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Österreichische Post AG, Sponsoring Post – GZ 02Z034599S, Newsletter 34/2012 Retouren an Postfach 555, 1008 Wien

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DieGrünenMariahilf Die Grüne Alternative

mariahilf.gruene.at

EDITORIAL Mehr Platz – Weniger Gestank Die wichtigste Einkaufsstraße Österreichs wird verkehrsberuhigt. Wo bisher 12.000 Kfz-Bewegungen pro Tag stattfanden, werden es in Zukunft nur noch knapp 2.000 sein – Die viel diskutierte „Fußgeherzone“ Mariahilfer Straße kommt! Mehr Platz, neue Grünräume und Zonen ohne Konsumzwang sollen zum Verweilen einladen. Wir freuen uns auf den neuen FußgeherInnen-Boulevard im Zentrum der Stadt.“ Tempo 30 für die Gumpendorfer Straße Der erste Erfolg ist errungen. Die Gumpendorfer Straße erhält Tempo 30! „Ich freue mich schon sehr auf die Verkehrsberuhigung. Wir können neben dem Lärm auch nur selten lüften, ohne dass unsere Wohnung danach gleich nach Abgasen stinkt“, schreibt ein Anrainer hier stellvertretend für viele andere. So geht’s nicht. Das Wohnen im 6. muss auch abseits von Dachterrassenwohnungen ein Vergnügen sein.

Wir beruhigen Der Schrecken ist vielen BürgerInnen des 6. und des 7. Bezirks in die Glieder gefahren, als sie gehört haben, dass es eine autofreie Mariahilfer Straße geben soll. Denn, wohin würde der Verkehr ausweichen? – natürlich in den Bezirk hinein, was sonst? Die Gumpendorfer Straße als ewig verstopfte, stinkende, lär-

mende Hauptverkehrsader stand als Schreckgespenst im Raum. Diese Angst ist gebannt seit die Pläne auf dem Tisch liegen. Die Verkehrsplanung sieht eine Verkehrsberuhigung für die Mariahilfer Straßen vor, der Durchzugsverkehr soll großteils verbannt werden. Die Gumpendorfer Straße erhält

Tempo 30 und ein Rechtsabbiegegebot in den Getreidemarkt, weitere Maßnahmen können gesetzt werden, wenn das zur Beruhigung nicht reicht. Zwei Fragen zum Thema Querung durch die Webgasse und die Otto-Bauer-Gasse sind noch offen und werden von den AnrainerInnen im Jänner beantwortet. Ich

Quellen: Stadt Wien

die Mariahilfer Straßen gehe davon aus, dass es ein eindeutiges JA zur Verkehrsberuhigung geben wird, denn die Betroffenen werden sich wohl kaum Lärm und Gestank vors Fenster wünschen. ■ Susanne Jerusalem Stellvertretende Bezirksvorsteherin

Es geht um Mariahilf

AnrainerInnenbefragung Die Linienführung des 2A, die Verbindung Otto-BauerGasse / Zieglergasse und die Verbindung Webgasse / Schottenfeldgasse werden Gegenstand einer Befragung der AnrainerInnen sein. Soll hier Durchzugsverkehr quer durch Wien ermöglicht werden oder soll eine Verkehrsberuhigung das Autofahren auf die AnrainerInnen einschränken? Das Ergebnis der Befragung wird maßgeblichen Einfluss darauf haben, ob echte Verkehrsberuhigung möglich wird.. ■ Susanne Jerusalem Stellvertretende Bezirksvorsteherin


Die Grünen Mariahilf

Mariahilfer Straße Die neue Mariahilfer Straße

„Drei Highlights bestimmen die Rot-Grüne Verkehrspolitik. Die Senkung der Jahreskarte auf 365€, die höchst effektive Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung im Westen Wiens und der Beschluss die Mariahilfer Straße neu zu gestalten.“ Rüdiger Maresch Gemeinderat Verkehrssprecher

