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Kรถln unter Strom 100 Jahre ELEKTROINNUNG Kร–LN


Kรถln unter Strom 100 Jahre ELEKTROINNUNG Kร–LN


Fahne der ELEKTROINNUNG KĂ–LN, entworfen und gestickt von Lydia Jungmann 1953/1961.

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ELEKTROINNUNG KÖLN (Hg.)

Köln unter Strom 100 Jahre ELEKTROINNUNG KÖLN Eine Chronik von Werner Schäfke mit Fotografien von Michael Claushallmann und Beiträgen und Unterstützung von Ulrike Brinkmann, Rudolf Depiereux, Heribert Günther, Josef Kleinen†, Dirk Meyer, Hans Nagel, Paul Neumann, Werner Neumann†, Herbert Schmitz, Josef Schramml, Hans Sitt und Heinz Adolf Weiser

Köln 2011 3


Fahne der ELEKTRO INNUNG KÖLN.


Inhalt Grußworte, Vorworte Oberbürgermeister Jürgen Roters Präsident der Handwerkskammer Hans Peter Wollseifer Kreishandwerksmeister Nicolai Lucks Obermeister der Elektroinnung Dirk Meyer

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Firmenporträts Kölner Elektrobetriebe

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Chronik

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Literatur

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Impressum

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Köln unter Strom – Grußworte, Vorworte

Grußworte, Vorworte

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Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Köln Sehr geehrte Mitglieder der ELEKTROINNUNG KÖLN, sehr geehrte Leserinnen und Leser, das Kölner Handwerk ist eng mit der Geschichte der Stadt verbunden. Und auch heute hat es in Köln und im Umlauf immer noch eine herausragende Position für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Die in der Kölner Region ansässigen Handwerksbetriebe erwirtschaften einen direkten Umsatz von über 15 Milliarden Euro pro Jahr.

Jürgen Roters

Der Nutzen und die Wirtschaftsleistung des Kölner Handwerks für unsere Stadt gehen jedoch weit darüber hinaus. Ich meine hier nicht nur den indirekten Umsatz, der zusätzlich von den Kölner Handwerksunternehmen ausgelöst wird, sondern auch die Tatsache, dass die Kölner Handwerksbetriebe einen erheblichen Teil der Ausbildungsleistung der Kölner Wirtschaft erbringen, und zwar weit über denen eigenen Bedarf hinaus. Das Handwerk erfüllt damit eine gesamtwirtschaftlich wirksame Qualifizierungsleistung und eine Versorgungsfunktion für andere – nicht handwerklich organisierte – Betriebe. Dieser Umstand kann meines Erachtens nicht oft genug erwähnt werden. Der hohe Stellenwert von Qualifizierung, wie sie das Handwerk durch sorgfältige Ausbildung bietet, ist allgemein bekannt. Das Elektrohandwerk ist ein Musterbeispiel für ein traditionelles Handwerk, das auch und gerade in der heutigen Zeit unentbehrlich ist. Gerade in unserer hoch technisierten Gesellschaft mit immer neuen Entwicklungen etwa im Kommunikationsbereich, wird insbesondere der Elektrotechnik und dem damit verbundenen Elektrohandwerk viel abverlangt. So wäre der Ausbau des Standortes Köln zu einem internationalen Medien- und Kommunikationsstandort ohne das Kölner Elektrohandwerk mit seinen Meisterbetrieben sicherlich nicht möglich gewesen. Viele Generationen haben dazu beigetragen, dass die Elektroinnung über einen so langen Zeitraum bestehen konnte. Sie taten dies in der Gewissheit, dass sich das Elektrohandwerk in der solidarischen Gemeinschaft zum Nutzen aller am besten entwickeln kann. In der Innung fand das Handwerk 7


stets einen zuverlässigen Partner. Sie ist zuständig für die Abnahme der Gesellenprüfungen und allgemein eine starke Interessenvertretung. Gerade die Ausbildung junger Menschen wird von der Elektroinnung mit sehr viel Initiative betrieben. Heute bilden die Mitglieder der Elektroinnung jährlich Lehrlinge aus vielen Nationen aus, eine gute Sache, die für sich spricht. Als Oberbürgermeister der Stadt Köln gratuliere ich zum 100-jährigen Bestehen der ELEKTROINNUNG KÖLN ganz herzlich und wünsche ihr für die nächsten 100 Jahre eine gute Entwicklung. Allen Beschäftigten und allen Innungsmitgliedern wünsche ich ein freudiges und harmonisches Jubiläumsfest.

Ihr

Köln unter Strom – Grußworte, Vorworte

Jürgen Roters Oberbürgermeister der Stadt Köln

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Kรถlner Elektrobetriebe


Köln unter Strom – Firmenporträts

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Baeth Beitzel Elektrodienst Bergfelder GmbH Elektro-Biergans Blum Licht-, Kraft-, Schwachstromanlagen und Service Bernd Blume Elektro Heiz.-u. Haustechnische Anlagen Elektro Pia Bodewig Elektro Martin Bolder Elektrotechnik Klaus Buch jun. Detlef Busche Uwe Czubak Firma diratec.net ELMOT Bollig + Beyenburg Elektro Ernst Markus Feldhoff Elektro Walter Geil Elektro Gerhardt Goebel & Wirges Elektro-Service AG Elektrohaus Bernhard Günther Guett Dern Wolfgang Hasberg Elektro Hilgers HOLI Elektroinstallations GmbH Elektro H. J. Jennes Alwin Jünker Kalkuhl Hermann Josef Kastenholz GmbH Elektroanlagen Elektro L. Klasen Klesing Elektro Gustav Kretzer

48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77

Elektro Kuhn Volker Lenz Elektro Marx Elektrotechnik Ralf Meißner Elektro Meixner Meurer Elektromotoren A. Meurs Elektroanlagen Dirk Meyer Beleuchtungs- u. Elektrotechnik Bernhard Müller Informations- und Elektrotechnik Paul Neumann Elektro W. Neumann Nachf. Körner + Selbach Elektro Pesch Elektrotechnik Prein Matthias Pütz Michael Radici Michael Rempe Elektrotechnik Elektro Rundholz Elektrotechnik Schildgen Elektro Schmidt Elektro Schorn Elektrotechnik Schulze-Dinkelborg Norbert Schumacher Petros Sidiropoulos SOLUM Facility Management GmbH Elektro Franz Standt Udo Trenn Dieter Voigt Hans-Josef Weber Kälte-Klimatechnik Elektro Weiser Hans Wolff Elektroinstallationen


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Chronik


Siegel auf dem Verbundbrief von 1396. (Foto: Wolfgang F. Meier)

Köln unter Strom – Chronik

100 Jahre ELEKTROINNUNG KÖLN

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Handwerk – „die Wirtschaftsmacht von nebenan“ – hat in Köln immer eine besondere Rolle gespielt. Im antiken Köln hat beispielsweise die Produktion von Glas – schmuckreich mit den bunten Schlangenfadengläsern, technisch brillant mit den Meisterleistungen der Diatretgläser – der Stadt eine besondere Stellung gegeben. Im Mittelalter sind es an erster Stelle die Kölner Goldschmiede, deren Leistungen in ganz Europa begehrt sind, sind es gleichzeitig und in den Jahrhunderten danach eine Fülle als „Kölner“ bezeichnete Waren – Schwerter, Stoffe, Keramik, Bücher – die das Ansehen der Kölner Produkte spiegeln. Im politischen Leben der Stadt schreibt der Verbundbrief als Verfassung von 1396 bis 1794 den Einfl uss der Zünfte fest. In anderen großen Städten des Reichs dagegen beherrschen entweder Patrizierfamilien oder Landesherren das Geschehen.

Die Rolle des Hand-

Seine Organisationsformen hat das Handwerk immer wieder neu gesucht. Heute sind es Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft, die die Gesamtheit des Handwerks vertreten.

Organisation

Die Handwerkskammer zu Köln, eine von 53 Handwerkskammern in der Bundesrepublik, eine von sieben in Nordrhein-Westfalen, ist als Körperschaft öffentlichen Rechts nicht nur für Köln sondern auch für Bonn, Leverkusen,

Die Handwerkskammer

werks in Köln

zu Köln 81


Das Stapelhaus in einer Darstellung aus dem Mercatorplan von 1572.

Rhein-Siegkreis, Oberbergischen Kreis, Rhein-Erft-Kreis und RheinischBergischen Kreis zuständig. Für Handwerksbetriebe ist der Eintrag in die hier geführte Handwerksrolle Pfl icht. Die Kreishandwerker-

Köln unter Strom – Chronik

schaft Köln

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Die Kreishandwerkerschaft Köln ist der für die Stadt Köln zuständige Dachverband – mit Sitz im Stapelhaus, in dem auch die ELEKTROINNUNG KÖLN ihren Sitz hat – des gesamten Kölner Handwerks, in dem 36 Innungen Mitglied sind. Freiwillige Mitglieder der Innungen sind rund 6.000 Kölner Handwerksbetriebe mit 60.000 Beschäftigten und 9 Mrd. Umsatz. Die Kreishandwerkerschaft Köln vertritt das Handwerk auf der politischen Bühne, z. B. in Fragen der regionalen Wirtschafts-, Bildungs- und Verkehrspolitik. Sie bündelt die Kräfte des Handwerks für Gruppenvorteile, z. B. zum Erreichen günstiger Strompreise, von Job-Tickets oder Telefonrabatten, und bietet ihren Mitgliedern ein breites Spektrum an Beratung und Dienstleistungen an. Die sich im Zuge der technischen Entwicklung immer wieder verändernden Berufsbilder des Handwerks finden sich in den Innungen zusammen. So führt der Aufstieg der Elektrifizierung seit dem späten 19. Jahrhundert schließlich am 14. Dezember 1911 zur Gründung der „Vereinigung elektrotechnischer Installationsfirmen“, deren Ziele und Aufgaben die ELEKTROINNUNG KÖLN bis heute vertritt.


Albertus Magnus, Heutiger Eigentümer * umStapelhauses 1200 in Lauingen des ist an der Donau; † 15. die KreishandwerkerNovember schaft Köln,1280 Sitz in der Köln, Schutzpatron ELEKTROINNUNG der Elektroinnung KÖLN. ( Foto: RaiKöln. Denkmal mond Spekkingan / WikiUniversiät zu Köln. media Commons / CCBY-SA-3.0 & GFDL)

Die Elektrifizierung unseres Alltags in seinen vielfältigen Gestalten zeigt ganz aktuell im ersten Teil des Bandes die Arbeitswelt der Mitgliedsbetriebe der ELEKTROINNUNG KÖLN. Die Beleuchtung großer Veranstaltungsräume steht am Anfang der Chronik hier im zweiten Teil des Bandes, später erst folgt die Elektrifizierung der Straßenbahn als städtisches Großprojekt. Die Einführung elektrischer Haushaltsgeräte ist dann das große Thema der Jahrzehnte nach dem Ersten Weltkrieg. Bis heute beginnen immer wieder neue, elektrisch betriebene Geräte unseren Alltag zu prägen. Kaum ein Bereich unseres Alltags ist ohne die Elektroinnung denkbar. Die Chronik der ELEKTROINNUNG KÖLN spiegelt diese Verwandlung unseres Lebens und die Geschichte unserer Stadt und gibt einen Rückblick auf die wechselvolle Geschichte der Elektroinnung. Werner Schäfke

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Albertus Magnus, Bronzeskulptur von Gerhard Marcks vor der Universität zu Köln. (Foto: Wolfgang F. Meier)

Köln unter Strom – Chronik

Chronik 1149 bis heute

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Der Chor von St. Andreas über der Krypta mit dem Grab des heiligen Albertus Magnus. Die Ausleuchtung des Chores wurde von der ELEKTROINNUNG KÖLN 2006 gestiftet. (Foto: Wolfgang F. Meier)

1149 Erstmals wird mit der Stiftungsurkunde für die Bettzeugweber eine Zunft in Köln erwähnt. Berufsständische Organisationen von Handwerkern gab es sicher aber bereits zuvor.

15. November 1280 Albertus Magnus, Schutzpatron der ELEKTROINNUNG KÖLN, stirbt im Kölner Dominikanerkloster. Wahrscheinlich 1193 im schwäbischen Lauingen an der Donau geboren, kommt Albertus 1229 nach Köln. Im noch jungen Kölner Dominikanerkloster wird er Novize, studiert Theologie und wird zum Priester geweiht. Von 1243 bis Anfang 1248 studiert und lehrt er in Paris und übernimmt dann die Leitung des Kölner Generalstudiums der Dominikaner, die ordenseigene theologische Hochschule. In den Streitigkeiten zwischen Erzbischof Konrad von Hochstaden und den Bürgern Kölns wird er zweimal – 1252 und 1258 – als Schiedsrichter angerufen, sein Schiedsspruch dient jeweils nicht zur Freude des Erzbischofs. Der bedeutende Naturwissenschaftler, für den bereits die Erde eine Kugel war, ist nicht nur Patron der Naturwissenschaftler, sondern auch Patron der ELEKTROINNUNG KÖLN. Seine Gebeine ruhen in einem römischen Sarkophag in der Krypta von St. Andreas.

Das Dominikanerkloster Heilig Kreuz. Ausschnitt aus dem Stadtplan von Arnold Mercator in der Ausgabe von 1642. Kölnisches Stadtmuseum

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Die Schlacht bei Worringen am 5. Juni 1288 bringt der Stadt Köln endgültig ihre Selbstständigkeit und dem Rat damit die Aufsicht über das Handwerk. (Buchmalerei von Jan Van Boendaele)

5. Juni 1288 Mit der Schlacht bei Worringen geht die Herrschaft des Erzbischofs über Köln zu Ende. Die großen Patrizierfamilien übernehmen für gut ein Jahrhundert die Macht.

14. September 1396 Mit der Besiegelung des Verbundbriefs als neuer Verfassung für Köln wird nach einer fast unblutigen Revolution die Herrschaft der Patrizierfamilien beendet. Kaufl eutegaffeln und Zünfte – in Köln Ämter genannt – werden zu Trägern der politischen Macht in Köln.

Köln unter Strom – Chronik

6. Oktober 1794

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Truppen der französischen Revolution ziehen nach kampfl oser Übergabe der Stadtschlüssel in Köln ein und übernehmen die Herrschaft. Das Ende der Verfassung und damit auch das Ende der Zünfte und damit die Gewerbefreiheit kommen offiziell erst 1797.


Gedenktafel für Georg Simon Ohm, Marzellenstraße. (Foto: Wolfgang F. Meier)

28. August 1817 Georg Simon Ohm (1789 –1854) wird zum Oberlehrer für Mathematik und Physik am Jesuitengymnasium ernannt. Im Dezember des gleichen Jahres nimmt er seine Lehrtätigkeit auf. Er nutzt das Physikalische Kabinett für Forschungen zur Elektrizität und entdeckt im Januar 1826 das Gesetz vom Widerstand: „Bestimmung des Gesetzes, nach welchem Metalle die KontaktElektrizität leiten.“ Es bezeichnet die Proportionalität zwischen Strom und Spannung in einem elektrischen Leiter. Die dabei entdeckte Konstante ist das Ohm mit dem Symbol Ω. Georg Simon Ohm begann als 16jähriger Mathematik zu studieren. Finanzielle Schwierigkeiten behinderten immer wieder den Weg des Schlossersohnes. 1826 wechselt er an die Kriegsschule in Berlin, 1833 nach Nürnberg, 1849 erreicht ihn endlich der ersehnte Ruf an die Universität in München.

Oktober 1833 Die staatliche Provinzial-Gewerbeschule am Waidmarkt ersetzt private Schulen. Lehrgegenstände sind für zwei Jahre 4 Stunden praktisches Rechnen, 6 Stunden angewandte Geometrie, 6 Stunden Buchstabenrechnen, 14 Stunden Zeichnen und Modellieren und 6 Stunden Physik, Chemie und Mechanik. 87


6. Mai 1849 Adolf Kolping gründet den ersten Kölner Gesellenverein. Eine internationale Bewegung für Handwerker und ihre Familien entsteht.

18. Mai 1849 Eröffnung der Telegraphenlinie Berlin–Köln mit Stationen am Bahnhof „Am Thürmchen“ und im Bahnhof Deutz.

20. Oktober 1852

Köln unter Strom – Chronik

Eröffnung der Telegraphenlinie Köln-Koblenz.

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14. Mai 1861 Dr. Caspar Garthe (1795–1876), begeisterter Naturwissenschaftler, erster Oberlehrer an der höheren Bürgerschule am Quatermarkt, Initiator des 1860 eröffneten Kölner Zoos, beleuchtet die noch unvollendete Südseite des Kölner Domes mit elektrischem Licht.


Am 16. Mai 1865 wird in Anwesenheit des preußischen Königs Wilhelm I. der Grundstein für das Denkmal seines Großvaters, für Friedrich Wilhelm III. auf dem Heumarkt gelegt. Ein Feuerwerk und das Licht bengalischer Fackeln am Dom und der Dombrücke sind das Vorspiel zu heutigen Lichtinszenierungen. (Kolorierter Holzstich)

1866 Werner (von) Siemens (1816–1892) entdeckt als dritter das dynamoelektrische Prinzip. Er stellt es auf der Weltausstellung 1867 in Paris vor.

14. Januar 1869 Der Rat genehmigt die Mittel für die telegraphische Verbindung zwischen Wasserwerk und Feuerwehr. 1878 wird das Polizeipräsidium mit den einzelnen Kommissariaten telegraphisch verbunden.

1870 Die Provinzial-Gewerbeschule wird reorganisiert. Eine Untere Städtische Gewerbeschule für den handwerklichen und kaufmännischen Nachwuchs und eine Obere Königliche Gewerbeschule entsteht mit einer technischen, einer bautechnischen und einer chemisch-technischen Abteilung, um führende Kräfte für technische Berufe auszubilden.

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September 1878 In der Hausbrauerei „Zum Pfannenschläger“ auf der Hohe Straße beleuchtet der Wirt Johann Gerhard Wirtz seinen Gastraum elektrisch.

1879 Die Provinzial-Gewerbeschule wird in eine neunjährige, lateinlose Oberrealschule verwandelt. Als Ersatz richtet die Stadt Köln eine Gewerbliche Fachschule mit einer mechanisch-technischen, einer bautechnischen und einer kunstgewerblichen Abteilung ein.

Köln unter Strom – Chronik

1880

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Auf der Gewerbe-Ausstellung für Rheinland, Westfalen und benachbarte Bezirke, in Verbindung mit einer Allgemeinen Kunst-Ausstellung in Düsseldorf sind elektrisches Licht und eine elektrische Bahn eine Attraktion.

15. Oktober 1880 Anlässlich der Domvollendung wird der Dom elektrisch beleuchtet. Vier Scheinwerfer werden aufgestellt, auf dem Ratsturm, dem Treppenturm des


Köln 1879 – eine Stadt im Umbruch: Der große Rheinauhafen wird erst 1898 eröffnet. Die Schiffsbrücke wird 1915 ersetzt. Nur wenige Privilegierte besitzen elektrisches Licht.

