Gewidmet sei dieses Buch dem Andenken der vielen deutschen Kolonisten , die im Kampf um die Entstehung und Kultivierung der Heidegemeinde Billed durch Hunger, Not und Krankheit frĂźhzeitig vom Tode dahingerafft wurden. Ferner allen Billedern , die im Kampf um ihre Heimat ihr Leben lassen muĂ&#x;ten. Sowie allen Zivilpersonen , die sowohl in der Heimat als auch auf der Flucht oder als Verschleppte, Opfer kriegerischer Gewalt geworden sind.
FRANZ KLEIN
Jiilltb Chronik einer Heidegemeinde im Banat in Quellen und Dokumenten 1765- 1980
Im 215. Jahr nach der Ortsgr端ndung von Billed durch deutsche Kolonisten
Wien 1980
Mitautorenverzeichni s Dr. Hans Braun [306], Josef Braun (306], Michael Braun [347], Jakob Breitenbach (738], Johann Eichert [428], Jakob Gallo [104], Josef Herbst [117], Peter Krier sen. [50], Peter Krier jun. [50], Jakob Leidekker [803], Franz Luckhaup [209], Peter Maurer [284], Hans Pilli (439], Maria Sauer [473], Helga Scholz [403], Jakob Slavik [195], Peter Weber [149], Wilhelm Weber [202]. Dieinh altlich e Verantwortung für die in diesem Bucheveröffentlichten Bei träge tragen die Verfasser.
Schutzumschlag und Einbandgestaltung von Franz Klein.
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten . Nachdruck , auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verfassers gestattet. Gesamtherstellung: juvavia-druck valenta+partner, 5020 Salzburg, Maxglaner Hauptstraße 12
Jjtlleber-1!} etmatbudJ
Das erste Dorfsiegel von Billed, dem ehemaligen Musterdorf der Kaiserin Maria Theresia aus dem Jahre 1772
Herausgegeben im Auftrag der Billeder Heimatgemeinschaft Salzburg-Wien 1980
Erschienen im Eigenverlag des Arbeitskreises zur Fรถrderung und Herausgabe des Billeder Heimatbuches: A-5071 Salzburg, Eichetsiedlung 27 A-1200 Wien , Heinzelmanngasse 10/19
Schwäbische Hymne [Zu singen nach der Weise "Heil dir im Siegeskranz" .]
1. Heil dir. mein Heimatland! Heil dir, du schönes Land! Heil Ort um Ort! Ewig zu Gottes Ehr Zeuge, was groß und hehr, Rage von Fels zu Meer Der Freiheit Hort! 2. Heil dir, o Brudervolk! Heil dir, du deutsches Volk, Von Herd zu Herd! Nimmer um Goldgewinn Gib du den treuen Sinn Für alles Hohe hin, Der dich verklärt! 3. Mich reißt Begeisterung-hin, D"aß ich ein Deutscher bin An See/' und Leib, Daß wenn auch schmerzensmatt, Auf armer Lagerstatt, Mich doch geboren hat Ein deutsches Weib. 4. Lasset uns Deutsche sein. Ein großer Volksverein Für Pflicht und Recht! Hochhalten immerdar, Was gut, was schön und wahr, Als freie Gottesschar, Nicht Herr noch Knecht. 5. Ja, einen heiligen Eid Schwört, die ihr Deutsche seid, Deutsch liebt und glaubt! Handschlag darauf und Kuß: Ewigen Bundesschluß! Ein Volk aus einem Guß! Ein Herz! Ein Haupt!
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Zum Geleit
Will die Seele dir verzagen in der Leiden Übermaß, wehre deinem Mund die Klagen und bewahre dich vor Haß. Lies des Kummers tiefe Zeichen auf so manchem Angesicht, deinem Leid wird manches gleichen, und es ist das einz'ge nicht. JosefMühl
Dem Banater "Schwob" wird ein geradezu unbändiger Schaffensdrang nachgesagt. Ein Wesenszug, der nicht bei jedermann Anerkennung findet. Es muß aber etwas Gutes daran sein. Betrachtet man das vorliegende Werk, bedenkt man die immense Vorarbeit, dann muß man einfach dem Autor für den Arbeitseinsatz danken, und dem Werk die gebührende Anerkennung zollen. Diese Arbeit hat sicherlich mehr als das anfänglich gesteckte Ziel erreicht. Vorgesehen war eine Dokumentation u. a. über den Bestand der Dorfgemeinschaft Billed und ihrer Lebensäußerung in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, als das Leben in dieser Gemeinschaft noch intakt war. Es ging ja um das Ergebnis einer mühevollen Aufbauarbeit der Siedler und ihrer Nachfahren , die vor rund 200 Jahren hier eine neue Heimat gesucht und gefunden hatten. Es ist aber nicht nur ein nüchterner Bericht über jene heile Welt geworden, an der der :zWeite Weltkrieg wie ein reißender Wolf das Werk der Zerstörung beginnen konnte . Das Land , das mit viel Fleiß , Entsagung und Arbei1seinsatz zur Heimat gekürt worden war, wurde damals von einer tiefen Liebe eines bäuerlichen Geschlechtes umspielt, wie die goldenen Ährenwogen das Dorf und seine Lebensgemeinschaft umkränzten. Der Banater Schwabe, in seinen patriotischen Tugenden trainiert, weiß, daß diese das Opfer im Gefolge haben. Ein würdiges Denkmal für alle Opfer, vorab jene der beiden Weltkriege, sollte mit dem Werk ebenfalls errichtet werden . Ein Denkmal , das nicht partikularisch orientiert ist, sondern der realen Situation der mehrsprachigen Dorfgemeinschaft Rechnung tragen sollte. Der aufmerksame Leser wird bald merken , daß sich dem Fleiß des Autors und seiner Ausdauer ein richtiges Maß an Spürsinn zugesellte. Er förderte historische Fakten zu Tage, die dem Heimathistoriker nicht geläufig waren . Diese Quellenforschung hat tragischste Einzelschicksale, soziologische und nationale Verstrickungen, historisch-politische Herausforderungen erkennen lassen , mit denen der Bauer, Handwerker und gleichermaßen der Intellektuelle im Verlauf der Geschichte fertig werden mußte. Obwohl Maria Theresia mit der Gründung vonBilledein Musterdorf zu errichten plante, hat gerade hier ein harter Schicksalsweg von Anfang an von den Siedlern und ihren Nachkommen nicht nur große materielle Opfer, sondern auch viel Blut und Tränen gefordert. Auf diesen Säulen ruhte letztlich die Liebe des Bauern zu seiner Scholle und ist die Heimatliebe des Banater Schwaben in allihrer Tiefe grundgelegt. Sie sind auch für den Verfasser das Fundament des projektierten Denkmals geworden . Was bei den Betroffenen und den fernerstehenden, unbefangenen Lesern an Gefühlen und Empfindungen aufkommen wird, glaube ich mit dem von Josef Mühl verfaßten Spruch, der am Anfang dieses Geleitwortes steht, richtig umschrieben zu haben. Josef Mühl, ein ehemaliger Dorfrichter einer im jetzigen Ungarn gelegenen donauschwäbischen Gemeinde, ist dem Autor dieses Werkes, Franz Klein, und mir in einem Arbeitslager in Linz bald nach dem Krieg begegnet . Er war in seiner geistig seelischen Größe ein Zeuge von Hilfsbereitschaft, Toleranz und Offenherzigkeit. Auch dazu ist der Donauschwabe fähig. Sind wir so eingestellt, dann gehen wir einig mit dem Verfasser unseres Werkes, der mit dieser Niederschrift auch zur Bewältigung der Schattenseiten der Vergangenheit beitragen möchte, der nach innen wie nach außen dem Einenden das Wort reden will . 7
Einst zog der Siedler vom Mutterland aus, sich sein Vaterland neu zu freien. Er fand es und widmete ihm seine ganze Liebe. Lang ließ sich das Land umwerben . Doch dann gestaltete sich das Leben in dieser Gemeinschaft wie in einer Ehe und Familie. Eine feste Einheit hatte sich geformt. Die neue Heimat war geboren. Der Rückblick zeigt, daß sie viel schneller als geworden , zerstört war. Mit den Waffen von Uneinigkeit, Streit und Krieg wurden die kulturellen und patriotischen Werte vertan , die Heimat verspielt. Nachall den ertragenen Härten sage man nicht, der Banater Schwabe hätt' auch seine Fähigkeit zu lieben eingebüßt, den Blick für die Weite verloren. Sein Horizont ist nicht eng wie ei ne Furche geworden, die eine Pflugschar in den Ackerboden reißt. Weit ist sein Blick und offen sein Herz geblieben. Den Heidemenschen hat's die Ebene gelehrt, die ihre Grenze dort sucht, wo der Himmel sich der Erde zuneigt, um sich mit ihr gläubig zu vermählen. Wenn nun das Mutterland die siebente Generation der Siedler wieder heimholt und sie mit einem milden Arm der Integration umfängt, so bleibt doch noch bei der letzten Generation die Sehnsucht rege, die Wehmut wach . Mit einem ganz persönlichen Wort will ich versuchen , einen langjährigen Freund sein e Leistung, seine Bereitschaft Freizeit und Geld zu investieren vom rechten Blickwinkel her zu betrachten. - De Franz muß wohl vun allem was so de Banater Schwob ausmacht, e' gutes Stick vum beschte Teel erwischt han , sunscht hätt'mr sei Billed-Buch net in dr Hand.Mit dem besten Dank an den Autor grüße ich alle Landsleute und ihre Freunde, die sich unser Heimatbuch zu Gemüte führen. Ich hoffe und wünsche allen , daß es nur gute Erinnerungen weckt und ein aufrechtes Billeder Zusammengehörigkeitsgefühl bewahrt. Wien, zum zweihundertsten Todestag Maria Theresias
t Nikolaus Hummel Bischof der Altkatholischen Kirche Österreichs
-WehmutAbend wird es wieder; Geh'n die Vögel alt zur Ruh', Von dem Turme klingen Lieder Einer düst'ren Ferne zu.
Heidekinder lauschen Träumen zarter Blümelein, In des Baches trautes Rauschen Stimmt jetzt meine Wehmut ein.
In dem stillen Tale Leuchtet schon der Mondenschein, Lieblich durch die Gotteshalle Zieht ein Lufthauch klar und rein.
