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U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

INHALT

U3 DAUER

SEITE

U3 Lernergebnisse

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U3 Session 1 : Design & Planung 5 Std 7 Info-Präsentation 1 : Grundlagen der Planung 8 Info-Präsentation 2: Grundlagen des Bauzeichnens 10 Tipps: Vorteile und Nachteile der lasttragenden Bauweise: 1 2–1 3, Wetterschutz: 1 4 und Alternativen: 1 5, Entwurf: 1 6, Vorbereitung: 1 7, Bauzeitplan: 1 8, Ablaufplan: 19, Abbundliste: 20, Kostenschätzung: 21 U3 Session 2: Konstruktion & Statik 2 Tage Info 1 : Konstruktion – Übersicht und Beispiele Tipps: Einrichtung der Ballen: 26, Einkerben: 27, Komprimieren 28–29 Info 2: Statik (Virko Kade) Info 3: Verdichten & Setzung Info 4: Baurechtliche Situation Info 5: Besonderheiten in der Planung Info 6: Anmerkungen zur Bauphysik

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U3 Session 3: Werkzeuge & prakt. Übungen 1 Tag 31 Tipps: Ballennadeln: 32, Heckenschere: 33, Persuader: 34, Stopfer: 35 Info 2: Schnüre und Knoten 36 Credits und Impressum

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KURZVERSION DES STEP-HANDBUCHS U3 Die komplette Version ist nur im STEP-Training verfügbar:

http://baubiologie.at/strohballenbau/step-strohballenbau-lehrgang-mit-zertifikat-201 7/

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U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

LERNERGEBNISSE

U3 Level 3 (ECVET credit points: 1 5) / Level 4 (12)

Kenntnisse

Fähigkeiten

DieTeilnehmenden kennen … • die geltenden nationalen Strohballenbaurelevanten Bauvorschriften. • die speziellen Probleme der Organisation einer lasttragenden Strohballen-Baustelle und deren Lösung (Witterungsschutz, Sicherheit, Logistik). • die Symbolik, um Pläne und Bauzeichnungen zu verstehen. • dieTechniken, um Lücken und Hohlstellen zu vermeiden oder zu schließen (zwischen Ballen und zwischen Ballen und Konstruktion) und wissen um die Notwendigkeit dieser Maßnahmen. • die Gründe und Techniken, um Stroh in der geforderten Dichte einzubauen und die speziellen Komprimierungsverfahren und deren Anwendung. • dieTechniken, um Ballen in der Konstruktion zu fixieren (Eckverbindung etc). • dieTechniken, um die Lage der Ballen den Anforderungen des lasttragenden Strohballenbaus anzupassen. • die lasttragende Bautechnik und deren Aufwand für Zeitablauf, Planung, Kosten und Ressourceneinsatz. • die Vor- und Nachteile und die speziellen planerischen und bautechnischen Anforderungen der lasttragenden Bauweise. • die Konstruktionsdetails für unterschiedliche Bauteilanschlüsse (Boden, Decken, Ringanker) für die lasttragende Bauweise. • die Konstruktionsdetails für Öffnungen (Fenster, Türen) und Durchdringungen (Kamine, Rohre, Leitungen). • die Gründe und dieTechniken, um den Putzuntergrund eben und lückenfrei vorzubereiten.

DieTeilnehmenden können … • den Zustand der vorhandenen Konstruktion in Bezug aufdie Erfordernisse der lasttragenden Bauweise überprüfen. • mit den Werkzeugen und Maschinen umgehen, die im Strohballenbau und bei einfachen Holzkonstruktionen benutzt werden. • die geeigneten Ballen für die lasttragende Konstruktion auswählen, die Ballen kürzen, neu binden und untereinander verbinden. • die Ballen an die Länge des Bauteils im geeigneten Verbund anpassen. • Hilfskonstruktionen für das Aufführen einer lotrechten Wand herstellen. • eingebaute Ballen mit verschiedenen Techniken in geeigneter Weise komprimieren. • Hohlräume und Löcher in der erforderlichen Dichte mit Stroh füllen. • die Bodenschwelle und den Ringanker fachgerecht herstellen, dämmen und einbauen. • die Strohbau-relevanten Baukosten kalkulieren. • die Oberflächen für die weiterverarbeitenden Gewerke vorbereiten (Putz, Beplankung, Luftund Winddichtigkeit, Strohoberflächen egalisieren, Putzträger auf vorhandene Holzbauteile befestigen) und in Absprache mit ihnen ausführen. • die unterstützenden nicht tragenden Hilfsund Holzkonstruktionen sowie Rahmen für Öffnungen herstellen.

Kompetenz DieTeilnehmenden können … • die Arbeit aufeiner Strohballenbaustelle mit lasttragender Bauweise organisieren und in jeder Phase begleiten sowie passende Arbeitsabläufe, Werkzeuge undTechniken anwenden (Planung, Vorbereitung, Ausführung, Nebengewerke). • sich mit anderen Akteuren über die speziellen Anforderungen der lasttragenden Bauweise austauschen und abstimmen. • dieVor- und Nachteile der unterschiedlichen lasttragenden Bauweisen erklären und gegeneinander abwägen. • für lasttragende Bauweise geeignete Ballen während des gesamten Bauablaufes beurteilen und auswählen. • die allgemeine Qualität der Ballen während der gesamten Bauzeit sicherstellen.

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LERNEINHEIT S1

U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

U3

U3-S1 : Design und Planung Lernziele:

Die Teilnehmenden … … sind in der Lage, Baupläne und Zeichnungen von Konstruktionsdetails zu lesen und zu verstehen. … kennen die unterschiedlichen Techniken des Wandaufbaus im lasttragenden Strohballenbau. … kennen die Vor- und Nachteile aller Möglichkeiten.

Kenntnisse und Fähigkeiten:

Erstellung eines Ablaufplans Arbeitsorganisation und termingerechte Ausführung Erstellung einer Abbundliste Kalkulation der Baukosten

Trainer:

Ort:

Schulungsraum

Dauer:

5 Stunden

Ausrüstung:

Projektor oder Beamer Flipchart

Methoden:

Theorie

Vortrag/Diskussion Erläuterungen Praxis Grundlagen des Erstellens von Bauplänen und Konstruktionszeichnungen verschiedene lasttragende Bautechniken, deren Merkmale und daraus resultierende Anforderungen an die Strohballen Vor- und Nachteile verschiedenerTechniken Erstellung eines Ablaufplans Erstellung einer Abbundliste Baukostenkalkulation (Arbeit, Material usw.)

