Page 1

# 160 Mai 2008

Gratis www.intro.de

Death Cab For Cutie Stimmenfang mit Obama

dEUS Leben im Modedorf Antwerpen

Portishead Zur端ck in Bristol

The Notwist Geschichten vom Teufel

Gus Van Sant Erwachsene im Paranoid-Park

Grand Theft Auto IV Digitale Freiheit in New York


WELCOME, FRED! THE 7 TH GENERATION OF DISTILLERS FROM THE BEAM FAMILY.


Ansage

022

Foto: Gerald von Foris

The Notwist

ANSAGE NO.160 Man muss sich als Musikjournalist in Deutschland ja mit einer ganz schönen Menge schlechter Bands rumschlagen, die auf eklige, lokal gestiftete Affirmation und Heimeligkeit setzen. Umso erfreulicher die Fälle, wo Künstler sich abseits von Genre und Nationalitäten positionieren und gerade aus dieser Offenheit ein Gefühl von Nähe und Heimat zu stiften vermögen. The Notwist sind so eine Band, bei der man sich vom ersten Ton an angekommen fühlt. Echte Punks dabei. Und als solche immer auf der Suche nach neuen Wegen, ihre Überzeugungen musikalisch reizvoll und angemessen zum künstlerischen Kontext da draußen zu transportieren. Dass ihnen das nicht immer leicht fällt, wegen der Umstände, das kann man auf dem neuen, wie immer unglaublich tollen Album »The Devil, You + Me« gleich im ersten Song nachhören, wo es »Let’s just imitate the real until we find a better one« heißt. Und da uns das alles aus dem Herzen spricht, haben wir die Band bereits zum dritten Mal nach 1995 (zur »12«) und 2002 (zur »Neon Golden«) auf dem Cover – so oft haben es sonst nur Tocotronic und Blumfeld geschafft, womit zusammenfindet, was zusammengehört. Getroffen hat die Band für Intro Martin Büsser, der einst für das legendäre Zap-Fanzine eins der ersten Interviews mit der Band geführt hat. In jedem normalen Monat hätten es Death Cab For Cutie wohl aufs Intro-Cover geschafft, diesmal mussten unsere IndieLieblinge aus Seattle aber zurückstehen. Allerdings nur ganz vorne. Im Heft widmet sich Mario Lasar sehr ausführlich dem neuen Album«Narrow Stairs«, mit dem die Band dem Schmusekurs des Vorgängers »Plans« etwas Dissonanz hinzufügt. Wir schreiben ja Mai, falls ihr gerade euren Kalender verlegt habt. Und das bedeutet nichts anderes, als dass es neben besserem Wetter auch wieder mit den Festivals losgeht. Passend dazu die Nachricht, dass, während wir hier schon Schicht haben mit unserem Heft, die Kollegen vom Festivalguide noch etwas ranklotzen müssen. Dafür wird das Heft aber am Box Office Day 21. Mai auch wieder besonders dick und mit DVD am Kiosk ausliegen. Unbedingt abholen, sonst könnt ihr euch nachher nicht beschweren, dass ihr den Sommer und all die tollen Festivals verpasst habt. Liebe Grüße aus der Kölner Redaktion

003


004 Inhalt

008 Neulich

006

MONITOR

006 Aufmacher: Song Chart Meme 008 Neulich 010 Monitor mit u. a. The Last Shadow Puppets, The Roots, The Young Knives, Gnarls Barkley, Bernd Begemann, Siluh Records, JaKönigJa, Donots, The Hooters, Nneka, Atomic 012 Impressum

026

022

Death Cab For Cutie

MUSIK

022 The Notwist 026 Death Cab For Cutie 030 MGMT 032 Checkt das, neue Bands / SXSW 036 Portishead 038 Jamie Lidell 040 Kettcar / Gisbert Zu Knyphausen 042 Kochen mit Maurizio Gaudino 044 dEUS / Mode Antwerpen

048

055 Schuhquiz

WEITER

048 Mode: Stempelküsse 054 Mode Monitor: Katitzi / Boogaloo 055 Mode: Schuhquiz 056 Mode: Bomberjacken 058 Film: Gus Van Sant / Paranoid Park 060 Film: 54. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen / MuVi 062 Neue Filme 066 Neue DVDs 070 Kunst: Raymond Pettibon 072 Literatur: William Gibson / Quellcode 074 Literatur: Comic-Szenen Hamburg/Berlin 078 Neue Literatur 080 Spiele: Grand Theft Auto IV 082 Neue Spiele 086 Neue Technik

058 Paranoid Park 088

PROBEFAHRT

088 Platten vor Gericht 091 Charts / Spalter 092 Neue Alben und DVDs 112 Heimspiel 115 Für dich 080 GTA IV

116

DAS GEHT

116 Intro Intim 118 Intro empfiehlt 119 Das geht 122 Festivalguide 126 Da geht’s 130 Katz & Goldt / All The Next


H C I D H C S T A QU ! R E E L

Für Euch nur 95 *

19, € monatlich

Die supergünstige Flatrate für junge Leute. Max M Friends für alle bis 25 Jahre und Studenten bis einschließlich 29 Jahre.

ß ß ß

Monatlich 10,– € Rabatt: statt 29,95 € nur 19,95 €/Monat* Endlos zu T-Mobile und ins dt. Festnetz telefonieren 24 Monate SMS Flat ins T-Mobile Netz**

Jetzt buchen unter www.t-mobile.de/maxfriends, im Telekom Shop und beim Telekom Partner.

* Voraussetzung ist die Vorlage eines gültigen Personalausweises oder Reisepasses. Mindestalter 18 Jahre, Höchstalter 25 Jahre. Für Studenten bei Vorlage eines gültigen Studentenausweises bis einschließlich 29 Jahre. Nach Ablauf der Mindestlaufzeit des Vertrages und nicht wiederholter Berechtigungsprüfung wird der monatliche Paketpreis des Max Friends Tarifs wieder zu den Konditionen von Max M oder Max M (mit Handy) fortgeführt. Der T-Mobile Laufzeitvertrag im Tarif Max M und Max Friends mit Handy hat eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten. Einmaliger Bereitstellungspreis 24,95 €. Im monatlichen Grundpreis von 19,95 € bzw. 29,95 € im Tarif Max M Friends mit Handy sind alle netzinternen Gespräche und Gespräche ins deutsche Festnetz enthalten. In andere deutsche Mobilfunknetze werden 0,29 €/Gesprächsminute und 0,19 €/SMS berechnet. Die Abrechnung erfolgt im 60/1-Sek.-Takt. Die angegebenen Konditionen gelten nicht für Service- und Sonderrufnummern. ** Bei Buchung bis zum 30.06.2008 entfällt der monatliche Optionspreis der SMS Flat in Höhe von 4,95 € für die ersten 24 Monate. Mit der SMS Flat sind Inlands-SMS von T-Mobile zu T-Mobile (außer Service- und Sonderrufnummern) kostenlos.


Bild: Flickr, TLKMNGSTYRSLVS

006 Monitor

Song Chart Meme

RATE MAL


Bild: Flickr, TEXASPENGUIN

Bild: Flickr, MOVED

007

Bild: Flickr, GENXCUB

Bild: Flickr, SULTMHOOR

Bild: Flickr, BRIANMN

Monitor

Das Internet, immer wieder toll, um obskure Dinge zu entdecken. Unser neuer Liebling: http://flickr.com/photos/ boyshapedbox/sets/72157603957925616/. Ein Songratespaß für die ganze Familie. Und zudem viel billiger als Karaoke, dieses durchkommerzialisierte Biest. Und das Beste, ihr könnt dabei sein: Einfach euer eigenes Rätsel einsenden und ein Melt!-Ticket gewinnen. Wer nicht ganz so kreativ ist, der sollte zumindest clever sein: Auch mit den Antworten zu den sechs Rätseln kann man gewinnen. Mails bitte an verlosung@intro.de.


008 Neulich

Shitdisco, MSTRKRFT, Punks Jump Up @ Levi’s Electric Disco Tour, 03.04., A-Wien, Fluc, 23:17 Uhr: Sieben Städte in drei Ländern bespielten Shitdisco, MSTRKRFT und Punks Jump Up jüngst zusammen mit lokalen DJs. Da schäumte zu später Stunde wie hier in einem der besten Läden Wiens das Bier dann schon mal über. Und Augenzeugen zufolge wurde bei Shitdisco sogar gepogt wie zuletzt 1981 bei den Demos gegen die Startbahn West. Wie? Ach, da steht »gepogt« statt »getobt«? Entschuldigung. Foto: Jasmin Baltres

NEULICH: The Wombats, 30.03., Berlin, Lido, 21:20 Uhr: Der Schweiß von 500 aufgeheizten Teenager-Körpern kondensiert am Bühnenrand. Eine Rutschpartie droht Matthew Murphy. Klug vom Wombats-Frontmann, dass er kurz nach diesem Foto zum längsten Stagediving der Saison übergeht. Foto: Arne Sattler


Neulich

Aldrei Fór Ég Suður Festival, 22.03., IS-Ísafjörður, 14:37 Uhr: So sieht das Prinzip Festival am Ende Europas aus – im kargen Nordwesten von Island. Zwischen Meer, Schnee, Nordlicht und Dosenbier feierte das Städtchen Ísafjörður in seinem Hafen das »Aldrei Fór Ég Suður«-Festival. Mit Volksfeststimmung für die ganze Familie. Mit dabei: isländische Newcomer und Legenden wie Sprengjuhöllin, Biogen, Morðingjarnir, XXX Rottweiler Hundar, Megas oder SSSól. Danke für viel Esprit und zahlreiche Sonderzeichen. Mehr zum Festival siehe S. 21. Fotos: Brian Sweeney

Ausstellung: Neue Polnische Welle 1978-1986, 05.04., Berlin Galerie MD71, 12:24 Uhr: Dass Punk und New Wave einst natürlich nicht vor dem Eisernen Vorhang haltmachten, zeigt nach der mannigfaltigen historischen Abarbeitung an DDR-Punk derzeit eine Berliner Ausstellung auch am Beispiel Polens. Noch bis zum 25.04. (Beeilung!) zeugen davon am Mehringdamm 72 etliche Exponate, die von Robert Jarosz und Michal Wasaznik zusammengetragen wurden. All das gibt es absurderweise in einer monströs sanierten bourgeoisen Altbauwohnung zu sehen. Foto: Arne Sattler

Wolke, 02.04., Halle, Studio des Intro-Sputnik Magazins, 11:17 Uhr: »11:17 Uhr«? Nicht gerade die typische Zeit, zu der die Nachteulen-Band Wolke normalerweise zu Hochtouren aufläuft. Aber sie schlugen sich wacker im Intro-Radio-Interview in Halle. Bequem nachzuhören wie überhaupt jede Folge unserer wöchentlichen Musiksendung auf MDR unter intro.de/sputnik. Mehr Infos wie immer auf S. 120. Foto: Stephan Flad

009


010 Monitor

The Last Shadow Puppets

EIN BASTARD The age of Geheimniskrämerei Noch wenige Monate vor dem Release war es fast unmöglich, etwas über The Last Shadow Puppets, das neue Projekt von Alex Turner (als wenn man’s nicht wüsste: von den Arctic Monkeys) und seinem Kumpel Miles Kane (The Rascals), zu erfahren. Irgendwann hieß es, man sei in einem Studio in Frankreich, später, dass man sich am 60er-Bowie, Burt Bacharach und Scott Walker inspiriert habe. Dass damit eher der hörbare Walker gemeint war und nicht der mit den Schweinehälften, konnte man sich zwar denken, trotzdem fragte man sich immer mehr: Was zum Henker wird das, wenn es fertig wird? »Wir haben die Sache ziemlich bedeckt gehalten«, gesteht ein schnieke gekleideter Alex Turner im Interview in der Domino-Homebase in Berlin. »Wir hatten keine Lust, dass der Rummel schon losgeht, bevor wir überhaupt wissen, ob und wie das alles klingt.« Das Thema mit dem Rummel hat er ja schon zur Genüge durch. »Jetzt gerade zeigt sich, dass das Tempo genau richtig war«, ergänzt Miles, der schon seit Jahren mit Alex befreundet ist. Das merkt man, sobald man den beiden gegenübersitzt. Da wird einem vor lauter InsiderGags und Sidekicks auch schon mal schwindelig. Doch trotz der guten Laune wird schnell deutlich, dass hier nach ihren Regeln gespielt wird. Der Interview-Schedule ist betont übersichtlich, und die Sache mit der Geheimniskrämerei wurde auch vom Label befolgt. Vorab

gab es zunächst nur eine Handvoll CDs mit Wasserzeichen und Totenkopf neben der Copyright-Warnung. Die deutliche Message: Wehe, das kommt raus, bevor die beiden so weit sind! The age of Pappis Plattenkiste Trotzdem bleibt es erstaunlich, dass hier zwei Twens ganz betont der Plattensammlung ihrer Eltern nacheifern – die das Album dann auch »sehr mögen«, wie Alex versichert. Ob man Angst hatte, wie eine bloße Kopie der großen Idole zu klingen? »Natürlich haben wir uns vorher gefragt, ob wir diese Musik auch können. Aber irgendwann kam der Punkt, an dem wir uns sagten: Fuck it! Lass es uns einfach probieren!« erzählt Miles. Und Alex stellt freundlich genervt klar: »Außerdem spielen wir hier ja keine Coversongs. Wir haben uns von diesem Sound inspirieren lassen. Nicht mehr.« Einigen wir uns ganz diplomatisch darauf, dass man diese Inspiration deutlich raushören kann. Denn »The Age Understatement« ist eine leidenschaftliche Hommage an den Gitarrensound der 60er, an die anfangs genannten Herren und durchaus auch an den Orchesterpomp-Pop von Landsmännern wie The Divine Comedy oder My Life Story, falls die noch jemand kennt. Ironischerweise funktioniert das Album nur an der Stelle nicht, an der es gitarrenrocken will, im Song »I Don’t Like You Anymore« – aber das ist dann ja auch irgendwie nur konsequent.

The age of Geigenhimmel Die spannende Frage dürfte nun sein, ob Fans der Arctic Monkeys und der recht verwandt klingenden Rascals das Album mögen werden. Vor allem die fetten Streicher dürften einem jungen Rock’n’Roller vielleicht quergehen. »Wir wollten diesen opulenten Sound von Anfang an«, so Turner. »Aber wir wussten, dass es ein gefährliches Spiel ist. So was kann schnell cheesy klingen.« Die Lösung des Problems hieß dann bekanntlich Owen Pallett, der ihnen bei ihrem Toronto-Gig vorgestellt wurde. »Er war anfangs ein wenig schüchtern und wusste nicht, ob er das liefern kann, was wir uns vorstellten.« Hier springt Miles ein: »Aber das passte: Wir wussten es ja auch nicht.« Auf die Frage, ob Pallett bei all seinen Tätigkeiten ein Workaholic sei, lachen die beiden nur. Miles: »Eher nicht. Man musste ihm schon manchmal einen dezenten Tritt in den Hintern verpassen.« Alex: »Das Ergebnis klingt fantastisch. Die Songs sind dadurch unglaublich gewachsen.« Bekommt man das Ganze denn auch in voller Größe live zu sehen? »Ende des Jahres vermutlich«, so Kane. Mit Orchester? »Gerne.« So richtig mit Anzug und Krawatte? »Yeah! Ein weißer Anzug wäre großartig.« »Und dazu Schlangenlederschuhe!« lacht Alex. Ja ja, the age of Ausgelassenheit. Text: Daniel Koch / Foto: Christoph Voy Last Shadow Puppets »The Age Of Understatement« (CD // Domino / Rough Trade). Auf intro.de: Verlosung


Monitor

Du bist schwanger Baby, Baby Auf dem Schreibtisch im Büro erwartet Sie ein rätselhaftes Ultraschallbild, dazu der Gruß: »Sie bekommen ein Baby.« Der Blick hetzt zu den Autoschlüsseln. Wann könnte ich an der Landesgrenze sein, und kann ich mir mit der Papierschere vorher noch ein neues Gesicht verpassen, bzw. wie lange hielte ich es eigentlich in einem Wald ohne Essen und ohne Kleidung aus? Aber falscher Alarm. In »Nintendogs«-Manier geht’s hier nur darum, ein virtuelles Kind zu bespielen. Das sieht leider aber eher gruselig denn niedlich aus. Und das Spiel drum rum wirkt wie ein Tamagotchi aufgeblasen zur Samstagabendshow. Wir sehen uns an der Babyklappe. »My Little Baby« (Nintendo DS // dtp)

SO SAH ICH DOCH NIE AUS! MIT BERND BEGEMANN Wie wichtig ist dir Style? Style ist nichts ohne Herz, und was könnte mehr Herz haben als: »Kommt Jungs, Pause! Vitamalz.« Was denkst du, wenn du dieses Foto aus den frühen 90ern heute siehst? Ich denke, generell sollten alle Männer wie Detektiv Rockford sein und sich nicht so anstellen. Historisch ordne ich dieses Foto ein als letzte Bestrebung, als letztes Aufbäumen gegen das, was heute mit der allgemeinen Durchsetzung des Men’s-Health-Abos trium-

phiert hat. Daher die Haare der Brust und die unsportliche Pose auf der Liege. Wir haben verloren, aber wir haben gekämpft, und ich hatte euch gewarnt. Dieses Bild ist der stolze Beweis. Bernd Begemann »Glanz« (CD // Tapete / Indigo); Bernd Begemann & Die Befreiung »Solange die Rasenmäher singen« (CD // Begafon / Indigo / VÖ 28.04.); Auf intro.de: Wir verlosen Konzert-Tickets für die Shows am 22.+23.04. und 02.05.

011

Grüße aus Wien Von Stadlober und Kern (Siluh Rec.) Was findet ihr klasse an der Stadt? Robert Stadlober: Elektrobootfahren auf der alten Donau und ein Glaserl beim Heurigen. Bernhard Kern: Viele Grünflächen (Volksgarten, Prater, Augarten, Burggarten ...) innerhalb der Stadt. Und was ziemlich mies? R: Den Winter und die U4. Welches existierende Klischee über Wien ist nicht wahr? R: Dass man sich nach kürzester Zeit selbst die Gurgel durchschneidet ob der Morbidität. Und dass sie klein ist – also von der Einwohnerzahl ist Wien die zweitgrößte Stadt im deutschsprachigen Raum. So! B: Dass in jedem Kaffeehaus Kruder & Dorfmeister läuft. Habt ihr eine persönliche No-Go-Area? R: Der erste Bezirk wird von mir sehr selten betreten. Das ist für mich wie eine völlig andere Stadt. B: Genau. Mein Vorschlag für die herrschaftlichen Häuser und Wohnungen dort: Zwangsenteignung und Öffnung für jedermann. Der beste Club? R: Fluc am Praterstern. Flex natürlich. Das netteste Restaurant? R: Das Expedit. Ein Italiener im (Überraschung!) 1. Bezirk. B: Ich geh sehr gerne zu Bahur Tov im 2. Bezirk. Das ist ein koscheres Restaurant, das unseren Beobachtungen zufolge von russisch-orthodoxen Juden betrieben wird. Bester Falafel-Teller, bester Humus. Der beste Shopping-Ort? R: Record Bag. Ein neuer Plattenladen zwischen den alten Institutionen Rave Up und Substance. Was gibt es über den Fußballverein deiner Stadt zu sagen? B: Rapid und Austria Wien sind die beiden großen. Zerstritten wie Kain und Abel. Ich bin von klein auf grün-weiß (Rapid). Welchen Künstler aus deiner Stadt findest du richtig gut? R: Kurt Palm, Go Die Big City, A Thousand Fuegos und Paperbird. B: Alte Helden wie Qualtinger, Thomas Bernhard, Oskar Werner, Maxi Böhm.


012 Monitor

Impressum

Intime Fragen

Verlag Intro GmbH & Co. KG, Postfach 19 02 43, 50499 Köln Fon (0221) 9 49 93-0, Fax (0221) 9 49 93 99 Mail verlag@intro.de, vorname.nachname@intro.de www.intro.de

NACHGEFRAGT BEIM INTRO INTIM

Herausgeber & Geschäftsführer Matthias Hörstmann Chefredakteur Thomas Venker (V.i.S.d.P.) Redaktion Peter Flore (Online), Wolfgang Frömberg, Amelie Schneider (Mode & Foto), Felix Scharlau, Linus Volkmann, Kristina Engel (Lektorat) Live-Redaktion Boris Fust (Leitung), Daniel Koch, Thomas Lorber (Termine), Hendryk Martin, Julia Gudzent und Sebastian Siegmund; Büro Berlin, Greifswalder Str. 224, 10405 Berlin, (030) 4 43 18 99-0

Zugegeben, die Frage wirft der Bandname ja schon auf, aber haben Does It Offend You, Yeah? sie jemals selbst beantwortet? Jedes Mal stellen wir beim Intro Intim eine Frage an Band und Publikum, uns ist nichts peinlich. Und wie sieht es mit euch aus? Mehr Antworten auf unsere Intimen Fragen findet ihr unter www.intro.de/spezial/intimefragen. Und jetzt mal Hand aufs Herz: Womit kann man dich so richtig angreifen?

Online- & News-Redaktion news@intro.de Terminredaktion termine@intro.de Geschäftsführer Marketing & Online Matthias Fricke Projektmanagement & Personal Rebecca Wast PraktikantInnen Senta Best, Elena Grunwald, Dénes Jäger, Nils Lindenstrauß, Johannes Mihram, Marlene Lucia Rehs, Julian Stetter Programmierung & Datenbanken Jan Plogmann (Leitung), Anna M. Stiefvater, Sandro Boege Artdirection Holger Risse (Jürgen und ich) Layout Jörn Osenberg (osi) Vertrieb Niels Kleimann (-41 / Leitung), Sebastian Siegmund (Berlin, Ost) Abo / Administration Johannes Röder, abo@intro.de Public & Media Relation Dirk Völler Anzeigenleitung & Administration Christian Schlage (-12/ Leitung), Johannes Röder (-14), Fon (0221) 9 49 93-12, Fax (0221) 9 49 93 88, Leonardo (0221) 9 49 93 66 Head of Marketing & Sales Oliver Bresch (-13) Marketing & Sales Martin Lippert (-17), Pete Schiffler (-19), Hendryk Martin (-32), David Winter (-63) Tonträger Matthias Fricke (-15), Matthias Hörstmann (-11) Konzertagenturen & Regionale Kunden Sebastian Siegmund (030) 4 43 18 99 17 Aktuelle Anzeigenpreisliste Mediadaten 2008 (Nr. 18 aus 11/’07) Bankverbindung Volksbank Borgloh e. G. BLZ: 26 5624 90, Nr.: 406490900 AutorInnen Alex Bechberger, Bernd Begemann, Dirk Böhme, Dana Bönisch, Georg Boskamp, Jochen Brandt, Andreas Brüning, Silke Bücker, Lars Bulnheim, Christoph Büscher, Uwe Buschmann, Martin Büsser, Cay Clasen, Calle Claus, Kerstin Cornils, Lina Dinkla, Jürgen Dobelmann, Henrik Drüner, Sonja Eismann, Rasmus Engler, Marco Fuchs, Boris Fust, Kerstin Grether, Sandra Grether, Andreas Grüter, Lutz Happel, Lee Hollis, Silke Hohmann, Ulf Imwiehe, Sebastian Ingenhoff, Alexander Jürgs, Jan Kage, Christian Kahrmann, Olaf Karnik, Kai Klintworth, Felix Klopotek, Felix Knoke, Daniel Koch, Christoph Koch, Hendrik Kröz, Mario Lasar, Alexander Lazarek, Nils Lindenstrauß, Aram Lintzel, Hannes Loh, Jasmin Lütz, Thomas Markus, Oliver Minck, Dörte Miosga, Dirk Mönkemöller, Severin Most, Tobias Mull, Wolfgang A. Müller, Felix Mutter, Tobias Nagl, Jasper Nicolaisen, Florian Opitz, Sven Opitz, Rainer Ott, Jan Pehrke, Bernhard Przybilla, Nils Quak, Arno Raffeiner, Andreas Reihse, Anja Reinhardt, T.L. Renzsche, Martin Riemann, Ingo Rieser, Thomas Ritter, Vanessa Romotzky, Gerd Rosenacker, Moritz Sauer, Frank Sawatzki, Joachim Schaake, Max Scharl, Susanne Schmetkamp, Simon Schmitz, Frank Apunkt Schneider, Matthias Schneider, Andreas Schnell, Barbara Schulz, Frank Schuster, Bernd Seidel, Sascha Seiler, Christian Steinbrink, Till Stoppenhagen, Barbara Streidl, Jörg Sundermeier, Klaas Tigchelaar, Markus Tomsche, Thees Uhlmann, Benjamin Walter, Klaus Walter, Matthias Weber, Ralf Weihrauch, Alexandra Welsch, Christian Wessels, Franzi Widenmann, Nils Wiere, Gregor Wildermann, Roland Wilhelm, Meike Wolf, Peter Wolff, Vina Yun, Sascha Ziehn

Morgan (Does It Offend You, Yeah?): Bullying.

Dany und Thomas (Intro-Intim-Besucher): Wenn man unsere Lieblingsband schlecht macht.

Dein Rechner, mein Heft Intro als E-Paper Solltet ihr diese Zeilen am Rechner lesen, wisst ihr bereits Bescheid. Denn die Durchblätter-Simulation ist möglich geworden. Das Ganze in Flash und in gratis. Mit schönen Fotos, dem offiziellen Layout und all diesen vielen Bands, um die es uns immer geht. www.intro.de/epaper/160

FotografInnen Lena Böhm, Sibilla Calzolari, Barbara Donaubauer, Markus Feger, Sibylle Fendt, Jonathan Forsythe, Nathalie Genet, Dominik Gigler, Susanna Goonawardana, Gerrit Hahn, Rainer Holz, Alfred Jansen, Lars Kiss, Christian Knieps, Maryse Larivière, Miriam Lindthaler, Elke Meitzel, Ela Mergels, Gianni Occhipinti, Reiner Pfisterer, Edzard Piltz, Katharina Poblotzki, Nadine Preiß, Nils Rodekamp, Claudia Rorarius, Katja Ruge, Arne Sattler, Lioba Schneider, Marc Seebode, Ansgar Sollmann, Sandra Steh, Sandra Stein, Maxi Uellendahl, Christoph Voy, Marc Weber, Jann Wilken, Justin Winz, Joachim Zimmermann und Pressefotofreigaben Illustrationen Alex Jahn, Elisabeth Moch, Calle Claus Cover Gerald von Foris Termine für Nr. 161 / Juni 2008 Redaktionsschluss 30.04.2008 Termin- & Anzeigenschluss 08.05.2008 Druckunterlagenschluss 15.05.2008 Erscheinungstermin 26.05.2008 Druck Konradin Druck GmbH, Leinfelden-Echterdingen Geprüfte Auflage & Verbreitung laut ivw-IV. Quartal 2007 Druckauflage: 138.259 Verbreitung: 132.406 Vertrieb an 1.843 Auslagestellen im gesamten Bundesgebiet und Ausland, über diverse Mailorder sowie im Abonnement Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier, Inhalt aus 100% Altpapier Alle Veranstaltungsdaten sind ohne Gewähr und Verlosungen vom Rechtsweg ausgeschlossen. Abdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages! Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Keine Haftung für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos!

Promo-Zettel des Monats Mit Atomic »Wie sieht es denn aus mit den ganzen Bands dieser Tage? Schlecht! Sechs Monate Existenz. Platte auf dem AppleComputer zusammengeschraubt. An den Onkel geschickt, der bei einer Plattenfirma arbeitet. Erste Platte gemacht. Nichts verkauft! Touren zu anstrengend gewesen. Bassist will studieren. Sänger ein Soloprojekt. Band wird unausgesprochen aufgelöst, und drei Jahre später fragt die Steuer nach, was mit dem Vorschuss passiert ist, und schon wan-

dern die Protagonisten in den KNAST! Recht so! Verbiegt den Schlüssel!« – So fasst die Band Atomic die Situation in Band-Deutschland zusammen und vergleicht sich selbst ein paar Absätze später mit Madsen, Muff Potter und Kreator. Bis auf Kreator stimmt’s sogar.

Atomic »Coming Up From The Streets« (CD // Dandyland / Cargo)


music pool europe gmbh

präsentiert:

PRÄSENTIERT: mpe in association with

MARY J BLIGE GROWING PAINS TOUR 21.05.08 26.05.08 29.05.08 30.05.08

MÜNCHEN - ZENITH HAMBURG - STADTPARK BERLIN - ZITADELLE DÜSSELDORF - PHILIPSHALLE

NEW ALBUM GROWING PAINS OUT NOW

www.mjblige.com

Die Welt dreht sich um

THE ROOTS

24.05. Batschkapp - Frankfurt 25.05. Köln - Gloria Theater 31.05. Berlin - Fritzclub 01.06. Hamburg - Grünspan

Q Fr. 27.06.08 BERLIN - COLUMBIAHALLE music pool in association with ITB presents:

in concert

08.07.08, ARENA - LEIPZIG 09.07.08 - OBERHAUSEN KÖNIG-PILSENER-ARENA

Karten an den bekannten Vorverkaufsstellen Bundesweite Tickethotline: 01805 - 9 69 00

00*

(*14 Ct./Min. Mobilfunkpreise können abweichen)

Tickets im Internet: www.kartenhaus.de • www.music-pool.com

uestlove und ... Sein Schlagzeug: Ich wurde 1971 geboren. Meine Eltern haben mich gefördert, und so bekam ich eben mit drei mein erstes Kinderschlagzeug, mein erstes richtiges dann mit sieben. Das ist also die älteste Beziehung, die ich überhaupt zu irgendetwas in meinem Leben habe. Sein Afro: Eigentlich wächst mein Haar einfach sehr schnell. Es zeigt dir nur, wie oft ich die Zeit habe, zum Friseur zu gehen. Nämlich nie. Eigentlich klappt das nur zwei Mal im Jahr: wenn wir bei David Letterman oder Jay Leno auftreten. Sein Sound: Ich stehe ja für eine ganz bestimmte Idee: alte, abgehangene Sounds. Deswegen sammle ich alte Schlagzeugsets; wenn sie 30 oder 40 Jahre alt sind, ist es genau richtig. Das ist dann ein klassischer Sound. Sein Image: Ich bin grundsätzlich zufrieden mit mir und meinem Äußeren. Du musst wissen: Image war immer sehr wichtig im HipHop. Die Leute haben da nur nie so drauf geachtet. Guck mal, deswegen falle ich mehr auf als Black Thought: Ich hab einen Afro, bin riesiggroß und kann meinen Mund nicht halten. Seine Emotionen: An den Anfang und das Ende des Albums haben wir einen Streit von uns gepackt, den wir damals aufgenommen haben, der so wirklich stattgefunden hat, als unser zweites Album rauskam. Ich wollte zeigen, wie intensiv die Situation für uns damals war, weil wir fast vom Label fallen gelassen wurden. Die Angst, die Panik, schon wieder gedroppt zu werden, obwohl wir doch so hart gearbeitet hatten ... Man schiebt sich plötzlich Schuld zu, was eigentlich Quatsch ist. Also, wir wollten zeigen, dass wir menschlich sind. Klingt selbstverständlich? HipHop ist heute zweidimensional, kalt. Es gibt keine Tränen, kein Blut, kein Lachen, keine Emotionen, keine Traurigkeit. HipHop ist das einzige Genre, wo es keine Emotionen gibt!

Questlove, 3.von links

Wenn du weinst, bist du ein Schwächling. Wenn du lachst, bist du ein Weichei. Seine Live-Shows: Ich habe mein Leben lang bei anderen Künstlern immer gedacht: »Okay, die Liveshow ist besser als die Platte!« Ich WILL gar nicht, dass die Platte besser ist als die Liveshow. Die letzte Erfahrung, die ein Fan mit uns macht, soll die beste sein. Die Platte ist dazu da, dass du vertraut wirst mit der Musik. Danach ist es mein Job, die Songs weiter voranzutreiben, auf ein neues Level. Live muss man die Emotionen, die Energien verstärken. Ich spiele jede Show so, als ob mein Leben dranhängt – und so ist es tatsächlich. Seine Kollaborationen: Die meisten HipHop-Künstler gehen ja so vor: Wer steht in den Charts vorn? Okay, mit denen machen wir jetzt was zusammen. So kommen Kollaborationen zusammen, die eigentlich keinen Sinn machen. Wir machen das anders, wir arbeiten nur mit Leuten zusammen, mit denen wir auch privat auskommen und die wir kennen. So wie jetzt wieder mit Mos Def. Seine Kritiker: Ich sehe es so: Das Problem sind die vielen Blogger da draußen. Ich selbst hab eine Website, und wir arbeiten da zu viert dran. Und es ist sehr viel Arbeit. Wie können also manche Blogger 40 Alben pro Woche durchgehen? Wie soll da eine ausgewogene Meinung rauskommen? Ich möchte, dass die Journalisten jedes Detail, jede Punchline wahrnehmen. Man muss sich also lange damit auseinandersetzen. Die professionellen Journalisten schreiben oft von populären Musikblogs ab – nur um auf der sicheren Seite zu sein. Mann, mein Leben hängt davon ab, und einige nehmen sich nicht mal die Zeit, sich in Ruhe eine Stunde anzuhören, woran ich acht Monate gearbeitet habe?! Die Fragen stellte Heiko Behr The Roots »Rising Down« (Universal)


Monitor

015

BITTE BLEIBEN SIE GESUND! MIT ALEX VON DEN DONOTS Was war die übelste Krankheit, die du je hattest? Meine übelste Krankheit ist eigentlich gar keine: die sogenannte Harnröhrenverengung. Erwerben kann man das ab Geburt oder aber nachträglich durch einen kleinen Unfall wie z. B. einen beherzten Tritt in die Kronjuwelen. Welche Symptome gibt es dabei? Die Symptome reichen von »einmal Pinkeln dauert 10 bis 15 Minuten« bis hin zu einer mangels Durchkommen auftretenden Spezialität namens »retrograde Ejakulation«. Bitte genau drüber nachdenken. Kann praktisch sein. Wie wird das denn behandelt? Richtig unangenehm: Der bemitleidenswerte Patient hat die Wahl zwischen a) ambulanter Harnröhrendehnung durch Einführen nach und nach im Durchmesser zunehmender Zylinder oder b) operativer Harnröhrenschlitzung. Hierbei wird eine Art Skalpell-Klappmesser durch die Harnröhre eingeführt, mittendrin aufgeklappt

und im nach obenhin aufgeklappten Zustand einmal schön der Länge nach herausgezogen. Das Dumme bei sowohl a) als auch b): Die Erfolgschancen auf dauerhafte Beseitigung der Ursprungsproblematik sind relativ gering. Der Betroffene muss sich gegebenenfalls darauf einstellen, dass ihm im Endeffekt eine brandneue Harnröhre aus Mundschleimhaut gebastelt wird. Und wie das genau vonstattengeht, darüber denken wir jetzt mal besser nicht so genau nach. Welche Krankheit ist dagegen überschätzt? Ich glaube, gegen ein Skalpell in der Harnröhre wirken selbst Pest und Cholera versöhnlich. Was ist euer Lieblingsmedikament? Menschen, die in früher nicht in irgendwie von Hustensaft angetörnt waren, haben sicher auch andere Leichen im Keller. Wie kuriert ihr den berüchtigten, unvermeidlichen Tourschnupfen bei Konzerten in Herbst und Winter? Gehe

nach oben im Tourbus, drehe dich nach links und bewege dich in Richtung zweitletztes Bett, unten. Atme tief ein. Der Sockendampf, der dir in dieser Gegend auch ohne Einatmen unvermittelt die Schädeldecke wegblasen würde, zaubert Nase und Nebenhöhlen mit einem Schlag absolut keimfrei.

Sehr geehrter Alex Donot, Anfang des 17. Jh. empfahl ein flämischer Chemiker, Sonden aus Wildleder, imprägniert mit Bleiweiß (giftig) und Leinöl, in die Harnröhre einzuführen, um Ihre Erkrankung zu behandeln. Dies war jedoch sehr schmerzhaft und der Heilung nicht förderlich, im Gegenteil. Heute werden Sie ja meistens von Medizinern, und nicht Chemikern, behandelt. Diese müssen erst einmal feststellen, wo sich die Enge befindet und wie lang diese ist. Da-

für wird ein Kontrastmittel in Ihre Blase eingeführt, und bei dessen Austritt werden Röntgenaufnahmen gemacht (retrograde Urethrographie). Versagen die von Ihnen erwähnten Therapien (a: Bougierung und b: Urethrotomia interna), besteht bei Stenosen unter 2 cm die Möglichkeit, die Enge herauszuschneiden und danach die Harnröhre wieder zu verbinden. Bei größeren Verengungen kommt dann Penishaut oder Mundschleimhaut als Verbindungsstück zum Einsatz. In der Probephase befindet sich zurzeit noch ein Verfahren, bei welchem, wie beim Herz, ein Stent eingelegt wird, um die Harnröhre offen zu halten. Sie sehen, die Behandlungsmöglichkeiten einer Harnröhrenstriktur sind fast so zahlreich wie die schlechten Kritiken des Films »Mission: Rohr frei«. Fast! Ihr Doc Intro / Volker Wittkamp Donots »Coma Chameleon« (CD // Solitary Man)


016 Monitor

∑ EIN HERRLICH ABSTRUSER ANSTALTSFILM ” TAZ

EIN FILM VON PARK CHAN-WOOK (OLDBOY) The Hooters Zombies, I miss you »All you zombies hide your faces« und »Oh, oh, Johnny B.« – wer noch mehr Einträge zu den Hooters auf dem Schirm hat, hat eventuell kein Leben. Für alle anderen kommt hier nun Eintrag Nummer drei. Beim Intro-Erdmöbel-Video-Einschick-Contest machten Patrick Gericke und Thomas Pahlberg mit, sie bebilderten das Erdmöbel-Stück »Einer von uns«, das wiederum eine Version des Joan-Osborne-Songs »One Of Us« ist. Geschrieben wurde es von Eric Bazilian – dem Sänger und

AB 9. MAI AUF DVD W W W. I M - A - C Y B O R G . D E W W W. R A PI D E Y E M OV I E S . D E © 2006 CJ ENTERTAINMENT INC. & MOHO FILM P 2007 RAPID EYE MOVIES HE GMBH

VERTRIEB

Doppelhals-Gitarristen der Hooters! Der schaut natürlich oft intro.de und bemerkte das Stück und engagierte prompt die beiden Kölner als Regisseure zu dem Clip ihres Comeback-Albums »Time Stand Still«. Das Stück heißt »I’m Alive« und das Video zitiert den Mitsing-Drive vor der eigenen Webcam. Und überhaupt – war ja schon die Anbahnung dieser Nummer diese News wert. The Hooters »Time Stand Still« (CD // SonyBMG)


Monitor

017

der Inkl. ingle S it H es it “Doer get ev tter” be

Das Debut Album “Play” inkl. der Hit-Single “Does It Ever Get Better”. Produziert von Jean-Michel Tourette (Wir Sind Helden) und Jens Nickel! Ab 25.4. überall erhältlich!

ZWISCHEN DEN WELTEN MITTENDRIN MIT NNEKA

W

o bist du geboren, wo lebst du jetzt? Ort: Effurun Warri, Stadt: Delta State, das Land: Nigeria. Lebe jetzt in Hamburg. Welchen Einfluss hat dein Geburtsland auf deine Musik, welchen dein jetziger Aufenthaltsort? Alle afrikanischen Elemente auf dem Album sind entstanden durch den Einfluss meiner Heimat Nigeria. Der westliche Einfluss wird verdeutlicht durch meine Begegnung mit dem Produzenten DJ Farhod. Insgesamt kann man sagen, dass Deutschland mir die Möglichkeit eröffnet hat, meine Musik der Welt vorzustellen. Welche typischen Eigenschaften deines Geburts-

landes findest du bei dir wieder? Welche hast du hier in Deutschland angenommen? Meine Mentalität ist afrikanisch. Das Deutsche an mir sind meine Winterklamotten und dicke Stiefel. Wer ist dein Lieblingskünstler aus deinem Geburtsland und von hier? Na, es gibt nicht DEN Lieblingskünstler, ich habe viele nigerianische Lieblingskünstler wie z. B. Fela Kuti, Femi Kuti, Bantu, 2Face Idibia, 9ice, Rocksteady, Soundsoltan! Aus Deutschland mag ich z. B. Xavier Naidoo, Joy Denalane.

LiVE

24.4. OBERHAUSEN Druckluft 26.4. WIESBADEN Kulturpalast (CD Release Party) 18.5. BRÜSSEL VK Club * 19.5. SCHORNDORF Manufaktur * 20.5. SALZBURG Rockhouse * 21.5. WIEN Arena * 22.5. GRAZ Orpheum * 24.5. SAARBRÜCKEN Garage * 25.5. DÜSSELDORF ZAKK *

* mit …

www.theamberlight.de

Nneka »No Longer At Ease« (CD // Yo Mama / SonyBMG) Live in Deutschland vom 11.-22.05.; Auf intro.de: Verlosung

Special Edition CD + Bonus DVD inkl. dem Album als Live eingespielte Videoversion!!! In aufwändiger Klappdeckelbox ab 18.4. überall erhältlich! LIVE OCEANSIZE mit COHEED AND CAMBRIA 7.4. KÖLN Live Music Hall 13.4. BERLIN Huxleys 14.4. WIEN Arena 15.4. MÜNCHEN Elserhalle 16.4. STUTTGART LKA Longhorn 17.4. HAMBURG Markthalle 20-22.6. SOUTHSIDE FESTIVAL / HURRICANE FESTIVAL

Meine Fahrzeugpapiere Gültig nur noch im Auenland Erster Hingucker: ein 20 Jahre alter Führerschein des Intro-Herausgebers! Zweiter Hingucker: Dort, wo die Staatsmacht sonst Nachschulungen und Nachtblindheit notiert, steht hier nur »Elijah Wood«. Ein Autogramm, das »Hobbit 1« anstandslos bei der »Playboy Party« im Rahmen des SXSW in das Dokument unseres Chefs leistete, während im Hintergrund Moby und Justice für die VIPs spielten. PS: Falls jemand von der Führerscheinstelle mitliest: Wie viel Prozent des Gesichtes müssen noch mal zu sehen sein, dass ein Führerschein noch gilt?

www.myspace.com/superballmusiclabel


018 Monitor

Im Theater mit Schorsch Kamerun The Young Knives Gestern einen langen Spaziergang durch München gemacht. Ich schaff es nicht, mir abzugewöhnen, ständig Städtebilder zu vergleichen. Ich will immer noch beeindruckt sein, von Urbanität mit ihrem freiwilligen oder notgedrungenen Mix. Das Westend in Hauptbahnhofnähe, so sagen die People, wäre die angesagte Chose zurzeit. Buntikulti, gefüllte Kriegslöcher, Altstadtschönes, Kiez. Verlorene, zarte Zonen mit oft selbst verschuldeter Gentrifizierung. Sofort schwimmt alles weg, der Geist geht auf die gewohnte Reise. Nach Kreuzberg oder nach St. Pauli, durch schüchtern begangene Wege von einst unbekannter Aufregung, zwangsfrei und doch außerhalb jeden Exildrucks. Ich habe langsam genug brennende Mülltonnen gesehen, verstehe aber weiterhin die Attraktivität der Unordnung. »Ich war noch niemals in New York« heißt das derzeit größte ReeperbahnMusical als Ausflugsbusziel. Am »seriöseren« Sprechtheater versuchen die Programmmacher, das sind meist Dramaturgen und Regisseure, ebenfalls dieser Sehnsüchte nach Straßenauthentizität habhaft zu werden, indem sie z. B. als »tough« empfundene Filmstoffe in Projektabende verpacken. Das ist aber denkbar schwierig, weil die Umgebung niemals lügt – außer auf der Bühne. Das funktioniert höchstens als Imagination, wird aber ganz schwierig, wenn man so tut, als ginge es um Gefahr, eine geführte Gefahr frisch von der Probebühne. Mir schien das eine Weile lang die entfernteste Überhöhung, also über Formen wie Märchen, Operette oder Gala ein interessantes Mittel zu sein. Das wird zunehmend falscher. Der Ansatz von Schlingensiefs begehbaren »Animatographen« könnte ein starker sein, er funktioniert aber nur, wenn er belebt ist, und nicht, wie bereits in mehreren Museen gezeigt, wenn er menschenentleert und somit als getöteter Raum ausgestellt wird. Ich selbst werde es in meinen nächsten Stücken mit »Zuständen« statt mit »Aufführungen« versuchen. Wenn das mal gut geht, halte euch laufen. Tuffi Kamerun

WIE HAST DU MICH GENANNT?

W

as sollte man besser nicht von euch wissen? Oliver hat Dire Straits vier Mal live gesehen. Was kochst du, wenn du jemanden beim ersten Date richtig beeindrucken willst? Lachs en croûte! Sieht eindrucksvoll aus, ist aber eigentlich nur Fertigteig, den man um einen Lachs wickelt und dann in den Ofen steckt. Dazu gibt es reichlich Weißwein und starke Wodka-Cocktails. Gefolgt von einem Schokoladen-Dessert aus dem Kühlregal des nächsten Supermarkts. 100 % Garantie, dass man dafür einen Kuss erntet oder auch mehr. Wann musstest du dich das letzte Mal übergeben und warum? Das war Backstage bei einem Gig in Bradford. Wir hatten gerade einen Bus gemietet, den zuvor Bullet For My Valentine benutzt hatten. Aber: Sie hatten darin alle eine schlimme Kotzkrankheit gehabt. Ich war dann der Erste, den es von uns erwischte. Und musste kurz vor dem Konzert Blut spucken. Nach vier Stunden hatte es dann auch der Rest der Crew. Welches Tier würdest du gern mal streicheln? Ein PandaBaby. Süüüüüüüß! Was hast du schon mal gestohlen? Wir stehlen vor allem von Bands aus der Vergangenheit. Wir sagen nur nicht von wem, damit es weiter ein Geheimnis bleibt. Welches popkulturelle Phänomen langweilt dich so richtig? Ich bin ziemlich gelangweilt von »Star Wars«. Dasselbe gilt auch für die Beatles.

Welche Stadt kannst du nicht leiden und warum? New York ist ekelhaft. So eine grobe und großkotzige Stadt. Las Vegas ist wahrscheinlich noch entsetzlicher, da waren wir aber noch nie. London ist übrigens auch scheiße. Auf welchen Schauspieler standest du in deiner Jugend? Ich mochte immer Julie Christie in »Don’t Look Now«. Das war der erste halbwegs sexy Film, den mich meine Eltern schauen ließen. Ich erinnere mich noch, wie mein Vater immer sagte, die Sexszene sei künstlerisch so wertvoll. Für eine Nacht mit welchem Star wärst du bereit, deine Beziehung aufzugeben? So was würde ich nicht tun. Was ist das schlimmste Vorurteil, das du pflegst und immer noch nicht losgeworden bist? Ich mag keine poshen Leute. Wahrscheinlich bin ich nur eifersüchtig, weil ich selbst gerne reiche Eltern gehabt hätte. Was ist dein schlimmstes Laster? Trinkern. Glaube zwar nicht, dass ich Alkoholiker bin, aber wenn wir auf Tour sind und jeden Abend gratis Bier und Wein bekommen, kann ich mich kaum zügeln. Selbst wenn ich nach Hause komme, fällt es mir schwer, einen Abend ohne Drink zu überstehen. Aber immerhin habe ich neulich aufgehört zu rauchen. Welche radikale Position vertrittst du? Das Leben ist keine Pralinenschachtel. Die Fragen stellte Linus Volkmann The Young Knives »Superabundance« (CD // Inkubator / Soulfood) Live in Deutschland vom 25.03.-01.04.

Kunst-Tipp mit JaKönigJa Ebba Durstewitz: »Ich will offen sprechen: Ich habe weder eine Lieblingsgalerie, noch verfüge ich über die Kompetenz, in dieser Beziehung Empfehlungen aussprechen zu können. Ja, auf die Gefahr hin, mich hier um Kopf und Kragen und meine Reputation als Galeristin, die ich ja nun mal bin, zu schreiben, ginge ich unter Umständen sogar so weit zu sagen: Eigentlich mag ich Galerien gar nicht. Von einer kritischen Einstellung gegenüber den Formen und ungeschriebenen Gesetzen der Kunstpräsentation in diesem Metier mal abgesehen, sind Galeriebesuche bei mir in dem Moment selten geworden, als Ende 2006 urplötzlich aus dem Nichts das Galeristendasein auf mich selbst draufgefallen ist. Da galt es sich zu positionieren, und das ging in meinem Fall nur über eine zumindest zeitweilige völlige Ignoranz all dessen, was sonst noch passiert. Nichtsdestotrotz gibt es im großartig-vermaledeiten Kunstbereich ja

bekanntlich die schönsten und quatschigsten Dinge, und wenn sie denn hierzulande in Galerien aufzuspüren sind, dann sehe ich in folgenden eine Chance: Ich glaube, dass Karin Guenther mit ihrer gleichnamigen Galerie in Hamburg einen Spitzenjob macht. Ebenso die Galerie für Landschaftskunst am gleichen Ort. Künstler der Galerien Christian Nagel in Berlin/Köln und Daniel Buchholz in Köln sind mir bisweilen sehr nah. Und die Galerie Adamski in Aachen/ Berlin verehre ich schon deshalb, weil sie sich seit Jahren unbeirrt hinter einen so wunderbaren Künstler wie Alexander Rischer stellt.« JaKönigJa »Die Seilschaft der Verflixten« (CD // Buback / Indigo). Durstewitz Sapre Galerie, Carsten-Rehder-Straße 45, 22767 Hamburg, www.durstewitz-sapre.de Auf intro.de: Verlosung


Alle Produkte und Firmennamen sind Handelsmarken ihrer jeweiligen Eigentümer. Sony Ericsson nutzt diese ausschließlich als Lizenznehmer. © 2008 Sony Ericsson Mobile Communications AB. Alle Rechte vorbehalten. Stand: Januar 2008 – Änderungen und Irrtümer vorbehalten. * Die Anzahl der Songs basiert auf der Annahme, dass die Songs im eAAc+-Format vorliegen, ca. 1 MB pro Song.

www.walkman-handy.de

Das neue Sony Ericsson Walkman® Handy W890i. Inklusive 2 GB Memory Stick Micro™ für bis zu 1.800 Songs*

Musik – nur einen Knopfdruck entfernt.

Das 10 mm schlanke W890i begeistert mit seinem Metalldesign und weich abgerundeten Kanten. Freuen Sie sich außerdem auf ein großartiges Musikerlebnis – Ihre Lieblingssongs sind nur einen Knopfdruck entfernt.


020 Monitor

Gnarls Barkley

Intro vor elf Jahren

CHECKERWISSEN MAL 5

Ausgabe #44: Mai 1997 Titel: Jello Biafra, Dead Kennedys – tritt hier auf für die neueste LARDPlatte Interviews mit: Depeche Mode, Supergrass, Die Krupps, Carter USM, James Erster bei »Platten vor Gericht«: The Notorious B.I.G. »Life After Death« Letzter bei »Platten vor Gericht«: Stalin »Weisser Müll« Aus den Charts: Son Volt »Straightaways«, Depeche Mode »Ultra«, Mutter »Konzerte 1«, Jungle Brothers »Raw Deluxe« Zitat: »Ich habe nichts gegen Pinguine. Dachte immer, das wären so lustige kleine Dinger, mit denen man Fußball spielen kann.« Das lässt Oderus Urungus verlauten, seines Zeichens irgendein Monster der Splatter-Rockband Gwar. Spektakel: Killing Time »The Method«, Ich Schwitze Nie »Träume der Sehnsucht«, Mary J Blige »Share My World«, Surgeon »Basic Tonal Vocabulary«, Belle & Sebastian »If You’re Feeling Sinister« Besondere Vorkommnisse: Ted Herold als Juror bei »Platten vor Gericht«. Michael Fust, der Vater von Redaktionsmaskottchen und Allzweckwaffe Boris, schreibt einen Artikel über einen von Schließung bedrohten Konzertort in Gütersloh. Im Interview mit Biafra erfährt man, dass der »Parental Advisory«-Stikker auf eine Initiative von Tipper Gore (Frau des damaligen Vize-Präsidenten Al Gore) und Hillary Clinton zurückgeht.

W

as macht das Schlafzimmerprojekt von Danger Mouse und Cee-Loo, Gnarls Barkley, nach der genialisch hingeschluderten Single »Crazy« und dem damit und dem folgenden Album »St. Elsewhere« eingefahrenen Weltruhm? Das nächste Album aufnehmen, klar. Bloß mit der Promo haut es aus familiären Gründen leider nicht hin. Dafür wurde die Platte von heute auf morgen in die (virtuellen) Läden geschleust – einer undichten Stelle sei Dank. Aber wir wären keine pfiffigen Kerle, wenn wir nicht auch so fünf Gesprächsbausteine über das neue Gnarls-Barkley-Album »The Odd Couple« zusammenrecherchiert bekämen, mit denen ihr auf jeder Party die Nerdfraktion in Grund und Boden klugscheißern könnt. Heiko Behr sei Dank. 1. Das Ding hat mit »Run« höchstens eine Single. Die funktioniert dafür aber erstklassig.

2. Questlove, das Drummertier mit dem Afro von den Roots, hat den Song »Who’s Gonna Save My Soul« mir nix, dir nix illegal bei YouTube hochgeladen. Als Erster weltweit. Ob er dafür wohl verklagt wird? 3. Cee-Lo, dieser soulful Crooner, war früher bei Goodie Mob. Die sind jetzt wiedervereint! War ja klar! 4. Cee-Los Mutter wurde bei einem Unfall schwer verletzt. Das stürzte ihn in Depressionen, die er auf »St. Elsewhere« aufarbeitete. Das muss man wissen, um den Mann verstehen zu können! 5. Endlich ein Diamant unnützen Wissens, der jede Diskussion zu einem schweigenden Endpunkt bringen dürfte: Danger Mouse wurde mit 18 von Jeff Mangum protegiert, bevor der selbst mit Neutral Milk Hotel ein Indiemeisterwerk einspielte und dann auf Nimmerwiedersehen untertauchte. Eat this, Bescheidwisser! Gnarls Barkley »The Odd Couple« (CD // Warner)

tindersticks the hungry saw

„...the sound of a band not only returning to form, but stamping their status as musical royalty with their finest album to date.“

www.theraconteurs.com

www.beggarsgroup.de

www.beggarsgroup.de


Ab 21.Mai 2008 am Kiosk.

GRÜSSE AUS SÚÐAVÍK VON MUGISON In den isländischen Westfjorden findet seit fünf Jahren das Festival »Aldrei Fór Ég Suður« statt. Veranstaltet wird es von Mugison, dem wohl bekanntesten Musiker der Region. In Island ist er mit seinen eigensinnigen Rocksongs bereits ein Star, aktuell tourt er mit QOTSA durch Kanada und schickt sich an, danach auch Resteuropa zu erobern. Sein neues Album »Mugiboogie« bringt Mugison nun, nach Veröffentlichungen auf Ipecac und Accidental, in Eigenregie heraus – mithilfe der gesamten 180 Köpfe zählenden Dorfgemeinschaft seines Heimatortes Súðavík, die ihn beim Eintüten der aufwendig gestalteten CDs unterstützt. Was findest du richtig klasse an Súðavík? In Súðavík ist alles um die Ecke. Ich habe zwei Kinder, und von meinem Haus und Studio sind es bloß 200 Meter, die beiden in den Kindergarten zu bringen. Meine Frau ist in Súðavík aufgewachsen und war hier, als vor 13 Jahren diese Katastrophe passierte: Eine Lawine zerstörte zahlreiche Häuser, 14 Menschen starben. Aber die Leute sind auch danach hier geblieben. Der Spirit ist wirklich einzigartig. Und es gibt viele starke und spezielle Charaktere. Das ist gut für mich als Künstler, daraus ergeben sich ständig Ideen. Und ich bin gar nicht der weirdste Typ im Dorf, das beruhigt mich. Was findest du ziemlich mies? Das Wetter vielleicht? Nein, ich liebe alles an Súðavík. Letzten Winter hatten wir schreckliches Wetter. Es gab immer wieder Schnee bis hoch zur Dachkante, eine Lawine hat die Straße zum Dorf einmal vier Tage lang versperrt. Dann gibt es keine Milch für den Kaffee mehr, keinen Käse und auch sonst nichts Frisches, sondern nur Dosenfutter. Aber ich liebe das. Ich habe ein riesiges Fenster in meinem Studio, und es fühlt sich super an, einfach hinauszuschauen. Das ist, als wäre man mit seinem Labor mitten in einem Vulkan. Sehr gut, um Ideen zu bekommen. Je schlechter es wird, desto besser für mich. Hast du eine persönliche No-Go-Area? Nicht wirklich. Island ist ein großes Land. Natürlich gibt es Gegenden, wo man nicht hingehen sollte, zumindest nicht allein. Jeden Sommer sterben einige Touristen hier, weil sie nicht gewarnt waren und einfach irgendwohin gelaufen sind. Die stecken dann in den Bergen fest oder brechen sich ein Bein, und niemand weiß, wo sie sind. Was ist der beste Club oder das netteste Restaurant? In Ísafjörður, dem größeren Nachbarort, gibt es einige Bars. Das Tjöruhusid ist für mich der beste Laden. Im Sommer wird das zu einem sehr netten Fischrestaurant, manchmal gibt es auch Live-Musik. Frischer Fisch ist die tollste Droge, die man sich vorstellen kann. Was ist die beste Shopping-Gegend? In Súðavík gibt es nur ein einziges Geschäft. Da werden Kleider und Lebensmittel verkauft, zugleich ist es auch ein Café. Dort gibt es im Grunde alles, was wir brauchen. Das Interview führte Arno Raffeiner Mugison »Mugiboogie« (CD // Cargo)

»Wirklich schlimm ist es, in einem kleinen Raum mit drei verdrogten Irren eingesperrt zu sein, die sich langsam über deine Familie hermachen.« Solche und andere schreckliche Wahrheiten erfährt man von Günter Merlau, dem Master Of Ceremonys des Hörspiellabels Lausch. In dem Interview geht es um die neue Sci-Fi-Terror-Reihe »Punktown« (Lausch / Al!ve). Nachzulesen exklusiv auf intro.de

Der neue Festivalguide plus DVD Mit 36 exklusiven Live-Clips von: Fettes Brot, The Notwist, Wir Sind Helden, Die Fantastischen Vier, Kettcar, Superpunk, Slut, Klee, Wombats, The Futureheads, Stereo MC’s, Digitalism, Justice, Kate Nash, Deus, Get Well Soon, Franz Ferdinand, Operator Please, Madsen, Patrice, MGMT, Hot Chip, Editors, Blackmail, The Gossip, The Notwist u. v. m. Und Interviews mit: Black Francis, Justice, Him, Mando Diao, Madsen, Hot Chip, Moneybrother, Panic At The Disco, Jimmy Eat World, The Kills, We Are Scientists und The Hives

Moderiert von Markus Kavka und Silbermond. Laufzeit: 240 Minuten.

mer beginnt im Der Somm w.festivalguide.de Netz: ww w


022 Musik The Notwist

KONTINUITÄT UND WANDEL

The Notwist haben es wieder einmal getan: eine Platte aufgenommen. Und das ist nichts, was mal so locker aus dem Ärmel geschüttelt wird, wie Martin Büsser von ihnen erfahren durfte. Ganze sechs Jahre sind seit der Veröffentlichung von »Neon Golden« vergangen. Eine neue Platte, das bedeutet bei The Notwist ganz konservativ: ein Werk schaffen, einen Punkt in der Geschichte markieren, eine Zäsur setzen. Fotos: Sibylle Fendt.


Musik

J

örg Albrechts Dokumentarfilm »On/Off The Record« über die Entstehung von »Neon Golden« hat bereits deutlich gemacht, mit wie viel Akribie The Notwist im Studio vorgehen. Man fühlte sich fast an Jean-Luc Godards Klassiker »Sympathy For The Devil« (1968) über die Entstehung des gleichnamigen Stones-Songs erinnert. Beide Filme vermitteln das Gefühl, dass hier Geschichte geschrieben wird. Aber ist es 2008 noch zeitgemäß, sich über die Entstehung von Schallplatten (!) so zu unterhalten, als ob danach die Uhren neu gestellt werden müssen? Ist Musik nicht zum Wegwerfprodukt geworden, heute veröffentlicht, am selben Nachmittag gefeiert und am nächsten Tag vergessen? Schon nach wenigen Gesprächsminuten im Kölner Hotel Chelsea, dem Martin-Kippenberger-Hotel mit dem seltsamen vom Künstler entworfenen Dachaufsatz, der aussieht, als ob dort ein UFO gelandet wäre, steht fest: Hier haben sich ein paar Fossile getroffen. Menschen, die noch an den Wert und die Bedeutung von Tonträgern glauben. Band und Interviewer schwelgen in Erinnerungen. Der Interviewer insbesondere, weil er kurz vor dem Interview eine alte Ausgabe des Zap-Fanzines ausgegraben hat, Oktober 1991. Damals waren wir uns schon einmal begegnet. Es war die erste größere Deutschlandtour von The Notwist, die sie durch meist leere Jugendzentren führte. Viel hat sich seitdem geändert. Heute sind The Notwist zumindest international das, was man Stars nennt. Aber vieles ist auch gleich geblieben. Obwohl die Band längst aufwendig-akribische Arbeit im Studio leistet und nichts dem Zufall überlässt, sind künstlerische Selbstbestimmung und Do-It-Yourself noch immer zentrale Bezugspunkte im Denken der Acher-Brüder. Punk also. Die Szene, aus der The Notwist kommen. Und genau an diesem Punkt wird klar, dass Punk und künstlerisches Werkbewusstsein keinen Widerspruch darstellen müssen. Im Gegenteil: Es sind gerade die Punks bzw. Ex-Punks, die daran festhalten, dass der Tonträger einen ästhetischen und historischen Wert darstellt. Das haben The Notwist mit Steve Albini und Shellac gemeinsam. Gegen die Trash-Mentalität der iPod-Kids vertreten sie die vermeintlich veraltete Vorstellung, dass Musik ein Kulturgut ist. Vielleicht ist es das, was Thomas Venker im Sinn hatte, als er mir mit auf den Weg gab, das Interview in Richtung Jazz zu lenken, also darauf abzuzielen, dass The Notwist eigentlich wie eine altehrwürdige Jazzband behandelt werden müssten. Eine Band, die ganz in der Musik aufgeht, ohne Rücksicht auf Studiokosten, ohne Anbiederung an Markt und Publikum. Aber das stimmt ja auch nicht ganz. Schließlich ist »The Devil, You + Me« ein geradezu eingängiges Album geworden, voller einschmiegsamer Melodien und ohne ausufernde Improvisationen. War es euch wichtig, dass »The Devil, You + Me« gut durchläuft? Es gibt zwar wieder sehr viele Tücken im Detail, aber oberflächlich betrachtet sind die Stücke sehr catchy. Martin Gretschmann: Wir bauen ja keine Elemente ein, um zu zeigen, was wir alles kennen und können. Am Ende geht es nur um das, was dem Stück dienlich ist. Dazu hilft die lange Entstehungszeit einer Platte. Denn dadurch gibt es auch Pausen, wir reflektieren sehr viel, hören die Stücke immer wieder an und werfen all das raus, was vom eigentlichen Kern ablenkt. Trotzdem soll man beim genaueren Hinhören immer wieder neue Details entde-

cken. Die sind aber nicht wichtig, um das Stück zu erfassen, sie sind sozusagen der Bonus. Markus Acher: Die Herangehensweise war trotzdem schneller als bei »Neon Golden«. Für »Neon Golden« haben wir in einem klassischen Studio mit Aufnahme- und Regieraum gearbeitet. Diesmal haben wir den Proberaum zum Studio umfunktioniert, also einen großen Raum, in dem all unsere Instrumente standen. Dadurch haben alle in einem Raum aufgenommen, sodass jeder schnell reagieren konnte. Jeder hat alles gleich gehört, musste nicht mikrofonieren. Es war also so, als ob man direkt im Proberaum aufnimmt. Trotzdem hat jeder die Sachen mit nach Hause genommen und dort noch einmal bearbeitet. Wir haben also schneller, organischer gearbeitet und trotzdem nichts dem Zufall überlassen. The Notwist erinnern mich vom Prinzip her an Sonic Youth: Es gibt eine Stammband, in der nur ganz bestimmte Dinge zugelassen sind, der Rest wird in Nebenprojekte und andere Bands ausgelagert. Kann man das miteinander vergleichen? Micha Acher: Teilweise eignen sich bestimmte kompositorische Sachen einfach nicht für Notwist. Die passen dann eher zu Tied & Tickled Trio oder Ms. John Soda. Wenn wir an einem Notwist-Album arbeiten, fallen immer sehr viele Stücke für unsere anderen Bands ab, weil wir sehr lange rumprobieren, Sachen wieder verwerfen und merken, dass sie in einem anderen Projekt besser aufgehoben wären. Markus: Wir haben ja eine genaue Vorstellung von dem, was Notwist sein soll. Es ist eine sehr songorientierte Band, die klar strukturierte Stücke schreibt. Weil es bei Notwist also nicht sehr viel Platz gibt, werden ausufernde Stücke und Improvisationen ausgelagert. Wir mögen es ja zu experimentieren, aber vieles, was dabei entsteht, passt einfach nicht zu The Notwist. Die Idee hinter Notwist ist ja, Musik auf Singer/Songwriter-Basis zu machen. Lediglich unter den Songs passiert sehr viel, aber das auf Stücken, die auf drei bis fünf Minuten begrenzt sind. Imitate the real The Notwist haben zwei Jahrzehnte Musikgeschichte wie kaum eine andere Band in ihrer Musik reflektiert und damit mitgeschrieben. Trotz klarem Notwist-Sound sind sie stets wandelbar geblieben und damit jeweils auf der Höhe ihrer Zeit. Begonnen als Post-Punk-Band mit hörbarem SST-Einfluss, waren The Notwist eine der wenigen deutschen Bands, die in den Neunzigern auf internationalem Niveau an das andockten, was seinerzeit PostRock genannt wurde, der von Jazz beeinflusste ChicagoSound von Bands wie Tortoise, Sea And Cake und Gastr Del Sol. Aber dabei sollte es nicht bleiben. »Neon Golden« schaffte locker den Anschluss an die großen romantischen Prog-Pop-Entwürfe von Bands wie Radiohead oder Sigur Rós. Mit 13&God folgte schließlich eine Kollaboration mit Anticon, einem der angesagtesten Label-Kollektive der 2000er. Nein, Notwist gehen nicht einfach mit Moden, verkaufen ihre Seele nicht an Hypes, sondern lassen stilsicher musikalische Veränderungen in ihren eigenen Sound einfließen. Ihr seid ja immer auf der Suche nach interessanter neuer Musik und an Kollaborationen mit anderen Musikern. Wie funktioniert so etwas? Wie kam zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Anticon zustande?

023

Martin Kippenberger (1953-97) Der Punk unter den Malerfürsten wohnte ab 1986 regelmäßig im Kölner Hotel Chelsea und zahlte sein Zimmer in Gemälden ab. Weitere Künstler folgten seinem Beispiel, darunter Markus Oehlen und Günther Förg, und statteten das Hotel mit Originalen aus.

SST Records Das stilbildende Label der 1980er schlechthin, 1978 von Greg Ginn für seine Band Black Flag gegründet. Nahezu alle relevanten Underground-Bands dieser Ära veröffentlichten auf dem kalifornischen Label, das sich von Post-Punk immer stärker in Richtung Jazz und Abstract Rock entwickelte. Label-Highlights waren Hüsker Dü, Minutemen, Bad Brains, Meat Puppets, Elliott Sharp, Dinosaur Jr und The Descendents.

Alles Gute kommt aus Weilheim? Jetzt diskutieren unter www.intro.de/forum


024 Musik

≥ Markus: Wir waren ganz einfach Fans. Und dann bin ich halt bei einem Konzert in München auf diese Leute zugegangen. Dabei kam raus, dass die auch Fans von uns waren. Die hatten Notwist ständig im Tourbus gehört. Ich war natürlich begeistert, dass die uns überhaupt kennen. Ich dachte, das wäre so eine klassische HipHop-Crew, die nichts anderes kennt und wahrnimmt. Als internationale Band beeinflusst ihr inzwischen auch andere Künstler. Mike Mogis von Bright Eyes hat mir zum Beispiel im Interview erzählt, dass »Neon Golden« einen wichtigen Einfluss auf seine Arbeit als Produzent gehabt habe. Markus: Ja, in den USA gibt es viele Leute, für die »Neon Golden« einen wichtigen Bezugspunkt darstellt. Das ehrt uns natürlich extrem. Aber wir hören viel weniger als andere Leute, wen wir mit unserer Musik beeinflusst haben. Wir gehen ja auch nicht von diesem kreativen Schöpfermythos aus, im Gegenteil, wir klauen ja selbst! Es gibt diesen genialen Titel einer Platte von Van Pelt, »Stealing From Our Favorite Thieves«, dieses Prinzip trifft voll auf uns zu. Man puzzelt mit jeder Platte neue Cut-ups zusammen. Letztlich wissen wir also viel besser, von wem wir klauen, und weniger, wer von uns klaut. Das führt mich zu einer großartigen Zeile auf eurem neuen Album: »Let’s just imitate the real until we find a better one.« Hat dies etwas mit der Idee zu tun, dass es das »Echte«, das Original, gar nicht mehr gibt? Markus: Es hat etwas zu tun mit der Wahrnehmung von Wirklichkeit: Was ist von dem, was uns umgibt, noch real? Wenn man überlegt, worin die Wirklichkeit vieler Jugendlicher besteht, was sie erleben und wie sie es erleben, ist das für mich erschreckend und faszinierend zugleich. Also ein Leben im Internet mit Leuten, von denen man gar nicht weiß, ob sie überhaupt so heißen, wie sie sich nennen. Wirklichkeit wird da immer wieder gebrochen, nur noch vorgegeben. Das hat natürlich sehr viel mit dem zu tun, was gerade auch in der Musikindustrie vor sich geht. Dieser ganze Fake, Sounds, die Plattenknistern imitie- ≥

The Notwist & ZAP

ERSTE WORTE So seltsam wurde einmal geredet ... Ausschnitte aus einem der ersten Notwist-Interviews (Zap-Fanzine, Oktober 1991, alte Rechtschreibung): Markus: Also, eine gewisse Grundhaltung ist ja bei jedem in der Szene – bis auf wenige Ausnahmen – sowieso vorhanden. Die muß man ja wohl nicht ständig wieder beteuern. Warum sollte man da einen Kleinkrieg wegen irgendwelchen Wortklaubereien anfangen? Also, sich 24 Stunden in einem autonomen Zentrum über »Er/Sie«-Schreibweisen zu unterhalten und so einen Kack finde ich ziemlich überflüssig. Da passiert viel Mist zur Zeit. [...] ZAP: Ihr haltet also Dinge wie Feminismus, Toleranz und all dies für selbstverständlich, so daß man nicht mehr andauernd große Worte darüber verlieren muß? Markus: Ja, schon. Ich meine, wir spielen hauptsächlich in autonomen Jugendzentren und besetzten Häusern. Dadurch weiß doch automatisch jeder, was für eine politische Haltung wir haben.

ZAP: Ist es leicht für euch, Auftritte zu bekommen? Micha: Nein, absolut nicht. Wenn man als deutsche Band auf sich alleine gestellt versucht, Konzerte auszumachen, und Clubs anruft, kommen meistens so Sätze: »Bei uns spielen zur Zeit nur Ami-Bands.« Und das meistens in irgendeinem entsetzlichen Dialekt. ZAP: Nervt es euch, wenn Punks, wie das heute war, während dem Konzert auf die Bühne kommen, ins Mikro grölen und mit euch quasseln wollen? Martin: Ach nee, dadurch ist wenigstens was los. Ich finde das lustig. Der eine hat gemeint: »Könnt ihr nichts Deutsches spielen, Deutsch-Punk zum Pogen?« Markus: Das mit den Punks kommt wirklich bei jedem dritten Konzert. Irgendwelche Leute, die da rufen: »Schneller, lauter, härter.« Das nervt mich schon. Micha: Die ruhigen Stellen halten die meisten immer für Stimmpausen.