All die lieben Klänge Drückten meine Lider zu, In das Auge stiegen Tränen, Heimatliedern hört ich zu. Klaus Hummel
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Vorwort des Verfassers
Dieses Buch ist eine nach der Zeit geordnete Aufzeichnung geschichtlicher Begebenheiten und wurde nicht in einem Zuge geschrieben. Es ist vielmehr.allmählich, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, entstanden. Die Gründe für diese lange Entstehungszeit liegen in der Weitschichtigk eit des benötigten Materials, das in einem halben Dutzend von Staaten , von der Türkei bis in die Niederlande und vom Sauerland im Norden bis nach Italien im Süden , in den verschiedensten Archiven aufbewahrt wird . Erst in den letzten fünf Jahren war es mir möglich, die für diese Chronik erforderlichen und auch notwendigen Archivarbeiten durchzuführen . Das in so großen Mengen vorgefundene und im besonderen Billed betreffende Quellenmaterial veranJaßte mich , zu einer Methode nach strenger zeitlicher Anordnung des Stoffes überzugehen. Daher gliederte ich diese erste Chronik von Billed in sieben geschichtsperiodische Abschnitte und innerhalb dieser Unterteilung wieder in die einzelnen Sachgebiete. Diese Unterteilung schien mir wichtig und vorteilhaft, weil die geschichtliche Entwicklung der Deutschen im Banat, auf deren Hintergrund sich diese Chronik abspielt, von Dorf zu Dorf oft beachtliche Unterschiede aufweist. Ferner gab es bereits im Mittel alter- dokumentarisch nachweislich seit 1404- eine Siedlung mit dem Namen Billyed an jener Stelle, wo heute unser Heimatort Billed besteht. Nicht zuletzt widerfuhr diesem Bi IIed und seiner Bevölkerung seit der Vertreibung der Türken durch die Truppen der Habsburger, bis zum Anschluß an Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg, ein fünfmaliger Wechsel der Staatsoberhoheit! Wer also die Geschichte der Deutschen im Banat, und die von Billed im Besonderen, in ihrer ganzen Tragweite und ihrer Bedeutung erfassen und niederschreiben will , muß Zusammenhänge und Ursachen erforschen, um die Gegenwart durch die Vergangenheit zu begründen. Daher wurden die wichtigsten Geschichtsdaten , die das Banat und seine deutsche Bevölkerung betreffen, in den Text mit aufgenommen, um die allgemeine Orientierung zu erleichtern. Diesem Zweck dienen auch die vi elen Mosaiksteinehen in Form von handschriftlichem Quellenmaterial , Dokumenten , Karten , Skizzen und Bildern , die dem Leser ein anschauliches, einprägsames Bild von der Gründung des" Teutschen Dorffes Biliet in dem Temesvarer Banat" bis zum heutigen Tage geben soll. Wenn daher neben den enormen Leistungen , die die deutschen Kolonisten im Banat vollbrachten , auch die weniger glücklichen Verfügungen der Temeswarer Landesadministration und des Wiener Hofes sowie die ungeheuren Schwierigkeiten, unter denen die Besiedlung des Banates zu leiden hatte, schonungslos herausgestellt werden, so ist das im Interesse der geschichtlichen Wahrheit. Heute , da die Deutschen in Billed und im ganzen Banat schon im Aussterben begriffen sind, will dieses Ruch von dem Schicksal jener Menschen erzählen, die, fern vom geschlossenen "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation", im Banat, den Lebensraum suchen mußten , der ihnen in der Heimat versagt war. Mit Hochachtung und Sympathie will es von dem großen Abenteuer berichten. das unsere Vorfahren so mutig gewagt und das wir, die Nachkommen dieser Menschen , den ,.Großen Schwabenzug" nennen. Möge es aber auch dazu beitragen, daß so manche edle und große Leistung unserer Ahnen in s Gedächtnis zurückgerufen wird, damit der Reichtum, der heute nicht mehr in unserem Besitz ist, den wenigen noch nachkommenden Generationen nicht als eine Armut überantwortet wird. Für ihr jahrelanges Entgegenkommen und ihre Hilfsbereitschaft möchte ich an dieser Stelle den Herren vom Hofkammerarchiv in Wien , Herrn Direktor Wirkl. Hofrat Dr. Walter Winkelbauer, Herrn Amtsdirektor Erik Günther Schmidt, Herrn DDr. Gottfried Mraz, Herrn Johann Gaussund Herrn Schopf mein en Darik abstatten. 9
Im besonderen Maße gilt mein Dank auch Herrn Direktor Tiberiu Mol vom rumänischen Staatsarchiv in Temeswar für die Anteilnahme und Unterstützung, die er meiner Arbeit zuteil werden ließ. Abschließend habe ich auch jenen, die nicht genannt sein wollen, zu danken , die mich bei meiner Arbeit unterstützten und mir bei der Abfassung mancher Erinnerung behilflich gewesen sind. Allen Landsleuten in der alten und der neuen Heimat, die freudig und selbstlos mitgeholfen haben, dieses Billeder Heimatbuch mit Beiträgen und Bildmaterial auszustatten, sei bei dieser Gelegenheit aufrichtig gedankt. Für die Durchsicht des Manuskripts danke ich Frau Ingrid Stadler sowie Frau Heidelinde Zydek, beide Wien.
Wien, den 29. November 1980, am 200. Todestag der Kaiserin Maria Theresia.
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Ehrenliste Die Herausgabe dieses Heimatbuches wurde in dankenswerter Weise durch Spenden und Darlehen folgender Personen ermöglicht: Spender:
DM
DM
Aigner (Thöres) lngeborg, München 35 Alexius Adam , Mönchengladbach 1.500 Alexius Michael , Schweinfurt 120 Backes Franz, Cincinnati USA 35 Ballmann Hans, Philadelphia USA 200 Bojar Josef, Nümberg 35 Braun Hans Dr. , Reutte/Tirol 1.000 Braun Hans, Sulz- Glatt 50 Braun Hans, Sepp u. Elis. , Worms 305 Braun Katharina, Sulz - Glatt 100 Braun Klaus, Lindeshain 20 Braun Michael , Karlsruhe 35 Burian Peter, München 35 Donawell Franz, Schaitach 10 Eichert Johann u. Elisabeth , Worms 105 Filippi Maria, Chicago USA 40 Fost Franz, Rastau 35 Fost Johann , Karlsruhe 35 Gallo Josef, Wöschbach 20 Gehl Johann , Frankfurt 5 Gilde Johann , Chicago USA 40 Glass Johann u. Juliana, München 35 Glass Nikolaus, Dachau 70 Gross Hans u. Emma, Freilassing 70 Gütt (Holz) Grethe, Laubenzedei 20 Hahn Mathias, Solms- Albshausen 35 Haberehm Barbara, Karlsruhe 35 Hager Johann , Freiburg 85 Hehn Elisabeth, Traunreut 35 Hehn Hans u. Käthe, München 175 Jobba Anna, Landshut 40 Karl Michael u. Angela, Freilassing 70 Kasper Nikolaus, New . Jersey USA 55 62 Keller Johann , Chicago USA Keller Klaus, Equartshofen 70 Klein Elisabeth, Karlsruhe 85 Klein Franz, Wesseling 100 Klein Johann, Wesseling 100 Klein Johann, Reschitz Rumänien 100 Klein Lambert, Augsburg 35 Klein Nikolaus, Bürmoos 20 Klein Theresia, Wesseling 100 Kräuter Jakob, Jagstheim 35 Kräuter Peter, Crailsheim 135 Krier Johann , Karlsruhe 70 Krier Peter sen ., Schweinfurt 100
Krier Peter jun ., Schweinfurt Kupi Josef, Rechberghausen Kuhn Katharina, Forchheim Lang (Braun) Kath. , Riegelsberg Leidecker Jakob, Karlsruhe Leidecker Jakob , Ingolstadt Leidecker Eva, Oberaschbach Leidecker Josef, Oberaschbach Linzer Barbara, Karlsruhe Mann Johann u. Hanni, Erlstätt Mann Peter, Ried/ lnnkr. Mathis Johann, Ried/ lnnkr. Maurer Nikolaus, lngolstadt Mettier Kar) , Carlsburg Metzger Anni , Mannheim Metzger Jakob, Mehring Metzger Johann , Pforzheim Michels Johann , Neutraubling Müller Josef, Harnburg Neumayer Karl u. Helene, Freiburg Nothum Mathias, Harnburg Packi Nikolaus, Gaildorf Pestel (Russ) Elis., Heidelberg Pilli Hans u. Leni , Königsbach Popp (Pritz) Maria, Stuttgart Raab Nikolaus, Cincinnati USA Rademacher Johann , Wöschbach Rieder Jakob, Brunswick USA Rillig Fritz und Hertha, Speyer Roth Jakob u. Anna, Kemei Rugel Michael , Hausharn Sauer Hans u. Maria, Bürmoos Schiller Adam, Ampermoching Schiller Gertraud, Forchheim Schiller Johann, Nümberg Schiller Wilh . u. Resi , Bobenheim Schlarpp Emil , Harnburg Schmidt Adam, Wolfsburg Schneider Nikolaus, Karlsruhe Scholz (Haupt) Helga, Krefeld Schortje Johann , Steinheim Schrottmann Elisabeth, Karlsruhe Schrottmann, Jakob, Karlsruhe Schuster Johann u. Susanna, Simbach Schütz Hermann , Rastau Schwarz Peter, Stuttgart
200 200 35 50 30 100 100 100 100 70 15 35 50 10 35 35 35 25 10 40 35 35 20 500 50 53 35 40 50 70 10 70 35 35 70 350 35 70 50 10 25 35 100 35 25 35 11
Schwarz Nikolaus u. Olga, Augsburg Schweininger Peter, Wesseling Slavik Elisabeth, Stuttgart Slavik Jakob u. Maria, Wals/Sbg. Slavik Johann, Crailsheim Slavik Peter, Speyer/ Rhn . Szlawik Pranz jun., Karlsruhe Steiner Sepp u. Kartharina, Worms Steiner Nikolaus u. Grete, Ratingen Steiner Walter, Leer/Heisfelde Thöres Adam, München Thöres Eduard Dr. , B. Reichenhall Thöres Jakob , Bad Reichenhall Thöres Johann, München
DM 70 75
35 55
35 50 20 100
35 200 100 100 50 70
Nachtrag zur Spenderliste: Flesch Nikolaus, Klingersheim Frankreich
DM35
DM Thöres Jakob, München Thöres Josef Prof., Aufkirchen Thöress Peter, Bexbach Tröster Hans, Georg, Freilassing Weber Maria, Karlsruhe Weber Peter, B., Harzburg Weber Nikolaus u. Susi, München Weiter Barbara, St. IIgen Wilhelm Hans u. Barb. , Freilassing Wittner Josef, Bamberg Wohl Nikolaus, Hohenlockstedt Zirrimer Jakob, ~önigsbach Zimmermann Josef, Frankfurt
Kilzer Mathias, Frankenthai Kiss Ernest, München Leidecker Peter, Schnaitach Muttar Johann. Karlsruhe
35 35 200
35 50 200
35 20
35 100 100 150
35
DM35 DM 50 DM10 DM25
Spender in Österreichischen Schilling Blum Nikolaus, Brunswick USA Feldweber Maria Aloisia, Ried ö Frick Wilhelm, Krumpendorf Ö Keller Johann , Chicago USA Linnebach Pranz, Holzhausen Ö Mann Barbara, Mehrnbach Ö Mann Johann, St. Louis USA Mathis Johann, Ried/Innkr. Ö Maurer Peter, Wien
115 175 25 110
200 25 508 130 200
Neuwirth Susanna, Wien Ö Niecke (Wikette) USA Peter Hans u . Luise, Ried/ Innkr. Reiter Nikolaus, Ried/ Innkr. ö Schortje Jakob, Wien Ö Slavik Jakob u. Maria, Wals/Sbg. Slavik Werner, Wals/Salzburg WeissAnton u. Kathi , Ried Ö
500 40 25 50 150 180 500 175
Darlehensgeber: Für die Endfinanzierung unseres Heimatbuches fanden sich folgende Landsleute bereit ein zinsloses Darlehen kurzfristig zu gewähren: Adam und Käthe Alexius Sepp und Elisabeth Braun Hans und Käthe Hehn Nikolaus und Olga Schwarz Jakob und Maria Slavik Wilhelm und Resi Schiller Pranz und Grete Tobias
Mönchengladbach Worms/ Rhn . München Augsburg Salzburg Bobenheim-Roxheim Dachau-Garmisch
Besonderen Dank gebührt außer allen Spendern und Darlehensgebern auch jenen Personen und Landsleuten, die durch Vorbestellungen die Herausgabe unseres Heimatbuches erleichtert haben. 12
Vorbemerkungen Ortsnamenschreibung Ein besonderes Problem bildete bei dieser Arbeit die Schreibung der Ortsnamen. Sie ist in vielen Quellen, Akten und Karten nicht immer identisch und weicht auch von der heutigen Form und Schreibweise meist ab. Ich habe mich daher entschlossen, für diese "Chronik" die Schreibweise der Ortsnamen, wie sie im Originaltext der Schriften aufscheinen, zu übernehmen, und nichts zu ändern . Eine Ausnahme ist der Ortsname von Billed, den ich in der jeweiligen amtlichen Schreibweise verwende . Die in diesem Buch verwendeten Quellenliteraturen waren in deutscher, ungarischer und lateinischer Sprache geschrieben und krankten alle an einer mehr oder weniger willkürlichen Mischung guter und schlechter Ortsnamen. Vor 260 Jahren begegneten wir im Banat noch zwei nichtlateinischen Schriften , der kyrillischen und der griechischen Schrift. Fremdsprachige Ortsnamen bleiben ,unverändert, wenn sie Latein geschrieben sind, zum Beispiel Ciacova und nicht Tschakowa, Becskerec und nicht Betscherek, um ein möglichst originales Bild der Akten wiederzugeben . Die Übersetzungen von Ortsnamen sind eingeschränkt aufwichtige erklärende Namen, etwa Zagreb=Agram , und in Klammern beigefügt.