Praxis

das Erlernte anhand eines Übungsbeispiels anwenden und die Resultate mit jenen der anderen Teilnehmenden vergleichen

Organisation:

Übungsbeispiel für dieTrainingsgruppen vorbereiten (2–3 Personen); eigene Lösung erarbeiten, um eine Vergleichsmöglichkeit mit den Resultaten derTrainees zu haben.

Unterlagen:

Info Sheets: I1 Grundlagen Bauzeichnen I2 Übungszeichnungen E1 , E2 Text Sheets: X1 Bauordnung für SBB X2 Vor- und Nachteile des lasttragenden SBB X3 Merkmale verschiedener Bauweisen X4 Organisation einer Baustelle, Ablaufplanung X5 Entwurfsplanung Übungsblätter: E1 Erstellung Ablaufplan E2 Erstellung Abbundliste E3 Kalkulation von Materialbedarf und Kosten E4 Zeichnen von Konstruktionsdetails

Auswertung:

PraktischerTest

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U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

U3-S1-I1 : Grundlagen der Planung

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LERNEINHEIT S1 – PLANUNG – INFO 1

U3


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U3-S1-I1 : Grundlagen der Planung

LERNEINHEIT S1 – PLANUNG – INFO 1

U3

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LERNEINHEIT S1 – BAUZEICHNEN – I2

U3-S1-I2: Grundlagen des Bauzeichnens

U3

Grundlagen des Bauzeichnens (Verständnis von Plänen) Bauzeichnungen sind eine Möglichkeit, dreidimensionale Formen in zwei Dimensionen abzubilden. Wenn sie exakt und maßstabsgetreu ausgeführt werden, sind sie vielfach nützlich: für die Kalkulation der benötigten Materialmengen und als Hilfe für die Arbeiter, um das Gebäude in genau der geplanten Größe und Form zu errichten, mit korrekt positionierten Türen und Fenstern.

Grundriss:

Der Grundriss (auch Draufsicht oder Planansicht) ist die Basis aller Bauzeichnungen: der Blick von oben auf das gesamte oder Teile des Gebäudes. Pläne enthalten vielfältige Informationen. Der Grundriss dient typischerweise dazu, die Lage von Räumen,  Treppen,  Türen und Fenstern zu verdeutlichen. Man kann sich das als den Blick auf einen waagrechten Schnitt durch das Gebäude etwa in Augenhöhe (1.500 mm über dem Niveau des fertigen Bodens) vorstellen, wobei alles Darüberliegende weggelassen wird. Dementsprechend braucht es für jedes Stockwerk einen eigenen Grundriss (was in der englischen Bezeichnung für Grundriss, „floor plan“, deutlich wird; buchstäblich übersetzt wäre das der Boden- bzw. Stockwerksplan). Andere Draufsichten können Informationen über bestimmte Teile des Gebäudes enthalten, z.B. Fundamentplattenplan, Ballenplan oder Wandaufbauplan.

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U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

LERNEINHEIT S1 – BAUZEICHNEN – I2

U3-S1-I2: Grundlagen des Bauzeichnens

U3

Ansicht:

Die Ansicht (früher der Aufriss) bezeichnet die Bauzeichnungen des Gebäudes von vorne, hinten und von den Seiten. Ansichten werden eingesetzt, um einen Eindruck der Außenansicht eines Gebäudes zu vermitteln, dienen aber auch dazu, die exakte Positionierung und Dimensionierung von Elementen wie Fenstern, Türen, Kaminen oder Dach darzulegen. Manchmal zeigen sie auch Details wie z.B. die Ausführung der Fassade.

Schnitt:

Schnitte (früher: Kreuzrisse) enthalten zusätzliche Informationen. Ein Schnitt ist, ähnlich einem Grundriss und wie der Name schon sagt, ein Schnitt durchs Gebäude, in aller Regel aber ein senkrechter. Typischerweise zeigt dieser Details der Dachkonstruktion, Raumhöhen, Fundamentaufbau usw. Die senkrechten Schnitte können entlang der Breite oder der Länge eines Gebäudes geführt werden. Mitunter werden etliche Schnitte benötigt, um alle erforderlichen Informationen zu vermitteln, insbesondere bei stark strukturierten Aufbauten mit unterschiedlichen Gebäudeteilhöhen, unterschiedlichen Dachformen/-schrägen usw. Schnitte in sehr großem Maßstab werden häufig eingesetzt, um Konstruktionsdetails von bestimmten Gebäudeteilen zu verdeutlichen.

Konventionen und ordentliche Ausführung:

Eine ordentlich gemachte, maßstabsgetreue Bauzeichnung enthält eine unterteilte Maßstabsleiste, sodass jede Verzerrung der Größenverhältnisse (beim Drucken, Kopieren, Konvertieren in ein anderes Fileformat etc) sofort erkannt werden kann. Bevor man der Bauzeichnung Maße entnimmt, ist immer die Maßstabsleiste zu überprüfen. Sind Schnitte inkludiert, werden diese üblicherweise auf Grundrissen und Ansichten mit einer Linie und Pfeilen markiert. Die Linie gibt an, wo der Schnitt durch das Gebäude verläuft, die Pfeile geben die Blickrichtung vor. Jedem Schnitt ist in der Regel ein Buchstabe zugeordnet, den man bei den Pfeilen an jedem Ende der Schnittlinien wiederfindet.

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U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

TIPS S1

U3

001 Vorteile der lasttragenden Bauweise

• Mit Stroh als tragendem Element sinkt (üblicherweise) der Bedarf an Bauholz im Vergleich zu anderen (konventionellen) Stroh-Infill-Bauweisen. • Weniger Holz ist gleichbedeutend mit weniger Wärmebrücken als in konventionellen Holzständer-Konstruktionen. • Die lasttragende Bauweise ist eine sehr einfache Konstruktionsart, für die zum Großteil nur drei Basisskills erforderlich sind: Ballen einschneiden (rund um Ständer zur Fixierung von  Türen und Fenstern), Ballen teilen und Ballen einrichten. • Die Lastaufnahme durch die Ballen trägt zur Fixierung der Ballen in der Konstruktion bei. Bei der lasttragenden Bauweise mit Großballen: • sehr hoher Dämmwert (U-Wert) der Wände (v.a. bei stehenden Ballen) • Wände können (mit Kran) rasch aufgestellt werden

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U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

