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Kunst im Unterricht Epochen – Künstler – Techniken

Ingeborg Bruckert

Lipura ®

Verlagsgesellschaft mbH

Art.-Nr. 7505


Asien (ab ca. 5.000 v. Chr.)

Kunst aus China Japan

(ab ca. 2.000 v. Chr.)

Kunst der Azteken Maya Inka

Renaissance Barock Rokoko

(15.-18. Jahrhundert)

Neuzeit

Mittel- und Südamerika

Gotik Romanik

Kunst aus Ägypten Griechenland Rom

Höhlenmalerei

(ca. 400 n. Chr. bis 1500 n. Chr.)

(ca. 3.000 v. Chr. bis 300 n. Chr.)

(vor ca. 30.000 Jahren)

Mittelalter

Antike

Steinzeit

Expressionismus Kubismus Abstraktion Surrealismus Neue Sachlichkeit

Klassizismus Romantik Historismus Realismus Impressionismus Jugendstil

Postmoderne Pop-Art Gegenwartskunst Aktionskunst Photorealismus

(20. Jahrhundert bis heute)

Neue Kunstformen

(20. Jahrhundert)

Moderne

(19. Jahrhundert)

19. Jahrhundert

Überblick – Zeittaf el

Überblick – Zeittafel

Kunst im Unterricht Überblick – Zeittafel Seite I •


Kunst im Unterricht Vorwort Seite II •

Vorwort Vorwort Dieses Unterrichtswerk zeigt die Epochen der Kunstgeschichte von der Steinzeit bis heute in kompakter Form auf. Nach einem Überblick ist jede Epoche kurz beschrieben. Die Techniken mit ihren verschiedenen Materialien werden vorgestellt und anhand von einzelnen Unterrichtsbeispielen angewandt. Die einzelnen Texte sind als Information für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler gedacht und können auch als Kopie eingesetzt werden. Die Schülerinnen und Schüler lernen die jeweiligen Künstler und ihre Werke kennen. Durch die Zuordnung in die verschiedenen Epochen und ihre Besonderheiten, bekommen sie einen Einblick über den jeweiligen Zeitgeist. Die Kunstbetrachtung bietet Sprechanlässe, fördert dadurch die Ausdrucksweise und Kritikfähigkeit. Einzelne Unterrichtsbeispiele, mit ihren sofort verwendbaren Materialien, bieten immense Möglichkeiten der Differenzierung. Die Wahl der Mittel und der verschiedenen Techniken bietet eine zusätzliche Differenzierung. Die Materialien können verändert und individuell abgewandelt werden. Die Themen sind in jeden Bildungsplan integrierbar, als Einzelstunde oder Projekt, ob als Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit. Ein umfassendes Projekt könnte ein Arbeiten in „Epochengruppen“ sein. Die anschließenden Präsentationen münden in einer Ausstellung, die natürlich mit einem eigenen Plakat angekündigt wird. Museums- oder Ausstellungsbesuche können die einzelnen Stunden abrunden oder einleiten. Eine Auswahl an Kunstfolien erspart die zeitaufwändige Suche nach Materialien zur Kunstbetrachtung. Fächerverbindungen zu Geschichte und Deutsch sind in jeder Einheit geboten, auch teilweise zu Technik/Werken und Religion.


Kunst im Unterricht Inhaltsverzeichnis Seite III •

Inhaltsverzeichnis 1 Inhaltsverzeichnis Folie:

Seite

Überblick – Zeittafel Vorwort Inhaltsverzeichnis

I II III-V

Steinzeit Naturmaterialien bemalen – Farben selbst herstellen

Folie:

Die Steinzeit/Bedeutung der Höhlenmalerei Typische Motive der Höhlenmalerei Materialien und Unterrichtsbeispiele Einsatz im Unterricht Pflanzenfarben

1 2 3 4 5/6

Antike Bemalen von Gefäßen – Herstellen und Gestalten einer Mumie

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Die Antike/Rom Ägypten/Griechenland Antike Vase Materialien und Unterrichtsbeispiele Unterrichtsbeispiel „Bemalte Gefäße“ Unterrichtsbeispiel „Mumie“ Beispiel Mumien Mumien zum Ausmalen

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Mittelalter Schrift mit Tusche und Feder – Buch-/Glasmalerei

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Das Mittelalter Materialien und Techniken Meister Bertram: „Erschaffung der Tiere“ Unterrichtsbeispiele Buchmalerei: „Heinrich von Veldig“ Texte gestalten – Beispiel 1 und 2 Unterrichtsbeispiel „Buchmalerei“ Unterrichtsbeispiel „Glasmalerei“ Glasmalerei: „Verkündigung an Maria“

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Neuzeit Perspektivisches Zeichnen – Stillleben zeichnen/Ausschneidebogen

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Die Neuzeit/Materialien und Unterrichtsbeispiele Leonardo da Vinci: „Das letzte Abendmahl“ Unterrichtsbeispiel „Der Säulengang“

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Kunst im Unterricht Inhaltsverzeichnis Seite IV •

Inhaltsverzeichnis 2 Inhaltsverzeichnis

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Seite

Unterrichtsbeispiel „Malen, was man sieht“ Unterrichtsbeispiel „Genaues Zeichnen“ „Alte Kreuze vor der Kapelle“ Unterrichtsbeispiel „Stillleben“ Paul Cézanne: „Stillleben mit Zuckerdose, Birnen und Tischdecke“ Ausschneidebogen „Gefäße“ und „Früchte“

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19. Jahrhundert Stimmungen und Farben – Erstellen eines Plakates

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Das 19. Jahrhundert/Materialien und Unterrichtsbeispiele Claude Monet: „Ebbe bei Pointe de L’Ailly“ Gustav Klimt: „Tod und Leben“ Vincent van Gogh: „Weizenfeld im Regen“ Wilhelm Leibl: „Drei Frauen in der Kirche“ Unterrichtsbeispiel „Ein Gewitter zieht auf“ Vincent van Gogh: „Heuschober an einem Regentag“ Zusammenfassung: Stimmungen und Farben Unterrichtsbeispiel „Plakat“

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Henri de Toulouse-Lautrec: „Lithographie Jane Avril“ Gustav Klimt: „Plakat für die 1. Sezessions-Ausstellung“

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Moderne Techniken: Frottage – Collage – Anordnen von Flächen und Linien

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Die Moderne/Verwendete Materialien und Techniken Henri Matisse: „Das rote Zimmer“ Pablo Picasso: „Blick aus dem Fenster in Tanger“ Wassily Kandinsky: „Durchgehender Strich“ Unterrichtsbeispiele Unterrichtsbeispiel „Märchenlandschaft“ – Frottage Frottage – Beispiele Unterrichtsbeispiel „Tänzerin und Tänzer“ – Collage Unterrichtsbeispiel „Flächen und Linien“ nach Mondrian

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Neue Kunstformen Abstrakte/Gegenständliche Malerei – Erstellen von Objekten – Puzzle

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Neue Kunstformen Verwendete Materialien und Techniken/Unterrichtsbeispiele Roy Lichtenstein: „Happy Tears“ und Jackson Pollock: „Ohne Titel“ Andy Warhol: „Marilyn“ Unterrichtsbeispiel „Marilyn“

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Kunst im Unterricht Inhaltsverzeichnis Seite V •

Inhaltsverzeichnis 3 Inhaltsverzeichnis

Puzzle: Puzzle: Puzzle: Puzzle: Puzzle: Puzzle: Folie: Folie:

Seite

Unterrichtsbeispiel „Abstrakte/Gegenständliche Malerei“ .. Nicolas de Stael: „Blumenstrauß in Fontenay“ Pierre-Auguste Renoir: „Blumenstrauß in Keramikkrug“ August Macke: „Innenhof des Landhauses in St. Germain“ Grigorij Soroka: „N. Miljukov’s Haus ‘Ostrovski’ im Winter“ Pablo Picasso: „Die Arlesienne“ Jan Vermeer van Delft: „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ Schülerbeispiele „Abstrakte/Gegenständliche Malerei“ Unterrichtsbeispiel „Traummaschine“ Schülerbeispiele „Traummaschine“

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Asien Tuschemalerei mit chinesischen Schriftzeichen – Mandala erstellen

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Kunst in Asien Kunstbeispiele aus Asien Chinesische Kunst Beispiele chinesischer/japanischer Kunst Materialien und Unterrichtsbeispiele Unterrichtsbeispiel „Illustrieren eines Sprichwortes“ Unterrichtsbeispiel „Mandala“ Tibetanisches Mandala Mandala-Vorlagen

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Mittel- und Südamerika Inkamuster erstellen – Kalenderdarstellung mit Symbolen

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Folie:

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Maya und Azteken Maya „Steintafel“ Das Reich der Inka Machu Picchu Materialien und Unterrichtsbeispiele Unterrichtsbeispiel „Mein runder Kalender“ Kalenderstein Unterrichtsbeispiel „Inka-Designer“ Puzzle: Kelimmuster Teppichbeispiele

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Kunst im Unterricht Steinzeit Seite 1 •

Die Steinzeit/Bedeutung der Höhlenmalerei Die Steinzeit Bereits vor zwei Millionen Jahren hat es auf der Erde Menschen gegeben. Die Bedingungen zum Überleben waren hart. Das Klima wechselte oft zwischen Warm- und Kaltzeiten. Die Menschen lebten von dem, was ihnen die Natur bot. Sie zogen zum Jagen und Sammeln in Gruppen umher und hinterließen uns aus der späten Steinzeit, vor ca. 30.000 Jahren, die fantastischen Höhlenmalereien. Die Höhlenkunst ist das älteste Zeugnis des Menschen für die Verwendung von „Farben“. Mit dem Ausgang der Eiszeit, einer Klimaperiode, entstanden die Höhlenmalereien. Weite Teile Europas waren noch mit Gletschern überzogen. Der Eingang eines Fundortes, der Grotte Cosquer in Südfrankreich, liegt heute unter dem Meeresspiegel. Mit der Erwärmung des Klimas ist viel Eis geschmolzen und der Meeresspiegel stieg an. Die meisten Fundorte in Europa befinden sich in Frankreich, Spanien und Italien. Aber auch aus Afrika und anderen Kontinenten sind Funde bekannt. Die Felsenkunst handelt meist von Tieren und Menschen, wobei Wisente und Pferde den Hauptanteil ausmachen. Zusätzliche Linien und Zeichen ergänzen die Zeichnungen. Eine der bekanntesten Fundstätten sind die Höhlen von Altamira in Spanien. Die Höhlen liegen in der Nähe von Santander. In der 270 Meter langen Höhle befinden sich ca. 930 Malereien. Sie zeigen Pferde, Bison, Hirsche und Wildschweine. Das Alter der Malereien wurde auf ca. 14.000 Jahre geschätzt. Die Originalhöhle kann nicht mehr besichtigt werden, aber im Deutschen Museum in München befindet sich eine Kopie der Höhle. Die bisher ältesten entdeckten Höhlenkunstwerke wurden in Süd-Frankreich gefunden. Die Grotte Chauvet zeigt großflächige Darstellungen von Tieren und Tiergruppen mit hoher künstlerischer Qualität. Die Höhle ist nicht frei zugänglich.

Bedeutung der Höhlenmalerei Die Malerei hatte eine kultische und religiöse Bedeutung. Dies schließt man auch aus der Tatsache, dass sich die Höhlenbilder an Stellen mit einer besonders guten Akustik befinden. Die Menschen aus der Steinzeit wollten damit den Ausgang der Jagd positiv beeinflussen. Symbole sollten nicht nur den Jagderfolg, sondern auch die Fruchtbarkeit in besonderem Maße anregen. Die gemalten Tiere wurden mit „Lebenslinien“ versehen: Innere Organe, Herz, Lunge und Magen wurden durch eine Linie verbunden. Die älteste Religion der Menschheit ist der Schamanismus. Sie entstand in der Zeit, als die Jagd für die Menschen von großer Bedeutung war. Manche Höhlenbilder zeigen Menschen in Tierhäute gehüllt oder mit Geweihen und Tierkappen auf dem Kopf. Es sind wahrscheinlich Darstellungen von Schamanen. Der Schamane besaß zu den Tierseelen und Naturkräften eine besondere Verbindung. Er konnte, nach der damaligen Meinung, durch das Malen von Felsbildern und das Schlagen von Trommeln auf die Tiere und die Natur einwirken.


Kunst im Unterricht Steinzeit Seite 2 •

Typische Motive der Höhlenmalerei


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Materialien und Unterrichtsbeispiele Verwendete Materialien und Technik Die Umrisse, Striche und Punkte wurden mit Pinseln aus Tierhaar oder den gefärbten Fingerspitzen gemalt. Die Farben wurden mit Hilfe von Erdfarben und Gesteinen hergestellt, welche durch Eisenoxide rot oder durch Goethit und Ton gelb gefärbt waren. Kohle von Knochen, Horn oder Holzkohle des Wacholders dienten als schwarze Farbe. Damit die Farben besser auf der Felsoberfläche hafteten, mischten die Steinzeitmenschen Kalk, Wasser oder pflanzliche Harze bei. Bei der Versprühtechnik wurde das feine Pulver mit Hilfe eines Röhrchens oder dem Mund auf die Wand gesprüht. Teilweise gab es eine Verwischtechnik. Besondere Formen, Vorsprünge und Risse der Felsen wurden geschickt in das Bild mit einbezogen.

Mögliche Unterrichtsbeispiele G

Bemalen von großen gefundenen Kieseln – Einbeziehung der Musterung

G

Bemalen von Steinplatten aus der Natur – Nutzen der verschiedenen Formen

G

Malerei auf einer selbst hergestellten Gipsplatte

G

Bemalen von Natursteinfliesen (aus dem Baumarkt)

G

Bemalen einer Steinwand der Schule – innen oder außen Jeweils mit selbst hergestellten Farben und Werkzeugen aus der Natur.

Unterrichtsbeispiel „Höhlenmalerei“ G

Vorbereitungsphase a) Vorbereitende Hausaufgabe: Informationen aus Büchern, Internet, etc. über die Steinzeit zusammentragen und im Unterricht vorstellen. b) Information im Unterricht über die Steinzeit mit Hilfe von Texten und Bildern. Das Ergebnis dieser Phase kann als Wandzeitung im Klassenzimmer hängen.

G

Kunstbetrachtung Folien mit Beispielen der Höhlenmalerei werden betrachtet, beschrieben und gedeutet: Was ist zu sehen? Farben, Formen, Symbole? Tätigkeiten? Was könnte das bedeuten?

G

Experimentieren mit Naturmaterialien


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Einsatz im Unterricht Aufgabe 1 G

Mische Farben aus den bereit liegenden Naturmaterialien! Es liegen verschiedene Materialien bereit, die entweder gemeinsam in der Natur gesammelt, oder von der Lehrkraft und Schülerinnen/Schülern mitgebracht wurden: Dachziegel, Backsteinziegel, Steinstücke, Erde, Ton, Kreide, Kalk, Holz, Kohle. Diese Materialien müssen möglichst fein zerrieben werden. Dazu können ebenfalls Steine als Mörser verwendet werden. Damit eine „Farbpaste“ entsteht, braucht man zum Binden der pulverisierten Pigmente Fett, Wasser, Harz. Es können auch Pflanzen, Beeren und Früchte zu den Mischungen erprobt werden. Zum Mischen nimmt man Gefäße wie Tassen, Becher, Dosen. Die Farben werden auf gesammelten Steinen erprobt.