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ERSTER ABSCHNITT
Gang durch die Geschichte unserer Heimat bis zur Gründung des "Kronlandes Banat" im Jahre 1716 Geographische Lage des Banates Das Banat liegt am Südostrand der Ungarischen Tiefebene und gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zur österreichisch-ungarischen Monarchie . Es wird im Norden von der Marosch. im Westen von der Theiß. im Süden von der Donau und im Osten vom Siebenbürger und Banater Bergland begrenzt. Das Banater Bergland im Osten gehört zu dem System der Karpaten und erstreckt sich bis an die Donau. Im Osten und Süden ist das Gebiet mit großen Wäldern bedeckt und verfügt über reiche Bodenschätze. Besonders an seiner Westabdachung liegen eine Reihe bedeutsamer Anlagen, so die Kohlen- und Erzlagerstätten von Dognatschka. Orawitza, Reschitz und Steierdorf sowie die Hüttenund Metallindustrie von Reschitz. Alles Betriebe. die schon im 18. Jh. von deutschen Bergleuten zum Teil errichtet und zum Teil wieder in Betrieb gesetzt wurden. Im Westen ist das Banat flach und eben mit fruchtbaren Böden . Hier herrschte noch bis ins späte 18. Jh. die Grassteppe als natürliche Pflanzenformation vor. Erst durch die Ansiedlung und den Einsatz von deutschen Kolonisten im 18. Jh. wurde diese Steppenregion kultiviert und bebaut. Derzeit gehört der östliche Teil des Banates mit seiner Hauptstadt Temeswar zu Rumänien. der westliche Teil zu Jugoslawien. Nur ein kleiner Teil im Nordwesten des Banates ist nach dem Ersten Weltkrieg bei Ungarn verblieben. Die nördliche Grenze des Landes wurde weiter nach Norden verlegt. so daß heute nicht mehr die Marosch die Grenze bildet.
Geographische Lage von Billed Geographisch gesehen liegt der Ort im westlichsten Zipfel von Rumänien , in der Dreiländerecke von Rumänien, Ungarn und Jugoslawien. Er befindet sich 28 Kilometer nordwestlich von Temeswar, an der Landstraße nach Groß-St.-Nikolaus, der ehemaligen Wiener Reichsstraße . Der Ort Billed liegt im Ortskern. bei der Kirche, 90 m [288 Fuß] über dem Meeresspiegel. Seine höchste Lage erreicht er am Kneser Kreuz mit 93 m und seine niederste im Westen, am Großjetschaer Kreuz. mit 87 m. An dem Wegekreuz nach Alexanderhausen. im Norden von Billed. wurden 91 m gemessen. [Vgl. Karte von Billed] . Auf dieser Karte. die im Jahre 1881 entstanden ist. liegt der Ort Bi IIed 38 Grad 37 Minuten östlich von Fe r r o und 45 Grad 53 Minuten nördlicher Breite. Auf den neueren Karten finden wir Billed 20 Grad 54 Minuten östlich von Greenwich und 45 Grad 46 Minuten nördlicher Breite.
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Das Klima im Banat Das Banat liegt an der Grenze dreier Klimagebiete . Es berührt die Klimagebiete Mittel- , Ost- und Südeuropas. Am geringsten sind die Einflüsse des Mittelmeerklimas. Besonders stark wirken sich trotzder vorgelagerten Karpaten die klimatischen Einflüsse aus dem Osten aus. Das Klima im Banat ist ausgesprochen kontinental mit sehr heißen Sommern. Infolge der südlichen Lage ist der Winter jedoch wärmer als in den übrigen Teilen des großen ungarischen Tieflandes. Die durchschnittliche Jahrestemperatur wird für den westlichen Teil des Banates mit+ 10,4 oc gemessen. Das Bergland weist eine Jahrestemperatur im langjährigen Durchschnitt von 9 Grad auf. Nur in einem schmalen Streifen im Süden. entlang der Donau , erreicht sie 11 Grad. Die in der Temeswarer Wetterstation seit 1912 gemessenen Niederschläge zeigen jahreszeitlich große Schwankungen und ergeben mit Schmelz- und Regenwasser von den Bergen hohe Grundwasserstände im Frühjahr, und niederschlagsarme und nicht selten Trockenperioden im Sommer. Für den westlich von Temeswar und Arad gelegenen Teil , also auch für Billed, können auf Grund dieser Messungen durchschnittliche Jahresniederschläge von 622 bis 642 Millimeter verzeichnet werden. In den östlichen Teilen. in Richtung Karpaten, steigt diese Menge auf 700 bis 800 Millimeter an .
Der Name "Banat" und sein Ursprung Zur Zeit der Gründung der ungarischen Monarchie unter Stephan I. dem Heiligen
[997- 1038] war der Kern des heutigen Banats das Fürstentum Csanad unter dem Fürsten Achturn . Im Mittelalter gab es kein Banat unter diesem Namen . Auch nicht ein einziger Graf von Temes nannte sich "Ban". Vor der Herrschaft der Türken in Ungarn zerfiel das Banat in die Komitate Temes. Csanad und Severin. Zu letzterem gehörten noch Karansebes, Mehadia, Orsova und die alte Festung Severin in der Nähe der Traianischen Brücke. Schwicker 1 erklärt den Namen "Banat" fo lgendermaßen: Während der Türkenherrschaft hatten die Fürsten von Siebenbürgen jenen gebirgigen Teil des Severiner Banats. das sich zeitweise bis in die kleine Walachei erstreckte. für kurze Zeit besetzt. Einegenaue Bestimmung der Grenzen dieser Verwaltungseinheiten ist in folge des Fehlens entsprechender Quellengrundlagen in allen Einzelheiten heute nicht mehr möglich. Die Verwalter in diesem Gebiete regierten im Namen des Fürsten uhd hatten ihren Sitz in Karansebes. Der letzte dieser Verwalter. Paul Nagy. der im Jahre 1642 noch am Leben war. hatte den Titel " Ban". Von hier aus soll sich der Name auf das ganze Gebiet bis zur Theiß und Marosch ausgedehnt haben . Nach Ansicht des Gelehrten Slawisten Schaffarik, ist der Titel Ban [Bajan] avarischen Ursprungs und war zuerst in Chorwatien üblich , von da ging er zu den anderen Slawen über. Der Name "Ban" bedeutet soviel wie Fürst, Herzog. Herr. Die Bane von Severin. Machov. später die von Lugos und Karansebes bekleideten ein Amt, das mit dem eines deutschen Markgrafen auf gleiche Stufe zu stellen wäre. Das Banat würde also "Markgrafschaft" bedeuten. Nach der endgültigen Vertreibung der Türken und dem Friedensschluß von Passarawitz [21. 6. 1718] wurde die Landschaft zwischen Donau, Theiß , Marosch und Karpaten in ihrer Gesamtheit zu ärarischem Besitz erklärt und als kaiserliche Provinz verwaltet. Für dieses Gebiet wurde damals zum ersten Mal der amtliche Name "Temeser Banat" eingeführt. Der Zeitgenosse des Kaisers Karl VI.. Marsigli. nannte das Banat "Banatus Temesvariensis" und am Ende der Türkenherrschaft bekam es den Namen ,.Temesi Bänsäg" [Temeser Banat] .
' Schwicker, Joh. Heinrich: Geschichte des Temeser Banats, Groß Becskerek 186 1, S. 299.
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Die Zeit der Jäger, Fischer und Sammler ,,An ihren Gräbern sollt ihr sie erkennen", so möchte man beim Gedanken an die vielen Fundstellen von Skeletten in und um Billed in Abänderung des Bibelwortes sagen. Zeugnisse wechselvoller und unruhiger Zeiten, denen auch das Geheimnisvolle nicht fehlte. Die Ureinwohner des Ban ates sind seit Jahrtausenden verschwunden , aber ihrer Hände Arbeit und ihre Gebeine, welche in den Erdschichten eingebettet sind, sind uns erhalten geblieben. Die Bewohner um die Sümpfe und Wasserstauungen der heutigen Marasch und des Jergrabens von Knes, Pakacz, Billed bis Kleinbetschkerek hatten bestimmt ein wechselvolles, aber unbekanntes Schicksal. Die Teiche und Lachen im großen und kleinen Ried , im Hufeisen und auf der In sel. die von Schilfrohr und Binsen umsäumt und von Wasserpflanzen bedeckt waren , boten nicht nur Fischen , sondern auch Wasservögeln und anderem Wassergetier reiche Nahrungsgrundlage. Die Lagerplätze mit ihren Wasserstellen gaben den Naturmenschen außer Nahrungsgrundlage auch 'noch einigermaßen Sicherheit. Bedauerlicherweise sind uns überhaupt keine Details aus jener Geschichtsepoche über diese Menschen bekannt. Die Gräberkunde in unserer Heimat war bis vor kurzem noch so gut wie unbekannt. Besondere Ehrfurcht hatten unsere Eltern und Großeltern vor menschlichen Skeletten. Im unermüdlichen Arbeitseifer beachteten sie die Funde auf den Feldern nicht. Rätselhaft wie die Skelette selbst ist ihre Herkunft. Wer waren diese Menschen. wie lebten sie, wer hat sie beerdigt? Das sind alles Fragen . die noch keine definitive Antwort erhalten haben. Laut Borovsky 1 wurden am 1. Juni 1877 in der Nähe der Gemeinde Billed durchlöcherte Schnecken gefunden, die als Überreste eines vorgeschichtlichen Frauengrabes angesehen wurden . Beim Aufschütten des Eisenbahndammes im Jahre 1895 fand man dort eine alte Grabstätte. Im Jahre 1928 stieß man beim Neubau eines Hauses auf dem Grundstück der Familie Betsch (235] auf sechs Gräber, die, nach den Grabbeigaben zu beurteilen, der Zeit vor Christi Geburt zugesprochen werden können. Das Grab befand sich ca. 80 cm unter der Erdoberfläche, 1 m von der Gassenfront und 3m von der Grundstücksgrenze des Hauses Nr. 234. Die Skelette hatten gestreckte Rückenlage, mit den Armen längs des Körpers, Kopf im Osten, Gesicht nach dem Westen . Holz- oder Textilienfunde wurden keine gemacht. Jedes der Skelette hatte ein Tongefäß , in dem sich die Wegzehrung bei der Beerdigung befand. Die meisten der Gefäße waren allerdings im Laufe der Jahre gebrochen. Eine dieser Schalen war noch im Jahre 1940 in meinem Besitz. Die Form der Tonschalen war rund, die Standfläche hatte einen Durchmesser von ca . 100 mm , sie weitete sich trichterförmig nach oben aus und hatte dort einen Durchmesser von ca. 120 mrn . Die Höhe betrug ca. 40-45 mm, die Wandstärke war ca. 10- 12 mm . Die Oberfläche war rauh , Farbe rotbraun. Deckel war keiner dabei. Wahrscheinlich wurden die Schalen schon auf einer Drehscheibe geformt. da sie sehr schön rund waren . Sie hatten keinerlei Verzierungen , keine eingeritzten geometrischen Figuren, keine Farbmalereien und keine Glasuren. Nachdem das Grab von Fachleuten aus Temeswar und von der Gendarmerie besichtigt worden war, wurden die Skelette. in einer Holzkiste verpackt, auf dem Sauerländer Friedhof beigesetzt. Welcher Zeit das Grab zuzuordnen war, konnte niemand erklären. Nur zwei Jahre später fand man bei Erdarbeiten im Kirchengarten, also nur 80 m von der ersten Fundstelle entfernt. ein zweites Grab. Es befand sich in der Ecke. in der die Schule und die Pfarrgartenmauer zusammenstoßen. Diese fünf Skelette hatten gestreckte Rückenlage. Blickrichtung nach Westen. und lagen nur ca. 40 cm unter der Erdoberfläche. Von Grabbeigaben und Zehrgeld ist mir nichts bekannt. Es waren keine Kriegsgräber. sondern ordentliche Bestattungen. wahrscheinlich rund um ihre Wohn stätten.