Die Mariahilfer Straße Neu ist ein Beitrag zu mehr Lebens- und Wohnqualität in der Stadt. Mitten im Zentrum bekommt Wien einen modernen, großzügigen FußgängerInnen-Boulevard. Öffentlicher Raum wird für die WienerInnen zurückgewonnen, das ist besonders in den dicht bebauten Bezirken Mariahilf und Neubau wichtig. In beiden Bezirken gibt es zahlreiche nicht genutzte Stellplätze in den vielen Garagen, die nach dem Umbau der Mariahilfer Straße endlichStraße genutzt werden können, um das Mariahilfer NEU Auto abzustellen. Zwischen 70 und 106.000 FußgängerInnen bestim-

men täglich den Charakter dieser wohl bekanntesten Straße Mitteleuropas. Mit der Umgestaltung der Mariahilfer Straße gibt es mehr Platz für die Menschen, weniger Lärm, mehr Grünräume, konsumfreie Zonen und damit mehr Möglichkeiten zum entspannten Einkaufen, Flanieren und Verweilen. ■ Rüdiger Maresch Verkehrssprecher

Quelle: Keinrath

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„Unfassbar! Das war der Graben?“

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MARIAHILF

AnrainerInnen-Befragung Durchzug Schottenfeldgasse / Webgasse Durchzug Otto-Bauer-Gasse / Zieglergasse Linienführung 2A

c Stadt Wien

Kernzone / FußgängerInnenzone Zone für AnrainerInnen AnrainerInnen-Befragung Durchzug Schottenfeldgasse / Webgasse Durchzug Otto-Bauer-Gasse / Zieglergasse Linienführung 2A

c Stadt Wien

Quelle: Ingeborg Schneider

„Schon in 5 Jahren wird sich niemand mehr an den alten Autostau mitten in Wien erinnern können.“ Susanne Jerusalem

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NEU

Eine zweite Kärntner Straße

Quelle: Sabine Pfeifer

„Mit der Neugestaltung der Mariahilfer Straße wird eine der beliebtesten Straßen der Stadt massiv aufgewertet. Damit bekommt Wien einen zeitgemäßen FußgängerInnenBoulevard, mitten in der Stadt.“ Maria Vassilakou, Wiens Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin

DIE RAHMENBEDINGUNGEN SIND FIXIERT Die Entscheidung ist gefallen: Die Innere Mariahilfer Straße wird im Bereich zwischen den Querungen Karl-Schweighofer-Gasse bzw. Stumpergasse / Kaiserstraße weitgehend den FußgängerInnen zur Verfügung gestellt. Damit bekommt Wien einen zeitgemäßen, großzügigen FußgängerInnen-Boulevard mitten im Zentrum. Die dicht bebauten Bezirke gewinnen dadurch öffentlichen Raum. Eine Chance, die Lebens- und Wohnqualität in Mariahilf und Neubau weiter aufzuwerten. FußgängerInnen brauchen auf der Mariahilfer Straße dringend mehr Platz zum Gehen. Neue Grünräume und konsumfreie Zonen werden die Aufenthaltsqualität der PassantInnen erhöhen und zum Verweilen einladen. Die Lösungen für den Verkehr basiert auf den Ergebnissen des BürgerInnendialogs, der im vergangenen Herbst in den Bezirken Mariahilf und Neubau durchgeführt wurde. Dabei brachten tausende WienerInnen ihre Interessen, Ideen und Bedürfnisse ein. Besonders wichtig war den AnwohnerInnen, dass auch Verkehrslösungen für die angrenzenden Bezirke berücksich-

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tigt werden. Gemeinsam mit Verkehrsplaner haben nun die Bezirke Mariahilf und Neubau ein Modell entwickelt, das diesen Ansprüchen gerecht wird.