Musik

≥ ren, oder Platten, die wie eine Band klingen, ohne dass ein einziger Ton von einer Band gespielt wurde. Ihr seid Vertreter eines alten Werkbewusstseins. Deshalb muss ich euch die Frage stellen: Hat die viel beschworene Krise der Musikindustrie auch eine Band wie The Notwist erreicht? Markus: Das wird sich jetzt erst herausstellen. Seit ein paar Tagen findet sich die neue Platte im Netz, irgendein Journalist hat sie reingestellt. Jetzt stellt sich die Frage: Ziehen sich Leute, die Notwist hören und mögen, das aus dem Netz? Wir haben uns im Vorfeld lange darüber Gedanken gemacht, wie wir auf so etwas reagieren, also, ob wir die Journalisten überhaupt noch mit CDs bemustern sollen. Und wir haben uns entschieden, es wie bisher zu machen, auch auf die Gefahr hin, dass wir viel verlieren. Wir reagieren auf so etwas mit Trotz: Die CD und die LP sollen sehr schön werden, die CD wird als Buch gestaltet sein ... Wir wollen dieser Wegwerf-Mentalität etwas entgegensetzen. Wir hoffen einfach, dass das NotwistPublikum in eine Altersgruppe fällt, die sich nicht über Downloads bedient. Aber natürlich stellt sich die Frage, ob die Leute Musik noch so wahrnehmen wie wir selbst. Wir denken ja noch in Kategorien wie B-Seiten, total anachronistisch. Möglicherweise nehmen viele Leute die Platte überhaupt nicht mehr als Ganzes wahr. Musik wird immer mehr daraufhin konzipiert, schnell in Umlauf zu kommen und schnell wieder zu verschwinden. Musik steht im Netz, die Leute kommentieren das sofort in Blogs, und dann ist es weg. Für uns ist es hingegen eine bewusste Entscheidung, lange an einer Platte zu arbeiten, einen Spannungsbogen zu entwickeln ... Aber vielleicht gehen wir damit auch völlig baden. Das Internet hat sicher zu solchen Tendenzen geführt, aber kann es nicht auch helfen, neue Szenen und Netzwerke überhaupt erst wieder entstehen zu lassen? Markus: Na klar. Das Gute am Netz ist ja, dass es die Nischen aufmacht und in der ganzen Welt entdeckbar macht. Ohne Wire lesen zu müssen, kommt man an die obskursten Sachen. Ich habe zum Beispiel ein seltsames Musikkassetten-Label aus den USA im Netz entdeckt, eines dieser schrägen Folk-Labels, die jede einzelne Kassette individuell bemalen. Ich habe dort also bestellt und bekam prompt ein paar bemalte Kassetten geschickt, die du sonst wirklich nirgendwo bekommst, die in keiner Zeitschrift der Welt besprochen werden. Das ist die Chance des Internet, vergleichbar mit dem kleinen Plattenladen früher, wo du im Hinterraum in einer Kiste entlegene Schätze entdeckt hast. Du darfst allerdings nicht bei Amazon oder iTunes hängen bleiben. Vor einigen Jahren habt ihr ein Angebot von Vodafon abgelehnt, die einen Notwist-Song als Werbeclip verwenden wollten. Und dies, obwohl es sich um ein lukratives Angebot gehandelt hatte. Sind DIY und künstlerische Selbstbestimmung für euch also auch in finanziell prekären Zeiten unerlässlich? Markus: Seit Tonträger nicht mehr laufen, wird ja immer mehr nach anderen Finanzierungsmodellen für Musik gesucht, große Konzerne drängen überall rein und werfen mit horrenden Summen um sich, um Künstler zu finanzieren und deren Image für sich zu gebrauchen. Man muss immer wieder kritisch darauf aufmerksam machen, dass inzwischen immer mehr über komische WettbewerbsKampagnen von Jägermeister und Red Bull geht, bei denen Musik zur völligen Nebensache wird. So etwas wird gar nicht mehr hinterfragt oder verhandelt. Ganze Sei-

025

The Notwist & Jazz

NERDGEREDE

The Van Pelt In den 1990ern stilbildende Band, aus den Trümmern der New Yorker HardcoreSzene (u. a. Rorschach) hervorgegangen, benannt nach den Peanuts-Figuren Linus und Lucy Van Pelt. Ihr von Bands wie Fugazi beeinflusster Stil ist immer wieder als »Emo« klassifiziert worden ..., aber das wird der Band nicht wirklich gerecht.

Hört ihr immer noch Jazz? Und falls ja, gibt es in diesem Bereich interessante Neuentdeckungen? Micha: Na ja, im Jazz ist ganz klar so gut wie alles dicht, die Szene wird fast komplett von den alten, großen Namen bestimmt, es kommt nur noch selten Neues hinzu. Umso begeisterter bin ich von Daniel Glatzel und dem Andromeda Mega Express Orchestra, mit denen wir zusammen gearbeitet haben. Die verbinden zeitgenössische Klassik, Jazz und Filmmusik auf eine absolut faszinierende Weise. Markus: Richtig, es handelt sich bei ihnen endlich mal wieder um Musik aus dem Jazz-Bereich, die nicht aller anderer zeitgemäßer Musik hinterherhinkt. Also nicht dieses peinliche »Wir machen mal einen Drum’n’Bass-Rhythmus«, was dann meistens schiefgeht. Sondern deren Klangästhetik ist nahe dran an Musik auf der Höhe unserer Zeit, also zum Beispiel an dem, was Efterklang machen, eine Band, die wir momentan favorisieren. Es ist ein Jammer, dass das Andromeda Mega Express Orchestra noch keine Platte auf dem Markt hat. Aber man kann sich bei MySpace ein paar Stücke von ihnen anhören. Markus: Ich habe zuletzt eine CD von Roscoe Mitchell gehört, wo er ein Solokonzert spielt, doch das Publikum ist unruhig, will ihn nicht hören. Da stellt er sich hin und spielt eine Phrase immer wieder, permanent dasselbe. Unglaublich konsequent! Im Interview sagte er, er hätte sich in dem Moment entschieden, so lange dasselbe zu spielen, bis die Leute wieder ruhig sind. Ich weiß, das ist jetzt NerdGerede, aber so etwas gefällt mir!

ten in Magazinen sehen aus wie der redaktionelle Teil, aber im Kleingedruckten siehst du, dass es sich um Anzeigen handelt. Für uns hat sich die Frage nach der Selbstbestimmung allerdings nie wirklich gestellt, wir gehen ins Studio und nehmen die Stücke so auf, wie wir uns das vorstellen. Wir haben schon Verträge abgelehnt, die das schwieriger gemacht hätten. Es ist eine Sache des ständigen Hinterfragens. Wenn jetzt immer weniger Leute unsere Platte kaufen sollten, dann enden wir vielleicht wieder als Band, die Platten in 500er-Auflage mit Siebdruck-Cover rausbringt und für 30 Euro das Stück an Liebhaber verkauft. Wer weiß ... Intro empfiehlt die Tour vom 28.04.–16.05. The Notwist spielen beim Immergut Festival, Melt!, Hurricane und Southside Intro empfiehlt

The Notwist The Devil, You & Me CD // City Slang / VÖ 09.05.


026 Musik

Vom FuĂ&#x;boden wird nachher gegessen


Musik

027

Death Cab For Cutie

ACT NICE AND GEN TLE

Der Geist von Ami-Punkrock in anderer Gestalt – ohne Punk und mit wenig Rock, dafür aber auch mit Schmusefaktor und Interesse am musikalischen Experiment. Auf dem neuen Album »Narrow Stairs« vertonten Death Cab For Cutie aus Seattle alles, was zwischen Tod und Süße Platz findet. Mario Lasar berichtet. Interview: Anja Tachler. Fotos: Brendan Austin.

D

eath Cab For Cutie (DCFC) stehen in dem Ruf, lieben, konsensfähigen Indie-Pop-Rock zu machen (der, zumindest in den USA, ein Millionenpublikum findet). Ihre Musik, so sagt man, lade dazu ein, mit der/dem FreundIn händchenhaltend vor der Bühne des Immergut-Festivals zu stehen, das hier als Platzhalter für Nabelschau-Romantik herhalten soll. Und obwohl sich das neue Album partiell an spröderen Klängen ausrichtet, hält die Musik grundsätzlich ihre umarmende Qualität aufrecht. Dazu tragen auch die zumeist aus einem melancholischen Habitus heraus geschilderten Texte bei, die häufig Beziehungsprobleme behandeln. Aber unter Umständen ist es ja auch viel ehrlicher, über Themen zu singen, die die Privatsphäre betreffen, als über die großen gesellschaftlichen Zusammenhänge, zumal sich beide sowieso ineinander spiegeln. Im Fall von DCFC wird die Tendenz zur Befindlichkeit außerdem dadurch gefiltert, dass diese sich an einer grundsätzlichen, diffus »amerikanisch« anmutenden Leichtigkeit reibt, die in meiner Wahrnehmung eine Art Fernweh befriedigt. Dazu passt, dass die Band des Öfteren mit Songs in »O.C., California« vertreten ist, einer Serie, die, betrachtet durch die Augen eines Durchschnittseuropäers, eine totale Parallelwelt und Gegenwirklichkeit etabliert. Daran ist nichts verwerflich. Jede Musik wurde immer auch zu eskapistischen Zwecken genutzt. So trägt das letzte DCFC-Album, das großartige »Plans« aus dem Jahr 2005, Züge eines weichgezeichneten Schlafzimmer-Souls

für verklemmte Charaktere wie dich und mich. Scherte sich dieses Album keinen Deut darum, mit seiner smoothen Ästhetik wie die im Indie-Pop verwurzelte Variante von 70er-Jahre-Softpop (Fleetwood Mac und so) daherzukommen, so gibt sich »Narrow Stairs«, das neue, wiederum von Gitarrist Chris Walla produzierte Werk, viel Mühe, einen weniger glatten Charme zu verbreiten. Während sich das Vorgängeralbum durch ein kompaktes, homogenisiertes Klangbild auszeichnete, zu dem man sich wohlfühlen und ausufernde Sonntagmorgenfrühstücke zelebrieren konnte, offenbart die neue Platte eine skelettierte, höhenlastige Version des Death-Cab-Sounds, die teilweise mit der Leichtigkeit bricht. »Wir haben dieses Mal versucht, die Grenzen dessen zu erweitern, was die Leute von uns erwarten«, begründet Sänger und Hauptsongwriter Benjamin Gibbard die Neuorientierung. Eine neue Perspektive Doch auch mit »Narrow Stairs« bleiben DCFC stets als sie selbst identifizierbar, zumal Songs wie »Grapevine Fires« oder »The Ice Is Getting Thinner« sowohl vom Songwriting als auch in Bezug auf soundästhetische Details nicht so weit von dem entfernt sind, was man von der Band angesichts ihres Backkatalogs kennt und erwartet. Oder wie Schlagzeuger Jason McGerr es ausdrückt: »Es ist natürlich nicht so, dass wir uns, bevor wir ins Studio gehen, fremdes Vokabular antrainieren. Egal, was man macht, man wird immer irgendwie wie man selbst klingen.« Dennoch ist ≥

Death Cab For Cutie Songtitel der britischen Anarcho-ComedyBand Bonzo Dog Band, die in den späten 60ern mit einer Mischung aus Psychedelia und Kabarett ihr Unwesen trieb. Wird in England gern als Antwort auf The Mothers Of Invention gesehen. Songwriter Neil Innes hat später mit Monty Python zusammen gearbeitet.

Narrow Stairs Benjamin Gibbard: Wir mochten den Titel, weil er eine Konnotation von Bewegung hat, bei der aber nicht klar ist, ob sie abwärts oder aufwärts verläuft. Außerdem ist der Platz begrenzt. Die Phrase wirft die Frage auf, ob es genug Platz für zwei Personen gibt. Muss eine Person der anderen ausweichen? Dann wird bereits eine Hierarchie hergestellt.


028 Musik

Joe Meek Egomanischer, selbst ernannter Produzent und Klangtüftler, dessen Experimente mit Halleffekten und Overdubs in den frühen 60ern visionär waren. Sound wird bei Meek zu einem fetischisierten, eigenständigen Paradigma, das Priorität über den Interpreten oder Song erringt. Edwyn Collins ist Mitglied der Joe Meek Appreciation Society, Wreckless Eric schrieb einen rührenden Tribute-Song. Meek schoss sich am 03.02.1967, dem neunten Todestag von Buddy Holly (!), eine Kugel in den Kopf.

≥ es ganz schön schockierend, wenn in das von Gitarrenpling und elektronischem Flirren eingeleitete erste Stück »Bixby Canyon Bridge« plötzlich Heavy-Gitarrenriffs einbrechen. Und das ist erst der Anfang. Jason McGerr erklärt den Forscherdrang damit, »eine neue Perspektive auf unsere Musik finden zu wollen. Die dreijährige Pause zwischen ›Plans‹ und ›Narrow Stairs‹ erlaubte es uns, einen anderen Ansatz auszuprobieren. In musikalischer Hinsicht liegt der Unterschied darin, dass dies eine Platte ist, die mehr auf einer Band-Performance basiert. Es ging uns darum, als kohärente Einheit wahrgenommen zu werden, statt wie auf ›Plans‹ kleine Details zusammenzufügen. Aus diesem Versuchsaufbau resultiert eine viel organischere, live eingespielt klingende Platte. Es hört sich an wie eine Band, die zusammen in einem Raum Musik macht, und so sollte es sein.« Symptomatisch in dieser Hinsicht: die gewagt scheinende erste Singleauskopplung »I Will Possess Your Heart«; ein Song, der mit seiner mäandernden, offenen Struktur mehr an »Neuschnee« (Songtitel) thematisierende Krautrockbands wie Neu! statt an die Sonne und Palmen aus »O.C., California« erinnert. Besondere Faszination übt ein verstörtes, irrlichterndes Klavier aus, das in keinem Moment seinen Platz innerhalb des Arrangements zu finden scheint, sondern eher einzelgängerische Akzente setzt. Dazu passt, dass der Text aus der Perspektive eines paranoid-pathologisch Verliebten gesungen wird, der das Objekt seiner Begierde dazu zwingen will, Zeit mit ihm zu verbringen, dann würde sie schon sehen, dass er der Richtige sei – was natürlich nicht geht, denn »I Can’t Make You Love Me«, wie schon Bonnie Raitt bzw. George Michael wussten. Hier vollzieht sich ein Bruch mit den identifikationsstiftenden milden Positionen der übrigen Texte. Ein weiteres ungewöhnliches Stück ist »You Can Do Better Than Me«, das wie eine Phil-Spector-Produktion klingt, bei der das Orchester streikt. Stattdessen steht eine leicht verhallte Orgel im Vordergrund, die dem Song eine jenseitige Stimmung verleiht. Die Instrumentierung klingt extrem zurückgenommen, fast vorsichtig. Obwohl es viel aufgedonnerter ist, denkt man an John Leytons spukiges

»Johnny Remember Me«, eine Joe-Meek-Produktion aus den frühen 60ern, in deren Text die Stimme der bei einem Unfall tödlich verunglückten Freundin des lyrischen Ichs in dessen Kopf unaufhörlich widerhallt. Diese Beispiele, die anzeigen, dass Death Cab For Cutie auf »Narrow Stairs« die Pfade des althergebrachten IndiePop verlassen, kommentiert Jason McGerr mit dem Satz: »Vielleicht haben wir uns diesmal mehr getraut, weil wir uns wohler fühlten.« Dazu beigetragen hat der Umstand, dass die Plattenfirma die Band im Studio unbehelligt arbeiten ließ. »Außer am letzten Tag hat sich niemand von Atlantic blicken lassen«, so Benjamin Gibbard. »Wir haben zwar mit dem neuen Album nicht das Rad neu erfunden – es ist keine atonale Psych-Rock-Platte geworden –, aber wir sehen es schon als Veränderung und wissen es zu schätzen, dass unsere Firma uns den Rücken stärkt.« Dabei legt man Wert auf die Feststellung, dass das SongMaterial und dessen Präsentation sich an keinem Punkt in der Bandgeschichte nach den Vorstellungen der Plattenfirma gerichtet habe. »Für mich bedeuten Plattenverkäufe in Relation zu dem Erfolg, den wir als Band genießen, wenig. Ich werde jedenfalls die Verkäufe des neuen Albums nicht als Gradmesser für Erfolg oder Versagen der Band werten«, so Benjamin Gibbard. »Dies ist unsere sechste Platte, und für jede Band ist es das Wichtigste, weiterhin Platten zu machen«, führt der Sänger weiter aus. »Man muss sich dessen bewusst werden, worin man gut ist. Dabei sollten aber auch die Grenzen anerkannt werden. Bei allen Bands gibt es Phasen, wo sie auf sicher gespielt oder, das andere Extrem, sich zu weit aus dem Fenster gelehnt haben. Im günstigsten Fall heben sich diese Extreme zugunsten einer Balance auf. Ich habe wahrscheinlich zu wenig Abstand, um beurteilen zu können, wo in dieser Gleichung ›Narrow Stairs‹ steht, aber ich sehe ›Plans‹ vergleichsweise als das weitaus sicherere Album.« Dieser Konklusion kann man durchaus zustimmen, nur sollte man nicht den Fehler begehen, »Plans« deswegen geringer zu schätzen als das neue Album. Es handelt sich einfach um zwei unterschiedliche Ansätze, eine Platte zu

DCFC – Wahlprognose

CLINTON VS. OBAMA Benjamin Gibbard: Ich glaube, wir sind alle Obama-Fans, und obwohl es gerade gut aussieht, habe ich das furchtbare Gefühl, dass die Clintons auf dem Nominierungsparteitag im August die Stimmen stehlen werden. [Da bislang weder Obama noch Clinton die erforderliche Mehrheit der Delegiertenstimmen auf sich vereinen können, kommt dem Nominierungsparteitag der Demokraten am 25. August in Denver eine entscheidende Bedeutung zu.] Ich weiß wirklich nicht, was ich machen soll. Ich werde bestimmt nicht John McCain wählen. Es kommt mir so vor, als stünden wir vor einem potenziellen Anfang der Desillusionierung von jungen Leuten, die hinter Obama stehen und sich zum ersten Mal eingebracht haben in die Politik. Wenn die Demokraten Hillary Clinton nominieren, ohne dass sie wirklich die Mehrheit der Delegierten oder der Stimmen für sich gewonnen hat, wird der Ruf der Partei auf lange

Sicht geschädigt sein. Ich bin sehr nervös. Es ist nicht so, dass ich Hillary Clinton hasse, ich glaube nur, dass dieser Wahlkampf Potenzial für wirklich schmutzige Politik bietet. [Gibbard spielt darauf an, dass Clinton US-Medienberichten zufolge Wahlkampfmanager beschäftige, die gezielt Einfluss zu nehmen versuchen auf die 300 sogenannten Superdelegierten, die gegebenenfalls darüber entscheiden, ob Obama oder Clinton als Kandidat nominiert werden.] Wenn es die Demokraten nach acht Jahren George Bush nicht schaffen, ist die Partei am Ende. Als Bush 2004 wiedergewählt wurde, war ich so verzweifelt, dass ich dachte, die Welt würde enden. Aber die Tatsache, dass wir es doch geschafft haben, diese vier Jahre zu überstehen, obwohl selbst die Republikaner erkannt haben, dass Bush auf ganzer Linie versagt hat, zeigt mir, dass man alles schaffen kann.


Musik

029

machen. »Plans« arbeitet mit dem Reiz glatter Oberflächen, die Unebenheiten ausschließen. »Narrow Stairs« hingegen strebt an, genau diese Unebenheiten herauszustellen. »Ich musste eben wieder an diesen ArethaFranklin-Song ›Hello Sunshine‹ denken, wo der Schlagzeuger das Becken trifft und es sich völlig falsch anhört. Man weiß einfach, dass es nicht beabsichtigt war, aber es klingt so gut, dass man sich immer auf diese Stelle freut«, illustriert Ben Gibbard seine Vorliebe für musikalische Unfälle. Zusammen im Raum Wiederholt betonen Benjamin und Jason im Interview die Relevanz der gemeinsamen »Performance« der Songs. »Ich hasse es zwar, wie ein Hippie zu klingen und von ›Vibes‹ zu sprechen«, so Ben Gibbard, »aber es lässt sich nicht bestreiten, dass Musik eine besondere Qualität entfaltet, wenn sie zusammen mit anderen Leuten in einem Raum entsteht.« Diese Arbeitsmethode erinnert stark an den von Martin Büsser anlässlich seines Animal-Collective-Artikels in Intro 09/07 formulierten Kollektiv-Gedanken, der davon ausgeht, dass hierarchische Strukturen und übermäßige Individualität durch das Gleichheitsprinzip und gesteigertes Communitybewusstsein ersetzt werden. Tatsächlich verdankt sich der Umstand, dass Death Cab For Cutie überhaupt auf überregionaler Ebene funktionieren konnten, der Existenz eines Netzwerks von befreundeten Bands und Musikern, das in den USA zentrale Bedeutung einnimmt: »Allein schon wegen der Größe der USA war es notwendig, Allianzen und ein Netzwerk von Freunden und Bekannten aufzubauen«, so Benjamin Gibbard. »Mittlerweile übernachten wir natürlich in Hotels, aber wenn wir nach San Francisco kommen, wissen wir, dass wir John Vanderslice treffen, weil wir mit ihm befreundet sind. Umgekehrt kommt er zu uns, wenn er in Seattle spielt. Dieses Prinzip geht zurück auf Black Flag und Minor Threat, diese Pioniere des amerikanischen Punkrock, die uns zeigten, dass man alles selbst in die Hand nehmen muss. Du darfst nicht davon ausgehen, dass dich jemand an der Ostküste kennt, wenn du von der Westküste kommst. Man muss sich gegenseitig helfen und Communities aufbauen.« Ben Gibbard sieht hier einen entscheidenden Unterschied zwischen den USA und dem UK, wo jede Band nur an sich selbst denke. »Ich habe durchaus Freunde im UK, die in Bands spielen, aber ich habe den Eindruck, dass jeder sehr auf sich selbst bezogen ist. Mit Ausnahme von Glasgow gibt es keine Community. Alle sind sehr fixiert darauf, schnell Karriere zu machen.« Death Cab For Cutie bilden das genaue Gegenteil dieser Praxis, sind sie doch langsam gewachsen und haben sich selbstbestimmt entwickelt. Ben Gibbard sagt, dass kommerzieller Erfolg nie eine Antriebsfeder war, Musik zu machen: »Als wir anfingen, bewunderten wir Bands, die nebenher noch Jobs hatten, die tourten und Musik spielten, weil es ihnen Spaß machte.« Nun ist es bestimmt ehrenhaft, so zu denken und zu agieren, aber man sollte vielleicht die Unterschiede der gesellschaftlichen Hintergründe von Bands aus den USA und dem UK nicht ganz außer Acht lassen. Während der überwiegende Teil amerikanischer Musiker aus der Mittelschicht stammt, rekrutiert sich das Gros der Bands im UK traditionellerweise aus der Arbeiterklasse. Dies mag vereinfacht dargestellt sein, aber Beispiele wie Pete Doherty, Oasis oder Amy Winehouse können als eindeutige

Belege gelten. Natürlich entwertet dieser Umstand nicht die von Death Cab For Cutie dargestellte Praxis, Communitys aufzubauen, aber vielleicht ist sie auch ein US-spezifisches Phänomen, obwohl Ben Gibbard diese Einschätzung nicht teilt: »Ich kenne viele Bands aus Deutschland oder Belgien, die mit amerikanischem Indie-Rock aufgewachsen sind und eine ähnliche Ästhetik wie wir vertreten. Wenn wir in München spielen, kommen Lali Puna zum Konzert. Ich habe einen engeren Bezug zu europäischen als zu britischen Bands«, erklärt der Sänger. Die Erwähnung von Lali Puna ergibt insofern Sinn, als die Bands des Morr-Music-Labels eine ähnliche Wirkungsweise wie Death Cab For Cutie besitzen. Beide kommunizieren ein süßes Leiden an der Gegenwart, das sich nie so sehr konkretisiert, dass es neurotische oder gar psychotische Züge annähme. Dem entspricht eine flüchtige Tendenz in der Musik, die angenehme Oberflächlichkeit gegen Aufdringlichkeit ausspielt. Postal Service, das Seitenprojekt von Benjamin Gibbard und Jimmy Tamborello von Dntel, legt davon wegen seiner abstrakteren, elektronischen Ausrichtung noch deutlicher Zeugnis ab als DCFC; gerade auf »Narrow Stairs« haben diese ihren Ansatz derart in Richtung kleiner Widerstände und unmittelbarer wirkender Gegenständlichkeit modifiziert, dass ein höheres Maß an Reibung entsteht. Dieser Eindruck wird gestärkt, da Stücke wie »Long Division« und »No Sunlight« für DCFC-Verhältnisse purer Powerpop sind. Abseits dieser Momente bleibt die Band mit »Narrow Stairs« jedoch Garant für eine Sorte Pop, die nicht auf offensichtliche Effekte setzt, sondern auf unterschwellige Weise ihre Wirkung entfaltet. Auf Tour vom 09.-12.07. Auf intro.de: Verlosung Intro empfiehlt

Death Cab For Cutie Narrow Stairs CD // Atlantic / Warner / VÖ 09.05.

Morr Music Tolles Berliner Label, dessen Programm sich zwischen entgrenzter Electronica mit in sich gekehrter, melancholischer Stimmung und wimpigem Gitarrenpop bewegt. Klassiker: Lali Puna, Ms. John Soda, Styrofoam, Tarwater. Aktuelle Akteure: u. a. The Go Find, Seabear. Auch Benjamin Gibbard veröffentlichte hier bereits.

Postal Service Das bislang einzige Album »Give Up« von 2003 stellt eine der Blaupausen der sogenannten Indietronic-Spielart dar. Benjamin Gibbard spricht im Interview davon, sich erst wieder langsam an ein zweites Album herantasten zu wollen.


030 Musik

MGMT

AUF OCHSEN TOUR So tanzen Amerikaner


Musik

031

Ben Goldwasser und Andrew Vanwyngarden wollten nie eine Band gründen. Als man sie für »Oracular Spectacular« ins Studio holte, hatten sich die beiden schon seit einem halben Jahr aus den Augen verloren. Jetzt sind sie als MGMT auf Ochsentour und müssen mit Typen wie Martin Riemann reden. Und sich von Joachim Zimmermann fotografieren lassen.

M

Erfolg und Emotionalität Das sagt Goldwasser darüber: »Wenn es so was wie einen emotionalen Grundton für das Album gibt, dann ist es einer der Unsicherheit und Irritation. Als wir das Album aufnahmen, waren wir an einem speziellen Punkt unseres Lebens. Das College lag hinter uns, und wir hatten keine Ahnung, in welche Richtung sich unser Leben entwickeln würde. Dann kommt plötzlich diese Plattenfirma und ermöglicht uns die Arbeit an einem Album. Es ging alles so unnatürlich schnell, dass es uns immer noch nervös macht.«

Dave Fridmann Dürfte vielen als Haus-und-Hof-Produzent der Flaming Lips bekannt sein. Zusätzlich produzierte er Alben von Weezer, Mogwai, Phantom Planet und Sleater-Kinney und ist Kopf und Bassist von Mercury Rev.

it ihrem Semi-Hit »Kids« kehren MGMT nämlich jetzt zurück in die Zukunft. Dieses simple, bis an die Schmerzgrenze mit Emotionen vollgepumpte Stück ElectroBubblegum hat offensichtlich so eine starke Anziehungskraft, dass die Welt plötzlich offen ist für Prog Rock, Stirnbänder und uncoole Frisuren. »›Kids‹ ist das allererste Lied, das wir je zusammen geschrieben haben«, erzählt mir ein sichtlich erschöpfter Ben Goldwasser, der mit schwarzem Jackett und Bart wie ein griechischer Philosophiedozent aussieht. »2005 haben wir die EP ›Time To Pretend‹ rausgebracht, aber da war alles noch sehr unorganisiert. Unsere Auftritte waren eher so was wie Karaoke mit Background-Musik vom Band. Es war eher die Persiflage eines Rock-Acts.« Offenbar eine sehr gute. Als die E-Mail eines Talentscouts des Majors Columbia nach der nicht vorhandenen Band bettelte, war Goldwasser gerade außerhalb von New York, holzhackenderweise auf einem Selbstfindungsprozess, und dachte kaum noch daran, sein Geld mit Musik zu verdienen. Rasch wurde ein sechsstelliger 4-Alben-Deal unter Dach und Fach gebracht, um die frisch gebackenen Rockstars dann ins Studio mit Dave Fridmann zu schicken. Heraus kam ein ziemlich verwegenes Psychedelic-Monster mit dem hirnverbrannten Titel »Oracular Spectacular«, dessen echolastigen, halligen Mushroom-Sound Goldwasser selbst gerne als »Future 70s« bezeichnet. Dank Vanwyngardens glasklarem Falsett klingt das Ganze stellenweise, als hätten die Bee Gees mit den Klaxons zu viel LSD genommen. Aber Goldwasser macht lieber andere Referenzen geltend. Er unterstreicht mehrfach den Einfluss seiner Ansicht nach sträflich vernachlässigter Juwelen wie Suicide, Spacemen 3, Royal Trux und Incredible String Band. Dass man ausgerechnet diese Einflüsse bei MGMT kaum heraushört, soll jetzt nicht zur Debatte stehen. Es zeigt jedenfalls, dass das Duo aus einer sehr verschrobenen Zeitblase heraus operiert: »Es ist schon merkwürdig, dass viele Leute nur die gegenwärtige Musik hören wollen und keine Ambitionen haben, den Kontext zu sehen, aus dem sie stammt. Wir möchten gerne das Publikum mit diesem obskuren Zeug anfixen.« Das Anfixen klappt offensichtlich bereits hervorragend. Beim Auftritt von MGMT im Berliner Lido entdecke ich mehrere Gestalten, die den schwer zu tolerierenden Hippie-Look Vanwyngardens bereits kopieren. Zwei Burschen um die 20 sehen mit ihren Stirnbändern und engen Westen aus, als hätten sich dummdreiste Drogenfahnder in Schale geworfen, um eine von Rentnern betriebene Haschischfarm zu infiltrieren. »Ach, diese Jungs«, hat die Mutter dieser Typen bestimmt gedacht, als sie so verkleidet das Haus verließen. Ich bin aber nicht deren Mut-

ter, also denke ich: »Ist eure Zeit jetzt wirklich wieder da? The age of Fischgott und dergleichen?« Dumpfe ProvinzlerAggressionen steigen in mir auf. Woher nur kommt plötzlich dieser beschämenswerte Hippie-Hass? Besonders hartnäckig ist er jedenfalls nicht, denn obwohl die 5-köpfige Mannschaft auf der Bühne aussieht, als würde sie an einem Casting für das nächste Doors-Biopic teilnehmen, werde ich ihnen schon bald aus der Hand fressen. So wie der Rest des Publikums, in dem sich auch auffallend geschmackvoll gekleidete Leute befinden. Vom Werbeprofi um die 50 bis zum erfolgreichen Jungschauspieler ist hier jeder, den man irgendwo schon mal gesehen hat. Das illustre Publikum nimmt die geballte Ladung »Future 70s« mit offenen nach oben gestreckten Armen bereitwillig an. Selbst ambitionierte Hirnschmelzer wie das elegische »Of Moons, Birds & Monsters« sorgen nicht für Aufmerksamkeitsdefizite. Das mag daran liegen, mit welcher Disziplin die Band ihr psychedelisches Gewand tight hält und so langatmiges Abdriften ins Muckertum vermeidet. Vielleicht ist es auch die engelsgleiche Erscheinung Vanwyngardens. Ja, er trägt schon wieder sein verdammtes Stirnband, aber er singt auch ein berückendes Falsett, über das die meisten Männer nur VOR ihrer Pubertät verfügen können. Am Ende des Konzerts zeigt sich dann, dass es auch ihre Vergangenheit ist, die sie momentan derart attraktiv für das Publikum macht. Ohne »Kids« gespielt zu haben, lässt man sie nicht gehen. Und als sie nach der dritten Zugabe endlich den lang ersehnten Hit bringen, ist die Reaktion absolut frenetisch. Obwohl das Duo die Nummer traditionsbewusst als Karaoke mit Backgroundmusik vom Band präsentiert und später lapidar dem Drummer das Mikro in die Hand drückt, könnte die Menge nicht glücklicher sein. Der, wie es Goldwasser selbst nennt, »kitschy Electro-Pop« ihrer scherzhaften Anfangstage mit bittersüßen Botschaften à la »das Wasser ist warm, aber es bringt mich zum Frösteln« kommt noch besser an als der komplexe Reminiszenz-Rock der gerade ins Studio geschickten Profis, die MGMT jetzt zweifelsohne sind. Für Goldwasser ist allerdings klar, in welche Richtung es gehen wird: »Ich schätze Künstler wie Alan Vega dafür, dass sie immer die Konfrontation suchen und nie versuchen, dem Publikum zu gefallen. Das ist definitiv ein Weg, an dem wir uns orientieren werden.« Live in Deutschland am 26.05. Auf intro.de: Verlosung Intro empfiehlt

MGMT Oracular Spectacular CD // Red Ink / SonyBMG


032 Musik

SXSW

CHECKT DAS, NEU E BANDS Yacht Gesehen: The Fort, Fader Party Im Netz: myspace.com/yacht Das Wichtigste: Jona Bechtolt kommt aus Portland, Oregon, dieser Kleinstadt mit Indiecharme (K-Records, Kill Rock Stars ...). Das Yacht-Projekt gibt es seit 2003, bekannt geworden ist Bechtolt aber mit der Popgruppe The Blow, die er zusammen mit Khaela Maricich betrieb und die 2007 auf Tomlab das Album »Paper Television« veröffentlicht hat. Mittlerweile ist aus Yacht zumindest live ein Duo geworden – Bechtolts Partnerin ist Claire L. Evans, mit der er auch sonst viele Projekte am Laufen hat (beispielsweise entwickelten die beiden Taschen für Mac-Laptops und Power-Point-Präsentationen für die Bühne), sie stieg passend zur Albumtour ein. Weitere Moments of Fame: Bechtolt spielte auf dem Devendra-Banhart-Album »Cripple Crow« und ist in den Staaten ein bekannter Blogger. Akt. Release: »I Believe In You. Your Music Is Real« (Marriage / Tomlab) Du warst früher bei The Blow. Warum bist du ausgestiegen? Weil es keinen Spaß mehr machte. Wie oft hast du schon beim SXSW gespielt? Was bedeutet es dir, hier zu sein? Mit The Blow haben wir insgesamt sieben Shows gespielt. Die meiste Zeit ging dafür drauf, von einem Auftritt zum nächsten zu kommen. Trotzdem ist es ein Riesenspaß, allein schon, da alle Freunde da sind, Leute, die so sonst nie am gleichen Platz sind. Ansonsten scheint mir das SXSW ein fürchterliches Durcheinander zu sein, ein Beispiel für alles, was schlecht und falsch am Musikbusiness ist. Eine endlose Reihe an gesponserten Events – deswegen bin ich auch erst letztes Jahr mit The Blow zum ersten Mal hergekommen. Von 2000 Bands, die hier spielen, sind 1950 absolut schrecklich. Mir gefiel der Auftritt vorhin. Und dennoch: Was wäre erst drin mit einer richtigen Band hinter dir. Ich habe mit Yacht nur einmal als Band gespielt – das war super. Das war als sehr lockere, milde Psychedelic-Grunge-Sache mit Background-Sängerinnen angelegt. Wir hatten einen Keyboarder, zwei Gitarristen, einen Bass und Schlagzeug. Wichtiger als die Bandgröße ist mir aber, dass sich die Shows stetig transformieren, frisch bleiben. Das ist für eine traditionelle Band eher schwer. Und überhaupt: Gibt es nicht schon genug Bands? Welche andere Band hast du hier gesehen und dazu geravet? Pig Out aus Neuseeland. Soooo gut. Ansonsten waren wir meistens nur unterwegs ...

Intro über Texas. Der Anlass: South By Southwest (SXSW), das Gipfeltreffen der Musikindustrie. Hier sind sie alle. Nicht nur jede amerikanische Band, die in 2008 ein Album vorlegt, sondern auch die ganze weltweite Mischpoke aus Journalisten, Labelmachern, Bookern und Managern drum herum. Und es macht ja auch Sinn: Wo sonst spielen in vier Tagen mehr als 1600 Bands auf (die meisten gar vier-, fünfmal)? Und das bei sommerlichen Temperaturen – was Felix Scharlau und Thomas Venker nicht davon abhielt, Bands und Booker zu ihren Erlebnissen zu befragen.


Musik

033

Duchess Says Gesehen: Beauty Bar, Pop Montreal Abend Im Netz: myspace.com/duchesssays Das Wichtigste: Die Band selbst nennt ihren Sound Moog Rock. Das kann man so aber nicht stehen lassen, da müssen zwingend noch Noise und Punk mit rein in die Beschreibung. Na ja, eine Einordnung in Genres ist eh müßig angesichts der Naturgewalt, mit der sie, allen voran Frontfrau Annie-Claude, durch den Club toben (am liebsten treten sie aber auf Golfplätzen, in Schaufenstern und Abrisshäusern auf). Annie-Claude verliert während des Konzerts jegliche Bodenhaftung, rotiert durch Raum und Zeit und zerrt sich dabei wie gestört an den Haaren: Blair Witch Project trifft Sonic Youth trifft Exorzist. Passend dazu die Information, dass alle vier Bandmitglieder Anhänger der Church of Budgerigars sind, die sich der Verbreitung der Botschaft eines spirituellen Wellensittichs verschrieben hat. Kuckuck wär wohl passender. Egal. Sowohl im Konzert als auch live eine Sensation, diese Band. Akt. Release: »Anthologie Des 3 Perchoirs« (Alien8) Welche Bedeutung steckt hinter eurem Namen? Alle: Duchess Says meint: the message of the duchess. Das ist so was wie ein spirituelles Leitmotiv. Der Name reflektiert außerdem die Propaganda, die die Church of Budgerigars betreibt, um ihre Werte zu verbreiten. Wenn man euch live sieht, ist das eine Ganzkörpererfahrung. Sehr einnehmend. Ich frage mich, wie ihr das im Übungsraum macht. Spielt ihr euch auch dort derart in Trance, vor allem du, Annie? Annie: Normalerweise sitzen wir da wie Indianer im Kreis und spielen nur mit einem Minimum an physischem Einsatz. Wir schauen uns so lange in die Augen, bis wir gemeinsam ins Unterbewusstsein vorstoßen. Unser Schlagzeuger Simon ist immer der Erste, der dort ankommt. Annie, wie empfindest du selbst das Konzert? Du springst ja wie irre durch die Gegend, kriechst über den Boden – registrierst du, was vor sich geht? Annie: Ich habe es dir ja vor dem Konzert noch gesagt: Bis es losgeht, bin ich eher unsicher und schüchtern, und dann explodiert etwas in meinem Kopf. Danach gibt es keine Zweifel mehr, ich schreite nur noch ohne Gewissen in die totale Freiheit hinein. Was steht als Nächstes an? Wann kommt das Album? Alle: In Kanada ist das Album bereits seit dem 15. April draußen. In Europa kommt es zur Tour, die von jetzt bis Ende Mai gehen wird. Welche Bands habt ihr auf hier gesehen und gemocht? Lou Reed, Thurston Moore, Little Claw, Motörhead, Jay Reatard, CPC Gangbangs und Think About Life!

Das sagen die Festivalmacher zum SXSW Øya, Oslo Claes Olsen http://oyafestivalen.com Wie oft warst du bereits beim SXSW? Jedes Jahr seit 2001. Und warum kommst du her? Ich liebe es hier. Was will man mehr: tolles Wetter, tolle Bands, tolle Leute. Ich schaue mich nach neuen Bands für das Øya um, promote gleichzeitig das Festival bei den Bands, Labels und Bookern und auch mein eigenes Label Racing Junior. Das Festival ist also wichtig für dein eigenes Festival? Oh ja, wir finden immer tolle neue Acts hier. Einige davon buchen wir noch für das gleiche Jahr, manche für das nächste. Und gleichzeitig können wir noch aktuelle Hype-Bands einer kritischen Beäugung unterziehen. So wissen wir, wen wir nicht buchen müssen. Wen mochtest du besonders dieses Jahr? Puh, ich habe ja in den vier Tagen mehr als 80 Acts gesehen ... Fleet Foxes, The Dodos und El Guincho waren besonders gut – und noch viele andere. Okay, zum Schluss noch ein Wort zum Øya. Auf wen freust du dich besonders dieses Jahr? My Bloody Valentine und The Sonics, das wird der Wahnsinn.

Melt!, Gräfenhainichen Stefan Lehmkuhl www.meltfestival.de Wie oft warst du bereits beim SXSW? Zum ersten Mal. Und warum bist du hier? Um Kollegen aus der Branche zu treffen (neben vielen Festivalpromotern treiben sich hier auch viele Künstler-Agenten und Manager rum) und neue Bands zu checken. Allerdings ist Mitte März für das Festivalbooking schon fast zu spät. Mir gefällt es dennoch sehr gut, es ist eine sehr entspannte Atmosphäre, um mit Leuten zu sprechen – was ich von Austin so gar nicht erwartet hätte. Wen mochtest du besonders dieses Jahr? The Mae Shi, Dark Meat (I’m From Barcelona in Metalversion auf Speed), Chromeo, Diplo vs. Kid Sister vs. Spankrock vs. 100 andere (wie eine Ed-Banger-Geburtstagsparty mit lauter cooler aussehenden Amis, die zwischen Gitarren und Electro noch eine Menge HipHop mixen und dazu Baile-Funk auf Englisch rappen), Vampire Weekend, Digitalism (»We had the biggest party ever in Austin«). Und wer hat dich nicht überzeugt? Bei aller Diplo-Euphorie meinerseits: Nur weil er die Beats für Santogold gemacht hat, hat mich die Frau live noch lange nicht überzeugt. Zu selbstbewusste Bühnenshow, ohne auch nur einen Funken Charme und Euphorie zu versprühen. Unsympathisch. Auch The Heavy und MGMT kamen nicht so bei mir an. Auf wen freust du dich besonders dieses Jahr auf dem Melt!? Franz Ferdinand, Hot Chip, Booka Shade.

Mika Miko Gesehen: Texas Garage Im Netz: myspace.com/mikamiko Das Wichtigste: All-Girl-Band in 5er-Besetzung. Mika Miko gehören zu den Hausbands des The Smell, einem AllAges-Laden in Downtown Los Angeles, der bekannt ist für sein experimentelles Noise-Punk-Rock-Programm und seine Bohemian-DIY-Kultur. Neben Mika Miko haben sich zuletzt u. a. BARR, Health, No Age und The Mae Shi aus dieser Clique hervorgetan. Erste Veröffentlichungen der punkigen Rasselbande gab es auf selbst gebrannten CDs schon bald nach der Bandgründung 2004, das Debütalbum »C.Y.S.L.A.B.F.« (Post Present Medium / Kill Rock Stars) erschien 2006. Akt. Release: »666«-EP (Post Present Medium, 2007). Ein neues Album soll im Herbst auf Kill Rock Stars kommen. Dass ihr alle Mädchen seid, ist ... Zufall. Ja. Vielmehr ein totaler Unfall. Wir sind einfach nur eine Band wie jede andere. Wir machen einfach Musik, aber wenn es andere Leute glücklich macht, dass wir nur Mädchen sind, ist das cool für sie. Wir identifizieren uns jetzt nicht so damit. Ihr habt ja letztes Jahr in Deutschland getourt. Wie war das denn so? Cool. Die haben uns Essen und ein Plätzchen zum Schlafen gegeben. Das kennt man aus Amerika gar nicht, das war süß. Sieht man euch live, so kommt neben der Stilvielfalt (Hardcore, Punk-Rock, Post-Punk) noch der zweistimmige Gesang besonders markant zur Geltung, u. a., da die eine Sängerin ja immer durch ein bearbeitetes Telefon singt. Ja, wir orientieren uns an vielen verschiedenen Sounds. Hauptsächlich altes Zeug wie Crass und Black Flag, aber eben auch so No-Wave-Zeugs. Und dann wollten wir auch noch Sachen reinbringen, die wir eigentlich total beschissenen finden, den meisten Leuten aber gefallen. So was wie Fleetwood Mac. Aber nochmals wegen eurer zwei Sängerinnen nachgehakt: Die sind schon bewusst als Kluft angelegt, oder? Und auch textlich? Man versteht ja kaum was. Oft schreiben wir unabhängig voneinander die Texte. Wir wissen dann oft nicht einmal, was der andere sagt. Erst wenn wir für Aufnahmen die Texte festmachen müssen, checken wir ab, was der andere sagt. Am Schluss macht das irgendwie immer total viel Sinn. Manchmal suchen wir uns aber auch ein Thema und schreiben beide darüber.


034 Musik

The Death Set Gesehen: Emo's Im Netz: www.thedeathset.com Das Wichtigste: The Death Set sind zu viert. Eine rudimentäre Info, die wir aber selbst nach dem Sehen der Show noch bei der Band im Interview abfragen mussten. Zuvor hatten sich circa zwölf Männer und Frauen auf der Bühne darum geprügelt, das Mikrofon zu übernehmen – »Freunde«, hieß es hinterher. Die Musik klingt live ganz anders als auf Platte. Ehrlich gesagt sogar: deutlich besser. Hier: viehisch kreischender Acid-Punk-Rock mit pervertierten Kinderliedmelodien. Dort: seltsam schlapp gemixte Electro-Oktav-Bass-Energetik, die aber zumindest eine gute Idee der Band gibt. Akt. Release: »Worldwide« (Counter / Rough Trade) Ihr seid aus Brooklyn, oder? Wir sind von überall. Ich bin ursprünglich aus Australien und dann nach Brooklyn gezogen. Dort haben wir uns getroffen. Wir haben dann ständig aufeinandergeklebt und sind jetzt wie eine Familie. Seit einiger Zeit leben wir in Baltimore. Eine coole Stadt. Wer sind all die anderen Leute, die euch eben die Bühne vollgestellt haben? Das sind unsere Homies. Leute von Bands wie Ninjasonik, Chief Magazine, Videohippos, Dan Deacon, Spank Rock, Matt And Kim ... Wir sind als ein großer Mob unterwegs und unterstützen uns gegenseitig. Bei eurem Konzert stieg schon ab dem ersten Song die Riesenparty. Ist das normal, wenn ihr spielt? Ja, das war immer unser Plan. Wenn unsere Freunde da sind, sieht das immer so aus. Es ist schwieriger, in Deutschland zu spielen, wenn die Leute mit verschränkten Armen dastehen und uns anstarren wie Vollidioten. Macht aber trotzdem großen Spaß. Ach, komm. Haben die Deutschen bei allen Konzerten die Arme verschränkt gelassen? Oh nein. Die sind sogar eigentlich ein ziemlich gutes Publikum. Viel besser als erwartet. Aber es ist hart, sie dazu zu bewegen, ihre Hüften kreisen zu lassen. Wenn du sie aber so weit hast, hält sie nichts mehr auf. Das war echt seltsam, denn selbst die Leute mit den verschränkten Armen haben anschließend CDs gekauft. Wir haben erst da kapiert, dass ihnen die Show gefallen hat. Alle wollten immer eine Zugabe, und wenn wir das einmal nicht gemacht haben, wurden wir ausgebuht. In den Staaten geht es immer kurz und süß zu, wie in meinem Sexualleben. Für welche Bands interessiert ihr euch hier noch? Ninjasonik, Matt And Kim und Mika Miko - verdammt, das sind die drei besten Bands, die es derzeit gibt!

Das sagen Festivalmacher zum SXSW Meg, Montreal Alex Auche www.megmontreal.com Wie oft warst du bereits beim SXSW? Ich komme zum dritten Mal. Und warum kommst du her? Neue Bands entdecken, Freunde und Geschäftspartner aus der ganzen Welt treffen, die Sonne, die Frei-Drinks und The Boiling Pot, das beste Restaurant der Stadt. Das SXSW ist bestimmt nicht das beste Festival der Welt, gerade für Künstler sind die Bedingungen schon sehr hart: schlechte Soundsysteme, unglaubliche Konkurrenzsituation. Insofern bevorzuge ich die europäischen Festivals. Aber da ich neben dem Meg auch als Booker aktiv bin und fünf Bands von mir hier gespielt haben (Islands, Duchess Says, Fluokids, Ghislain Poirier und Adam Kesher), macht es auf jeden Fall Sinn. Wen mochtest du besonders dieses Jahr? N.E.R.D bei der Fader Fort Party. Ich hatte da keine großen Erwartungen und wurde umgeblasen. Little Claw, eine neue Band auf Thurston Moores Ecstatic-Peace-Label. Und natürlich Mika Miko: No Wave ist noch immer am Leben. Und wer hat dich nicht überzeugt? Moby. Aber da hatte ich mir auch nichts erwartet. Auf wen freust du dich besonders dieses Jahr auf dem Meg? Sebastien Tellier, CSS, DJ Funk, Battles ...

Primavera Sound, Barcelona Pablo Soler www.primaverasound.com Wie oft warst du bereits beim SXSW? Das ist mein zweites Mal. Und warum kommst du her? Das ist ein sehr wichtiges Zusammentreffen von Bands und der Musikindustrie. Leute, die man sonst nur via Telefon und E-Mail kennt, kann man endlich auch mal wieder persönlich treffen. Für das Primavera-Line-up allerdings ist das Festival eher irrelevant, da es zu spät liegt, wir sind schon so gut wie durch mit dem Booking. Aber egal, ich mag das Set-up hier: Alles ist so nah beieinander, sehr bequem. Und wenn man aus den mehr als 1600 Bands für sich selbst 20 gute rausgefiltert hat, dann hat sich der Trip auch schon gelohnt. Wen mochtest du besonders dieses Jahr? Ich bin hin und weg von: Health (sehr kraftvolles Set), The Extraordinaires (spaßig und schön) und Duchess Says (die beste Frontfrau, die ich seit Jahren gesehen habe). Aber das ganz offizielle Festivalhighlight muss natürlich mein Landsmann El Guincho sein. Und wer hat dich nicht überzeugt? Ich liebe die Breeders, aber die Show hat mich nur traurig gestimmt. Auf wen freust du dich besonders dieses Jahr auf dem Primavera? Vampire Weekend, Mary Weiss von The Shangri-Las, The Sonics und so viele andere. Das Line-up ist verrückt.

The Mae-Shi Gesehen: Victory Grill, Vice Saves Texas Party Im Netz: www.mae-shi.com Das Wichtigste: Ein seltsam vielseitiges Quartett aus Los Angeles. Mal sind seine Songs mit Post-Hardcore-Figuren vollgestellt wie der einzige Notausgang bei Feueralarm. Mal ergehen sich The Mae-Shi in epischen Elektronik-Frickeleien, die auch vor Vocodern nicht haltmachen. Und plötzlich wird dann auch gerne mal alles unterbrochen durch wunderschöne mehrstimmige A-cappella-Passagen. Am schönsten wird es, wenn alles zusammenkommt – wie beim Überhit »Run To Your Grave«. Nach mehreren Alben folgte dieses Jahr das Label-Debüt bei Moshi Moshi, die Band tourt Ende Mai zum wiederholten Mal auch durch Deutschland. Akt. Release: »HLLLYH« (Moshi Moshi / Coop / Universal) Wofür steht The Mae-Shi? Wenn man es bei Google eingibt, findet man nur uns als Band. Das ist wichtig heutzutage. Habt ihr schon einmal in Deutschland gespielt? Wir waren vor drei Jahren in Deutschland unterwegs. Das war großartig, besser als in den USA. Wir haben in total vielen kleinen Städten gespielt. Die erste Show war in Weilheim, dann waren wir noch in Münster und in irgendeiner Stadt an der polnischen Grenze. Diesen Januar haben wir dann in Berlin gespielt. Das war cool, fast legendär. Im White Trash. Im Mai sind wir wieder in Berlin und auch in Hamburg. Gibt es in der Band viele Diskussionen über euren Stilmix? Ihr klingt ja fast, als würden in eurer Brust mehrere Herzen schlagen? Nein. Das alles kommt einfach so aus uns heraus. Frühere Songs von uns waren oft deutlicher Post-Hardcore in verschiedensten Variationen. Mit der Zeit wurden wir dann melodischer. Wir versuchen nun, die Sachen nebeneinander existieren zu lassen, die Ideen von jedem Einzelnen einzubringen. Und sollte es mal nicht trashig genug sein, hauen wir einfach noch einmal ordentlich Verzerrung über den Mix. Seid ihr zum ersten Mal beim SXSW? Wir sind zum dritten Mal hier. Wir haben hier letztes Jahr den Moshi-Moshi-Deal bekommen. Man spielt hier einfach immer vor großem Publikum und vielen Presseleuten. Wir haben in Austin schon in ein paar Tagen 17 Shows gespielt. Und so was ist das Wichtigste für eine Band. Das ist phänomenaler als alles andere.


Musik

035

Live-Empfehlung des Monats

ITUNES LIVE: BERLIN FESTIVAL Bei »iTunes Live: Berlin Festival« spielen zwischen dem 26.04. und dem 10.05. an 15 Abenden hintereinander unterschiedlichste Bands und Solisten im Berliner Radialsystem V. Mit dabei sind unter anderem MGMT, Hot Chip, Calvin Harris, Gonzales, Get Well Soon, Klee, Slut, Morcheeba, Madsen und Kilians. Alle Konzerte werden aufgezeichnet und können anschließend via iTunes geladen werden.

Klee

Karten für diese Veranstaltungen gibt es nicht im Handel, sondern nur über die Website von iTunes und den Medienpartnern zu gewinnen. Wir verlosen als Präsentator unter intro.de/ituneslive für jedes der 15 Konzerte 2 x 15 Karten. Sollte es mit dem gewünschten Ticket nicht klappen: Es gibt an der Abendkasse für die Schnellsten eines jeden Abends noch ein geringes Kartenkontingent. Weitere Infos zur Location, der Ticketvergabe und allen Bands: siehe beigeklebtes Programmheft. Hier alle Konzert-Termine in der Übersicht: 26.04. tba 27.04. Klassikabend: Danielle De Niese / Janine Janson 28.04. Patrice / Zascha Moktan 29.04. Jazzabend: Lars Danielsson + Leszek Moz·dz·er / Hanan 30.04. Ich + Ich / Tina Dico 01.05. Morcheeba / MGMT 02.05. The Hoosiers / Slut 03.05. Gonzales / Get Well Soon 04.05. The Subways / Jennifer Rostock 05.05. Katie Melua / Clueso 06.05. Klee / plus weitere Band 07.05. Revolverheld / Radiopilot 08.05. Hot Chip / Calvin Harris 09.05. Madsen / Kilians 10.05. Sunrise Avenue / aVid*

Calvin Harris

Tickets gibt es zu gewinnen auf: www.intro.de/ituneslive www.ituneslive.de MGMT

Get Well Soon

Weitere Tourempfehlungen finden sich ab S. 118.


036 Musik

Jamie Lidell

PARISER LANDLEBEN

In den F채ngen des Puppenspielers


Musik

037

Alles wird neu. Dekonstruierte Jamie Lidell bislang live, nur mit Sampler und Mikrofon bewaffnet, seine Stücke, so wird er diesen Sommer ausschließlich in Begleitung die Bühnen betreten. Passend zur noch konsequenteren Soulwerdung des neuen Albums »Jim«. Sebastian Ingenhoff traf den legitimen Erben von Motown auf einen Plausch über neue Möglichkeiten des Musikmachens. Foto: Christian Knieps.

G

ut, bereits früher ist der smarte Bademantel-Gigolo Lidell immer wieder mal mit wechselnden Musikern aufgetreten. Es gab zum Beispiel eine Tour mit seinen Kumpels Mocky, Gonzales und Snax. Eine richtige feste Band hatte Jamie jedoch nie – allerdings nicht, da er es nicht wollte, sondern da es zum damaligen Zeitpunkt seiner Karriere einfach zu teuer gewesen wäre. Insofern war die Methode des Livesamplings gleichzeitig ästhetische Entscheidung und ökonomische Notwendigkeit. Und ist nun die Bandwerdung einerseits Resultat der Entwicklung vom abstrakten Klangweirdo zum richtigen Songschreiber als auch des damit einsetzenden Durchbruchs in neue Publikumsschichten. »Jim« ist die logische Konsequenz dieser Entwicklung und wird diesen Prozess nochmals intensivieren. Die Platte ist, noch mehr als der Vorgänger »Multiply«, ein klassisches Soulalbum geworden. Ganz ohne IDM. Klang »Multiply« immerhin noch ein bisschen wie eine gute Stax-Platte im Aphex-Twin-Remix, wurde letzterer Bestandteil nun komplett gestrichen. Lidells musikalische Vorbilder lassen sich so noch klarer raushören: Al Green, Otis Redding, Marvin Gaye und Prince natürlich. Es gibt wieder jede Menge Zitate. Das Stück »Hurricane« spielt beispielsweise ziemlich unverhohlen auf den Hillbilly-Funk von Parliament an. Als ich ihm erzähle, dass ich beim Hören des Songs aber auch an Black Sabbaths »Paranoid« denken musste, und als Reaktion erst mal eine Backpfeife erwarte, grinst er: »Siehst du, genau darum geht es ja in der Musik. Natürlich ist die komplette weiße Rockmusik der letzten dreißig, vierzig Jahre ohne Soul und Funk undenkbar. Und natürlich kann man da auch ein Sabbath-Riff raushören, wenn man will. Ich höre im Übrigen ja auch viel Rockmusik.« Seine Rockaffinität geht so weit, dass bei »Out Of My System« am Ende gar die ollen Stones zitiert werden. Verstörung mit Seele Aufgenommen wurde das Album diesmal größtenteils in Los Angeles, aber auch in Paris und Berlin wurden wieder Sessions eingelegt. Geholfen hat ihm abermals sein enger Freund Mocky. Dementsprechend smooth und eingespielt lief auch alles ab, wie Jamie erinnert: »Wir haben in Berlin zusammen an dem Skelett der Songs gefeilt. In den USA wurde der Rest erledigt – das Ganze mit Leben gefüllt. Stück für Stück kam Neues dazu. Jeder Song hatte am Ende seinen eigenen Körper. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es gibt keine Füller, nichts Überflüssiges.« Und auch nichts Krudes, Atonales mehr. Auf dem letzten Album »Multiply« gab es noch vereinzelt diese Momente. Ich kann mich gut daran erinnern, bei einem Kneipen-DJSet »When I Come Back Around« gespielt zu haben. Nicht wenige Gäste haben sich daraufhin an die Stirn getippt,

ihre Mäntel gepackt und sind grußlos gegangen. Gut, das hatte vielleicht auch damit zu tun, dass ich die Platte aus Versehen auf 45 statt auf 33 gespielt habe. Danach war der Laden jedenfalls leer gefegt. Jamie lacht. »Wir hatten mit Super Collider ja unsere Zeiten, wo wir die Leute ein bisschen verstört haben. Klar, wenn man mein erstes Album ›Muddlin’ Gear‹ mit ›Jim‹ vergleicht, ist da natürlich erst mal eine enorme Diskrepanz. Letztlich ging es damals darum, Soul auf eine völlig andere Art und Weise auf die Bühne zu bringen. ›Multiply‹ hat sich im Prinzip ja schon stark davon wegbewegt. Weißt du, man kann sich auch ewig hinter irgendwelchen Avantgarde-Ansprüchen verstecken. Irgendwann ging es einfach darum, für mich neue Möglichkeiten des Musikmachens auszuschöpfen.« Gott in Frankreich Zuletzt gab es sogar eine Kollaboration mit Beck, deren Resultat auf der nächsten Platte des US-Scientology-Sternchens zu hören sein wird. »Er hatte mich gefragt, ob ich ihn auf seiner Tour supporten wolle«, erzählt Lidell. »Er ist sehr interessiert an Ein-Mann-Bands. Danach hat er mich zu sich ins Studio eingeladen, und wir haben ein paar Sessions aufgenommen. Das war sehr lustig. Ich habe ein bisschen gesungen wie Klaus Nomi.« Jamie Lidell ist ein angenehmer Interviewpartner, weil er von sich aus redet wie ein Wasserfall. Nach einer halben Stunde schaut er dann aber doch mal auf die Uhr. Gleich muss er nämlich seinen Flieger kriegen nach Paris, wo er demnächst hinzieht. Die Berliner Zeiten sind vorbei. Seine Freunde Feist und Gonzales leben schon länger in der französischen Hauptstadt, das hat mit den Ausschlag zum Standortwechsel gegeben: »Berlin war toll, aber ich hatte mehr und mehr das Gefühl, hier in einer Blase zu leben. Ich hatte einen schönen Raum in dem Haus, in dem auch Mocky, Taylor Savy und Snax arbeiten, das war schon ein unglaublich kreatives Umfeld. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich auch mal was anderes sehen muss.« Vorbei sind also die Zeiten des Laisser-faire Berliner Schule. Während man dort jahrelang müßiggängerisch abhängen, Milchkaffee trinken und aus dem Fenster gucken kann, muss man sich in Paris Brot und Miete noch stramm protestantisch erarbeiten. Deswegen will sich Lidell auch schnell ein neues Studio einrichten und konzentriert an neuem Material werkeln. Und neben den alten Homies auch neue Bekanntschaften aus der Pariser Musikszene ins Studio einladen. Live in Deutschland vom 10.-15.05. Jamie Lidell Jim CD // Warp / VÖ 25.04.

Super Collider Ende der Neunziger von Christian Vogel und Jamie Lidell in Brighton gegründetes einflussreiches Elektronikprojekt. Vogel und Lidell veröffentlichten zwei Alben an der Schnittstelle zwischen Soul, Techno und experimenteller Musik. Der gebürtige Chilene Vogel lebt und arbeitet mittlerweile in Barcelona.

Klaus Nomi Der in der bayrischen Provinz geborene Sänger zog Anfang der Siebziger nach New York und feierte dort kleine Erfolge. Die Bühnenshows des stets weiß geschminkten und exzentrisch gekleideten Countertenors sind legendär. Eigentlich wollte er Opernsänger werden, wurde jedoch schnell Teil der dortigen New-WaveSzene. 1983 starb Klaus Nomi an Aids. Interessierten sei Andrew Horns Film »The Nomi Song« von 2004 ans Herz gelegt.


038 Musik

Portishead

LOST Mit »Dummy« veröffentlichten Portishead 1994 ein Debüt, das zusammen mit den ersten Alben von Massive Attack und Tricky den Ruf von Bristol als neues Seattle begründete. Doch die Mischung aus Slo-MoHipHop, 60s-Spionage-Soundtracks und Torch-Gesang wurde bald zur Formel. Heiko Hoffmann widmet sich dem dritten Album der Band, die niemand mehr auf der Rechnung hatte. Foto: Adam Faraday.

24. Isaac Hayes Ein Zufall? Sowohl Portishead (»Glory Box«, 1994) als auch Tricky (»Hell Is Around The Corner«, 1995) sampleten die gleiche Passage aus Isaac Hayes’ »Ike’s Rap III«. Mit unterschiedlicher Wirkung: »Wo Portishead sich auf den inneren Dialog über Gefühle und Liebe konzentrieren, ist Tricky weit draußen, in einer feindlichen Welt«, verglich der englische Autor Jon Savage den Einsatz des Samples.

Juli 1997. Geoff Barrow sitzt in einem Hotelzimmer an der New Yorker Fifth Avenue und erzählt, worauf es ihm beim gerade fertiggestellten zweiten Portishead-Album ankam. »Wir wollten ausschließlich unsere eigenen Samples machen. Für unser erstes Album haben wir noch auf alte Platten von Isaac Hayes oder Weather Report zurückgegriffen. Diesmal haben wir eigene Loops angefertigt, sie auf Vinyl gepresst und dann mit Scratches und Blenden in die Produktion einfließen lassen.« Später am Abend treten Portishead mit einem Orchester im Roseland Ballroom auf, der Mitschnitt des Konzerts, »Roseland NYC«, erscheint im Jahr darauf. Die Musik ist komplett live, nur das ständige Vinylknacksen, das die Songs künstlich altern lässt, kommt aus dem Computer. Fast elf Jahre später sitzen zwei Drittel von Portishead, Geoff Barrow und Adrian Utley (Sängerin Beth Gibbons zieht es wie meistens vor, keine Interviews zu geben), im Berliner Büro ihrer Plattenfirma. Und tatsächlich ist im letzten Jahrzehnt, sieht man von einigen wenigen Remixen und einem enttäuschenden Beitrag für eine SergeGainsbourg-Compilation ab, keine neue Musik von Portishead erschienen. Den Grund dafür konnte man bereits auf dem selbst betitelten letzten Album und dem Live-Album hören. Die Musik von Portishead, die auf ihrem 1994

erschienenen Debüt »Dummy« noch bahnbrechend neu wirkte, war nur drei Jahre später zum Klischee verkommen. Ihre Mischung aus verlangsamten HipHop-Beats, gescratchten Lalo-Schifrin-Soundtrack-Samples und weiblichem Torch-Gesang ließ Plattenfirmen unzählige TripHop-Acts unter Vertrag nehmen. Und selbst TV-Werbemusik sollte durch Vinylknackser gleichzeitig Authentizität und Hipness verliehen werden. Da half es wenig, dass Portishead Samples durch Selbsteingespieltes austauschten. Und so großartig ihr Konzert im Roseland Ballroom auch war, das nachgereichte Live-Album und -Video (DVDs gab es damals noch nicht) schienen rückblickend eine Art »Greatest Hits« einer Gruppe zu sein, bei der Karriere-Start, -Höhepunkt und -Ende so eng zusammenlagen wie selten zuvor. »Nachdem wir unser zweites Album veröffentlicht, das Live-Album aufgenommen und getourt hatten, waren wir emotional und körperlich erschöpft«, gesteht Adrian Utley, der anschließend an Soundtracks und anderen Auftragsprojekten arbeitete, während Beth Gibbons als Einzige der drei ein Soloalbum aufnahm. Dennoch war dem Trio klar, dass sie irgendwann wieder gemeinsam Musik machen würden. 2001 trafen sie sich dafür in Australien, nur um frustriert festzustellen, dass ihnen kein wirkliches Konzept für eine neue Platte einfiel. »Ich hatte Hunderte von Platten gekauft, sie gesamplet, geloopt und Backing-


Musik

039

»Ich hatte Hunderte von Platten gekauft, sie gesamplet, geloopt und Backingtracks gemacht. Mit dem Ergebnis, dass ich eine riesige Depression bekam. Diese Produktionsweise schien mir einfach so rückwärtsgewandt, wie etwas, das wir schon zu oft gemacht hatten.« Geoff Barrow

tracks gemacht«, erzählt Geoff Barrow. »Mit dem Ergebnis, dass ich eine riesige Depression bekam. Diese Produktionsweise schien mir einfach so rückwärtsgewandt, wie etwas, das wir schon zu oft gemacht hatten.« Portishead erlegten sich selbst eine Regel auf: Sie wollten für ihr neues Album Sachen machen, die sie noch nie zuvor gemacht hatten. »Für uns ist es etwas anderes, wenn wir ins Studio gehen, als für eine Band wie Coldplay«, so Utley. »Es gibt kein festes Gefüge, wer welches Instrument spielt.« Seit 2004 fand dann die Arbeit an der Musik statt, die schließlich auf dem neuen Album »Third« zu hören ist. »Dieses Album war wie Lost-Gucken«, schrieb Barrow auf seinem MySpace-Blog. »Eine nicht enden wollende Reise mit wenigen Antworten.« Schließlich haben Portishead einen Weg gefunden, wieder Musik zusammen zu machen, ohne sich selbst zu langweilen. Doch selbst mit diesem Wissen überrascht »Third«. Das Album klingt nicht nur viel aggressiver und rauer als alles, was Portishead bisher gemacht haben, sondern verweist auch auf Bands, die man bislang nicht im Portishead-Kosmos vermutet hatte. Schon zu dem von ihnen kuratierten Festival All Tomorrow’s Parties im letzten Dezember hatten sie Künstler wie Chrome Hoof und Aphex Twin eingeladen. »Vor allem alte Bands wie Can oder die Silver Apples haben uns inspiriert, aber auch Doom-Metal-Gruppen wie Sunn O)))«, sagt Adrian Utley.

Das Ergebnis dürfte nicht wenigen der alten PortisheadHörer Probleme bereiten. Bereits die Radio-Single »Machine Gun« verstört mit einem Maschinengewehrsalven-Beat. Über anderen Stücken des Albums kreist ein an »Apocalypse Now« erinnernder Rotor-Krach oder dominiert ein stampfender Vierviertel-Beat. Auf geloopte Breakbeats verzichten Portishead, mit einer Ausnahme, völlig. Und anders als früher kann man sich nicht schon nach den ersten Takten sicher sein, wie ein Song weitergeht. »The Rip«, eines von vielen Ausnahmestücken auf »Third«, etwa beginnt als englisches Folk-Stück mit Akustikgitarre. Erst nach zwei Minuten steigt ein Schlagzeug im doppelten Tempo ein, dazu erklingen verstörende Synthesizer-Bassklänge. »Das ist unsere aktuelle Geheimwaffe«, sagt Adrian Utley: »ein seltener Synthesizer der italienischen Firma Siel.« Zusammengehalten wird das Album vor allem durch die vertraute und lange vermisste, schmerzvolle BluesStimme von Beth Gibbons. »Die größte Herausforderung für uns war, jedem Song seinen eigenen Platz zu geben.« Dass Portishead dies gelungen ist und »Third« dennoch wie ein kohärentes Werk klingt, ist erstaunlich.

Portishead Third CD // Universal

All Tomorrow’s Parties Nach einem Song von Velvet Underground benanntes englisches Musikfestival, das 1999 als Alternative zu RiesenOpen-Airs wie Glastonbury und Reading gegründet wurde. Das Festival findet zwei Mal im Jahr an einem Wochenende in einer Ferienanlage statt, das Programm wird von Künstlern wie Mogwai oder Thurston Moore zusammengestellt. Das nächste ATP-Festival geht im Mai vonstatten.


040 Musik

Kettcar / Gisbert Zu Knyphausen

G2-GIPFEL Marcus Wiebusch und Gisbert Zu Knyphausen. Zwei Musiker, zwei neue Alben - und somit Anlass genug, die beiden gemeinsam an einen massiven Eichentisch im Hamburger Knust zu platzieren. Zum Roundtable. Zum Gipfeltreffen des Hamburger Indie-Trubels. Zum Spiel mit den Erwartungen. Moderiert von Henrik Drüner. Fotografiert von Katja Ruge.

Von links nach rechts: Marcus Wiebusch, Gisbert Zu Knyphausen, Rainer Ott, Henrik Drüner


Musik

G Lausch Lounge Konzertplattform, 2004 ins Leben gerufen von Hasko Witte und Michy Reincke, bei der jeweils vier norddeutsche KünstlerInnen im Hörsaal (Spielbudenplatz, Hamburg) unplugged auftreten; u. a. Begemann, Frievert, Koppruch, Jasmin Wagner, Kim Frank ...