1
Borovsky, Samu: Die Komitate und Städte Ungarns, Band 18, Torontaler Komitat. Budapest o. J. [1912] S. 322 [U .O. ll.1 4] un g.
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Die ,.Grabhügel" um Billed Die ältesten . noch heute erh altenen. lebendigen Zeuge n der Besiedelung sind die Awarenoder Türk enhügeL die um Billed li egen . Di e im Volk bekanntesten waren der .. Mässebachs Hiwi " in Richtung Kl einje tscha gelegen. dann gab es den .. Schorsche Hi wi" in Ri chtun g Kn es gelegen und nicht zule tzt den Billeder Kal varienberg [s. Karte von Bill ed] . Die Hö he dieser kegelfö rmigen Hügel. di e über di e ganze Heide ve rstreut sind. beträgt 8- LO Meter. Sie bilden eine ununterbrochene Kette von vielen solcher E rdh aufen. di e sich aus dem Banat ü ber das Bih are r Komitat bi s nach Szathm ar erstrecken . Von ihnen hatte man ein e Sichtweite bi s zu 12 Ki lome ter. Man hat versucht, di ese E rh ebungen ihrer Entstehung nach zu klä ren . Bi s heute kann m an noch nicht mit Sicherheit sagen, ob sie von Menschenhand oder von de r Natur geschaffen wurden. Den Z eitpunkt ihres Entstehens hat man in di e Eisenzeit, 800 bi s 400 v. Chr. , auch H all stattzeit genannt, verlegt. Einige Fo rscher gehen noch weiter zurück und schreiben di ese noch älte ren nom adi schen Völkern zu, di e sie nach und nach auf ihren Streifz ügen aufführten , um einen allgemein en Samm elplatz, einen erhabenen Wohno rt für ihre Heerführer und ihre Gö tzenbilder zu haben . Aber nirgends hat man noch eine Spur von einem Gebäude, ein em Altar oder einem Götzen in diesen Hügeln gefunden, wohl aber in der nächsten Umgebung. Auch hat man kein en Überrest eines alten Leichn ams entdeckt , der di e Sage bestä ti gen könnte, daß unter di esen Hügeln die erschlagen en Soldaten oder durch Krankh eit aufgeri ebene Völker begraben li egen . In der näheren Umgebung hat man schon viele alte G räber entdeckt, in den Hügeln selbst aber noch ni emals. Alle Menschenkn ochen, die man hi er und da in den Hügeln gefunden hat, sind erst zu einem viel spä teren Zeitpunkt dort beigesetzt wo rden, als man die Hügeln als Begräbni sstä tten benutzte. Noch in den vierziger Jahren di eses Jahrhunderts sti eß man auf den Feldern um den Kalvari enberg in den Ackerfurchen auf menschliche Skelette und Kn ochen . Als im Jahre 1939 die Billeder .. Vormilitärische Jugend" auf dem Felde um den ..Schorsche Hiwi" Schützengräben un d Panze rfall en anlegte . wurden viele Skelette gefund en. Z utaten oder Grabbeigaben fehlten .
Die Röm erschanzen und Awarenringe bei Billed O b di e sogenannten Römerschanzen in der Tat als Werke der Römer oder ob sie als Werke der Awaren be trachte t werden. in beiden Fäll en waren sie als Vert~idigungslini en gegen Überfä ll e der Feinde erri chte t worden . Di ese Wälle bilden im Banat drei parallele Lini en von den Ufern der Marosch bis an di e Donau . Auf de r Karte des Temeschwarer Distrik ts aus dem Jahre I 72 0. auf dem letzten Vorsatzbl att dieses Buches. sind di e letzten Ü berbleibsel der dritten Lini e. zwischen Bill ed und Hodoni . noch sehr deutli ch zu sehen . Auf der di esem Buch beiliegenden Karte von Bi II ed aus dem Jahre 188 1. find et sich noch ein e Eintragun g .. Sch.anzgraben". Di e Römersch anze kam also von Lippa über Vinga, Monostor. Parazhausen. Kn es bi s nach Bill ed . Es herrschte auch di e Meinung. daß es kein e Verteidigun gsanl agen waren. sondern von den Römern erbaute Straßen . Bekanntli ch führ en aber di e Straßen am Sumpf vorbei un d ni cht in den Sumpf. Mittelpun kt des Awa renreiches war bei Temeswar . Reste von Awarenringen waren noch um das Jahr 194 0 östli ch von Bi II ed. zwischen Vinga und Mercvdorf. zu sehen. Diese ein st 3- 4 m breiten Geländerücken sind heute fas t überall ~durch Ü ber;ckerun g ve rschwunden .
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Die Bevölkerung des Banates vor 1716 Jahrhundertelang sind hier verschiedene Völker aufeinandergeprallt und haben sich in grausam geführten Kriegen gegenseitig vernichtet. Es ist ein erhabenes Naturgesetz, daß alles Geschaffene und Entstandene wieder vergehen muß , sowohl die Sache des einzelnen wie die der Famili e und des Volkes, um neuen , nachkomm enden Gen erationen und Völkern Platz zu machen. Dakier, Awaren, Hunnen, selbst die weltbeherrschenden Römer, die alle einmal im Banat zu Hause waren , sind fast spurlos verschwunden und haben den heute hier lebenden Völkern den Platz geräumt. Immer aber hat in diesem ewigen Kreislauf der Natur das Stärkere das Schwächere aufgesogen. Von der im Laufe der Zeit geschaffenen Kultur der verschiedensten Mischungen und Nuancen erzählen uns noch heute die Orts- , Flur- und Flußnamen ; sie sind ein lebendiges Denkmal der Banater Geschichte. Auch heute noch leben hier deutsche, rumänische, ungarische, serbische, bulgarische und viele andere Volksgruppen neben- und miteinander. Der Grieche Herodot [500- 424 v. Chr.], der "Vater der Geschichte", berichtet über die goldtragenden Agathyrsen, die gegen Ende des 6 . Jh.s v. Chr. als friedfertiges Volk in der Gegend des späteren Banats und Siebenbürgens lebten . Ihnen gehörten die Stämme der Thraker und Illyrer an. Ein Stamm der Thraker waren die Dakier, die im Banat ein sehr geordnetes Staatswesen aufgebaut hatten. Drei ihrer fünfzehn Stämme, die Alboker, Salder und Potuler, hatten ihren Wohnsitz im Banat. Das Banat. die Walachei , die Moldau , Siebenbürgen und ein Teil von Ostgalizien mit der Bukowina bildeten ihr Reich . Di e Dakier nutzten den reichen Bergsegen und führten ein kultiviertes Leben. Einige Stämme machten auch Raubzüge in die Nachbargebiete. Um 400 v. Chr. vollzog sich eine Wanderung der Kelten nach Osten bis in di e Balkanländer und auch in das heutige Banat. Von den Kelten dürften die ersten Städtegründungen herrühren . Im 1. Jh . v. Chr. drangen die Römer bis an die Donau vor. Die Besitzverhältnisse der Dakier erregten ihre Aufmerksamkeit und deren Raubzüge ihr Bedenken. Das Dakische Gold lockte römische Werkleute, Baukünstler und Soldaten ins Land . Der Spanier Marcus Ulpius Traianus, Gründer der römischen Provinz Dakien, begann 101 n. Chr. den Krieg gegen die Dakier, der im Jahre I 07 zu Ungunsten der Dakier ausfiel und das Ende ihres Stammes und Staates bedeutete . Zwischen Donau und Theiß und auch jenseits der Theiß, im Banat, waren die Jazygen in der Zeit von 20 bi s 50 n. Chr. vom Asovschen Meer kommend vorgedrungen.
Die Römer im heutigen Banat Aus dem Lande der freien Dakier wurde eine römische Provinz, welcher ein römischer Statthalter vorstand . Die Bevölkerung war durch Kriege und Abwanderung stark gelichtet. Traian verpflanzte Zwangssiedler aus allen Teilen des römischen Reiches, zumeist Asiaten , nach Dakien. Die Römer stützten sich dabei auf ihre unnachahmliche Fähigkeit zu assimilieren. Die 20 Millionen Römer beherrschten 130 Millionen Sk laven . Das römische Weltreich erreichte damals seine größte Ausdehnung. Die Römer sicherten dieses Gebiet vor dem Zugriff der Steppenvölker durch die Errichtung von Wallanlagen , den Römerschanzen. Sie bauten Straßen und Brükken , gründeten Städte und ersch lossen Bodenschätze. Durch Apollodar erfolgte damals bei Orschowa der Bau der steinernen Brücke über die Donau. Die Flußschiffahrt der Römer nutzte die alte Handelsroute Marosch-Teiß , di e aus dem reichen Siebenbürgen ins Banat führte . Temeswar war die erste Station, wo der Osten sich mit dem Westen berührte. Dort gründeten die Römer ihre "Mansio Tibiscum". Nach Kernetmüller ist Temeswar damals aus einem römischen Castrum , einem befestigten Militärlager , hervorgegangen , das Kaiser Traian im Jahre 106 erbauen ließ . Die Anlage des Castrums hängt mit der gleichzeitigen Errichtung der sogenannten Römerschanzen zusammen , die das Banat in drei hintereinander verlaufenden Parallelen in nordsüdlicher Richtung durchqueren. Da, wo die mittlere Römerschanze von der Marosch über Aliosch kommend den Lauf der Bega durchschnitt und eine mittelpunktartig gelegene, strategische Stelle bildete, ist auf Traians Geheiß das Castrum mit dem Namen Zambara ent19
standen . Aus solch en Soldatenlagern entwi ckelten sich auch di e Städte Trier, Köln , Kobl enz. Mainz, Straßburg, Augs burg, Regensburg, Passau, Wien usw. Di e Röm er gli ederten die Provinz Daki en in Daci a inferior (=Nieder-Daki en), von der Tsch em a bis zum Altfluß , das transilvanische Kernland hi eß Dacia superi or (=Ober-Daki en), der Teil südlich der Marosch wurde bi s an di e Theiß der Provinz Moesia superi or (=Ober-Moesien) angeschlossen. Di eser Teil südli ch der Marosch, das spätere Temeser Bana t, hi eß Dacia ripensis, aus pem folgende Siedlungen entstanden sind: Csernes, Margum , Arcidara, Turris litterata, Centum putea, Bersovi a, Actaquas an der Cserna, Mori senum , Tibiscum und Zambara, das spätere Temeswar, heute Timi ~oar a . Di e Heilkraft der Quellen von Busiasch und Mehadi a ( =Herkulesbad) wurden dam als schon erkannt und ausgewertet. Ebenso wurden di e Bodenschätze an acht verschi edenen Stellen ausgebeutet. Kaiser Aurelius gab unter dem Druck der German en in den Jahren 270 - 275 das Banat prei s. Daki en selbst und auch das Banat wurden eine Beute und Heimstätte germ ani sch er Völkerschaften .
