationsfeldern aktiv. Unser Experimental Media Lab hat zusammen mit unserem digitalen Produktionszentrum einen 3-D-Keramikdrucker entwickelt, der auf Designmessen erhebliches Aufsehen ­erregt hat. Im Mai haben wir Hochhausfassaden am Saarufer in der Saarbrücker City mit Lichtkunstprojektionen bespielt. Mit diesem „Light_Act_Project“ haben wir nicht nur erreicht, dass die Menschen ihre Stadtmitte anders wahrgenommen haben, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Stadt­ marketing geleistet. Wir wirken auf vielen unterschiedlichen Ebenen an der Entwicklung des Landes und der Stadt mit. Wir bilden Kunsterzieher für saarländische Schulen aus. Wir ­haben eine Abendschule, eine Galerie und stellen damit auch Bildungsangebote für die saarländische Bevölkerung bereit. Grundsätzlich ist eine Kunsthochschule immer ein wichtiger Kreativmotor für eine Region.

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ARTMAPP: Die Erwartung der Gründer, dass die HBKsaar das Saarland als Kulturstandort weiterbringt, hat sie sich erfüllt?


Ulrike Rosenbach – Wolfgang Nestler – Bodo Baumgar ten

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Neustart ´89 Grenze des Bildes hinaus. Wolfgang Nestler öffnete sein ­ telier in der ehemaligen Handwerkergasse der kurz davor A stillgelegten Völklinger Hütte. Die Gegenwart dieser Riesen­ skulptur aus rostigem Eisen war eine Aufforderung, sich dazu zu verhalten. Das hieß bei Nestler immer auch, dass sich eine Form auch in Handlungen und Gesten im Raum zeigt. Für die Studierenden der ersten und zweiten Genera­tion war es daher ein Entdecken und Ertasten weithin unbekannter T ­ echniken und Medien. Sie zu erlernen, das eine, sich davon zu lösen, das andere. 25 Jahre nach Gründung der Schule ­haben sich eigenständige, national wie international wahr­g enommene künstlerische Positionen entwickelt. Wie unterschiedlich ­d abei die Wege verlaufen, zeigen die Rosenbach-Schülerinnen Klaudia Stoll, Jacqueline Wachall sowie Leslie Huppert, wie Wachall auch Absolventin des Ateliers von Bodo Baumgarten. Die Art der Performance und Video­i nstallation bei Ulrike Rosenbach, das Verständnis von Farbe als Körper und die Erweiterung des Bildraums bei Bodo Baumgarten beeinflussten die Arbeit des Performanceduos Stoll & Wachall wie auch die Video und Malerei in ihren Installationen verschränkende Leslie Huppert. Nicht anders ist es bei den Raum und Figur als Bewegung fassenden Arbeiten der Nestler-Schülerin Sigrún Ólafsdóttirs . Die Wurzeln ihres Schaffens liegen in der HBKsaar. Doch darüber ist auch ihr Werk wie das ihrer Studienkollegen von einst hinaus gewachsen.

S_ A _R Projektbüro, Atelier Georg Winter, in der Dependance der HBKsaar, Handwerkergasse, Völklinger Hütte Foto: © HBKsaar Saarbrücken

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SABINE GRAF

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Die Gründung der Hochschule der Bildenden Künste Saar bleibt 25 Jahre nach ihrer Eröffnung im November 1989 ein die Kunstszene des Saarlandes bis heute prägendes Ereignis. Denn hier erwuchs eine Generation von Künstlerinnen und Künstlern, die heute nicht nur in der Region, sondern auch ­darüber hinaus wahrgenommen wird. Vergleichbar nur mit der Gründung der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk im Jahr 1946 durch die damals im Saarland ob­waltenden französischen Militärbehörden. Doch im katholisch-biederen Saarland betrachtete man die Hinterlassenschaft Frankreichs mit Argwohn und schrumpfte sie bis Anfang der 1970er-Jahre zum Fachbereich Design an der damals noch bestehenden Fachhochschule des Saarlandes zurecht. Kunst, das war Malerei, Skulptur und gerade mal Fotografie. Wer was anderes wollte, musste raus. Mitte der 1980er war jedoch hinter den sieben Bergen die Botschaft „Kultur für alle“ angekommen. Also, Neustart einer alten Tradition, aber mit zeitgemäßen Mitteln. Dafür zog man am Kabelstrang die neuen künstlerischen Medien Performance und Video, Fotografie herbei und holte für deren Vermittlung in ihren Vierzigern stehende Künstler, die ein Werk vorweisen konnten, ein international beachtetes zumal. Mit der Video- und Performancepionierin, der Beuys-Schülerin Ulrike Rosenbach, und dem Heerich-­ Schüler und wie Rosenbach 1977 „documenta“-Teilnehmer, dem Plastiker Wolfgang Nestler, s­ owie mit dem Graubner-Schüler Bodo Baumgarten hatte man sie gefunden. Baumgarten gab der Farbe einen Körper und ging mit raumgreifender Malerei über den angestammten Rahmen als


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Das Per formance - Duo Stoll & Wachall

Two is a Company

Porträt Jacqueline Wachall und Klaudia Stoll

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Foto: Konrad Tiefenbacher

Trafen sich zwei am Nordpol und zogen von da an gemeinsam weiter. Wenn man eng zusammenrückt, spürt man weniger die Kälte und ist bereit, es mit der ganzen Welt aufzunehmen. Jedenfalls demjenigen Teil, der sich wie für das Duo Stoll & Wachall um die Kunst dreht. Fern wie der Nordpol, so einst die Worte der Beuys-Schülerin, „documenta“-Teilnehmerin und Performance-Pionierin Ulrike Rosenbach, sei ihr von Köln aus die Stadt Saarbrücken am südwestlichen Rand der Republik vorgekommen. Es bestand Nachholbedarf in Sachen Video und Performance, sowohl für das Publikum als auch die Studierenden, die wie Klaudia Stoll aus Rastatt und Jacqueline Wachall aus Saarbrücken hierin ihre Medien und ihr Thema fanden. Das war auch dann noch aufregend, aufgeladen mit einer düsteren Sehnsucht nach etwas, was unter der Oberfläche lag, als die bereits als Rosenbach-Schülerin erfahrene Performerin Stoll mit der im Atelier von Bodo Baumgarten dem Körper mit und aus Farbe auf die Spur gesetzten Malerin Wachall 1999 mit „Rosa Munde“ einen ihrer ersten gemein­ samen Auftritte hatte. Darin lag bereits das, was bis heute ihre seitdem zusammen entwickelten Performances, Videos und Aktionen bestimmt: Der ins Publikum gehaltene Spiegel als Wendung zum Gegenüber, ob Partnerin oder Publikum, die Lust am Verkleiden, eine die Szene fassende Klangkulisse, ­damals geliefert durch über den Boden schabende metallene Reifröcke, und das Vertrauen in den Zauber des Halbdunkels des aus der Zeit gehobenen Augenblicks. Seitdem zogen Stoll &Wachall viele, viele Kleider über und Perücken auf, stiegen in Schuhe mit gefährlich hohen Hacken, um damit das Röcheln der aufgespießten Orangen und das raue Kratzen der über den Boden kullernden Erdbeeren freizulegen. Dabei sind immer vier Füße im Einsatz. Nie mehr allein, immer zu zweit. Dabei blieb es, seit man sich 1997 fand

und in einer Legierung aus Freundschaft und Pragmatismus zum Duo verschmolz. Allein ist es schwerer, sich aus dem ­vertrauten Umfeld zu lösen, um in Berlin neu anzufangen, oder Tanzworkshops bei kapriziösen Choreografen durchzustehen. Vor allem aber fällt es leichter, gemeinsam etwas zu ­ent­w ickeln, indem man daheim stundenlang, tagelang gemeinsamen Ideen folgt, tanzt, posiert, Requisiten und Kleider probiert, gefundene Abläufe wieder verwirft, um am Ende als „außerirdische Frauen, die Begleitmusik fürs vergangene ­Jahrhundert“ zu machen. Oder um als doppeltes Lottchen in Gestalt „Miss Beauty“ (2000) oder in „Dream Stereo“ im Glitzerkleid Bauch und Po zu ­zeigen, sich in der mit dem Publikumspreis des von Saar Ferngas ausgelobten Kunstpreises „mit allen Fingern durch die Augen“ im Video zum Pas de deux mit Armen und Händen zu ver­keilen. Mit der Zeit steigerte sich der Materialaufwand beträchtlich und wuchs in der Videoinstallation „Private Collection“ (seit 2004), in der sich das Duo in immer neue Posen und Masken zwang, die sie der Porträtmalerei der Renaissance abgewann. „Deshalb machen wir nur noch Performances vor der Videokamera“, erklärt das Duo und schneidet fortan das durch Improvisation gewonnene Rohmaterial und legt Ton darunter. Darin steckt immer noch alles, was sie in ihrem Studium gelernt und als Motive in ihren ersten gemeinsamen Performances einsetzten. Alles da, nur anders, freier, unverkrampft, komisch und sinnenfroh. Da gurrt in „The Future is golden“ (2005) aus dem Spiegel heraus ein aufs Haupt gesetztes Goldtäschchen von Gucci und sagt mehr über weibliches Rollenverhalten als ein Aufschrei der gequälten weiblichen Performerinnenseele, den man einst in Saarbrücken per Performance kultivierte. Formal ist bei Stoll & Wachall die dreiteilige Struktur geblieben, die zuerst Gegensätzliches in Folge zeigt und dann in einem dritten Schritt dessen Verbindung schafft. Aber nicht die Themen. Nein, sie wolle sich nicht mehr die „volle Dosis Leid und Diskriminierung“ ansehen, sagt Klaudia Stoll. Es falle ihr mittlerweile schwer, Performances anzusehen, bekennt Jacqueline Wachall, für eine Performerin soweit ungewöhnlich. „Der Blick hat sich verändert“, erklärt sie dazu. Die Performance, wie sie beide sie bei Ulrike Rosenbach an der Hochschule der Bildenden Künste Saar gelernt hatten, habe sich für sie überholt. Die Frau auf dem Weg von der allseits bedrängten zur magisch-mythischen Erscheinung sei das Thema ihrer Lehrergeneration gewesen, sagen beide. Ihres nicht mehr, sodass sie völlig unverkrampft in „Amore Mio“ (2005) weibliche Rückseiten zur Musik wippen lassen und mit einer allem Sexismus die Spitze nehmenden Pointe krönen. Der Kopf ist hier bewusst im A..., denn so wenig die Installationen, Videos und Performances der beiden Kopf­ geburten sind, so wenig sind sie kalkuliert oder als blanke


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Ausschnitt aus dem Video „Amore mio“ (2005), Video gezeigt in der Stadtgalerie Saarbrücken Foto: Stoll & Wachall

© VG Bild- Kunst, Bonn 2014

Provokation gedacht. Als beide mit einer Luxemburger ­D elegation bei der Weltausstellung in Shanghai 2010 ihre ­P erformance „I give you my heart“ aufführten und dabei ­pochende Herzen auf die Brust einiger Zuschauer projizierten, sorgte das für Aufruhr: Zu viel Offenherzigkeit gegenüber ­i ntimen Dingen brach ein Tabu, das beide im Grunde zwar ­a ntasten, aber nie brechen wollten. Nie nackt, nicht brutal oder verletzend, das würde das Duo um alles bringen, was es ausmacht. Denn Stoll & Wachall lüften nur die Hüllen, die Masken, die den Körper umgeben, und parodieren die Posen, in die er gezwängt wird. Dafür brauchen sie notwendig immer diesen Aufwand und Putz an Flitter, Gold, Stoffen, Perücken, Ketten, Glitzerklamotten, Stöckelschuhen, um die Auffor­ derung ihres Videos „Control your body“ mit wedelnden Puscheln in Szene zu setzen und zugleich zu entlarven. Nur nackt und reglos wäre da zu wenig, nur Kopf, nur Krampf und zu wenig Lust am Spiel und der Bewegung. Dass ihre Videos in Tanzstücken der einst am Staatstheater

Saarbrücken etablierten Donlon Dance Company oder im Theater Luxemburg auftauchen, versteht sich daher wie von selbst. Stoll & Wachall schaffen die Bilder, überzeichnen sie, auf dass andere, ob Choreografen und Tänzer, damit weiterspielen mögen. Das kann aber auch jeder, der es mag. In ihrer aktu­ellen Aktion und Performance verbindenden Interaktion „Ping Pong“ steckt 100 Prozent Stoll & Wachall drin: Hüllen, Perücken und ein Duo, das in der Maske von Erkennungsdienstlerinnen den Tatort sichert und gemeinsam mit immer neuen Mitspielern zusammensitzt, und man nun zu dritt recht sehenswerte Zeichnungen improvisiert. Hör mal auf dein Herz, dein Körper wird folgen und du wirst dich kennenlernen. SABINE GRAF

Ausschnitt aus dem Video „High Heel Obsession“ (2012), 1- Kanal- HD -Video, 16:9, Länge 30 Min.

www. stoll-wachall. de

Foto: Stoll & Wachall

© VG Bild- Kunst, Bonn 2014


Die M edienkünstlerin Leslie Hupper t

Es war einmal in Zeit und Raum Es war einmal hinter den sieben Bergen in einem kleinen Land, das zwar Gemälde und Skulpturen kannte, dem aber fremd war, was direkt im Raum geschah oder als Verlauf in der Zeit auf einem Monitor lief. Video, Performance, Internetkunst, das, was man vor Jahren „neue künstlerische Medien“ nannte, war etwas Fremdes und zugleich Wunderbares, das mit der

Gründung der Hochschule der Bildenden Künste Saar 1989 in Saarbrücken eindrang. Das Fremde bekämpfen oder es sich einverleiben? Leslie Huppert buk sich einen Computer aus Teig und aß ihn einfach auf, festgehalten auf Video, abgespielt in der zum Ausstellungsraum erklärten Küche eines Mitstudenten, umringt von auf Stühlen und Schränken liegenden


SABINE GRAF

www. leslie-hupper t. de

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Foto: Tom Gundelwein © VG Bild- Kunst, Bonn 2014

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Aufnahme der Wandinstallation „Hope -1“ in der Stadtgalerie Saarbrücken, November 2013

Kittelschürzen, denen sie Motive von Rotkäppchen und dem Wolf aufgemalt hatte. Wer war nun das gefräßige Monster? Sie war es selbst, die sich diese Weltverarbeitungsmaschine einverleibte und fortan Bilder aufsaugte und wieder ausspuckte. Ein Bild war zu wenig, viele mussten es sein, was in ihrer Malerei auf die Arbeit in Folgen und Serien hinauslief. Noch traute Leslie Huppert ihrem Gehilfen nicht ganz und entschied sich in ihrem Diplom „The Robe“ (1997) für ein Riesenkleid als handgreifliche Projektionsfläche. Daran ­heftete sie die von Freunden und Fremden erbetenen Lieblings­ kleidungsstücke samt zugehöriger Geschichte. Doch je mehr sich dieses Geflecht zwischen Dingen und Menschen, etwa in dem Malerei und Video verbindenden Projekt „Virtual Iden­ tity“ (1999), ausspannte, desto mehr drängte der Aufbruch in die Welt, ob digital oder analog. Eine Reisende war Leslie Huppert längst, als sie 1990 ihr Studium im Malatelier von Bodo Baumgarten und in der Medienklasse von Ulrike Rosenbach begann: Geboren im Saarland, aufgewachsen in Berlin, schon als Jugendliche auf Reisen durch Asien, zuletzt mehrere Jahre in Neuseeland und Australien, dann zurück zum Studium nach Saarbrücken, zu den Wurzeln, um über sie 2009 auf Tour mit dem international besetzten „Art Caravan“-Projekt durch Indien oder bei einem Stipendienaufenthalt in Afrika und immer wieder auf Reisen durch Asien hinauszuwachsen. Aber auch wie die Spinne im Netz hocken und sich über den Rechner aus allen Weltzonen die Kunst anderer als digitale Datenmenge schicken lassen und sie dann gemeinsam mit Kollegen zu realisieren, das war der Anspruch von „Virtual Mine“ (2000), der in dem erneut mit Kollegen umgesetzten Projekt „Virtual Residency“ (2007) über das Wechselverhältnis von Migration in Europa seine Fort­setzung fand. Allesamt Vexierspiele zwischen handfester Malerei und Videoprojek­ tion, zuletzt in Gestalt der mit ihrer Kollegin Claudia Brieske erarbeiteten Projektion auf der Burgfeste Dilsberg am Neckar „Virtual Borders – Travelling lightly (2012). Oder sie schlägt den anderen Weg ein, geht hinter die Grenze und suchte jüngst den Zustand der Unfreiheit, den Mangel an Mög­ lichkeiten, um dabei in einem Projekt mit Insassen der Saarbrücker Haftanstalt die noch hinter diesen Mauern keimen­de Lebenslust zu entdecken. Mitunter sind es nicht nur fiktive Geschichten, sondern echte, auf ihren Reisen mit­ geschnittene Erzählungen vom Verlust der Familie, des Lebensumfeldes, der Willkür, bedingt durch religiöse oder persönliche oder von Gewalt dominierte Konf likte, die in ­i hren Bildern zurückkehren. Zeit und Raum werden dabei selbst zum Gegenstand des Bildes. Darin liegt ein kraftvolles Bekenntnis zur Malerei, die Zeit und Raum fassen kann, und zur Medienkunst, die von beidem bestimmt ist. „Es ist eine Mischung aus teilweise dramatisch ­dar­gereichter Fiktion und pragmatisch erzählter Realität, eingebunden in Wandmalerei“, beschreibt Leslie Huppert ihre Malerei und Videokunst verbindenden Projekte. „Mir war wichtig“, fügt sie hinzu, „das Ganze beiläufig als In­stallation zu präsentieren. Ich denke, es setzt sich keiner stundenlang vor einen Monitor und hört sich Geschichten an. Daher wollte ich, dass man im Vorbeigehen etwas aufschnappen kann und kurz verweilt, so wie im richtigen Leben.“


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Sigrún Ólafsdót tir

Von Geheimnissen … Illusionen

Porträt Sigrún Ólafsdóttir

Island ist eine Insel in Bewegung, geprägt von Vulkanen, Geysiren und Gletschern, und sie verändert sich ständig durch Erosion oder durch das Entstehen neuen Landes – wie 1963 bei der Insel Surtsey. Und es ist ein Land, in dem mythische ­Wesen noch immer eine große Rolle spielen: Gelegentlich werden Straßen umgeleitet, weil Kundige in der geplanten Streckenführung Kräfte gespürt haben, die auf eine Behausung von Elfen hindeuten. Die Freude an der Beschäftigung mit der Bewegung, an Veränderung und am Aufspüren von Kraftfeldern hat Sigrún Ólafsdóttir, 1963 im isländischen Reykjavík geboren, aus ihrer nordischen Heimat nach Saarbrücken mitgebracht. Dorthin folgte sie Wolfgang Nestler, dem zweifachen „docu­menta“Teilnehmer, der in Island Gastprofessor gewesen war und 1990 eine Professur an der Hochschule der Bildenden Künste Saar antrat. Nestler war genau der richtige Lehrer für ­Ólafsdóttir, denn auch seine Themen sind Gravitation und Balance. In den frühen 1990er-Jahren fand man noch eine an­ dere Reminiszenz an das seefahrende Volk der Isländer in den Werken der Künstlerin: Ihre Plastiken erinnerten an ­Boote, an Kajaks und Kanus, „angelandet“ jedoch und auf ­einer ­schmalen Bodenfläche ausbalanciert. Noch heute vermitteln manche der filigranen Konstruktionen Ólafsdóttirs gelegentlich die Anmutung von Schiffskielen oder Bootsspanten, wirken ihre Schwünge wie die elegant ­geblähter Segel. Doch Sigrún Ólafsdóttirs Skulpturen und Zeichnungen w ­ aren nie abbildlich gemeint. Sie zählen mit ihrer Konzentration auf die reine Form zur konkreten Kunst, auch

Foto: Sigurgeir Sigurjónsson

wenn sie ihre Faktur nicht immer preisgeben. Das gilt zum Beispiel für eine relativ junge Gruppe von Werken, in denen die Künst­lerin kurvige, zuweilen nach Art von Möbiusbändern verschlungene Holzkonstruktionen ganz oder teilweise mit Latex überzieht und so den Betrachter, der möglicher­ weise von der vorausgegangenen Werkgruppe frei hängender, geknoteter Latexbahnen ihr Spiel mit der Schwerkraft noch im Kopf haben mag, vor die Frage stellt, wie denn das elastische Material in durable Form zu bringen war. Natürlich ist der Grund leicht festzustellen, aber Sigrún Ólafsdóttir insistiert mit den gummiüberzogenen Holzarbeiten darauf, dass auch die scheinbar so offenliegende, durchschaubare konkrete Kunst zum einen Geheimnisse, zum anderen ebenso wie die gegenstandsbezogene Kunst Illusionen transportieren darf – selbst Frank Stella hat sein vielzitiertes „What you see is what you see!“ in seinem Spätwerk längst überwunden. In Sigrún Ólafsdóttirs Werken verbinden sich ein nicht ganz entschlüsselbarer Anteil mit einer nie in die Nähe des Kunstgewerblichen geratenden Eleganz. Denn immer ist auch eine gewisse Widerspenstigkeit spürbar, die sich dem umgebenden Raum entgegenstellt, vor allem in den Arbeiten für öffentliche Gebäude und Plätze. Am deutlichsten wird dieses Moment vielleicht bei dem großen, rund 15 Meter von der ­D ecke ins Foyer der Vertretung des Saarlandes in Berlin ­hängenden Mobile aus Holz. Die umgebende, auf Rechtecke reduzierte, recht kleinteilige Struktur des Baus zeigt sich ­jedem künstlerischen Eingriff gegenüber eigentlich widersetzlich. Daher entschloss sich Ólafsdóttir die bis dahin bei vergleichbaren Arbeiten spiralig nach innen gedrehten


Anders als viele ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen an der HBKsaar ist sie nicht der Verlockung gefolgt, nach Berlin überzusiedeln, und sie begründet das mit den Worten: „Man wechselt keine Umgebung, nur um sie zu wechseln.“ Denn vor allem hat sie Pläne in dieser und für diese Region: eine „Moselbrunnen“ betitelte Großskulptur etwa. Besonders hängt ihr Herz aber an einem Projekt für die Stadt Saarbrücken: eine Brücke, die sie entwarf, und die – eleganter noch als Norman Fosters Millennium Bridge über die Themse nahe der Tate Modern in London – das Regierungsviertel auf der Alt-Saarbrücker Seite mit der sogenannten „Kulturmeile“ aus Staatstheater, Musikhochschule und Moderner Galerie in St. Johann verbinden soll. Natürlich fehlt auch diesem ­E ntwurf nicht Sigrún Ólafsdóttirs charakteristische Widerspenstigkeit, denn sie weiß sehr wohl, dass die von der Politik für Saarbrücken angestrebte „Stadtmitte am Fluss“ ein ­P rojekt voller Kontroversen ist.

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E R N E S T W. U T H E M A N N

bis 31. Juli 201 4 Auf br uch + Umweg Landtag des Saarlandes, Saarbr ücken w w w . s i g r u n - o l a f s d o t t i r. d e

Wettbewerbsbeitrag „Stadtmitte am Fluss“, 2008, z weifeldrige Stahlbogenbrücke (110 m Länge, 66 m Spannweite, 15 m Bogenhöhe)

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­ ormen nun wie Stacheln nach außen zu kehren, als bewusst F aggressiven Kontrapunkt, der aber die Anmut der Plastik ­dennoch nicht einschränkt. Und auch hier wird wiederum das „Generalthema“ dieser Kunst angestimmt: virtuelle und tatsächliche Beweg ung, Betonung und Negation der Schwerkraft. Die große Zahl an öffentlichen Aufträgen, mit denen Sigrún Ólafsdóttir inzwischen bedacht wird, spiegelt die hohe Wertschätzung ihrer Arbeit. Neben staatlichen Stellen und Gemeinden sind es Banken und Firmen, die sich Werke für ihre Gebäude und Freiflächen wünschen. Diese Art der Anerkennung genoss die mittlerweile 50-jährige Künstlerin nicht immer. Sie musste einen oft steinigen Weg zurücklegen, auf dem sie hart für das Lebensnotwendigste zu kämpfen ­hatte, obwohl die Zahl jener, die im Saarland (und auch außerhalb) ihre Arbeiten wie auch die Künstlerin selbst schätzten, nicht gering war. Sigrún Ólafsdóttir mag am Saarland die Überschaubarkeit und die kurzen Wege, obwohl sie deren Nachteile durchaus auch wahrnimmt; sie vergleicht diese Eigenschaften mit denen ihrer Heimat Island. Sie schätzt dort etwa die Ruhe des Landes, auch wenn diese in ihren Augen gelegentlich durchaus die vorhandene Dynamik übertüncht. Sie lobt am Saarland auch die Arbeitsbedingungen: die traditionell der Kunst offene Dillinger Hütte, die etwa auch Richard Serras Werke fertigt, und kunstsinnige Schlosser vor Ort, die mit großem Engagement helfen, ihre Vorstellungen in Stahl umzusetzen. Sie hat ihren Sohn, der ihr mittlerweile bei der Arbeit sehr hilfreich ist, in diesem Land großgezogen, und sie liebt ihre vielen Freunde.


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Gregor Hildebrandt

Ein Koffer aus Berlin

„Gesundbrunnen“, 2009, Kassettentapeband auf Leinwand, 364 x 364 cm

rechts: „Ein Lied von Wiederkehr (weit draußen auf dem blauen Meer – I. Caven)“, 2011, Kassettentapeband auf Leinwand, dreiteilig, 271 x 522 cm, Saarlandmuseum Saarbrücken

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© Gregor Hildebrandt

Wie so viele Künstler lebt auch Gregor Hildebrandt längst in Berlin. Spricht man ihn aber auf seine Heimat an, antwortet er in liebevoll nostalgischem Ton: „Im Saarland kam ich das ­erste Mal mit Kunst in Berührung. Als Kind war ich häufig im Saarlandmuseum und bin mit den Bildern dort groß ge­ worden. Ich erinnere mich noch genau, wie ich vor Max Beckmanns ‚Messingstadt‘ stand oder wie ich versuchte, bei dem Gemälde ‚Badende im Raum‘ von Ernst Ludwig Kirchner die Details hinter dem spiegelnden Glas zu entdecken.“ Als Jugendlicher nahm er an den Sommerakademien von Francis Berrar teil, absolvierte Bühnenbildassistenzen bei Thomas Gruber und kam so in Kontakt mit der saarländischen Künstlerszene, was bis heute andauernde Freundschaften hervorgebracht hat. Besuche der einschlägigen Saarbrücker Kunstinstitutionen – neben dem Museum zählen hierzu die Stadtgalerie Saarbrücken und das Saarländische Künstlerhaus – wurden für Hildebrandt zum Programm. Unter dem Namen „Splitter“ tat er sich Anfang der 1990er-Jahre mit den Künstlern Johannes Lotz und Christian Köhler zusammen. Ihr Treffpunkt war eine zum Selbsthilfeatelier umfunktionierte Wohnung, in der sie malen konnten. Ein eigenes künstlerisches Profil entwickelte Hildebrandt aber erst während seines Studiums der Malerei, für das er 1995 nach Mainz zog. Dort begann er, mit Kassettenbändern zu experimentieren. Diese bespielte er mit zu seinen Gemälden passender Musik, ­zerschnitt und klebte sie in sein Skizzenheft. Mittlerweile hat sich der 39-Jährige mit seiner Kunst aus Ton- bzw. ­V i­d eokassetten und den dazugehörigen Bändern sowie Schallplatten international etabliert.

Die spätestens seit der Dominanz des Digitalen veralteten und mittlerweile kultträchtigen Medien werden von ­H ildebrandt vielseitig verwendet: Neben Fußböden aus ­K assettengehäusen, Vinyl-Säulen und „Vorhängen“ aus ­V ideotapes, die Häuserfassaden umspielen, ist er vor allem ­bekannt für seine mit Tonbändern beklebten Leinwände. Die Bildtitel geben meist Auskunft über das jeweilige Stück, das sich auf den Tapes befindet, und offenbaren die vielfältigen musikalischen Vorlieben des Künstlers, die von Punk über Rock bis zum Chanson reichen. In seinen von dunklen ­F arb­tönen dominierten Werken, die aus der Entfernung an die ungegenständliche Malerei der Minimal Art erinnern, ­überführt Hildebrandt so die zeitgebundene Musik in die raumgebundene bildende Kunst – hören kann man die Klänge nur noch in der eigenen Imagination. „Wenn man ehrlich ist, dann übt die Herkunft natürlich Einfluss auf die eigene Arbeit aus. Schon Goethe wusste: ‚Wer den Dichter will verstehen, muss in Dichters Lande ­gehen.‘ Und Georg Baselitz fragte seine Studenten immer nach ihren Wurzeln. Er selbst hat sich ja auch nicht ohne Grund nach seinem Geburtsort Deutschbaselitz benannt“, ­erwidert Hildebrandt auf die Frage, inwieweit ihn das Saarland künstlerisch geprägt habe. Eine Arbeit verbindet der Künstler besonders mit seiner Heimat: Das dreiteilige Bild „Ein Lied von Wiederkehr (weit draußen auf dem blauen Meer I. Caven)“ von 2011 ist komplett mit Kassettentonbändern beklebt. Der Titel entstammt einer Zeile des bekannten Chansons „Die großen weißen Vögel“ von Ingrid Caven. Dieses hörte Hildebrandt 1992 zum ersten Mal in Wadgassen bei


dem saarländischen Fotografen Peter Baus. Baus überspielte dem damals 18-Jährigen das Lied, das ihn seitdem begleitet, auf Kassette. Die einzelnen Bänder auf dem Gemälde, die in horizontalen Streifen über die Leinwand verlaufen, bein­ halten ausschließlich besagten Song. Fällt Licht auf die Oberfläche, löst sich das monochrome Schwarz auf und im Schimmer zeigen sich verschiedene dunkle Töne von Grau bis Braun – ein Effekt, der auf der Kombination verschiedener Tonbandtypen beruht. Durchbrochen werden die dunklen Streifen von weißen Punkten und kurzen hellen Linien; die einen markieren das Ende des jeweiligen Liedes, die anderen bilden das Endstück eines Tonbandes. Ihn erinnerten diese hellen Punkte und Striche an Lichtref lexe auf dem Wasser oder an die weißen Vögel aus dem Lied, so Hildebrandt. Ingrid Caven, die seit vielen Jahren in Paris lebt und in Frankreich eine gefeierte Sängerin ist, stammt übrigens auch aus Saar­ brücken. So erscheint es nur konsequent, dass das Bild letztes Jahr vom Saarlandmuseum angekauft wurde – zumindest für den Künstler gibt es keinen passenderen Ort. Hildebrandts Wunsch nach einer eigenen Ausstellung in der Heimat konnte 2012 im Saarländischen Künstlerhaus

mit der Schau „Ein Koffer aus Berlin“ realisiert werden. Passend zum Ausstellungstitel zeigt er uns in einigen seiner Arbeiten auch den Einf luss neuer Umfelder auf. So zum ­Beispiel in der Leinwand „Gesundbrunnen“, deren verschiedenfarbige Kassettentapes das geometrische Bodenmuster des gleichnamigen Berliner Bahnhofs übernommen haben. Diesen überquerte Hildebrandt früher regelmäßig auf dem Weg von seiner Wohnung zum Atelier. Der Sound auf den verwandten Bändern beinhaltet die originale Geräuschkulisse des Ortes selbst. Ob Gregor Hildebrandt jemals dauerhaft ins Saarland zurückkehrt, weiß er nicht. Aber er weiß, dass es ihn immer wieder in seine Heimat ziehen wird – allein schon wegen der Familie, des „Bettseichersalats“ oder der Erinnerungen an ­seine künstlerischen Anfänge. LINA SCHEEWE

w w w . g r e g o r h i l d e b ra n d t . c o m


Katja Strunz

Raum und Zeit

Im Garten der Modernen Galerie des Saarlandmuseums begegnen wir zwei Skulpturen von Katja Strunz. Aus mehrfach gefaltetem und lackiertem Stahl tragen sie die Handschrift, mit der die Künstlerin in den letzten Jahren international Wiedererkennungswert erlangt hat. 2010 hat sie die Arbeiten für ihre erste museale Einzelausstellung in der Heimat geschaffen. Heute lebt Katja Strunz in Berlin. Geboren ist sie jedoch 1970 im saarländischen Ottweiler und ihre ersten sechs Lebensjahre hat sie in Uchtelfangen, einem kleinen Ort 25 km nördlich von Saarbrücken, verbracht.

Zur Bildhauerei kommt Katja Strunz über die Lust am Denken. In Mainz beginnt sie zunächst ein Studium der G ­ eschichte und Kunstgeschichte, dann der Philosophie und Kunst. 1993 wechselt sie an die Staatliche Akademie nach Karls­r uhe. ­Philosophische Fragen und historische Referenzen spielen eine entscheidende Rolle für ihr künstlerisches Werk. Da sind zum einen Arbeiten aus Papier, in denen die Künstlerin Vorgefundenes einer Bearbeitung unterzieht. Für die Serie Yesterdays Paper’s (2002) hat sie aus historischen ­B üchern komplette Seiten gelöst und durch minimale


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links: Katja Strunz, „Tellurischer Riemen“, 2013 Ausstellungsansicht Berlinische Galerie Foto: Matthias Kolb, © Katja Strunz 2014

Katja Strunz, „Einfall“, 2010 573 x 88 x 65,5 cm, Stahl, Farbe Saarlandmuseum Saarbrücken Stiftung Saarländischer Kulturbesitz Foto: Uwe Bellhäuser © Katja Strunz 2014

Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein bloßes intellektuelles Spiel. Katja Strunz ist Bildhauerin. Im handfesten Umgang mit dem Material schafft sie konkrete Werke für den realen Raum. Und nur in der körperlichen Begegnung mit ihrem Werk lässt sich erfahren, wie leicht sich Stahl in die Luft er­ heben kann und wie die Zeit stockt, wenn ein Uhrkasten fällt.

K at ja St r un z’ näch s te Ein z elau ss tellunge n : 16. August bis 20. September 201 4 A n d e r s e n’ s , K o p e n h a g e n w w w . a n d e r s e n s c o n t e m p o ra r y . d k 2 7. S e p t e m b e r b i s 1 5 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Galer ie Nikolau s R u zicska, Sal zburg www. r u zicska. com www. kat jast r un z . com

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S T E FA N I E B R I N G E Z U

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Setzungen im Bleisatzdruckverfahren neu definiert. In späteren Papier­arbeiten werden Bildern mit chirurgischer Präzision Splitter entnommen. Dabei entstehen Leer- und Fehlstellen, die zu ­einer neuen Befragung des Ursprungsmediums als Bildträger einladen. Die Fragmente fügen sich in Collagen wiederum zu neuen Konstellationen, wodurch die papierene Fläche eine räumliche Qualität gewinnt. Auch in vielen ihrer dreidimensionalen Arbeiten ­behandelt Katja Strunz das Material wie Papier. Stahlblech wird geschnitten, spitzwinklig gefaltet und verdichtet. Dabei wird Raum vermessen und neu konstruiert. Wie die colla­ gierten Splitter auf das Format des Blattes, reagieren die Skulpturen meist ganz konkret auf den Ausstellungsraum. Sie gruppieren sich in Ecken oder entfalten sich an der Wand. Auf spitzen F ­ üßen treten sie aus der Fläche in den Raum und scheinen sich jeden Moment wieder zusammenfalten zu ­können. Die 2013 für die Ausstellung „Drehmoment“ in der Berlinischen ­Ga­lerie entwickelte Arbeit Tellurischer Riemen hat alle ­t ek­t onische Autonomie aufgegeben. Als vielfach ­g efaltetes Stahlband hängt sie, von einem an der Decke ­gespannten Seil gehalten, in den Raum hinunter. Der Titel der Installation b ­ ezieht sich auf Paul Virilios Gedanken zur Verdichtung des Raums durch die zunehmende Beschleunigung der Fortbewegung. Durch die Werk- und Ausstellungstitel werden die ­A rbeiten sprachlich im Kontext philosophischer Theorien über das Verhältnis von Raum und Zeit verortet. Darüber hinaus arbeitet die Künstlerin mit vom Gebrauch gezeichneten Objekten und somit ganz konkreten Bildern für die Zeitlichkeit. Immer wieder begegnen wir Weckern und Uhren. Als Zeitmesser sind sie jedoch funktionsuntüchtig, die Gläser sind gesprungen, die Zeiger und Gewichte verloren gegangen. Uhrfedern ringeln sich in den Raum, riesige Ziffernblätter werden zum Material für Faltungen. Bei der kinetischen ­A rbeit Crack Initiation Testing (2012) werden tote Wanduhrgehäuse lautstark der Schwerkraft ausgesetzt – noch bis zum 31. August in der Ausstellung „Vanitas. Ewig ist eh nichts“ im Berliner Georg Kolbe Museum. Die geschichtliche Dimension der Zeit wird zum ­T hema, indem die Werke unser kollektives Bildgedächtnis ansprechen. So tritt die Inkunabel der Moderne, Malewitschs Schwarzes Quadrat, als Würfel aus der Wand, und El Lissitzkys Proun-Raum lässt grüßen. Mit inhaltlichen und formalen Referenzen auf den Konstruktivismus und die Minimal Art zeigt die Künstlerin das Nachleben der Kunst der Moderne und befragt deren Prinzipien auf ihre Gültigkeit unter den Bedingungen der Gegenwart.


500 Skulpturen für den Frieden

5.500 km quer durch Europa

DAS MUSEUM IM GRÜNEN KREIS

MUSEUM SCHLOSS FELLENBERG -Torstrasse 45A . 66663 Merzig Tel.: 06861 793 030 . Fax: 06861 793 032 info@museum-schloss-fellenberg.de www.museum-schloss-fellenberg.de -Öffnungszeiten: Di-So, Fei 14.00-17.00 Uhr und nach Voranmeldung

2014 – Zum „Europäischen Erinnerungsjahr“, das bundesweit begangen wird, steht das Museum St. Wendel im Herbst ganz im Zeichen des Friedens. Gemeinsam mit dem Verein „Europäische Skulpturenstraße des Friedens“ veranstaltet das Museum in den Monaten September und Oktober Aktionen zu der Verwirklichung einer Skulpturenstraße, die als Zeichen der Völkerverständigung gedacht ist. Seit Jahrzehnten wird daran unermüdlich gearbeitet. Mittlerweile stehen auf einer Länge von 5.500 km fast 500 Skulpturen. Im Museum „erinnern“ wir uns mittels Filmvorführungen, Konzerten, Performances, Lesungen, Vorträgen und Gesprächsrunden mit einzelnen Künstlern/innen. Für Kinder werden Malworkshops und ein Fotowettbewerb angeboten.

Info: Museum St. Wendel / Mia Münster-Haus / Wilhelmstraße 11 / 66606 St. Wendel 00 49 6851 809 1945 / museum@sankt-wendel.de / www.museum-wnd.de Verein Skulpturenstraße des Friedens / Werschweilerstr. 14 / 66606 St. Wendel 00 49 6851 80 60 808 / mail@strasse-des-friedens.de / www.strasse-des-friedens.com

15. Juni bis 12. Oktober 2014

Les petits soldats de Strasbourg

Papiersoldaten

und die Festungsanlagen von Vauban

Sonntag, 7. September 2014, 14 Uhr Pferde, Artistik und Musik Stadtgarten und Vaubaninsel

MUSEUM HAUS LUDWIG

FÜR KUNSTAUSSTELLUNGEN SAARLOUIS

Kaiser-Wilhelm-Str. 2, 66740 Saarlouis, Tel.: 06831/128540, www.museum-haus-ludwig.saarlouis.de

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simon pfeffel parsing behavior

3.8. – 6.9. 2014

galerie burster

eröffnung samstag 2.8. 2014 von 18–21 uhr performance türen schließen #3 + samstag 6.9. 2014 von 18–21 uhr performance volition #5

kurfürstendamm 213 10719 berlin www.galerieburster.com


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M einrad M aria Grewenig – UNESCO -Weltkulturerbe Völklinger Hüt te

„Alles, was wir hier tun, ist Intervention.“ Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des UNESCO -Weltkulturerbes Völklinger Hütte, Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur Foto: Weltkulturerbe Völklinger Hütte / Wolfgang Klauke

Das ehemalige Völklinger Eisenwerk war stets ein Ort der Zahlen und immer auf Erfolg programmiert: 1873 als Stahlwerk gegründet, doch wegen mangelnder Rentabilität ein paar Jahre später geschlossen. 1881 erwarben die Brüder Röchling, Kaufmänner aus Saarbrücken, die Anlage, bauten sie aus und machten den Superlativ zur Pf licht: Mehr Menschen, mehr Hochöfen, mehr Eisen. Hier schlug das Herz der Region, das erst in der Folge der Stahlkrise 1986 erkaltete. Die Anlage – veraltet, eingepfercht zwischen der Stadt Völklingen, dem Bahnhof und der Saar – war nicht mehr zu erweitern, um im Wettbewerb zu bestehen. Alles blieb beim Alten und schien zunächst ein Nachteil, der sich bald jedoch als unschlagbarer Vorteil erwies: 1994 wurde die gesamte Anlage als erstes Industriedenkmal überhaupt in die Liste der ­U NESCO-Weltkulturerbe-Stätten aufgenommen. Denn in Völklingen zeigte sich mustergültig, wie im frühen 20. Jahrhundert Eisen hergestellt worden war. Doch erst seit 1999, mit der Gründung des Europäischen Zentrums für Kunst und Industriekultur, an dessen Spitze seitdem der Kunsthistoriker und Museumsmann Meinrad Maria Grewenig steht (1992 bis 1999 Direktor des Historischen Museum der Pfalz in Speyer), öffnet sich der Ort verstärkt für das Publikum. Die ganzjährig zu besichtigende Anlage durchziehen Besucherwege, begleitet von künstlerischen Eingriffen, ob durch das Duo Eva & Adele im Bereich der Kokerei oder die nächtliche Beleuchtung der Hütte nach einem Entwurf des Licht- und Klangkünstlers Hans Peter Kuhn. Und immer wieder laden auch große Ausstellungen in der Gebläsehalle den Ort mit neuer Bedeutung auf: „InkaGold“, „Die Kelten – Druiden. Fürsten. Krieger.“, die „Generation Pop!“ und demnächst „Ägypten – Götter. Menschen. Pharaonen.“ waren und sind hier Thema. In der ehemaligen Völklinger Hütte, seit nunmehr 20 Jahren UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte, schlägt weiter das Eisenherz und bringt Leben in die Anlage.