... But Alive Prä-Kettcar-Ära von Wiebusch und TiradoRosale, 1991-99. Deutschsprachiger Punkrock im Stile von EA80 und Slime, der zum Sprachrohr der intellektuellen Punk-Szene avancierte. »Hallo Endorphin« schlug eine neue Richtung ein und führte zur Auflösung der Band.

roß beschnuppert werden ist nicht nötig. Zumindest vom Sehen kennen sich die beiden schon. Marcus Wiebusch, Sänger, Texter und Gitarrist von Kettcar, erinnert sich an das erste Aufeinandertreffen: »Das war bei der ›Lausch Lounge‹-Veranstaltung mit Olli Schulz. Danach hat der Olli immer Werbung für dich gemacht: ›Jetzt hat Gisbert schon wieder was Neues bei MySpace, hör dir das mal an!‹ Ich hab mir das aber nicht angehört. Auch nicht, als irgendwann ein Demo zum Grand Hotel kam – ganz ehrlich, dafür hab ich seit Längerem keine Ohren frei.« Mittlerweile ärgert er sich vielleicht ein wenig, das Demo missachtet zu haben. Seine Einschätzung des Albums lässt es zumindest vermuten: »Für mich klingt es nicht nach einem Debüt, eher nach einem, der schon jahrelang in anderen Bands Musik gemacht hat und jetzt sein Soloding raushaut. Gefällt mir sehr gut, besonders die Texte!« Mit Komplimenten haben Indietypen bekanntlich ihre Probleme. Dementsprechend verlegen guckt und bedankt sich Gisbert. Zu Knyphausen. Dieser klangvolle Name, den der 28-Jährige trägt, ist übrigens kein Pseudonym, sondern echter Landadel: »Vor zweieinhalb Jahren trat ich zum ersten Mal unter dem Namen auf. Der ist schon außergewöhnlich genug, da brauchte ich kein Pseudonym – das denken die Leute ohnehin.« Die übrige Runde nickt. Stichwort: musikalische Sozialisation. Hier wird mehr als nur eine Generationskluft offensichtlich. Wiebusch: »Punk, schon seit der Jugend, bis in die späten 90er mit ... But Alive hinein. Seit 2002 eine bewusste Zäsur mit dem Beginn von Kettcar, weil sich auch private Hörgewohnheiten änderten.« Knyphausen: »Ich hörte The Doors, Tom Waits und Nick Cave. Aber zum Liedermachen haben mich The Bright Eyes gebracht, auch weil ich Bob Dylan schon immer cool fand. Beide haben eine Stimme, die polarisiert.« Und nicht nur die beiden, auch Gisbert selbst hat eine eigene Stimme gefunden, auch wenn ihm Wiebusch gleich mit Zuschreibungen kommt: »Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass man bei dir einen kleinen Sven-Regener-Einfluss hört? Dieses ›Wind und Haar‹-Bild ...« – »Stimmt, da hast du gut aufgepasst!« Beide lachen – und Wiebusch rückt näher. Die Hamburger Musikszene gilt zu Recht als stark inhaltlich orientiert. Insofern drängt sich die Frage nach der Textentstehung geradezu auf. Wiebusch: »Nehmen wir das Beispiel ›Am Tisch‹. Thema und Text standen, rund 200 Sätze. Es folgte die Überlegung, wie der Song sich anfühlt – und dann wurde gestrichen. Reduktion ist beim Popsong alles.« Knyphausen betont, dass er sich sehr schwer tue

041

mit den Texten. Er habe ein Notizbuch mit Fetzen, die er zusammensetze. Generell sei er ein eher sparsamer Texter mit starker Selbstzensur. Was gut sei, wirft Wiebusch ein: »Deutsche Texte sind harte Arbeit. Jeder Satz muss passen, und es gibt viel Einheitsbrei!« Wo wir schon dabei sind, Marcus, willst du nicht was zur folgenden Zeile sagen: »Lieber peinlich als authentisch / Authentisch war schon Hitler«? Nein, will er nicht. »Einem Außenstehenden oder der Presse muss und will ich meine Texte nicht erklären«, erwidert er stattdessen die Nachfrage barsch. »Lyrik ist für mich ein Vorschlag, eine Form der Projektion und Fantasie. Absolutes Verständnis ist nicht möglich.« Vor drei Jahren schrieb Gisbert Zu Knyphausen seinen ersten deutschsprachigen Song. Er kommt ursprünglich aus dem hessischen Rheingau und wohnt – nach Stationen in Nijmegen und Berlin – seit anderthalb Jahren in Hamburg. Meist tritt er mit seiner vierköpfigen Band auf, doch gelegentlich auch solo. »Ich wollte nicht nur Liedermacher sein, sondern auch mal Krach machen. Zwar soll das eine feste Band werden, eigentlich ist es aber eine Miet-Musiker-Band.« Beide verbindet diese Texttonalität, eine gewisse Arbeiterschwermut – wobei die so schon nicht mehr ganz aktuell ist. Wiebusch über die überworfenen Kettcar-Strukturen: »Befindlichkeitsfixiert gibt es nicht mehr in dieser Form, genauso wenig nach innen gerichtete Liebeslieder wie ›Balu‹. Jetzt sind wir fordernder, mit fiktiven Protagonisten. Ein realitätsnahes, teilweise bitteres Abbild der Themen unserer Zeit. Terror, Arbeitslosigkeit, Gewalt. Wir wollen zeigen, dass wir nicht einverstanden sind. Der Titel ist dementsprechend kurz und zerstörend.« Bei Knyphausen schwingt oft das wunderschöne und zugleich unsichere Gefühl von Zweisamkeit mit. Trotzige Melancholie, gepaart mit ungeschminkter Romantik, exemplarisch bei »Neues Jahr«: »Und in der Stadt die ganzen glücklichen Gesichter/ Ich mein’, irgendwie gehör’n wir doch dazu / Wir erzähl’n uns unsere stumpfen Geschichten, wir sind so viel heut’ Nacht, ich und du.« Ein moderner Anstrich für das antiquierte Image des Liedermachers. Knyphausen wird sich damit Freunde machen, viele Freunde. Derer haben Kettcar bereits reichlich. Live: Kettcar 21.04.-16.08., Gisbert 30.04.-17.05. Kettcar Sylt CD // Grand Hotel Van Cleef

Gisbert Zu Knyphausen Gisbert Zu Knyphausen CD // Omaha / Pias / Rough Trade / VÖ 25.04.


042 Musik

KOCHEN MIT MAURIZIO GAUDINO Text: Linus Volkmann / Interview: Thomas Venker, Linus Volkmann / Fotos: Rainer Holz

Ein Tableau mit Telefonnummern poppt auf. Man soll anrufen für seinen potenziellen Dschungelkönig. Der Rahmen um die Geschichte ist exotisches Unterschichtenfernsehen und RTL. Als die Zahlenkombination für Ex-Nationaltorwart Eike Immel verlesen wird, läuft als Hintergrundjingle »Hips Don’t Lie« von Shakira.

Uli Stein Streitbarer Ex-Nationaltorhüter mit über 500 Erstligaspielen, der unter anderem die Skandalbiografie »Halbzeit« schrieb.

EM im »eigenen« Lande Wer unsere Nachbarländer Schweiz und Österreich mal richtig beleidigen will, sollte ihnen damit kommen. Denn nichts hasst man dort mehr, als sich vom ungeliebten großen Stiefbruder Deutschland eingemeindet zu fühlen. EM vom 07.-29.06.

H

ips Don’t Lie« – ein subtiler Hinweis auf das, was mittlerweile ohnehin jeder Zuschauer weiß: Immel lässt sich lebendig begraben und interessierte Ratten in sein Gesicht beißen, um mit dem Urwaldauftrittshonorar die Operationskosten seiner Hüfte abzudecken. Wohl dem, der von all den peinlichen Details hinter dieser Anekdote in den letzten Wochen nichts mitbekommen hat. Aber immerhin rückte sie mal wieder einen Promi-Typus ins Licht, der viel reizvoller ist als die ewigen Schafe aus der Pop-Sparkasse oder der Gala. Gemeint ist der Ex-Fußballer. Ein Veteran, ein Held. Was macht der jetzt? Trainer, Trinker, Bauherrenmodelle, Ratten oder Freitod? All diese Möglichkeiten. Und pünktlich zur EM im »eigenen« Lande besuchen wir einen der illustersten Ex-Profis der Bundesliga-Geschichte: Maurizio Gaudino. Der Mittelfeldspieler wurde 91/92 Meister mit dem VFB Stuttgart, drehte kurz darauf mit Yeboah, Bein und Okocha bei Eintracht Frankfurt an dem Begriff »Fußball 2000«, war WM-Teilnehmer 1994 in den USA und später noch unter Vertrag in der Schweiz, der Türkei und England. Neben seinem Rasen-Fame dürfte er vielen auch dadurch in Erinnerung sein, dass er kurz nach dem Auftritt in der Gottschalk-Latenight-Show En-

de 1994 verhaftet wurde. Versicherungsbetrug. Ganz verlorene Trash-Seelen haben ihn sicher auch letztens beim Star-Poker auf DSF bemerkt. Eine Appear, die ihm sein alter Wegbegleiter Uli Stein eingebrockt hatte. Der erinnerte sich eben daran, mit wem er früher im Mannschaftsbus Karten gedroschen hatte. Die restlichen Basic-Infos haue ich aber lieber bei Wikipedia rein. Hier sollen schließlich nicht die Gaudino-Files entstehen, sondern hier soll mit einem glamourösen Ex-Profi gekocht werden. Der kennt sich ja auch sicher aus mit Ernährung. Lebt doch Leistungssport davon, in den Feinheiten zu justieren, um den entscheidenden Vorteil auf höchstem Niveau vor der Konkurrenz zu erzielen. Dagegen ist unser Halbwissen aus den allseitigen neoliberalen Kampagnen für die Volksgesundheit nur hinfälliger Unsinn. Oder? »Also zu meiner aktiven Zeit war Ernährung kein Thema. Ich habe morgens von mir aus immer nur eine Banane gefrühstückt, damit ich mich nicht so voll fühlte beim Training. Aber wenn Mittagspause war, sind wir letztlich alle zu McDonalds und haben uns da jeden Tag die Burger reingehauen.« Was, wirklich? »Das war dem Trainer egal, nur saufen durfte man nicht, darauf wurde geachtet. Dieser Fokus auf das gesundheitliche Drumherum, das gab es in anderen Ländern schon


Musik

früher, in Deutschland hat sich das letzten Endes erst so mit Klinsmann durchgesetzt.« Okay ... Maurizio, der schöne Frühvierziger mit dem rau-grauen Dreitagebart, ist also nicht per se Food-Fetischist – aber hey, immerhin Italiener. Da muss doch kulinarisch was zu holen sein. »Muss ich euch auch enttäuschen. Ich koche nie und würde eigentlich wochenlang Pasta essen, wenn das nur ginge. In meiner neuen Wohnung haben wir bis jetzt noch gar nicht gekocht. Weil die alten Töpfe nicht auf den Induktionsherd passen.« Mann, das ist ja wie, sich die aufregendste Stereoanlage des Jahres zu kaufen und gleichzeitig aber alle CDs zu verschenken. Maurizio, warum tust du uns das an? »Und ich habe jetzt auch gar keine Zutaten mitgebracht.« Kochen ohne Zutaten? Sogar Eike Immel hatte im Urwald wenigstens Blätter, Bohnen und Hoden zu essen. Doch alles nicht so wild. Immerhin treffen wir uns in Gaudinos city of choice: King Stuttgart! Und zwar bei seinem Lieblingsitaliener Sante De Santis. Und hoppla, als der lautstark zu uns schreitet, fällt der Groschen: Sante De Santis war einer der populärsten Köche in dem Über-1000-Folgen-Dauerbrenner »Das Kochduell« auf VOX. Er ist flink an der Schwelle zur Hektik, wiegt mehrere hundert Kilo und raucht dabei. Auf eine Küche mit Gesundheitswahn müssen wir uns hier wohl nicht einlassen. Aber Sante besitzt ja immerhin die »Kochduell«-Skills, aus wenig Zutaten etwas Einzigartiges zu zaubern. Er scheucht seinen Tribünenplatz-Kumpel Gaudino und uns auch gleich in die dem Restaurant angeschlossene Kochschule und bricht mit seiner massiven Vehemenz Maurizios Phlegma, das sich eigentlich lieber bekochen lassen würde. »Nein! Du machst die Spaghetti selbst! Sollst du lernen!« poltert es in der Mischung aus Italo-Klischee, Drill-

Instructor und Wahnsinn. »Haben Sie eigentlich wegen dieser Kochschule Ihr Fernsehkoch-Dasein aufgegeben?« frage ich, um es sofort wieder zu bereuen. Denn Sante explodiert: »Stupido! Mache ich doch immer noch Fernsehen. Gestern war die ProSieben hier für Galileo und habe ich ein Format auf TV Gusto.« Alles klar. Don’t mess with Chefkoch. Weiß ja jeder. Und kommt vermutlich allein wegen dieser Performance gern. »Letzte Nacht haben wir gesungen mit der Frau Babbel und ihrem Mann«, gibt Sante weiter, während er Gaudino Himalaya-Salz in eine Schüssel schaufeln lässt. Wertig, oder? »Die Gäste wollen das. Aber unter uns, das macht keinen Unterschied. Das ist für Schwuchteln!« Oder für Gaudino, der hier im Restaurant schon mit Horst Heldt oder Trappatoni saß und nun in eine Tomatensoße De Santis eingewiesen wird. Und dabei sogar sein weißes Hemd weiß behält. Gaudino war eben schon immer ein Techniker. Und arbeitet nach einem Exkurs ins Managergewerbe (bei Waldhof Mannheim) mittlerweile als Spielerberater. U. a. ist Gomez vom VfB sein Schützling. Gaudino erzählt davon, wie das Handy in diesem Job nie aus sein darf, da seine Jungs mitunter weder die Sprache sprechen noch eine Festanstellung bei Vereinen haben. Maurizio als Mutterschiff für Stars von morgen. Wegen eines Stars von heute muss er sich dann aber mit seiner Partnerin auch schon verabschieden. Es geht nach München, dort feiert die SonyBMG für eine Freundin der beiden, für Andrea Berg, ein riesiges Fest. Tja, echte Veteranen hat man eben selten für sich allein. Und der hektische Sante ist auch schon weg? Na, schließen wir halt ab. Die Ungelenken, die hinten dicht machen, sind ja auch wichtig beim Fußball.

043

Sante De Santis Kocht in dem Restaurant San PietroGastro. In der Heusteigstraße 45, 70180 Stuttgart.

Tomatensoße De Santis Knoblauch in dünne Scheiben schneiden, in reichlich Olivenöl anbraten. Dazu Dosentomaten und ein extrem scharfes Chili-Öl sowie eingelegte Chilischoten und eine Handvoll Parmesan. Aufkochen. Setzt sich die Tomatensoße ab von dem Öl in der Pfanne, kann serviert werden. Sante empfiehlt natürlich stundenlanges Einreduzieren. Garniert mit Basilikum.

Andrea Berg Absoluter Schlagerstar - mehr Verkäufe in Deutschland als die Strokes weltweit. Anlass der Party: Ihr »Best Of«-Album hielt sich über 300 (!) Wochen in den Charts. Länger als Pink Floyd oder die Beatles.


044 Musik

dEUS / Mode Antwerpen

dEUS IM DETAILDORF Antwerpen ist ein Phänomen – trotz gerade einmal 500.000 Einwohnern hat die Stadt den Ruf eines der bedeutendsten kulturellen Zentren Europas mit seiner hohen Dichte an exklusiven Galerien, Fashion-Stores und Designläden sowie der facettenreichen Musiklandschaft. Letztere genießt seit dem Erfolg von dEUS auch international hohes Ansehen. Andreas Grüter und der Fotograf Rainer Holz nahmen die Veröffentlichung von »Vantage Point«, dem mittlerweile fünften Studioalbum der großen Söhne der Stadt, zum Anlass, die flämische Metropole genauer unter die Lupe zu nehmen.

So lebt: Walter van Beirendonck


Musik

Tom Barman sucht den Amp

G

äbe es nicht die tückische Phalanx aus Stau, Sturm und verpassten Abfahrten, die Strecke Köln-Antwerpen wäre in knapp 90 Minuten zu bewältigen. So jedoch brauchen wir zweieinhalb Stunden bis in die Antwerpener Banlieues und weitere 30 Minuten, um uns durch das Einbahnstraßengewirr der Innenstadt zu schlagen. Unser erster Stopp befindet sich hinter einer grünen Holztür, der ein knietief zugemüllter Hinterhof sowie zwei rostige Feuerleitern folgen, die hoch hinauf aufs Dach einer alten Lagerhalle führen. Begrüßt werden wir von dEUS-Sänger Tom Barman. Er führt uns tiefer hinein in den mit kilometerlangen Kabelsträngen, Verstärkertürmen und Bergen von Instrumenten und Effektgeräten vollgestopften, aber ansonsten recht warmen und heimelig eingerichteten Proberaum. Während sich die Band – schließlich steht man vor einer ausgedehnten Europatour – gleich darauf wieder auf die Proben konzentriert, haben wir erst mal Zeit, uns von Szenerie und Musik inspiriert durch den Raum zu knipsen. Überhaupt die Musik: R-O-C-K! Und zwar richtig erwachsener. So erwachsen, dass man, um sich heute noch so dazu bekennen zu können, einen völlig klischeebefreiten Masterplan haben muss. dEUS haben diesen und zudem ein recht feines Händchen für behutsam eingebettete Nuancen, Verweise und Details, die erst beim zweiten oder dritten Nachhorchen ihren Zauber so richtig entfalten. Das Grundkonstrukt dazu fand sich zwar schon auf dem 1994 erschienenen ersten und noch recht rauen Album »Worst Case Scenario« (ja genau, das mit dem Alternative-Überhit »Suds & Soda«), wurde aber über die Jahre äußerst stringent nachgeschliffen und erstrahlt jetzt in kaum fassbarer Tiefe. Sollte man da überhaupt noch nach Einflüssen fragen? Tom, der als kreativer Kopf und einziger Überlebender der Urformation trotz seiner vier aktuellen Mitstreiter Klaas Janzoons (Keyboard & Violine), Stephane Misseghers (Schlagzeug), Alan Gevaert

045

Hinterhof zur Hölle

Antwerp Six Die legendären Antwerp Six – Walter van Beirendonck, Ann Demeulemeester, Dries van Noten, Dirk van Saene, Dirk Bikkembergs und Marina Yee – gelten als die Urzelle des Antwerpener Fashion-Hypes. Die Gruppe, die sich Anfang der Achtzigerjahre nach dem gemeinsamen Studium an der traditionsreichen Royal Academy of Fine Arts zusammentat, wurde lange als radikal agierender und äußerst unhomogener Geheimtipp gehandelt. 1986 gelang ihr im Rahmen der Londoner Fashion Week mit einer aufsehenerregenden GuerillaFashionshow der Durchbruch. Von den Modedesignern der Folgegeneration der Antwerp Six hat sich besonders Stephan Schneider hervorgetan. Er hat seinen Flagship Store in der Reyndersstraat. Mehr zu ihm findet sich in Intro #131.

Veronique Branquinho Ausnahmedesignerin, Speed Demon, Professorin – Branquinho ist eine Frau mit vielen Gesichtern. Die Entwürfe der 35-Jährigen zeichnen sich durch einen fragilen Mix aus klassischen Silhouetten und feinsinnigen, durch die Auseinandersetzung mit Musik, Film und Architektur geschärften Details aus. Ihre Liebe zu alten Autos führte zu einer Kollektionspräsentation in den Räumlichkeiten des Automobile Club de France. Zur Feier ihrer 20. Kollektion, die auch im eigenen, Bauhaus-inspirierten Shop verkauft wird, lädt das Antwerpener Modemuseum zu einer umfassenden Werkschau, die noch bis zum 17. August zu sehen ist (Nationalestraat 73, Mo 13-18 Uhr, Di-Sa 10:30-18 Uhr). Seit zweieinhalb Jahren doziert Branquinho an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

(Bass) und Mauro Pawlowski (Gitarre) dEUS quasi in Personalunion repräsentiert, meint deswegen auch »nein«. Er plädiert für den eigenen Stil als kompakte Summe aller Einflüsse und zitiert, die belgische Popkulturszene erklärend, ein ehemaliges Bandmitglied mit den Worten: »The Americans grew up with Elvis, the English grew up with The Beatles and the Belgians grew up with record stores.« Nun, wer sonst, wenn nicht das Mutterschiff der alternativen belgischen Musikszene, das mit Seitenprojekten und Nachfolgebands wie Magnus, Zita Swoon und Vive La Fête gleich einen ganzen Strang mittlerweile international etablierter Bands verschiedenster Couleur gebar, sollte sich als stilsetzend empfinden dürfen. Und damit das so bleibt, muss Tom jetzt erst mal wieder zur Probe hinzustoßen. Er geht aber nicht, ohne uns als Zeitvertreib bis zum Treffen am Abend diverse Modeläden der Stadt zu empfehlen. Antwerp Six – Mode abseits von Szenen Und so machen wir uns in Richtung Altstadt und Nationalestraat auf, wo neben schmuck ausstaffierten Spezialitätengeschäften und alteingesessenen Praliné-Zuckerbäckern die meisten Modelabels und -läden ansässig sind, allen voran die legendären Antwerp Six, deren Fusion von gepflegten Eigenheiten, Detailliebe und nachhaltiger intellektueller Verdichtung zum internationalen Durchbruch der Mode aus Antwerpen geführt hat. Viele der in Antwerpens Modebusiness Tätigen haben an der altehrwürdigen Royal Academy of Fine Arts studiert. Einer Schule, die bekannt ist für die Härte, mit der sie geführt wird, und die Disziplin, die sie ihren Studenten abverlangt. Doch wenn man diese erfolgreich absolviert hat, steht einem dafür auch die Modewelt offen. Fragen des Zugangs stellen sich Veronique Branquinho nicht mehr. Wir treffen die Designerin im Foyer des Antwerpener Modemuseums, wo zurzeit ihre Ausstellung »Moi Veronique toute nue« gezeigt wird. Während eines ≥


046 Musik

Walter v. B. mag es bunt

Veronique Branquinho: Ordnung ist das halbe Leben

≥ Rundgangs weihen sie und der mittlerweile wieder zu uns gestoßene Tom Barman uns in die Geheimnisse der Antwerpener Verhältnisse ein. »Antwerpen hat diese alte Kunst- und Handwerkstradition, die aufgrund der Nähe zu Frankreich, Deutschland und Holland auf der einen und England und Übersee auf der anderen Seite immer wieder neu und frisch gespeist wurde«, erzählt Veronique. »Das macht den ganz speziellen Reiz der Stadt auch nach wie vor aus. Zudem ist die Szene hier einfach sehr klein. Man kennt sich. Und wenn man sich mag, arbeitet man halt zusammen.« Tom sieht das ganz ähnlich, sperrt sich allerdings gegen den Begriff Szene: »Weißt du, Szenen werden von Leuten erfunden, die von außen auf eine Gruppe schauen. Die einzelnen Gruppenmitglieder machen jedoch einfach ihren Kram – manchmal zusammen und manchmal auch allein –, sie würden nie auf die Idee kommen, Teil einer Szene zu sein. So funktioniert das auf jeden Fall hier in Antwerpen.« Und zwar disziplinübergreifend. So nahm Tom beispielsweise zuletzt auf ausdrücklichen Wunsch Dries von Notens für dessen Modenschau eine 12-minütige Version von »Bad Timing« auf und spielte im Rahmen der Kollektionspräsentation von Veronique Branquinho in Paris eine Akustikversion des alten Peter-Sarstedt-Klassikers »Where Do You Go To My Lovely«. Dies sind nur zwei Kollaborationsbeispiele von vielen, denen der Tausendsassa nachgeht, von seiner zweiten Leidenschaft, dem Film, der er trotz abgebrochenem Filmstudium mit verschiedenen Musikvideos, einem Kurzfilm (»Turnpike«, 1996) und einem erfolgreichen Spielfilm (»Any Way The Wind Blows«, 2003) mittlerweile professionell nachgeht, ganz zu schweigen.

werden. Es ist an der Zeit, nochmals über das neue dEUS-Album »Vantage Point« zu sprechen.

Zurück zur Musik Mittlerweile sind wir in einer gemütlich-rustikalen Eckkneipe angekommen, wo Veronique und Tom mit großem Hallo von der bodenständigen 50+-Belegschaft begrüßt

»The Americans grew up with Elvis, the English grew up with Beatles and the Belgians grew up with record stores.«

Dries van Noten Der dezente Bruch mit der Welt des Alltäglichen ist das Markenzeichen Dries van Notens. Der 1958 geborene Spross einer alteingesessenen Textilhändlerfamilie legt dabei mindestens genauso viel Wert auf Material- und Farbauswahl wie auf traditionelles Gestaltungshandwerk. Mittlerweile ist der notorisch zurückhaltende Designer nicht nur absoluter Liebling der detailversessenen asiatischen Couture-Gemeinde, sondern auch eine Institution auf den europäischen und US-amerikanischen Schauen. Sein Antwerpener Store Het Modepalais ist in den ehemaligen Räumlichkeiten eines der ältesten Modeausstatter der Stadt untergebracht und präsentiert auf zwei Etagen und knapp 250 Quadratmetern das Komplettprogramm im antiken Originalinterieur. (Nationalestraat 16, Mo-Sa 10-18:30 Uhr)

Der Titel bedeutet übersetzt sowohl Aussichtspunkt als auch Blickwinkel – zumindest dem Lexikon nach. Ich entscheide mich für eine Fusion aus beidem. Abgesehen davon, dass unser Studio so hieß und ich den Namen sehr mochte, steht er für mich auch für eine strategische Plattform, die einen kritischen Blick nach vorn und auch zurück zulässt. Du kannst das Album also ruhig als eine vorläufige Quintessenz unserer Arbeit verstehen. Gehört zur Strategie auch der Perfektionismus, mit dem du die zehn Songs gestrickt hast? Ich mag den Begriff »Perfektionismus« nicht besonders – aber ja, du hast recht, mich interessieren die kleinen Dinge, die dann das ganze Große machen. »Ein Detail ist kein Detail« ist einer meiner Lieblingssprüche, mit denen ich meinem Umfeld ganz schön auf die Nerven fallen kann. Aber ich sehe das so: Egal, ob du nun Songs schreibst, Kunst machst oder Kleidung entwirfst, es geht immer darum, der Welt ein wenig Disziplin und Ordnung zu vermitteln. Unsere Gesellschaft ist aggressiv und chaotisch, und Kunst gibt ihr eine gewisse Logik und einen Sinn, und genau darum ist es mir so wichtig, in jedem Moment das Beste aus meiner Arbeit herauszuholen, auch wenn ich vielleicht im ganz großen Bild überhaupt nichts ändern kann. Live am 07.05. in München und beim Melt! Intro empfiehlt

dEUS Vantage Point CD // V2 / Universal


Tom und Veronique - mit dem Porsche ins Glück

Cinéma Belgique Trotz ihrer traditionsreichen Geschichte, blieb es der belgischen Filmszene lange verwehrt, auch über die Grenzen ihrer Heimat hinaus Beachtung zu finden. Zum einen wegen des quantitativ doch recht mageren Outputs, zum anderen wegen der Schwierigkeiten einer eigenen Positionierung im oft nicht nur sprachlich gespaltenen Land. Während wallonische Regisseure wie Gérard Corbiau, Alain Berliner und die Dardenne-Brüder Jean-Pierre und Luc bereits in Neunzigern den Schulterschluss zum französischen Kulturkino schafften, zeichneten sich flämische Produktionen lange durch gesichtslose Adaptionen US-amerikanischer Blockbuster aus. In den vergangenen Jahren sorgten jedoch auch hier ambitionierte Filmemacher wie Felix van Groeningen (»With Friends Like These«, »Steve & Sky«), Fien Troch (»Someone Else’s Happiness«), Patrice Toye (»The Spring Ritual«, »Rosie«) und Tom Barman (»Any Way The Wind Blows«) für eine tragfähige Vitalisierung des klassischen Autorenkinos.

Walter van Beirendonck Er gilt als der Kompromissloseste der Antwerp Six. Neben Hi-EndFashion im farbenfrohen Streetwear-Gewand stehen bei ihm stets auch Ausflüge in angrenzende Disziplinen auf dem Programm: ElectroPartys im Antwerpener Hafenviertel, ein eigener Comic namens »King Konks Kooks« und eine Dozentenstelle an der Königlichen Akademie. Außerdem pflegte er mit W.&L.T. zeitweise eine Demin-Linie und stattete als Kostümbildner neben verschiedenen Theater- und Ballettproduktionen u. a. auch U2 aus. In seinem in einer ehemaligen Tiefgarage untergebrachten Shop präsentiert der Designer neben eigenen Entwürfen auch Arbeiten von u. a. Bernard Willhelm, Sofie d’Hoore, Cosmic Wonder, Bless, Dirk van Saene, Mikio Sakabe und Piet Heim Eek. (St. Antoniusstraat 12, Mo 13-18:30 Uhr, Di-Sa 11-18:30 Uhr)

Ann Demeulemeester Ähnlich wie van Beirendonck flirtet auch Demeulemeester mit den Möglichkeiten der interdisziplinären Kooperation und Aktion. Zwar hat sich die Flämin in den letzten Jahren mit weicheren Formen vom harten, Grunge-inspirierten Look ihrer frühen Entwürfe emanzipiert, gleichwohl spielen das Element des Unfertigen sowie eine behutsam gepflegte Verweiskultur nach wie vor eine maßgebliche Rolle in ihrer Arbeit. So präsentiert sie neben den reinen Catwalk-Kollektionen in regelmäßigen Abständen auch experimentelle Designs, die in Zusammenarbeit mit Künstlern, Fotografen und Musikern wie Rodney Graham, Jim Dine, Patti Smith oder Steven Klein entstehen und im musealen Kontext gezeigt werden. (Verlatstraat 38, Mo-Sa 10:30-18:30 Uhr)


048 Mode

STEMPELKÜSSE

Produktion: Amelie Schneider, Illustration: Anne Lück, Dank an RockOn.de


Mode

Tuch: Revolution _ Sonnenbrille: VonZipper _ Sandale: Dr. Scholl’s _ Visor: New Era

049


050 Mode


Mode

Tuch: Revolution _ Sneaker: Nike _ Tuch: Revolution _ Sneaker: Gravis _ Hut: Ezekiel _ Schlappe: Volcom

051


052 Mode


Mode

Hut: Ezekiel _ Sandale: Dr. Scholl’s _ Visor: New Era _ Hut: Fenchurch _ Slipper: Pro Keds

053


054 Mode

Boogaloo

Das Bild von jungen Nordeuropäern, die sich weite Kleider um die spindeldürren Körper schnüren, zirkuliert seit geraumen Saisons durch die einschlägigen Stil-Gazetten. Etwas abseits vom grau-schwarz geplusterten Modezirkus hingegen haben es sich die Geschwister Anna und Karin Arvidsson mit zwei Stores namens Katitzi im Norden Stockholms bequem gemacht.

D

ieser Tage lungert auffällig oft ein zu dünn angezogener Kerl mit Riesenbrille und Kamera auf Södermalm herum, der wenige Quadratkilometer großen Südinsel Stockholms mit beispielloser Dichte an bestens gekleideten Menschen. Facehunter schafft es mitsamt seinem Streetstyle-Blog kaum noch zurück ins heimatliche East-London, so viel gibt es hier zu knipsen. Wer sich allerdings vom Fashion-Overkill etwas erholen möchte, der spaziert zwei Brücken gen Norden. 2005 öffnete dort, auf Kungsholmen, einer etwas vornehmeren Nachbarschaft, der erste Katitzi-Laden; seit einem Jahr gibt es den zweiten Laden im Stadtteil Vasastan. Marken wie die allgegenwärtige Carin Wester oder das obligatorische Acne findet man bei Katitzi nicht, obwohl, wie Karin Arvidsson erzählt, gerade solche Etiketten der Klientel das Gefühl geben, das Richtige zu tun, stilsicher zu kaufen. Anna und Karin wählen jedoch bewusst am gegenwärtigen Hype vorbei junge, kleinere Labels aus und legen Wert auf gute Handarbeit. So wie bei der detailbesessenen Lingerie von Made By Noemi oder den handgeschneiderten Kleidern von Klara Stark, die um die Ecke im Künstlerkollektiv Detroit entstehen. Für Jungmädchenträume hängt hier Fröken Söt, neben ein wenig schwarz-weißer skandinavischer Hoheit von Drottningen Av Saba. Im Frauenimperium mit Waldtapete vermutet man zuerst keine Männermode, doch mit Menswear wie Garde Of Scandinavia oder dem Jungwunder So Last Season braucht der Herr keineswegs nur ermattet auf seine bessere Hälfte zu warten. Mit 50 bis 150 Euro pro Teil ist man – zumal in Stockholm – bestens bedient, wie auch mit der feinen und erschwinglichen Auswahl exquisiter Vintages und Accessoires. Zudem verlässt kein Kleidungsstück den Laden ohne ein schwesterliches Unikat: Unglaublicherweise wird jede einzelne Papiertüte von Anna und Karin mit Pferden, Löwen und anderen Herzlichkeiten bepinselt. Und weil dann noch im Hintergrund die Cardigans laufen, vergisst man einfach, dass es in dieser Stadt gefühlte acht Monate im Jahr bitterkalt und stockfinster ist. Katitzi shows you love. Text und Foto: Katharina Poblotzki Hantverkargatan 44, Kungsholmen, 11221 Stockholm und Odengatan 24, Vasastan, 11351 Stockholm, www.katitzi.se

Heute schon geboogaloot? Wenn nicht, liegt es vielleicht an den fehlenden Klamotten. So wenig wie lateinamerikanische Tänze im Taucheranzug aufgeführt werden, tanzt man den – nach James Browns »Do The Boogaloo« benannten – Stil in einer gewöhnlichen Hose. Das Label Timezone bewies mal wieder ein feines Gespür für die Bewegungen der Straße und passte seine Streetwear formgerecht an. Der Boogaloo-Pro- und Breakdance-Weltmeister Patrick Grigo a.k.a. B-Boy Parish brachte seine Erfahrungen und Wünsche ins Design der neuen Beinkleider ein – und schon waren die Boogaloo Pants geboren. Der Boog-Style, 1975 in Kalifornien entstanden, ist Streetstyle in Reinkultur. Wie auch andere Funk-Styles von der Westküste, die während der 60er- und 70er-Jahre entwickelt wurden, beansprucht er jeden Teil des Körpers. Die strapazierfähigen Boogaloo Pants sind gürtellos tragbar und schmiegen sich tight um die Hüften. Die Schenkel haben Luft, um gegebenenfalls für einen Overhead Schwung zu holen, bei dem der leichte Schlag blendend zur Geltung kommt. Wer derart ins Schwitzen gerät, wird neben vielen weiteren Annehmlichkeiten vor allem die integrierte Handtuchschlaufe zu schätzen wissen. Dank Frontpocket muss auch der MP3-Player beim Headspin nicht verloren gehen ... Die aufgestickten Initialen »BS« huldigen »Boogaloo Sam«, der den rollenden und raumgreifenden Bewegungen als Erster einen unverwechselbaren Charakter gab. Ebendieser Charakter steckt in den neuen Boogaloo Pants, was sie auch im alltäglichen Gebrauch zu etwas ganz Besonderem macht. Walter Fröhlich Die Boogaloo Pants sind in streng limitierter Auflage erhältlich. www.timezone.de/boogaloo


Mode

01

02

03

04

05

06

07

08

09

DANCING SHOES ... Fotograf Gerrit Starczewski steht jeden Abend in der ersten Reihe. Der Beweis: ein Sammelsurium an Sohlen, Socken und Zehen, von Alison Mosshart bis Thees Uhlmann. Jetzt liegt’s an euch, echtes Fantum zu beweisen. Wer rockt denn da? Zu sehen sind Maral Salmassi, Soulwax, Zoot Woman, Tomte, Uffie, Pigeon Detectives, The Kills, Lo-Fi-Fnk und Grand Island. Auflösung: 01 Grand Island, 02 The Kills, 03 Lo-Fi-Fnk, 04 Maral Salmassi, 05 Pigeon Detectives, 06 Soulwax, 07 Tomte, 08 Uffie, 09 Zoot Woman.

Künstler Kollaboration Der Handyhersteller Nokia arbeitet bei der Kreation seiner Luxustelefone 8800 Arte und 8800 Sapphire Arte mit renommierten Künstlern aus den Genres Musik, Kunst und Mode zusammen. Während die Klingeltöne für diese beiden Handys vom Wiener Produzenten-Duo Kruder & Dorfmeister entwickelt wurden, zeichnet sich für die Videosequenzen, die bei einem eingehenden Anruf im großen Farbdisplay des Telefons erscheinen, der österreichische Fotograf, Lichtdesigner und Projektionskünstler Fritz Fitzke verantwortlich. Die Präsentation der neuen Mobiltelefone fand gemeinsam mit der Kollektionsvorstellung der Schmuck- & Modedesignerin Sabrina Dehoff (www.sabrinadehoff.com) in Berlin statt. Eigens für den Event fertigte Dehoff ein exklusives Accessoire an. Dabei ließ sie sich von der Form und den Werkstoffen der Telefone inspirieren. So entstand eine Münze am Lederband aus 925 Sterling Silber mit der eingestanzten Silhouette eines Flugzeuges. »Ich wollte einen rauen Kontrast zum Design des Telefons schaffen, aber nah an den Materialien bleiben«, erklärt sie. Die in schwarz und rotbraun erhältlichen Designhandys sind mit 3,2 Mega-Pixel Kamera mit 8-fachem Zoom ausgestattet und verfügen über einen MP3-Player mit 1GB Speicherkapazität sowie einen Micro USB-Anschluss. Zahlreiche raffinierte Funktionen, wie z.B. eine ausgeklügelte Anrufstummschaltung oder die speziell beschichteten Metall- und Glasoberflächen zur Vermeidung von unschönen Schlieren auf dem Gehäuse, runden das luxuriöse Ausstattungspaket ab. Text: Kay Alexander Plonka

055


056 Mode

KOPIERTE LITERATUR Bei Bomberjacken denkt man nicht automatisch an Style. Ein Fehler, wie Lars Brinkmann meint, zumindest, wenn man vom Modell MA-1 spricht. Dieses in Japan gefertigte Stück Mode lässt die Alpha-Industries-Welt im Staub zurück. Illustration: Elisabeth Moch

M

it »Pattern Recognition« (dt. »Mustererkennung«) veröffentlichte William Ford Gibson im Jahr 2003 einen der besten, wenn nicht den besten Roman seiner Karriere. Es ist die milde futuristische Geschichte um eine Frau, die ihr Geld als sogenannter Cool Hunter verdient. Cayce Pollard berät Global Player bei der Gestaltung von neuen Firmenlogos und spürt Modetrends an der Basis auf. Unter anderem prädestiniert sie eine Logo-Allergie für ihren Job; wenn sie beispielsweise in einem Kaufhaus auf eine Komplettdekoration von Tommy-Hilfiger- oder Ralph-Lauren-Klamotten trifft, bekommt sie Panik-Attacken. Weil Pollard über diesen übersensibilisierten Sinn für »Global Brands« verfügt, kann sie keine »Label-Mode« tragen. Stattdessen kleidet sie sich in das schmucklose Schwarz namenloser Hersteller. Ihr einziger Schatz ist ein spezielles Exemplar der klassischen Bomberjacke vom Modell MA-1, wie es seit 1957, von leichten Modifikationen abgesehen, bis zum heutigen Tag unverändert beim amerikanischen Militär zum Einsatz kommt. Das Besondere an Pollards Jacke ist deren Machart: In detaillierter Kleinstarbeit gefertigt von japanischen Otakus, auf den Original-Nähmaschinen der Fünfziger, ist sie so etwas wie ein Fetisch. Sie ist »originaler als original«, denn sie besteht vom Nylon bis zum Reißverschluss aus denselben authentischen Materialien wie das Original, brilliert aber darüber hinaus mit einer weitaus besseren, weil liebevolleren Verarbeitung. Diese MA-1 könnte jedem Hooligan und Skinhead die Schamröte

ins Gesicht treiben, sie ist die Antipode zu allen Pervertierungen aus dem Hause Alpha Industries – sie ist nicht nur der Inbegriff des Cools, sie ist das ultimative Kleidungsstück für die Styler unter den alles Modische verachtenden Konsumverweigerern. Diese japanischen MA-1-Jacken gibt es schon lange – ein Freund von Gibson ist Militaria-Sammler und hatte ihm in der Vorbereitung zu »Pattern Recognition« von den speziellen Repliken erzählt. Ob Gibson ihm nicht richtig zugehört hat oder einfach seiner Fantasie freien Lauf ließ: Fest steht, dass es diese spezielle, nach dem 57er-Urmodell geschneiderte Bomberjacke nur in der Originalfarbe Oliv gab und nicht, wie in Gibsons Roman beschrieben, in Schwarz. Doch das Leben sollte diesmal die Literatur kopieren. Der Erfolg des Buches führt dazu, dass sich die japanischen Otakus von der Firma Buzz Rickson mit Gibson kurzschlossen, um eine »William Gibson Collection« aus der Taufe zu heben. Die Jacke gibt es also jetzt in Schwarz, sie kostet in Amerika 499 Dollar und in Japan »etwas« weniger. Alle paar Monate taucht mal eine bei eBay auf. Happy Hunting!


foto: markus palzer


058 Film Gus Van Sant / Paranoid Park

DAS SOGENANN TE LEBEN Skate till someone dies: Gus Van Sant variiert in seinem jüngsten Film »Paranoid Park« noch mal das Todesthema samt Adoleszenz-Sorgen in der Welt der Erwachsenen. Sein junger Held Alex ist ein Raskolnikoff auf Rollen. Die Schuldfrage wird atmosphärisch gelöst. Pascal Jurt rekapituliert.

Kameramann Christopher Doyle & Regisseur Gus Van Sant

G

us Van Sant kehrt mit seinem jüngsten Film »Paranoid Park« nach Oregon zurück. Die Bilder von Portland. Die Brücke zwischen den Ufern. Die ockerfarbenen und rot schillernden Herbstbäume. Der bewölkte graue Himmel. All das wirkt sofort vertraut. Der Regisseur variiert noch einmal das Todesthema seiner vorausgegangenen Trilogie. »Paranoid Park« spielt außerdem nicht nur am selben Ort, geografisch, sondern im selben sozialen Milieu – in der amerikanischen Mittelklasse. Gus Van Sant, US-Independent-Ikone und sensibler Chronist des Heranwachsens, porträtiert stets junge Outsider, die sich den sozialen Disziplinierungszwängen widersetzen. Anders als in den Filmen der Trilogie, die den Zugang zu den Emotionen und Gedanken der Protagonisten verweigerten, zielt »Paranoid Park« allerdings mitten auf die Gefühlswelt des Teenagers. Es ist die aufregende Geschichte des 16-jährigen Skaters Alex (Gabe Nevins). In einer der ersten Einstellungen sieht man den Jungen, der die Ferien bei seinem Onkel an der Küste Oregons verbringt. Dort sitzt er einsam auf einer steinernen Bank am Hügel. Mit einem Bleistift macht er Einträge in sein Notizbuch. Wenn der Film beginnt, sind die wichtigsten Ereignisse schon geschehen. Alex erinnert sich in Rückblenden. Ein komplexes Mosaik aus Fakten offenbart nach und nach: Alex hat den Tod eines Sicherheitsmannes zu verantworten. Der Highschool-Schüler und sein Freund Jared (Jake Miller) streunen somnambul durchs sogenannte Leben. Magisch angezogen werden die beiden Jungs vom Skatespot »Paranoid Park«. Als Alex’ Vater mit einem Buddy Ferien macht, zieht der Sohn zu seinem Kumpel. Sie be-

schließen, an einem Tag, wenn Jareds Eltern weg sind, wieder an den Platz zurückzukehren, wo sich die StreetSkater und andere Outlaws treffen. Als Jared wegen eines Dates mit einem Mädchen den Plan abbläst, geht Alex alleine hin. Der 16-Jährige wird von einem älteren Skater zum Bahnsurfen mitgenommen, wo er zufällig mit einem

Skateboard des Todes


Film

059

»Baby, es ist aus!«

Ordnungshüter in eine Auseinandersetzung gerät. Beim Gerangel fällt der Ältere auf ein Gleis und wird von dem herannahenden Zug erfasst. Wie in einem Albtraum schaut Alex auf den zerteilten Leib des Wachmannes. Das Reale bricht in die éducation sentimentale ein. Alex spricht mit niemandem über den Unfall und versucht sein normales Leben weiterzuführen. Van Sant spürt dem Verlust der jugendlichen Unschuld und der Angst, enttarnt zu werden, intensiv nach. Alex trägt seine Schuld wie unter Narkose durch den Alltag, schleppt sein Schicksal durch die endlos langen Korridore der Highschool. Alex’ Gewissensbisse und seine teenage angst werden in flirrenden, schwebenden, quasi impressionistischen Bildfolgen erzählt. Er geht zum Haus von Jareds Eltern, duscht sich, wechselt die Klamotten und versucht seinen Vater anzurufen. In anderen Einstellungen sieht man Alex, wie er mit seiner Freundin nach dem ersten Sex Schluss macht. Und wie er in der Schule, zuerst einzeln, danach mit seinen Skater-Kumpels von einem Detective (Dan Liu) zum Tod des Wachmanns befragt wird. Die Fragen des Polizisten und die Sätze der Mittelstands-Eltern surren an Alex’ Lebenswelt vorbei. Die Erwachsenen und ihre Werte werden auch von der Kamera ausgeschlossen. In der Szene, wo sich Alex’ Vater (Jay »Smay« Williamson) nach dem Wohlbefinden des Sohnes erkundigt, bleibt dieser zunächst unscharf. Als Zuschauer vermutet man einen all-american dad hinter der Stimme. Scharf gestellt, entpuppt sich der Vater jedoch als volltätowierter Ex-Skater mit fliegendem Flanell-Hemd. Mainstream der Minderheiten! »Paranoid Park« teilt mit seinen Vorgängern nicht nur die jugendlichen Protagonisten und Laiendarsteller (die

für diesen Film via MySpace gecastet wurden). Sondern auch die Zeitschleifen und das Pendeln zwischen Begehren und Mangel im Alltag. Dazu eine Tonspur, die, wo sie vom Bild abgekoppelt wird, ein Flirren erzeugt. Der atmosphärische Sound, die traumverlorene ausdrucksstarke Bildsprache von Wong Kar-Wais langjährigem Kameramann Christopher Doyle, die Super-8-Skateboard-Ästhetik von Rain Kathy Li, die unorthodoxe Narration: typisch Gus Van Sant. Das Abweichen von einer klassischen Dramaturgie der Situationen taucht ein in die Erfahrungswelt des jungen skatenden Raskolnikoff, ohne sich anzubiedern. Im Zusammenspiel mit dem Score – inklusive Nino Rotas Kompositionen für Fellinis »Amarcord«, diesem Reigen der Erinnerung an die Erinnerung – ist es vor allem die Tonebene, die die Türen der Wahrnehmung öffnet. Während die Romanvorlage von Blake Nelson in Form eines Tagebuchs den direkten Zugriff auf die Subjektivität des Protagonisten ermöglicht, fasst Van Sant die Schuld des Jugendlichen weniger mit Psychologie, vielmehr atmosphärisch. Selten ist in letzter Zeit jemand Robert Bressons Satz so nahe gekommen, wonach man die Endlichkeit mitbedenken sollte, um durch diese Folie einen anderen Blick auf alltägliche Details und Gesten zu gewinnen, wie Gus Van Sant mit »Paranoid Park«.

Paranoid Park F/USA 2007 R: Gus Van Sant; D: Gabe Nevins, Taylor Momsen, Jake Miller, Dan Liu, Lauren McKinney, Scott Green; 15.05.

Trilogie des Todes Seine letzten drei Filme bezeichnete Gus Van Sant als »Trilogie des Todes«, sie beruhen auf wahren Ereignissen. Im 2002 gedrehten »Gerry« suchen die Protagonisten in der Wüste eine Extremerfahrung, an der sie fast zugrunde gehen, »Elephant« (2003) versucht sich dem Massaker an der Columbine Highschool zu nähern, und »Last Days« (2005) verhandelt die Einsamkeit Kurt Cobains vor dessen Tod.

Nino Rota ... wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem als Verfasser von Filmmusik bekannt. Er komponierte insbesondere für Federico Fellini (»La Dolce Vita«, »8 ½«, »Amarcord«, »Casanova«), Luchino Visconti (»Rocco und seine Brüder«, »Der Leopard«) und Francis Ford Coppola (»Der Pate«).


060 Film

»The Zoo« - Zeitguised haben Funkstörung ein Flugzeug für den Clip geschenkt

Die 54. Oberhausener Kurzfilmtage feiern ein Jubiläum: Zum zehnten Mal wird der MuViPreis für das beste deutsche Musikvideo verliehen. Seit Anfang an dabei im Organisationsteam ist Festivalleiter Lars Henrik Gass. Mit ihm sprach Oliver Minck.

D

er Musik-Clip hat sich in den letzten zehn Jahren vom Leitmedium des Pop zum Randprodukt entwickelt. Wie macht sich das bei euch bemerkbar? Diese Entwicklung stellt ja in gewisser Weise in Frage, was wir da tun. Der Musicclip wurde vom Musikfernsehen erfunden, nun hat sich diese Gattung komplett davon emanzipiert. Fast keiner der Clips, die wir dieses Jahr zeigen, ist im Fernsehen gelaufen. Trotzdem ist die Gattung nicht totzukriegen. Interessant ist, dass das Musikfernsehen ja gewisse Konventionen mit sich brachte, die jetzt weitgehend entfallen. Dadurch entstehen neue schöpferische Impulse. Aber auch sehr gewalttätige, sehr sexualisierte Musikvideos.

54. Oberhausener Kurzfilmtage

MUVI WIRD 10


Film

Sind denn klare künstlerische und ästhetische Tendenzen und Entwicklungen auszumachen? Abseits des richtig kommerziellen Segments gibt es in Deutschland überhaupt keine Budgets mehr. Dadurch entstehen neue ästhetische Strategien: Material aus anderen Filmen wird entwendet und wiederverwertet. Animationen werden wichtiger und Arbeitsweisen, die von Einzelnen am Computer bewerkstelligt werden können. Wie wichtig sind die Kunsthochschulen für den MuViPreis? Es gab einen Zeitpunkt, da dachte man, das Musikvideo sei nur noch ein Übungsfeld für Filmstudenten. Natürlich haben wir immer wieder und auch in diesem Jahr Videos dabei, die ganz klar zu solchen Zwecken entstanden sind. Dennoch hat das Musikvideo eine solche Selbstständigkeit entwickelt, dass es zu einer eigenen Kunstform geworden ist. Die meisten bei uns gezeigten Videos kommen dementsprechend auch nicht von den Hochschulen. Was waren deine persönlichen Highlights in zehn Jahren MuVi-Preis? Sind auch absurde Dinge passiert? Als wir anfingen, war ja gerade die Hochzeit von Regisseuren wie Chris Cunningham und Michel Gondry, deren Arbeiten wir natürlich gezeigt haben. Auch in Deutschland wurden damals sensationelle Clips gedreht, z. B. von Deborah Schamoni für die Goldenen Zitronen oder von Michael Klöfkorn und Oliver Husain für Sensorama. Die absurdeste Geschichte: Chris Cunningham war 1999 zu Besuch auf dem Festival. Er checkte ins Hotel ein, verließ es nicht mehr, ward nicht mehr gesehen und flog dann unverrichteter Dinge wieder zurück.

COLIN FARRELL BRENDAN GLEESON RALPH FIENNES

Nach welchen Kriterien stellt ihr die Jury zusammen? Wir bemühen uns, immer jeweils eine Person aus den Bereichen Musik, Regie und Popkultur zu bekommen. Gerne auch international besetzt, denn in Deutschland ist die Szene sehr klein, und man kennt sich untereinander zu gut. Welche Qualitäten muss ein Clip erfüllen, damit er bei euch gute Chancen hat? Und was geht nicht? Es gibt keine vordefinierten Kriterien, aber eine Arbeit muss überraschen und aus der Masse herausragen. Es gibt durchaus gute Videos, die einfach nur die Konventionen erfüllen. Die sind bei uns fehl am Platz. Unser Preis hat die Aufgabe, Innovation zu stärken. Wir haben die Clips von Anfang an auf der Leinwand in groß gezeigt, wie man sie im Fernsehen niemals zu sehen bekommt. Durch die Projektion erhält das Bild ja gewissermaßen den gleichen Status wie der Ton, der automatisch weiter in den Raum eindringt. Man kann und soll die Musik aber auch nicht ausblenden. Und eine sehr konventionelle Musik beeinflusst natürlich auch die generelle Beurteilung des Musikvideos negativ. Zehn Jahre MuVi-Preis: Wie wird gefeiert? Am FestivalSamstag machen wir eine Party im K14, dem Oberhausener Festivalcafé, mit Console und Jan Jelinek. Beide waren mit ihrer Musik wiederholt beim MuVi-Preis vertreten. Und The Notwist haben ja auch in diesem Jahr einen Clip in der Endauswahl. Intro empfiehlt: Kurzfilmtage Oberhausen 01.-06. Mai; Am 03. Mai, steigt nach der Preisverleihung die Jubiläumsparty im K14, Eintritt: EUR 5.

061

MuVi Preis 2008 Erdmöbel »Aus meinem Kopf« R: Sandeep Mehta Luigi Archetti & Bo Wiget »Bestes deutsches Musikvideo« R: Luigi Archetti & Bo Wiget Michael Fakesch »Blackbird« R: Giraffentoast Sigur Rós »Der Jäger und der Bär« R: Joachim Brandenburg Michael Fakesch »Dot« R: Jörg Petri Stereo Total »Ich bin der Stricherjunge« R: Simone Gilges Bonnie »Prince« Billy »Love ComesTo Me« R: Oliver Pietsch Kutti MC feat. Endo Anaconda »Mon Bébé« R: Kaya Inan Kaspar Astrup Schroeder »Real Snow« R: Lisa Rave Rechenzentrum »Terra Incognita« R: Lillevän Food For Animals »Tween My Lips« R: Martin Sulzer The Notwist »Where In This World« R: Markus Wambsganss

Mitmachen beim MuVi-Voting: Alle Videos unter www.intro.de/spezial/muvi

www.brueggesehenundsterben.de

AB 15. MAI IM KINO!


062 Film

Ben X

GIB DEM AFFEN FOOTAGE Von »Robinson Crusoe« über »Werther« hin zum »Blair Witch Project«, »Cloverfield« und »[•REC]«. Dietmar Kammerer war im Kino, um sich den neuesten Horror in Found-FootageÄsthetik anzusehen – und holt zum blutigen Assoziationskettenmassaker aus.

N

ur die Kamera überlebt: Ein paar Jahre ist es schon her, dass im »Blair Witch Project« ein Film die schöne Prämisse durchexerzierte, wonach das, was wir zu sehen bekommen, kein Produkt raffinierter Inszenierung ist, sondern vorgefundenes Material. Das letzte Zeugnis einer dermaßen Schrecken erregenden Begebenheit, dass nur noch die Kamera von ihr berichten kann, weil alle sonstigen Beteiligten ins Gras beißen mussten. Das Prinzip ist nicht neu: Schon Daniel Defoe vermied es tunlichst, seinen Namen auf der Erstausgabe der Tagebücher eines gewissen »Robinson Crusoe« erscheinen zu lassen. Auch Goethe hat die Briefe des jungen Werther lediglich vermittelnd an die Leser weitergegeben. Okay, genug verstaubte Literaturgeschichte. Das Kino hat das Zepter übernommen und präsentiert in rascher Folge Found-Footage-Horror: Im Januar erst hat J. J. Abrams in »Cloverfield« eine schrumpfende Gruppe von Hobbyfilmern durch New York gejagt, das mal wieder von einer Monster-Attacke heimgesucht wird. Schon im letzten Jahr, aber noch ohne deutschen Starttermin, lieferte George Romero mit »Diary Of The Dead« den fünften Teil seiner Zombie-Saga – angelegt als Video-Tagebuch. Das Dilemma der Echtzeit-Horror-Dramen liegt darin, dass niemand, der auch nur ein bisschen Verstand bewahrt hat, die Kamera

draufhält, wenn eine Gruppe hungriger Untoter auf ihn zu gerannt kommt. Und wenn, ist das Ganze so verwackelt, dass dem Kinopublikum auch ohne Schockeffekte, Kunstblut und offen gelegte Hirnschalen übel wird. Die Regisseure Balagueró und Plaza dachten sich wohl dasselbe und schicken daher in [•REC] ein Fernsehteam an die Zombie-Front. Die können halt nicht anders. Es beginnt harmlos. Eine Moderatorin und ihr Kameramann verbringen die Nacht in einer Feuerwehr-Station, dokumentieren die Routine, warten auf einen möglichen Einsatz. Dann der Anruf: Eine alte Frau hat sich in ihrer Wohnung eingeschlossen, Nachbarn haben fürchterliche Schreie gehört. Als das Team im Haus ankommt, gerät die Situation innerhalb von Minuten außer Kontrolle – und sämtliche Ausgänge sind abgesperrt, denn die Regierung will eine Verbreitung der Plage verhindern. System zu, Druck erhöhen. Ein intelligent mit den bekannten Elementen inszenierter Schocker für Liebhaber des Genres. Die wahren Fans werden zwar kaum Überraschendes, dafür viel Unterhaltsames darin finden.

Ein eigenbrötlerischer Junge wird gehänselt und flüchtet sich in die Welt der Computerspiele. Wir wissen, wie das ausgeht: Schulhofmassaker! In Nic Balthazars Spielfilmdebüt »Ben X« denkt man sehr lange an eine solche Auflösung. Der Regisseur selbst ist daran nicht ganz unschuldig. Das Drama wird im Rückblick erzählt: In pseudodokumentarischen Interviews mit Beteiligten erfahren wir, dass das Unheil nicht hätte passieren dürfen. Tatsächlich geht es aber um einen 17-jährigen, leicht autistischen Jungen, der nicht Täter, sondern Opfer von Gewalt ist. Ben findet sich im Leben nicht zurecht und braucht Stützen, die ihm Sicherheit suggerieren. So pflegt er zwanghaft Rituale und filmt ständig seine Umwelt. In »Ben X« verschlingen sich Themen der digitalen Welt: Ben wird von seinen Mitschülern nicht nur schikaniert, sie stellen seine per Handy gefilmte Schmach sogar für alle sichtbar ins Netz. Als Kontrapunkt dient Bens Rückzug in die Fantasywelt des Online-Computerspiels »Archlord«. Dort ist er stark und mächtig, trifft auch immer wieder auf seine Spielpartnerin Scarlite, die »Heilerin«. Das kann man wörtlich in die reale Welt übertragen, denn Scarlite ist die Einzige, die die Gefahr erkennt und versucht, in der Wirklichkeit 1.0 mit ihm in Kontakt zu treten. Auf Bens autistische Störung ist sie aber auch nicht vorbereitet. Die Szene, wo Ben auf Scarlite trifft, ist ein Highlight des Films. Hauptdarsteller Greg Timmermans macht Bens Paranoia auch sonst spürbar. Die Bilder des Games legen sich immer wieder über sein Wahrnehmungsfeld. Novum: Nic Balthazar hat »Archlord« nach einem festen Drehbuch spielen lassen, um die fürs Filmskript passenden Bilder zu bekommen. Christian Meyer

[•REC] (E 2007; R: Jaume Balagueró, Paco Plaza; D: Javier Botet, Manuel Bronchud, Martha Carbonell; 08.05.).

Ben X (B/NL; R: Nic Balthazar; D: Greg Timmer-

Preview-Termine: www.intro.de/previews

mans, Laura Verlinden, Marijke Pinoy; 08.05.)


Film

SEHEN SIE DAS KLEINGEDRUCKTE!

063

1.Mai

Zehn Mark für einen Vortrag von Klaus Kinski über keinen Geringeren als Jesus Christus – so eine Show geliefert bekommen und sich dann noch beschweren? Diesen Wirtschaftswunderdeutschen ging’s wohl zu gut! Peter Geyer liefert ein Zeitdokument.

I

ch bin nicht der offizielle Kirchenjesus, der unter Polizisten, Bankiers, Richtern, Henkern, Offizieren, Kirchenbossen, Politikern und ähnlichen Vertretern der Macht geduldet wird. Ich bin nicht euer Superstar!« So spricht Klaus Kinski im November 1971 in der Berliner Deutschlandhalle, die anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 errichtet und 1935 im Beisein Adolf Hitlers eingeweiht wurde. Der Skandalabend mit dem 1926 als Nikolaus Nakszynski geborenen Kinski wurde von Nachlassverwalter Peter Geyer aus 135 Minuten Rohmaterial von vier Kameras zum 84-minütigen Zeitdokument montiert. Und zwar so hervorragend, dass sich dessen konkurrierende Protagonisten – Kinski vs. Publikum vs. Text – ein fast unentschiedenes Match liefern, dem man heute im Kino ungestört beiwohnen kann. Wer oder was war der ei-

gentliche »Skandal«? Geschätzte 4.000 Menschen lösten ein Ticket für zehn Mark, um Kinski zu sehen. Der war damals wohl kaum aufgrund seiner ein Jahrzehnt zurückliegenden Rezitationen von Rimbaud, Tucholsky, Brecht oder Villon bekannt. Sondern eher für sein reges Mitwirken in Edgar-Wallace-Verfilmungen. Zehn Mark, um diesen Kinski sehen und sprechen zu hören – ein Schnäppchen! Damals war’s, wie mit »Jesus Christus Erlöser« jetzt für die Nachwelt überliefert, nur für die wenigen bis zum Schluss verbliebenen Zuschauer eine dufte Idee von Abendunterhaltung. Kinski, der seine erste Filmrolle 1948 in der Artur-Brauner-Produktion »Morituri« bekam, war noch nicht Werner Herzogs »Aguirre«, »Nosferatu«, »Woyzeck« oder »liebster Feind«, als er sich ohne Musik und Bühnenbild, Kostüm oder Special-Effects auf die Bühne der Deutschlandhalle stellte, um seinen etwa 30-seitigen Jesus-Text zu sprechen. Der präsentiert – sofern er ihn denn frei von Zwischenrufen, die nach ein paar Zeilen einsetzen, und zig Bühneninvasionen vortragen darf – keinen Happy-HippieJesus, dafür die Klaus-Kinski-Version. Und die hat mit Institutionen und Konformismus halt so viel zu tun wie Glaube mit der Institution Kirche oder Geborgenheit mit einer Hausratsversicherung. Erinnern wir uns, wie Désirée Nosbusch im vergessenen Dokument der Fernsehgeschichte, »Zeit zu zweit«, den neben ihr an einen Baum lehnenden Kinski fragt: »Hast du nicht mal das Neue Testament gelesen?« Antwort: »Gelesen?!? Nie! Das könnt ich gar nicht lesen, das ist viel zu klein gedruckt.« Birgit Binder Jesus Christus Erlöser (D 2008; R: Peter Geyer; D: Klaus Kinski und Publikum; 15.05.)

Badland Das Genre unmodern gewordener Antikriegsfilme erfährt in »Badland« eine Wiederbelebung, die zum Scheitern verurteilt ist. Es geht um die Erlebnisse eines Irakkriegsveteranen, der in einer Kurzschlussreaktion fast seine gesamte Familie ermordet. Jamie Draven porträtiert den zum Überleben entschlossenen Kriegsheimkehrer Jerry, der seiner im Kampfeinsatz gewonnenen Erkenntnis, dass das Leben unersättlich, aber nicht lebenswert ist, all seine Bedürfnisse opfert. Sein Gegenpol ist Max, ein scheinbar resozialisierter Polizisten mit Armee-Vergangenheit, der unter den Folgen der posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Auf seinem Höhepunkt bringt der Film den Glauben als Legitimation für die Willfährigkeit des Menschen durchaus plastisch auf den Punkt, ohne politische Schlüsse daraus zu ziehen. »Badland« ist ein hochmoralischer Film, der sich mit seiner Gletschergeschwindigkeit (auf immerhin 160 Minuten) anfühlt wie Echtzeit, jedoch an der Zielgruppe vorbeigedreht erscheint. Die Quintessenz seiner Botschaft liefert ausgerechnet Bruce Springsteen, der im Abspann davon singt, dass uns das Überleben um die Dinge bringt, die wir lieben. Zum Ende wird noch die Möglichkeit suggeriert, das Gezeigte als psychologisches Spiel der Möglichkeiten zu verstehen, das dennoch nur einen Schluss zulässt: Die Internalisierung des erfahrenen Unrechts lässt sich nur im Kontext gefühlter Überlegenheit ertragen. Diesen Luxus gewährt Regisseur Lucente allerdings nie – als »Badland« stehen die USA da, denen dieser Ausgleich diesmal versagt bleibt. Alexander Dahas

Wenn gegen Ende des Films der Verlauf des 1. Mais in einer Fernsehreportage im Hintergrund als der friedlichste der letzten 20 Jahre bezeichnet wird, widerspricht das nahezu allem, was dessen Protagonisten in den letzten 24 Stunden widerfahren ist. Die schwarze Katze, die den Weg des Polizisten Uwe zu Beginn des Tages kreuzt, scheint dies augenzwinkernd vorwegnehmen zu wollen. Dieser hat soeben erfahren, dass seine Frau ihn betrogen hat; für seine »unmännliche« Reaktion wird er daraufhin auch noch von ihr verhöhnt. Auch den anderen Akteuren – dem elfjährigen Türken Yavuz und den beiden »Krawalltouristen« Jacob und Pelle – wird dieser Tag unvergesslich in Erinnerung bleiben. Die drei Geschichten, die unabhängig voneinander von den vier Regisseuren Sven Taddicken, Ludwig & Glaser und Jakob Ziemnicki rund um diesen einen Tag in Kreuzberg erzählt werden – und deren letztlich einzige Vorgabe war, sie in ein und demselben Krankenhaus münden zu lassen –, bleiben dem zu vermutenden Konflikt jedoch fern. Nicht die Auseinandersetzung zwischen Polizei und Demonstranten steht im Mittelpunkt, sondern vorhergehende Ereignisse und deren daraus resultierende Handlungen, Alltagskonflikte und zufällige Begegnungen werden durch dieses Ereignis in neue Konstellationen gebracht. Dass sich die drei Regisseure in einem Interview anlässlich der diesjährigen Berlinale, wo der Film die Reihe »Perspektive Deutsches Kino« eröffnet hat, von der »sozialistischen Produktionsweise« erst einmal wieder weg hin zu je eigenen Projekten gewünscht haben, lässt vermuten, dass die Zusammenführung der drei Teile nicht ganz problemlos vonstattenging. Das letztlich sehenswerte und recht homogene Resultat mit Soundtrack von u. a. Kissogram und Schneider TM war die Mühe jedoch wert. Michael Schewetzky 1.Mai (D 2008; R: Ludwig & Glaser, Sven Taddicken, Jakob Ziemnicki; D: Jacob Matschenz,

Badland (USA 2007; R: Francesco Lucente; D: Jamie Draven;08.05.)

Ludwig Trepte; 30.04.)


064 Film

Brügge sehen ... und sterben? Brügge – für Ray ist das wie eine Strafversetzung. Nachdem in London ein Auftrag schiefgelaufen ist, müssen die beiden Auftragskiller Ray und Ken in Brügge untertauchen. Ihr Boss Harry spendiert ihnen den Urlaub, dort sollen sie auf weitere Instruktionen warten. Heißsporn Ray findet das nicht besonders toll. Im Gegensatz zum älteren Ken kann er an den touristischen Attraktionen nichts finden. Lieber säuft und pöbelt er rum. Als er wieder mal durch die Nacht streift, meldet sich der Boss bei Ken und ordnet Rays Tötung an. Durch Rays Schuld ist beim letzten Auftrag in London ein Kind umgekommen – ein unverzeihlicher Fehler. Mit Konsequenzen: Der vermeintliche Urlaub ist in Wahrheit als Abschiedsgeschenk an Ray gedacht. Weil Harry in der mittelalterlichen Stadt einst eine märchenhafte Zeit verlebt hat, hält er den Ort als letzte Ruhestätte für angemessen. Aber Ken empfindet für Ray fast väterliche Gefühle und muss sich nun zwischen seinem Zögling und seinem Boss entscheiden, während Ray zunehmend unter seiner Schuld leidet und sich am liebsten selbst richten würde. Im idyllischen Brügge entfaltet sich ein tödliches Beziehungsdreieck, das Regisseur Martin McDonagh schwung- und humorvoll inszeniert. Zuvor war der Brite mit dem Oscar-prämierten Kurzfilm »Six Shooter« auffällig geworden. Nach einem unsicheren Debüt sieht diese schwarze Komödie aber gar nicht aus. Auch die absurd-philosophischen Dialoge sitzen perfekt. Und die ausgezeichneten Darsteller, allen voran Colin Farrell und Brendan Gleeson, sind in ihren Rollen souverän. Ein großer morbider Spaß. Christian Meyer

Brügge sehen ... und sterben? (GB 2008; R: Martin McDonagh; D: Colin Farrell, Brendon Gleeson; 15.05.)

SWEET NOTHING Zwei Filme wider die Konventionen der Erwachsenenwelt: Alexis Dos Santos’ »Glue« spielt in der landschaftlichen Leere Patagoniens und im Vakuum zwischen 15 und 17. Julia von Heinz’ »Was am Ende zählt« handelt von Freundschaft im urbanen Hohlraum.

B

egnadete Improvisationsregie, exzellente DV- und Super-8-Kameraarbeit und ein tolles SchauspielerInnen-Trio bewirken, dass einem schwindelig wird in Alexis Dos Santos’ Debütfilm »Glue«. Seine Adoleszenz-Geschichte beweist mit Leichtigkeit und Eleganz, wie voll die Leere zwischen 15 und 17 sein kann. Und wie que(e)r und wundervoll sie sich selbst in widrigster Umgebung von »Erwachsenen« auszubreiten vermag. Um wie viel smarter als die Alten wirkt doch der 16-jährige Lucas auf seinem Fahrrad. Unterwegs zur Bandprobe – mit Violent Femmes auf den Ohren sowie Nacho (so crisp kann jemand heißen!) und Andrea im Kopf. Als er von Wasserbeuteln getroffen wird, verschwendet Lucas keine Zeit an die Angreifer. Er kramt im Rucksack, inspiziert die Blätter mit seinen Lyrics und legt sie sorgfältig zum Trocknen in die Sonne. »Worin liegt der Unterschied, einen Jungen und ein Mädchen zu küssen?« fragt Lucas im Off. Die Antwort: »Jungs haben Bärte, sonst ist es das Gleiche.« Drag Kingz, Queens und alle anderen hin oder her – es sei ihm verziehen! Denn Ines Efron spielt die Andrea so gut, dass dieser Filmfigur noch nach dem Schlussbild eine Menge zuzutrauen ist. Ganz besonders inmitten des Nichts. In einem urbanen Nichts müssen sich die beiden jun-

gen Frauen Carla und Lucie in Julia von Heinz’ Debüt »Was am Ende zählt« behaupten, das schon vor seinem Bundesstart im Programm des Verzaubert-Festivals zu sehen war. Carla weiß, was sie nicht will: länger bei ihrem alkoholisierten Vater bleiben. Und auch, was sie will: nach Lyon gehen und Mode studieren – Pech nur, dass ihr Gepäck und Geld noch direkt am Bahnhof geraubt werden. Sie geht auf den Tauschhandel Schlafplatz gegen Vergewaltigung ein, den ihr der Imbissbuden-Gigolo Rico anbietet. Ausgerechnet den zählt Straßenfrau Lucie, die am nächsten Morgen bei Carla in Ricos Container auftaucht, zu ihrer »Familie«. Da kann Carla nur die Augen verdrehen und »Oh Gott« stöhnen. Bis sie feststellt, schwanger zu sein, und von Lucies Kenntnissen des Krankenversicherungssystems überzeugt wird. Die Geschichte von Carla und Lucie bleibt bis zum Ende spannend. Auf welche Art Tauschhandel und mit wem Frau sich einlassen sollte, bleibt jeder selbst überlassen. Julia von Heinz gelingt mit ihrem Film eine klare Stellungnahme ohne pädagogisches Geschwurbel. Am Ende zählt auch das. Birgit Binder Glue (RA 2006; R: Alexis Dos Santos; D: Nahuel Perez Biscayart; 01.05.) Was am Ende zählt (D 2007; R: Julia von Heinz; D: Paula Kalenberg; 01.05.)