Das Banat unter der Herrschaft der Germanen Die Heimat der o s t g e r m a n i s c h e n S t ä m m e erstreckte sicll von der Weichsel bi s zum Schwarzen Meer und an die Donau, von Danzig bi s Pommern , von Stolp bi s nach Rügen und südlich bis nach Schl esien. Der Geschichtsschreiber Prokop, der Gelegenheit hatte, mit vielen Ostgoten, Wandalen, Rugen, Herulem , Gepiden zu verk ehren. bezeugt es, daß von jeher ein e Vielzahl von Völkern unter dem Namen "Goten" zusamm en gefaßt wurden. Die größten und bedeutendsten waren di e O stgoten, di e Wandalen, di e Westgoten und di e Gepiden. Di e Sueben [Markomann en, Quaden) wohntenan der unteren Don au mit den Wandalen in enger Nachbarschaft . Wahrscheinli ch mit anderen goti schen Völk ern zog ein Teil der Herul er [von goti sch hairu , Schwert) von der Ostsee an di e Don au. Landnot, Nahrungsmangel, Naturkatastrophen, aber auch Abenteuerlust veranl aßten ganze Stämme oder Gruppen zur Wanderung. Allmählich erreichten sie di e Donau un d das Schwa rze Meer. Die Wandalen li eßen sich gegen Ende des 2. Jh .s an der Theiß nieder. Di e weiten E benen an der unteren Donau, am Schwarzen Meer sowie an der Theiß besiedelten zeitweise die West- und Ostgoten. Di e Äcker wa ren Gemein besitz, der alljährlich neu verteilt wurde ; Vi eh, Haus un d Hof waren Eigentum , Privatbesitz der einzelnen Famili en. Viel wichtiger als der Ackerbau war die Vi ehzucht. Das Vieh bedeutete für den Germ anen Geld und Besitz. Salz, Metalle und Schmuck tauschten sie von Wanderhändlem ein . Handwe rker gab es nur ein en, den Schmi ed . Das Banat, unter der Herrschaft der Ostgoten mit ihrem König E rmanerich stehend , wurde im Jahre 375 n. Chr. Schaupl atz einer der schwersten Invasionen durch die Hunn en. Das Ostgotenreich, das sich von der Ostsee bi s zum Schwarzen Meer ausgedehnt hatte, wurde durch den Hunn enanprall zertrümmert . Die Festsetzung der Hunn en unter Attil a hatte eine Flucht fas t der gesamten Bevölkerung zur Folge . Mit seinen wilden Horden eroberte er ein großes Reich, das vom Kaukasus bi s nahe an den Rhein , von der Donau bi s nach Norddeutschl and und Polen reichte. Aus dem Ban at und aus der ungarischen Tiefebene untern ahm en die Hunn en und ih re Verbündeten Plünderungszüge. Si e verni chteten auch das Reich der Burgunder am Rhein mit der Hauptstadt Worms. Ö stlich von Paris kam es 45 1 n. Chr. zu einer Schlacht - Asien und E uropa kämpften um Leben und Tod- die die Hunn en verl oren. Das gewaltige Hunn enreich brach zusammen. Nach dem E infall der Hunnen aus Asien begann in Europa die Völkerwanderung. Die Goten, aus dem Schwarzmeergebi et verdrängt, zogen nach Itali en. Ihnen folgten di e Langobarden, die sich etwa 60 Jahre hi er aufgehalten hatten. Die Westgoten fanden im Oströmi schen Reich Aufnahme. Si e wurden in der Provin z Mösien, im heutigen Bulgarien, angesiedelt . Unter ihrem Heerkönig Alarich eroberten sie Rom . Ihr Bisch of Wulfil a [Ulfilas), geboren in Gothien [Da20
cien] im Jahre 3 11 , weilte im Jahre 335 mit der goti schen Gesandtschaft in Byzanz. Er übersetzte den Germ anen die Bibel in ihre Sprache und wirkte als Missionsbischof sieben Jahre nördli ch der Donau. Nach der Niederlage der Hunnen herrschten im Bana t die germ ani schen Gepiden. Wieder bricht ein Reitervolk aus dem Osten ein . der turkotatarische Stamm der Awaren. Sie errichteten im 7. und 8. Jh . im Banat und in der ungarischen Tiefeben e ein Reich , dassich im Westen bis in das heutige Niederösterreich erstreckte. Da die Awaren als Nom aden kein en Ackerbau treiben wollten , nahm en sie massenhaft kri egsgefangene Slawen in s Land , zur Anlage von Siedlun gen und Feldbebauung. An die Awaren erinn ern un s im Banat heute noch die sogenannten " Awarenringe" , die sie zum Schutz ihrer Siedlungen anl egten . Während der Völk erwanderun g zogen die Awaren und Slawen bis an die Enns nach Oberösterreich. [Am Ende des Zweiten Weltkrieges, im Mai 1945 , trafen sich hi er an der Enns die Russen und Amerikaner, und der Fluß bildete die Demark ationslinie zwischen Ost und West!] Karl der Große. der Schutzherr ein es gewaltigen Reich es und Schirmherr der Christenheit, schläg t die heidnischen Awaren in den Jahren 79 1 und 796. Erst durch di esen Si eg wurden sie bis an die Raab im heutigen Ungarn zurückgedrängt und aus Mitteleuropa vertrieben. Für di ese große Leistung setzte der Papst zum Weihn achtsfest des Jahres 800 Karl dem Großen die Kron e aufs Haupt und huldigte ihm durch einen Kni efall. Nun war der fränkische König Römischer Kaiser geworden . Viele deutsche Herrschergeschl echter, darunter auch die Habsburger, trugen diese Krone nach Karl dem Großen.
Die Bulgaren und Slawen im Banat Als Kar) der Große das Awarenreich vernichtete, gelangten im Banat die Bulgaren an die Macht und Alleinh errschaft. Noch zur Zeit des ungarischen Königs Stefan, also um das Jahr I 000. herrschten von der Marosch bis Widdin die Bulgaren. Erst als Stefans Heerführer Csanad, im Jahre I 030, den Fürsten Achturn [Achtwin] den Feldherrn der zwischen Donau-Theiß und Marosch ansässigen Stämme überfiel und in ein er Schlacht bei Groß St. Nikolaus besiegte, übe rnahmen die Ungarn die H errschaft auch in di esem Gebiet. In jene Zeit dürfte der reichste und wertvollste Altertumsfund im Banat, der Goldschatz von Groß St. Nikolaus, gehören. Er wurde erst im Jahre 1799, in der Zeit der Habsburger, gefunden und wird in Wi en , im Kun sthi storischen Museum , aufbewahrt. Er um faßt 23 goldene Gefäße mit einem Gesamtgewicht von nahezu 10 kg [9926 g]. Das Gold hat ein en durchschnittlichen Feingehalt von 20 bis 22 Ka rat und die Gefäße ve rraten ein e souveräne Beherrschung der Goldschmi edetechnik . Die Bevölkerung des Ban ates war dam als vorwiegend slawisch [bulgarisch], wie dies auch di e Ortsnamen , welche der anonyme Notar Bela's 1 um das Jahr 1200 aufzählt, beweisen: Orsova, Kenes, Horom , Beg, Bulgarus, Lovren, Rekasch . Si e fri steten in kümmerlichen Erdlöchern ein mehr als kärgliches, nom adisches Dasei n . Die Wohn stä tten dienten damals mehr zum Schutze gegen schlechte Witterung und Widerwärtigkeiten als zum Wohnen im heutigen Sinne. In den ersten Jahrhunderten nach Chri sti Geburt lebten im Osten Europas mehrere Völker, die die gleiche Sprache und Kultur hatten. Es waren Stämme der Russen, Polen, Tschechen , Slowake n, Morawer [Mährer], Serben. Slowenen und Kroaten , die in den weiten Ebenen Osteuropas siedelten . Sie werden als Slawen bezeichnet. lebten in großen Dorfgemeinschaften und betrieben Ackerbau und Viehzucht. Gegen Ende des sechsten Jahrhunderts wurden sie, wie schon erwähnt, von den Awaren unterworfen . 1
Der anonyme Notar des Königs Beta 111 . [ I I 72- I 196] berichtet über die Gründung des Staates Ungarn in seinem Buche ,.Gesta Hungarorum".