Zeughauses, dem Dach der Schule in der Stolkgasse und auf einem Turm der Rheinbrücke. Rings um das Denkmal König Friedrich Wilhelms III. werden vier Bogenlampen mit mattierten Glasglocken aufgestellt. Ein Dynamo in der nahegelegenen Fleischhalle liefert den Strom. Die Kölnische Zeitung war begeistert: „Überall hörte man Ausdrücke der Freude und des Lobes über den gelungenen Lichtschmuck; ihren höchsten Gipfel erreichten die teilnehmenden Kundgebungen, als auf einmal der riesige Dom in prachtvoller elektrischer Beleuchtung erglänzte, als ein blendendes Lichtmeer die gigantischen Formen des schönsten aller Bauwerke mit magischem Glanze übergoß, als die schlanken Türme in ihrer vollen Schönheit aus dem dunklen Gerüst hervortraten und man jede Rosette, jede Fiale, jede Blume und jedes Zäckchen in wundervollem Schimmer sich abheben sah. Ein entzückendes Schauspiel.“

16.Oktober 1880 Für das Festbankett im Gürzenich am folgenden Tage hatte Werner von Siemens, der die ersten funktionierenden Bogenlampen entwickelt hatte, acht Bogenlampen installieren lassen (Bogenlampen erzeugen einen Lichtbogen zwischen zwei bewegbaren Kohlenstiften). Das grelle Licht, das laute Brummen der Lampen und häufige Unterbrechungen in der Erzeugung des Lichtbogens führen zu Beifall, als die gewohnten Gaskronenleuchter wieder als Lichtquelle eingesetzt werden. 91


1881 In Kölns Adressbüchern lassen sich die ersten Firmen nachweisen, die elektrotechnische Anlagen ausführen. Ein Teil dieser Firmen gründete 1911 die ELEKTROINNUNG KÖLN. Von einem guten Dutzend in diesem Jahre steigert sich ihre Zahl bis 1914 auf das etwa zehnfache. Selten sind es reine Vertretungen von großen Unternehmen, meist kleinere und mittlere Kölner Unternehmen.

1. Oktober 1881 Die ersten Fernsprecher werden – wenige Monate nach Berlin – in Betrieb genommen. Da die Oberpostdirektion ein Fernsprechnetz nur bei einer Mindestzahl von fünfzig Anschlüssen einrichten wollte, beteiligt sich die Stadtverwaltung. Am 12. Mai 1881 beschließt der Rat 22 Anschlüsse – 13 für die Polizeidirektion und die zwölf Polizeibezirke, zwei im Rathaus für Verwaltung und Feuerwache, je einen für die Feuerwache an St. Aposteln, für die Hafenverwaltung, für die Armendeputation, für den Schlachthof, das Gefängnis und für die Wohnung des Oberbürgermeisters.

1882 Erste elektrotechnische Ausstellung in München. Oskar von Miller führt dabei die Übertragung von Gleichstrom von Miesbach nach München über eine Entfernung von 60 Kilometer vor.

Köln unter Strom – Chronik

27. Juni 1884

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Der Reichstag verabschiedet nach langen Diskussionen seit 1881 das Unfallversicherungsgesetz, das die Bildung von Berufsgenossenschaften vorsieht. Es tritt am 6. Juli 1884 in Kraft. Die Mitgliedsbetriebe der Berufsgenossenschaften bringen die Mittel im Umlageverfahren auf, um Kosten nach Betriebsunfällen für Heilverfahren oder Renten zu sichern.


6. Februar 1885 Auf Einladung des Reichsversicherungsamtes findet die Gründungsversammlung der Berufsgenossenschaft für Feinmechanik in Berlin statt. Von Beginn an gehören „Einrichter von elektrischen Anlagen, Betriebe für elektrische Beleuchtung, Betriebe für elektrische Telegraphie, Betriebe für Fernsprechanlagen“ zu den vorgesehenen Pfl ichtmitgliedern. Als Sitz wird Berlin gewählt. Noch im Jahr 1888 sind bei weitem nicht alle Betriebe als Mitglieder erfasst.

Mai/Juni 1886 Bogenlampen werden erfolgreich wieder im Mai 1886 bei einem Wohltätigkeits-Jahrmarkt und im Juni 1886 beim Niederrheinischen Musikfest weniger erfolgreich eingesetzt. Im gleichen Jahr wird die erste elektrische Beleuchtungsanlage der städtischen Verwaltung im Stadttheater eingesetzt. Ein Otto-Motor mit 30 PS betreibt den Dynamo, der 210 Glühlampen leuchten lässt. Zehn Jahre später ist die Anlage noch in Betrieb.

23. Juni 1886 Die zweite Genossenschaftsversammlung in Berlin beschließt bereits erste Unfallverhütungsvorschriften.

21. Dezember 1886 Der Regierungspräsident genehmigt eine Innung der Installateure unter denen auch die Verleger elektrischer Klingeln genannt werden. Auf Antrag wird sie zum 1. August 1899 in eine Zwangsinnung verwandelt. 46 Klempner und Installateure beantragen einen Monat später ihre Aufl ösung und nachdem am 20. November 1899 kein Haushaltsplan zustande kommt, löst sich die Innung mit dem 31. Dezember 1899 auf.

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Verwaltungsgebäude, Montagehalle und Leuchtturm der HELIOS AG, deren Geschichte eng mit der Elektrifizierung Kölns verbunden ist. Um 1900 hat das Unternehmen über 2.000 Mitarbeiter, davon etwa 1.000 in Köln-Ehrenfeld. (Fotos aus Eugen Müllendorffs Band: Der Helios in den Jahren 1882–1900. Köln o. J. (1900))

9. Februar 1888 Der Rat der Stadt Köln beschließt den Bau einer „Centralstation für elektrische Beleuchtung“ auf dem Gelände des städtischen Wasserwerks am Zugweg. Ein Jahr später fällt im Rat der Stadt Köln die Entscheidung für Wechselstrom statt des sonst bisher bei öffentlichen Elektrizitätswerken üblichen Gleichstroms.

1889 In Deutschland arbeiten bereits 27 öffentliche Elektrizitätswerke – aber mit Gleichstrom.

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13. Februar 1890

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Zukunftsweisend ist – auf der Grundlage verschiedener Gutachten – die Entscheidung des Kölner Rates für eine Wechselstromanlage, die erste große auf deutschem Boden. August Hegener, Direktor der Gas- und Wasserwerke der Stadt Köln, begründet in seinem Gutachten die Entscheidung für Wechselstrom so: „In Erwägung, dass eine an der Peripherie der Stadt auf dem Grundstücke des Wasserwerkes am Zugwege zu errichtende Centrale am besten gelegen ist; dass ferner für letztere Centrale Anlage und Betrieb am einfachs-


„Montierungshalle für kleine Maschinen“ aus „Festschrift den Teilnehmern gewidmet vom Kölner Bezirksverein Deutscher Ingenieure“ Köln 1900. Vermutlich ahnt noch keiner der hier aufmerksam für den Fotografen posierenden Arbeiter das drohende Unheil in einer Wirtschaftskrise sich abzeichenden Insolvenz des Unternehmens.

ten und billigsten nach dem Wechselstrom-Transformatoren-System durchgeführt werden können; dass endlich die dem Wechselstrom-TransformatorenSystem anhaftende Gefahr, welche mit hoher Spannung verknüpft ist, durch Vorsicht in der Anlage auf ein Geringes beschränkt werden kann; auch der Minderwerth des Wechselstrom-Bogenlichtes gegenüber den sonstigen Vortheilen nicht schwer genug in die Waagschale fällt; verdient das Wechselstrom-Transformatoren-System in Köln den Vorzug und wird dessen Annahme hiermit empfohlen.“ Bereits im April 1890 beginnt man mit dem Bau. Den Auftrag für die gesamte elektrische Anlage erhält im Wettbewerb gegen Siemens & Halske, Berlin und Schuckert Co., Nürnberg das Kölner Unternehmen der „Helios AG für elektrisches Licht und Telegraphenbau“ in Ehrenfeld, die auch Gründungsmitglied der ELEKTROINNUNG KÖLN war. Das 1882 gegründete Unternehmen liefert im raschen Wachstum der nächsten Jahre Gleichstrom- und Wechselstromgeneratoren, Leuchttürme für Borkum, Campen, Wangerooge und Roter Sand, ganze Elektrizitätswerke und Straßenbahnen, unterhält eine Versuchsstrecke und einen eigenen Leuchtturm auf den Firmengelände. 1904 geht das Unternehmen in Liquidation. Aber der eigene Leuchtturm, das Helios-Haus und die Rheinlandhalle halten die Erinnerung an eine kurze aber Aufsehen erregende Episode der Kölner Industriegeschichte fest. 95


Elektrische Differential-Bogenlampe, um 1900. (Foto: Ulrich Reinecke, Museum für Energiegeschichte(n), Hannover

Köln unter Strom – Chronik

E.ON Avacon AG)

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19. März 1891 Der Rat der Stadt Köln beschließt in dieser Sitzung die „Bedingungen für die Lieferung von Strom aus den stadtkölnischen Elektrizitätswerken: „§5 Zur Einrichtung, Veränderung und Reparatur der Privatleitungen im Innern der Häuser, sowie zur Lieferung von Bogenlampen, Glühlampen und allen Beleuchtungskörpern sind die städtischen Elektricitätswerke zwar jederzeit bereit, aber nicht verpfl ichtet; es bleibt indessen den Consumenten unbenommen, diese Arbeiten und Lieferungen auch durch andere, von der Stadt zugelassene Unternehmer ausführen zu lassen. Jede derartig ausgeführte Beleuchtungseinrichtung muß vor ihrer Ingebrauchnahme von einem hierzu beauftragten Beamten der Elektricitätswerke auf sachgemäße Ausführung geprüft werden, und erst nach dieser Prüfung und dem ordnungsgemäßen Befunde erfolgt der Anschluß an das Leitungsnetz durch die Elektricitätswerke. Entwürfe und Kostenüberschläge für Anschlüsse und Privatleitungen, deren Ausführung nicht den Elektricitätswerken übertragen wird, werden mit 5 % der Ueberschlagssumme in Rechnung gestellt.“ Ein Schreiben der „hiesigen Klempner-, Installateure-, Kupferschmiede-, Pumpenmacher- und Gürtlerinnung“ löst heftige Diskussionen in der Stadtverordneten-Versammlung über der Frage aus, ob durch diese Bestimmung kleinere Unternehmen benachteiligt werden. Bis 1905 erhalten von nun an 48 Betriebe die Konzession des Kölner Elektrizitätswerkes, elektrotechnische Hausinstallationen ab Hauptverteiler einzurichten.

12. September 1891 Für den 21. Deutschen Juristentag wird zum Gartenfest der Volksgarten elektrisch beleuchtet. Den Strom liefert das neue Elektrizitätswerk am Zugweg als erste Aktivität des städtischen Betriebs, dessen Ausrüstung und Bauten in den kommenden Jahren mehrfach ergänzt werden.

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Bogenlampe. (Abbildung aus: Eugen Müllendorff: Der Helios in den Jahren 1882-1900. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Elektrotechnik. Köln

Köln unter Strom – Chronik

o. J. (1900))

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Hausanschluss mit Zähler. (Foto: Franz Joly: Das Elektrizitätswerk der Stadt Köln. Köln 1892)

24. September 1891 Der Rat beschließt die elektrische Beleuchtung des Gürzenich mit 862 Glühlampen und vier Bogenlampen. Die Ausschreibung gewinnt gegen die AEG und gegen Siemens & Halske wieder das Kölner Unternehmen Helios.

21./22. Januar 1893 In Berlin wird der VDE (Verband Deutscher Elektrotechniker, heute Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik) gegründet. Er ist heute mit über 36.000 Mitgliedern einer der größten technisch-wissenschaftlichen Verbände Europas. Normen und Sicherheitsstandards tragen sein Zeichen.

25. Mai 1894 Der neue Hauptbahnhof erhält (noch) eine Blockstation. (Der vor Ort aufgestellte Dynamo für Gleichstrom wird entweder mit Dampfmaschinen oder mit Otto-Motoren betrieben.) Für den Hauptbahnhof sind 550 Glühlampen und 106 Bogenlampen installiert. 99


14. Juni 1894 Drei Jahre nach der Errichtung des Elektrizitätswerkes am Zugweg beschließt der Rat die Aufstellung der ersten elf elektrischen Bogenlampen als Straßenbeleuchtung. Zuerst wird die Hohe Straße, dann werden Frankenwerft und Trankgassenwerft für den Hafenbetrieb beleuchtet, es folgt die Schildergasse.

26. Juli 1897 Im Reichsgesetzblatt wird die Änderung der Gewerbeordnung verkündet, die das Regelwerk der eigenständigen Organisation des Handwerks für Innungen, Innungsausschüsse, Innungsverbände und Handwerkskammern ordnet.

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24./25. September 1897

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Generalversammlung des „Vereins für Socialpolitik“ in Köln über die Handwerkerfrage, den ländlichen Personalkredit und die Handhabung des Vereinsund Koalitionsrechts.


Das Maschinenhaus des Kölner Elektrizitätswerkes. (Foto: Historisches Archiv der RheinEnergie AG)

20. November 1899 Am Abend der Aufl ösung der Zwangsinnung wird ein „Verein zur Wahrung der Interessen selbständiger Klempner, Installateure und Berufsgenossen Kölns“ gegründet, der bald über 100 Mitglieder zählt. Er tritt in Konkurrenz zur ein Jahr älteren „Freien Vereinigung von Mitgliedern der Klempner-, Installateur-, Kupferschmiede-, Pumpenmacher- und Gürtler-Innung zu Köln“, die sich neben der alten Innung mit Erfahrungsaustausch und Fortbildung beschäftigt hatte.

Busch-Exzenterschalter 1899. (Foto: Busch-Jae-

1900

ger Elektro GmbH)

Über 700 öffentliche Elektrizitätswerke sind in Deutschland in Betrieb. Die Handwerkskammer Köln wird – entsprechend der Novellierung der Handwerksordnung von 1897 – errichtet.

Juli 1900 Das zweite Maschinenhaus des Elektrizitätswerkes am Zugweg wird in Betrieb genommen. Damit bereitet man sich auf die Elektrifizierung des Straßenbahnnetzes ebenso vor, wie der Verbrauch des 1898 eröffneten Rheinauhafens berücksichtigt wird und der steigende Absatz von Strom es fordern. 101


Elektrische Glühlampe mit Steckadapter, Anfang 20. Jahrhundert. (Foto: Ulrich Reinecke, Museum für Energiegeschichte(n), Hannover E.ON Avacon AG)

1900/1905 Das Kabelnetz des Elektrizitätswerkes wird bis 1905 auf fast alle Kölner Vororte ausgedehnt. Die alten Generatoren der ersten Zentrale werden durch neue leistungsfähigere ersetzt. Im Herbst 1902 verfügt man über acht Maschinensätze mit zusammen 6000 Kilowatt.

Köln unter Strom – Chronik

15. Oktober 1901

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Die Uferbahn mit der Strecke Dom – Flora und die Ringbahn werden als erste elektrifizierte Strecken in Betrieb genommen. Damit werden die Bahnen der Stadt Köln zum ersten Großkunden des Elektrizitätswerkes. Erst nach langen Verhandlungen hatte die Stadt die privaten Pferdebahnlinien am 1. April 1900 erworben und dann mit der Elektrifizierung begonnen. Die Leitungen werden – mit Rücksicht auf die Rosenmontagszüge – zwischen Neumarkt und Wallrafplatz sowie zwischen Heumarkt und Neumarkt in sieben Meter Höhe verlegt. Die Leistungsmasten tragen an den Ringen zugleich eine Bogenlampe für die abendliche Beleuchtung der prächtigen Boulevards. Das unterirdische Umformwerk, das den Gleichstrom für die Oberleitungen lieferte, wird am Cäcilienkloster eingerichtet. Es steht heute unter Denkmalschutz.


Schnitt durch das unterirdisch angelegte Umformwerk Caecilienkloster. Hier wurde der Wechselstrom für den Betrieb der Straßenbahnen in Gleichstrom umgewandelt. (Abbildung: Historisches Archiv der RheinEnergie AG)

1902 In Frankfurt wird der „Verband Deutscher Elektro-Installationsfirmen e. V.“ gegründet (nicht mit dem bereits 1893 gegründeten VDE – Verband Deutscher Elektrotechniker – zu verwechseln). Zwei Jahre später eröffnet er eine eigene Geschäftsstelle und 1906 wird eine „Einkaufsvereinigung für elektrische Bedarfsartikel GmbH“ gegründet.

1903 Die städtische Gewerbefachschule wird entsprechend ihren drei Abteilungen aufgegliedert, sie werden als Maschinenbauschule, Baugewerkschule und Kunstgewerbeschule selbständig.

12. März 1903 Das städtische Ortsstatut verpfl ichtet alle Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter zum Besuch der zweijährigen Gewerblichen Pfl ichtfortbildungsschule.

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Die Gewerbeförderungsanstalt am Ubierring 1907. (Foto aus: Friedrich Romberg: Festschrift zur Eröffnungsfeier der Gewerbeförderungsanstalt für die Rheinprovinz zu Cöln. Köln o. J. (1907))

1. Juli 1903 Das neue, zusätzlich errichtete Kesselhaus des Elektrizitätswerkes mit sechs Kesseln zu je 300 qm Heizfl äche zum Betreiben der Dampfmaschinen und der Generatoren ist fertiggestellt.

1905 Der Regierungspräsident Köln genehmigt die Einrichtung einer privaten Elektromonteur- und Installateurschule. Bald darauf werden auch an den Vereinigten Maschinenbauschulen in Köln Spezial- bzw. Meisterkurs für Elektroinstallateure und Elektromonteure angeboten.

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1907

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Nachdem bereits 1903 eine erste Meisterprüfung im Elektrohandwerk in Freiburg abgelegt worden war, wird mit Jean Nolden aus Bonn auch in Köln eine erste Meisterprüfung durchgeführt. In der „Gewerbeförderungs-Anstalt für die Rheinprovinz zu Cöln“ werden bereits Meisterkurse für Elektro-Installateure durchgeführt.


Unterrichtsraum der Elektroinstallateure 1907 in der Gewerbeförderungsanstalt am Ubierring. (Foto aus: Friedrich Romberg: Festschrift zur Eröffnungsfeier der Gewerbeförderungsanstalt für die Rheinprovinz zu Cöln. Köln o. J. (1907))

1910 Das Elektrizitätswerk liefert Strom – neben dem Verbrauch der Straßenbahn – für 4309 Transformatoren, für 434 Bogenlampen der öffentlichen Beleuchtung und für 2248 privat installierte Bogenlampen. Es sind zugleich 241.931 Glühlampen installiert. Gegenüber 1895 mit 26 Elektromotoren, 1901 mit 304 Elektromotoren sind es jetzt bereits 2.410 Elektromotoren. Auch mit Mülheim – noch nicht eingemeindet – wird ein Vertrag abgeschlossen. Im Jahr darauf erhalten auch Bocklemünd, Mengenich, Longerich und Volkhoven Strom für den Betrieb landwirtschaftlicher Geräte.

Aufputz-Rosettenschalter 1906. (Foto: Busch-Jaeger

1911

Elektro GmbH)

Die deutschen Elektrizitätswerke gründen eine „Geschäftsstelle für Elektrizitätsverwertung“, um den Verbrauch zu steigern. Damit beginnt die intensive Werbung für den Verbrauch von Strom gegen die Konkurrenz Gas.