TIPS S1

U3

002 Nachteile der lasttragenden Bauweise

• Der Dämmwert bei liegenden (Klein-)Ballen ist wesentlich schlechter als bei stehenden Ballen in Infill-Konstruktionen (spezifische Wärmeleitfähigkeit λ (Lambda) zw. 0,085 und 0,1 3 W/mK). • Im Vergleich zu Holzständer-Konstruktionen, die ein Dach tragen und so ein wettergeschütztes Bauen möglich machen können, ist ein lasttragender Strohbau tendenziell einem höheren Risiko ausgesetzt, wetterbedingte Schäden davonzutragen – wenn keine provisorische Abdeckung errichtet werden kann. • Vorfertigung abseits der Baustelle ist nicht möglich. • Dass das Stroh ein tragender Bauteil ist, erschwert es, Bauschäden im Stroh zu beheben im Vergleich zu Stroh, das in eine Holzständer-Konstruktion eingefüllt wurde. • In Ermangelung einer Rahmenkonstruktion muss mit größerer Sorgfalt gebaut und nachverdichtet werden, um mit der Wandhöhe in die Waage zu kommen. • Das Nachverdichten von Ballen erfordert mehr Geschick als das Einfüllen. • Die lasttragende Bauweise ist in manchen Ländern nicht zugelassen. • Feuchteschäden aufgrund desTaupunkts zwischen dem Stroh und dem Außenputz können zum Problem werden. Bei der lasttragenden Bauweise mit Großballen: • relativ hoher Platzverbrauch der Wände • nur mit Kran montierbar

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U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

TIPS S1

U3

003 Wetterschutz bei der lasttragenden Bauweise

In regenreichen Klimazonen muss für geeigneten Wetterschutz der Strohbaustelle gesorgt werden. Bei einem kleinvolumigen Bauvorhaben kann einfach die Baustelle nach Bedarf abgedeckt werden, bis das Dach errichtet und der Rohbau regensicher ist. Dieser Ansatz ist jedoch alles andere als ideal und kann zu einem stressigen und fehleranfälligen Bauprozess führen. Als alternative Lösungen bieten sich an: • Gerüstbau mit Abdeckplane (einschließlich eines beplankten Daches mit überbrückenden Balken). • Die endgültige Dachkonstruktion kann vorgefertigt werden und, für die Dauer des Bauprozesses, aufgebockt als Wetterschutz fungieren. Dazu wird das Dach entweder in der Höhe gezimmert, auf einer temporär aufgebockten Kopfschwelle ... • … oder indem man die Dachkonstruktion auf dem Boden fertigt und anschließend als Ganzes in die Höhe hievt und auf Stützen stellt.

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TIPS S1

U3

004 Alternative Lösungen für den Wetterschutz

1 ) Das Fundament wird errichtet (z.B. auf Reifen und Holz). 2) Fußschwelle und permanentes Ständerwerk (in Rot) 3) temporäre Stützen und Aussteifungen (in Blau) 4) Kopfschwelle wird auf der temporären Stützkonstruktion errichtet, 1 50 mm höher als in der geplanten Endposition, um das Einfüllen der letzten Lage Strohballen zu ermöglichen. • Die permanenten Ständer (rot) werden durch Aussparungen in der Kopfschwelle gesteckt, aber noch nicht endgültig fixiert. • Die temporären Stützen (blau) werden am Ringanker angeschraubt, um sie einfach wieder lösen zu können. 5) Der Dachstuhl wird auf der Kopfschwelle errichtet.

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TIPS S1

U3

005 Organisation und Ablaufplanung: Entwurfsarbeit

Manche Prozesse können wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als angenommen, manche Materialien müssen lange vor ihrer eigentlichen Verwendung bestellt werden. Indem man vorab einen Ablaufplan erstellt und alle potenziellen „Flaschenhälse“ identifiziert, wird ein zügiger und weitgehend unterbrechungsfreier Bauablauf weitaus wahrscheinlicher. Folgendes sollte Teil des Ablaufplans sein: Die Entwurfsarbeit ist zeitlich kaum abzuschätzen und hängt vom Zugang ab. Entwürfe können sehr rasch entstehen oder das Resultat jahrelanger Überlegungen und sich langsam entwickelnder Ideen sein. Auf alle Fälle ist die Zeit, die man in dieser Phase in die Konzeptentwicklung steckt, sehr gut investiert – Ideen auf Papier (oder im Computer) auszuarbeiten ist wesentlich leichter als ein fortwährendes Bauen und Umbauen auf der Baustelle. Auch für die Zulassung (Einreichplanung) sollte genügend Zeit kalkuliert werden, je nach Land kann dieses Prozedere zwischen 2 und 8 Wochen dauern. Wer nicht im eigenen Land baut sollte sich außerdem rechtzeitig um Übersetzer kümmern (Baubeschreibung), in manchen Ländern müssen die Einreichpläne sogar von (heimischen) Architekten umgezeichnet und beschriftet werden.

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TIPS S1

U3

006 Organisation und Ablaufplanung: Vorbereitende Arbeiten

Man sollte genügend Zeit für jene Arbeiten einplanen, die abgeschlossen sein müssen, bevor die Arbeit mit dem Stroh beginnen kann. Dazu gehören: • Vorbereitung des Bauplatzes • Aushubarbeiten (plan und waagrecht) • Fundamentlegung • Bodenkonstruktion inklusive aller haustechnischen Arbeiten (Gas, Wasser, Abwasser, Abfall, Elektro ...) • Fußschwelle und Ständerwerk • temporärer Wetterschutz • Sicherheitszaun • sichere Aufbewahrungsmöglichkeit (Werkzeug, Ausrüstung, Strohballen usw.) • Sicherstellung des Zugangs zur Baustelle auch für Anlieferungen, Bereitstellung von Parkplätzen, eines wettergeschützen Arbeitsbereichs usw.

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TIPS S1

U3

007 Organisation und Ablaufplanung: Zeitplan für den Bau

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Viele Naturmaterialien sind nur saisonal verfügbar, die Beschaffung muss daher gegebenenfalls lange im Voraus organisiert werden oder zu einer bestimmten Zeit im Jahreslauf erfolgen. Stroh fällt im August an, will man also im Mai bauen, muss man sich im Sommer davor um die Verfügbarkeit kümmern – wobei dann auch die genaue Machart der benötigten Strohballen geklärt wird. Das Zurückstutzen der Haselstauden (Haselstöcke eignen sich z.B. als ballenfixierende Stifte) endet im März, diese aufzutreiben kann sich deshalb als schwierig erweisen, wenn man bis in den Sommer damit wartet. Auch bei handelsüblicheren Baumaterialien kommt es oft zu erheblichen Verzögerungen zwischen Bestellung und Lieferung. Während vieles kurzfristig – „beim Baumarkt“ – verfügbar ist (z.B. Weichholz-Kantholz mit oft benötigten Abmessungen oder OSB-Platten), hat es sich wirklich bewährt, weniger gebräuchliche Komponenten, speziell solche, die für die Herstellung eines wind- und regendichten Gebäudes benötigt werden, zeitig ausfindig zu machen und die Lieferfristen zu klären, um sie zeitgerecht bestellen zu können. Zu diesen Komponenten gehören auch Fenster und Türen, Materialien für die Dachkonstruktion und die Dachhaut sowie die Fassade (Putz oder Verschalung). Wenn außen mit Kalkputz gearbeitet wird, sollte der Zeitplan so geartet sein, dass das Verputzen lange genug vor den ersten Frösten erfolgt, damit der Putz Zeit genug hat, gut abzubinden.