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Die Madjaren kommen nach Europa (893) Das Volk der Ungarn wurde im Jahre 893 aus dem Gebiet zwi schen Don und Dnjepr von den Petschenegen vertrieben und ließ sich an der mittleren Donau nieder. Es hatte das ehemalige Awarenland in Besitz genommen. Keine geschlossene Bevölkerung stellte sich ihnen entgegen, keine wesentliche Schlacht wurde gesch lagen . Reste der alten Gepiden und Awaren sowie die von den Awaren angesiedelten Slawen waren über die weiten Steppen spärlich verbreitet. Als sie nach der Besitznahme des Tieflandes zwischen Donau und Theiß (Batschka) auch das Banat in ihren Herrschaftsbereich zogen , bedrohten sie in kriegerischen Zügen ihre Nachbarn . Ihre Vorstöße richteten sich auch von der Donau weiter nach dem Westen , gegen die Ostmark des Reiches. Mit ihren wilden Reiterscharen überfielen sie mordend und plündernd deutsches Land und vernichteten die Klöster und die christliche Kultur. Im Jahre 907 gelingt es ihnen , die karolingische Ostmark zu zerschlagen. Kaiser Heinrich I. schlug sie im Jahre 933 mit seiner schweren Reiterei an der Unstrut. Doch erst im Jahre 955 wendete sich das Blatt, als Kaiser Otto I. di e Madjaren vernichtend in der Schlacht auf dem Lechfelde, südlich von Augsburg, schlägt. Für die Ungarn bedeutet diese Niederlage jedoch die Seßhaftwerdung und den Anschluß an den christlich-abendländischen Kulturkreis. Dermadjarische Fürst Geisa nahm das Christentum an und gli ederte sein Land nach fränkischem Muster in Grafschaften und Komitate. Sein Sohn Stefan , später der Heilige, sicherte sich durch politisches Geschick die Anerkennung seines Königtums. Unter seiner Herrschaft nahmen die Ungarn das Christentum an, doch hatte er mit heidnisch gebliebenen madjarischen Stämmen heftige Kämpfe auszutragen. Die Madjaren zogen aber nicht nur nach Westen in ihren kriegerischen Zügen , sondern auch nach Osten, in das spätere Banat. Schon im Jahre 895 , also zwei Jahre nach ihrer Ankunft und Niederlassung zwischen Donau und Theiß, beauftragte ihr Fürst Arpat seine Heerführer Zuard, Hadusa und Bojta mit der Eroberung des Banats. Diese übersetzten bei Kanizsa die Theiß. überschritten den Sestureg-Bach und die Bega und besiegten am Temeschfluß die verschiedenen Völker, welche sich ihnen dort unter dem Bulgarenhäuptling Glad entgegenstellten . Achturn (Achtwin) , der Fürst und Heerführer der zwischen Donau. Theiß und Marosch ansässigen Stämme, herrschte zur Zeit des Königs Stefan, um das Jahr 1000, von der Marosch bis Widdin, also im Banat. Als im Jahre 1030 Achtums Heerführer Csanad zu den Madjaren übergelaufen ist, betraute König Stefan diesen mit der Führung seines Heeres gegen Ach turn . Csanad überfiel das Lager Achtums bei Öß. In der Sch lacht zwischen Groß St. Nikolaus und Triebswetter ist Achturn gefallen und sein Heer wurde besiegt. Die Hauptstadt Achtums, Morissenum , wurde auf Befehl des Königs n'ach dem Sieger Csanad benannt und aus dem eroberten Gebiet wurde das Komitat Csanad gebi ldet. König Stefan ließ in Csanad ein Bistum grü nden, dessen erster Bischof der langobardische Benediktiner-Mönch Gerhardus aus Sagredo bei Venedig wurde. Dieser hat mit einer Schar Klosterbrüder die Bekehrung der Heiden und Griechen im Banat betrieben und in Csanad eine Schule errichtet. An dieser Schule unterrichteten die deutschen Mönche Heinrich und Walter. Das Komitat und Bistum Csanad , der Name Banat war damals nöch unbekannt, wurde bald in kleinere Komitate und diese in Dekanate unterteilt. Das Komitat Temes wurde urkundlich im Jahre 1175 zum ersten Mal erwähnt. Aus einer Urkunde im Stift Heiligenkreuz bei Wien aus dem Jahre 1203 geht hervor, daß der Sitz der" Temeser Gespanschaft" am Anfang des 13 . Jh .s in Kubin war und" Tymisiense Comite" hieß. Das Komitat Krasso, mit dem Sitz im Mezö-Somlyo wurde im Jahre 1205 und Keve, mit dem Sitz in Kubin, im Jahre 1209 genannt. Erst später, im Jahre 1326, entstand das Komitat Torontal, mit dem Hauptort Becse. Das Komitat Temes war das größte und zog sich von Kikinda über Temeswar, Lugosch , Karanscbcs bis an die Donau nach Orschowa hin . Torontal war das kleinste Komitat und umfaßte die Gegend von Betschkerek, Becse und Modosch . Keve breitete sich von Kubin nach Pancsova gegen Norden aus . Krasso lag zwischen dem Fluß Berzava und der Donau, von Dubovaz bis unterhalb Moldowa. Das linke oder südlich e Maroschufer gehörte zu den Komitaten Csanad und Arad , welches im Jahre 1214 zum ersten Mal erwähnt wird. Um diese Zeit war die Bevölkerung des Banates vorwiegend 22
slawisch (bulgarisch). Es ist erwiesen, daß sich schon im Mittelalter an der Stelle des heutigen Billed eine Siedlung mit dem Namen Bi II y e d erhob. Über die Gründungszeit dieser Siedlung blieben uns leider keine Daten erhalten. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen , daß im Jahre 1175, bei der erstmaligen Erwähnung des Komitates Temes, auch Billyed bereits bestanden hat. Der Tatareneinbruch im Jahre 124 1 zerstörte zum Teil die Stadt und Festung Csanad und die Abtei Egrcs . Ein Unglück kommt selten allein und so kamen noch im selben Jahr die den Madjaren verwandten Kumanier und Petschenegen aus der Mongolei und ließen sich im Banat nieder. Ihre Hauptorte waren Altbeschenowa, Neubeschenowa und Mokrin , wo sie auch ihren "Stuhl" [Szentelt Szek] hatten . Um diesen Stuhl hatten sie ihre kumanischen Kapetaniate gebildet. Vor ihnen waren schon die Bessier in diesem Gebiet und so kam es immer wieder zu Reibereien zwischen beiden Gruppen. Da di e Kumanen ein Nomadenleben führten, wurde ihnen im Jahre 1279 durch den Reichstag befohlen , sich ständig niederzulassen. Daraufhin vernichteten sie die Güter und Besitzungen der Familie Csanad am linken Maroschufer. 1285 brachen die Nogaischen Tataren , aus Siebenbürgen kommend , im Ban at ein und belagerten Lippa. Bezwingen konnten sie es nicht. Durch sein e Ehe mit der Prinzessin Gisela, der Tochter des Herzogs von Bayern , knüpfte Stefan der Heilige sehr enge Beziehungen zu den Deutschen . Der Prinzessin folgten die Ritter, Handwerker und Bauern in das Land. Auch di e späteren ungarischen Könige zogen Deutsche und mit ihnen abendländische Kultur und Zivilisation in ihr Reich . Im 12. Jh. erfolgte die Besiedlung Si ebenbürgens mit Deutschen , den späteren Siebenbürger-Sachsen, die im Jahre 1224 die Selbstverwaltung erhi elten. Am Anfang des 14. Jh .s war die erste Blütezeit Temeswars. Im Jahre 1308 wurde Kar! Robert von Anjou mit Hilfe des Paps tes König von Ungarn. Da er sich im Kampf gegen die Feudalherren in Ofen nicht sehr sicher fühlte, befestigte er Temeswar im Jahre 1316 und zog dort ein . Er verlegte seine Residenz aus Ofen nach Temeswar und hi elt hier Hof im eigenen Königspal ast Damit war Temeswar zur Reichshauptstadt geworden , von hier berief Kar! Robert v. Anjou den Reichstag ei n. Aus seinem Schriftverkehr erfahren wir, daß Temeswar im Jahre 1323 außer der Kirche zum heiligen Georg, auch eine Dominikaner Kirch e hatte. Der Dom befand sich in Csanad, wo auch der Bischofsitz war. In Lippa li eß er im Jahre 1325 eine Kirche und am 25. Mai 1332 den Franziskanern ein Kloster erbauen . Zu dieser Zeit war in Lippa eine Münzprägestätte, da im Jahre 1344 die Lippaer Mark erwähnt wird. Durch geschickte Wirtschaftspolitik hob Kar! den Wohlstand seines Reich es. Deutsche Städteplaner und Handwerker waren am Auf- und Ausbau seiner Residenzstadt maßgeblich beteiligt. Die deutschen Städte waren der Krone Ungarn s eng verbunden. Kar! Roberts Sohn, Ludwig der Große [1342-1380] weilte noch oft in Temeswar und Lippa. Als er im Jahre 1365 von Temeswar aus ein en Kriegszug nach Bulgarien gegen die Türken unternommen hatte, betraute er 1366 den Obergespan von Temes, Benedikt Heim , auch mit der Administration des eroberten Widdiner bulgarischen Banats, südlich der Donau. Nur sehr spärlich sind die Unterlagen, di e über die deutsche Bevölkerung des Banats im Mittelalter Auskunft geben. In Temeswar selbst war, wie in allen Städten Ungarns, eine deutsche Bürgerschicht vorhanden. Aus dem deutschen Bürgertum der Stadt ist Petbart von Temeswar hervorgegangen. der um 1435 in Temeswar geboren wurde und am 22. Jänner 1504 starb. Er studierte in Kraukau . lehrte in Ofen Theologie und war Franziskanerprediger. Die zahlreichen Bücher, die er schrieb, waren besonders in Deutschland stark verbreitet. Der Augsburger "Layenspiegel" hebt ihn 1505 als" Teutscher Nation namhaftigster Buchführer" hervor. Über di e "Schon unter den Arpaden ins Banat eingewanderten Deutschen geben uns heute nur mehr die schon verschwundenen ein stigen Ortsnamen , eine Bestätigung und Hinweise . Feststeht, daß schon lange vor dem Einfall der Türken in Europa, Deutsche im Banat lebten. ln dieserZeitwar der Name "Schwaben" im Banat noch nicht geläufig, daher waren alle Deutschen Nemp~ , Nemce oder Sachsen = Sas. So gab es bereits im Jahre 1317 bei Temeswar ein Dorfnamens Villa Nempfi. 1427 wird das Prädium Nemce in der Bogschan er Gegend genannt. 1406 wird der 23
Pfarrort Sas. [später Saska) erwähnt, 1440 wird Sasest erwähnt, 1447 Saskiliefalva und 1479 Kriva-Sasa. Der Ortsname Sasca montana besteht heute noch im Banat. Um das Jahr 1510 war der Markgraf von Brandenburg, Georg von Hohenzollern, Grundbesitzer im Arader und Temeser Komitat.
Die Türken kommen nach Europa ( 14 Jh.) Um die Mitte des 14. Jahrhunderts stießen die Osmanen aus Kleinasien kommend , bis gegenüber von Konstantinopel vor. Zunächst besetzten sie das Gebiet von Thrazien und Ostrumelien. Das christliche Abendland erlebte die Tatsache, daß sich eine Horde fanatisierter Asiaten in erstaunlich kurzer Zeit zum Range einer europäischen Großmacht erhob. Das nördlich des unwegsamen Balkangebirges gelegene Sofia wurde bereits im Jahre 1382 in Besitz genommen. Auf ihrem Vormarsch stießen die Türken auf zwei Gegner, die Serben und die Bulgaren. Die erste Schlacht auf dem Amselfeld endete 1389 für die Serben mit einer Niederlage . Ohne große Kämpfe bestehen zu müssen , nahmen die Türken 1393 das Gebiet der Bulgaren in Besitz. Ein Strom von Auswanderern und Flüchtlingen suchte Schutz in Ungarn und im Banat. Der Reichsverweser Ungarns. Johann Hunyadi . eröffnete, moralisch und finanziell vom Papst Eugen IV. unterstützt. einen Feldzug gegen die Türken . Der König von Ungarn ernannte Hunyadi zum Kapitän von Belgrad und zum Temeswarer Grafen . Er ließ in Temeswar das Hunyadi-Schloß erbauen und nahm mit seiner Familie hier Aufenthalt [Heute Banater Museum) Bei der ungleichen Stärke der Gegner kam Ungarn trotz seiner langen Reihe rühmlich er Heldentaten, namentlich unter Hunyadi [1456 gefallen) dennoch mehr und mehr zu einem bloßen Verteidigungskampf gegenüber der Türkeninvasion . Ein Offen sivstoß. den Hunyadi im Sommer 1444 über Orsova und Widdin nach Varna unternahm. sei hier besonders hervorgehoben. Damals hatte er den jungen. im Kriege unerfahrenen König Ladislaus in seinem Hauptquartier mit. Bei Varna kam es am 10. November 1444 zu einer Schlacht. der junge Köni g fiel im Kampfe und die Türk en blieben Sieger 1 . An dieser Schlacht nahm auch der erste. uns namentlich bekannte Grundherr von Billed, MarkgrafPeterde Berekzow. teil. Für seine Verdienste in diesem Kampf hatte ihm Hunyadi ein eigenes Wappen verliehen. aus dessen Wappenbri ef sei folgendes gekürzt zitiert: ADELS- UND WAPPENBRIEF DER FAMILIE BEREKSZOJ2 "Im Jahre 1448 hat Johann Hunyady, Gubernator von Ungarn für .Mgr. [Markgraf) Peter, Sohn des verstorbenen Jacobus de Berekzow, einen Wappenbrief ausstellen lassen: Peter Berekszoi, bereits zur Zeit der Verleihung des eben citierten Wappenbriefes, dem Adelsstande angehörig, zeichnete sich schon im Jahre 1444 bei Varna aus. Er stürzte sich, als der Sieg zu schwanken anfing, zwischen die Janitscharen, welche Hunyady bedrängten und erhielt von diesen eine tödliche Wunde. Auch später kämpfte er noch wiederholt an der Seite Hunyadys. 1446 steht er gegen Kaiser Friedrich im Felde und wird, gelegentlich der Verheerungszüge in Osterreich und Steiermark, nochmals verwundet. Diese, vom Feinde erhaltene Verletzungen, finden wir in dem ihm verliehenen Wappen verewigt. " Das Original dieses Wappenbriefes befindet sich im Museum in Klausenburg [Giuj) und deckt für uns gänzlich unbekannte Tatsachen aus der Ursprungszeit von Billed auf. Heute sind die Berekszoi ausgestorben. Billed gehörte nachweislich seit 1404 dieser Familie an.