105


Der Laurenzplatz um das Jahr 1910. Links vorne, Ecke Unter Goldschmied, im Bild nicht mehr sichtbar, stand das Weinhaus Deis. (Foto aus: Joseph Klersch: Geschichte des Kölner Elektrohandwerks zum 50jährigen Jubiläum 1961. Köln 1961)

April 1911 Im April nimmt die Abteilung für elektrische Anlagen an den Vereinigten Maschinenbauschulen in Köln als einzige Institution dieser Art in Preußen mit 32 Schülern den Lehrbetrieb auf. Die meisten Schüler hatten durchschnittlich bereits sieben Jahre praktisch gearbeitet.

1. Juli 1911

Köln unter Strom – Chronik

Die „Bestimmungen über Einrichtungen und Lehrpläne Gewerblicher Fortbildungsschulen“ gelten als Geburtsstunde der Berufsschulen in Preußen, deren Kölner Vorläufer gerade die ersten Schüler der Abteilung für elektrische Anlagen aufgenommen hatte.

106

14. Dezember 1911 Die Gründung der ELEKTROINNUNG KÖLN. Ein Gesellenstreik zwingt die Handwerksfirmen zur Zusammenarbeit. Ferdinand Nolzen regt die Gründung einer „Vereinigung der elektrotechnischen Installationsfirmen“ an. Am 14. Dezember 1911 trifft man sich im Weinhaus Deis, Unter Goldschmied 5, zur Gründungsversammlung.


Meisterkurs der Elektroinstallateure in der Gewerbeförderungsanstalt am Ubierring. (Foto aus: Friedrich Romberg: Festschrift zur Eröffnungsfeier der Gewerbeförderungsanstalt für die Rheinprovinz zu Cöln. Köln o. J. (1907))

107


Wilhelm Blatzheim,

Wilhelm Blatzheim:

Ehrenmitglied der

Der Umschlag eines

Elektroinnung, lang-

seiner Lehrbücher,

jähriger Lehrer der

die in vielen Auflagen

Kölner Elektroklas-

erschienen, zeigt

sen. (Foto aus: Jo-

einen Elektriker bei

seph Klersch: Ge-

der Arbeit.

schichte des Kölner Elektrohandwerks zum 50jährigen Jubiläum 1961. Köln 1961)

Dem ersten Vorstand gehörten Ferdinand Nolzen als Vorsitzender, Emil Tofehn als stellvertretender Vorsitzender, Anton Prümm als Schatzmeister, Albert Haag als Schriftführer und Peter Schröder als stellvertretender Schriftführer an. Eine Lohnkommission wird gebildet, die mit dem Deutschen Metallarbeiterverband Köln in Verhandlungen eintritt und die mit einer Lohnerhöhung um 5 Pfennig pro Stunde – bisher zwischen 60 und 67 Pfennig – endet.

Köln unter Strom – Chronik

1912

108

Wilhelm Blatzheim (1879–1954) wird Lehrer an den Vereinigten Maschinenbauschulen zu Köln a. Rh. Er übernimmt die Leitung der Fachabteilung für Elektrotechnik. Sein für die Anfangszeit des Elektroinstallationsgewerbes typischer Lebenslauf beginnt mit einer Schlosserlehre in der väterlichen Werkstatt. Von 1898 bis 1900 ist er Hilfsmonteur und Monteur beim Kölner Installationsbüro der AEG, nach dem Militärdienst erlebt er vom 1. April 1904 bis zum Januar 1905 das Ende des Unternehmens Helios in der Liquidation, geht bis 1906 zur Firma Louis Welter, ergänzt seine Ausbildung am Technikum Mittweida und tritt schließlich als Elektrotechniker ins Dezernat Beleuchtung der Eisenbahndirektion Köln. 1912 wechselt er in den Schuldienst, den er


Frühe Werbung für die Nutzung von elektrischem Strom (Abbildung: Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

erst 1946, zwei Jahre über die Altersgrenze hinaus, als Ehrenmitglied der Elektroinnung verlässt. 1926 wird er Fachvorsteher der Elektroklassen. Seine Lehrbücher für den Berufsschulunterricht waren noch bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts weit verbreitet.

23. April 1912 Die Eintragung der „Vereinigung elektrotechnischer Installationsfirmen e. V.“ ins Vereinsregister erfolgt unter der Nr. 1961.

Aufputz-Kippschalter 1910. (Foto: Busch-Jaeger Elektro GmbH)

25. Juli 1913 Erlass einer Gesellenprüfungsordnung für das Elektroinstallateur-Handwerk. Für Stadt- und Landkreis Köln, für Stadt- und Landkreis Mülheim am Rhein und für den Kreis Bergheim wird ein Prüfungsausschuss bestellt, dessen Vorsitz Reinhard Oertel erhält.

109


Die Bauten am Zugweg vor 1910: Im Vordergrund das Wasserwerk Severin I, die Centralen I und II, im Hintergrund das Wasserwerk Severin II und eines der beiden Kesselhäuser. (Nach einem Aquarell von Wilhelm Scheiner aus: Die Stadt Cöln im ersten Jahrhundert unter Preußischer Herrschaft 1815 bis 1915. Bd. 2, Köln 1915)

9. März 1916 Nach dem Tod von Ferdinand Nolzen wird auf einer von 17 Mitgliedern besuchten Versammlung Peter Schröder zum ersten Vorsitzenden gewählt. Er bleibt bis 1918 im Amt. Auch die anderen Posten des Vorstandes – bis auf Anton Prümm als Schatzmeister – werden neu besetzt. Wilhelm Dietrich wird stellvertretender Vorsitzender, Heinrich Plengen Schriftführer und L. Josef Gordes stellvertretender Schriftführer.

6. Dezember 1918

Köln unter Strom – Chronik

Eine von dreißig Mitgliedern besuchte Versammlung wählt Kurt Miram zum Vorsitzenden.

110

1919 Erste öffentliche Rundfunkvorführung in Berlin


1920 Die Vereinigung der Elektrizitätswerke und der „Verband deutscher Elektroinstallationsfirmen e. V.“ VEI einigen sich auf „Grundsätze für die Zulassung von Installateuren zur Ausführung von Anschlußanlagen an Elektrizitätswerken“. Die Konzession sollte nur an Elektro-Installateure, die seit 1921 selbstständige Unternehmer mit eigener Werkstatt sein müssen und an Unternehmer erteilt werden, die den erfolgreichen Besuch einer Technischen Hochschule, eines Technikums oder einer gleichwertigen Fachschule nachweisen können.

7. Oktober 1920 Birnenschalter 1915.

Als neuer Vorsitzender der Vereinigung der elektrotechnischen Installationsfirmen e. V., heute ELEKTROINNUNG KÖLN wird Hugo Caroly gewählt. Kurt Miram, unter dessen Leitung eine neue Satzung entwickelt wurde, war Vorsitzender des Westdeutschen Bezirksverbandes geworden.

(Foto: Busch-Jaeger Elektro GmbH)

24. Dezember 1920 Die nun beschlossene neue Satzung der nun über achtzig Mitglieder zählenden Vereinigung trägt dem Wachstum mit der Einrichtung einer Geschäftsstelle im Hause Gladbacher Straße 46 Rechnung. Nun können nur Besitzer

111


Zeugnis der privaten ElektromonteurSchule aus dem Jahre 1919 für Wilhelm Schramml. (Archiv

Köln unter Strom – Chronik

Josef Schramml)

112


Elektrische Heiz-

Elektrischer Zigarren-

sonne der AEG nach

anzünder, um 1920.

einem Entwurf von

(Foto: Ulrich Rein-

Peter Behrens, um

ecke, Museum für

1920. (Foto: Ulrich

Energiegeschichte(n),

Reinecke, Museum für

Hannover E.ON

Energiegeschichte(n),

Avacon AG)

Hannover E.ON Avacon AG)

der Vollkonzession beim Elektrizitätswerk oder Inhaber des Meistertitels oder der Berechtigung Lehrlinge auszubilden, stimmberechtigte Mitglieder sein. Die Höhe der Beiträge wird nach der Betriebsgröße gestaffelt.

22. Dezember 1920 Erste öffentliche Rundfunkübertragung – ein Weihnachtskonzert. Ab 1922 wird mit einem Wirtschaftsrundspruchdienst ein erster regelmäßiger und gebührenpfl ichtiger Rundfunk betrieben. Unterputz-Dreh-

29. Oktober 1923 Als Geburtsstunde des deutschen Rundfunks gilt die Ausstrahlung einer Unterhaltungssendung aus dem Vox-Haus in Berlin.

schalter mit Glasabdeckung 1920 (Foto: Busch-Jaeger Elektro GmbH)

1. Januar 1924 In Deutschland sind 1.580 Rundfunkteilnehmer angemeldet. Jahresgebühr 60 Reichsmark.

113


„Ganz Dame und doch Hausfrau“, Werbeplakat der AEG 1925. (Archiv Museum für Energiegeschichte(n), Hannover E.ON

Köln unter Strom – Chronik

Avacon AG)

114


Handstaubsauger „Vampyr“ der AEG von 1926. (Foto: Ulrich Reinecke, Museum für Energiegeschichte(n), Hannover E.ON Avacon AG)

1925 Die neue Meisterprüfungsordnung gliedert die Elektrohandwerksberufe in Elektroinstallateure, Elektromaschinenbauer und Elektromechaniker.

12. Mai 1925 Durch eine neue Verordnung werden erstmalig „Berufskrankheiten“ in den Versicherungsschutz der Berufsgenossenschaft einbezogen.

14. Juni 1925 Wegeunfälle nach und von der Arbeitsstätte werden in den Versicherungsschutz der Berufsgenossenschaft einbezogen.

26. Januar 1926 Mit dem Abzug der englischen Besatzungstruppen aus Köln und der Kölner Zone wird der Weg für die Einrichtung eines reichseigenen Rundfunksenders frei. Selbst der Handel mit Rundfunkgeräten war untersagt gewesen. 1927 115


Hochleistungsbügeleisen mit Birkaregler, um 1925. (Foto: Ulrich Reinecke, Museum für Energiegeschichte(n), Hannover E.ON Avacon AG)

Frühe Werbung für die Nutzung von elektrischem Strom. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

wird die „Westdeutsche Rundfunk AG“ aus Münster nach Köln verlegt. Zusätzliche Studios ins Düsseldorf und Elberfeld werden 1930 aus Kostengründen geschlossen. Köln wird zu einem Zentrum der Medientechnik.

1927 Der Elektromaschinenbauer wird als selbstständiger Beruf in das Handwerksverzeichnis eingetragen.

Köln unter Strom – Chronik

1928

116

Die Staatlichen Vereinigten Maschinenbauschulen bilden in der elektrotechnischen Lehranstalt jeweils 40 Schüler zu Elektrotechnikern aus. Die Meisterkurse für Elektroinstallateure dauern je vier Monate. Kurse zur Einführung in die Vorschriften des Verbandes Deutscher Elektrotechniker mit je 100 Teilnehmern dauern sieben Wochen. Die Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Elektrizitätswerke beschließt, dass für die Ausführung von Installationsarbeiten nur die Vorschriften des VDE angewendet werden dürfen.


Kugelwaschmaschine, um 1925. (Foto: Ulrich Reinecke, Museum f端r Energiegeschichte(n), Hannover E.ON Avacon AG)

117


Fachklasse der Elektriker 1928. (Foto aus: Schulamt der Stadt Köln (Hg.): Die Berufsschulen, die kaufmännischen Fachschulen und technischen Lehranstalten in Köln. Denkschrift zur Eröffnung der Berufsschule Ulrepforte. Köln 1928)

Köln unter Strom – Chronik

24. Januar 1928

118

Franz Linnartz, zuvor Stellvertretender Vorsitzender, wird zum Vorsitzenden der Vereinigung der elektrotechnischen Installationsfirmen e.V. Köln gewählt. Die Vereinigung bietet nun Fachvorträge zur Weiterbildung an. Auch die oft im Ladengeschäft tätigen Ehefrauen der Meister werden dazu eingeladen. Ab Mai 1928 bieten die GEW-Werke ihren Kunden in einer Werbeaktion an, Elektrogeräte und Installationen auf Ratenzahlung zu kaufen. Zahlreiche Firmen und Kunden nehmen teil. So werden neue Kunden für alle gewonnen und die Abnahme von Strom wird gesteigert. Die so genannten Teilzahlungsgeschäfte sollen insbesondere den Kunden mit geringerem Einkommen ermöglichen, die in dieser Zeit noch sehr teuren Haushaltsgeräte durch günstige Finanzierungsmodelle zu erwerben. Die Einbeziehung der großen Warenhäuser in diese Aktion verunsichert viele Elektroinstallateure und löst deren Proteste aus, da sie finanzielle Einbußen befürchten, die nicht eintreten.

8. April 1931 Nach heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Vereinigung in Köln, in denen der Westdeutsche Bezirksverein zugunsten einer unterlegenen Gruppe eingreift, führt diese Unterstützung zur Gründung eines konkurrierenden „Landesverbandes der Elektro-Installationsfirmen des Rheinlands“.


Der anlässlich der PRESSA 1928 angestrahlte Kölner Dom. (Foto: August Sander)

119


Meisterbrief für

Gustav Kretzer, Grün-

Mathias Pütz, 1931.

dungsmitglied des Jahres 1911, langjähriges Vorstandmitglied, Träger der goldenen Ehrennadel des Bundesinnungsverbandes des deutschen Elektrohandwerks. (Foto aus: Joseph Klersch: Geschichte des Kölner Elektrohandwerks zum 50jährigen Jubiläum 1961. Köln 1961)

26. Juli 1932

Köln unter Strom – Chronik

Im Kolpinghaus wird ein elektrotechnischer Versuchs- und Unterrichtsraum eingerichtet, der Arbeitsplätze für 33 Schüler bietet. Damit waren die „Elektriker“, bisher Untergruppe der Metallhandwerker, nun eigenständige Elektrofachabteilung. Hier fanden Weiterbildung und Zeichenkurse, Experimentierkurse und Meisterkurse statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fachabteilung bis 1952 wieder aufgebaut. Erst mit dem Neubau des Kolpinghauses, für das am 30. April 1968 der Grundstein gelegt wurde, wird die Weiterbildung an die Handwerkskammer Köln abgegeben. Eine mehr als 30jährige Tradition von selbstständiger Weiterbildung aus Eigeninitiative mit eigenem Experimentieren geht zu Ende.

120

29. April 1933 Zu Beginn der Hauptversammlung wird vor der Neuwahl des Vorstandes ein Brief des Gauwirtschaftsberaters, kommissarischen Beigeordneten und zukünftigen Oberbürgermeisters Dr. Karl Georg Schmidt verlesen. Er bittet, bei der Neuwahl darauf zu achten, „daß derselbe eine den neuen politischen Machtverhältnissen entsprechende Zusammensetzung erfahre.“


Frühe Werbung für die Nutzung von elektrischem Strom. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

Aber in geheimer Abstimmung werden Franz Linnartz und auch sein Stellvertreter Gustav Kretzer wiedergewählt. Im Gesamtvorstand mit zusätzlich sechs Beisitzern sind aber offensichtlich der größte Teil der Vorstandsmitglieder entweder in der Partei oder im Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand. Der Vorstand wird in seinen Ämtern bestätigt.

3. Mai 1933 Auf einer Vollversammlung des Reichsverbandes des deutschen Handwerks wird der „Reichsstand des deutschen Handwerks“ gegründet. Mit Führerprinzip, Pfl ichtinnungen und Kreishandwerkerschaften wird das Ziel von Wilhelm Georg Schmidt, Reichshandwerksführer und Präsident des Reichsstandes des deutschen Handwerks, verwirklicht: „Die Keimzelle einer wahren Volkswirtschaft war und ist und wird immer das Handwerk sein: Über das Handwerk geht der Weg zur nationalsozialistischen Volkswirtschaft.“ (Auf dem Reichshandwerkertag 1936)

121


Obermeister Franz Linnartz. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

Frühjahr 1933 Die nationalsozialistische Diktatur wird z. B. von einem Elektroinstallateurmeister für Denunziationen genutzt, um sich an einigen missliebigen Mitarbeitern der GEW – Monteuren und Ingenieuren – zu rächen: […] „Nach meiner Erfahrung gehören folgende Herren nicht in die Beamtenschaft einer Nationalen Regierung, die nur Leute beschäftigen will, die nach altpreussischem Muster arbeiten sollen:“[…]

29. November 1933

Köln unter Strom – Chronik

Das „Gesetz über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks“ sieht die Einrichtung von Pfl ichtinnungen vor, die die bisherigen freiwilligen Vereinigungen von Handwerksfirmen ersetzen.

122

15. Juni 1934 Die erste Verordnung auf der Grundlage des „Gesetzes über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks“ bringt einschneidende Veränderungen und regelt die Organisationsverhältnisse der Innungen und der neuen Kreishandwerkerschaften.


Volksempfänger

Meisterbrief für

VE 301 von 1933.

Bernhard Günther,

(Archiv Museum für

1935, erneuert 1960.

Energiegeschichte(n), Hannover E.ON Avacon AG)

Der „Reichsverband des Handwerks“ wird in den Reichsstand des Handwerks umbenannt und dem nationalsozialistischen Führerprinzip angepasst. Die Satzungen werden von den Handwerkskammern erlassen, denen ebenso die Selbständigkeit genommen wird, und die Obermeister und „Kreishandwerksführer“ werden von der Handwerkskammer ernannt. Für das Elektrohandwerk wird die Pfl ichtinnung Ende des Jahres 1934 in Köln gegründet. Auch in der neuen Pfl ichtinnung wird Franz Linnartz wieder zum Obermeister ernannt. Die bisherige „Vereinigung der elektrotechnischen Installationsfirmen“ steht nun ohne Mitglieder da und wird vom alten Vorstand liquidiert.

Kipphebelschalter 1934. (Foto: Busch-

18. Januar 1935

Jaeger Elektro GmbH)

Mit der Dritten Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Deutschen Handwerks wird der Große Befähigungsnachweis (Meisterprüfung) Voraussetzung zur Ausübung eines Handwerks als stehendes Gewerbe.

123


Werbeplakat 1936 (Archiv Museum für Energiegeschichte(n), Hannover E.ON Ava-

Köln unter Strom – Chronik

con AG)

124


Obermeister Karl Laue (kommissarisch). (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

22. April 1936 Der Reichsminister für Wirtschaft genehmigt das „Abkommen über Vertrieb und Verarbeitung elektrotechnischer Artikel“. Es regelt vor allem den Verkauf von Installationsmaterial und verpfl ichtet die Warenhäuser, Einheitspreisgeschäfte und ähnliche Vertriebsorganisationen, auf den Verkauf von Installationsbaumaterial zu verzichten.

1. Juli 1936 Es dürfen nur noch elektrotechnische Artikel verkauft und verarbeitet werden, die den jeweiligen Vorschriften des Verbandes Deutscher Elektrotechniker – VDE – entsprechen.

30. Oktober 1944 Franz Linnartz stirbt. Zuvor hatte er die Leitung der Pfl ichtinnung an Karl Laue und die Leitung der Bezirksstelle an Joseph Kleinen übergeben.

125


Obermeister Bernhard Günther (kommissarisch). (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

6./7. März 1945 Amerikanische Truppen besetzen das linksrheinische Köln. Erst am 14. April 1945 wird auch das rechtsrheinische Köln befreit. Die gesamte Trümmermenge im ehemaligen Reichsgebiet schätzt man auf 400 Millionen cbm. Köln wird auf 24,1 Millionen cbm unaufgelockert und 30,2 Millionen cbm aufgelockert geschätzt. Köln liegt mit 31,2 cbm pro Kopf der Bevölkerung von 1939 knapp vor Dortmund an der Spitze der Großstädte Deutschlands.