U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

MUSTER ABLAUFPLAN

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MUSTER ABBUNDLISTE

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MUSTER KOSTENSCHÄTZUNG

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LERNEINHEIT S2

U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

U3

U3-S2: Konstruktion Lernziele:

Die Teilnehmenden … … kennen verschiedene lasttragende Bautechniken, deren Merkmale und daraus resultierende Anforderungen an die Strohballen. … kennen unterschiedlicheTechniken des Wandaufbaus und der Fixierung der Strohballen. … kennen unterschiedliche Methoden der Nachverdichtung von Strohballen. … kennen Verbindungsdetails: Fundament, Ecken, Fenster und Türen, Dach usw. … wissen, wie man verschiedene Oberflächen für das Verputzen vorbereitet.

Kenntnisse und Fähigkeiten:

lasttragend mit Strohballen bauen verschiedeneTechniken der Nachverdichtung und Fixierung von Strohballen Arbeitsorganisation u. termingerechte Ausführung fachgerechte Ausführung von Verbindungsdetails Reduzierung von Wärmebrücken Vorbereitung von Oberflächen für das Verputzen

Methode:

Praxis

Theorie

Praxis mit lasttragendem Strohballenbau verschiedene lasttragende Bautechniken, deren Merkmale und daraus resultierende Anforderungen an die Strohballen unterschiedlicheTechniken des Wandaufbaus und der Fixierung der Strohballen unterschiedliche Methoden der Nachverdichtung von Strohballen Vor- und Nachteile der lasttragenden Bauweise Verbindungsdetails: Fundament, Ecken, Fenster und Türen, Dach usw. Vorbereitung verschiedener Oberflächen für das Verputzen Erlerntes anhand eines Übungsbeispiels anwenden und die Resultate mit jenen der anderen Teilnehmenden vergleichen

Trainer:

Ort:

Werkstatt oder Baustelle und Schulungsraum

Dauer:

1 6 Stunden

Ausrüstung:

Projektor oder Beamer Strohballen Modellkonstruktion zum Üben Werkzeug

Unterlagen:

Info Sheets: I1 Vorbereitung der Strohballen I2 Strohballen teilen I3 Strohballen einkerben I4 Strohballen komprimieren I5 Ausrichten und Stopfen einer Strohballenwand Text Sheets: X1 Best Building Practice lasttragender Strohballenbau Übungen: E1 Schlechte Baupraxis

Auswertung:

PraktischerTest

Organisation:

Vorbereiten: lasttragender Strohballenbau, Hilfskonstruktion zur Demonstration unterschiedlicher Bautechniken Bereitstellen: Strohballen (rechtzeitig bestellen!), Werkzeuge für das Messen, Schneiden, Anpassen, Nachverdichten und Fixieren von Strohballen; Putzmaterialien

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U3-S2: Konstruktion

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LERNEINHEIT S2 – KONSTRUKTION – INFO 1

U3


U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

U3-S2: Konstruktion

LERNEINHEIT S2 – KONSTRUKTION – INFO 1

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U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

TIPS S2

U3

008 Vorbereiten und Einrichten der Ballen

Links: nicht eingerichteter Ballen, schlechteVerbindung; rechts: eingerichteter Ballen, guteVerbindung Im fachgerechten Strohballenbau werden die Ballen vor dem Einbau geprüft (trockene Lagerung, Grün- bzw. Samenanteil usw.) und falls nötig eingerichtet: Sie neigen dazu, sich in der Mitte zu wölben und an den Ecken abzuflachen. Zum Einrichten der Ballen gehört das Einebnen der Flächen, damit sich die Ballen fugenlos aneinanderfügen lassen. Das Stroh kann dazu unter der Verschnürung bewegt werden, von der mittigen Wölbung zu den abgeflachten Ecken und Kanten. (Siehe die Pfeile in der Zeichnung links oben.) Das Einrichten der Ballen sorgt dafür, dass zwischen den Ballen keine Fugen oder Löcher bestehen bleiben. Das verbessert die Dämmwirkung und spart in der Folge viel Arbeit ein (es muss weniger nachgebessert und gestopft werden). Das Einrichten gelingt am einfachsten im Zweierteam. Der Ballen wird von zwei Personen fixiert, die von beiden Seiten mit einem Bein dagegendrücken. Alle vier Hände werden als „Gartenkralle“ eingesetzt: Die Handflächen weisen flach nach unten, die Finger sind leicht abgespreizt, die Endfingerglieder angewinkelt. So „krallt“ man sich das Stroh und verschiebt es an die gewünschte Stelle. Die Ballen sollten auf beiden Seiten eingerichtet werden, bevor man sie in den Wandaufbau einfügt bzw. weiterbearbeitet (z.B. teilt, einkerbt usw.).

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U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

TIPS S2

U3

009 Einkerben von Strohballen Wenn Strohballen und Holzständer aufeinanderstoßen (Fenster, Türen, Materialübergänge) müssen Ballen passend eingekerbt werden. Das verbessert die Luftdichtigkeit, reduziert Wärmebrücken und trägt zur Gesamtstabilität der Wand bei. Es gibt zwei Formate für Kerben: Nehmen zwei Ballen einen Ständer in die Mitte, muss in jedem Ballen eine Halbkerbe angebracht werden: Die  Tiefe jeder Halbkerbe entspricht dem halben Durchmesser des Ständers. 100 mm Ständerdicke brauchen also zwei 50 mm tiefe Kerben. Typisch unterhalb von Fenstern und  Türen. Seitlich von Fenstern und  Türen werden Ständer zur Gänze in den Ballen versenkt: Tiefe der Vollkerbe = Durchmesser des Ständers. Wichtig beim Einkerben ist es, nicht versehentlich die Schnüre zu kappen oder in die Kerbe rutschen zu lassen. Der Vorgang ist sehr einfach. Für eine 50-mm-Kerbe legt man ein Kantholz mit den Maßen 100×50 mm mittig auf die Stelle des Ballens, die eingekerbt werden soll. Mithilfe einer alten Säge und dem Kantholz zum Anlegen markiert man die Position der Kerbe mit einem oberflächlichen Einschnitt. Sodann legt man das Kantholz beiseite und führt den eigentlichen Schnitt durch, wobei darauf zu achten ist, die Säge mit leichter Neigung nach außen zu führen. Dies wirkt der natürlichen  Tendenz entgegen, nach innen zu schneiden, was zu einer V-förmigen Kerbe führen würde. Ist die korrekte Schnitttiefe erreicht, greift man erneut zum Kantholz als Messlatte für den zweiten Schnitt. Hat man die Kerbe richtig breit und tief geschnitten, passt das Kantholz genau hinein und bildet mit dem Ballen eine plane Oberfläche. Das Einkerben gelingt wesentlich einfacher und genauer, nimmt man einen Alligator zu Hilfe (ein elektrischer Fuchsschwanz, im Bild rechts unten).