DIE VERKEHRSORGANISATION Die Neugestaltung betrifft die gesamte Innere Mariahilfer Straße. Grundsätzlich wird die Innere Mariahilfer Straße weitgehend den FußgängerInnen zur Verfügung gestellt. Die Möglichkeit des Radfahrens in angepasster Geschwindigkeit wird in beiden Richtungen und im gesamten Bereich möglich sein. Ebenso bleibt die derzeitige Linienführung des 13A erhalten. Auch der Lieferverkehr wird im gesamten Bereich zu bestimmten Zeiten möglich sein. Die Lieferzeiten für die Betriebe vor Ort werden gemeinsam mit der Wirtschaftskammer fixiert. Für den 2A sowie bestimmte Querungen wird es eine AnrainerInnen – Befragung geben. Die verkehrsberuhigte Mariahilfer Straße Neu kann in zwei Bereiche unterteilt werden: ¢ FußgängerInnenzone zwischen Andreasgasse und Kirchengasse. Hier gibt es keine privaten Stell-

plätze bzw. Garagen, so dass es auch keine Fahrerlaubnis (Zuund Abfahrt) geben wird. ¢ In den anderen Bereichen ist das Zufahren zu den genehmigten Stellplätzen mit einer speziellen Berechtigung möglich. Die Zufahrtsregulierung wird in einer Machbarkeitsstudie geprüft und in Zusammenarbeit mit den Bezirken umgesetzt. Die derzeit dem Fließverkehr und parkenden Autos zur Verfügung stehenden Flächen werden großteils zum Raum für FußgängerInnen, aber auch für ausgeweitete Ladezonen wird es mehr Platz geben. Damit entsteht insgesamt mehr Platz und somit mehr Aufenthaltsqualität für alle BenutzerInnen. Die 2. Phase der BürgerInnenbeteiligung beginnt – AnrainerInnenbefragungen werden durchgeführt. In der 1. Phase der BürgerInnenbeteiligung hat die Stadt Wien die Bedürfnisse und Interessen der unterschiedlichen NutzerInnengruppen der Mariahilfer Straße erhoben. Auf Basis des nun zugrunde liegenden Verkehrskonzeptes startet die 2. Phase der BürgerInnenbeteiligung zu folgenden Verkehrsmaßnahmen. AnrainerInnen-Befragungen zu fol-

genden Bereichen werden durchgeführt: ¢ Linienführung des 2A ¢ Verbindung Otto-Bauer-Gasse / Zieglergasse ¢ Verbindung und Verkehrsmaßnahmen Schottenfeldgasse / Webgasse Danach startet die Planung der Oberflächengestaltung der Mariahilfer Straße gemeinsam mit den BürgerInnen. In einem speziellen Verfahren werden die Grundlagen dafür erarbeitet, wie die Mariahilfer Straße in Zukunft konkret aussehen soll.

ZEITPLAN ¢

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AnrainerInnenbefragung zu den oben genannten Punkten Jänner 2013 Start des Planungsverfahrens mit BürgerInnenbeteiligung ab April 2013 (bis Juni 2013) Umsetzung des bezirksübergreifenden Verkehrskonzepts im Sommer 2013 Ausschreibung der Neugestaltung der Mariahilfer Straße auf Basis der BürgerInnenbeteiligung Bauliche Neugestaltung in Etappen ab Frühjahr 2014 ■ Maria Vassilakou Wiens Vizebürgermeisterin

Anregungen bitte an: susanne.jerusalem@gruene.at


Die Grünen Mariahilf

Anträge Rahlgasse autofrei 18 Stellplätze oder Bewegungsmöglichkeit für 800 SchülerInnen? Anlässlich der Mobilitätswoche und des internationalen autofreien Tages am 22. September veranstaltete die AHS Rahlgasse einen Aktionstag für eine autofreie Rahlgasse. Ein grüner Antrag hat die Forderung aufgegriffen. Die beidseitig dicht verparkte Sackgasse könnte leicht so umgebaut werden, dass ein großes Schulvorfeld entsteht. „Was ist mehr wert, 18 Stellplätze oder Bewegungsmöglichkeit für 800 Schüler?“, diese Frage werden die Mitglieder der Bezirksvertretung beantworten