DVD

HOROSCOPE Sterne und Filme im Mai STIER 21.04. bis 21.05. An der kosmischen Liebesfront ziehen diesen Monat Wolken auf. Da lohnt der Blick auf Leute, denen es schlechter geht. Dem Personal von ÂťMarried LifeÂŤ (08.05.) zum Beispiel. ZWILLINGE 22.05. bis 21.06. Solange Venus im dritten Haus steht, solltest du deine illegalen StraĂ&#x;enrennen ins Wohnzimmer verlegen. Dank ÂťSpeed RacerÂŤ (08.05.) von den Wachowski-BrĂźdern ist Ersatzbefriedigung kein hohles Wort mehr. KREBS 22.06. bis 22.07. Als junges Mädchen hielten dich alle fĂźr einen Tomboy, nur weil du wehleidige Heuchler mit Geltungsdrang noch nie ausstehen konntest. ÂťIndiana Jones IVÂŤ (22.05.) und Merkur sehen die Dinge nun auf deine Weise. LĂ–WE 23.07. bis 23.08. Gus Van Sants Skaterfilm ÂťParanoid ParkÂŤ (15.05.) ist eigentlich trauriger als ein Double Ollie auf Torfboden, aber andererseits steht Mars diesen Monat in Konjunktion mit deiner Geburtssonne. Also riskier was!

 åbô¦¥dôô¦¤¤¬ôô   æ *ñ'$C!#,#`ñþ##dñ£«ñ'ñ\ð#!((dñ£ªñ']ñ *,1'"#ñ")dñ ô æ åbô ôbô

ĂĽ  Ă´Ă™  bĂ´ĂŚ Ă´ĂĽ $'')Ăą+$#dĂą  Ă´; ĂŻ#Ăą#/"*( Ăą")dĂą Ă´ ĂŚ ĂĽĂ´\Ă´ĂŚĂ´ĂĽ  

JUNGFRAU 24.08. bis 23.09. Dein bester Kumpel, der Kategorie-C-Hooligan aus Dorsten, hat Liebeskummer. Warum munterst du ihn nicht mit der schrillen Radikalfeministen-Comedy ÂťItty Bitty Titty CommitteeÂŤ (24.04.) auf?

#)'"dñ$#'a#*'a'ñ¥a££ §¢¨¨ªñ:!#`ñ!)())a$'`ññ§ñi

WAAGE 24.09. bis 23.10. Nur nichts ĂźberstĂźrzen! Die aktuelle Heiratswelle ist nichts weiter als eine Modeerscheinung, die genauso vorbeigehen wird wie Vanillecola, Tamagotchis und Gitarrenmusik. ÂťBlind WeddingÂŤ (01.05.) startet aber trotzdem noch. SKORPION 24.10. bis 22.11. Warum bist du so ungeduldig und Ăźberkritisch mit deinen Freunden? Man kann auch ein guter Mensch sein, ohne Bohumil Hrabal gelesen zu haben. Zumal es jetzt ja die Verfilmung gibt: ÂťI Served The King Of EnglandÂŤ (22.05.). SCHĂœTZE 23.11. bis 21.12. Dein Chakra-Equilibrium wird diesen Monat ausgerechnet von deinem eigenen Fanclub auf eine harte Probe gestellt. TrĂśstlich: Auch Cartoonhelden wie die ÂťDragon HuntersÂŤ (24.04.) haben ähnliche Probleme.

WASSERMANN 21.01. bis 19.02. Schon Monty Python wussten: Mord ist auch bloĂ&#x; Suizid fĂźr Extrovertierte. Mit einer ähnlich entspannten Einstellung fährst du die nächsten vier Wochen am besten, du ÂťWilde UnschuldÂŤ (08.05.). FISCHE 20.02. bis 20.03. Du sitzt in letzter Zeit viel zu Hause rum und schreibst Briefe an die Regierung wegen der schwarzen Hubschrauber? Warum? Es ist FrĂźhling, und es läuft ÂťVerliebt in die BrautÂŤ (15.05.). WIDDER 21.03. bis 20.04. Dein Spiegel sagt dir immer Ăśfter, dass du von der Dicke-Augen-Wurst genascht hast. In ÂťLove VegasÂŤ (08.05.) sind dagegen alle schĂśn. Nimm die Herausforderung an und ertrage diese Ungerechtigkeit.

ĂœĂœĂœÂ°Â?iÂˆÂŤĂ˘Âˆ}Â‡ÂŤÂœÂŤĂ•ÂŤÂ°`i

STEINBOCK 22.12. bis 20.01. Gegen deine Formkrise zur Monatsmitte gibt es eigentlich nur ein Mittel: einen persÜnlichen Sklaven, den du nach Herzenslust quälen kannst. So wie in Ein Mann fßr alle Unfälle (15.05.).

pien fĂźr to U e u e n Nur ! r und mich e d u r B n e mein -FJQ[JH CJT.BJ

065


066 DVD I’m A Cyborg, But That’s OK Längst sind Cyborgs im medizinischen Bereich Alltag. Keine »Mensch-Maschine« (Cybernetic Organism) unter uns käme auf die Idee, aufgrund eines implantierten Herzschrittmachers oder einerProthese »sonderbar« zu sein. Auch Young-goon, Arbeiterin in einer Radiofabrik, findet sich als Cyborg ganz in Ordnung. Doch ihr Körper enthält kein technisches Implantat, Young-goon ist qua enger Definition des Begriffs kein Cyborg. Als sie gewaltsam von ihrer Großmutter getrennt wird, beginnt Young-goon ihre Überzeugung in radikalster Konsequenz auszuleben: Sie verweigert jede Nahrungsaufnahme und wird in die Psychiatrie eingeliefert. Wer nun eine Mischung aus »RoboCop« und »Einer flog über’s Kuckucksnest« erwartet, hat die Rechnung ohne Chan-wook Park gemacht. Selbst den Erwartungen derer, die »Joint Security Area« oder seine sogenannte RacheTrilogie kennen, scheint der 1963 in Tanyan geborene Philosoph/Regisseur mit seiner zauberhaften Liebeskomödie, ein Schnippchen geschlagen zu haben. Er habe einen Film für seine Tochter im Teenager-Alter machen wollen, erklärte Park im Interview. Dass »I’m A Cyborg...« auf der Berlinale 2007 zum Publikumsfavoriten gewählt wurde, mag an Parks überraschenden visuellen Einfällen liegen, die der Südkoreaner raushaut, als wolle er sich an all den Anleitungen zu Filmstereotypen rächen, mit denen Kinozuschauer bombardiert werden. Mit derselben Stärke inszeniert er nicht nur eines der schönsten Liebespaare – Young-goon und den Wochentage-Dieb Il-soon –, sondern zeigt jenseits von Kitsch und Plattitüde auf, welche Hürden mit der Kombination Fantasie, Hartnäckigkeit und Liebe überwunden werden können. Chanwook Parks nächstes Projekt »Thirst« ist für 2009 angekündigt und wird laut Regisseur ein sehr trauriges und tragisches Melodram über einen Vampir, der sich in eine verheiratete Frau verliebt. Ed Junge

I’m A Cyborg, But That’s OK (ROK 2006; R: Chanwook Park; D: Soo-young Lim; Rapid Eye Movies)

SUHLEN IM FETTNAPF Sind wir nicht alle nur Statisten im falschen Film? Schon. Aber Ricky Gervais und Stephen Merchant machten aus der Not eine Tugend. Ihre Serie »Extras« handelt von den Sorgen der namenlosen Nebendarsteller und den Stars, die auch nicht alle große Leuchten sind.

M

itten in einen neuen Film hineingeworfen wird man als Zuschauer der Comedy-Serie »Extras« in jeder Folge. So unterschiedlich die Sets dabei auch sein mögen, die Bemühungen und das Scheitern der beiden Hauptakteure bleiben stets gleich. Ob in einer Verfilmung eines Shakespeare-Dramas oder in einem im Kosovo spielenden Kriegsfilm: Die beiden Statisten Andy Millmann und Maggie Jacobs haben ihre Ziele fest im Visier. Er, ein erfolgloser Schauspieler – ihm zur Seite sein noch erfolgloserer Agent –, versucht um jeden Preis, eine Sprechrolle zu bekommen, während sie, ebenfalls hartnäckig in ihren Bestrebungen, versucht, einen Schauspieler abzuschleppen. Diesem Grundgerüst an die Seite gestellt wird jeweils der Gastauftritt eines »echten« prominenten Schauspielers, der »sich selbst« spielt, wie in der ersten Staffel etwa Samuel L. Jackson, Kate Winslet, Ben Stiller oder »Star Trek«-Shakespearianer Patrick Stewart. Gewürzt mit einer gehörigen Portion Selbstironie, weisen diese Gastauftritte durchaus gewisse Parallelen zu denen bei den »Simpsons« auf, bei welchen übrigens »Extras«-Mastermind und Hauptdarsteller Ricky Gervais seinerseits schon mit Homer Simpson die Frau tauschen durfte. Gemeinsam mit Stephen Merchant (der den Schauspie-

ler-Agenten gibt) war Gervais bereits mit seiner ersten Comedyserie »The Office« ein Riesenerfolg gelungen. Remakes der BBC-Produktion gab es in den USA und in Frankreich. In Deutschland muss seit dem Einspruch seitens der BBC auch »Stromberg« seine »Inspirationsquelle« im Abspann deutlich zu erkennen geben. Bedauerlich jedoch ist, dass dem Original die ihm zustehende Würdigung durch einen entsprechenden Sendeplatz in Deutschland verweigert wurde. »Extras« teilt dieses Schicksal, was das Erscheinen der ersten Staffel auf DVD umso erfreulicher macht, zudem sich somit auch gleich der meist unvermeidbare Verlust durch die Synchronisation umgehen lässt. Als »Anspieltipp« für Zaudernde sei die Folge empfohlen, in der Maggie Samuel L. Jackson für seine tolle Leistung in »Matrix« gratuliert, um sich dann beim Versuch der Vermeidung von Missverständnissen und Klarstellung ihrer Vorurteilslosigkeit bezüglich »race issues« um Kopf und Kragen zu reden. Kommunikation ist der Fettnapf, aus dem sich die Welt schmiert. Michael Schewetzky Extras – Die komplette erste Staffel (GB 2005-2007; R: Ricky Gervais, Stephen Merchant; D: Ben Stiller, Kate Winslet; Polyband) Verlosung: 10 Exemplare auf intro.de/gewinne


DVD

067

ER NERVT, ABER ... Michael Moore hat sich mit der Art, seine Filme zu drehen und zu präsentieren, nicht nur Freunde gemacht. Als »Sicko« in die Kinos kam, hatte er es sich mit dem Großteil der Kritik nicht ganz ohne Grund verscherzt. Sascha Seiler mag ihn trotzdem nicht abschreiben.

J American Gothic Ein Blick auf die Besetzungsliste – Yvonne De Carlo, hauptsächlich bekannt als Lily Munster, und der ebenfalls bei seiner Rollenauswahl nicht immer stilsichere Rod Steiger – lässt schon erahnen, dass es sich bei »American Gothic« um eines jener Horror-B-Filmchen handelt, von denen alternde Trashfans auf Sammlerbörsen kichernd berichten. Eine Gruppe junger Leute bricht voller Vorfreude zu einem Campingwochenende auf, um der frisch aus der Psychiatrie entlassenen Cynthia ein paar idyllische Tage zu bereiten. Ihr Flugzeug ist allerdings schon bald gezwungen notzuwassern, und so strandet die Gruppe auf einer abgelegenen Insel. Die einzigen Bewohner sind ein nach den puritanischen Idealen der Pilgerväter lebendes altes Ehepaar (Steiger & De Carlo), das sich zunächst als recht gastfreundlich und hilfsbereit erweist. Doch im altertümlichen Farmhaus trifft die Gruppe auf die Kinder des bibeltreuen Paares: drei Mittfünfziger, die sich benehmen und kleiden wie Kleinkinder und als Puppe eine Babyleiche herumtragen. Nicht nur vom Schulhof weiß man, wie grausam Kinder sein können, und so nimmt das irre Meucheln – u. a. mithilfe einer Schaukel – auf der Insel seinen nicht jugendfreien Gang. Amen. Der 1988 entstandene Film von Regisseur John Hough ist im Grunde ein typischer 80-Jahre-Slasher, der – angereichert um einige genreübliche Hinterwäldler-Stereotypien – als Horror-Parabel zu funktionieren versucht, inhaltlich aber nur selten die Qualitäten seiner ausgesprochenen Vorbilder, etwa Tobe Hoopers »Texas Chainsaw Massacre«, erreicht. Für Freunde des Genres ist diese DVD-Erstveröffentlichung aber sicher eine der Wiederentdeckungen des ersten Halbjahres. Cay Clasen American Gothic (GB/CAN 1988; R: John Hough; D: Yvonne De Carlo; Kinowelt Home Entertainment)

a, der Michael Moore: der Held der kleinen Leute, der mit seinem Film über den Verfall der Autoindustrie im Allgemeinen und die Firma Ford im Besonderen zum neuen Stern am Doku-Filmer-Himmel aufstieg und fortan als Sinnbild des kämpferischen Amerikaners mit dem Herz am rechten Fleck galt. Moore ist zum Opfer seiner eigenen Popularität geworden – sowohl seines moralischen als auch seines finanziellen Erfolgs. »Bowling For Columbine« wurde allerorts noch als mutiges Stück Kino gefeiert, doch »Fahrenheit 9/11« ging der Medienmaschinerie dann doch ein bisschen zu weit. Und als sie angeworfen wurde, um Moore mit negativer Propaganda zu überhäufen, war es eigentlich schon geschehen um den ehemaligen Sympathieträger. Vielleicht hat er seine Medienpräsenz, gerade auch in Deutschland, ein wenig überzogen. Auf jeden Fall wollte ihn keiner mehr so recht ernst nehmen, als im letzten Jahr »Sicko« in die Kinos kam. Und außerdem: Was interessiert uns das amerikanische Gesundheitswesen? Diese negative Rezeption ist eine Schande, denn obwohl »Sicko« natürlich auch ein plakativer Film ist – anders kann Moore nicht erzählen –, ist von großem Interesse, wie er die Wurzel der gesellschaftlichen Missstände Amerikas am Verfall des Gesundheitssystems festmacht. Spannend wie ein Politthriller ist dieser Film inszeniert. Gerade als Europäer gewinnt man einen guten Eindruck davon, was es bedeutet, auch in einem freien Land zum Sklaven eines Staates zu werden, der sich um seine Bürger einen Dreck schert und ihnen nicht einmal das in Deutschland selbstverständliche Grundrecht auf medizinische Versorgung

gewährt. Das Interessante dabei ist, dass es Moore eben nicht um die fast 50 Millionen nicht versicherten Amerikaner geht, sondern um die 250 Millionen, die solch eine Versicherung in einer oder anderer Form ihr Eigen nennen, sich dafür aber in den meisten Fällen ebenso wenig kaufen können. Und es geht um unterbezahlte Ärzte, überfüllte Krankenhäuser, unfähige Angestellte und, immerhin ist es ein Film von Michael Moore, einen Staat, der rein gar nichts gegen die Missstände unternimmt, außer sich zu bereichern. Ein schockierendes Bild der amerikanischen Gesellschaft und gleichzeitig eine Erinnerung daran, Michael Moore nicht vorzeitig abzuschreiben. Sicko (USA 2007; R: Michael Moore; Senator)

Borderline In Cheryl Dunyes »The Watermelon Woman« (1995), einem Klassiker des »queer cinema«, begeben sich die Protagonistinnen auf die Spuren einer lesbischen, afroamerikanischen Schauspielerin aus den 1930er-Jahren, die ein Verhältnis mit ihrer weißen Regisseurin hatte. Doch am Ende des Films platzt die Blase: Die ominöse »Watermelon Woman« hat es nie gegeben, die Protagonistinnen haben sie für ihren Pseudo-Dokumentarfilm lediglich erfunden, weil es zu schön gewesen wäre, wenn es so etwas schon in den 1930er-Jahren gegeben hätte. Ähnlich funktioniert Kenneth Macphersons »Borderline« (1930). Handlung und Machart sind für die Entstehungszeit so ungewöhnlich, dass man verdutzt die Augen reibt: Ist hier etwa der große Stummfilm-Faker Guy Maddin am Werk? Nein, es handelt sich tatsächlich um einen der ersten Filme, der »race« und »gender« dekonstruiert und dabei zugleich auf Improvisation aufbaut, deren Radikalität mit den frühen Filmen von John Cassavetes vergleichbar ist. Regisseur Kenneth Macpherson war Herausgeber des britischen Filmmagazins Close Up, das Kino als modernistische Kunstform ernst nahm. Für »Borderline« konnte er den Schauspieler, Musiker und afroamerikanischen Bürgerrechtler Paul Robeson gewinnen. Die hervorragenden Linernotes zur DVD-Edition weisen darauf hin, dass der Film bisweilen eine essen-

zialistische Sicht aufweist – Weiße werden als dekadent gekennzeichnet, Schwarze als vital und naturverbunden –, die damals auch von schwarzen Intellektuellen geteilt wurde. Dies schmälert allerdings weder seinen an sich antirassistischen Ansatz noch seine formale Brillanz. Martin Büsser

Borderline (GB 1930; R: Kenneth Macpherson; D: Paul Robeson, Hilda Doolittle, Gavin Arthur; Absolut Medien)


068 DVD

EINE FAHRT INS GRÜNE Was zunächst wie eine Adaption von Klassikern wie »Duell« und »The Most Dangerous Game« erscheint, entwickelt dank der inspirierten Regie von Gonzalo Lopez-Gallego ganz eigene Qualitäten. Sein »King Of The Hill« wurde in Toronto bereits gefeiert.

D

ie Wildnis ist nichts für Stadtmenschen. Filmisch wurden dieser Behauptung schon viele Denkmäler gesetzt. Sei es in Form von Komödien, romantisierenden Zivilisationsflucht-Epen etc.. Der spanische Regisseur Gonzalo Lopez-Gallego revitalisiert diese Prämisse in seinem auf dem Filmfestival von Toronto gefeierten »King Of The Hill«. Ein unbescholtener Jedermann findet sich nicht nur in einer ihm unbekannten Gegend wieder. Er wird zum Gejagten. Dies ist als Idee nicht neu, sondern zitiert sowohl Spielbergs »Duell« als auch »The Most Dangerous Game«. Doch erweitert Lopez-Gallego bekannte Genreversatzstücke um ein paar sozialkritische bzw. soziologische Aspekte, die keinesfalls verraten werden können. Quim (Leonardo Sbaraglia) ist unterwegs im einsamen zentralspanischen Hinterland. An einer Tankstelle beobachtet er zunächst Bea (María Valverde) bei einem kleinen Ladendiebstahl. Nach einem sexuellen Intermezzo auf der Damentoilette muss er feststellen, dass sie nicht nur lange Beine, sondern auch lange Finger hat: Bea ist mit seinem Portemonnaie verschwunden. Auf der Verfolgung, verfährt er sich in bergigen Waldlandschaft. Kurz darauf wird sein Wagen von einer Bergkuppe aus beschossen, eine Kugel trifft ihn ins Bein. In Panik rast er tiefer in den Wald, überfährt in einer dramatischen Aktion den vermeintlichen Schützen und trifft auch Bea wieder, die ebenfalls beschossen wurde. Gemeinsam fliehen sie in den Wald. Nach einer Stunde

Spieldauer wird enthüllt, wer als Sniper auf Menschenjagd ist, und nach einem der zynischsten Plot-Twists der jüngeren Filmgeschichte gibt es auch eine Erklärung für den Filmtitel. Dass nun die Weinsteins den US-Vertrieb dieses europäischen Thrillers übernommen haben, lässt vermuten, dass dem Regisseur fortan wohl viele Türen im amerikanischen (Independent-) Kino offen stehen. Cay Clasen King Of The Hill – El Rey De La Montaòa (E 2007; R: Gonzalo LopezGallego; D: Leonardo Sbaraglia, María Valverde, Francisco Olmo; Kinowelt Home Entertainment)

TRIBUTE: CLAUDE CHABROL Allein für die Mimik seiner blutleeren Provinz-Schnösel müsste Claude Chabrol einen Preis bekommen: Dafür, wie er Stéphane Audran, seiner Lieblingsrepräsentantin der Ära des eitlen und vollgefressenen Großbürgers mit schmutzigem Geheimnis, den wohl herablassendsten Gesichtsausdruck der Filmgeschichte entlockte. Claude Chabrol stand trotz großer filmhistorischer Bedeutung immer im Schatten seiner Nouvelle-Vague-Kollegen. Weder ging er so plakativ wie Godard noch so verspielt wie Truffaut zu Werke. Chabrols Stärken liegen woanders – etwa in seinem Sinn für mal subtilen, mal grotesk überzeichnenden Humor. In den 1960er- und 70er-Jahren gerieten Chabrols Gesellschaftskarikaturen am lustigsten und ekelhaftesten. In der nun bei Galileo Medien erscheinenden »Chabrol Classic Edition 2 (1967-1975)« sind fünf Filme dieser Phase enthalten: erstmals auf DVD und besonders schön abgründig: »Vor Einbruch der Nacht«, »Der zehnte Tag« mit selten internationalem Ensemble – Michel Piccoli, Anthony Perkins und Orson Welles – und der Kleinstadt-Politik-Thriller »Blutige Hochzeit«. Dazu der Agentenkrimi »Die Straße von Korinth« mit Jean Seberg sowie Romy Schneiders einzige Chabrol-Appearance in dem PsychoThriller »Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen«. Die »Claude Chabrol Collection 3« von Concorde vereint die drei besten Krimis aus den 80er-Jahren, Chabrols zweiter großen, vom Sozialismus geprägten Phase. Mit der bösartigen Krimikomödie »Hühnchen in Essig« (endlich auf DVD), in der Jean Poiret als bösartiger Ermittler Lavardin und Stéphane Audran als herrschsüchtige Madame im Rollstuhl brillieren, gelang Chabrol das Comeback. In »Masken« treibt er seine Lieblingssujets, Heuchelei und Doppelleben, auf die Spitze: Als kleines Bonbon im Chabrol-Frühling, ebenfalls erstmals via Koch Media auf DVD: »Der Champagner-Mörder« (1966) mit Anthony Perkins als Playboy unter Mordverdacht und Audran als erpresserischer Cousine. Kristina Koch

Serien Teenie-Serien folgen ja für gewöhnlich dem immer gleichen Schema und gehorchen auch sich stets wiederholenden Konstanten: Liebe, Liebe, Liebe, ein wenig Schul- und Elternstress. Bei »Veronica Mars« ist das auf den ersten Blick nicht anders. Doch schnell stellt sich heraus, dass es sich um eine HighschoolSerie der anderen Art handelt. Die Charaktere sind fein ausbalanciert – vorangetrieben werden ihre Schicksale durch einen recht spannenden Mystery-Plot. Die Hauptfigur ist in sich zerrissen, und nicht umsonst beginnt die Serie mit ihrer Entjungferung via Party-Vergewaltigung ... kein leichter Stoff also. Ähnlich interessant auch »Psych«, das im deutschen Fernsehen ja einen wesentlich exponierteren Sendeplatz erhalten hat als Frau Mars. Hier wird versucht, dem Detektivgenre neues Leben einzuhauchen, auf gleichsam humoristische wie auch spannende Art und Weise. Beide Serien gibt es, der schnellen Verwertung sei Dank, nun bereits in Form einer DVD-Box zu erwerben. Außerdem: »Prison Break« zweite Staffel. »Deadwood«, Gesamtausgabe. »Sex In The City«, »Essential Edition«. »Fraggles«, leider nur die ersten zwölf Folgen. Die mittlerweile siebte Staffel der »Gilmore Girls« steht genauso an wie die fünfte »Dittsche«. Und wer die schönen Editionen der »Star Trek«-Classic-Serie vor ein paar Jahren verpasst hat, bekommt jetzt noch einmal die Gelegenheit, zuzuschlagen, leider ist Season #1 in zwei Boxen aufgeteilt. Sascha Seiler

Weitere Reviews auf intro.de Persepolis (F 2007; R: Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud; Prokino) Ostpunk – Too Much Future (D 2007; R: Carsten Fiebeler; D: Cornelia Schleime, Bernd Stracke; Good Movies)

intro.de/gewinne Wir verlosen drei Exemplare von »30 Days Of Night« (Concorde Home Entertainment) plus Eastpack-Taschen.


Promotion

Bit Music Contest »a Bit more exciting!« Endspurt beim Bit Music Contest 2008! Unter den zahlreichen Einsendungen haben Markus Kavka (MTV), Peter Wölpl (Popakademie), Jochen Naaf (Produzent) und Virginia Jetzt! zunächst die zehn spannendsten Bewerber herausgefiltert und sich nun nach langem Kampf auf drei Finalisten geeinigt.

E

s muss ein zähes Ringen für die Jury gewesen sein. Lange Nächte, laute Diskussionen – und alles wegen dieser einen Frage: Welche drei Acts haben das Zeug dazu, im Finale des Bit Music Contest anzutreten? Denn die Sache war kompliziert, wie Markus Kavka erläutert: »Eigentlich hätte fast jede Band das Zeug dazu, sehr weit zu kommen. Ich war positiv überrascht, wie hoch das generelle Niveau der Bewerbersongs war.« Ähnlich sah es auch Peter Wölpl von der Popakademie Mannheim: »Die haben mir eine Entscheidung ziemlich schwer gemacht.« Aber, und da hat der gute Mann recht, er findet das »saugut«. Denn diese Tatsache zeigt sehr deutlich, dass der heimische Nachwuchs sich nicht verstecken muss. Virginia Jetzt! teilen diese Meinung: »Jedem alten Hasen, der in Zukunft behaupten sollte, es gebe keinen vernünftigen Nachwuchs in der hiesigen Musiklandschaft, dem schnippen wir einen Bit-Deckel an den Kopf!« Basta. Doch am Ende musste man sich entscheiden. Und nachdem zunächst die National Shortlist zusammengestellt wurde (nachzulesen auf www.bit-world.de) stehen nun die drei Finalisten fest. Hier sind sie:

hier nach Einklang: die getupften Gitarren, das perlende Klavier, der grummelnde Kontrabass, das federnde, perkussive Schlagzeug und natürlich der dezent melodramatische, zurückgenommene Harmoniegesang von Sänger Stefan Honig – der damit seinem Nachnamen alle Ehre macht. Folk-Pop auf ganz hohem Niveau, wie ihr letztes Album »The Rain And Sea« erst kürzlich wieder bewiesen hat. (www.benevolent.de) 02 Hesslers »Wir glauben, dass man Rock, Energie und Geballer sehr wohl mit schönen Melodien und Emotionen verbinden kann«, sagt der Mannheimer Christoph Hessler über seine Band – und belegt es sogleich mit dem Song »smallOnesBrainpain«, der nicht nur die selbstgesteckten Ziele erreicht, sondern auch die Jury überzeugt hat. Dass die »tattoofreien Rocker mit Eiern in der Hose« (Selbsteinschätzung) das auch so auf die Bühne bringen können, dürfte klar sein. (www.hesslers.net)

01 Benevolent Den Bandnamen der Kölner darf man eins zu eins nehmen: Benevolent sind wirklich wohlwollend. Alles strebt

03 Actionteam Die große existenzielle Frage, was ihnen ihre Musik bedeutet, beantwortet das Actionteam aus Dreieich bei Frankfurt am Main so: »Da fällt uns ein schönes Zitat von Knecht Ruprecht ein: ‚Knüppel aus dem Sack.’« Man merkt schon, hier steht der Spaß ganz oben, und der klingt in ihrem Fall herrlich schräg, als hätten sich

01

02

Der Contest wird unterstützt von:

die Fettbrote mal wieder mit den Deichkindern im Sandkasten gefetzt. Action halt. Was man live von ihnen erwarten darf? »Ganz großes Tennis! Ivan-Lendl-Niveau!« (www.myspace.com/dasactionteam)

Die drei Gewinneracts werden nun gleich dreimal unter Anwesenheit der Jury gegeneinander antreten, wobei jeder Band jeweils ein Heimspiel gewährt wird. Wer sich danach als Sieger behaupten kann, gewinnt das »Get ready to tour«-Coaching mit Virginia-Jetzt!-Manager Alex Hettler sowie Bandequipment der Gitarrenkultmarke Gibson. Aber auch die Zweit- und Drittplaztierten gehen natürlich nicht lehr aus: Sie gewinnen einen Studio-Workshops im Gibson Showroom, die Epiphone Sonderedition-Gitarre »a Bit more exciting« und eine DVD mit den Livemitschnitten der Auftritte. Die man natürlich nicht verpassen sollte! Hier sind die Daten: 16.05. Ludwigshafen, Loft Club 22.05. Köln, Luxor 29.05. Trier, Location tbc. (Finale) 03


070 Kunst

R

Raymond Pettibon

aymond Pettibons älterer Bruder ist Gregg Ginn, Gitarrist und Bandleader von Black Flag, einer der wichtigsten amerikanischen Hardcore-Bands, außerdem Betreiber des in den 80er Jahren einflussreichen SST-Labels. Die Verbindung Pettibon-Ginn wird heute in der Regel deshalb nicht weiter erwähnt, weil die Brüder schlicht nichts mehr miteinander zu tun haben. Vor 25 Jahren war das noch anders, da zierten Pettibons Arbeiten die meisten SST-Cover. So sind die Black-Flag- und Minutemen-Alben untrennbar mit Pettibon, der selbst nie als Gebrauchsgrafiker für SST arbeitete, verbunden. Als sich der Autor dieser Zeilen vor einigen Jahren mit Pettibon anlässlich seines Auftritts mit der Konzept-Free-Jazz-Truppe Blank unterhielt, war dessen Reaktion auf die Frage nach seinem Bruder nur ein Schulterzucken. Über Jazz und die Weathermen, Surfen und Punk – darüber wollte er reden! Aber sein Bruder? Familienbande verpflichten zu nichts. Nichtsdestoweniger kann Ginns Musik helfen, einen Zugang zum Werk seines Bruders zu finden. Pettibons Werk ist raffiniert verschlüsselt, vollgesogen mit amerikanischer Popkultur – wobei Popkultur als Totalität zu verstehen ist. Auf der Oberfläche ist sein Werk geradezu verführerisch klar. Man ist schnell mit Charakterisierungen dabei: Pettibon, der Chronist amerikanischer Albträume, der geniale Comic-Dekonstrukteur, die Wiedergeburt Roy Liechtensteins als Punk. Wirklich tief in das Verstörende seiner Kunst reichen diese Zuschreibungen nicht. Fundamental verstörend waren auch Black Flag: Ihr Hardcore war – ja, was eigentlich genau? Politisch? Improvisiert? Laut, hart, schnell? Quälend langsam? Chaotisch? Konzeptionell? Black Flag und mit ihnen die gesamte SST-Szene haben Punk gespielt, ohne dessen Ästhetik der Schlichtheit. In ihrer Musik hat sich die Geschichte der amerikanischen 60er-Jahre-Gegenkultur aufgespeichert – als untergegangene und im Drogenwahn und in Gewaltexzessen ausgelöschte Utopie. Nur noch als Nihilismus (verknüpft mit einer existenzialistischen Do-It-YourselfPhilosophie, wie sie heute noch Henry Rollins und Mike Watt zelebrieren) ließ sich ihr die Treue halten. »All our times have come / Here but now they’re gone«, heißt eine Textzeile der in SST-Kreisen hochverehrten Spät-Hippie-Band Blue Öyster Cult. Pettibon ist dieser Punk-Szene entwachsen. Seine Kunst ist eine große Giftmülldeponie und gleichzeitig ein Dekontaminator. Davon spricht auch seine Ausstellung in der Berliner Galerie Contemporary Fine Arts. Die ist ironischerweise »No Title« benannt. Als ob der Sex, die Gewalt, die Lüge, der Körperkult und die Politik, die seine Arbeiten thematisieren, nie wirklich an die Oberfläche dürften. Aber man entkommt der Gewalt trotzdem nicht. Das Unheimliche ist bei ihm stets anwesend – und trotzdem szenisch und gestisch, in bloß angedeutete Storys gebannt. Dazu passt die Konstruktion seiner Arbeit: Die Zeichnungen sind gespickt mit Textfragmenten, Parolen, Versen, die man als Kommentare lesen kann, die aber nicht als solche gedacht sind, eher als Erweiterung der zeichnerischen Arbeit, als weitere Ebene. Es wird nicht deutlich, wer spricht, wer angesprochen wird. Es ist die pure Präsenz der Irritation. Black Flag wurden bewundert, weil sie die Wut und den Hass (auf den amerikanischen Traum) so perfekt umschmolzen – in Musik, in die Autonomie einer Band. Pettibon folgt dieser Punk-Methode, aber lakonischer, achselzuckender, abgründiger. Seine Kunst zeigt: Black Flag waren noch viel zu utopisch.

RAFFINIERT VERSCHLÜSSELT Das Werk von Raymond Pettibon verästelt sich in Anspielungen und Codes. Vieles lässt sich erst entschlüsseln, wenn man seine Vergangenheit in der Punk-Szene entdeckt. Felix Klopotek gibt einen Einblick angesichts der Ausstellung in der Berliner Galerie CFA.

Auf intro.de findet sich ein Exklusiv-Interview mit Ray


98./99./20. JULI 2008 FERROPOLIS Adam Green | Alter Ego | Battles | Björk | Blackmail | Blood Red Shoes | Bonde do Role | Booka Shade | Boys Noize Burger/Voigt | Cobblestone Jazz | The Cheapers | The Count & Sinden live | Crookers | Daniel Haaksman | David Dorad dEUS | Die Türen | Does It Offend You, Yeah? | Editors | Edu K | Efdemin | Ellen Allien | Empro | Fabiano | Fotos Franz Ferdinand | Friendly Fires | Fujiya & Miyagi | Get Well Soon | Gui Boratto | Gus Gus live | Henrik Schwarz | Hercules And Love Affair | Hot Chip | The (International) Noise Conspiracy | Kate Nash | Kissy Sell Out live | Klee | Ladyhawke | Late Of The Pier | Len Faki | Lightspeed Champion | Luna City Express | M.A.N.D.Y. | Marcus Meinhardt | Markus Kavka Markus Welby | Mathias Kaden | Mathew Jonson | MEN Le Tigre DJs | The Mitchell Brothers | Miss Platnum | Miss Kittin & The Hacker | Modeselektor | Moenster | MC Deize Tigrona | MC Gringo | Mr. Oizo | Mutlu | Navel | The Notwist | Oliver Koletzki | Operator, Please | PeterLicht | Renato Ratier | Robyn | Róisín Murphy | Rummelsnuff | Sascha Funke | Skream Stereo MCs | Steve Bug | Supermayer | Superpunk | The Teenagers | Tobias Thomas | Tomas Andersson | Turbostaat Uffie & Feadz feat. Technotronic | The Whitest Boy Alive | Why? | The Wombats | Zoot Woman | und viele andere

WWW.MELTFESTIVAL.DE EIN FEST VON

UNTERSTÜTZT VON


072 Literatur

William Gibson

POSTGENREWESEN

»Ich schau dich an«


Literatur

073

Er gilt als Gottvater des SF-Cyberpunk – seit er in den 80ern mit »Neuromancer« debütierte. Dem in Vancouver lebenden Amerikaner gelang im Jahr 2004 mit »Mustererkennung« der Sprung in die youtubed world. Wolfgang Frömberg traf William Gibson in Köln, wo er den Nachfolger »Quellcode« vorstellte. Foto: Alfred Jansen

K

ann es sein, dass »Quellcode« nach »Mustererkennung« den zweiten Teil einer neuen William-Gibson-Trilogie bildet? Nein. Was meine Vergangenheit betrifft, ist es wahrscheinlich, dass es wieder ein Drei-Romane-Paket geben wird. Aber ich folge da keinem Masterplan. Schreiben Sie noch Science-Fiction? Nach »Mustererkennung« hieß es allerorten, Sie hätten sich vom Genre abgewendet ... Den Leuten, die sagen, ich schreibe keine Science-Fiction mehr, geht es um eine Definition des Begriffs. Ich war nie daran interessiert, das Genre in Grenzen zu fassen oder mich bewusst darin zu bewegen. Ich war schon immer unentschieden, ob es eine Trennlinie zwischen Science-Fiction und dem Rest der Literatur gibt. Science-Fiction war die literarische Heimat, in der ich als Leser groß geworden bin. Dort habe ich zu lesen gelernt und als Kind wertvolle Erfahrungen gesammelt. Zu der Zeit, als ich anfing, selbst Geschichten zu verfassen, war ich bereits so etwas wie ein Post-Genre-Wesen. An einem Tag konnte ich Ray Bradbury lesen, am nächsten James Joyce. Und mir schien das alles gleichermaßen spekulativ zu sein. Meine eigene Arbeit wurde für den Markt schnell als Science-Fiction kategorisiert. Okay. Mir ist aber wichtig, dass sich das, was ich mache, in der Zeit von »Neuromancer« bis »Mustererkennung« nicht sonderlich verändert hat. Klar haben einige Kritiker in den USA im Fall von »Mustererkennung« das Modell einer innovativen Zukunft vermisst. Ich fand es allerdings eher zufriedenstellend, dass sie diesbezüglich nicht ganz zufrieden waren ... Die Hauptperson von »Mustererkennung«, Cayce Pollard, ist »Coolhunter«. Woher stammt diese Figur, die eine besondere Sensibilität für Werbelogos besitzt? Cayce entwickelte sich aus einer bestimmten Erfahrung. Damals reiste ich alle zwei Wochen von Vancouver nach London, verbrachte dort zwei bis vier Tage, um in Meetings ein Projekt zu verfolgen. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich diese schnell wiederkehrenden Erfahrungen von Jetlag. Ich begann das Phänomen am eigenen Körper zu untersuchen. Eine sehr klinische Betrachtung. Ich bemerkte, dass es hoch und runter ging. Mir fiel auf, wie die geballte Medienladung in London mich fertig machte. Ich habe also in mich hinein gehorcht, wie sich das auf mich und die »verzögerte Ankunft der Seele« auswirkt [»Soul Delay«, so wird Jetlag in »Mustererkennung« umschrieben]. Cayces Branding-Allergie ergab sich halb aus diesen Eindrücken und halb aus dem Titel von Naomi Kleins »No Logo«. Das habe ich zwar nicht gelesen, aber ich sah den Titel ganz vorne auf den Stapeln in den Buchläden. In den 80ern entstand neben dem von Ihnen geprägten SF-Sublabel »Cyberpunk« eine Art Bewegung um »American Psycho«-Autor Bret Easton Ellis, in der die Welt der Protagonisten in all ihrer Oberflächlichkeit ausgebreitet wurde. Markennamen dienten zur Beschreibung der Gegenwart. »Coolhunter« Cayce Pollard erscheint

als zeitgemäß aufbereitetes Zitat dieser literarischen Strömung. Andererseits waren Sie mal wieder Ihrer Zeit voraus. »Mustererkennung«, wo es um im Internet vervielfältigte Clips und um Geheimwissen geht, war der erste Roman, der auf Clip-Portale wie YouTube Bezug nimmt ... Oh, »Mustererkennung« war ein Pre-YouTubeRoman. Das wurde mir vor wenigen Monaten klar, als ich feststellte, wie nah ich beim Schreiben an der Wirklichkeit dran war, ohne etwas von YouTube geahnt zu haben. Die Story um die geheimnisvollen Clips könnte aber gar nicht passieren in einer youtubed world, mit spezialisierten Websites, auf denen Nerds das Material austauschen. Die Clips wären für alle zugänglich. Bewegen Sie sich viel im Internet? Lesen Sie zum Beispiel Blogs? Ich lese täglich Cory Doctorows »BoingBoing« und ein politisches Blog namens »Talking Points Memo«. Aber es erscheint mir schwieriger, eine neue URL zu entdecken, als ein neues interessantes Print-Magazin ausfindig zu machen. Was mich am Netz mitunter so frustriert, ist, dass die Liste meiner Bookmarks mit der Zeit eher kürzer wird ... Möglicherweise bin ich einfach ein Gewohnheitstier. Und wenn ein brillanter Exzentriker etwas Spannendes macht, dann hält das im Regelfall nicht lange vor, z. B. die wunderbare politische Seite »The Poor Man Institute«. Leider wird der Betreiber, ein Freak aus New England, immer inaktiver. Noch vor einem Jahr war es für mich das schlaueste und witzigste Projekt weit und breit. Auf Initiative von Intro war kürzlich der erwähnte SF-Autor Cory Doctorow in Köln. Er stellt seine Romane zum freien Download zur Verfügung. Wie sieht Ihre Position bezüglich Copyrights aus? Ich habe noch in keiner Weise eine Anti-Piraterie-Strategie verfolgt. Sicher ist es möglich, alle meine Romane umsonst im Internet zu bekommen. Ich bin allerdings auch niemals in der Öffentlichkeit aufgetreten und habe gerufen: »Hier gibt es was umsonst!« So bleibt mein Verleger glücklich, und andererseits wird niemand davon abgehalten, sich meine Bücher im Netz zu besorgen. Cory vertritt die Auffassung, Piraterie sei eine Art Steuer auf den Ruhm. Wenn man dich nicht gut kennt, dann wird sich auch keiner für die frei herunterzuladenden Werke interessieren. Es sieht auch einfach schlecht aus, wenn man vor Gericht zieht. Waren es nicht Metallica, die sich da so blamiert haben? Mehr Geld hat ihnen das wohl kaum eingebracht. Es hat sie bloß in aller Öffentlichkeit als jene Arschlöcher dastehen lassen, die sie vielleicht auch sind. In dem Fall haben sie nicht die goldene Regel beachtet, dass ein Arschloch mit aller Macht versuchen muss, nicht wie ein Arschloch auszusehen. Das komplette Interview gibt es auf www.intro.de William Gibson Quellcode Klett-Cotta, 448 S., EUR 22,50

Metallica Gingen in der Tat im Jahr 2000 gegen die Internet-Tauschbörse Napster vor. Unvergessen die Worte von Drummer Lars Ullrich: »Es kränkt uns zu wissen, dass unser Gut mehr wie eine Massenware und weniger als die Kunst, die es eigentlich ist, behandelt wird. Vom geschäftlichen Standpunkt aus ist es reine Piraterie, etwas zu nehmen, das einem nicht gehört. Der Austausch solcher Informationen, ob es Musik, Videos oder Fotos sind, ist nichts anderes als der Handel mit gestohlenen Waren.«


074 Literatur

Comic-Szenen Hamburg/Berlin

JEN SEITS DER KNOL LEN NASE Die Geister der deutschen Comic-Fans scheiden sich: Spaß oder Ernst, Kunst oder Unterhaltung, Avantgarde oder Mainstream. Ob die Szene-Hochburgen Berlin und Hamburg bestimmte Richtungen repräsentieren – und wie sich deren Repräsentanten Sascha Hommer und Andreas Michalke dazu verhalten –, untersucht für uns Matthias Schneider.

»Vampir« von Sascha Hommer


H Berlin und Hamburg Natürlich gibt es auch in anderen Städten Deutschlands Comic-Zeichner und -Verlage, doch längst nicht so konzentriert. Ulf K. und Uli Oesterle sollen deshalb auch erwähnt sein, ebenso das Verlagsprogramm von Edition 52. Nicht vergessen darf man ebenfalls all die jugendlichen MangaZeichnerInnen, die vor allem in ländlichen Regionen leben.

Hintertürchen Mit viel Überredungskunst und Ausdauer konnte Flix sein humoristisches, autobiografisches Comic-Debüt »Held« als Diplomarbeit für Kommunikationsdesign in Saarbrücken einreichen. Mawil erhielt für seinen selbstironischen Comic »Wir können ja Freunde bleiben« ein Diplom im Fachbereich Kommunikationsdesign an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Wie auch Tim Dinter und Kai Pfeiffer für ihren Verschwörungs-Comic »Alte Frauen«.

amburg und Berlin sind seit jeher die Brennpunkte der deutschen Comic-Szene. Nirgendwo sonst gibt es so viele Verlage und ZeichnerInnen wie in der Hanse- und der Hauptstadt. Nach Jahren der Berliner Dominanz scheint sich nun ein Wandel zu vollziehen. Aus Hamburg kommt frischer Wind. Zwar ist es fast unmöglich, allen in Berlin und Hamburg ansässigen ZeichnerInnen ein stadtspezifisches Branding aufzudrücken – zu verschieden sind sie in ihrer künstlerischen Art, in Arbeitstechnik und Publikationsform, als dass man sie einer bestimmten Richtung zuschreiben könnte –, dennoch gibt es charakteristische Besonderheiten. Grund genug für ein paar nähere Betrachtungen. Klar, dass nur wenige VertreterInnen der Berliner und Hamburger Schule tatsächlich dort geboren sind. Echte Berliner wie Fil und Mawil gehören zu den Ausnahmen. Ein Großteil der Berliner Szene besteht aus Zugezogenen – wie zum Beispiel Reinhard Kleist, der in der Nähe von Köln geboren ist, Elke Steiner, die aus Bremen stammt, oder Flix, der aus Münster rübergemacht hat. Da wären noch die Hamburger, die inzwischen in Berlin leben und arbeiten, wie Tim Dinter oder Andreas Michalke. Auf der Hamburger Seite verhält es sich nicht anders: Calle Claus ist Braunschweiger, Arne Bellstorf kommt aus Dannenberg, Line Hoven ist in Bonn geboren und Sascha Hommer im schönen Schwarzwald aufgewachsen. Schulen / Hochschulen Im Gegensatz zu den Berlinern, die meist aus privaten Gründen kamen, spielte für manchen Wahlhamburger das Studium eine ausschlaggebende Rolle. Bellstorf, Hoven und Hommer, die man seit ihren jeweiligen Debüts zu Recht als Vertreter einer neuen und wegweisenden Generation feiert, haben in Hamburg an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Illustration und Kommunikationsdesign studiert. Seit 1997 hat die Berlinerin Anke Feuchtenberger dort eine Professur für Illustration inne, deren Kurse auch Hommer besuchte. Seine Begründung: »In Deutschland gibt es keinen Studiengang Comic, deswegen lag es nahe, zu jemand zu gehen, der Erfahrung mit Comics hat.« Gastdozenten wie Hans-Georg Barber alias Atak boten Inspiration und übten einen starken Einfluss auf die ästhetische Entwicklung aus. »Zuerst hatte ich Kinderbuchillustration studiert. Zum Comic kam ich erst durch Atak, der mich ebenso ermutigt hat, mit Schabekarton zu arbeiten«, erzählt Line Hoven. In dieser zeitaufwendigen Kratztechnik ist ihr grandioses Comic-Debüt »Liebe schaut weg« entstanden. Durch die Berufung der »Deutschsprachigen ComicAvantgarde der 90er-Jahre« an Universitäten und Hochschulen – Anke Feuchtenberger nach Hamburg, Atak zwischenzeitlich nach Offenbach, Henning Wagenbreth nach Berlin, Martin tom Dieck nach Bremen und Hendrik Dorgathen nach Kassel – zeichnet sich eine fortschreitende Akademisierung des Comic-Betriebs ab. Dennoch hinkt die deutsche Comic-Kultur europäischen Entwicklungen hinterher. Und so bleiben französische oder belgische Verhältnisse, wo man an Universitäten Comic-Zeichner und -Szenarist studieren kann, auch weiterhin undenkbar. Deutschen Comic-ZeichnerInnen bietet sich einzig die Alternative, Illustration zu studieren – oder sich andere Hintertürchen zu suchen. Avantgarde / Mainstream / Independent Der Begriff »Deutschsprachige Comic-Avantgarde der 90er-Jahre« wurde im Jahre 1999 durch die Ausstel- ≥ © 2008 Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved.


076 Literatur

≥ lung »Mutanten« im NRW-Forum in Düsseldorf geprägt. Als wichtigste Impulsgeber für einen experimentelleren Umgang mit dem Medium der Schriftbildlichkeit gelten zwei Berliner Gruppen. Beide wurden von ostdeutschen ZeichnerInnen gegründet. Kurz vor dem Mauerfall schlossen sich u. a. Feuchtenberger und Wagenbreth zu einer »Produktionsgenossenschaft des Handwerks«, kurz »PGH Glühende Zukunft«, zusammen. Man arbeitete mit Holz-, Linol- und Siebdruck. Auf diese Art wurden Grafiken, Illustrationen und Comics entworfen. Von Art Spiegelmans RAW-Magazin beeinflusst, gründeten 1989 u. a. Atak und C.X. Huth die Comic-Gruppe und Zeitschrift Renate, aus der später die gleichnamige erste deutsche Comic-Bibliothek in Berlin hervorging. Das Magazin scharte schnell eine illustre Runde autodidaktischer Künstler um sich, die – getrieben vom kreativen Dilettantismus des Punk – neue Formen der Bild-Text-Erzählung probierten. Die innovatorische Bedeutung der Comic-Avantgarde wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass die hiesige Landschaft bis in die 90er-Jahre hinein größtenteils von den Knollennasen-Zeichnern Brösel, Gerhard Seyfried und Ralf König dominiert wurde – und zum Teil bis heute besetzt wird. Die illustrativen Zeichnungen der Comic-Avantgarde sind zwar stärker im Kunst- und GrafikBereich anzusiedeln, weshalb sie von Comic-Puristen gerne als »Kunstkacke« diffamiert werden, dennoch ermutigen sie nachrückende junge ZeichnerInnen dazu, freier mit grafischen und narrativen Elementen umzugehen. Anthologien / Magazine Gelegenheiten, das eigene Debüt in einem bestehenden Verlag zu veröffentlichen, sind rar. Eigeninitiative ist angesagt. »Als ich nach Hamburg kam, habe ich gedacht, dass es bestimmt tolle Studenten-Magazine gibt, wo man direkt einsteigen und loslegen kann. Das war aber nicht der Fall«, so Hommer rückblickend. Kurzerhand rief er die Comic-Anthologie Orang ins Leben: »Ich wollte das Studium mit anderen Mitteln außerhalb der Uni fortführen, um mit den Leuten mehr zu diskutieren und eine härtere Kritik zu provozieren.« Hommer ist ein treibender Motor in Hamburg. Gemeinsam mit Arne Bellstorf hat er den Verlag Kiki-Post gegründet. Mittlerweile definiert sich der feste Kern der Orang-ZeichnerInnen auch als eigene Gruppe. Weitere Tummelplätze tun sich auf: Neben Orang gibt es in Hamburg noch das reine Frauen-Comic-Magazin Spring sowie Witteks Panik Elektro. Die Berliner Comic-Anthologie Plaque, die von dem Zeichner und Autor Kai Pfeiffer sowie dem Avant-Verleger Johann Ullrich konzipiert wird, konzentriert sich auf internationale Autoren-Comics. Ausführliche Interviews und grenzüberschreitende Beiträge zu den Bereichen Kunst und Illustration runden das Themenspektrum ab. Eine völlig andere Publikationskultur verfolgt der Wahlberliner Andreas Michalke mit der ersten deutschen Comic-Zeitung Mamba. Michalke »... will die deutsche Independent-Comic-Szene an den Kiosk bringen, damit sie eine größere Öffentlichkeit erreicht.« Die Idee kam ihm in Istanbul, wo solche Zeitungen an jedem Kiosk erhältlich sind. Momentan erscheint Mamba vierteljährlich als Beilage der Jungle World. Noch trägt sich das Projekt finanziell nicht. Und das bedeutet – wie so oft –, dass es keine Honorare gibt. Michalke: »Der Markt würde eine reine Witzzeitung verlangen, aber das will ich nicht.« Stattdessen wagt der Herausgeber den Spagat, erzählerische und unterhaltsame Comics gemeinsam zu publizieren. Genau an diesem Punkt scheiden sich üblicherweise die Geis-

Links: Verlage

»Bigbeat Cast« von Andreas Michalke

www.reprodukt.com www.edition52.de www.avant-verlag.de www.editionmoderne.de www.carlsen.de www.ehapa.de www.schwarzerturm.de

Anthologien und Magazine www.orang-magazin.net www.spring-art.info www.strapazin.ch

ter: hier die künstlerisch anspruchsvollen ZeichnerInnen – dort die eher humorvolleren Antipoden. Bezogen auf unseren Städtevergleich bedeutet dies laut Michalke: »Als Hamburger Zeichner spielte Humor für mich keine so große Rolle. In Berlin ist man allein aufgrund der Kommunikation dazu gezwungen, hin zur Pointe zu denken. In Hamburg können sich die Leute ganze Abende unterhalten, vollkommen ernsthaft, ohne einen Witz zu machen.« Auch Hommer kann dies bestätigen: »Die Hamburger sind nicht so humorig. Eher in sich gekehrt, nachdenklich. Selbst die Zugezogenen. In Berlin wird von Leuten wie Fil oder Mawil ein anderer Ton angeschlagen. Hängt aber vielleicht auch mit den Publikationsmöglichkeiten zusammen, da sie in der Berliner Stadtzeitung Zitty und in der Jungle World veröffentlichen können.« Für Michalke sind dies jedoch nur marginale Differenzen – Ausnahmen von der Regel finden sich sowieso in beiden Städten. Fazit: »Eigentlich sind wir alle auf derselben Party. Wir stehen in verschiedenen Ecken und haben verschiedene Gespräche am Start. Diese Vielfalt nach außen zu kommunizieren ist mein Hauptanliegen.«

Künstler www.bellstorf.com www.linehoven.de www.butterbiene.de www.reinhard-kleist.de www.mawilcomix.de www.fcatak.de www.feuchtenbergerowa.de www.mtomdieck.net www.wagenbreth.com www.calleclaus.de mondgucker.blogspot.com (Ulf K.) www.steinercomix.de

Internetportale www.io-home.org (Berufsverband der Illustratoren) www.icom-i.com (Interessenverband Comic) www.graphic-novel.info (deutschsprachige Übersicht von Graphic Novels) www.goethe.de/kue/lit/prj/com/deindex.htm (Übersicht deutschsprachiger Comics des Goethe Instituts)


078 Literatur

Kein Land für alte Männer

Bereits der Titel des Vortrags »Entschwörungstheorie« dient als subversives Spiel mit dem Unsinn. Denn wer Verschwörung und Theorie in einem Atemzug nennt, hat schon verloren. Darum trägt Kullas Buch denselben Titel, »Entschwörungstheorie«, nur der Zusatz ist neu: Niemand regiert die Welt. Im Zentrum seines Interesses stehen nicht die lustigen Verschwörungen und spielerischen Verschwörungstheorien, sondern die Verschwörungsideologie, der sogenannte Konspirationismus. Wenn Robert Anton Wilson mit der »Illuminatus!«-Trilogie das weite Feld der Verschwörungstheorien, ehedem Domäne reaktionärer und konterrevolutionärer Kräfte, für eine wie auch immer geartete Linke fruchtbar gemacht hat, kommt Kullas »Entschwörungstheorie« einer Brandrodung gleich. Vielleicht macht es irgendwann wieder Spaß, aus einem emanzipatorischen Geist heraus ein paar Verschwörungen zu pflanzen. Momentan sind es jedoch die realen »powers that be« mit ihrer nur mühevoll getarnten Desinformation, die unsere Paranoia befeuern sollten. Wiederhole: Die Quersumme von 11.09.2001 lautet nicht 23. Und nein, auch wir sind nicht die Guten. Lars Brinkmann

Cormac McCarthys »No Country For Old Men« beschreibt die USA als ein Land auf dem Weg in die Hölle. Es geht um hartgesottene Männer, die im Grenzland zwischen Texas und Mexiko dem großen Geld hinterherjagen. Da ist Llewellyn Moss, der eigentlich nur Antilopen schießen will. Als er in der Wüste auf einen Koffer mit 2,4 Millionen Dollar Drogengeld stößt, wird ihm klar, dass in seinem Leben nichts mehr so sein wird wie zuvor. Der psychopathische Killer Chigurh, gesegnet mit Lapislazuliaugen und einem diabolischen Abrechnungswahn, hat das Zeug zu einer unvergesslichen Kultfigur. Der Dritte im Bunde ist Wells, ein Ex-Elitesoldat, der sich gewaltig verrechnet. Einzig Bell, ein »Hinterwäldler-Sheriff in einem Provinzkaff«, hat kein Interesse am Mammon. Er gibt den knorrigen Alten mit dem Herzen am rechten Fleck. McCarthys Motels an staubigen Straßen sind von hinreißender Trostlosigkeit, seine Gemetzelszenen pulsieren wie Gemälde von Caravaggio. Doch ästhetisch ist in diesem Roman längst nicht alles im Lot. Sorgfältig ist der Autor darauf bedacht, die Gedanken seiner Helden nicht auszuleuchten: Statt von Gefühlen wird von Waffen und Krokodillederschuhen berichtet. Die Ausblendung der Empfindungen korrespondiert mit einer Welt, die aus den Fugen gerät – so weit, so konsequent. Doch McCarthy traut der eigenen Lakonie nicht. Deshalb stellt er den Bösewichten den sympathischen Bell an die Seite und lässt ihn fleißig monologisieren: Sterbehilfe, Abtreibung, Vietnamkrieg, Drogen, mangelnde Umgangsformen und grüne Haare – plötzlich ist die gesamte moderne Zivilisation schuld an den Morden in Texas. Mit einem wertekonservativen Brei werden die verstörenden Ereignisse zugekleistert. Der Sheriff, der sich nach gerechten Kriegen unter der Obhut Gottes zurücksehnt, ist als Repräsentant des ländlichen Amerika zwar keineswegs unrealistisch. Doch seine moralischen Überzeugungen werden so dick aufgetragen, dass sie die Vielschichtigkeit des Textes konterkarieren. Die Coen-Brüder haben in ihrer Romanverfilmung gut daran getan, Bell in seine Schranken zu weisen. McCarthy muss sich um die filmische Umsetzung jedoch keine Sorgen machen: Seiner Verbannung sämtlicher Frauen in die Küche halten auch die Coens die Treue. Kerstin Cornils

Daniel Kulla »Entschwörungstheorie. Niemand regiert die Welt«

Cormac McCarthy »Kein Land für alte Männer«

(Der Grüne Zweig 254, Werner Pieper & The Gruene Kraft, 244 S., EUR 14,80)

(Rowohlt, 284 S., EUR 19,90)

DEKONSPIRATIONE Niemand regiert die Welt? Behaupten Verschwörungstheoretiker nicht ständig was anderes – und sind es nicht die Regierenden, die mit ihrer Politik der Desinformation unsere Fantasie beflügeln? Mag sein. Daniel Kulla liefert dennoch ein probates Gegenmittel für verquere Hirngespinste.

E

in gut gepflegter Verfolgungswahn bereichert das Leben. Mal ehrlich, der Briefträger war dir doch schon immer suspekt. Ein Blick in die Abendnachrichten reicht, um in allen erdenklichen Winkeln einer von Gott verlassenen Welt dunkle Machenschaften und Manipulationen zu erahnen. Wer braucht Rollen-Spiele, wenn die Realität so viel geheimnisvoller erscheinen kann? Grundvoraussetzung ist das richtige Mindset: »Nichts geschieht zufällig. Nichts ist, wie es scheint. Alles ist miteinander verbunden.« So beschreibt der amerikanische Autor und Professor der Politischen Wissenschaft Michael Barkun die Grundregeln der Verschwörungstheorien. Wer diese einfachen Merksätze beherzigt, findet selbst in der oft geschmähten Bäckerblume Hinweise auf ein alles umfassendes, jedes Übel erklärendes Komplott. Für Special Agent Mulder ist nicht die Frage, ob du zu paranoid, sondern ob du paranoid genug bist; Terry Pratchett, Kurt Cobain und Joseph »Catch 22« Heller bestätigen unisono: »Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.« Umso wertvoller und wichtiger ist die Einschränkung, mit der Daniel Kulla seinen Vortrag auf dem 22. Chaos Communication Congress im Dezember 2005 eröffnete: »Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass du hinter anderen her sein musst.«


Q&A: JOHN NIVEN In seinem Roman »Kill Your Friends« führt uns der schottische Autor John Niven – selbst ehemaliger A&R – zurück in die 90er. Eine Zeit, in der die Majors sagenhafte Gewinne machten und anscheinend zum Sammelbecken der abartigsten Gestalten wurden. Intro berichtete. Im Mai kommt der Mann samt seinem monströsen Helden Steven Stelfox auf Lesereise nach D-Land. Martin Riemann wollte vorher noch mal genau wissen, was an Nivens Roman der Wirklichkeit im Musikbusiness entspricht. Haben Sie jemanden wie Steven Stelfox persönlich erlebt? Ich habe einige Leute getroffen, die Stelfox stark ähnelten. Er ist eine Mischung aus den zwei oder drei schlimmsten darunter. Stelfox ist ein Monster, doch oft genug sind seine hasserfüllten Reden sehr witzig, und ich habe mich oft genug dabei ertappt, ihm innerlich beizupflichten. So abscheulich Stelfox auch sein mag, viele der Menschen, die ihn umgeben, sind sogar noch schlimmer als er. Es wird dem Leser manchmal unangenehm sein, wenn er merkt, dass er mit Stelfox’ Ansichten übereinstimmt. Ich nehme an, Ihre Beschreibungen von Drogenmissbrauch und den damit verbundenen Ausschweifungen sind nicht mal übertrieben. Nein. Als ich mit dem Buch fertig war, schickte ich es einem ehemaligen Kollegen. Er meinte: »Lustigerweise werden die Leser denken, dass du maßlos übertreibst ...« Aber warum ist in Ihrem Buch Stelfox’ Besessenheit von Pornografie und Prostitution so überpräsent? Überall, wo man vom Ruhm geblendete junge Menschen, machthungrige Alphamännchen und viel Kokain findet, entsteht ein verstärktes Interesse an sexuellen Extremen. Das trifft auf Hollywood zu – und auch auf die Musikindustrie. »Kill Your Friends« spielt Mitte der 90er, als es den Majors noch sehr gut ging. In Ihrer Darstellung hat die Branche wirtschaftlichen Selbstmord betrieben. Ich denke, die Musikindustrie war ohnehin dem Untergang geweiht, weil sie sich einer sehr langen Periode künstlich herbeigeführter Inflation erfreuen durfte. Mitte der 90er kostete eine CD in England rund 15 Pfund. Das kommt, wenn man die Teuerungsrate betrachtet, heute einem Wert von 30 Pfund gleich! Die Profitspanne würde einen Sweatshop-Besitzer beschämen. Die großen Plattenfirmen unterstreichen ihre Bedeutung oft in dem Sinne, dass ohne ihr Kapital keine Talente mehr gefördert werden könnten. Nun, Labels pumpen viel Geld in viele Acts in der Hoffnung, dass einer funktioniert. Das liegt in der Natur der Sache. Historisch gesehen besaßen die Plattenfirmen den

Schlüssel zum Königreich, weil Studios teuer sind und jemand die Rechnung bezahlen muss. Heute kann man großartige Platten mit dem Laptop produzieren. Konsequenterweise verlieren die Labels an Macht. Stelfox rät denjenigen, die eine Karriere als Musiker anstreben, sich gefälligst einen richtigen Job zu suchen. Wie sieht Ihr persönlicher Rat aus? Lustigerweise habe ich genau diese Passage kürzlich bei einer Lesung vorgetragen. Ich schaute ins Publikum und entdeckte viele junge Leute, die zweifellos angehende Musiker sind. Einige von ihnen kamen nachher zu mir. Sie waren begeistert, aber ich konnte sehen, dass ich ihren Enthusiasmus deutlich gedämpft hatte. Richtig so! Ich denke, wenn man etwas aus den richtigen Gründen schaffen möchte – egal, ob mit Musik, Film oder Literatur –, dann erreicht man allen Widrigkeiten zum Trotz auch etwas Besonderes. Sie waren selbst ein erfolgreicher A&R. Welche Qualitäten besaßen Sie, die Stelfox nicht hat? So erfolgreich war ich gar nicht. Ich habe Coldplay abgelehnt! Ich war ein bisschen ... menschlicher als Stelfox. Ein bisschen. »Kill Your Friends« ist bei Heyne erschienen. Intro Intim Lesung mit John Niven und Bernd Begemann (liest den deutschen Text): 06.05. Berlin, Roter Salon 07.05. München, Substanz 08.05. Köln, Museum Ludwig


080 Spiele

Niko Bellic auf der Brooklyn Bridge – oder eher Broker Bridge?

Grand Theft Auto IV

48 MIN UTEN SIND EIN TAG Urlaubsanträge sind eingereicht, Konsolen poliert und Fenster abgedunkelt: Die Fans warten derzeit weltweit auf den Postboten. Denn wenige Tage nach Erscheinen dieses Heftes veröffentlicht Rockstar Games »GTA IV«. Den neuen Teil der innovativsten, umstrittensten und subversivsten Videospielserie der Welt. Felix Scharlau hat ihn sich angeschaut.

W

ie erklärt man jemandem, der (wie ein Kollege) »Grand Theft Auto« lange für eine amerikanische Versicherung hielt, den Reiz von »GTA«? Vielleicht so: »GTA« ist strukturell das absolute Gegenteil von »Tetris«. »Tetris« war zweidimensional, streng linear, kannte nur drei grundsätzliche Befehle (drehen, Richtung ändern und runterplumpsen lassen), und seine Welt endete noch vor dem Rand des Monitors. Sich 1985 jenseits der Spielfeldbegrenzungen sehr viel mehr auszumalen grenzte an Science-Fiction. »GTA IV« hingegen ist dreidimensional, spielt in einer Welt, deren Durchquerung (mit dem Auto!) circa eine Stunde dauert, und bietet die Möglichkeit, fast alles zu tun. Mehr oder weniger wann und wo man will. Kurz: Auch »GTA IV«, das wie schon »GTA III« (2001) in Liberty City, einer Kopie von New York, spielt, ist wieder mal digital gelebte Freiheit. Auch wenn diese Freiheit erneut unter Beschuss steht. Wo Freigang, da auch Knast Niko Bellic, die zu spielende Hauptfigur, schaut grimmig aus dem Plasma-Fernseher mit 3-Meter-Bilddiagonale. Über dieses Gerät zeigte die Münchener Vertretung von Rockstar in den vergangenen Wochen einigen ausgewählten deutschen Magazinen »GTA IV«. Und jeder wusste: Mehr als das bisschen hier gibt es nicht. Keine Vorabversionen, keine Interviews mit den Entwicklern von Rockstar North aus Dundee, Schottland. Rockstar Games sind den »GTA«-Hauptfiguren sehr ähnlich: Sie geben sich verschlossen und stehen unter Dauerfeuer. Im realen Leben heißt der Rockstar-Endgegner Jack Thompson. Ein US-amerikanischer Neo Con und Anwalt, der den Publisher Take Two seit Jahren mit Klagen überzieht. Er wirft dem Spiel Gewaltverherrlichung, Misogynie, Rassismus und einiges mehr vor und kämpft an vorderster Front für ein Verbot. Take Two erwidert seitdem Klagen mit Gegenklagen – zum Großteil erfolgreich. Tatsache ist: Auch »der Neue«, Niko Bellic, muss in »GTA IV«, das bei uns ungeschnitten, dafür aber erstmals ohne Jugendfreigabe erscheint, wieder Menschen töten, um halbwegs selbstbestimmt leben zu können. Dennoch könnten die Unterschiede zwischen »GTA IV« und einem klassischen Shooter größer nicht sein. Während Letztere meist in einen mehr oder weniger statischen Kriegszustand hineinzoomen, die Grundsituation im Spielverlauf selten verlassen und das Töten, wenn es nach den Kritikern geht, zum vermeintlich einzigen Spielanreiz erhöhen (was in der


Spiele

081

Sonnenuntergang mit der Statue Of Happiness im Hintergrund

Regel ebenfalls nicht stimmt), erzählt »GTA« immer und vor allem: eine Geschichte. Und die nicht mal schlecht. Ihre Handlung und Dialoge liefern Argumente, zeigen Zerrissenheit, Zweifel, Moral und Unmoral, benennen Schuld und Unschuld der Hauptfigur, die immer aus einem fest zementierten Underdog-Status heraus kämpfen muss. Auch Niko Bellic hat in »GTA IV« allen Grund, böse zu gucken: Sein Cousin Roman lockte ihn unter falschen Versprechungen von Osteuropa nach Broker in Liberty City – der Kopie von Brooklyn. Statt seiner kriminellen Vergangenheit endlich den Rücken kehren zu können, wie er vorhatte, muss er nun als illegaler Einwanderer und somit Rechteloser um sein Überleben in einem kriminellen, hochkapitalistischen Umfeld kämpfen. Dabei rutscht er immer weiter ab auf die schiefe Bahn. Wollte man das Grundgerüst der Story mit der eines Spielfilms vergleichen – und nichts anderes gebührt »GTA IV« –, so wirkt Bellic eher wie der von Michael Caine gespielte Racheengel im Drama »Get Carter« als einer der sedierten Auftragsmörder in der Schenkelklopfer-Killer-Revue »Pulp Fiction«. Aber Bellics Alltag besteht aus viel, viel mehr als dem Töten. Neben Taxifahren und anderen Gelegenheitsjobs baut er sich peu à peu ein Sozialsystem auf, das ausgereifter und weniger statisch wirkt als noch im Vorgänger »GTA: San Andreas«. Bellic kann mit seinen Freunden jederzeit Billard oder Dart spielen oder trinken gehen. Sie rufen ihn dazu entweder auf seinem Handy (neu!) an, oder er macht auf diesem Weg initiativ Treffen aus. Belohnt wird gute Kontaktpflege durch Gefallen, die ihm seine Freunde dann erweisen. Dass auch Bellic, wie zuvor CJ in »San Andreas«, bald eine Freundin haben wird, ist logisch. New York, New York Aber auch Niko Bellic wäre trotz Realismus- und Rollenspiel-Anleihen ohne seine Hood nur ein digitaler Wurm. Der erwähnte Stadtteil Broker sowie Dukes (Queens), Bohan (Bronx), Algonquin (Manhattan) und Alderney (Teile New Jerseys), in denen ein Tag mit 48 Echtzeit-Minuten mittlerweile doppelt so lange dauert wie in San Andreas, sind die wahren Stars bei »GTA IV«: Wunderschön und detailverliebt zeigen sich die Gebäude, Plätze und Menschen New Yorks im Frühherbst: Achtlose Passanten lassen morgens Kaffeebecher fallen, Lampions hängen über der Straße, vom Flughafen Francis International Airport (der mit dem herrlichen Slogan »We’re so fly« wirbt) steigen im fernen Dunst über der Stadt Maschinen auf. Der Sprung auf

die Next-Gen-Konsolen ist trotz kleinerer Grafikprobleme mehr als gelungen. Nur schwer nachvollziehbar, dass sich nach der Veröffentlichung des ersten einminütigen Spieltrailers 2007 ein Sprecher des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg in einer panisch verfassten Erklärung öffentlich vom Spiel distanzierte und die Entscheidung, New York als Vorlage zu nehmen, schwer bedauerte. Denn das Game ist in gleichem Maße Werbung für New York, wie es die Stadt in seiner eigenen Realität überkriminalisiert. Und New York ist groß. »GTA«, das einst durch das Einführen des non-linearen Gameplays die Erzähltechnik in Videospielen revolutionierte, erlaubt auch jetzt wieder, dass der Spieler selbst entscheidet: Will ich Missionspunkte auf der Karte ansteuern, um die Handlung voranzutreiben? Oder Nebenmissionen nachgehen? Oder einfach das Autoradio anschalten und durch die Stadt cruisen? Jeder spielt so sein eigenes Spiel mit individuellem Spielrhythmus und Tempo. Außer, er stürzt sich auf die größte Innovation des neuen Teils: den Multiplayer-Modus (mehr dazu in der kommenden Ausgabe). In einem sind sich Spieler und Kritiker einig. Zumindest solche, die nicht nur auf die Bekanntgabe vergleichsweise langweiliger technischer Innovationen wie der verbesserten Zielautomatik, des neuen Fahndungssystems und Details wie der von Rockstars »Tischtennis« bereits bekannten RAGE-Engine warteten: Auch »GTA IV« steckt wieder voller wunderbar subversiver Elemente, die die kapitalistische Markenwelt und das politische System der USA aufs Korn nehmen. Anders formuliert: »Grand Theft Auto« ist wie die Band, die es viel zu selten gibt. Die Band, die monatelang zu begeistern weiß. Die stilistisch so innovativ ist, dass sie über Jahre hinaus Dutzende schlechter und guter Klone erzeugt. Die so umstritten ist, dass man stolz ist, Fan zu sein. Die Band, die so gute Geschichten zu erzählen vermag und unter der Oberfläche so witzig und politisch ist, dass es alle blicken, die ein bisschen um die Ecke denken können. Nur nicht Jack Thompson. Wir verlosen 3 »GTA IV«-Pakete, bestehend aus je einem Baseball-Cap, einem T-Shirt und einem Kapuzenpulli. Mail an verlosung@intro.de, Betreff »Pisswasser«. GTA IV Rockstar Games / Take 2 PS3, Xbox 360

Radio Bis Heftschluss war die genaue Trackliste von »GTA IV« noch unter Verschluss. Bekannt war aber schon länger, dass es im Spiel diesmal 18 Radiosender geben soll, die Niko auch zu Fuß über sein Handy empfangen kann. Darunter auch osteuropäische Musik- und reine WortSender. Als erwiesen gilt, dass es sich bei Karl, dem Moderator des Senders K 109, um Karl Lagerfeld handelt. Verwunderlich wäre das nicht. In der Vergangenheit liehen der Spielserie unter anderem Lee Majors, Burt Reynolds und Dennis Hopper ihre Stimme. Größter gefundener Haken am gesamten Spiel bisher: Die bei der PC-Version von »GTA: San Andreas« eingeführte Möglichkeit, per MP3 einen eigenen Sender zu bestücken, fehlt in »GTA IV«. Sehr, sehr schade.