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U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

TIPS S2

U3

010 Komprimieren (Niederspannen) von Strohballenwänden

Bei der derzeit gängigsten Methode zur Strohkomprimierung werden Lkw-Spanngurte mit Ratsche verwendet. Die Gurte werden unter der Fußschwelle durchgeführt und um das Stroh und den RBA* gelegt, wie es in der Abbildung zu sehen ist. Indem man mithilfe der Ratsche den Gurt spannt, komprimiert man das Stroh zwischen den beiden Schwellen. Die Gurte werden an den Seiten jeder Wandöffnung (Türen, Fenster), an den Ecken und ansonsten in regelmäßigen Abständen angebracht. Dabei ist darauf zu achten, die Ratschen immer abwechselnd innen bzw. außen an den Wänden zu platzieren: Die Seite mit der Ratsche wird tendenziell stärker verdichtet, deshalb erreicht man durch diese Verteilung eine gleichmäßigere Kompression.

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* RBA steht für RoofBearing Assembly (dachtragender Bauteil). Kann zugleich Kopfschwelle (derWand), Fußpfette (des Dachs), Mauerbank, Ringanker sein...


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TIPS S2

U3

011 Komprimieren (Verdichten) von Strohballenwänden

Diese Methode kann nur zum Einsatz kommen, wenn eine ausreichend ausgesteifte und robuste Oberfläche vorhanden ist, auf der man die Wagenheber ansetzen kann. Am häufigsten werden Strohballen ober- und unterhalb von Fenstern auf diese Art verdichtet. Dazu fixiert man ein provisorisches 10×10-cm-Kantholz zwischen den Ständern als Widerstand für die Wagenheber. Ein ebensolches Kantholz wird permanent in den obersten Ballen unter dem Fenster bzw. die Unterseite des untersten Ballens oberhalb des Fensters eingeschnitten. Jetzt kann man die Wagenheber einsetzen, um das Stroh zu komprimieren. Sobald die maximale Verdichtung erreicht ist, wird der permanente Balken an den Ständern fixiert und der provisorische entfernt.

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LERNEINHEIT S3

U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

U3 U3-S3: Werkzeug und praktische Übungen Lernziele:

Die Teilnehmenden … … kennen die Werkzeuge und Maschinen für den lasttragenden Strohballenbau. … kennen die spezifischen Probleme der Organisation einer Strohbaustelle. … wissen, wie man technische Probleme lösen kann.

Kenntnisse und Fähigkeiten:

Gebrauch von Werkzeugen und Maschinen, die beim lasttragenden Strohballenbau zum Einsatz kommen

Methode:

Trainer:

Ort:

Werkstatt oder Baustelle

Dauer:

4 Stunden

Ausrüstung: Werkzeug

Demonstration Erläuterungen Praxis

Theorie

spezifische Probleme der Organisation einer Strohbaustelle

Unterlagen:

Info Sheet: I1 Werkzeuge Text Sheet: X1 Baustelle

Auswertung:

PraktischerTest Abschluss: Multiple Choice Mündliche Prüfung

Praxis

Handhabung der Werkzeuge Besuch einer Strohbaustelle

Organisation:

eine geeignete Strohbaustelle ausfindig machen Werkzeuge und Materialien für eine Demonstration vorbereiten

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TIPS S2

U3

01 2 Strohballen teilen mit Ballennadeln

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Für den lasttragenden Strohballenbau (bei dem spätestens in jeder zweiten Reihe neu abgebundene Halbballen benötigt werden) mögen sie sinnvoll oder gar unverzichtbar sein. Beim Infill komprimiert man die gekürzten Ballen(lagen) einfacher zwischen zwei Platten. Ballen lassen sich bis zu einer gewissen Dichte auch beim Abbinden mit Schnüren nachkomprimieren, je nach Kraft und Reißfestigkeit der Schnur besser oder nicht ganz so gut. Aber nachdem Ballennadeln zum Strohballenbau gehören wie die Halme zum Ballen, schauen wir uns diese Werkzeuge einmal näher an. Eigentlich reicht für deren Funktion ein zugespitztes Rundholz (Stock) mit zwei Löchern an der Spitze (da es ja zwei neue Schnüre, eine für den rechten, eine für den linken Ballenteil braucht). Es gibt auch kombinierte Ballennadeln, die mit einem Steg/Griff verbunden sind und es ermöglichen, alle vier Schnüre (jeweils zwei oben und zwei unten anstelle der zwei bestehenden Schnüre) gleichzeitig durch den Ballen zu ziehen. Wie auch immer, die neuen Schnüre werden neben der bestehenden Bindung (mit den Ballennadeln) durch den Ballen gesteckt und die beiden Enden danach um die beiden geteilten Ballenstücke verknotet. Auch dafür gibt es spezielle Knoten, wie sie vom Segeln bekannt sind. Erst danach werden die ursprünglichen zwei Schnüre entfernt, dadurch bleibt die Dichte/Pressung des Ballens erhalten. Wer darauf geachtet hast, dass die beiden Nadeln den Ballen möglichst neben-/übereinander durchstoßen, wird auch beim Teilen kein Problem haben. Man kann also durchaus sagen, dass manche daraus eine Wissenschaft machen.