24. Juni 1945

Köln unter Strom – Chronik

Bernhard Günther übernimmt die kommissarische Leitung der Elektroinnung und übergibt sie nach wenigen Wochen an Karl Broer.

126

15. September 1945 Ein erstes Treffen der Elektromaschinenbauer und der Rundfunkmechaniker.


Obermeister Karl Broer. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

9. Oktober 1945 Von Bernhard Günther, inzwischen Präsident der Handwerkskammer, wird eine erste Gesamtsitzung der Elektroinnung – dies ist der neue Name – eröffnet. Er stellt den neuen Kreishandwerksmeister Breiken vor. Die Versammlung bestätigt Karl Broer als Obermeister und wählt Josef Fey als Stellvertreter, Kassierer wird Adolf Weiser und Schriftführer Reiner von Zuilen. Als Beisitzer werden gewählt Eduard Einig, Josef Repke, Matthias Weiß, Peter Flohr und Dionys Schmitz und die bereits zuvor gewählten Fachausschussvorsitzenden.

Januar 1946 Die Fachgruppe „Rundfunkmechanik“ innerhalb der Elektro-Innung strebt nach Selbstständigkeit und setzt Rundfunkmechanikermeister Leopold Zimmermann als kommissarischen Obermeister ein.

6. Februar 1946 Im kommissarischen Vorstand der abgetrennten neuen Innung „Rundfunkmechanik“ ist auch Karl Broer, Obermeister der Elektroinnung, noch Mitglied. 127


Schreiben der Wasser & Brückenbauabteilung der Stadt Köln an das Hauptquartier der Militärregierung in Düsseldorf für eine Reiseerlaubnis für Wilhelm Schramml zur Materialbeschaffung für die PattonBrücke. Die deutsche Fassung nutzt noch Briefpapier aus der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. (Archiv Josef

Köln unter Strom – Chronik

Schramml)

128


Englische Fassung des Anschreibens. (Archiv Josef Schramml)

129


Nachkriegsnot (Archiv Josef

KÜln unter Strom – Chronik

Schramml)

130


Juli 1946 Nachkriegswirtschaft – aus den Mitteilungen der ELEKTROINNUNG KÖLN: „Gemäß neuer Anordnung muß jeder Betrieb betr. Lötzinn nachstehenden Antrag stellen und zwar kann jeder 1 kg Lötzinn pro Kopf/Monat beantragen: Jedoch bis zu einer Höchstmenge von 75 kg pro Quartal. Großverbraucher müssen einen gesonderten Antrag stellen und zwar ist hierfür das Antragsformular VANEM 4 zu benutzen. Die hierfür erforderlichen Antragsformulare fügen wir in der Anlage bei und sind ausgefüllt umgehend der Geschäftsstelle einzureichen. Der letzte Abgabetermin ist der 25. 7.1946.“ Aber auch Seife wird den Betrieben nach Mitarbeiterzahl zugeteilt.

6. Dezember 1946 Die britische Militärregierung löst die Zwangsinnungen auf.

22. März 1947 Der vorläufige Vorstand der freien Radiomechaniker-Innung lädt zu einer Versammlung am 22. März 1947 ein. Der Versuch von Karl Broer, Obermeister der Elektroinnung die Rundfunkmechaniker als Fachgruppe der ElektroInnung zurückzuholen scheitert in einer Versammlung der Rundfunkmechanikerinnung am 24. Juni 1947.

15. August 1948 Das „Fenster des Kölner Handwerks“ ehemals in der Südquerhausfassade des Kölner Domes. Ein Bericht von Dr. Ulrike Brinkmann, Dombauverwaltung Köln Das ursprüngliche Fenster (Maße: Obergaden ca. 20 m hoch, 7,50 m breit; Triforiumszone: über ca. 4 Meter hoch, 7,50 m breit) der im 19. Jahrhundert vollendeten südlichen Querhausfassade wurde im Krieg zerstört. Die Nachkriegsverglasung des gesamten Südquerhausfensters stiftete die Kreishandwerkerschaft Köln. Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft Köln hatten anlässlich der 700-Jahrfeier der Grundsteinlegung des gotischen Domes im Jahr 1948 zu Spenden für den im Krieg schwer beschädigten Dom aufgerufen, mit dem Erfolg, dass die Stadt Köln zur Eröffnung der Jubiläumsfeiern bekanntgab, 131


Fensterstiftung der Handwerkskammer 1948 Südquerhaus des Domes. Gesamtaufnahme Fensterstiftung der Handwerkskammer 1948 Südquerhaus des Domes. (Dombauar-

Köln unter Strom – Chronik

chiv Köln)

132

einen Ersatz für das zerstörte Fenster über dem Portal des nördlichen Querhauses stiften zu wollen. Daraufhin übernahm die Kreishandwerkerschaft Köln die Neuverglasung der südlichen Querhausfassade. Mit dem Gesamtentwurf wurde Wilhelm Teuwen, Professor an den Kölner Werkschulen, betraut, die Ausführung wurde an die Kölner Kunstglaserei Franz Melchior vergeben. Zum Domjubiläum am 15. August 1948 war die Verglasung der Fensterbahnen in der Obergadenzone fertig, ein großer Kraftakt in dieser von Materialschwierigkeiten geprägten Zeit. Die neue Verglasung der Langbahnen war als reines Ornamentmuster konzipiert, mit ineinander verschränkten Kreisen und Vierpässen aus weißen und grauen Gläsern, deren Umrisse durch starke Bleieinfassungen besonders betont waren. Ähnliches war für das Maßwerk vorgesehen, in der Wirkung verstärkt durch sparsame farbige Akzente. Der Entwurf für das Maßwerk wurde allerdings nie ausgeführt, es blieb dauerhaft bei der provisorischen Blankverglasung. Ein Leitgedanke bei dieser ornamentalen Gestaltung – sicherlich vermittelt durch Dombaumeister Willy Weyres – war, dass auf den Hauptaltar in der Vierung besonders viel helles Licht fallen sollte. Zugleich war es eine ästhetische „Lösung aus der Not der Zeit“, wie es in einem Zeitungsartikel hieß, eine Lösung, in der sich die unmittelbare Nachkriegssituation widerspiegelte. Couronnement und Triforiumszone, deren Verglasung farbiger geplant war, wurden zunächst provisorisch mit farblosem Kathedralglas geschlossen (im Couronnement blieb es dauerhaft bei dieser Lösung).


Der angestrahlte Dom inmitten der zerstörten Altstadt, anlässlich des Domjubiläums am 15. August 1948. (Dombauarchiv Köln)

133


Detail mit dem Emblem der ELEKTROINNUNG KÖLN. Fensterstiftung der Handwerkskammer 1948 Südquerhaus des Domes Gesamtaufnahme. Fensterstiftung der Handwerkskammer 1948 Südquerhaus des Domes. (Dombauar-

Köln unter Strom – Chronik

chiv Köln)

134

Bis der für die Triforiumszone vorgesehene Entwurf ausgeführt werden konnte, dauerte es noch elf Jahre. Am 11. Oktober 1959, anlässlich des 75jährigen Jubiläums der Kreishandwerkerschaft, wurde das „Fenster des Kölner Handwerks“ dem Dom übergeben. In jede der 12 Bahnen waren vier Kreise eingelassen, die Embleme und Symbole verschiedener Handwerksinnungen zeigten (u.a. Tischler, Raumausstatter, Bäcker, Böttcher, Wäscher, Färber, Schornsteinfeger, Glasreiniger und Fensterputzer, Schilder- und Lichtreklamenhersteller, Damenschneider, Herrenschneider, Stellmacher, Mechaniker, Friseure, Schuster, Zimmerer, Zahntechniker, KFZ-Mechaniker Schlachter, Rossschlachter, Kürschner, Maurer, Schmiede, Konditoren, Steinmetze, Straßenbauer, Weber, Putzmacher, Juweliere, Dachdecker, Sattler, Uhrmacher, Büchsenmacher, Optiker, Schlosser, Graveure, Maler, Fotografen, Glaser, Installateure und Elektriker (s. Bild mit dem Emblem der ELEKTROINNUNG KÖLN). Die Maßwerkzone des Triforiums blieb bei der Farbverglasung von 1959 ausgespart. In den 1980er Jahren wurden hier von der Glaswerkstatt der Dombauhütte Streifen aus farbigem Glas eingesetzt. 2006 wurde die Verglasung des Südquerhausfensters mit Zustimmung der Kreishandwerkerschaft Köln komplett ausgebaut, um einem neuen Fenster nach dem Entwurf von Gerhard Richter Platz zu machen. Von den Triforiumsscheiben wurden sämtliche Felder in der Glaswerkstatt der Dombauhütte gereinigt, instandgesetzt,


Elektrohaus Bernhard Günther 1948. (Archiv Elektrohaus Bernhard Günther)

photographisch dokumentiert und sorgfältig in Kisten verpackt. Solange die Kreishandwerkerschaft nicht über eine neue Bestimmung der Triforiumsverglasung entschieden hat, werden die Scheiben im Domdepot verwahrt. Ulrike Brinkmann

1949 Im Bundestag beginnt die Diskussion um eine neue gesetzliche Ordnung des Handwerks. Elektromeister Bernhard Günther (1906–1981), inzwischen Präsident der Handwerkskammer, ist als Mitglied des ersten Bundestages aktiv dabei.

31. März 1953 Die Jahreshauptversammlung der Elektroinnung wählt Joseph Kleinen zum Nachfolger von Karl Broer als Obermeister.

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Obermeister Joseph Kleinen. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

16. Juni 1953 Die Beschaffung einer Innungsfahne wird beschlossen. Lydia Jungmann erhält den Auftrag für den Entwurf. Die Fahne zeigt Albertus Magnus als Patron und das Wahrzeichen der Innung.

Köln unter Strom – Chronik

24. September 1953

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Die Bundes-Handwerks-Ordnung – „Gesetz zur Ordnung des Handwerks“ – tritt in Kraft. Der Nachweis des Großen Befähigungsnachweises (Meisterprüfung) bleibt Voraussetzung für die selbstständige Ausübung eines Handwerks. Anhand einer Mustersatzung wird die eigene Satzung der Innung überarbeitet. Sie zählt fünf Fachgruppen gleichberechtigt nebeneinander auf: Elektro-Installation, Elektro-Maschinenbau, Elektro-Mechanik, Fernmeldetechnik und Blitzableiterbau.

Ende 1953 Unter Obermeister Josef Kleinen werden die Patenschaften für Altersmitglieder beschlossen und eine erste Weihnachtsfeier mit ihnen wird durchgeführt.


Die Innungsfahne mit Lydia Jungmann. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

Hierbei werden auch die „Goldenen Meisterbriefe“ zum 50jährigen Jubiläum der Meisterprüfung überreicht.

1. September 1954 Im Kundenzentrum der städtischen GEW-Werke in der Rosenstraße werden neue Veranstaltungsräume eröffnet. Die Kunden werden in Kochkursen und Vorträgen beraten, neue Haushaltsgeräte vorgeführt und erläutert. Einer der Vorträge wendet sich speziell an die Frauen der Elektroinnungs-Mitglieder. Die Innung wirbt um eine rege Teilnahme: „Aus diesem Grund sollen zuerst den Damen unserer Mitglieder alle Neuerungen der Elektrizität gezeigt werden. Der Vortrag erfolgt mit praktischen Vorführungen in Kochen, Backen und Waschen. Es werden hochinteressante Neuerungen gezeigt, die für den Verkauf von Elektro-Geräten von größter Wichtigkeit sind. Die „Produkte“ der modernen Koch- und Back-Vorführungen sollen in einer gemütlichen Runde von den Teilnehmerinnen an Ort und Stelle gekostet werden. Selbstverständlich kann auch das weibliche Verkaufspersonal an diesem Vortrag teilnehmen. Wir hoffen zuversichtlich, daß sehr viele Damen an diesem Vortrag teilnehmen und wir sind überzeugt, daß dadurch die erste Grundlage für die Steigerung des Verkaufs von Elektro-Geräten durch unsere Mitglieder erreicht wird.“ (Aus den Mitteilungen der Elektroinnung Nr. 8, Jahrgang 4, im August 1954)

Unterputz-WippSerienschalter 1953. (Foto: Busch-Jaeger Elektro GmbH)

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Josef Schramml erhält seinen Meisterbrief auf dem Innungsfest in der Flora am 11. September 1954. (Archiv Josef Schramml)

1. November 1954 Die Geschäftsstelle wird in die Räume der Kreishandwerkerschaft in die von- Werth-Straße verlegt.

April 1956 Die Elektroinnung beschließt, als Trägerinnung der Innungskrankenkasse beizutreten. Die Innung erwirbt das Grundstück Friedrichstraße 53 mit dem Ziel, ein Innungshaus zu errichten.

Köln unter Strom – Chronik

21. Juni 1958

138

An diesem Samstag wird um 11:30 Uhr das neue Glockenspiel, gestiftet von der kölner Handwerkerschaft, im Rathausturm feierlich dem Oberbürgermeister übergeben. Am gleichen Abend findet um 20 Uhr eine Glockenspielstunde statt, ebenfalls am folgenden Sonntag von 15 bis 16 Uhr. Für das Glockenspiel stiftete die ELEKTROINNUNG KÖLN die viertschwerste Glocke e‘ mit einem Durchmesser 1,223 m und dem beachtlichen Gewicht von 1.075 kg. Sie trägt die Inschrift: „Glocke tön‘ im Klang der anderen – verkünde, dass unser Handwerk unter’m Schutz von Albertus Magnus stünde.“


Die Glocke der Elektroinnung des Glockenspiels im Ratsturm. (Foto: Wolfgang F. Meier)

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Meisterbrief für Adolf Pütz, 1955.

1. April 1959 Die Elektroinnung wird selbstständig. Bis zum 31. März 1959 wurde sie von der Kreishandwerkerschaft geschäftsführend betreut.

1. September 1959 Die Hauptverwaltung der Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik verlegt ihren Sitz von Braunschweig nach Köln ans Oberländer Ufer.

Köln unter Strom – Chronik

5. April 1960

140

Für den weitgehend wiedergewählten Vorstand stellt sich die Aufgabe, das 50jährige Jubiläum vorzubereiten. Die Zahl der Innungsmitglieder beträgt 350, davon sind 280 Betriebe der Innungskrankenkasse angeschlossen. Diese beschäftigen 1426 Gesellen, 677 Lehrlinge und 225 Angestellte.


Festschrift zum 50jährigen Jubiläum der Elektroinnung 1961 von Dr. Joseph Klersch. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

1961 Das 50jährige Jubiläum der Elektroinnung wird groß gefeiert. Dr. Joseph Klersch verfasst die umfangreiche und gut recherchierte Festschrift. Der „Bundesinnungsverband der Elektrohandwerke und des Radio- und Fernsehtechnikerhandwerks“ wird in „Zentralverband des deutschen Elektrohandwerks“ (ZVEH) umbenannt.

4. Juni 1961 Schalterserie Busch-

Die Innungsfahne wird in der Grabeskirche des Kirchenlehrers Albertus Magnus, des Patrons der Elektroinnung, in St. Andreas geweiht. Zu den Kosten der Fahne trug der Gesellenausschuss 200,– DM bei.

Duo 2000® LX. (Foto: Busch-Jaeger Elektro GmbH)

7. Juni 1961 Das Fest zum 50-jährigen Bestehen der ELEKTROINNUNG KÖLN findet in den Sartory Sälen mit Damen und einer Aufführung des Altermarkt-Spielkreises statt.

141


Schaufenster Elektro Schramml um 1960. (Archiv Josef Schramml)

10. Juni 1961 Festliche Lossprechung der Lehrlinge in Rahmen des Sommerfestes in der Flora.

1962

Köln unter Strom – Chronik

Die Elektroinnung hat 327 Mitglieder.

142

Erstmals führt das Statistische Bundesamt eine Einkommens- und Verbrauchsstichprobe durch. Dabei wird auch die Ausstattung der privaten Haushalte mit ausgewählten langlebigen Gebrauchsgütern erfasst. 79,4 % der Haushalte besitzen einen Radioapparat, 64,8 % einen Staubsauger, 51,8 % einen Kühlschrank, 34 % einen Fernsehapparat, 25,4 % eine Waschmaschine, 13,7 % ein Telefon, 13,3 % ein Mixgerät, 13,1 % eine elektrische Küchenmaschine, 4 % eine elektrische Kaffeemaschine, 10,1 % eine elektrische Nähmaschine, 2,7 % eine Tiefkühltruhe, 2 % ein elektrisches Grillgerät, 0,2 % eine Geschirrspülmaschine und 3,8 % der befragten Haushalte keines der nachgefragten Geräte.


Paul Neumann, der hier über den Gesellenausschuss berichtet, erhält 1977 seinen Meisterbrief.

1963 Die Elektroinnung hat 325 Mitglieder.

19. März 1963 Obermeister Josef Kleinen wird in den Rat der Stadt Köln gewählt.

Mai 1963 Paul Neumann wird erstmals in den Gesellenausschuss der Elektroinnung gewählt. Er berichtet aus den Jahren seiner Mitarbeit aus eigener Erfahrung: „Im Interesse eines guten Verhältnisses zwischen den Innungsmitgliedern – den Meistern – und den bei Ihnen beschäftigten Gesellen wurde bei der Handwerksinnung ein Gesellenausschuss gegründet. Er ist gemäß der Handwerksordnung mit wichtigen Aufgaben versehen. Er ist an der Lehrlingsausbildung beteiligt, ebenso an den Gesellenprüfungen, am Ausschuss für Lehrlingsstreitigkeiten und ist Mitglied im Berufsbildungsausschuss. Er beteiligt sich an der Wahl des Lehrlingswarts. 143


Köln unter Strom – Chronik 144

Der Gesellenausschuss besteht aus fünf ordentlichen Mitgliedern und fünf Stellvertretern, zuständig für die Berufsgruppen Elektroinstallation, Elektromaschinenbau und Fernmeldetechnik (heutige Berufsbezeichnungen: Elektroniker/in für Energie- und Gebäudetechnik, Elektroniker/in für Maschinen- und Antriebstechnik, Elektroniker/in für Informations- und Telekommunikationstechnik, Elektroniker/in für Automatisierungstechnik und Systemelektroniker/in). Die Ausschüsse werden paritätisch besetzt. Die Prüfungsausschüsse mit je einem selbstständigen Meister, einem Gesellen und einem Lehrer. Der Ausschuss für Berufsausbildung mit vier selbstständigen Meistern, vier Gesellen und einem Lehrer. Der Ausschuss für Lehrlingsstreitigkeiten wird von einem Meisterbeisitzenden, einem Gesellen und einem Vorsitzenden gebildet, wobei der Vorsitzende ein Jurist sein soll. Die erste Gesellenversammlung nach dem Zweiten Weltkrieg fand am 16. Februar 1963 statt. Ein Termin für die Gründung des Gesellenausschusses ist nicht bekannt. In einem Gesellenbrief von 1931 findet sich die Unterschrift von Joseph Kleinen als Altgeselle, der später Obermeister wird. In der Chronik des Gesellenausschusses, die vom Altgesellen Josef Kramer und mir, seinem Nachfolger, verfasst wurde, sind die vielfältigen Tätigkeiten des Gesellenausschusses und seine erfolgreiche Arbeit nachzulesen. Die von ihm


Fernsehschrank „Maharadscha“ der Firma Graetz, 50er Jahre.