Bäume in der Barnabitengasse

müssen! Während die ÖVP bereits Ablehnung angekündigt hat, gibt es noch keine Signale von Seiten der SPÖ. Die Zufahrt zu und das Halten vor den Häusern auf der anderen

Straßenseite soll natürlich nicht behindert werden. Die Garage muss erreicht werden können. ■ Susanne Jerusalem

Rahlgasse mit Turnsaal Die AHS Rahlgasse hat keinen Turnsaal. Stadtschulrat und Unterrichtsministerium haben immer wieder viel versprochen, trotzdem geht seit Jahrzehnten nichts weiter.

WIE KÖNNTE ES FUNKTIONIEREN? Gleich neben der AHS Rahlgasse (Bundesschule) befindet sich eine aufgelassene Volksschule (Schule der Stadt Wien). Der Bund könnte das Gebäude kaufen oder tauschen. Vorweggenommen: Es fand sich tatsächlich ein Tauschobjekt! Wer jetzt glaubt, die Sache hätte sich dadurch erledigt, irrt leider,

denn es gibt ein neues Problem: Die Immobilie der Stadt ist mehr wert als jene des Bundes. Der Bund müsste also die Differenz begleichen, will aber nicht. Und deshalb gibt es immer noch keinen Turnsaal. Eine grüne Resolution wendet sich direkt an die Bundesministerin. In der Zwischenzeit müssen sich 800 SchülerInnen und ihre LehrerInnen geistreiche Bonmots zum Thema tägliche Turnstunde und „Medaillenregen durch Schulsport“ anhören. Hoffentlich nicht mehr lang. ■ Susanne Jerusalem

Für die Erweiterung der Gruft werden Ersatzpflanzungen notwendig. Mitglieder der Bürgerinitiative wünschen sich Baumpflanzungen in der Barnabitengasse. Wir haben daher einen Einbautenplan besorgt (siehe Abbildung) und mit einem Baumspezialisten gesprochen. Das Wiener Stadtgartenamt wird seine Expertenmeinung dazu äußern, dann kann eine Entscheidung fallen. Der Standort, das lokale Klima und die Einbauten müssen gemeinsam beurteilt werden. Schön wäre es jedenfalls, denn die Barnabitengasse bietet sich auf Grund ihres besonderen Flairs und der Tatsache, dass es sich um eine Wohnstraße handelt speziell für eine Begrünung an. ■ Susanne Jerusalem

Die Grünen Mariahilf haben in der Bezirksvertretung den Antrag eingebracht, 10 öffentliche Parkplätze im 6. Bezirk als Carsharing-Parkplätze zu widmen, und diese so aufzuteilen, dass jedem Bewohner und jeder Bewohnerin ein Standplatz in 250 Meter Entfernung zur Verfügung steht. Das anfängliche Unverständnis für dieses Anliegen hat gezeigt, dass Carsharing eine noch immer zu wenig bekannte Alternative darstellt. Kurz gesagt, geht es darum, Autos gemeinsam zu nutzen und sie damit besser auszulasten. In den meisten Systemen steht den NutzerInnen ein großer Pool von Fahrzeugen an vielen verschiedenen Standorten zur Verfügung. In Zeiten von Internet und mobilen Hilfsprogrammen erfolgt die Reservierung und Abrechnung automatisch und komfortabel etwa mit einer Chipkarte. Im Gegensatz zu Mietautos sind daher für die einzelne Fahrt keine weiteren Formalitäten notwendig. Wer nur auf die Kos-

ten der einzelnen Fahrt achtet sollte berücksichtigen, dass auch im privaten PKW jeder Kilometer ca. 40 Cent kostet, wenn man wirklich alle Kosten, inklusive der Neuanschaffung, mitberechnet. Der gelegentliche spontane Ausflug ins Umland, der fallweise Transport oder die letzten 30 Kilometer bei einem Termin in den Bundesländern nach einer bequemen Anreise im Zug sind typische Anwendungsbeispiele. ■ Martin Fritz