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Osterreichs Hort, Geschichts- und Kulturbilder aus den Habsburgischen Erbländern , Wi en 1910, Band I. Seite 151. Siebmacher, Großes und allgemeines Wappenbuch , 4. Band, 15. Abt. Der Adel von Ungarn , Nürnberg 1894.
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Eine Abbildung des Wappens der Berekszoi mit Wappenbeschreibung finden wir in :"Siebmachers, Großes und allgemeines Wappenbuch mit heraldischen und historischen, genealogischen Erläuterungen, Band 4, 15. Abt!. Tafel13 ". Vergleiche auch : Berekszoi Peter [1448] im "Turul" 1890 I. Band 41-43.
Der Bauernaufstand unter Georg Dozsa im Jahre 1514 Das für Ungarn so verhängnisvolle sechzehnte Jahrhundert brachte großes Elend auch über un sere Heim a t. das Banat . Kö nig Vladislav schl oß mit den Türken im Jahre 151 3 Frieden. der jedoch vom Papst getadelt wurde. Anfang des Jahres 1514 kam der Gran er Erzbischof und Kardinal-Legat Thomas Bakacs von Rom mit ein er Kreuzbull e in Ofen an. die in ei nem Reich srat vorgelesen wurde. Nach dem Wun sche Rom s sollte der Friede mit den Türken gebrochen werden. Di e Rechtspflege lag damals sehr im Argen. Mißbrauch der Amtsgewalt, Unterdrückung des Schwachen durch den Mächtigen waren an der Tagesordnung. Vor allem der Zustand der Bauern und ländlich en Gewerbetreibenden war durch die überhandgenomm ene Zügellosigkeit des A dels der denkbar elendste . Als der Aufruf zu ein em Kreuzzug gegen di e Türken erfol gte. klan g dieser den Baue rn gleich sam wie ein e Aufforderung zur Befreiung aus dem unerträglichen Joch . Das Landvolk strömte haufenweise zusammen . Wei t über 100.000 Mann waren aufgestanden. als ihr Heerführer Georg Dozsa. aus Dalnok gebürtig, den Befehl zum Angriff gab. In einer Proklamation e rklä rte er sich zum Oberkapitän und Fürsten des Kreuzheeres und drohte dem Adel mit Vernichtung. Er li eß Pest und Ofen stürm en und Grafen und Edelleute ermorden . Dozsa zog mit einer Abteilung seiner Bauern nach Szegedin. setzte über di e Theiß und lagerte vor Csanad . Bi schof von Csanad. Nikolaus Csaky . wurde von den Rebellen ermordet . Nachdem Dozsa Csanad einnahm . wandte er sich nach Temeswar. Die Stadt von allen Seiten eingeschlossen und große Not leidend. hätte sich nicht mehr lange halten können . D a kam Johann Zapolya. Woiwod von Siebenbürgen. mit seinen Hilfsvölkern an und machte dem Kampf ein Ende. Dozsa mit seinem Bruder und vierzig Rädelsführern wurden gefangengenommen und starben ei nes grausamen Todes. So wurde vor Temeswar der vierm onatige Bauernkri eg unterdrückt und niedergeschlagen . Von den 70.000 Menschen. die ihr Leben lassen mußten. waren 400 Adelige. Der Bauern stand war je tzt vollkommen der Willkür des Adels ausgeli efert und dem härtesten Druck unterworfen . Der Aufstand führte nur zu einer noch radikaleren Unterdrükkun g des Volkes. Heute noch erinnert die Dozsagasse im 3. Temeswarer Gemeindebezirk an den Bauernführer und seine Hinrichtungsstätte.
Die Türken auf dem Vormarsch nach Mitteleuropa Einen län gst gehegten Wunsch ausführend. erschien der Padischah 1453 vor Konstantin opel und eroberte die Stadt. Das oströmische Kaisertum verschwand nun von der Landkarte und Konstantinopel wurde die Residenzstadt der Sultane. Mit der Stadt nahmen die Sieger eine Menge römischer Staatsmänner und Soldaten in sich auf. Aus diesen Abtrünnigen holte sich das Türkenturn sein e besten Feldherrn und Staatsmänner.
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Die Eroberung der benachbarten Länder ging rasch und ohne wesentlichen Widerstand vor sich . Bereits 1459 wurde Serbien unterworfen , 1463 folgte Bosnien und 1465 war Albanien samt der Herzegowina den Türken unterstellt. Bis zur Donau waren somit alle Balkan staaten unter türkische Herrschaft gelangt. Schon im Jahre 1463 unternahmen die Türken den ersten Einbruch in das heutige Kroati en und von hier nach Krain , Kärnten und Steiermark. Nördlich der Donau besaßen die territorial großen Fürstentüm er Wal"achei und Moldau so viel innere Widerstandskraft, daß es den Sultanen erst 1511 gelang, einen gewissen Einfluß zu erl angen. Im Jahre 1481 zog der Temeswarer Graf Paul Kinisy seine Kri egsvölker zusammen und setzte mit 30.000 Mann bei Haram über die Drau. Außer dem Sieg über die Türken brachte Kini sy noch 50.000 Serben , die sich dem türkischen Joch entzi ehen wollten, als Pflanzvölker in die Gegend von Temeswar mit. Die sieggewohnte " Schwarze L egion" des Köni gs Mathias I. [Corvinius] bestand zum großen Teil aus den wehrhaften Männern dieser Flüchtlingsscharen . Im Jahre 1502 brachte der Temeswarer Graf Josef Somy vom Feldzug aus Bulgari en ein e unerrneßlich e Beute und eine große Anzah l gefan gener Altgläubiger ins Ban at mit. Sie waren die Pioniere des Obst- und Gemüsebaus im Banat. Ganze Ortschaften wurden von ihn en gegründet und besiedelt, die auch heute noch besteh en. Soliman ri . eroberte 152 I zwei ihm sehr wichtige Festungen an der Save, Belgrad und Sabac. Beide hatten Serbien sein erzeit den Ungarn anvertraut, in der Erwartung, hierdurch strategische Stützpunkte zu erhalten. Jetzt hatte der König von Ungarn, Ludwig II. , erkannt, daß er bei dem trostlosen Zustand sein es Reiches den Türken keinen nachhaltigen Widerstand leisten könne . Ungarn bedurfte der Hilfe Ö sterreichs und des Reiches. Eine Abordnung kroatischer Edelle ute begab sich zu Kaiser Karl V. und bat diesen um militärischen Schutz. Der Kaiser entsprach dem Wunsche und schickte spani sche Fußknechte nach Agram. Erst als die Türken am 29. August 1526 bei Mohäcs das ungarische Heer überrennen, und der ungarische König Ludwig li. fällt. begreift man in Wien, daß nun die schi cksalsschwere Stunde geschlagen hat, in der die schwere Bürde der Verteidigung Europas Österreich zufiel, da die ungari sche Barri ere gefall en war. Der Ausgang der Schlacht war für die Ungarn vernichtend: König Ludwig [] .. sieben Prälaten, davon auch der Csanader Bischof Franz Chaholy. 28 Magnaten. 500 Edelleute und 22.000 Mann fanden in Moh acs ihr Grab. Als Ludwig II. gefallen war, wählten die westungarischen Komitate Ferdinand I. in Preßburg zum König von Ungarn. Di e Mehrheit der ungarischen Magnaten hielt aber am Beschluß von Rakios aus dem Jahre 1505 fest und wählte in Stuhlweißenburg den Woiwoden von Siebenbürgen. Joh ann Zapolya, zum Gegenkönig . Erst als es Ferdinand gelungen war, Zapolya bei Tokai zu schlagen, konnte er als König in Ofen einziehen. Ein Jahr später verl angte Soleiman II. von den Habsburgern die Räumung Ungarns und unterstützte die An sprüche Zapolyas, dem sie nach der Eroberung Ofens 1529, Ungarn als türki sches Lehen gaben. Damit war der Weg nach dem Westen frei . Der ungarische Nationali smus, der wesentlich ein Machtanspruch der madjari schen Herren schicht war, sollte von da an bis zum Ende der Mon archi e, im Jahre 191 8, ein Unruhe- und Unsicherheitsfaktor für die habsburgische Herrschaft bleiben. Das Fürstentum Siebenbürgen diente als Grundlage ihrer Macht. Den Zapolys folgten die Bathorys, di esen die Bocskays, denen die Bethlens und schließlich die Rakocsys. Bereitsam 29. August 1457 hat der König von Ungarn , Wladislaw , den acht walachi schen Distrikten im Süden des Banats ihre Privilegien für die Verteidigung der Don augrenze gegen die Türken bestätigt. Er machte ihnen auch zur Pflicht, di e Grenze und die Übergänge auch weiterhin zu schützen . Die Rumänen hatten , zum Schutze gegen di e Türkeneinfälle, schon im Jahre 1342 ihre Ortschaften um die Burgen gruppi ert und zu eigenen Di stri kten organisiert. Der erste di eser Distrikte war Ilyed [Illadia], dem dann noch die weiteren sieben folgten: Lugos, Sebes. Mehadia, Komjät, Halmos, Krassofö und Borzafö . Um das Jahr 1550 verschwinden zuerst die westlichen und nach 1600 auch die östlichen Distrikte . Die Macht der Woiwoden verfiel im 16 . und 17. Jh. sowohl in der Moldau wie in der Walachei . Michael dem Tapferen [1593-160 l] gelang es nochm als, die Türken zurückzuschlagen und beide Fürstentümer sowie Siebenbürgen für kurze Zeit in seiner Hand zu ve reinigen.