ARTMAPP: Gibt es eine Jahreszeit, die Sie im Weltkulturerbe Völklinger Hütte besonders schätzen? Meinrad Maria Grewenig: Ja, das ist der Herbst. Dann ist die Hitze vorbei, die Luft wird würzig. Die Farben werden ganz, ganz bunt, sowohl im „Paradies“, unserem auf dem G ­ elände der Kokerei 2009 eingerichteten Industrieland­schafts­garten, als auch an allen Stellen der ­A nlage, an denen sich wieder Vegetation angesiedelt hat. Gerade im Zusammenspiel mit dem Braun und Grau der alten Maschinen ist das sehr, sehr aufregend. ARTMAPP: Alles leuchtet, auch der Rost. Ihn in Schach zu halten und den Verfall zu verhindern, das kostet Geld. Er hat aber auch einen großen Wert. Worin besteht er für Sie? MMG: Der Rost im Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist im Grunde Ausdruck der Emotion des ganzen Landes. Das, was sich hier symbolhaft darstellt in unserer UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte, ist nichts anderes als Ausdruck der Identität der Saarländerinnen und Saarländer sowie der Menschen, die in dieser Großregion Saar-Lor-Lux leben. Und man muss ja auch dazu sagen, diese Industriekultur hat weit über 100 Jahre das Leben der Menschen, ihre Existenzen, ihre Befindlichkeiten, ihre Liebe und ihre Freuden bestimmt. ARTMAPP: Sie erheben für das UNESCO-Weltkulturerbe Völklinger Hütte den Anspruch, „einer der spannendsten Orte der Welt“ zu sein. Wie werden Sie dem gerecht? MMG: Wir versuchen das, was wir an industriekultureller Plattform haben, also nichts weniger als das vollständigste


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Ausstellungsansicht „Generation Pop!“ © Weltkulturerbe Völklinger Hütte / Hans Georg Merkel

MMG: Die Hütte ist in ihrer Dimension gigantisch groß. ­Größer als der Erfahrungsraum eines Menschen ist, der zu uns als Besucherin oder Besucher kommt. Folglich kann man dies nur transportieren mit einer Vorstellung, die ähnlich groß sein muss. Das ist ein physisches Thema. ARTMAPP: Viele Ausstellungen in Ihrer UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte beziehen sich auf die Begriffe Pop- oder Alltagskultur. Wie geht das mit diesem Ort und seiner Geschichte zusammen? MMG: Die Völklinger Hütte ist ein Ort industrieller Arbeit. Das hat ganz viel mit den Menschen zu tun, die hier tätig waren. Und es hat ganz viel mit dem zu tun, was tägliches Leben meint. Wir sind im Vergleich zu einem klassischen Museum nicht der herausgehobene Tempelort, obwohl die Anlage auch als „Kathedrale der Industriekultur“ bezeichnet wird. ARTMAPP: Ein Beispiel dafür ist die von Ihnen 2013 ins Leben gerufene Urban-Art-Biennale, die den Fokus auf Graffitikunst legt und auf das, was sich daraus entwickelt hat. Ein Projekt wie dieses bringt den Ort in die Wahrnehmung als Zentrum für zeitgenössische populäre Kunst. Das scheint ein

MMG: Ja, das war er, aber es kommt noch ein zweiter Aspekt hinzu. Die Urban Art hat ihre Wurzeln in der interventionalen Kunst. Das heißt, sie greift in städtische Zusammenhänge ein, um sie neu zu akzentuieren und zu verändern. Damit ist sie in der Völklinger Hütte absolut richtig verortet. Alles, was wir hier tun, ist Intervention, sei es als Gedächtniskultur­ projekt oder auch als Aufführung. Die Macht dieses Ortes können wir nur flankieren. Sie ist nicht zu brechen. ARTMAPP: „Electromagnetic“, ein alljährlich im Juli stattfindendes Festival für Elektropop und Techno hat hier als eines der jüngsten Angebote seinen Platz gefunden. Liegt darin auch eine ­Perspektive für die Zukunft und zugleich ein ­A nsatz, auch die jüngere Generation für den Ort zu interessieren? Besteht darin nicht auch eine Gefahr, ihn zur Kulisse zu machen? MMG: Es ist sicher ein Weg zu dem Ort hin. Denn die Potenziale, die dieses UNESCO-Weltkulturerbe hat, sind bei Weitem noch nicht alle ausgeschöpft. Man kann sie auch nicht alle planen. Man muss probeweise Schritte tun. „Electromagnetic“ hat sich dabei als sehr zielführender Schritt erwiesen. ARTMAPP: Ein Schritt auf welches Ziel zu? MMG: Die Völklinger Hütte ist wie kaum ein anderer Ort dazu geeignet, Kulturort des 21. Jahrhunderts zu sein, in dem sich die industrielle Vergangenheit mit den Kulturfantasien der Zukunft verbindet, indem die Gattungsgrenzen zwischen der Gedächtniskultur der Museen und der inszenatorischen Kultur des Theaters aufgelöst werden und sich, auf Basis einer neuen Ästhetik, die Welt der industriellen Arbeit mit ihrer rostigen Patina und mit der der Kultur verbindet.

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ARTMAPP: Besteht hier angesichts der Geschichte dieses Eisenwerks, in dem einst der Stoff entstand, aus dem die moderne Welt gemacht wurde, auch heute noch die Pflicht zum Superlativ?

bewusster Schritt zu sein, gerade an einem Ort wie diesem, einer Stätte der Industriekultur, der zwischen Museum und Alltag steht. Wie kam es dazu?

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Museum für Eisenerzeugung in der Welt, zu kombinieren: zum einen mit großen Weltkulturen in wechselnden Ausstellungen. Zum Zweiten mit Aufführungen, aber auch mit Projekten zeitgenössischer Kunst, sodass da immer wieder eine außergewöhnliche Reibung entsteht. Wir sind in der ehemaligen Völklinger Hütte in einer Wirklichkeit, die sich von unseren heutigen alltäglichen Erfahrungen vollständig unterscheidet und die damit einzigartig ist.


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Foto: Weltkulturerbe Völklinger Hütte / Gerhard Kassner

ARTMAPP: Gibt es Themen, die hier nicht in ­Ausstellungen aufzuarbeiten sind? MMG: Wir machen keine Programme, die systematisch eine Kunstrichtung ausloten. Unser Ziel ist es, ein kulturhisto­ risches Panorama zu entwerfen, das im Grunde auch für unsere Besucherinnen und Besucher eine in sich abgeschlossene Lösung darstellt. ARTMAPP: Wie wichtig sind überhaupt Besucherzahlen? Sind sie notwendig, um die Existenz einer solchen Anlage und die dafür von Land, Bund und EU aufgewendeten Mittel in Höhe von fünf Mil­ lionen Euro zu rechtfertigen? MMG: Für uns bedeutet jeder Besucher mit seinem Ticket gleichzeitig auch Einnahmen. Durch die Konstruktion unserer Trägergesellschaft sind wir insgesamt so strukturiert, dass die Einnahmen in der Regel nahezu vollständig die Ausgaben decken, die für die Einrichtung eines solchen Projektes notwendig sind. Deshalb sind die Einnahmen respektive Besucherzahlen ein existenzielles Maß, um Themen in die Welt setzen zu können. ARTMAPP: Gerade haben Sie zum 20. Jahrestag, an dem die Völklinger Hütte als erstes Industrie­ denkmal überhaupt in die Liste der UNESCO-­ Weltkulturerbe-Stätten aufgenommen wurde,

das UNESCO-BesucherZentrum eröffnet. Das hat seinen Platz in der ehemaligen Sinteranlage gefunden, seinerzeit einem lauten, heißen und höchst staubigen Ort. Warum gerade dort? MMG: Dieser Platz hat mehrere Koordinaten, die für unsere Arbeit, was das UNESCO-Weltkulturerbe Völklinger Hütte meint, und für das, was die aktive Zeit bezeichnet, aus­ schlaggebend sind. Dieser Ort war mit Start unserer Trägergesellschaft 1999 als nicht mehr rettbar aufgegeben. Wären wir dem gefolgt, wäre der UNESCO-Status sofort verloren gewesen. Wir haben diesen Ort mit dieser gigantischen fünfstöckigen Maschine, auf der dann noch die Elektrofilter sitzen, aus dieser Unrettbarkeit herausgerissen und haben dort den ersten Einstieg für unsere Besucherinnen und Besucher realisiert. Das ist eine Koordinate. Ein zweiter Aspekt ist, dass die Sinteranlage in der aktiven Zeit der Hütte ein Ort höchster Innovation war, zugleich Recyclingstation, aber auch die größte Dreckschleuder der gesamten Anlage. Die Idee der Innovation haben wir aufgenommen, und das, was an Informationen in einen solchen UNESCO-BesucherZentrum vermittelt werden soll, in sehr zukunftsweisende Systeme, etwa Touchscreens, gesteckt, einschließlich des großen Modells der Hütte. All diese Komponenten nehmen die Idee der Innovation mit einer sehr zukunftsweisenden Basis noch einmal auf. Im Grunde ist das unsere moderne Antwort auf die Macht dieses Ortes oder besser: auf dessen Magie.


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ARTMAPP: Ein UNESCO-Weltkulturerbe aus Eisen bedeutet auch einen Kampf gegen die Zeit, den Rost und damit den Zerfall. Ist er aufzuhalten oder wird irgendwann daraus eine rein virtuelle Angelegenheit der Erinnerung? MMG: Wir haben im Sanierungskonzept den Moment der Stillsetzung im Blick. Das heißt, den Augenblick, als die ­Maschinen aufgehört haben zu arbeiten und kalt wurden. Wir haben aber gleichzeitig die Situation, dass dieses dingliche Weltkulturerbe, also alles das, was wir anfassen können, ­einerseits eine große Form hat und eine haptische und eine über das Sehen erfahrbare Oberfläche besitzt. Die wollen wir auch für die Zukunft erhalten. Dass es da Verbindungen gibt im Funktionsbereich, die wir heute nicht mehr verwirklichen können, ist naturgegeben. Wir versuchen diesen Teil multimedial verständlich zu machen.

f­ inalisiert ist. Ich könnte mir vorstellen, dass wir perspek­ tivisch als UNESCO-Weltkulturerbe Völklinger Hütte eine mischfinanzierte Institution mit Bundes-, Landes- und ­weiteren Finanzierungsanteilen werden können. ARTMAPP: Wo sehen Sie das Weltkulturerbe Völklinger Hütte in 20 Jahren? MMG: In 20 Jahren wird es die wichtigste touristische Aktivierungsinstanz in unserem Land sein. ARTMAPP: Meinrad Maria Grewenig, vielen Dank für das Gespräch. Das Interview für ARTMAPP führte Sabine Graf. bis 9. November201 4

MMG: Das UNESCO-Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist zuerst einmal mit einer Phase der Desorientierung gestartet, die auch schwierig war. Da wurde viel Lehrgeld bezahlt. ­S eitdem man seit dem Jahr 1999 versucht, das systematisch anzugehen, hat sich das etwas beruhigt. Man muss aber gleichzeitig sagen, es erfordert extrem viel Kraft und ein Team, das brennt und bereit ist, die gewaltige Herausforderung anzunehmen. Wir brauchen auch Partner, die mithelfen, all das zu finanzieren. Denn es ist im Grunde in der Summe eine wahre Herkulesaufgabe, die allein im Finanzbereich nicht

bis 9. November 201 4 S c i e n c e C e n t e r F e r ro d ro m ® 25 . Juli 201 4 bis 2 2 . Febr uar 2015 Ä g y p t e n – G ö t t e r. M e n s c h e n . P h a ra o n e n 25 . Juli 201 4 bis 2 2 . Febr uar 2015 Ä g ypte n – e ine fa szinie re nde Z e it re i se U N E SCO B esucherZent r um 7. 0 0 0 m B e s u c h e r w e g e w w w . v o e l k l i n g e r- h u e t t e . o r g

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ARTMAPP: Wie sieht für Sie die Zwischenbilanz nach 20 Jahren UNESCO-Weltkulturerbe ­Völklinger Hütte aus?

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Inter view mit Jo Enz weiler, Direktor des Instituts für aktuelle Kunst im Saarland

Kunstförderung im Laboratorium Jo Enz weiler Foto: Dirk Rausch

Jo Enzweiler ist als bildender Künstler, Kunsterzieher, Hochschullehrer, Galerist, Herausgeber, Gründungsrektor der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar) und ­D irektor des Instituts für aktuelle Kunst im Saarland seit ­Jahrzehnten eine zentrale Gestalt der saarländischen Kunst­ szene. Neben seiner eigenen freien künstlerischen Arbeit – Jo Enzweiler gehört der konkreten Kunst an – ist der gebürtige Saarländer, der dieses Jahr sein 80. Lebensjahr vollendet hat, auch als unermüdlicher Förderer und Vermittler von Kunst im Grenzraum an der Saar tätig.

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ARTMAPP: Beim Blick zurück fällt auf, dass Sie parallel zu ­Ihrem Studium der Malerei auch die Fächer Kunstpädagogik und Französisch belegt hatten. Nach auswärts, vorwiegend in Frankreich verbrachten Studienjahren kehrten Sie ins Saarland zurück und schlossen Ihr Studium am damaligen Hochschulinstitut für Kunst- und Werkerziehung Saar­brücken bei Boris Kleint, einem Itten-Schüler, ab. Seither, also seit den frühen 1960er-Jahren, sind Sie im Grenzraum an der Saar künstlerisch und organisatorisch tätig. Jo Enzweiler: Beides, die Wahl meiner Studienfächer und die Rückkehr ins Saarland waren bewusst getroffene Entscheidungen. Ich wollte mich selbst in der Kunst bewegen und andere auf dem Weg in die Kunst geleiten. Soziales Enga­ gement und gestalterisches Tätigsein in der Gesellschaft, verbunden mit der Verwurzelung in der Region bei gleich­ zeitiger Vernetzung über die Grenzen hinweg, das sind bis heute die Triebfedern. Das Saarland mit seiner spezifischen ­G eschichte – genannt sei die zweimalige Loslösung von Deutschland und Einbindung in den französischen Wirtschafts- und Kulturraum nach den beiden verheerenden Weltkriegen – und mit seiner unmittelbaren Nachbarschaft zu Frankreich und Luxemburg gehört zur Kernzone der Europäischen Union. Nach 1945 wurden hier unter französischer Regie neben dem Rundfunk und der Universität auch die ­Musikhochschule und die Schule für Kunst und Handwerk gegründet sowie eine Sammlung moderner Kunst aufgebaut.

Damit war in einer räumlich eng begrenzten Region ein ­außergewöhnlich dichtes kulturelles Angebot auf hohem ­Niveau und mit internationaler Anziehungskraft entstanden. Dieses unter den veränderten Rahmenbedingungen, wie sie nach der Wiedereingliederung des Saarlandes in die ­Bun­desrepublik Deutschland gegeben waren, zu erhalten und fortzuentwickeln, ist bis heute eine zentrale Aufgabe geblieben. ARTMAPP: Neben Ihrer eigenen künstlerischen Arbeit, die in öffentlichen wie privaten Sammlungen vertreten ist, waren Sie zunächst als Kunst­ erzieher im schulischen, anschließend im Hochschuldienst tätig. Parallel zu diesen Herausforderungen engagierten Sie sich in der Künstlervereinigung „neue gruppe saar“, einem Zusammenschluss saarländischer Künstler und auswärtiger Gäste als Plattform zeitgenössischer Kunst. Ferner waren Sie Mitinitiator der Saarbrücker Galerie St. Johann, deren künstlerischer Berater Sie bis heute sind. Galerie und Verlag St. Johann bieten nun seit über 40 Jahren der konstruktiv-­ konkreten Kunst ein internationales Forum. 1989 wurden Sie als Gründungsrektor der HBKsaar berufen und lehrten dort bis zu Ihrer Emeritierung Malerei. Die gesammelten Erfahrungen führten zur Idee eines „Instituts für aktuelle Kunst“, das Sie 1993 unter dem Namen „Laboratorium – Institut für aktuelle Kunst im Saarland“ in Saarlouis als An-Institut der in Saarbrücken ansässigen HBKsaar gründeten. Was hat es damit auf sich? JE: Dank der Unterstützung der Stadt Saarlouis, einer ehemaligen Festungsstadt, konnte das Institut für aktuelle Kunst im Gebäude eines historischen Laboratoriums untergebracht werden. Dies ist ein aus dem frühen 19. Jahrhundert stammender Gewölbebau, in dem seinerzeit Feuerwerker aus verschiedenen Stoffen Zünder und Munition hergestellt ­haben. Das nannte man „laborieren“. In gewisser Weise geht das Institut heute ähnlich vor. Herz des Ganzen ist ein Archiv, in dem Informationen zum Kunstgeschehen im Saarland und zunehmend auch der Großregion gesammelt werden. Damit sind sowohl Tätigkeiten von im Saarland lebenden ­bildenden Künstlern, Architekten und Designern ­gemeint, die sozusagen aus dem Land heraus wirken, aber auch die im Saarland wahrnehmbaren Aktivitäten ­aus­wärtiger Künstler, die Einfluss auf das Kulturgeschehen in der Region nehmen. Gesammelt und archiviert werden ­v or­w iegend Klein­ schriften wie Einladungen, Flyer, Plakate, Eröffnungsreden und Ausstellungsbesprechungen, aber auch Ausstel­lungsund Sammlungskataloge und in zunehmendem Maße nachgelassene schriftliche Zeugnisse. Hinzu kommen


analoge und digitale Bildmaterialien und anderes mehr. Das sind die Stoffe, mit denen ein kleiner Stab vorwiegend freier Mitarbeiter im Verbund mit einem offenen Netzwerk auswärtiger Autoren „laboriert“. ARTMAPP: Welche Ergebnisse stehen am Ende des „Laborierens“? JE: In erster Linie die circa 140 wissenschaftlich fundierten und professionell gestalteten Publikationen, die bisher in den 20 Jahren seines Bestehens im Institut erarbeitet wurden. ­D iese Publikationen sind als Reihen angelegt: Werkver­ zeichnisse, Bestandsaufnahmen zur Kunst im öffentlichen Raum, ­D okumentationen von Hochschulprojekten und künst­lerischen Wettbewerben, ausführliche Interviews und Künstlerporträts – um nur einige zu nennen. Ein weiteres ­L aboratoriumsprodukt sind die beiden Internetlexika „Kunstlexikon Saar“ und „Künstlerlexikon Saar“. Darüber hinaus ist das Institut für aktuelle Kunst ein Ort der Begegnung zwischen Künstlern und Kunstinteressierten, eine Stätte des Austauschs und der Information. Alles im Interesse der Kunstförderung und Kunstvermittlung.

Pro­blematik hat das Institut für aktuelle Kunst 2008 ein ­g renzüberschreitendes Symposion „Lebenswerke – Künstlernachlässe der Großregion“ ausgerichtet, an dem zahlreiche Künstler, Erben, Vertreter von Museen, Galerien, Archiven etc. teilgenommen haben. Ich sehe die Nachlass­f rage als ein mögliches zusätzliches Arbeitsfeld des Instituts – als eine ­P erspektive, die wachsen muss. Es gibt eine Vielzahl von ­Vorschlägen, die von der Idee eines Schaulagers über die Möglichkeiten zur Kunstausleihe in Form einer Artothek bis hin zu einer teilweisen Nachlassveräußerung durch Galerien reichen. Es geht weniger um eine museale Präsentation als um die Bewahrung des Kulturgutes, um die Sicherung und Erhaltung der Kunstwerke sowie um die Möglichkeit, diese der Bevölkerung zugänglich zu machen. ARTMAPP: Jo Enzweiler, vielen Dank für das Gespräch! Das Interview für ARTMAPP führte Oranna Dimmig.

Galer ie St. Johann, Saarbr ücken

ARTMAPP: Derzeit beschäftigt Sie ein Problem, das nicht nur im Saarland immer drängender wird: Was geschieht mit Künstlernachlässen?

w w w . g a l e r i e - s t- j o h a n n . d e Inst it ut f ür ak t uelle Kunst im Saarland a n d e r H B K s a a r, S a a r l o u i s

JE: Oftmals sind die Erben mit der Verwahrung und Verwaltung eines Künstlernachlasses überfordert. Indessen haben die Ergebnisse eines anerkannten und bedeutenden künstlerischen Lebenswerkes Anspruch darauf, auch postum für die Gesellschaft präsent zu sein. Zu dieser umfassenden

w w w . i n s t i t u t- a k t u e l l e - k u n s t . d e w w w . k u n s t l e x i k o n - s a a r. d e w w w . k ü n s t l e r l e x i k o n - s a a r. d e

Kunsthof und Laboratorium in Saarlouis, Foto: Nina Jäger

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Saarlouis, Sankt Wendel, Dillingen, Neunkirchen

Kunstorte im Saarland Eine St unde Autofahr t und die Sk ulpt ure n au s Ste in und Stahl auf de r B alte rswe ile r Höhe b e i S a n k t We n d e l i m O s t e n d e s S a a r l a n d e s g e b e n s i c h d e n P a p i e r s o l d a t e n i m M u s e u m H a u s L u d w i g S a a r l o u i s i m We s t e n d e s L a n d e s g e s c h l a g e n . R a s c h e S z e n e n w e c h s e l , w a s K u n s t u n d L a n d s c h a f t a n g e h t , g e h ö r e n i m L a n d d e r k u r z e n We g e d a z u . ZUSA M M EN G ES TEL LT VO N SA B I N E G R A F

Saarlouis: 25 Jahre Museum Haus Ludwig Der Schokolade verdankt die Stadt Saarlouis ein Kunstmuseum. Im Stadtteil Fraulautern produzierte der Kölner Fabrikant Peter Ludwig seine Süßwaren. Zugleich verstand es der Kunstsammler Ludwig, für seine Sammlungen immer wieder neue Standorte zu finden. In Saarlouis wollte er seine Sammlung der Kunst aus der ehemaligen DDR zeigen. Das fügte sich, denn seit 1986 verband Saarlouis die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft mit Eisenhüttenstadt in der ehemaligen DDR. Am 30. Mai 1989 öffnete das „Haus Ludwig für die Kunst der DDR“ in der ehemaligen Zweigstelle der Landeszentralbank mit einer Schau zur Entwicklung der bildenden Künste in der DDR. Saarlouis sollte „ein einzigartiges Haus speziell für die Kunst der DDR sein“, fasst die heutige Museumsleiterin Claudia Wiotte-Franz zusammen. Doch die Zeit hatte das Konzept von der „Berührung der Kulturen“ überholt. Die Mauer war zwar gefallen, doch eine andere stand noch, erinnert Claudia Wiotte-Franz: „Das Museum war noch nicht im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen.“ So änderte man den Kurs, nannte sich „Museum Haus Ludwig für Kunstausstellungen“, dem das vor dem Haus mit seinen roten, blauen und gelben Metallbannern vertäute „Stadt­ zeichen“ Otto Herbert Hajeks den Weg in die Stadt wies: Von nun an mehr Öffentlichkeitsarbeit in Form von Angeboten für Kinder und Erwachsene. Das Museum ging auf Tour und kam als „Museum Haus Ludwig mobil“ in Saarlouiser Klassenzimmer, um zum jeweiligen Ausstellungsthema mit Schülern zu arbeiten und die Ergebnisse in die aktuelle ­Ausstellung einzubeziehen. Mancher Schüler kam, nicht nur des freien Eintritts wegen, öfters mit Oma und Freunden, um ­i hnen seine Arbeit zu zeigen, erinnert sich Claudia Wiotte-­ Franz, damals noch als Museumspädagogin dafür z­ uständig. Blieb man Mitte der 1990er noch unter 10.000 Besuchern im Jahr, zählt man heute im Schnitt 15.000 bis 20.000. Statt einer Ausstellung pro Jahr wechselte man seit 1995 alle drei bis vier Monate. Kritische Grafik, Karikatur, Comics, Fotografie und große Namen kamen ins Haus: Picasso, Wilhelm Busch, Günter Grass ebenso wie Mickey Maus oder die Illustrationen zu Harry Potter. 1997 erweiterte sich der Fokus: „Wir haben uns

der Kunst der Region der letzten 100 Jahre ­verschrieben“, erklärt Wiotte-Franz und verweist auf Ausstellungen des in Saarlouis geborenen Rudolf Hesse, der als Zeichner die „Fliegenden Blätter“ bestückte, oder den Schülern Otto Steinerts an der ehemaligen Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk. 2005 übernahm Claudia Wiotte-Franz offiziell die Museumsleitung. 2007 lief der Kooperationsvertrag mit Oberhausen aus. Ein neuer, mit der Ludwig-Stiftung ­geschlossener Vertrag gewährt seither auch bei Eigenproduktionen den Zugriff auf die Ludwig-Sammlungen. Das kommt an. Als Schüler eines Saarlouiser Gymnasiums vor einiger Zeit Antworten auf die Frage, „Was man in Saarlouis gesehen ­h aben sollte?“, sammelten, „kam das Museum nach den Festungs­anlagen an zweiter Stelle“, vermeldet die Museumsleiterin und versteht es als Lob, süß wie Schokolade.

bis 1 2 . Ok tober 201 4 P a p i e r s o l d a t e n – L e s p e t i t s s o l d a t s d e S t ra s b o u r g u n d d i e F e s t u n g s a n l a g e n v o n Va u b a n www. mu se um-hau s-ludwig. saarloui s . de

„Lanciers“, Silbermann Nr. 7, 1845, Sammlung Peter und Irene Ludwig Foto: Thomas Wolf


Details für Skulpturenstraße im Sankt Wendeler Land, „Im Wind“ von Robert Schad z wischen St. Wendel und Baltersweiler, Foto: Leo Kornbrust

Sichten des Nachlasses der 2010 verstorbenen, zu Lebzeiten im Saarland wirkenden Textilkünstlerin Sofie Dawo bemerkenswerte, der konkreten Kunst verbundene Zeichnungen. Ein Berliner Galerist nahm sich daraufhin des Nachlasses an „und unser Katalog reist [nun] durch ganz Deutschland“, stellt Cornelieke Lagerwaard fest. Auch dafür steht heute das Museum St. Wendel: als Ort der Erinnerung und des Gedächtnisses der Kunstszene Saar, gerade für eine ältere Künstlergeneration und deren Lebenswerk, das es wieder oder neu zu entdecken gilt: „Manche Künstler finde ich einfach wichtig für die Kunstszene hier, aber das wird oft nicht wahrgenommen. Das ist schade, denn das Saarland hat viel Potenzial.“ Doch auch eine jüngere Künstlergeneration hat inzwischen ihren Platz in den regelmäßig stattfindenden, gern um ein Thema gruppierten Sommerausstellungen oder in Zusammenarbeit mit dem Saarlandmuseum oder mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Die gemeinsam mit ihr 2008 konzipierte interaktive Ausstellung „Das begehbare Märchen“ sahen in knapp drei Monaten rund 10.000 Menschen. Cornelieke Lagerwaard mag zwar ein kleines Museum führen, doch was dies zu leisten vermag, weiß sie genau: „Große Bewegungen entstehen immer in der Provinz, in der Breite, wo vieles entsteht. Die Kunst in den großen Museen wäre nicht dort, wenn es nicht die kleinen Museen vor Ort gäbe.“

w w w . s t ra s s e - d e s -f r i e d e n s . c o m www. museum-wnd. de

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Ein Museum ist eingerichtet, sobald die Vitrinen gefüllt und die Bilder an den Wänden hängen. Doch fertig ist es dann noch lange nicht. Das wusste die niederländische Kunsthistorikerin Cornelieke Lagerwaard, die 1988 nach ihrer Ankunft im Saarland beim Aufbau des Museums in St. Wendel mithalf, das in bester Innenstadtlage als Teil eines geplanten Kulturzentrum mit Bücherei entstand. Ein Museum braucht ein Konzept, das Museum und Sammlung gleichermaßen belebt und für dauerhafte öffentliche Aufmerksamkeit sorgt. Als das Haus 1989 eröffnete, oblag seiner neuen Leiterin Cornelieke Lagerwaard diese Aufgabe. Die Premierenausstellung galt ­s einerzeit der St. Wendeler Malerin Mia Münster, deren Schaffen im Jubiläumsjahr gerade wieder eine Ausstellung würdigt. Allein bei lokaler Kunst sollte es nicht bleiben: Hier waren und sind Künstler zu Gast, die selbst durch Geburt oder ihre Arbeit mit dem Saarland verbunden sind. Das sah das Konzept genauso vor, von Anfang an, und das gilt bis heute. „Das finde ich gerade für ein kleines Museum w ­ ichtig“, betont Cornelieke Lagerwaard, denn „es soll keine Kopie des Landesmuseums sein.“ Aber auch kein reines H ­ eimatmuseum, sondern ein Ort, an dem sich im ­L okalen das Internationale zeigt und umgekehrt. Das war und ist immer der Fall, wenn es etwa um die von dem St. Wendeler Bildhauer und früheren Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München, Leo Kornbrust, gegründete Straße der Skulpturen, heute „Europäische Skulpturenstraße des Friedens“, geht. Dort begegneten sich von Anfang an national und international umtriebige ­Künstler, die in der Folge auch im Museum St. Wendel mit A ­ usstellungen zu Gast waren. So entdeckte man bei der Vorbereitung einer Ausstellung beim

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25 Jahre Museum Sankt Wendel


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Kunstverein Dillingen: Wenn es kein anderer tut ... 1980 gründete sich der Kunstverein Dillingen. Sein Ursprung lag damit in einer Zeit, in der das hiesige Saarlandmuseum noch lange nicht mit wechselnden Ausstellungen den Fokus auf das zeitgenössische Kunstgeschehen gerichtet hatte, die Stadtgalerie Saarbrücken als Ort für aktuelle Themen und Medien noch ein kühner Plan war und private Kunstgalerien sich auf Dauer das Experiment mit junger Kunst nicht leisten konnten. Kunstinteressierte um den damaligen Dillinger Bürgermeister Gerhard Leonardy boten regelmäßig im Saarland lebenden Künstlern im Rathaus der Stadt Raum. In den 1990er-Jahren fand der Verein dann im renovierten Alten Schloss Dillingen, beschirmt von den Hochöfen der Dillinger Hütte und am Rand der Innenstadt, seinen Platz. Fortan nannte er sich denn auch „Kunstverein Dillingen im Alten Schloss“. Im Programm blieben vor allem die Saarländer der mittleren und älteren Generation, oft Absolventen der ehemaligen Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk, oder auch Künstler, welche die Zeitenläufe in die Ferne verschlagen hatten. Auf den altersbedingten Rückzug von Gerhard Leonardy vor zwei Jahren folgte mit dem neuen Vorsitzenden, dem Maler Francis Berrar (*1954), eine Zäsur. Das Programm lädt sich seitdem auch mit tagesfrischer Kunst einer jungen und mittleren Generation auf. Es sind vor allem Positionen der Malerei, die nun geboten werden. Axel Geis, Michael Kalki oder Philip Grözinger sind hier zu Gast, ergänzt um Künstler, die im Saarland ausgebildet wurden und sich an einem klar als Kunstraum definierten Ort vorstellen möchten, der wie „eine Relaisstation“ (so Francis Berrar) zwischen Szene und Publikum wirkt. Das können die im Saarland ohnehin nur in Spurenelementen vorhandenen privaten Kunstgalerien nicht

leisten, weil damit auf Dauer nach wie vor kein Geschäft zu machen ist. Zwar findet sich ein interessiertes, aber dennoch nicht in dem nötigen Maße kaufendes Publikum, was selbst dem ambitioniertesten Galeristen früher oder später rote Zahlen beschert. Das ist Fakt in einer Region, in der die bildende Kunst ihren Platz erst nach 1945 fand, also relativ spät, aber dafür umso intensiver. Jedoch fehlt hierzulande noch immer eine gesellschaftliche Schicht, die groß und finanziell potent genug wäre, um ein Fundament zu bilden, das Kunst als notwendigen Teil ihrer Identität betrachtet und durch Käufe stützt. Kunstvereine stehen also dafür seit mehr als 100 Jahren in der Region ein. In Dillingen sieht man sich durchaus in dieser Tradition, gerade was die aktuelle Kunst betrifft: „Das ist doch die eigentliche Aufgabe eines Kunstvereins, ungesicherte Positionen zu zeigen“, erinnert Francis Berrar. Dabei ist man sich, fügt er hinzu, stets auch der Herausforderung bewusst, mit den Ausstellungen auch neues Publikum nach Dillingen ziehen zu wollen. Dieser Aufgabe stellt sich der Kunstverein, umso mehr, als im Land durchaus die Nachfrage nach einem in seiner Auswahl profilierten sowie auf der Höhe der Zeit stehenden Forum für aktuelle Malerei besteht. Und darin bildet der Kunstverein Dillingen die Avantgarde. 26. Ok tober bis 16. November 201 4 P h i l i p G rö z i n g e r 23. November bis 1 4 . Dezember 201 4

Kunst verein Dillingen im Alten Schloss Foto: Stadt Dillingen / Saar © Tourismus Zentrale Saarland

Oskar Holweck www. k un st ve re in- dillinge n . de


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„Clara“, September 2010, Alexanderplatz

„Gangster“, Februar 2012, Alexanderplatz

Foto: Göran Gnaudschun

Foto: Göran Gnaudschun

oder Chargesheimer, oder mit Tom Wood oder Olivo Barbieri als Vertretern einer aktuellen Reportage- und Architektur­ fotografie. Auch Medienkunst von Parastou Forouhar sowie zeitgenössische Plastik von Annette Sauermann oder Rudolf Wachter verbindet sich durch beherzten Zugriff in den Raum mit den Positionen aktueller, die Nähe zur Installation suchender Malerei, etwa von Cornelia Schleime, Susanne Stähli, Katharina Fischborn oder Peter Schlör. Dadurch entsteht eine Vielgestaltigkeit, die keinesfalls mit Beliebigkeit zu ver­ wechseln ist: „Das Programm der Galerie reagiert auf das, was in der zeitgenössischen Kunst passiert. Das Nebeneinander verschiedener Stile und Techniken spiegelt sich daher in den Ausstellungen wieder“, beschrieb es einmal Nicole NixHauck. Gerade ist der Potsdamer Fotograf Göran Gnaudschun im Haus zu Gast und zeigt den Ertrag aus drei Jahren, in denen er mit seiner Kamera in der Szene am Berliner Alexanderplatz unterwegs war. Apropos unterwegs: Im kommenden Jahr steht ein neuer Umzug an, da ab dann ein Großteil des städtischen Kulturprogramms in der Neuen Gebläsehalle im Alten Hüttenareal stattfinden wird, wodurch im benachbarten „Bürgerhaus I“ mehr Raum für die Kunst frei werden wird. Also alles wie gehabt: Die Orte wechseln, aber das Galerie­ programm hält weiter Kurs auf die Aus- und Vorläufer der zeitgenössischen Malerei, Fotografie und Plastik. bis 3. August 201 4 G ö ra n G n a u d s c h u n . A L E X A N D E R P L A T Z www. g naudschun. de www. staedt i sche -gale r ie -ne unk irche n . de

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Die Städtische Galerie Neunkirchen beweist Kontinuität, was ihr Programm betrifft, ungeachtet diverser Namens- und Ortswechsel. Im Gründungsjahr 1989, damals noch unter dem Titel „Galerie im Bürgerhaus“ firmierend, verfügte sie über zwei Flure und ein Foyer als Ausstellungsflächen im Gebäude der Volkshochschule Neunkirchen, „Bürgerhaus II“ genannt. Ausstellungen in einer Durchgangssituation sowie an einem Ort anzubieten, an dem zeitgenössische Kunst kaum verwurzelt war, war ein schwieriges Unterfangen. Und doch gelang es der Kunsthistorikerin Ulrike Schuck als erster Galerieleiterin in Neunkirchen, ein Forum für konstruktiv-konkrete Kunst zu etablieren. Als 1991 die aus Saarbrücken stammende Kunsthistorikerin Nicole Nix-Hauck die Leitung der Institution übernahm, gab sie der Flur- und Foyergalerie mit der Reihe „StAndoRTe“ ein weiter geschärftes Profil. Einen eigenen Raum hatte die Galerie freilich immer noch nicht, auch dann nicht, als sie 1994 in die Räume des damaligen Museums im Bürgerhaus zog. Erst Ende der 1990er-Jahre wurde daraus wiederum die „Galerie im Bürgerhaus“, die seit dem Umbau im Jahr 2001 im Dachgeschoss über eine weitere Ausstellungsetage verfügt. Seit Juni 2004 heißt die Galerie nun „Städtische Galerie Neunkirchen“. So wechselhaft Name und Ort, so konstant blieb das Programm, das bis dahin ganz auf die konstruktiv-konkrete Kunst ausgerichtet war. Allmählich erweiterte Nicole Nix-Hauck diesen Fokus, indem sie von den Konkreten zu deren schillernden Ausläufern hinüberschwenkte und dabei die im Saarland vorhandene Tradition der konkreten Kunst mit Positionen von außerhalb kombinierte. Einen weiteren Schwerpunkt bildete in der Folge die Fotografie, ob mit den Klassikern des Metiers wie Lotte Jacobi

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Aus eins und zwei wird eins: Städtische Galerie Neunkirchen


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Saarlouis, Wintringer Kapelle, Haldenrundwander weg

Kunstlandschaft Saar V i e l e We g e f ü h r e n d u r c h d a s S a a r l a n d . A u f i h n e n s t e i g t m a n a u f B e r g e h a l d e n i m S a a r­ kohlenwald oder folg t in Saarlouis der For m des königlichen Sechseck s. Mal kehr t man ein in e ine ehe malige P ilge rstät te am R and des Biosphäre nrese r vat s Bliesgau ode r schaut in de r S t ä d t i s c h e n G a l e r i e d e r E x- H ü t t e n s t a d t N e u n k i r c h e n i n G e s i c h t e r d e r G ro ß s t a d t . ZUSA M M EN G ES TEL LT VO N SA B I N E G R A F

Die Stadt Saarlouis: Sechseck mit Herz Für eine ehemalige Festungsstadt gibt sich Saarlouis heute sehr offenherzig. Überhaupt hat sich seit 1680 so manches geändert, nachdem Sonnenkönig Ludwig XIV. beschlossen hatte, die ihm 1679 durch den Frieden von Nimwegen zugesprochenen Gebiete – einschließlich des zuerst nicht ganz legal erworbenen, weil kurzerhand besetzten Lothringen – durch einen Festungsgürtel zu sichern. So kam Baumeister Sébastien Le Prestre de Vauban über die Region, machte aus Handelsstädten Festungen oder stampfte sie einfach wie 1680 im Fall von Saarlouis neu aus dem Boden. Saarlouis war eine reine Zweckanlage mit sechs vorgeschobenen Bastionen, doch dabei von der Sonne Frankreichs beschienen, ausge­ stattet mit der Lizenz zum Fröhlichsein. Und auch das Stadtwappen vermeldet in diesem Geiste und mit Verweis auf den Sonnenkönig: „Die Sonne vertreibt die Wolken.“ Voilà! Saarlouis, ein Glücksfall. Das galt seinerzeit, und das gilt auch noch heute, obwohl oder gerade weil am Reißbrett entstanden, worauf der Leiter des Saarlouiser Stadtmuseums, Benedikt Loew, einmal hinwies: „Die Stadt Saarlouis stellt eine Ausnahme dar, sie ist gewissermaßen Stadtplanung pur. Während sich andere Städte meist über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte ursprünglich meist planlos entwickelt haben, ist der Auf bau von Saarlouis geplant und geordnet. Die Stadt Saarlouis ist eine zur Realität gewordene Vision.“ Ein Stern war geboren, denn der sechseckige Grundriss der Anlage, die durch Stauen der Saar zur Wasserfestung wurde, hat durchaus die Form eines Himmelskörpers. Der überstrahlte alles, was da noch kommen sollte. 1815 die Preußen, die Kasernen

errichteten und sich nach 1889 daranmachten, die Festung zu schleifen und kurzerhand die Wassergräben aufzufüllen. Dem zum Trotze hat sich bis heute das königliche Sechseck erhalten. Das hielt auch danach einiges aus, die Erweiterung des Stadtkerns nach 1900 etwa oder den Wiederaufbau der Nachkriegsjahre, ohne dass dabei der große Markt als einstiger Paradeplatz und die ihn flankierenden, weithin einzigartigen Trinkwasserbrunnen als Relikte der 200-jährigen Befestigung Schaden genommen hätte. Das schafften später ebenso weder die längst legendären Rostbratwürste, Südfrüchte oder Milchshakes feilbietenden Kioske noch die diversen Neubauten am Rand des Platzes, einschließlich der recht wuchtigen Erweiterung der Kirche St. Ludwig durch Gottfried Böhm. All das hat Saarlouis, nicht nur wegen der hohen Kneipendichte in seiner Altstadt, verdientermaßen den Ruf der heimlichen Hauptstadt des Saarlandes eingebracht. Versteht sich, dass man bereits im zweiten Jahr in Folge auf der sogenannten ­Vauban-Insel im Stadtgarten, nahe bei den zum Teil noch ­erhaltenen Festungsanlagen, die „Saarlouiser Festungstage“ feiert und sich mit dem von dem Luxemburger Architekten François Valentiny am Standort der ehemaligen Bastion IV ­renovierten „Theater am Ring“ ein neues markantes Wahrzeichen gibt. Bollwerk war gestern. Die Menschen jenseits der Grenze sind gern gesehene Gäste in dem sich „Europastadt“ nennenden Saarlouis.

www. saarlouis. de


Wintringer Kapelle, außen und Installationsansicht Foto: Regionalverband Saarbrücken, Peter Michael Lupp

linke Seite: Panorama Vauban- Insel Foto: Beate Geiger, Stadt Saarlouis

Dazu zählte etwa das auf die Erde gefallene, übergroße, ­hölzerne Weizenkorn oder der an die Decke stoßende, abgebrochene Halm, die Hermann Bigelmayr vor zwei Jahren in den Kirchenraum gesetzt und „Grenzen des Wachstums“ genannt hat. Ein Begriff, der in den 1970ern erstmals diskutiert, lange von Politik und Wirtschaft ignoriert, aber heute als unausweichliches Thema angesichts von Umweltkatastrophen, demografischem Wandel und Ressourcenknappheit auf der Agenda steht. Der Ort schien für Hermann Bigelmayrs Arbeiten wie geschaffen. Denn der unter dem Deckengewölbe sich krümmende Halm, Bild einer an die Grenzen stoßenden Wachstumsideologie, verband sich auch mit Bruchstellen in der Architektur des Gebäudes. Dessen Pfeiler waren einst ­eingebrochen und sind selbst Zeichen für die waghalsigen ­Deckenkonstruktionen der Gotik, die von ihren Bauherren nicht immer beherrscht wurden, erinnert Peter Lupp. An die Grenzen zu stoßen, das heißt nicht zwingend Rückzug, ­sondern kann auch bedeuten, auf eine andere Art voranzukommen. Auch darauf verweist der KulturOrt Wintringer Kapelle. Dass Natur mehr als nur eine vom Menschen auszubeutende Ressource ist, zeigt auch der die Kapelle umgebende Biolandbetrieb Wintringer Hof. Gefahr und Rettung, beides geht von Menschenhand aus. Bigelmayr hat dem ein weiteres Bild gegeben: Ein Halm, verjüngt und zur Installation „Am Seidenen Faden“ gefügt, wurde im Gewölbe vertäut. Ein Flügelschlag lässt ihn zittern. Alles in Balance zu halten, verlangt Bedachtsamkeit und mahnt verhalten, dass weniger immer auch mehr sein kann. w w w . k u l t u ro r t- w i n t r i n g e r- k a p e l l e . d e

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Der Wintringer Hof, nahe der Landeshauptstadt Saarbrücken gelegen, beherbergt die Reste einer spätgotischen Kloster­ kirche, die in der Gegenwart eine neue Nutzung als Ort der Kunst und Kultur erfahren hat. „Eine Ausstellung geht nur mit dem Ort oder mit dem Raum“, sagt Peter Lupp. Umso mehr nachdem 2003 daraus der „KulturOrt Wintringer Kapelle“ wurde, betreut von Peter Lupp, der verantwortlich für Fragen der Regionalentwicklung beim Regionalverband Saarbrücken 2003 den „KulturOrt Wintringer Kapelle“ aus der Taufe hob und seitdem weiterführt. Zuerst nahmen Ausstellungen die Kapelle als Station auf dem Jakobsweg nach Santiago di Compostela in den Blick. Dann wurde das Pilgern zum Sinnbild für Denken und Handeln in Prozessen. Als 2009 die UNESCO den Bliesgau als Biosphärenregion anerkannte, hatte sich in der Kapelle längst ein Rhythmus der Veranstaltungen eingespielt, der von Sommersonnenwende und Erntedank bestimmt ist. „Per annum“, also für je ein Jahr, ziehen Installationen, Skulpturen oder Bilder ein, die in Material und Darstellung ihren Weg zum Ort, seiner Geschichte und Gegenwart inmitten einer weiten, in Baumgrün und Himmelsblau verschwimmenden Landschaft suchen. Das verlangt gleichermaßen Robustheit wie Behutsamkeit. Die sich daraus ergebende Spannung ist das besondere Kennzeichen der jeweiligen in der Kapelle installierten Arbeiten. An einem Ort wie der Wintringer Kapelle, so bemerkt Peter Lupp im Hinblick auf deren Lage am Eingang des Bliesgaus, wird die „Ref lexion über den Lebensraum“ zum Thema. Darüber nachzudenken, ist angesichts knapper werdender Ressourcen unausweichlich, weiß Lupp und lädt vor allem Künstler ein, die das ebenso in ihrer Arbeit tun.