Aufgabe 2 G

Suche verschiedene Möglichkeiten die Farben aufzutragen! Es liegen verschiedene Materialien bereit: Tierborsten, Stöckchen, Federn, etc. Natürlich kann die Farbe auch mit den Fingern aufgetragen werden.

G

Auswertung der Experimente Alle Beispiele werden von den Schülerinnen/Schülern vorgestellt und erklärt. Besonders gute Möglichkeiten werden ausgewählt, Probleme erläutert.

G

Arbeitsaufgabe Stelle dir vor, du bist ein Steinzeitmensch und möchtest eine Höhlenmalerei anfertigen. Wähle ein Motiv und male mit deinen selbst gemischten Farben auf den Stein! Die Schülerinnen/Schüler arbeiten in Einzelarbeit.

Auswertung G

Alle Steine mit Malereien werden betrachtet, gedeutet und von den „SteinzeitKünstlern“ vorgestellt. Dabei ist es interessant, erst die anderen Steinmalereien zu deuten und dann die eigene zu erklären.

G

Dabei wird auf die Darstellungen, Formen, Symbole, Farben und verwendete Materialien eingegangen.

G

Die Steine können zu einer Gemeinschaftsarbeit in einem Gipsbett zusammengelegt werden.


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Pflanzenfarben – 1

Rote Beete (Beta vulgaris) Rote Beete ist eine heimische Pflanze aus der Gattung der Gänsefußgewächse. Der rote Farbstoff Betanin wird aus den Schalen und Wurzeln der Rübenknolle gewonnen.

Paprika (Capsicum annuum) Die rote Paprika ist ein Nachtschattengewächs und stammt aus Mittel- und Südamerika. Die süßen als auch scharfen Früchte sind unter den Namen Chili, Cayenne, Peperoni oder Roter Pfeffer bekannt. Die Frucht liefert eine rote Farbe.

Gardenia (Gardenia jasminoides) Gardenia ist ein Extrakt aus der alten Heil- und Färbepflanze Gardenia jasminoides, auch bekannt als weiß blühende Zimmerpflanze (Blumengardenie). Die Pflanze liefert einem dem echten Safran verwandten Carotinoidfarbstoff, eine leicht hellrote Farbe. Wilder Safran (Curcuma longa) Das Pulver dieser seit Jahrtausenden kultivierten Pflanze wurde schon im vorchristlichen Mesopotamien gehandelt und diente zum Färben von Stoffen, Leder und Papier. Der bei der Herstellung des sattgelben Pigmentes verwendete Wilde Safran stammt aus Java, Indonesien und ist ein Extrakt des reinen Curcuminfarbstoffes.

Holunder Holunder ist ein weiß blühender Strauch, der in ganz Eurasien an Wegrändern, in Laubwäldern und an Flussläufen wächst. Die dunklen Früchte liefern einen violetten Farbstoff.


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Pflanzenfarben – 2

Blaukraut (Brassica oleracea) Blaukraut ist eine Variante des Gemüsekohls, der bereits seit der Jungsteinzeit als Kulturpflanze nachweisbar ist. Als Farbstofflieferant bietet das Blaukraut eine Alternative zum blauen Pflanzenfarbstoff Indigo.

Brennnessel (Urtica dioga) Die mit Hanf verwandte Pflanze liefert einen grünen Farbstoff.

Blattgrün (Morus nigra) Blattgrün, oder auch Chlorophyll, ist der blau- bis gelbgrüne Pflanzenfarbstoff, der mit dem Licht der Sonne verbunden ist. Der grüne Farbextrakt diente bei vielen Naturvölkern bis hin zu den mittelalterlichen Buchmalern als Malfarbe. Das Blattgrün wird hauptsächlich aus den Blättern des Maulbeerbaumes gewonnen.

Färberdistel Die Blüten der Färberdistel liefern einen gelben und einen roten Farbstoff. Sie wurden schon vor mehr als 4.000 Jahren in Ägypten zum Färben verwendet.

Pflanzenkohle (Carbo medicinalis vegetabilis) Pflanzenkohle ist eine reine Holzkohle, die aus Kokosnussschalen gewonnen wird. Sie kann außer für medizinische Zwecke als schwarzer Farbstoff eingesetzt werden.


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Die Antike/Rom Die Antike Die Antike umfasst ungefähr den Zeitraum von 3.000 v. Christus bis ca. 300 n. Christus. Von besonderer Bedeutung ist hier die Kunst Ägyptens, Griechenlands und des römisches Reiches.

Rom Römische Kunst bezweckte die politische und militärische Macht Roms zu manifestieren. Die römische Kunst umfasste den größten Teil Europas und Kleinasiens. Sie integrierte etruskische und griechische Kunst. Tafel- und Leinwandmalereien sind wenige erhalten. Im römischen Ägypten wurden hölzerne Tafeln gefunden, die mit in heißem Wachs eingeschlossenen Pigmenten bemalt wurden. Sie zeigen Porträts von hohem künstlerischem Niveau. Die Malerei ist hauptsächlich in Form von Wandgemälden oder auf Tontafeln erhalten. Zum Beispiel in Pompeji und anderen Städten, die durch den Ausbruch des Vulkans Vesuv verschüttet und so zum Teil konserviert wurden. Sie zeigen Szenen des täglichen Lebens, mythologische Themen, historische Ereignisse und Portraits. Häufig trifft man auf „Illusionsmalerei“. Diese vermittelt den Eindruck von Weite durch perspektivisches Malen von Gärten, Kolonnaden und theatralischen Anlagen. Römische Mosaike wurden in allen Teilen des Reiches gefunden. Sie zeigen Muster oder aufwändige figürliche Darstellungen in vielen Farben. Hauptsächlich wurden damit Fußböden geschmückt.


Kunst im Unterricht Antike Seite 8 •

Ägypten/Griechenland Ägypten Die ägyptische Kunst reicht von 3.000 v. Christus bis zur Eroberung des Landes durch die Römer um 30 v. Christus und wird in „Altes Königreich“, „Mittleres Königreich“ und „Neues Königreich“ eingeteilt. Kunst, die in dieser Zeit geschaffen wurde, beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Jenseits und wurde deshalb auch vorwiegend in Gräbern gefunden. Gegenstände wurden mit ins Grab gegeben. Die Töpferwaren wurden mit Malereien dekoriert, die das Alltagsleben aufzeigten oder Vögel und andere Tiere darstellten. Auch kunstvolle Abbildungen von Nilbooten mit Rudern wurden entdeckt. Während der Periode des Neuen Königreiches entstand ein Buch des Todes, das auf Papyrus gemalt wurde und den Gott des Todes mit einer Mumie vor einer Pyramide zeigt. In den privaten Gräbern entstanden Malereien, die das Leben am Nil anschaulich darstellten: Beerdigungszeremonien, Essenszeremonien, Körperpflege und Sport.

Griechenland Viele Wandmalereien der Frühen Klassischen Periode gingen verloren. Die Malerei der griechischen Antike ist nur durch römische Kopien erhalten. Die griechische Kunst wirkte nicht nur stilbildend auf die römische Kunst, sondern auch auf die Kunst der gesamten westlichen Welt. Ein Freskogemälde in einem griechischen Grab gibt einen Eindruck der hohen künstlerischen Leistungen zu dieser Zeit wieder. Die Figuren sind anatomisch und im Gesichtsausdruck von großer künstlerischer Qualität. Die Vasenmalereien zeigen dreidimensionale Darstellungen.


Kunst im Unterricht Antike Seite 9 •

Antike Vase

© ninette luz/fotolia.com


Kunst im Unterricht Antike Seite 10 •

Materialien und Unterrichtsbeispiele Verwendete Farben und Technik In Ägypten, Griechenland und im römischen Reich wurden Mauern, Holz und Keramik als Maluntergrund gewählt. Die Ägypter suchten beim Ausschmücken ihrer Repräsentationsbauten und Todeskultstätten nach weiteren Farben. Durch Ausprobieren und teilweise durch Zufall entdeckten sie erstmals grüne und blaue Pigmente. Beim Erwärmen eines Gemisches aus Quarzsand mit Kalk und einer Kupferverbindung bildete sich eine blaue Masse, die in Pulverform verarbeitet wurde. Das Ägyptisch Blau wurde zur Bemalung von Fassaden, Wänden, Keramik, Masken und als Schreibmaterial für Papyrus verwendet. Aus einem misslungenen Versuch entstand das Ägyptisch Grün. Neue Farben aus Farbstoffen pflanzlicher und tierischer Herkunft kamen in der römischen Epoche dazu. Einige prunkvolle Wandgemälde aus Pompeij zeigen, dass die Menschen immer mehr Farben verwendeten. Indien exportierte Balsame und Harze, Pflanzenfarbstoffe wie Indigo und mineralisches Gestein von der Antike bis ins Mittelalter.

Mögliche Unterrichtsbeispiele G

Bemalen einer Mauer mit ägyptischen Szenen

G

Bemalen einer selbst hergestellten „Mumie“ (Gips oder Pappmaché)

G

Malen einer Szene aus dem Alltag in den Farben der Antike (mit Wasserfarben auf Zeichenpapier)

G

Bemalen einer Holztafel

G

Bemalen eines Naturtontopfes

G

Erstellen eines Mosaiks in Gips aus bunten Steinen (Abfallfliesen, Glasreste, etc.) Hierbei können Farben selbst hergestellt werden, zum Beispiel mit verschieden farbigen Steinmehlen, Pflanzenfarben gemischt mit Ölen, Fetten oder einfach angerührte Farben aus fertigen Naturpulverfarben, die es zu kaufen gibt. Für ein Mosaik können verschieden farbige Fliesen- und Glasreste zerschlagen werden. Es können auch verschieden farbige Steine aus der Natur verwendet werden.


Kunst im Unterricht Antike Seite 11 •

Unterrichtsbeispiel „Bemalte Gefäße“ Unterrichtsbeispiel „Bemalte Gefäße“ G

Vorbereitungsphase Beispiele von ägyptischen, griechischen und römischen Kunstelementen werden gesammelt, ebenso Informationen über die Zeit der Antike. Dazu erhalten die Schülerinnen/Schüler Literatur, Bilder und Internetzugang, um Informationen zu sammeln. Dies kann auch teilweise als vorbereitende Hausaufgabe geschehen. Es ist sinnvoll in drei Gruppen zu arbeiten. Die Schülerinnen/Schüler sollen sich eine geeignete Form der Präsentation überlegen. Möglich wären Wandzeitung, Folien usw. Jede Gruppe präsentiert ihre Ergebnisse.

„Bemalte Gefäße“ a)

Es werden Tontöpfe von zu Hause mitgebracht oder im Baumarkt gekauft.

b)

Einfache Tongefäße werden selbst hergestellt. Zum Malen werden dunkle Farben verwendet: Schwarz oder dunkelbraun. Hier liegt der Schwerpunkt mehr auf den Formen der Antike und nicht auf dem Mischen von alten Farben. Es können Abtönfarben verwendet werden. Möglich wären auch Tusche oder Tinte. Die Farbe wird mit verschieden starken Pinseln aufgetragen.

Aufgabe Wähle eine Epoche der Antike und bemale das Gefäß mit entsprechenden Formen und Figuren!

Auswertung Die bemalten Gefäße werden unter dem Gesichtspunkt der besprochenen Kriterien betrachtet: H Welche Formen, Symbole und Figuren sind zu sehen? H Ist das Gefäß ägyptisch, griechisch oder eher römisch? H Wurde eine bestimmte Szene dargestellt? H Wie detailliert wurde gemalt? H Worin lagen Schwierigkeiten bei der Arbeit?


Kunst im Unterricht Antike Seite 12 •

Beispiele für Vasen


Kunst im Unterricht Antike Seite 13 •

Beurteilung „Bemalte Tongefäße“ Beispiele von bemalten Tongefäßen

Beurteilung H Welche Formen, Symbole und Figuren sind zu sehen?

H Ist das Gefäß ägyptisch, griechisch oder eher römisch?

H Wurde eine bestimmte Szene dargestellt?

H Wie detailliert wurde gemalt?

H Worin lagen die Schwierigkeiten bei der Arbeit?


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Griechische Vase Aufgabe Gestalte die Vase wie im alten Griechenland!


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Bemalte Scherben Aufgabe Du bist Archäologin/Archäologe und findest bemalte Scherben. Versuche das originale Aussehen der Vase zu rekonstruieren!


Kunst im Unterricht Antike Seite 16 •

Unterrichtsbeispiel „Mumie“ Unterrichtsbeispiel „Mumie“ G

Vorbereitungsphase Es werden Bilder von Mumien betrachtet und im Gespräch Charakteristisches einer Mumie festgestellt: Sie hat eine grobe Körperform, ohne dass Arm- und Beinformen zu sehen sind. Gesicht und sonstige Verzierungen sind aufgemalt. Die Verzierungen haben eine Bedeutung für den Verstorbenen. Sie können auf Stand und Herkunft deuten. Informationen über die Bedeutung der Mumien: Dies kann evtl. aus den Präsentationen der Gruppenarbeiten entnommen werden. Die Körper der Toten wurden so vor dem Verfall geschützt. Sie wurden einbalsamiert, eingewickelt, bemalt und mit verschiedenen Grabzugaben wie Gefäße und Schmuck beerdigt.

Technik Aus Kleisterpapier werden kleine Mumienformen hergestellt und mit Abtönfarben bemalt. Alternative: Gipsbinden H Eine Papprolle dient als Grundform. H Zerknülltes Zeitungspapier gibt dem Kopf einen Halt. H Zeitungspapierstreifen, die in Tapetenkleister getaucht wurden, werden um die „Mumienform“ gewickelt, bis diese den gewünschten Umfang hat. Alternative: Einwickeln mit Gipsbinden H Dabei ist auf die Kopfform zu achten. Die Oberfläche der „Mumie“ wird glatt gestrichen. Nach dem Trocknen (einen Tag ruhen lassen) kann die Form bemalt werden.

Aufgabe Stelle aus Kleisterpapier eine Mumie her und bemale sie mit ägyptischen Symbolen!

Auswertung Die Mumien werden unter den bearbeiteten Kriterien betrachtet: H Saubere Technik, Form H Bemalung, Symbole H Besondere Merkmale


Kunst im Unterricht Antike Seite 17 •

Bemalte Mumie Vorbereitung Vorbereitungsphase

G

Lege das Material bereit: Papprolle, Zeitungspapierstreifen, angerührter Tapetenkleister

Herstellung

1

Grundform ist die Papprolle.

2

Zerknülltes Zeitungspapier gibt dem Kopf einen Halt.

3

Zeitungspapierstreifen in den Mumienform wickeln.

4

Beachte die Kopfform!

5

Hat die Mumie den gewünschten Umfang, wird sie zum Trocknen gelegt.

6

Am nächsten Tag: Bemalen der Mumie. Du benötigst Pinsel und Abtönfarben.