U3 – LASTTRAGENDER STROHBALLENBAU

TIPS S2

U3

01 3 Strohbau-Tools: Oberflächen glätten mit der Heckenschere

Wir wollen mit Heckenscheren nicht ein paar überstehende Halme absäbeln, wir wollen, auch wenn Ballen leicht unterschiedlich dick oder ausgebaucht oder nicht genau in einer Ebene eingebaut sind, in den meisten Fällen eine plane Oberfläche erzielen, um Putz zu sparen und unterschiedlicheTrocknungszeiten zu vermeiden. Auch wenn es oft Kunden gibt, die gerne eine eher organisch-bucklige Oberfläche wollen, sind damit in den meisten Fällen leichte Unebenheiten im (Hand-)Putz gemeint und nicht, unebene Ballen mit dem Putz einfach nachzuformen. Das Abschneiden der Buckel von Strohballen ist auf Dauer eine Kraftarbeit, aber wirklich anstrengend ist diese Arbeit mit schlecht geschärften Heckenscheren. Leider ist das Schärfen oft genau so teuer wie eine neue zu kaufen. Ein zweiterTipp, um Kraft zu sparen, ist es, Heckenscheren mit eher kürzerem Schwert (ca. 50–60 cm) auszusuchen. Je länger das Schwert, desto mehr Kraft braucht man, um dieses an die Ballenoberfläche zu drücken, und desto schwieriger wird es, ein Rundhaus oder Gewölbe innen abzuscheren. Was die Stärke betrifft: Ab 450 Watt sind Heckenscheren robust und stark genug. Viel wichtiger ist die Schärfe der Messer. Heckenscheren zählen zu den sehr sicheren Maschinen (da sie nur zwischen den Messern schneiden). Dennoch kann man sich auch mit Heckenscheren ordentlich zwicken (ein kleiner Schnitt mit schmerzendem Bluterguss ist die Folge), vor allem, wenn man am Gerüst sitzend die Wände abschert. Viel öfter passiert es jedoch, dass man das Kabel erwischt und einen Kurzschluss verursacht. Deshalb am besten das Kabel über der Schulter tragen. Oder ein Modell mit Akku wählen.

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TIPS S2

U3

01 4 Strohbau-Tools: der StrohballenHammer oder Persuader Dieser Holzhammer „überzeugt“ (die wortgetreue Übersetzung von Persuader wäre „Überzeuger“) jeden Ballen (zumindest solange er nicht fixiert ist). Ein Muss auf jeder Strohbaustelle und zudem leicht im DIY-Verfahren aus Resten von Konstruktionsholz herzustellen. Nur der Stiel sollte robust sein (idealerweise Hartholz). Den Stiel zwischen den Hölzern und Platten nicht zu oft anschrauben (zweimal sollte reichen), sonst bricht er an dieser Stelle leichter. Dass der Persuader schwer ist, muss so sein, aber er wird mit Schwung benutzt, um Ballen wieder in die Reihe zu klopfen oder den oberen Ballen mit dem darunter stehenden/liegenden gut zu verbinden.

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TIPS S2

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01 5 Strohbau-Tools: Stopfer in zwei Größen

Niemand kann Strohballen zwischen Ständern/Dachsparren einfüllen (oder im lasttragenden Strohballenbau im Versatz übereinander stapeln), ohne dass nicht zumindest an manchen Stellen Löcher bleiben. Das liegt einerseits daran, dass Ballen an den Kanten oft abgerundet (nicht rechteckig) sind, andererseits können auch beim Auffüllen (Verdichten) mit Lagen Hohlräume entstehen. Und schließlich kommt es immer wieder vor, dass irgendwo aus statischen Gründen ein (diagonales) Kantoder Rundholz in der Strohballenebene liegt, wie etwa die Bohlenenden einer Zwischendecke. Um diese Hohlräume mit (losem) Stroh nachzustopfen und damit eine Konvektion in der Dämmebene oder eine Wärmebrücke zu verhindern, verwenden wir selbstgemachte, einfache Stopfwerkzeuge. Natürlich kann man auch mit den Händen (Fingern) stopfen, davon rate ich aber bei größeren Flächen ab. Das geht ordentlich auf die Sehnen, bis man seine Finger nicht mehr bewegen kann. Denn es gilt, speziell wenn direkt verputzt werden soll, das Stroh so gut in den Hohlräumen zu verankern, dass das Gewicht des Putzes dieses nicht wieder herauszieht. Wir brauchen für diese zwei Tools Leisten (Kanthölzer) in der Dimension 25×25 mm (1 ×1 Zoll) für den kleinen und 25×50 mm (Ziegellatte) für den großen Stopfer. Wir bauen uns also ein T-Stück, das wir ein- bis zweimal gut miteinander verschrauben (6–8 cm Schraube, 5–6 mm Loch vorbohren). Der Griff hat eine Länge von 1 5 cm, der Stiel eine von 25–30 cm; Letzteren schrägen wir an der Spitze wie einen Schraubenzieher ab (Stichsäge, Kappsäge). Und zuletzt machen wir eine kleine Kerbe in die Mitte der „Schneide“, damit wir später das Stroh besser sammeln können. Zuletzt nehmen wir noch Sandpapier (oder eine Raspel) und runden alle Kanten leicht ab.

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LERNEINHEIT U3 – KONSTRUKTION – INFO 2

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U3-S2: Abbinden

Paketschlinge

Ganz schneller Knoten zum Neubinden eines Ballens. Ziehen zum Lösen Ziehen zum Festzurren

Prusikknoten

Ein laufender und bei Bedarf (auf Zug) blockierender Knoten.

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STATIK

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Virko Kade: Statik

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Wie jedes Baumaterial hat auch der Strohballen seine Eigenschaften bezüglich der Belastbarkeit durch verschiedene Kräfte, die auf den einzelnen Ballen, aber auch auf ein ganzes Gebäude einwirken. Das Thema Setzung ist in etwa gleichbedeutend wie beim traditionellen Massivholzbau. Die hohe Duktilität (die Eigenschaft eines Werkstoffs, sich unter Belastung plastisch zu verformen, bevor er versagt) des Strohballens bringt (neben guter Isolation und Schallschutz) ein extrem gutes Verhalten bei Erdbeben mit sich.  Tests in den USA ergaben kein Versagen bei höchster Erdbebenstufe! Bei eigenen Tests haben wir einen Kleinballen mit 35 KN (3,5 t) belastet, ohne dass dieser zerstört wurde. Wenige Sekunden später war fast die Orginalgröße erreicht, nach 5 Min. hatte der Ballen seinen ursprüngliche Zustand wiedererlangt. Welche Lasten hält eine Wand aus Strohballen aus, ohne zu kollabieren? Der Statiker Bruce King, der in den USA an den Bauverordnungen für den Strohbau mitgearbeitet hat, empfiehlt lediglich 500 kg/lfm bei Kleinballen als kalkulierte Obergrenze. Laut Gesetz muss die Wand die Lasten dort allerdings ohne Putz tragen. Bei einer verputzten Testwand hatten wir auch bei mehreren Tonnen/lfm kein statisches Versagen. Lediglich die Mauerbank (Kopfschwelle bzw. Fußpfette) wurde zwischen die beiden Putzebenen gedrückt. Bei massiven Schneelasten auf manchen „meiner“ Gebäude lag die tatsächliche Belastung bei 1000 kg/lfm und mehr, ohne dass Putzrisse entstanden wären. Hieraus ergibt sich aber gleich die Erkenntniss, dass ein schwerer Dachstuhl mit Ziegeleindeckung –zumindest für Kleinballen – nicht funktioniert. Ein möglichst leichtes Dach und eventuell eine zusätzlich tragende Zwischenwand (Schneeversicherung) machen hier Sinn, zumal die Zwischenwände ja auch für statisch kalkulierbare Aussteifung sorgen. Lediglich ebenerdige Bauweise mit Kleinballen, zumindest bei unseren Schneelasten, ist zu empfehlen! Bei Großballen können durchaus auch 3,5 Stockwerke samt großen Schneelasten funktionieren (siehe dazu den Anhang Statik Haus Fliri ab S. 80). Wie hoch darf eine Wand aus Strohballen sein? In Ländern mit eigener Strohballenbau-Verordnung gilt die Auflage, das Verhältnis zwischen Wandhöhe und Wandstärke < 6:1 zu halten. Für unsere Kleinballen bedeutet dies eine Ballenanzahl von maximal acht. Die tatsächliche Raumhöhe lässt sich durch die Höhe der Holzkonstruktion im Sockelbereich und des Ringankers noch etwas variieren. Bei Kleinballen gibt es in ebendiesen Bauverordnungen die Empfehlung, die maximale nicht (z.B. durch Zwischenwände) ausgesteifte gerade Wandlänge unter 6 m zu halten. Aus meiner Erfahrung eine realistische Obergrenze!