Saufen in »GTA IV« Die Präsentation bei Rockstar beinhaltete eine Mission, in der Niko Bellic mit einem Freund mittags trinken geht. Als sie aus der Kneipe kommen, ist Niko kaum zu steuern, knallt gegen sein eigenes Auto und lallt. Der Spieler hat die Wahl: Entweder er nimmt ein Taxi, oder er fährt mit dem eigenen Wagen heim. Wir nahmen natürlich den eigenen Wagen. Die Simulation vom betrunkenen Autofahren inklusive Unschärfenverlagerung und verzögerter Reaktion war nicht weniger als das Überzeugendste, was es in Videospielen und Spielfilmen jemals zu dem Thema zu sehen gab. Prominentestes Bier in »GTA IV« ist übrigens »Pisswasser«, ein »poorly brewed German import beer«. Es wird überall in Liberty City beworben.


082 Spiele

God Of War: Chains Of Olympus

Gran Turismo 5 Prologue

NACHGEFRAGT Die Autorennsimulation »GT5 Prologue« ist ein sehr luxuriöser Vorgeschmack auf die (vielleicht) nächstes Jahr erscheinende Vollversion »GT5«. Gregor Wildermann traf den Erfinder der »Gran Turismo«-Rennserie, Kazunori Yamauchi (40), in Salzburg und sprach mit ihm über seine erste Fahrstunde und illegale Straßenrennen.

H

err Yamauchi, wie früh reicht Ihre erste automobile Erfahrung zurück? Meine Eltern haben mir mal erzählt, dass ich schon im Alter von drei Jahren ganz begeistert immer auf Autos gezeigt habe. In der Schule gehörte ich dann zu den Jungs, die alle Automarken und Typen schon aus der Entfernung erkennen konnten. Der erste Tag auf der Fahrschule muss ja für Sie wie ein Befreiungsschlag gewesen sein. Meine erste Fahrstunde nahm ich in einem alten Toyota Corolla, und der Fahrlehrer war dabei recht freundlich zu mir. Ich war allerdings weder ein besonders guter noch schlechter Autofahrer. Heute haben Sie Zugang zu den teuersten, schnellsten und exklusivsten Autos. Worauf achten Sie zuerst, wenn Sie sich ins Cockpit setzen? Mein erster Blick gilt immer dem Lenkrad und dem Gefühl, wenn dies bei den ersten Lenkbewegungen nachgibt. Das entscheidet meistens, ob ich mich näher für das Auto interessiere. In »Gran Turismo 5 Prologue« sind ja erst einmal nur rund 70 Autos enthalten, später sollen es knapp 500 Autos sein. Haben Sie denn das letzte Wort über das finale Line-up im Spiel? Ja, schon. Ich fahre auch selbst zu allen wichtigen Automessen und bin natürlich daran interessiert, im fertigen Spiel möglichst viele interessante und auch aktuelle Fahrzeuge zeigen zu können. Ist es richtig, sich Ihre Firma Polyphony Digital als den Treffpunkt aller japanischen Autonerds vorzustellen? Vielleicht schon. Aber bei meiner Firma arbeiten zum Bei-

spiel auch Mitarbeiter, die gar keinen Führerschein haben. Wichtig sind die Hingabe zum Thema und die Liebe zum Detail. Wie nah ist Ihrer Ansicht nach »Gran Turismo« als Spiel der Perfektion? Natürlich will man immer alles verbessern, und es gibt noch viel zu tun. Im Herbst wird es ein großes Update geben, das unter anderem dann auch ein Schadensmodell enthält. Das ist sicherlich einer der wichtigsten Bausteine für ein noch perfekteres Spiel. In Japan gelten auf Autobahnen ja recht restriktive Tempobeschränkungen. Aber auch Sie haben keine eigene Rennstrecke vor der Haustür? Nein, leider nicht. Aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten. Aha, und welche? Auf den Autobahnringen rund um Tokio gibt es vor allen Dingen nachts kaum Kontrollen. Alle illegalen Rennen finden deshalb eher dort statt, und vielleicht kann man an meinem Gesicht jetzt erkennen, dass ich nicht gerade traurig bin, dass sich daran seit Langem nichts geändert hat.

Wenn es um so nette Hobbys wie Welteneroberung, Inzucht und Philosophie geht, geben die Griechen schon eine extrem perfekte Motivsammlung ab. Vor allem die Mythen und Sagen sind dann auch für Computerspielentwickler ein bunter Selbstbedienungsladen, bei dem nicht an Blut und Eingeweiden gespart wird. Nach zwei sehr erfolgreichen Spielen für PlayStation2 erzählt nun »God Of War: Chains Of Olympus« auf Sonys PSP die Vorgeschichte vom Spartaner Kratos, der dem Kriegsgott Ares unterstellt ist. Auf den ersten Blick mag der Kraftprotz mit Kriegsbemalung nur Fans des Films »300« ansprechen und somit nur dem üblichen Stereotyp des Videospielhelden folgen. Aber die gesamte »God Of War«-Reihe darf dennoch von sich behaupten, in puncto Spielideen das Prädikat »intelligent« verdient zu haben. Denn je weiter sich Kratos durch die Tempel der Vorzeit schlägt, desto mehr knifflige Rätsel und schwerere Gegner wie Persephone oder Charon stellen sich ihm in den Weg. Der Ziegenbart Kratos verdient dabei im wahrsten Sinne des Wortes das Attribut Aufschneider, dessen fliegende Schwerterklingen oder das Sonnenschild ihm helfen, den Weg durch die Levels freizukämpfen. Zwischen Blutgemetzel und Kopfnuss an Schauplätzen wie Marathon und Hades liegen oft nur wenige Sekunden, was in der Mischung dann extrem abwechslungsreich erscheint. Und auf dem Breitwandmäusekino der PSP entlockten die Entwickler von Ready At Dawn dem Handheld wirklich beeindruckendes Kinoflair. Immer noch peinlich ist das Sex-Minispiel, bei dem Kratos zu Beginn bei der Rettung zweier Damen mit Körperlichkeiten entlohnt wird und der Spieler diverse Leibesübungen am Controller wiederholen muss. Dies dauert dann nur wenige Sekunden, wäre aber für die Sittenwächter mal wieder ein gefundenes Fressen. Gregor Wildermann

Gran Turismo 5 Prologue (PS3; Polyphony Digital / SCEE)

Verlosung: Xbox 360 Der Online-Service Xbox Live feiert Fünfjähriges. Zum Anlass verlosen wir eine Xbox 360, eine einjährige Xbox Live Gold Mitgliedschaft sowie Chatpad, Wireless Headset und Xbox Live Vision Cam. Im Paket enthalten sind auch die Spiele »Halo 3«, »PGR 4« und »Viva Piñata Party Animals«. Darüber hinaus gibt es 2x2 Karten für die Xbox Live Party am 08.05. im Münchener Club Meinburk mit Märtini Brös zu gewinnen. verlosung@intro.de

God Of War: Chains Of Olympus (PSP; SCEE)


Ninja Reflex Innere Ruhe, Ausgeglichenheit und Konzentration – nicht zu unterschätzende Pfeiler im modernen (Berufs-) Leben. Wer zu faul für Yoga und fernöstliche Meditationsriten ist, kann obige Soft Skills alternativ auch an der heimischen Wii-Konsole trainieren. Lehrmeister Sensei begleitet den jungen Ninja-Krieger (nämlich dich) durch sechs verschiedene Reaktionsübungen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Vom Schwertkampf über »Koi-Fangen« bis hin zum Nunchaku gilt es, die Prüfungen bestmöglich abzuschließen, um sich letztlich den schwarzen Gürtel zu verdienen. Geht auch im Multiplayer-Modus gegeneinander – mit Ninja-Kampfnamen wie »Treuer Baum-San« oder »Lustiger Blüte-San«. Zwischendurch kann man im MeditationsModus neue Kraft tanken und tatsächlich nach Anleitung meditieren. Meister Sensei bringt einem alles bei, was es für einen erfahrenen Ninja braucht. Nur eines nicht: »Auftragen und polieren.« Dafür lieber noch mal »Karate Kid 1-3« anschauen. Peter Flore Ninja Reflex (Wii; EA)

KLEE INFADELS

DILLON | LADYHAWKE* U. A. 15.05. BERLIN | MARIA 16.05. HAMBURG* UEBEL & GEFÄHRLICH 17.05. KÖLN | GLORIA* 19.05. STUTTGART | KELLER KLUB Nur Infadels und DJs

Beautiful Katamari Grafisch antiquierte Barbie-Landschaften, eine völlig abstruse Story und ein so simples Spielkonzept, dass sich manch Schimpanse unterfordert fühlen könnte – als Namco im Jahr 2004 mit dem ersten Teil dieses Sequels (»Katamari Damacy«) um die Ecke kam, lächelte man milde. Deswegen darf die Karriere, die dieses Spiel seitdem vollzogen hat, getrost als Sensation verstanden werden: Der ursprünglich für Vorschüler entwickelte Titel wurde mit Preisen überschüttet und avancierte, vor allem unter Erwachsenen, vom schrägen Geheimtipp zum Klassiker. Und die Entwickler halten bei »Beautiful Katamari«, dem Debüt auf der neuen Konsolengeneration, eisern reduziert am Erfolgsrezept fest. Story und Konzept wären also schnell erläutert: Der König des Universums hat beim Tennisspielen ein Loch in den Kosmos geschossen, das es jetzt zu flicken gilt – mittels eines magischen Balls, an dem alles kleben bleibt, das kleiner ist als er selbst: Bleistifte, Katzen, Hochhäuser und schließlich ganze Planeten. Unfug, der rasend schnell süchtig macht. Gerd Rosenacker

ROBYN

DJ SUPERMARKT | THE MORODERS 24.05. Dresden, Showboxx

SARAH WALKER SAINT PAULI SICK SINUS U. A. 13.06. Leipzig, Sweat Club ALLE INFOS, UPDATES UND TICKETS UNTER WWW.MELTFESTIVAL.DE/KLUB

Beautiful Katamari (Xbox 360; Namco)

EIN FEST VON

EMPFOPHLEN VON


084 Spiele

eXperience112 Was ist: An Bord eines Supertankers werden geheime Experimente durchgeführt. Doch etwas muss schiefgegangen sein. Die junge Wissenschaftlerin Lea Nichols ist nach unserem Wissen die einzige Überlebende des Forschungsteams auf einem rostigen alten Tanker, der mitten im Pazifik gestrandet ist und auf dem die Zeit für die letzten dreißig Jahre stillgestanden zu haben scheint. Handling: Das Besondere an »eXperience112« ist, dass es kein Point&ClickAdventure im gewöhnlichen Sinne ist, denn Lea wird nicht direkt gesteuert. Mithilfe der Kontrollstation eines mächtigen Überwachungssystems an Bord des Tankers können wir stattdessen Kontakt zu Lea halten. Eingreifen in das, was geschieht, lässt sich immer nur indirekt. Durch die unzähligen drehbaren Kameras an Bord haben wir jeden Winkel des Tankers unter Beobachtung und können Lea so durch das Öffnen von Türen und Einund Ausschalten von Lichtern den Weg weisen. Diese einmalige und befremdliche Art der Kommunikation und die eingeschränkten Möglichkeiten, Lea zu steuern, lassen eine ganz besondere Atmosphäre entstehen. Ohne miteinander sprechen zu können, gilt es, gemeinsam den düsteren und bedrohlichen Ort zu erforschen und einen Ausweg zu finden. Was bleibt: Die Grafik ist solide, aber kein Hochgenuss. Das Mystery-Adventure steckt voller Geheimnisse und überraschender Wendungen und ist unterm Strich sehr textlastig. Aufgrund überwiegend leichter Rätsel ist es auch für Einsteiger geeignet. Das innovative Gameplay macht »eXperience112« zu einer völlig neuen und faszinierenden Spielerfahrung und bringt frischen Wind in das sonst oft eintönige Adventure-Genre. Glanzlicht: Für die Protagonistin Lea konnte Ranja Bonalana – deutsche Synchronsprecherin von Kate aus »Lost« – verpflichtet werden. Marc Seebode

eXperience112 (PC; Lexis Numérique / bhv Software)

Wii Angel-Spezial

DIE SACHE MIT DEM HAKEN Es gibt über 30.000 katalogisierte Fischarten weltweit. Der prominenteste Videospielfisch bleibt aber auch 2008 unangefochten der Barsch. Jetzt erschienen zeitgleich zwei Angelspiele für Wii, die ihren Spielern bekanntlich gerne peinliche Marionetten-Moves abverlangt. Passt also und Petri Dank, findet Felix Scharlau.

A

ngel-Videospiele haben eine lange Tradition. In 3-D produzierte beispielsweise Sierra ab 1995 mit seiner »Trophy Bass«-Serie eine überzeugende PC-Simulation für See und Fluss. Sega folgte bald mit »Sega Bass Fishing« für PC und Dreamcast – hier mit spezieller Angel-Hardware. Dieser Teil wurde nun, nachdem schon der Wii-Launch-Titel mit einem katastrophalen Angel-Minispiel zumindest die theoretischen Möglichkeiten einer guten Konsolen-Angelumsetzung angedeutet hatte, endlich portiert. »Sega Bass Fishing« (Bild rechts) für Wii sieht okay, aber sicher nicht hervorragend aus, verglichen mit der fast zehn Jahre alten Dreamcast-Version. Das Spiel überrascht aber mit einigen guten und einigen wahnsinnig nervigen Eigenschaften. Gut: Per Nunchuk wird die Schnur wie erwartet kurbelnd eingeholt, aus der Fernbedienung klackert es dabei angenehm vertraut. Kneift man die Augen zusammen, ist man von virtuell erlebter Natur nicht mehr sehr weit entfernt, auch wenn mit Alkohol oder Drogen noch das eine oder andere Quäntchen mehr an Illusion herausgeholt werden kann. Der Arcade-Modus des Spiels, den manche noch vom Automaten kennen könnten, macht nach wie vor viel Spaß: In jedem Gewässer hat man zwei Minuten Zeit, eine bestimmte Kilomenge Barsche herauszuziehen. Wenn die geschafft ist, geht es mit Zeitbonus zum nächsten Gewässer. Für die Königsdisziplin, den Turniermodus, muss man etwas mehr Zeit mitbringen. Aber es lohnt sich. Vollkommen unverständlich bleibt, dass das Spiel weder über Online- noch Mehrspieler-Modi verfügt. Außerdem kann die Weite des Angel-Auswurfs nicht per Steuerkreuz und schon gar nicht per Armschwung kontrol-

liert werden. Sehr seltsam. Seltsam auch »Fishing Master« (Hudson) für Wii. Zu Beginn muss man fast 60 Mal die A-Taste drücken. Das steht zwar nicht als Pflicht in der Anleitung, führt aber dazu, dass der Angelmeister, der einem episch alle Tastenbelegungen erklären will, früher als vom Hersteller geplant verstummt. Das Spiel punktet lediglich durch Quantität: Der ausgewählte Spielcharakter kann mit seinem ausgewählten Hund 30 Orte vom Land aus befischen. Zu angeln gibt es nicht nur Barsche, sondern insgesamt 100 Fischarten – »von der Süßwasserforelle bis zum Meeresungeheuer, das schon ganze Schiffe verschlungen haben soll«, wie der Hersteller ausrichten lässt. Aha. Die Angelmechanik arbeitet ähnlich wie bei »Sega Bass Fishing«, die Grafik wirkt aber deutlich cartooniger. Außerdem gibt es keine Unterwasserkamera – ein großer Nachteil. Schön: »Fishing Master« kann mit bis zu vier Spielern gespielt werden. Felix Scharlau


Niko Bellic

29. April 2008 www.rockstargames.de/iv © 2007-2008 Rockstar Games, Inc. Rockstar Games, das Rockstar Games Logo, Grand Theft Auto und das Grand Theft Auto Logo sind Warenzeichen und/oder eingetragene Warenzeichen von Take-Two Interactive Software in den Vereinigten Staaten und/oder anderen Ländern. ”PlayStation”, ”PLAYSTATION” and the ”2” Family Logo sind Warenzeichen und/oder eingetragene Warenzeichen von Sony Computer Entertainment Inc. Microsoft, Xbox, Xbox 360, Xbox LIVE und die Xbox Logos sind eingetragene Warenzeichen der Microsoft Firmengruppe in den U.S.A. und/oder anderen Ländern und werden unter Lizenz von Microsoft benutzt. Alle anderen Marken und Warenzeichen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber. Alle Rechte vorbehalten. Die Inhalte dieses Videospiels sind frei erfunden. Es soll keine tatsächlich lebende Person, Firma oder Organisation dargestellt werden. Jede Ähnlichkeit zwischen einem Charakter, Dialog, Ereignis oder Handlungselement dieses Videospiels und tatsächlich lebenden Personen, Firmen oder Organisationen wäre rein zufällig. Es ist nicht die Absicht der Hersteller und Publisher dieses Videospiels, das in diesem Spiel gezeigte Verhalten gutzuheißen, zu entschuldigen oder zu fördern.


086 Technik

ELECTRIC DREAMS 02 P

03 P

01 P

04 P

01 P Kleiner Gigant Der Transistor-Combo »Little Giant« (BH5-112), der wie alle Amps der zu Crate gehörigen, brandneuen Marke Blackheart auf den Verstärker-Designer Pyotr Belov zurückgeht, verfügt über einen 12-Inch-Lautsprecher mit einer Leistung von 75 Watt (RMS). Wer eine bessere Box greifbar hat, findet an der Rückseite des Geräts vier weitere Speaker-Outputs und kann den internen problemlos ausstecken. Fazit: Solider Sound und tolles Design zu einem fairen Preis: ca. EUR 250. Aber jetzt das Tollste: Wir verlosen einen der Amps. Eine Mail an verlosung@intro. de genügt. www.blackhearteng.com

02 P Vier-Zehn! Immer wieder wurde die Markteinführung der Sigma DP-1 mit ihren 14 Megapixeln und dem Voveon X3 Direktbildsensor aus der Sigma SD14-DSLR verschoben. Nun ist die »kompakte Profikamera« endlich erhältlich. Es zählt einzig die Bildqualität, wofür neben dem großen Sensor auch das 16.6 mm FestbrennweitenObjektiv (entspricht 28 mm Kleinbild) verantwortlich ist. Den Profianspruch unterstreichen auch die durchgängige Lichtstärke F4 sowie die Möglichkeit, Bilder als RAW-Dateien zu speichern. Und natürlich auch der Preis: ca. EUR 799. www. sigma-dp1.com

03 P Tod dem E-Mail-Checken Es ist das ewige Dilemma um die Aufführbarkeit von Computermusik: E-Mails checken als Performance, Frontalunterricht mit vom Monitor blau erleuchteten Gesichtern. Das Tenori-on von Yamaha soll nun Schluss damit machen. Es funktioniert nach dem Prinzip Schachbrett a.k.a. Matrix: ein Raster von 16 mal 16 LED-Knöpfchen als Sequencer, Sampleschleuder und Lichterwunder. Das Besondere daran: Das Tenori-on blinkt von vorne wie von hinten. Damit kriegt ab sofort auch das Publikum ein bisschen blauen Glanz ab. Ca. EUR 900. myspace. com/tenorion

04 P Lego für den iPod Lego – immer wieder super. So gibt es ab Juni die ersten drei Indy-Teile als »Lego Indiana Jones«-Videospiel – und alle liegen sich jubelnd in den Armen. Eine iPodDockingstation aus Lego ist dagegen fast schon banal. Aber man erschafft endlich mal wieder selbst etwas. Mit dem USBLadekabel des iPod und ein paar Steinen kann der Spaß losgehen. Vorgaben gibt es keine, außer dass der iPod hinterher stehen sollte. Unter uns: Dafür braucht man kein Statik-Diplom. Wer keine Steine hat, aber trotzdem angeben will, kann eine neue Dockingstation aus Lego für ca. 20 Euro kaufen. www.homeloo.com


„Zweieinhalb Stunden spannende Unterhaltung“ Blickpunkt Film

„Mit BADLAND ist ein erschütterndes Kriegsdrama gelungen, das ohne Bilder von Schlachtfeldern auskommt.“ Hörzu

„Bewegend“

ALESIS IMULTIMIX 8 USB

Cosmopolitan

E

s war ja nur eine Frage der Zeit, dass sich der Volksplayer iPod auch im Amateur-Recordingbereich als Aufnahmemedium ausbreiten würde. Warum auch nicht? Das Gerät ist gerade für schnelle Musik-Mitschnitte oder auch für die Podcast-Erstellung bestens geeignet, immerhin können die Aufnahmen ganz bequem in iTunes übertragen werden. Alesis hat aus diesem Grund seine MultiMix-Serie nun um den »iMultiMix 8 USB« erweitert. Ein Kompaktstudio, das neben der USB-Verbindung zu PC oder Mac eben auch einen Docking-Slot für ausgewählte Apple-Player bietet. Leider sind nämlich nur iPods der 5. und 6. Generation sowie Nanos der 2. Generation in vollem Umfang zu Aufnahme und Wiedergabe in Verbindung mit dem iMultimix fähig. Es empfiehlt sich ein Blick auf die Herstellerseite, um die Kompatibilität mit dem eigenen Player zu überprüfen. Und sonst? Alles, was ein All-in-one-TabletopMixer heute so braucht: vier Mic/Line-Eingänge mit Phantomspeisung, zwei Stereo-Line-Eingänge, 3-Band-EQ pro Kanal, integrierter Limiter und 100 integrierte 28-Bit-Digitaleffekte. Cubase LE gehört wie beim normalen MultiMix ebenfalls zum Lieferumfang. Aufgenommen wird in 16 Bit mit 44.1 oder 48 kHz, was für die meisten Anwendungen ausreichen dürfte. Der iPod kann bequem über ein eigenes Bedienfeld auf dem Mischpult, mit Jogwheel und Funktionstasten für Aufnahme, Wiedergabe und Song-Skip gesteuert werden, und auch sonst findet man sich auf dem übersichtlichen Bedienfeld eigentlich sofort zurecht. Wer mehr Kanäle braucht, greift zum »iMultiMix 16 USB«, der über acht Mic/Line-Eingänge mit Phantomspeisung verfügt. Ca. EUR 300. www.alesis.de Klaas Tigchelaar

Ableton Live 7 LE kommt Kurz vor Toresschluss krachte noch diese Meldung in unser Postfach: Die Musikproduktionssoftware Live 7 kommt dieser Tage wie schon der Vorgänger in einer verbilligten und leicht abgespeckten Light-Version in den Handel. Die Einschränkungen gegenüber der Vollversion sind: lediglich zwei gleichzeitig nutzbare Stereo-Ein- und Ausgänge, acht integrierte Instrumente, zwei AU/VST-Effekte und zwei AU/VST-Instrumente pro Projekt. Kosten wird das Ganze 129 Euro (als Download, über den Ableton Webshop) bzw. 169 Euro (Box). www.ableton.com

®

AB 8. MAI IM KINO


088 Probefahrt PLATTEN VOR GERICHT 01

Ø 6,9

[Kopfschütteln] Is mir zu viel! ... Interessant ... [verzieht das Gesicht] Nina Hagen hört bestimmt so was! (2)

Geht gut rein. Überrascht immer wieder, und trotzdem geht’s auf. Klingt groß! (10)

R: I do like a part of it, not the whole album. Like The Flaming Lips. B: Sounds like Scissor Sisters. Lo-fi mixed with hi-fi. (7,5)

T: I heard the single and I love it. We heard a lot of singles but when this song started we directly asked: »what is this?« D: It’s this kind of song you’ve got in 20 seconds. (8,5)

Prodigy. Hatten wir schon, zu hektisch. (6)

So was kann man gut zum Tanz aufspielen, ohne dass es nervt. Sehr lustiger Electroclash. (10)

B: This reminds me of ... R: Sonic Youth? B: I like it when they’re singing together. Classic American indie rock. R: I used to listen to this stuff when I was young. (7,5)

T: Just like the cover. I like it. There’s more electronic stuff in it. Each song sounds different. I want to go back to the bus and listen to it. (8)

Holzhütte. Im Haus kein fließendes Wasser. Lebt von Löwenzahn, hat Rastalocken, trägt Baumfichtensandalen. (7)

Erinnert mich an Jesus & Mary Chain von den Gitarren und dem gehauchten Gesang her. Nichts ausgeklügeltes, aber ein schlüssiges Konzept. Gefällt mir gut. (10)

R: If that isn’t that beat I’ll eat my hat. Oh, it isn’t. Sounds like krautrock. B: I liked it before. A cross between English and American indie rock. (7,5)

T: Sounds like 90s alternative stuff like Sonic Youth. Different tracks. The songs are really dirty. (7)

Joy Denalane. Wie Mr. President mit einem Touch Alisha Keys. Ist cool. Raus und abgerippt! [weiß, dass er die CD behalten darf] (9)

Gefällt mir wegen der komplexen Elektronik besser als die Lidell. Sie scheint viel zu erzählen zu haben. Das letzte Lied ist der Höhepunkt. Kiffer haben sicher Spaß damit. (7)

B: I wouldn’t buy it. Nothing I’d remember. Too smooth, not rough enough. R: For a first album it’s nothing that strikes me. Good singer, good voice, too poppy. (5,5)

T: It’s really hard to listen to the lyrics. The voice is like she’s doing what she’s doing. D: Voice is like Macy Gray. I don’t listen to that kind of music. (7)

[nach den ersten Sekunden] Weiter! [nach 13 Sekunden des zweiten Songs] Weiter! [nach ein paar Sekunden des dritten Songs] Raus! (2)

Es fehlt der Hit dabei. Schön verspielte Linien, aber da ist kein besonderer Moment. Plätschert vor sich hin. (5)

B: I quite like it. It sounds really difficult, a bit like Kraftwerk. R: Sounds like The Postal Service in the beginning. (6,5)

D: I like them. The music’s a picture in my head. Good lyrics. I spent too long doing this album just to give him a number. T: Minimalist stuff. Melodies are good. (8)

Absolut mein Ding, viel Soul, viel Blues, Sicherheit. Wie Stevie Wonder – auch die gleiche Musikrichtung. Hammergeil. [swingt mit und guckt süß] (10)

Soul. Muss sehr gut sein, um mich zu überzeugen. Meine Mutter hat mich in den 70ern immer mit dem Motown-Zeug gequält. Handwerklich gut, aber mach das bitte aus. (5)

R: Misleading cover. You will not expect this sound. B: Sounds old. It’s not far away from Stevie Wonder, Jamie Cullum, James Blunt. (7)

T: Sounds really old, like the 70s. Nothing I would buy. D: Such a good voice. Could be a song from a romantic comedy movie soundtrack, like »Bridget Jones 3«. (6,5)

Wenn du verpennt bist und zur Bahn musst, ist das gut. Haben viel Beat inner Blutbahn. Die sind in Woodstock hängen geblieben, macht aber nix, ich ja auch! (5)

Die haben hörbar Spaß an ihrer Musik. Toll, dass der Ska wiederkommt. Passt gut in eine Reihe mit den Indie-Größen, die es schon geschafft haben. (8)

B: Rock version of Hot Chip meets Led Zeppelin. I like the voice. R: Not tough enough, but I do like it. (8)

T: I’ve heard them before, because we played with them in Texas. Good live band. Interesting, a bit like The Rapture. I like good melodies but it’s always the same riffs. (6 )

Schön, beruhigend, geile Stimme, gefällt mir prompt. Entspannend, verkaufstauglich – ist halt Klassik-Rock. (8)

Die Stimme und der Gesangsstil gefallen mir nicht. Biedert sich den Charts an, ist dafür aber zu schlecht. Widerlich! (1)

B: Radiohead? Muse? I’m not listening to this music. It’s too produced. Too dark. It’s miserable. R: If you’re sad you want to listen to happy music. Very soft, isn’t it? (2,5)

T: It hasn’t grabbed me but it sounds really good. D: This is really weird. Sounds like Justin Timberlake but not so well produced. Really boring, usual music. (5)

[nach fünf Sekunden] Kannst weitermachen. Total geil. Da hammä schon genuch von! (2)

Die Musik ist mir zu sehr Mainstream-Rock. Wo ist bei ihm der Witz vom HipHop geblieben? Eigentlich fünf Punkte, aber weil er aus Thüringen kommt: (6)

R: It’s a bit difficult if you don’t understand what he’s singing. Sounds like Coldplay, the early one. B: Reminds me of Tom Waits. More lo-fi than the other one. Sounds nice. (6,5)

T: It’s more like a singer/songwriter thing. Singing in German makes it so interesting. Really nice music. (7,5)

Louisville / Universal

Bon Jovi hammä schon, brauchä ma nit noch einen! Isch bin ja auch mehr so der Ruhige! (2)

Rappelt halt ordentlich, aber nichts Neues. Das können die Amerikaner besser, hier ist es zu bemüht. (4)

B: Beck at the beginning. Very clean American shit. R: Sounds like the joke band Blueshammer in »Ghost World«. (3,5)

T: Something we can joke about in our soundcheck. They use standard riffs. It’s all about the riffs. Sounds like Madrugada. D: Sounds really grunge. I can’t listen to it. (5)

All Time Faves

Mein Album mit’m Dieter

The Smiths The World Won’t Listen Laibach Opus Dei Einstürzende Neubauten Haus der Lüge

The Slits Cut Nick Cave Tender Prey Shellac At Action Park

Motorpsycho Trust Us Neil Young After The Gold Rush

MGMT Oracular Spectacular

Mondo Fumatore The Hand

18th Dye Amorine Queen

Nneka No Longer At Ease Yo Mama / SonyBMG / VÖ 25.04.

05

Jape Ritual Coop / Universal / VÖ wahrscheinlich Juli

06

Jamie Lidell Jim Warp / Rough Trade / VÖ 25.04.

07

Foals Antidotes Wmi / Warner

08

Trouble Over Tokyo Pyramides Schönwetter / Broken Silence

09

Clueso So sehr dabei Four Music / SonyBMG / VÖ 30.05.

10

The Wombats Dan & Tord

Ø 6,2

Crunchy Frog / Cargo

04

The Futureheads Barry Hyde & Ross Millard

Ø6,6

Rewika / Al!ve

03

Rummelsnuff

Ø 5,3

Columbia / SonyBMG / VÖ 02.05.

02

Mark Medlock

Navel Frozen Souls

Meine Oldies [Anm. d. Red.: ???] Meine Oldies (die Leude wissen schon, was ich mein!) [Anm. d. Red.: ???]


Probefahrt

089

Fred Fröse

Reverend

Martin Büsser

Haute Areal

Intro.de-User (Postings: 26.620)

Intro

Ø9,6

Ø 4,7

Ø 5,7

Ø 4,7

Ø

Gott sei’s gedankt – gefällt uns. Bisschen flipsy, will sagen flaming-lipsy, oder? Schön quatschige Sounds. (8)

They get it all right, all the time. (10)

Ein Psychedelic-Mix aus Oliver Onions und Kid Alex ... oder so ... Manche der Synthesizer-Melodien sind zum Kotzen. Track #2 find ich ganz gut. (6)

Gelungener Glamdiscoprogpop. An Hits mangelt es nicht. Mehr Prince-Momente wie in »The Handshake« hätten mich noch strammer stehen lassen. (8)

Klingt ein wenig wie Mick Jagger um 1970. Trotzdem (oder gerade deshalb) irgendwie unsexy. Wirkt alles sehr bemüht »progressiv«. (5)

7,10

S: Nothing comes to my mind, but it’s good. (8)

J: Lahm und einfallslos. E: Also, ich find’s ganz gut. (4,5)

Sound like 90s American indie rock and have a song called »Teenage Cat«. (10)

Muss man, wenn man elf relativ uninspirierte Werke auf einer Platte hat, noch drei völlig uninspirierte Fragmente wie »Elvis Groove #10« draufpacken? (2)

Ewige Coulda-been-Contenders. In England wären sie berühmt. Schöne Platte. (7)

Siehe 18th Dye. (5)

6,80

J: Sounds like Massive Attack. Our favourite British record in this round. (8)

E: Okay. Hätt ich wohl ums Ende der Schulzeit rum spitze gefunden. Aber das ist ja nun auch schon lange her. J: The Charlatans + Billigeffekte. New Rave, is it? (3)

Let’s get them opening on our tour. It starts in two hours. (10)

Der Sänger klingt manchmal wie Cher. (5)

Indierock alter Schule, pünktlich zur neuen BreedersPlatte. Heike sollte mehr singen. Für mehr als »okay« reicht es leider nicht. (5)

Die klatschen alles, was in den letzten 20 Jahren IndieRelevanz hatte, auf einen Haufen ... Sonic Youth, Pixies etc. – das eigene Profil bleibt dabei aber auf der Strecke. (5)

6,75

S: A good cover. Sounds like trip hop. Is trip hop back? J: It’s close to things I like. (6)

Die hat aber mal eine feine Stimme. Auch sonst in diesem Kontext recht erfrischend, muss man sagen. (8)

DJs are not allowed to scratch in music anymore. (9)

Bodenständig. Solide. Mir egal. (3)

Tolle Sängerin mit schönen Soul-Reggae-Schmusern, aber das Konzept »erdige Authentizität« sollte sie am Runden Tisch mit Patrice etc. mal überdenken. (6)

Nicht mein Kompetenzbereich. Das müsste ein Moderator vom SWR übernehmen. (-)

6,72

J: Bad lyrics. The music is good, reminds me of Radiohead after »Kid A«. S: He sounds like Axl Rose too. (6)

Die nächste und die übernächste Platte werden interessanter. Für den ersten Dingsbums-Anthony-Refrain gibt es: (6)

»Look At The Fuckin’ Moon«. (10)

Bringt »November Rain« und Thin Lizzy ein. Ansonsten eher so mittelgut, daher: (5)

Nette Stimme auf sympathischer Popmission. Manchmal knapp dran an BadlyDrawn-Boy-Höhen. Der Song für Phil Lynott bringt noch einen Bonuspunkt. (7)

Nette Electropop-Arrangements, brutal auf 1980erJahre getrimmt. Dazwischen sentimentale Akustik-Balladen. Noch unreif, aber auf einem guten Weg ... (6)

6,15

S: The voice is terrible! He can’t sing this style. He wants to be Sam Cooke, but he isn’t. (3)

J: Bekommt Stevie Wonder dafür Tantiemen? Eine Frechheit. Trotzdem einen Punkt fürs Produzentenhandwerk. E: Bah. (1)

A way worse Al Green. (10)

Hochwertiges Kunsthandwerk. Berührt mich aber nicht besonders. Bonuspunkt fürs Jamie-Lidell-Sein. (7)

Wer den live gesehen hat, weiß: der neue Otis Redding. Und jetzt hat er auch ein angemessenes Album hinbekommen. Für Freunde von Sachen mit Soul. (9)

Okay, Soul hat er. Trotzdem nichts weiter als ein GenreAlbum, das sich im reinen Handwerk erschöpft. (3)

6,15

S: I hate it! Every song on British radio sounds like this! S: Also, they all sing in the same accent. (0)

Ganz schwieriger Fall. Irgendwas stimmt da nicht. Klingt bei aller Könnerei extrem zombiehaft-seelenlos. Einen Punkt für Stück Nr. 4 und den Schlagzeuger. (1)

We miss Q And Not U as much if not more than these guys. (9)

Klingen streckenweise wie Sechstklässler, die wie wild schnipsen, um endlich drangenommen zu werden. Bonuspunkte für Schlauheit. (6)

Eine Handvoll hübscher Indiediscozappler haben die ja schon im Gepäck, aber auf Albumlänge ermüdet mich das. (6)

Das wird sicher Vergleiche mit Bloc Party und damit auch Hype-Vorwürfe hageln. Trotzdem: beachtliches Debüt! (8)

5,70

J: It’s good. Something between Mika and Justin Timberlake. It’s quite sexy. S: It makes me think of Radiohead’s »Kid A«. (7)

Radiohead-Schule. Und warum auch nicht. (5)

Pretty strings, I bet their parents loved them. Lose the electronic elements, guy! Be more like Damien Rice than you already are (i. e.: lose the beats). (9)

Wird weder dem Bandnamen noch dem Albumtitel gerecht. Auf der Firlefanz-Skala eine klare 8, hier aber nur: (4)

Hui, wer hat denn die inbrünstige Stimme so aufdringlich nach vorne gemischt? Wahrscheinlich er selbst. Guter Fuzo-Emo-Terror. (4)

Gewagter Schulterschluss aus Indie-Pop und R’n’B. Die Nummern beginnen ziemlich ambitioniert, doch dann wird es ausladend, pathetisch, manieriert. (5)

5,05

S: A Pearl Jam intro! I like that he sings in German. J: It’s tricky, hot! (6)

Klampfiger Befindlichkeitspop mit HipHop-Wurzeln. Das ist dann auch nur noch wenige Zentimeter von Xavier Naidoo entfernt. Vor allem aber ist’s recht öde. (0)

We’ll give him the benefit of the doubt on his lyrics. (9)

Denkt, er sei Grönemeyer, ist er aber nicht. (2)

Erfurts Antwort auf Jack Johnson bemüht sich redlich, nicht negativ aufzufallen. (2)

Wurde als »Botschafter für ein junges lebendiges Deutschland« vom Goethe Institut auf Tour geschickt. Ich sage: Reinhard Mey für die Generation Praktikum. (3)

4,50

J: It’s grungy. S: It’s too much Nirvana. (5)

Unerträgliche, ebenfalls seelenlose Dicke-Eier-Musik. Die Proberaumnachbarhorrorvorstellung. Ödipaler Nabelschnurmetal. Wieso eigentlich »Grunge«? (0)

This guy would do really well at this bar I know in Mississippi. (9)

Find ich gut. Ist live bestimmt noch besser. (7)

Jaja, klingt wie Nirvanas »Sliver«, allerdings ohne das Songwriting. Sicher stark für die »Alterna-Stage« um 16 Uhr bei Rock am Ring. Nicht so stark für mich. (3)

Dicke-Glocken-Rock aus der Schweiz. Da haben die traditionellen Jodler mehr zu bieten, siehe »Musica Alpina III & IV«, eine beachtlichen Sammlung alpiner Vokalkunst. (2)

4,05

Sex Pistols Never Mind The Bollocks Bob Dylan Blonde On Blonde Mozart Requiem

Pete McCabe The Man Who Ate The Plant Brian Eno Taking Tiger Mountain Sérgio Ricardo/Ziraldo … Flicts

Pavement Brighten The Corners Grandaddy The Sophtware Slump Creeper Lagoon I Become Small & Go

Philip Glass White Raven John Cage 4’33’’ Alexander Skrjabin Mysterium

Blumfeld So lebe ich Sam Cooke A Change Is Gonna Come Wu-Tang Clan Triumph

Morton Feldman For Samuel Beckett Anthony Braxton BYG/Actuel Sessions Beat Happening Beat Happening

The Indelicates

Ja König Ja

Julia & Simon

Jakobus & Ebba

Ø 5,5

Ø 3,7

S: The singer sounds like Axl Rose. That’s the best part of the record. 5 points for the music, 6 for the Axl Rose voice. (6)

We Are Scientists


&*(

HZeiZbWZg'%%, \gVi^h lll#^cigd#YZ

CG#&*( %.#'%%,B#>#6#T6C>B6A8DAA:8I>K:T7GD@:CHD8>6AH8:C:T=6G9";>T<:CIA:B:CTI6A>7@L:A>TI=DB6H=6GA6C

B#>#6# 6# 6C>B6A8DAA:8I>K: >>K K: 8:C: 7GD@:CHD8>6AH8:C: =6G9";> <:CIA:B:C I6A>7@L:A> I=DB6H=6GA6C

+ Nur 25 Euro für 11 mal Intro plus Festi Festivalguide-Magazin + Bequem, pünktlich, tlich, nie vergriffen: Dein Intro kommt immer genau au richtig + Prämie Bestellung www.intro.de/abo oder persönlich: 0221/949930 llung unter www.in

dEUS Vantage Point CD

The Notwist The Devil, You + Me CD

MGMT Oracular Spectacular CD

Death Cab For Cutie Narrow Stairs CD

I’m A Cyborg, But That’s OK DVD

King Of The Hill DVD

SZ Cinemathek - Série Noire 05 Eine fatale Entscheidung DVD

Sicko DVD

llluminati Brett-Spiel

The Foals Antidotes CD

Calvin Harris I Created Disco CD

Blood Red Shoes Box of Secrets CD

Das Kleingedruckte Es steht ein begrenztes Kontingent an Prämien zur Verfügung. Wir garantieren nicht die Lieferung der Wunschprämie. Der Versand der Prämie erfolgt erst nach dem Veröffentlichungstermin des jeweiligen Tonträgers. Das Abonnement kostet im Inland 25 Euro (inkl. Prämie), im Ausland 30 Euro frei Haus (ohne Prämie). Für den Prämienversand ins Ausland erheben wir zusätzlich 7 Euro (optional). Es handelt sich um eine Jahrespauschale. Eine vorzeitige Kündigung bedingt daher nicht die Rückzahlung eines Restbetrages. Das Abo kann 10 Tage nach Bestellung widerrufen werden. Das Jahresabonnement verlängert sich automatisch, sofern wir keine Kündigung 6 Wochen vor Ablauf der Jahresfrist erhalten. Dieses Angebot gilt bis auf Widerruf, spätere Erhöhungen sind nach Ablauf des einjährigen Abonnements nicht auszuschließen. Bestellung und weitere Informationen unter www.intro.de/abo oder persönlich am Telefon (0221/9499314).


Probefahrt

091

Intros liebste Platten 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10

Spalter

THE RACONTEURS: PAUSE-MACHEN GEHT NICHT Der White-Stripes-Kopf Jack White haut mit seinem Promi-Sidekick Brendan Benson überraschend ein neues Album raus. Ohne Vorlauf, ohne Promotion. Ist das schon die neue Zeit oder ein Indiz für halbgaren Mist?

Benson und White veröffentlichen ihr neues Album »Consolers Of The Lonely« zeitgleich digital und eben auch »klassisch« im good old Plattenladen, ohne popjournalistisches Geplänkel im Vorfeld – die Fans sollen das Album zur selben Zeit mit der Poppresse bekommen und »vorurteilsfrei« hören können. Radiohead lässt grüßen. Fertig, raus damit! Was freilich auch übertragbar auf die Musik des Quartetts aus Detroit ist: 14 Tracks ohne großen Firlefanz, weder vom Instrumentarium her noch produktionstechnischer Natur. Trockener Roots-Rock in der ewigen Nonplusultra-Tradition von Led Zep, den Stones, den Beatles, Tom Petty, you name it. Die erste Single »Salute Your Solution« riffrockt stoisch in bester AC/DC-Diktion, der kongeniale »Rich Kids Blues« ist zeitloser und melancholischer Songwriter-Rock und das finale »Carolina Drama« ein Storyteller-artiger Schlussstrich unter einem rundum gelungenen Zweitwerk, das seine Originalität aus der Stärke der Songs zieht, die in der trockenen, unspektakulären Produktion umso schillernder glänzen. Wo andere Bands um Authentizität buhlen, schütteln The Raconteurs selbige scheinbar aus dem Handgelenk: Alt.Country-Schrullen wie »Old Enough« oder die Spät-Beatles-Verbeugung »You Don’t Understand Me« hat man freilich schon tausendmal gehört; damit es beim 1001. Mal noch hinhaut, braucht man wahrscheinlich eben einen Jack White. Ein kleines Manko stellen tatsächlich die 14 Songs dar: Mit einer Songauswahl von zehn, elf Tracks hätte man sich vermutlich einen größeren Gefallen getan – zumal sich »Consolers Of The Lonely« in der Mitte etwas in der Wüste verirrt, nur um gegen Ende umso überzeugender zurückzukommen. Kein wirklicher Wermutstropfen, eher ein Plädoyer für den Mut zur B-Seite. Gab’s damals noch, die Älteren werden sich erinnern. Peter Flore

Oje, muss jetzt bei jeder Differenz zum regulären Album-VÖ-Betrieb die begleitende große Feuilleton-Welle durchgegähnt werden? Also zumindest, wenn die Protagonisten zu den oberen Einhundert der Amazon-Charts zählen? CD-Gott bewahre! Gerade bei den Raconteurs ist das (Nicht-) Brimborium hier doch weniger Programm denn bloß Faulheit und latente Nicht-Identifikation mit dem Ergebnis. Die Allstar-Haarigen trafen sich erneut zum gepflegten Jam in einer ihrer Hütten. Und natürlich, natürlich kam wieder etwas heraus, was der restlichen Welt nicht vorenthalten werden darf. Die Unmittelbarkeit des Raushauens kann dabei aber eben getrost schon als realistische Selbsteinschätzung gewertet werden. »Hier, nehmt. Vielleicht findet ihr was drinnen. Wir machen dafür nicht große Promo-Tour, so wichtig ist es uns jetzt auch nicht.« Und das hört man – bei aller Liebe zu abgehangenem Chef-Indie-Country – auch. Das Songwriting ist nicht annähernd so zwingend wie beim Debüt »Broken Boy Soldier«, der richtige Hit fehlt, einzig hochgeschraubt ist der Jukebox-Effekt. So geht’s eben beim Jammen, man guckt mal, wie nah man an seine alten Helden soundmäßig rankommt. Auf einem Song wie »Hold Up« meint man, das seien lustigerweise sogar AC/DC, der Rest zitiert eher 60s- und 70s-Garage oder bemüht auch mal die bei »DSDS« so herbeigesehnte Show mit der Bigband (»Many Shades Of Black«). Stylish: ja; clever umgesetzt: klar; bringt es dich irgendwohin, wo man nicht seit den Strokes und hundert anderen staubtrockenen Neo-Typen-Rockbands schon war? Absolut nicht. Befriedigender ist nur noch Petting, wenn das Telefon klingelt – und der Partner abnimmt. Linus Volkmann

11 12 13 14 15

The Notwist The Devil, You + Me MGMT Oracular Specular Deathcab For Cutie Whisper War Jamie Lidell Jim dEUS Vantage Point The Last Shadow Puppets The Age Of The Understatement Gnarls Barkley The Odd Couple Kettcar Sylt Ellen Allien Sool Ja, Panik The Taste And The Money The Raconteurs Consolers Of The Lonely Elbow The Seldom Seen Kid Young Knives Superabundance JaKönigJa Die Seilschaft der Verflixten The Death Set Worldwide

Lesers liebste Platten 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15

Hot Chip Made In The Dark Amy Winehouse Back To Black Die Ärzte Jazz Ist Anders Radiohead In Rainbows Slut Still No1 Beatsteaks .limbo messiah Nada Surf Lucky Vampire Weekend Vampire Weekend Tocotronic Kapitulation Goldfrapp Seventh Tree Feist The Reminder Cat Power Jukebox Miss Kittin Batbox The Kills Midnight Boom Justice † Eure Top 10 an Intro, PF 19 02 43, 50499 Köln oder

The Raconteurs »Consolers Of The Lonely« (XL / Beggars / Indigo)

an charts@intro.de. Verlosungsgewinne winken.


092 Probefahrt

1000 Robota Hamburg brennt Tapete / Indigo Als greiser Pop-Opa innerlich schon längst bereit, seine Memoiren zu schreiben, blickt man ja eher neidisch auf das junge Gemüse, das noch nach den Sternen – oder einfach mal ordentlich in die Saiten – greift. Und dann kommt immer wieder diese Waschlappenprosa mit unmotiviertem Geschrammel aus den Boxen. Unweigerlich denkt der Opa an Justus Jonas und Schwimmflügelchen, kehrt die Langeweile untern Teppich, erträumt sich halluzinogenes Gnadenbrot und hört die neue Santogold an. Die nicht ganz volljährigen 1000 Robota klingen dagegen gleich auf sehr zeitgenössische Weise nach 1977, wo der Opa herkommt. Die drei Jungs mischen mit den paar Songs ihrer superreferenziell »Hamburg brennt« betitelten Debüt-EP dessen greisen Kulturpessimismus gehörig auf. Bevor es in D-Land jemand gemerkt hat, sind sie ähnlich wie Mit schon in England angekommen – kein Wunder, wo ihre zwischen Gang Of Four zu Entertainment-Zeiten und frühen AbwärtsSpiralen sägenden Gitarren über Punkdubbigen Basslines mit den gedoppelmoppelten Agit-Vocals doch mehr nach Arbeiterklasse als nach Klassenarbeit klingen. Dabei raunt der Songtitel des eröffnenden Stücks so wunderbar ernst, so verbissen ernst, wie man eine Platte mit fünf Liedern drauf halt nehmen sollte: »Es geht nun mal um etwas.« Das hört sich für den Opa so an, als wären die Lümmel gerade in den Krieg gezogen, aus dem er vor Jahren schon zurückgekommen ist. Wolfgang Frömberg

Elbow

HERRENPERLENKETTE Was kann man schon erwarten von einem neuen Elbow-Album? Nach einem halben Leben, nach 17 Jahren Bandgeschichte, nach Höhen und Tiefen? Ein Meisterwerk!

D

ie musikalische Welt des verschworenen Haufens um Sänger Guy Garvey bleibt so einzigartig wie herausragend. Unter einer unschuldigen Oberfläche, hinter stoischen Drums, hupenden Bässen, sich selbst spiegelnden Klavieren und verhallten Gitarren ziehen die herrlichsten Arrangements vorbei, die in einem Bandkontext vorstellbar sind. Streicher, Bläser, Geräusche, Gospels, Räume: So selten fühlt man Musik in jeder körperlichen Dimension. So sehr überwältigt es, wenn es passiert. »The Seldom Seen Kid« ist kein Konzept-Album, nicht im klassischen Sinne. Der Tod von Freund und Songwriter Bryan Glancy (der Titel des Albums ist sein Spitzname) hat das Leben der Band in den vergangenen zwei Jahren zwar nachhaltig beeinflusst, jedoch nicht durch und durch bestimmt. Es gab auch Nachwuchs, neue Lieben, Probleme mit der Plattenfirma ... »Wir waren sicher nie düsterer«, sagt Gitarrist Mark Potter. »Aber es gibt auch Licht auf diesem Album: Nostalgie, Aufbruch und Optimismus.« Orchestrales Zentrum ist »The Loneliness Of A Tower Crane Driver« – ein Monster mit atemraubender Dramaturgie. Drum herum kreist ein knappes Dutzend glitzernder Perlen, die sich in der Entstehung be-

dingt haben. Ein Song kam zum anderen – keine Liedsammlung, eher ein aufrichtiges Tagebuch. Gesungen von einer Seele: Guy Garvey umarmt mit seiner Stimme, meistens herzlich, immer anrührend. Er singt Refrains, die niemals enden dürfen. »I have an audience with the pope. And I’m saving the world at eight. But if she says she needs me, everybody’s gonna have to wait.« Vor einigen Monaten hatten Elbow angekündigt, das aktuelle Album werde ihre letzte »physische« Veröffentlichung. Sonst geht es aber weiter: »Die Idee, als Band gemeinsam alt zu werden, ist doch romantisch«, schmunzelt Potter. »Ich hoffe nur, dass unsere Freunde ihr Versprechen halten und uns sagen, wenn die Zeit kommt ...« Christian Wessels PS: In England ist »The Seldom Seen Kid« auf Platz 5 eingestiegen, Elbows bisher höchste Charts-Platzierung. Die UK-Ausgabe des Albums glänzt mit »We’re Away«, einem wunderschönen Bonus-Track. Für 2008 ist außerdem eine B-Seiten-Sammlung angekündigt. Elbow »The Seldom Seen Kid« (Fiction / Universal)

18th Dye Amorine Queen Crunchy Frog / Cargo So ging Internationalität vor Web 2.0: Das deutsch-dänische Trio 18th Dye war Anfang der 90er als so ziemlich einzige deutsche Indie-Band eine Nummer im Ausland. Sie spielte Peel-Sessions, veröffentlichte auf dem New Yorker Label Matador, nahm Platten mit Steve Albini auf und spielte Tourneen mit Yo La Tengo oder Stereolab. Ultra-effizientes Networking also, an dessen Nachahmung sich deutsche Bands auch Jahre später noch meist vergebens versuchten. Folgen der Weltenbummler-Ambitionen: Amerikanische Bekanntschaften hauchen den Bandnamen nicht selten heute noch als dritte coole Deutschland-Referenz nach Kraftwerk und The Notwist in die kalte Nacht. Hierzulande kennen 18th Dye hingegen nur noch Altvordere und Eingeweihte. 18th Dye beginnen gut zehn Jahre nach ihrer Auflösung mit ihrem neuen Album so faktisch bei Null. Dabei knüpft »Amori-

ne Queen« nahtlos (und kaum überraschend) an früher an: Im Midtempo-Noise geben sich Heike Rädeker (remember: Wuhling) und Sebastian Büttrich das Mikro in die Hand, man lärmt und schummert sich durch die Comeback-Revue. Ein behagliches Songnest für vor dem JuZeKamin. Oft zwingend (»Song For Helen«, »Soft The Hard Way«), mal etwas weniger, immer aber erbaut auf ein sehr eigenes Bezugssystem in Sachen Ansprache, Sound, Melodie. Schön, dass ihr wieder da seid, 18th Dye. So zeitlos/unzeitgemäß ihr 2008 auch klingt. Bitte ankreuzen. Felix Scharlau

Erykah Badu New Amerykah Universal »New Amerykah. Part One (4th World War)« – sowohl der Titel als auch das eingebaute Wortspiel sind angemessen großkotzig, ambitioniert, hirn-

rissig, clever, nervig und genial für diese Platte, das direkt mal vorweg. Ganz schön viele Adjektive für einen ersten Satz, aber irgendwie muss man wohl den Ausnahmecharakter herausstellen, den diese Platte tatsächlich innehat, den vor allem aber diese Frau immer noch darstellt. Denn das habe ich fast schon nicht mehr zu hoffen gewagt. (Wer mich jetzt einen ahnungslosen Trottel schimpft, möge sich in aller Ruhe noch mal das piefige Gejamme auf »Worldwide Underground« von 2003 antun. Also wirklich.) Zweifelsfrei schwingt sich Badu auf diesem Werk, dem schon in diesem Jahr der zweite Teil folgen soll, zu einer Art Quincy Jones der Jetztzeit auf: Sie versammelt eine Handvoll Producer-Großbegabungen (Madlib, Sa-Ra Creative Partners, 9th Wonder) um sich, gemeinsam wird NeoSoul lässig verabschiedet. Stattdessen wird der Funk aus krustigen Beatgerüsten gewrungen, die Strukturen eiern um sich selbst, in ewiger Repetition mitten hinein

in die Zeitlosigkeit. Von Störgeräuschen und erdschweren Bässen umtost, schlängelt sich allein Badus nie ganz reines Organ durch die Tracks und erzählt in verknappten Bildern vom düsteren Zustand dieser Welt. Dass in einem mittlerweile so verschnarchten Genre wie R’n’B noch mal ein derartiger Innovationsschub stattfinden könnte – wer hätte es geahnt? Heiko Behr

Blaktroniks Mechanized Soul Rubaiyat / Phazzadelic / Groove Attack In einem Intro-Interview vor sechs Jahren beschieden Blaktroniks dem Autor Jochen Bonz via E-Mail klipp und klar: »Sicherlich kannst du jede Menge Vermutungen über unsere Kultur anstellen, aber du bist dabei außerhalb und schaust nur herein.« It’s a black thing you wouldn’t understand. Ich unterstelle jetzt mal: Das war gar nicht konfrontativ


Probefahrt

gemeint. Der Satz bringt nur die unüberbrückbaren Widerstände auf den Punkt, wenn es darum geht, als weißer Europäer die afroamerikanische Situation zu verstehen, das Ausmaß der Unterdrückung zu begreifen, alle Implikationen wirklich zu durchdringen. Das ist nämlich: unmöglich. Die Blaktroniks allerdings, ein Projekt aus verschiedenen Künstlern aus verschiedenen Orten, sind letztlich auch auf ihrem fünften Album um Verständigung bemüht. So weit es eben geht. Mittels Soul im emphatischsten, umfassendsten Sinne. Sie verschmelzen Deep House, D’n’B-Einflüsse, Avant-HipHop zu – Soul. Nein, das ist kein Entertainment. Den Stimmen, den Rappern, den Sängern liegt eine ernsthafte Autorität zugrunde, die z. B. einen Guru von Gang Starr auch zu mehr als nur einem MC macht. Dass die Stimme des Blues-Sängers, der der Hälfte der Tracks eine ungewöhnliche Würde und Verletzlichkeit verleiht, dem Vater des Gründungsmitglieds Edd Dee Pee gehört, macht nur Sinn. Die Stimmen stellen eine Verbindung zwischen der Vergangenheit, dem ewigen Leiden, der Düsternis und dem Heute her. Schallwellen als soulful Geschichtsstunde. Heiko Behr

Bodi Bill Next Time Sinnbus / Al!ve / VÖ 16.05. Bodi Bill gehören zu den Guten. Weiß man spätestens seit ihrem Debütalbum mit dem bekenntnisreichen Titel »No More Wars«, das 2007 aus einer scheinbar besseren Welt an den heimischen Strand gespült wurde. Auf »Next Time« entfalten sie erneut ihre wundersame Hybridmischung aus Geräuschen, Samples, klassischer Instrumentierung und liebevollem Programming. Die Übergänge zwischen den beiden Alben sind fließend, die Platte wirkt wie ein legitimer Ableger von »No More Wars«. Wie zuvor finden sich also harte Kontraste: Nüchternheit und synthetischer Clubsound (»Small Sorrows«, »Great Songs«) versus zarte Melodien in aufrichtiger Verzweiflung (»Henry«). Am besten sind Bodi Bill aber da, wo sie es schaffen, Klavier und Electronica mühelos und unaufgeregt zu kreuzen, wo der Laptop als gleichwertiges Instrument zwischen den Streichern gespielt wird. Dann ergibt sich gespenstische Schönheit wie in »Tip Toe«, die an Goldfrapp zu »Felt Mountain«-Zeiten erinnert. »Depart« überrascht schließlich mit einem weiblichen Gesangspart in R’n’B-Tradition. Langeweile ist anders, aber was ist das eigentlich, das hier entsteht? Poesie? Zumindest schon mal vortrefflicher Pop; immer eindringlich, immer verbindlich und mit Hingabe. Ob man sich durch das enorme Maß an Sendungsbewusst-

sein am Ende erdrückt fühlt, soll jeder selbst entscheiden: Da ist die Rede von Verantwortung und Notwendigkeiten und dem Versuch, die Welt zu retten. Ich halte mich lieber an textlich amüsante Kapriolen wie »You don’t like Sonic Youth, so fuck off« vom Vorgängeralbum. Die finden sich auf »Next Time« leider nicht; so was ist aber auch schwer zu übertreffen. Tina Mamczur

Camille Music Hole Virgin / Emi Wer im französischen Musikgeschehen nicht so drin ist (das dürften bei diesem quasi Parallelmarkt wohl die meisten sein), dem ist Camille Dalmais vielleicht trotzdem vom Cover-Projekt Nouvelle Vague bekannt, wo sie unter anderem den Interpretationen von »Too Drunk To Fuck« und »Making Plans For Nigel« ihre Stimme lieh. Nebenbei hat sie mit ihren ersten beiden Platten zwischen a cappella und Chanson in Frankreich einige Lorbeeren geholt und will nun auch im anglophilen Ausland mit einem, tja, englischsprachigen Album Entzückung abräumen. Wobei die Sprache eher eine untergeordnete Rolle spielt, denn wie gesagt: Madame Dalmais macht (bis auf einige kleine Klavierbegleitungen und dezente Field-Recordings) alles mit den Stimmbändern. Grunzend, trällernd, kieksend, hauchend, schnalzend, scattend und seufzend schichtet sie VocalSpur über Vocal-Spur, bis die Songs komplett sind, die in etwa so exzentrisch in den E-Musik-Bereich rüberhängen wie Tori Amos und Björk. Dort findet man so was aufgrund der zur Schau gestellten technischen Versiertheit und der – mon dieu! – kessen Art natürlich überaus herzallerliebst. Aber da ist mehr: ein sehr sympathischer Humor und deutliche Versuche, auch dem aufgeschlossenen Pop-Publikum zu gefallen. Dies wird darüber hinaus mit einigen tatsächlich guten Songs im klassischen Sinne belohnt. Zudem werden aus einem riesigen Klangkosmos heraus tolle Geräusche und witzige Wortverdrehungen zutage gefördert. Auf »Cats And Dogs« wird zum Beispiel schön geknurrt und miaut, und in »Money Note« entsteht aus dem endlos wiederholten »ritch bitch« plötzlich eine Hihat. Das macht auch ohne Theater-Abo und Stola großen Spaß. Klaas Tigchelaar

Isobel Campbell & Mark Lanegan Sunday At Devil Dirt Coop / Universal Die Lanegan-Festspiele gehen diesen Monat im Intro weiter. Denn kurz nach der dessen Heldenvereinigung

mit Greg Dulli als Gutter Twins steht die nächste Kollaboration auf dem Releaseplan, dieses Mal das zweite Album zusammen mit der alten Belle&SebastianChanteuse Isobel Campbell. Während die Gutter Twins in den Relationen Lanegans ein arbeitsaufwendiges und nervenaufreibendes Mammutwerk gewesen sein dürften, hat er es sich für »Sunday At ...« leichter gemacht und mal wieder einfach nur gesungen. Das kann er ja auch besonders gut, das wissen mittlerweile sogar die tumbsten QOTSA-Hooligans. Ein bisschen wirkt das zweite gemeinsame Werk von Campbell und Lanegan so, als ob sie den Rick Rubin für ihren Johnny Cash geben wollte, als ob sie dafür sorgen will, dass seine nach wie vor beeindruckende Reibeisenstimme auch in ausreichendem Maße für die Nachwelt dokumentiert wird. Die ausnahmslos von Campbell geschriebenen Songs sind zumeist karg instrumentiert und oft klassisch arrangiert, abgesehen von ein paar Soundeskapaden der bekannt extrovertierten Künstlerpersönlichkeit Campbell ist fast alles der hier vergleichsweise facettenreichen Stimme Lanegans untergeordnet. Die zeitliche Nähe zum Gutter-TwinsRelease wirkt sich für »Sunday At ...« etwas nachteilig aus, denn neben dem beeindruckenden Rock-Opus kommt die vergleichsweise brave Folkplatte nicht richtig zur Geltung. Ein besonderer Grund für eine künstlerische Zusammenarbeit der beiden SängerInnen erschließt sich zudem auch nicht, einen expliziten Mehrwert erreichen die Duette der beiden jedenfalls nicht. Bleibt das Cash-Motiv. Und das ist ja durchaus ehrenwert. Ich war erstaunt darüber, dass ihr noch mal ein Album zusammen gemacht habt. Die Organisation muss ziemlich aufwendig gewesen sein. Wann habt ihr euch entschieden, wieder zusammen zu arbeiten? Isobel Campbell: Das kann ich verstehen. Ich wundere mich auch immer wieder, das noch mal auf mich genommen zu haben. Aufgrund von Marks Problemen hatten wir keine Gelegenheit, zusammen Shows zur ersten Platte zu spielen. Sie kam im Januar 2006 heraus, und erst ein Jahr später traten wir das erste Mal gemeinsam auf. Diese Shows liefen so gut, dass eine weitere Zusammenarbeit logisch schien. Sie waren so großartig, dass das völlig folgerichtig war. Wie lief die Produktion denn ab? Ich habe im Februar 2007 angefangen, die Songs zu schreiben und zu arrangieren. Dann kam Mark für neun Tage nach Glasgow, um die Songs einzusingen. Danach bin ich in die USA gereist, um die Platte fertigzustellen. Dort habe ich Mark aber nicht mehr getroffen. Wie entscheidest du, welche deiner Songs für deine Soloplatten sind, wel-

093

che für eine Platte mit Lanegan oder für etwas ganz anderes? Die Songs sagen mir, wofür sie bestimmt sind. Sie machen mir deutlich, welcher Rahmen für sie der beste ist. Christian Steinbrink

Destroyer Trouble In Dreams Rough Trade Dan Bejar a.k.a. Destroyer ist nicht nur ein anregend verwirrender Charakter, er hat in seiner beachtlichen und in letzter Konsequenz nicht wirklich erforschten Diskografie auch schon einige visionäre Irrwege genommen und ist nicht erst jetzt, mit seinem aktuellen Album »Trouble In Dreams«, bei mit multiplen Reizen und einigen Deutungsebenen ausgestatteten, entrückten Breitwandpop zwischengelandet. Die Zeiten minimalistischer Klangforschung hat Bejar hinter sich gelassen, die seit dem Albumvorgänger »Destroyer’s Rubies« aufgemachte Zielvorgabe ist irgendwie USIndie, aber nicht nur, denn auch eine expressionistische, reizvoll bis zum Overkill wirkende Ansprache. Das Album ist durchgehend großartig, fordert vom Hörer alles. Musikalisch rekurriert Bejar auf bedeutungsschwangere Stimmungen von Bowie bis hin zu den Flaming Lips, textlich sind die von ihm aufgemachten Bilder surreal, breit und undurchsichtig fabelhaft, immer auch humorig, nicht aber ironisch. Die Deutungshoheit über dieses Werk, Platte wie gesamt, wird zumindest zeitgenössisch niemand erlangen. Und das hält den unvergleichlichen Reiz dieser Musik am Leben. Fragt in 20 Jahren noch mal die dann klügsten Popkritiker, sie werden Destroyer verehren und mit Sicherheit auch eine dann sehr schlüssige Bandgeschichte in mehreren Akten zu erzählen haben. Aber hier und heute? »You always had a problem flowing down rivers.« Christian Steinbrink

dEUS Vantage Point V2 / Universal Tom Barman wirkt wie ein Maniker. Man könnte an ihm ganz wunderbar und exemplarisch die alte Rechnung von Genie und Wahnsinn aufmachen. Was die Musik angeht, war ich immer froh, wenn er sich und seine stark fluktuierende Band im Griff hatte, wenn er ein Gleichgewicht herstellen konnte: Ich persönlich mag »The Ideal Crash« in der Breite lieber als »In A Bar Under The Sea«. Und ich mag »Vantage Point«, sehr sogar. Barman, mittlerweile 35 Jahre alt, hat in seiner Heimatstadt Antwerpen zusammen mit Freunden ein Studio gleichen Namens gebaut. Ein Refugium, ein Tummel- ≥


BATTLES/ FUCK BUTTONS 12.05. Berlin, Maria 13.05. Köln, Gebäude 9

INTRO INTIM @ LEIPZIG POPUP

JA, PANIK/LICHTER WOLKE vs. INTRO DJs

≥ platz, der nicht Tag und Nacht kennt. Erfüllt von unendlicher Unruhe, von fiebrigen Tanzmonstern, von Momenten berückender Schönheit und unprätentiöser Melancholie. Inhaltlich dreht sich Barman nicht so sehr um sich selbst, wie man meinen könnte: »Nach einer Weile mag man nicht mehr über sich selbst singen«, sagt er. Und wird zum Storyteller. Wie in »The Vanishing Of Maria Schneider«, das Elbow-Sänger Guy Garvey in letzter Sekunde mit einem Cameo veredelt hat. Ein letzter Pinselstrich, der – obwohl nicht unbedingt nötig – für ein wunderbares Gleichgewicht sorgt. Für mein Gleichgewicht, Tom wirkt ja wie ein Maniker ... Christian Wessels

23.05. Leipzig, Ilses Erika LESUNG

»Kill Your Friends« John Niven – Bernd Begemann 06.05. Berlin, Roter Salon/07.05. München, Substanz/ 08.05. Köln, Museum Ludwig

Kevin Devine & The Goddamn Band/ Jenny Owen Youngs 07.05. Nürnberg, MUZ-Club 08.05. Münster, Amp 18.05. Freiburg, White Rabbit 19.05. Frankfurt, Brotfabrik 23.05. Fulda, Kulturkeller 24.05. Leipzig, Moritzbastei 25.05. Berlin, Lido 26.05. Hamburg, Fundbureau 27.05. Dresden, Beatpol 28.05. Jena, Rosenkeller 29.05. München, Feierwerk 30.05. Köln, Blue Shell 31.05. Bremen, Lagerhaus wechselnde Supports und DJs I N T R O I N T I M @ S P L A S H ! F E ST I VA L

M.I.A./ LE PEUPLE DE L’HERBE/ AFRIKANBOY/ NOUVEL R./ MISS ILL/ SICK GIRLS U.V. A. 11.–13.07. Halbinsel Pouch bei Leipzig Alle Infos zum Splash! Festival auf www.splash-festival.de Splash! 2008 u. a. mit Jay-Z/Ice Cube/ Shaggy/Jan Delay & Disko No.1/ Dynamite Deluxe/Culcha Candela

A L L E I N F O S , T I C K E T S U N D U P D AT E S U N T E R

www.intro.de/intim

Diverse Cosmic Disco? Cosmic Rock! Eskimo / Neuton Cosmic-Disco an jeder Ecke. Und das Label Eskimo Recordings mittendrin. Zuletzt waren die Belgier unter anderem auch mit der Reihe »Mindless Boogie«, einer Re-Edit-Serie alter Discoklassiker, sehr gut dabei. Unter dem Titel »Cosmic Disco? Cosmic Rock!« gibt es nun eine neue Raritätensammlung, und dafür wurde niemand Geringeres als Danielle Baldelli an die Turntables gebeten. In den späten Siebzigern hat der Italiener in der Diskothek Cosmic am Gardasee seine Afrobeatplatten mit so ziemlich allem zusammengemixt, was damals zur Verfügung stand: Kraftwerk, Steve Reich, Fusion, Ragga, Krautrock, Elektronik. Teilweise arbeitete Baldelli mit vier Plattenspielern gleichzeitig. Der Italiener gilt vielen als Erfinder des Genres »Cosmic-Disco«. Nun erlebt Cosmic über Leute wie Todd Terrje, Prins Thomas und Lindstrøm seit ein paar Jahren ein ziemliches Comeback. Und Baldelli durchforstet mal wieder seine Sammlung von gut 60.000 Platten nach Discoperlen. Die Compilation heißt aber nicht ohne Grund »Cosmic Rock«. Es dominieren gitarrenlastigere Stücke, viel Funk ist dabei, immer unterlegt mit einem leichtfüßigen Beat. Die Auswahl konzentriert sich auf Raritäten und zeigt, wie sorgsam Baldelli vorgeht beim Plattentaschen-Packen. Der Meister führt uns vor, wie wichtig die Ära für vieles, was danach kam, gewesen ist, für No Wave, für House, ja, im Prinzip für jede Art von Musik zum Tanzen. Sebastian Ingenhoff