Anbieter mit unterschiedlichen Systemen: zipcar – carsharing.at Carsharing Anbieter mit Standorten in ganz Österreich Car2go – car2go.com/de/wien FreeFloating Carsharing mit über 500 Autos in Wien und anderen europäischen Städten carsharing 24/7 – carsharing247.com Online-Plattform für Carsharing unter Privatpersonen Caruso – carusocarsharing.com Projekt für Privates Carsharing der Vorarlberger Talente-Genossenschaft autoshare – autoshare.at Privatpersonen bieten ihre Autos als Mietautos an

Quellen: Sabine Pfeifer

Quelle: Stadt Wien

Carsharing-Parkplätze

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Grüne Erfolge Neville-Brücke

Quelle: Werner Haslauer

Grün statt Blech EIN SCHRITT IN DIE RICHTIGE RICHTUNG! Eine Brücke ist ein Bauwerk, das die beiden „Ufer“ eines Einschnittes miteinander verbindet. In unserem Fall ist es eine Verbindung zwischen

den Menschen in Mariahilf und Margareten. Es ist das erste Mal in Wien, dass ein Verkehrsbauwerk, das in letzter Zeit vorwiegend vom „Motorisierten Individualverkehr“ benützt wurde, durch Rückbau und

Begrünung nur mehr für FußgängerInnen und RadfahrerInnen zur Verfügung steht, somit den Menschen wieder zurückgegeben wird! In beiden Bezirken wurde der Beschluss gefasst, die Brücke zu be-

grünen und ohne Autos zu belassen! Was eben auch bedeutet, dass der Durchzugsverkehr eingeschränkt wird! ■ Werner Haslauer

Gumpendorfer Straße: Endlich TEMPO 30

Quelle: Foto Engl

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So viele MariahilferInnen haben so viele Jahre darum gekämpf. Jetzt ist es soweit, die Gumpendorfer Straße erhält ein ganz besonderes Tempolimit. Bald darf niemand mehr schneller als 30 km/h fahren. Wir freuen uns, das erreicht zu haben! ■

Susanne Jerusalem


Die Grünen Mariahilf

Mariahilf Sozial SUSANNE JERUSALEM Stellvertretende Bezirksvorsteherin in Mariahilf

Die staatlich kontrollierte Abgabe von Heroin an schwerstsüchtige Menschen wird in vielen Ländern praktiziert. In Österreich hat sich die Politik bislang mehrheitlich dagegen entschieden. Argumentiert wird aber nicht auf der Basis von Studien und Versuchen, sondern es wird viel moralisiert und ideologisch debattiert. Ein Blick nach Deutschland und in die Schweiz könnte helfen! 2002 wurde in sieben deutschen Städten eine 30 Millionen Euro teure Studie gestartet, um die Wirksamkeit eines vielversprechenden Präparats an schwer kranken PatientInnen zu testen. Tatsächlich war die Studie ein voller Erfolg, das neue Präparat bewirkte bei einem signifikant höheren Teil der PatientInnen eine Besserung ihres Krankheitsbildes als in der Vergleichsgruppe, die mit dem herkömmlichen Mittel behandelt wurde. Die zuständige Behörde empfahl daraufhin die Zulassung als Medikament. Bei dem Präparat handelt es sich um Diamorphin, ein synthetisches Heroin. Aus medizinischer und ethischer Sicht gibt es keine Argumente gegen die Zulassung von Heroin als Medikament. Die Einwände sind

stets ideologischer Natur. Mit Parolen wie „Der Staat als Dealer“ oder „Kick auf Krankenschein“ sollen Vorurteile zementiert werden. Dabei würde die Zulassung von Diamorphin als Medikament ein wirksames Instrument in der Behandlung der Sucht und damit auch in der Eindämmung von Schwarzmarkt und Beschaffungskriminalität darstellen. Ein Problem ist wohl, dass Heroinabhängige PatientInnen zweiter Klasse sind und als willensschwache Sozialversager angesehen werden. Würde jemand auf die Idee kommen, einem Krebspatienten, der auf die herkömmliche Chemotherapie nicht anspricht, eine nachweislich wirksame Behandlung zu verweigern? Eher nicht.