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STATIK

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VERDICHTEN UND SETZUNG

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Virko Kade: Verdichtung und Setzung Der Strohballen im lasttragenden Strohbau wird in der Regel „liegend“ verbaut. Da die Ausrichtung der Strohhalme durch den Pressvorgang relativ einheitlich ist, liegen die Halme dann am Boden bzw. verlaufen parallel dazu. Prinzipiell ist die mögliche Setzung so zwar größer, als wäre der Ballen hochkant eingebaut (wie bei diversen Holzständerkonstruktionen üblich), allerdings tritt bei hochkant verbauten Ballen ab einer gewissen Belastung ein Knickeffekt auf, der zum Kollabieren der Wand führt. Ist die Ballen-/Halmausrichtung liegend, werden die Halme ineinander gedrückt und regelrecht verkeilt. Je höher der Druck, umso höher die Festigkeit. Relativ bald lässt sich ein einzelner Ballen im Wandverbau nicht mehr bewegen oder in eine bessere Position bringen. Korrekturen sollten daher zu Beginn des Vorspannens mit den Gurten erledigt sein. Beim Verbauen der Strohballen sollte immer schon ein Höchstmaß an Verdichtung erreicht werden, zum Beispiel indem jede zweite oder dritte Lage eine möglichst gewichtige Person über die Mauerkrone geht. Trotzdem Vorsicht beim Hineindrücken der Ballen in eigentlich zu kleine Öffnungen! Ein Ballen, der zu lang ist und mit viel Gewalt eingebaut wird, schiebt andere Ballen zu den Seiten, führt zum Ausbauchen der Ecken oder erzeugt sehr hohen punktuellen Druck auf Fensterstöcke und Ähnliches! Bei Kleinballen erzielt man allein durch das Vorverdichten durch Körpergewicht eine Wandhöhe, die unter dem theoretischen Maß von z.B. 36 cm x 8 Ballen liegt. Idealerweise sollte durch das Vorspannen mit den Gurten der Hauptteil der Verdichtung erfolgen, nicht später durch das Gewicht des Dachstuhles; das Vorspannen ist auch besser kontrollierbar. Vorteilhaft ist es daher, wenn die Vorspannung mit Gurten ausgereizt ist, bevor die Dachkonstruktion montiert wird. Die zu erwartende Setzung hängt von sehr vielen Faktoren ab, sodass diese kaum kalkulierbar ist. Bei Kleinballen kann die Abweichung vom theoretischen Maß bei 5–7 Prozent liegen, bei Großballen bei 0–5 Prozent. Das Vorspannen bringt bei Großballen also kaum messbare Ergebnisse, ist aber dennoch wichtig, um eine gleichmäßige Setzung zu erreichen. Außerdem erhöht sich hierdurch die Belastbarkeit der Ballen durch die Dachlasten. Abgesehen davon sind die eingeputzten Spanngurte die einzige statisch wirksame Verbindung gegen Windsog.

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VERDICHTEN UND SETZUNG

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BAURECHT

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Virko Kade: Baurechtliche Situation in Österreich

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Die baurechtliche Situation in Bezug auf den Strohballenbau unterscheidet sich in allen Ländern zum Teil erheblich. Im etlichen Ländern gibt es überhaupt keine Reglementierung, in anderen nur Empfehlungen. Die präziseste Reglementierung des Strohballenbaus gibt es derzeit in den USA – mit Vor- und Nachteilen. So muss dort beispielsweise der sogenannte Hasendraht (Maschendraht) flächig verwendet werden, was in feuchten Klimaten zu Problemen führen kann, abgesehen von E-Smog etc. Ein gewisse Planungssicherheit geben die Auflagen natürlich, gerade für den lasttragenden Strohbau. So wird auch der überwiegendeTeil der Gebäude dort, wie im Übrigen auch in etlichen anderen Ländern, in dieser Bauweise errichtet. In Österreich gibt es keine allgemeine Bauzulassung, die eine Statik beinhalten würde. Die zertifizierten Ballen sind lediglich auf Dämmeigenschaft, Brandschutz und Feuchtigkeit geprüft. Als Dämmmaterial ist es in der Regel kein Problem, eine Baugenehmigung zu bekommen, selbst Versicherungen haben mittlerweile Strohballen aus Baustoff in ihren Katalogen. Um ein Gebäude mit statisch belasteten Strohballen errichten zu dürfen, bedarf es derzeit noch der sogenannten „Genehmigung im Einzelfall“. Das bedeutet: Die Baubehörde kann dieser Bauweise ohne weitere Nachweise bei einer Einreichung einfach zustimmen und eine Baugenehmigung erteilen. Hier auf bereits errichtete Gebäude zu verweisen oder auf die Innovation und den ökologischen Nutzen, kann hilfreich sein. Auch mithilfe von Broschüren und Büchern aufzuzeigen, dass der Strohballenbau mittlerweile auch in Europa im professionellen Baubereich angekommen ist, kann bei der Behörde ein Umdenken erleichtern. Dennoch kann sie auf statischen Nachweisen bestehen. Dann die Bauverordnungen und statischen Berechnungen anderer Länder heranzuziehen, hilft meistens wenig. Ein statisches Gutachten kann zeit- und kostenintensiv sein – sofern man einen Statiker findet. In der Vergangenheit hat es oft genug ausgereicht, den Bauführer (Zimmermeister oder Baumeister) zu überzeugen, für diese Bauweise die Haftung zu übernehmen, und die Baubehörde war zufrieden. Umfangreichere statische Tests für eine allgemeine Zulassung nach österreichischen Normen sind leider sehr aufwendig und teuer, und das öffentliche aber auch gewerbliche Interesse ist nicht übermäßig groß.