Diverse Slices Music Video Collection DVD // Electronic Beats / Intergroove Über den Paradigmenwechsel im Musikfernsehen braucht man keine Worte mehr zu verlieren. Im Netz gibt’s dafür alles und mehr; was im Normalfall jedoch fehlt, ist eine

thematische Bündelung bzw. eine Auswahl, die man vorgesetzt bekommt und nicht erst mühsam selbst treffen muss. Schließlich kann man es auch genießen, einfach passiver Konsument zu sein. Das DVD-Magazin Slices erkannte diese Lükke und arbeitet seit mittlerweile drei Jahren daran, sie zumindest im Bereich elektronischer (Tanz-) Musik zu schließen. Die vierteljährliche Reihe der Gratis-DVDs mit Interviews und Features wird nun um eine käufliche »Music Video Collection« ergänzt (deren Erlös nebenbei bemerkt an das Projekt »Musik hilft« geht). Auf der DVD findet sich eine Auswahl von vierzig Videos, ganz ohne sonstigen Schnickschnack. Einschalten, angucken, zuhören. Musikalisch wird die Bandbreite von Clubmusik der letzten acht Jahre abgedeckt. Von Styler-Minimal über HouseFröhlichkeit bis zu elektronischem Funk und ein paar knusprigen Breakbeats ist alles vertreten, gerne auch mit Rang und Namen. Und weil sich Videos zu elektronischen Beats sowieso in eigenen Nischen abspielen – egal, ob auf YouTube oder Formaten wie Slices –, darf auch visuell so ziemlich alles passieren. Die Ästhetiken sind so unterschiedlich wie die Attitüde, die sich durch Musik und Bild vermitteln soll. Das geht dann von magerer, blonder Frau, die im Pelzmantel durch die Stadt zieht (Phoniques »For The Time Being« von Regisseur Casper Rasmussen), vorbei an vielen weiteren urbanen Landschaften (z. B. das unvermeidliche Japan-Klischee in Zombie Nations »Gizmode«); aber auch Wald-undWiesen-Close-ups (Gunne »Fusseln«, Stefan Gräfe) bis bedrohlich-kalte Animationen wie zu Plastikmans »Disconnect« von Ali Demirel tauchen auf. Damit ist die »Music Video Collection« keine Bestandsaufnahme, aber ein netter Happen Bild und Ton für die Nische. Arno Raffeiner

¡Forward, Russia! Life Processes Cooking Vinyl / Indigo Von dem ausgemachten Unsinn, die Songs in der Reihenfolge ihrer Entstehung durchzunummerieren, haben ¡Forward, Russia! inzwischen Abstand genommen. Was soll das denn auch: »Seven« kam beim Debütalbum »Give Me A Wall« an neunter Position, »Nine« dagegen auf der Vier, und so zog es sich konsequent durch die Platte. Konzeptkunst, my ass! Auf solche Schrullen ist die Experimental-Indie-Combo aus Leeds – in aller Munde dank Kaiser Chiefs, Cribs, Duels oder Long Blondes – gar nicht angewiesen, beweist sie doch mit »Life Processes« ihre musikalische Klasse. Abstrakte Rhythmen wie bei »Don’t Reinvent What You Don’t Understand« und der pathetische Gesang ver-


leiten zu dem Trugschluss, es handele sich um muckerhaften ProgRock. Doch da ist mehr: Tom Woodheads Stimme mäandert zwischen den Lagen und jeweiligen Charakteristika, gliedert sich in feierlich-opulent (»Some Buildings« mit dem biblischen Refraintext »Ashes to ashes, dust to dust, Jesus Christ and Lazarus«), fragil flehendes Falsett (»Fosbury In Discontent«), peitschende Rockröhre und enthemmten Schreihals. Stellenweise klingt das schon fast manisch, zumindest offenbart gleich der Opener »Welcome To The Moment« die vorhandene kriminelle Energie: »I hope that you’ll hurry, we’ve murdered a child / We’re dumping his body off the side of a bridge.« Zwar verfolgten At The Drive-In oder aktuell noch Les Savy Fav einen ähnlichen Weg, doch von unkonventionellem Songwriting kann es nicht genug geben. Henrik Drüner

Gnarls Barkley The Odd Couple Warner Klar, man kann sagen, dass ein Überhit wie »Crazy« ausreicht, um ein Album als gut zu bezeichnen. Trotzdem – unter dem Eindruck dieses Knallers war der Großteil der anderen Stücke auf »St. Elsewhere«, dem Debüt von Danger Mouse und Cee-Lo a.k.a. Gnarls Barkley, eher mäßig. Und angesichts der Qualitäten der Protagonisten wäre es schade, von Gnarls Barkley als einem, wenn auch sympathischen, One-Hit-Wonder sprechen zu müssen. Am viel diskutierten Nachfolger »The Odd Couple« ist zunächst einmal auffällig, dass die meisten Stücke zwar entweder durch Cee-Los unvergleichlichen Gesang oder durch einen pfiffigen Producer-Gimmick von Danger Mouse glänzen, sich diese beiden Elemente aber kaum homogen verbinden. Man kann Stücke wie »Going On« auf eine schizophrene Art und Weise reduziert, brachial und effektiv oder aber auch einfach hingerotzt nennen. Sicher sind Danger Mouses ProducerSkills in diesem poppigen Zusammenhang immer noch ungewohnt, trotzdem bekommt man die sichere Ahnung, dass angesichts dieser großen Artisten noch lange nicht alles ausgereizt ist. Das soll aber nicht heißen, dass »The Odd Couple« durchgehend schlecht wäre. Rasante Funk-Stücke wie die erste Single »Run« haben fast schon einen punkigen Touch und funktionieren zumindest in einem Partyrahmen sicher toll. Und Beats wie der von »She Knows« erinnern wohlig an gute Stones-Throw-Mixe. Das sind nur zwei von einigen Beispielen für gelungene Ansätze. Trotzdem: Wo so viel Großartiges derart hörbar brachliegt, muss noch viel mehr gehen. Christian Steinbrink

Gnill Ich werde mich mit dieser Makrele ins Ausland absetzen Tumbleweed / Broken Silence Florian Gelling von der netten Postpunk-Schrammel-Band grafzahl ist fremdgegangen, hat es sich – genauer gesagt – im eigenen Bett bequem gemacht. Sein Solodebüt bietet zwar nicht mehr als fünf Stücke in Durchschnittslänge, ist also erst mal nur eine klassische EP, doch die deutet bereits Großes an. Beim Auftakter »Für irgendwen« sind noch deutliche Anlaufschwierigkeiten zu hören: schön verschlüsselter Text, aber die Musik verweist zu sehr auf grafzahl plus Vorbilder wie Boxhamsters oder Tocotronic, an deren Überwindung zu arbeiten den Grafen endlich mal gut stehen würde. Doch spätestens mit »Artig«, einer treibenden Electrobeat-Nummer, findet Gelling einen neuen, eigenen Ton. Endlich Klartext. »Wir lesen die Zeitung, wir zünden keinen Springer an«, heißt es im Refrain der Nummer über eine ganze Generation von Angepassten. Ganz egal, was Jan Delay in diesem Jahr noch produzieren wird: »Artig« ist jetzt schon die Hymne zum 1968-Jubiläum mit all seinen uneingelösten Träumen und Utopien. Und zwar eine, die zugleich auch über das ganze Indie-Elend Bescheid weiß: »Wir sind artig, da helfen keine Platten«, singt Florian Gelling am Ende wie ein Mantra. Individuelle Abgrenzungen mit Hilfe von Musikgeschmack und Pop-Codes haben ausgedient ..., behauptet einer, der selbst Pop produziert. Es sind aber genau diese Widersprüche, die Gnills oft glasklaren, mit unschuldiger Stimme vorgetragenen Indie-Pop vor Selbstüberschätzung retten. Die mitbedachten Selbstzweifel machen Gnill so souverän. Martin Büsser

Guz Mein Name ist Trikont / Indigo Zu Recht freut man sich wie ein kleines Kind, wenn man in deutschen Songtexten mal kein Liebes-Gesülze, Emo-Gejammere à la »Meine Tapeten sind so hässlich, mein Taschengeld ist zu klein und meine Nase riesengroß ...« oder wahlweise auch auf intellektuell gemachtes Geschwätz – aus Rücksichtnahme hier ohne Beispiel – ertragen muss. Nicht selten wird man obendrauf auch noch von Reim-dich-oder-ich-fressdich-Zeilen belästigt. Umso froher ist man gestimmt, begegnen einem – leider nur allzu spärlich verbreitet – zum größten Teil sinnfrei-absurde, aber trotzdem nachhaltig-reichhaltig-abgedrehte Songtexte, mit einem feinen Hauch von subversiven Popliteraturgedichten längst vergangener Tage. So wie im »Scheiß- ≥


096 Probefahrt

≥ lied« eben: »Wenn alles schön ist und wenn alles stimmt / Braucht es einen, der ein Scheißlied singt«, oder auch: »Meine ganze Verwandtschaft hat der Löwe aufgefressen / Jetzt sitz ich am Feuer und ess einen Bär.« In denen endlich auch mal wieder kompetent die kleinen Dinge des Lebens beobachtet und nacherzählt werden: »Sitz, Mona, sitz, der Hund sitzt wie der Blitz / Der Rollladen hält an und die Frau stellt dann den Fitnessteller hin / Leise kommt Musik und sie spielen unser Lied / Auf dem Zeltplatz, endlich Ruhe auf dem Zeltplatz.« All diese wundersamschlau-schwachsinnigen Worte stammen vom neuen Album des Aeronauten-Sängers Olifr M. Guz, der bei selbigen mal ‘ne Pause einlegt. Und hier auf vielfachen Wunsch noch ein paar Worte über die Musik zum Text: klare Songstrukturen ohne viel Schnickschnack, beschwingt-punky Liedermacher-Flair, sexy-verrauchte Stimme mit leichtem Anflug von Udo Lindenberg, nur besser natürlich. Senta Best

The Hellacopters Head Off Wild Kingdom / Rough Trade Seit die Hellacopters Ende letzten Jahres bekannt gaben, sich im Jahre 2008 aufzulösen, bin ich ziemlich zerrissen. Die Formation um Nicke Anderson wuchs mir durch ihr zeitloses musikalisches Schaffen über das letzte Jahrzehnt sehr ans Herz und war steter musikalischer Begleiter in allen Lebenslagen. Beim Hören ihres neuesten und letzten Albums befinde ich mich so nun zwischen Lachen und Weinen. Das Lachen steht für ein abermals grandios kurzweiliges musikalisches Werk. Das Weinen ganz klar für die Tatsache, hier das finale Album einer großartigen Band in Händen zu halten. Nun, man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. Trotzdem, nach meinem Dafürhalten könnten Nicke & Co. bis an Ende aller Tage weitermachen. Wenn man jedenfalls Stücke wie »Midnight Angel«, »In The Sign Of The Octopus« oder »Darling Darling« hört, besteht absolut kein Anlass, ans Aufhören zu denken! Sei’s drum, ich werde euch vermissen, macht’s gut, Jungs! Christian Schlage

Bernadette La Hengst Machinette Trikont / Indigo Bernadette La Hengsts Relevanz im System der deutschsprachigen Independentmusik mit Soul, Kopf und Meinung ist bekannt, trotzdem darf sich in keiner Rezension verkniffen werden, ihre Eckpfeiler immer und immer zu wiederholen: Fast Weltweit, Hamburger Schule, Huah!, Die Braut Haut Ins Auge, Lady-

Ja König Ja

SPUR GRÖSSENWAHN Auf »Die Seilschaft der Verflixten« geben sich Ebba Durstewitz und Jakobus Siebels wilden Text-Assoziationen hin. Selten wurde in deutscher Sprache so eigenwillig getextet. Doch die losen Gedankenketten passen hervorragend zur Musik.

U

nd die ist ziemlich geschmeidig geworden. Streicher, gedämpfte Bläser, eine schöne Portion sophisticated Pop, zu dem sich auch Ebbas ebenso geschmeidige Stimme bestens einfügt, die mal an Electrelane (»Du giltst an allen Orten«) und mal an Nico (»Ach, Golgatha!«) erinnert – was wiederum Parallelen zu Michaela Melián und F.S.K. aufweist. Aber all das ist Namedropping, welches nicht wirklich weiterhilft. Viel interessanter ist die Tatsache, dass Ja König Ja mit Sprache auf eine Weise spielen, bei der nicht ganz klar ist, ob es sich dabei um reine Lautmalerei handelt, die jeglichen Sinn verweigert, oder ob hier tiefere Bedeutungsebenen schlummern. »Nicht zu scheitern ist für Götter, und Heroismus bin ich leid«, heißt es im Titelstück. »Grenzen wirst du hier nicht finden, auf keinem Weg, den du durchsuchst, ein großer Sturm ist durchgebrochen, das ist die Stimme des Begehrens (...) wir werden nie vernichtet, nie zerstört.« Irgendetwas verstanden? Ja König Ja erklären: »Die Texte schwanken zwischen freier Assoziation und der bewussten Verwurstelung und Weiterspinnerei von Gedanken, zu denen nicht selten das eine oder andere literarische Werk den Anstoß gegeben hat.« Wobei »literarisch« nicht unbedingt Kafka, Thomas Bernhard oder Robert Musil bedeuten muss. Jakobus hat sich auch schon von Rudolf Sacks »Biss auf Biss« inspirieren lassen, einer Anleitung für Angler.

fest undundund. Die beeindruckende Bilanz von 20 Jahren Leben im Biz, immer im besten Augenblick am richtigen Ort und nie nur dabei. Nun zeigt La Hengst mit dem dritten Soloalbum »Machinette« auch noch eine Beherrschung der Produktionsmittel, welche die Platte fast überquellen lassen von Beatgeklacker, Twang-Gitarre, Bläsersätzen (natürlich von den Aeronauten-Boys) und einem entzückenden Seniorenchor. Die Musik ist weniger elektronisch angelegt als die der Vorgängeralben, und Bernadettes scharf phrasierte, unprätentiöse Stimme schmeichelt sich noch durch jedes leicht wirre Arrangement. Durch die daraus resultierende gute Textverständlichkeit stößt man leider schnell auf eine Po-

»Stimme des Begehrens« wiederum klingt nach Foucault, nach acht halbverdauten Semestern Poststrukturalismus und Gender Studies. Oder ist das jetzt auch schon wieder zu viel Interpretation? »Der Text von ›Jedes Wort‹ von der letzten Platte«, erklärt Ebba, »verdankt sich zu einem großen Teil Foucaults ›Ordnung des Diskurses‹.« Also doch! »Einem angenehm quatschigen Text mit dieser leichten Spur Größenwahn, wie wir es gerne haben. ›Die Stimme des Begehrens‹ (die in unserem Stück ja auch die Stimme des Aufbegehrens ist) war bei der Entstehung nicht als bewusste Anspielung intendiert. Daran sieht man aber auch, wie es funktioniert. Wir haben also selbst – wenn man so will – die Anspielung auf Foucault nicht verstanden. Also ja: Wir sind uns sicher, dass die Texte auf mehreren Ebenen funktionieren, weil sie größtenteils sehr offen gehalten sind. Ein befreundeter Journalist sagte unlängst: ›Keine Ahnung, was ihr da singt, aber ich find’s spitze.‹ Mit so einer Reaktion können wir mehr als gut leben.« Ohne Romantik, Pathos oder Sentimentalität haben Ja König Ja eine Sprache gefunden, die klingt, als würde das Unterbewusste permanent außer Kontrolle geraten brabbeln. Das ist mutig und weit von aller Statement- und Befindlichkeits-Lyrik entfernt. Martin Büsser Ja König Ja »Die Seilschaft der Verflixten« (Buback / Indigo)

diumsdiskussionssprache, die mit ihrem Reden vom »prekarisierten, paneuropäischen Paradies«, von »dem Risiko des Privilegierten«, der »EntschleunigungsVibration« und vom Emissionshandel korrumpierten Wellensittichen etwas überengagiert rüberkommt. »Wehr dich gegen den Staat« wäre zumindest mir als ideologische Marschrichtung genug gewesen. Benjamin Walter

Ja, Panik The Taste And The Money Schoenwetter / Hoanzl / Broken Silence Im Informationsvideo auf ihrer Homepage und im Bandmanifest in sechs Punkten redet die Gruppe Panik aus

Wien einen so hinreißenden Blödsinn in fein gewählter Sprache zusammen, dass man danach gar nicht mehr weiß, was man glauben soll. Ist das schon »Schmäh« oder doch die selbstironische Verortung des eigenen Bandkollektivs? Ambivalenz ohne Ende. Das ist der Nullpunkt, hier können wir ansetzen. Die Musik des zweiten Albums von Ja, Panik ist als Post-Punk nur sehr unzureichend klassifiziert und schraubt sich aus dem Korsett der klassischen Bandbesetzung (plus Piano) hoch zu irrwitzigen Refrains, mal wüst gebrüllt, mal mit hymnischen Chören. So klingt wirklich keiner von der Konkurrenz, wahrscheinlich aus Feigheit. Aber die Platte soll auch sprechen, und was sie erzählt, kommt einem doch ≥


098 Probefahrt

≥ seltsam bekannt vor. Aber es ist nicht so, dass man hier die Tagebucheinträge eines verlotterten Lebensentwurfes präsentiert bekäme, eher bedient sich Sänger Andreas Spechtl der Form einer literarischen Collage. Von Suff, Exzess und Wut auf die Verhältnisse getrieben, taumelt der namenlose Protagonist der zwölf Stücke durch eine nächtliche Großstadt. Pausenlos wird mit großer Geste auf die Schnauze geflogen, Erlösung und Befreiung ist immer nur temporär zu haben, dann im Suff und im Exzess – völlig logisch. Und das ist doch auch deine Geschichte? Oder die vom Typen mit der Brille zwei Barhocker weiter. Benjamin Walter

Kettcar Sylt Grand Hotel Van Cleef / Indigo Fallschirmspringer in der Abendsonne und gesetzte Herren vorm Himmelsblau waren gestern. Dass sich was geändert hat im Hause Kettcar sieht man schon am Cover-Artwork. Da regiert neuerdings die Apokalypse – genauer gesagt das David-Schnell-Gemälde »Hochbahn«. Auch wird nicht mehr im Taxi geweint oder das aus der Wand kom-

MGMT

BATIK ME NICE So schnell kann’s gehen: Vergangenen Herbst holten uns MGMT vor dem New Yorker Club, in dem sie gerade 60 Leute bespielt hatten, noch ihre Debüt-CD aus dem Handschuhfach des angerosteten Vans, dankten artig für das Interesse und dackelten davon.

E

in Dreivierteljahr später erscheint jenes Album nun auch in Europa. Und in den USA kann sich mittlerweile glücklich schätzen, wer in die ausverkauften Shows des zum Live-Quintett aufgestockten Duos reinkommt. Letterman, Internet und gutem Musikgeschmack sei Dank. Dabei waren ebenjene Shows mit der Platte nur sehr bedingt zu vergleichen. »Oracular Spectacular« klingt so viel heterogener als alles, was selbst eine fünfköpfige Band live umzusetzen imstande ist. Das Album chartet so als Antiklischee eines landläufig für charttauglich gehaltenen Debüts. Als mal radikal konsequente, mal seltsam verhuschte Momentaufnahme eines herrlich unfertigen, rastlosen Duos, das so klingt, als wolle es zwischen College und dem ersten richtigen Job nur mal eben ein paar Songs für Freunde fertigstellen. Den 80er-Oktavbass-Schocker »Kids«, den zweiten Synthie-

Überhit der Platte, »Time To Pretend«, das Mick-Jaggerselige »Weekend Wars« oder das White-Soul-70s-Revival namens »Electric Feel« verbindet so außer großer Melodien zunächst nicht viel. Außer eben den Typen mit der Dringlichkeit in der Stimme und seinen Adlatus im Hintergrund. Dass deren ästhetische Egal-Haltung auch vor der Kleiderfrage (Stichwort: hippieske Selbstinszenierung) nicht haltmacht, stellt einen weiteren glücklichen Zufall dar: Andrew Vanwyngarden und Ben Goldwasser werden dadurch derzeit gerne als Speerspitze einer neuerlichen Neo-HippieBewegung gelesen. Lange war die Kombination aus Slakkertum, abgelegten Scheuklappen und Batik nicht mehr so aufregend. Wobei man hinzufügen sollte: Diese Mischung gab es auch noch nicht so oft. Felix Scharlau MGMT »Oracular Spectacular« (Red Ink / SonyBMG / VÖ 09.05.)

e\nj&&dXp

nnn%Xc`m\$X^%[\

DFE;F=LD8KFI<$ K_\?Xe[

IF9<IK=FIJK<I$ K_\\mXe^\c`jk

+%8cYld[\i•Y\iq\l^\e[\e 9\ic`e\i@e[`\$=fidXk`fe% 8cj>Xjkdlj`b\i]le^`\ik e`\dXe[^\i`e^\i\jXcj A%DXjZ`j;`efjXliAi%  8l]Kflid`k;`efjXliAi% I<N@B8I<:FI;J

ÙK_\<mXe^\c`jk`jknle[\i$ YXi#\`e\Kfli[\=fiZ\[\i Xck\eJZ_lc\%Q\_eJfe^j#[`\ [\e^\cle^\ejk\eN\ib\e mfeIfY\ikn`ibc`Z_`eE`Z_kj eXZ_jk\_\e%<`e\Z_k\i ?fZ_^\eljj%È Af_e<Xicj#:_Xee\c+% <O$>f$9\kn\\ej%KL@K@FE

98IJ<IFJ$ B`cc#B`cc#[Xj`jkGfg  ;`\ÙJ^k%G\gg\iÊjCfe\cp ?\Xikj:clY9Xe[È$GcXkk\ [\jGlebIfZbQn`jZ_\e JfZ`Xc;`jkfik`fe;`\ viqk\%D`k[\eY\jk\e [\lkjZ_\eK\ok\ej\`k <n`^b\`k\eGif[lq`\ikmfe Blik<Y\c_€lj\i 9C8:BD8@C % LEK<IJ:?8=<E

D8IC<E<AF?EJFE$ DPKPGFJDFFM< EXZ_[\d<i]fc^[\i ÙIleXnXpÈ<g]\Xk%AX_ D\\b#NXi[)(#DXicfe 9\ijZ_\`ekele@_iJfcf 8cYld=\`ejk\J`e^\i& Jfe^ni`k\iKiXZbjki\]]\e Xl]IffkjI\^^X\I`[[`dj ;XeZ\_Xcc:fdY`eXk`fej M<CF:@KPJFLE;JI<:%

M%8%=LEBPE8JJ8L$ K_\:fdgXjjGf`ekJkfip (0/'$(0/;`\DXo`$M\ij`fe\eXlj[\e :fdgXjj$Jkl[`fj(0/'$ (0/-#d`k>iXZ\Afe\j# KXcb`e^?\X[j#@Xe;lip# JcpIfYY`\#9`kjG`\Z\j l%m%X%\ijkdXcjXl]:; JKILK&B.

;\j`^e1Afj\b[\j`^e%Zfd

JG8:<JFE>J$ 9XccX[j]fik_\8^\f]JZ`\eZ\  ;\i<o$;Xl\iÔjZ_le[ B•ejkc\iKi\l•Y\ij\kqk [`\Gf\j`\eXklin`jj\e$ jZ_X]kc`Z_\i<ib\eeke`jj\`e Y\qXlY\ie[\le[df[\ie\ Gfgjfe^j% JFGFKI<:FI;J


Probefahrt

mende Geld rausgehauen. Und »Balu«? Nimmt sich eine Auszeit, die wohl länger als 48 Stunden dauern wird. Kettcar findet man auf »Sylt« verzweifelt, mies gelaunt, politisch, herausfordernd wieder. Was ja per se nix Neues ist, auch das Debüt hatte schon den »Balkon gegenüber«, der Zweitling dann die »Deiche« – Stücke, die soziale Realitäten beschrieben oder in Frage stellten. Aber in der Konsequenz einer Albumlänge, wie auf »Sylt« geschehen, hätte man es nicht unbedingt erwartet. »Graceland« ist ein Abgesang auf eine alternde Gesellschaft, die dem eigenen Jugendwahn hinterherläuft. »Nullsummenspiel« und »Geringfügig, Befristet, Raus« die bittere Bilanz der neoliberalen Lebensweisen, »Würde« das Zerschmettern ebendieser, »Am Tisch« das eiskalte Sezieren einer zerlebten Freundschaft. Natürlich sind diese Themen nicht neu, aber sie im Kettcar-Tonfall zu hören, in diesen zunächst sperrigen, dann weisen Metaphern, Slogans und Beobachtungen, ist ebenso niederschmetternd wie erfrischend – vor allem, weil Wiebusch weiterhin auf hohem Niveau textet, während seine Mitstreiter das Kettcar’sche Klangspektrum um etwas rauere Töne erweitern. Kettcar haben sich auf »Sylt« also nicht neu erfunden, aber sich selbst kon-

sequent weitergedacht. Bleibt am Ende nur die spannende Frage, was passiert, wenn diese Songs auf den befindlichkeitsfixierten Teil des Kettcar-Fankreises treffen. Ob’s da scheppert? Daniel Koch

Björn Kleinhenz Quietly Happy And Deep Inside DevilDuck / Indigo Gemessen an seiner Populationsdichte hat Skandinavien einfach überproportional viel gute Popmusik. Und in Deutschland gibt es viele gute kleine Plattenlabels, die sich danach umschauen. Dazu zählt auch die Hamburger Firma DevilDuck Records. Bewies das Label zuletzt ein glückliches Händchen, als es sich die Bands Friska Viljor und Murder angelte, legt es nun mit einem weiteren außergewöhnlichen Nordisch-bynature-Newcomer nach. Der hierzulande bis dato relativ unbekannte Schwede Björn Kleinhenz reüssiert mit einem wunderschönen Labeldebüt, das all das beinhaltet, was man an skandinavischem Pop so schätzt: handwerklich und songschreiberisch auf hohem Niveau; international, angelsächsisch, amerikanisch klingend; meist eher melancholisch. Dies aber alles

ohne ZU: also handwerklich nicht ZU perfekt, genügend Raum für Lo-Fi-Dilettantismen lassend; sich englischsprachigem Indierock nicht zu sehr anbiedernd; nicht zu schwarzromantisch-melancholisch, noch genügend poppig. Tack! Frank Schuster

Kleinstadthelden Resignation und Aufstehen mossBEACH / Rough Trade / VÖ 02.05. Helden sind wieder gefragt in Deutschland. Das erkennt jeder, der Bandnamen lesen kann: Wir Sind Helden, Revolverheld, Kleinstadthelden. »Die Zukunft singt Deutsch«, war sich der Stern schon vor Jahren sicher, und so ging es auch für die Band aus Osterholz-Scharmbeck stetig nach oben, sogar ein Auftritt im Vorprogramm von Nena ist dabei rumgekommen. »Der Junge, der sein Leben verflucht hat, den kenn ich jetzt nicht mehr«, heißt es folgerichtig bei »Resignation und Aufstehen«. Den Jungen, der etwas zu sagen hat, gab es dagegen scheinbar nie, denn die Texte der Kleinstadthelden sind so was von egal, dass der gern genommene Verweis auf Kettcar oder Schrottgrenze wirklich nur aus musikalischer Sicht zulässig ist. Dafür hat

099

Joschka Fischer früher jedenfalls keine Polizisten vermöbelt. Und auf deutsche Helden war der ehemalige Außenminister und Vizekanzler ja ohnehin nie besonders gut zu sprechen, wie ein Satz aus dem Jahr 1982 belegt, der im Frankfurter Sponti-Blatt PflasterStrand zu lesen war: »Deutsche Helden müsste die Welt, tollwütigen Hunden gleich, einfach totschlagen.« So weit sollte man bei den Kleinstadthelden aber nicht gehen, denn ein paar ganz nette Melodien (wie beim Refrain von »Schiff ahoi«) haben sie immerhin zu bieten. Thomas Renz

The Last Shadow Puppets The Age Of The Understatement Domino / Indigo Ein Seitenprojekt. Von einem jungen, rotzigen Rocker. Was soll der schon groß an künstlerischen Ambitionen, die über seine Hauptband hinausgehen, auszuleben haben? Der war doch bestimmt bloß betrunken, und Domino ist gezwungen, das zu veröffentlichen, um ihren Goldesel nicht zu verschrecken. Nahe liegend, dieser Gedankengang. Schließlich geht es um Arctic-Monkeys-Sänger Alex Turner, den Flegel, schließlich wur- ≥


100 Probefahrt

≥ de das Album zusammen mit seinem Schnöselkumpel Miles Kane von The Rascals innerhalb von wenigen Wochen irgendwo in der französischen Provinz aufgenommen, bestimmt unweit der Grenze zu den Staaten, in denen es Marihuana frei zu kaufen gibt. Dabei kann doch nur ein Album voll mit plumpem Vollrock oder pickeligen Insiderwitzen herauskommen. Könnte man denken. Die Wahrheit sieht ganz anders aus. Denn »The Age Of Understatement« ist ein Volltreffer, durchgehend groß und sogar noch deutlich hintersinniger als alle Arctic-Songs zusammen. Völlig intuitiv und ohne großen Vorlauf leben die beiden 22-Jährigen ihren Sinn für opulent produzierten Pop der 1960er und -70er aus, spielen den routinierten Crooner, den Gentleman und generösen Liebhaber. So frisch wie lange niemand lassen sie den souligen Pop des Electric Light Orchestra, des frühen Scott Walker, Lee Hazelwood oder sogar Van Dyke Parks aufleben. Vielleicht nicht ganz so ausgefeilt wie Letztgenannte, aber trotzdem ungemein wirkungsvoll. Sie haben geschmackvolle und voll klingende Arrangements hinbekommen und sich ein Dutzend Mal neu erfunden. Sie haben eine Geschmeidigkeit entwickelt, die selbst Jarvis Cocker in den Schatten stellt. Sie machen das alles fast ganz allein, nur James Ford hilft als

Produzent und Drummer, außerdem noch Owen Pallett (Final Fantasy) bei den Geigenarrangements, und der ist auch der Einzige, den man in dieser Konstellation hätte erwarten können. Alles andere ist schier unfassbar. Allein schon die völlig überraschenden Elder-Statesmen-Qualitäten, die speziell der Gesang Turners hier offenbart. »The Age Of Understatement« ist eine Platte, die die Parameter des zeitgenössischen Pop umzustellen in der Lage ist. Bei Gott, ich werde diesen kleinen Bengel nie mehr unterschätzen. Christian Steinbrink

Udo Lindenberg Stark wie Zwei Starwatch / Warner Ein gutes Album braucht vor allem eins: Recherche. Und gute Recherche braucht: Zeit. Insofern ist es Unsinn anzunehmen, Udo Lindenberg sei seit seinem letzten erträglichen Album (»Götterhämmerung«, 1984) irgendwie abgelenkt gewesen. In geheimer Mission pflegte er seine Kontakte zur Unterwelt (ist mit der internationalen Kiezgröße Gerhard Schröder bekannt), erlitt einen Infarkt, kümmerte sich um seinen Spiegel (Bestwert: 4,7 Promille) und tappte, weil man sich im Dienste der Erkenntnis zu keiner Sekunde selbst schützen darf, in selbst gestellte

Rockstarfallen (Liköraquarelle). Brauchbare Songs ließen sich so natürlich nicht verfertigen, weil es im Falle Lindenbergs dazu erforderlich ist, den Nachtschlaf unterm Mischpult liegend nachzuholen, weil sonst irgendwelche Humpes und Ströer Brothers unbeobachtet Robotersound und Computerklänge zusammenhauen (was sie dann auch taten). Nun kommt Lindenberg endlich erneut der Aufforderung nach, die »Gerhard Gösebrecht« erstmals 1974 aussprach: dem Kosmos-Rock Einhalt zu gebieten. »Stark wie Zwei« ist ein typisches Lindenberg-Werk, das um Grauenhaftes (»Der Deal« mit Duett mit der Tante von Silbermond) und Mittelmäßiges (»Wenn du durchhängst«) Monumentales versammelt (»Chubby Checker« mit Helge, »Der Greis ist heiß«). Und das Ergebnis der Recherche? Nun – Alkohol: schlimm (»Woddy Woddy Wodka«). Aber, wie es das unmittelbar nachfolgende Stück »Nasses Gold« erläutert: unverzichtbar. Das sind Erkenntnisse, die jedem von uns noch viel nützen werden. Boris Fust

Lyrics Born Everywhere At Once Anti- / SPV Bay-Area-Rapper Lyrics Born a.k.a. Tom Shimura loves the funk. Heavy, upbeat, bouncy soll er sein, damit auch der letzte Indie-Rapper endlich seinen lahmen Underground-Hintern bewegt. Lyrics Born rappt und singt und scheut auch nicht vor sehr sweeten Melodie-Refrains zurück, um eine möglichst große PartyCrowd zu pleasen, Live-Instrumentierung bringt den 70s-Funk-Flavour dabei besonders zur Geltung. Dass bei so viel unprätentiösem »Spaß« relevante Themen wie Selbstbehauptung, Identitätsund Beziehungspolitiken verhandelt werden, macht den Asian-American MC mit der prägnanten Stimme auch nach der Party interessant. »Do you buy it?«, fragt er denn auch mal keck – und angesichts der Booty-shakenden Party-People fällt die Antwort wohl eindeutig aus. Vina Yun

The Mohawk Lodge Wildfires White Whale / Al!ve Album Nummer zwei. Mit »Wildfires« veröffentlicht das kanadische Quartett eine Platte, deren Aura fast durchgehend zwischen Melancholie und Mitreißen flimmert. Auf den neun Stücken hofiert Sänger, Gitarrist und Songwriter Ryder Havdales die leiderfüllte Stimme über alle Höhen und Tiefen der Melodien – und erinnert damit nicht nur zeitweilig an die Kings Of Leon. Trotz der getragenen Stimmung verbirgt sich hinter fast jedem Song feiner Indie-Folk-Rock, der sich gelegentlich von zarten Frauenstim-

men durchzogen sieht – und wenn es die Dramaturgie erfordert, setzen auch noch Bläser ein. Ein Album als angebrachte Maßnahme für oder gegen einen kalten Winter. Elena Grunwald

Mystery Jets Twenty One Beggars / Indigo Im letzten Jahr sah es noch so aus, als wären die Mystery Jets im wahrsten Sinne des Wortes kopflos geworden: Mit dem Ausstieg Henry Harrisons, dem Gitarristen und Vater (!) von Sänger Blaine, waren die Newbies plötzlich auf sich selbst gestellt. Sie taten dann aber das, was in so einer Situation eben das Beste ist: Sie haben crewmäßig aufgestockt und ästhetisch ausgemistet. Hinzu kam Erol Alkan, und mit ihm entstand ein wesentlich reduzierteres und konzentrierteres Album als das progrockige Debüt »Making Dens«. »Twenty One« klingt zwar beim ersten Durchhören wie ein weiteres Machwerk irgendeiner englischen Jungsband, die sich an Retrosound versucht, nach und nach entfaltet sich die Schönheit der Musik aber immer deutlicher: Gleichzeitig catchy und komplex, rührselig und zurückgenommen, poppig und speziell klingt ihr neuer Sound. Blaine singt, quakt und trällert dazu über Liebe, Angst und andere Dramen des jungen Lebens. Kitsch und Wahrheit ergänzen sich in den Texten, so wie auf »Twenty One« überhaupt alles perfekt zueinander findet, so sparsam an Effekten und gleichzeitig detailreich, dass man nur staunen kann. Nina Scholz

Neva Dinova You May Already Be Dreaming Saddle Creek / Indigo Gibt es eigentlich noch den Begriff Alt.Country? Schon länger nicht mehr gehört, aber unter dem Einfluss von »You May Already Be Dreaming« ist man sich zumindest sicher, dass die Musik hinter der Bezeichnung noch existiert. Diese Westernzither prägt die Klang-Ästhetik, die Moll-Melancholie bestimmt jegliche Stimmung. Gut gemacht, aber auch ein ziemliches Werk des Formalismus, das bewusst den Genre-Kanon nicht bricht, sondern ihm bis zur Selbstaufgabe dient. Für Puristen demnach ein Geschenk, für den Rest ein wenig zu tunnelig in Text und Ton. Sandra Brosi

Nneka No Longer At Ease Yo Mama / Four / SonyBMG Schon vor drei Jahren beeindruckte Nneka Soulund R’n’B-Fans mit ihrem Debüt album »Victim Of Truth« nachhaltig. Mit dem Nach- ≥


K A R S T E N J A H N K E KONZ E RTDI R E KTION G M B H

bill callahan 18.05. 19.05. 20.05. 23.05.

BERLIN // PRIVATCLUB KÖLN // GEBÄUDE 9 FRANKFURT // BROTFABRIK MÜNCHEN // FEIERWERK

... AND YOU WILL KNOW US BY THE

trail of dead 19.05. SCHORNDORF // MANUFAKTUR 24.05. SAARBRÜCKEN // GARAGE 25.05. DÜSSELDORF // ZAKK

Dinosaur Jr. 20.05. 21.05. 22.05. 23.05.

KÖLN // LIVE MUSIC HALL HAMBURG // MARKTHALLE SCHORNDORF // KÜNKELINHALLE MÜNCHEN // MUFFATHALLE

cat power

›JUKEBOX TOUR ‹ 2008

04.06. KÖLN // LIVE MUSIC HALL 05.06. BERLIN // POSTBAHNHOF 06.06. HAMBURG // LAEISZHALLE MUSIKHALLE

KARTEN AN ALLEN BEKANNTEN VORVERKAUFSSTELLEN. Ticketservice: 0 18 05 - 62 62 80* *(€ 0,14/Min., aus dem dt. Festnetz. Mobilfunkpreise können abweichen)

040 - 413 22 60 (Mo-Fr, 10 -18 Uhr) Online Ticketservice: www.karsten-jahnke.de

≥ folger setzt die in Nigeria aufgewachsene und in Hamburg lebende Sängerin/ Rapperin ihren von Soul, HipHop, Reggae und Afrobeat inspirierten Sound konsequent fort, unterstützt vom Produzententeam DJ Farhot und Jean Lamoot. Das Ergebnis sind so umwerfende Killertracks wie »Heartbeat«, die zeigen, wie zeitgenössischer R’n’B-Soul auch jenseits der üblichen Formeln funktionieren kann. Ihrer früheren Heimatstadt Warri gewidmet, richtet Nneka den inhaltlichen Fokus des Albums auf den gesellschaftlichen Status quo in Nigeria und thematisiert dabei u. a. ihre eigene Historie als »Halfcast«: ambitioniert, überzeugend und, im wahrsten Sinne des Wortes, seelenstark. Vina Yun

The Notwist The Devil, You + Me City Slang / Universal / VÖ 02.05. Die einzige deutsche Indie-Popband von Weltruf bringt ihr neues Album heraus. Die Band, die mit Alben geizt und die Erwartungen immer wieder bis zum Bersten spannt. Die Herren, die sich trotzdem so rein gar nicht um ein genehmes Image bemühen. Glaubhaft. Das erste Mal in der dokumentierten Geschichte von Notwist ist jemand gegangen: Martin Messerschmid, der alte Hardcore-Prügler, hat scheinbar das sich immer fester drehende Rad der Notwist’schen Experimentierwut nicht mehr mitmachen wollen. Das ist zwar Spekulation, wahrscheinlich aber nicht allzu weit hergeholt. Die verbliebenen drei Bandmitglieder, die Brüder Acher und Console, haben darauf verzichtet, einen festen Ersatz zu verpflichten. Stattdessen haben sie die Länge der Gästeliste im Vergleich zum Vorgänger »Neon Golden« nochmals ausgedehnt. Am Schlagzeug sitzt meistens ein junger Jazzer namens Andi Haberl, und tatsächlich ist es vor allem das Drumming, das entscheidend anders klingt als zuvor. Gut möglich, dass Messerschmid seinen Stil einfach nicht mehr derart verändern konnte und wollte. Ansonsten sind die Entwicklungen Notwists in den letzten sechs Jahren erwartbar, also verhältnismäßig gering ausgefallen. Die elektronischen Elemente sind unverkennbar Console, Stimme und Songwriting haben sich ja sowieso nie entscheidend verändert, und auch das gesamte Soundgewand ist deutlich an »Neon Golden« angelehnt. Zwei Aspekte fallen auf, die wahrscheinlich miteinander verbunden betrachtet werden müssen: Zum einen setzen die aktuellen Notwist nicht mehr so sehr auf einen emotionalen Anschluss, haben ihre Hymnik etwas zurückgestellt, zum anderen kann man auf »The Devil ...« ein Orchester hören, das fast alle Stücke des Albums mit

einer breiten Palette an klanglichem Ornament verziert hat. Das Andromeda Mega Express Orchestra ist ein junges Berliner Ensemble, das die Traditionen von Jazz und Klassik zu verbinden versucht und die von der Band gestellte Aufgabe zwar mit Hingabe, aber letztendlich doch angenehm dezent ausgeführt hat. Die dramatische Streicher-Ouvertüre in »Where In This World« ist in diesem Zusammenhang schon eines der offensichtlichsten Beispiele. Resultat daraus ist, dass die Stücke auf »The Devil ...« lange Zeit nicht so unwiderstehlich poppig wirken wie »Pilot« oder »Trashing Days« vom Vorgänger. Die meisten Songs hätten zwar das Zeug zu klassischen Hits gehabt, der Wunsch der Band nach Abstraktion oder einem aufmerksamkeitsintensiven Klangbild behindern diese Wahrnehmung aber. Erst spät, mit »Boneless«, gönnen sich Notwist 2008 richtig perlende Eingängigkeit. Das heißt aber noch lange nicht, dass das Album nicht der erwartete große Wurf ist. Im Gegenteil – The Notwist haben ihr Soundgewand an sensiblen Stellen erweitert, sie haben ihren Popappeal nicht über Bord geworfen, sie haben abermals eine hinreißend feine Atmosphäre geschaffen, wie nur sie es können. The Notwist haben die schwere Aufgabe gemeistert, ein veritables The-Notwist-Album zu machen, das sich bruchlos in die einzigartige Diskografie dieser Band einreiht. Christian Steinbrink

Oiro Vergangenheitsschlauch Flight 13 / Broken Silence Aus Spaß kann ja bekanntlich schnell Ernst werden. Muss aber gar nicht wehtun, wie Oiro-Frontmann Carsten Johannisbauer seit etlichen Jahren vorlebt. Neben dem Künstlerkollektiv Metzgerei Schnitzel ist er Mitglied der Filmvorführer Celluloid Suckers, bringt das Fanzine-Jahrbuch Blurr Mag heraus und doziert auch mal Medienpädagogik an der FH Düsseldorf. Und hatte 2002 dann plötzlich auch eine Band. Nach einigen Singles und der Platte »Als was geht Gott an Karneval« sind Oiro nun definitiv über das Level hinaus, an dem ihre anfängliche Jens-Rachut-Ehrerbietung bloß eine spontane Rockshow war, zu der Johannisbauer skurril-komische Texte im typischen rauen Sprechgesang ablieferte. Bei aller Professionalität muss es aber immer noch Spaß machen, Titel wie »Ist Goofy eigentlich ein Hund«, »Schlechter Homie« oder »Immer besetzt beim Guinnessbuch« weisen den Weg. Alltagsbeobachtungen mittels Cut-up-Technik ins Mikro geblökt, musikalisch werden weiterhin die Vorbilder gekonnt rezipiert, aber wenn es mal moderner rockt, ist das auch kein Problem. Am

Ende will nicht mal mehr der Plagiatsvorwurf als Kritikpunkt standhalten, die Gegenkulturschaffenden Oiro sind absolute Sympathieträger und scheinen ernsthaft jeden Spaß vor der Blödeligkeit bewahren zu können. Klaas Tigchelaar

Panic At The Disco Pretty. Odd. Warner »A Fever You Can’t Sweat Out« polarisierte. Aber so richtig! Fast zwei Millionen Menschen kauften sich das Debüt der damals noch minderjährigen Band. Der Rest, ich eingeschlossen, war extrem genervt. Nicht aus falscher Coolness heraus – oder zumindest nicht ausschließlich. Aber egal, das ist ja Geschichte. Denn trotz des kommerziellen Erfolgs haben sich die mittlerweile volljährigen Amis mal eben musikalisch neu definiert. Allein für diesen Mut verdienen sie Anerkennung. Zum neuen Album möchte man fast vorschnell sagen, dass sie mit ihm erwachsen geworden sind. Aber das würde es nur halb treffen. Richtig ist vielmehr, dass sie sich intensiv an den Plattenschränken der Erwachsenen bedient haben. Und dort standen ebenso Platten von den Beach Boys wie von The Zombies, aber ganz besonders: das Lebenswerk der Beatles. Die Bläser- und Streicherarrangements wurden dann auch gleich in den Abbey Road Studios aufgenommen. Wenn schon, denn schon. Da musste der eher oberflächliche Emo-Rocksound zwangsläufig den liebevoll und verspielt instrumentierten Pop-Songs weichen, die alle so angenehm warm klingen. Zu den stärksten Songs zählt dabei die psychedelisch angehauchte Single »Nine In The Afternoon«, wenngleich diese – um auch mal eine aktuelle Referenz zu nennen – in der Strophe verdächtig nach den Shins klingt. Summa summarum: Diejenigen, die Panic At The Disco immer gehasst haben, werden das Album mögen; die zwei Millionen Käufer des Debüts vermutlich auch. Manuel Czauderna

Mike Patton Derrick Scocchera: A Perfect Place CD+DVD // Ipecac / Soulfood Kaum noch kann man eine Schranktür öffnen oder mal eben ungestört Brötchen holen gehen, ohne dass man über Mike Patton stolpert, schon haut der gefühlt omnipräsente Freakedelic-Forscher seine nächste Bananenflanke über das Weltenrund. Und wieder einmal ist alles anders: Changierend zwischen lässig abgehangenem Noir-Jazz, orchestralen Dramoletten und ein bisschen Filtergefauche aus dem E-Hirn, legt Patton hier den Soundtrack, seinen ersten, zum ≥


104 Probefahrt

TANZEN

07

Misc »Sabotage EP« (Sender / Kompakt) – V: Ah, Tonleiter-Techno: Die Melodie rattert hoch und runter, und der Beat geht seinen Weg. T: Aber spannend ist es nicht. Gegen die Produktion kann man nichts sagen, doch diese Idee reicht nicht. Die a2 liefert auch nur Stangenware. Die b1 heißt »Parfümdisco«, ganz schön anmaßend. V: Das sagst du doch nur, weil dein Label Parfüm heißt. T: Stimmt. Aber das Stück geht schön nach vorne. Gut. V: Die b2 ist auch nicht schlecht mit dem Rückgriff auf die Tradition von düsteren Vocals in Techno. Andreas Heiszenberger »Perfect Moment« (Brut / Intergroove) – T: Recht neues Label aus London. V: Das hat so Theo-Parrish-Momente. Sehr schön. T: Eine Wärme, die die anderen Platten so gar nicht an den Tag legen. V: Der NassRemix erinnert an Closer Musiks »One Two Three ... No Gravity ...« [tanzt]. Überhaupt sehr angenehm, dass es – vor allem dEUS das Original – keine Trackmusik ist, das Vantage Point will nicht müssen und kann genau deswegen. Der b1-Remix kommt von Efdemin. T: Auch toll. Das haben wir gesucht – direkt ein Hit. V: Das hat gleich so ‘ne Wärme, so was Einladendes. Das Interessante ist, dass die Produktion was wagt, beispielsweise der Drumsound zerbröselt wird und viel zu laut ist und trotzdem oder, noch einmal: gerade deswegen funktioniert. Wolfram feat. Marcus Mixx »Amerikafuckyeah« (Creme / Clone) – T: [gleich nach dem ersten Ton] Spaß. Super. V: Musst dir in unserem Wien-Special mal dem Wolfram seine Lebensgeschichte durchlesen ... Schiebt brutal. T: Volle Kanne. Das liegt an der HiHat, die eigentlich viel zu laut ist; überhaupt arg scheppernd produziert. V: Und deswegen so freiheitsstiftend. Da will einer nur mit den Armen rudern. T: Ich leg mal die beiden Remixe auf. [wiederum sofort] Das ist weird. Hast du schon mal so ein Geigensample gehört? Bekommt irgendwie richtiggehend einen HipHop-Gestus, und der Beat klingt nach altem House. V: Der Geigenloop nervt total. T: Die b2 ist Westbam-Rave von 1994. [Reckt die Faust in die Luft und grinst so schön wie sonst nur morgens um sieben.] Sig / Jeff Milligan / Daniel Fritschi / Ekkohaus »Top Ten 3/3« (Level / Neuton) – T: Wieder arg minimal. Schade, wo wir uns gerade befreit hatten. V: Mit viel Liebe produziert, teilweise auch durchaus warm im Sound bei aller Minimal-Strenge, und doch letztlich leider nicht wirklich spannend. T: Nett, aber nichts anderes als vor zehn Jahren. V: Also passend zum Jubiläum der Rückgriff.

Les Cerveaux Lents »Tribute To Chicago« (Karat / Kompakt) – T: Ah, die langsamen Gehirne. V: Woher weißt du denn, was das heißt? T: Ich kann Französisch, du nicht? V: Schon, aber wohl nicht so gut wie du. Dafür weiß ich: ein Projekt von Ark & Michael Weill. T: Hmm, nach Chicago klingt das nicht, eher sehr minimal ... Jetzt kommt es, schön, nach zwei Dritteln bricht Kevin Saunderson durch. V: Die b1 klingt wie ein Gospelchor, der schlecht aufgenommen wurde. T: Das sind dann vielleicht die Geister. V: Womit der Tracktitel »Le Manège Hantée« auch als das Haus der verlorenen Seelen oder so ähnlich mit ins Spiel gebracht wäre. Hat was von Akufen in der Produktionsweise. Abgehackt. T: Ja, etwas anstrengend. Jetzt die b2, ein Remix von Luke Solomon & Justin Harris. Graziler. Guillaume & The Coutu Du »Le Crew Normand« (Karat / Kompakt) – T: Hypnotisch. Was für dem frühen Morgen. The Boggs »Arm In Arm« (Tangled Up) – V: Mensch, ist das beschissen gemixt. Klingt katastrophal breiig. T: Das einzig Lustige: Die b ist exakt die a, nur rückwärts abgespielt. Coma »Easy / Yellow / Green« (Firm / Kompakt) – V: Samplemania, wie immer bei Firm mit sympathischem Pop-Approach, aber leider irgendwie schlampig arrangiert. Maxime Dangles »Tulipa / Firewire« (Speicher / Kompakt) – T: Schließt nahtlos an den wunderbaren »Haute Couteur«Track von Gui Borrato auf K2 an, was die Stimmung angeht. Wo dieser uns die Hand reicht, reißt Maxime sie in die Luft. »Tulipa« steht für alles, was man an Techno lieben muss: eine euphorische Stimmung, aber auch eine gewisse Schwermut und unglaublich viel Energie. T: Womit alles gesagt ist. Die b zieht dann nochmals gnadenlos die Abfahrt an. The Congosound vs. Superpitcher »Say I’m Your Number One« (Kompakt Pop) – T: Das Original ist ganz schöner Vocoder-Pop. V: Aber man weiß sofort, warum der Superpitcher-Remix zur a gemacht wurde. In epischer Breite wird hier ganz langsam hochgefahren. Und dann nur noch im Kreis gedreht. Diverse »You’re My Mate« (Dial / Kompakt) – V: Doppel-Maxi von unseren HH/ Berliner Lieblingen. T: Müssen wir hier zu denen noch was sagen? Weiß doch eh jeder ... V: ... dass wir süchtig sind nach dieser sehnsüchtig schwebenden TechnoMelancholie. T: Diesmal von und mit Jost & Klemann, Sten, Rndm, Pigon, Pantha Du Prince und Phantom Ghost. Gehostet von Tomsche und Venker


Probefahrt

â&#x2030;Ľ gleichnamigen Kurzfilm von Derrick Scocchera mit einer Lockerheit vor, als habe er in seinem Leben nichts anderes gemacht, als Scores zu schreiben. Bei allem dezidiert cool verrauchten Gestus gelingt zwar nicht jede Sequenz, und hier und da ergeht sich der Maestro unnĂśtig in â&#x20AC;&#x201C; verdammt noch mal â&#x20AC;&#x201C; sackĂśdem Gepiddel, aber so etwas kennt man von seinen anderen Projekten wie Tomahawk, Mr. Bungle oder Peeping Tom ja auch nicht anders. In Kombination mit dem Ăźberaus amĂźsanten und in stilecht schartigem Schwarz/WeiĂ&#x; fotografierten Film (die CD kommt mitsamt DVD) kĂśnnen die Mini-Epen aber weitestgehend Ăźberzeugen und unterstreichen erneut, dass Patton, der Musik-Maniac, unendlich viel interessanter ist als Patton, die Rampensau of Stadienrock. Richtig spannend dĂźrfte es dann werden, wenn die Skills des Komponisten endlich eines Tages dem Geniekult um seine Figur entsprechen. Die Chancen stehen gut, ist Patton doch bislang mit den Jahren stets besser geworden. Was der wohl mal mit sechzig produziert? Ulf Imwiehe

dien, die sich wie kleine, entrĂźckte Tierchen ans Bein heften, bis man sie lieb gewonnen hat und nie mehr vergisst. In den ruhigen Momenten klingt Brittas Stimme manchmal ähnlich hypnotisch wie die von Hope Sandoval (Mazzy Star), nur ohne den inhärenten Suff und mit mehr Energie. Das Tempo der Platte nimmt zum Ende hin ab, aber auch hier gibt es Perlen, die erst sauber geputzt werden wollen. WĂźnscht man sich nur noch, jemand wĂźrde mal den Hall aus der Produktion drehen, damit sie noch näher kommt. Warum klingst du so? Ich glaube, weil ich mich sehr fĂźr Melodien, Harmonien, Akkorde interessiere. Dabei habe ich keinen Masterplan, sondern sehe mich mehr als Entdeckerin â&#x20AC;&#x201C; der Song kann hingehen, wohin er will, ich folge nur. AuĂ&#x;erdem mache ich nicht besonders viel Wirbel um meine Musik und den Gesang. [lacht] Was ist ein ÂťHollywood MeÂŤ? Das ist der Teil in mir oder dir, der die Dinge grĂśĂ&#x;er macht, als sie wirklich sind. Das ÂťHollywood MeÂŤ ist die Drama-Queen. Tina Mamczur

Britta Persson Kill Hollywood Me

Kelley Polar I Need You To Hold On While The Skye Is Falling

Make My Day / Al!ve Ja, kenn ich, das GefĂźhl, das Arbeits-Gen nicht zu besitzen. Schon mal zehn Sympathiepunkte fĂźr so klare Ansagen. Der Satz fällt allerdings erst zur Hälfte der Platte, und Britta ist phasenweise ja doch ein Workaholic. Ihr erstes Album steht hier gerade mal sechs Monate im Regal, da legt Britta Persson schon die nächste Platte hin. In Schweden war das DebĂźt allerdings schon seit 2006 zu haben â&#x20AC;&#x201C; alles also im normalen Bereich. Warum man als Musiker genauso klingt, wie man eben klingt, weiĂ&#x; doch eh keiner â&#x20AC;&#x201C; also gar nicht erst gefragt und munter drauflos analysiert: Angenehm unangestrengt und selbstverständlich klingen die elf StĂźcke auf ÂťKill Hollywood MeÂŤ, im Mittelpunkt steht die Stimme. Schnell ist man versucht, die Schublade mit den skandinavischen Folkpop-Chanteusen aufzumachen, Anna Ternheim und Ane Brun kratzen am Furnier â&#x20AC;&#x201C; will aber nicht so richtig passen. Viel zu vorhersehbar sind die Kolleginnen, und Folk steht auf ÂťKill Hollywood MeÂŤ nie an erster Stelle, sondern ist nur ein Aspekt des Ganzen. Dann schon eher A Camp von Namensvetterin Nina Persson, aber viel ungebĂźgelter und mit mehr Anarchismus. Wie ein Song weitergeht, das weiĂ&#x; man bei Britta Persson selten im Voraus. Hier und da gibt es eine Prise Motown-Soul Ă la Please Mr. Postman (ÂťIn Or OutÂŤ), dann wieder Haken in Pop, die nach Tanya Donelly und Belly klingen (ÂťEnter And LeaveÂŤ). Die meisten Lieder bestechen durch unerwartet zartbittere Melo-

Environ / Al!ve Morgan Geist hat in einem Interview mit diesem Magazin mal gesagt, er vermisse in der elektronischen Musik oftmals die Seele, Âťdas lebendige, menschliche Element, ja, wenn man so will: die LiebeÂŤ. Geists Produktionen, sowohl die als SolokĂźnstler als auch die mit Metro Area, sind stets um Wärme und Liebe bemĂźht. Man arbeitet mit Streichern, Piano, live gespielten Basslines und nicht zuletzt auch mit Gesang, der bei vielen Elektronikproduzenten mit Tunnelblick auf den pulsierenden Dancefloor doch recht verpĂśnt ist. Die Platten des von Geist betriebenen House- und Discolabels Environ kann man blind kaufen. Im Backkatalog des Labels gibt es, soweit ich weiĂ&#x;, keine einzige schlechte. Das Label folgte stets, mehr als die ungleich hipperen Kumpels von DFA, einem roten Faden. Die regelmäĂ&#x;ig auf Environ verĂśffentlichenden KĂźnstler lassen sich an einer Hand abzählen. Da wären neben Metro Area und Morgan Geist eigentlich nur noch Daniel Wang und Kelley Polar. Letzterer hat vor ein paar Jahren mit ÂťLove Songs Of The Hanging GardenÂŤ eines der schĂśnsten, schmachtendsten Popdisco-Alben in der Geschichte der Tanzmusik abgeliefert. Die verhuschtsoulige, fast androgyne Stimme, die trotz ihrer Ă&#x153;berfĂźlle nie zu kitschig wirkenden Streicher und nicht zuletzt die seltsamen melancholischen Texte trugen die Liebe im Geistâ&#x20AC;&#x2122;schen Sinne zurĂźck auf den Tanzboden. Im letzten Jahr meldete Po- â&#x2030;Ľ

=?l@2;A62?2;'

8926;@A.1A52912; ?2@64;.A6<; B;1 .B3@A252; 01 @\ b[TR`aÂ&#x2039;Z b[Q PUN_ZN[a dVR QVR 4Rab] XVQ`' 2Z\?\PX NbS 1Rba`PU Ă&#x2026;1VR XYRV[`aNQaURYQR[ dV``R[ dVR ZN[ QVR af]V`PUR[ 4RSÂ&#x2039;UY`dNYYb[TR[ c\[ .[SN[T GdN[gVT NbS QVR @NVaR[ O_V[Ta b[Q a_\ag NYYR_ CR_gdRVĂ b[T [\PU _VPUaVT Tba Nb``VRUa Âś <e 3N[gV[R $$ 8926;@A.1A52912; .B3 A<B?' $"% D<93@/B?4  "% </2?5.B@2;   "% 61.?</2?@A26;  !"% A?62?  ""% 8</92;G #"% @..?/?r082;  $#% <@;./?r08 !$% Dq?=21<?3  dRVaR_R 1NaR[ S\YTR[

RYQR[ Zf`]NPRP\ZXYRV[`aNQaU

162 8926;2; 4qAA2? GB5.B@2 01 =b[X_\PX2[aR_aNV[ZR[a SÂ&#x2039;_ ARea3RV[`PUZRPXR_ 162 8926;2; 4qAA2? .B3 A<B?' #!% A?62?   "% B9:   %% :6;6 ?<0832@A6C.9  dRVaR_R 1NaR[ S\YTR[

\RaaR_

Zf`]NPRP\ZQVRXYRV[R[T

.6:22 0.?2@ 52? 4<912; .42 01

DbPUaVTR_ .YaR_[NaVcR ?\PX ZVa RV[R_ 3_NbR[ `aVZZR QVR 5R_gR[ O_VPUa .6:22 0.?2@ .B3 A<B?'  !% @ABAA 4.?A  !!% D26;526:  %"% 05 @A 4.992;  "% 05..1<?3  "$% 05=.?=.;  $% 0596;A52/2;2 

Zf`]NPRP\ZNVZRRPN_R` 6Z CR_a_VRO c\[ ?\bTU A_NQR 1Rba`PUYN[Q dddZ\``ORNPUZb`VPQR dddfRa[\a[\dQR

105


106 Probefahrt

≥ lar sich mit der »Chrysenthemum«-EP zurück und wirkte weltentrückter denn je. Das in instrumenteller Hinsicht unglaublich reduzierte Titelstück mit dem voluminösen Gesang mutete, wenn man die Bässe ein wenig rausdrehte, fast a-cappellahaft an. Ja, man konnte sich bildlich vorstellen, wie der schüchterne Junge in einer Holzhütte irgendwo weit vor den Toren New Yorks saß und in Thoreau’esker Einsamkeit Blumen in Töne überführte. Das war erst mal nichts für die Disco. Die beiden EP-Stücke befinden sich nun auch auf dem neuen Album. Was soll man sagen? Es ist ruhiger als der Vorgänger. An die späteren Prefab Sprout muss man manchmal denken. Viel Rätselhaftes ist dabei, und das gar nicht mal im negativen Sinne. Polar arbeitet mit ThereminEffekten, die Stimme wird mehr denn je als Instrument verarbeitet, Songstrukturen werden zerbröselt. Offensichtliche Hits gibt es erst mal nur einen: das mit Clare de Lune gesungene magische Duett »Entropy Reigns«. Zu viel Entropie führt, wie nicht nur Thomas Pynchon weiß, zum Wärmetod des Universums. Und dem wirkt Kelley Polar nach wie vor entgegen. Nach wie vor mit aller Kraft und Liebe. Sebastian Ingenhoff

Nôze

KINDSKOPF-BLUES Wie hatte Andreas Dorau doch so treffend gesungen? »Drunk noses don’t lie« oder so ähnlich. Nôze haben die Dorau’sche Weisheit beherzigt und in diesem Geiste die ehrlich besoffenen House-Chansons für »Songs On The Rocks« geschrieben.

B

ei den Auftritten des Pariser Duos Nôze gab es unbeholfene Strips in der DJ-Kanzel, Oben-ohnePerformances und besoffene Umarmungen, mehr gegrölte als gesungene Texte, explizite Aufforderungen zum Schnapskonsum statt verschlüsselte Hinweise auf die üblichen Nonstoppartydrogen. Und nun wollen Ezechiel Pailhès und Nicolas Sfintescu mit ihrem dritten Album ausgerechnet unterkühlte »Songs On The Rocks« servieren? Aber was sollte man angesichts so viel Unernsts auch noch für bare Münze nehmen: Der Titel führt selbstredend in die Irre. Das Party-Humor-Promille-Programm wird von Nôze sogar um eine noch emotionalere Seite ergänzt, ganz im Sinne einer neuen Afterhour-Definition: Sie vertonen die tiefen Gefühle, den beinahe unerträglichen Weltschmerz, der Clubber übermannt, die schon um zwei Uhr früh total blau aus dem Club in die Gosse hinauswanken.

RAGE AGAINST THE MACHINE DIE ÄRZTE (THE VERVE

SEX PISTOLS ( JUDAS PRIEST INCUBUS ( MOTÖRHEAD

BEATSTEAKS ( KID ROCK ( NOFX CAVALERA CONSPIRACY ( IN FLAMES

BULLET FOR MY VALENTINE ( CHRIS CORNELL ( RISE AGAINST DISTURBED ( MIA. ( BAD RELIGION ( JONATHAN DAVIS ( PORCUPINE TREE SUBWAY TO SALLY ( ALTER BRIDGE ( ASH ( ANTI-FLAG ( OPETH ( FUNERAL FOR A FRIEND ENTER SHIKARI ( THE WEAKERTHANS ( ROSE TATTOO ( CARBON/SILICON ( AIRBOURNE ( DONOTS PANTEON ROCOCO ( 36 CRAZYFISTS ( GUADALAJARA ( JAGUAR LOVE ( SKINDRED ( BLACK TIDE ( SONIC SYNDICATE ( VOLBEAT ALPHA GALATES ( FROM FIRST TO LAST ( SUNSHINE ( KILL HANNAH ( DIE MANNEQUIN ( ZOX ( FIRE IN THE ATTIC ( THE SORROW ( sPOUT ( UVM.

PANNONIA P ANNONIA FIELDS II NICKELSDORF (BGLD./A) NICKELSDO Info & Tickets: www.novarock.at In Deutschland gibts Tickets um 99,- Euro auf www.eventim.de und bei Kartenservice Scharf unter +49 / 8652 2325. In Österreich auf www.musicticket.at, bei Ö-Ticket (www.oeticket.com bzw. +43 01/96 0 96).