Tefifon Bandabspielgerät des Kölner Unternehmens eingebaut in ein Radio. (Foto: Ulrich Reinecke, Museum für Energiegeschichte(n), Hannover E.ON Avacon AG)

geplanten Fortbildungsveranstaltungen waren gut besucht. Die Arbeit des Gesellenausschusses wurde von Obermeistern und Innungsvorständen unterstützt. Bei der Neuwahl des Gesellenausschusses – regelmäßig alle drei Jahre – im Mai 1963 wurde ich als Stellvertreter gewählt und erhielt Einblick in den Werdegang der Gesellenarbeit. In den alten Wahlunterlagen und Sitzungsprotokollen fand ich Namen von bekannten Elektrofirmen, deren Inhaber früher als Gesellen aktiv mitgearbeitet hatten. Ein Zeichen dafür, dass hier aktive Gesellen sich im Beruf zum Meister oder Ingenieur weiterbildeten, einen Betrieb gründeten oder übernahmen und dann wieder zur Innung fanden und sich auch in den Vorstand wählen ließen. Viele Meistersöhne haben auf dem Weg über den Gesellenausschuss zur Innung gefunden. Trotz wechselnder Mitgliedschaften im Gesellenausschuss war es dem Altgesellen Josef Kramer laut der Chronik seit 1951 immer wieder gelungen eine gute Mannschaft zu leiten. Für seine außerordentlichen Verdienste wurde ihm 1965 die goldene Ehrennadel des Fachverbandes verliehen. Zum 25jährigen Jubiläum des Gesellenausschusses wurde ihm im Juni 1976 eine Ehrenurkunde für 25 Jahre Tätigkeit im Gesellenausschuss verliehen. Die Zusammenarbeit zwischen Gesellenausschuss und Innung war immer von einem guten Verhältnis geprägt. Differenzen, die durch das Vertreten unterschiedlicher Interessen entstanden, konnten stets sachlich und einvernehmlich beseitigt 145


Köln unter Strom – Chronik 146

werden. Der Gesellenausschuss hielt seine Sitzungen und Arbeitsabende im Sitzungszimmer der Innung ab. 1974 gefiel diese Nähe einigen Vorstandsmitgliedern der Elektroinnung nicht mehr und man wünschte eine Trennung. Der Gesellenausschuss sah sich gezwungen, eine neue Heimat bei der Gewerkschaft zu suchen. Obermeister Emil Koch und andere Vorstandsmitglieder wollten aber, dass der Gesellenausschuss bei der Innung angegliedert bleibt. So wurde vom Innungsvorstand beschlossen, dass der Gesellenausschuss kurz zuvor freigewordene und von der Innung angemietete Büroräume kostenfrei erhalten soll. Auch für Büroeinrichtung und Büromaterial stellte die Innung Mittel zur Verfügung. Der feste Jahresetat für Gesellenarbeit wurde dem Gesellenausschuss zur eigenen Verwendung für Sitzungsvergütungen, Portokosten für Einladungen zu den Gesellenveranstaltungen und für laufenden Büromaterialkosten zur Verfügung gestellt. Nun konnte der Ausschuss ganz unabhängig seine Arbeitsabende und Sitzungen durchführen, was sich in einer deutlich steigernden Aktivität wiederspiegelte. Als ich 1966 zum Schriftführer gewählt wurde, haben wir im Gesellenausschuss die etwas vernachlässigte Veranstaltungsreihe wieder neu belebt. Mit besonderer Unterstützung durch Obermeister Emil Koch und des Lehrlingswartes Werner Neumann wurden wieder Hersteller gewonnen, die für die Gesellen Fachvorträge und Produktinformationen durchführten. Anfangs etwas schleppend, aber bald intensiv konnten Hersteller von Schalt- und Zählerschränken, Schalter- und Steuermaterial, Leuchten und Leuchtmitteln gewonnen werden, so dass zweimal im Jahr Veranstaltungen, teils in großen Sälen, durchgeführt werden konnten. Die Gesellen zeigten mit 80 bis 100 Teilnehmern pro Abend ein reges Interesse. Herr Deutschmann, Inhaber der gleichnamigen Elektrogroßhandlung, unterstützte uns oft gemeinsam mit seinen Partnerfirmen. Im Oktober 1972 charterte er sogar ein Rheinschiff auf dem während der sechsstündigen Fahrt acht Hersteller von Bohrmaschinen über Schalterprogramme bis hin zu Raumlüfter ihre Produkte vorführten und fachliche Informationen gaben. Verschiedene Besichtigungsfahrten mit Zielen wie z.B. der Schaltwarte Brauweiler, dem Speicherkraftwerk Vianden, Kraftwerken der RWE oder dem damals neuen Heizkraftwerk der GEW wurden organisiert. In der 1986 eröffneten überbetrieblichen Ausbildungsstätte der Innung konnten seit Frühjahr 1989 auch praktische Fachkurse abends oder samstags für Gesellen durchgeführt werden. Der Innungsvorstand erlaubte dem Werkstattleiter Herrn Thelen, die Kurse zu leiten.


Zur Wahl im Februar 1978 kandidierte Altgeselle Josef Kramer aus Altersgründen nicht mehr für den Vorsitz und ich wurde zum Vorsitzenden gewählt. Gerne wählten wir Josef Kramer zum Ehrenvorsitzenden, um seine Aktivitäten und Leistungen zu würdigen und eine gute Verbindung zu ihm aufrecht zu halten. Durch die langjährige Zusammenarbeit mit Josef Kramer konnte ich die erfolgreiche Gesellenarbeit weiterführen. Viele Fachvorträge und Besichtigungsfahrten wurden organisiert. Im August 1983 gründete ich einen eigenen Betrieb und schied daher aus dem Gesellenausschuss aus. Zu meinem Nachfolger als Vorsitzender wurde das langjährige Mitglied Walter Lindken gewählt. Mit seinen Ausschussmitgliedern führte er die Gesellenarbeit erfolgreich weiter. Die bereits bestehenden Verbindungen zu den Herstellern konnten durch weitere Vermittlungen von Herrn Deutschmann und mir, nun als Unternehmer in besserer Position, aufrecht erhalten werden. So wurden weitere Fachvorträge mit bereits bekannten und neuen Herstellern durchgeführt. Besichtigungsfahrten nach Vianden, zum Umschaltwerk Brauweiler oder zum Kraftwerk Niederaußem waren erfolgreiche Touren. Der Gesellenausschuss und seine Gesellen waren durch ihr diszipliniertes Verhalten immer gern gesehene Besucher. Im Sinne des Handwerks mit seinen Gesellen und Lehrlingen ist zu wünschen, dass Aus-, Fort und Weiterbildung stets erfolgreich weitergeführt werden können. Paul Neumann

1964 Die Elektroinnung hat 325 Mitglieder. Zu den reinen Elektroberufen zählen nun der Betriebselektriker, der Elektroinstallateur, der Elektromechaniker, der Rundfunkmechaniker, der Elektrowerker, der Elektrowickler, der Feinmechaniker (Elektro), der Fernmeldemonteur, der Starkstrommonteur, der Starkstromelektriker und die Elektro-Teilzeichnerin. Hinter der Bezeichnung „Elektromechaniker“ verbergen sich der Kraftfahrzeugelektriker, der Hochfrequenzelektriker und der Rundfunk- und Fernseh-Mechaniker.

1965 Die Elektroinnung hat 323 Mitglieder. 147


Innungsversammlung 1968 im Brauhaus Sion. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

28. Dezember 1965 Die umfassende Novellierung der Handwerksordnung tritt in Kraft. Wesentliche neue Elemente sind die Eintragungsfähigkeit von Personengesellschaften, die Umsetzung von EWG-Richtlinien über die Niederlassungsfreiheit und freien Dienstleistungsverkehr sowie die Einführung von handwerksähnlichen Berufen.

1966

Köln unter Strom – Chronik

Die Elektroinnung hat 323 Mitglieder.

148

Seit 1955 ist der Haushaltsstromverbrauch von rund 6 Milliarden Kilowattstunden auf annähernd 24 Milliarden gestiegen. 95 % der Haushalte besitzen ein Bügeleisen, 74 % einen Kühlschrank ebenso viele einen Staubsauger, 60 % eine Kaffeemühle, 51 % eine Waschmaschine, 46 % einen Elektroherd, 33 % einen Handmixer, 26 % einen Durchlauferhitzer ebenso viele einen Fön, 29 % einen Toaster, 15 % eine Küchenmaschine, 6 % eine Tiefkühltruhe ebenso viele eine Kaffeemaschine – erst! Die Berufsgenossenschaft stellt ihre Forschungen zu elektrischen Unfällen durch die Gründung eines Instituts zur Erforschung elektrischer Unfälle auf eine breitere Basis.


1967 Die Elektroinnung hat 334 Mitglieder.

1968 Die Elektroinnung hat 369 Mitglieder.

1. Januar 1968 Unterputz-Dimmer 400

Die überbetriebliche Lehrlingsausbildungsstätte der ELEKTROINNUNG KÖLN in der Richard-Wagner-Straße 18 wird, zwei Jahre bevor dies gesetzlich verpfl ichtend ist, in Betrieb genommen.

W 1965. (Foto: BuschJaeger Elektro GmbH)

11. Juni 1968 Die Lehrlingsausbildungsstätte wird mit einem Besuch durch Bundesarbeitsund Sozialminister Hans Katzer offiziell eröffnet.

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Die Eröffnung der Lehrwerkstatt in der Richard WagnerStraße 1968 mit den Herren Fey, Gräfen und Hülser, mit Hans Katzer (1919–1996) Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung als Festredner. (Fotos: Archiv der ELEKTROINNUNG

Köln unter Strom – Chronik

KÖLN)

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Die Lehrwerkstatt in der Richard WagnerStraße 1968. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

30. Juli 1968 Die Innungsversammlung wählt nach dem plötzlichen Tod von Obermeister Josef Kleinen, lange Jahre auch Mitglied des Rates der Stadt Köln, Karl Steinhausen zum Obermeister. Er war seit 1946 Mitglied der Innung, seit 1953 im Vorstand und seit 1956 Lehrlingswart.

9. September 1968 Die letzte Gaslaterne in der Lichtstraße in Ehrenfeld wird gelöscht.

1968/69 Mit Ende des Schuljahres 1968/69 wird die Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik aufgeteilt. Die „Berufsschule für Elektrotechnik und Elektronik“ entsteht. Es werden Fachklassen für Elektroinstallateure, Elektromaschinenbauer, Elektromaschinenwickler, Radio- und Fernsehmechaniker und Starkstromelektriker eingerichtet.

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Obermeister Karl Steinhausen. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

1969 Die Elektroinnung hat 351 Mitglieder. Die Haushalte besitzen nun zu 84 % einen Staubsauger, 73 % einen Fernsehapparat – der Bestand hat sich seit 1962 mehr als verdoppelt! Das gilt mit 31 % auch für die Zahl der Telefonbesitzer. Und nun besitzen statt 3 % in 1962 immerhin 14 % eine Tiefkühltruhe, 1973 werden es 28 % sein. 6 % setzen einen elektrischen Grill und 2 % eine Geschirrspülmaschine ein.

4. Februar 1969

Köln unter Strom – Chronik

Die Lehrwerkstatt der Elektroinnung in der Richard Wagner-Straße 18 wird auch für Fortbildungen für Meister und Gesellen genutzt.

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1970 Die Elektroinnung hat 340 Mitglieder. In der Berufsgenossenschaft sind von gut zwei Millionen Versicherten zwei Drittel im Bereich der Elektrotechnik tätig.


Lossprechung der Junggesellen mit dem Elektroschwert. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

1971 Die Elektroinnung hat 349 Mitglieder. Auf dem Frühlingsfest wird zur Lossprechung der Lehrlinge das inzwischen leider verlorene Elektroschwert benutzt, zu dem Lehrlingswart Werner Neumann rückblickend notiert hat: Vom Ritterschlag zum Elektroschwert Der Ritterstand entwickelte sich im Mittelalter zur Zeit der Kreuzzüge. Bewährte Krieger wurden vom König zum Ritter geschlagen durch Auflegen des Schwertes auf die rechte und linke Schulter. Auch erfolgreiche Knappen erhielten nach einer Lehr- und Probezeit und Turnieren den Ritterschlag. Nun waren sie „wehrhaft“ und zum Adel erhoben. Diese historische Überlieferung hat sich unser Vorstandskollege und Lehrlingswart Willi Rantz zum Vorbild genommen und 1953 das „Elektroschwert“ geschaffen. Das Schwert bestand nur aus Elektro-Material . . . Ein Stück Isolierrohr 23 mm (auch Blechrohr oder Bergmannsrohr genannt) wurde flach geschlagen und angespitzt. Der Knauf blieb rund, abgedeckt mit einem flachen Baldachin. Der Handschutz bestand aus verschiedenen Einführungstüllen. Die Klinge war schwarz, die Spitze silberfarbig. Jedes Jahr wurde die Jahreszahl auf der Klinge festgehalten. 153


Frühlingsfest in der Flora 1971: Die Jungmeister. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

Bei der feierlichen Lossprechung erhielt ein Lehrling für alle den Gesellenschlag mit dem Elektroschwert von dem Altgesellen und wurde somit losgesprochen von der Lehrzeit und in den Gesellenstand aufgenommen.

Köln unter Strom – Chronik

1971 – Zur aktuellen Situation

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„Das Elektrohandwerk ist seit Jahren gut beschäftigt. Es wirken sich in erster Linie die auf den zukünftigen Bedarf ausgerichteten elektrischen Installationen in Neubauten und die zunehmende Elektrifizierung der Haus- und Küchenarbeiten auf die Umsatzentwicklung dieses Handwerkszweiges aus. Durch die Steuerungsanlagen für durch Öl beheizte Warmwasserzentralheizungen wurde dem Elektroinstallateurhandwerk – das hier z.T. als Auftragnehmer des Zentralheizungsbauerhandwerks tätig wird – ein neues Arbeitsgebiet erschlossen. Ein Aufschwung in der Installation von elektrischen Nachtspeicherheizungen ist zu verzeichnen. Die Ausstattung der Haushalte mit Waschmaschinen elektrischen Herden und elektrischen Durchlauferhitzern, die in Neubauten die durch Gas beheizten Aggregate verdrängen, sichert dem Elektroinstallateurhandwerk ein ständiges Arbeitsfeld. In diese Entwicklung sind neben den städtischen Ballungsgebieten in zunehmendem Maße auch die ländlichen Siedlungsgebiete einbezogen. Infolge der zunehmenden Verwendung von Kleinstmotoren in den Haushalten wächst der Reparaturbedarf auf diesem Gebiet. Das Elektroinstallationshandwerk hat sich daher Reparatur- und Pflegedienste für elektrische Kleinstmotoren ange-


Frühlingsfest in der Flora 1971: Die Band. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

gliedert. Die Entwicklung ist allerdings differenziert zu beurteilen, da die Herstellerwerke z.T. die Vergütungen für ihren Kundendienst in einer Höhe festlegen, mit der sich das Handwerk nicht einverstanden erklärte. Die betroffenen Werke waren zur Einrichtung eigener Kundendienst-Filialen gezwungen, mit der entsprechenden Einschränkung des Tätigkeitsbereiches handwerklicher Betriebe. Andere Hersteller verfügen über ein enges Netz handwerklicher Kundendienstbetriebe mit einer als angemessen empfundenen Vergütung für die dargebotenen Leistungen. Der Handwerkshandel mit Elektrogeräten wird durch den bisher wenig organisierten Markt für „Zweithandgeräte“, die in der Regel in Zahlung genommen werden müssen, erschwert.In ländlichen Gebieten ist er der starken Konkurrenz des Versandhandels vor allem bei Rundfunk- und Fernsehgeräten ausgesetzt. Die Warenhäuser bieten in erster Linie in den Ballungszentren scharfen Wettbewerb. Als Konkurrenten des Handwerkshandels sind außerdem die Großhandelsunternehmen zu nennen, die den Direktverkauf an den Endverbraucher betreiben. […] Auf die Gewinnspannen des Elektroinstallationshandwerks wirkt sich die zunehmende Beschaffung von Installationsmaterialien und -geräten durch die Bauherren selbst negativ aus.“ Aus: Dieter Keutmann und Margret Dieck: Auswirkungen der Konzentrationstendenzen auf das Handwerk (Schriften des Seminars für Genossenschaftswesen an der Universität zu Köln, Band 16). Göttingen 1971, S. 66 f.

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Lossprechung der Lehrlinge beim Frühlingsfest in der Flora am 15. Mai 1971. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

1972 Die Elektroinnung hat 352 Mitglieder.

1973

Köln unter Strom – Chronik

Die Elektroinnung hat 346 Mitglieder.

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Von den Haushalten, die über einen PKW verfügen, besitzen 85,7 % auch Fernsehgerät, Kühlschrank und Waschmaschine. Bei Haushalten ohne PKW sind es immerhin auch noch 77,7 %, die entsprechend ausgestattet sind. Theo Beckermann hat einen Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre gerichtet: „Nahezu in allen Bereichen des Elektrogewerbes ist die Nachfrage seit vielen Jahren kräftig aufwärts gerichtet. Die Elektroinstallation profitiert in jüngerer Zeit insbesondere von der kräftigen Zunahme des Wohnungsbaus sowie von der Umrüstung älterer Gebäude von festen Brennstoffen auf elektrische Energie (Nachtstromspeicherheizung). Im Haushalt tendiert die Entwicklung zur vollelektrischen Versorgung – bei der Heizung, der Warmwasseranlage, beim Kühlen, Reinigen, Kochen, Spülen, bei der Unterhaltung (Radio-, Fernsehgeräte, Stereoanlagen, Heimkinos usw.) und schließlich bei der Nachrichtenübermittlung (Telefon). Im Gewerbe dringen neben halb- und vollautomatischen Elektromaschinen sowie elektronischen Steuerungen für


Obermeister Emil Koch. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

vorhandene Anlagen vor allem elektronische Datenverarbeitungsanlagen vor. Diese Entwicklung begünstigt das Handwerk auch insofern, als die verstärkten Anforderungen an den Energiebedarf größere Leitungsquerschnitte voraussetzen, was beim Neubau von vornherein höhere Auftragssummen bringt und in Altbauten nicht selten eine Erneuerung des gesamten Leitungssystems bedingt.“ Theo Beckermann hat errechnet, dass der Umsatz im Elektrohandwerk der Bundesrepublik Deutschland von 1955 mit knapp 1,6 Milliarden DM auf gut 9,5 Milliarden DM in 1972 gestiegen ist. Die Zahl der Betriebe ist in diesem Zeitraum nur geringfügig von 20.313 auf 24.440 gewachsen, die Zahl der Beschäftigten etwas deutlicher von 122.754 auf 195.700 Personen.

15. Mai 1973 Die Innungsversammlung wählt den bisherigen stellvertretenden Obermeister Emil Koch zum Obermeister und Nachfolger von Karl Steinhausen.

30. Oktober 1973 Der Wirtschaftsausschuss wird gegründet. Die Arbeit einer Handwerksinnung ist naturgemäß von handwerklichen Inhalten und der Technik bestimmt. Aus- und Weiterbildung stehen als zweites

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Zunehmend leiten auch Ingenieure Mitgliedsbetriebe der ELEKTROINNUNG KÖLN. Hier die Urkunde für Heribert

Köln unter Strom – Chronik

Günther, 1973.