Tapetenkleister tauchen und um die


Kunst im Unterricht Antike Seite 18 •

Beispiel Mumien


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Mumien zum Ausmalen


Kunst im Unterricht Mittelalter Seite 20 •

Das Mittelalter Das Mittelalter Man spricht von einem Frühen Mittelalter, einem Hohen Mittelalter und einem Späten Mittelalter. Es werden die Jahre von ca. 450 bis 1500 nach Christus erfasst. In das Frühe Mittelalter fallen die Anfänge der Buchmalerei, Holz- und Knochenschnitzereien. Die karolingische Kunst im Frühen Mittelalter knüpft an die frühchristliche römische Vergangenheit an. Im Hohen Mittelalter prägen Romanik und Gotik die Zeit von etwa 1050 bis 1250 nach Christus. Skulpturen und Malereien sind hauptsächlich in Kirchen zu sehen. Die Romanik schafft säulenartige Skulpturen mit besonderem Symbolgehalt. Die Malerei hatte eine besondere Bedeutung. Da die Menschen im Mittelalter, mit Ausnahme der Geistlichen, nicht lesen und schreiben konnten, wurde ihnen die Bibel in Form von Wandmalereien (Armenbibel) nahe gebracht. So sind die romanischen Kirchen mit monumentalen Fresken überzogen. Auch die Buchmalereien versuchen eine bildhafte Vermittlung des Textes. Die Gotik könnte man als Weiterentwicklung der Romanik bezeichnen. Wie alle Kunst des Mittelalters stand auch die Bildhauerei der Gotik im Dienste der Christlichkeit. Im Gegensatz zu den blockhaften, mit der Wand verbundenen romanischen Figuren, lösten sich die gotischen Skulpturen und standen einzeln. Es entstehen große Schnitzaltäre. Holzskulpturen werden bemalt bzw. „gefasst“. Die Glasmalerei erlebt in der Gotik eine Blütezeit. Freskenmalereien und Wandteppiche zeigten biblische Szenen. Die Buchmalerei entwickelte sich weiter und schmückte nun auch weltliche Bücher. Die Maler der Gotik versuchten, das zu malen, was sie sahen, und schafften Räumlichkeit in ihren Darstellungen. Außer christlichen Themen wurden nun auch Szenen des höfischen Lebens und Bürgertums auf Holztafeln dargestellt. Das Späte Mittelalter reichte von ca. 1250 bis 1500 nach Christus. Die Gotik entwickelte sich weiter. Es entstand der Rayonnanstil. Diese Bezeichnung kommt aus dem Französischen – „rayonnant“ heißt strahlend – und bezieht sich auf die strahlenförmigen Speichen der riesigen Fensterrosen der Kirchen. In der Spätgotik war die Malerei realistisch und bezog sich nicht nur auf religiöse Motive, sondern auch auf das Leben des Adels und der Bauern.


Kunst im Unterricht Mittelalter Seite 21 •

Verwendete Materialien und Techniken Verwendete Materialien und Techniken Skulpturen und Figuren waren aus Stein oder Holz. Die Malereien entstanden aus Farbstoffen pflanzlicher und tierischer Herkunft. Indien exportierte Harze und Balsame, mineralisches Gestein und Pflanzenfarbstoffe wie z. B. Indigo. Im 12. Jahrhundert entwickelte sich Venedig als Umschlagplatz für Farben. Es stand zwar die Textilfärberei mit pflanzlichen und tierischen Farbstoffen im Vordergrund, aber die anorganischen Pigmente waren weiterhin gefragt. Es wurden kostbare Mineralfarben wie Zinnober, Lapislazuli oder Terra di Siena und Mennige verarbeitet. Gemalt wurde auf Holz, Wandflächen und Glas unter Verwendung von Pinsel und Spachtel. Es begann die Tafelmalerei mit Ölfarben.


Kunst im Unterricht Mittelalter Seite 22 •

Meister Bertram: „Erschaffung der Tiere“

Meister Bertram (tätig um 1340-1414/15), „Erschaffung der Tiere“ Altar von St.Petri Hamburg (Grabower Altar), um 1380 © Gnamm - ARTOTHEK


Kunst im Unterricht Mittelalter Seite 23 •

Unterrichtsbeispiele Mögliche Unterrichtsbeispiele G G G

Malen auf Holz Malen auf Glas Buchmalerei, Gestalten eines Buchdeckels oder einer Buchseite

Mögliche Motive: Religiöse Themen, Bauernszenen oder Szenen aus dem Leben der Adeligen.

Unterrichtsbeispiel „Buchmalerei“ G

Vorbereitungsphase Es kann als vorbereitende Hausaufgabe Material über Buch- und Schriftgestaltungen aus dem Mittelalter gesammelt werden. Betrachten von Abbildungen alter Schriften, die mit Malerei gestaltet wurden: Bucheinbände und Texte (Folie). Die Besonderheiten werden im Gespräch festgestellt: H Die Anfangsbuchstaben sind oftmals bildlich ausgeschmückt. H Im Text sind Bilder eingefügt. H Bilder rahmen den Text.

Aufgabe Wähle einen Text und gestalte ihn nach mittelalterlichem Brauch! Es können Texte zur Auswahl vorgegeben werden, wie biblische Texte, Märchen, Gedichte oder die Schülerinnen/Schüler wählen ihre Texte selbst. Sie können dazu Lesebücher, Bibel oder sonstige Quellen verwenden. Vorgabe sollte die Länge des Textes sein. Der Text soll ein DIN A 4-Blatt umfassen. Die Schüler schreiben ihren Text mit Tusche oder Tintenstift und verzieren ihn anschließend mit Pinsel und Wasserfarben.

Auswertung Die Schülerinnen/Schüler stellen ihre Arbeiten vor: H Lesen des Textes und erklären der Gestaltung. H Dabei wird darauf geachtet, ob die Malerei zum Text passt und wie sie ausgeführt wurde.


Kunst im Unterricht Mittelalter Seite 24 •

Buchmalerei: „Heinrich von Veldig“

Heinrich von Veldig. Handschrift, Heidelberger Lieder © Constantin Beyer - ARTOTHEK


Kunst im Unterricht Mittelalter Seite 25

Texte gestalten – Beispiel 1


Kunst im Unterricht Mittelalter Seite 26

Texte gestalten – Beispiel 2


Kunst im Unterricht Mittelalter Seite 27 •

Unterrichtsbeispiel „Buchmalerei“: Text 1 Wähle einen Teil aus dem Text aus, schreibe ihn in die Linien und gestalte ihn aus!

Text 1 Eines Tags ging ein reicher Mann spazieren an den Fluss, da kam ein kleines Kästchen geschwommen, dies Kästchen nahm er und machte den Deckel auf, da lag ein kleines Kind darin, welches er mit heim nahm und aufziehen ließ. Der Verwalter konnte aber das Kind nicht leiden, und einmal nahm er es mit sich in einem Kahn auf den Fluss, und als er mitten darin war, sprang er schnell heraus ans Land, und ließ das Kind allein im Kahn. Und der Kahn trieb immer fort, bis an die Mühle, da sah der Müller das Kind und erbarmte sich, nahm es heraus und erzog es in seinem Haus. Einmal aber kam von ungefähr der Verwalter in dieselbe Mühle, erkannte das Kind und nahm es mit sich. Bald darauf gab er dem jungen Mann einen Brief zu tragen an seine Frau, worin stand: „Den Überbringer dieses Briefs sollst du den Augenblick umbringen.“ Unterwegs aber begegnete dem jungen Menschen im Walde ein alter Mann, welcher sprach: „Weis' mir doch einmal den Brief, den du da in der Hand trägst!“ Da nahm er ihn, drehte ihn bloß einmal herum und gab ihn wieder, nun stand darin: „Dem Überbringer sollst du augenblicklich unsere Tochter zur Frau geben!“ So geschah es, ... (aus Vogel Phönix)


Kunst im Unterricht Mittelalter Seite 28 •

Unterrichtsbeispiel „Buchmalerei“: Text 2 Wähle einen Teil aus dem Text aus, schreibe ihn in die Linien und gestalte ihn aus!

Text 2 Es waren zwei Brüder, einer war reich, der andere arm. Der Reiche aber gab dem Armen nichts und er musste sich vom Kornhandel kümmerlich ernähren, da ging es ihm oft so schlecht, dass er für seine Frau und Kinder kein Brot hatte. Einmal fuhr er mit seinem Karren durch den Wald, da sah er zur Seite einen großen kahlen Berg und weil er den noch nie gesehen hatte, verwunderte er sich, hielt still und betrachtete ihn. Wie er so stand, kamen zwölf wilde große Männer, weil er nun glaubte, das wären Räuber, schob er seinen Karren ins Gebüsch und stieg auf einen Baum, und wartete, was da geschehen würde. Die zwölf Männer gingen aber vor den Berg und riefen: „Berg Semsi! Berg Semsi! thu dich auf.“Alsbald that sich der kahle Berg in der Mitte von einander und die zwölf gingen hinein und wie sie drin waren, schloß er sich zu. Über eine kleine Weile aber, thät er sich wieder auf und die Männer kamen mit schweren Säcken auf dem Rücken heraus und wie sie alle wieder am Tageslicht waren, sprachen sie: „Berg Semsi! Berg Semsi thu dich zu!“. Da fuhr der Berg zusammen und war kein Eingang mehr an ihm zu sehen, und die Zwölfe gingen fort. (Auszug aus Simeliberg)


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Unterrichtsbeispiel „Buchmalerei“: Text 3 Wähle einen Teil aus dem Text aus, schreibe ihn in die Linien und gestalte ihn aus!

Text 3 Auf eine Zeit lebte ein König, der wollte sich niemals verheiraten, da stand er einmal am Fenster, und sah die Leute in die Kirche gehen, da war ein Mädchen darunter von solcher Schönheit, dass er in einem Augenblick seinen Vorsatz aufgab, das Mädchen zu sich rief, und es zu seiner Gemahlin wählte. Nach Verlauf eines Jahres gebar sie einen Prinzen, da wusse der König nicht, wen er zu Gevatter bitten sollte, endlich sagte er: „der erste, der mir begegnet, wer es ist, den bitte ich zu Gevatter“, ging aus, und der erste, der ihm begegnete, das war ein armer alter Mann, den bat er auch darauf zu Gevatter. Der arme Mann sagte zu, bat sich aber aus, dass er das Kind allein in die Kirche trage, dass diese verschlossen werde und niemand zusehen dürfe; das ward ihm alles bewilligt. Der König aber hatte einen bösen, neugierigen Gärtner, wie nun der alte Mann das Kind in die Kirche trug, schlich er sich nach und versteckte sich in den Bänken. Da sah er, wie der Alte das Kind vor den Altar trug, es segnete, und wie einer, der geheime Kräfte versteht, ihm die Gabe verlieh, dass alles, was er sich wünsche, eintreffen solle. Der böse Gärtner dachte gleich, welch’ einen Vorteil er sich daraus verschaffen könnte, wenn er das Kind hätte. (Auszug aus „Die Nelke“)


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Texte gestalten

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Unterrichtsbeispiel „Glasmalerei“ Unterrichtsbeispiel „Glasmalerei“ Betrachten von Glasmalereien, am Besten in einer Kirche vor Ort. Es wurden hauptsächlich religiöse Szenen dargestellt. Hier kann auch eine Verbindung zum Fach Religion hergestellt werden. Eventuell können auch Themen vorgegeben werden, wie „Maria mit dem Kind“ oder „Ein Engel erscheint Maria“. Allerdings ist bei dieser Auswahl zu bedenken, dass auch Kinder anderer Religionen in der Klasse sitzen. So wäre es durchaus denkbar, Bilder von alten Glasmalereien aus verschiedenen Kulturen zu betrachten.

Beispiele


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Unterrichtsbeispiel „Glasmalerei“ Aufgabe Wähle eine Szene und male diese auf Glas! H Glasfarben oder Ölfarben (Terpentin) H Pinsel H Glasscherben oder zugeschnittene Glasteile Es kann auch eine Gemeinschaftsarbeit mit den verschiedenen Glasteilen zusammengestellt werden „Der Lebensweg von Jesus“ oder eine neutrale Alternative. Es gibt auch Glasfenster mit Abbildungen von Königen und Kaisern.

Versuch Das Malen auf Glas muss erst auf einer Glasscherbe erprobt werden. Dies ist unbedingt notwendig, um die Wirkung zu erkennen. Außer Glasfarben können – wie im Mittelalter – auch Ölfarben verwendet werden. Diese Malerei ist eine Hinterglasmalerei. Der Vorgang läuft dabei als „Rückwärtsmalerei“ in umgekehrter Reihenfolge wie beim Tafelbild ab: Die Untermalung erfolgt vor dem abschließenden Grund, der der Bildgrundierung entspricht. Im Mittelalter hat man auch noch zuerst eine Lasur aufgetragen, die der Schlusslasur bei Ölgemälden entsprach. Die Versuche werden ausgewertet und Erfahrungen ausgetauscht, um die Möglichkeiten der Technik bei der eigentlichen Arbeit richtig nutzen zu können.

Praktische Arbeit Die Schülerinnen und Schüler übertragen eine gewählte Szene auf das Glas. Dies kann einfach mit einem nicht permanenten Filzstift geschehen. Die Vorzeichnungen sollten nicht zu differenziert sein, sondern nur als Orientierungshilfe dienen. Anschließend kann mit den Glas- und Ölfarben gemalt werden. Auf das sorgfältige Auswaschen der Pinsel ist zu achten. Ölfarbe löst sich mit etwas Terpentin. (Nicht in den Ausguss schütten!)

Auswertung Die Arbeiten werden unter folgenden Gesichtspunkten betrachtet: H Darstellung der Szene H Wirkung H Besondere Lösungen

H Sauberes Arbeiten H Aufgetretene Probleme


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Glasmalerei: „Verkündigung an Maria“

„Verkündigung an Maria“, Glasfenster in der Abteikirche von Saint Denis © Peter Willi - ARTOTHEK


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Die Neuzeit/Materialien und Unterrichtsbeispiele Die Neuzeit In der so genannten Neuzeit, etwa ab 1500 n. Christus, lagen Renaissance, Barock und Rokoko. Renaissance bedeutet Wiedergeburt. Diese bezog sich auf einen neuen Stil. Die Kunst wurde nicht mehr nur auf das Jenseits beschränkt, sondern auf das Jetzt der Welt und der Menschen. Erstmals wurde auf Gemälden mit der Perspektive räumliche Tiefe erzeugt. Künstler wie Michelangelo, Tizian, Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer und Pieter Bruegel d. Ä. beherrschten die Raum- und Körperdarstellung vollkommen. Die Barocke Kunst entwickelte den Illusionismus (täuschen), der in täuschender Weise Grenzen zwischen Wirklichkeit und Kunst verschwimmen lässt. Wände werden durch scheinräumliche Darstellungen optisch aufgelöst. Ornamente (Verzierungen) mit geometrischen, tierischen, pflanzlichen oder menschlichen Formen, gewannen an Bedeutung. Künstler des Barock waren zum Beispiel Giovanni Lorenzo Berini, Diego Velasquez, Rembrandt, Rubens und Jan Vermeer. Rokoko ist eine Kunst der spielerischen Andeutung voller Anmut und Leichtigkeit und nicht mehr der machtvollen Überzeugung. Sie wählte Themen aus dem alltäglichen Leben, Landschaften und Stillleben. Künstler des Rokoko waren Jean-Antoine Watteau, William Hogarth und Francisco de Goya.