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PLANUNG

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Besonderheiten in der Planung

Jede Planung sollte die Art des Wandaufbaus, also verwendete Materialien und Besonderheiten, berücksichtigen. Im SBB gilt dies insbesondere, da der Baustoff ein etwas anderes Denken erfordert und vielen Planern (noch) nicht vertraut ist. Zunächst ist das Ballenmaß zu beachten, das noch dazu nicht exakt und weit entfernt von industrieller Maßhaltigkeit ist. Kleinballen haben zwar eine recht exakte Breite (je nach Presse 45–50 cm) und Höhe (je nach Presse, meist 36 cm). Aber die Höhe gilt spätestens nach der dritten Lage nicht mehr, Ballen geben durch Kompression nach. Wie viel die Setzung letztlich beträgt, ist nicht genau kalkulierbar. Man geht daher immer von mehr Setzung aus, um zu verhindern, dass der RBA auf dem Fensterstock aufsitzt und die Statik gefährdet. Steife Bauteile wie Zwischenwände oder zusätzliche Steher erst nach Abschluss der Setzung mit fixer Höhe einbauen, vorher mit Baustützen oder Gewindestangen arbeiten. Fensterstöcke am besten 20–30 cm unterhalb des RBA enden lassen und später ausfüllen. Bei kleineren, mitvermauerten Fenstern die Fensterstock-Höhe etwas kleiner wählen als das Ballenmaß, um Setzung aufnehmen zu können. Die Länge hat bei Strohballen die größte Varianz. Sie lässt sich beim Pressen beliebig einstellen, hängt aber dann immer noch vom Schwad (Breite und Strohmenge der Bahnen am Acker) und der Fahrweise ab. Und selbst bei guten Kleinballen bleiben im Durchschnitt 10 cm oder mehr Spiel über. Für ein lasttragendes Gebäude rechne ich mit einer Länge von 100 cm (die Händler, die die erforderliche Dichte haben, pressen eher in dieser Länge). Wobei: Bei Kleinballen ist die Länge nicht so wichtig, da sowieso etliche umgebunden werden müssen, was bei Kleinballen sehr zügig geht. Bei Großballen dafür umso mehr, da das Umbinden auf der Baustelle mühsam ist und schon einmal 20–30 Min. pro Ballen dauern kann (Kran/Stapler vorausgesetzt). Das theoretische Längenmaß der meisten Jumboballen liegt bei 240 cm und wird weit genauer eingehalten als bei Kleinballen. Dennoch gibt es Abweichungen, beim Aneinanderstellen bleiben Fugen, plötzlich ist die Wand 20 cm länger! Daher rechne ich in der Planung mit 245 cm Länge – später eine Fuge zu stopfen ist definitiv der geringste Aufwand. Jede zweite Lage brauchen wir aber dennoch halbe Ballen, um im Verbund zu mauern. Am besten bestellt man die gleich beim Strohhändler (vor der Ernte und immer mit Reserve). Die Wunschlänge beim Händler gebe ich 5–10 cm kürzer an, als ich theoretisch bräuchte. Um exakt arbeiten zu können und Fenstereinbau und Putzanschlüsse zu erleichtern, sollten alle Holzbauteile im Wandverbau bündig mit der Strohoberfläche geplant werden. Fensterstöcke haben dann z.B. eineTiefe von 50 cm. Verputzt werden kann dann in einer Schicht über Stroh und Fensterstock. Folgende Punkte die Statik betreffend sollten wir unbedingt vermeiden: • keine Punktlasten auf den RBA • Schubkräfte auf die Mauerkrone (RBA) vermeiden • keine Lasten auf eine stumpf endende Wand geben, immer Holzsteher einplanen • für ein Gebäude nur gleiche Ballen verwenden, am besten aus einer Charge • ausreichende zusätzliche Aussteifung durch Zwischenwände (Schneelasten) • tragende Wände (in der Regel zwei): so wenige und kleine Fenster wie möglich • max. Wandlänge ohne Aussteifung (bei Kleinballen mit 50 cm Breite): 6 Meter • Dachlasten so gering wie möglich (Kleinballen)

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BAUPHYSIK

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Virko Kade: Anmerkungen zur Bauphysik Für Strohballenhäuser in Zentral- und Nordeuropa sollten wir einige Punkte besonders berücksichtigen, die in anderen Teilen der Welt weniger wichtig sind. • Metallteile im Stroh, v.a. im äußeren Drittel, vermeiden (Gewindestangen etc.) • Wärmebrücken vermeiden für eine gute Dämmung; zudem verstärken Wärmebrücken die Wirkung von Schwachstellen • Strohballen nie direkt auf Beton legen oder anstehen lassen (thermische Trennung) • erste Ballenlage immer auf Holzsockel (mind. 5 cm), um Wasserschäden zu vermeiden • außen keine zementhaltigen Putze verwenden, nur reine Kalkputze; innen Lehm • innen Bauteilübergänge mit der Strohwand wie Zwischenwände, Decken etc. immer ausreichend abdichten (z.B. Putz, Lehmvlies oder Ähnliches) • erste Ballenlage über Spritzwasserbereich ( >30 cm)

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DETAILFRAGEN

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Virko Kade: Detailfragen Wanddurchführungen (Leitungen, Rohre etc.) • Strom und Wasser im Innenbreich • Rauchfang • Putzvorbereitungen • Wetter • Zeitplanung • Kosten

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STEP – Straw Bale Training for European Professionals UNIT 3 – Lasttragender Strohballenbau (201 7) Redaktion/Tipps: Herbert Gruber, Helmuth Santler (ASBN) Virko Kade, Michael Howlett; Mitarbeit: BuildStrawPro-Team (Erasmus+ Projekt) Design & Fotos: Herbert Gruber; Virko Kade, Werner Schmidt; weitere Fotos: von Architekten zur Verfügung gestellt. Illustrationen/Icons: Michael Howlett (SBUK) Dieses Handbuch basiert auf dem Handbuch der LeonardoGruppe STEP (201 5)

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Profile for Herbert Gruber

U3 Handbuch Lasttragender Strohballenbau  

Handbuch zum STEP-Lehrgang mit zahlreichen Tipps. Der komplette STEP-Lehrgang wird vom ASBN in Österreich angeboten, siehe www.baubiologie.a...

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