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Thema gleichgewichtig daneben. Am 30.Oktober 1973 lud der damalige Obermeister Emil Koch einige Firmeninhaber ein, um die Gründung eines Wirtschaftsausschusses zu besprechen. Initiator war der Obermeister Werner Kocher aus Dortmund, der seit einiger Zeit über solch ein Instrument in seiner Innung verfügte. Als Sprecher des Ausschusses wurde Kurt Thewalt von der Firma Kretzer gewählt. Die wirtschaftlichen Fragen eines Handwerksbetriebs kamen nach den Zeiten der Hochkonjunktur mehr und mehr in den Fokus der Betriebsleiter. Gewinnbringende Kalkulation, Rückstellung für notwendige Investition im Büro und Maschinenpark, Darstellung- und Imagewerbung der handwerklichen Unternehmen, Durchsetzungsmöglichkeiten gegenüber Kunden und Bauherren, die trotz z. T. 2-stelliger Lohnerhöhung nur den alten Stundenberechnungssatz bezahlen wollen, waren Themen aus den Anfängen, später kamen Fragen der geeigneten Versicherungen für Unternehmer und Unternehmen, die latente Risiken abfedern helfen, die Tarifpolitik des Landesverbandes, die Kontakte zum europäischen Ausland, Leistungsgemeinschaft neben der Innung oder die Einkaufsgenossenschaft als viel diskutierte Themen dazu. Durchaus Fragen, die in erster Linie vorstandsrelevant waren. Soziale Fragen, Sozialplan, Urlaub, Einkommen eines angestellten Meisters im Vergleich zum Kleinunternehmen, Unterricht in der Berufsschule Blockunterricht, Satzung der Innung, Wochenendseminare wurden thematisiert oder durchgeführt. Auch Stellungnahmen gegenüber der Stadt Köln wegen unlauterem Wettbewerb gehörten zu der Themenvielfalt, Leser- und Werbebriefe wurden verfasst.


1979 übernahm Josef Schramml den Vorsitz des Wirtschaftsausschuss, nachdem Kurt Thewalt in den Rat der Stadt Köln gewählt worden war. Ab 1983 wurde der Wirtschaftsausschuss bis 1998 durch Heribert Günther geführt. Danach führte Christoph Kleinen bis 2008 den Vorsitz. 2009 übernahm Mario Neuhalfen die Rolle des Sprechers des Wirtschaftsausschusses der ELEKTROINNUNG KÖLN.

1974 Die Elektroinnung hat 348 Mitglieder.

4. Januar 1974 Bereits seit 21 Jahren wird nun die Weihnachtsfeier und Ehrung der alten Meisterkollegen vorgenommen. Man feiert im „Haus am See“. Als Ehrengäste erscheinen neben Ehrenmitgliedern des Vorstandes Oberbürgermeister John van Nes Ziegler und Ehrenkreishandwerksmeister Andreas Muhr.

1975 Die Elektroinnung hat 339 Mitglieder. Aus der Lehrwerkstatt – im Begleitheft zur Frühjahrsfeier und Gesellenlossprechung: „Die Angriffe der Öffentlichkeit auf die Lehrlingsausbildung im Handwerk braucht das Kölner Elektro-Handwerkt nicht zu scheuen. Schon seit 8 Jahren hat die Elektro-Innung Köln eine Lehrwerkstatt in der Kurse der überbetrieblichen Ausbildung durchgeführt werden. Die Kurse werden nach Lehrplänen des Landes- und Bundeswirtschaftsministers durchgeführt. Im 1. Lehrjahr bekommen die Lehrlinge Grundkenntnisse der Metallbearbeitung vermittelt. Im 2. Lehrjahr: Schutzmaßnahmen und Installationstechnik nach den neuesten VDE-Bestimmungen. Im 3. Lehrjahr: Schalt- und Meßtechnik, Steuerungstechnik. Im 4. Lehrjahr: Anschluß und Betrieb von elektrischen Anlagen. Der Erfolg der überbetrieblichen Unterweisung zeigt sich darin, daß trotz steigender Anforderungen bei den Gesellenprüfungen die Ergebnisse sich verbessert haben. Im Jahr 1975 werden erstmalig alle Lehrlinge der Elektro-Innung Rhein-Erft an Kursen der Lehrwerkstatt teilnehmen.

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Im Jahr 1974 wurden 44 Lehrgänge mit 644 Teilnehmern durchgeführt. Die Ausstattung unserer Lehrwerkstatt konnte 1974 stark verbessert werden. 16 neue Arbeitsplätze für Versuche und Arbeiten mit elektrischen Schaltgeräten wurden neu eingerichtet. Ein Motorenstand gibt die Möglichkeit, sämtliche Versuche mit Gleichstrom-, Wechselstrom- und Drehstrommotoren und -generatoren durchzuführen. Durch diese moderne Ausrüstung der Lehrwerkstatt unterstützt, braucht das Kölner Elektro-Handwerk sich für die Ausbildung der Lehrlinge auch in Zukunft keine Sorgen zu machen.“

1976 Die Elektroinnung hat 321 Mitglieder.

1977 Die Elektroinnung hat 325 Mitglieder.

Dezember 1977 Im Beitrag „Zum Jahreswechsel“ im Mitteilungsblatt der Elektro-Innung Köln (28. Jahrgang 1977 Nr.12) ergreift Obermeister Emil Koch das Wort: „In wenigen Tagen geht das Jahr 1977 zu Ende. Es war für die Elektrohandwerksbetriebe in unserem Lande ein schweres Jahr. Die Hoffnung auf eine spürbare Konjunkturbelebung hat sich insbesondere auf dem Neubausektor nicht erfüllt. Die Umsätze sind, insgesamt gesehen, real kaum gestiegen. Der Konkurrenzkampf, sowohl in den eigenen Reihen als auch mit Wettbewerbern außerhalb des Elektrohandwerks wurde mit äußerster Intensität geführt. Die Gewinnsituation hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht gebessert. Zahlreiche Kollegen – mehr als je zuvor innerhalb einer Jahresfrist – haben ihren Betrieb schließen müssen.“

Köln unter Strom – Chronik

1978

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Die Elektroinnung hat 382 Mitglieder. Im Januar 1978 übernahm Herr Rudolf Depiereux die Geschäftsführung der Innung. Zu diesem Zeitpunkt residierte die Innung am Heumarkt in Köln. Sie betreute eine überbetriebliche Ausbildungsstätte für die Berufsbereiche der Elektroinstallateure und Elektromaschinenbauer.


Obermeister Hans Sitt. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

Die Aufgabenstellung des Innungsvorstandes für den neuen Geschäftsführer lautete: Ausbau der fachlichen und wirtschaftlichen Betreuung der Mitgliedsunternehmen, Intensivierung der überbetrieblichen Ausbildung entsprechend den Vorgaben durch das Bundeswirtschaftsministerium, Aktivierung der Fachgruppen- und Ausschussarbeit, Unterstützung der Ehrenamtsträger in ihren Tätigkeiten in regionalen und überregionalen Organisationen sowie die Gewinnung neuer Mitglieder.

5. September 1978 Der bisherige stellvertretende Obermeister Hans Sitt wird durch die Mitgliederversammlung zum Nachfolger von Emil Koch gewählt. Emil Koch, seit 1973 Obermeister und seit 1968 im Vorstand, wird von der Versammlung zum Ehrenobermeister ernannt. Im Fachverband Elektrotechnische Handwerke Nordrhein-Westfalen bleibt Emil Koch im Vorstand aktiv. Neuer stellvertretender Obermeister wird Jonny Sturm, Josef Lanzerath ist Lehrlingswart, Mitglieder sind Axel Fettweis; Heribert Günther, Gerhard Heinevetter, Paul Henssler, Peter Nelles, Karl Heinz Noss, Hans Helmut Sandvoss, Josef Schramml und Robert Thomas. Mit dieser Wahl vollzog sich ein Generationswechsel. Junge Handwerksunternehmer, die über die bisher gültigen Grenzen des eigenen Handwerks hinaus ihre Unternehmen im Markt platzieren wollten, sahen in der Innung eine

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Meisterbrief für Mathias Pütz, 1982.

Möglichkeit, ihre Ideen einer breiteren Berufsschicht zu vermitteln. Dies führte in den Folgejahren auch zu einer Spezialisierung von Unternehmen. Der Bereich der Haustechnik wurde von den meisten Betrieben bevorzugt. Aber auch die Planung, Errichtung und Prüfung von kompletten elektrotechnischen Systemen aus einer Hand waren neben der Reparatur von elektrischen Hausgeräten oder Elektromotoren Gegenstand betrieblicher Angebote. Durch die Spezialisierung auf einen Bereich ihres Berufes, z. B. Blitzschutzsysteme (siehe Kölner Dom), entstanden Handwerksunternehmen, die auch international tätig waren und noch heute sind.

1979

Köln unter Strom – Chronik

Die Elektroinnung hat 329 Mitglieder.

162

Nun besitzen 93 % der deutschen Bevölkerung einen Kühlschrank, 91 % einen elektrischen Staubsauger, 87 % ein Fernsehgerät, 59 % eine elektrische Waschmaschine mit Schleudergang, 51 % ein Telefon, 28 % eine Tiefkühltruhe, 16 % ein elektrisches Grillgerät, 7 % eine Geschirrspülmaschine.

1980 Die Elektroinnung hat 372 Mitglieder.


Innungshaus Gereonswall. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

Die Berufsschule für Mechanik und Fernmeldetechnik, 1964 aus der Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik ausgegliedert, erhält den Namen Georg-Simon-Ohm-Schule.

1981 Die Elektroinnung hat 387 Mitglieder. Das Fernsehen ist fl ächendeckend installiert. 21,5 Millionen Haushalte der Bundesrepublik sind mit Fernsehgeräten aus gestattet, etwa 98 % aller Haushalte. Davon sind etwa 75 % Farbfernsehgeräte. Waren es 1952 mit dem Start der Ausstrahlung durch den NWDR in Köln erst etwa 1.000 sind es 1954 bereits 61.500, 1955 100.000, 1957 1.000.000, 1961 5.000.000, 1964 9.000.000, 1970 16.000.000, 1974 18.500.000, 1978 20.000.000 Geräte.

1982 Die Elektroinnung hat 402 Mitglieder.

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29. April 1982 Richtfest für das Haus der Innung am Gereonswall 103. Mit Ende des Jahres wird die alte Geschäftsstelle im Haus Heumarkt 54 aufgegeben.

1983 Die Elektroinnung hat 415 Mitglieder.

1. Januar 1983 Die Geschäftsstelle befindet sich nun im innungseigenen Haus Gereonswall 103

Köln unter Strom – Chronik

1983 – Zur aktuellen Situation

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Zur aktuellen Situation schreiben Obermeister Hans Sitt und Geschäftsführer Rudolf Depiereux: „Die Strukturen der Ständevertretungen, also unserer heutigen Innungen, sind sehr stark einem Wandel unterworfen. Die Gemeinschaften der selbständigen Handwerksunternehmen werden immer mehr zu einem umfassenden Dienstleistungsunternehmen für ihren zuständigen Bereich. Um diese damit verbundenen


Unterricht in der Lehrwerkstatt am Gereonswall . (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

Schwierigkeiten zu erfassen, andererseits aber auch neue Chancen für eine vorurteilsfreie Diskussion zu ermöglichen, haben Vorstand und Gremien unserer Innung sich seit längerer Zeit mit den Problemen auseinandergesetzt. Die Notwendigkeit einer Verbesserung der Innungsleistung steht im Mittelpunkt aller Bestrebungen. […] Die tiefgreifenden Veränderungen, die sich gegenwärtig im Bereich des Handwerks abspielen, zwingen dazu, die Vorstellungen über den Charakter des Handwerks aus der Sicht einer Basisorganisation, der Innung, zu überprüfen. […] Die Abgrenzung des Handwerks gegenüber der Industrie ist heute jedoch im Wesentlichen rein organisatorisch bedingt (freiwillige oder pflichtmäßige Zugehörigkeit zur öffentlichen Organisation des Handwerks, denn weder Maschinenverwendung, noch Fertigungsverfahren, Betriebsgröße oder überwiegend kaufmännische Tätigkeit des Betriebsinhabers sind wesentliche Unterscheidungsmerkmale. Zwar sind Handwerksbetriebe fast ausschließlich Kleinund Mittelbetriebe, und dadurch ergeben sich auch die Eigentümlichkeiten des handwerklichen Fertigungsverfahrens (geringer Grad von Arbeitsteilung, vielseitig ausgebildete und vielseitig tätige Facharbeiter im Gegensatz zum spezialisierten Industriearbeiter). Aber nicht jeder Klein- oder Mittelbetrieb ist deshalb ein Handwerksbetrieb. Das typische Merkmal der Handwerkswirtschaft gegenüber der Massengüter erzeugenden Industrie ist die Deckung des Bedarfs an individuellen Lieferungen und Leistungen sowohl für den privaten Verbraucher, als auch für Industrie, Handel,

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Köln unter Strom – Chronik


Werbefaltblatt 1985 Eine gemeinsame Aktion von Elektroinnung und der GEW Kรถln AG. ( Historisches Archiv der RheinEnergie AG)

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Bus der KVB mit Werbung der gemeinsamen Aktion von Elektroinnung und GEW Köln AG 1986. (Foto: Stadtwerke Köln GmbH)

Köln unter Strom – Chronik

öffentliche Hand usw., wobei sich das Handwerk modernster technischer und betriebswirtschaftlicher Einrichtungen und Verfahren bedient. […]

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Gemäß ihrer Satzung hat die Innung die Aufgabe, die gemeinsamen gewerblichen Interessen ihrer Mitglieder zu fördern, insbesondere hat sie - den Gemeingeist und die Berufsehre zu pflegen, - ein gutes Verhältnis zwischen Meister, Gesellen und Lehrlingen anzustreben, - entsprechend den Vorschriften der Handwerkskammer die Lehrlingsausbildung zu regeln und zu überwachen sowie für die berufliche Ausbildung der Lehrlinge zu sorgen und ihre charakterliche Entwicklung zu fördern, - die Gesellenprüfung abzunehmen und hierfür Gesellenprüfungsausschüsse zu errichten, sofern sie von der Handwerkskammer dazu ermächtigt sind, - das handwerkliche Können der Meister und Gesellen zu fördern, zu diesem Zweck kann sie insbesondere Fachschulen errichten oder unterstützen und Lehrgänge veranstalten, - bei der Verwaltung der Berufsschulen gemäß den bundes- und landesrechtlichen Bestimmungen mitzuwirken, - das Genossenschaftswesen im Handwerk zu fördern, - über Angelegenheiten der in ihr vertretenen Handwerke den Behörden Gutachten und Auskünfte zu erstatten, - die sonstigen handwerklichen Organisationen und Einrichtungen in der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen, die von der Handwerkskammer


innerhalb ihrer Zuständigkeit erlassenen Vorschriften und Anordnungen durchzuführen. Die Handwerksinnung soll - zwecks Erhöhung der Wirtschaftlichkeit der Betriebe ihrer Mitglieder Einrichtungen zur Verbesserung der Arbeitsweise und der Betriebsführung schaffen und fördern, - bei der Vergabe öffentlicher Lieferungen und Leistungen die Vergabestellen beraten, - das handwerkliche Pressewesen unterstützen. Die Handwerksinnung kann - Tarifverträge abschließen, soweit und solange solche Verträge nicht durch den Innungsverband für den Bereich der Handwerksinnung geschlossen werden, - Für ihre Mitglieder und deren Angehörige Unterstützungskassen für Fälle der Krankheit, des Todes, der Arbeitsunfähigkeit oder sonstiger Bedürftigkeit errichten, - Bei Streitigkeiten zwischen den Innungsmitgliedern und ihren Auftraggebern auf Antrag vermitteln. […] Auf den Satzungsbedingungen aufbauend ergeben sich folgende Arbeitsbereiche - Berufsausbildung, Weiterbildung - Fachgruppenarbeit - Gesellschaftliche Aktivitäten - Öffentlichkeitsarbeit - Organisationsbereiche - Politik und Gesetzgebung - Wirtschaftsfragen In diesen Arbeitsbereichen muß die Innung als Sprecherin der Selbständigen ihres Berufes im großen Prozeß der wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen die Interessen ihrer Mitglieder vertreten.“ (Aus Elektro-Innung Köln (Hg.): Die Innung als Interessenvertretung. Köln 1983 Seite 3ff)

Schalterserie BuschDuo 2000® LX. (Foto: Busch-Jaeger Elektro GmbH)

1984 Die Elektroinnung hat 434 Mitglieder.

1985 Die Elektroinnung hat 443 Mitglieder. 169


Albertus Magnus Figur von Titus Reinharz für den Kölner Ratsturm, gestiftet von der ELEKTROINNUNG KÖLN. (Foto: © Raimond Spekking/ Wikimedia Commons/ CC-BY-SA-3.0 & GFDL)

1986 Die Elektroinnung hat 440 Mitglieder. Seit 1978 hat sich der Stromverbrauch von Haushaltsgeräten deutlich senken lassen: Bei Geschirrspülmaschinen und Warmwasserbereitern um 27 %, bei Kühl- und Gefriergeräten um 24 %, bei Waschmaschinen um 15 % und bei Elektroherden um 14 %. Die Kollegschule der Stadt Köln, Schwerpunkt Elektrotechnik, erhält in einem Festakt den Namen Werner-von-Siemens-Schule.

Köln unter Strom – Chronik

12. Dezember 1986

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Bereits im Sommer 1985 hatte die Elektroinnung, dazu angeregt von Heribert Günther, mit dem Angebot der Stiftung einer Figur für den Ratsturm aus Anlass des kommenden 75jährigen Jubiläums den Gedanken, ein neues Figurenprogramm zu schaffen, in die Öffentlichkeit gebracht. Zum 75jährigen Jubiläum am 14. Dezember 1986 stiftet die ELEKTROINNUNG KÖLN die Figur des Albertus Magnus für den Ratsturm. Den Auftrag erhält der Bildhauer Titus Reinarz. Gemeinsam mit Adolph Kolping ist sie die erste, die am Turm aufgestellt wird. Die feierliche Übergabe fand zwei Tage zuvor im Rathaus statt.