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KulturOrt Wintringer Kapelle


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Literarischer Aufstieg auf die Halde Grühlingsstraße bei Saarbrücken Foto: Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz des Saarlandes

„Jardin mystique“, einen mystischen Garten, an. Das Haldenplateau wurde zur Mondlandschaft. In ihr liegen seitdem zwei Himmelsspiegel, poliert vom Regenwasser, auf deren Oberfläche sich die Wolken verfangen. Von der Halde „Luisenthal“ blickt man in das Saartal und schaut der „Wolkenproduktion“ der beiden Kühltürme im nahen Kraftwerk Fenne zu. Die Halde „Viktoria“ bei Püttlingen besteigt man hingegen ohne viel Brimborium. Dafür folgt man der „Himmelspfeil“ genannten Rampe vor der bald erschlossenen Göttelborner Halde, die der weithin sichtbare Förderturm „Schacht Vier“ wie ein weißer Riese f lankiert. Dagegen senkt sich der Blick beim literarischen Aufstieg auf die Halde „Grühlingsstraße“ gleich hinter Saarbrücken. Die Augen hangeln sich von Satz zu Satz aus „Die Kinder der Toten“ von Elfriede Jelinek auf in den im Boden verankerten Granitstelen bis man atemlos oben auf Podest mit dem Gipfelkreuz steht. Entspannter tritt man auf den „Belvedere“ und genießt unversehens von einem Balkon am Rand des ehemals zum Klären von Kohleschlamm genutzten Frommersbachweihers die schöne Aussicht auf das Wasser, aus dem sich kahle Äste wie dürre Finger nach dem Himmel strecken. Hier lebt man nicht hinterm Mond. Hier lebt man lieber auf ihm und schaut von dort auf die Welt. Wer kann das schon auf der Erde von sich behaupten.

www. saarkohlenwald. de www. reg ionalpark-saarland . de

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Abraum. Darüber wächst am besten Gras. Oder soll man das, was beim Kohleabbau übrig bleibt, gleich auf den Mond schießen, damit der Abfall aus den Augen ist? Zwar ging im Lauf der 210 Jahre, in denen bis 2012 Bergbau an der Saar betrieben wurde, so manches in den Straßenbau oder hält zu Stein gepresst die Hauswände im Bundesland mit der größten Eigenheimdichte zusammen. Der Rest lagerte auf Halden, meist unweit der Gruben, und wurde schnell von Birken und Haselweiden besiedelt. Dabei hätte man es belassen können oder sogar noch eins drauf legen und den Ort als Naherholungsgebiet mit Grill- und Spielplatz überformen. Doch im Zeitalter der Industriekultur empfand man die Spuren des Bergbaus nicht länger als notwendiges Übel, sondern als authentisch und typisch für die Region. Fünf Halden zwischen dem Bergwerk Göttelborn im Nordosten bis nach Luisenthal im Südwesten umzingeln die Stadt Saarbrücken, dazwischen jede Menge Wald. 2006 ging das Saarländische Umweltministerium mit dem Haldenrundwanderweg daran, die von der Industrie geprägte Landschaft zu fassen und darin die Halden wie Perlen auf eine Kette zu fädeln. Sie waren nun kein „Abraum“ mehr, sondern Raum mit eigenem Wert, den man klug und mit Gespür für den jeweiligen Ort gestaltete. „Das ist noch was anderes“, sollte der sagen, der sich hier umschaut, wünschte sich das für die Gestaltung zuständige Designbüro Hullmann & Gimmler und ließ auf der Halde „Lydia“ nahe des ehemaligen Bergwerks Fischbach-Camphausen zwei flache Senken ausbaggern, inszenierte die Leere und legte einen

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Ein Haldenrundweg im Regionalpark Saar


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Eine Ausstellung zum Thema Bergbaugeschichte im Redener Zechenhaus

Das Erbe Vor einem Jahr nahm das Saarland Abschied vom Bergbau. Aus diesem Anlass wirft die Ausstellung „Das Erbe“ einen Blick zurück: Was war, was bleibt von 250 Jahren Kohle? Die Schau ist ist nicht die erste zum Thema Bergbaugeschichte im Redener Zechenhaus und auch nicht die einzige in der Region. Doch keine andere versteht es, das Leben mit dem Bergbau so stimmungsvoll, ja geheimnisvoll zu inszenieren. In eine nächtliche, nur schummrig beleuchtete Untertagewelt hat man die vordem kahle ehemalige Waschkaue verwandelt – so lässt sich auch bei Menschen ohne Bergbau-Bezug Entdeckerlust wecken. In einen „Querschlag“, wie der Bergmann sagen würde, wird der Besucher gelockt. Ein diagonaler Gang ist es, von dem nach links und rechts sogenannte „Strecken“ ab­ gehen. Die Ausstellungsarchitektur, die den 1.300 Meter kleinen Raum strukturiert und den Parcours vorgibt, besteht fast ­ausschließlich aus drei Meter hohen Vitrinen. Sie sind symbol­k räftig gestaltet. Ihr Material Glas verweist auf die Glashütten, die für das Saarland historisch wichtig waren. Ihr Sockel ist aufgefüllt mit Kohle, oben sind sie mit Kohlenstaub geschwärzt und zusammengehalten werden sie von kleinen

Stahlbügeln in Form von Schlägel und Eisen. Überdacht sind die Strecken von Wassertrog-Sperren Doch muss man diese Finessen gar nicht unbedingt bewusst wahrnehmen, ebenso wenig wie das Stimmen- und Geräuschgewirr arbeitender Bergleute, das über dem Raum schwebt. Denn dies alles dient nur der atmosphärischen Verstärkung. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt die Ausstellung eindeutig die Exponate, die in den Vitrinen punktgenau angestrahlt wie auf Minibühnen präsentiert werden. Die Objekte sollen hier für sich selbst sprechen, ihre eigene Geschichte erzählen, so die Intention. Das vergilbte „Büchelchen für den unständigen Bergarbeiter“ von 1844 etwa erzählt hier davon, dass es damals zwei Klassen von Bergleuten gab, die „unständigen“ Tagelöhner und die „ständigen“ Arbeiter, die allein Mitglied der Knappschaft ­werden konnten und von deren Leistungen profitierten. Das selbst geschnitzte Trauer-Collier aus Kännelkohle, die Bar­ bara-Figuren erzählen nicht nur vom handwerklichen ­Geschick, auch von der Gefahr, der die Bergleute ständig ausgesetzt w ­ aren. Das emaillierte Tee-Ei von 1910 aus einer Grubenkantine wiederum lässt die schwere Arbeit der Frauen


Bergleute nach Feierabend selbst hoch, mit sogenannten ­„Galoppsteinen“, die sie mit Holzformen herstellten. Diese Prämienhäuser legten den Grundstein für die hohe Ei­ genheimquote im heutigen Saarland, die sogar die des Schwabenlands übertrifft. Die Ausstellung macht nach­voll­ ziehbar, wie das „Schwarze Gold“, die Landschaft, die Wirtschaft, die Politik und die Mentalität der Menschen in dem kleinsten deutschen Flächenstaat bis heute formte. ­Inzwischen erweitert, beleuchtet sie auch die Stahlindustrie, für die die Kohle die Basis bildete, und bietet einen Erlebnisparcours speziell für Kinder, um ihnen das Erbe zum Riechen und Fühlen nahe zu bringen. Was bleibt? Weit mehr als bloß ein paar Fördertürme, begrünte Abraumhalten und ein Energie-Standort Saar, den der Klimawandel vor neue ­Herausforderungen stellt. Das macht „Das Erbe“ auf jeden Fall deutlich. Und zur vertiefenden Lektüre empfiehlt sich der ­Begleitkatalog mit über 500 Seiten. S I LV I A B U S S

geöf f net: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr www. das-erbe-saarland. de

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erahnen, die damit 200 Liter Tee auf einmal für die durstigen Kehlen der Männer nach der Schicht brühen konnten. Denn in der Kaffeeküch wurde – anders als der Name suggeriert – lange Zeit gar kein Kaffee serviert. 900 Exponate enthält die Schau: historische Schriftstücke und Pläne, Ansichtskarten, tech­ nische Geräte, Alltagsgegenstände, alte und neue Fotografien und Filme. Was davon sensationell ist, liegt oft im Auge des Betrachters. Wer mag, kann sich bei seinem Gang durch diese Ausstellung von seinem spontanen Interesse an einzelnen Objekten leiten lassen. Wer es systematischer mag, sollte nicht versäumen, den Blick zu heben. Denn über Augenhöhe angebracht sind die einführenden Texte, die die Objekte in ­e inen thematischen Zusammenhang stellen. So erst erschließt sich das Ausstellungskonzept mit seinen über zwei Dutzend Kapiteln wirklich. Sie handeln von harten Alltag ­unter Tage, von Zusammenhalt und Kameradschaft, die zum Überleben notwendig waren, vom Kampf um Rechte, vom Fortschritt in der Bergbautechnik, zu dem gerade auch die Saarbergleute mit viel Erfindungsgeist beigetragen haben. Sie erklären und dokumentieren typisch saarländische ­Phänomene wie die Prämienhäuser, mit denen der Staat ab 1840 Bergleute aus entfernteren Regionen ans Saarkohle­ gebiet zu binden versuchte. Diese Häuschen zogen die

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Fotos: © Das Erbe


Der Linslerhof bei Ăœberherrn

Vornehme Behaglichkeit im historischen Gutshof


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weit entfernt. Vornehme Behaglichkeit ist ganz offenbar das Credo des Hotels. Auf insgesamt drei Gebäude – das ­Galhau-Haus, das Gartenhaus und das Gutshaus, der älteste Teil des Anwesens – verteilten sich 62 Zimmer, und keines von ihnen gleicht dem anderen. Cremeweiß das eine, mit Rosenmustern auf Überwürfen, Orchideen auf dem charmanten Beistelltisch und Gardinenstangen mit Füchsen und Hähnen als Zierelemente. Die Möbel eines weiteren Zimmers haben Renaissanceanklänge, dazu kombiniert sind kost­bare Stofftapeten mit ländlichen Szenen: Kinder im Ziegen­karren sowie Hirsche, Hunde und Hornbläser sind darauf zu sehen. Viel f lorales Dekor auf Wänden, Wäsche und Kissen, überall ­dominiert Liebe zum Detail. Der Frühstücksraum ­b esticht mit licht­voller Weite und zarte Farben in Lindgrün und ­Va­n ille. In den Restaurants St. Antonius und Georg-­Stube bietet man ­gehobene Gastronomie mit regionalen Produkten in ­a nspruchsvollem Ambiente unter wagenradgroßen Deckenleuchtern. Bei schönem Wetter sitzt man draußen im Biergarten, spaziert am Teich mit Laube vorbei zur Falknerei oder zur n ­ ahegelegenen St. Antonius-Kapelle, wo man sich auch ­t rauen lassen kann. Der Linslerhof gehört nicht nur zu den herausragenden, sich im Privatbesitz befindlichen Romantik-Hotels, er ­versprüht tatsächlich eine herzerwärmende Atmos­phäre. Kein Wunder, dass hier besonders im Sommer häufig Hochzeitsgesellschaften anzutreffen sind. Aber auch viele Geschäfts- und Kulturreisende, die ausspannen und das nahe Saarbrücken, das französische Metz oder ­Luxemburg er­k unden. Wanderwege findet man rund um den Gutshof, Leihfahrräder und Nordic-Walking-Stöcke ­stehen bereit. Wer mag, spielt Boule oder Tennis auf der n ­ ahen Anlage und erholt sich später im Day-Spa. Ansonsten gilt: Hier ankommen heißt , zu sich kommen – ein erquickliches Loslösen vom Alltag. RUTH ROUSSELANGE

Romant ik Hotel Linslerhof Überher r n w w w . l i n s l e r h o f. d e

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Mehr Idylle ist schwer vorstellbar. Vorbei an Mohnblu­ menfeldern, Wiesen und Wäldern gelangt man über eine malerisch gewundene Landstraße zum Linslerhof, einem ­h istorischen Gutshof und zugleich Vier-Sterne-Hotel im Grünen. Eine verschachtelte Ansammlung von Gehöften, Scheunen und Schobern zwischen Ahorn-, Linden- und ­K astanienbäumen tut sich hier auf im Bisttal nahe Saar­louis. Aus einem Pferdestall schauen neugierige Braune und Rappen, überall Vogelgezwitscher, Gärtchen mit guss­e isernen ­Sitzmöbeln um die Gebäude, im Biergarten blüht der weiße Holunder, ein Tummelplatz für Spatzen. Schwalben fliegen unters Dachgebälk. Eine Allee führt zu Reitanlage und Hühnerhaus. Die Gebäude, vorwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert, teils sogar noch älter, strahlen behaglichen Charme und dezente Noblesse aus. Erwähnt wurde der Linslerhof erstmals im Jahr 1154; damals war er eine landwirtschaftliche Domäne des Klosters Fraulautern. Später, im Jahr 1824, kam er in den Besitz von Nicolas Adolphe de Galhau und noch später, Ende des 19. Jahrhunderts, in den der Familie von Wendelin von Boch-Galhau. Sie beschloss in den 1990er-Jahren dort ein Hotel zu etablieren. Durch einen T ­ orbogen geht’s zur Herberge, wilder Wein wächst am großen Marstall mit der preußischen Kappendecke. Auf einem Rasen mit Zieräpfelbäumen lässt es sich gut auf Holzliegen entspannen. Seit August 2013 ist nun der Schweizer Felix Bubendorf Hoteldirektor; zuvor war er zehn Jahre lang Vizedirektor des renommierten Hotels Schweizerhof in St. Moritz. Janine Kratz, seine Lebensgefährtin, stammt aus dem saarländischen Riegelsberg und ist die Empfangsleiterin am Linslerhof. „Mit unserer Ländlichkeit und Ruhe können wir punkten“, sagt Bubendorf: „Hier gibt es Landwirtschaft, eine Jagdschule, Pferde, eine Reithalle – insgesamt gehören 330 Hektar Wald, Acker- und Sumpfland zum Gutshof.“ Die Gebäude sind aus gelbem und rötlichem Sandstein mit geschwungenen Gewänden, die Inneneinrichtung im englischen Landhausstil gestaltete Brigitte von Boch. In der großzügigen Empfangshalle befinden sich ein mächtiger Kamin, d ­ avor Ledermöbel, Geweihe an den Wänden. Im anschließenden „Roten Salon“ stehen tiefe Sessel, satte Farben – Dunkelgrau kombiniert mit Rot­tönen. Die Ölgemälde an den Wänden zeigen Jagdszenen, Kerzen f lackern auch tagsüber, auf Kommoden und An­ richten prunkt edles Porzellan, Lampen mit rost­f arbenen Schirmchen verbreiten warmes Licht. Überhaupt ist alles bukolisch, bequem und edel zugleich, von simpler Rustikalität

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Fotos: Romantik Hotel Linslerhof


WELTEN träumen 29. Juni - 21. Dezember 2014 Jerry Uelsman, o.T., 1992

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Richard M eier in Baden - Baden und Ulm

Museumsreife Leistung


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links oben: Kunsthalle Weishaupt, Architekt Wolfram Wöhr, Associated Partner im Büro von Richard Meier (bis 1990) Foto: © Christoph Seeberger

links unten: NO: Totale, Meier: Sammlung F. Burda, Baden- Baden © Roland Halbe 2004

EG: Foyer, Meier: Sammlung F. Burda, Baden- Baden © Roland Halbe 2004

Diese Kunstwerke könnten sich kaum eine bessere Bühne wünschen als Meiers elegante „Kunstvilla“. Der kantig geometrische Bau im charakteristischen Weiß des Architekten – inspiriert von Le Corbusiers früher Villenarchitektur baut Meier ausschließlich in Weiß – fügt sich wie ein Edelstein in die Parklandschaft: ein selbstbewusster Solitär, der dabei doch die umgebende Natur ebenso wenig dominiert wie die benachbarte spätklassizistische Kunsthalle. Durch den Wechsel von transparenten und geschlossenen Modulen entstehen Durchsichten, die innen und außen verbinden – der Park wird buchstäblich Teil der Ausstellung. Nachts wiederum strahlt das beleuchtete Museum in die Natur hinein. Das Wechselspiel von innen und außen, Offen- und Geschlossenheit ist charakteristisch für Richard Meiers Bau. Nicht zuletzt verräumlicht es auch das besondere Inein­­ andergreifen von öffentlichem Kulturauftrag und privatem Kunstengagement in Baden-Baden. Hier gelingt eine ­P ublic-Private-Partnership, die ebenso in ambitionierten Gemeinschaftsausstellungen mit der Staatlichen Kunsthalle ihren Ausdruck findet. Eine überraschend ähnliche Situation findet man auf der anderen Seite des Schwarzwalds vor. Auch in Ulm gelingt im Fall der Sammlung Weishaupt eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Stadt und einer der bedeutendsten Privatsammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst in Baden-Württemberg. Und auch hier markiert 2014 ein wichtiges Datum, das festlich begangen wird: Das Bestehen dieser Sammlung jährt sich gar zum 50. Mal. Außerdem beherbergt auch hier ein Musemsneubau die Ausstellungen, der vor sieben Jahren von einem Schüler Richard Meiers, dem Münchner Architekten Wolfram Wöhr, errichtet worden ist. SIMONE KRAFT

bis 26. Ok tober 201 4 40 | 10 4 0 J a h r e S a m m l u n g – 1 0 J a h r e M u s e u m F r i e d e r B u rd a M u s e u m F r i e d e r B u rd a
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Baden-Württemberg ist ein Land der Sammler und Kunstliebhaber. Im „Ländle“ findet man, gefühlt zumindest, die größte Dichte an hochkarätigen privaten Kunstsammlungen vor – und diese Schätze werden zunehmend mit der Öffentlichkeit geteilt. Einer der ersten, der diesen Schritt gewagt hat, war Verlegersohn Frieder Burda, der buchstäblich Nägel mit Köpfen gemacht hat: Seit zehn Jahren beherbergt das von Richard Meier entworfene Museum Frieder Burda in Baden-Baden nun dessen hochkarätige Sammlung – und ist dabei nicht nur schlichtes Gehäuse, sondern ein Raumkunstwerk des New Yorker Stararchitekten, das gleichrangig neben die präsentierten Kunstwerke tritt. Nach drei Jahren Bauzeit eröffnete das Haus 2004 seine Pforten und ist seither ein Glanzpunkt in der Museumsmeile an der Oos neben Stadtmuseum, LA8 und Staatlicher Kunsthalle im klassizistischen Billing-Bau. 201 4 also hat man Grund zu feiern in Baden-Baden, denn nicht nur zehn Jahre im eigenen Haus sind zu begehen, auch das Bestehen von Burdas Sammlung selbst jährt sich – zum 40. Mal sogar. Das doppelte Jubiläum wird im Sommer mit einer großen Ausstellung „40 | 10“ gewürdigt, die in den eigenen Räumen und in der benachbarten Staatlichen Kunsthalle Highlights der Sammlung präsentiert. Keine einfach zu treffende Auswahl für die Kuratoren Götz Adriani und Helmut Friedel, die beide schon lange mit dem Haus verbunden sind, denn mittlerweile hat Burda rund 1.000 Werke zusammengetragen – der Ausdruck einer ungewöhnlichen Sammelleidenschaft, denn: „Als Sammler wird man nicht geboren, aber Sammeln kommt von innen heraus. Man kann nie mehr damit aufhören.“ Das Register dieser Kollektion liest sich wie ein Who’s who der jüngeren Kunstgeschichte: Der deutsche Expressionismus ist vertreten, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke und Max Beckmann, aber auch Gemälde des späten Picasso. Arbeiten abstrakter Expressionisten wie Jackson Pollock, Willem de Kooning und Mark Rothko treten neben Meisterwerke deutscher Gegenwartskünstler. Von Gerhard Richter, Sigmar Polke und Arnulf Rainer bewahrt man in Baden-Baden gar die wichtigsten und umfangreichsten Werkkomplexe auf. Aber auch noch jüngere Positionen sind vertreten, Werke von Tim Eitel etwa, von Neo Rauch und Corinne Wasmuht.

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Baden-Baden Museum Frieder Burda


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Stadthaus Ulm, Architekt Richard Meier, Bauleitung Wolfram Wöhr Foto: Nik Schölzel

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Ulm Kunsthalle Weishaupt Ist das Burda Museum in eine Parklandschaft einge­bettet, so steht die Kunsthalle Weishaupt in einer Stadtlandschaft: Im historischen Zentrum Ulms neben Münster, Rathaus und Stadtmuseum prägt das modernistisch-strenge Glasvolumen die sogenannte „Neue Mitte Ulm“. Auch Wöhrs Gebäude spielt mit den Gegensätzen Transparenz und Geschlossenheit, mit Enge und Weite, gibt sich aber zurückhaltender als Meiers Museum Frieder Burda. Der helle, leicht wirkende Ulmer Bau aus Glas und regionalem Kalkstein wird über eine lange Treppe erschlossen, die sich über die gesamte Länge von zwei Stockwerken zieht. Der Innenraum mit vielen Durchsichten lässt bewusst der Kunst den Vortritt, während das gläserne Foyer mit einer 16 Meter hohen Schaufront den Blick in die umliegende Altstadt schweifen lässt und auf diese Weise Alt und Neu verbindet. Überhaupt, die Kunst! Begonnen hat alles 1964 mit ­einem Bild von Richard Paul Lohse. Seither hat das Ehepaar Weishaupt eine vielfältige Sammlung von Malerei und Skulptur zusammengetragen, deren verbindende Momente Schönheit und Ästhetik, Farben, Formen und Abstraktion sind. So finden sich neben geometrischer und konkreter Kunst Vertreter des abstrakten Expressionismus und der Farbfeldmalerei, neben Pop-Art treten ZERO und Op-Art. Andy Warhol und Mark Rothko, Jean-Michel Basquiat und Robert Longo, Max Bill, Hans Arp und Josef Albers stehen nebeneinander. Gesammelt wird weniger nach einem kunsthistorischen Konzept, sondern „aus dem Bauch heraus“: „Farbe ist es gewiss, die mich immer wieder leitet und fasziniert. Ja, vielleicht macht Fa rbe die Ä st het ik meiner Sa mmlung entscheidend aus – oder ihre Seele, wie Sie es formulieren.

Aber doch auch Form! Sie sehen also, meine Ausführungen bleiben eher persönlich, fügen sich nicht so elegant und kennerisch in kunsthistorische Begriffe“, erläutert Siegfried Weishaupt im Gespräch mit Peter Saalbach. Zur Jubiläumsausstellung „Leben mit Kunst“ sind nun viele Arbeiten erstmals gemeinsam – und oft auch zum ersten Mal überhaupt – zu sehen. Gezeigt wird eine sehr persönliche Auswahl, die nicht nur einen Querschnitt durch den Bestand der Kollektion markiert, sondern vor allem Entstehungsgeschichte und Entwicklung der Sammlung selbst sichtbar werden lässt. Eine Fahrt nach Ulm lohnt sich für Fans zeitgenös­ sischer Kunst und Architektur übrigens auch über die Kunsthalle Weishaupt hinaus – nicht weit entfernt steht seit den frühen 1990er-Jahren das Stadthaus Ulm auf dem Münsterplatz, ein weiterer Bau von Richard Meier. Und in der Fischergasse hat vor Kurzem die Galerie am Saumarkt von BEGE neue Räume eröffnet; ein bemerkenswerter Neubau der Stuttgarter Architekten Bottega + Ehrhardt sowie der Ulmer Architektin Catherine Hartl (siehe S. 111). SIMONE KRAFT

bis 9. November 201 4 Leben mit Kunst – 5 0 J a h r e S a m m l u n g S i e g f r i e d u n d J u t t a We i s h a u p t k unsthalle weishaupt www. k unsthallenweishaupt. de S t a d t h a u s U l m
 www. stadthaus. ulm. de BEGE Galer ien Ulm www. bege-galer ien. de


g n u

l l e w t s ie s u V a n nd e p co p u Se

Gr JOHANN BÜSEN –

GRUPPENAUSSTELLUNG –

24.06.14 bis 01.08.14

05.08.14 bis 05.09.14

KRISTIAN EVJU –

DONATA BENKER–

16.09.14 bis 17.10.14

21.10.14 bis 21.11.14

GALERIE IM VENET HAUS

Öffnungszeiten:

Bahnhofstrasse 41

Mi.- Fr.: 16 Uhr bis 19 Uhr

89231 Neu-Ulm

Sowie nach Vereinbarung.

www.galerie-im-venet-haus.de


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Zwei Ausstellungstipps: Donaueschingen und Oberschwaben Auf dem Weg von Baden-Baden nach Ulm laden Donau­ eschingen und Oberschwaben zu einem Abstecher ein. Auch in Donaueschingen hat eine private Sammlung den Schritt an die Öffent­lichkeit gewagt. Seit 2009 präsentiert man in einem klassizistischen Bau wechselnde Ausstellungen aus der Sammlung Margit Biedermann, deren Schwerpunkte zum ­einen auf der figurativen Malerei der „Neuen Wilden“, zum anderen auf abstrakten Positionen liegen. Aktuell ist hier die zehnte große Wechselausstellung – „Lichtspiele im Museum Biedermann“ – zu sehen, die den Facetten des Lichts in künstlerischen Arbeiten nachspürt. Für einen Besuch in Donaueschingen sollte man sich vor allem den Oktober vormerken. Dann finden die Do­ naueschinger Musiktage 201 4 statt, eines der weltweit renom­m iertesten Festivals zeitgenössischer Musik. In diesem Jahr rückt das Programm vor allem Komponisten ins Zentrum, die neben ihrer musikalischen Tätigkeit auch in anderen Bereichen und Kunstsparten aktiv waren und sind. Begleitet werden die musikalischen Veranstaltungen von Lesungen und insbesondere von einer umfangreichen Ausstellung, die gemeinsam mit dem KOLUMBA Kunst­ museum des Erzbistums Köln vorbereitet wird. bis 2 . November 201 4

b i s 7. S e p t e m b e r 2 0 1 4 S t e f a n R o h r e r – D R E H M O M E N Te

Museum Bieder mann, Donaueschingen

mpk – Mu seum P fal zgaler ie Kaiserslauter n

www. museum-bieder mann. de

www. mpk. de

1 7. b i s 1 9 . O k t o b e r 2 0 1 4 w w w . s w r. d e /d o n a u e s c h i n g e n

Stefan Rohrer, „Helios“, 2013, Autokarosserie, Blattgold, 120 x 161 x 430 cm, Margit Biedermann Foundation, Museum Biedermann, Donaueschingen

S O M M E R 2 014 — A U S S T E L L U N G E N

SIMONE KRAFT

Lichtspiele im Museum Bieder mann

Donaueschinger Musik tage 201 4

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Übrigens: Ein bisschen Donaueschingen kann man derzeit auch weiter nordwestlich erleben! Eine Arbeit aus der Sammlung Biedermann „gastiert“ derzeit in der Ausstellung „DREHMOMENTe“ im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern: Die Schwarzwälder haben Stefan Rohrers „Goldenen Porsche“ als Leihgabe in die Pfalz entsandt. Der Stuttgarter Künstler baut aus motorisierten ­U ntersätzen verblüffende Skulpturen. Autokarosserien, ­Motorroller und Modellautos verwandelt er in dynamische Gebilde, die die Betrachter raumgreifend und farbenfroh in ihren Bann ziehen. Sie erzählen Geschichten von Geschwindigkeit und Freiheit, von Mobilität und Unabhängigkeit, aber auch von den Schattenseiten der Motorisierung – von Un­ fällen, Umweltschäden, Verkehrsinfarkten. Unter Rohrers spielerisch-leichten Eingriffen entfaltet das Symbol Auto seine ganze emotionale Bandbreite. Das Museum Pfalzgalerie Kaiserlautern widmet Stefan Rohrer jetzt die erste museale Einzelausstellung.


Eröffnung der neuen ­Ausstellungshalle Villa Rot So., 12. Oktober 2014, 11 Uhr Vernissage Willi Siber – heute war gestern morgen Es spricht Dr. Stefanie Dathe. bis 19 . Ok tober 201 4

bis 2 1. September 201 4

Im Kunst verlag Josef Fink

bis 1 2 . Ok tober 201 4

Schloss Achberg

Schloss Mochental

­e r s c h e i n t d e r A u s s t e l l u n g s­k a t a l o g

Mu seum Villa R ot, Burg r ieden

www. Schloss-Achbe rg. de

w w w . g a l e r i e - s c h ra d e . d e

„ K u n s t ­O b e r s c h w a b e n

w w w . v i l l a - ro t . d e

2 0 . J a h r h u n d e r t – 1 9 7 0 b i s h e u t e“ .

Kunst Oberschwaben 20. Jahrhundert – 1970 bis heute Das Kunstgeschehen einer ganzen Region während des 20. Jahrhunderts ist das Thema des großen Ausstel­lungs­ projekts „Kunst Oberschwaben“. Organisiert von der „Gesellschaft Oberschwaben“ in Zusammenarbeit mit ­Museen und Galerien in der Region geht das Projekt jetzt in die finale Phase: Die Kunst seit den 1970er-Jahren ist das Thema der drei abschließenden Ausstellungen in Schloss Achberg, der Galerie Schloss Mochental und im Museum Villa Rot – die von Prof. Dr. Martin Oswald, Dr. Heiderose Langer und Dr. Stefanie Dathe kuratiert wurden. Die Ausstellungen stellen Künstler und Künstlerinnen vor, die auf vielfältige Weise mit der Region verbunden sind – in einem fruchtbaren Spannungsfeld zwischen Internationalität und Regionalität. Der Ausstellungsschwerpunkt im Schloss Achberg sind künstlerischen Positionen in Malerei, Zeichnung und

Grafik. Im Schloss Mochental wird der Schwerpunkt auf die Bildhauerei gelegt. Das Museum Villa Rot hingegen bietet Raum für Installationen, Medien- und Konzeptkunst. Heimatverbundenheit und Weltoffenheit, Verwurzelung und Entgrenzung, darum geht es in den Ausstellungen. Auch darum, tradierte Paradigmen einer vermeintlichen Rückständigkeit regionalen Kunstschaffens zu überprüfen. Gefragt wird schließlich auch danach, welche stilistischen Anregungen durch nationale und internationale Tendenzen vor Ort aufgegriffen wurden – aber auch, welche Kunstorte in Oberschwaben für die Künstler prägend waren. MARC PESCHKE

w w w . k u n s t- o b e r s c h w a b e n . d e

www.museum-galerie-fabrik.de Abb: Max Pechstein, Apfelstillleben,1948, (Detail) © Pechstein Hamburg/Tökendorf


Bot tega + Ehrhardt Architekten

Der Stoff, aus dem die R채ume sind


Installat ionen auf Kunstau sstellungen und in Foyers öf fentlicher Gebäude,

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I n t e r v e n t i o n e n i n P a r k h ä u s e r n u n d ­E i n k a u f s p a s s a g e n : Kün stle r widme n sich in de n le t z te n dre i Jahrzehnte n ve rstärk t de m G estalte n und E r s c h a f f e n v o n R ä u m e n , a l s o d e r k l a s s i s c h e n D o m ä n e d e r A r c h i t e k t u r. Wie verhält es sich umgekehr t, w e l c h e K u n s t k o n z e p t e l a s s e n A r c h i t e k t e n i n i h r e P ro j e k t e e i n f l i e ß e n ? E i n B e s u c h b e i B o t t e g a + E h r h a rd t A r c h i t e k t e n i n S t u t t g a r t .

links: Haus K, Stuttgart

Fotos: David Franck, Ostfildern

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Büroräume Bottega + Ehrhardt Architekten

S O M M E R 2 014 — A R C H I T E K T U R

Zwei Mehrfamilienhäuser auf dem ehemaligen Messegelände in Stuttgart Killesberg. Vor ­ enigen Wochen fertiggestellt, die Grasnarbe ist noch dünn, das Bauplanungsschild steht w noch vor der Fensterfront. Giorgio Bottega ist gerade erst e­ ingezogen, nebenan wohnt sein ­Büropartner Henning ­E hrhardt. Die beiden Stuttgarter Architekten haben das zwölf Wohneinheiten umfassende Ensemble für eine Bauge­meinschaft geplant, realisiert – und wohnen jetzt selbst darin. Bottega sitzt vor seiner Pasta und zeigt auf einem Tablet Fotos von „Ordos 100“, einem Projekt, an dem er 2008 gemeinsam mit Ehrhardt teilgenommen hat. 100 von Herzog & de Meuron ausgewählte Architekten aus aller Welt sollten u ­ nter der Regie von Ai Weiwei (*1957) 100 Villen, j­ eder eine, in die Dünenlandschaft der inneren Mongolei s­ etzen. Das Ganze wurde finanziert von einem vermögenden U ­ nternehmer mit umfangreicher Kunstsammlung. Eigentlich ein Traum für jeden Architekten: Wann kommt es schon vor, eine neue Stadt aus dem Nichts erschaffen zu können – so ganz ohne städtebauliche Vorgaben und frei von geschmäck­lerischen Wünschen mancher Bauherren, die sich als Hobbyarchitekten betätigen möchten? Bei „Ordos 100“ war es möglich, frisch von der Leber weg zu planen und so ein Haus ohne Rücksicht auf bauliche Altbestände und ­bürokratische Zumutungen, ohne Nachbarschaft, kurz, ohne Kontext zu bauen. All diese, die Kreativkräfte eines Baumeisters bremsenden, seinen Drang zur freien Gestaltung ein­hegenden Parameter waren bei „Ordos 100“ obsolet. Die 100 Architekten konnten sein, was sie im Berufsalltag meist nicht sind: freie Künstler. „Letztlich war das ein Zoo für ­A rchitektur“, meint Bottega heute. „So ganz ohne Vorgaben wurde das schnell zu einem Schaulauf der Prestigeprojekte einzelner Architekten, einem Neben- und Durcheinander von Visionen ohne Gesamtkonzept.“ Erschwerend kam für die mehrheitlich aus westlichen Industriestaaten stammenden Teilnehmer hinzu, dass sie nicht wussten, wie man in Asien wohnt, welche Räume im Familienleben zentral, welche marginal genutzt werden. „Ordos 100“ kam über die Planungsphase nie hinaus, das Projekt schlief im Frühjahr 2011 ein, was j­ edoch weniger an den Architekten, als am mysteriösen Gebaren des Investors und der ­chinesischen Baubehörden lag.


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Soweit die Erfahrungen von Bottega + Ehrhardt Architekten (gegründet 1998) mit freien Aufträgen aus der Kunstecke. Da sind ihnen konkrete Projekte von Kunden, deren Vorstellungen auch Kunstkonzepten gegenüber offen sind, schon lieber. Henning Ehrhardt: „Kunden kommen zu uns, weil sie konsequente Produkte möchten, weil sie von uns eigenständige gestalterische Ideen mit sichtbarer Signatur erwarten.“ Das Wunschkonzept des Kunden ist hier der Ausgangspunkt eines Prozesses, in dessen Verlauf Bottega und Ehrhardt die Essenz des gestalterischen Bedarfs herausdestillieren und so zu einer klaren Formensprache finden. „Es gibt zunehmend ein Befremden gegenüber der von Computern im Auto­ pilotmodus entworfenen Architektur, die häufig entweder Stangenware oder überfrachtete Sensationsbauten ausspucken“, ergänzt Bottega. Die beiden Stuttgarter Architekten stehen demgegenüber für langjährige Erfahrung und die stete Beschäftigung mit Interventionen im Raum, Installation und verwandten Kunstgattungen; vom Kunden kommt der Wunsch nach zu Ende gedachter Architektur und das Vertrauen in eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Bottega und Ehrhardt stellen ihre leeren Pastateller ineinander und schlüpfen in ihre Mäntel.

Einige Stunden zuvor: Henning Ehrhardt sitzt in der Bibliothek seines Office und blättert in Kunstbüchern. Ein Bildband zeigt die ölgefluteten Räume des norwegischen Installationskünstlers Per Barclay (*1955). Wo eigentlich ein Boden sein sollte, steht 20 Zentimeter hoch die zähe Flüssigkeit. Die ­D ecke spiegelt sich verzerrt in der schillernden Lache. Die Räume auf diesen Bildern wirken nackt, roh, „cru et brut“. Dies sind keine Zimmer, Büros oder Foyers, es sind tat­sächlich Räume: eingefriedete Luft, umbautes Nichts. Im Urzustand, noch ohne Bestimmung, harren sie der Bespielung wie die leere Bühne eines Beckett-Stücks und wirken dabei mächtig und extrem präsent. Einen solchen Raum einzurichten hat mit „möblieren“ nichts zu tun, sondern kommt einer ­I n­t ervention gleich, also einem Eingriff in bestehende Zusammenhänge, wie man ihn aus der bildenden Kunst kennt. Einbauten profitieren von dieser starken Präsenz und modulieren sie zugleich. Ehrhardt schließt das Buch und blickt durch die offene Tür in den Hauptbereich seines Office: Es ist ein sehr langer, relativ schmaler, komplett in ein helles Grau gekleideter Raum mit einer einseitigen, durchgängigen ­Fensterfront. Der Boden, nicht aus Öl, sondern aus Epoxidharz, verstärkt die Intensität des Raums, macht ihn zu einem


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links: Agentur Publicmotor, Stuttgart

rechts: Haus F34, Ulm

Saumarkt“. Galerist Bernd Geserick eröffnete im Herbst 2013 seine neuen Räume passenderweise mit Lichtobjekten des Postminimalisten Keith Sonnier (*1941). Dessen vielfarbige Lichtknäuel spielten virtuos im monochromen Umfeld und knüpften so Beziehungen zur konzentrierten Sprache der ­A rchitekten. Im kabinettartigen, durch einen Schacht mit ­Tageslicht versorgten Untergeschoss verstärkten sich die ­glühenden Installationen des US-Amerikaners und der Stoff, aus dem die Räume sind, gegenseitig. Wo hier die Architektur aufhörte und die Kunst begann, ließ sich – angenehmerweise – nicht sagen. HANSJÖRG FRÖHLICH

www. be - arch . com www. har tl-ulm. de

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„Riegel aus Licht“. Das umbaute Volumen schält sich geradezu aus diesen nüchternen, einfarbigen, aufs Existenzielle ­r eduzierten Wänden prägnant heraus. Die Einrichtungs­ gegenstände, die Tische und Stühle, die Rechner und Aktenordner können den mächtigen Ge­samteindruck nicht stören oder verwässern, sondern sind lediglich Staffage. Der Raum, besser, sein Volumen dominiert. Doch sobald Bewegung ins Spiel kommt, wird dieses Volumen zur Bühne: Leute, die es durchschreiten, erfahren seine enorme Präsenz, ähnlich wie in den Raum-Licht-Installationen eines James Turrell (*1943). Der reine, homogene, einfarbige Raum, der alles ­Additiven entbehrt, tritt in Dialog mit den Menschen, die er umfängt. Hans Hemmerts (*1960) fotografierte Rauminterventionen oder Carl Andres (*1935) effektiver Minimalismus schwingen ebenfalls auf dieser Wellenlänge. Was liegt näher, als diese die Wahrnehmung verstärkenden, die Aufmerksamkeit potenzierenden Raumkonzepte auch Kunstwerken angedeihen zu lassen? Bottega und ­E hrhardt haben genau dies gemacht: Gemeinsam mit der ­Ulmer Architektin Catherine Hartl realisierten sie den Neubau eines Hauses in der Ulmer A ltst adt , mitten im ­F ischerviertel. Im Erdgeschoss residiert die „Galerie am

S O M M E R 2 014 — S T U T T G A R T

Fotos: David Franck, Ostfildern


Zwei Trappistenklöster gestalten ihren Lebensraum.

Zukunftsprojekt Architektur Inneres der Kirche von Nov ý Dvůr

© Kloster Nov ý Dvůr


Ganz anders die Trappisten der Abtei Sint Sixtus im f landrischen Westvleteren: Sie wollten den gemeinschaft­ lichen Schlafsaal aufgeben, als sie Bob Van Reeth mit einem, wie sie zunächst dachten, kleinen Umbau beauftragten. Dabei stellte sich heraus, dass ihr Kloster so baufällig war, dass ein Umbau sinnlos wurde. Es entstand vielmehr im Dialog zwischen Architekt und Mönchen ein ganz neuer Klosterbau, im fast schwarzen, landestypischen Backstein. Für die Mönche erwies sich der Wunsch, den Schlafsaal aufzugeben, nur als Anlass, von der Form her ihren Standpunkt und ihr Lebenskonzept gänzlich zu ref lektieren. So fanden sie zusammen mit dem Architekten fünf Leitworte, die den Neubau cha­ rakterisieren: Einfachheit, Verinnerlichung, Nachhaltigkeit, Zeitlosigkeit und liebenswerte Gestaltung. Zwei moderne, künstlerisch exemplarische Klosterneubauten sind so in den letzten Jahren entstanden. Doch für die Mönche sind Konzept und Ästhetik nicht Selbstzweck,

sondern vielmehr Ausdruck ihres Bestrebens, einen Raum der Gottsuche in Schweigen und Gebet zu schaffen. Deshalb kann keines der beiden Trappistenklöster besichtigt werden. Auch die Kirche in Nový Dvůr ist nur zu den Gottesdiensten zugänglich. Geistliche Gastaufenthalte für einige Tage sind ­jedoch möglich. MARTIN ERDMANN

w w w . n o v y d v u r. c z www. sintsi x t us. be

S O M M E R 2 014 — A R C H I T E K T U R

der Barockzeit zu restituieren. Pawson gestaltete aus dem Anwesen eine Klosteranlage, die von Grundriss her so klassisch ist, wie ihre Formensprache radikal. Weiß die Baukörper, ­innen wie außen, und schwarz die Dächer, vielleicht eine Anspielung auf den schwarz-weißen Habit der Mönche. A ­ ußer einem Kreuz und einer Marienstatue gibt es in diesem Kloster nichts an ornamentaler Ablenkung. Das gilt umso mehr für die Kirche. Darin gibt es außer den notwendigsten litur­ gischen Einrichtungen nur mehr das Licht und die Betenden. Die Kirche ist, neben der Bibliothek, der einzige Rückzugsort der Mönche, die ganz bewusst auf Einzelzimmer – Zellen – verzichtet und sich für den klassischen, traditionellen Schlafsaal entschieden haben.