Verwendete Materialien und Techniken Das meist bevorzugte Malmaterial waren in dieser Zeit Ölfarben. Das heißt Öl wurde als Farbträger mit Farbpigmenten vermischt. Meist malte man auf Leinwand, aber auch auf Holz. Im Rokoko arbeiteten die Künstler mit Techniken wie Pastell, Kreide oder Rötel mit verwischten Effekten. Es entstanden Bronze- und Marmorfiguren. Leonardo da Vinci zeichnete auch viele Skizzen mit Tusche und Feder. Albrecht Dürer wurde bekannt durch seine Druckgrafiken von Holzschnitten.

Mögliche Unterrichtsbeispiele G G G G G G G G

Perspektivisches Malen mit einem Fluchtpunkt Perspektivisches Malen durch Farbwahl Realistisches Zeichnen mit Tusche und Feder Malen was man sieht: Realistisches Zeichnen mit Farbe, z. B. Stillleben Rötel-/Kreidezeichnung Malen mit Ölfarben auf Leinwand Malen auf Holz Holzschnitt/Drucktechnik


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Leonardo da Vinci: „Das letzte Abendmahl“

Leonardo da Vinci (1452-1519) „Das letzte Abendmahl“ (1495-1497) © ARTOTHEK


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Unterrichtsbeispiel „Der Säulengang“ Unterrichtsbeispiel „Der Säulengang“ Perspektivisches Malen mit Fluchtpunkt G

Vorbereitungsphase Um die Kriterien des Perspektivischen Malens zu erkennen, müssen Kunstbetrachtungen helfen. Dies können Bilder aus dieser Zeit sein wie „Treppenhaus der Biblioteca Laurenziana“ von Michelangelo Buonarroti, „Gartenanlagen Schloss Augustusburg bei Brühl“ von Dominique Girard oder ähnliche Bilder von Innenräumen, Kirchen, Schlösser oder Gärten aus dieser Zeit.

G

Kriterien der Perspektive Die Renaissance entdeckte die Zentralperspektive, das heißt die Ordnung von parallelen Linien im Bild über Fluchtlinien auf einen Fluchtpunkt zu. So dass alle Gegenstände mit gedachtem zunehmendem Abstand von der Bildebene und vom Betrachter kleiner dargestellt werden müssen. Eine andere Möglichkeit der Perspektive bietet der Einsatz der Farben. Sie nutzt die Erfahrung, dass bei wachsender Entfernung alle Farben in der Natur, nach Blau hin gebrochen werden und zum fernen Horizont hin immer heller und farbloser erscheinen. Frosch- und Vogelperspektive sind Bezeichnungen für den Blickwinkel, unter dem etwas gesehen wird. Um diese Möglichkeiten zu veranschaulichen, werden einfache Übungen vor die eigentliche Aufgabe gesetzt. Gezeichnet wird mit Bleistift und Wasserfarben.


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Übungen: Baumallee/Gebirgszüge 1. Übung G

Baumallee Zeichne in die Vorgaben eine Baumallee! Zeichne weitere Fluchtlinien ein, die du brauchst. Wähle eine Baumart. Du kannst noch Wolken an den Himmel setzen, bedenke die Perspektive! Vorgabe Zeichnung Zentralperspektive

Beispiel Zeichnen von Bäumen in einer Allee

2. Übung G

Gebirgszüge Male mit Farben die Gebirgszüge bis zum Horizont! Wähle die Farben so, dass eine Tiefe (Perspektive) entsteht! Vorgabe Horizontlinie mit Gebirgszügen

Beispiel Malen von Farbfeldern zum Horizont hin

Auswertung H H H H H

Sind Perspektiven entstanden? H Wo befindet sich der Fluchtpunkt? Welche besonderen Mittel wurden gewählt? Besonderheiten: Gestaltung der Säulen und sonstige Ausgestaltung. Wo hast du Unterlagen gefunden und welche? Wo lagen Schwierigkeiten bei der Erstellung?


Bedenke die Perspektive!

Du kannst noch Wolken an den Himmel setzen.

Wähle eine Baumart!

Zeichne weitere Fluchtlinien ein, die du brauchst.

Zeichne in die Vorgabe eine Baumallee!

Aufgabe

Vorgabe Baumallee

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Wähle die Farben so, dass eine Tiefe (Perspektive) entsteht!

Male mit Farben die verschiedenen Gebirgszüge bis zum Horizont!

Aufgabe

Vorgabe Gebirgszüge

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Siehe Beispiel!

Gestalte die Säulen selbst! Nimm dazu Bücher und betrachte aus der Zeit der Renaissance die Bauwerke!

Zeichne Hilfslinien mit Bleistift auf einen Fluchtpunkt!

Male einen Säulengang!

Aufgabe

Säulengang

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Unterrichtsbeispiel „Malen, was man sieht“ Unterrichtsbeispiel „Malen, was man sieht“ G Vorbereitungsphase Für dieses Unterrichtsbeispiel eignen sich Bilder von Albrecht Dürer als Kunstbetrachtungen wie „Großes Rasenstück“ oder „Junger Feldhase“ und reale Gegenstände. Es erfordert Geduld, Ausdauer und eine gute Beobachtungsgabe um Gegenstände realistisch exakt zu zeichnen. Dazu werden einige Beobachtungsaufgaben vor die eigentliche Aufgabe geschaltet. Es können verschiedene Gegenstände zur Beobachtung und Beschreibung gewählt werden.

Beispiele: H Beschreibe einen Grashalm in Form und Farbe! Finde mindestens zehn Eigenschaften! (Länglich, zackiger Rand, spitzes Ende, Blattader dick, kleine dünne Blattadern, winzige Härchen auf der Oberseite, Unterseite hellgrün, Oberseite dunkelgrün, Blattadern bräunlich, Stiel kurz und rund, …) H Beschreibe deinen Sitznachbarn genau! Möglich ist auch eine Hausaufgabe: H Beschreibe dein Lieblingstier (aus Stoff oder ein echtes Tier)! Die Beschreibungen werden in der Schule vorgelesen, ohne Hinweis auf den Tiernamen. Die Kinder versuchen zu erraten, welches Tier gemeint ist.

G Durchführung der Arbeit Nach diesen Vorübungen kann die Aufgabe formuliert werden. Sie kann offener oder geschlossener gehalten werden, je nachdem, ob alle Schülerinnen/Schüler denselben Gegenstand malen sollen, oder ob sie eine Wahlmöglichkeit haben. Möglich ist auch ein außerschulischer Lernort wie eine Kirche, Wald, Wiese, Park, wo sie sich etwas aussuchen können, das sie naturgetreu abzeichnen. Dazu ist es wichtig, den Hinweis zu geben, dass nur ein Detail gewählt werden soll: Blüte, Blatt, Rinde, Türklinke, Ornament usw.


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Unterrichtsbeispiel „Genaues Zeichnen“ Unterrichtsbeispiel „Genaues Zeichnen“ G Aufgabenbeispiele a) Suche im Schulhof ein schönes Blatt und zeichne es genau nach! b) Wähle aus deiner Schultasche einen Gegenstand aus und zeichne ihn genau nach! c) Wähle einen Gegenstand oder einen Ausschnitt (außerschulischer Lernort) und zeichne ihn naturgetreu nach! G Malmittel Die Art der Malmittel kann offen gehalten werden: Bleistift, Tuschestift, Wasserfarben oder mehrere kombiniert.

Auswertung H H H H

Was zeigen die einzelnen Zeichnungen? Wurde naturgetreu gezeichnet? Welche Malmittel wurden verwendet? Kann nachgebessert werden?

Bei außerschulischen Lernorten wie „Kirche“, kann die Klasse vor Ort die einzelnen Darstellungen in der Kirche suchen: Wo ist dieser Ornamentausschnitt? Wo ist dieses Fenster, wo dieser Kopf, diese Hand usw.? Was war schwierig?


Zeichnung: Ingeborg Bruckert

„Alte Kreuze vor der Kapelle“

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Kunst im Unterricht Neuzeit Seite 44 •

Unterrichtsbeispiel „Stillleben“ Unterrichtsbeispiel „Stillleben“ G

Vorbereitungsphase Woher kommt dieser Begriff? Definition: niederländisch still-leven. Das heißt Leben, Dasein, Modell und ist eine Gattung der Malerei, die sich der Darstellung unbewegter Dinge widmet. Die Künstler arrangierten verschiedene Dinge zu einem Stillleben. Das Charakteristische eines Stilllebens kann mit Hilfe von Kunstbetrachtungen erkannt werden. Zum Beispiel aus dieser Zeit: „Stillleben mit Zuckerdose, Birnen und Tischdecke“ von Paul Cézanne. Die Schülerinnen/Schüler können auch selbst Unterlagen und Beispiele sammeln, entweder aus Büchern oder aus dem Internet.

G

Durchführung der Arbeit Ein Stillleben kann mit Wasserfarben gemalt oder als Collage hergestellt werden. Es ist auch möglich, eine Kohle-Kreide oder Rötelzeichnung anzufertigen. Das eignet sich besonders bei der Darstellung von Gefäßen und Früchten. Die Schülerinnen/Schüler können verschiedene Gegenstände mitbringen und in Gruppen ein Stillleben zusammenstellen, das sie anschließend abzeichnen.

Aufgabe Stelle aus den vorbereiteten Gegenständen ein Stillleben zusammen und zeichne es ab! Gib dem Stillleben einen Namen!

Auswertung H Was stellen die Stillleben dar? H Wie wurde das Arrangement getroffen? H Umsetzung der Technik? H Schwierigkeiten, die aufgetreten sind: Die einzelnen Gruppen berichten.

Einfachere Aufgabe Schneide aus dem Ausschneidebogen Gegenstände aus, stelle sie zu einem Stillleben zusammen und gestalte sie!


Kunst im Unterricht Neuzeit Seite 45

Paul Cézanne: „Stillleben mit Zuckerdose, Birnen und Tischdecke“

Paul Cézanne (1839-1906) „Stillleben mit Zuckerdose, Birnen und Tischdecke“ © Christie’s Images Ltd - ARTOTHEK


Kunst im Unterricht Neuzeit Seite 46 •

Ausschneidebogen „Gefäße“


Kunst im Unterricht Neuzeit Seite 47 •

Ausschneidebogen „Früchte“


Kunst im Unterricht 19. Jahrhundert Seite 48 •

Das 19. Jahrhundert/Materialien und Unterrichtsbeispiele Das 19. Jahrhundert Dem 19. Jahrhundert werden Klassizismus, Romantik, Historismus, Impressionismus, Realismus und Jugendstil zugeordnet. In diese Zeit fallen u. a. die weiterführende Industrialisierung und die Anfänge der Fotografie. Dies schlug sich alles in der Kunst nieder. Die Kunst spaltete sich in eine eher rational eingestellte und in eine emotionale Strömung. Revolutionskunst und Klassizismus verfolgten nationalistische Themen, während die romantische Richtung private Regungen thematisierte. Nach der Erfindung der Fotografie war es möglich, Bauwerke, Menschen und Szenen festzuhalten. Dies machte viele Künstler arbeitslos. Andererseits war das auch eine Herausforderung für Künstler. Sie wichen von der Wiedergabe natürlicher Gegebenheiten ab und brachten Stimmungen und Gefühle zu Papier bzw. auf die Leinwand. Der Weg zur Abstraktion wurde bereitet. Künstler wie Jean Auguste Dominique Ingres, Eugène Delacroix, Caspar David Friedrich, Ludwig Richter, Carl Spitzweg, Wilhelm Leibl, Claude Monet, Edgar Degas, Edouard Manet, Gustav Klimt, Paul Cézanne, Paul Gauguin und Vincent van Gogh prägten das 19. Jahrhundert.

Verwendete Materialien und Techniken Man malte meist mit Ölfarben auf Leinwand. Es gab aber auch Aquarelle, Zeichnungen mit Feder und Tusche und Lithographien. Die Lithographie ist ein Flachdruckverfahren, bei dem auf Platten aus Kalkschiefer mit einer Feder, Kreide oder Pinsel eine Zeichnung mit fetter Farbe aufgetragen wird. Nach der Behandlung der zeichnungsfreien Stellen wird der Stein angefeuchtet und mit Druckfarbe eingefärbt, die nur an den Stellen der Zeichnung haftet. Mit diesem Verfahren können größere Auflagen hergestellt werden, zum Beispiel Plakate. Außerdem gab es die Primamalerei, bei der die Farbe direkt spontan auf die grundierte Leinwand aufgetragen wurde, ohne Korrektur. Es wurde viel mit Farbperspektive gearbeitet, das heißt die Farben wurden so angeordnet, dass eine räumliche Wirkung entstand. Der Pointillismus ist eine Maltechnik, bei der Farbpunkte nebeneinander gesetzt wurden, die sich im Auge des Betrachters optisch mischten. Jeder Künstler entwickelte seinen Malstil. Um Stimmungen zu erzeugen, wurde viel mit Farben und Formen experimentiert.

Mögliche Unterrichtsbeispiele G Erstellen eines Plakates (Plakatkunst in Drucktechnik) G Einsatz von Farben, um Licht und Dunkel zu gestalten G Stimmung mit Farben und Formen erzeugen


Claude Monet (1840-1926) „Ebbe bei Pointe de L’Ailly“, 1882. © Christie’s Images Ltd - ARTOTHEK

Claude Monet: „Ebbe bei Pointe de L’Ailly“

Kunst im Unterricht 19. Jahrhundert Seite 49 •


Gustav Klimt (1862-1918) „Tod und Leben“, vollendet 1916 © IMAGNO - ARTOTHEK

Gustav Klimt: „Tod und Leben“

Kunst im Unterricht 19. Jahrhundert Seite 50 •


Vincent van Gogh (1853-1890) „Weizenfeld im Regen“, 1889 © Peter Willi - ARTOTHEK

Vincent van Gogh: „Weizenfeld im Regen“

Kunst im Unterricht 19. Jahrhundert Seite 51 •


Kunst im Unterricht 19. Jahrhundert Seite 52 •

Wilhelm Leibl: „Drei Frauen in der Kirche“

Wilhelm Leibl (1844-1900) „Drei Frauen in der Kirche“, 1878/1882 © Westermann - ARTOTHEK


Kunst im Unterricht 19. Jahrhundert Seite 53 •

Unterrichtsbeispiel „Ein Gewitter zieht auf“ Unterrichtsbeispiel „Ein Gewitter zieht auf“ G

Vorbereitungsphase Betrachten von verschiedenen Bildern, die bestimmte Stimmungen wie Gewitter, Sonne, Hitze, Kälte, Nacht etc. aufzeigen. Das kann Caspar David Friedrich: „Mönch am Meer“, Claude Monet: „Sonnenaufgang“, „Frau mit Sonnenschirm“, William Turner: „Schneesturm auf dem Meer“, Vincent van Gogh: „Cafeterrasse am Abend“, „Heuschober an einem Regentag“ oder ein ähnliches Bild sein.

G

Kriterien für ein Gewitter Dunkle Farben am Himmel und in der Landschaft. Eventuell kann ein Teil der Landschaft noch in der Sonne liegen. Dicke Wolken am Himmel, sich vom Wind beugende Bäume und Sträucher.

G

Durchführung der Arbeit Es wird mit Pinsel und Wasserfarben gemalt.