Die Künstler selbst halten sich mit derlei Überlegungen allerdings nicht lange auf. Zur Frage übercoolisch vs. gefühlig haben sie eine in ihrer nonchalanten Art für Nôze sehr typische Antwort parat: »Dieses Album spielt sich auf halbem Weg zwischen feiern, trinken und zu Hause bleiben ab. Und es hat viel mit Alkohol zu tun, daher dachten wir, dass ›Songs On The Rocks‹ der passende Titel sei.« Und apropos blau: »Wir wollten immer schon elektronischen Blues machen.« Ein Traum, den sich Nôze mit dem »Childhood Blues« nun verwirklicht haben, einer bitteren Swing-Ballade auf die Leiden der Kindheit, vorgetragen mit eigens vom TomWaits-Reibeisen bearbeiteten Stimmbändern. Arno Raffeiner

Nôze »Songs On The Rocks« (Get Physical / Rough Trade)


Probefahrt

R.E.M. Accelerate

Retribution Gospel Choir Retribution Gospel Choir

Warner

Cycle / Cargo Wie hieß damals noch dieses Low-Album mit den Blumen drauf? Egal – war geil. Dunkler Lethargie-Pop mit skelettartigen Streichern und diesem besonderen Sound von Steve Albini. Das Trio arbeitete immer weiter an seiner musikalischen Version von Traurigkeit, zuletzt gab es vermehrt Elektronik mit dem formidablen Album »Drums And Guns«. Doch dann schien es LowChef Alan Sparhawk etwas zu leise zu werden, und er gründete mit Low-Bassist Matt Livingston, Schlagzeuger Eric Pollard und Mark Kozelek die Band Retribution Gospel Choir. So in etwa die Rockversion von Low, die auch ein wenig so klingt, als würden Crazy Horse Songs von Sebadoh spielen. Beim Debütalbum sind die Jungs allerdings nur noch als Trio unterwegs – Mark Kozelek, der früher bei den Red House Painters trauerte und nun die Band Sun Kil Moon anführt, hat sich auf die Produktion beschränkt. Und viel kann man eigentlich gar nicht sagen über die zehn Songs. Schön träger Flaschenbier-Indie mit luftigen Harmonien und harzigen Gitarren. »What She Turned

Was soll man dem Leser ernsthaft noch über R.E.M. erzählen wollen? Hat man nicht gerade eine Nacht mit Michael Stipe verbracht und weiß davon zu erzählen, gibt es im demnächst 30. Jahr der Bandgeschichte keinen Informations- oder Deutungsvorsprung, den man noch vortäuschen könnte. Jeder kennt die Band, hat vermutlich einen bis mehrere Hits aus den unterschiedlichsten R.E.M.Phasen auf dem MP3-Player, und wenn nicht, dann bestimmt eine gute Ausrede dafür, oder weiß genau, warum er die honorablen Herren eben nicht mag. Es gibt keine Geheimnisse. »Accelerate« öffnet sich zwar wieder dem druckvollen, fast post-punkigen Stil und Tempo, ist aber dennoch vor allem ein weiteres grundgutes Album rund um die Ausnahmestimme Stipes, rund um die berührenden Melodien der Band. Und eigentlich ist es schön, dass mit so wenig Worten so viel über die neue Platte gesagt ist. Ein »du weißt schon selbst« öffnet bei R.E.M. eben einen riesigen Horizont. Bernd Seidel

107

Into« ist dabei sogar ein kleiner Hit. Vielleicht tanzt die Platte nur einen Sommer – aber was wäre man ohne Mondschein, Sonne und Blumen. Tonias Mull

track des Großstadtdschungels. Zeitlose HipHop-Geschichte. Dagegen wirken die meisten aktuellen Beatbastler plötzlich ganz weit hinten. Uwe Buschmann

Pete Rock NY’s Finest

Schlammpeitziger Schwingstelle für Rauschabzug

Nature Sounds / Groove Attack Gerüchten zufolge soll Pete Rock die letzten Jahre damit verbracht haben, weiterhin die definitiven Beats zu basteln. Erwarten Sie bitte kein Dementi, auch wenn bouncende Beweise auf Vinyl und CD dafür äußerst rar gesät waren. Dass dies aber wohl mehr mit den internen (Geschmacks-) Entwicklungen im Charts-HipHop-Biz zu tun haben musste und nicht mit seinen Producer-Skillz, davon weiß jedenfalls sein neues Album in 14 Kapiteln nachhalliges Zeugnis abzulegen. Für von Track zu Track wechselnde Mikrofonpartner (Redman, Mast Killa, The Lords Of The Underground und etliche Nachwuchsreimer) zirkelt er kongeniale Beats, die ihm endgültig sein HipHop-Rentenrecht sichern sollten. Gekonnt arbeitet er dabei Polizeisirenen, satte Bläsersätze, flashende Synthiesounds zu einem einzigartigen Sound-

Sonig / Rough Trade Schlammpeitzigers Lieblingstöne sind meist kleine Rabauken. Die dürfen dann auf seinen Platten Radau machen, ordentlich rumdölmern oder einfach nur leicht angeschickert durch die Gegend eiern. Freundlich oder auch mal etwas nervig, quietschig oder leicht zerknautscht, manchmal auch ordentlich schief und verzerrt – der Sound-Pluralismus in Jo Zimmermanns Casio-Wunderland kennt keine Grenzen. Fünfzehn Jahre geht das bei dem Kölner Musiker und Maler jetzt schon so, und der Spaß daran lässt bisher bei keiner seiner unzähligen Veröffentlichungen nach. Was immer auch an den Wort-Ungetümen liegen kann, mit denen er seine Stücke benennt. Meine Highlights diesmal sind: »Zügelloser Zeilenzieher«, »Stompja Stricksekret« oder »Dauerdachdecker Dritter«. Auf »Schwingstelle für Rauschabzug« finden

KLAUS BÖNISCH FÜR KBK GMBH PRÄSENTIERT:

01.05.08 02.05.08 03.05.08 04.05.08 06.05.08 07.05.08 21.05.08 22.05.08 26.05.08 27.05.08 28.05.08

HAMBURG Grüner Jäger BOCHUM Matrix KÖLN Underground FRANKFURT Nachtleben BERLIN Magnet MÜNCHEN 59:1 OSNABRÜCK Glanz & Gloria ERFURT Centrum STUTTGART Keller Klub NÜRNBERG Hirsch WÜRZBURG AKW

Special Guest:

LIVINGSTON 28.05.08 29.05.08 04.06.08 05.06.08

KÖLN Gebäude 9 MÜNCHEN Atomic Café HAMBURG Molotow BERLIN Magnet Club

24.04.08 25.04.08 26.04.08 28.04.08 29.04.08 01.05.08 02.05.08 04.05.08 05.05.08

NÜRNBERG MEISTERSINGERHALLE KARLSRUHE KONZERTHAUS FÜSSEN FESTSPIELHAUS LUDWIGSBURG FORUM FRANKFURT ALTE OPER MÜNCHEN PHILHARMONIE LANDSHUT SPARKASSENARENA BERLIN ADMIRALSPALAST HAMBURG CCH 2

Weitere Infos unter www.kb-k.com

07.05.08 DRESDEN KULTURPALAST 08.05.08 BONN BEETHOVENHALLE 09.05.08 FRIEDRICHSHAFEN GRAF-ZEPPELIN-HAUS 10.05.08 BOCHUM JAHRHUNDERHALLE S O M M E R S H OW S 24.05.08 DILLINGEN LOKSCHUPPEN 28.05.08 GRIESSTÄTT Open Air 20.05.08 KÜNZELSAU Würth Open Air


Intro empfiehlt 05.08 Jeden Monat neu: hier die Tipps der Redaktion, die den Sticker »empfohlen von Intro« tragen.

dEUS Vantage Point

The Notwist The Devil, You + Me

MGMT Oracular Spectacular

V2/Cooperative Music

City Slang/Cooperative Music

Red Ink/SonyBMG

I’m A Cyborg, But That’s OK

King Of The Hill

Death Cab For Cutie Narrow Stairs

Kinowelt Home Entertainment

Rapid Eye Movies

Atlantic Records/Warner

Tolle Plattenläden, bei denen es auch das aktuelle Intro gibt. Aachen: Giftland Music, Plattenbau, Plattenbörse, Tam Tam Tonträger Aalen: Günthers Plattenladen Ahrensburg: Musiccorner Andernach: Musikladen Arnsberg: Score Aschaffenburg: Disco Shop, Echobeat Augsburg: Musicland, Nirvana, SchallPlattenzentrale, Tonträger, Ungawa! Records Bad Kreuznach: Engelmayer Aktiv Musik Bad Neuenahr-Ahrweiler: Amm Plattenkiste Bad Salzungen: Elkes Musikbox Bad Segeberg: Sound-Eck Bamberg: Musicland, Rex Melodica Bautzen: Beathouse Bensheim: Musikgarage Berlin: Best Shop Berlin, Bis Aufs Messer, Checkpoint , Club Sound Records, Comeback Records, Core Tex Records, Cover Music, Das Drehmoment, Dense Records, Dig A Little Deeper, Dj Equipment Und Vinyl, Dns Recordstore, Doctor Beat, Franz & Josef, Freak Out, Freizeitglauben, Groove Records, Halb 7 Records, Hiphopvinyl, Hurricane, Leila M Recordstore, Look 54 Records, Melting Point Records, Mitte Musik, Mr Dead & Mrs Free, Musicland, Musik Unter Den Gleisen, Noisy Store, Oye Records, Piatto Forte Record Store, Puke Music, Risi Bisi Popshop, Rock Steady Records, Rotation, Schönes Hören, Scratch Records, Silver Disc Records, Soultrade, Sound & Drumland, Space Hall, Space Honda, Station B, Vopo Records, Yellow Dog Records, Yorck Records Biberach: G-Point Records Bielefeld: Audio Art, Greed Records, Hört Sich Gut An, Sounds Bochum: Aktiv Music Point, Alveran Records, Discover, ELPI, Traffic Sound Bonn: Mr. Music, Unity Records Brandenburg: D & D Records, Kunstkabinett Braunschweig: Riptide Bremen: Deejays, Ear Rockphon, Lonely Planet Boy, Zoff Records Bremerhaven: 33 Rpm Store, Recordbar Buchholz: Smile Records Büdingen: Ram Tam Aktiv Musik Chemnitz: Musikhaus Chemnitz, Underworld Records Coburg: Tontopf, Toxic-Toast Crimmitschau: Biggys Music Shop Dachau: Sc-Discy Darmstadt: City-CD, Pentagon, Uli’s Musikland Dessau: Halb 7 Records Detmold: X-Inch Dorsten: Pop Shop Dortmund: Chimp Records, Idiots Records, Last Chance, Wax Poetics, Wozz Dresden: Black Sheep, Der Plattenladen, Drop-Out-Records, Fat Fenders, Laconic Records, S-Elect Records, Sweetwater Recordstore, Zentralohrgan Duisburg: Garageland, Red Rose Records Düsseldorf: A+O Medien, Enterprise, Flipside, Hitsville Eitorf: CD & Music Corner Emden: 96records Emsdetten: Music & Video Erding: Musicworld Erfurt: Dixon-Store, Woodstock Erlangen: Der SchallPlattenmann, Musicland Erlangen: Zitelmann‘s Musikland Essen: Important Records 1, New Lifeshark, Rockstore Finsterwalde: Aktiv Discover, Top Skin Records Flensburg: Musikpalast Frankfurt/Main: Boy Records, Delirium Records, Freebase, Musikladen, Pro Vinyl Frankfurt/Oder: Vinylline Records Freiburg: Compact Disc Center, Ddd Music, Flight 13, Mono Freudenstadt: Record In Fulda: Marleen Fürth: Kioski, Monoton Geisenheim: Plattenstuebchen Gera: Schwarzmarkt Giessen: Music Attack, Pentatonik Schallwaren Görlitz: Schallhaus Plattenladen Göttingen: Dis Records, JPC Greifswald: Hook Recordstore Halle: New Sound Hamburg: Anders Hören, Burnout, Championship Records, Checkpoint Charly, Cuepoint, Groove City, Hanseplatte, Ingos Plattenkiste, Lado, Michelle Records, Otaku, Pop-Musik Und Mode, Rekord, Rock’N’Roll Warehouse, Ruff Trade Records, Scratch Records, Smallville Records, Soundwind, Starpoint Records, Text + Töne, Vannauer, Zardoz Hanau: Music-Arts-Aktiv Hannover: 25 Music, Hot Shot Records, Mint Music, Vinyl Welt Heidelberg: Crazy Diamond, Down Town Records, Humpty Records, Vinyl Only Heilbronn: Dreamworld Records Hennef: Music Adventure Husum: Disco Express Ingelheim: Ohrwurm Records Iserlohn: Cashbox Itzehoe: Amm Itzehoe GmbH Jena: Fatplastics, M:Bass:Y, Mr. Music Kaiserslautern: Pop-Shop, Proton Karlsruhe: Discover, Plattentasche Kassel: Studio 26 Kaufbeuren: Die SchallPlatte Kehl: City-CD/Aktiv Music Kiel: Blitz Records, Hört Sich Gut An Kleve: CD-Line Koblenz: True Love Store Köln: A-Musik, Groove Attack, Kompakt, Music Point, Normal Records, Nunk Music, Parallel Records, Schallhandel, Underdog Records Konstanz: Cha Cha Store, Studio 1 Korbach: City Music GmbH Krefeld: Rille Landsberg Am Lech: Sc-Discy Lauterach: Surround Records Leipzig: Freezone, Freezone, Mad Flava, Ohrakel, Philter Music, Saba Record Store, Schall & Rausch, Seemannsglück, Syntax Lingen: Bernhard Van Lengerich Lippstadt: Stone Free Music Lörrach: Indiepunk Records Lübeck: Pressezentrum, Studio 1 Ludwigsburg: Interpool Lüneburg: Musiksalon Wordundton, Samowar Records, Sito Music Magdeburg: Beat Boutique Hot Rats, Unique Mainz: Discover SchallPlatten, Lautstark, Overdrive Records, Punkshop.com, Rockpile SchallPlatten, Teenage Wasteland Mannheim: CDpost.de, Lautstark Records, Liquid Sound Dynamics, Monoton Marburg: Die Scheibe, Music Attack München: Connection, Exun, Hausmusik, Musicland, Neutronic, Optimal, Play Records, Resonanz SchallPlatten, Spielbar Tragbar Münster: ELPI, Green Hell Records, Jörgs CD-Forum Neu-Ulm: Musicline Nordhorn: Georgie‘s LP&CD Laden Nürnberg: CD-Paradies Nürnberg: Musicandbooks Offenbach: Main Records, Recordstation Öhringen: Music Store Oldenburg: Mts-City-Sound, Scheibenkleister Osnabrück: JPC, Kuhhandel, Shock Records, Zukunftsmusik Paderborn: Unger Sound&Vision Passau: Back To Back Pforzheim: Headshop Pinneberg: City Of Music Potsdam: Halb 7 Records, Silverspeedrecords Rastede: CD-Corner Regensburg: Eldorado Records Rheine: Ohrwurm Rosenheim: Bebop SchallPlatten Rostock: Karate Beats, Plattform, Pressezentrum, Pressezentrum, Vinylasyl Rottweil: Musikbox Saarbrücken: CD-Grünewald, Fine Music&Art, Rex Rotari Saarlouis: Chamäleon, Phonac Music Schwerin: Audiopheel, Easy Traxx Siegen: Kratzer Sinzig: Klangwelt Straußberg: Abspielbar Records Stuttgart: Humpty Records, Paul‘s Musique, Ratzer Records, Record Express, Second Hand Records, Sound Shop Trier: Lübke Sounds Tübingen: Rimpo Ulm: Record Express, Sound Circus, Syndrome Records Velbert: Musik Schallowetz Waldbrunn-Ellar: Apollon 3 Waren/Müritz: Amm Top 10 Wedemark: Lost & Found Records Weiterstadt: Subsonic - Ein Musikzimmer Wien: Black Market, Substance Wiesbaden: Lautstark Wilhelmshaven: Triangel Winterberg: Die SchallPlatte Wismar: Xl Music & Fashion Witten : Bus Stop Records Worms: Heaven Records Wuppertal: Beatz Und Kekse, ELPI, Pop Art Würzburg: H2o, X-Dream Zeitz: Best Of Music Zittau: CD Studio Zwickau: ALPha Tec, Madhouse, SchallPlatte

Dies ist nur eine kleine Auswahl. Alle ca. 2.400 Auslagestellen finden sich unter: www.intro.de/auslagestellen

GENAUSO Styrofoam »A Thousand Words« (Nettwerk) – Elektronischer Indiepop ohne aufsässiges Gebratze ist auch 2008 möglich. Jeder Beat und jeder Synthie wird von zarter Hand an die rechte Stelle gesetzt, zusammen führen sie zu ganz großen Refrains. Die machen traurig, und man möchte doch tanzen. Langhorne Slim »Langhorne Slim« (Kemado / Rough Trade) – Langhorne Slim aus NY ist einer dieser blutjungen Burschen, die aus ihrer geschruppten Akustikgitarre Hit um Hit zaubern. Und irrsinnige Textmassen über ihre Songs gießen, eines Bob Dylan würdig. Im ersten Zugriff fast fröhliche Folkmusik in einem durchgängig mitreißenden Tempo und mit uralten und doch immer wieder neuen Country-Blues-Harmonien – dann setzen Chöre ein, die Streicher spielen wie der Teufel, und Langhorne Slim wird zu einem gefallenen Prediger aus längst vergessenen Zeiten. Peter Morén »The Last Tycoon« (Wichita / Coop / Universal) – Peter Morén hatte doch mit Peter Bjorn And John eigentlich genug Erfolg. Wer von Olli Pocher gecovert wird, kann sich ruhig etwas stolz der Gartenarbeit widmen und sich dieses leider langweilige Gedudel sparen. Tokyo Police Club »Elephant Shell« (Coop / Universal) – Das Debütalbum von Tokyo Police Club ist so treibend, voll cooler Hektik, geknurrtem Bass und HandclapsHandclapsHandclaps, dass man nur den Kopf schütteln kann bzw. muss. Und Sänger Dave Monks zieht die Vokale so schön lang wie Thees Uhlmann. Wenn das der Festivalkonsens im Sommer wird, ist es weder überraschend noch zum Nachteil der Jugend. White Williams »Smoke« (Domino / Indigo) – White William ist noch am ehesten mit dem mittleren Beck zu vergleichen, verzichtet in seinem ironisch-coolen Gesang aber komplett auf jede Gefühlsregung. Ein seltsam distanziertes Sample-Wirrwarr für den Connaisseur gibt es dazu. Nicht direkt schlecht, aber irgendwie nah am Kunstmarkt. Beehoover »Heavy Zooo« (Mainstream / Soulfood) – Amtlicher Irrendoom, nur mit Ballerbass und Drums fabriziert. Ein herrlicher, fachmännisch fröhlicher Krach. Funktioniert eins a, absolut nicht zu klassifizieren, und darauf ist die Band auch noch ausdrücklich stolz. The Accidental »There Were Wolves« (Full Time Hobby / Pias / Rough Trade) – Noch ein Debüt; wenn auch mit Stephen Cracknell, Hannah Caughlin und Sam Genders relativ alte Hasen dabei sind. Das Album kommt irgendwie nicht vom Fleck,

Nick-Drake-Fans aber kann von der Einarbeitung in dieses meditative, sehr gesangslastige Stück Homerecording nicht abgeraten werden. Headlights »Some Racing, Some Stopping« (Polyvinyl / Cargo) – Hier werden nicht angestrengt »Grenzen ausgelotet«, hier werden zarte, schwärmerische Melodien rausgehauen, mit viel Orgel und himmlischen Chören. Leichtigkeit als System. Eine Platte wie ein junger Hund, der einen Schmetterling jagt. Wehe, einer lacht! Susie Asado »Hello Antenna« (Lolila / Broken Silence) – Jaja, Daniel Decker und sein Lolila – immer ganz dicht dran am wirklichen Underground. Der darf dann auch ruhig etwas holperig klingen wie im Falle Susie Asado. Leicht irrer, sehr eigener Folk mit Damengesang, den es so noch nie zu kaufen gab. Thalia Zedek Band »Liars And Prayers« (Thrill Jockey / Rough Trade) – Thalia Zedek ist dem aufmerksameren Musikfan noch aus ihrer Band Come bekannt und wohl zu Recht eine Legende des amerikanischen Underground. Ihre kaputte, tiefe Stimme dominiert diese großartig produzierte Platte. Eine weise alte Frau? Ein böser alter Mann? Schwer zu sagen. Ein vollkommen unpoppiges, schweres, düsteres Album, das erahnen lässt, was Indie-Rock eigentlich mal war. Cargo City »How To Fake Like You Are Nice And Caring« (Rebecca & Nathan / Intergroove) – Simon Konrad wählt als Cargo City zwar die deutlich poppigere und simplere Variante des Singer/SongwriterIndie, ansonsten aber gilt: bitte bei Leander weiterlesen. Kid Dakota »A Winner’s Shadow« (Devil Duck) – Neo-Grunge soll das nächste große Retro-Phänomen werden, da sind sich alle einig. Aber alle Bands dieser Fasson fristen dennoch weiterhin einen Geheimtipp-Status. Da tut es »A Winner’s Shadow« sicher gut, dass sein Cobain’sches Vokalziehen nur einen Aspekt der Platte darstellt. Genauso hört man auch Rufus Wainwright und ähnliche aktuelle Folk-Referenzen. Heute, gestern, morgen – egal, Hauptsache irgendwie schön. The Reason »Things Couldn’t Be Better« (Smallman / Warner) – Ha, ein Abschluss nach Maß. The Reason machen schwer peinlichen Emo-Pop, gegen den noch Billy Talent cool aussehen. Musik für Snowboarder mit Gefühlen – totaler Murks aus Kanada! Jetzt habe ich wirklich alles gehört ... Benjamin Walter


Booking GmbH präsentiert:

≥ sich einige deutlich druckvollere und tanzbarere Stücke. Etwa »Bassbestie’s Blässe« – da wummert eine stoische, aber gleichzeitig beschwingte Ein-TonBasslinie unter der schrebbeligen Melodie. Oder »Wuup Wolgawahn«, wo zu gerader Bassdrum die Tanzneigung maximal ansteigt. Allerdings sind diese eher »funktionalen« Elemente wie immer nur der Einstieg in die skurrile Klangbaustelle Schlammpeitzigers, dessen Freude an unerhörten Sounds und an der Arbeit im Detail mit jedem Hören der Platte deutlicher wird. Schlammpeitzigers Sound ist über die Jahre immer weniger niedlich, dafür aber umso körperlicher und hypnotischer geworden, ohne dabei das Augenzwinkern zu verlieren. Große, herzenswarme Musik ist das natürlich sowieso. Christoph Büscher

The Sword Gods Of The Earth Kemado / Indigo Vorneweg: Alles, was man musikalisch mit Band- und Albumtitel assoziiert, trifft zu. Das ist gut, denn man möchte ja gerade im Metal nur ungern überfordert werden – und so beackern die Texaner auf ihrem schon zweiten Album jenes Terrain, das schon Black Sabbath oder aktueller beispielsweise die seligen Kyuss bestellten, absolut pflichtbewusst und bar jeder Ironie. Was freilich schon einmal ein großer Pluspunkt ist, denn wenn es etwas nicht braucht im zeitgenössischen Heavy Metal, dann ein Augenzwinkern. The Sword riffrocken stur, bierig und brachial, klingen dementsprechend beeindruckend dated und damit absolut hinreichend (wenn nicht gar: beachtlich) unmodern. Hin und wieder wird der, wie man so sagt: »schnörkellose Rock« unterbrochen von einem kurzen Akustik-Intro, was einem den nächsten wüsten Tritt in den Unterleib aber nur versüßen will. Das Schlagzeug scheppert, als bestünde es ausnahmsweise mal nur aus Becken, die Gitarren knarzen so unverfälscht in tieferen Lagen, dass der Eindruck entsteht, hier sei im finalen Mix – wenn überhaupt – nur noch marginal und der Ordnung halber feinjustiert worden. Über allem nölt Gitarrist und Sänger J.D. Cronise wie ein junger, etwas zurechnungsfähigerer Ozzy. Und sagte ich schon, dass man das alles ruhig ohne weitere Vorbehalte gut finden kann? Peter Flore

setzung der Elemente-Konzeptalben der Postcoreler Thrice deutlich ruhiger daher als die Vorgänger »Fire« und »Water«. So ein bisschen hatte sich das ja bereits auf der Wasser-Seite abgezeichnet: Thrice wollen weg vom Krach. Ausbrüche wie zuletzt findet man auf »Air & Earth« eher weniger. Aber da die vier EPs ja eigentlich ein einziges Album darstellen sollen, passt das auch völlig. Dementsprechend gehen die Teile »Air« und »Earth« geradezu nahtlos ineinander über. Dabei wirken melancholisch-schleppende Songs wie »Silver Wings« oder »Moving Mountains« fast schon zerbrechlich. Was allerdings ruhig klingt, kommt textlich – wie bei Thrice ja eigentlich üblich – recht deutlich rüber: Die Liebe wird natürlich besungen, und auch die Sozialkritik kommt wieder einmal nicht zu kurz. Sogar die IkarusSage, die bereits bei »The Melting Point Of Wax« auf dem Durchbruchs-Album »The Artist In The Ambulance« aufgegriffen wurde, wird mit »Daedalus« fortgesetzt. Auch für den zweiten (oder dritten und vierten) Teil des Konzepts gilt: Wo vergleichbare Bands aufhören, fängt die Kreativität von Thrice erst an. David Winter

White Rabbits Fort Nightly Fierce Panda / Cargo Brooklyn brodelt nicht, Brooklyn kocht über. In abenteuerlicher Taktung beschert der New Yorker Stadtteil momentan Bands, die mehr oder weniger Gitarrenpop im polyrhythmischen Takt spielen, von Celebration über Yeasayer und Vampire Weekend bis zu MGMT. Und mittendrin die White Rabbits, die ihre Rhythmusfraktion gleich mit zwei Drummern ausstatten. Obwohl bei ihnen der Indierock-Anteil eher größer und der von Afrobeat eher kleiner als bei den Kollegen ist, sind die Cold War Kids und Clap Your Hands Say Yeah als Referenzen hörbar vorhanden. Das Debütalbum hat mit »While We Go Dancing«, »Navy Wifes« oder etwa »The Plot« durchaus starke Songs zu bieten, und wie das Klavier immer wieder von der durch die Gitarren vorgegebenen Melodielinie abweicht, macht Spaß. Doch auf Albumlänge fehlen dem Sextett die Dringlichkeit und Abwechslung. Oder ist das schon die erste Trendsättigung? Bitte mal die Suppe vom Herd nehmen, sonst brennt sie zu früh an. Johannes Mihram

Thrice The Alchemy Index Vol. III + IV: Air & Earth Vagrant / Pias / Rough Trade Die logische Fortsetzung. Auch wenn Erde und Wasser nicht minder gefährliche Elemente sind, kommt die Fort-

Noch viel mehr Reviews gibt es unter

www.intro.de

06.05.KÖLN|LIVE MUSIC HALL 07.05.BERLIN|POSTBAHNHOF 08.05.MÜNCHEN|MUFFATHALLE

11.05. Passau - Passauer Pfingstfestival 12.05. Stuttgart - The Pirate Satellite Party 13.05. Heidelberg - Karlstorbahnhof 14.05. Lindau - Club Vaudeville 15.05. Freiburg - Jazzhaus 17.05. Berlin - Jägermeister Rockliga@Kesselhaus 18.05. A-Linz - Posthof 19.05. A-Salzburg - Rockhouse www.moneybrother.net • www.myspace.com/moneybrother

09.05.NÜRNBERG|HIRSCH 10.05.HAMBURG|VIVO-ALTONA www.digitalism-music.com • www.myspace.com/digitalism


SIE WOLLEN DOCH NUR SPIELEN …

UNTEN

SHOOT. FRAG. GAME OVER.

Der Thriller, der ganz Spanien in einen Shockzustand versetzte!

www.KingOfTheHill.Kinowelt.de

Kinowelt Home Entertainment GmbH – Ein Unternehmen der Kinowelt Gruppe Karl-Tauchnitz-Straße 10 – D-04107 Leipzig · www.kinowelt.de

Chris Walla »Field Manual« (Barsuk / Rough Trade) – Ob Death Cab For Cutie es dieses Jahr noch besser machen können als ihr Gitarrist jetzt schon solo? Chris Walla hat wie nebenbei ein wundervoll schlankes Indiepop-Album mit großen Melodien und beeindruckender Catchiness geschaffen. Nah an der Brillanz der aktuellen Nada Surf. Dass die charakteristische Stimme Ben Gibbards in diesem Kontext fehlt, stört gar nicht. Walla selbst klingt sehr passend nach Davey Von Bohlen von Maritime. Bobby & Blumm »Everybody Loves ...« (Morr / Indigo) – F.S.Blumm kollaboriert mit einer sanften schwedischen Stimme namens Ellinor Blixt und verzichtet dafür auf die von ihm gewohnten Klangschrullen. Stattdessen ist »Everybody Loves« ein sanftes und reduziertes Folkalbum geworden. Eine nette neue Facette des unübersichtlich großen Oeuvres des Naturalisten der Experimentalmusik, endlich mal alltagstauglich, zwar kein neues Highlight, dafür aber Pop. The Presidents Of The United States Of America »These Are Good Times People« (Cooking Vinyl / Indigo) – Gut drauf und stolz darauf. Man muss sich auch mal positionieren in dieser Musikwelt aus Trauerklößen. Also gute Laune. PUSA waren mal lustig und hatten catchy Songs, das Genre »Powerpop« wurde quasi für sie und Weezer erfunden. Jetzt sind sie nur noch lustig. The Winchester Club »Britannia Triumphant« (Exile On Mainstream / Southern / Al!ve) – Ganz entrückt trägt hier eine Handvoll Briten mit ihrem Feierabendprojekt den Rock von Mogwai und Godspeed You! Black Emperor ins Psychedelische. Das machen die aber schon selbst. Und besser. Auch angesichts dessen, dass sich dieses Genre mittlerweile inflationär auswächst. MV & EE with The Golden Road »Gettin Gone« (Ecstatic Peace / Cargo) – Hihi, lustig, ein Bandname fast nur aus Initialen. Und Matt Valentine sieht auch noch aus wie der späte John Lennon. Er und Erika Elder machen mal verschleppten Rock mit vielen schrägen Gitarren, fast wie Royal Trux, dann wieder ziemlich freien Folk. Sogar J Mascis ist zum Schlagzeugspielen vorbeigekommen. Ein hübscher Freak-out. Sine Star Project »Building Humans« (Blood Light / Al!ve) – Aha, das ist wohl so eine Indieversion von Muse, also ohne Kajal und schwarzen Lack, dafür gesanglich fast so exaltiert wie Jay-Jay Johanson und mit Anleihen von Hardrock bis Klassik. Alles, was theatralisch klingt,

darf mit. Mit Kajal und schwarzem Lack könnte das erfolgreich sein. Trip Fontaine »Dinosaurs In Rocketships« (Redfield / Cargo) – So langsam etabliert sich der Postcore-Standort Deutschland. Mit Trip Fontaine kommt wieder eine Band aus dem diesmal pfälzischen Nichts und setzt sich gleich gekonnt zwischen die Stühle, die Les Savy Fav, Paper Chase, Q And Not U und Quicksand für sie in dieser so smarten wie aufregenden Stilart warm hielten. Ihre Songs sind äußerst variabel, aber immer gut, ihre Texte sind clever, und ihr Stilbewusstsein ist beeindruckend, aber nicht dogmatisch. Klasse Platte. Turner Cody »First Light« (Boy Scout / BB*Island / Broken Silence) – Dass Turner Cody mit der Antifolk-Blase um Adam Green und Herman Düne verbandelt ist, hört man gleich. Auch er ist ein hinterlistiger Geschichtenerzähler, ein urbaner Schausteller, ein Songwriter der unterhaltsamsten Sorte, mit hörbaren Wurzeln im Hillbilly-Georgia. Und seine Folksongs sind so gut, dass sie sogar die unnachgiebigsten Dylan-Fanatiker aufhorchen lassen könnten. The Huguenots »Discography« (Hydrahead / Indigo) – Mit »Discography« dokumentiert Hydrahead seine Ursprünge. An den dichten Sound von Isis war zu Zeiten dieser Mittneunziger-Band noch nicht zu denken, damals regierte offenkundig pures Metal/Noise-Gemetzel zwischen Slayer und Today Is The Day. Virtuos ist anders, aber Kraft, die hatten die Huguenots. Aus den Mitgliedern dieser lange verblichenen Band ist übrigens wirklich was geworden: Heute agieren sie u. a. bei Piebald, Converge und The Explosion. Miss Massive Snowflake »Queen’s Headache« (North Pole) – Kurioses Soloprojekt aus Portland, das Kinder und deren Texte in schrottigen Electropop einbindet. Neoangin minus Pop, Solex minus Drive, Danielson Famile minus Famile. Die Frohlix »Reise nach Süden« (Suppenkazpers Noize Imperium / Broken Silence) – Fun-Punk galt schon zu seiner Hochzeit (Ende der 80er) und selbst unter uns damals hoffnungslos uncoolen Kids als peinlich. Das wollte was heißen. Die Mainzer Frohlix bieten jetzt ein Comeback an. Trompetiger Ska-Spaß für Mitgealterte und deren Partner, die Mischlingshunde. Ein Song heißt »Reunion«. Selbstironie ist immer eine Bank: »Tigerleggins, Tinnitus, dritte Zähne, Hexenschuss.« Christian Steinbrink


112 Heimspiel empfiehlt

HipHop und Death Metal, Indie und Rock, Singer/Songwriter und Pop – kaum eine Stilistik, die nicht unter den Einsendungen zur Coca-Cola Soundwave Discovery Tour war. Über 1200 Acts haben mitgemacht und ihre Songs hochgeladen. Die Jury, in der Beatsteaks-Manager Eric Landmann, Oliver Plöger von 1Live, Linus Volkmann vom Intro u. a. sitzen, haben gut zu tun gehabt, daraus die 50 besten Songs zu wählen. Aus dieser Auswahl wurden im öffentlichen Online-Voting just die 20 besten gekürt. Die erhalten nun an vier Coaching-Wochenenden nochmal den letzten Schliff in Sachen Bühnenpräsenz, Vocal-Training, Instrumental-Coachings u. v. m. – und spielen dann im Juni beim großen Band-Clash bei Rock am Ring. Wer das im Einzelnen sein wird, soll in der kommenden Ausgabe verraten werden. Diesen Monat stellen wir zunächst vier herausragende Bands aus dem Teilnehmerfeld vor: Bloodwork, Sixxxteen, The Pill und Trikot. Weitere Informationen gibt es auf www.coke.de.

The Amber Light Play CD // Superball Music / SPV The Amber Light gelingen auf ihrem zweiten Album gleich mehrere Spagate: Sie klingen gleichzeitig entspannt und kopflastig, eingängig und vertrackt, noisig und glatt. »Play« bewegt sich dabei konsequent auf der nicht immer eindeutigen Grenze zwischen Pop und IndieRock. Produziert wurde die Platte von Jean-Michel Tourette (Wir Sind Helden) und Jens Nickel (Automat), die ihr Handwerk beherrschen: Die Stücke kommen bei aller Gitarren- und Soundfrickelei warm und direkt rüber. Die feedbacklastigen ersten Songs mit ihren dynamisch ausufernden, sägenden Gitarrenparts machen in der zweiten Hälfte des Albums ruhigen, geradezu meditativen Stücken Platz, die ihrerseits nie balladesk klingen. Denn die

Grundstimmung auf »Play« bleibt auch bei aller Ruhe unberechenbar. Darum und nicht zuletzt aufgrund der Stimme von Sänger Louis Gabbiani erinnern The Amber Light stellenweise an Placebo. Wie bei den britischen Kollegen ist es die lauernde Spannung, aus der die Songs ihre Intensität schöpfen – egal, ob laut oder leise. Richtig poppig klingen The Amber Light eigentlich nur beim neunten Track »Does It Ever Get Better«, der stellenweise an die energischeren Songs von Phoenix erinnert. Ein schönes, rundes Album. Philipp Jedicke

Bloodwork Insufficient

die Instrumental-Exkursionen zwischen Euphorie, Melancholie und echolastigem Gitarrenkrach sind allemal eine Reise wert. Der Opener »Ghost Track« weht sich zunächst mit leisem Computerrauschen ins Bewusstsein, in der Ferne fiept sich das Gitarrenfeedback warm, ein unheimliches Sprachsample giftet »Look at the fucking shit, you’re in!«, und dann stehen sie zum ersten Mal vor einem, diese massiven Gitarrenwände, die bei Daturah auch dann nicht langweilig werden, wenn man immer wieder gegen sie läuft. Mogwai fallen einem da natürlich immer ein, wobei Daturah ihre Songs weit epischer anlegen und so gut wie keine Popstrukturen zulassen. Andere würden vielleicht sagen, sie klängen wie eine Mischung aus Explosions In The Sky und Isis. Wie auch immer: Muss man haben. Daniel Koch

Dear John Letter Between Leaves / Forestal

Die Lösung aller offenen Fragen kommt aus Paderborn. Endlich gibt es für die Metal-Szene keinen Anlass mehr, sich in Grabenkämpfen zu ergehen. Ist True Metal nicht der wahre Jakob? Was macht man mit den Emo/Screamo-Leuten: akzeptierende Jugendarbeit oder »Leave the hall«-Politik? Lässt sich aus der NWOBHM nicht doch noch etwas lernen? Und wenn ja: was? Bloodwork wissen es hochwahrscheinlich auch nicht, haben aber eine absolut überzeugende Antwort: zack, bumm, wusch. In nur ein paar Monaten produzierten die fünf ein Demo, das sämtliche Stilgrenzen unterläuft und in Sachen Härte und Tightness ungelogen neue Maßstäbe setzt. Bloodwork denken sich nichts dabei, ihre auf Strophengeballer folgenden Refrains mit melodiösem Gesang auszustaffieren. Und warum nicht auch mal ein Gitarrensolo in Terzschichtung? Bei Bloodwork ist alles drin und alles dran. »Insufficient« ist daran nun wirklich nichts. www.coke.de

Daturah Reverie CD // Golden Antenna / Broken Silence Instrumentalmusik der ganz hohen Schule findet sich auf dem zweiten Album der Frankfurt-Main-Band Daturah, die auf »Reverie« gerade mal fünf Songs in 59 Minuten und 57 Sekunden unterbringt. Zwar ist es nicht ganz so, dass man darauf »durch die feinen Gitarrenwände kegelartig wie ein Vogel Greif im Sommerwind über der See weit nach oben gezogen« wird, wie es das Labelschreiben reichlich unlogisch verkaufen will, doch

CD // myspace.com/dearjohnletter Das Cover des Debüts von Dear John Letter ist vor allem eins: schwarz. Nur die Umrisse eines Blattes sind zu erkennen. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man die Nachzeichnungen der verwobenen Blattadern. Dazu der Bandname: Dear John Letter. Eine Wendung, die als Synonym für einen Brief steht, in dem das Ende einer Beziehung erklärt wird. Dabei steht die Hörbeziehung zu den Augsburgern doch erst ganz am Anfang. Einfach will es der Vierer dem Hörer nicht machen: Arrhythmische Drums laufen gegen punktgenaue Pickings; bittersüße Gesangsmelodien, die an Tools Maynard James Keenan erinnern, schweben über sperrigen, monotonen Riffs und werden zu minutenlangen Instrumental-Parts. Manchmal brachial wie bei The Ocean, Isis oder Aerogramme, manchmal nahezu fragil wie bei den isländischen Leisetretern Múm. Viel Liebe zum Detail, ein Faible für ausgefeilte Arrangements und Perfektionismus sind zu erkennen. Was das alles mit einem Ende zu tun hat? Nichts, lautet die Antwort. »Between Leaves / Forestal« ist kein Abgesang, sondern ein Aufbruch. Das kann man getrost so pathetisch stehen lassen. Thomas Markus

Elmodic Monoism CD // A Different Drum Der Name Elmodic ist ein Anagramm des Wortes »melodic«. Das passt, denn die beiden Soundtüftler Martin Hanslbauer und Ingo Nordloh doktern nicht nur gerne an Wörtern herum. Noch viel lieber basteln die beiden mit ihren Synthesizern aus den 80ern an ihren eigenen Sounds und Klängen. Statt Samples und Remixes gibt es hier noch hausgemachten Synthie-Pop à la Depe-

che Mode und Human League. Statt abzukupfern und zu modifizieren wird hier zusammengesteckt, gefeilt und selbst fabriziert, laut Bandinfo »wie kleine Jungs vor der Lego-Kiste«. Das Ergebnis dieses Prozesses wird dann digital in die USA geschickt, wo ein Gitarrist die Tracks um Riffs und Gitarrensoli ergänzt. Dennoch sind Elmodic keine bloße 80er-Jahre-Retro-Band, sondern eher die Fortführung der Acts von damals, eine eigenständige Hommage an die Hochzeit des ElectroPop. Das erkannte auch das US-Label A Different Drum und signte Elmodic, noch bevor das Duo überhaupt hierzulande einen Plattenvertrag hatte. Julia Gudzent

Giovanni Ferrario Headquarter Delirium CD // Solaris Empire / Broken Silence Das Album von Giovanni Ferrario erscheint in einer interessanten Konstellation, denn Ferrario, der auch PJ Harvey als Tourgitarrist begleitet und in der Band des australischen Songwriters Hugo Race musiziert, ist eine durchaus prominente Figur der gar nicht mehr so kleinen italienischen Indieszene. Wie er nun allerdings auf das eher für Indie, Folk und Elektronik bekannte Berliner Label von Kitty Solaris gekommen ist, weiß wohl nur der Wind. Denn »Headquarter Delirium« ist in ihren Grundfesten eine klassische Rockplatte, die sich den Bezug auf experimentelle Elektronik und psychedelische Elemente aber nicht nehmen lässt. Die Stücke sind in ihren Sounds und Strukturen vielseitig, Ferrario rekurriert deutlich auf Blues und Rock der 70er. Zusammen ist all das eine zwar anregende und komplexe, aber alles andere als zeitgenössisch klingende Angelegenheit. Fans von Nick Cave und PJ Harvey sollte auch »Headquarter ...« etwas geben. Wenn sich nun auch noch der einschlägige Berliner IndieUnderground eine Scheibe von Ferrarios Musik abschneiden würde, könnten auch dort noch einige interessante neue Facetten entstehen. Christian Steinbrink

Jimi Berlin :zeitlupezeitlupe CD // Monstermusik »Weltuntergang im April« – schaut man aus dem Fenster, könnte man das fast glauben. Der Text des ersten Tracks auf »:zeitlupezeitlupe« lässt Düsteres vermuten, doch die Musik widerlegt diese Ahnung: Hier herrscht flockiger Poprock mit viel Akustikgitarre, E-Bow-Einsatz und einer betont coolen, lindenberg ähnlichen Gesangsstimme vor. Auch die anderen neun Lieder des Albums kommen musikalisch ohne extreme Gefühlsschwankungen aus. Mal ein bisschen soulig, mal ein bisschen indie, dabei aber immer mit einer musika-


Heimspiel empfiehlt

Eingewöhnungsphase auch immer wieder zartschmelzende Melodien, beinahe Hooklines herausschälen. »Squeezed«, das Titelstück, ist so eine wundervolle Nummer, die mit all ihrem Space fast schon in Sigur Rós’sche Sphären auswandert. Opulenz wird hier aber mit Bedacht eingesetzt. Eigentlich ist es gerade die Beschränktheit der Mittel, das Zurückgenommene, das »Squeezed« zu einer so ungewöhnlich schönen selbst gebastelten Platte macht. Oliver Minck

Peters

HIER WIRD GAR NICHTS WIEDER GUT

Microstern Airplanes And Sparrows

Sie saufen, sind derb, sind Kumpels von Bratze und haben sich nach einem Lübecker Autohaus benannt.

K

lar, Underground ist Underground, Underground hat seine eigenen Kanäle und seine eigene Kundschaft und soll und will auch Underground bleiben. Trotzdem: Muss man die Weltöffentlichkeit auf eine derart tolle Platte wie die der Hamburger Peters nicht zumindest hinweisen? Der Puls von Post-Hardcore schlägt zwar nach wie vor in den USA, aber auch in Europa und Deutschland finden sich Szenen und Bands, die das hohe Level aus Übersee mindestens halten können. Dazu gehören zweifelsohne auch die Ex-Lübecker, die erst jetzt, immerhin zwölf Jahre nach Bandgründung, beim formidablen Kölner DIY-Label Unterm Durchschnitt ihr erstes Album herausbringen. Lange hat die Band an ihren Songs gefeilt, lange Wege von Studienort zu Studienort auf sich genommen – es hat sich gelohnt. Peters glänzen mit ungemein komplexen Songs, perfekten Gitarrenarrangements, wirkungsvollen Tempowechseln und einer packenden Dynamik. Darüber singt, jault und brüllt Sänger Torben, mal drohend, mal enthusiastisch, mal düster oder fordernd. Die Texte haben in ihrer Wut einen politisierten Appeal, changieren zwischen abstrakt und konkret und sind

lisch straighten Grundstimmung, erinnert der Sound von Jimi Berlin an Nationalgalerie (im Song »Mmh ... Evelyn«) oder die ruhigeren Selig-Sachen (»Bei dir«), nur mit etwas mehr DIY-Charme. Kehrt hier ein verloren geglaubter Sound aus den frühen Neunzigern zurück? Jedenfalls nicht aus dem Nichts, denn »:zeitlupezeitlupe« ist bereits der vierte Longplayer des Trios. Passenderweise heißt ein Stück »Gute Rockmusik«, was man bis auf wenige Ausnahmen auch über das gesamte Album sagen kann. Oder: Liebeslieder, ideal für Sonntagnachmittage. Jedenfalls gut gemacht und sehr entspannt dabei. Philipp Jedicke

Die Kleinen Götter Zuhause CD // MossBEACH / Rough Trade Zuhause – im Fall der Kleinen Götter handelt es sich dabei um das hübsche Konstanz am wunderschönen Boden-

enorm druckvoll. »Wir wollen keine einfachen Slogans, so wahr sie auch sein mögen«, erklärt Torben. Mal klingt das nach den Goldenen Zitronen, dann nach Cpt. Kirk & oder Brüllen, international können Les Savy Fav und North Of America als Referenzen herhalten. »Auffallen durch umfallen« bietet dabei sogar noch deutlich mehr als ein aufwühlendes und komplexes Klangbild. Die Platte hat wärmend-poppige Momente, sie erzählt Geschichten, sie meistert mit »Zur Lage der Nation« auch mal vorzüglich den ausgelatschten Pfad der vertonten Medienkritik, sie lässt den Hörer aber auch auf unmittelbare Art und Weise teilhaben an Schmerz und Verwirrung, trotziger Ironie und Stolz. Sie macht es niemandem leicht, sie strotzt aber vor Substanz und Kraft. Es ist lange her, dass in dem Genre eine solch gute Platte aus diesen Breiten erschien. Verdammt viel für eine Band, die es eigentlich nur gibt, damit sich alte Schulfreunde nicht aus den Augen verlieren. Christian Steinbrink Peters »Auffallen durch umfallen« (CD // Unterm Durchschnitt / Broken Silence)

see. Auf dem Cover ihrer neuen Platte stehen sie am dortigen Hauptbahnhof, wahrscheinlich sind sie gerade aus Stuttgart gekommen oder aus Berlin oder wohin es süddeutsche Provinzler um die 30 halt so hin verschlagen hat. In der alten Heimat kommt man dann zusammen, um die alte Band am Laufen zu halten, die man immerhin schon seit zwölf Jahren betreibt und deren Ende wohl auch das Ende der eigenen Jugend bedeuten würde. Dank jahrelangem Training verfügt man inzwischen immerhin über das Know-how, um eine amtliche Produktion an den Start zu bringen. Die klingt zwar alles andere als modern oder innovativ, aber darum geht’s ja nun wirklich nicht. Ganz uneitel nehmen Die Kleinen Götter dem Rezensenten mit ihrem Infozettel die Arbeit ab und sagen’s, wie es ist. Stil: Punkrock / Indierock. Referenzbands: Die Ärzte, Kettcar, Madsen. Wobei: Kettcar? Ansonsten passt’s aber total. Vielleicht kann man es auch so sagen: Die Kleinen Götter sind so

113

was wie Die Ärzte in ernst. Oder: Die Ärzte mit Uniabschluss. Oder einfach: Die Ärzte vom Bodensee. Oliver Minck

Likk Squeezed CD // www.couchncandle.de Likk aus Hamburg macht Musik nach eigenen Regeln. Zunächst denkt man, dass hier irgendwie gar nichts zusammenpasst. Gitarre, Stimme, Rhythmus, Zier- und Störsounds – alles spielt in einer eigenen Welt. Verspinnt sich in sich selbst. Trifft sich wie zufällig. Der schräge Sound ist in seiner Ruhe überhaupt nicht aufdringlich. Irgendwann stellt man fest: Es ist keine Wahllosigkeit, die hier herrscht, Likk arrangiert seine Musik eher wie ein Hörspiel, durchaus mit Dramaturgie, nur eben nicht mit der Dramaturgie, die man von Popsongs erst mal erwarten würde. Obwohl sich nach einer

CD // Kasabi Tunez / Broken Silence Die Geschichte von Microstern ist die Geschichte vom Entstehen einer Gemeinschaft. Ursprünglich als solitäres Home-Recording-Projekt in Rostock gestartet, hat sich Microstern über die Live-Umsetzung und durch das kollektive Unterwegssein bald zu einer fünfköpfigen Band entwickelt. Stefan Streck, der ehedem einsame Mann am Laptop, ist als melancholischer Texter, Sänger und Produzent immer noch das Herz des Projekts. Doch so, wie das Zusammenspiel hier, auf der zweiten LP über Flugzeuge und Spatzen, klappt, werden viele andere Musikkollektive neidvoll herüberblicken auf diese gewachsene kleine Einheit von Musikern. Vielleicht hat es mit diesem sozialen Kitt zu tun, dass eine Referenz wie The Notwist nicht zu hoch gegriffen scheint. Den Weilheim-Geist entführen Microstern nach Rostock, in seiner ganzer Indie-Opulenz: mit Streichern, Bläsern und überhaupt Arrangements der großen Geste. An die Vertonung eines Textes von William Blake muss man sich auch erst einmal heranwagen. Die Songs sind Ahnungen von schwerem Wetter und von der Euphorie danach, Träume vom Weitweg-Sein. Das Unbehauste singt Romantik. Und doch ist zu fühlen, wie sehr die fünf Microsterne in ihren schwelgerischen Harmonien und in ihrem Zusammenspiel zu Hause sind. Man könnte neidisch werden. Arno Raffeiner

Mikroboy Bis zum Ende CD+Download // Motor Digital Manchmal, in den seltensten Fällen, kriegen es Bands tatsächlich hin, den perfekten Song zu einem bestimmten Thema zu schreiben. »I Will Play My Game Beneath The Spinlight« von Brand New ist zum Beispiel so ein Song zum Thema Touren. »Ferret« von Lifetime zum Thema falsche Freunde. Und jetzt auch Mikroboy mit »Du. Nicht wir!«. Thema: Verlassen und verlassen werden. Mikroboy Michael Ludes schafft es, mit einer rotzigen Stim- ≥


114 Heimspiel empfiehlt

≥ me zwischen überheblichem Intellekto-Arschloch und Superheld die verworrensten Themenkomplexe in simplen, aber ins Schwarze treffenden Worten auszudrücken. »Dieser Trip den du erlebst und nach dem großen Leben strebst / Macht mir unverkennbar klar, wir sind kein Team mehr«, singt Ludes, und man weiß genau, wovon er redet. Schließlich waren wir alle schon mal da. Vor Mikroboy konnte man dieses »Staunen in meinem Gehirn« nie so richtig in Worte fassen. Doch jetzt verpackt der alles in poppige Gitarrenriffs und verkorkste Electro-Bleeps und hat für jede Stimmung den richtigen Satz parat, für jede liebeskranke Freundin den richtigen Rat, für jedes Poesiealbum das richtige Verslein, um auszudrücken, was man wirklich meint. Julia Gudzent

das gehört wohl zur Underground-Attitüde der Band. Motosushi spielen ihren Alternative Rock auf eine Art, wie man sie aus den Neunzigern kennt und mit der Kollegen wie die Ulmer Die Happy jahrelang erfolgreich waren: Hardcore- und metalähnliche Riffs wechseln sich mit melodiösen Zwischenteilen ab. Gemeinsam ist den Songs eine grundlegende Melancholie, die schnell in Wut umschlagen kann. »Better know that I will make it!« singt Sängerin Donata zum Beispiel im Titelsong. Es ist Motosushi nach langer Karriere mit Höhen und Tiefen zu wünschen. Trotzdem bleibt das wohl eher unwahrscheinlich, denn ihr Album klingt nun mal, als käme es genau zehn Jahre zu spät. Philipp Jedicke

The Pill Even If I Crash

Milkwood Mein langsames Leben CD // Bedheim Recording / www.milkwood.de »Mein langsames Leben« von Cornelius Kirfel a.k.a. Milkwood ist bereits dessen siebtes Album. Dieses Mal gibt es im Hause Milkwood allerdings weniger Frickeleien, weniger Melodieschichten und Elektronik, dafür oftmals nur Gitarre und Gesang. So sollen die Songs auch zum ersten Mal solo performbar sein. Kirfels Intonation erinnert manchmal an Malcolm Middleton, da er meist eher spricht als singt, mal Deutsch, mal Englisch. Manchmal verzichtet er auch ganz darauf, da er immer mehr Lieder als Texte habe. Seine neuen Songs versprühen ein sprödes Flair von Insichgekehrtheit und melancholischer Einsamkeit, wie man es genau von dieser Art Gitarrenstücken kennt. Die Country-Anleihen verstärken diesen atmosphärischen Eindruck noch. Manche Songs scheinen gar auf einen Eintrag in der »Mundorgel« zu schielen, so volksliedartig kommen sie daher. Zum Beispiel »Idaho«, das klingt wie ein Klassiker aus einem Roadmovie, den Erwachsene alleine hören und Jugendliche bei Sit-ins selbst spielen, nach »House Of The Rising Sun« und vor einem Lied von Tocotronic. Oder Fink. Oder einem Schluck Lambrusco. Vanessa Romotzky

Motosushi One Hundred Lovers CD // Revolution Records Mehr als zehn Jahre gibt es Motosushi aus dem Ruhrgebiet nun schon. Außer auf einigen Demos und einer Debüt-EP waren die vier mit den klingenden Künstlernamen Donata, Kushko Da Volta, The Stirkat und J. Boheme bisher nur auf Samplern zu hören. Das soll sich nun ändern. Acht Songs sind auf »One Hundred Lovers« vertreten, und auch hier hört sich vieles ungeglättet und nach Demo an, doch

Es ist eine Reise durch die Synthieverdrahtung der Siebziger und die FM-Synthese der Achtziger – aber eben eine ohne Anfang und Ende, ohne Routenplaner und ein Ziel vor Augen: So macht Zeitreisen Spaß. Bei The Pill handelt es sich um Matua, der den Bewohnern des Rheinlands durch dessen Electroclash-Partyreihe »Looneyland« zum Begriff wurde. Sein kongenialer Partner Laurent Konrad wirbelte mit den Tracks »Rock U« und »Spread Love« die DanceScene auf, remixte bereits Moby und Tomcraft. Ihr gemeinsames Schaffen als The Pill gab an dieser Stelle vor einiger Zeit bereits Anlass zu freudiger Berichterstattung: »Sie verlaufen sich im stilistischen Grenzland zwischen Pop und Electro«, so stand es geschrieben. Das ist auch der Grund, weswegen sie weiterhin ihrer Wege irrlichtern und man gut beraten ist, Fährte aufzunehmen. Es wird Zeit, The Pill einmal live und in Farbe zu begegnen. Am besten auf der ganz großen Bühne. www.coke.de

Rye My Reality CD // Girafe / Indigo Es gibt diese verflucht süßen, synthetisch-roten Cocktailkirschen, in die man entweder sofort reinbeißen möchte oder die einem so süß erscheinen, dass man sie lieber direkt an die Seite legt. Ähnlich geht es einem beim ersten Höreindruck von »My Reality«. Die Berliner Sängerin Rye hat eine wunderbar sou-

lige, warme Alt-Stimme, die grammyüberladenen Talenten wie Norah Jones in nichts nachsteht. Die Vorbilder sind laut Ryes MySpace-Seite jedoch ältere Semester: Hendrix, Janis Joplin und Jazzer wie Coltrane. Schade jedoch, dass von deren Mut zur Kante auf dem Debüt nicht so viel zu hören ist. Bei »Rockbone Soul« kokettiert sie mit Country, Western und Steelguitar, bei »Day In April« wird es zeitweise etwas düsterer, das Gros der Songs auf »My Reality« sind jedoch Singer/SongwriterNummern mit Soul- und Jazz-Einschlag, die irgendwo zwischen den leichten Momenten von Beth Orton und der Seichtigkeit von Amanda Marshall pendeln. Hochwertig allemal, auch gefühlvoll, aber eben zuckersüß. Thomas Markus

Sixxxteen Dead Man Walking

Es ist der gute alte Geist des guten alten Punkrock: Sixxxteen wissen ziemlich genau, was sie nicht wollen. Zum Beispiel auf der »neuen alten deutschen Welle« mitsurfen, »deren billige Klone man deutschlandweit zurzeit erleiden muss«, wie das Bandinfo hübsch poltert. Oder Musik machen, die von hippen Studentenmusikmagazinen gemocht wird. Als wäre diese Einstellung noch nicht angenehm genug, machen sich Sixxxteen die Mühe, einen sehr brauchbaren Gegenentwurf zu entwickeln: »Musik für Leute« möchte man machen, »Punkt«. Das Quartett aus Bremen weiß genau, womit man den Menschen draußen im Lande eine Freude machen kann: mit Songtexten, die Geschichten erzählen. Richtige Geschichten, die aus dem Leben stammen, das sich in der Eckkneipe abspielt, aber das Oberstübchen nicht mit introspektivem Erlebnisschrott vollmüllen. Die musikalische Darbietung ist graziös, vermeidet Angeberei, ist aber dem steten Bemühen um gutes Spiel strengstens verpflichtet. Die guten Dinge können so einfach sein: Wären alle Bands so wie Sixxxteen, das Leben wäre vielleicht nicht besser, aber toller. www.coke.de

St. Emmi Weiß: Der Himmel CD // Tummetot Tonträger St. Emmi – das ist keine Band, sondern ein Songwriter im Bandgewand. Offenbar ein Typ aus Siegen mit

guten Verbindungen nach Hamburg, so deuten es die Linernotes an. Er heißt eigentlich Christian Stemman, und es ist ja schon mal echt süß, von so einem Nachnamen auf so einen Künstlernamen zu kommen. Wenn man sich die Songs anhört, wird man direkt bestätigt und denkt: Bestimmt ein sehr süßer und sympathischer Typ, dieser St. Emmi. Ein klassischer Indie-Junge eben. Einer, der sich denkt: »Verdammt noch mal, die Erste von den Tocos ist nun mal meine Lieblingsplatte, und wenn die Gitarren schrammeln wie in den frühen 90ern bei den Lemonheads, dann bringt das mein Lebensgefühl eben zu 100 Prozent auf den Punkt. Soll ich mich hier jetzt verstellen, nur um etwas zu produzieren, das vermeintlich weniger referenziell klingt?« Ach Quatsch, St. Emmi soll genau so eine Musik spielen und mit seiner verschnupften Stimme von gescheiterten Wiedersehen mit alten Freunden in Stammkneipen singen. Passt schon. Dass er damit innerhalb des nächsten Jahres nicht zum Szene-Stern der Stunde aufsteigen wird, das weiß: nicht nur der Himmel, das weiß er bestimmt auch selbst. Oliver Minck

Trikot Gänsehautboy

Trikot sind die Band des Augenblicks. Für das Berliner Trio gibt es kein Gestern und kein Morgen. Erinnerungen, Hoffnung – all das fließt zusammen zu einem ebenso radikalen wie nonchalanten Bekenntnis zu einem Leben im Hier und Jetzt. Trikot, den in die Berliner Leichtigkeit Eingeweihten noch unter dem ehemaligen Namen Autopilot bekannt, verbinden retromäßige Analogsounds mit einem edlen, neomodernistischen Minimalismus: Inga Humpe dürfte vor Neid weiter erblonden. Erfrischenderweise ist dies einmal nicht der Sound für die Digitale Boheme, die nach einer Musik sucht, die zum Geräusch des Mahlwerks ihrer Espressomaschine passt. Trikot ist eine Band, die das Aufschäumen von Milch überflüssig macht. Susan Pawlak hat eine Stimme, die einen ahnen lässt, dass es das Glück wider alle Erfahrung doch geben könnte. Dankenswerterweise sagt sie auch, worin genau es besteht: »Wir lagen nackt im Gras und unterhielten uns über Baudelaire.« Dem ist unmöglich etwas hinzuzufügen. www.coke.de


Für Dich

115

FÜR DICH Gewinnen wollen? Dann die richtige Antwort auf die Frage rechts einfach per E-Mail an verlosung@intro.de schicken. Alle Preise finden sich auch noch mal unter intro.de/gewinne. Viel Glück.

Die Frage des Monats: Welcher spätere Popliterat wurde einst von der damaligen Intro/Inregio-Redaktion Hannover als Praktikant abgelehnt? a) Benjamin von Stuckrad-Barre b) Florian Illies

Hi-Fi-Microsystem Ab Mai startet auf www.maxi-king.de das finale Voting zum Royal SoundZ Band Contest, bei dem 15 Finalisten aller Sparten um eine professionelle Studioaufnahme buhlen. Zusätzlich kann man mit den Codes vom 3er-Pack des »Kinder Maxi King« Preise von Philips, Titus, eventim.de und dem EMI MusicShop und als Hauptpreis einen Peugeot 207 gewinnen. Wir verlosen das kompakte Hi-Fi-Microsystem MCM700/12 von Philips mit USBAnschluss.

WeSC Artist Shirts Wir verlosen 3x das limitierte »Trademarks«-Motiv von Jonas »Azz« Wiehager (»The host with the most a.k.a. Mr. Stockholm«) aus der Artist-Serie der Schweden WeAreTheSuperLativeConspiracy. www.wesc.com

iXS Dirt Masters & VANS Anlässlich der iXS Dirt Masters, Europas größtem Freeride Mountainbike Festival vom 23.-25. Mai im Bikepark Winterberg, verlosen wir zwei Packages mit jeweils

VANS Sneaker & Shirt, DVD »Paranoia Best of Dirt Rider« & 2x VANS Rocknight Tickets (Bloodlights, Peter Pan Speedrock, Karateclub, Dan Dryers & UPFORCE Motocross Show). www.dirtmastersfestival.de AXE Dry Sets Trocken bleiben mit AXE Dry: Seitdem das Rauchen fast überall eingestellt wurde, rollt ein ganz anderes olfaktorisches Problem auf uns zu: Körpergerüche. Mit dem neuen AXE Dry wird dem Mief allerdings der Kampf angesagt, denn hochwirksame Antitranspirante regulieren gezielt die Schweißbildung. Wir verlosen 3x1 AXE Dry Set inkl. Kulturbeutel und einem Set mit allen AXE-Dry-Varianten Vice, Click und Pulse.

Chocomel Sets Chocomel verlost 2 Vollgas-Sets mit jeweils einer Tasse, 6 Dosen, T-Shirt und einer Kladde und Kugelschreiber. www.chocomel.de VSCT Web-Shop Zum Launch des VSCT Web-Shops verlosen wir je 3 Shirts für Männer & Frauen des Düsseldorfer Clubwear-Labels www.vsct-store.com.

Meininger-Package Jeweils 3x »Hostelküche« Kochbuch inkl. Gutschein für ein DZ wahlweise in Berlin, Köln, München, Wien oder London von Meininger zu gewinnen. www.meiningerhostels.com Naketano Sommer-Kollektion Aus der aktuellen Sommer-Kollektion von Naketano verlosen wir jeweils die Items »Arno« und »Lari« in der Größe S! Check www.naketano.de. T-Mobile Street Gigs mit Maximo Park Für den Maximo-Park-Auftritt am 29.05. im Burggraben der Kaiserburg in Nürnberg verlosen wir 3x2 Tickets. Weitere Infos unter www.t-mobile-streetgigs.de.


116 Intro Intim

Intro Intim @ Splash!

INTRO INTIM MIT BATTLES Sogenannter Mathrock, hier vorgerechnet von links nach rechts: Ian Williams + John Stanier + Dave Konopka + Tyondai Braxtin = Battles. Aber mal ehrlich, wer ist eigentlich auf dieses beschissene Genre gekommen? Was hat diese furiose Liveband mit kühler Mathematik gemein? Nix! Support: Fuck Buttons. www.myspace.com/battlestheband, www.myspace.com/fuckbuttons 12.05. Berlin, Maria am Ostbahnhof » 13.05. Köln, Gebäude 9

mit M.I.A., Le Peuple De L’Herbe, Miss Ill, Afrikanboy, The Tape, RQM, Elle P, Jahcoozi, Round Table Knights, Sick Girls 11.-13.07. Pouch, Halbinsel Pouch Alle Infos zum Splash!: www.splash-fetival.com

Intro Intim »Kill Your Friends« Lesung mit John Niven und Bernd Begemann »Ich hasse Indie-Musik. Bis vor ein paar Jahren konnte man sie noch guten Gewissens ignorieren. […]. Dann taucht aus dem Nichts so ein Autoknackerpärchen aus Manchester mit einem Beatlessongbook auf, und plötzlich musst du dir diesen ganzen Scheiß anhören und all diese Meetings besuchen, bloß damit du den nächsten der Sorte nicht verpasst. Es ist ein verfickter Albtraum.« (aus: John Niven »Kill Your Friends« [Heyne]) 06.05. Berlin, Roter Salon » 07.05. München, Substanz » 08.05. Köln, Museum Ludwig

Alle Infos, Tickets, Termine auf www.intro.de/intim.

Intro Intim …

Intro Intim Jenny Owen Youngs vs. Kevin Devine: Jenny über Kevin: »Ich habe mich am 6. Mai 2002 in Kevin verliebt, als ich ihn auf dem Coney Island High spielen sah. Seitdem verfolge ich ihn. Das meine ich wörtlich. Verfolgen. Sammeln. Archivieren. Ich habe von ihm bisher über 50 Zigarettenstummel, 18 leere Kaffeebecher und einige Haarproben. Ich kann’s kaum erwarten, mit ihm zu touren. Das wird meine Sammlung ungemein bereichern.« www.myspace.com/kevindevine Kevin über Jenny: »Ich habe seit Langem starke, wenn auch ambivalente Gefühle für Jenny. Sie flucht sehr viel – aber genau das war es, was mich damals dazu brachte, sie im Bibel-Unterricht anzusprechen. Es stimmt auch, dass

sie meinen Bruder am Altar hat stehen lassen, um mit so einer Dumpfbirne durchzubrennen. Aber das verzeihe ich ihr. Glaube ich. Die Tour wird sicher helfen, unsere freundschaftliche Beziehung zu vertiefen. Auch wenn vielleicht mal Tränen fließen.« www.myspace.com/jennyowenyoungs 19.05. Frankfurt/Main, Brotfabrik » 20.05. A-Wien, B 72 » 23.05. Fulda, Kulturzentrum Kreuz » 24.05. Leipzig, Moritzbastei » 25.05. Berlin, Lido (mit New Amsterdams) » 26.05. Hamburg, Fundbureau » 27.05. Dresden,

… auf der (Pop Up Leipzig mit Wolke, Ja, Panik, Lichter und dem Wolke-vs-IntroDJ-Team Oliver Minck (Wolke): »Auf unser Konzert bei der (Pop Up freu ich mich ganz besonders, denn wir sind nicht allein, sondern teilen uns die Bühne mit zwei anderen hervorragenden Bands: Lichter werde ich dann endlich auch mal live sehen, nachdem mich ihr dunkler und eigenständiger Gitarrenpop auf Platte schon seit ein paar Monaten bezaubert. Bei Ja, Panik aus Wien begeistert mich der Mut zum hysterischen Pessimismus. Teenage Angst und Popappeal – hier kommt zusammen, was zusammengehört.« www.myspace.com/weginsnichts, www.myspace.com/japanik www.myspace.com/lichtermusik

Beatpol » 28.05. Jena, Rosenkeller » 29.05. München, Feierwerk » 30.05. Köln, Blue Shell » 31.05. Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus

23.05. Leipzig, Ilses Erika


Melt! Klub

MELT! KLUB MIT INFADELS …

M

azda präsentiert die gesamte Europa-Tour der Londoner Infadels, die am 13.06. ihr neues Album »Universe In Reverse« (Wall Of Sound / PIAS) an den Start bringen. Ihr Hit »Can’t Get Enough« hat es dem japanischen Autohersteller dermaßen angetan, dass man ihn zudem als Soundtrack für den neuen Mazda-2-Spot nutzte. Im Mai spielen die Infadels nun exklusiv unter der Melt!-Klub-Flagge. Daniel Koch sprach mit Infadels-Sänger Bnann über das neue Album, ihren wilden Melt!-Auftritt vor zwei Jahren – und über das Reizthema Sponsoring. Ihr klingt auf dem neuem Album viel rockiger als bisher. Und auch eingängiger: Die Single (»Make Mistakes«) zum Beispiel macht sich sehr gut im Radio. Was genau ist eigentlich mit eurem Sound passiert? Findest du, dass der Sound so anders ist? Man hört meiner Meinung nach immer noch das, was uns persönlich inspiriert: Viel Rock’n’Roll, aber auch lauten Electro-Stuff. Das war und ist die Mischung, die uns ausmacht. Der Unterschied ist nur der, dass wir mehr Wert auf Songwriting gelegt haben. Ich habe die Songs diesmal klassisch auf der Akustikgitarre komponiert, vielleicht klingen sie deshalb kompakter. Außerdem hat unser Produzent Youth interessanten Input geliefert.

117

UND KLEE

Kannst du dich noch an den Melt!-Auftritt vor zwei Jahren erinnern? Der war ja super – aber ziemlich kurz. Klar, erinnere ich mich. Wir sind auf der Hinfahrt in einen Stau geraten und konnten nur noch auftreten, weil Hot Chip für uns ein paar Minuten abgezwackt haben. Wir sind dann ohne Soundcheck auf die Bühne, haben fünf Songs rausgehauen, und die Leute sind völlig durchgedreht. Wahnsinn. Wir hatten eine echt gute Zeit da: Gefrustet hin, wie neugeboren zurück. Und diese Bagger, wenn man sie nachts anschaut: spooky – but great. Hat euch eigentlich jemand übel genommen, dass ihr einen so großen Sponsor für diese EuropaTour habt? Das Problem ist ja, dass die Musikwelt nicht mehr so funktioniert wie noch vor ein paar Jahren. Wer kauft denn heute noch Musik? Wir sind eine Band. Wir wollen unsere Musik unter die Leute bringen. Und so über die Runden kommen, dass wir weiterhin Musik machen können. Deshalb freuen wir uns über diese Unterstützung. Wem das quer geht, der darf gerne eine Kampagne starten: »Kauft wieder mehr Alben!« Da machen wir dann gerne den Soundtrack zu. Mazda verlost für jeden Gig 5x2 Tickets. Einfach auf www.intro.de/infadels surfen und gewinnen. Viel Glück!

Ohne (viele) Worte: Klee-Sängerin Suzie Kerstgens bedankte sich 2006 mit diesem süßen Plakat bei den Melt!-Fans. Und kommt deshalb natürlich gerne wieder, um das neue Klee-Album exklusiv bei den Melt! Klubs vorzustellen.

Damenwahl mit Ladyhawke und Dillon Auch dabei: Ladyhawke, die von Bratzelectro über 80ies-Wave bis hin zu laszivem Pop so einiges auf dem Kasten hat. Nach dem Myspace-Buzz werden jetzt die Bühnen geentert (www.ladyhawkemusic.com). Wie passend: Dillon nannte sich zunächst Ladybird. Slut buchten sie als Gastsängerin, und Kitty-Yo forderte gleich eine EP, die nun auf den Namen »Ludwig« hört. Ihr Sound changiert dabei zwischen Lo-Fi-HipHop und zerbrechlich-elegischen Kinderliedern. www.myspace.com/ladybirdd

Melt! Klub mit Klee, Infadels, Dillon, Ladyhawke* 15.05. Berlin, Maria am Ostbahnhof 16.05. Hamburg, Uebel & Gefährlich* 17.05. Köln, Gloria* 19.05. Stuttgart, Keller Klub (nur Infadels) mit Robyn, DJ Supermarkt, The Moroders 24.05. Dresden, Showboxx


01 P

02 P

03 P

04 P

05 P

06 P

07 P

08 P

09 P

10 P

11 P

12 P

13 P

14 P

15 P

16 P

17 P

18 P

INTRO EMPFIEHLT 01 P Ian Brown Es mag am guruhaften Auftreten liegen, an den Hippie-Gewändern oder an seinem markanten Gesicht, auf dem sich auch niemals auch nur der Hauch eines Lächelns abzeichnet – Ian Brown hat etwas Messianisches an sich. Amen. 12.05. Köln, Gloria » 13.05. Hamburg, Grünspan » 14.05. Berlin, Columbia Club

02 P 10 Jahre 10 Monate 10 Tage Headquarter Langweilig, bloß immer die Nuller-Geburtstage als Jubiläum zu deklarieren. Die Agentur Headquarter, die bereits seit 1997 in Berlin und bundesweit Touren organisiert, feiert zwar auch ZehnerJubiläum, aber hoch drei. Glückwunsch! Mit Lali Puna, Why?, No Kids, We Are Wolves, White Williams, Prinzhorn Dance School, Bodi Bill, Prefuse 73, Junior Boys Djs, Tarwater Djs 11.05. Berlin, Volksbühne

03 P Digitalism Eine erdrutschartige Basswand, die den Boden vibrieren lässt. Frankophile Filtersounds kreischen wie ein Schwarm durchdrehender Pirole. Schwitzende Leiber zucken euphorisch. »Schuld« an dieser Szenerie sind natürlich: Digitalism. 06.05. Köln, Live Music Hall » 07.05. Berlin, Postbahnhof » 08.05. München, Muffathalle » 09.05. Nürnberg, Hirsch » 10.05. Hamburg, Vivo » 11.05. Pouch (bei Leipzig), Sputnik Spring Break

04 P Eagle*Seagull Die Band mit dem Sonderzeichen und »Photograph«! Aber natürlich darf man Eagle*Seagull nicht auf das Sternchen und ihren Coldplay’esken Dramahit reduzieren – die können mehr! Merkt jeder, der die Band mal live sieht. 24.05. Köln, Gebäude 9 » 25.05. Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus » 27.05. Stuttgart, Schocken » 29.05. München, 59to1 » 31.05. Dresden, Beatpol » 01.06. Berlin, Magnet Club

05 P Flowin Immo & Les Freaqz Die gedopeten Sacknasen, die heutzutage als »Rap« die Charts bevölkern, klingen ja inzwischen nur noch dumpf und mechanisch. Gut, dass es da noch Wortakrobaten wie Immo gibt, die sich den Beinamen ehrlich ersabbelt haben.

01.05. Berlin, 103 Club » 02.05. Wolfsburg, Hallenbad » 03.05. Bremen, Tower Musikclub » 06.05. Hamburg, LOGO » 08.05. Osnabrück, Bastard Club » 09.05. Erfurt, Centrum » 11.05. Nordhausen, Destille & 13.05. Frankfurt, Sinkkasten » 14.05. Aachen, Parkside » 15.05. Köln, MTC » 16.05. Mönchengladbach, Spielplatz Club » 17.05. Saarbrücken, Das Modul » 21.05. Würzburg, Pleicher Hof

06 P Moneybrother Ganz selbstverständlich hat sich Moneybrother Anders Wendin vom Sänger der smarten Ska-Punks Monster zum Indiefunksoulbrother Nummer #1 entwickelt. Auf »Mount Pleasure« ließ er dann gerne auch mal den Breitbeinrocker raushängen. Yeah! 12.05. Stuttgart, Kulturhaus-Arena » 13.05. Heidelberg, Karlstorbahnhof » 14.05. Lindau, Club Vaudeville » 15.05. Freiburg, Jazzhaus » 18.05. A-Linz, Posthof » 19.05. A-Salzburg, Rockhouse

07 P Navel »Am liebsten würden wir auf der Bühne schlafen«, sagen die Schweizer Jungspunde Navel. Was sich allerdings auf die Zeit nach ihren Auftritten bezieht, denn wenn die drei on stage loslegen, ist alles andere als schlafen angesagt. 01.05. Hamburg, Grüner Jäger » 02.05. Bochum, Matrix » 03.05. Köln, Underground » 04.05. Frankfurt/ Main, Nachtleben » 06.05. Berlin, Magnet Club » 07.05. München, 59to1 » 21.05. Osnabrück, Glanz & Gloria » 26.05. Stuttgart, Keller Klub » 28.05. Würzburg, AKW

10 P Puppetmastaz

15 P Vampire Weekend

Großmaul(wurf) Mr Maloke kämpft mit seiner 20-Puppen-Crew für die Rechte der Puppets. »Rhymes agains humanity«, die ziemlich deutlich die Überlegenheit der Handpuppe im HipHop zeigen. Da können talentfreie Menschen wie Bushido einpacken.

Die stets gut gekleideten Vampire Weekend liefern Drei-Minuten-Popsongs mit verspielten, afrikanisch angehauchten Gitarrenriffs statt ausufernder Ekstase. Weltmusik, das definitive Uncool von gestern, wird das Cool von morgen? Jau!

13.05. Köln, Stadtgarten » 14.05. Heidelberg, Karlstorbahnhof » 20.05. München, Ampere » 21.05. CH-Zürich, Tonimolkerei » 22.05. CH-Genf, L’Usine » 23.05. Augsburg, Ostwerk » 25.05. Hamburg, Knust

11 P Robyn Ausbeuterische Produzenten hören von Robyn so was: »You’re a selfish nacissistic psycho freaking bootlicking Nazi pimp and you can’t handle me!« Dabei packt sie ihre Wut in zuckersüße PopMelodien, die sich an die 80er-Popprinzessinnen anlehnen. 23.05. München, Freiheizhalle » 24.05. Dresden, Showboxx » 25.05. Düsseldorf, 3001

12 P Silver Jews Seufz, die Silver Jews. Die haben ja Textzeilen und Songs geschaffen, ohne die man nicht mehr leben kann. Songwriting auf hohem Niveau mit mal tieftraurigen, mal zynischen Texten, die mit holprigem Indie-Country gereicht werden. 20.05. Hamburg, Fabrik » 21.05. Berlin, Columbia Club » 22.05. Frankfurt/Main, Brotfabrik

08 P Scout Niblett

13 P The Boxer Rebellion

Scout Nibletts Songs kennen nur zwei Schlagrichtungen: aufs Maul und auf den Magen. Allein der Kontrast zwischen den gesäuselten, tief blickenden Vocals und dem Vollkontaktschlagzeug ist für beiläufige Hörer too much.