quenz gezogen, dass Krankenkassen und Kommunen die Kosten der Behandlung teilen. Alle Argumente nutzten leider bislang nichts: Österreich verharrt lieber in der drogenpolitischen Steinzeit. ■

DAS JEDMAYER

KOSTEN ALS TOTSCHLAGARGUMENT Eines der Argumente, das immer „zieht“ ist das Kostenargument. Zwar liegen dazu keine Untersuchungen vor, aber wer will schon viel Geld für „Junkies“ ausgeben? Die Schweiz zum Beispiel: Einer Kosten-Nutzen-Analyse aus der Schweiz zufolge spart ein/e HeroinpatientIn dadurch, dass sie/er einen festen Wohnsitz und Arbeit hat,

Ganslwirt neu Die Drogenberatung Ganslwirt ist auf den Gürtel übersiedelt. Sie ist jetzt größer und besser ausgestattet und heißt Jedmayer, was ja Sinn macht, denn Sucht ist eine Krankheit, die jede Familie treffen kann. Noch ist nicht klar, wie die Räume im ehemaligen Ganslwirt nachgenutzt werden sollen. Das Einzige, was bisher zu hören war, ist, dass obdachlose Frauen untergebracht werden könnten. Diese Idee wird von den Grünen Mariahilf unterstützt!

weniger strafauffällig wird und seltener ins Krankenhaus muss, der Gesellschaft 60 Euro am Tag. Zieht man davon 33 Euro für die Heroinvergabe ab, bleibt unterm Strich ein Gewinn von 27 Euro pro Tag. In der Schweiz wurde daraus die Konse-

Quellen: Sabine Pfeifer

Konsumraum

Frauen, die obdachlos werden, finden oft Unterschlupf bei männlichen Bekannten und geraten in schlimme Abhängigkeit. Um bleiben zu dürfen ohne zahlen zu müssen, ist oft Sex das Zahlungsmittel. Für Eigenständigkeit und Selbstwertgefühl eignet sich der Zustand sicher nicht. Eine städtische Übergangslösung könnte Abhilfe schaffen. Noch steht nicht fest, was aus dem alten Ganslwirt wirklich wird, aber diese Idee wäre eine gute Idee. ■

Zu eng, zu klein, zu schäbig und aus allen Nähten platzend, das war der Ganslwirt, die Wiener Anlaufstelle für drogenkranke Menschen mitten im 6. Der Ganslwirt hat seine Pforten geschlossen und das JEDMAYER hat die Nachfolge angetreten. Es ist neu, groß, schön und sauber und die Stadt Wien hat ihre Bereitschaft gezeigt, in diesen wichtigen Bereich der Sozialpolitik zu investieren.

LEIDER OHNE KONSUMRAUM Ein Konsumraum wurde leider erneut nicht eingerichtet, eindeutig eine verpasste Gelegenheit! Drogenkranke Menschen können im Jedmayer zwar rund um die Uhr die Spritzen tauschen, aber zum Kauf der Drogen werden sie zu Kriminellen geschickt und Konsumieren geht nur auf der Straße oder zu Hause. Österreich hat von Deutschland und der Schweiz, wo es in vielen Städten heroingestützte Therapien und Konsumräu-

me gibt, nichts gelernt. Damit wird die Verelendung der Menschen bewusst in Kauf genommen.