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Draußen, vor den Klostermauern, sind es vor allem ästhe­ tische Kategorien, in denen ein Kloster wahrgenommen wird. Altehrwürdige, architektonische Silhouetten prägen unser Bild vom Klosterleben, dazu auch Klänge wie das Läuten der Glocken oder der Gesang der Ordensleute. Doch gerade für sie, die ein besonderes Bewusstsein nicht nur für den Genius Loci ihres Lebensraumes, sondern auch für die Langlebigkeit ihrer Ordenstradition haben, stellt sich die Frage, wie dieser Raum für die Zukunft zu gestalten sei. Zwei Trappistenklöster, das eine in der Tschechischen Republik, das andere in Belgien, ­h aben darauf in den letzten Jahren je eigene Antworten gegeben. In Nový Dvůr, nicht weit von Marienbad in schönster Wald- und Wieseneinsamkeit gelegen, ging es vor knapp 15 Jahren darum, ein Kloster zu gründen. Mönche aus dem französischen Kloster Sept-Fons fanden in Tschechien für ihr Vorhaben nicht nur den rechten Ort, sondern offensichtlich auch den kongenialen Architekten: den Briten John Pawson. Er verstand den schmucklosen Minimalismus der trappis­ tischen Lebensweise aus seiner eigenen, schon längst entwickelten Formensprache heraus. Wo im Mittelalter ­Mönche Wälder roden mussten, galt es hier, eine Ruine aus


Zehn Jahre Kunst im Alten Pumpwerk Neckarau

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Atelier Dietmar Brixy

Altes Pumpwerk Neckarau, Mannheim

links: „Moulin Rouge Bamboo Bubble“, 2011

Wo sich heute u mgehend ei n exqu isites „ S chöner-­ wohnen“-Feeling einstellt, Flügeltüren den Blick in ein atemberaubendes Drinnen wie Draußen öffnen, sollen noch bis 1986 stinkende Kloaken gef lossen sein? Kaum zu fassen. Dass der Künstler als Bauherr zusammen mit dem Speyerer Architekten Matthias Henrich zahlreiche Denkmalschutzpreise für Umbau und Umnutzung des (ehemals 1903 vom Mannheimer Stadtbaumeister Richard Perrey errich­ teten) Gebäudes erhalten hat, verwundert hingegen nicht. Auch nicht, dass sich die viermal jährlich an Wochenenden hier ­veranstalteten Ausstellungen bei Kunstfreunden vom ­Geheimtipp zum Pflichttermin entwickelt haben. Brixys pastose Materialbilder demonstrieren eine intensive Reflexion der Natur als Ausgangspunkt für seine ganz eigene, unverkennbare expressiv-abstrakte Schichtenmalerei. Er ist dabei ein Künstler, der sich selbst treu geblieben ist auf der „Entdeckungstour“ des eigenen künstlerischen Terrains. Inspiriert wird er dabei oft von Themen, die unmittelbar vor seiner Haustür wachsen und sich motivisch als Weinstöcke,

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Ein Faszinosum markiert das „Alte Pumpwerk Neckarau“: Früher allein Industriearchitektur ist es heute das moderne Künstlerhaus des Mannheimer Malers Dietmar Brixy. ­B ehutsam saniert, konzipiert und umgenutzt als Atelier, Wohngebäude und Ausstellungsplattform, eingebettet in ­einen malerischen Garten. In unmittel- und unübersehbarer Nachbarschaft des Mannheimer Großkraftwerks nimmt sich das Industriedenkmal mit seiner kathedralhaften Fassade wie ein märchenhaftes „Kleinod“ aus neben diesem kantigen, kruden Kraftgiganten. Ein Prachtbau, der dieses Jahr ein Jubiläum feiert: „TEN. Zehn Jahre Kunst im Alten Pumpwerk“. Dass das 700-Quadratmeter-Gebäude einst ein Be­ gutachter als ein „Objekt für Unerschrockene“ titulierte, ist heute nur noch schwer vorstellbar. Hochgewachsene Palmen, ­Zypressen und Bambusbüsche, üppige Kamelien und ­R hododendren, ausgesuchte Rosenpracht und ein extra mit dem Namen „Dietmar Brixy“ gutierter Iris-Zauber aus ­f ranzösischer Schwertlilienzucht flankieren und umranken den aufwendig verzierten Backsteinbau im neogotischen Stil.

S O M M E R 2 014 — A R C H I T E K T U R

Öl auf Nessel, Durchmesser 120 cm


R  oger et Jacotte Capron S  kulpturen-Ausstellungen 2014 SüdfRAnkReiCh

Vallauris Valbonne Cannes

deutSChlAnd

Stuttgart, Remshalden   Rechberghausen ebersbach kanalstraße 50 73061 ebersbach/fils  www.harsch-kunst.de www.rogercapron.com


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Porträt Dietmar Brixy Fotos der Gebäude und Künstlerporträt: Christian Dammert

MELANIE KLIER

bis 10. August 201 4 Discover Br i x y – Sylt Gale r ie Cor nelia Kamp, Sylt www. galer ie-cor nelia-kamp. de G a l e r i e Ta m m e n & P a r t n e r, B e r l i n www. galer ie-tammen. de www. br i x y. de

S O M M E R 2 014 — A R C H I T E K T U R

„Discover“, 2014, Öl auf Nessel, 100 x 140 cm

­Spieler und Christoph Tannert, beschäftigen sich darin mit Dietmar Brix ys Malerei, s­ einem Haus und Leben als Gesamtkunstwerk.

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Bambushalme und Alleen den Leinwänden einschreiben oder als Zitronenblüten, Feigen- und Ginkoblätter aus dem ­Informellen wachsen. Und das in allen möglichen Formaten, bis hin zum Rundbild, dem Brixy-Markenzeichen, seinen „Bubbles“. „Gut 3.500 Besucher zählen wir jährlich“, weiß der Maler zu berichten. Nicht nur er ist auf diesen Zuspruch aus Kunstkreisen stolz. Auch sein Berliner Galerist, Werner Tammen, zeigt sich begeistert, nicht zuletzt wegen der seit zwei Jahren im „Alten Pumpwerk Neckarau“ praktizierten Ausstellungskooperation von Brixy mit Künstlern seiner Galerie. Dies sei neu, zeitgemäß und spreche für das Brixy-Credo eines kollegialen Geben und Nehmens, so Künstler und Galerist unisono. Dieses Jahr, zum zehnjährigen Jubiläumsfest des Ortes und der hier stattfindenden Veranstaltungen, zeigt der Mannheimer Künstler seine neuen, weiterentwickelten „Discover“-Arbeiten zusammen mit den Silikon-Skulpturen von Anke Eilergerhard und den Reliefs von Detlef Waschkau. Pünktlich zum Festakt wird auch ein neuer mono­­ grafischer Katalog aufgelegt: Ein mehr als 200 Seiten starkes Werk ­erscheint in der EDITION BRAUS, das zugleich dem Thema „Discover“ gemäß als „Erlebnis-Kunstbuch“ zu lesen ist. Hochkarätige Autoren, u. a. Ulrike Lorenz, Reinhard


Klassische Moderne und Gegenwartskunst 5. – 8. März 2015

Messe Karlsruhe www.art-karlsruhe.de

Galerie im Venet-Haus Neu-Ulm Bahnhofstraße 39 – 41 89231 Neu-Ulm Do 18 – 19 Uhr und nach Vereinbarung Tel +49 (0) 179 . 4 83 41 88 www.bege-galerien.de


BEGE Galerien

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Perspektiven aus Stahl · Stein · Holz Großskulpturen auf der Insel Mainau

Thomas Röthel Carlo Borer Robert Schad Sibylle Pasche Armin Göhringer 9. Mai bis 19. Oktober 2014

Menja Stevenson Hartmut Landauer terra incognita 28. 6. – 2. 8. 2014 Tina Tahir Neue Arbeiten · Tapestries 8. 8. – 20. 9. 2014 Markus Lüpertz Grafik · Skulptur · Zeichnungen 25. 9. – 15. 11. 2014 art.fair Köln Kölnmesse 24. 10. – 27. 10. 2014 5x5 Kleinskulpturen Ulm Perspektiven aus Stahl · Stein · Holz 29. 3. – 19. 10. 2014 BEGE Galerien 89073 Ulm Tel +49 (0) 179 . 483 41 88 www.bege-galerien.de

Galerie am Saumarkt Fischergasse 34 89073 Ulm Tel +49 (0) 731 . 934 074 11 Mo und Di nach Vereinbarung, Mi bis Sa 13 – 18 Uhr

Fischerplatz Galerie Fischergasse 21 89073 Ulm Tel +49 (0) 731 . 6 33 49 Mo und Di nach Vereinbarung, Mi bis Sa 13 – 18 Uhr


Ein Besuch bei dem Bildhauer Rober t Schad

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Auch wir im Delirium

„A CRUZ ALTA“, 2007, Santuário de Fatima (Portugal), Vierkantstahl Corten, Höhe ca. 34 m

links: Porträt Robert Schad im Atelier, Foto: Robin Billecard

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­M ärchen mit einem verblüffend realistisch anmutenden ­ ppenheim vor einem gewaltigen, gleich einer Vision vor O ­seinem Auge tanzenden Bild, das auf dem Freiheitsplatz zu stehen kommen soll und mit dem der Bildhauer den Maler „in unsere Zeit, in unsere Mitte holen“ will. Schad also ist viel ­beschäftigt. Und gefragt. „Ich sage so selten ab, das ist das ­P roblem; ich müsste einfach häufiger Nein sagen.“ Freilich, wo seine Plastiken auf Dauer bleiben wie in Besançon, am Schwarzwald-Baar Klinikum in Villingen-­ Schwenningen, in Stuttgart oder dem portugiesischen Wallfahrtsort Fátima, wo Schads Kruzifix überwältigende 34 Meter in den Himmel ragt, setzt seine Kunst stets unübersehbar Zeichen. Und bringt, wie Schad lächelnd einräumt, angesichts ihres gelegentlich arg prekär austarierten Gleichgewichts die Statiker schon mal ins Schwitzen. Dabei ist das Spannungsfeld, in dem sich sein Werk bewegt, immer bestimmt von nachgerade klassisch zu nennenden Parametern seiner Disziplin: von Ruhe und Dynamik etwa, Leichtigkeit und Schwere auch naturgemäß oder von wuchtiger Präsenz und prekärem, in tänzerischer Eleganz gehaltenem Gleichgewicht. Und stets so dicht als möglich „an der Grenze des Möglichen“. Nun aber, über Karlsruhe und Freiburg, wo er lange gelebt hat, sind wir auf dem Weg zu ihm, unterwegs nach Larians-et-Munans, wo er seit bald 20 Jahren zu Hause ist. Und ausgerechnet jetzt will es uns beinahe scheinen, als lernten wir Schad und als lernten wir vor allem seine Kunst noch einmal und aus gänzlich neuer Perspektive kennen. Weniger, weil wir später im Atelier inmitten kleinerer, für den Innenraum gedachten Plastiken dem Künstler zwischen allerlei

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Das darf man einmal eine Offenbarung nennen! Denn damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Dabei kennen wir das Werk von Robert Schad schon ein paar Jahre. All die ­buchstäblich raumgreifenden, stets aus der Linie entwickelten Stahlskulpturen, mit denen er sich in den vergangenen 30 Jahren einen Ruf erworben hat als Bildhauer von außer­ ordentlichem Rang. Linien, stets gerade, aber zugleich mal subtil, mal beinahe rabiat gebrochen, mal horizontal das ­Terrain erobernd, mal zehn, zwölf und mehr Meter vertikal nach oben strebend. Als gelte es, mit entschiedener Geste seinen Namen in den grenzenlosen Raum zu schreiben, der Zeit und der Vergäng­lichkeit ein dauerhaftes Zeichen abzuringen und zu zeigen: „Ich war hier!“ Und in der Tat: „Die Skulpturen“, sagt Schad denn auch ganz in diesem Sinne, „sie werden bleiben, wenn ich nicht mehr bin.“ In ganz Europa hat der am Heiligen Abend 1953 in ­R avensburg geborene Künstler seine Werke schon gezeigt, in Museen, Galerien und unter freiem Himmel, sei es in einem urbanen Umfeld, sei es in spannungsvollem Dialog mit ­A rchitektur oder in einem, sagen wir, landschaftlich cha­ rakterisierten, also gestalteten Kontext wie derzeit auf der Bodenseeinsel Mainau. Schad ist viel unterwegs: Linz, ­L andshut, dann Zürich, die Bretagne und danach schon ­L issabon – unentwegt sind Ausstellungen in Vorbereitung. In Hanau hat er derweil den Wettbewerb um ein Denkmal für den 1799 geborenen Maler Moritz Daniel Oppenheim gewonnen, dem neben den Brüdern Grimm und dem Komponisten Paul Hindemith wohl größten Sohn der Stadt. Schads Entwurf: Ein Delirium im Grunde, ein Bild gewordenes


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Foto: Olaf Bergmann

S O M M E R 2 014 — K Ü N S T L E R

Vierkantstahl Corten, Bodenform ca. 9 x 12 x 9,5 m / Stab auf dem Dach 41 m lang

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„DER LINIE L ANG“, 2012, Schwarz wald- Baar Klinikum Villingen-Schwenningen


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massiven und zugleich bezaubernd filigranen Maquetten und Modellen gegenüber sitzen; umgeben von auf den Arbeits­ tischen stapelweise sich türmenden, wie Telefonzeichnungen gleichsam „automatisch“ entstehenden Handzeichnungen und mithin all den Blättern „auf denen ich alles zulasse“, ohne immer gleich zu wissen, wohin das einmal führen mag. Es ist vielmehr, weil wir im Gespräch den Werdegang von seinen Karlsruher Studienzeiten bei Albrecht von Hancke und Wilhelm Loth – „eigentlich haben wir uns nur gefetzt“ – über die Spuren, die auch das Werk von Künstlern wie Horst Egon Kalinowski oder Franz Bernhard in seinem eigenen ­Œ uvre hinterlassen haben, gerade noch einmal bis in die 1980er-Jahre nachvollziehen. Damals, mit dem Werk ­„ Stuttgarter Weg“ etwa, setzt er, Schad, die entscheidenden, bis heute sein Schaffen nachhaltig prägenden Schritte hin zu ­einer eigenen Sprache und findet zu seinem eigenen, von der Konzentration auf die Linie einerseits, auf massiven ­V ier­k antstahl als ausschließliches Material andererseits ­b estimmten Stil. Als eine im Raum sich manifestierende Zeichnung, konstruktiv, doch bald schon ohne rechte Winkel in den Kompositionen. Schon zuvor auf dem Weg nach Larians freilich ist es vor allem auch der Kontext, der die Wahrnehmung, wo nicht korrigiert, so doch noch einmal radikal erweitert. Dabei scheint es, als könne seiner Kunst kaum etwas ferner sein als die grüne, einsam-hügelige Landschaft der Franche-Comté im Osten Frankreichs, nichts fremder. Aber, seltsam genug, nichts scheint auch angemessener, natürlicher, möchte man beinahe sagen; hier, wo es nichts zu geben scheint als Felder, Wald und zart noch aus der dunklen Erde treibendes Getreide, auch einen Fluss irgendwo, blassgelben Raps und saftig satte Wiesen, Käse, Milch und Kühe auf den Weiden. Selbst das Navigationsgerät verliert allmählich die satellitengestützte Orientierung, schickt uns erst einmal im Kreise und rät dann zur Umkehr irgendwo in den Feldern bei Larians. Doch als wir inmitten von ein paar Dutzend in die Landschaft gewürfelten Häusern auf der Straße fragen, weiß man sogleich Bescheid. Der deutsche Bildhauer? Der Skulpturenpark? Nur die Straße runter, gleich an der Ecke. Einen Steinwurf von hier, erzählt man sich im Dorf, habe einst Napoleon Bonaparte die Kanonenkugeln für seine Kriege in ganz Europa gießen lassen. Am Ende freilich halfen dem Kaiser all das Eisen, all die Geschütze und Soldaten nichts. Nur die Gießerei gibt es noch immer. Derweil hat hier, 200 Jahre nach Französischer Revolution und weiteren Völkerschlachten, Robert Schad das Haus der einstigen Besitzer mitsamt dreieinhalb Hektar Land gekauft.

Mit alten Bäumen, Wiesen, Weiden und vor allem mit reichlich Platz, abseits des Hauses ein modernes Atelier zu bauen und gegenüber eine Halle als Werkstatt und Lager für die mehrere Meter messenden Stahlstäbe. Sie, vom Künstler verschweißt, zurechtgeschnitten und in tonnenschwere Form gebracht, mäandern gleichsam von da aus als verblüffend ­federleicht anmutende, ja tänzerisch bewegte Linien in den Raum. Beinahe vergisst man hier, was in einem urbanen ­Umfeld, was, wo immer seine Werke stehen, ob in Berlin, ­Bremen oder Besançon, ob vor den Deutschen Botschaften in Moskau oder Kathmandu, doch eigentlich ganz selbst­ verständlich scheint: Dass nämlich, wie Schad sagt, seine Plastiken nicht nur gemacht sind, um gesehen zu werden, um sie zu benutzen oder wie den „Stuttgarter Weg“ im baden-­ württembergischen Landtag buchstäblich zu begehen, sondern, „dass meine Skulpturen den Menschen brauchen“. Dass in der Tat der Künstler nicht nur im stillen Kämmerlein an seinem Werk, sondern, immer wieder auch die Grenzen der Medien und Disziplinen überschreitend, mit Tänzern, Musikern und Architekten gemeinsam an Projekten arbeitet und so buchstäblich Erfahrungsräume für alle Sinne schafft. „Jeder, der da durchgeht“, so Schad im Hinblick auf den „Stuttgarter Weg“, gebe „der Skulptur eine andere Bedeutung.“ Das ist so bescheiden wie anspruchsvoll und kon­ sequent gedacht. Und gilt im Kern ganz prinzipiell für das Verhältnis aller Kunst zum Kunstbetrachter. Allein, hier, wo im hoch gewachsenen Gras „Rulm“ wie ein riesenhaftes, ­offenbar aus längst vergangenen Zeiten überkommenes landwirtschaftliches Gerät auf den Besucher zuzurollen droht, auf einer Lichtung rostrot „Skrit“ aus dem Jahr 2000 sich selbst ­genug erscheint und wo „Enfim“ gerade jetzt in diesem Augenblick vor einem großen, tiefen, rabenschwarzen ­Himmel still und zugleich in höchstem Maße elegant, sich scheinbar in den Hüften wiegend, mit den vom Wind ­geschüttelten Pappeln an der Grundstücksgrenze zu f lirten sich entschließt, hier scheint sich die Kunst selbst genug. Dabei imitiert sie die Landschaft nicht, bildet sie nicht ab oder ordnet sich gar eingeschüchtert unter. Allenfalls speist sie sich aus ihr. Auch. Als Linie ist Schads Plastik vielmehr reine, klar konturierte Form, geronnene Zeit im Raum. Nicht etwa selbst Natur, sondern Geste, menschliche Behauptung. Und doch ganz im Einklang mit Sonne, Regen, Wind und Wetter, mit Hügeln, Weiden, himmelhohen Bäumen. Ein merkwürdig berührender Effekt. „Wenn man die Möglichkeit hat, im öffentlichen Raum zu arbeiten“, so Schad, „dann muss man das Maximum herausholen.“ Ohne Kompromisse. Wo dies gelingt, wird alles leicht. Und schon fangen Linien und Raum, Architektur und Landschaft an zu tanzen. Wie das ‚Bild‘ vor Moritz Daniel Oppenheim. Auch wir also, ist man geneigt zu sagen, im Delirium. CHRISTOPH SCHÜT TE


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Mischa Kuball im Por trät und Inter view

Der mit dem Licht tanzt Auch wenn er sich selbst nicht als Lichtkünstler bezeichnet, ist das helle Medium, sind LED-Lampen, Diaprojektoren, Hochleistungsscheinwerfer und andere Lichtquellen bevorzugte Arbeitsmaterialien des Düsseldorfer Konzeptkünstlers Mischa (*1959). Mit seinen leuchtenden Installationen greift er unmittelbar ins öffentliche und soziale Leben ein, manchmal benutzt er auch Discokugeln oder reflektierende Stoffe und Folien, öfters Film und Fotografie. Wichtige Grundlagen seiner Kunst sind aber neben all dem technischen Equipment auch die immateriellen Qualitäten des Lichts. Es ist ihm ästhetische Sensation, aber ebenso Symbol für Erleuchtung, Erkenntnis, Aufklärung. 1984 hat der Künstler begonnen, an raumbezogenen Projekten zu arbeiten und mit verschiedenen Techniken zu experimentieren, wobei die reale Lebenswelt immer schon wesentlicher Teil seines künstlerischen Konzepts war. Neben Geschichte und Kunstgeschichte, Architektur, Städtebau und

öffentlichem Raum spielen die einzelnen Menschen und die Gesellschaft in ihrem sozialen Funktionieren eine ebenso zentrale Rolle in seinem Werk. „Ich will den öffentlichen Raum nicht der Ökonomisierung preisgeben.“ Nach P rofessuren in Leipzig und K arlsr uhe ist Mischa Kuball seit 2007 Professor für Medienkunst an der Kunsthochschule f ür Medien in Köln, wo er das „-1/ ­M inusEins“-Experimentallabor gründete. Im Übrigen beantwortet der Künstler gerne Fragen zu seiner Kunst, denn er weiß, dass es manchmal Gesprächs­ bedarf gibt. Nicht nur mit dem Kunstpublikum, sondern ebenso gilt es ja, die Menschen von der Mitarbeit an seinen Projekten zu überzeugen. Bei der São-Paolo-Biennale 1998 waren es Favela-­ Bewohner, die den Künstler in ihr Haus ließen und eine alte gegen eine neue Lampe tauschten („Private Light/Public Light“). 2010 waren es Bewohner des Ruhrgebiets, die dem


127 MK / Porträt – der Künstler in seinem Projektarchiv von © Bernd Wichmann, Düsseldorf

links: „Ghost Tram“ Foto: Krz ysztof Szewcz yk, Katowice © VG Bild- Kunst, Bonn 2014

Mischa Kuball: Der Eindruck täuscht nicht, in den letzten sieben bis zehn Jahren haben sich für mich die Fragestellungen vom künstlerischen Eingreifen in öffentlichen Raum verdichtet. Dabei gibt es oft verschiedene Phasen der Teilhabe und Sichtbarkeit. Entstanden sind die „public prepositions“ ab 2009 im Rahmen eines sogenannten Kollateralprojekts anlässlich der damaligen Biennale von Venedig. Es ging um Orte, die eine verborgene Identität haben – etwa die Caserma Cornoldi, die gleich zwei Geschichten beherbergt, diejenige der von Napoleon vertriebenen Nonnen des vormaligen Klosters und die der heutigen Nutzung als Basis für Nato-Einsätze. Wie macht man diese zwei Narrationen und all die ihnen innewohnenden Aspekte sichtbar? „INTERVENTO“, der daraufhin von mir auf die Wand projizierte Schriftzug, war der Nukleus der neuen Projektreihe „public prepositions“.

MK: In erster Linie ein unvorbereitetes Publikum, ohne Detailkenntnisse über das Geschehen vor Ort. Es ist allerdings zu beobachten, dass sich mit der Zeit so etwas wie eine verschworene Gemeinschaft bildet. Das erste Mal konnte ich das bereits bei „refraction house“ 1994 in der Synagoge in Stommeln bei Pulheim beobachten. Manchmal setzen die späteren „public prepositions“ auch auf ein irritierendes Moment wie beim „GhostTram“ im polnischen Katowice, einem weiß leuchtenden Straßen­ bahnzug, der – ohne mit jemandem Kontakt aufzunehmen – Nacht für Nacht auf immer anderen Wegen durch die Stadt fuhr. Die Reaktionen darauf waren sehr extrem! Einige rannten, fuhren neben der Bahn her und trommelten mit den Fäusten gegen die Türen und Fenster; andere reagierten leiser: Eine Frau schrieb uns, dass ihre Großmutter in diesem Zug ­gesessen hätte – auf dem Weg in das Todeslager Auschwitz ... ARTMAPP: Wie ist die Resonanz der beteiligten Menschen? MK: Die Reaktionen machen das Projekt ja erst aus – so wie jüngst in Marl („Les fleurs du mal [Blumen für Marl]“) eine leere Vase vor dem Rathaus dazu einlud, sie mit Wasser und Blumen zu füllen – oder eben nicht. Ein Geschenk mit Selbstverpflichtung. ARTMAPP: Was ist mit den Nachbarn, den ­A nwohnern, den Passanten? MK: Man kann schlecht voraussagen, was kommen könnte. Erfahrungsgemäß entsteht eine Verbindung unter den Akteuren wie etwa bei den 100 Familien bei „New Pott“, die kannten sich ja untereinander nicht, wurden aber durch dieses Projekt imaginär verbunden. Ähnlich war es in São Paulo 1998. In Lüneburg bei „urban context“ waren allerdings alle gegen das Projekt – und gegen mich!

S O M M E R 2 014 — K Ü N S T L E R

ARTMAPP: Herr Kuball, inzwischen sind Sie ja – so scheint es jedenfalls – fast ausschließlich im öffentlichen Raum künstlerisch tätig. Was hat es mit den „public prepositions“ auf sich?

ARTMAPP: Wen möchten Sie mit den oft ja ­temporären Arbeiten erreichen?

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Künstler im Tausch für eine Lampe die Geschichte ihrer Migration und ihres Ankommens in der Ruhrgebietsgesellschaft erzählten. Die multimedialen Arbeiten von „New Pott“ geben den Menschen diesmal ein Bild und eine Stimme und öffnen auf diese Weise wiederum die Grenze zwischen Kunst und Leben. Denn nach der São-Paulo-Biennale, so Mischa ­K uball, „blieb die große Sehnsucht, die Geschichten der ­Menschen in das Werk mit einzubeziehen“. In der Arbeit, die im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas RUHR 2010 entstand, sind es nun die Erzählungen der Menschen, die – aufgezeichnet und in Bildern dokumentiert – im Mittelpunkt stehen. Individuelle Träume und kollektive Sehnsüchte, ­g roße Hoffnungen und große Nöte finden endlich ein Ohr, erfüllter Alltag, gelungene oder improvisierte Lebensent­ würfe, gelöste Probleme und erfolgreiche Kämpfe haben endlich eine Bühne. Die Arbeit hat nun ihrerseits eine neue Heimat gefunden: das Lehmbruck Museum in Duisburg. Hier führte Katja Behrens das Interview mit Mischa Kuball.


Ausstellung „Les Fleurs du Mal“ (Blumen für Marl) Foto: Skulpturenmuseum Glaskasten Marl

Wesenhafte des Lichtes, ebenso wie seine Abwesenheit, zum Thema wird. Daneben werden die einstigen Nutzungen dieses Betonbaus als Wasserreservoir und später dann als Bunker zu befragen sein, denn die militärische Bedeutung mag heute weniger relevant sein, dafür hat der Zugang zu sauberem Trinkwasser in unserer Welt eine deutliche Gewichtung und Politisierung erfahren. Wer heute Wasser hat, besitzt Macht! Die sich wandelnde Funktion des massiven Baus wird im transitorischen Medium Licht evident – so ist aktuell jedenfalls der Plan. ARTMAPP: Gibt es ein Projekt, das Ihnen ­besonders viel bedeutet hat? Was treibt Sie an?

ARTMAPP: Was werden Sie im Sommer 2014 in Salenstein, in ihrer neuen Arbeit realisieren? MK: Alle drei Orte (die Räume von „The View – Contemporary Art Space“) haben eine sehr eigene Ausstrahlung – gemeinsam ist ihnen vor allem die Absenz von Tageslicht. So entstand die Idee zu „Dunkle Kammer“, in der das

Mischa Kuball, Simulation „dunkle Kammer“, ­Installationsansicht „The View“, Salenstein, Archiv Mischa Kuball, Düsseldorf © VG Bild- Kunst, Bonn 2014

MK: Es sind immer die noch nicht vollendeten Projekte, die mich provozieren, dranzubleiben. Denn erst einmal braucht ja keiner diese Interventionen zwingend, aber eventuell ist ­gerade das auch ihr Vorteil, dass sie eben nicht per se einer Funktion folgen müssen. Manche Arbeiten haben aber natürlich einen hohen ideellen Wert, ihre Realisierung scheint mir dann sozusagen politisch geboten. Etwa bei „New Pott“ oder dem Lampentransfer ins Erdbebengebiet im neuseeländischen Christchurch. ARTMAPP: Wo finden sie statt und wie werden die Orte für Interventionen ausgewählt? MK: Nach dem ersten Versuch in Venedig, der sich übrigens als sehr aufwendig und kompliziert erwies, ging es in Marfa,


Texas, und anschließend in Bern in der Schweiz weiter. Dort wurde ein Theater im Zentrum der Stadt für 24 Stunden zu einem „öffentlichen Raum“. Fußgänger und Radfahrer mussten das Theater als Behelfsweg benutzen, denn die eigentliche Straße war versperrt. Auch vier Schäfer mit ihren Hunden und 300 Schafen wurden durch dieses Theater geschleust. In Toronto in Kanada dann arbeitete ich mit zwei professionellen Fensterputzern zusammen; das Ergebnis war eine weithin sichtbare Lichtspur, hervorgerufen allein durch je zwei geputzte Fenster pro Stockwerk eines Hochhauses. ARTMAPP: Mischa Kuball, vielen Dank für das Gespräch!

bis Ende 201 4

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L E S F L EU R S DU M A L (Blumen f ür Marl) Sk ulpt ure nmu se um Gla ska ste n Marl www. sk ulpt ure nmu se um-gla ska ste n-marl . de bis 28. September 201 4 dunkle Kammer T h e V i e w C o n t e m p o ra r y A r t S p a c e , S a l e n s t e i n a m B o d e n s e e www. the-view-ch. com www. mischak uball. com

Das Ausstellen ausstellen. Professor Mischa Kuball lädt ein. A L E X A N D E R B A S I L E U N D A L W I N L A Y, D I E A U S S T E L L U N G , K I T – K U N S T I M T U N N E L , D Ü S S E L D O R F

23. August bis 20. September 201 4 Alexander Basile und Alwin Lay Die Ausstellung K I T – K u n s t i m Tu n n e l , D ü s s e l d o r f

S O M M E R 2 014 — K Ü N S T L E R

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Bernhard Cella, Gilbert und George, „Die Ausstellung“ K ATJA BEH REN S

Foto: Bernhard Cella

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Unter der Rheinuferpromenade am Düsseldorfer Mannesmannufer, in einem Restraum der Tunnelröhre, befindet sich eines der jüngsten Düsseldorfer Ausstellungshäuser, das KIT – Kunst im Tunnel. Mit seinen 888 Quadratmetern Aus­ stellungsf läche wird der abfallende, 1 40 Meter lange, ellipsenförmige Raum, der ein bisschen an einen Schiffsbauch erinnert, seit 2007 für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst verwendet. In diesem Sommer, vom 23. August bis 20. September, wird das KIT vier Wochen lang Schauplatz eines spannenden Ausstellungs­experiments sein – bis dann am 20. September Eröffnung und Finissage zusammenfallen. Der erste wird auch der letzte Tag sein, alles andere ist die Sichtbarmachung des Ausstellens selbst. Die beiden Künstler Alexander Basile und Alwin Lay haben, eingeladen von ihrem ehemaligen Professor Mischa Kuball, eine Ausstellung ersonnen, die nie wirklich fertig, vielmehr ständig im Prozess sein wird. Aufbau, Präsentation, Dokumentation und Abbau werden sich immerfort abwechseln, denn der Blick hinter die Kulissen, ja die Kulissen selbst sind die eigentliche Ausstellungsinszenierung. Die Besucher sind aufgerufen, immer mal wieder ­vorbeizukommen und die Puzzlestücke dieser Ausstellung selbst imaginär und in der eigenen Erinnerung zusammenzufügen – wobei am Ende ein Katalog helfen wird, dieses Projekt auch historisch und theoretisch einzufangen. Das Medium Fotografie ist allen 19 geladenen Künstlern Ausgangspunkt ihrer Inszenierungen: das Material und seine Eigenschaften stehen dabei ebenso zur Diskussion wie etwa die Darstell­ barkeit von Realität, der Wahrheitsgehalt der R ­ eproduktion oder „seine Bedeutung auf anderen Ebenen, jenseits seiner reinen Abbildhaftigkeit“, wie es im Manifest zu „Die Ausstellung“ heißt. Verschiebungen und Umdeutungen des klassischen Formats Ausstellung sind dabei programmatisch, gehören doch auch die technischen, scheinbar marginalen Bedingungen des Ausstellens diesmal dazu: die Vorproduktion und Vor-Ort-Produktion, die Werbung in Plakaten, Texten und anderen außenwirksamen Medien. Eben das gesamte Paket.


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Inter view mit Katja Aßmann, Künstlerische Leiterin Urbane Künste Ruhr

Ruhrgestalterin ARTMAPP: Frau Aßmann, die Kultur Ruhr GmbH basiert auf vier Säulen. Eine davon ist der Bereich der Kunstorganisation Urbane Künste Ruhr, deren künstlerische Leitung Sie seit 2012 inne haben. Könnten Sie uns kurz beschreiben, wie das Ganze funktioniert? Katja Aßmann: Um die Frage zu beantworten, würde ich gern in Erinnerung rufen, wie die Konstruktion für das Nachhaltigkeitsanliegen aus der Kulturhauptstadt Europas RUHR 2010 von den Gesellschaftern Regionalverband Ruhr und dem Land NRW formuliert wurde. Sie hatten sich überlegt, dass es über das Kulturhauptstadtjahr hinaus etwas geben sollte, das für die Region weiterbesteht. Sie haben sich angeschaut, welche Institutionen, die regional arbeiten und bestimmte Schwerpunkte haben, es schon gibt. Man könnte vielleicht sagen, dass von den vier Säulen die Ruhrtriennale und Urbane Künste Ruhr sich noch am Ähnlichsten sind, weil wir regional aufgestellt sind. Bei der Ruhrtriennale ist es so, dass es einen Festivalzeitraum von sechs Wochen gibt. Wir aber treten das ganze Jahr über in Erscheinung. Auch das choreografische Zentrum „PACT Zollverein“ arbeitet das ganze Jahr, aber sehr bezogen auf das Haus in Essen. Das „Chorwerk“ gibt immer an unterschiedlichen Orten Konzerte. Während des Festivals Ruhrtriennale kommen diese vier Programmsäulen zusammen. Einmal im Jahr verbünden wir uns also und präsentieren Arbeiten und Produktionen im Rahmen der Ruhrtriennale. ARTMAPP: Kontaktpflege untereinander ­betreiben Sie aber das ganze Jahr über? KA: Ein gutes Beispiel: Gerade komme ich von einem Treffen mit den RuhrKunstMuseen. Mit drei Kunstinstitutionen aus dem Netzwerk realisieren wir aktuell das Kooperationsprojekt im öffentlichen Raum „gestern die stadt von morgen“ an drei Orten in der Kulturmetropole Ruhr. Die Ausstellung wirft einen neuen künstlerischen Blick auf die architektonischen Zukunftsvisionen der 1960er- und 1970er-Jahre in Marl, Bochum und Mülheim an der Ruhr. Ich freue mich, dass diese Zusammenarbeit zustande gekommen ist, weil man gemeinsam die Synergien und die Stärken einzelner besser nutzen kann. Das ist Netzwerkarbeit in ihrer besten Form. ARTMAPP: Die Mittel werden zurzeit überall gekürzt. Betrifft das auch Sie, und wie verhalten Sie sich dazu? K A: Ich kann Ihnen sagen, dass in fast allen Disziplinen und in ganz vielen Kreisen die Nothaushaltssituation eine Rolle spielt. Das brennt den Leuten hier unter den Nägeln, weil auf absehbare Zeit die Budgets immer weiter gekürzt

werden. Da braucht es nicht bloß einzelne Netzwerke wie das der Museen, sondern ein breites Netzwerk von unterschiedlichen Institutionen und Kulturschaffenden, die sich mit dem Thema beschäftigen. Diese Art Netzwerke kreieren sich gerade neu. Und damit sich das entwickeln kann, ist so etwas wie ein Symposium unglaublich wichtig. Da gab es auch immer viele lange Pausen, wo die Leute f leißig Kärtchen ausgetauscht und ein Weinchen getrunken haben. Mit einer weiteren Veranstaltungsreihe, dem Urbane-­ Künste-Ruhr-Salon, laden wir Bürger und Fachleute aus der Region ein, sich über ein Thema, das uns wichtig ist, auszutauschen. „Stadtlabore“ war eines der ersten Themen, das wir behandelten. Wir haben dazu unter anderem ein sehr umstrittenes, wie ich finde, spannendes und in aller Munde gewesenes Labor, nämlich das „BMW Guggenheim Lab“ und dessen Mitkuratorin Corinne Rose, eingeladen. Außerdem das Künstlerkollektiv KUNSTrePUBLIK. ARTMAPP: Wir würden gerne auch ein bisschen über das Ballungszentrum Ruhrgebiet mit Ihnen sprechen. Welche Chancen bzw. Probleme ergeben sich aus dieser von Dezentralität geprägten Kulturlandschaft? KA: Es stecken Chancen und es stecken natürlich auch Lasten in der Dezentralität. Die 53 Städte und Gemeinden, die alle Oberbürgermeister oder Bürgermeister haben, sind aus wirtschaftlichem Druck heraus schon sehr auf sich bezogen. Das Kirchturmdenken ist ein großes Problem. Da hatte bereits schon die Kulturhauptstadt RUHR 2010 Projekte angestoßen und Kooperationen unter den Städten bewirkt. Über solche kleinen Erfolge gab es dann auch immer stärker interkommunale Arbeitskreise. Es ist andererseits aber auch gut, dass die Städte ihre eigene Identität behalten haben, weil man als Stadtbewohner ja, sogar eher noch auf seinen Stadtteil hin ausgerichtet ist, vergleichbar mit dem Kiezdenken. Ich glaube auch, dass diese Vielfalt weiter bestehen bleiben sollte. Das, was mit der Vokabel „Kulturmetropole Ruhr“ gemeint ist, heißt ja, dass die Region, wenn sie sich für die Zukunft aufstellen will, untereinander abgestimmt arbeiten muss, weil die einzelnen Städte allein viel zu schwach sind. Es gibt einen Pakt für die ganze Region. Und ich glaube, das ist auch gut so. ARTMAPP: Vor dem Hintergrund des enormen wirtschaftlichen, demografischen und kulturellen Wandels im Ruhrgebiet: Die Städte schrumpfen, die bildungsnahen Schichten wandern sukzessive ab in andere Regionen. Das kulturelle Prekariat verbreitert seine Basis. Nimmt die Kultur in dieser veränderten Gesellschaft nicht auch die Rolle einer Reparaturinstanz ein?


KA: Lassen Sie uns beim Beispiel Ruhrtriennale bleiben. Sie haben vielleicht die Arbeit „Tower / Instant Structure for Schacht XII“ des britischen Künstlerkollektivs rAndom International auf Schacht XII des UNESCO-Welterbes Zeche Zollverein letztes Jahr in Essen gesehen? Das war der Beitrag von Urbane Künste Ruhr zur Ruhrtriennale. Und da hat sich das ganz wunderbar gemischt. Da war immer auch ein großer Anteil nicht nur von Essenern, sondern auch von aus dem gesamten Ruhrgebiet angereisten Menschen, die bisher eigentlich niemals zur Ruhrtriennale gingen, die sich aber ganz munter vor allem nach den Vorstellungen mit den Triennale-Gängern gemischt haben. Ich glaube, mit solchen dann doch niederschwelligen, aber trotzdem anspruchsvollen Projekten erreichen wir auch ein breiteres Publikum. Und natürlich ist das alles immer kostenlos, das ist ganz klar. Im öffentlichen Raum werden wir hier nie irgendwelche Zäune um ein Projekt bauen, um Eintritt zu nehmen. Ich bin schon gespannt, wie die Besucher dieses Jahr auf die Installation „MELT“ des brasilianischen Künstlerduos cantoni crescenti im Landschaftspark Duisburg-Nord reagieren werden.

KA: Bochum steht vor dem größten Paradigmenwechsel in seiner Geschichte: Die Stadt des Bergbaus und der Industrie vollzieht mit der Schließung des Opel-Werkes den Wandel zu einer post-industriellen Stadt. Gemeinsam mit dem Schauspielhaus Bochum stellen wir mit dem internationalen Stadt- und Kunstfestival „DAS DETROIT-PROJEKT“ die Menschen in den Mittelpunkt und ihre Fähigkeit, Zukunft zu gestalten. Kuratoren, Künstler und Stadtbewohner aus Bochum und Europa suchen nach Antworten zur Zukunft der Stadt, der Arbeit und der Kunst in Europa. Über 20 Kunstprojekte von internationalen und nationalen Künstlern werden realisiert. Die entstehenden Arbeiten sind sehr unterschiedlich und auch formal vielseitig. Jeder Künstler, jede Künstlerin und jedes Kollektiv wählte einen eigenen Weg. So steht jede Arbeit für sich und muss als eigener künstlerischer Beitrag zu dem Projekt betrachtet werden. Doch sie alle stellen sich der Tatsache, dass Menschen ihre Arbeit verlieren. Gemeinsam geben sie einen engagierten Impuls, der die Stadt und ihre Bewohner ermutigt, das öffentliche Leben und ihre Zukunft aktiv zu gestalten. Das Projekt hat das Potenzial, internationale Aufmerksamkeit zu erregen und zugleich lokal neue Perspektiven zu eröffnen im Wechselspiel zwischen Kunst und Urbanität. ARTMAPP: Frau Aßmann, wir danken Ihnen für das Gespräch. Das Interview führten Nicole Büsing & Heiko Klaas.

ARTMAPP: Das von Ihnen initiierte ­„ DETROIT-PROJEKT“ in diesem Jahr nimmt in Anspielung auf die einst bedeutende, heute vor allem darniedergegangene US-amerikanische Automobilstadt Detroit die Schließung des Opel-Werkes in Bochum zum Anlass, ­Kunstprojekte und Interventionen anzustoßen. Können Sie dieses Projekt näher erläutern?

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S O M M E R 2 014 — R U H R K U N S T

ARTMAPP: Wer nutzt eigentlich die Kunst- und Kulturangebote im Ruhrgebiet? Gibt es da eine „In Crowd“? Bei der Ruhrtriennale etwa ist eher ein gehobenes Publikum zu sehen. Wie kann man daneben ein neues, vielleicht auch kulturfernes Publikum gewinnen?

Porträt Katja Aßmann Foto: Roman Mensing © Urbane Künste Ruhr

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KA: Kann Kunst die Aufgaben übernehmen, die Disziplinen wie Sozialarbeit oder Stadtplanung nicht mehr stemmen können? Nein, natürlich nicht. Ich glaube nur, gerade weil es eine schrumpfende Region ist, gerade weil es Abwanderung gibt, muss Kultur für uns unglaublich wichtig sein. Denn es ist ja nicht so, dass man dann weniger Kultur braucht, sondern man braucht eigentlich mehr davon, um wieder attraktiv zu werden und ein urbanes Umfeld entstehen zu lassen. Ich würde nicht sagen, dass die Kultur irgendetwas heilen kann, aber es kann auch nicht sein, dass sie verschwindet, nur weil es Abwanderung gibt. Ich glaube im Übrigen auch gar nicht, dass hauptsächlich die bürgerlichen Schichten abwandern. Es sind ganz stark die Arbeiter, die arbeitslos geworden sind, die die Region verlassen.


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„gestern die stadt von morgen“ & „RuhrKunstSzene 2014“

Kunst im Revier Im Jahr 2010, als mit dem Ruhrgebiet eine ganze Region zur Kulturhauptstadt Europas erklärt wurde, haben sich 20  Museen der so geschaffenen Kulturmetropole Ruhr zusammen­ geschlossen, um ihre herausragenden Sammlungen moderner und zeitgenössischer, euro­päischer und außereuropäischer, freier und angewandter Kunst stärker zu vernetzen. So war die RUHR 2010 der Startschuss für eine ambitionierte Zusammenarbeit der RuhrKunstMuseen, die ganz offensichtlich bis heute andauert. Zwischen Hamm und Duisburg, ­Bochum, Hagen und Marl, zwischen Dortmund und Oberhausen, Essen und Bottrop geht es hin und her – gemeinsame Projekte werden in Kooperation mit Ruhr Tourismus und Urbane Künste Ruhr entwickelt. Einer der Ausgangspunkte dabei ist die urbane Landschaft des Ruhrgebiets und ihre Transformation. Katja Behrens stellt Ihnen einige der Projekte vor.