Aufgabe Male ein aufziehendes Gewitter! Wähle eine Landschaftsform und die passenden Farben!

Auswertung Die Bilder werden nach der „Stimmung“ analysiert! H Was wirkt bedrohlich? H Welche Farben wurden verwendet? H Welche Formen weisen auf ein Gewitter hin? H Gibt es originelle Lösungen? H Was machte Probleme?


Kunst im Unterricht 19. Jahrhundert Seite 54 •

Vincent van Gogh: „Heuschober an einem Regentag“

Vincent van Gogh (1853-1890) „Heuschober an einem Regentag“ Auvers-sur-Oise, Juli 1890 © Blauel/Gnamm - ARTOTHEK


Kunst im Unterricht 19. Jahrhundert Seite 55 •

Zusammenfassung: Stimmungen und Farben Zusammenfassung: Stimmungen und Farben Thema

Stimmung

Farbe

Gewitter

bedrohlich, drückend, ...

dunkle Farben in grün, blau, schwarz

Sommer, Sonne

Winter, Kälte

Nacht

Freude

Trauer


Kunst im Unterricht 19. Jahrhundert Seite 56 •

Unterrichtsbeispiel „Plakat“ Unterrichtsbeispiel „Plakat“ G

Vorbereitungsphase Zuerst muss festgelegt werden, was ein Plakat überhaupt ist und wofür Plakate gemacht werden. Im ausgehenden 19. Jahrhundert gab es an Plätzen und Straßen künstlerisch gestaltete Plakate, die als Ankündigungen von Ausstellungen und als Werbung an Litfasssäulen dienten. Ein Vergleich von Plakaten des 19. Jahrhunderts und der heutigen Zeit zeigt Grundkriterien und den Zeitgeist auf. Es können Plakate von Henri de Toulouse-Lautrec: „Divan Japonais“ oder von Jules Chéret: „Pantomimes lumineuses“ verwendet werden.

G

Kunstbetrachtung Aktuelle Plakate werden von den Schülerinnen/Schülern mitgebracht, in Original oder aus dem Internet. Die Abbildungen der Plakate können zur Betrachtung auf Folie kopiert werden, falls sie nicht im Original zur Verfügung stehen. Das Plakat kann in Gruppenarbeit hergestellt werden, am besten mit Abtönfarben. Die Schülerinnen/Schüler können ein aktuelles Thema aufgreifen wie Schulfest, Weihnachtsfeier, Faschingsveranstaltung oder Sonstiges.

G

Kriterien H Das Plakat muss aufzeigen, um was geworben wird. H Es darf nur wenig Text enthalten. H Farbe und Formen müssen „ins Auge springen“. H Winzige Details können aus der Entfernung nicht erkannt werden, also große Schrift, große Formen. H Eventuell provozierende Darstellung, um Aufmerksamkeit zu erregen. Es darf aber nicht beleidigend für bestimmte Menschengruppen sein.

G

Durchführung der Arbeit Es werden große Bögen Tonpapier in verschiedenen Farben verwendet. Dazu Abtönfarben und Borstenpinsel in verschiedenen Größen.

Aufgabe Gestaltet ein Plakat für eure Theateraufführung! Beachtet die Kriterien zum Erstellen des Plakates!

Auswertung H Ist zu erkennen, wofür geworben wird? H Welche Farben wurden verwendet? H Wie wurde der Arbeitsablauf gestaltet?

H Wodurch fällt das Plakat auf? H Gibt es Verbesserungsvorschläge? H Wo gab es Schwierigkeiten?


Kunst im Unterricht 19. Jahrhundert Seite 57 •

Henri de Toulouse-Lautrec: „Lithographie Jane Avril“

Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901) „Lithographie Jane Avril“, 1893 © Christie’s Images Ltd - ARTOTHEK


Kunst im Unterricht 19. Jahrhundert Seite 58 •

Gustav Klimt: „Plakat für die 1. Sezessions-Ausstellung“

Gustav Klimt (1862-1918) Plakat für die 1. Sezessions-Ausstellung (unzensuriert) in „die Fläche“, 1898 © IMAGNO - ARTOTHEK


Kunst im Unterricht Moderne Seite 59 •

Die Moderne/Verwendete Materialien und Techniken Die Moderne Die Moderne weist im 20. Jahrhundert Wege in die Abstraktion. Die subjektive Weltsicht des Einzelnen und die Formulierung neuer künstlerischer Thesen und künstlerischen Mittel führten zur Abstraktion und zur konkreten Kunst. Die Kunstformen wurden vielfältiger. Im Expressionismus brauchten sich Künstler wie Henri Matisse, nicht mehr um kleinliche Einzelheiten zu bemühen. Das machte die Fotografie. Es entstand mit ErnstLudwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Emil Nolde die Künstlergruppe „Brücke“. Später gründeten Wassily Kandinsky und Franz Marc die Gruppe „Der blaue Reiter“, der sich auch die Künstler Paul Klee, Gabriele Münter und August Macke anschlossen. Eine Neuorientierung leiteten im Kubismus die Maler Pablo Picasso und George Braque ein. Sie versuchten neue Mittel und Methoden der Malerei. Es kam zur Abstraktion, als einige Maler in ihren Bildern die Schwelle zur Gegenstandslosigkeit überschritten, wie Piet Mondrian. Der Surrealismus zeigte Alltägliches verfremdet. Realität und Irrealität stehen nebeneinander. Salvadore Dali, Max Ernst und René Margritte zeigten diese Kunstrichtung mit ihren Werken auf. Sie verwendeten neue Techniken wie Frottage, Décalcomanie und Grattage. Parallel dazu entstand aber auch eine Bewegung der Neuen Sachlichkeit zum Beispiel mit Otto Dix, Georg Grosz und Edward Hopper. Diese war weitgehend frei von einer persönlichen Handschrift. Nach der Machtergreifung des Nationalsozialismus erfolgte eine Gleichschaltung der Künste. Die Linie Hitlers setzte sich durch, alle Moderne Kunst wurde als entartet entfernt.

Verwendete Materialien und Techniken Das 20. Jahrhundert wies vielfältige Techniken mit unterschiedlichen Materialien auf. Alles ist möglich und erlaubt. Es wurde Öl auf Leinwand gemalt. Aquarelle und Holzschnitte entstanden. Collagen gleich „Klebebilder“ wurden mit Malerei teilweise verbunden, in dem man zum Beispiel Zeitungsausschnitte aufklebte. Bei der Assemblage wurden dreidimensionale Gegenstände in das Bild mit eingebracht. Die Frottage kommt vom französischen Wort „frotter“ für „reiben“ und ist ein graphisches Verfahren, bei dem die Struktur von Oberflächen mithilfe eines Stiftes oder einer Kreide auf Papier gerieben wird. Die Décalcomanie ist ein Farbabklatschverfahren, bei dem eine auf eine Fläche (Glasplatte) aufgetragene Farbe durch Aufdrücken eines Papiers die Form und Textur verändert. Bei der Grattage (vom französischen „gratter“ = „kratzen“) ist ein Verfahren, bei dem die aufgetragene Farbe durch Kratzen, zum Beispiel mit einem Spachtel, wieder teilweise abgekratzt wird.


Henri Matisse (1869-1954) „Das rote Zimmer“, 1908/1909 © Succession H. Matisse/ VG Bild-Kunst, Bonn 2009/ ARTOTHEK

Henri Matisse: „Das rote Zimmer“

Kunst im Unterricht Moderne Seite 60 •


Kunst im Unterricht Moderne Seite 61 •

Pablo Picasso: „Blick aus dem Fenster in Tanger“

Pablo Picasso (1881-1973) „Blick aus dem Fenster in Tanger“, 1912 © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2009/IMAGNO - ARTOTHEK


Kunst im Unterricht Moderne Seite 62 •

Wassily Kandinsky: „Durchgehender Strich“

Wassily Kandinsky (1866-1944) „Durchgehender Strich“, 1923 © VG Bild-Kunst, Bonn 2009/Hans Hinz - ARTOTHEK


Kunst im Unterricht Moderne Seite 63 •

Unterrichtsbeispiele

Mögliche Unterrichtsbeispiele G

Collage nach Kunstbetrachtung von Matisse Papierausschnitte auf Karton

G

Wege zur Abstraktion Vergleiche gegenständliches Malen – abstraktes Malen

G

Frottage Anordnen einer Landschaft, einer Figur mit Frottageteilen

G

Décalcomanie Zufall und Beeinflussung des Farbauftrages

G

Grafische Aufteilung einer Fläche in Flächen und Linien nach Mondrian

G

Verfremden von Gegenständen oder Personen

Beispiel Frottage


Kunst im Unterricht Moderne Seite 64 •

Unterrichtsbeispiel „Märchenlandschaft“ – Frottage Unterrichtsbeispiel „Märchenlandschaft“ – Frottage G

Vorbereitungsphase Zuerst muss die Technik erlernt werden. Dies kann auf verschiedenen Wegen geschehen. Der einfachste und effektivste Weg: Die Schülerinnen und Schüler beobachten, wie die Lehrkraft auf ein Stück Papier mit einem weichen Bleistift ein Geldstück durchreibt = Frottage. Der Begriff kann in diesem Zuge geklärt und an die Tafel geschrieben werden. Nun folgt eine Experimentierphase: Nimm weißes Zeichenpapier und einen weichen Bleistift und reibe verschiedene Gegenstände und Flächen durch! Du kannst im Klassenzimmer, im Schulhaus und auf dem Schulhof Beispiele durchreiben. Die Schülerinnen und Schüler sind nun einzeln unterwegs und stellen kleine Frottagefelder her. Zum Beispiel: Durchreiben von Holzflächen, Gitterteilen, Wandstrukturen, Schlüsselloch, Bodenbeläge, Blätter, Reifen- oder Schuhprofil usw. Es muss ein Zeitrahmen festgesetzt werden und evtl. auch die Mindestanzahl der Beispiele. Jedes Kind sollte nach ungefähr 20-25 Minuten fünf Beispiele vorweisen können. Als Alternative können auch verschiedene Materialien zur Verfügung gestellt und an Gruppentischen erprobt werden, wie sie sich zur Frottage eignen. Das können grobe Gewebe, Gitter, Holzstücke, Leder, Wellpappe, etc. sein. Die Beispiele werden im Sitzkreis ausgewertet: Woher sind die einzelnen Frottagen? Sind sie gelungen? Kann man Strukturen erkennen? Wie muss durchgerieben werden, um ein optimales Ergebnis zu erhalten?

G

Tipp Die Beispiele können auch als Rätsel für die übrigen Klassen im Schulhaus ausgehängt werden: Auf ein großes Plakat werden ausgesuchte einzelne Frottagen aufgeklebt, nummeriert und mit der Frage: „Was wurde hier durchgerieben?“ versehen. Die Schülerinnen und Schüler können nun auf kleine vorbereitete Lösungszettel zu der jeweiligen Nummer ihre Vermutung schreiben wie „Fliesenboden“, „Schlüsselloch“ usw. Die Zettel können mit Namen versehen bei der Klasse, die das Rätsel erstellt hat, abgegeben werden. Wer alles richtig hat, bekommt einen „Preis“, der von der Klasse festgelegt wird. Zum Beispiel ein Buch oder Ähnliches.


Kunst im Unterricht Moderne Seite 65 •

Unterrichtsbeispiel „Märchenlandschaft“ – Frottage Unterrichtsbeispiel „Märchenlandschaft“ – Frottage G

Kunstbetrachtung und Hinführung zum Thema Nach der Experimentierphase kann eine Kunstbetrachtung eingeschoben werden – eine Collage von Max Ernst. Dieser Schritt kann aber auch am Ende der eigenständigen Arbeit stehen oder ganz ausgelassen werden. Die Kunstbetrachtung würde zeigen, wie Künstler mit der Technik „Frottage“ umgegangen sind und diese verwendet haben.

G

Durchführung der Arbeit Es werden weißes Zeichenpapier und ein weicher Bleistift für die Frottage verwendet. Die Frottageteile werden ausgeschnitten und auf ein weißes Papier neu zum Thema „Märchenlandschaft“ als Collage angeordnet.

Aufgabe Stelle verschiedene Frottageflächen her und schneide sie in geeignete Formen. Lege die Teile zu einer „Märchenlandschaft“ und klebe sie auf! Achte auf gut sichtbare Strukturen der Frottage!

Auswertung H Beschreibe die Landschaften. H Wie sind die Teile angeordnet? H Erkennt man die „Märchenlandschaft“? H Deute die Teile: Pflanzen, ...? H Was ist auf den Frottageteilen zu erkennen? H Gibt es Verbesserungsvorschläge? H Welche Strukturen eignen sich besonders? H Wo lagen die Schwierigkeiten?


Kunst im Unterricht Moderne Seite 66 •

Frottage – Beispiele Frottage – Beispiele


Kunst im Unterricht Moderne Seite 67 •

Unterrichtsbeispiel „Tänzerin und Tänzer“ – Collage Unterrichtsbeispiel „Tänzerin und Tänzer“ – Collage G

Vorbereitungsphase Es kann eine Kunstbetrachtung von einem Matisse-Werk vorangestellt werden. Entweder mit Schwerpunkt Tänzerin und Tänzer mit dem Bild „Joie de Vivre“ (Lebensfreude) oder der Technik Collage „L'escargot“ (Die Schnecke). Beim ersten Bild ist auf die Formen und Bewegungen der Figuren zu achten. Beim zweiten Bild auf die Technik, das gerissene farbige Papier, angeordnet nach einem bestimmten Prinzip. Das farbige Papier kann selbst hergestellt werden oder aber man verwendet buntes Tonpapier oder ähnliches. Es können auch vorgegebene Formen vom Arbeitsblatt verwendet werden.

G

Kunstbetrachtung und Hinführung zum Thema Die Vorgehensweise bei der Kunstbetrachtung erfolgt nach dem bewährten System: Allgemeine Beschreibung, Formen, Farben, Technik und Deuten. Schwerpunkt Technik Collage: Man kann verschieden große Papierstücke aus vorher colorierten Papieren reißen. Anordnen zu Tänzerin und Tänzer: Dazu ist erst eine genaue Beschreibung der Figuren notwendig. Entweder mit Hilfe der Kunstbetrachtung oder des Nachstellens von Tanzfiguren. Schülerinnen und Schüler stellen sich in „Tanzpositionen“. Diese Positionen können in einfachen Grundformen an die Tafel gezeichnet werden. Kriterien: Man muss sehen, dass sich die Figuren bewegen. Arme, Beine, Kopf und Körper zeigen verschiedene Haltungen. Die Technik wird anhand eines Schülerversuches geklärt: „Versuche Formen aus dem Papier zu reißen und erkläre, was damit hergestellt werden kann.“ Beispiel: Eine längliche, gekrümmte Form kann ein Bein darstellen.

G

Durchführung der Arbeit Es werden vorbereitete bunte Papiere und Klebstoff verwendet.

Aufgabe Reiße aus dem vorhandenen Papier Formen und setze sie zu einer Tänzerin und einem Tänzer zusammen! Beachte die Kriterien. Lege erst die Papiere, bevor du sie aufklebst!

Auswertung H Beschreibe die Bewegungen der Figuren. H Wie wurden die Papierformen gerissen? H Wurden die Formen sauber aufgeklebt?