EIN KONSUMRAUM WÜRDE ALLEN NÜTZEN Ein Konsumraum könnte einerseits den Suchtkranken helfen aus der Kriminalität und der Verelendung Schritt für Schritt herauszukommen, er wäre aber auch für die AnrainerInnen von Vorteil. Es wäre für alle besser, wenn sich kein sozialer Konflikt auf dem Rücken kranker Menschen entzündet und es wäre schlussendlich für alle Angehörigen der Suchtkranken eine große Beruhigung, gäbe es eine Chance auf einen Ausstieg aus Kriminalität und Verelendung für ihre Kinder, Enkelkinder und FreundInnen. Daher mein Appell an die verantwortlichen PolitikerInnen: Nehmt euch Deutschland und die Schweiz zum Vorbild. ■

Vassilakou will Mietpreise begrenzen

Quellen: Rainer Sturm/pixelio.de

Maria Vassilakou, Grüne Stadträtin in Wien schlägt vor, die Mietpreise zu begrenzen. 7 Euro pro Quadratmeter – ohne Sonderausstattung.

DIE ARBEITERKAMMER GIBT IHR RECHT: WOHNEN MUSS BILLIGER WERDEN! „In elf Jahren sind die Mieten explodiert – sie sind um zwei Drittel mehr gestiegen als die allgemeine Teuerung. Aber auch weniger Neubauten, die nicht mehr zweckge-

bundene Wohnbauförderung, explodierende Zinshauspreise und die für den geförderten Wohnbau dramatischen Bodenpreissteigerungen machen Wohnen teuer. Zu dem Schluss kommen zwei Studien, die die AK beim Wifo und der TU Wien in Auftrag gegeben hat. Es zeigt sich: Der freie Markt bringt nicht genügend leistbare Wohnungen. Das bedeutet, es braucht gesetzliche Spielregeln. Und: Wo staatlich der Fokus auf dem Eigen-

tumserwerb von Immobilien liegt – wie in den USA oder Spanien, ist die Gefahr einer Immobilienblase groß. ‚Die hohen Mieten belasten die Mieter und Wohnungssuchenden schon jetzt enorm, besonders junge Familien‘, resümiert Gabriele Zgubic, Leiterin der AK Konsumentenpolitik. ‚Sie werden für das Wohnen immer stärker zur Kasse gebeten.‘ “ So kann es nicht weitergehen. ■

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Die Grünen Mariahilf

Die Grünen

Mariahilf

STADTfalken über Mariahilf Unsere fünf Falkenfindlinge haben ihr Übergangs-Quartier in Mariahilf verlassen und sind in den Süden geflogen. Mit etwas Glück kommen sie im nächsten Frühjahr zurück.

Quellen: Peter Kirschner/pixelio.de

Im Zuge unseres Projekts „AIRbase Mariahilf“ haben wir im Juni fünf Falkenfindlinge im Turm der Kirche St. Aegyd angesiedelt. Dabei handelte es sich um ca. drei Wochen alte Vögel, die aus ihren Nestern gefallen und in der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee abgegeben wurden. Ziel unseres Projekts war es, den Falken eine neue Heimat zu bieten

und ein Stück Natur nach Mariahilf zu bringen. Betreut wurden die Flugkünstler von Falkenexperte Gregor Hirsch, der die Jungtiere in den ersten vier Wochen täglich fütterte. Der Speiseplan von Turmfalken ist übrigens reichhaltig: von Regenwürmern über Mäuse bis hin zu Jungtauben. Zusätzlich verteidigen Turmfalken ihr Revier gegenüber Tauben und können diese mit ihrer Anwesenheit vertreiben.

ABFLUG NACH AFRIKA Mittlerweile haben die Turmfalken ihre Reise nach Afrika angetreten um dort zu überwintern. Unser Ziel

ist es, dass im Frühjahr ein Falke an seinen Heimatstandort am Kurt Pint-Platz zurückkehrt und für Nachwuchs sorgt. Davor haben sie aber noch für ein bisschen Aufregung gesorgt. Einige MariahilferInnen haben beobachtet, das just „unsere“ Falken Singvögel gerissen haben sollen. Zum Glück für die Falken vom Pint-Platz zählte Evolutionsbiologin Petra Sumasgutner anlässlich einer Studie gleich 15 Falkennester in Mariahilf – es gilt also die altbewährte Unschuldsvermutung. Fakt ist, dass Falken Beutegreifer sind, die sich zu 80 Prozent von Mäusen ernähren. Wir freuen uns schon auf die Rückkehr „unserer“ STADTfalken nach Mariahilf. ■ Roland Gombotz