Niklas Goldbach, „The World“, 2012, HD -Video, 13 Min., Videostill © Niklas Goldbach

Ein Kunstprojekt an drei Orten „gestern die stadt von morgen“ heißt das Kooperationsprojekt, bei dem das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr, das Skulpturenmuseum Glaskasten Marl und die Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum vom 22. Juni bis 2 4. August 201 4 mit den Urbanen Künsten Ruhr gemeinsame Sache ­m achen – beim Blick auf die architektonischen Zukunfts­ visionen der 1960er- und 1970er-Jahre, die das Bild und die Wahrnehmung vieler Ruhrgebietsstädte nachhaltig geprägt haben. Heute mögen die Utopien verblasst sein, damals waren diese Bauten Ausdruck einer zugleich optimistischen Lebens­ haltung und frohen Zukunftserwartung. Kaum zu glauben. Das Mülheimer „FORUM-City“-Center ist vielleicht ein scheußlicher Bau, ein hoher gesichtsloser Koloss am Bahnhof, und die Ruhr-Universität Bochum ebenso wie das Rathaus in Marl wirken in ihrem zubetonierten Modernismus ziemlich militant. Dennoch folgten diese gerasterten Glas-Beton-Fassaden mit ihren Stahlbetonskeletten einst ­einer Vision, bei der neueste Materialien und fortschrittliche Technik eine große Rolle spielten: Spannbeton wurde zu ­g ewagten Hängekonstruktionen, gläserne Durchblicke ­betonten die Kontinuität der lichten Räume, öffneten Innenund Außenraum – Intention war, eine nicht hierarchische, offene Form zu schaffen, die auch auf die Transparenz und

Zugänglichkeit der Häuser für die Bürger der Stadt hindeuten wollte. Autoritäre und Ehrfurcht heischende Baustile sollten überwunden werden. Ob man das nun heute schön findet oder nicht, man erkennt noch immer, was die Bauten uns mitteilen wollten über ihr Verständnis von Gemeinschaft und Bürgersinn. Der Geist des Aufbruchs in einer Zeit des beginnenden Niedergangs des Kohle- und Stahlreviers ist an Architektur und Stadtbildern nach wie vor ablesbar. Ausstellungen, aber auch künstlerische Arbeiten vor Ort thematisieren nun ebenjene Architekturvisionen und -utopien, indem sie fragen: Wie sah gestern die Stadt von morgen aus?

b i s 7. S e p t e m b e r 2 0 1 4 gester n die stadt von morgen E i n K u n s t p ro j e k t a n d r e i O r t e n i n d e r K u l t u r m e t ro p o l e R u h r w w w . u r b a n e k u e n s t e r u h r. d e www. sk ulpt ure nmu se um-gla ska ste n-marl . de www. k usa-r ub-moder ne. de www. k unst museum-mh. de


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„FORUM - Cit y“- Center mit Wohntürmen, Mülheim an der Ruhr, 1976, geplant vom Architekten Hanns- Henning Lautz und 1974 fertiggestellt © Medienkompetenzzentrum, Mülheim an der Ruhr

Gelsenkirchen) in den 1920er- und 1930er-Jahren im Ruhrgebiet gemacht hat und die nun erstmals überhaupt gezeigt werden. Daneben gibt es historische Fotos, dokumentarische Positionen und experimentelle Fotografien von Künstlern aus der Region. Gleich um die Ecke in Herne richten die Flott­m ann­ ha llen u nd d ie St ädt ische Ga ler ie gemeinsa m eine Gruppenausstellung aus, das Skulpturenmuseum Glas­ k a sten M a rl zeig t ei ne Au sstel lu ng der br it isc hen Künstlerin ­C harlotte Moth. Zur „RuhrKunstSzene 201 4“ kümmert sich das ­Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr um den subversiven Geist. So heißt die Ausstellung mit Fotografien, Filmen, ­A ktionen und Installationen, in denen bestehende Ordnungs­ systeme und die medialen Grenzen der Kunst fröhlich ignoriert und lustvoll ausgereizt werden. „Der subversive Geist“ inszeniert und verwandelt sich gern und ist mitunter sogar höchst trivial. In der Panoramagalerie des Schlosses Oberhausen gibt es zur „RuhrKunstSzene 201 4“ „stromaufwärts – junge ­Posi­t ionen“, eine Gruppenausstellung zur jungen Szene im Ruhrgebiet: Fotografie, Grafik, Installation und was sonst das gegenwärtige Kunstschaffen vor Ort repräsentiert.


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Neben vielen anderen Projekten lassen auch die Ausstellungen der Initiative „RuhrKunstSzene 2014“ die Region noch einmal strahlen. Zehn Museen in neun Städten wagen (vom 6. September bis 9. November 2014) einen Rundumblick und betrachten aktuelle und moderne Kunstpositionen, die in ­irgendeiner Weise für die Region bedeutsam waren und sind. Wir richten mit ihnen den Blick auf die „RuhrKunstSzene 2014“, wobei die außergewöhnliche Dichte an Museen in der ehemaligen Industrieregion natürlich ein Plus für alle Kulturreisenden ist. Die Ausstellung „Neue Heimat Ruhrgebiet“ im Kunstmuseum Bochum befragt die Kunst der Metropolregion Ruhr auf die Facetten ihrer „vielfältigen künstlerischen Identitäten“ hin und spürt den Impulse der aus dem Ausland stammenden Künstlerinnen und Künstler nach, die im Revier eine neue Heimat gefunden haben. Auch das Museum DKM / Stiftung DKM in Duisburg zeigt Künstlerinnen und Künstler, deren Arbeitsmittelpunkt die eigene Stadt bzw. die Ruhrregion ist: Bildhauer, Maler, Installationskünstler und Fotografen. Das Kunstmuseum Gelsenkirchen präsentiert weitgehend unbekannte Arbeiten basierend auf den Fotografien, die der Künstler und Grafikdesigner Anton Stankowski (*1906 in

S O M M E R 2 014 — R U H R K U N S T

RuhrKunstSzene 2014


Martin Kippenberger, „Mutti hol mich von der Zeche, ich kann das Schwatte nicht mehr sehn“, 1983, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr © Estate Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Köln

Außerdem wird es im Kabinett eine Kunstinstallation von Billie Erlenkamp (*1962) zum 100-jährigen Jubiläum des Rhein-Herne-Kanals geben: „Reisebüro“. „Abstrakte Kunst im Ruhrgebiet – Farbe als Malerei“ ist das Thema in der Kunsthalle Recklinghausen. Die ­m onochromen Bildkonzepte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben sich auch in Arbeiten vieler Künstler der Region niedergeschlagen. Farbe wird um ihrer selbst willen zum Bildthema, frei und ohne an den Gegenstand gebunden zu sein.

Das Märkische Museum Witten widmet der in Herdecke ­g eborenen Kü nst ler in F r au ke D a n ner t eine E in zel­ au sstel lu ng , i n der d ie Kü n st ler i n ei ne begehba re Rauminstallation r­ ealisieren wird. Auch ihre Collagen ­s etzen sich mit dem Spannungsfeld zwischen realem und simuliertem Raum auseinander. September bis November 201 4 „ R u h r K u n s t S z e n e 2 0 1 4“ d e r R u h r K u n s t M u s e e n www. r uhrk unst museen. com

Ausstellungstipps für die Region Die Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen etwa zeigt eine Ausstellung der Fotografin Eve Arnold. Die US-amerikanische Fotografin (1912 – 2012) und Inge Morath waren 1951 die ersten Frauen, die Mitglied der Fotoagentur MAGNUM wurden. Marilyn Monroe, Malcolm X, Jackie Kennedy, aber auch kubanische Bordelle oder südafrikanische Slums waren ihre Motive. Eine Werkschau mit politischen Reportagen, Modeaufnahmen und Reisebildern (bis 7. September). Ganz in der Nähe, nur eine Autobahnausfahrt weiter, geht es zum Josef Albers Museum Quadrat, jenem, ja, an­ nähernd quadratischen Bau von 197 6, der die größte öffentliche Sammlung mit Werken des 1888 in Bottrop

geborenen Künstlers bewahrt, der vor allem für seine Bilderfolgen „Hommage to the Square“ berühmt wurde. Das Quadrat diente Albers als Folie und Raster für seine Farb­ studien. Im Frühsommer (bis 10. August) ist hier nun eine Ausstellung mit Landschafts­b ildern des Fotokünstlers ­Bernhard Fuchs (*1971) zu sehen: sachlich und emotional zugleich, geduldig und verschwiegen. Daneben zeigt eine kleine Sonderschau Albers allererstes und sein allerletztes Quadrat. Vom 24. August bis 9. November folgt dann eine Ausstellung mit Zeichnungen und Skulpturen des US-amerikanischen Bildhauers Fred Sandback (1943–2003), die jüngst in Winter­ thur zu sehen war.


Neben den Arbeiten zum Projekt „gestern die stadt von ­morgen“ läuft im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr noch bis zum 17. August 201 4 die Ausstellung „Käfer, Crash & Capri-Batterie. Wie Künstler Technik sehen“. Eine Ver­ bindung, so ungewöhnlich wie naheliegend, schon Leonardo da Vinci war ein Technik-Maniac. Die Heidenheimer Sammlung Schiffer, Grundlage dieser Ausstellung, umfasst allerdings Arbeiten jüngerer Künstler, etwa von Bernd und Hilla Becher, Joseph Beuys, Man Ray, Panamarenko, Albert Renger-­Patzsch, Thomas Struth, Jean Tinguely, Andy Warhol u. a. und fokussiert deren Blick auf Technik. Wunderbare ­B ilder und Objekte, die die vormalige Faszination noch ­spüren lassen. Die Weltkulturstätte Zeche Zollverein in Essen zeigt „Chargesheimer und das Bild des Ruhrgebiets“, Bilder die auf eine gemeinsame Reise zurückgehen, die der Kölner Fotograf Chargesheimer 1957 zusammen mit Heinrich Böll

unternommen hatte: „der eine mit der Feder, der andere mit der Kamera“ fingen sie das Revier, das industrielle Ruhrgebiet ein: subjektive Bilder, die das Revier in seinen vielfältigen Wirklichkeiten zeigen, persönlich und voller Empathie. Im Essener Museum Folkwang wirft die kluge Aus­ stellung „(Mis)Understanding Photography – Werke und Manifeste“ einen Blick auf die vielen Wirkweisen und ­G eschichten der Fotografie. Des Weiteren feiert das Duisburger LehmbruckMuseum in diesem Sommer sein 50-jähriges Jubiläum mit der Wiedereröffnung des Lehmbruck-Trakts, jener grandiosen Architektur, die von Lehmbruck-Sohn Manfred für die Arbeiten seines Vaters Wilhelm entworfen worden war. Begleitet wird das Jubiläum von der Schau „Sculpture 21st“, bei der zeitgenössische Bildhauer das Konzept Skulptur noch einmal weiterdenken.

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Tipp Ruhrtriennale gemeinsam mit den Bochumer Symphonikern in der Kraftzentrale Duisburg ein choreografisches Städtebild erarbeiten. Glücklich, wer noch Karten ergattern kann. S u r ro g a t e C i t i e s R u h r C h o r e o g ra f i e f ü r d a s R u h r g e b i e t v o n M a t h i l d e M o n n i e r mit Musik von Heiner Goebbels S p i e l s t ä t t e : K ra f t z e n t ra l e , D u i s b u r g P re mie re: 20. Se pte mbe r 201 4 We i t e r e Te r m i n e : 2 1 . , 2 6 . , 2 7. S e p t e m b e r 2 0 1 4 www. r uhr t r iennale. de

„Surrogate Cit y Ruhr“, Foto: © Marc Coudrais

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S O M M E R 2 014 — R U H R K U N S T

Ein weiteres Highlight in diesem so ereignisreichen und kultursatten Sommer 2014 ist sicher auch die Ruhrtriennale, die vom 15. August bis 28. September das Revier in Atem halten wird. Internationale Künstlerinnen und Künstler werden mit Musiktheater, Tanz, Konzerten, bildender Kunst, Film, Installationen, Theater, Performances und diversen anderen Formaten die Museen, Spielstätten und Räume der Industriekultur bespielen. Grenzüberschreitung ist dabei Programm, mit dem Orchesterzyklus von Heiner Goebbels, „Surrogate Cities Ruhr“, einer Choreografie für das Ruhrgebiet, wird ­d iese dann wohl eine Sternstunde erfahren. Rund 140 Ak­ teure der Region werden unter der Leitung von Steven Sloane


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20 Jahre Ausstellungshalle Gasometer Oberhausen

Grund zum Feiern

Christo, „BIG AIR PACK AGE“ mit Besuchern im Gasometer Oberhausen, 2013

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S O M M E R 2 014 — R U H R K U N S T

Foto: Wolfgang Volz

Vor rund 25 Jahren wurde Europas größter Scheibengas­ behälter stillgelegt: der Gasometer in Oberhausen. Mit seinen 117,5 Metern Höhe und einem Durchmesser von 67,6 Metern ist er bis heute ein eindrucksvolles Zeugnis der Industriali­ sierung des Ruhrgebiets. Hier wurden seit seiner E ­ rrichtung Ende der 1920er-Jahre Unmengen an Gichtgas ­gespeichert. Bereits Ende der 1950er-Jahre machte sich jedoch die ­Kohlekrise bemerkbar. Als dann seit Mitte der 1980er-­Jahre der Koksbedarf in der Region endg ültig zurückging, die Kokerei in Oberhausen schloss und das hier produzierte Gas zunehmend von Erdgas ersetzt wurde, war der Gasometer überf lüssig geworden. Schließlich wurde er 1988 geschlossen. Ein paar Jahre später und nach einer für die Stadt ­Oberhausen recht bedeutsamen Diskussion über den Umgang mit dem industriellen Erbe wurde er 1993/94 zu neuem Leben ­erweckt. Auf Initiative der Internationalen Bauaus­ stellung Emscher Park (IBA) wurde der Gasometer, so heißt es auf der Internetseite, „zu jener außergewöhnlichen Aus­ stellungs­halle umgebaut, die heute das Wahrzeichen der Stadt Oberhausen ist“. Die Manege ist heute Ausstellungs- und Veranstaltungsraum, Bühne und Tribüne. Darunter befinden sich mit jeweils 3.000 Quadratmetern die Ebene der ehemaligen ­Gasdruckscheibe und der einstige Behälterboden. Über der Manege erhebt sich der knapp 100 Meter hohe Luftraum, in dem diesmal die Installation „320° Licht“ zu sehen ist.

Die erste Ausstellung, die 1994 hier stattfand, widmete sich der 200-jährigen Geschichte der Region, das Revier in „Feuer und Flamme“. Das Publikum war damals begeistert und dies hält bis heute an. Zwei Jahre nach der Eröffnung eroberte auch die zeitgenössische Kunst mit der Schau „Ich, Phoenix“ den einzigartigen Raum. Es folgten zahlreiche Themenausstellungen zum Fernsehen, zum Fußball („100 Jahre DFB“), eine 26 Meter hohe Wand aus über 13.000 Ölfässern der Verpackungskünstler Christo und Jeanne-Claude („The Wall“), eine riesige Videoinstallation des US-amerikanischen Videokünstlers Bill Viola und einiges mehr. 2013 kam Christo dann erneut ins Revier, diesmal ‚verpackte‘ er den Innenraum des Industriedenkmals, insgesamt 177.000 Kubikmeter Luft. Die mehrteilige Ausstellungsreihe über die Schönheit und Erhabenheit der Erde hatte zuvor über zwei Millionen Besucher in sechs Jahren in ihren Bann gezogen. Mit im Boot war als Partner auch die UNESCO, die mit ihren mehr als 900 Welterbestätten die Liste der sieben Weltwunder der Antike in der Jetztzeit fortschreibt. Aktuell und noch bis Dezember 2014 zeigt sich die mitunter gespenstische Wucht des Raumes an der spek­t a­ kulären Licht-Sound-Installation „320° Licht“ der Bremer Künstlergruppe URBANSCREEN, die Teil der aktuellen Ausstellung „Der schöne Schein“ ist. Die Schau blättert ­a nhand von Reproduktionen ein ‚Musée imaginaire‘ be­ deutender Meisterwerke großer Museen auf: das kulturelle Bildergedächtnis der westlichen Welt zum 20-jährigen Jubiläum. Wir haben die Geschäftsführerin der Gasometer ­Oberhausen GmbH, Frau Jeanette Schmitz, zur Geschichte, zur Gegenwart und zu den Zukunftsplänen des Gasometers befragt. ARTMAPP: Frau Schmitz, was waren Ihrer Ansicht nach die Highlights in der Geschichte des ­Gasometers als Ausstellungsort? Jeanette Schmitz: Diese Frage ist schwer zu beantworten: Die Ausstellungen waren alle sehr unterschiedlich. Mal waren es hochkarätige Kunstausstellungen, dann wieder populär-­ wissenschaftliche Projekte. Jede Ausstellung hatte ihren eigenen Reiz und den Raum des Gasometers auch ganz unterschiedlich genutzt. Eines jedoch hatten gerade die Schauen der letzten Jahre – etwa „Sternstunden“, „Magische Orte“ oder „Big Air Package“ – alle gemein: Sie haben Hundert­ tausende von Besuchern angezogen und begeistert. Mein persönliches Highlight war die Zusammenarbeit mit dem weltberühmten Künstler Christo. Zunächst 1999 bei „The Wall“ – damals noch mit seiner Frau Jeanne-Claude – und dann erneut 2013 bei seinem „Big Air Package“.


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ARTMAPP: Inwiefern hat sich die Arbeit in den vergangenen 20 Jahren für Sie verändert? JS: Wir haben jetzt die 14. Ausstellung, und mit der Zeit haben wir gelernt, wie wir mit diesem gigantischen Raum umgehen können. Schon die unteren Ausstellungsebenen sind einzigartig. Beispielsweise lässt sich der Gasometer nicht einfach beheizen. Was wir bei uns zeigen, muss also gewissermaßen wetterfest sein. Und während in den ersten Jahren der gigantische Raum zwischen Dach und Manege noch leer blieb – ein Raum, in den wir die Reichstagskuppel mühelos viermal übereinander hinein bekämen –, ist er nun Spielort für einzigartige Rauminszenierungen. Einen 25 Meter großen Mond oder einen Regenwaldbaumriesen in einem Industriegebäude: Das gibt es sonst nirgends. Unser aktuelles Kuratorenteam aus Wolfgang Volz und Prof. Peter Pachnicke hat da wichtige kreative Impulse gesetzt. ARTMAPP: Was sind denn die größten Heraus­ forderungen für die Künstler, die im Gasometer ausstellen möchten? JS: Künstler und Ausstellungsmacher sind vor allem immer wieder tief beeindruckt von der monumentalen Größe des Gasometers. Der über 100 Meter hohe Luftraum fordert von vorneherein dazu auf, groß zu denken. Wenn das gelingt und die Ausstellung die Besonderheiten des Raumes nutzt und ­b etont – ja, eine Symbiose eingeht –, dann wird jede Aus­ stellung, jedes Konzert und jede Inszenierung hier zum außergewöhnlichen Erlebnis. Der eigentliche Star bleibt halt immer der Gasometer. ARTMAPP: Möchten Sie uns schon verraten, wie es mit dem Gasometer Oberhausen weitergeht? JS: In diesem Jahr – noch bis Dezember 2014 – präsentiert die Gasometer Oberhausen GmbH die Ausstellung „Der schöne Schein“. Sie ist sehr gut angelaufen und hat bereits über 100.000 Besucher angezogen. Insbesondere die Lichtinstal­ lation „320° Licht“ auf einer Fläche von drei Fußballfeldern begeistert die Menschen. Wir sind sehr gespannt, wie dieses Projekt in den nächsten Monaten weiterläuft. Natürlich arbeiten wir daneben bereits an neuen Ausstellungsideen.

Lichtinstallation „320° Licht“ von URBANSCREEN im Gasometer Oberhausen im Rahmen der Ausstellung „Der schöne Schein“, 2014 Foto: Wolfgang Volz © 2014

ARTMAPP: Planen Sie auch für die kommenden Jahre weitere internationale Großausstellungen oder spektakuläre Events? Welche? JS: Da der Gasometer bisher nicht durch die Stadt Oberhausen finanziert wird, sondern sich allein über Sponsoring und selbst erwirtschaftete Einnahmen trägt, hoffen wir, auch in Zukunft internationale Großausstellungen und Events durchführen zu können. Welche das konkret sein werden, befindet sich zurzeit noch in der Planungsphase und es wird noch ein wenig dauern, bis ein neues Vorhaben spruchreif ist und wir damit an die Öffentlichkeit gehen.

bis 30. Dezember 201 4 Der schöne Schein im Gasometer Oberhausen DI – SO, Fe ie r tage 10 – 1 8 Uhr i n d e n N R W - F e r i e n a n a l l e n Wo c h e n t a g e n g e ö f f n e t w w w . g a s o m e t e r. d e

Das Interview für ARTMAPP führte Katja Behrens.


16. MAI BIS 14. SEPTEMBER 2014

10 SCHUL-KUNSTPROJEKTE IM ÖFFENTLICHEN RAUM ROSENHEIMER INNENSTADT VERANSTALTET VON DER STÄDTISCHEN GALERIE ROSENHEIM UND DEM VEREIN „KUNST UND SOZIALES“

16. Mai bis 24. August 2014

urbanART EL BOCHO in the LOOMIT galerieBOX MXZEHN QUINTESSENZ

Städtische Galerie Rosenheim · Max-Bram-Platz 2 · 83022 Rosen heim · Telefon 0049/(0)8031/3651447 · www.galerie.rosenheim.de

22. März – 17. August 2014

Henrik Schrat & Gäste Herz der Finsternis, verhudelt

7. September – 23. November 2014

Zwischen Traum und Reportage Künstler der Neuen Sachlichkeit

Installationen, Objekte und Zeichnungen

14. Juni – 17. August 2014

Klaus Elle. Porträts Fotografie und Installationen

KUNSTSAMMLUNG JENA Markt 7 www.kunstsammlung.jena.de Di, Mi, Fr 10 – 17 Uhr Do 15 – 22 Uhr Sa, So 11 – 18 Uhr

Malerei · Zeichnungen · Druckgrafik


GRAFISCHE REPUBLIK — MORITZ LANG

Städtische Galerie Offenburg

17.05.– 21.09. 2014 www.galerie-offenburg.de

KW_MZ_AD_4c_181x125_Artmapp 26.06.14 10:18 Seite 1

%

KUNSTHALLE Lange Straße 35 74523 Schwäbisch Hall kunsthalle@wuerth.com www.kunst.wuerth.com

Moderne Zeiten

Die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin zu Gast in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall 23.5. 2014 –1.5.2015 täglich 10 –18 Uhr

Christian Schad, Sonja (Detail), 1928 Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie. Erworben durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie aus den Mitteln der Stiftung von Ingeborg und Günter Milich, Berlin. © Christian Schad Stiftung Aschaffenburg / VG Bild-Kunst, Bonn, 2014 Foto: bpk/Jörg P. Anders Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog im Swiridoff Verlag erscheinen. Alle Aktivitäten der Kunsthalle Würth sind Projekte der Adolf Würth GmbH & Co. KG.

[]


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Appetizer MARC PESCHKE

ko o p e r i e r e n, u m G e g e nw a r t und Geschichte des surrealis t i s c h e Fi l m s z u p r ä s e n t i e r e n. Re a l i s i e r t w i r d d a s P ro j e k t

Film- Kunst -­ Fest ival

m i t d e r H i l f e d e r Ku l t u r s t i f tung des Bundes sowie des Ku l t u r f o n d s Fr a n k f u r t R h e i n M a i n.

G e g enwar t

An gleich z wei Stationen

und G eschich-

d e m S u r r e a l i s m u s g e f rö n t : I m

t e d es sur -

wird auch in Ausstellungen D e u t s c h e n Fi l m m u s e u m i n Fr a n k f u r t a m M a i n w i r d d e r s u r r e a l i s t i s c h e Fi l m d e r

r e alist ischen

19 20 e r- u n d 193 0 e r- J a h r e

Films

denhöhe Darmstadt inszenier t

vorgestellt; auf der Mathil man eine Neuinterpretation d e s Fi l m k l a s s i ke r s „ L’A g e

D i e Ei n l e i t u n g s s e q u e n z a u s

D ’O r “, e i n e 193 0 e b e n f a l l s

d e m D r e h b u c h d e s 19 28

von Buñuel und Dalí gedrehte

e n t s t a n d e n e n Fi l m s „U n Ch i e n

G e s c h i c h t e e i n e r A m o u r f o u,

A n d a l o u“ v o n L u i s B u ñ u e l u n d

die ganz im Sinne der

Salvador Dalí ist an Drastik

Surrealisten die damaligen

ka u m z u ü b e r b i e t e n: D a s

Stabilisatoren der Ordnung

A u g e e i n e r s c h ö n e n Fr a u

– K i r c h e, M i l i t ä r u n d Po l i z e i

w i r d d a r i n – f i l m i s c h – z e r-

– mit einem symbolistischen

s c h n i t t e n. „U n Ch i e n

B i l d e r s t r u d e l h e r a u s f o r d e r t.

Film

A i We i w e i s H a f t e n t l a s s u n g

A n d a l o u“ – d i e s e s b ü r g e r-

Zu sehen in Darmstadt ab

AI WE IWE I

i m J u n i 2011 d o k u m e n t i e r t.

s c h r e c k h a f t e, d o c h a u c h s o

d e m 22. J u n i 2014 .

D a v o r w a r d e r Kü n s t l e r 81

fremdar tige und geheimnis -

– TH E FAKE CA SE

Ta g e a n e i n e m u n b e ka n n t e n

v o l l e We r k , d a s n a c h d e n

w w w.k u l t u r f o n d s - f r m.d e

O r t i n t e r n i e r t g e w e s e n. D i e

Wo r t e n B u ñ u e l s e i n z i g u n d

w w w.m a t h i l d e n h o e h e.e u

Arbeit des dänischen

a l l e i n e m i t h i l f e d e r Ps y c h o -

w w w.d e u t s c h e s - f i l m i n s t i t u t.d e

Dokumentarfilmer Andreas

analyse untersucht werden

J o h n s e n z e i g t A i We i w e i s

kö n n t e, i s t n a t u r g e m ä ß e i n

Rü c k ke h r i n s L e b e n, b e g l e i t e t

w i c h t i g e s T h e m a, w e n n j e t z t

Der Dokumentarfilm von

s e i n e n Ka m p f g e g e n

das Institut Mathildenhöhe

U N C H I E N A N DA LO U

A n d r e a s J o h n s e n, d e r i m M a i

B e h ö r d e nw i l l k ü r, o f f e n b a r t

D a r m s t a d t, d a s M u s e u m V i l l a

( FR 19 29. R: L u i s B u ñ u e l,

2014 i n d e n d e u t s c h e n K i n o s

a b e r a u c h d i e Ve r z w e i f l u n g

Stuck in München und das

Salvador Dalí)

a n l i e f, i s t e i n b e r ü h r e n d e s

e i n e s M a n n e s, d e r s e i t s e i n e r

D e u t s c h e Fi l m m u s e u m i n

© Kineos GmbH

Fr a n k f u r t a m M a i n e r s t m a l s

S t ü c k Fi l m. E r z e i g t d e n

Entlassung dennoch weiter

c h i n e s i s c h e n Kü n s t l e r a l s

wie ein Gefangener leben

Ve r f e m t e n, a l s G e f o l t e r t e n,

muss – in ständiger Über wa -

a b e r a u c h a l s s t a r ke n M a n n,

chung eines allmächtigen

der sich nicht in die Knie

Staates.

z w i n g e n l ä s s t. A u f s e i n e M u t l o s i g ke i t u n d B e k l e m m u n g f o l g t e n Ka m p f e s l u s t u n d L e b e n s f r e u d e – s o ko n z e p t u e l l s c hw a c h, w i e e i n i g e seiner künstlerischen A r b e i t e n s i n d, s o g e f a n g e n nimmt uns dieser Mann in d e m Fi l m, d e r d i e Z e i t n a c h

w w w.m i n d j a z z - p i c t u r e s .d e

A b b. Fi l m s t i l l a u s


143 Po p - Collag e

„ Fro m O n e Wro n g P l a c e To

The N ot w ist

„ L i n e r i“: e i n m a l i g e S o n g s

T h e N e x t “, „ Ru n Ru n Ru n“, z w i s c h e n Fr i c ke l e i u n d Po p - Fo r m a t, s p h ä r i s c h, i n

E s w a r 19 98 d a s v i e r t e A l b u m „ S h r i n k“, m i t d e m d i e 1989 g e g r ü n d e t e We i l h e i m e r

s i c h g e ke h r t, d a n n w i e d e r a u s u f e r n d u n d w e i t. ­„ Ra u s c h e n i s t e i n s c h ö n e s

Band The Not wist ihren Stil

G e r ä u s c h“, s a g e n T h e

g r u n d l e g e n d v e r ä n d e r t e.

N o t w i s t, d i e i n z w i s c h e n a u c h

D a m a l s h i e l t E l e k t ro n i s c h e s

i n d e n U S A z u d e n b e ka n n -

Ei n z u g, w o f r ü h e r v e r z e r r t e

t e s t e n, a v a n c i e r t e s t e n

G i t a r r e n d a s S a g e n h a t t e n.

d e u t s c h e n B a n d s z ä h l e n.

Vo r Ku r z e m i s t e i n n e u e s

M a r k u s u n d M i c h a A c h e r,

We r k d e s Tr i o s e r s c h i e n e n:

dazu der Soundtüf tler Mar tin

„C l o s e To T h e G l a s s“ – d a s

G r e t s c h m a n n a l i a s „C o n s o l e“

erste Studioalbum von The

machen Musik, die in ihrer

Not wist seit nunmehr sechs

V i e l s e i t i g ke i t G rö ß e z e i g t :

J a h r e n. S t ü c ke w i e „C l o s e To

eine Collage der Stile aus

T h e G l a s s“ o d e r „ Ko n g“ – e i n

S a m p l e s, S o u n d s u n d

Song über einen Superhelden

I n s t r u m e n t e n. Ei n G l ü c k s f a l l

Ar chit ek t ur

N o v e m b e r z u s e h e n.

14. Ar chit ek-

Kü n s t l e r i s c h e r L e i t e r i s t i n

B a n d a n, e l e k t ro n i s c h e

diesem Jahr der niederländi -

Signale mit Gitarrenklängen

T h e N o t w i s t : C l o s e To T h e

s c h e A r c h i t e k t Re m Ko o l h a a s,

z u v e r s c h m e l z e n, s c h e i n b a r e

G l a s s ( Ci t y S l a n g)

der als Thema den Begrif f

W i d e r s p r ü c h e a u f z u l ö s e n.

t urbiennale Venedig 2014

„ Fu n d a m e n t a l s“ a u s g e g e b e n

– knüpfen an die alte Idee der

A u c h „C a s i n o“ i s t s o e i n L i e d.

hat – womit er vor allem die

Bestimmend ist noch immer

p hy s i s c h e n G r u n d e l e m e n t e

das Timbre von Markus

d e r A r c h i t e k t u r m e i n t. W i r d

A c h e r s S t i m m e, d e s s e n

Ei n Z ü r c h e r A r c h i t e k t e n d u o

e s e i n e B i e n n a l e, d i e s i c h

En g l i s c h z w a r w e i t e r h i n s o

gestaltet den deutschen

g a n z a u f d i e B a u t e n, a u f d a s

k l i n g t, w i e v o n e i n e m

Beitrag zur diesjährigen

B a u e n s e l b s t ko n z e n t r i e r t ?

D e u t s c h e n g e s u n g e n, d e r a l s

v e n ez i a n i s c h e n A r c h i t e k t u r-

N i c h t g a n z. A u c h u m d i e

S ä n g e r a b e r i m m e r m a r ka n t e r

b i e n n a l e, d i e i n d e r

Architekturgeschichte soll es

u n d k r ä f t i g e r g e w o r d e n i s t.

Lagunenstadt stets im

in den Ausstellungen und

We c h s e l m i t d e r Ku n s t b i e n n a -

Ve r a n s t a l t u n g e n g e h e n. Fü r

l e s t a t t f i n d e t. Fü r d i e

d i e n a t i o n a l e n Pa v i l l o n s

Gestaltung des deutschen

w u r d e v o n Ko o l h a a s d a s

Pa v i l l o n s i n d e n „G i a r d i n i“

Thema „ Absorbing Modernit y

z e i c h n e n 2014 d i e A r c h i t e k-

1914 – 2014“ g e n a n n t.

a u s O b e r b a y e r n.

ten Alex Lehnerer und Sav vas Ci r i a c i d i s v e r a n t w o r t l i c h –

w w w.l a b i e n n a l e.o r g

d i e P ro j e k t l e i t u n g v o r O r t h a t S a l l y B e l o w. D i e 14 . A r c h i ­ t e k t u r b i e n n a l e e rö f f n e t a m

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S O M M E R 2 014 — A P P E T I Z E R

7. J u n i u n d i s t b i s En d e


144

Fo t o b u c h s e n t f a l t e t w e r d e n, m i t 24 (!) m o n o g r a f i s c h e n und thematischen Ausstellun g e n, m i t e i n e r B u c h h a n d l u n g, m i t Wo r k s h o p s u n d e i n e m

Museums­ neuer öf fnung Phot o Bo ok­ Museum „Heute findet der globale

L e s e s a l o n f ü r Vo r t r ä g e u n d D i s k u s s i o n e n. S c h a d e n i s t d e r M e i n u n g, d a s s e h e r Fo t o b ü c h e r a l s Fo t o a u s s t e l lungen die Geschichte des M e d i u m s b e e i n f l u s s t h a b e n. Das Museum ist temporär –

Moholy- Nagy wurden

n u r b i s z u m 3. O k t o b e r w i r d

originalgetreu wiedererrich -

e s Fo t o k u n s t f r e u n d e a u s a l l e r

tet durch das Berliner

We l t i n Kö l n a n l o c ke n.

A r c h i t e k t u r b ü ro B r u n o Fi o r e t t i

Austausch der Menschen über

Danach ver wandelt es sich

M a r q u ez. E s g a b d u r c h a u s

d a s B i l d s t a t t “, s a g t d e r

i n e i n e m o b i l e Ve r s i o n a u s

K r i t i k f ü r d i e s e Re ko n s t r u k­

B u c h h ä n d l e r u n d Ve r l e g e r

S c h i f f s c o n t a i n e r n, d i e i n

t i o n, v o r a l l e m v o n z w e i

Markus Schaden und hat mit

anderen Städten wieder

S e i t e n: Z u r a d i ka l s e i d i e

seinem PhotoBook Museum ein

a u f g e b a u t w e r d e n ka n n.

N e u i n t e r p r e t a t i o n, s a g e n d i e

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Bauhaus –

19. A u g u s t i m Ra h m e n d e r

com

M u s e u m f ü r d a s Fo t o b u c h

Internationalen Photoszene Kö l n a u f d e m G e l ä n d e d e s Carlswerks in Mülheim

N eue M eist er häuser Dessau

r a d i ka l g e n u g, m e i n e n d i e a n d e r e n. D i e En t w u r f s p h i l o s o phie der Berliner Architekten betont vor allem die Idee des „U n s c h a r f e n“. W i c h t i g w a r d e m Te a m, „ z w i s c h e n B e s t a n d u n d Re p a r a t u r k l a r z u u n t e r s c h e i d e n“. D a s H a u s

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d i e n e n, d a s M o h o l y - N a g y s

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schen die Stif tung Bauhaus Dessau und die neu einge weihten Meisterhäuser von Wa l t e r G ro p i u s u n d L á s z l ó

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S O M M E R 2 014 — A P P E T I Z E R

M o h o l y - N a g y. D a s B a u -

A b b.: D a s n e u e M e i s t e r h a u s

haus - Erbe ist lebendig in

G ro p i u s, b f m A r c h i t e k t e n,

Dessau – und jetzt wieder

Fo t o: Ch r i s t o p h Ro k i t t a,

ko m p l e t t : m i n i m a l i s t i s c h e

2014, S t i f t u n g B a u h a u s

B a u t e n m i t Fl a c h d ä c h e r n,

Dessau

g ro ß e B a u h a u s - A r c h i t e k t u r, I n k u n a b e l n d e r M o d e r n e. G ro p i u s’ D i r e k t o r e nv i l l a u n d die Doppelhaushälf te von


145

Ei n e d a v o n i s t S o n i d o G a l l o N e g ro u n d d e r p s y c h e d e l i sche Look ihrer neuen Plat te

Ps yche­d elicCumbia S onid o Gallo N e gr o

ko m m t n i c h t v o n u n g e f ä h r. S c h o n d i e e r s t e n z w e i S t ü c ke des Albums machen klar: H i e r w i r d Cu m b i a n i c h t a l s Ta n z m u s i k , s o n d e r n a l s bewusstseinser weiternde D ro g e d a r g e r e i c h t. S c h l e p p e n d d e r B e a t, a b g r ü n d i g d i e

Filmf est ival

Altstadt Locarnos ist

67. Festival d el

die legendären Screenings

film ­L ocarno

O r g e l n, d i e Fl ö t e u n d d a s T h e r e m i n, v o l l e r N o s t a l g i e

u nv e r g l e i c h l i c h. D o r t g i b t e s a u f G ro ß b i l d l e i nw a n d – ­e i n e n s c h ö n e r e n K i n o s a a l u n t e r f r e i e m H i m m e l ka n n

S e i t 194 6 f i n d e t d a s

m a n s i c h ka u m d e n ke n.

W i l l ko m m e n a u f d e m

und Herzschmerz die

I n t e r n a t i o n a l e Fi l m f e s t i v a l

m y s t i s c h e n P f a d. A u s d e r

E - G i t a r r e n. A b e r v o r a l l e m i s t

von Locarno jedes Jahr im

urbanen Hitze von Mexico

s i e d ü s t e r, d i e s e Cu m b i a.

August am Lago Maggiore

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ä l t e s t e n Fi l m f e s t i v a l s d e r

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a n d e r e S p u r e n. D i e n e u n kö p -

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L a n d s c h a f t. U n t e r d e r L e i t u n g

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v o n C a r l o Ch a t r i a n w i r d d a s

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A u g u s t i n L o c a r n o i m Te s s i n – das ist ein zehntägiges

u n s z u r ü c k i n d i e 1950 e r-

S o n i d o G a l l o N e g ro:

t i v e n, d e r We t t b e w e r b u m

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den Goldenen Leoparden

6. b i s z u m 16. A u g u s t

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sind et was Besonderes –

s t a t t f i n d e n.

e r s t e n B o o m e r l e b t e. Cu m b i a

auch das Ambiente auf der

i s t z w a r v i e l ä l t e r, ko m m t

Piaz za Grande in der

w w w.p a r d o.c h

ursprünglich aus dem a f r i ka n i s c h e n G u i n e a u n d vermischte sich später mit s p a n i s c h e n E l e m e n t e n. A b e r in den vergangenen Jahren i s t s i e i n g a n z L a t e i n a m e r i ka n o c h e i n m a l s o h i p g e w o rd e n, d a s s i m m e r n e u e, j u n g e Bands aus dem Boden s p r i e ß e n.

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147

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S a m m l u n g v o n Ko s t ü m e n, E r i n n e r u n g s ­

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Stahlskulpturen interagieren im Stadtbild

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I S B N 978 - 3 - 8 6833 -148 - 6, D t., En g l. A u s s t e l l u n g: M u s e u m B i e d e r m a n n, D o n a u e s c h i n g e n b i s 2.11.2014

S o p h i e Ta e u b e r -A r p ­H e u t e is t M o r g e n

Schweizerisches Nationalmuseum Scheidegger & Spiess

Bielefeld

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S o p h i e Ta e u b e r- A r p (1889 –194 3), s e i t

Z ü r i c h, m i t e i n e m I n t e r v i e w m i t To m Fo r d

Ein Garten ist niemals ­f ertig

a b g e b i l d e t, i s t e i n U n i v e r s a l t a l e n t d e r

S e i t A n f a n g d e s 17. J a h r h u n d e r t s z i e r t e i n

immerblühenden Gar ten

f r ü h e n Av a n t g a r d e u n d z ä h l t z u d e n

v a r i a n t e n r e i c h e s S p i e l v o n M a t e r i a l i e n,

M a n f r e d L u c e n z, K l a u s B e n d e r

w i c h t i g s t e n S c hw e i z e r Kü n s t l e r i n n e n d e s

Fa r b e n, Fo r m e n u n d K n o t e n d e n m ä n n ­

H r s g.: A a r g a u e r Ku n s t h a u s u n d ­K u n s t h a l l e

H r s g.: A n n a L i s a G a l i z i a, L a n d e s m u s e u m Ideen und Er fahrungen aus einem

lichen – und bisweilen auch weiblichen

h e u t e e i n e «b e ka n n t e U n b e ka n n t e»: D i e

– K r a g e n. Zi e r d e, S t a t u s s y m b o l, S t a t e ­

S i e h a b e n a l l e Fe h l e r g e m a c h t u n d g l e i c h e r m a ß e n i m m e r w i e d e r d i e Fr e u d e

neue Monografie zeigt nun erstmals reich

m e n t : D i e s e r r e i c h i l l u s t r i e r t e Ka t a l o g

e r l e b t, d i e d a s G ä r t n e r n b e r e i t e t. D a s

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Monat der Bäderarchitektur – Hereinspaziert in die Villen

17. -26.10.

Wanderherbst – auf den Spuren der Romantiker


Reisen mit der ARTM APP App

149

Eine kleine Auswahl unserer schönsten Par tner- Hotels

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G R AT I S I M A P P S TO R E · M O B I L . A RTM A PP.N E T

H o t e l We d i n a, H a m b u r g G u r l i t t s t r a ß e 23 w w w.h o t e l w e d i n a.d e Wa s v e r b i n d e t H e n n i n g M ­ a n ke l l, A m o s O z u n d M a r t i n Wa l s e r? S i e a l l e h a b e n schon bei uns übernachtet und Spuren h i n t e r l­ a s s e n. M i t t e n i m p u l s i e r e n d e n S t. Georg haben sie ihr Hamburger Zuhause g e f u n d e n: e i n e H a u s b i b l i o t h e k v o l l h a n d ­s i g n i e r t e r E r s t a u s g a b e n u n d e i n e n l a u s c h i g e n G a r t e n. H i e r v e r e i n t s i c h L i t e r a t u r m i t ­A r c h i t e k t u r, Pa t i n a m i t

Foto: Grandhotel Ahrenshoop

S i c h t b e t o n u n d Fe r n e m i t H e i m a t. Fotos: Hotel Wedina, Hamburg

G r a n d H o t e l A h r e ns h o o p

In den vier Häusern und einem feinen S t a d t h o t e l. U n s e r e m We d i n a.