H Wo sieht man, dass sie tanzen? H Wo lagen die Schwierigkeiten? H Gibt es Verbesserungsvorschläge?


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Ausschneidebogen „Tänzerin und Tänzer“ Aufgabe Bemale die Teile, schneide sie aus, lege sie als Tanzpaar und klebe sie auf!

Beispiel


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Unterrichtsbeispiel „Flächen und Linien“ nach Mondrian Unterrichtsbeispiel „Flächen und Linien“ nach Mondrian G

Vorbereitungsphase Das Bild von Piet Mondrian „Komposition 1921“ eine Komposition mit Rot, Gelb und Blau eignet sich besonders für dieses Thema. Die Komposition besteht aus einem schwarzen Gitterwerk mit horizontalen und vertikalen Linien in ungleichen Abständen. Einige dadurch entstandene Flächen sind farbig gefüllt. Diese Kriterien müssen bei der Kunstbetrachtung erkannt werden. Nach diesen Kriterien kann eine Arbeitsaufgabe mit verschiedenen Techniken entstehen: Malen mit Abtönfarben und breitem Borstenpinsel oder Aufkleben der geometrischen Flächen aus farbigem Papier und Malen der Linien mit breitem Pinsel. Die zweite Variante ist eine Mischung aus Malen und Collage. Die einzelnen Bilder können anschließend zu einer Gemeinschaftsarbeit zusammengefügt werden.

G Kunstbetrachtung und Hinführung zum Thema Die Formen und Farben des Bildes werden genau beschrieben: Es sind die Grundfarben Rot, Gelb und Blau zu sehen, außerdem die Farbe Schwarz für die Linien. Die Linien sind exakt mit Lineal gezeichnet. Die farbigen Flächen sind geometrische Formen = Vierecke. Anordnung und Abstände der Linien und Flächen werden benannt. Die Technik kann im gemeinsamen Gespräch erarbeitet werden: Wie erreiche ich die geraden, schwarzen Linien? Wie können die farbigen Flächen dargestellt werden? Aus der Sammlung der Möglichkeiten ergeben sich die Kriterien, die an einem Beispiel gemeinsam erprobt werden: Die Flächen werden mit Hilfe des Lineals aus farbigem Papier geschnitten. Die schwarzen Linien entstehen mit Hilfe eines Kartonstreifens zuerst mit dünner Bleistiftvorzeichnung, um dann mit dem breiten Borstenpinsel und schwarzer Abtönfarbe nachgezeichnet zu werden, so dass der Bleistiftstrich nicht mehr zu sehen ist.

G Arbeitsablauf H Vorzeichnen der Linien von Rand zu Rand H Zuschneiden der passenden Flächen H Aufkleben der Fläche H Aufzeichnen der schwarzen Linien mit dem Pinsel


Kunst im Unterricht Moderne Seite 70 •

Unterrichtsbeispiel „Flächen und Linien“ nach Mondrian Unterrichtsbeispiel „Flächen und Linien“ nach Mondrian

G

Durchführung der Arbeit Es wird auf dem großen Zeichenblock gearbeitet. Die schwarze Abtönfarbe ist in Eierkartons an jedem Tisch. Farbiges Papier wurde entweder in der vorhergehenden Stunde selbst hergestellt oder steht als Tonpapier zur Verfügung.

Aufgabe Zeichne auf das Zeichenpapier ein Gitter nach Art des Künstlers Mondrian. Wähle einzelne Flächen für die farbige Gestaltung! Beachte den Arbeitsablauf!

Auswertung H H H H

Vergleiche die entstandenen Gitter. H Beschreibe die Anordnung. Wurden die Kriterien erfüllt? H Wurde exakt gearbeitet? Was bereitete Schwierigkeiten? H Gibt es Verbesserungsvorschläge? Wie könnte man die Bilder zu einem großen Gemeinschaftsbild zusammenfügen?

Beispiel Rot

Blau Gelb

Gelb


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Neue Kunstformen Neue Kunstformen Zu den Neuen Kunstformen zählen Pop Art, Realismus und Aktionskunst, Photorealismus, die Postmoderne sowie die Gegenwartskunst. Etwa Mitte des 20. Jahrhunderts bis heute entwickelten sich die Neuen Kunstformen. Pop Art ist eine Kunstbewegung vor allem der Malerei, die in den 50ziger und 60ziger Jahren hauptsächlich in Amerika und Großbritannien zu einer herrschenden Ausdrucksform aufstieg. Die Motive sind aus dem Alltag und der Werbung wie Suppendosen, Comicstreifen und Bierflaschen entnommen und werden als klar definierbare Gegenstände abgebildet. Bekannt sind die Flaggenbilder von Jasper Johns, Materialobjekte von Robert Rauschenberger, Siebdrucke von Andy Warhol und Comicbilder von Roy Lichtenstein. Jackson Pollock ließ in action painting abstrakte Bilder entstehen. Aktionen sind Teil der Kunstbewegung vieler Künstler. Es werden „Erlebnisräume“ geschaffen, Künstler und Betrachter treten in Aktion oder werden dazu aufgefordert. Josef Beuys bot einem Publikum szenische Aktionen. Gegenstände werden verhüllt, verpackt wie bei Christos „Verhüllter Reichstag“. Bewegliche Plastiken und Installationen unterstützt durch neue Medien wie Video werden dem Publikum präsentiert. Daneben entstand eine Form der Kunst, die realistische Abbildungen, hauptsächlich im Darstellen von Menschen, zeigte. Es gab Mischtechniken aus Photografie und Malerei. Die Postmoderne knüpfte an eine Entwicklung der Pop Art an. Das Triviale hat Einzug in die Kunst. Die GraffitiSzene machte die Strichmännchen von Keith Haring zu einem Markenzeichen. Es kam auch zu einer Wiederbelebung der expressiven Malerei, die mehr oder weniger abstrakt dargestellt wurde. Markus Lüperts und Georg Baselitz sind Vertreter dieser Kunstrichtung.


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Verwendete Materialien und Techniken/Unterrichtsbeispiele Verwendete Materialien und Techniken Die Verwendung von Materialien und Techniken ist in dieser Zeit sehr vielschichtig. Es wird mit Ölfarben auf Leinwand gemalt, es entstehen Siebdrucke mit Druckfarben. Materialien von modernen Technologien, wie Plastik, Acrylfarbe und Schaum sowie Dispersionsfarbe und Lacke, Glas, Ton, Erde, getrocknete Pflanzen und Alltagsgegenstände werden zu Kunstwerken verarbeitet. Dabei entstehen außerdem Bilder, Collagen, Skulpturen, Plastiken und Installationen.

Mögliche Unterrichtsbeispiele H „Marilyn“ nach einer Bildbetrachtung von Andy Warhol H „action painting“ nach Jackson Pollack H „Traummaschine“ – Objektgestaltung aus Alltagsmaterialien H Vergleich „abstrakte und gegenständliche Malerei“. Auswahl eines Themas wie Vase, Haus oder Frau zum abstrakten Malen. H „Haus auf dem Berg“ Drucktechnik H „Komposition von geometrischen Formen“ Collage

Beispiel „Traummaschine“


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Roy Lichtenstein: „Happy Tears“/Jackson Pollock: „Ohne Titel“

Roy Lichtenstein (1923-1997) „Happy Tears“, 1964 © VG Bild-Kunst, Bonn 2009/Christie’s Images Ltd - ARTOTHEK

Jackson Pollock (1912-1956) „ohne Titel, 1948“ © Pollock-Krasner Foundation/VG Bild-Kunst, Bonn 2009/Peter Willi - ARTOTHEK


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Andy Warhol: „Marilyn“

Andy Warhol (1928-1987) „Marilyn Monroe“, 1967 © 2009 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts/ARS, New York/ALINARI - ARTOTHEK


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Unterrichtsbeispiel „Marilyn“ Unterrichtsbeispiel „Marilyn“ G

Vorbereitungsphase Informationen über Künstler dieser Zeit können vorausgehen. Es kann ein Museumsbesuch stattfinden. Das Bild „Marilyn Monroe“ von Andy Warhol ist als Kunstbetrachtung geeignet. Es setzt sich aus mehreren gleichartigen Portraits zusammen. Jedes Portrait ist farblich etwas anders gestaltet, sei es der Hintergrund oder das Gesicht selbst. Es ist ein Siebdruck. Aus der Kunstbetrachtung heraus wird ein gezeichnetes Mädchengesicht so verwendet, dass das Gesicht sich mehrmals wiederholt und verschieden gestaltet ist. Es können aber auch andere Gesichter von Fotos oder aus Zeitschriften in der passenden Größe kopiert werden.

G

Durchführung der Arbeit Die Aufgabenseite wird kopiert, dabei besteht die Möglichkeit die Gesichter zu vergrößern. Die Gesichter werden mit Abtönfarben und Borstenpinsel bemalt, ausgeschnitten und aufgeklebt.

Aufgabe Bemale jedes Gesicht und den Hintergrund so, dass verschieden gestaltete Gesichter entstehen! Keines gleicht dem anderen.

Auswertung H Vergleiche die Gesichter. H Sind alle Gesichter verschieden? H Wie ist der Hintergrund gestaltet? H Welche Farben wurden für das Gesicht verwendet?


Keines gleicht dem anderen.

Bemale jedes Gesicht und den Hintergrund so, dass verschieden gestaltete Gesichter entstehen!

Aufgabe

Unterrichtsbeispiel „Marilyn“

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Kunst im Unterricht Neue Kunstformen Seite 77 •

Unterrichtsbeispiel „Abstrakte/Gegenständliche Malerei“ Unterrichtsbeispiel „Abstrakte/Gegenständliche Malerei“ G

Vorbereitungsphase Um einen Vergleich zwischen abstrakter und gegenständlicher Malerei zu klären, müssen verschiedene Bilder verglichen werden.

G

Kunstbetrachtung Die Bilder werden in sechs Gruppen als Puzzle ausgegeben. Jede Gruppe legt ihr Bild und muss so genau die einzelnen Segmente betrachten und die Darstellung erkennen. Anschließend werden die Bilder im großen Kreis betrachtet: Jede Gruppe spricht über ihr Bild. Die Unterschiede zu denselben Themen: Strauß – Haus – Frau sollen erkannt werden. Der Begriff abstrakt wird geklärt: Ich nehme von der Wirklichkeit etwas weg = abstrahieren. Es wird mehr von der sinnlichen Wahrnehmung aus gemalt als von der Realität. Die Bilder werden gedeutet: Was sagen sie aus, wie wirken sie.

G

Durchführung der Arbeit Es wird mit Wasserfarben auf Papier gemalt.

Aufgabe Wähle ein Thema aus den drei Vorschlägen:

Blumenstrauß – Haus – Frau Stelle es so dar, wie du es empfindest. Es muss nicht der Natur in Form und Farbe entsprechen! Fülle das gesamte Zeichenblatt, wähle den breiten Borstenpinsel und mische die Farben!

Auswertung H Freie Äußerungen zu den Bildern. H Was ist abstrakt, was realitätsgetreu gemalt? H „Der Künstler“ erklärt sein Bild und gibt ihm einen Namen.


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..

Nicolas de Stael: „Blumenstrauß in Fontenay“

.. Nicolas de Stael (1914-1955) „Blumenstrauß in Fontenay“, 1954 © VG Bild-Kunst, Bonn 2009/Christie’s Images Ltd - ARTOTHEK


Kunst im Unterricht Neue Kunstformen Seite 79 •

Pierre-Auguste Renoir: „Blumenstrauß in Keramikkrug“

Pierre-Auguste Renoir (1841-1919) „Blumenstrauß in Keramikkrug“


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August Macke: „Innenhof des Landhauses in St. Germain“

August Macke (1887-1914) „Innenhof des Landhauses in St. Germain“, 1914 © Reni Hansen - ARTOTHEK


Kunst im Unterricht Neue Kunstformen Seite 81 •

Grigorij Soroka: „N. Miljukov’s Haus ‘Ostrovski’ im Winter“

Grigorij Soroka (1823-1863) „N. Miljukov’s Haus ‘Ostrovski’ im Winter“ © ARTOTHEK


Kunst im Unterricht Neue Kunstformen Seite 82 •

Pablo Picasso: „Die Arlesienne“

Pablo Picasso (1881-1973) „Die Arlesienne“, 1937 © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2009/Christie’s Images Ltd - ARTOTHEK


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Jan Vermeer van Delft: „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“

Jan Vermeer van Delft (1632-1675) „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“


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Schülerbeispiele „Abstrakte/Gegenständliche Malerei“


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Unterrichtsbeispiel „Traummaschine“ Unterrichtsbeispiel „Traummaschine“ Objektgestaltung aus Alltags- und Abfallmaterialien G

Vorbereitungsphase Vorausgehend zu einer solchen Objektgestaltung muss eine Kunstbetrachtung stehen. Am besten im Museum oder einer Galerie, falls möglich, wenn derartige Objekte ausgestellt werden. Es ist aber auch eine Kunstbetrachtung über Dias, Bilder, Plakate oder Folien möglich. Es gibt zum Beispiel von Laszlo Moholy-Nagy „Licht-Raum-Modulator“, von Alexander Calder „Stahlfisch“ und von Jean Tinguely „Meta-matic No. 9“.

G

Kunstbetrachtung Die Betrachtung der Objekte bezieht sich auf zwei Schwerpunkte: H Was können sie darstellen? H Aus welchen Materialien sind sie zusammengesetzt? H Wie wurden die Materialien vermutlich miteinander verbunden?

G

Durchführung der Arbeit H Zuerst wird das Thema festgelegt: „Traummaschine“. H Was ist eine „Traummaschine“ und was kann sie? H Anschließend müssen die Materialien besorgt werden. Dies kann durch eine vorbereitende Hausaufgabe unterstützt werden: „Bringt von zu Hause defekte Geräte, Spielzeug, Schnur, Klebeband, Knöpfe, Nägel usw. mit.“ Im Unterricht werden mit Hilfe von Werkzeug aus dem Werkraum, wie Schraubenzieher, Hammer, Zange, die Teile zerlegt. Alle Materialien liegen auf dem Boden des Klassenzimmers, sodass jede Schülerin/jeder Schüler aus allen Materialien wählen kann. Mögliche Befestigungen und Verbindungen mit Hilfe von Schnüren, Drähten, Klebstoff, Bändern, Schrauben, Nägeln werden besprochen. Als Unterlage zum Aufbau der Traummaschine dient ein starker Karton.

Auswertung Die einzelnen Schülerinnen/Schüler stellen ihre Maschine vor: H H H H H

Was kann diese Maschine? Aus welchen Materialien wurde sie zusammengesetzt? Wie wurden die Verbindungen hergestellt? Wo gab es Probleme? Hat diese Maschine einen besonderen Namen?


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Schülerbeispiele „Traummaschine“


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Kunst in Asien Kunst in Asien Die Kunst Indiens ist durch die Religionen Buddhismus und Hinduismus geprägt. In der Kunst des Buddhismus, die auch China und Japan beeinflusst hat, wurde die Figur des Buddha in vielen Formen und Haltungen dargestellt. Buddha lebte 560 bis 483 v. Christus. In der hinduistischen Götterwelt ist zum Beispiel der tanzende Gott Shiva zu finden. In der buddhistischen Mystik bildete sich eine Bilderwelt, die Hilfe bei der Meditation leisten sollte. Es entstanden die Mandalas. Erst seit dem 16. Jahrhundert gerieten weite Gebiete Indiens unter islamische Herrschaft, was sich in der Kunst niederschlug.