1987 Die Elektroinnung hat 454 Mitglieder.

1987 – Kabelfernsehen für Köln Der Ausfall eines Fernsehprogramms war in allen Zeiten der Übertragung für die Empfänger ein Ärgernis, für die Sender jedoch mit Verlusten verbunden. Durch den Bau des Hochhauses des Fernmeldeamtes Ecke Venloer Straße / Innere Kanalstraße in Ehrenfeld trat dies, eine sog. Abschattung, für einen Stadtteil Kölns ein. Eine Intervention des Senders RTL veranlasste die Deutsche Bundespost über eine Versorgung durch Erdkabel nachzudenken. Diese Art der Signalanbietung war bereits erprobt – u.a. seit 1966 im Stadtteil Neu-Brück, der ausschließlich über Kabel versorgt wurde. Wirtschaftlich sollte das System eine Versorgung der Empfänger aus einer Hand der Deutschen Bundespost ein Monopol sichern. Durch Intervention der Handwerksverbände und des in Köln ansässigen Senders RTL konnte über das zuständige Bundesministerium eine Vereinbarung erzielt werden, die dem Elektrohandwerk alle Arbeiten auf privatem Grund und in den Häusern zusprach. Um eine langfristige Ertragssicherung zu erzielen, gründete die Deutsche Bundespost Kabelgesellschaften unter Beteiligung privater Investoren. Für den Bereich der Stadt Köln die Kabelcom Köln/Aachen und für Bonn die Telekabel Bonn. Parallel gründeten die Elektroinnung Köln und die Innung für Radio- und Fernsehtechnik Köln 1987 die ABK Verwaltungs-GmbH und die ABK Service KG. Kommanditisten der KG waren 33 Mitgliedsunternehmen der beteiligten Innungen. Die ABK Verwaltungs-GmbH beteiligte sich an beiden Kabelgesellschaften der Deutschen Bundespost und die ABK Service KG schloss mit beiden Gesellschaften einen Vertrag zur alleinigen Erstellung der Anschlüsse für Endverbraucher. Nach erfolgreichen Anfangsjahren ergaben sich für die beiden Kabelgesellschaften, verursacht durch Beteiligungsunternehmen aus Hessen und Niedersachsen, wirtschaftliche Belastungen im zweistelligen Milionenbereich, die von der Deutschen Bundespost nicht weiter akzeptiert wurden. Im Jahr 1995 gründete die Deutsche Bundespost daher eine neue Kabelgesellschaft, die RKS Rheinland, mit der Absicht, das Anlagevermögen ( Kabelanlagen ) beider Kabelgesellschaften günstig zu erwerben. Die Kabelgesellschaften sollten danach abgewickelt werden. Dies führte zu einer Kündigung der Verträge zwischen den ABK Gesellschaften und den staatseigenen Kabelgesellschaften. Eine Beteiligung der Handwerksgesellschaften an der RKS Rheinland wurde abgelehnt. Beide Gesellschaften – ABK Verwaltungs-GmbH und ABK Service KG – beschlossen daraufhin im Dezember 1995 ihre Liquidation, die 2001 abgeschlossen wurde. 171


Lehrlingsaustausch mit Dänemark. Zeitungsausschnitt 1988. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

Ein wirtschaftlich erfolgreicher aber vorübergehender Etappensieg in der Konkurrenz zwischen staatlichen Monopolunternehmen und Handwerksbetrieben – war ohne die Elektroinnung nicht denkbar. Rudolf Depiereux

Köln unter Strom – Chronik

1987

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Die Elektroberufe und die Elektrohandwerke werden umfassend neu geordnet und auch mit neuen Ausbildungsverordnungen versehen. Im Mittelpunkt steht neben der Berufsschule die Ausbildungskompetenz des erfahrenen Handwerksmeisters und die handwerkliche geprägte Ausbildung. Es gibt 2011 sieben Ausbildungsberufe: · Informationselektroniker/-in für Geräte- und Systemtechnik · Informationselektroniker/-in für Bürosystemtechnik · Elektroniker/-in Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik · Elektroniker/-in Informations- & Telekommunikationstechnik · Elektroniker/-in Fachrichtung Automatisierungstechnik · Elektroniker/-in für Maschinen und Antriebstechnik · Systemelektroniker/in


Die Photovoltaik-Versuchsanlage aus dem Jahre 1989 auf dem Dach des Aus- und Weiterbildungszentrums der RheinEnergie AG am Parkgürtel. (Foto: Historisches Archiv der RheinEnergie AG)

1988 Die Elektroinnung hat 471 Mitglieder. Die Ausstattung mit technischen und elektrisch betriebenen Haushaltsgeräten der deutschen Bevölkerung ist weiter gestiegen: 95 % aller Haushalte besitzen ein Fernsehgerät, 93 % ein Telefon, 78 % einen Kühlschrank, 70 % ein Gefriergerät, 53 % eine elektrische Nähmaschine, 68% eine Küchenmaschine, 40 % eine Geschirrspülmaschine, 27 % einen elektrischen Grill, 32 % einen Entsafter, 17 % einen Wäschetrockner, 14 % eine Bügelmaschine, 12 % einen Mikrowellenherd und 5 % eine Getreidemühle. In der Unterhaltungselektronik wächst der Trend zu mehreren Fernsehern und zum Videorekorder (41 % der Haushalte). Die Ausstattung aller Haushalte mit PC liegt bei 13 %, bei jungen Männern ist er doppelt so hoch.

1989 Die Elektroinnung hat 481 Mitglieder.

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Die Partnerschaftsurkunde von 1992. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

1989

Köln unter Strom – Chronik

Jumelage/Partnerschaft Köln – Elsass Der Austausch an Informationen über Ausbildung, Fachvorschriften, Organisationen und nicht zuletzt handelnde Menschen hatte 1989 in der Europäischen Gemeinschaft schon einige Jahre Tradition. Die Verständigung war aber trotz Schulausbildung in Fremdsprachen besonders in der allgemeinen Konversation nicht ohne Probleme. Mit dem Schreiben vom 31.05.1989 bemühte sich der stellvertretende Obermeister und Sprecher des Wirtschaftausschusses der Kölner Elektroinnung Heribert Günther, um „einen Meinungs- und Erfahrungsaustausch“ im Allgemeinen und in Bezug auf Europa 1993 mit der Elektroinnung Bas Rhin in Straßburg zu beginnen.

174

Dies begann dann mit dem Besuch des Wirtschaftsausschusses der Elektroinnung bei der Innung in Straßburg. Besonders rührig war der damalige Obermeister von Bas Rhin, Herr Georges Legday und sein Geschäftsführer Herr J. Castenac, der gleichzeitig die Geschäfte des Landesverbandes Elsass die „Féderation des Entrepreneurs électriciens d’Alsace“ führte. Aus dem französischen Generalkonsulat wurden im Vorfeld dieser Begegnung informelle Gespräche mit französischen Bauhandwerkern angeboten. Tarife und Anschlussbedingungen der


Freunde der Elektroinnung aus dem Elsass in Köln (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

Stromversorger, Verstellung der Innungsorganisation, Beitragsstellung handwerklicher Organisation, unser Mitteilungsblatt und natürlich das Kennenlernen von Menschen, Stadt und Region im Rahmen der europäischen Integration waren Diskussionspunkte. Die Itelec in Straßburg, eine elektrotechnische Fachmesse, die Domotechnika in Köln mit dem Tag unseres Zentralverbandes ZVEH, die Elektrotechnikmesse in Dortmund u. a. waren in den kommenden Jahren Ziele unseres gemeinsamen Meinungs- und Datenaustausches. Informationen über die Kulturstädte und alten Hansestädte Köln, Colmar, Straßburg und Mulhouse mit ihren typischen Ausprägungen und kulinarischen Genüssen gehörten natürlich ebenfalls dazu. Wirtschaftsausschuss, Innung- und Landesverbandsvorstände wurden so immer mehr miteinander verzahnt. Struktur und Einrichtung der jeweiligen Partnerorganisationen im Handwerk, waren Anlass eigene Aus- und Weiterbildungskonzepte zu überprüfen und neu zu bewerten. Verständigung über die Landesgrenzen hinweg, Austausch von Lehrlingen, Möglichkeiten für Teilqualifikationen bei besonderen Tätigkeiten, Besuch des Europäischen Parlaments, des genossenschaftlich organisierten Großhandels Codell, der Aus- und Weiterbildungswerkstätten der Innung Straßburg CAPAP wurden vorgestellt und erörtert. Ebenso wurden soziale, wirtschaftliche und Ausbildungsfragen auch im Hinblick auf Europa 1993 (Fortfall der Grenzen) thematisiert. 175


Die Féderation des Entrepreneurs électriciens d’Alsace mit ihrem Präsidenten Jean Louis Werner, Obermeister in Mulhouse und dem Generalsekretären Castenac und Klein haben alles getan, diese informellen Besuche zu Erlebnissen dieser Delegation aus Mulhouse, Colmar, Straßburg und Köln zu machen. Das Elsass als europäische Region ist wegen seiner Zweisprachigkeit für den Deutsch – Französischen Austausch prädestiniert. 1992 wurde eine Charta zur Kooperation in den Elektrohandwerken von der Féderation Régionale des Patrons et Entrepreneurs électriciens d’Alsace, dem Landesinnungsverband der elektrotechnischen Handwerke Baden-Württemberg und der Elektroinnung Köln unterzeichnet. Heribert Günther

1990 Die Elektroinnung hat 475 Mitglieder. Aus dem Begleitheft zum Frühlingsfest und Gesellenlossprechung 1990: „Nachdem die Zahl der in den Elektrohandwerken Beschäftigten seit 1984 trotz steigender Betriebszahlen nach unten zeigt und mit 221.300 im vergangenen Jahr ein historisches Tief erreichte, verzeichnen 1989 alle Gewerke – ohne FEME – einen Zuwachs von zusammen 3.600 Personen (+1,6 %). Hingegen ging die Zahl der Auszubildenden im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 % zurück. Damit liegt der Rückgang zwar deutlich unter dem Wert des Gesamthandwerks mit -6,5 %, aber die ganze Dramatik dieser Entwicklung wird sichtbar, wenn man berücksichtigt, daß sich der Lehrlingsbestand innerhalb von nur vier Jahren um über 11.000, also seit 1985 um rund 15 %, auf 63.000 vermindert hat.“

Köln unter Strom – Chronik

1990/1991

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Vom Herbst 1990 bis zum Sommer 1991 befindet sich die Geschäftsstelle der Innung in der Richard Wagner-Straße 28. Das Innungshaus Gereonswall 103, bisher ein zweigeschossiger Altbau wird viergeschossig erneuert und total renoviert. Die Lehrwerkstatt wird erweitert.

1991 Die Elektroinnung hat 482 Mitglieder.


„Die Bedeutung des Handwerks, seine wirtschaftliche und soziologische Bedeutung ist vor allem darin zu sehen, daß es eine Schicht verkörpert, in der ein verhältnismäßig große Zahl von Personen zu wirtschaftlicher Selbständigkeit gelangt ist. Da die politische und soziale Einstellung des Handwerks durch Ablehnung des Radikalismus und durch die Hinneigung zur Erhaltung der bestehenden Ordnung gekennzeichnet ist, hat es einen großen Stabilitätsfaktor. Das Vorhandensein des Handwerks ist deshalb geradezu eine notwendige Voraussetzungen für den Bestand und Zusammenhalt des Staates und der Wirtschaft sowie für die Erhaltung und Fortentwicklung unserer Kultur.“ (Obermeister Hans Sitt im Mitteilungsblatt der ELEKTROINNUNG KÖLN zum Jahreswechsel 42. Jahrgang, 1991, Heft 12)

1992 Die Elektroinnung hat 496 Mitglieder.

28./29. Oktober 1992 Mit der FAS wird mit der Unterstützung der Handwerkskammer Köln die Ausbildung von irischen Lehrlingen in Mitgliedsbetrieben der Elektroinnung vorbereitet.

1993 Die Elektroinnung hat 486 Mitglieder, rd. 600 Lehrlinge werden ausgebildet. Darunter sind erstmals ab September 24 Lehrlinge aus Kölns Partnerstadt Cork in Irland. Dies ist ein europäisches Musterprojekt.

1. Oktober 1993 Obermeister Hans Sitt konnte im renovierten und aufgestockten Gebäude der Innung am Gereonswall berichten, dass die neue Lehrwerkstatt für die überbetriebliche Ausbildung ohne öffentliche Hilfe eingerichtet worden ist. Die Segnung des Hauses nahm Pastor Karl-Heinz Daverkausen von St. Gereon vor. Auf einer Rundfahrt wird Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung die Leistungsfähigkeit des Elektrohandwerks vorgestellt. Im unterirdischen Hochwasserpumpwerk an der Hohenzollernbrücke stellte das Ingenieurbüro Gustav Kretzer GmbH & Co. KG die Mess- und Steuerungs177


1993 wurde das Hochwasserpumpwerk vor dem historischen Messsegelände – heute Sitz von RTL – als Senkkasten errichtet und anschließend in den Boden abgesenkt. Die Elektrotechnik wurde vom Innungsmitglied Gustav Kretzer GmbH & Co. KG installiert. (Den Rechteinhaber der Aufnahmen auf S. 34 bei H. Oelmann: Rheinflut. Bachem Verlag Köln 2008 konnten wir trotz intensiver Bemühungen nicht ermitteln. Berechtigte Ansprüche werden selbstverständlich im Rahmen der üblichen Vereinbarungen abgegolten.)

technik vor, die das Abwasserkonzept 2000 realisierbar macht. Nur so gelangt zukünftig bei Hochwasser kein Rheinwasser in die Kanäle und das Abwasser wird auch bei heftigen Regenfällen nicht ungeklärt dem Rhein zugeführt. Das Fernwirksystem der Schweizer Firma Rittmeyer AG wurde vom Ingenieurbüro Gustav Kretzer GmbH & Co. KG, langjähriges Mitglied der Elektroinnung, installiert. 50 Hochwasserschieber und Wehre, 10 Hochwasserpumpwerke und 400 weitere elektrisch betriebene und elektronisch gesteuerte Pumpen, Wehre und Schieber werden dafür sorgen, dass das Stauvolumen des Kanalnetzes in diesen Situationen optimal genutzt wird.

1994 Köln unter Strom – Chronik

Die Elektroinnung hat 491 Mitglieder.

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Im Jahr 1994 trat die Stadt Köln mit der Bitte um eine Stiftung für die Beleuchtungsanlagen der neuen Pavillons im Eingangsbereich der Flora an die ELEKTROINNUNG KÖLN: Hans Sitt mit seiner Elektrobau Hans Sitt übernahm die Planung sowie Ausführung und stiftete die gesamte Beleuchtungsanlage.


1995 Die Elektroinnung hat 501 Mitglieder. „Aber es sind ja nicht nur die steuerrechtlichen Vorschriften – allein über 200 Erlasse zum Thema Betriebsausgaben – die uns Handwerksunternehmen verzweifeln lassen. Wir müssen uns mit mehr als einem Dutzend anderer, ebenso fruchtbarer Ämter herumschlagen und ständig auf dem laufenden sein: im Arbeitsrecht, im Sozialrecht, bei den Gesetzen über die Betriebsverfassung, im Baurecht, im Gewerberecht, im Mietrecht, über Umweltschutz, über Sicherheitsingenieure und Arbeitssicherheit, Kündigungsschutz und Mindesturlaub; Vermögensbildung und Jugendarbeitsschutz, Mutterschutz und Strahlenschutz, Arbeitsförderung und Altersversorgung, gewerbsmäßige Arbeitnehmerüberlassung und Meldeordnungen, über Datenschutz und Schwerbehindertenrecht.“ (Obermeister Hans Sitt im Mitteilungsblatt der Elektro-Innung Köln zum Jahreswechsel, 46. Jahrgang 1995, Heft 12)

1996 Die Elektroinnung hat 505 Mitglieder.

1997 Die Elektroinnung hat 493 Mitglieder. Die ELEKTROINNUNG KÖLN erhält ihren Internet-Auftritt: www.elektroinnungkoeln.de

1998 Die Elektroinnung hat 500 Mitglieder. Gegenüber 1988 hat sich die Ausstattung der Haushalte-Ost wie -West inzwischen noch einmal gesteigert: 91 % besitzen eine Waschmaschine, 77,4 % ein Gefriergerät, 50,8 % eine Mikrowelle, 44,8 % eine Spülmaschine, in gut 10 % der Haushalte gibt es inzwischen einen zweiten Kühlschrank.

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Köln unter Strom – Chronik


Die Welt(kugel) unter Strom! Zuerst zweimal auf dem Pylon der Severinsbrücke von 1996 bis 2000 und nun seit 2000 auf dem Verwaltungsgebäude der DEVK an der Zoobrücke hat HA Schult seine Weltkugel als Zeichen seiner Überzeugung und Botschaft gesetzt: „Wir sind für unsere Welt verantwortlich!“ Dirk Meyer, heute Obermeister der ELEKTROINNUNG KÖLN, hat die Weltkugel unter Strom gesetzt. Thomas Hoepker, einer der großen Fotografen Deutschlands, hat die Aufnahmen für den großformatigen Bildband des Jahres 1998 gefertigt, den wir hier zeigen.

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Die Ehrenurkunde für Rudolf Depiereux und für Ehrenobermeister Werner Sitt (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

31. März 1998 Obermeister Hans Sitt legt nach 25 Jahren ehrenamtlichen Engagements sein Amt als Obermeister nieder.

23. Juni 1998

Köln unter Strom – Chronik

Heribert Günther, langjähriges Vorstandsmitglied und stellvertretender Obermeister, wird zum Obermeister gewählt.

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„Herausragende Ereignisse der Mitgliederversammlung stellten die Ernennung des langjährigen Obermeisters Hans Sitt zum Ehrenobermeister dar, sowie die Verabschiedung von Herrn Geschäftsführer Rudolf Depiereux. Beide erhielten aus der Hand des neuen Obermeisters Ehrenurkunden angesichts der besonderen Verdienste in über zwanzigjähriger engagierter Innungsarbeit. Obermeister Günther hob besonders den damaligen Kauf des Grundstückes und den Aufbau des Innungsgebäudes mit überbetrieblicher Ausbildungswerkstatt als zukunftsweisende Taten hervor, die beide verbänden.“ (Mitteilungsblatt 47. Jahrgang, 1998, Heft 5/6)


Geschäftsführer Rudolf Depiereux bei seiner Verabschiedung mit Obermeister Hans Sitt 1998.

Obermeister Heribert Günther.

(Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

24. September 1998 Die lange diskutierte Neufassung der Handwerksordnung tritt in Kraft. Elektrotechniker, Elektromaschinenbauer und Informationstechniker gelten entsprechend der Anlage A mit 41 Gewerben weiter als zulassungspfl ichtige Handwerke, für eine Meisterprüfung Voraussetzung ist.

1998 „Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft sind neben Arbeitslosigkeit, Null-BockMentalität und dem Gefühl der Ohnmacht gegenüber den Systemen die Schattenseiten unseres heutigen Versorgungsstaates. Dahinein greift aber auch die unsinnige Arbeitsplatzsicherungsgesetzgebung. Hier stoßen wir im Wettbewerb hart auf unsere europäischen Nachbarn. Wechsel und Innovation, Chancen für die Arbeitslosen, auch im Wettbewerb mit Arbeitsinhabern, Mut zum Risiko, dieses wertvolle Gedankenspektrum ist bei weiten Bevölkerungskreisen abhandengekommen, und die Politik stützt es nur ungenügend. Eigenständigkeit, Eigenverantwortung, Ergebnisverantwortung sind bloße Schlagworte, wenn die Rahmenbedingungen diese Freiheiten nicht hergeben.“ (Obermeister Heribert Günther im Mitteilungsblatt der ELEKTROINNUNG KÖLN zum Jahreswechsel, 47. Jahrgang, 1998, Heft 11/12)

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Die irischen Lehrlinge. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

1999 Die Elektroinnung hat 480 Mitglieder.

Köln unter Strom – Chronik

Seit 1998 stellt die ELEKTROINNUNG KÖLN ihre Lossprechung unter ein Ländermotto, da in den Betrieben der Innungen Lehrlinge aus 25 Nationen ausgebildet werden. Da 1999 der türkische Auszubildende Ümit Yagmur zu den Prüfungsbesten gehörte, stand die Feier in der Aula des Werner-von-Siemens-Berufskollegs der Stadt Köln am 8. Mai unter dem Motto „Türkei“. Sie fand in Gegenwart des türkischen Generalkonsuls statt. Erneut nimmt eine Gruppe irischer Auszubildender am 2. August die Arbeit bei verschiedenen Mitgliedsbetrieben auf.