S c h i f f e r b e r g 24 w w w.k u r h a u s - a h r e n s h o o p.d e

augartenhotel a r t & d esi g n, G r a z

Direkt hinter den Dünen auf der

S c h ö n a u g a s s e 53

Art Deco Hotel M o n t a n a, L uz e r n

H a l b i n s e l Fi s c h l a n d - D a r ß - Zi n g s t m i t

w w w.a u g a r t e n - h o t e l.a t

A d l i g e n s w i l e r s t r a ß e 22

Blick aufs Meer liegt das Grand Hotel

w w w.h o t e l - m o n t a n a.c h

A h r e n s h o o p. Ei n e 10 0 - j ä h r i g e G e s c h i c h -

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seine Sammlung auf über 800 Bilder und

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L i v e - M u s i k (j e d e n M i t t w o c h) i m „We i t -

Bereichen sowohl im augar tenhotel

l o b b y d e s s e i t 1910 i n d e n H a n g

b l i c k“, d e r B a r i m f ü n f t e n S t o c k – G e ­

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Hotel Montana, Ausblick von der Terrasse

Foto: David Auner

© Art Deco Hotel Montana

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Inter view mit Bet tina Steinbrügge, Katja Schroeder und Anna Sabrina Schmid

Hamburg im Aufwind Anna Sabrina Schmid: Entscheidend waren in erster Linie Raum und Umfeld. Der Kunstverein Harburger Bahnhof im ehemaligen Wartesaal und vor allem inmitten des laufenden Bahnhofsbetriebs ist ein Ort fernab vom White Cube. Hinter einer kleinen unscheinbaren Tür, zwischen Imbiss und Fahrstuhl, tut sich unerwartet ein beeindruckender Raum auf. Die Transitsituation des Bahnhofs bleibt dabei immer präsent: Reisende, Kunstpublikum und Bahnhofspersonal treffen sich hier gleichberechtigt mit jeweils sehr unterschiedlichem Hintergrund. ARTMAPP: Frau Schroeder, Sie sind neue ­D irektorin am Kunsthaus Hamburg. Vorher waren auch Sie am Westfälischen ­Kunstverein in Münster tätig, und zwar als dessen Direktorin. Warum jetzt Hamburg?

Anna Sabrina Schmid, künstlerische Leitung, Kunst verein Harburger Bahnhof Foto: Franziska von Schmeling

Mit Bettina Steinbrügge, Katja Schroeder und Anna Sabrina Schmid stehen seit Kurzem drei junge Frauen an der Spitze dreier wichtiger Hamburger Kunstinstitutionen. ARTMAPP hat sich mit ihnen zum Gespräch über ihre neuen Jobs und ihre neue Lust auf Hamburg getroffen ...

Katja Schroeder: Vor allem hat mich die Möglichkeit interessiert, am Kunsthaus einen neuen Geist einziehen zu lassen. Ich möchte das Haus als offene Plattform begreifen, auf der verschiedene Arbeitsformen und Ausstellungsformate ausprobiert werden können. Abgesehen davon bietet Hamburg als Stadt ein kulturelles Umfeld, das eine anspruchsvolle Auseinandersetzung mit Kunst durch ein kritisches Publikum und die Vielfalt der Nachbarinstitutionen möglich macht. Hier gibt es einfach mehr Reibungspotenzial als in der Westfalenmetropole Münster.

Katja Schroeder, Direktorin am Kunsthaus Hamburg

ARTMAPP: Frau Steinbrügge, Sie sind seit Januar Direktorin des Hamburger Kunstvereins. Vorher waren Sie Kuratorin im Museum Belvedere in Wien. Was hat Sie motiviert, ins eher nüchterne Norddeutschland zu ziehen? Bettina Steinbrügge: Ich glaube ganz einfach an die Institution „Kunstverein“, in der experimentiert werden kann und die einzigartig war und ist, als Indikator für Veränderungen. Das ist etwas mühsamer, als an einem Ort, der über ausreichende Ressourcen verfügt, aber ich bin der Meinung, dass wir genau für diese Orte kämpfen müssen. Der Kunstverein in Hamburg hat eine lange Geschichte und daran gilt es anzuknüpfen, in diesen wunderbaren Räumen und an genau diesem Ort Hamburg, der gerade sein Potenzial wiederzuentdecken scheint. ARTMAPP: Frau Schmid, was hat Sie an Hamburg gereizt? Sie sind neue Direktorin des Kunstvereins Harburger Bahnhof. Vorher waren Sie als Kuratorin des Westfälischen Kunstvereins in Münster tätig ...


151 BS: In Berlin hat sich die Kritiker-, Künstler- und Sammlerszene zusammengezogen, und das ist natürlich toll. Hamburg hat demgegenüber einen großen Abzug der kreativen, künstlerischen Szene erfahren, was sehr bedauerlich ist. Die große Party ist jetzt aber vorbei, und auch Berlin befindet sich in einer Konsolidierungsphase. Ich glaube, Hamburg ist derzeit im Aufwind, anders als in früheren Zeiten, aber das ist ja auch das Spannende daran ... KS: Was ich an Hamburg auch unabhängig von der Kunst schätze, ist, dass hier immer wieder lautstark politisch dis­ kutiert und auf die Straße gegangen wird. Das kann auch mal unbequem werden, aber genau das ist auch wichtig für eine ­lebendige Stadtkultur. Was die Kultur im Speziellen betrifft, hat Hamburg ein vielfältiges und dichtes Feld von Institutionen und einzelnen Akteuren, die sich im zeitgenössischen Bereich sehr engagieren. Das Defizit liegt meiner Ansicht nach in einer starken Introspektion der lokalen Kunstszene, die den Blick nach außen gerne mal ausblendet.

ARTMAPP: Drei experimentell agierende Hamburger Institutionen werden jetzt also von Frauen geleitet. Aber Hand auf ’s Herz: Sind solche Geschlechterfragen heute überhaupt noch relevant? ASS: Die Chancen der Neubesetzung allein über unser Geschlecht zu verhandeln, scheint mir problematisch ... KS: Dem stimme ich zu. Führende Frauen in der Kultur gibt es ja doch einige in Hamburg, etwa im Museum für Kunst und Gewerbe, auf Kampnagel, im Bucerius Kunstforum, im Schauspielhaus und der Hamburgischen Staatsoper ... um nur einige zu erwähnen. Sollte es nicht eine Selbstverständlichkeit sein, dass Frauen Institutionen leiten? BS: Auch ich halte es mittlerweile – glücklicherweise – für normal, dass Frauen Schlüsselpositionen übernehmen. Das wird in den nächsten Jahren auch weiter zunehmen. Damit geht vielleicht nicht nur eine erweiterte Macht einher, s­ ondern auch eine Verpflichtung: Genauso wie Männer sich an Frauen in führenden Positionen gewöhnen müssen, sollten Frauen diese vielleicht auch einfach mal ganz selbstverständlich einnehmen. Im Endeffekt hängen einzelne Positionierungen doch von den Personen ab, egal ob Mann oder Frau. ARTMAPP: Welches Potenzial, aber auch welche Defizite sehen Sie drei am Kunststandort Hamburg im Vergleich zu dem nur 90 Zugminuten entfernten Berlin?

ARTMAPP: Verraten Sie uns doch zum Schluss noch ein paar Ihrer Lieblingsorte jenseits der Kunstszene in Hamburg? BS: Für mich sind das: der Elbstrand, die Oberhafenkantine und das Café Paris. KS: Mit meinen Kindern gehe ich am liebsten zu Park Fiction, weil gleich neben dran die Sandkiste mit dem schönsten Ausblick Hamburgs ist. Und auch zum Feiern habe ich meine „all night favourites“: Koralle, Golem und Hummel & Quiddje. Einkaufen gehe ich am liebsten bei Büromarkt Hansen, ein großartiger inhabergeführter Laden, in dem jede Nachfrage, auch die nach der kleinsten Büroklammer ernst genommen und sachkundig bearbeitet wird. ASS: Ich mag Orte, die wie bei uns im Bahnhof Menschen oder Funktionen vereinen. Meine Nachbarschaft um den Hein-Köllisch-Platz in St. Pauli ist so ein Ort und der angrenzende Club Golden Pudel, aber auch die Staatsbibliothek. Bei Y8 sind Kunstraum und Yogaschule verwoben, ohne dass ­eines das andere untergräbt. Vor der Arbeit an den Elbstrand zu gehen, finde ich auch gut. Mein Lieblingscafé verrate ich aber nicht, das bleibt ein Geheimtipp. ARTMAPP: Verehrte Damen, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch. Das Interview führten Nicole Büsing & Heiko Klaas

S O M M E R 2 014 — H A M B U R G

Foto: Natascha Unkart

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Bettina Steinbrügge, Direktorin des Hamburger Kunst vereins

ASS: Gegenwartskunst braucht nicht zwangsläufig ein ­Kunstbetriebsumfeld, in dem es vorrangig um den gesellschaftlichen Auftrieb und um eine möglichst hohe Quote aus dem Ausland kommender Künstler geht, wie es sich in Berlin feststellen lässt. Ich denke, Hamburg hat dank der Nähe zu Berlin, aber eben auch dank der Distanz im Vergleich mit anderen Großstädten den Vorteil, dass Austausch und Rückzug gleichermaßen schnell möglich werden – sowohl auf Produzenten- als auch auf Rezipientenseite.


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Ein sicherer Hafen für Kultur

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Die HafenCity „ I n d e r H a f e n C i t y w e rd e n K u n s t u n d K u l t u r n a c h u n d n a c h e i n e p rä g e n d e R o l l e g e w i n n e n . Z u F ü ß e n d e r E l b p h i l h a r m o n i e m a c h t e n u n d m a c h e n e i n a n s p r u c h s v o l l e s L i t e ra t u r f e s t i v a l , d a s w u n d e r b a r e s o m m e r l i c h e T h e a t e r i m Z e l t , d a s h e ra u s f o rd e r n d e A v a n t g a rd e f e s t i v a l ‘ s u b v i s i o n’, d i e l e b h a f t e n E l b j a z z - Ve ra n s t a l t u n g e n d e n g ro ß e n A n f a n g . A l s d a u e r h a f t e E i n r i c h t u n g e n w e rd e n u n t e r a n d e r e m e i n K i n d e r k u l t u r h a u s s o w i e e i n K ü n s t l e r- R e s i d e n z h a u s f o l g e n , u n d a m B a a k e n h a f e n s o l l T h o m a s S c h ü t t e s g ra n d i o s e D o p p e l s k u l p t u r ’ To w e r o f Ta l k e r s’ a u f g e s t e l l t w e rd e n : D a s s i n d g ro ß a r t i g e k ü n s t l e r i s c h e B e r e i c h e r u n g e n f ü r H a m b u r g – d a n k d e s n e u e n S t a d t t e i l s .“ Uwe M. Schneede (Direk tor de r Hamburge r Kun sthalle von 1991 bi s 200 6)


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Wer an Hamburg denkt, denkt erst an den Hafen und dann an die HafenCity, das größte innerstädtische Bauprojekt Europas. Was wäre das ohne Schiffe, riesige Containerflotten aus fernen Ländern, ohne Luxusliner wie die Queen Mary 2 oder die Legend of the Seas. Hier wird Reisekultur gepflegt, denn hier beginnen die Träume von fernen Kulturen. Wer erinnert sich da noch an Barbarossa? Auch wenn der 1189 der Hansestadt Schiffahrstprivilegien gewährte, so liegt das aktuelle Geburtsjahr der HafenCity, der Beschluss der Bürgerschaft 1997, im 20. Jahrhundert, der Baubeginn für das erste Gebäude im 21. Jahrhundert. Aber warum in die Ferne schweifen,… wer zu Hause bleibt, muss keineswegs darben. Weder kulinarisch noch ­k ulturell. Und das gehört ja schließlich zusammen: Ob Wiener Kaffeehaus mit Mehlspeisen, vietnamesisches Fondue, argentinische Steaks oder das vielgeliebte Sushi. In der HafenCity gibt’s internationale Gaumenfreuden, und wer gut gegessen hat, möchte auch andere Sinne erfreuen. Da wären zuerst die kleinen und besonderen Orte. Die Galerie „Hafenliebe“ zum Beispiel: Hat man erst die Schwellenangstbrücke, so der Türläufer, überwunden, e­ ntdeckt man Außergewöhnliches: Eine permanente Ausstellung sim­ babwer Steinmetzkunst. Sie bringt dem Besucher Afrikas

vergessene Kultur in Erinnerung. Der Besucher versteht ­s ofort, warum auch im MoMa in N.Y.C. diese exquisiten Skulpturen gewürdigt werden. Auf die klassischen böhmischen Glaskünstler beruft man sich gleich um die Ecke in der Galerie Stölting. ­Objekt-Schmuck und andere Skulpturen lassen das Alltagsmaterial Glas in einem kristallenen Licht erscheinen. Ein paar Schritte weiter auf dem Überseeboulevard kurven Kinder mit ihren Skateboards Slalom durch die 50 Freiluft-Tafeln der größten Out Door Galerie Hamburgs. Schon zum fünften Mal zeigen hier bei Sonne, Regen oder Schnee Hamburger Fotografen ihre Arbeiten in großem ­Format zu den Themen Mode, Architektur und Hafen. Teppiche gab es schon immer in der Speicherstadt: Die kamen meist aus Persien. In der Galerie von Jan Kath ist die alte Kulturtechnik genauso erlesen und knotenreich. Hier kommt der Designer aus Bochum und die modernen DesignExem­plare aus dem Himalaya, aus Indien oder aus Marokko, und die Promi-Kunden aus aller Welt. Wer mehr Kunst­ hunger verspürt, statte dem HafenCity InfoCenter im Kesselhaus, auch an Sonntagen geöffnet, einen Besuch ab. Hier weiß man nicht nur alles ­Wissenswerte über die HafenCity-Entwicklung selbst, sondern auch über OnOff-Galerien, wechselnde Ausstellungen und die nächsten Expositionen in den Deichtorhallen, einfach alles. Wem vor lauter Kunst der Kopf schwirrt, wende sich weltlicheren Dingen zu: Auf dem Gebiet des Designs gilt Hamburg als unermüdlicher Vorreiter. Die neu geschaffene Institution „Designxport“ in den Elbarkaden bietet den 3.000 Hamburger ­K reativen Unterstützung und den Designinteressierten ausführliche Informationen zum Thema Produktdesign und dessen Entstehung. „Designxport“ lädt ein zu Diskussionen, Round Tables, Ausstellungen und Ideen­slams. Die iF international Forum Design GmbH, gleich nebenan, wiederrum verleiht jährlich den hochdotierten design award an die besten Nachwuchsdesigner aus aller Welt. Eine aktuelle Ausstellung auf 1.500 Quadratmetern, die interna­ tionaler nicht sein könnte. Ob Korea oder der Iran, 18 Länder und ihre Protagonisten sind vertreten. Da sind noch die drei großen „Ms“nicht zu vergessen, jedes im typischen Hamburger Rotklinker-Look: Das Internationale Maritime Museum, entstanden aus einer Stiftung, das Automuseum Prototyp mit allem, was PS Fans interessiert und für Aromafans das einzige Gewürzmuseum der Welt. Pfeffer, Kümmel und Zimt lagerten früher in den alten Speichern, ließen den Hafen duften und füllten die Kassen der Hamburger Kaufleute. Es ist nicht genug Platz, um die vielen anderen Kulturvergnügen zu erwähnen. Das jährliche Jazzfestival, der „Sommer Tango“, das Harbour Front Literaturfestival und das Thalia Theater im Zelt, keine der Musen ist vergessen. Und über alle dem schwebt das Geschenk an die Musik, die Elbphilharmonie. Der phantastische Entwurf von Herzog und de Meuron, alter Speicher und futuristischer Auf bau, ist schon jetzt das unvergleichliche Wahrzeichen der HafenCity. LILLI HOLM

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Kunstsammlung Neubrandenburg

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Das Kunstmuseum im Nordosten Holger Stark, „Risiko“, Installation im Innen- und Außenraum anlässlich des Kunstpreises 2014 der Mecklenburgischen Versicherungsgruppe, diverse Holz werkstoffe, Höhe 390 cm, Breite 370 cm, Tiefe 1680 cm, 2014

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Das sagenumwobene slawische Heiligtum „Rethra“ soll sich in der Nähe von Neubrandenburg befunden haben. Als um 1768 krude Bronzefiguren auftauchten, die auf der Unterseite dessen Namen trugen – nahm man dies gerne als Beweis dafür, dass es im nahen Prillwitz ­gelegen haben muss. Tatsächlich waren die kunstvoll im Stil archaischer Kunstwerke gefertigten Skulpturen und Bronzeplatten jedoch Fälschungen. Der Schweizer Künstler Daniel Spoerri erkannte 1978 den Art-Brut-Charakter der Bildwerke. Seit 2005 gestaltet er seine „Prillwitzer Idole“ als Reaktion darauf. Die absurde Doppelung der Fälschung einer ­F älschung ist hochaktuell, sein „Eberkopfknabe mit Pflug“ (2005) in der Kunstsammlung Neubrandenburg ein Publikumsliebling. Die Bronzeplastik ist frech und modern – und stellt zugleich einen B ­ ezug zur Regionalgeschichte her. Damit repräsentiert das Werk eine Konstante in der ­Museumskonzeption, Künstler mit Vorbildfunktion zu sammeln und dabei die Region nie aus dem Blick zu verlieren. Am Beginn des Kunstmuseums stand ein Verlust. 1945 konnten Werke, unter anderem von Carl Blechen, Bartolomé Esteban Murillo, Albrecht Dürer und Giovanni Battista Piranesi, vor einem Feuer gerettet werden, doch auf ihrem Weg nach Schwerin sind sie verschwunden. Mit dem Wunsch, die Städtische Kunstsammlung wieder aufzubauen, gründete die Vier-Tore-Stadt im Jahr 1982 das Kunstmuseum neu. Seit 2003 befindet es sich in einem Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert am Rande der Innenstadt, das bei der Sanierung von 2000 bis 2002 durch einen Anbau erweitert wurde und insgesamt mit 400 qm Fläche auf zwei Geschossen ausreichend Platz für zwei gleichzeitig stattfindende Ausstellungen bietet. „Wir besitzen zeitgenössische deutsche Kunst von Künstlerinnen und Künstlern aus Ost- und Westdeutschland“, so Merete Cobarg, seit 1998 Leiterin der Kunstsammlung Neubrandenburg, „es überwiegen eher unspektakuläre Arbeiten mit hohem sinnlichen und zeichenhaftem Ausdruck.“ Die Malerei bildet einen Schwerpunkt in der Bestandsausstellung

S O M M E R 2 014 — N E U B R A N D E N B U R G

Foto: Archiv des Künstlers


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Daniel Spoerri, „Eberkopfknabe mit Pflug“, 2005, Bronze, 158 x 80 x 60 cm, Inv.- Nr.: 2006/3/G Foto: Kunstsammlung Neubrandenburg © VG Bild- Kunst, Bonn 2014

„Der glückliche Griff “. Ihr Spektrum reicht von den gerade noch figurativen Äußerungen des Usedomer Malers Otto Niemeyer-Holstein (1896 – 1984) bis zu den lyrischen Abstraktionen von Herta Müller (*1955). Theodor Rosenhauers „Runde Brote mit Karaffe“ von 1980 strotzen vor sinnlich-malerischer Kraft, bei ihrem Anblick verbreitet sich ein milder Brotgeruch im Museum. Stefanie Busch (*1977) oder Christin Wilcken (*1982) reflektieren auf sensible Weise den Landschaftsbegriff. Michael Morgner (*1942), prominentes Mitglied der Chem­ nitzer Künstlergruppe CLARA MOSCH, und Jürgen Brodwolf (*1932) bearbeiten die ewigen Menschheitsthemen Leben und Tod. Angela M. Flaigs (*1948) „Löwenzahnkreis“ aus ­L öwenzahnsamen auf einer Tischlerplatte verknüpft beide Positionen in einer poetischen Assemblage. Neubrandenburg liegt übrigens auf dem Weg von Berlin an die Ostseeküste – ein ­Abstecher lohnt sich! Besonders bei abstrahierenden Positionen der Malerei von Künstlerinnen und Künstlern der mittleren und jüngeren Generation kann man in Neubrandenburg erstaunliche Entdeckungen machen. Auch Plastik und vor allem Grafik und Zeichenkunst sind mit einigen herausragenden Stücken vertreten, denn Arbeiten auf Papier wie Grafiken in allen Techniken nebst Unikaten wie Aquarelle, Gouachen, Pastelle oder Handzeichnungen sind der Sammelschwerpunkt der Kunstsammlung und werden einmal pro Jahr in einer ­t hematischen Sonderausstellung präsentiert. Nebenwege der Forschungsarbeit und Sammlungstätigkeit werden durch in Vergessenheit geratene Künstlerinnen wie Marie Hager (1872–1947) und Wilma Pietzke (1912–1977) abgesteckt. Wie viele Museumsleiter in der deutschen Provinz benötigt auch die engagierte Kunsthistorikerin Dr. Merete Cobarg Sponsoren, um den Ankaufsetat zu erweitern. „Zum Glück haben wir den Freundeskreis, der uns mit den Erlösen aus seinem alljährlichen ‚Herbstsalon‘ und besonderen Aktionen bei Bedarf unterstützt. Außerdem können die Zinserträge der Mertens-Günteritz-Stiftung für Ankäufe eingesetzt werden. SUSANNE BURMESTER

13. September bis 16. November 201 4 Chr ist in Wilcken Sinnliche R äume 29. November 201 4 bis 2 2 . Febr uar 2015 M i c h a e l W i r k n e r (1 9 5 4 - 2 0 1 2 ) w w w . k u n s t s a m m l u n g - n e u b ra n d e n b u r g . d e


Ruzica Zajec erhält den Kunstpreis 2014 der Mecklenburgischen Versicherungsgruppe

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Bernhard Cella, Gilbert und George, Die Ausstellung

Ruzica Zajec, „Seit Jahren“ (Ausschnitt), 2014, Cellophan, Holz, 40 x 18 x 20 cm, © VG Bild- Kunst, Bonn 2014 Foto: Roman März

b i s 7. S e p t e m b e r 2 0 1 4 K u n s t p r e i s d e r M e c k l e n b u r g i s c h e n Ve r s i c h e r u n g s g r u p p e F ünf Posit ione n de r G ege nwar t i n M e c k l e n b u r g - Vo r p o m m e r n U t e G a l l m e i s t e r, L i n d a P e r t h e n , S u s a n n e R a s t , Holger Stark, R u zica Zajec w w w . k u n s t s a m m l u n g - n e u b ra n d e n b u r g . d e

S O M M E R 2 014 — N E U B R A N D E N B U R G

SUSANNE BURMESTER

Foto: Bernhard Cella

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Es war spannend, wie immer – und eine Prognose war be­ sonders schwierig. Nur selten war die künstlerische Arbeit der Nominierten so unterschiedlich wie in diesem Jahr. Eine den Innen- und Außenraum verbindende großformatige Instal­ lation nebst Farbfotografien von Holger Stark, Videoarbeiten von Linda Perthen, die menschliche Figur in feinsinnigen Skulpturen von Susanne Rast, abstrakte Malerei von Ute ­Gallmeister und zwei- und dreidimensionale Zeichnungen und Objekte von Ruzica Zajec sind in der aktuellen Aus­ stellung zu sehen. Erst am Tag vor der Eröffnung fiel die Entscheidung: Merete Cobarg, Leiterin der Kunstsammlung Neubrandenburg, Manfred Zoller, Maler und Bildhauer und Thomas Flemming, der Vorsitzenden der Mecklenburgischen Ver­ sicherungsgruppe wählten den diesjährigen Preisträger direkt in der Ausstellung aus. Erst nach den A ­ nsprachen, Gruß­ worten und Einführungsreden wurde die Entscheidung des Trios bekannt gegeben: Ruzica Zajec, die bereits 2013 den Rostocker Kunstpreis erhalten hatte, gehört zu den vielversprechendsten Künstlerinnen im Bundesland Mecklenburg Vorpommern. Sie hat ein unverwechselbares Œuvre entwickelt, dass trotz aller Klarheit im Auftritt nicht die nervöse, hochsensible Komplexität verloren hat, die ein großes Werk auszeichnet. Ihr Erfolg ist Ansporn für Kollegen, sich selber treu zu bleiben und konsequent die eigene Handschrift weiterzuentwickeln. Mit dem Kunstpreis der Mecklenburgischen Versicherungsgruppe gewinnt Zajec nun vor allem Freiraum. Neben dem Preisgeld von 5.000 Euro kauft der Stifter noch Kunstwerke zur gleichen Summe an. Doch Verlierer gibt es eigentlich nicht, denn auch der Katalog, die wissenschaftliche Begleitung und die Ausstellung am prominenten Ort tragen dazu bei, auch den anderen Nominierten einen Karriereschub zu verschaffen. Die Mecklenburgische Versicherungsgruppe wurde 1797 in Neubrandenburg gegründet. Seit 2006 vergibt sie alle zwei Jahre den Preis für Kunst und leistet damit einen Beitrag dazu, die Aufmerksamkeit auf das Schaffen der Künstler in diesem Bundesland zu lenken. Der international renom­ mierte Künstler Günther Uecker ist bereits zum fünften Mal Schirmherr dieser Auszeichnung. Uecker wurde 1930 im mecklenburgischen Wendorf geboren und ist auf der Halb­ insel Wustrow aufgewachsen.


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20.03.2009

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Ausstellungen im SchloĂ&#x; Schreibersches Haus C.D. Rauch-Geburtshaus Kaulbach-Haus

Christian Daniel

Rauch

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Die Essenz (Ausschnitt), 1990, Bleistift auf aquarelliertem Papier Courtesy Galerie Alain Margaron, Paris


Kunstschau des Künstlerbundes M ecklenburg und Vorpommern auf Rügen

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Unterwegs zur Blauen Blume We r k e z u p rä s e n t i e r e n . M i t t h e m a t i s c h e n B e i t rä g e n u n d o r t s g e b u n d e n e n ­I n s t a l l a t i o n e n w e rd e n s i e v o m 1 . A u g u s t b i s z u m 7. S e p t e m b e r 201 4 die Romant ik zu einem ästhet ischen Erlebnis machen. www. k uenstlerbund-mv. org

Die Schau zum zeitgenössischen Kunstschaffen in Mecklenburg-Vorpommern folgt der „blauen Blume“ der Romantik. Sie steht für die Sehnsucht nach Erkenntnis, aber auch für die Lust, Grenzen zu überschreiten. Zur 24. Kunstschau auf Rügen begeben sich auch die Besucher „ins Blaue“ – nämlich nicht nur an klassische Ausstellungsorte, sondern in Kirchen, Gutshäuser, Werkstätten, Parks und in die freie Natur. Auf der Ostseeinsel Rügen gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine Auseinandersetzung mit der Romantik. Caspar David Friedrich, Jakob Philipp Hackert, Carl Gustav Carus und andere Künstler jener Zeit haben Rügen und die ­Insel Vilm bereist und ihre Motive hier gefunden. Sie begeisterten sich einst für Ruinen und mystische Hügelgräber wie wir heute für Land Art und Kunst im öffentlichen Raum.

Sabine und Christian Egelhaaf, Visualisierung ihrer Installation für den Turm der Schlossruine im Schlosspark Pansevitz Foto: Stiftung Schlosspark Pansevitz/ Fotomontage: Egelhaaf

S O M M E R 2 014 — R Ü G E N

im BBK eingeladen, an 18 Standor ten auf R ügen ak t uelle

­ iele Märchen der Romantik spielen auf Rügen, Reise­ V beschreibungen feiern die Schönheit der Natur. Schließlich arbeitet auch der Tourismus mit der Sehnsucht vieler Gäste nach dem „romantischen“ Erlebnis. Der Schlossparks Pansevitz finanziert seinen Erhalt mit ­e inem Friedwald, wo Urnenbestattungen unter Bäumen stattfinden. Von dem früheren Schloss sind nur noch die Grundmauern erhalten, doch eine 17 Meter hohe Spindel­ treppe des restaurierten Turmes eröffnet den Blick in den circa 40 Hektar großen, 700 Jahre alten Park. Zu „INS BLAUE“ werden fünf Künstlerinnen und Künstler hier Installationen vornehmen. Sabine und Christian Egelhaaf etwa befragen die Machbarkeit von Utopien mit einer dreigeteilten Arbeit. Am Tor zum Park, auf dem Turm der Schlossruine und im Schwanenteich nutzen sie die Qualität blauer Gerüstschutzmatten, um den Betrachterblick auf Orte und Situationen zu lenken. Texte zur Utopie, die von Besuchern mitgenommen werden können, erweitern das Konzept und führen Wahrnehmung, körperliche Erfahrung und Reflexion zusammen. Auch Andre van Uehm bezieht die Betrachter seiner typologischen Porträts tausendjähriger Ivenacker Eichen ein. Am Naturerbe Zentrum Rügen können sie Eichensämlinge mitnehmen und so die ewigen Zeiträume der Natur praktisch nachvollziehen. 17 der Künstlerinnen und Künstler, die sich auf die Ausschreibung des Künstlerbundes beworben haben, stellen im Kronprinzenpalais in Putbus aus. Das trapezförmige Gebäude befindet sich in prominenter Lage in der früheren Residenzstadt. Fürst Wilhelm Malte I. hat sie hier um 1840 im klassizistischen Stil erbaut. Die Künstlerin Ruzica Zajec zeigt dort ihre „Ausstattung für die Expedition INS BLAUE“. Ihre abstrakten Objekte auf schwarzen und spiegelnden Oberflächen sind Hilfsmittel für eine Reise in die Verunsicherung. Broder Burow zeigt ein Wandobjekt, bei dem Besucher eine weiße Scheibe mit Aussparungen drehen können, um mit der darunterliegenden, leuchtblaufarbigen Fläche überraschende Formen erzeugen. Rando Geschewskis Märchenfiguren sind mit der Rasierklinge aus Tuschezeichnungen gekratzt. Seine collagierende Arbeitsweise stellt Querbezüge von Eraserhead bis zu den Beastie Boys her.

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Unter dem Titel „ I NS B L AU E “ sind 1 1 2 Mitglieder d e s K ü n s t l e r b u n d e s M e c k l e n b u r g u n d Vo r p o m m e r n e . V.


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Die Uferkapelle Vitt wurde einst gebaut, damit die Fischer des Küstenortes nahe dem Kap Arkona schnell wieder zur See konnten, wenn „de Hering kümmt“. Zur Kunstschau installiert Jorinde Gustavs hier nun mit Texten bedruckte Sitzkissen auf den Kirchenbänken und bezieht sich damit auf die „Reichtumsmärchen“ des Rügeners Ernst Moritz Arndt. In einem Container nahe dem Steilufer von Kap Arkona installiert die „Kunstkolchose“ eine Videoinstallation zur Landschafts­ malerei. Rolf Wicker dokumentiert im Circus 11 in Putbus die Geschichte des „romantischen“ Schlosses Küsserow – das es nie gegeben hat.

N AT Ü R L I C H R O M A N T I S C H

Die 2 4. Kunstschau des Künstlerbundes ist in die Initiative „Natürlich Romantisch“ ­e in­g ebunden. Diese nimmt den 2 40. Geburtstag Caspar David Friedrichs (17 74–18 40) zum Anlass, die Epoche und ihre Auswirkungen auf die ­Gegenwart zu beleuchten. Partner in ganz Mecklenburg-Vorpommern haben sich in der Initiative zusammen­gefunden, darunter auch der Landestourismusverband. w w w . a u f- n a c h - m v . d e / ro m a n t i k

SUSANNE BURMESTER

Freunde der Insel Rügen finden die Romantik in der Boddenlandschaft W W W. R U E G E N . D E – E M P F E H L U N G E N V O N S U S A N N E B U R M E S T E R

rechts oben: © Badehaus Goor, Rügen

B A D E H AU S G O O R

Bereits seit 1818 ließ Wilhelm Malte I., Fürst zu Putbus, das Badehaus Goor am Greifswalder Bodden im klassizistischen Stil errichten. Die repräsentative Außenfassade von 1830 mit der monumentalen Säulenreihe am Ende der stattlichen Allee gibt dem Gebäude einen imposanten, überaus ästhetischen Charakter. Heute verbirgt sich hinter dem Säulenportikus ein modernes Viersterne-Wellnesshotel, das seit 2014 sogar temperierte Solebecken besitzt, die aus dem Luisenbrunnen gespeist werden, der die Sole aus 658 Metern Tiefe bezieht. © Boldevitzer Rügenkaten

F ü r s t- M a l t e - A l l e e 1 18581 Lauterbach w w w . h o t e l - b a d e h a u s - g o o r. d e

B O L D E V I T Z E R R Ü G E N K AT E N

R E S TAU R A N T & P E N S I O N „ A LT E S C H U L E “

Im Herzen der Insel liegen die strohgedeckten Rügenkaten umgeben von Feldern und Wäldern in einem großen ­L andschaftspark. Auch das zugehörige Gutshaus bietet Ferienwohnungen. Es gehört zu den am schönsten sanierten Herrenhäusern auf Rügen. Nur über Führungen zugänglich sind die Wandtapeten von Jakob Philipp Hackert in den Privatgemächern der Besitzer, die unter anderem einen Rügener Kreidefelsen abbilden. Die klassizistische Kapelle ist regelmäßig Spielort der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.

Das Restaurant in der früheren Schule des Dorfes Gagern nahe Pansevitz liegt normalerweise jenseits des Weges. Doch die frische innovative Küche des Hausherrn, der höchstselbst am Herd steht, hat es zu einem Geheimtipp für Rügener und ihre Gäste gemacht. Das Angebot reicht von belegten Brötchen über Fischgerichte bis zum Chateaubriand. Spezialitäten wie gebratene Blutwurst nach Badischer Art bekommt man auf Rügen vermutlich nur hier. Außerhalb der Saison veranstaltet Familie Herbst monatlich wechselnde Themenabende mit internationaler Küche.

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ROSE NC A F É P U T BUS

H O T E L & R E S TAU R A N T „ Z U M K A P A R KO N A“

Direkt gegenüber dem Kronprinzenpalais am Rande des Schlossparks und mit großer Sonnenveranda liegt das Rosencafé. Hier hat Konditormeister Jan Ketel den Hut auf. Entsprechend reich und hochwertig ist die Auswahl an ­Kuchen und Torten. Mit Blick in den Park werden hier exquisite Kaffeespezialitäten angeboten, aber auch kleine Snacks mit maritimer und pikanter Note. Im Sommer findet jeden Montag ab 17 Uhr die „Musik im Park“ statt. Dazu kann man auf dem Rasen picknicken oder sich vom Rosencafé versorgen lassen.

Wenn es Abend wird am Kap Arkona, offenbart sich der ganze Reiz dieses geschichtsträchtigen Fleckens Erde. Hier haben die Slawen sich 1168 dem Christentum unterworfen, Karl Friedrich Schinkel hat den viereckigen Backsteinturm entworfen und umfangreiche Bunkeranlagen zeugen vom „Kalten Krieg“. Nachts lässt der Neue Leuchtturm sein Licht kreisen und von unterhalb des Hochufers hört man die Ostsee tosen. Im Hotel & Restaurant „Zum Kap Arkona“ wohnt man in familiärer Atmosphäre, kann in einem Badebottich im Freien sitzen und dabei in die Weiten von „Windland“ Wittow schauen.

B a h n h o f s t ra ß e 1 18581 Putbus / Rügen

D o r f s t ra ß e 2 2 a

w w w . ro s e n c a f e - p u t b u s . d e

18556 Putgar ten

© Rosencafé Puttbus

Vitt, Blick auf Arkona Foto: Tourismuszentrale Rügen 2010

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S O M M E R 2 014 — R Ü G E N

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Abbildung: DETLEF WASCHKAU „Telefonzellen Peking“, 2011, Holzrelief, 84 x 105 cm

Ausstellungen

27 SEP – 15 NOV 2014 WWW.RUZICSKA.COM

19. September – 18. Oktober 2014 FLORIAN PELKA – Malerei JAN THOMAS – Skulpturen/Holzschnitte

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GÖRAN GNAUDSCHUN 23.5. – 3.8.2014 URSEL KESSLER 12.9. – 9.11.2014 DETLEF WASCHKAU 21.11.2014 – 22.2.2015

Marienstrasse 2 ∙ 66538 Neunkirchen ∙ Tel. 06821 29 00 621 www.staedtische-galerie-neunkirchen.de

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1. August – 13. September 2014 MARION EICHMANN – Papierschnitte HEIKE JESCHONNEK – Paraffinzeichnungen DETLEF WASCHKAU – Holzreliefs


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A u s A m r e i ’s A r t b l o g Amrei Heyne (*1971) ist Galeristin in Stuttgart und berichtet sehr persönlich vom Suchen und Finden der Kunst.

Nik Novak, Berlinische Galerie

Und Lichtenberg kommt!

Es begann im Frühling mit einer Einladung in Neonorange in die Berlinische Galerie, ausgerechnet am Eröffnungstag der Art Cologne. Man wollte wohl unter sich bleiben? Nik Nowak, Preisträger des Gasag-Kunstpreis‘14 eröffnete seine Ausstellung „Echo“ ebenda. Schwerter zu Pflugscharen bzw. Panzer als Soundobjekte-Performances und DJ Sets (festivalerprobt im Duett mit dem Preisträger DJ Ultramoodem/Schockglatze lockten). Sehr selbstbewusst, sehr Berlin. Das Museum für Architekturzeichnung, die Tchoban Foundation, zu finden am Pfefferberg in Berlin-Mitte, ist ein Geheimtipp. Es hat jeden Tag geöffnet und hält, was es verspricht: sorgfältig kuratierte Ausstellungen mit einzigartigen und seltenen Originalen aus aller Welt. Über „Evidence“ – Ai Weiwei ist alles gesagt und beschrieben worden. Über die Schau „David Bowie“ ebenso. Ich empfehle daher: Gehen Sie hin oder nicht. Berlin – Gallery Weekend hin oder her, ist wirklich immer viele Blicke wert. Linden-, Potsdamer-, Prinzessinnenstraße unbedingt – auch Mitte lebt! Und Lichtenberg kommt! Gehen Sie spazieren, im Osten und im Westen! Besuchen Sie bis Anfang August unbedingt auch die Berlin Biennale. Juan A. Gaitán leistete Großartiges. Und: Atmen Sie – Sie werden staunen! Wir sehen uns wieder im September zur Berlin Art Week! Auf die kleine Reise mit der Tram Nummer 2 alljährlich im Juni nach Riehen freute ich mich auch diesmal, auch um die großartige Ausstellung von

Fondation Beyeler

Fotos: Amrei Heyne

Gerhard Richter zu sehen. Gleicht doch der Besuch der Fondation Beyeler aufgrund von Traumlage und -architektur dank Renzo Piano immer einem Miniurlaub. Das sehr internationale Publikum am dritten Messetag der Art Basel kann nicht irren, denn es hat bekanntlich immer Recht. Hans Ulrich Obrist kuratierte nicht nur in Riehen, sondern mit Klaus Biesenbach – dessen Erdkunde-Lektion allmonatlich zu meiner festen Lektüre gehört, ebenso wie seine Instagram-Posts –, seitdem empfinde ich sämtliche Kulturneuigkeiten (watch out for Björk 2015!) als veraltet bzw. überraschungsarm. – Zurück zur 14-Rooms-Show, auch für mich das Highlight der Art Basel 2014: Die Fondation Beyeler, die Messe und das Theater Basel kooperierten um die beiden deutschen Meisterkuratoren, das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron schuf eine klare Struktur, um eine Woche lang hinter 14 Spiegeltüren ausschließlich performative Arbeiten der Künstler Marina Abramovic, Allora und Calzadilla, Ed Atkins, Dominique Gonzalez-Foerster, Damien Hirst, Otobong Nkanga, Roman Ondák, Santiago Sierra, Xu Zhen und Tino Seghal erleben zu dürfen. In der einstündigen Warteschleife – das Publikum, wenn es sich traut, performt also ganz eigen mit – lernte ich ein großartiges Galeristenpaar aus Oostende kennen. Wir tauschten uns aus, über alles und jeden und es war keine Sekunde langweilig. Mein Messefavorit 2014: die Liste im Warteckareal! Nun lebe ich in Stuttgart. Gern. Man kommt so richtig zum Arbeiten … geht stattdessen viel zu selten ins Theater … und in Ausstellungen … Doch die hier darf man sich nicht entgehen lassen: Gerwald Rockenschaubs „Dear Heartbeat“ im Schauwerk Sindelfingen (bis Januar 2015), nicht zu vergessen den Art Alarm Ende September!

LISTE – Art Fair Basel

Gerwald Rockenschaub, Schauwerk Sindelfingen

Machen Sie doch, was Sie wollen!


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Aarau

Ahrenshoop

Berlin

Sophie Taeuber-Arp. Heute ist Morgen 23.8 – 16.11.2014 Aargauer Kunsthaus

Kunstmuseum Ahrenshoop

Hommage à Picasso. 25 Original-Druckgrafik-Arbeiten von ebensovielen Künstlern 29.8. – 31.10.2014 Ketterer Kunst

Kalte Morgenröte 31.8. – 2.11.2014 Kunst im Bann des Ersten Weltkrieges. In der Ausstellung werden Papierarbeiten und einige prägnante Gemälde u. a. von Karl Hofer, Carl Lohse und Alfred Partikel zu sehen sein. Vertreten sind weiterhin: Abeking, Barlach, Brass, Dix, Grosz, Helm, Kesting, Kollwitz, Schwimmer, Zille u. a. Dieter Goltzsche zum Achtzigsten 7.9. – 2.11.2014 In der dem Künstler zum 80. Geburtstag gewidmeten Ausstellung werden Blätter der Museumssammlung, die der Künstler 2013 stiftete, bedeutende Arbeiten aus allen Schaffensphasen und hierfür relevanter Quellen in einer konzentrierten Auswahl gezeigt. ☞ Kunstmuseum Ahrenshoop Bis Okt. täglich 11–18 Uhr, Ab Nov. Di–So 10–17 Uhr Weg zum Hohen Ufer 36, 18347 Ostseebad Ahrenshoop T +49 (0) 38220 6679-0 www.kunstmuseum-ahrenshoop.de

Dem vor über 40 Jahren verstorbenen Universalgenie und Multitalent Pablo Picasso ist die Verkaufsausstellung „Hommage à Picasso“ gewidmet. Sie ist vom 29. August bis 31. Oktober 2014 bei Ketterer Kunst in Berlin-Charlottenburg zu sehen. Die Würdigung kommt von international renommierten Künstlern, die ihren Beitrag zum Gedenken an den großen Meister kurz nach seinem Tod Anfang der 1970er-Jahre in Form von je einem Kunstwerk für ein gemeinsames Mappenwerk leisteten. Es zeigt die Wirkung, die das Œuvre Picassos auf die Arbeit dieser Künstler hatte, und wie sie sich ihm gegenüber positionierten. So unterschiedlich die Werke von u. a. Gerhard Altenbourg, HAP Grieshaber, Richard Hamilton, David Hockney, Robert Indiana, Roy Lichtenstein, Heinz Mack, Joan Miró, Robert Rauschenberg, Emil Schumacher, Frank Stella, Jean Tinguely, Cy Twombly und Günter Uecker anmuten, sie alle lassen die Inspiration durch die Legende Pablo Picasso und die Hochachtung vor seinem ­k ünstlerischen Gesamtwerk erkennen. ☞ Ketterer Kunst Mo–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr Fasanenstraße 70, 10719 Berlin-Charlottenburg T +49 (0) 89 552440 www.kettererkunst.de

Sophie Taeuber-Arp, „Rosette“, 1918 Perlenstickerei, Durchmesser 9 cm Aargauer Kunsthaus Aarau / Depositum aus Privatbesitz

Foto: Melanie Wilkens, Kunstmuseum Ahrenshoop Roy Lichtenstein, Foto: Ketterer Kunst

S O M M E R 2 014 — T E R M I N E

Sammlungspräsentation des Kunstmuseum Ahrenshoop ganzjährig Die Ausstellung präsentiert Höhepunkte aus 120 Jahren Kunstgeschichte der Küstenlandschaft von Fischland/Darß bis Usedom und gibt einen Einblick in das künstlerische Erbe der Malerkolonie sowie in die auf sie folgenden Strömungen moderner Kunst.