Die Kunst Chinas zeigte schon 5000 v. Chr. Spuren auf Funden bemalter Keramikgefäße. Einen besonderen Stellenwert nehmen in der chinesischen Kunst die Kalligraphie und Malerei ein. Schriftdokumente gibt es seit dem 13. Jahrhundert v. Chr. Diese besondere Schriftkunst wurde mit Tusche und Pinsel ausgeführt. Daraus entstand die Tuschemalerei. Meist waren neben Schriftzeichen, Landschaften, jahreszeitliche Feste, Palastszenen und ähnliches auf Papier oder Seide (auf Rollen) dargestellt. Später gab es als Alternative zur Bildrolle Hängebilder mit Motiven wie Blumen, Pflanzen und Vögel. In den Landschaftsbildern kommt die Philosophie des Taoismus zum Ausdruck. Ein komplexes kosmologisches System setzt Himmel und Erde, Tiere und Pflanzen, Gestirne und Naturelemente, Gottheiten und Menschen in Beziehung zueinander.

Die Kunst Japans reicht bis 2000 v. Christus zurück. Sie zeigt sich in Ton- und Bronzefiguren, die teilweise zurückhaltend bemalt waren. Später wurden Wandschirme, Stellschirme und Schiebetüren bemalt. Die Motive zeigten Geschichten aus dem höfischen Leben, Landschaften und Pflanzen. Oftmals wurden Gedichte illustriert. Die Tuschemalerei hatte einen hohen Stellenwert. Ab dem 16. Jahrhundert erfuhr der Holzschnitt seine Blütezeit. Die Holzschnitte wurden in Farbe, Gold, Perlmutt und Lack gehalten. Hier holten sich auch europäische Künstler Anregungen in der Zeit des Jugendstils.


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Kunstbeispiele aus Asien © andreas reimann/fotolia.com

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Kunst im Unterricht Asien Seite 89 •

Chinesische Kunst Chinesische Kunst Für den chinesischen Künstler ist die Linie und nicht so sehr Licht und Schatten das Strukturelement der Malerei. Auf die gekonnte Handhabung des Pinsels, der einen Griff aus Holz oder Knochen und sehr weiches Pinselhaar hatte, wurde viel Wert gelegt. In der Tat wurde die meisterliche Pinselführung, die dem Gemälde Leben verleiht, für so unabdingbar gehalten, dass man den Pinsel als eine Verlängerung des Arms, des Bauches und der Seele beschrieb und die Spur des Pinsels als den Abdruck des Herzens. Wie die chinesischen Schreiber, übten auch die Maler jahrelang, um jene Beherrschung der Muskeln zu erreichen, die flinke Pinselstriche hervorbringt. Jeder Künstler hat dadurch eine besondere Eigenart seiner Handschrift entwickelt. Der Pinselstrich sollte einem Tanz gleichen, voll Leben und Bewegung. Die Spur des Pinsels wurde von einem Meister beschrieben wie „ein Vogelschwarm, der aus dem Wald aufsteigt, eine Schlange, die erschreckt im Gras verschwindet, wie Risse in einer alten Mauer.“ Die Farbe spielte in der chinesischen Malerei eine besondere Rolle. Früher erreichte sie in der buddhistischen Kunst eine Leuchtkraft, die es später nicht mehr gab. Die Regeln forderten, dass die Farben eines Bildes, denen der Natur entsprechen müssten. Nach dem 10. Jahrhundert führte das steigende Interesse an der Landschaftsmalerei zu gedeckten Tönen, die nicht unbedingt den Naturfarben entsprachen. Die Maler verwendeten feine Tuschlavierungen, von denen sich die Konturen deutlich abhoben. Es wurde auch nur in Schwarz-Weiß gemalt. Die Landschaften wurden mit dem Effekt dreidimensionaler Räumlichkeit gemalt. Das Kopieren früherer Meisterwerke galt als wichtige und ehrenhafte Übung. Dies bewies die Ehrfurcht vor früheren Leistungen und trug die Vergangenheit weiter. Die Bilder wurden oftmals mit Schriftzeichen oder ganzen Texten kombiniert. Einer der bedeutendsten Beiträge Chinas zur Kultur ist die Erfindung des Druckens. Zuerst beschränkte sich die Druckkunst auf das Papier und die Tusche zum Drucken von Schriften mit Hilfe eines Holzstockes. Später wurden Druckkunst und Malerei verbunden.

Die japanische Schrift ist, im Gegensatz zur japanischen Sprache, eng mit der chinesischen Schrift verwandt. Bis etwa ins 3. Jahrhundert hatten die Japaner keine eigene Schrift. Auch heute noch werden die chinesischen Zeichen in Japan verwendet. Sie werden Kanji genannt. Die Kanji haben überwiegend die gleiche oder ähnliche Bedeutung wie im Chinesischen, werden aber völlig anders ausgesprochen.


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Beispiele chinesischer/japanischer Kunst

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Verwendete Materialien und Techniken/Unterrichtsbeispiele

Verwendete Materialien und Techniken Es wurden Figuren aus Ton und Bronze hergestellt, die teilweise bemalt und/ oder vergoldet waren. Gemalt wurde auf Bildrollen aus selbst hergestellten Papier oder Gewebe wie Seide, oder auch auf Palmblätter. Die Malerei wurde mit Pinsel, Farbe oder Tusche erstellt. Die Technik der Lackkunst ist eine Eigenart der ostasiatischen Kunst. Aus dem milchigen Saft der Rinde des Lackbaumes, der in feuchter Luft erstarrt und trocknet, gewinnt man einen braunen Lack mit einer sehr harten, wasserdichten Oberfläche. Mit diesem Lack werden Gegenstände in China und Japan mit vielen Lackschichten überzogen. Es sind vor allem Kleinmöbel, Dosen und Kästchen aus Holz und Bambus, die mit roten und schwarzen Lackfarben bemalt wurden. Einlagen aus Perlmutt, Metall und Gold schmückten die Gegenstände. Schwerpunkt war die Tuschemalerei, die Schrift und Darstellungen verband. Dabei wurde viel nur mit schwarzer Tusche in allen Schattierungen geschrieben und gemalt.

Mögliche Unterrichtsbeispiele G Chinesische Schriftzeichen (Tusche mit Pinsel) G Illustrieren eines Sprichwortes in Tuschemalerei G Der Chinesische Drache G Komm zur Ruhe mit einem Mandala G Japanischer Garten


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Unterrichtsbeispiel „Illustrieren eines Sprichwortes“ Unterrichtsbeispiel „Illustrieren eines Sprichwortes“ G

Vorbereitungsphase Um an die chinesische Schrift heranzukommen, werden Schriftbilder verglichen. Dies kann anhand eines Gedichtes sein oder zuerst nur mit Schriftzeichen und deren Übersetzung. Weitere Kriterien sind: H Es wird normalerweise von oben nach unten in Reihen geschrieben. H Früher schrieb man mit Tusche und Pinsel. H Es sind Schriftbilder – ein Alphabet wie in unserem Sinne gibt es nicht. H Die Schriftbilder enthalten dicke und dünne Linien und Zeichen. Es können auch aus dem Internet chinesische Schriften, Bilder, Tuschemalereien usw. ausgedruckt werden.

G

Durchführung der Arbeit Die Schülerinnen und Schüler bekommen einen Text an die Hand, der über die chinesische Kunst berichtet (Seite 89). Damit wird ein kleiner Einblick in die Schrift und Malerei der chinesischen Kunst gegeben. Zur Hinführung der Aufgabe „Illustrieren eines Sprichwortes“ stehen zwei Übungen zur Verfügung.

Erste Übung Einzelne Schriftzeichen werden mit Tusche und Pinsel gemalt. Siehe Vorlage „Chinesische Zeichen“ (Seite 93).

Zweite Übung Typische Malerei Mit Hilfe einer Kunstbetrachtung werden die charakteristischen Merkmale einer Malerei erkannt (Seite 90): Zarte, durchscheinende Farben, verschieden starke Pinselstriche in Schwarz oder Dunkelbraun, um die Pflanzen darzustellen.

Illustrieren eines Sprichwortes Wähle ein Sprichwort und illustriere es! Siehe Vorlage „Illustrieren eines Sprichwortes“ (Seite 94).


Kunst im Unterricht Asien Seite 93 •

Vorlage „Chinesische Schriftzeichen“

Zeit

Regenbogen

Sonne

Ruhe

Der Weg

Wasser

Erde

Blume

Bambus

Frühling

Mensch

Glück

Langes Leben

Schnee

Luft

Träne

Treue

Wald


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Vorlage „Illustrieren eines Sprichwortes“ Aufgabe Wähle ein Sprichwort und male dazu ein Bild nach chinesischer Art!

Alles was einen Anfang hat, wird auch ein Ende haben.

Das Leben ist schön.

Der Weg ist das Ziel.

Ich denke, also bin ich.

In der Ruhe liegt die Kraft.

Suche das, wofür es sich lohnt zu leben.


Kunst im Unterricht Asien Seite 95 •

Auswertung Auswertung H Was wurde dargestellt? H Welches Sprichwort wurde verwendet? H Sind die Kriterien einer chinesischen Malerei erfüllt? H Ist das Schriftbild klar und sorgfältig geschrieben? H Ist die richtige Technik der Pinselführung zu erkennen? H Wo gab es Schwierigkeiten?


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Unterrichtsbeispiel „Mandala“ Unterrichtsbeispiel „Komm zur Ruhe mit einem Mandala“ G

Vorbereitungsphase Zuerst muss die Bedeutung von Mandalas geklärt werden. Der Name Mandala kommt aus dem Sanskrit, einer noch heute in Indien als Literatur- und Gelehrtensprache verwendeten altindischen Sprache. Es bedeutet: Zentrierung, Konzentration, Ordnung, Struktur und Kreis. Ein Mandala ist ein mystisches Kreis- oder Vieleckbild der indischen Religionen. Mandalas sind harmonische Formen mit dem unverwechselbaren Kennzeichen: Sie sind alle auf einen Mittelpunkt hin zentriert. Die Formen und Muster laufen auf den Mittelpunkt zu oder sind um die Mitte angeordnet. Das Erstellen und Ausmalen eines Mandalas ist im Buddhismus und Hinduismus eine geistig-religiöse Übung, die zur Erfahrung des inneren Selbst führen soll. Es gibt auch im chinesisch-japanischen Kulturraum Mandalas. Ein Mandala kann sowohl abstrakte Formen und Ornamente als auch Darstellungen von Tieren, Pflanzen und anderem enthalten.

G

Durchführung der Arbeit Mit Hilfe einer Betrachtung von Mandalas werden die Kriterien festgehalten: H H H H

meist Kreisform Mittelpunkt, Zentrum Ornamente und Formen um die Mitte geordnet Farben

Die Bedeutung eines Mandalas wird geklärt. Dies kann mit Hilfe eines Textes geschehen, der vorgelesen wird oder es können in Gruppen Informationen aus dem Internet geholt und anschließend vorgetragen werden. H H H H H

Mandalas sind Heilmittel für die Seele. Mandalas verschmelzen Körper, Geist und Seele. Mandalas wecken die Kreativität. Mandalas beruhigen, bringen Gelassenheit und Vertrauen. Mandalas helfen den Alltag und Stress zu bewältigen.

Das Ausmalen von Mandalas kann mit einer Vorlage oder mit einem selbst gezeichneten Mandala erfolgen. Die Schülerinnen und Schüler sollen ruhig und ohne zu sprechen ihr Mandala ausmalen. Es ist wichtig, dass jedes Kind in dieser Phase für sich alleine arbeitet. Zum Ausmalen können Farbstifte, Wasserfarben oder Wachsmalkreiden verwendet werden.


Kunst im Unterricht Asien Seite 97 •

Unterrichtsbeispiel „Mandala“ Das Ausmalen oder Malen von Mandalas kann in jeder Altersstufe und zu jeder Zeit erfolgen: Zu Beginn des Tages oder der Stunde, um Ruhe und Konzentration zu fördern, am Ende des Unterrichts, um zur Ruhe zu kommen, zwischen den Stunden als Stille- und Konzentrationsübung.

Aufgabe 1 Wähle ein Mandala und male es aus!

Aufgabe 2 Entwirf ein eigenes Mandala nach den Kriterien und male es aus!

Auswertung Bei der Auswertung wird kein Schwerpunkt auf die Art des Ausmalens gelegt, sondern auf die Befindlichkeit: H Wie hast du dich vor dem Malen gefühlt? H Wie hast du dich während des Malens gefühlt? H Wie fühlst du dich jetzt? H Hat dir das Malen Spaß gemacht?


Kunst im Unterricht Asien Seite 98 •

Beispiel „Tibetanisches Mandala“

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Kunst im Unterricht Asien Seite 99 •

Mandala – Vorlage 1


Kunst im Unterricht Asien Seite 100 •

Mandala – Vorlage 2


Kunst im Unterricht Asien Seite 101 •

Mandala – Vorlage 3


Kunst im Unterricht Asien Seite 102 •

Mandala – Vorlage 4


Kunst im Unterricht Mittel- und Südamerika Seite 103 •

Maya und Azteken Maya und Azteken Die hoch entwickelten Kulturen der Maya und Azteken lagen in Mittelamerika, das Reich der Inka umfasste das Gebiet der südamerikanischen Anden. Gemeinsam ist den Kulturen, dass sie Städte mit steinernen Palästen und Tempeln besaßen. Die Maya sind ein Indianervolk in Mittelamerika, das insbesondere aufgrund des von ihnen in Teilen Mexikos und Mittelamerika gegründeten Reiches bekannt ist. Die Mayawelt war nie ein zusammenhängender Staat mit einer Hauptstadt. Es gab immer eine Vielzahl von Stadtstaaten, die im Wettstreit um Macht standen. In der Blütezeit stellten sie eine mächtige Hochkultur dar. Wichtige Errungenschaften der Mayas sind der sehr präzise Maya-Kalender und die Mayaschrift. Die Schrift basiert auf Bildsymbolen. Das Kunsthandwerk und die Malerei waren hoch entwickelt. Es entstanden Kunstgegenstände wie Totenmasken, kunstvoll bemalte Vasen und Knochen mit eingeritzten Szenen, Bilder auf Stein, Steinskulpturen und Keramiken. Das letzte Mayareich Tayasal wurde um 1697 von den Spaniern unterworfen. Heute leben noch etwa 4,5 Millionen Maya.

Die Herrschaft der Azteken war zum Zeitpunkt der Zerstörung durch die Spanier noch jung. Der Stammesgott der Azteken war Huitzilopochtli. Es gab den Regengott Tlaloc und den Gott Quetzalcoatl. Diesen Göttern waren Tempel geweiht. Bei den verschiedensten Zeremonien wurden Menschen als Boten zu den Göttern geopfert. Der Stammgott symbolisierte die Sonne und besiegte im täglichen Kampf den Mond und die Sterne. Der Regengott war einerseits der Regen bringende Wohltäter, andererseits konnte er Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Hagel und Gewitter bringen. Die Azteken besaßen einen überaus differenzierten Kalender. Ein kunstvoll gemeißelter Kalenderstein ist mit Symbolen geschmückt. Er stellt den Kampf der Götter um die Oberherrschaft über die Erde und die Zerstörung von vier Welten dar.