Gitarren, die sich gegenseitig in die Höhen schrauben, hektisch pumpende Drums und über all dem Nathan Nicholsons charismatisch-entrückter Gesang. Mit dem neuen Material sind sie zumindest musikalisch fit für den Sprung in die erste Britliga.

13.05. Wiesbaden, Schlachthof » 14.05. München, Die Registratur » 15.05. Schorndorf, Manufaktur » 16.05. Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus

09 P Pop-Abo mit Kinderzimmer Productions Vom Kinderzimmer ins Konzerthaus: Diesen Weg gehen die beiden Ulmer, pardon: U-Städter, in der Aprilausgabe des Pop-Abo. Intelligenter HipHop ist ja schon mal eher selten – und dann auch noch unplugged, das bekommt man nur in Dortmund geboten. 26.04. Dortmund, Konzerthaus

27.04. Berlin, Tacheles » 28.04. Hamburg, Molotow » 29.04. Köln, Underground » 30.04. München, 59to1

14 P The Notwist Sechs Jahre ohne frischen Notwist-Output! Eine Durststrecke, die nun endlich mit »The Devil, You + Me« ein Ende findet. Man hatte ja schon beim Gig auf dem Melt! 07 gemerkt, wie sehr man sich die nerdigen Weilheimer mit ihrem Bleep-Gitarren-Indie zurückwünscht. 28.04. A-Wien, Radiokulturhaus » 09.05. Berlin, Volksbühne » 16.05. München, Muffathalle

18.05. Köln, Luxor » 21.05. Hamburg, Knust » 22.05. Berlin, Maria am Ostbahnhof » 23.05. München, Atomic Café

16 P Why? »Ich stehe total auf mein Publikum«, so Yoni Wolf, Kopf der Folk-Popper-IndieHopper und auch Psych-Rocker. Und jeder, der einmal in den Genuss eines Why?-Konzertes gekommen ist, dürfte dieses Lob wohl ohne Zögern zurückgeben wollen. 06.05. Gießen, MuK » 07.05. NL-Amsterdam, Paradiso » 10.05. Hannover, Cafe Glocksee » 11.05. Berlin, Volksbühne » 21.05. Hamburg, Uebel & Gefährlich » 22.05. Köln, Gebäude 9 » 23.05. Leipzig, UT Connewitz » 24.05. München, Feierwerk » 31.05. Düdingen, Bad Bonn » 02.06. Dortmund, FZW

17 P Wolke Nach »Möbelstück« und »Sušenky« kommt jetzt schlicht und irgendwie auch logisch »Teil 3«. Wurde auch Zeit, dass sie nach ihren Pop-DolmetscherTätigkeiten auf 1Live endlich wieder das eigene Liedgut zelebrieren. 23.04. Frankfurt/Main, Das Bett » 24.04. Karlsruhe, Kohi » 25.04. Dortmund, Subrosa » 26.04. Aachen, Raststätte » 03.05. Köln, Tsunami Club » 10.05. Duisburg, Buschbrand » geht weiter!

18 P Xiu Xiu Jamie Stewart und seine Indies aus Oakland machen sich auf den Weg ins ferne Europa, um ihr sechstes Album »Woman As Lovers« auch hier live zu präsentieren. Musik aus zerrissenen Gefühlswelten – störrisch, aber wunderschön. 02.05. Berlin, Magnet Club » 05.05. Hamburg, Molotow

P

Für alle von uns präsentierten Touren verlosen wir 3x2 Tickets. Alle Touren, alle Acts, alle Clubs, alle Tickets, alle Locations:

www.intro.de


Leipzig (Pop Up

An einem Wochenende im Mai kommen all die Herzbluttäter der heimischen Indiewelt im schmucken Leipzig zusammen. Tagsüber wird an Tapetentischen gemeetet und gegreetet, abends geht’s dann in Locations wie das gemütliche Ilses Erika oder das fast schon legendär rontig-schmucke UT Connewitz. Das mit dem Line-up können die Veranstalter sehr gut, was in diesem Jahr zum Beispiel Die Zimmermänner, Figurines, Gebrüder Teichmann, Ragazzi oder The Jai-Alai Savant beweisen. Wenn sie es jetzt nur mal endlich mit der Rechtschreibung hinbekämen und das Ding nicht immer (Pop Up nennen würden. Aber gerade das macht ja das Liebenswerte dieser Veranstaltung aus: immer ein wenig neben der Norm zu liegen. Das volle Programm gibt’s unter www.leipzig-popup.de. Hier ein paar Auszüge: 22.-25.05. Leipzig, verschiedene Locations (mit Audrey, Björn Kleinhenz, Blind Terry, Bratze, Fotos, Filburt, I Might Be Wrong, In The Pines, Intro Dj-Team, Ja, Panik, Jeniferever, Joensuu 1685, Kevin Devine And The Godamn Band, Krink, Lichter, Mapache, Move D, Peasant, Regina, Saturday Looks Good To Me, Say Hi, Sevensol, Sir Simon Battle, Siva, Sketchbook, Southerly, The Black Atlantic, Windmill, Wolke)

Red Bull Tourbus: Jetzt Bewerben!

Wie wär’s mit einem eigenen Band-Nightliner? So richtig mit Motor, vollem Kühlschrank, Couch, Kojen – sogar mit amtlicher PA an Bord und Bühne auf dem Dach? Kein Ding! Wer sich als Band mal den Red Bull Tourbus unter den Nagel reißen will, um frei Schnauze wo immer man will und darf einen Guerilla-Gig zu spielen, kann sich ab sofort mit einem Bandvideo auf www.redbulltourbus.com bewerben. Bis zum 01. Juli heißt es dann: Fans mobilisieren und per Voting Fanclicks sammeln. Die drei besten Bands müssen sich der Jury stellen (Thees Uhlmann, Henning Wehland, Ken Jebsen), die entscheidet, wer den Bus vom 13. bis 23. August kapern darf. Übrigens sind vom 21. bis zum 29.05. Jupiter Jones mit dem Bus unterwegs. Tourdaten, Infos, Voting und Bewerbung unter www.redbulltourbus.com.


120 Das geht

Intro-Sputnik Magazin

P Empfohlen von Intro:

P Empfohlen von Intro:

P Empfohlen von Intro:

P Empfohlen von Intro:

10 Jahre 10 Monate 10 Tage Headquarter

Ian Brown

Helsinki Week

Lichter

12.-14.05. Alle Infos siehe S. 118

25.04. Berlin, 103 Club (mit Op:l Bastards) 26.04. Berlin, Magnet Club (mit 22 Pistepirrko, Judge Bone, Anssi8000 & Hot Coke) 29.04. Berlin, Quasimodo (mit M.A. Numminen, Sväng, Marko Haavisto & Poutahaukat)

24.04. Frankfurt / Main, Das Bett 25.04. Hamburg, Grüner Jäger 26.04. Bonn, Kult 41 09.05. Hannover, Kulturpalast Linden 10.05. Münster, Amp 11.05. Düsseldorf, Pretty Vacant 23.05. Leipzig, Ilses Erika

HushPuppies

Jamie Lidell

24.04. Hannover, Musikzentrum 25.04. Lingen, Alter Schlachthof 26.04. Hamburg, Molotow 27.04. Dortmund, FZW

10.05. Berlin, Admiralspalast 11.05. Frankfurt / M., Mousonturm 12.05. Hamburg, Uebel & Gefährlich 15.05. München, Die Registratur

P Empfohlen von Intro:

Scott Matthew

Intro Intim

11.05. Köln, Gloria 13.05. Frankfurt / Main, Mousonturm 14.05. Schorndorf, Manufaktur 19.05. München, Freiheizhalle

11.05. Alle Infos siehe S. 118 P Empfohlen von Intro:

11 Freunde Präsentiert: Die Königsklasse: Champions LeagueFinale (TV Lesung)

21.05. Berlin, Tempodrom 25.05. A-Wien, Gasometer www.tickets.de

mit Philipp Köster, Manuel Andrack, Lars Leese, Christoph Biermann, Daniela Schulz 21.05. Köln, Rheintriadem

Das schöne Leben

18th Dye 25.04. Potsdam, Waschhaus 23.05. Berlin, Lido

25 Jahre Haldern Pop

Wolke zu Gast beim Intro-Sputnik-Magazin

B

evor die EM alle Sinne trübt, spielt noch mal Musik die erste Geige. Kein Wunder: Im Mai kommen so viele Bands auf Tour wie selten sonst im Jahr, und mit der (Pop Up Messe in Leipzig steht auch noch ein eins a Indie-Event ins Haus, dem das Intro-Sputnik Magazin eine ganze Sendung widmen wird. Und die großen Themen dieses Heftes sind dort wie immer auch noch mal zu hören. Wie immer auch mit dabei: die SongBattles des Monats. Der Song, der beim Voting auf intro.de gewinnt, wird in der folgenden Sendung gespielt. Hier sind sie: 01.05. Sind wir nicht alle Seefahrer? Rummelsnuff »Halt durch!« vs. Tocotronic »Sailorman« 08.05. Jetzt hilft nur noch Wein The Cardigans »I Need Some Fine Wine And You, You Need To Be Nicer« vs. The National »All The Wine« 15.05. Scherenschnitt Cut City »Anticipation« vs. Cut Copy »Feel The Love« 22.05. Pop Up Pop Die Braut Haut Ins Auge »Pop ist tot« vs. Saalschutz & Egotronic »Mein Pop dein Pop« 29.05. Es werde Licht Lichter »Leerer Raum« vs. Lightspeed Champion »Tell Me What It’s Worth« Das Intro-Sputnik Magazin: jeden Donnerstag und Sonntag 21h bis 22h auf MDR Sputnik. Unter www.intro.de/sputnik auch als Podcast abonnierbar und via Player im Stream zu hören.

Nick Cave & The Bad Seeds

mit Loney, Dear, Guillemots, Soko, White Rabbits 08.05. München, Georg-Elser-Halle 09.05. Dresden, Beatpol 11.05. Frankfurt / M., Batschkapp 12.05. Berlin, Lido 13.05. Hamburg, Uebel & Gefährlich 14.05. Rees-Haldern, Gasthof Tepferdt www.tickets.de

(Konzert / Lesung) mit Christiane Rösinger, Andreas Spechtl, DJ Forestopper 13.05. Dresden, Scheune 14.05. Nürnberg, K 4 15.05. Köln, Gebäude 9 16.05. Heidelberg, Karlstorbahnhof 18.05. Frankfurt / Main, Brotfabrik

Alle Infos und Termine siehe S. 116 P Empfohlen von Intro:

Der Tante Renate 30.04. München, Backstage 01.05. Landau, Fatal 09.05. Paderborn, Cube Geht weiter!

Mediengruppe Telekommander 10.05. A-Wien, Fluc 17.05. Berlin, Kesselhaus 24.05. Bremen, Universität

P Empfohlen von Intro:

Digitalism

iTunes Festival

06.-10.05. Alle Infos siehe S. 118

mit Calvin Harris, Hot Chip, Klee, MGMT, Morcheeba, Hoosiers, Get Well Soon u. v. a. 26.04.- 10.05. Alle Infos siehe S. 35

P Empfohlen von Intro:

Jägermeister Rockliga Finale

P Empfohlen von Intro:

Mit Sparta, Mediengruppe Telekommander, Moneybrother, The Cinematics 17.05. Berlin, Kesselhaus

mit Body Bill* 24.04. Paderborn, Cube 25.04. Heidelberg, Zum Teufel 26.04. München, Feierwerk 23.05. Bayreuth, Glashaus* 24.05. Augsburg, Schwarzes Schaf

P Empfohlen von Intro:

Kristofer Aström

Dinosaur Jr.

mit The Brunettes* 21.04. A-Wien, Chelsea 22.04. München, Atomic Café 24.04. Dresden, Beatpol 25.04. Marburg, Kfz 26.04. Magdeburg, Projekt 7 27.04. Berlin, Babylon 29.04. Hamburg, Knust* 30.04. Kiel, Weltruf

20.05. Köln, Live Music Hall 21.05. Hamburg, Markthalle 22.05. Schorndorf, Manufaktur 23.05. München, Muffathalle

Bernd Begemann

P Empfohlen von Intro:

mit die Befreiung* 22.04. Marburg, Kfz 02.05. Hamburg, Knust* 23.05. Essen, Grend* 24.05. Bielefeld, Altstadt* Geht weiter!

Eagle*Seagull

Dockville-Gala mit Stereo Total, 1000 Robota, Ada, DJ Frank Spilker u. v. a. 23.05. Hamburg, Uebel & Gefährlich

Johnossi

P Empfohlen von Intro:

Gus Black mit Merz* 21.04. Ulm, Roxy 23.04. Stuttgart, Die Röhre 24.04. München, 59to1 25.04. Wuppertal, Live Club Barmen 26.04. Münster, Gleis 22 27.04. Hamburg, Logo 29.04. Dresden, Beatpol* 30.04. Berlin, Lido* 01.05. Osnabrück, Kleine Freiheit* 02.05. Halle, Objekt 5* 03.05. Köln, Blue Shell*

24.-31.05. Alle Infos siehe S. 118

Einstürzende Neubauten 13.05. Offenbach, Capitol 15.05. Hamburg, Laeiszhalle 16.05. Leipzig, Haus Auensee 17.05. München, Muffathalle 18.05. Köln, E-Werk 24.05. Berlin, Columbiahalle P Empfohlen von Intro:

mit Sibling Sense 21.04. Frankfurt / Main, Brotfabrik 22.04. Nürnberg, Hirsch 27.04. München, Georg-Elser-Halle 29.04. Berlin, Postbahnhof

P Empfohlen von Intro:

Flowin Immo & Les Freaqz 03.05.-01.07. Infos siehe S. 118

Blackmail

P Empfohlen von Intro:

28.04. Frankfurt / M., Batschkapp 29.04. Köln, Luxor 30.04. Bochum, Zeche 01.05. Hamburg, Uebel & Gefährlich 02.05. Erfurt, HsD 03.05. Berlin, Postbahnhof 04.05. Dresden, Alter Schlachthof 05.05. München, Backstage

Girls In Hawaii 22.04. Heidelberg, Karlstorbahnhof 23.04. Hamburg, Uebel & Gefährlich 25.04. Berlin, Lido 26.04. Dresden, Beatpol 28.04. A-Wien, Chelsea 29.04. München, Ampere 30.04. Leipzig, Nato

P Empfohlen von Intro:

Blood Red Shoes

Grand Island

26.04. Hamburg, Molotow (Club NME) 28.04. Köln, Gebäude 9 29.04. Dortmund, FZW 30.04. München, Atomic Café 06.05. Berlin, Maria am Ostbahnhof

22.05. Fulda, Kulturkeller 23.05. Heidelberg, Halle 02 24.05. Cottbus, Glad-House 25.05. Dresden, Beatpol 26.05. Hamburg, Hafenklang 26.05. Hamburg, Frau Hedi 27.05. Berlin, Festsaal Kreuzberg

15.-19.05. Alle Infos und Termine siehe S. 117

MIT

P Empfohlen von Intro:

Moneybrother 12.-15.05. Alle Infos siehe S. 118 P Empfohlen von Intro:

Karpatenhund

Morcheeba

26.04. Lüdenscheid, Alte Druckerei 30.04. Viersen, Conny’s Come In 01.05. Dortmund, Bakuda 11.05. Schönborn, Waldbühne 23.05. Bad Berleburg, Schützenplatz Geht weiter!

24.04. Ludwigshafen, Das Haus 05.05. Hamburg, Grünspan 06.05. Berlin, Passionskirche 09.05. Köln, Gloria

Flash! 02.05. Köln, Luxor Geht weiter!

Melt! Klub im Mai

Kettcar mit Ola Podrida* 21.04. Hamburg, Knust 22.04. Hamburg, D-Club 23.04. Hamburg, Fabrik 24.04. Hamburg, Markthalle 30.04. Rostock, Mau-Club 01.05. Leipzig, Haus Auensee 02.05. Essen, Weststadthalle 03.05. Osnabrück, Hyde Park 04.05. Braunschweig, Jolly Joker 05.05. Saarbrücken, Garage 06.05. Stuttgart, LKA-Longhorn 07.05. A-Wien, Arena 08.05. München, Tonhalle München* 09.05. Köln, E-Werk* 10.05. Berlin, Columbiahalle* 11.05. Wiesbaden, Schlachthof* Geht weiter!

Klang Klang Klang Showcase zur Pop Up Leipzig mit Jeniferever, Windmill, Björn Kleinhenz, I Might Be Wrong 24.05. Leipzig, UT Connewitz

P Empfohlen von Intro:

Motorpsycho 17.05. Berlin, Postbahnhof 18.05. Köln, Live Music Hall 20.05. München, Backstage 30.05. Bremen, Schlachthof 31.05. Hamburg, Fabrik

Muff Potter 07.05. Berlin, Lido 08.05. Hamburg, Uebel & Gefährlich 09.05. Kaiserslautern, Kammgarn 10.05. Münster, Skater’s Palace 11.05. Jena, Kassablanca Gleis 1

MuVi-Party mit Jan Jelinek, DJ Acid Pauli 03.05. Oberhausen, Fabrik K14

Nada Surf mit Bell X1 03.05. Nürnberg, Hirsch 04.05. Aschaffenburg, Colos-Saal P Empfohlen von Intro:

Navel 01.-28-05. Alle Infos siehe S. 118 P Empfohlen von Intro:

Scout Niblett 10.-16.05. Alle Infos siehe S. 118

Bratze

Gravenhurst

P Empfohlen von Intro:

mit Bonaparte 24.04. Berlin, ZMF 25.04. Greifswald, Geographenkeller 26.04. Neubrandenburg, Zebra 20.05. Potsdam, NilStudentinnenkeller 21.05. Wiesbaden, Schlachthof* 22.05. Hannover, Indiego Glocksee 23.05. Leipzig, Halle 5 24.05. Bremen, Universität Geht weiter!

22.04. Nürnberg, K 4 23.04. Dresden, Puschkin 24.04. Wiesbaden, Schlachthof 25.04. Weinheim, Café Central 26.04. Hannover, Cafe Glocksee 27.04. Bielefeld, Forum

Kleinstadthelden

P Empfohlen von Intro:

17.05. Wolfsburg, Jugendhaus Ost 22.05. Oberhausen, Druckluft 23.05. Idar-Oberstein, Juz-Depot 24.05. Trier, Exzellenzhaus 25.05. Koblenz, Circus Maximus 26.05. Saarbrücken, Garage Geht weiter!

Pop-Abo

P Empfohlen von Intro:

P Empfohlen von Intro:

Leipzig (Pop Up

Robyn

22.-25.05. Alle Infos siehe S. 119

23.-25.05. Alle Infos siehe S. 118

Haute Areal Labelnight Coma DJs, MIT, The Aim Of Design Is To Define Space, Werle & Stankowski u. a. 31.05. Berlin, 103 Club

mit Kinderzimmer Productions 26.04. Alle Infos siehe S. 118 P Empfohlen von Intro:

Puppetmastaz 13.-25.05. Alle Infos siehe S. 118


Tele

The Young Knives

mit Wagner Love* 21.04. Hannover, Indiego Glocksee 22.04. Frankfurt / M., Nachtleben 23.04. Fulda, Kulturkeller 24.04. Freiburg, Waldsee 26.04. Bischofswerda, Eastclub*

27.04. Hamburg, Molotow

Red Bull Tourbus

These New Puritans

mit Jupiter Jones 21.-29.05. Alle Termine auf www.redbulltourbus.com

07.05. Hamburg, Grüner Jäger 08.05. Berlin, Magnet Club 09.05. Köln, Die Werkstatt 10.05. München, Babalu

P Empfohlen von Intro:

Charlotte Roche

The Audience

(Lesung) 21.04. Bremen, Schlachthof 22.04. Osnabrück, Lagerhalle 23.04. Bünde, Universum 24.04. Oldenburg, Harmonie 27.04. Hildesheim, Kulturf. Löseke 28.04. Göttingen, Junges Theater 29.04. Braunschweig, Spiegelzelt 02.05. Darmstadt, Centralstation

30.04. Hamburg, Molotow 03.05. Chemnitz, Atomino 22.05. Heidelberg, Zum Teufel P Empfohlen von Intro:

The Boxer Rebellion 27.-30.04. Alle Infos siehe S. 118

The Breeders 22.04. Köln, Luxor

P Empfohlen von Intro: P Empfohlen von Intro:

The Duke Spirit 28.05. Köln, Gebäude 9 29.05. München, Atomic Café Geht weiter!

Amanda Rogers 15.05. Hannover, Feinkost Lampe 16.05. Berlin, Magnet Club 17.05. Kiel, Prinz Willy 19.05. Hamburg, Hafenklang 20.05. Würzburg, Jugendkulturhaus Cairo 21.05. Bielefeld, Forum 22.05. Aachen, AZ 23.05. Neunkirchen, Juz 24.05. Karlsruhe, Jubez Geht weiter!

Rogue Wave 15.05. Köln, Luxor 16.05. Hamburg, Knust 17.05. Berlin, Lido

Mark Ronson & The Version Players 13.05. Berlin, Postbahnhof 15.05. Köln, Live Music Hall

The Hidden Cameras & Der Münchener Fußballchor 28.04. München, Freiheizhalle 29.04. Köln, Gloria 01.05. Berlin, Maria am Ostbahnh. 26.05. Schorndorf, Manufaktur

P Empfohlen von Intro:

T-Mobile Street Gig mit Maximo Park Diesmal haben sich die Street Gigs aber auch wirklich mal selbst übertroffen. Nicht nur, dass Newcastles liebste Hutund Scheitelträger Maximo Park eine tolle Besetzung sind, auch die Location sucht wieder mal seinesgleichen: Paul Smith und Co. in einem Burggraben?! Das klingt so irre, das muss man mal gesehen haben. Also, schnell um Tickets bewerben auf www.t-mobile-streetgigs.de. 29.05. Nürnberg, Burggraben Kaiserburg

Tocotronic 22.04. Ulm, Roxy 23.04. Jena, Kassablanca Gleis 1 24.04. Braunschweig, Meier Music Hall 25.04. Potsdam, Waschhaus

Trail Of Dead 19.05. Schorndorf, Manufaktur 24.05. Saarbrücken, Garage 25.05. Düsseldorf, Zakk

The Hoosiers 03.05. Hamburg, Uebel & Gefährlich 05.05. Frankfurt / M., Batschkapp 06.05. München, Georg-ElserHalle 07.05. Köln, Luxor

The Long Blondes mit The Lodger 02.05. Osnabrück, Glanz & Gloria 04.05. Hamburg, Knust 05.05. Berlin, Lido 06.05. Köln, Luxor 07.05. München, Atomic Café

Turin Brakes mit Tift Meritt 17.05. Hamburg, Grünspan 18.05. Bochum, Zeche 19.05. Heidelberg, Karlstorbhf. 20.05. Nürnberg, Hirsch 21.05. Berlin, Lido P Empfohlen von Intro:

Vampire Weekend 18.-28.05. Alle Infos siehe S. 118

Ween 12.05. Köln, Live Music Hall

The Mae Shi P Empfohlen von Intro:

Rummelsnuff

28.05. Hamburg, Molotow 29.05. Berlin, West Germany

25.04. Hamburg, Uebel & Gefährlich 15.05. Jena, Rosenkeller 16.05. Cottbus, Glad-House

P Empfohlen von Intro:

We Are Scientists 29.04. Heidelberg, Karlstorbhf. 05.05. Leipzig, Conne Island 06.05. Berlin, Postbahnhof 08.05. Stuttgart, Die Röhre

Shellac

P Empfohlen von Intro:

mit Allroh* 02.05. Berlin, Maria am Ostbahnhof* 03.05. Dresden, Scheune* 07.05. A-Wien, Szene

Why? 06.-24.05. Alle Infos siehe S. 118 P Empfohlen von Intro:

The New Amsterdams

Wolke 23.-10.05. Alle Infos siehe S. 118

mit Rosie Thomas, Nicolai Dunger, Josh Ottum 22.04. Frankfurt / Main, Das Bett 24.04. Leipzig, Panam 25.04. Magdeburg, Oli-Lichtspiele 26.04. Berlin, Maschinenhaus

mit Kevin Devine* 22.05. Wiesbaden, Schlachthof 23.05. Köln, Gebäude 9 24.05. Münster, Gleis 22 25.05. Berlin, Lido* 27.05. München, Orangehouse 28.05. A-Wien, B 72 29.05. Heidelberg, Karlstorbahnhof 30.05. Dresden, Beatpol 31.05. Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus*

Slut

P Empfohlen von Intro:

30.04. Dresden, Kleines Haus

The Notwist

Heinz Strunk (Lesung)

28.04.-16.05. Alle Infos siehe S. 118

P Empfohlen von Intro:

Silver Jews 20.-22.05. Alle Infos siehe S. 118

Sit Down And Sing

05.05. Hannover, Apollo 06.05. Magdeburg, Moritzhof 07.05. Berlin, Kino in der Kulturbrauerei 08.05. Hamburg, Fabrik P Empfohlen von Intro:

Superpunk 26.04. Trier, Exzellenzhaus

Studio Braun 27.05. Oldenburg, Kulturetage 28.05. Lüneburg, VamosKulturhalle

The Skatalites 06.05. Krefeld, Kulturfabrik 12.05. Hamburg, Fabrik 23.05. Berlin, Kesselhaus

The Victorian English Gentlemens Club mit This Is Pop* 21.04. Hannover, Kulturpalast Linden* 27.04. Freiburg, White Rabbit 29.04. Hamburg, Hafenklang 30.04. Köln, Subway

P Empfohlen von Intro:

Xiu Xiu 02.-05.05. Alle Infos siehe S. 118 P Empfohlen von Intro:

Gisbert zu Knyphausen 30.04. Hamburg, Uebel & Gefährlich 03.05. Berlin, L.U.X 04.05. Dresden, Bärenzwinger 05.05. Erbach, Weingut Baron Knyphausen 06.05. Karlsruhe, Nun 07.05. Freiburg, White Rabbit 08.05. Bayreuth, Glashaus 09.05. München, Cord 13.05. Frankfurt / Main, Das Bett 14.05. Köln, Stereo Wonderland 16.05. Essen, Hotel Shanghai 17.05. Münster, Amp

Die kommen, die Touren: B-52 (15.-16.07.) Beck (27.06.) Bob Mould (02.-07.06.) Video Games live (20.08.)


122 Festivalguide

Primavera Sound

FANPERSPEKTIVE: HURRICANE Damit hier nicht immer die »beruflichen« Festivalgänger ihre Ich-hab-schon-jedesFestival-gesehen-Texte raushauen, haben ab sofort auch die Gäste das Wort. Diesmal Stephan Dölden (27) aus Hamburg über das Hurricane:

V

on einem Teil meines Freundeskreises muss ich mir immer doofe Sprüche anhören, weil ich seit mittlerweile zehn Jahren zum Hurricane fahre. Die heulen dann immer, dass das doch viel zu groß sei, die Leute zu laut, zu viele »große Namen«, die man eh nicht mehr sehen wolle. So Gesaller halt. Ich kann’s wirklich nicht mehr hören! Erst mal: Für ein Festival in der Größenordnung ist das Hurricane noch relativ entspannt, egal, ob beim Campen, Duschen oder vor der Bühne. Klar kann man Pech mit den Nachbarn haben, aber das ist mir auf dem Immergut auch schon passiert. Und zweitens: Das Line-up sollte doch wohl jeden Zweifler überzeugen, oder? Wen man mit den Jahren schon gesehen hat: Death Cab For Cutie, Massive Attack, damals im Zelt Madrugada, Sigur Rós mit einem bewusstseinserweiternden Mondscheingig. Klar, Rammstein und System Of A Down habe ich ausfallen lassen. Muss ja auch nicht sein.

Und was kommt in diesem Jahr? Radiohead als Headliner! Geht’s besser? Dazu dann noch die Foals, Weakerthans, Notwist, Kettcar, Chemical Brothers, die völlig süßen Operator Please. Ich seh’s schon kommen: Vor lauter Gigs komme ich wieder nicht dazu, mich über meine blöden Freunde aufzuregen, die dann zu Hause sitzen und hoffentlich mal kurz zweifeln, ob ihre Entscheidung die richtige war.

Foto: Jazz Archiv Hamburg

Sommer, Sonne und kaum Strand – aber dafür Musik nonstop. Und zwar nur die gute. Das gibt’s auf diesem Festival inmitten Barcelonas. Thomas Venker traf Programmdirektor Pablo Soler auf einzweidrei Bier und einen Plausch: Du bist von Anfang an beim Primavera dabei. Was ist denn die bis dato beste Tratsch-Geschichte? Da ich gebrochene Knochen sehr mag, ist es eine meiner Lieblingserinnerungen, wie der kanadische Booker und Bandmanager Alex Lemieux auf einem Stuhl tanzte, während seine Band Les Georges Leningrad spielte. Er fiel und brach sich die Schulter. Der spanische Festivalmarkt gilt als sehr hart. Immer mehr Festivals drängen auf den Markt. Ist dem so? Das stimmt schon, aber ich bin da selbstbewusst: Primavera Sound hat einen soliden Hintergrund. Wir halten uns nicht mit der Konkurrenz auf, sondern konzentrieren uns auf unser eigenes Line-up. Wichtig ist, nicht nur Headliner zu holen, sondern ein durch und durch starkes Programm zu basteln. Und auf wen freust du dich dieses Jahr besonders? Cat Power (Foto), Vampire Weekend, Mary Weiss, The Sonics, Animal Collective, El Guincho, Caribou, Devo, DJ Assault, Grande Marlaska, Health, Les Savy Fav, MGMT, Mount Eerie, No Age, Public Enemy, The Rumble Strips ... 29.-31. Mai, Parc Del Forum in E-Barcelona Hurricane / Southside

Cat Power, Deerhunter, Holly Golightly, Les Savy

22.-26. Juni, Eichenring in Scheeßel / Flugplatz in Neuhausen ob Eck

Fav, Menomena, Mission Of Burma, Okkervil River,

Beatsteaks, Biffy Clyro, Black Rebel Motorcycle Club, Calexico, Deichkind,

Portishead, Public Enemy, Rufus Wainwright,

Digitalism, Does It Offend You, Yeah?, Elbow, Foals, Foo Fighters, Kaiser

Scout Niblett, Silver Jews u. a.; VVK: EUR 135

Chiefs, Kettcar, Maximo Park, Operator Please, Radiohead, Razorlight, Sigur Rós, Slut, Tegan And Sara, The Chemical Brothers, The Notwist, The Weakerthans, The Wombats, Tocotronic, Turbostaat u. a.; VVK: EUR 110;

(Festivalticket), EUR 50 (Tagesticket); www. primaverasound.com

www.hurricane.de / www.southside.de

Catpower-Foto:

Pfingst-Open-Air Werden

Dominik Gigler

Pfingsten mit Evan Dando. Das ist doch mal eine wunderschöne Vorstellung. Kann man aber auch in echt haben. Nämlich auf dem eintägigen Festival in Werden. Schon seit 1980 findet in dem historischen Essener Stadtviertel diese feine Veranstaltung statt. Wobei Werden erst seit 1929 zu Essen gehört, oder, wie es Wolfgang Clement mal schön schenkelklopfend sagte: »Es ist nun einmal so, dass Werden schon geworden war, als Essen noch im Werden war.« Hat man wieder was gelernt. Die Lemonheads geben in diesem Jahr verdientermaßen den Headliner, vorher gibt es zum Beispiel feinen Indiefolk-Blues von den Two Gallants oder fast schon historischen Hardcore von Ignite. 12. Mai, ehemaliges Strandbad in Essen-Werden Born From Pain, Dead Bohemes, Dubnova, El Cáñamo, Fidget, Ignite, Martin Landsky, Modern Walker, Schallschleuser, The Lemonheads, Thoughts Paint The Sky, Tim Krischak, Tim Querengaesser, Two Gallants; VVK: Eintritt frei; www.openair-werden.de


Festivalguide

123

Festivals in Österreich Wenn man die heimische Festivallandschaft schon abgegrast hat, empfiehlt es sich, doch mal die »Wiesn« der Nachbarländer zu kosten. Sehr nahe liegend: Österreich. Wer’s clubbig und meltig mag, sollte das Urban Art Forms in Wiesen im Burgenland oder das Springeight in Graz ausprobieren. Wer die großen Namen mag, teste das etablierte Nova Rock in Nickelsdorf. Und damit es auch mit der Verständigung klappt, hier ein paar Vokabeln: Bist scho leicht antschechat? (Bist du schon leicht angetrunken?)

MOERS FESTIVAL 08

Na, i bin blunzenfett. (Nein, ich bin total hacke.)

Man sagt ja schnell, man sei in Sachen Musikgeschmack »open-minded«. Ob dem wirklich so ist, kann man Pfingsten wieder auf dem moers 08 testen. Drei Fragen an Pressesprecherin Kornelia Vossebein.

I tät ja gern ma den festen Traktor oder die Feurige da budern. (Ich würd ja gerne mal diese dralle Bauerstochter oder die Rothaarige da ...)

I

hr lauft als Jazzfestival, habt aber ein ziemlich experimentierfreudiges Programm, das auch Prog Rock und in diesem Jahr sogar Oi und Ska eine Chance gibt. Warum habt ihr so gar keine Berührungsängste? Das ist ja die Idee des moers festivals: gute Musik zu präsentieren, jenseits von Genres und Kategorisierungen. Wir suchen das Experiment und die Grenzüberschreitungen. Unsere idealen Gäste sind deshalb Leute, die keine Scheuklappen haben und sich in erster Linie für gute Musik begeistern. Der sogenannte Jazz war ja auch nie eine in sich geschlossene Musikform, sondern lebte immer vom Austausch mit anderen Musikstilen. Trotzdem sind eure Genreabschweifungen ja ziemlich geschmackssicher, ihr habt z. B. Battles oder Dälek an Bord. Wie geratet ihr an solche Acts? Danke für das Lob! Unser künstlerischer Leiter Reiner Michalke ist da sehr neugierig. Er reist unglaublich viel und besucht andere Festivals wie das Sónar in Spanien, Victoriaville in Kanada oder das Punkt

in Norwegen. Und er spricht ständig mit Kollegen, Journalisten und Labelmachern. Außerdem empfehlen die Musiker selbst oft besonders innovative Kollegen. Cornelius war im letzten Jahr z. B. auf Empfehlung von Arto Lindsay da. Gibt es Acts im Line-up, wo ihr sagt: Das wäre eine gute Einstiegsdroge für jemand, der es sonst nur mit Gitarre mag? Unser Tipp: zur Einstimmung die Campbell Brothers am Freitag, das ist unglaublicher Gospel-Soul-Jazz-Halleluja-Sound auf Steel-Gitarren, dann am Samstag natürlich Battles, am Sonntag Dälek und Montag unbedingt Supersilent mit der Gitarrenlegende Terje Rypdal.

Schau ma, was’n feschen Indie-Wuckl! (Siehst du den Indie-Schönling da?)

09.-12. Mai, Zirkuszelt im Freizeitpark (Krefelder Straße) in Moers

Urban Art Forms

Angelika Niescier, Avishai Cohen Roots Project, Battles, Caito Marcondes

29.-31. Mai, Wiesen Extended in A-Wiesen

Connecting Orchestra, Campbell Brothers, Cecil Taylor, Crossroads,

2raumwohnung, Anthony Rother, Chris Liebing,

Dälek, John Zorn, Samúel Jón Samúelsson Big Band, Supersilent feat.

Commix, CONCEPT, CPU, David Carretta, Digitalism,

Terje Rypdal, Theo Bleckmann, The Either Orchestra, The Peter Evans

DJ Hell, Felix Kröcher, Groove Armada, GusGus,

Quartet, Tony Oxley, Ttukunak u. a.; VVK: EUR 75; www.moers-festival.de

Kosheen, LCD Soundsystem DJ-Set, Lützenkirchen,

Komm, geh’ ma a Hüsn zwickn! (Lass uns ein Bier trinken gehen.) Das wird a Potznweda! (Da kommt ein ziemliches Gewitter.) I geh ma brunzen. (Ich geh mal pinkeln.)

Moonbootica, Roni Size, Tiefschwarz, Timo Maas u. a.; VVK: EUR 79 (Festivalticket), EUR 44 (Tagesticket); www.urbanartforms.com

Sónar Festival

Springeight 21.-25. Mai, verschiedene Locations in A-Graz

Und noch mal Barcelona. »Die stilistische Vielfalt des Sónar ist extrem inspirierend«, so sprach es Richie Hawtin, den man ruhigen Gewissens als Sonár-Stammgast bezeichnen kann. Und Pressesprecherin Georgia Taglietti formuliert es so: »Populäre Künstler sollen die Ausnahme bleiben. Für uns ist es wichtig, dass der experimentelle Charakter erhalten bleibt. In dieser Stadt ist nichts anderes vorstellbar.« Experimentell geht es nicht nur auf dem Sónar zu, sondern auch bei der Furcht einflößenden Werbekampagne (siehe Foto). Mit Fake-YouTube-Videos, die angeblich in einem chinesischen Genlabor gemacht wurden, zeigte man die »Haustiere der Zukunft« – und lüftete das Geheimnis erst ein paar Wochen und 180.000 Clicks später.

DJ Mehdi, Dub Pistols, Louie Austen, MC LowQui, Robert Owens, Róisín Murphy, Roni Size mit Reprazent, Shantel, The Streets, Whighnomy Brothers u. a.; VVK: EUR 68 (Festivalticket), EUR 22 (Tagesticket); www.springfestival.at

Nova Rock 13.-15. Juni, Pannonia Fields II in A-Nickelsdorf Ash, Beatsteaks, Die Ärzte, Incubus, Judas Priest, Linkin Park, Motörhead, RATM, Sex Pistols, The Verve, The Weakerthans u. a.; VVK: EUR 99; www.novarock.at

19.-21. Juni, Centre de Cultura Contemporánea in E-Barcelona Antipop Consortium, Goldfrapp, Hercules And Love Affair, Madness, M.I.A., Miss Kittin, Neon Neon, Richie Hawtin, Róisín Murphy, The Pinker Tones u. a.; VVK: EUR 140 (Festivalticket), EUR 30 (Tagesticket); www.sonar.es

Alle Festivals, alle Acts, alle Infos: www.festivalguide.de


124 Festivalguide

Festivals im Mai

Pinkpop

Bochum Total

Melt!

Haldern Pop

Dockville

Foo Fighters, RATM, Metallica, The Verve u. a. 30.05.-01.06. NL-Landgraaf

03.-06.07. Bochum

Immergut

Flaming Lips, Editors, Okkervil River, The National, Joan As Police Woman, Yeasayer, Iron & Wine u. a. 07.-09.08. Rees-Haldern

Fettes Brot, Tomte u. a. 15.-17.08. Hamburg

Helsinkissberlin

Björk, Franz Ferdinand, dEUS, Róisín Murphy, Editors, Kate Nash, Zoot Woman, Notwist, Uffie & DJ Feadz u. a. 18.-20.07. Gräfenhainichen

Amphi

Mamallapuram

And One, Oomph!, Project Pitchfork, Covenant u. a. 19.-20.07. Köln

Delbo, Björn Kleinhenz u. a. 08.-09.08. Storkow

Chiemsee Reggae Summer

Taubertal

Shaggy, Culcha Candela 22.-24.08. Übersee

01.04.-04.05. Berlin

Baltic Soul Weekender

Notwist, Lemonheads, Slut, The Weakerthans, Studio Braun u. a. 30.-31.05. Neustrelitz

Smudo, Mousse T., Disco Boys, Hans Nieswandt, Jazzanova u. a. 25.-27.04. Weißenhäuser Strand

Mayday Paul Van Dyk, Sven Väth, Chris Liebing, Dominik Eulberg, Alter Ego, Moonbootica u. a. 30.04. Dortmund

Nuits Sonores Battles, Underworld, Buzzcocks, Wire, Laurent Garnier u. a. 07.-11.05. F-Lyon

Orange Blossom Special The Audience, Scout Niblett u. a. 08.-11.05. Beverungen

Open Ohr Asian Dub Foundation, Turbostaat, Ohrbooten u. a. 09.-12.05. Mainz

Wave-Gotik-Treffen Covenant, London After Midnight, Neuroticfish, Welle:Erdball, Unheilig u. a. 09.-12.05. Leipzig

Passauer PfingstOpen-Air Monebrother, Agnostic Front, Nosliw, Ohrbooten, Shantel & Bucovina Club Orkestar, Turbostaat, Fotos u. a. 09.-11.05. Hauzenberg

Sputnik Spring Break Deichkind, Wir Sind Helden, Northern Lite, Digitalism, Moonbootica, Troy Pierce, Wighnomy Brothers u. a. 10.-12.05. Pouch

Citadel Music-Festival Stooges, Rage Against The Machine, Chemical Brothers u. a. 30.05.-31.08. Berlin

Zita-Rock Subway To Sally, Unheilig u. a. 31.05. Berlin

With Full Force Machine Head, In Flames, The Cavalera Conspiracy, Ministry, Biohazard u. a. 04.-06.07. Löbnitz

La Pampa

Die kommen, die Festivals

Polarkreis 18, The Fashion, Urlaub In Polen, u. a. 04.-06.07. Hagenwerder

19.07. Dortmund Dendemann, Kilians, Fotos u. a. 04.-05.07. Lingen

Rock The Race Die Fantastischen Vier, 2raumwohnung u. a. 06.-08.06. Oschersleben

Rock im Park / Rock am Ring Metallica, Die Toten Hosen, Bullet For My Valentine, Rage Against The Machine, Bad Religion, Incubus, The Prodigy u. a. 06.-08.06. Nürnberg / Nürburg

Loveparade

Abifestival

Summerjam Shaggy, Clueso, Culcha Candela, Common, Shantel u. a. 04.-06.07. Köln

MTV Hiphop Open Dynamite Deluxe, Ice Cube, Culcha Candela, Sido u. a. 19.07. Stuttgart

Fest van Cleef

05.07. Bonn

Kettcar, Tomte, Niels Frevert, Voxtrot, Robocop Kraus u. a. 25.-27.07. Mannheim, Köln, Großefehn

Wacken Rocks Seaside

Berlin-Festival

Motörhead, Machine Head u.a. 05.07. Aurich

25.-26.07. Berlin

Rheinkultur

Omas Teich Greenfield

Exit

Die Ärzte, Linkin Park, u. a. 13.-15.06. CH-Interlaken

10.-13.07. YU-Novi Sad

Goose, Turbostaat, Ghost Of Tom Joad u. a. 25.-26.07. Großefehn

Obstwiesen Fete De La Musique

26.-29.06. Lärz

Tollwood-Festival Gentleman, Wir Sind Helden, Helge Schneider u. a. 26.06.-20.07. München

MTV Campus Invasions Patrice*, Nada Surf*, Clueso**, Sportfreunde Stiller***, The Subways***, K.I.Z.*** 28.06. Jena*, 12.07. Tübingen**, 19.07. Kiel***

Ruhr In Love Chris Liebing, Felix Kröcher, Moonbootica, Phil Fuldner u. a. 28.06. Oberhausen

Roskilde Radiohead, The Chemical Brothers, Slayer, Neil Young, M.I.A. u. a. 03.-06.07. DK-Roskilde

Open Flair The Hives, Fettes Brot, Blackmail, The Futureheads u. a. 08.-10.08. Eschwege

Madsen, Goose u. a. 15.-16.08. Hoyerswerda

Hip Hop Kemp The Roots, Atmosphere, Kool Savas u. a. 22.-24.08. CZ-Hradec Kralove (Königgrätz)

Rocken am Brocken Fotos, Turbostaat u. a. 22.-23.08. Elend

SonneMondSterne Massive Attack, Moby, Fettes Brot, Sven Väth, Deichkind, Simian Mobile Disco u. a. 08.-10.08. Saalburg

Mini Rock Ghost Of Tom Joad u. a. 22.-23.08. Horb / Neckar

Rocco Del Schlacko Appletree GardenFestival

Turbonegro, Donots, Madsen u. a. 22.-23.08. Köllerbach

Kilians u. a. 08.-09.08. Diepholz-Lüdersbusch

Open Source 23.08. Düsseldorf

Olgas-Rock

10.-12.07. Dornstadt

Wacken-Open-Air

08.-09.08. Oberhausen

Area 4 Die Ärzte u. a.

Splash!

Iron Maiden, Nightwish u. a. 31.07.-02.08. Wacken

M’era Luna

29.-31.08. Lüdinghausen

Summer Spirit

01.-03.08. Cavertitz

VNV Nation, ASP, Unheilig, Apocalyptica 09.-10.08. Hildesheim

Nature One

Sziget

Rock am See

Paul Van Dyk, Sven Väth, Chris Liebing, Westbam u. a. 01.-03.08. Kastellaun

Iron Maiden, R.E.M. u. a. 12.-18.08. H-Budapest

30.08. Konstanz

21.06. Berlin

Fusion

Die Ärzte, The Hives, Fettes Brot u. a. 08.-10.08. Rothenburg ob der Tauber

Populario

Jay-Z, Shaggy, Dynamite Deluxe, Culcha Candela, Jan Delay & Disko No. 1, Ice Cube u. a. 11.-13.07. Pouch

Phono-Pop Slut, Mardi Gras BB, Jeans Team, Die Türen u. a. 11.-12.07. Rüsselsheim

S.O.M.A. - Summer Of Music & Arts

Nachtdigital

c/o pop

SWR3-New-PopFestival

Sonnenrot

13.-17.08. Köln

18.-20.09. Baden-Baden

Chikinki, Donots u. a. 01.-02.08. Gelting

FM4 Frequency

Reeperbahn-Festival

R.E.M., The Hives, Babyshambles, Maximo Park, Iron & Wine u. a. 14.-16.08. A-Hof

25.-27.09. Hamburg

11.-13.07. Köln

Trebur-Open-Air Festival Internacional De Benicàssim 17.-20.07. E-Benicàssim

29.-31.08. Niedergörsdorf

Tomte, Turbostaat, Kilians, Jennifer Rostock, Dúné, Flowin Immo u. a. 01.-03.08. Trebur

04.10. Dortmund

Afrika-Karibik-Festival

The Raveonettes, The Fall, Woven Hand, Roni Size u. a. 17.-20.07. B-Dour

Prima Leben Und Stereo

Jan Delay, Shaggy, Gentleman, Ohrbooten u. a. 14.-17.08. Aschaffenburg

Anajo u. a. 01.-02.08. Freising

Highfield

Summercase

Juicy Beats

18.-19.07. E-Madrid, Barcelona

02.08. Dortmund

Dour

Syndicate

Die Ärzte, Sportfreunde Stiller, The Hives u. a. 15.-17.08. Hohenfelden

Popkomm-Festival 08.-11.10. Berlin

Alle Festivals, alle Infos: www.festivalguide.de

JÄGERMEISTER ROCKLIGA: FINALE! Noch bevor man im sommerlichen EM-Rausch »Finaaaale!« rufend durch die Straßen der Hauptstadt ziehen kann, hat man bereits am 17. Mai die Chance dazu. Zumindest in der näheren Umgebung des Kesselhauses in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg wird einem das niemand krumm nehmen. Eher wird man vielleicht gefragt: »Sparta? Moneybrother (Foto)? Mediengruppe Telekommander? Oder The Cinematics?« Das sind nämlich die vier Kandidaten, die im Kesselhaus das große Finale der Jägermeister Rockliga ausfechten werden. Letztere übrigens, weil die Finalisten Therapy? leider nicht antreten, da sie die Chance bekamen, zu der Zeit in einem namhaften US-Studio ihr neues Album einzuspielen. Anders als bei der EM ist bei der Rockliga aber vor allem das Publikum spielentscheidend. Per Applausometer wird an diesem Abend entschieden, wer am Ende das Rennen macht und sich auf der Meisterschale verewigen darf. Also, jetzt schon mal warmgröhlen: FINAAALE!« Alle Infos unter www.rockliga.de. Jägermeister Rockliga mit Sparta, Moneybrother, Mediengruppe Telekommander, The Cinematics 17.05. Berlin, Kesselhaus in der Kulturbrauerei


126 Da geht’s

05 2008 Sa 26.04 So 27.04

The Styles Hushpuppies Di 29.04 Blood Red Shoes Do 01.05 All Girl Punk Festival Fr 02.05 Sa 03.05

Carus Thompson The Drift

So 04.05

Vic Du Monte & The Guns

Fr 09.05

Dead To Me

So 11.05

My Baby Wants To Eat...

Mo 12.05

Wirts & King’s Tonic Chuck Ragan

Di 13.05 Do 15.05

Blitzen Trapper

Fr 16.05 Do 22.05

Smoke Blow Melt Banana

Fr 23.05 Mo 26.05

Jupiter Jones Man Man

Club 30 jeden Mi. ab 19 Uhr, 2 floors Stadt Dortmund Jugendamt

Freizeitzentrum West www.fzw.de Neuer Graben 167 - 44137 Dortmund fon 0231-17 78 20

DIAL-BOOKING// MAI// KEVIN DEVINE & THE GODDAMN BAND/ JENNY OWEN YOUNGS/ THE NEW AMSTERDAMS/ AUDREY/ SOUTHERLY/ IN THE PINES/ KID DAKOTA/ THE INDELICATES/ GENGHIS TRON/ DEVIL SOLD HIS SOUL/ TEPHRA/ THIS WILL DESTROY YOU/ SLAGSMALSKLUB BEN/ LONG DISTANCE CALLING// JUNI// GOSSIP/ PENCIL TOES/ KHALE/ 10LEC6/ MUNICIPAL WASTE//

INFOS// WWW.MYSPACE. COM/DIALBOOKI NG

FORUM FÜR KULTUR UND POLITIK

Ê

MAI 08 FR 02

ENDERS ROOM (D) MI 07

FRANZ DOBLER LIEST FR 09

WALLIS BIRD (IRL) MI 14

SCOTT MATTHEW (AUS) DO 15

SCOUT NIBLETT (GB) MO 19

... AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD (USA DO 22

DINOSAUR JR. (USA) MI 28

GUSTAV & BAND (A) SA 31

MELT BANANA (J) Stuttgart/Schorndorf Tel. 07181/6 11 66 www.club-manufaktur.de

. EftR- SA 19. L L I T S E . D 04 N U au -ausverk SPORTFRE FR. . S 25 . HUSHPUPPIE 04DO . N N A 08. M H C S U s R OLIVE im Professorenhau 05. SA. 31. S A V A 05. KOOL S . IauNftE-DI T 24. N E L A V Y . M 06 -ausverk BULLET FOR

Club Konzerte Theater Film Konzerte: 08.05. 10 Jahre Headquarter

We Are Wolves, Prinzhorn Dance School 10.05.

¡Forward, Russia!

13.05. Intro Intim

Battles, Fuck Buttons 14.05.

The Most Serene Republic

17.05. Lucha Amada präs. Alter Schlachthof Lingen | Konrad Adenauer Ring 40 | 49808 Lingen epping@alterschlachthof.de | www.alterschlachthof.de Tickets an allen bekannten VVK-Stellen und unter Hotline 0591/52076

Ma Valise 19.05.

Bill Callahan

20.05. Melt

Banana

22.05. Why?

Praktikum Event

23.05.

The New Amsterdams

24.05.

Eagle*Seagull

27.05. Tomlab-Abend

Thee Oh Sees, Von Spar, No Kids

Ab sofort für 3 Monate. In Berlin. Du hilfst u.a. bei der Organisation des Melt!-Festivals und der Umsetzung von Intro-Events.

28.05.

The Duke Spirit

15.05.

Christiane Rösinger: »Das schöne Leben«

Lesung:

Trainee im Event-Bereich Ab sofort oder ab September. In Berlin. Du wirkst beim Melt!-Festival mit und betreust eigenständig verschiedene Events. DETAILS UNTER INTRO.DE/JOBS

REDBOXFESTIVAL.DE

AUSSAGEKRÄFTIGE BEWERBUNGSUNTERLAGEN SCHICKST DU BITTE AN: JOBS@INTRO.DE

GEBÄUDE 9 Deutz−Mülheimer Strasse 127–129 51063 Köln Alle Infos: www.gebaeude9.de Vorverkauf: www.kartenhaus.de


/FFENBACHôAMô-AINôWWWHAFENNET

Da geht’s

7Eô$ONTô.EEDô!NOTHERô (ERO &2ôô

3CHOOLôOFô,ANGUAGE 3!ôô

05.05. MOUSONTURM 20.00 AXEL HACKE

0RINZHORNô$ANCEô3CHOOL ô 'RRRô "LACKô*AZZô#ONSORTIUM ô 4ANJA

11.05. MOUSONTURM 21.00 JAMIE LIDELL

3!ôô

"ERNADETTEô,Aô(ENGST

3A4HE$YNAMICS&2!

4HAOô7ITHô4HEô'ETô$OWNô 3TAYô$OWN

3O4HE4OASTERS53! "ABY,OVE4HE6AN$ANGOS$+

3CANNERS

$I4ORPEDO;4IGER,OUnMEMBERS=37% %LEKTROGRILL$

3/ôôô

$)ôô

$/ôô

2EVERENDSô2EVENGE ô -ISERABLEô2ICH 3!ôô

(EIKOô-3/ ô2ANDYô&OX &2ôô

0ô+RUDER ô-ô2TTEN 3!ôô

0ITô2ACKôLIVE ô3IXô4IGERS &2ôô

2ADIOô8ô0ARTY

-I(OLLY'OLIGHTLY4HE"ROKEOFFS5+ 4HE$AGONS53! &R (EX$ISPENSERS53! 3WORN,IARS$ $I $IGGER4HE0USSYCATS!53 4HE(ARA +EE 2EES$

3!ôô

-I7ALLIS"IRD5+ 3A3CRAPSOF4APE37% "ELLAVISTA;EX 65%=53! 4HE"EAUTY/F/+$

12.05. MOUSONTURM 20.00 WIGLAF DROSTE & DAS SPARDOSENTERZETT 13.05. MOUSONTURM 21.00 SCOTT MATTHEW 15.05. BROTFABRIK 21.00 HAWKSLEY WORKMAN 19.05. BROTFABRIK 21.00 KEVIN DEVINE & THE GODDAMN BAND 20.05. BROTFABRIK 20.00 BILL CALLAHAN

3A4HE(ATEPINKS5+ INDER,5.!"!2 3A4HE.EW!MSTERDAMS ;EXn'ET5P+IDS=53! (ENNING"ASLER$ -O"ISHOP!LLEN53! *ENIFEREVER37% $I #HRISTIAN+JELLVANDER37% "OY/MEGA37% 3A'REGOR3AMSA53! +AYO$OT53!

22.05. BROTFABRIK 20.00 SILVER JEWS 26.05. BROTFABRIK 20.00 TOUMANI DIABATÉ

16.05. BROTFABRIK 20.00 DAVID ORLOWSKY´S KLEZMORIN 30.05. BROTFABRIK 20.00 SISTERS

Heidelberg / Am Karlstor 1 / Tel. 06221.978911

Konzert / Klub / Theater Literatur / Kleinkunst Politik / Kino

1

WWW.KARLSTORBAHNHOF.DE Looptroop Rockers

-musik-club.de

13.06. BROTFABRIK 20.00 RACHEL UNTHANK & THE WINTERSET

OKTOBER MAI 08 07

11.07. BROTFABRIK 20.00 HABIB KOITE

PROGRAMM SCHWIMMBAD

Do. DISCO / BLUE FISH: 01. HOLIDAY PARTY NIGHT Fr. 02.

DISCO : PARTYHITS BLUE FISH: BLACK MUSIC LIVE CLUB: UNITED PICS

Sa. 03.

DISCO : DANCEFLOOR BLUE FISH: BLACK MUSIC LIVE CLUB: DEPECHE

PARTY

MODE PARTY

Mi. THE WEDNESDAY IS BACK! : INDEPENDENT MUSIC 07. DISCO BLUE FISH: GOTHIC · DARK WAVE Do. DISCO : STUDI-PARTY 08. : PARTYHITS Fr. DISCOFISH: BLACK MUSIC 09. BLUE LIVE CLUB: S.E.K. Sa. 10.

DISCO : DANCEFLOOR BLUE FISH: BLACK MUSIC LIVE CLUB: ZAP GANG

Do. DISCO / BLUE FISH: 15. HOLIDAY PARTY NIGHT

SA 03.05. SIR SIMON BATTLE klub_k SO 04.05. CHRIS GARNEAU MO 05.05. BALKAN BEAT BOX DO 08.05. LOOPTROOP ROCKERS SO 11.05. WALLIS BIRD DI 13.05. MONEYBROTHER MI 14.05. PUPPETMASTAZ FR 16.05. NNEKA FR 16.05. CHRISTIANE RÖSINGER Lesung MO 19.05. TURIN BRAKES DO 22.05. EXPLOSIONS IN THE SKY MO 02.06. ÓLAFUR ARNALDS und vieles mehr

Fr. 16. Sa. 17.

LIVE CLUB: GÖTZ WIDMANN DISCO : PARTYHITS BLUE FISH: BLACK MUSIC LIVE CLUB: THE ROCK CLUB DISCO : DANCEFLOOR BLUE FISH: BLACK MUSIC LIVE CLUB: UPTOWN

SKANKIN’

Mi. THE WEDNESDAY IS BACK! : INDEPENDENT MUSIC 21. DISCO BLUE FISH: GOTHIC · DARK WAVE Do. DISCO / BLUE FISH: 22. HOLIDAY PARTY NIGHT Fr. 23.

DISCO : PARTYHITS BLUE FISH: BLACK MUSIC LIVE CLUB: WHAT

Sa. 24.

DISCO : DANCEFLOOR BLUE FISH: BLACK MUSIC LIVE CLUB: MELLOW

Do. 29.

DISCO :

Fr. 30.

Sa. 31.

CHILI POPPERS

NEON KARMA

STUDI-PARTY

DISCO : PARTYHITS BLUE FISH: BLACK MUSIC LIVE CLUB: HIMMELSSTÜRMER

BEISPIEL WELT STILLDRIFT PEILOMAT

Ü30-PARTY

DISCO / BLUE FISH: BEST OF MUSIC LIVE CLUB: POWER PARTY

PEOPLE

3 BEHEIZTE OPENAIRRAUCHERBEREICHE ! Konzertbeginn wochentags 21 h Wochenende 22 h Einlass Do., Fr. & Sa. 21 h Sonderevents 20 h Telefon 0 62 21 – 47 02 01

Heidelberg – Nähe Zoo

Di. 06.05. • Live Music Hall • Köln

DIRTY DEEDS ‘79 • NEWTALLICA

DIGITALISM

Fr. 09.05. • Gloria • Köln

Mo. 12.05. • Live Music Hall • Köln

Mo. 12.05. • Gloria • Köln

Di. 13.05. • Live Music Hall • Köln

Do. 15.05. • Live Music Hall • Köln

So. 18.05. • Live Music Hall • Köln

Di. 20.05. • Live Music Hall • Köln

So. 25.05. • 3001 • Düsseldorf

So. 01.06. • Live Music Hall • Köln

Mi. 04.06. • Live Music Hall • Köln

Mo. 16.06. • Weststadthalle • Essen

Mi. 25.06. • Weststadthalle • Essen

Mi. 09.07. • Live Music Hall • Köln

Di. 18.11. • Gloria • Köln

MORCHEEBA WEEN

IAN BROWN FLOGGING MOLLY special guest: PEPPER

MARK RONSON MOTORPSYCHO & THE VERSION PLAYERS

DINOSAUR JR. ROBYN

CHRIS CORNELL CAT POWER BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB

XAVIER RUDD

DEATH CAB FOR CUTIE ANNE CLARK Mi. 30.04. • Hangar 5 • Flughafen Düsseldorf

01.06. JAHRHUNDERTHALLE 20.00 FEIST 03.06. MOUSONTURM 21.00 ISOBEL CAMPBELL & MARK LANEGAN

www.infectious.de

0508

Sa. 03.05. • Weststadthalle • Essen

MONSTERS ARE BACK 2008

$)ôô

11.08. PALMENGARTEN 19.00 DOBET GNAHORÉ 18.08. PALMENGARTEN 19.00 THE IDAN RAICHEL PROJECT

DESTINATION MAY

FEAT. “SYMBOL AL FORNO” & FLASHDANCE (AKA JAN DELAY) & MIXWELL

Mi. 07.05. • E-Werk • Köln

TARJA Fr. 09.05. • E-Werk • Köln

KETTCAR So. 18.05. • E-Werk • Köln

EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN plus special guest

Di. 08.07. • E-Werk • Köln

JOHN BUTLER TRIO Sa. 12.07. • Freilichtbühne Loreley • St. Goarshausen special guest: G LOVE & SPECIAL SAUCE

25.08. PALMENGARTEN 19.00 TAKSIM TRIO 02.09. PALMENGARTEN 19.00 BOBAN I MARKO MARKOVIC ORKESTER 28.09. MOUSONTURM 21.00 SOPHIE ZELMANI

Di. 22.07. • Museumsplatz • Bonn

KRIS KRISTOFFERSON Di. 12.08. • Museumsplatz • Bonn plus special guest

16.10. MOUSONTURM 21.00 SVEN REGENER 15. – MOUSONTURM 20.00 17.12. MAX GOLDT 18.12. MOUSONTURM 20.00 ROCKO SCHAMONI

specialplusguest: special guest OLA PODRIDA

Di. 02.09. • E-Werk • Köln

STRAY CATS Mo. 08.09. • Kölnarena • Köln

19.12. MOUSONTURM 20.00 JAN WEILER

special guest: STAIND

TICKETS MOUSONTURM: TEL 069.405.895-20 WWW.MOUSONTURM.DE

Do. 20.11. Philipshalle Düsseldorf • Fr. 21.11. Palladium Köln

INFOS BROTFABRIK: WWW.BROTFABRIK.INFO WEITERE VERANSTALTUNGEN: WWW.MARKUSGARDIAN.DE

TICKET HOTLINE 01805 - 96 22 22 (0,14 €/min, Mobilfunkpreise können abweichen)

127


128 Da geht’s

SCHLACHTHOF WIESBADEN GARTENFELDSTR. R. 57 7 65189 65189 WIE WIES WIESBADEN S BADEN

23.04. 24.04. 25.04. 29.04. 30.04. 02.05. 04.05. 05.05. 06.05. 11.05. 12.05. 13.05. 14.05. 15.05. 17.05. 21.05. 22.05. 07.06. 15.06. 17.06. 20.06. 02.10. 13.10.

MILLENCOLIN GRAVENHURST / NERVOUS NELLIE INTERNATIONAL BRONCO CLUB FETTES BROT 2008 AUSVERKAUFT THE TEMPTATIONS FEAT. RICHARD STREET AUSVERKAUFT THE DYNAMICS STRIKE ANYWHERE HOLLY GOLIGHTLY & THE BROKEOFFS STOMPIN SOULS KETTCAR / OLA PODRIDA CHUCK RAGAN (OF HOT WATER MUSIC) SCOUT NIBLETT / BJÖRN KLEINHENZ TARJA NNEKA ESCAPADO / CAPTAIN PTAIN PLAN PLANET NET 2 JAHRE BASTARD RD ROCKS PLUS S LI L LIVE: VE VE: BRATZE / BONAPARTE PARTE / JURI URI GAGARIN G GARI GA ARIN N THE NEW AMSTERDAMS ERDA D MS / KID KID D DAKOTA AKOTA AKO TA SATURDAY LOOKS KS GOOD OD TO TO ME ME / AMANDA ROGERS RS + BAND BAN AN ND WILLY DEVILLE JAGUAR LOVE THE NOTWIST / VERY RY SPECIAL SPEC PECIAL IAL GU GUEST GUESTS ESTS EST S THE WOMBATS S SUPERPUNK

+++ Unser komplettes Programm ogramm mm m fin findet de Ihr det Ihr im im IInte Internet nternet nterne rnet www.schlachthof-wiesbaden.de ww.schlacht httho h hoff -wi w esb wiesb e sb es bade ade ad en n.d de de

gold soundz @ jubez

So. 04.05. TIMESBOLD 20:30 Uhr

Glitterhouse Records-Act SWR3 und Jazzclub päsentieren

Mo. 05.05. TOK TOK TOK 20:30 Uhr

„Reach Out And Sway Your Booty“ – Live Tour 2008

Do. 08.05. MARTIN SONNEBORN 20 Uhr

Multimedialesung – “Ich tat es für mein Land”

Mount Caldera & gold soundz @ jubez & www.kgruppe.de.vu präsentieren

Supports: 20 Uhr

CURSED & GREGOR SAMSA

Planks & Mr. Willis Of Ohio Noise/Soundtrack/Doom Screamo-Show deluxe

Mi. 14.05. EZIO 20:30 Uhr

Acoustic Duo – live gold soundz @ jubez

Sa. 24.05. AMANDA ROGERS 20:30 Uhr

Mai 2008

Fr. 09.05.

elfengleicher & sphärischer Indie

Mount Caldera & gold soundz @ jubez präsentieren

So. 25.05. HORSE THE BAND Supports: 20 Uhr

Fear The Skyline & Laser Boys & Broken Wing Theory Der Wahnsinn hat einen Namen. Teenage Mutant Hero Pizza! Jubez und Jazzclub präsentieren:

Di. 27.05. FREDRIKA STAHL 20:30 Uhr

„Tribute to Spring“ Tour gold soundz @ jubez

Do. 29.05. GET WELL SOON

Deutschlands TopSlowpop-Miniorchester

KARLSRUHE

Kvvk.+Reservierung: JUBEZ, Am Kronenpl. 1 Mo-Fr, 14-18 Uhr Tel: 0721-935193 Fax: 0721-9351955 www.jubez.de

Im Rahmen der Projekttage „SKILLZ OF ROCK – Jugend und Ihre Sounds“

Do. 19.06. GIRLS & MUSIC & Fr. 20.06. Workshops, Vorträge,

Lesungen, Filme, Konzerte, DJanes and more

Juni 2008

20:30 Uhr


Da gehtโ€™s

Do. 24.04. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

4LYN

Di. 29.04. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

BLACKMAIL

special guest: DIORAMIC

Do. 01.05. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

YOUNG KNIVES

Der Rockpalast im Mai im WDR Fernsehen

Fr. 02.05. โ€ข Stollwerck โ€ข Kรถln MONSTERS ARE BACK 2008

lCJT 7FMWFU3FWPMWFS (PPE$IBSMPUUF +PMMZ(PPET Aufzeichnung der 22. Rocknacht 2008 in Kรถln

So. 04.05. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

lCJT 5IF)JWFT 5IF'VUVSFIFBET Aufzeichnung der 22. Rocknacht 2008 in Kรถln

DIRTY DEEDS โ€˜79 โ€ข NEWTALLICA โ€ข GUNZโ€™Nโ€™ROSES

MADRUGADA

Mo. 05.05. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

BELL X1

lCJT 4NBTIJOH1VNQLJOT Aufzeichnung von Rock am Ring 2007 (PETPG#MJU[ Highlights des Crossroads-Festival-Auftritts 2007 in Bonn

Di. 06.05. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

lCJT $SPTTSPBET)JHIMJHIUT#MVF$IFFS #FBTUT0G #PVSCPO &SJD4BSEJOBT ,SJTUPGFSaTUSzN  )VTIQVQQJFT #PTT.BSUJBOT 5IF#FMMSBZT  .POUF.POUHPNFSZ Aufzeichnung des Crossroads Festivals 2008 in Bonn

Mo. 12.05. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

lCJT %JF`S[UF #FBUTUFBLT Aufzeichnung von Rock am Ring 2007 lCJT %POPUT 'BWF[ 'PBMT )PNFPGUIF-BNF Aufzeichnungen der Visions Parties vom Mรคrz und April 2008 in Kรถln  XXXSPDLQBM BTUEF

THE LONG BLONDES Do. 08.05. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

BALKAN BEAT BOX SUMO

Do. 15.05. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

ROGUE WAVE

plus special guest

Fr. 16.05. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

WIRTZ

Di. 20.05. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

LUCERO

Do. 22.05. โ€ข Stollwerck โ€ข Kรถln

WEDNESDAY13 Fr. 23.05. โ€ข Kulturkirche โ€ข Kรถln

YAEL NAIM So. 25.05. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

HOOVERPHONIC Di. 27.05. โ€ข Kulturkirche โ€ข Kรถln

OTTMAR LIEBERT Do. 29.05. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

THE RED JUMPSUIT APPARATUS Sa. 31.05. โ€ข Stadtgarten โ€ข Kรถln

Do. 01.05.

EMIL BULLS Alternative Metal

Support: SILENT DECAY & GRANTIG

Fr. 02.05. 19:00 Uhr

BLOOD RED SHOES 28.04.08 ยท Kรถln, Gebรคude 9

SCHANDMAUL Mittelalter Rock | In der Festhalle Durlach!

BLACKMAIL

Do. 08.05. 19:00 Uhr

MGMT

Support: THE SEER

HOT WATER MUSIC Punk Rock | Veranstalter: Mountcaldera Support: REKORDER & SUPPORT

Fr. 16.05. 19:00 Uhr

TANGENT, RITUAL & BEARDFISH Prog - Festival Do. 22.05.

KATE MOSH Indie-Rock Fr. 23.05.

A TRIBUTE TO JOHNNY CASH:

HANK CASH Deutschlands beste Johnny Cash Coverband Sa. 24.05.

THEY MIGHT BE STARS - FESTIVAL local heroes | Soundnugget CD-Release Party Mit: SOUNDNUGGET & THE NEW HERITAGE

Mi. 28.05. 19:00 Uhr

HATE ETERNAL, CEPHALIC CARNAGE, DEADBORN & SKELETONWITCH Death Metal | Veranstalter: Mountcaldera Mi. 30.07. 19:00 Uhr

CONVERGE Hardcore | Veranstalter: Mountcaldera

Support: INTEGRITY, COLISEUM & THE PLIGHT Einlass: 20 Uhr (falls nicht anders vermerkt) Tel. 0721/ 37 72 74 ยท www.substage.de E-Mail: info@substage.de

30.04.08 ยท Bochum, Zeche

02.05.08 ยท Kรถln, Luxor

NAVEL

03.05.08 ยท Kรถln, Underground

HOLLY GOLIGHTLY 06.05.08 ยท Kรถln, Studio 672

THE HOOSIERS 07.05.08 ยท Kรถln, Luxor

THE MOST SERENE REPUBLIC 14.05.08 ยท Kรถln, Gebรคude 9

VAMPIRE WEEKEND 18.05.08 ยท Kรถln, Luxor

PATRICE

27.05.08 ยท Kรถln, Gloria 31.05.08 ยท Essen, Weststadthalle

THE DUKE SPIRIT 28.05.08 ยท Kรถln, Gebรคude 9

ZOX

24.06.08 ยท Kรถln, Die Werkstatt

BEN FOLDS

02.07.08 ยท Bochum, Zeche

GAVIN DeGRAW

special guest: HAYLEY SALES

Di. 03.06. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

BOB MOULD Fr. 06.06. โ€ข MTC โ€ข Kรถln

FIGHTING WITH WIRE Mo. 09.06. โ€ข Kulturkirche โ€ข Kรถln

DUFFY

Di. 10.06. โ€ข Gebรคude 9 โ€ข Kรถln

TAPES โ€˜Nโ€™ TAPES Mi. 18.06. โ€ข Luxor โ€ข Kรถln

JAGUAR LOVE Do. 19.06. โ€ข Zeche โ€ข Bochum

ROSE TATTOO

plus special guest

TICKET HOTLINE 01805 - 96 22 22 (0,14 โ‚ฌ/min, Mobilfunkpreise kรถnnen abweichen)

129


130 All the next

All The Next No. 161 ≥ 26.05.08

SCARLETT JOHANSSON, HADOUKEN!, SANTOGOLD, THE TING TINGS, BOOKA SHADE, MARTHA WAINWRIGHT, THE FRATELLIS, THE FUTUREHEADS


Intro #160  

Musik und so. Pop, Kultur und gute Noten