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Sophie Taeuber-Arp (1889–1943) zählt zu den wichtigsten Schweizer Künstlerinnen des 20. Jahr­ hunderts. Vielfältig begabt und souverän im Umgang mit Form, Farbe und Material schuf sie ein Œuvre, das in den Bereichen Design, Malerei, Textilien, Zeichnung, Plastik, Architektur, Tanz und Szenografie höchste Anforderungen an Qualität und Kontinuität in sich vereint. Die Ausstellung „Sophie Taeuber-Arp. Heute ist Morgen“ bietet die Möglichkeit, die gattungsübergreifende Denk- und Vorgehensweise dieser Künstlerin anhand von über 300 Exponaten in noch nie dagewesener Tiefe und Breite zu erkunden und so ihre Pionierleistung für die Moderne umfassend zu würdigen. Die retrospektivisch angelegte Werk­ auswahl mit Arbeiten aus allen Schaffensphasen trägt Sophie Taeuber-Arps unverkennbarem Kunstverständnis Rechnung. Die Ausstellung wird von einer umfangreichen Begleitpublikation sowie von zahlreichen Sonderveranstaltungen begleitet. Mehr Informationen dazu auf www.aargauerkunsthaus.ch. ☞ Aargauer Kunsthaus Di–So 10–17 Uhr, Do 10–20 Uhr Aargauerplatz, 5001 Aarau T +41 (0) 62 835 23 34 www.aargauerkunsthaus.ch

Das flüssige Element Bis 24.8.2014 Seestücke des 17. und 21. Jahrhunderts aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin


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Bern

Dortmund

Düsseldorf

Manon / Franticek 20.9. – 17.10.2014 Galerie Béatrice Brunner

„Jetzt helfe ich mir selbst“ Die 100 besten Video-Tutorials aus dem Netz Bis 31.8.2014 HMKV im Dortmunder U

Backdoor Fantasies Bis 10.8.2014 KAI 10 I Arthena Foundation

Die Werke der Künstlerin Manon und des Künstlers Franticek Klossner werden erstmals in einer gemeinsamen Ausstellung gezeigt. Identität und Differenz, der Körper und sein Double, Erotik und Tod, sind zentrale Themen, die in ihrem Schaffen in sehr unterschiedlicher Weise umgesetzt werden. Sowohl Manons Werk wie auch die Arbeiten von Franticek Klossner sind geprägt von Risikobereitschaft und Radikalität. Die erste gemeinsame Ausstellung der „Künstlerfreunde“ wird zu einem Highlight der aktuellen Berner Galeriesaison. Durch ihre Pionierarbeit in den Bereichen der Fotokunst und der Performance-Art sowie durch ihre künstlerische Haltung wurde die Künstlerin Manon bereits in den 1970er-Jahren zu einer wegweisenden und prägenden Identifikationsfigur der Schweizer Kulturszene. Die Videoarbeiten und die performativen Installationen mit schmelzenden Körperabformungen aus Eis, haben den in Bern lebenden Künstler Franticek Klossner weit über die Schweiz hinaus bekannt gemacht. www.manon.ch / www.franticek.ch ☞ Galerie Béatrice Brunner Mi–Fr 14–18 Uhr, Sa 12–16 Uhr Nydeggstalden 26, 3011 Bern T +41 (0)31 312 40 12 www.beatricebrunner.ch

Was früher dem Autofreund die Buchreihe „Jetzt helfe ich mir selbst“ war, ist heute – im Zeitalter des Do-it-yourself (DIY) – das Video-Tutorial im Netz. Seien es profane Probleme bei der Installation von Druckertreibern, beim Binden von Schnürsenkeln oder beim Schminken – bis hin zum Bau von Waffen: Für fast alle Themen holt man sich heute Anleitungen und Hilfe aus dem Internet. „How-to“-Videos sind zu einem extrem wichtigen Phänomen der DIY-Kultur geworden. Präsentiert auf 100 Monitoren und Projektionen, strömt den BesucherInnen der Ausstellung „Jetzt helfe ich mir selbst“ das geballte „How-to“-Wissen der Welt entgegen. Auf allen Kanälen redet und quatscht es – und es wird nützliches und weniger nützliches Wissen vermittelt. Die Machart der „How-to“-Videos reicht von Videos, die mit dem Smartphone gefilmt wurden, bis hin zu semi-professionell produzierten Filmen. Die zentrale Frage, die die Ausstellung stellt, ist dabei folgende: Warum machen so viele Menschen Video-Tutorials? Warum erklären sie anderen, wie man etwas macht – ohne Gegenleistung und ohne ihr Gegenüber überhaupt zu kennen? Die Ausstellung zeigt eine Auswahl der 100 witzigsten, absurdesten, spannendsten, unheimlichsten und amüsantesten Video-Tutorials. Eintritt frei. ☞ HMKV im Dortmunder U Zentrum für Kunst und Kreativität Di/Mi 11–18 Uhr, Do/Fr 11–20 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr, montags geschlossen Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund T + 49 (0) 231 49 66 42-0 www.hmkv.de

Bezugspunkt der Ausstellung „Backdoor Fantasies“ ist der Medienhafen Düsseldorf. Durch Sanierungen und neue Landmarken-Architekturen wurde das alte Hafengebiet seit den 1960er-Jahren in das neue Jahrtausend katapultiert. Aber haben die damit verbundenen städtebaulichen und arbeitsweltlichen Utopien heute noch Bestand? Nicht zuletzt diese Frage leitet die „Backdoor Fantasies“, denen die Besucher in KAI 10, aber auch in Büro- und Hotelräumen sowie an öffentlichen Orten in der Umgebung begegnen. Zwischen den monumentalen Architekturen und dem vollständig kommerzialisierten Lebensraum entfaltet das neugestaltete Areal eine eher kühle Aura. Diese wird in der Ausstellung mit Zonen der emotionalen Aufladung und fiktionalen Verfremdung konfrontiert; auch der Blick hinter die Fassaden ist ein zentrales Anliegen des Projekts. Statt auf den direkten Ortsbezug setzen die „Backdoor Fantasies“ auf überraschende Konfrontationen und die Erforschung subtiler emotionaler Qualitäten. Bereits existierende und neu entstehende Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler dienen gleichsam als Sonden, die aufspüren, was bei der Neugestaltung urbaner Areale unter den Teppich der offiziellen Stadtplanung gekehrt wird. ☞ KAI 10 I Arthena Foundation Do–So 11–18 Uhr Kaistraße 10, 40213 Düsseldorf T +49 (0) 211 99 434 130 www.kaistrasse10.de

Michael Beutler, Installation „Carpet and Loom“

HMK V im Dortmunder U 2014, „Jetzt helfe ich mir selbst!“ Buchcover: Motorbuch Verlag / Wolfgang Schmarbeck

Manon


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Eislingen

Emden

Welten träumen Bis 21.12.2014 KUNSTWERK – Sammlung Alison und Peter W. Klein

Tillmann Damrau. Of Various Incidents Of Coincidence. Ränder, Räume & Gestalten 13.9. – 12.10.2014 kunstverein eislingen

HORIZONT JAWLENSKY. Auf den Spuren von van Gogh, Matisse und Gauguin Bis 19.10.2014 Kunsthalle Emden

Tillmann Damrau zeigt in seinen Arbeiten vielfach Menschen bei der Orientierungssuche, Menschen im Aufbruch und im Umbruch. Seine Figuren navigieren durch einen offenen Bildraum, in dem ohne Rücksicht auf eine stilistische Synthese verschiedene Bildelemente, Bildsprachen und Bedeutungen in unterschiedlich wahrnehmbaren Sinngefügen aufeinandertreffen. In diesem „Spielraum des Erprobens“ thematisiert Tillmann Damrau Sinn und Wirkung der Bilder als komplexe, vielschichtige Aktivität der Lebensorientierung. ☞ kunstverein eislingen Di–Sa 16–18 Uhr, So 14–18 Uhr Bahnhofstraße 12, 73054 Eislingen T +49 (0) 7161 888 81 www.kunstverein-eislingen.de

Im Jahr 2014 jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag von Alexej von Jawlensky. Gemeinsam mit dem Museum Wiesbaden ehrt die Kunsthalle Emden diesen wesentlichen Protagonisten der klassischen Moderne aus dem Umfeld der Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter” mit einer großen Ausstellung. Im Fokus der Schau stehen der junge Jawlensky und seine Verbindungen zu Künstlerkollegen wie Corinth, van Gogh, Gaugin, Matisse und Munch. Die Ausstellung „Horizont Jawlensky“ präsentiert die künstlerische Entwicklung Jawlenskys vom unbekannten jungen Realisten zum weltberühmten Expressionisten mit ca. 70 Werken aus seiner populärsten Schaffensphase in den Jahren von 1900 bis 1914. Um den „Horizont“ des Künstlers in dieser Zeit zu veranschaulichen, stehen seinen Gemälden rund 40 aussagekräftige Werke von Malern, die ihn in diesen Jahren maßgeblich beeinflussten, gegenüber. Mit jeder Reise, die der Künstler von München aus unternahm – etwa nach Frankreich, in die Schweiz oder an die Ostsee – erweiterte sich nicht nur sein Horizont, sondern kristallisierte sich auch sein ihm eigener Stil, der ihn weltberühmt machen sollte, immer deutlicher heraus. Die rasante Entwicklung endet mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914, als er zusammen mit seiner Weggefährtin Marianne von Werefkin Deutschland innerhalb von 48 Stunden verlassen musste. ☞ Kunsthalle Emden Di–Fr 10–17 Uhr, jeder 1. Di im Monat 10–21 Uhr, Sa/So/Fei 11–17 Uhr Hinter dem Rahmen 13, 26721 Emden T +49 (0)4921 97 50 50 www.kunsthalle-emden.de

Tillmann Damrau, „THE GIFT“, 2013, Mixed Media auf Leinen, 150 x 130 cm

Jerry Uelsmann, o.T., 1992, C-Print

Alexej von Jawlensky, „Bildnis Resi“, 1906, Öl auf Pappe, © Von der Heydt-Museum Wuppertal

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Wenn man sich beim Aufwachen an einen Traum erinnert, ergeben Bilder und Gefühle oft eine seltsame, rätselhafte Szenerie. Es sind Versatzstücke aus dem eigenen Erleben, die in Träumen ein Eigenleben führen. Erzählt man das Geträumte nach, erscheint die „Story“ meist wirr, weil die im Traum aneinandergereihten Bilder nicht dem Prinzip des Logischen unterliegen. Das Faszinierende am Traum ist, scheinbar Unvereinbares und Unerklärliches zusammendenken zu können. Die in der neuen Ausstellung präsentierten Werke aus der Sammlung Alison und Peter W. Klein stellen Bildwelten vor, die Versatzstücke des Erinnerns in poetischer, teils märchenhafter, teils abgründiger Weise zusammenführen und aus dem Verweigern eines vordergründig offensichtlichen Sinns Sinngewinn erzielen. Gezeigt werden u. a. Arbeiten von Inna Artemova, Lucas Davidson, Franziska Hufnagel, Jörg Mandernach, Charlotte McGowan-­ Griffin, Dominic Rouse, Sabina Sakoh, Monika Thiele, Jerry Uelsmann, Maik Wolf und Michael Wutz. ☞ KUNSTWERK Sammlung Alison und Peter W. Klein Mi,Do,Fr,So 11–17 Uhr Siemensstraße 40, 71735 Eberdingen-Nussdorf T +49 (0) 7042 3 76 95 66 www.sammlung-klein.de

S O M M E R 2 014 — T E R M I N E

Eb e rdin g e n/N u s s d o r f


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Hannover

Heidelberg

Innsbruck

17. ZINNOBER-Kunstvolkslauf Hannover 6. + 7.9.2014 Kunst-Saisonauftakt in Hannover

Franz Bernhard – in Erinnerung an einen großen Bildhauer Bis 26.10.2014 Skulpturenpark Heidelberg

Max Weiler. Arbeiten auf Papier und Entwürfe für den öffentlichen Raum Bis 6.9.2014 Galerie Elisabeth & Klaus Thoman

Am 18. Mai 2014 wurde die Ausstellung „Franz Bernhard – in Erinnerung an einen großen Bildhauer“ mit 11 großen Stahlskulpturen eröffnet. Franz Bernhard hat diese Ausstellung für seinen 80. Geburtstag noch selbst vorbereitet, bevor er am 28. Mai 2013 unerwartet verstarb. Die Auswahl für den Skulpturenpark Heidelberg gehörte zu den letzten Ausstellungsvorbereitungen, die Franz Bernhard selbst vornahm. Der 1934 geborene Künstler, der Ende der 1950er-Jahre an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Wilhelm Loth und Fritz Klemm studiert hatte, gehörte zu den bedeutendsten Bildhauern seiner Generation. Eine Ausstellung mit dem zeichnerischen Werk von Franz Bernhard wird am 12. September 2014 in der Kunsthalle Mannheim zu sehen sein. Der Katalog „Franz Bernhard. Skulptur und Zeichnung“ zu beiden Ausstellungen, ist im Modo Verlag, Freiburg, erschienen. ☞ Skulpturenpark Heidelberg Täglich geöffnet Heidelberg-Schlierbach, Orthopädische Klinik T +49 (0) 621 3802 1101 www.skulpturenpark-heidelberg.de

Max Weiler war einer der bedeutendsten europäischen Maler und Zeichner seiner Generation. Einen zentralen Platz im Werk Max Weilers nehmen die öffentlichen Arbeiten ein. In fünf Jahrzehnten sind rund 1.000 Quadratmeter Kunst, aufgeteilt auf ca. 36 Standorte, entstanden, was einzigartig in Europa ist. Die Wandgestaltung Max Weilers des Großen Stadtsaals Innsbruck steht im Fokus unserer Ausstellung: Wir zeigen die Originalausführungs­ entwürfe (37,5 x 387 cm) für die Wandgestaltung von 1954–1960, aber auch den Farbentwurf (Eitempera, Tusche auf Papier) für den „Eisernen Vorhang“ des Tiroler Landestheaters 1967, die Komposition für die Betonglasfenster für die Kirche Maria am Gestade in Innsbruck-Sieglanger 1961/62, sowie die nicht realisierten Entwürfe für das Festspielhaus Salzburg 1959 und die Gedenksäule für Hofrat Hans Menardi 1958. Des Weiteren präsentieren wir einen Überblick des zeichnerischen Œuvres Max Weilers, von den frühen 1950er- bis in die späten 1990er-Jahre. ☞ Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Di–Fr 12–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr und nach Vereinbarung Maria-Theresien-Straße 34, 6020 Innsbruck T +43 (0) 512 57 57 85 www.galerie-thoman.com

36 Ateliergemeinschaften, Galerien und Kunstinstitutionen öffnen ihre Türen und präsentieren das breite Spektrum der zeitgenössischen Kunst mit aktuellen Ausstellungen, besonderen Aktionen und einem Blick hinter die Kulissen. Angelehnt an die legendären Künstlerfeste in den 1920er-Jahren um Kurt Schwitters wird die Kunst in Hannover gefeiert. Atelier 9 / Lister Höfe, Atelier am Tönniesberg, Atelier Bettfedernfabrik, Atelier Bildarium, Atelier Block 16, Atelier Mira e. V., ATELIER ohne Titel, Atelier Rühmkorff 3, Atelier von-Alten-Allee, Atelier. Galerie für Fotografie, Ateliergemeinschaft Fössestraße 77, Ateliergemeinschaft Goethestraße 37, Ateliergemeinschaft Helmkestraße, Ateliers der Eisfabrik, Ateliers der Fuchswerke, Ateliers Goebenstraße, Ateliers Wörthstraße, BBK Hannover, Falkenberg Galerie für neue Kunst, Galerie „Vom Zufall und vom Glück“, galerie k9 aktuelle kunst, Galerie per-seh, GEDOK NiedersachsenHannover, Hannoverscher Künstlerverein, kestnergesellschaft, kik.kunst in kontakt, konnektor – Forum für Künste, KUBUS Städtische Galerie, Kunsthalle FAUST, kunstraum j3fm, Kunstverein Hannover, Lindener Kunstwerke AG, LortzingART, Produzentengalerie Rammlmair, studioARCUS, Werkstatt Zur Gelben Tasche ☞ Öffnungszeiten der Kunstorte Sa 12–19 Uhr, So 11–19 Uhr

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S O M M E R 2 014 — T E R M I N E

Veranstalter/Information/Programm Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover Friedrichswall 15, 30159 Hannover T +49 (0) 511 168 45245 www.zinnober-kunstvolkslauf.de

Franz Bernhard, „Skulptur und Zeichnung“, 2014

Max Weiler

Hrsg.: Skulpturenpark Heidelberg e.V.

Farbent wurf Gesamtkomposition „Eiserner Vorhang“,

Mit einem Text von Ulrike Lorenz

Tiroler Landestheater in Innsbruck (ausgeführt)

64 S., 46 Abb., 23 x 17 cm, Hardcover, Fadenheftung,

1967, Eitempera, Tusche auf Papier, 122,6 x 148,7 cm,

EUR 20, ISBN 978-3-86833-146-2

Wei/P 670008, Courtesy Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/ Wien, Foto: © Yvonne Weiler


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Karlsruhe

Ludwigsburg

Luzern

Die andere Moderne Kunst und Künstler in den Ländern am Rhein 1900 bis 1922 2.8. – 19.10.2014 Städtische Galerie Karlsruhe

Ausstellungsreihe: Konstruktivismus Max Schmitz – Ingrid Dahn 27.7. – 14.9.2014 Kunstverein Ludwigsburg

Hans Emmenegger – „Jetzt will ich einmal schroff meinen Weg gehen“ Bis 12.10.2014 Vulkan-Halle

In der Ausstellungsreihe „Konstruktivismus“ präsentiert der Kunstverein das Künstlerpaar Max Schmitz und Ingrid Dahn. Beide Künstler interpre­ tieren in ihren ästhetischen Corten-Stahl- bzw. Plexiglasskulpturen sowie in malerischen Werken die Idee des Menschen in seinem Verhältnis zum Raum neuartig konstruktivistisch. Die Plastiken von Ingrid Dahn (*1939) vereinen die Leichtigkeit des Materials mit einer formalen, zuweilen unnahbaren Strenge des Konstruktivismus. Ingrid Dahns künstlerische Sprache zeichnet sich neben ihren anthropomorphen Formen vorrangig durch ihre charakteristische Parabelform aus. In ihrer langgliedrigen Ausführung erweckt die Gestaltung Assoziationen an Schlemmers „Triadisches Ballett“ sowie an Werke von Avramides. Für Max Schmitz (*1936) war sein richtungs­ weisendster Akademielehrer Rudolf Hoflehner, dessen figürliche Abstraktionen ihn zur Auseinandersetzung mit der ideellen und konstruktiven Beziehung von Raum und Masse anregten. Schmitz’ gesamtes Werk ist Ausdruck für ein neues Raum-Zeit-Volumen-­ Verständnis. Seine Werke gliedern sich in die Koordinaten der horizontalen Seh- und Sprechebene oder Armebene als die aktiven Parts und der vertikalen Gehör- und Nasen oder Beinebene. Dr. Andrea Wolter-Abele ☞ Kunstverein Kreis Ludwigsburg e. V. Di–So 11–18 Uhr, Do 11–21 Uhr im MIK Eberhardstr. 1, 71634 Ludwigsburg T +49 (0) 7141 92 91 96 www.kunstverein-ludwigsburg.de

Vom facettenreichen, ebenso schönen wie melancholischen Œuvre des gebürtigen Entlebuchers Hans Emmenegger (1866–1940) befindet sich ein beachtlicher Teil in der Sammlung des Kunstmuseums Luzern. Als Maler „zwischen Böcklin und Hodler“ wurde er letztmals in den 1980er-Jahren einem breiten Publikum gezeigt. Die kommende Ausstellung legt den Schwerpunkt nicht auf Vorbilder, Freunde oder Zeitgenossen, sondern auf das Einzigartige seiner Malerei. Hans Emmenegger malte Landschaften und Stillleben, vereinzelt Akte, Tier- und Architekturdarstellungen. Seine Bilder zeugen von einem wehmütigen Verlangen nach der „herrlich öden einsamen Gegend“ rund um den Vierwaldstättersee. Dabei sind seine Sujets oft berauschend modern: Hügel, die mit kahlen Bäumen bestanden sind, karge Schneeschmelzen oder schattige Waldausschnitte mit Sonnenflecken. Der Künstler arbeitete mit dekorativen Kontrasten und interessierte sich besonders für die optische Wirkung von Licht und Farbe. Mit nahezu Hundert Werken, davon vierzig aus eigenen Beständen, bietet die Ausstellung einen umfassenden Überblick über das eigenwillige Œuvre dieses bedeutenden Malers. kuratiert von Heinz Stahlhut, Mitarbeit Peter Suter ☞ Kunstmuseum Luzern Di–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr Europaplatz 1, 6002 Luzern T +41 (0) 41 226 78 00 www.kunstmuseumluzern.ch

In den Jahren um 1900 befand sich die deutsche Kunstlandschaft im Umbruch. In zahlreichen westdeutschen Städten schlossen sich Künstler zu Interessensgemeinschaften zusammen. Um überregionale Aufmerksamkeit zu erlangen, wurden in Düsseldorf zwei Initiativen gegründet: 1900 die Zeitschrift „Die Rheinlande“ und 1904 der „Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein“, dessen ambitionierte Ausstellungstätigkeit große Beachtung fand. Gemeinsam verfolgten sie das Ziel, der Vielfalt neuer künstlerischer Positionen in den Anliegerstaaten entlang des Rheins, von seiner Quelle bis zur Mündung, ein Forum zu bieten. Mehr als 120 Exponate von etwa 50 Künstlern – von Max Beckmann bis Christian Rohlfs, von Karl Albiker bis Wilhelm Lehmbruck – geben anschaulich Einblick in die Aktivitäten der Zeitschrift und des Verbandes, um eine „andere Moderne“ jenseits der dominanten Kunstmetropolen Berlin und München zu etablieren. ☞ Städtische Galerie Karlsruhe Mi–Fr 10–18 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr Lorenzstraße 27, 76135 Karlsruhe T +49 (0) 721 133 44 01 www.staedtische-galerie.de

Bernhard Hoetger, „Sitzender Torso“, 1905, Hamburger Kunsthalle,

Ingrid Dahn, „Dringt nach außen1“, 1975, Acrylglas und Aluminium

Foto: Elke Walford, © VG Bild-Kunst Bonn 2014 Hans Emmenegger, „Vase“, ohne Jahr, Öl auf Leinwand, 36 x 32 cm, Privateigentum

arthotelroyal the place to be. beim ettlinger tor karlsruhe. www.arthotelroyal.de


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Mainau

Neu-Ulm

Oberhausen

Perspektiven aus Stahl ∙ Stein ∙ Holz 5 x 5 – die große Skulpturenausstellung Bis 19.10.2014 Insel Mainau bei Konstanz

Kristian Evju. Neue Zeichnungen 17.9. – 17.10.2014 Venet-Haus Galerie

Eve Arnold (1912–2012). Eine Hommage an die große Magnum-Fotografin Bis 7.9.2014 LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Auch für Kunstfreunde wird die Insel Mainau zum lohnenden Ziel: die große Skulpturenausstellung 2014, eine erneute Kooperation der BEGE Galerien, der Mainau GmbH und des Europäischen KulturForums Mainau (EKFM) bereichert die Blumeninsel und steht als eigenständiger Beitrag im Einklang mit der gestalteten Landschaft des Inselparks. Fünf renommierte Künstler, die auf ganz unterschiedliche Art mit ihrem Material arbeiten, beschäftigten sich im Vorfeld zur Ausstellung intensiv mit ihren jeweiligen Positionen auf der Insel: Sibylle Pasche, Robert Schad, Armin Göhringer, Thomas Röthel und Carlo Borer. Mit ihrer Blütenpracht, dem beein­ druckenden Baumbestand und einer abwechslungs­ reichen Raumfolge zwischen Bewuchs und Sichtachsen bietet die Mainau eine ideale Plattform für den Dialog von Skulptur und Natur: Parallel zeigen die BEGE Galerien in Ulm Klein­ skulpturen der auf der Mainau präsentierten Künstler. ☞ Insel Mainau bei Konstanz ganzjährig von Sonnenaufgang bis -untergang www.mainau.de BEGE Galerien Fischerplatz Galerie Galerie am Saumarkt Mi–Sa 13–18 Uhr, Mo/Di nach Vereinbarung Fischergasse 21 + 34, 89073 Ulm T +49 (0) 731 65399 T +49 (0) 179 483 4188 www.bege-galerien.de

Kristian Evju ist ein preisgekrönter, in London lebender Künstler, dessen Arbeiten faszinieren. Seine Werke versetzen den Betrachter in eine andere Welt. Er schafft in seinen surrealen Zeichnungen und Gemälden eine Mischung aus Porträts und Symbolen aus einer anderen Zeit. Er sieht sich selbst als einen Regisseur oder Monteur von Konversationen, in denen die Teilnehmer – seien es Tiere, Objekte oder Personen – in einer Art Schwebezustand eingefroren sind; es obliegt dem Betrachter, Bedeutung und Handlung zu assoziieren. Seine Zeichnungen sind wie Drehbücher ohne Texte – epische Dramen ohne Handlung oder Bewegung. Wir entdeckten den talentierten Kristian Evju in einer Berliner Galerie: Uns beeindruckte seine Leidenschaft, Kreativität und seine unverwechselbare Dynamik, die in seinen Kunstwerken vorherrscht. Kristian Evju (*1980 in Kongsberg, Norwegen) studierte am Chelsea College of Art and Design und am Edinburgh College of Art. Eine Serie von 12 großen Bleistiftzeichnungen des Künstlers Kristian Evju wird vom 16. September bis 17. Oktober 2014 in der Venet-Haus Galerie zu sehen sein. Eröffnung ist am Dienstag, den 16. September, um 20 Uhr. ☞ Venet-Haus Galerie Mi–Fr 16–19 Uhr und nach Vereinbarung Bahnhofstraße 41, 89231 Neu-Ulm T +49 (0) 731 969 178-33 www.galerie-im-venet-haus.de

Eve Arnold (1912–2012) gehört zu den wichtigsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Sie beginnt ihre Karriere als Autodidaktin und fotografiert bereits 1951 – als eine der ersten Frauen – für die legendäre Fotoagentur MAGNUM. Berühmt wird sie mit ihren ungewöhnlichen Modeaufnahmen im schwarzen Harlem oder ihren politischen Reportagen. Aber auch die feinfühligen Beobachtungen gerade beginnenden Lebens und die Fotografien ihrer Reisen nach China oder Indien beweisen ihre singuläre Bildsprache. Neben den Reisefotografien sind es ihre „Portraits in Aktion“ (Alexey Brodovitch) von Filmstars wie Marlene Dietrich oder Marilyn Monroe, mit denen Eve Arnold Fotografiegeschichte geschrieben hat. Ihre Bilder erscheinen weltweit in den großen und bekannten Foto- und Modemagazinen wie LIFE oder Harper’s Bazaar. Der Grande Dame des Bildjournalismus, die 2012 kurz vor ihrem 100. in London verstarb, widmet die LUDWIGGALERIE nun eine umfassende Retrospektive. Den Schwerpunkt der Oberhausener Schau bilden die Reisefotografien aus Afghanistan, China und Indien sowie ihre Porträtaufnahmen von Marlene Dietrich, Marilyn Monroe, Joan Crawford, Isabella Rossellini und anderen bekannten Gesichtern des 20. Jahrhunderts. ☞ LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen Di–So 11–18 Uhr Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen T +49 (0) 208 412 49 16 www.ludwiggalerie.de

„Dark River I.“, Foto: Kristian Evju

Armin Göhringer, o.T., 2013, 450 x 140 x 90 cm, 1,5 t,

Marlene Dietrich in den Aufnahmestudios von Columbia Records,

Eiche geschwärzt, Eisen, Foto: © Mainau GmbH

NYC, 1952 © Eve Arnold, Magnum Photos


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Pforzheim

Salenstein

Schwerin

No Title Schmuck von Winfried Krüger 19.7. – 19.10.2014 Schmuckmuseum Pforzheim

Dierk Maass. SHADES° OF‘ DOLPO“ // HIGHWAY° TO‘ HEAVEN“ Bis 28.9.2014 Schreinerei 14

Expressionistische Begegnung. Ernst Ludwig Kirchner – Jan Wiegers Bis 28.9.2014 Staatliches Museum Schwerin, Galerie Alte & Neue Meister Schwerin

Klare Konturen, kühne Formen und Oberflächen, ein Spiel mit Kontrasten – dies sind nur einige Merkmale, die den Schmuck Winfried Krügers (*1944) ausmachen. Ob aus reinem Silber, Email oder Papier, die Vielfalt reizvoller Eindrücke in seiner Umgebung ist viel zu inspirierend, als dass er sich nur bestimmten Materialien oder einem Sujet zuwenden würde. Der Goldschmied und Schmuckdesigner war bis 2010 Lehrer für Schmuckgestaltung am Berufskolleg der Goldschmiedeschule in Pforzheim und erhielt 1992 den Staatspreis Baden-Württemberg für Kunsthandwerk. Die Ausstellung im Schmuckmuseum Pforzheim vom 19. Juli bis zum 19. Oktober 2014 ist eine Retrospektive auf sein Schaffen seit den frühen 1960er-Jahren. Publikation: Galerie Marzee, Nijmegen (Hg.): Winfried Krüger. No Title. Arnoldsche Verlagsanstalt, Stuttgart 2014, 224 Seiten, ca. 400 Abbildungen, ISBN 978-3-89790-417-0, EUR 39,80 ☞ Schmuckmuseum Pforzheim im Reuchlinhaus Di–So und Feiertags 10–17 Uhr Jahnstraße 42, 75173 Pforzheim T +49 (0) 7231 39 21 26 www.schmuckmuseum.de

Nachdem während der letztjährigen Ausstellung in der SCHREINEREI 14 die Serie TENSION° OF’ SECLUSION’’ in den oberen Räumen bereits einen kurzen Vorgeschmack auf SHADES° OF’ DOLPO’’ gab, wird diese Serie nun weiter fortgesetzt. Fotografie in der Optik des anbrechenden 20. Jahrhunderts. Die Bilder, aufgenommen in einer Welt, der unseren so entlegen, dass sie eigentlich gar nicht anders fotografisch dargestellt werden kann. Neben den sepiagefärbten Porträts und Landschaftsaufnahmen aus der Dolporegion in Nepal, beeindruckt der Schweizer Fotograf Dierk Maass in der aktuellen Ausstellung unter dem Titel HIGHWAY° TO’ HEAVEN’’ aber auch mit farbenprächtigen Aufnahmen sogenannter Animitas: Gedenkstätten für tödlich Verunglückte entlang des südamerikanischen Teiles der Panamericana. Dierk Maass‘ Fotografien sind Exkursionen mit und zu einer anderen Seherfahrung. Der passionierte Bergsteiger definiert seine Umgebung mittels der Kamera neu und erkundet die Variationen aus überwältigenden Naturschauspielen im Kontrast zu spröden Mahnmalen menschlicher Kultur. ☞ Schreinerei 14 Sa/So 14–19 Uhr Fruthwilerstraße 14, 8268 Salenstein T +41 (0) 71 669 19 93 www.dierk-maass-ch.com

Foto: Petra Jaschke GPS 27° 53‘ 51.984“ S 70° 31‘ 54.954“ W HIGHWAY° TO’ HEAVEN’’ # XX Jan Wiegers, „Music Hall“, o. J., Wachs/Öl auf Leinwand, 100 x 82,5 cm, Foto: Marten de Leeuw © Collectie Groninger Museum

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Winfried Krüger, „Figuren“, Silber, Email, 2008

S O M M E R 2 014 — T E R M I N E

Der Expressionismus erschütterte Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Absage an die akademische Tradition und das leidenschaftliche Streben der Künstler, das Wesen der Dinge zu erfassen, zeigte sich oft in malerischer Abstraktion. Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), Mitgründer der Künstlervereinigung „Die Brücke“ und Jan Wiegers (1893–1959), einer der Initiatoren der Künstlervereinigung „De Ploeg“, begegneten sich 1920 in Davos. Bis 1925 arbeiteten sie immer wieder zusammen in den Schweizer Bergen, die sie als vollkommen neue, befreiende Erfahrung empfanden. Der Mythos der Ursprünglichkeit spielte für die Expressionisten eine große Rolle und prägte ihr Verhältnis zu Großstadt und Natur. Die Ausstellung thematisiert erstmals die Künstlerfreundschaft zwischen dem Deutschen und dem Niederländer und bietet einen ersten umfassenden retrospektiven Überblick über Wiegers‘ Werk in Deutschland. ☞ Staatliches Museum Schwerin, Galerie Alte & Neue Meister Di–So 10–18 Uhr, Rendezvous Do 18–20 Uhr Alter Garten 3, 19055 Schwerin T +49 (0) 385 5958 100 www.museum-schwerin.de


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Stuttgart

Stuttgart

Ulm

Secret Rooms Bis 19.7.2014 Schacher – Raum für Kunst

Klaus Frahm. Italiana Bis 19.7.2014 Amrei Heyne Gallery

Der englische Titel „Secret Rooms“ ist gerechtfertigt: Mit Daniel & Geo Fuchs kommt ein international bekanntes Künstlerpaar nach Stuttgart. 15 Jahre nach dem Mauerfall sind beide mit der Großbildkamera durch die neuen Bundesländer gereist und haben die unveränderten Gebäude und Räume fotografiert, die vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR gebaut und genutzt wurden. Ihre großformatigen Fotos zeigen sterile Gefängniszellen, Verhör- und Kontrollräume, Büros, Bunker sowie Aktenregale und offenbaren die perfiden Strukturen der Macht, die uns auch heute, 25 Jahre nach dem Mauerfall, kalte Schauer über den Rücken jagen. Durch die gleichzeitige Präsentation von archi­ tektonischen Steinskulpturen von Uli Gsell und zweier surrealer Videos von Jürgen Palmer mutiert die Galerie zur beklemmenden Rauminstallation.

Klaus Frahm, einer der interessantesten zeitge­n ös­ sischen Fotografen Deutschlands, entführt im diesjährigen „FOTOSOMMER Stuttgart 2014“ mit einer kleinen, aber feinen Ausstellung seiner Serie „Italiana“ das geneigte Fotokunstpublikum ins Jahr 1981. Im R4 Safari; im Gepäck die 4 x 5 “-Nagaoka aus Holz, ausgerüstet mit exakt 50 Blatt Filmen Vericolor L, begab sich die junge Familie Frahm auf ihre italienische Reise. Der Hamburger Künstler liebt das Land bis heute, wie andere Aufnahmen aufs Eindrücklichste beweisen. Von der Toskana, beginnend in Tirrenia, dem Stadtteil Pisas am Meer, einst gegründet von Mussolini, die Küste entlang über Marina di Pisa, Viareggio, La Spezia, Genua, Savona, Nizza … bis in die Provence zum Grand Lac du Verdon, Frankreich, ging die Sommerreise. Frahms allererster und bis heute fast einziger Versuch, auf color-negativ zu fotografieren, harmoniert nicht nur mit der italienischen oder französischen Strandkulisse perfekt; seine Blicke auf Pinienwälder, Freizeitparks, absurde und gleichzeitig wundervolle Szenerien bezaubern … – Nur bis Nizza reichte das Filmmaterial aus – und die Ferien konnten beginnen. ☞ Amrei Heyne Gallery nach Vereinbarung geöffnet I-Love-Sushi-Warteraum, Rosenbergplatz 2, 70193 Stuttgart T +49 (0) 711 2 637 637 www.amreiheyne.com

MENJA STEVENSON ∙ HARTMUT LANDAUER terra incognita Bis 2.8.2014 TINA TAHIR Neue Arbeiten ∙ Tapestries 8.8. – 20.9.2014 5 x 5 Perspektiven aus Stahl ∙ Stein ∙ Holz Bis 19.10.2014 BEGE Galerien

Parallel zeigt die benachbarte Galerie Molliné Arbeiten der Werkserie „Toygiants“ von Daniel & Geo Fuchs. Führung durch beide Ausstellungen im Galerienhaus im Rahmen des Stuttgarter ­F otosommers: 19. Juli 2014, 11.30 Uhr. ☞ Schacher – Raum für Kunst Di–Fr 14–19, Sa 11–16 Uhr Galerienhaus, Breitscheidstr. 48, 70176 Stuttgart T +49 (0) 711 656 770 68 www.galerie-schacher.de

Mit „terra incognita“ betreten Menja Stevenson und Hartmut Landauer Neuland: Unter der Oberfläche und in den Zwischenräumen der bekannten, sichtbaren Welt verbirgt sich eine „terra incognita“. Zu deren Sichtbarmachung regen die Arbeiten der Stuttgarter Künstler Menja Stevenson und Hartmut Landauer mit unterschiedlichen Materialitäten und Inhalten an. Tina Tahir überzeugt seit Jahren mit einem unverwechselbaren Einklang aus Fotografie und Illustration. Ein neuer Zyklus und ebenfalls neue Arbeiten, „Ornamental rugs“ und „(virtual) wallpapers“, involvieren den Betrachter, meditativ und geistvoll. „5 x 5 Perspektiven aus Stahl Stein Holz“: eine Kooperation der BEGE Galerien, der Mainau GmbH sowie des Europäischen Kulturforums Mainau EKFM wird in der Fischerplatz Galerie begleitet durch die Präsentation von Kleinskulpturen jener fünf Künstler, die von Mai bis Oktober auf der Insel Mainau mit Großskulpturen vertreten sind: Thomas Röthel, Robert Schad, Carlo Borer, Sibylle Pasche und Armin Göhringer. ☞ BEGE Galerien Fischerplatz Galerie Galerie am Saumarkt Mi–Sa 13–18 Uhr, Mo/Di nach Vereinbarung Fischergasse 21 + 34, 89073 Ulm T +49 (0) 731 65399 T +49 (0) 179 483 4188 www.bege-galerien.de

Klaus Frahm, „Italiana“, 1981, Courtesy Amrei Heyne

Daniel & Geo Fuchs: Hohenschönhausen, 1. Anhörung, 2004, C-Print, 170 x 135 cm

Abbildung: links Galerie am Saumarkt, rechts Fischerplatz Galerie, Foto: David Frank


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Wien

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DISSENS : WIEDERHOLUNG. Eine aufmerksame Praxis versuchen Bis 26.7.2014 Kunstraum Niederoesterreich

TOKYO2020 Bis 2.8.2014 Christophe Guye Galerie

„Russia Contemporary“ Bis 30.9.2014 Galerie Gmurzynska

Die westliche Kunstwelt feiert seit den 1990er-Jahren die Arbeiten von Nobuyoshi Araki und Daido Moriyama. Auch jüngere Starfotografen wie z. B. HIROMIX, welcher eng mit Tokios Subkultur verbunden ist, fanden große Anerkennung. In den 2000er-Jahren erhielt eine zweite Welle von Fotografen darunter Rinko Kawauchi, Tomoko Sawada und Lieko Shiga lauten Beifall. Auf der anderen Seite Hiroshi Sugimoto und Yasumasa Morimura, deren Arbeiten im Kontext der Gegenwartskunst eine starke Position einnehmen. Junge japanische Fotografen der nachfolgenden Generation rangeln um eine Position in der Kunstwelt. Diese Generation von Fotografen produziert Arbeiten in einem unvergleichlichen Umfang und in einer einmaligen Qualität. Sie produzieren unabhängige Magazine und Bücher und nehmen an Messen teil, um ein Netzwerk aufzubauen und ihre Karrieren anzutreiben. Für die aktuelle Ausstellung haben die Christophe Guye Galerie und IMA Tokio sechs junge Fotografen ausgewählt, welche sie als zukünftige Vorreiter der japanischen Fotografie sehen. Ihre Arbeiten stellen neue ausdrucksstarke Möglichkeiten dar, welche die heimischen Traditionen von persönlicher Fotografie und Straßenfotografie flexibel mit der ausländischen konzeptuellen Fotografie mischen. Sie alle sind jedoch versucht, die Vergangenheit zu überwinden und neue kreative Herausforderungen auf verschiedene Arten zu meistern. ☞ Christophe Guye Galerie Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 11–16 Uhr Dufourstrasse 31, 8008 Zürich T +41 (0) 44 252 01 11 www.christopheguye.com

Die Galerie Gmurzynska, die seit Gründung einen Fokus auf die russische Avantgarde und die Entdeckung zeitgenössischer russischer Namen setzt, zeigt in Kooperation mit dem Russian Museum, St. Petersburg, vom 12. Juni bis 30. September 2014 in der Ausstellung „Russia Contemporary“ Arbeiten markanter zeitgenössischer Positionen in der Galeriedependance in Zug. Kuratiert von Evgenia Petrova, Deputy Director for Academic Research, State Russian Museum, und Isabelle Bscher, Galerie Gmurzynska, zählen zu den Hauptwerken der Ausstellung die Skulpturen von Sergei Danilov, Vladimir Kozin und Evgenia Konovalova sowie die Leinwandarbeiten von Igor Baskakov. Ergänzend werden Fotoarbeiten von Andrei Chezhin und Videos von Nikolai Kopeikin, Vika Ilyushkina, Julia Zastava, Tanya Akhmetgalieva und Maxim Svishchev präsentiert, die einen Eindruck der zeitgenössischen Strömungen auch in diesen Genres bieten. ☞ Galerie Gmurzynska Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–16 Uhr Vorstadt 14, 6300 Zug T +41 (0) 41 710 25 02 www.gmurzynska.com

Unter dem Themenschwerpunkt „Kollaboratives Arbeiten“ setzt die Freie Klasse der Akademie der bildenden Künste Wien ein Ausstellungsprojekt im Kunstraum Niederoesterreich um. Mit dem Konzept „Dissens : Wiederholung. Eine aufmerksame Praxis versuchen“ entsteht eine Umgebung, die Raum und Zeit für individuelle künstlerische Praxis und wechselseitige Bezugnahme ermöglicht. Ausstellungsraum und -zeit werden durch Slots, also räumliche und zeitliche Einheiten, strukturiert, die einen kuratorischen Rahmen schaffen. In der Ausstellung werden so das Neben- und Miteinander, aber auch möglicher Dissens innerhalb der Freien Klasse sichtbar gemacht. 10.7.2014, 19 Uhr, Performanceabend 22.7.2014, 18 Uhr, Happening mit Geburtstags­ kuchen und sozialer Plastik 6.11.2014, 19 Uhr, Katalogpräsentation ☞ Kunstraum Niederoesterreich Di–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–15 Uhr Herrengasse 13, 1014 Wien T +43 (0)1 90 42 111 www.kunstraum.net

Freie Klasse, „Dissens : Wiederholung“, Kunstraum Niederoesterreich, 2014,

Öl auf Leinwand, 85 x 60 cm Courtesy Galerie Gmurzynska

© Ayaka Yamamoto (*1983) Courtesy of Taka Ishii Gallery, Christophe Guye Galerie, untitled, Nous n‘irons plus au bois, 2010, C-Print, 30 x 30 cm

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Igor Baskakov, „Jean Paul Gaultier“, 2010

S O M M E R 2 014 — T E R M I N E

Foto: Eva Würdinger


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Thomas Ruff neg◊india_07, 2014 Aus der Serie: Negative Chromogenic Print Foto: © VG Bild-Kunst, Bonn 2014


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Berlins Kunstereignis im September vereint M essen, Ausstellungen, Galerieeröf fnungen und viele Sonderprogramme

Berlin Art Week Es ist schon die dritte Berlin Art Week, die in diesem Jahr vom 16. bis zum 21. September stattfindet. Sechs Tage ist Berlin – eine Stadt mit einer ohnehin schwer überschaubaren Menge an Kunstausstellungen – wieder der Ort, an den es viele z­ iehen wird: Kunstliebhaber aus aller Welt schätzen den Berliner Kunstherbst, die Berlin Art Week, weil das Programm mit ­s einen vielen Eröffnungen, Vorträgen, Diskussionen, Screenings, Performances und – in diesem Jahr erstmals dabei – Artfi „The Fine Art & Finance Conference“ mehr sein will, als eine bloße Konzentration von Ausstellungen. Zur Berlin Art Week gehören große Institutionen genauso wie kleine, von einer Expertenjury ausgewählte Off-Spaces, Projekt­r äume und Künstlerinitiativen, die zu ­v ielen Veranstaltungen einladen. Im vergangenen Jahr sahen 80.000 Besucher die Art Week – in diesem Jahr könnten es

noch mehr werden. Man darf sich auf Ausstellungen wie „Schwindel der Wirklichkeit“ in der Akademie der Künste freuen – in der künstlerische Strategien vorgestellt werden, bei denen es der Betrachter ist, der das Werk gleichsam voll­ endet. Künstler der Ausstellung sind u ­ nter anderem: Marina Abramovi´c , Alexander Bruce, Peter Campus, Thomas ­Demand, Olafur Eliasson, Valie Export, Christian Falsnaes, Harun Farocki, Hamish Fulton, Jochen Gerz, Dan Graham, gold extra, Richard Kriesche, Bjørn ­Melhus, Molleindustria, Bruce Nauman, Julian Oliver/ Danja Vasiliev, Trevor Paglen, Paidia Institute, Nam June Paik, ­Michelangelo Pistoletto, Tino Sehgal, Tale of Tales. Das „Metabolisches Büro zur Reparatur von Wirklichkeit“ lädt in der Ausstellung und in Veranstaltungen zum Dialog und Widerspruch ein.