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Maya „Steintafel“


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Das Reich der Inka Das Reich der Inka Das Reich der Inka in den südamerikanischen Anden, das wegen seiner Größe das Reich der vier Himmelsrichtungen genannt wurde, war das größte Imperium Altamerikas. Mythen und Legenden ranken sich um den Ursprung dieses Volkes und die göttliche Abstammung seiner Herrscher. Der regierende Inka besaß die alleinige Macht. Alles im Reich gehörte ihm. Er war der Vertreter des Sonnengottes Inti. In diesem Zusammenhang muss die Bedeutung des Goldes gesehen werden. Es war kein Zahlungsmittel für die Inka, sondern Geschenk der Götter, das wegen seiner glänzenden Wirkung als Symbol des Lichtes und der Sonne gesehen wurde. Die am besten erhaltene und bekannteste Inka-Stadt ist Machu Picchu (alter Gipfel). Tonwaren und Textilien wurden als Grabbeigaben gefunden. Sie liefern einen Beleg für die originellen und künstlerischen Äußerungen der hoch entwickelten Kulturen. Neben den Tongefäßen, die vor allem Menschen-, Pflanzen-, und Tierformen nachahmten, gab es handwerklich und künstlerisch hochwertig gestaltete Textilien. Es gab eine wahre Textilindustrie, die sich in unterschiedliche Handwerke wie Weberei, Färberei, Spinnerei und besonders Stickerei differenzierte. Selbst in der Gegenwart lebt der Brauch des Stoffwebens weiter. Die Muster der Webereien hatten symbolischen Charakter und sind bis heute nicht alle wissenschaftlich erforscht. Die Inka hatten eigentlich keine Schrift im Gegensatz zu den Maya und Azteken. Es gab eine Art „Knotenschrift“: Verschieden farbige Fäden wurden zu Schnurbündeln verknüpft und hatten je nach Farbzusammenstellung und Knüpftechnik andere Bedeutungen.


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Machu Picchu


Kunst im Unterricht Mittel- und Südamerika Seite 107 •

Verwendete Farben und Techniken/Unterrichtsbeispiele

Verwendete Farben und Techniken Reliefe und Skulpturen wurden aus Stein gemeißelt und teilweise bemalt. Ebenfalls bemalt wurden Gefäße aus Ton und Wände in Palästen und Tempeln. Die Darstellungen der Wandgemälde geben Auskunft über das Leben im Alltag. Sie zeigen den Herrscher und das Volk, Krieger und Sklaven, Waffen und Werkzeuge, Kleidung und Körperschmuck sowie religiöse Zeremonien. Man verwendete Mineral-, Tier- und Pflanzenfarben. Es wurden Menschen-, Pflanzen- und Tierformen nachgeahmt. Besonders kunstvoll gestaltete man Vasen. Schmuck entstand aus Muscheln und Halbedelsteinen. Gold verarbeitete man nur zu rituellen Zwecken für Masken und Schmuck. Als Rohmaterial für die Textilien verwendete man Baumwolle und Wolle der Lamas oder Alpakas. Heute noch wird die Webkunst in Kelimtechnik gearbeitet. Viele Motive wie Sonnen- und Mondsymbole, Schlangen, eine Vielzahl von weiteren Tieren oder Pflanzen finden heute noch Niederschlag in der Weberei. Die christlichen Eroberer verboten die figürliche Darstellung und so schufen die Inkas gewebte Textilien mit geometrischen Mustern. Die Webstoffe wurden verziert mit Stickereien.

Mögliche Unterrichtsbeispiele G „Mein runder Kalender“ Zeichnen eines Kalenders mit Symbolen für die Jahreszeiten und besonderen Ereignissen G „Bildergeschichte der Azteken“ Malen einer Szene aus dem Alltag, evtl. in Bilderschritten G „Inkadesigner“ Entwerfen eines Musters mit Symbolcharakter


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Unterrichtsbeispiel „Mein runder Kalender“

Unterrichtsbeispiel: „Mein runder Kalender“ G

Vorbereitungsphase An erster Stelle steht die Information über die Kalender verschiedener Kulturen. Dies kann in Gruppenarbeit geschehen. Die Schülerinnen/Schüler suchen sich Informationen aus bereitgestellter Literatur und aus dem Internet. In Gruppen können dann folgende Fragen beantwortet werden: H H H H H

Entstehung des Kalenderwesens. Funktion des Kalenders im Allgemeinen. Besonderheiten des Gregorianischen Kalenders. Besonderheiten des Kalenders der Azteken und Maya. Gemeinsamkeiten der Kalender.

Die Ergebnisse werden an einer Wandzeitung dargestellt, damit für alle ein Überblick entsteht.

G

Durchführung Nach dem Zusammentragen der Informationen über den Kalenderstein in Wort und Bild, steht eine Aufgabe. Zu verwendende Materialien: Karton, Schere, schwarzer Stift für die zeichnerischen Umrisse, Wasserfarben und Pinsel für die farbliche Gestaltung. Es können auch schon fertig geschnittene Kartonscheiben oder zumindest die Größe der Scheibe vorgegeben werden. Geeignet ist die Größe eines großen Zeichenblockblattes. Wird die Aufgabe in Gruppenarbeit gelöst, sollte die Scheibe größer sein (Durchmesser mind. 40 cm).

Auswertung H Betrachte die verschiedenen Darstellungen! H Wie sind die Jahreszeiten dargestellt? H Kann man sie erkennen? H Welche besonderen Ereignisse siehst du? H Welche Symbole wurden verwendet? H Vergleiche die Kalender! H Wie sind sie farblich gestaltet?


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Entstehung des Kalenderwesens

Entstehung des Kalenderwesens Schon früh hat der Mensch ein Bewusstsein für Zyklen seiner Umwelt gehabt. Nicht nur der Wechsel von Tag und Nacht, die Mondphasen und auch die jahreszeitlich bedingten Klimaschwankungen, sondern auch die Veränderungen des Nachthimmels durch die Erdumlaufbahn und die Eigenbewegungen der Planeten wurden wahrgenommen. Gerade für die Landwirtschaft war es wichtig, einen von den konkreten Wetterbedingungen unabhängigen Zeitpunkt für die Aussaat und die Ernte festlegen zu können. Mit der systematischen Himmelsbeobachtung verbunden und der Hoffnung auf wiederkehrende günstige Fruchtbarkeitsbedingungen, gab es religiöse Fruchtbarkeitskulte. So wurden bestimmte landwirtschaftliche Termine an Feste und Himmelsereignisse gebunden. Mit dem Übergang von Jägerkulturen zum Ackerbau veränderte sich die Vorstellung vom Mond- zum Sonnenkalender. Der Steinzeitkalender „Neolithischer Kalender“ ist wohl der älteste Kalender der Menschheit und Grundlage für spätere Kalendervarianten. Die ältesten heute noch bekannten Kalender stammen aus den Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens. Hier zeigten sich zwei grundlegende Kalendertypen, die bis heute die Kalendersysteme prägen: der Mondkalender, der sich an den Mondphasen orientiert und der Sonnenkalender, der den Lauf der Jahreszeiten berücksichtigt. Von den Babyloniern wurde der siebentägige Wochenrhythmus entwickelt. Vor der Einführung des Julianischen Kalenders durch Julius Cäsar, herrschte im Römischen Kalenderwesen eine große Unordnung. Der bis dahin gültige Kalender war offiziell ein Sonnenkalender und hatte das tropische Jahr zur Grundlage, aber beim Erscheinen des Neumondes stand der Monatsanfang. Wichtigste Neuerung war die Einführung der Schaltregel: Auf drei Gemeinjahre mit je 365 Tagen, sollte ein Schaltjahr mit 366 Tagen folgen. Damit war die Bindung der Monate an die Mondphasen aufgegeben. Bereits im Mittelalter ging man dazu über, die Tage im Monat einfach durchzunummerieren. Der Jahresanfang wurde auf den 1. Januar gelegt. Die Differenz zwischen dem Julianischen Kalender und den Jahreszeiten betrug im 16. Jahrhundert zehn Tage. Dies führte zu einer Kalenderreform. Der neue Kalender wurde vom Papst in Spanien, Portugal und dem größten Teil von Italien eingeführt. Die übrigen katholischen Länder folgten Ende des 16. Jahrhundert. Die protestantischen Länder weigerten sich und blieben bis 1700 beim Julianischen Kalender. Funktion des Kalenders Der Kalender ist die Festlegung der Jahresrechnung in Jahre, deren Unterteilung in Monate mit Bestimmung der Monatslänge in Wochen und Tagen. Kalender sind Hilfen und Orientierung für den Menschen. Unser gesamtes Leben wird durch das Kalendersystem geregelt und beeinflusst. Bestimmt sind die Geburtstage, Hochzeitstage, Todestage, sämtliche Festtage, Ferien, Arbeitzeit und Termine aller Art. Mit Hilfe des Kalenders werden Epochen und Ären festgelegt, so bekommt die Geschichte ihre „Ordnung“.


Kunst im Unterricht Mittel- und Südamerika Seite 110 •

Kalender der Maya und Azteken

Kalender der Maya und Azteken Der „Calendar Round“ war ein runder Sonnenstein. Der rituelle Kalender besteht aus einem Zyklus von 260 Tagen. Der Kalender basiert auf dem Sonnenjahr, eingeteilt in 18 Monate zu je 20 Tagen. Der überaus differenzierte Kalender, der kunstvoll gemeißelte Kalenderstein, ist bisher noch nicht restlos entschlüsselt. Die vier quadratischen Tafeln im Zentrum des Steines symbolisieren die vier vergangenen Welten (Sonnen). Er stellt den Kampf der Götter um die Herrschaft über die Erde und die Zerstörung von vier Welten dar.

Darüber wird eine Geschichte erzählt: In der ersten Sonne „vier-Jaguar“ regierte Tezcatlipoca über Riesen. Quetzalcoatl stieß Tezcatlipoca ins Wasser, worauf die Riesen von Jaguaren gefressen wurden. Über die zweite Sonne „vier-Wind“ regierte sodann Quetzalcoatl. Doch Tezcatlipoca nahm in Form eines Wirbelsturmes Rache an seinem Bruder. Dadurch degenerierten die Menschen zu Affen. Die dritte Sonne „vier-Regen“ regierte der Regengott Tlaloc. Auch diese Welt zerstörte Quetzalcoatl durch einen Feuerregen und die Menschen wurden zu Vögeln. Die vierte Welt „vier-Wasser“ schließlich wurde durch die Göttin des Wassers zerstört, die eine Sintflut schickte und die Menschen wurden zu Fischen. Heute leben wir in der fünften Welt „vier-Bewegung“. Nach dem Sonnenstein wird diese Welt durch Erdbeben zerstört.

In der Mitte des Sonnensteines ist der Sonnengott Tonatiuh abgebildet, dessen Zunge ein Obsidianmesser ist. (Obsidian ist ein unterschiedlich gefärbtes, vulkanisches, kieselsäurereiches Gesteinsglas.) Im zweiten Kreis kann man die Symbole für die 20 Tage des Monats erkennen. Die Zacken um diesen Kreis herum symbolisieren Sonnenstrahlen. Der äußere Kreis wird durch zwei Feuerschlangen gebildet. Jede dieser Schlangen hat einen Gott im Maul. Die Schlange rechts Tezcatlipoca, als Sinnbild für die Nacht und die linke Quetzalcoatl als Sinnbild für die Sonne. Es zeigt den ewigen Kampf zwischen Licht und Dunkel im Universum.


Kunst im Unterricht Mittel- und Südamerika Seite 111 •

Aufgabe „scheibenförmiger Kalender“ Aufgabe Stelle einen scheibenförmigen Kalender her. Stelle die Jahreszeiten und das Jahr bestimmende Ereignisse symbolhaft dar!

Schreibe vorher die wichtigsten Daten auf: Welche Kriterien gelten für die Jahreszeiten?

Welche Ereignisse möchtest du darstellen?


Kunst im Unterricht Mittel- und Südamerika Seite 112 •

Kalenderstein

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Unterrichtsbeispiel „Inka-Designer“

Unterrichtsbeispiel: „Inka-Designer“ – Entwerfen von Mustern G

Vorbereitungsphase Informationen über die Textilkunst der Andenvölker werden eingeholt. Dies kann mit Hilfe von Literatur, Bildern oder Inhalten aus dem Internet geschehen. Fragestellungen helfen gezielt nach Informationen zu suchen: H Vergleiche die Weberei der Inka-Frühzeit mit der Weberei der Andenvölker heute! H Weisen diese Textilien besondere Muster auf? H Beachte die Farbgebung! Die Beantwortung der Fragen kann in Gruppenarbeit geschehen. Anschließend stellen die Gruppen ihre Ergebnisse in einem kleinen Referat, unterstützt mit Bildmaterial vor.

G

Durchführung Gemeinsam kann zusätzlich das Mustertuch der Inka betrachtet, die verschiedenen Muster beschrieben und verglichen werden. Heutige geometrische Muster aus Peru werden ebenso betrachtet. Charakteristische Symbole und Zeichen können an der Tafel festgehalten werden.

Auswertung H H H H H H H

Betrachte die verschiedenen Entwürfe! Gibt es viele verschiedene Formen? Versuche die Symbole zu deuten! Beschreibe die Farbgebung! Beschreibe die Anordnung! Gab es in der Zusammenarbeit Probleme? Wie seid ihr vorgegangen?


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Unterrichtsbeispiel „Inka-Designer“ Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Aufgabenstellung.

Aufgabe 1 Du bist ein Inka-Designer. Entwirf ein Muster mit symbolischen Zeichen! Die Technik und die Farbgebung können frei gewählt werden.

Aufgabe 2 Du bist ein Inka-Designer. Entwirf Muster für einen Teppich. Zeichne den Teppich! Der Zeichenblock stellt die Teppichform dar. Mit schwarzem Stift werden die Muster aufgezeichnet und mit Farbe gefüllt. Dabei können Wachsmalkreiden oder Wasserfarben verwendet werden.

Aufgabe 3 Du bist ein Inka-Designer. Entwirf vier verschiedene Symbole für die Gestaltung einer Webarbeit! Setze die Entwürfe mit deinen zwei anderen Designern so zusammen, dass ein interessantes Webbild entsteht! Die Schülerinnen/Schüler arbeiten zu dritt. Das heißt: Zuerst entwirft jeder seine eigenen vier symbolischen Formen. Anschließend werden diese zu einem Bild zusammengefügt. Dazu stehen gleich große Papiervierecke (DIN A4-Seite = vier Symbole) zur Verfügung. Die Farben können von den Schülerinnen/Schülern frei gewählt werden.

Zusatzaufgabe Lege ein Puzzle – es entsteht ein Kelimmuster! Das Puzzle könnte auch als Einstieg dienen. Durch das Legen müssen die Strukturen des Musters genau betrachtet werden. Die Vorlage kann je nach Klassenstufe individuell zugeschnitten werden.


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Puzzle: Kelimmuster

Puzzle: Kelimmuster


Kunst im Unterricht Mittel- und Südamerika Seite 116 •

Teppichbeispiele

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Lipura Kunst im Unterricht  

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