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2000 Die Elektroinnung hat 444 Mitglieder. Die seit Jahren bestehende Zusammenarbeit der GEW und der ELEKTROINNUNG KÖLN in verschiedenen Ausschüssen und Gremien (z. B. dem Bezirksinstallateurausschuss-Strom) erhält eine neue Dimension: Ab dem 1. Januar ist


Meisterbrief für Martin Günther, 2002. (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

GEW das erste Gastmitglied der Elektroinnung. Damit ergeben sich neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit dem Kölner Elektrohandwerk, die gerade in der Zeit der geöffneten Energiemärkte wichtig ist.

2001 Die Elektroinnung hat 432 Mitglieder. Im Bahnbogen 1, Trankgasse 20, wird die Überlebensstation GULLIVER für Kölns über 2.000 obdachlose Frauen und Männer eröffnet. Die Elektroinnung stiftet gemeinsam mit der Elektro Vieten GmbH die notwendigen Installationen.

2002 Die Elektroinnung hat 411 Mitglieder. Erstmals Hand in Hand u. a. mit der ELEKTROINNUNG KÖLN bietet die GEW RheinEnergie auf der Messe „Haus und Wohnen" vom 21. bis 24. November in der KölnMesse aktuelle Informationen und praktische Tipps rund um Haus und Energie an. Die Messe ist für Handwerk, Industrie und Handel die Plattform für den direkten Bauherren- und Endverbraucher. In den kommenden Jahren folgen mit der RheinEnergie weitere gemeinschaftliche Messeauftritte. 185


Längst rechnet man mit über fünftausend Obdachlosen in Köln. Für sie ist die Überlebensstation GULLIVER gedacht. Hier können gegen eine kleine Kostenbeteiligung vom frühen Morgen bis zum späten Abend Toiletten und Duschen, Frühstück und Abendessen, Waschmaschine und Internet genutzt werden. Jobangebote, Beratung und Informationen helfen auf dem Weg zurück von der „Platte“. Getragen vom Kölner Arbeitslosenzentrum KALZ, unterstützt von Sponsoren, hält GULLIVER nun seit mehr als zehn Jahren in einem Bogen der Hohenzollernbrücke die Tür für Obdachlose offen. Die Elektroinnung stiftete gemeinsam mit der Elektro Vieten GmbH die notwendigen Installationen. (Fotos: Jens Wille-

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brand)

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Das Fenster der Elektroinnung im Turm des Stapelhauses. (Archiv der ELEK-

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TROINNUNG KÖLN)

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Das angestrahlte Altstadtpanorama. (Foto: Thomas Polak, Leuchtendes Rheinpanorama e. V.)

2003 Die Elektroinnung hat 327 Mitglieder. Gegenüber 1998 haben sich in der Ausstattung mit elektrischen Haushaltsgeräten nur noch geringe Veränderungen ergeben. Die Zahl der Mikrowellengeräte ist von 50,8 % auf 62,7 % gestiegen. Die Zahl der Wäschetrockner von 29,4 % auf 36,5 %. Bei der Ausstattung mit PCs hat sich dagegen eine erheblich Veränderung bemerkbar gemacht: Von 38,8 % in 1998 sind es nun 61,4 % der Haushalte, die entsprechend versorgt sind. Die Zahl der Internetanschlüsse ist noch deutlicher gestiegen: Von 3,1 Millionen Anschlüssen in 1998 auf 18,2 Millionen in 2003.

15. September 2003 Im Rahmen der Meisterpreis-Verleihung der Stiftung des Köln-Handwerks zur Förderung des demokratischen Staatswesens e. V. werden auch die fünfzehn neuen Fenster des Treppenturms des Stapelhauses eingeweiht. Heribert Günther, zugleich stellvertretender Kreishandwerksmeister hatte die Idee für die neuen Glasfenster und diese gemeinsam mit Paul Bong, Obermeister der Glaserinnung Köln-Bonn-Aachen, mit der Glasfachschule Rheinbach

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Die „erleuchtete“ Deutzer Brücke. (Foto: Thomas Polak, Leuchtendes Rheinpanorama e. V.)

und Kölner Meisterbetrieben umgesetzt. Das von der ELEKTROINNUNG KÖLN gestiftete Fenster zeigt den Ratsturm mit dem Patron der Innung, den heiligen Albertus Magnus, wie ihn der Bildhauer Titus Reinartz für den Ratsturm 1986 gestaltet hat.

2004 Die Elektroinnung hat 351 Mitglieder. Gemeinsame Informationsreise von Vertretern der RheinEnergie und dem Innungsvorstand der Elektroinnung.

Köln unter Strom – Chronik

1. Januar 2004

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Die Novellierung der Handwerksordnung, am 19. Dezember 2003 im Bundestag beschlossen, tritt in Kraft. Die Zuordnung für Informationstechniker, Elektrotechniker und Elektromaschinenbauer zur Anlage A bleibt unverändert. Neben die „Gefahrgeneigtheit“ als Grundlage der Zulassungspfl icht tritt nun ergänzend auch das Kriterium „Ausbildungsleistung“.


20. April 2004 Der Verein „Leuchtendes Rheinpanorama e. V.“ wird gegründet. Er hat inzwischen unter dem Vorsitz von Bernhard Conin Hausfassaden am Alter Markt, die Hohenzollernbrücke, die Deutzer Brücke, die Südbrücke, den Rheinpark mit künstlerischer Beleuchtung versehen. Z. Zt. laufen die Planungen für die Mülheimer Brücke.

2005 Die Elektroinnung hat 331 Mitglieder. Beim Dreikönigsfest im Sitzungsaal der Kreishandwerkerschaft treten innungseigene Kräfte auf.

2006 Die Elektroinnung hat 316 Mitglieder. Für den Chor von St. Andreas, über der Ruhestätte des heiligen Albertus Magnus, Patron der ELEKTROINNUNG KÖLN, stiftet die Innung eine neue Beleuchtung. 191


Mit einer von der Firma Elektro Sitt GmbH gestifteten und installierten Beleuchtungsanlage wird die Flora seit 1994 des Nachts in Szene gesetzt. (Foto:

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Archiv KölnKongress)

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Dreikönigsfeier 2006 Verleihung der Goldenen Meisterbriefe (Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

Die Zusammenarbeit zwischen dem Handwerk und der RheinEnergie steht im Mittelpunkt eines Treffens am 23. Juni im Konferenzzentrum am Parkgürtel. Obermeister und Geschäftsführer u. a. der Elektroinnung, aus der Region treffen sich zum dritten Mal zu einem Erfahrungsaustausch mit Vertretern der RheinEnergie.

29. August 2006 Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wird beschlossen: 1. die überbetrieblichen Lehrgänge für Lehrlinge angesichts zurückgehender Lehrlingszahlen und hoher Kosten für die Werkstatt an die Handwerkskammer zu Köln zu übertragen. 2. die Immobilie Gereonswall 103 mit angrenzenden Werkstätten, die nach der Übertragung der Lehrgänge ungenutzt bleibt, zum nächstmöglichen Termin bestmöglich zu veräußern. 3. nach Verkauf der danach für die Elektroinnung überdimensionierten Immobilie ein Büro mit Archivräumen (max. 150 qm) als Geschäftsstelle anzumieten. Mit dem Erlös aus dem Verkauf des Innungshauses Gereonswall 103 gelingt es, sämtliche finanzielle Belastungen abzulösen.

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Petra Grah, Elektroingenieurin, Mitglied der Elektroinnung und des Rates starb am 15. März 2006. Oberbürgermeister Fritz Schramma in der Ratssitzung am 4. April 2006: „Der Rat der Stadt Köln ist mit dem Tod von Petra Grah um ein kompetentes, sehr tatkräftiges und zuverlässiges Mitglied ärmer geworden. Wir haben eine Persönlichkeit verloren, die die Geschicke unserer Stadt mit großem Sinn für das Machbare lange Zeit mitgeprägt hat. Petra Grah war als langjährige Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses, als Mitglied mehrerer anderer Ausschüsse und in den verschiedenen Gremien der CDU die treibende Kraft vieler politischer Projekte, von denen Köln und die Kölner profitiert haben. Ich erinnere an ihr Engagement für den Medienstandort Köln als Mitglied des Medien- und Informationstechnologierates, oder an ihre Bemühungen um gute Lösungen für den Fleischmarkt in Köln und den Kölner Großmarkt. Ich denke außerdem an ihr unermüdliches Werben für die Kölner Handwerkerschaft. Petra Grah war stets erste Ansprechpartnerin für die Kölner Handwerker, was deren Sorgen und Nöte

Köln unter Strom – Chronik

betraf.“ (Abbildungen: www.petra-grah.de)

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September 2006 Das „Jahr des Kölner Handwerks“ ging mit einem großen Herbstfest auf dem Neumarkt zu Ende. Die RheinEnergie als offizieller Partner der Imagekampagne der Kreishandwerkerschaft präsentierte sich gemeinsam mit den Innungen SHK, Elektro und Schornsteinfeger.

17. November 2006 Von 1999 bis 2007 feiert die ELEKTROINNUNG KÖLN in zeitlicher Nähe zum Festtag des heiligen Albertus Magnus, dem 15. November, einen ökumenischen Gottesdienst in St. Andreas. Es predigt wieder Pfarrer Axel Becker, diesmal zum Thema „Widerstand“: […]“ Und was die Theologen vielleicht viel verständlicher ausdrücken: Jesus bringt Gottes Liebesstrom bei uns zur Wirkung; er ist da zwischen Himmel und Erde wie die Leitung, der Widerstand, das Medium des Fließens. Mit Jesus entfaltet sich die Energie Gottes unter uns. Wir haben daran teil, sofern wir uns in die lebendige Liebe Gottes einschalten, oder einschalten lassen.“ […]

2007 Die Elektroinnung hat 298 Mitglieder. Gemeinschaftsaktionen von RheinEnergie und Elektroinnung zum Thema E-Check und Energieeffizienz.

1. Januar 2007 Die überbetriebliche Lehrlingsausbildung wird an die Handwerkskammer zurückübertragen. Strukturveränderungen in der Ausbildung, sinkende Lehrlingszahlen und voraussichtliche hohe Investitionen in den Werkstätten führten zu diesem Entschluss.

14. Juli 2007 Die im Hause der Kreishandwerkerschaft Köln für die Elektroinnung angemieteten Räume werden durch Dominikanerpater Bonifatius und Ökumenepfarrer Dr. Hans-Georg Link eingeweiht, kurz nach dem Umzug, am Tag der „Kölner Lichter“. 195


Rechts: Das Touchboard für die Beleuchtungsanlage im Dom 2008. Links: Die alte Anlage

27. September 2007 Pressekonferenz zur E-Check-Aktion: Damit wird die elektrische Ausstattung und Ausrüstung einer Wohnung oder eines Haus überprüft – „Ihr TÜV für zu Hause“! – und erhält ein Prüfsiegel. Das bewahrt Mieter und Eigentümer vor Schäden und sichert sie rechtlich ab.

2008

Köln unter Strom – Chronik

Die Elektroinnung hat 294 Mitglieder.

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In der alle fünf Jahre nun zum zehnten Mal 2008 von Statistischen Bundesamt durchgeführten Einkommens- und Verbrauchsstichprobe spiegelt sich auch die Ausstattung mit Elektrogeräten. Seit 1993 ist z. B. der Besitz von PCs von 21,2 % auf 75,4 % im Jahr 2008 gestiegen. Besaßen 1998 nur 8,1 % der Haushalte Internetzugang, sind es jetzt bereits 64,4 %. Kühlschränke stehen in 98,6 % der Haushalte. Dabei hat die Zahl der Kombinationsgeräte für Kühlen und Gefrieren offensichtlich zugenommen, denn die Zahl der Gefrierschränke ist auf 52,4 % aller Haushalte zurückgegangen. Seit 1998 hat sich hier die Zahl der Geräte um 25 % vermindert.


Andere elektrische Großgeräte haben dagegen deutlich an Verbreitung zugenommen. Im Vergleich zu 1998 gibt es nun Mikrowellengeräte in 69,6 % aller Haushalte, ein Plus von 18,8 %. Der Bestand an Geschirrspülmaschinen hat sich um17,7 % auf 62,5 % vermehrt und die Zahl der Wäschetrockner um 9,1 % auf 38,5 %.

1. Januar 2008 Die Berufsgenossenschaft Feinmechanik und Elektrotechnik und die Bekleidungsberufsgenossenschaft vereinigen sich zur Berufsgenossenschaft Elektro Textil Feinmechanik (BG ETF).

August 2008 Obermeister Heribert Günther legt aus privaten Gründen das Amt des Obermeisters nieder. Er tritt gleichzeitig auch als stellvertretender Kreishandwerksmeister, Vorstand der Handwerkskammer und Vorstandsmitglied des Landesinnungsverbandes zurück. Die Amtsgeschäfte übernimmt der stellvertretende Obermeister Dirk Meyer.

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Stellvertretender

Die Junggesellen mit

Obermeister Hans

Obermeister Dirk

Helmut Sandvoss.

Meyer auf der Treppe in der Piazetta des Rathauses. (Foto: Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

Oktober 2008 Eine computergesteuerte Innenbeleuchtungsanlage des Domes, mit 6 km Kabel installiert von dem Innungsmitglied Elektro Baeth GmbH, wird am 7. Oktober der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie ermöglicht 80 verschiedene Lichtinszenierungen des Dominneren. Der Lichtplaner Walter Bamberger entwickelte das Konzept für die in drei Ebenen über 1.000 installierten dimmbaren Leuchten, die über ein Touchpanel in der Sakristei die Beleuchtungsszenarien abrufbar machen.

Köln unter Strom – Chronik

Frau Marion Rohbeck wird in der Vorstandssitzung vom 14.10.2088 zur stellvertretenden Geschäftsführerin ernannt. In der anschließenden außerordentlichen Mitgliederversammlung teilt Dirk Meyer als kommissarischer Obermeister, mit, das Franz-Josef Huth nicht mehr als Geschäftsführer im Amt ist.

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Session 2008/2009 Hajo Jennes, der 1990 als Jahrgangsbester die Gesellenprüfung bestand, ausgebildet im Elektrohaus Bernhard Günther, ist als Jungfrau Johanna im Kölner Dreigestirn und damit als erster Elektroinstallateur im Trifolium aktiv.


2009 Die Elektroinnung hat 294 Mitglieder.

27. Januar 2009 Dirk Meyer wird zum Obermeister und Hans Helmut Sandvoss zu seinem Stellvertreter gewählt. Dirk Meyer übernimmt die Geschäftsführung.

27. März 2009 Lossprechungsfeier im Hansasaal des historischen Rathauses.

1. April 2009 Die Berufsgenossenschaft BG ETF fusioniert mit der Berufsgenossenschaft der Gas-, Fernwärme- und Wasserwirtschaft zur Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro (BG ETE).

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Abschluss 2010, Gruppenbild. (Foto: Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

Die Elektroinnung auf der Messe Haus & Wohnen 2010. (Foto: Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

Die Firma Schramml

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auf der Messe Haus

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& Wohnen 2010. (Foto: Archiv Firma Schramml )


Obermeister Dirk Meyer bei der Lossprechung am 25. März 2011 (Foto: Archiv der ELEKTROINNUNG KÖLN)

2010 Die Elektroinnung hat 267 Mitglieder.

1. Januar 2010 Die Berufsgenossenschaft Elektro Textil Feinmechanik vereinigt sich mit der Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung (BGDP) zur neuen Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM). Die Hauptverwaltung hat ihren Sitz weiterhin am Gustav-Heinemann-Ufer 130 in Köln.

2. Mai 2010 Hans Helmut Sandvoss, stellvertretender Obermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, seit Jahrzehnten engagiertes Mitglied der Elektroinnung, stirbt. Ohne ihn wären die Turbulenzen der jüngsten Vergangenheit schwer zu meistern gewesen.

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100 Jahre ELEKTROINNUNG KÖLN – Eindrücke vom Jubiläumsfest

Bürgermeisterin Elfie Scho-Antwerpes und Obermeister Dirk Meyer. (Foto: Erika Schmidt, Archiv der ELEKTROINNUNG

Köln unter Strom – Eindrücke vom Jubiläumsfest

KÖLN)

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Am 27. Mai 2011 feierte die ELEKTROINNUNG KÖLN mit über 500 Gästen ihr 100-jähriges Bestehen. Die Feierlichkeiten begannen mit einem Gottesdienst in der romanischen Kirche Groß St. Martin. Dieser wurde von den Pfarrern Axel Becker und Bernd Müller geleitet. Der Chor „MGV Waldorf“ begleitete den Gottesdienst. Im Anschluss traf man sich zum Empfang im Hansasaal des historischen Rathauses. Vorstand und Gäste wurden von Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes begrüßt. Der Verbandsvorsitzende Dipl. Ing. Lothar Hellmann überbrachte in einer kurzen Rede seine Glückwünsche. Der Vorstand durfte sich in das Gästebuch der Stadt Köln eintragen.


Von li. nach re.: Richard Schildgen, Lothar Hellmann – Vorsitzender FEHNRW, Rolf Pesch, Ludwig Klasen, Bürgermeisterin Elfie Scho-Antwerpes,

Der Höhepunkt der Feier fand auf der „MS RheinEnergie“ statt. Das Fest moderierte Bruno Eichel. Es begann mit einem 4-Gänge Menü. Grußworte und Glückwünsche überbrachte der Präsident des ZVEH Dipl. Ing. Walter Tschischka dem Vorstand der ELEKTROINNUNG KÖLN. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Band „Groove Garden“. Als Highlight traten die „Bläck Fööss“ mit heimatlichen Klängen auf und sorgten für eine tolle Stimmung der Gäste.

Dirk Meyer – Obermeister, Bernd Dreier, Mario Neuhalfen, Reiner Müller, Hermann-Josef Kastenholz – stv. Obermeister. (Foto: Erika Schmidt,

Danach hatte Obermeister Dirk Meyer ein Feuerwerk organisiert, das am Haus des Handwerks abgefeuert wurde. Die Gäste konnten es vom Schiff aus beobachten. Alle waren vom Ablauf der Feier sehr begeistert. Sie wird noch lange in Erinnerung bleiben.

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Reiterdenkmal für Kaiser Wilhelm I. von Friedrich Drake an der Hohenzollernbrücke. (Leuchtendes Rheinpanorama e. V. Foto: Thomas Polak)

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Impressum Köln unter Strom. 100 Jahre ELEKTROINNUNG KÖLN Herausgeber: ELEKTROINNUNG KÖLN Konzept: Werner Schäfke Editorial Design und Produktion: icon Kommunikation für Kultur und Wirtschaft, Köln Fotos, soweit nicht anders angegeben: Michael Claushallmann, Köln Umschlagfoto: Wolfgang F. Meier Druck: Schiffmann Werbung + Verlag GmbH und Co. KG, Rösrath

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Köln 2011

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Köln unter Strom – ohne Elektrizität ist unser Leben heute nicht denkbar. Ohne die ELEKTROINNUNG KÖLN ist Elektrizität in Köln seit 100 Jahren nicht denkbar.

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