Exotica… and 4 other cases of the self im me Collectors Room/Stiftung Olbricht: Er win Wurm, man hiding in pullover (59 Stellungen), 2011, Edition 15 Courtesy of Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/Wien, Photo © Galerie Elisabeth & Klaus Thoman


Akademie der Künste: Jeppe Hein Rotating Mirror Circle, 2008 Courtesy: Johann König, Berlin, 303 Galler y, New York and Galleri Nicolai Wallner, Copenhagen Foto: Anders Sune Berg

spannungsvolle und überraschende Beziehungen zwischen Wunderkammerobjekten und Werken der Gegenwart. Ex­ ponate aus der Stiftung Olbricht treffen hier auf Kunst von etwa Matthew Barney, Chuck Close, Jan Fabre, Sylvie Fleury, ­Eadweard Muybridge, Tony Oursler, Gerhard Richter, Cindy Sherman, Otto Steinert oder Erwin Wurm. Die Berlinische Galerie, die seit Juli sanierungsbedingt geschlossen ist, wird zur Berlin Art Week eine temporäre ­s oziale Skulptur von raumlabor Berlin vor dem Museum ­entfalten und lädt zu Veranstaltungen ein. MARC PESCHKE

Empfehlung: Die Eröffnung der Berlin Art Week findet am 16. September gemeinsam mit der Ausstellungs­eröffnung in der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, statt. Mit einem Kombiticket können an sechs Tagen alle Kunstorte der Berlin Art Week besucht werden. 16. bis 2 1. September 201 4 www. berlinar t week. de

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Mit der abc – art berlin contemporary – und Positions Berlin Art Fair sind zwei Messeformate Teil der Berlin Art Week, die ein Schlaglicht auf die zeitgenössische Kunstszene werfen und Anziehungspunkt der internationalen Kunstwelt sind. Die Schau der 1984 geborenen Liverpooler Schering-Preis­ trägerin Kate Cooper wird in den Kunst-Werken Berlin – KW Institute for Contemporary Art – zu sehen sein: Videoarbeiten, die mittels der Ästhetik der Werbeindustrie die Wirkung von Bildern untersuchen. Michael Sailstorfer, geboren 1979, ist der große Konzeptkünstler der jüngeren Generation in Deutschland. Sein Werk wird im Rahmen der Berlin Art Week umfassend im Haus am Waldsee präsentiert, das zum ersten Mal als Partner dabei ist. In Kooperation mit der Tate Modern präsentiert die Deutsche Bank Kunsthalle die Ausstellung „Meschac Gaba: Museum of Contemporary African Art“. Die mit dem Preis der Nationalgalerie 2013 ausgezeichnete mexikanische Künstlerin Mariana Castillo Deball, wird zur Berlin Art Week das eigens für die Ausstellung entwickelte Projekt „Parergon“ im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart zeigen. Die raumgreifende Installation wird verschiedene künstlerische Überlegungen an der Schnittstelle zwischen historischer Forschung, Philosophie und Kunst vereinen, die für das Werk von Mariana Castillo Deball ausschlag­gebend sind. Harun Farockis Präsentation „Ernste Spiele“ versammelt die gleichnamige, vierteilige Werkreihe im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart. Farockis Filme und Video­i nstallationen, die seit den späten sechziger Jahren ­e ntstehen, sind großartige Beispiele künstlerischer Me­ dienanalyse. In den vier Videoprojektionen „Ernste Spiele“ thematisiert Farocki die Verwendung von Computerspiel-­ Technologie zur Ausbildung amerikanischer Soldaten. In der neuen Gesellschaft für bildende Kunst eröffnet die Ausstellung „The Ultimate Capital is the Sun – Metabo­ lismus in Kunst, Politik, Philosophie und Wissenschaft“. Sie untersucht wie das Denkmodell ‚Metabolismus‘ in der Gegenwartskunst verstanden wird und tritt dabei in einen Dialog mit wissenschaftlicher Forschung jenseits euro­­ zentrischer Perspektiven. Der Bezug ergibt sich durch das griechische Wort metabol – ursprünglich „verändern“ und wörtlich „umstürzen“. Im Reigen der Ausstellungshäuser ebenfalls neu dabei ist der me Collectors Room. Am 17. September eröffnet hier „EXOTICA… and 4 other cases of the Self “ und kreist dabei um die Frage des Selbst in unserer Zeit und das Individuum als Wunder­k ammer. In der Betrachtung entstehen neue Defi­ nitionen der historischen Kategorien – Artificialia, Naturalia, Scientifica, Mirabilia und Exotica – in Instinkt, Simulacra, Geist, Ab­sonderlichkeiten und Exotica und ermöglichen so

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Kunsthalle Bremen – Der Kunst verein in Bremen


Katharina Grosse im Kunsthaus Graz: „Wer, ich? Wen, Du?“

Farbe transformiert Material Katharina Grosses Werk ist vor allem mit einem Werkzeug verbunden, das in der Welt der Kunst eher selten benutzt wird: mit der Spritzpistole. Grosse – die 1961 geborene Freiburgerin, die schon lange in Berlin lebt – malt nicht, sie spritzt ihre B ­ ilder. Wobei der Begriff des „Bildes“ in diesem Fall ­h offnungslos untertrieben ist: Stets sind es ganze Raum­i nstallationen, welche Grosse in die Welt setzt. Schon früh entwickelte Grosse einen sehr eigenen, markanten Stil. 1998 entstehen erste Spritzarbeiten – etwa als Beitrag zur 11th Biennale of Sydney. Zuerst entwickelte sie ihre Arbeiten im Innenraum, dann auch im Außenraum. Malgrund kann alles sein: Boden, Decke, Wände, Gegenstände, Stoffe, Objekte aus Styropor, Erde, Möbel, Bälle, aufgeschüttete Steine oder Holzstämme. Ja sogar ganze Straßenzüge hat die Künstlerin inzwischen besprüht.

Bis heute ist es die Idee von Katharina Grosse, mit ihren Arbeiten Gegenpunkte zu setzen. Gegenpunkte zu dem, was da ist. Leuchtende, schimmernde, farbenfrohe Irritationen. Ein solcher Illusionismus ist selten geworden in der Kunst, was ihren Erfolg vielleicht erklärt: Mit diesem ungewöhnlich sinnlichen Schaffen avancierte die Professorin an der Kunstakademie in Düsseldorf zu einer der bedeutendsten Künstlerinnen dieser Tage, deren Werk sich in vielen ­Sammlungen befindet und das mit bedeutenden Preisen a­ usgezeichnet wurde. Bis zum 12. Oktober 2014 zeigt das Kunsthaus Graz die Ausstellung „Wer, ich? Wen, Du?“ – die ebenfalls ganz auf die sinnliche, ja psychedelische Raumwirkung von Farben und Formen setzt. Auch in dieser Ausstellung stellt sich jenes ganz besondere All-over-und-mittendrin-Grosse-Gefühl ein: Die US-amerikanische Farbfeldmalerei hatte wichtigen Einfluss


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links: Katharina Grosse, „Wer, ich? Wen, Du?“, Space01, Kunsthaus Graz, 2014 Foto: UM J / N. Lackner © VG Bild- Kunst, Bonn 2014

Katharina Grosse, Graz 2014

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auf diese Kunst, das deutsche Informel, die Land-Art. Vor ­a llem aber zeichnet das Werk von Katharina Grosse aus, das sie auf ungewöhnliche Weise das Material transformiert, mit dem sie arbeitet. Farbe transformiert Material – das ist der Kern der Kunst von Katharina Grosse. In Graz hat sie in ihrer Einzelausstellung einen f ließenden, unscharfen Farbraum entwickelt, eine in hohem Maße artifizielle, faltige Landschaft aus 150 Kubikmetern Schaumstoff erschaffen, einen hypersinnlichen, in seinen Dimensionen verwischten Bühnenraum, der den Betrachter sehr direkt, geradezu physisch berührt. Als Besucher taucht man ein in eine andere, f luide Welt – die Welt von Katharina Grosse. Eine Welt, die zu fassen niemals gelingen wird. ­K atharina Grosse ist eine Künstlerin, die Grenzen überschreitet, die Malerei als ein räumliches Erlebnis begreift.

Vom 20. September bis zum 7. November 2014 – beginnend mit der Berlin Art Week – zeigt auch der Neue Berliner ­Kunstverein eine Ausstellung von Katharina Grosse. Ihre ­P räsentation im Showroom des Neuen Berliner Kunstvereins soll den Raum, so versprechen die Kuratoren, „auf einmalige Weise“ verändern. Katharina Grosse ist auch bis 7. September 2014 in der Staatsgalerie Stuttgart zu Gast: „Ihr Verhalten steht im Wider­s pruch zu ihrer ziemlich heruntergekommenen ­K leidung“ – zu sehen sind hier zwei Arbeiten anlässlich der Verleihung des Oskar-Schlemmer-Preises, dem Großen Staatspreis für Bildende Kunst Baden-Württembergs.

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Foto: Veit Mette


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Kooperation ARTM APP und WELTKUNST

Salzburg in der ARTMAPP App tmagazin Das Kuns

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Seit 30 Jahren veröffentlicht die WELTKUNST während der Festspielzeit im August ihr Spezial „Kunst in Salzburg“. Das 60-seitige Magazin vereint aktuelle Berichte über das Kunstleben und den Kunst handel in Salzburg mit einem ausführlichen Serviceteil, der die wichtigsten Adressen und Ausstellungen auf listet. In diesem Jahr kooperiert Die WELTKUNST bei „Kunst in Salzburg“ mit ARTMAPP. Die ARTMAPP App bietet die Möglichkeit, schnell und komfortabel durch die Welt der Kunst zu navigieren und enthält mehr als 8.000 Adressen im deutschsprachigen Raum, in denen der Nutzer nach Museen, Galerien, Auk­ tionshäusern, Kunst- und Designmessen, Buchhandlungen oder auch nach Hotel­empfehlungen suchen kann.


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Salzburg – Schmankerl Tipps

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Eine Auswahl von Alejandro M adero, M ADERO CollectorsRoom Salzburg

I n M e x i c o Ci t y g e b o r e n, l e b t e A l e j a n d ro M a d e ro i n M e x i ko, N e w Yo r k , S c hw e d e n u n d Fr a n k r e i c h. S p ä t e r f o l g t e e r i n d i e Fu ß s t a p f e n s e i n e s U r g ro ß o n ke l s, Fr a n c i s c o I . M a d e ro, d e r i n S a l z b u r g u n d Pa r i s s t u d i e r t h a t t e, b e v o r e r d i e M e x i ka n i s c h e Re v o l u t i o n a n f ü h r t e u n d zum ersten demokratischen Präsidenten M e x i ko s g e w ä h l t w u r d e. Alejandro Madero und Bettina Fischer, MADERO CollectorsRoom

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Arthotel Blaue Gans, Salzburg / Weinarchiv © Ingo Pertramer


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Sabine von Breunig

Final Walk

Sabine von Breunig hat als Meisterschülerin von Arno Fischer einen intensiven Blick auf die Welt vermittelt bekommen – und für sich selbst weiterentwickelt. Auf der Suche nach einem alten Bunker empfahl Fischer ihr denjenigen in Zossen südlich von Berlin. Dort entwickelte sie ein großartiges Gespür für den vorgefundenen Bild-Raum und seine Details. Das eigentliche Motiv ist die Leere im Raum. Denn in dem Projekt „Final Walk“ gilt das Interesse der Künstlerin verlassenen, menschenleeren Orten, die früher einmal militärisch genutzt wurden: Der eine, am südlichen Berliner Stadtrand gelegen, verfällt, der andere, im Dahlemer Villenviertel, wird gerade in Luxuswohnungen umgebaut. Weder hier noch dort sind ­heute die ehemaligen Hauptquartiere der (sowjetischen respektive US-amerikanischen) Oberkommandierenden ­„ öffentlicher Raum“; die Gebäude sind dem normalen ­Besucher nicht zugänglich, zumal in diesem Zustand, und auch die Fotografin musste einige Genehmigungsverfahren durch­laufen, bevor sie mit ihren schweren Großbildkameras und Stativen anrücken konnte.

In Zossen erstellte sie zunächst eine Art Bestandsaufnahme. Sie fotografierte in diesen aus der Zeit gefallenen Gebäuden pittoreske Raumecken, Durchblicke oder Tapetenreste, im Detail und in der Totale. Sabine von Breunig entdeckte so die verblassende Schönheit der Dinge und der Materialober­ flächen. Dies geschah während der Brachlegung des Objekts, während eines Zwischenzustands: Der Ort war nicht mehr (was er einmal gewesen ist) und er ist noch nicht etwas Neues geworden. Vielmehr sind es Räume in der Schwebe, von ihrer Funktion befreit, auf die weitere Nutzung wartend. Es steht der Prozess der kompletten Entkernung an, die Eliminierung aller Spuren des Vorherigen. Die Architektur tritt in diesen Bildern als stummer Zeuge der Vergangenheit auf, einer ­glorreichen Vergangenheit. Mithin kommt diese Art der Fotografie auch einer Bewahrung gleich. Im ausgeräumten US-amerikanischen Headquarter begegnet uns demgegenüber noch immer eine zeitlos-elegante Ausstattung, etwa in granitgefassten Flügeltüren oder großflächigen hölzernen Wandverkleidungen. Im einstigen


187 Bilder der verlassenen Villen der ehemaligen US - amerikanischen Streitkräfte in Berlin Fotos: Sabine von Breunig

vielschichtiges Abbild ab, doch dies ist nur der Anlass, denn sie konstruiert und konstituiert zugleich einen neuen, auto­nomen Bildraum.

bis 1. August 201 4 Sabine von B re unig F i n a l Wa l k G a l e r i e i m R a t h a u s Te m p e l h o f www. hausamkleist park. de www. sabine vonbre unig. com

S O M M E R 2 014 — A U S S T E L L U N G E N

M AT T H I AS H A R D ER

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Konferenzsaal des Stadtkommandanten lesen wir Zitate ­f rüherer US-amerikanischer Präsidenten, die auf die Freiheit und die Verteidigung derselben abzielen. Die Lampen wurden hier an der Clayallee sogar säuberlich abgeschraubt und nicht – wie in Zossen – aus der Wand gerissen. In den meisten Bildern sind wir mit statischen, leeren Bühnen konfrontiert. Es sind reale und zugleich künstliche Orte, Schauplätze für ein Geschehen, das wir erst imaginieren müssen. So werden wir nicht nur zu Voyeuren einer räum­ lichen Nacktheit, sondern imaginativ beinahe zu aktiven Mitspielern auf diesen verwaisten Bühnen. Alles ist so fotografiert wie vorgefunden. Jedes Bild entsteht allerdings schon vor der Belichtung, und so liegt auch der erste und eigentliche künstlerische A kt im Sich-Erschließen des Areals, im Komponieren der Aufnahme ausschließlich über den Abstand und Winkel zum ge­w ählten Bildgegenstand. Oft sind es leblose Flächen, die andererseits doch so v iel gespeicherte L ebendigkeit ­a b­strahlen. So nimmt Sabine von Breunig der Realität ihr


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Franticek Klossner, „Melting Selves“, Infinite Performance, Werkreihe seit 1990, Sammlung Reinking © VG Bild- Kunst, Bonn 2014 Wim Delvoye, „TIM“, 2006 –2008, Sammlung Reinking © VG Bild- Kunst, Bonn 2014 rechts: Baining, Maske, Papua Neuginea

Fotos: Franticek Klossner und Weserburg Bremen – Museum für moderne Kunst, Bremen


Existenzielle Bildwelten aus der Sammlung Reinking

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Franticek Klossner sind es die Körper, die miteinander kommunizieren. Das gefrorene Abbild des einen löst sich vor den Augen der Besucher in grausam anmutender Hängung auf. Das inkorporierte Werk am Lebenden anderen hingegen ­besteht aus Fleisch und Blut, auch wenn es in der Weserburg nach der Vernissage nur noch als Fotografie zu sehen ist. Seine Metamorphose geschieht langsamer und hat doch zugleich etwas Beruhigendes an sich, wo doch gesichert scheint, dass das Kunstwerk auch nach dem Tod des Trägers erhalten bleiben wird. Die beiden Körper wirken wie Abbilder der Zwillingsbrüder aus der griechischen Mythologie: Thanatos, der Gott des sanften Todes, der den Eiskörper des Künstlers Klossner unerbittlich auflöst, und sein Bruder Hypnos, der Gott des Schlafes, der in tröstlicher Umarmung dem Tattooträger die Hoffnung auf ein nie enden werdendes Dasein verspricht. Die Arbeiten aus der Sammlung Reinking über­ schreiten Grenzen im Changieren zwischen Unbewusstem, Traum und Tod, fragen nach der Dauer des Augenblickes und ­e rzählen Geschichten vom Leben mit dem bittersüßen ­Beigeschmack der Endlichkeit. Die Gegenüberstellung des zeitgenössischen westlichen Memento mori mit traditio­nel­ ler, außereuropäischer Kunst zeigt dabei überraschende Kontraste, Kontexte und Zusammenhänge auf. ANNA MOLDENHAUER

bis 1. Febr uar 2015 Ex isten zielle Bildwelten – Sammlung R eink ing We s e r b u r g – M u s e u m f ü r m o d e r n e K u n s t , B r e m e n www. wese rburg. de

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„Existenzielle Bildwelten“ können noch bis zum 1. Februar 2015 in der Weserburg – Museum für moderne Kunst in ­B remen besucht werden. Gezeigt werden Werke aus der ­H amburger Sammlung Reinking, die sich durch ihre eigenwillige Zusammenstellung auszeichnet. Das Spektrum reicht von Artefakten aus Afrika, Amerika und Ozeanien bis zum Graffito von Mirko Reisser, in der ­Urban-Art-Szene ­besser ­bekannt als „DAIM“. Trotz der Vielfalt in Materialien und Ursprüngen der einzelnen Arbeiten ist das Thema der Kollektion zentral: Die Vergänglichkeit. Mal subtil wie im Werk „Watch“ von Alicja Kwade – eine verspiegelte Wanduhr aus den 1950er-Jahren, deren Ästhetik in den Hintergrund rückt, wenn man zu ­i hrem leisen Ticken statt der Zeit sein eigenes Spiegelbild ­abliest. Oder deutlicher wie bei der seriellen Arbeit „Melting Selves“ von Franticek Klossner, in der dessen Oberkörper ­jeweils als Abguss aus gefärbtem, gefrorenem Wasser an einer Eisenkette von der Decke des Ausstellungsraumes hängt und sich Tropfen für Tropfen auf einer Metallplatte wieder in eine Lache verwandelt. Im Zuge des Ablebens des einen bildet sich durch die Korrosion am Boden ein neues Werk. Dem Tod ein Schnippchen geschlagen hat der Sammler auch mit Tim Steiner, der ein Kunstwerk nun in Form einer Tätowierung auf seinem Rücken trägt. Das vom belgischen Konzeptkünstler Wim Delvoye entworfene Motiv einer betenden Maria, über der ein Totenschädel thront, hat Reinking erworben. Steiner ist somit auf Lebenszeit der Träger eines Kunstwerkes, welches ihm persönlich nicht gehört, obwohl es in seine Haut gestochen wurde. Zur regelmäßigen Zurschaustellung ist er vertraglich verpf lichtet; und sollte er versterben, wird das Tattoo von Steiners Rücken chirurgisch entfernt, um es gegen den Verfall zu konservieren. So interessant all diese Kunstwerke einzeln betrachtet sind, so bedeutend ist ihre Komposition. Bei Tim Steiner und

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Bedenke, dass du sterben musst


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20 Jahre Kunstmuseum und 40 Jahre Städtische Galerie Wolfsburg

Jubilating in Motor City „The Cit y“, 2014, Fotoinstallation, Fassade Schloss Wolfsburg Bettina Pousttchi beim Aufbau © Christian Dootz

Dass man in Wolfsburg nicht nur erfolgreich Autos bauen, sondern auch Kunst auf Weltniveau präsentieren kann, beweisen das Kunstmuseum und die Städtische Galerie. Beide feiern in diesem Jahr Jubiläum. Höher, schneller, weiter. Ginge es in der Kunst allein um das Spektakuläre, die Überwältigung des Betrachters mit nie dagewesenen Werken großer suggestiver Kraft, dann ­hätte im inoffiziellen Wettbewerb der beiden großen Wolfsburger Kunstinstitutionen in diesen Monaten sicherlich die Städtische Galerie die Nase vorn. Die Fotoskulptur „The City“, mit der die deutsch-ira­ nische Künstlerin Bettina Pousttchi zurzeit die Nordfassade von Schloss Wolfsburg bespielt, ist sofort zum Besuchermagneten geworden. Susanne Pfleger, die langjährige Leiterin der im Schloss beheimateten Städtischen Galerie, ist daher bester Dinge: „Die aktuelle großformatige Fotoinstallation von Bettina Pousttchi findet ein sehr positives Echo. So werden sogar Sitzungen und Treffen vor der Schlossfassade anberaumt. Ich freue mich, dass die ­Installation auch überregional auf Interesse stößt und das Schloss Wolfsburg einmal ganz anders

wahrgenommen wird. Unser Ziel, die Betrachter zu einem bewussten Sehen einzuladen, kann diese Arbeit in vielerlei Hinsicht erreichen.“ Pousttchi, der in diesem Jahr auch der mit 80.000 Euro dotierte Wolfsburger Kunstpreis „Junge Stadt sieht Junge Kunst“ zuerkannt wurde, überzog in ihrer Arbeit das alte Gemäuer quasi mit einer zweiten Haut aus 2.150 Quadratmetern bedruckter Folie. „The City“ (bis 28. September 2014) ist aus Hunderten im Internet gefundener Bilder zusammengefügt und zeigt, verdichtet zu einer imaginären Skyline, die zehn zu ihrer Entstehungszeit jeweils höchsten Gebäude der Welt. Vor den Augen ist sozusagen ein visuelles Feuerwerk der Architekturgeschichte des Wolkenkratzers aufgebaut – das allerdings angesichts des zugleich thematisierten mensch­ lichen Größenwahns auch nachdenkliche Töne anstimmt. Ein paar Kilometer weiter im Kunstmuseum Wolfsburg geht es zurzeit etwas gediegener, aber deswegen nicht weniger spannend zu. Hier wird mit Oskar Kokoschka (1886– 1980) aktuell einer der großen Vertreter der klassischen Moderne gewürdigt. Die mit vielen hochkarätigen Leihgaben bestückte Schau (bis 17. August 2014) konzentriert sich ganz auf die Porträtdarstellungen des Künstlers, aus welchen sie „die Essenz seiner Weltanschauung“ ableitet. Was beide Institutionen in diesem Jahr gemeinsam haben, sind ihre runden Jubiläen. Die Städtische Galerie kann bereits auf 40 Jahre Ausstellungstätigkeit zurückblicken, während das Kunstmuseum seit nunmehr 20 Jahren mit weit über die Region hinaus beachteten Ausstellungen auf sich aufmerksam macht. Getragen wird das Kunstmuseum von der Kunststiftung Volkswagen. Laufende Zuwendungen erhält es zudem von der Münchner Holler-Stiftung. Wohl kaum ein anderes deutsches Museum außerhalb der großen Metropolen hat in den vergangenen 20 Jahren derart große, kosteninten­sive, aufwendige, international ausgerichtete und intellektuell unterfütterte Gruppen- und Einzelaus­stel­lungen gezeigt wie das Kunstmuseum Wolfsburg. Zeitgleich wurde eine beachtliche Sammlung mit Kunst nach 1968 aufgebaut.


Doch zurück ins Wolfsburger Schloss, wo, wenn man genau hinschaut, nicht minder Aufregendes passiert. Auch hier wurden und werden regelmäßig wichtige Künstler wie Olaf Nicolai, Marc Brandenburg oder Angela Bulloch gezeigt. ­Susanne Pf leger verortet ihre Institution folgendermaßen: „Mit ihrem Programm trägt die Städtische Galerie seit 1974 zur intellektuellen und kulturellen Identität der jungen Stadt Wolfsburg bei. Vor dem Hintergrund der Aktivitäten von so starken und dominanten Mitbewerbern wie dem Kunstmuseum Wolfsburg, phaeno, der Autostadt, aber auch dem Kunstverein Wolfsburg sowie dem Verein Junge Kunst oder dem Kulturzentrum Hallenbad ist es der Städtischen Galerie gelungen, ein e­ igenes Profil zu entwickeln. Offenheit und Mut zum Experiment leiten das Programm.“ Dem Standort im Schloss gewinnt sie eher Positives ab: „Die Ausstellungsräume im Schloss Wolfsburg stellen ein konträres Modell zum White Cube dar und sind Herausforderung wie ­A nregung zugleich für die Erprobung neuer Präsentationsformen und alternativer Ausstellungsmodelle.“ Und noch eine Besonderheit: Der Eintritt in die Städtische Galerie ist frei. Ein Beispiel, das durchaus auch in anderen Kommunen Schule machen könnte.

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NICOLE BÜSIN G & HEIKO KL A AS

bis 28. September 201 4 B e t t ina Pou st tchi „ T h e C i t y“ S t ä d t i s c h e G a l e r i e Wo l f s b u r g www. staedt i sche -gale r ie -wolf sburg. de b i s 1 7. A u g u s t 2 0 1 4 Oskar Kokoschka . Humanist und R ebell K u n s t m u s e u m Wo l f s b u r g www. k un st mu se um-wolf sburg. de

Oskar Kokoschka mit Strickweste und aufgestützten Händen, Minneapolis, USA, 1957, Schwarz-Weiß - Fotografie, 16,7 x 24,5 cm, Universität für Angewandte Kunst Wien, Oskar Kokoschka-Zentrum, Foto: Pete Hohn

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Das vom Hamburger Architekturbüro Schweger & Partner errichtete Museum verfügt über beste bauliche Voraus­ setzungen: Die 40 mal 40 Meter große Ausstellungshalle ist 16 Meter hoch und kann dank eines patentierten Wand­ systems äußerst flexibel gestaltet und bespielt werden. Unter der Leitung des niederländischen Gründungsdirektors Gijs van Tuyl avancierte das etwas abgelegene Haus zu einer Art Seismograf zeitgenössischer Kunstproduktion. Viel beachtete Überblicksausstellungen wie „Full House“ (1996) zur jungen britischen Kunst oder „German Open“ (1999), eine erste ­B estandsaufnahme der deutschen Nachwendekunst, kata­ pultierten das Haus in die „Champions League“ deutscher Kunstmuseen. Groß angelegte monografische Ausstellungen zu lebenden Künstlern wie Gilbert & George, Lawrence ­Weiner, James Rosenquist oder Jeff Wall ergänzten das oft gemeinsam mit internationalen Partnern wie dem New Yorker Guggenheim Museum entwickelte Programm. Anfang 2006 übernahm der Schweizer Markus Brüderlin das Haus. Er rückte vor allem das Schwerpunktthema „Moderne im 21. Jahrhundert“ in den Fokus. In thema­t ischen Ausstellungen wie „Interieur / Exterieur: Wohnen in der Kunst“, „Die Kunst der Entschleunigung“ oder ­z uletzt „Kunst und Textil“ unternahm Brüderlin kunsthistorische Tiefenbohrungen, die sich keineswegs nur auf die gehypte ­Gegenwart beschränkten. Mit spektakulären Einzelprojekten, etwa der bisher größten Museumsinstallation des US-amerikanischen Lichtkünstlers James Turrell, setzte aber auch er explizit zeitgenössische Akzente. Sein plötzlicher Tod im Alter von nur 55 Jahren im März dieses Jahres hinterlässt eine tiefe Lücke. Christiane Heuwinkel, die Pressesprecherin des Museums, rechtfertigt denn auch die Absage der Jubiläumsfeiern: „Große Feierlichkeiten fanden wir nach dem Tod von Markus Brüderlin unangemessen.“ Zu Brüderlins Nachfolge verrät sie nur so viel: „Es gibt eine Findungskommission und der Prozess läuft. Wir hoffen, im Herbst einen Namen nennen zu können.“


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Inter view mit dem Unternehmer und Stif ter Sven - Erik Hitzer

Porzellanwelten Leuchtenburg

Mitten in Thüringen, unweit von Jena, erhebt sich malerisch die mittelalterliche Leuchtenburg. 400 Meter hoch über dem Tal gelegen, ermöglicht der Bergfried einen atemberaubenden Panoramablick bis hin zum Thüringer Wald. Seit dem Frühjahr 2014 beherbergt die fast vollständig erhaltene Anlage in ihren Mauern die Ausstellung „Porzellanwelten Leuchtenburg“, die die Besucher mit auf eine Reise rund um das „weiße Gold“ nimmt: Vom fremden Material aus Asien bis hin zu ­Visionen für die Zukunft. Die Kunstkritikerin Sarah Alberti sprach mit dem ­S tifter Sven-Erik Hitzer über sexy Porzellan, emotionale ­Ausstellungsbesuche und die Liebe zur ländlichen Region. ARTMAPP: Im Jahr 2007 richteten Sie als dama­ liger Pächter der Burgschänke die gemeinnützige Stiftung Leuchtenburg ein, die wenig später die Burganlage kaufen konnte. Was war Ihre Vision für die Leuchtenburg?

Sven-Erik Hitzer: Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine konkreten Ideen. Das Hauptziel war, eine Lösung für die Zukunft zu finden. So wie es 2007 um sie bestellt war, hatte sie keine Perspektive: Die Besucherzahlen gingen in den Keller, die Räume standen schon seit zehn Jahren leer und die Eigentümerschaft war nahezu ungeklärt, sodass die Leuchtenburg aus der Not heraus versteigert werden sollte. ARTMAPP: Heute trifft hier Porzellan- auf mittelalterliche Burggeschichte. Auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Mischung. Was war Ihr Zugang zum Porzellan? SEH: Die Leuchtenburg verfügt über eine der vollständigsten Sammlungen Thüringer Porzellans. Der einstige Museumsdirektor des auf der Burg beheimateten Kreisheimatmuseums hat von jeder Thüringer Manufaktur die wichtigstigen Produkte gesammelt, von Pfeifen- bis hin zu Puppenköpfen und


Sven- Erik Hitzer, Stifter und Vorstand der Stifung Leuchtenburg

Fotos: Prozellanwelten Leuchtenburg

SEH: Meine Idee war, Porzellan touristisch zu beleuchten. Wenn es den deutschen Weinbauunternehmen gelungen ist, rund um das Thema Wein auch die Lifestylekomponente zu entwickeln, sollte uns das auch gelingen. In den Manufakturen findet man zwar die Produkte, aber es gibt keine Story dazu. Wir können auf der Leuchtenburg anders kommunizieren und auch ein bisschen provozieren: Wir zerbrechen das Porzellan, nageln es an die Wand, färben es ein oder lassen Musik darauf ertönen. Bald werden wir hier auch das größte und das kleinste Porzellangefäß der Welt präsentieren.

ARTMAPP: Welche Erfahrungen aus Ihren ­a nderen Projekten sind in die Leuchtenburg eingeflossen? SEH: Ich bewege mich immer zwischen den Punkten Touristik, Event und Kunst. Die Ideen sind eine Frage der Inspiration. Ich bin gelernter Gärtner und habe viel im landschaftsgestalterischen Bereich gearbeitet. Das mag man heute im Biohotel in Schmilka oder auch hier in den Grünanlagen der Burg ­w iedererkennen. Und ich habe zu DDR-Zeiten an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale drei Jahre Spielzeugdesign studiert. Auf der Festung Königstein habe ich den ältesten historische Weihnachstmarkt Deutschlands etabliert. Kinder können dort unter dem Motto „Königstein – ein Wintermärchen“ den ganzen Tag mit Schaupielern Märchen nachspielen. Und wenn man das weiterdenkt, ist die Leuchtenburg mein Riesenspielplatz, ein Ort verwirklichter Inspiration. ARTMAPP: Sven-Erik Hitzer, vielen Dank für das Gespräch!

„ P o r z e l l a n w e l t e n L e u c h t e n b u r g“ S t i f t u n g L e u c h t e n b u r g , S e i t e n ro d a

ARTMAPP: In der Sächsischen Schweiz verantworten Sie die Gastronomie auf der berühmten Festung Königstein, im sächsischen Ort Schmilka haben Sie ein Bioressort mit Hotel, Bierbrauerei, Wassermühle und Schokolaterie aufgebaut – woher rührt Ihr Interesse für eher ländliche Regionen?

A n d e r T h ü r i n g e r P o r z e l l a n s t ra ß e www. le uchte nburg. de

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ARTMAPP: Sie setzen dabei bewusst auf Emotionalität: In der Ausstellung erzählen einzelne Porzellansstücke fiktive Geschichten und Besucher können ihre persönlichen Wünsche auf Porzellan schreiben und von einem 20 Meter langen Skywalk auf das „Archiv der Wünsche“ am Burghang schmeißen.

SEH: Ich war in dieser Gegend, der Sächsischen Schweiz, viel klettern, habe da auch meine Frau kennengelernt und irgendwann eine kleine Pension eröffnet. Und dann gab es den Punkt wie hier auf der Leuchtenburg, wo ich mich für den Ort verantwortlich gefühlt habe, weil ich sah, dass es nicht richtig vorwärtsging. Ich persönlich habe wenig Interesse an einer kulturell überladenen Metropole wie Berlin. In ländlichen Gebieten herrscht dagegen große Authentizität und es gibt oft versteckte Edelsteine, die noch nicht geschliffen sind.

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speziellen Servicetypen. 2010 feierte man in Meißen den 300. Geburtstag der dortigen Manufaktur und damit auch drei Jahrhunderte des Porzellans in Europa. Daraufhin haben meine Museumskuratoren vorgeschlagen, sich ebenfalls diesem Thema zu widmen. Anfangs fand ich das gar nicht so sexy und mich hat der Gedanke an eine Kaffeekannen-Ausstellung eher abgeschreckt. Um mich schließlich zu überzeugen, haben sie mit mir eine dreitägige Reise zu den Thüringer Manufakturen unternommen. Und von der dort vorhandenen Kompetenz war ich sofort absolut begeistert und gleichzeitig erschüttert, wie wenig bekannt und beachtet dieses Thema im Allge­ meinen ist. So entstand die Idee, dem Porzellan auf der Leuchtenburg einen Mittelpunkt auf der thüringischen Porzel­lanstraße zu geben. Wir wollen hier Porzellan mit allen Sinnen erlebbar machen.


10. 5. – 27. 7. 2014 Ohne Achtsamkeit beachte ich alles Robert Walser und die bildende Kunst 23. 8. – 16. 11. 2014 Sophie Taeuber-Arp Heute ist Morgen *Aargauer Kunsthaus Aargauerplatz CH–5001 Aarau Di – So 10 – 17 Uhr Do 10 – 20 Uhr www.aargauerkunsthaus.ch Bild: Sophie Taeuber-Arp, Rosette, 1918 Aargauer Kunsthaus / Depositum aus Privatbesitz

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Inter view mit Evelyne Fenner

20 Jahre „Kunst Zürich“ Die „ Kunst Zür ich“ ist eine kleine, aber feine Messe f ür G ege nwar t sk un st, de re n bre ites Kun stangebot jährlich r und 25 . 000 Kun st inte ressie r te an zieht . De r Schwe r punk t lieg t dabe i auf junge n Posit ione n und Schweizer Kunst.

Porträt Evelyne Fenner und ABB - Halle, Fotos: Kunst Zürich

Ende Oktober 201 4 feiert die Messe „Kunst Zürich“ ihr 20-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses Jubiläums traf ­A RTMAPP Evelyne Fenner, Gründerin und Leiterin der „Kunst Zürich“, zum Interview.

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ARTMAPP: Die „Kunst Zürich“ feiert dieses Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Evelyne Fenner, was waren bisher Ihre persönlichen Highlights bzw. DIE Highlights der „Kunst Zürich“? Evelyne Fenner: Die „Kunst Zürich“ ist 1986 als kleine feine Kunstmesse unter dem Namen „Kunstaktion“ mit 25 Gale­ rien gestartet. Sie wurde damals von der schweizerischen Handelszeitung ermöglicht, finanziert und fand in der Mühle Tiefenbrunnen, im „Millers Studio“ statt. Fast alle, der in­ zwischen alteingesessenen Galerien, die damals als Aussteller dabei waren, sind mittlerweile international bekannt und sehr erfolgreich. Für mich war schon immer klar, dass die Stadt Zürich mit ihrem einmaligen Angebot an engagierten und pro­ fessionell arbeitenden Galerien bald zu den wichtigsten Kunstplätzen der Welt gehören würde. Ich habe mich daher entschlossen, aus der „Kunstaktion“ ab 1994 eine „richtige“ Kunstmesse zu machen und bin dann unter dem neuen ­Namen „Kunst 94 Zürich“ in die ABB-Halle 550 umgezogen. Die „Kunst Zürich“ ist im ersten Jahr mit 52 Galerien gestartet. Das damalige Gremium bestand aus Erika Billeter, Bice ­Curiger und Urs Stahel. Der Aufstieg der „Kunst Zürich“ verlief seither ziemlich gradlinig und ohne Rückschritte, was mich persönlich selbstverständlich sehr freut. Zudem konnte die Messe dank der heute erweiterten Nutzungsfläche von rund 8.000 Qua­ dratmetern die Ausstellerzahl seit den Gründertagen fast verdoppeln. ARTMAPP: Die „Kunst Zürich“ wurde von der „Gruppe 44“ gegründet, wer steht dahinter und wie sehen die Strukturen heute aus?

EF: Die Strukturen sind eigentlich noch immer dieselben, der Name „Gruppe 44“ steht sozusagen symbolisch für mich und das ganze Messeteam. Den Namen haben mein damaliger Partner Raphael Karrer und ich gemeinsam ausgewählt. ­Heute leite ich die Kunstmesse mit einem kleinen Team von drei fixen Mitarbeitern. ARTMAPP: Was sind wichtige thematische Schwerpunkte der „Kunst Zürich“? EF: Der Sinn einer Kunstmesse ist es ja, vor allem ein ausgewähltes Spektrum an international anerkannter Kunst zu zeigen. Ein wichtiger Schwerpunkt der „Kunst Zürich“ ist unter anderem natürlich die Schweizer Kunst und wir be­ mühen uns, ihr genügend Platz einzuräumen. Ein ganz wichtiges Anliegen war uns außerdem von Anfang an die Nachwuchsförderung. Zu diesem Zweck w ­ urde der Kunstpreis der Messe ins Leben gerufen. Ein Gremium, bestehend unter anderen aus Beatrix Ruf, Rein Wolfs und ­G ianni Jetzer, hat die Auswahl in den letzten Jahren getroffen. Seit 2013 wird der Preis nun „Förderpreis der Kunst ­Zürich“ genannt. Er ist mit CHF 25.000,– einer der höchst dotierten Nachwuchspreise und wird 2014 bereits zum zweiten Mal verliehen. Das aktuelle Gremium der Jury besteht aus: Isabelle Bscher (Kuratorin/Galerie Gmurzynska, Zürich), Fredi ­F ischli (Kurator), Andrea Thal (Kuratorin und Direktorin „Les Complices“, Zürich) und Mirjam Varadinis (Kuratorin Kunsthaus Zürich). ARTMAPP: Was hat sich im Verlauf der Jahre ­besonders bewährt, wo sind eventuell thematische Anpassungen nötig? EF: Anpassungen geschehen automatisch, indem wir jedes Jahr wieder neu auf die Bedürfnisse des Kunstmarktes eingehen und neuesten Entwicklungen und Tendenzen genügend Platz einräumen. Aktualität und Nachwuchsförderung sind nicht nur wichtige Bestandteile innerhalb der Kunst, die ja immer aus einem bestimmten Zeitgeist heraus entsteht, sondern auch in Bezug auf die Kunstmessen.


ARTMAPP: In welchem Feld bieten sich noch ­E xpansionsmöglichkeiten an? EF: Expansionsmöglichkeiten im quantitativen Sinne sind im Moment nicht möglich, da die Platzverhältnisse beschränkt sind und sich dies nicht ändern lässt. Mehr Gewicht werden wir in Zukunft neben der laufen­den Qualitätsoptimierung aber vor allem auf vermehrte Kooperationen mit Institutionen in und um Zürich legen, damit diese die Messe auch für ihre Anliegen nutzen können. Ein weiteres Thema ist auch immer wieder die Kunstvermittlung an die nächsten Generationen. Schulklassen, Lehrpersonen und Interessentengruppen sollen mehr in die Messe eingebunden werden. ARTMAPP: Wie sehen Sie Ihr persönliches ­E ngagement in den nächsten Jahren? EF: Da sich jedes Jahr wieder als neue Herausforderung zeigt und es bei der Organisation von einer Kunstmesse sozusagen keine Routine gibt – man vielmehr immer am Puls der Zeit lebt –, wird es wohl auch in den nächsten 20 Jahren genauso anspruchsvoll sein wie bisher. Meine Arbeit macht mir auf alle Fälle immer noch und immer wieder sehr viel Freude, und ich werde mich auch in den nächsten Jahren für die Kunst und die „Kunst Zürich“ engagieren.

ARTMAPP: Was wünschen Sie sich für die nächste Dekade „Kunst Zürich“? EF: Es ist mir ein wichtiges Anliegen, dass die „Kunst Zürich“ weiterhin ihre Autarkie, ihr eigenes Gesicht bewahrt und ­ihren Platz sowie ihre Bedeutung noch weiter ausbauen kann. Wichtig für mich sind: Eigenständigkeit, Aktualität, Flexi­ bilität, der Mut, Tendenzen frühzeitig zu präsentieren, den Fördergedanken weiter auszubauen und bei allem als oberstes Gebot die Qualität zu halten. ARTMAPP: Ist für das Jubiläum 2014 etwas ganz Besonderes geplant? EF: Es wird sicher einige Überraschungen geben, die ich aber noch nicht verraten möchte. ARTMAPP: Evelyne Fenner, vielen Dank für das Gespräch! Das Interview für ARTMAPP führte Janine Schmutz. 30. Ok tober bis 2 . November 201 4 Kunst 1 4 Zür ich A BB -Halle 550, Zür ich- Oerlikon www. k unst zuer ich. ch


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Das Kunstmagazin für Entdecker

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