Regionale Produkte: Sie als STADTbienen KonsumentIn entscheiden AIRbase Mariahilf

Die Ökobilanz von importierten Früchten ist dramatisch: 1 kg Weintrauben aus Chile entspricht 185 kg Bioäpfel aus der Steiermark 1 kg Erdbeeren aus Thailand entspricht 154 kg Bioäpfel aus der Steiermark 1 kg Neuseeland-Kiwis (Schiff) entspricht 30 kg Bioäpfel aus der Steiermark ■ Wollen sie ihren ökologischen Fußabdruck berechnen?

→ www.mein-fussabdruck.at

→ facebook.com/mariahilf.gruene

Newsletter anmelden unter → mariahilf@gruene.at Anregungen bitte an

→ susanne.jerusalem@gruene.at → mariahilf.gruene.at

Quellen: Günter Havlena/pixelio.de

Produktion und Transport von 1 kg Mangos aus Brasilien, die mit dem Flugzeug/LKW in den Supermarkt geliefert werden, verbrauchen ebenso viel CO2 wie 150 kg Bioäpfel aus der Steiermark?

Im Jahr 2011 haben wir das Projekt „AIRbase Mariahilf“ unter dem Titel „STADTbienen“ gestartet. Da-

bei wurden zwei Bienenstöcke mit rund 40.000 Honigbienen von Imker Dietmar Niessner auf dem Dach des Hotel Ibis angesiedelt. Bereits zweimal konnten jeweils rund 30 Kilo Honig geerntet werden, der Hotelgästen und MariahilferInnen gleichermaßen schmeckt. Zum Kosten und Kaufen gibt es den Mariahilfer Honig am 20. Dezember anlässlich der Weihnachsaktion „Begehbarer Adventkalender“ der Gebietsbetreuung. Von 14 bis 17 Uhr bastelt Imker Niessner mit Kids in der Saint Charles Cosmothecary Bienenwachskerzen und erzählt Interessantes über unsere STADTbienen. ■ Oliver Schönsleben

Wir machen den Bezirk grüner! Wer hat es nicht gern, wenn neben dem grauen Beton der Stadt auch kleine grüne Pflänzchen abseits der Parks zu sehen sind? Gerade in Mariahilf, wo öffentliche Grünflächen Mangelware sind, machen kleine Grünoasen einen großen Unterschied aus, wenn es darum geht das jeweilige Grätzel attraktiver und lebenswerter zu machen. Aus diesem Grund haben wir uns diesen Herbst

auf den Weg gemacht und standortangepasste Blumenzwiebel auf verwaisten Plätzen und Baumscheiben quer durch den Bezirk gesetzt. Im Frühling werden die ersten Krokusse, Tulpen und Narzissen zum Vorschein kommen und unseren Lebensraum mit ihrer Anwesenheit attraktiver und schöner machen! ■

IMPRESSUM Die Grünen Mariahilf 03/2012 Medieninhaberin: Die Grünen – Grüne Alternative Wien, Lindengasse 40, 1070 Wien | Herausgeberin: Die Grünen – Grüne Alternative Mariahilf | Lindengasse 40, 1070 Wien | Redaktion: Susanne Jerusalem und das gesamte Team der Grünen Mariahilf | Grafik: typothese.at | Druck: Resch KEG, Rosinagasse 19, 1150 Wien, www.resch-druck.at Österreichische Post AG, Sponsering Post – GZ 02Z034599S, Newsletter 34/2012 | Ihre Daten stammen aus der Wiener Wählerevidenz

Maria Sofaly

Die Grünen Mariahilf / 2012  
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