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Erste Türkenbelagerun g Wien s im Jahre 1529 D as Kö nigreich Ungarn . di e" Vormauer der Christenheit", war von den Türk en bese tzt. und di ese drängten über di e Raab und Leith a gegen Wi en vor. Sulim ans Heer zählte 120.000 Mann mit 300 Kanonen , di e Verpfl egung und Munition wurden von 20 .000 Karn elen getragen , zu gleicher Zeit wurden 800 Schiffe auf der Donau stromaufwärts gezogen und gerudert. Die Stadt Wien , zwar seit alters her befestigt, war aber dam als durchaus nicht in einer solchen Verfassung. daß m an dem türki schen An sturm mit ein er gewi ssen Beruhigung hätte entgegensehen kö nnen . Die H auptm asse des türki schen H eeres, abgesehen von einigen Hilfs-und Pi oniertruppen . bestand aus zwei besonderen Teilen, dem Fußvolk . genannt Janitscharen, und den Reitern , genannt Spahi s. Di esem Kern der türki schen Armeen zogen die Renn er und Brenner. di e Freiwilligen und Tataren voraus. Di ese Horden ergossen sich wi e ein e verheerende Flut über weite Landstrecken , plünderten und verbrannten di e offenen Ortschaften, mordeten di e Einwohner ode r schleppten sie, arn liebsten jüngere Frauen. Jünglinge und Kinder. in die Skl averei. Weit mehr als die norm alen Truppen. di e in geschlossenen Heeresformationen marschierten . richteten sie die grausam sten Verwüstungen an . Bevor der Türke an die Ein schließung irgendein er Festung ging. verheerte und entvölkerte er weithin die Umgebung derselben . Erst je tzt um zingelt das tü rki sche Heer zum Zwecke der Aushungerun g di e isolierte Festung, in deren Mauern die große Masse des Volk es Schutz suchte und di e Demorali sierun g noch vermehrte. Die unterworfenen Bulgaren bildeten di e sogenannten Wojnaken. denen di e Aufsicht über das Lager anvertraut wurde. Unter dem G rafen Niklaus von Salm , ein em erfahrenen Feldherrn . hielten die Wien er heldenmütig der Ü berm acht stand und fügten den heftig anstürm enden Türken hohe Verluste zu , bi s sich Soleim an II. zur A ufga be der Belagerun g entschloß . Teile von Nord- und Westungarn konnten von den Ö sterreichern besetzt we rden . 1532 setzten die Türk en ein en neuen Vorstoß gegen Wi en in Szene. Sie beschränkten sich aber auf rä uberi sche Einfälle in Ö sterreich, die sie bis an di e Enn s führten . Um sich Röck enfreiheit zu schaffen. schloß Ferdin and I. einen fün fjährigen Friedensvertrag mit den Türken und unterwarf sich der Bedingung, jährlich 30.000 Dukaten als Tribut den Türken zu bezahlen . Erwähnt sei auch. daß di esmal die Wiener auf ein e ausgiebige Reichshilfe rechnen konnten, nicht weniger als 40.000 Fußkn echte und 30.000 gepanzerte Reiter hatte der deutsche Reichstag bewilligt. Dazu kamen noch spani sch e, itali eni sche und burgundische Truppen.
Die Türken im Banat (1552) Daß un sere Heim at. das Banat. noch ein Vi erteljahrhundert von den Feindseligkeiten der Türken ve rschont blieb. ist dem Umstand zuzuschreiben, daß es zum Landesteil des Königs von Ungarn . Johann Zapoli a. gehö rte. dessen Protektor bekanntlich der Sultan war. Erst als Kö ni g Ferdin and I. mit den ungari schen Magnaten in Si ebenbürgen in Verh andlungen trat. marschi erten die Türken in das Banat ein . Von Adrian opel zogen 160.000 Mann und 160 G eschütze über Semendri a nach Belgrad. setzten über di e Donau. bei Titel über die Theiß . und erschienen im Juni vo r Temeswar. Di e Besatzung von Temeswar bestand aus 2.2 10 Mann , davon 500 Spani er. 300 Böhmen . 100 Deutsche und 150 Stadtsoldaten, die übrigen 1.1 60 Mann waren Ungarn . Nach vier Wochen Belagerungszustand un d Kampf Mann gegen Mann ist Temeswar arn 30. Juli 1552 den Türken übergeben worden . Die ganze Besatzung samt ihrem tapferen Befehl shaber und Graf von Temes, Stephan Lossontzy, wurden von den Türken niedergemetzelt . Mit dem Fall von Temeswar waren auch di e Befesti gungen wie Lippa, Csanad, St. Miklos, Csakovar und mit ihnen das gan ze Ban at für 164 Jahre in die Hände der Türken gekommen . Am 15 . August 1562 wurde der Fri edensvertrag für di e Dauer von 8 Jahren von Suliman unterzeichne t. 27
Zweite Türkenbelagerung Wiens ( 1683) Selbst in den sogenannten Friedensjahren gehörte es zur Taktik der Türken , mit überraschenden Einfällen , die häufig bis tief ins Land vordrangen , Unruhe zu stiften. Ferdinand III. gelang es 1627 endlich, einen Friedensvertrag für die Dauer von 25 Jahren abzuschließen , der den Erblanden Österreichs während der zweiten Hälfte des Dreißigjährigen Kri eges einigermaßen den Rücken frei hielt. Nach dem Tod des Kaisers Ferdinand III . (1657) übernahm sein Bruder Leopold l. den Besitz der Habsburger (1658- 1705). Bereits 1682 stand es fest, daß die Türken den Frieden kündigen werden und ein Angriff auf Wien bevorstand. In der Kriegserklärung Mohammeds IV . heißt es u. a.: " ... Dir Cäsar Roms und Dir, König von Polen, geben Wir unser heiliges Wort, ebenso allen Deinen Anhängern, das Wir im Begriffe sind, Dein Ländchen mit Krieg zu überziehen, und führen Wir mit uns 13 Könige mit 1.300.000 Kriegern, Fußvolk und Reiterei, und werden Dein Ländchen mit diesem Heer, von dem weder Du noch Deine Anhänger eine Ahnung hatten, ohne Gnade und Barmherzigkeit mit Hufeisen zertreten und dem Feuer und Schwert überliefern . Vor allem befehlen Wir Dir, Uns in Deiner Residenzstadt zu erwarten, damit wir Dich köpfen können. Auch Du kleines Königlein von Polen, tu dasselbe. Wir werden Dich, sowie alle Deine Anhänger, vertilgen und das allerletzte Geschöpf Gottes von der Erde verschwinden lassen. Wir werden groß und klein zuerst den grausamsten Qualen aussetzen und dann dem schändlichen Tod übergeben. Dein kleines Reich will ich Dir nehmen und dessen Bevölkerung von der Erde fegen . Dich und den König von Polen werden Wir solange leben lassen, bis Ihr Euch überzeugt habt, daß Wir alles Angekündigte erfüllten ... " Hier kündigte sich der Glaubenseifer eines Herrschers an , der den letzten entscheidenden Schlag gegen den christlichen Erbfeind wagen wollte. Die Bedrohung wurde in Europa verstanden, vor allem Papst Innozenz XL erkannte die Gefahr und bot überall in Europaseinen Einfluß zu Gunsten des Kaisers auf. Als der Kaiser des deutsch-römischen Reiches seine Fürsten zur Fahne rief, ei lte alles herbei. Den Kern des Entsatzheeres bildeten die Soldaten des Rheinbundes, also deutsche Truppen . Mit der Belagerung Wiens durch die Türken began nen sich die Europäer bewußt zu werden, daß sie nur eine "eurasische Halbinsel" bewohnen. Dieses Bewußtsein artete nicht in eine panikartige Furcht aus, sondern wurde zur konstruktiven Unruhe. Angesichts der gemeinsamen Gefahr begriff man die Notwendigkeit einer gemeinsamen Aktion. Als am 14. Juli 1683 Kara Mustapha mit einem Heer von fast 200.000 Mann vor den Toren Wiens erschien, hatten der Kaiser und der Hofstaat dieses bereits verlassen. Die kaiserliche Familie reiste nach Passau , 60.000 Menschen verließen Wien und flüchteten in den Wi ener Wald . Herzog Karl IV. von Lothringen wurde mit dem Oberkommando über die kai serliche Feldarmee vom Kaiser betraut. Stadtkommandant von Wien war Graf Rüdiger von Starhemberg, der über 12.000 Mann regulärer Truppen verfügte . Dieser Minderheit war nun aufgetragen , fast zwei Monate lang der türkischen Übermacht standzuhalten, bis das Entsatzheer vor Wien erscheinen konnte . Der Polenkönig Sobieski ist mit 15 .000 Soldaten persönlich vor Wien erschienen , so daß eine Streitmacht von 65.000 Mann, aus allen Reichsgebieten , zusammen kam . Nur Brandenburg-Preußen nahm an der Befreiung Wiens nicht teil. Unter der Führung des Polenkönigs und des Herzogs Kar! von Lothringen griffen am 12 . September 1683 die verbündeten Truppen die Türken vor Wien an und befreiten die Stadt noch am selben Tag. Abermals war es den tapferen Verteidigern der Stadt, Bürgern , Studenten und Soldaten gelungen , Wien trotzLebensmittelnot und Krankheit, mit Erfolg zu verteidigen . · Durch den Sieg über den "Erbfeind der Christenheit" vor den Toren Wien s, war nicht nur die Stadt vor ihrer Zerstörung und ihre Bevölkerung vor Tod und Sklaverei bewahrt, sondern ganzEuropawar vor Brandschatzung und Plünderung gerettet worden.
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Ungarn wird vom Türkenjoch befreit Unter der Führung des Herzogs von Lothringen, des Kurfürsten Max-Emanuel von Bayern und des Markgrafen Ludwig von Baden, setzten die kaiserlichen Truppen den Krieg gegen die Türken fort. 1686 eroberten die Kaiserlichen Ofen (Budapest) , 1688 Belgrad. Dann drangen sie siegreich auf den Balkan vor, unterstützt von den Serben, Rumänen und Albanern. Die kaiserlichen Regim enter errangen unter dem Prinzen Eugen von Savoyen im Jahre 1697 den Sieg bei Zenta an der Theiß und zwangen die Türken zum Frieden von Karlowitz (1699) , in dem Ungarn und Siebenbürgen an das Haus Habsburg fielen. Das Banat blieb weiter unter türkischer Herrschaft. Schon im Jahre 1687. auf dem Reichstag zu Preßburg, mußten die Ungarn auf das Widerstandsrecht, das ihnen im Jahre 1222 gewährt worden war, verzichten , und das Erbrecht der Habsburger auf die Stephanskrone wurde anerkannt.
Die Festung Temeswar Letztes Bollwerk der Türken im Banat (1716) Am 5. August 1716 wurde Peterwardein von Prinz Eugen genommen. Mit seinen 78 .000 Mann und 80 Geschützen zwingt Eugen die 150.000 Mann starke türkische Armee unter Großwesir Damad Ali Pascha , der in der Schlacht fällt, zum Rückzug. Die Türken sollen ungefähr 30.000 Mann verloren haben, Prinz Eugen hatte 5000 Tote und Verwundete. Temeswar, mit seiner türkischen Besatzung, war nun die letzte Festung osmanischer Herrschaft im Banat. Eugen marschiert mit seiner Armee nach Temeswar und beginnt am 26. August 1716 mit 44.879 Mann Infanterie, 23.409 Mann Kavallerie, 80 Feld- und 87 Belagerungsgeschützen die Belagerung der Festung Temeswar. Von den Soldaten waren ein Monat später, am 24. September. nur mehr 17.542 Mann Infanterie und 5044 Mann Kavallerie dienstfähig, alle anderen waren durch Krankheit ausgefallen. Die türkische Besatzung von Temeswar zählte 16 .000 Mann und 150 Geschütze. Sie kapitulierten am 13. Oktober 1716 und stellten alle Kampfhandlungen ein. Im Hauptquartier des Prinzen Eugen, nördlich von Temeswar, an der Szegediner Straße [heute Groß-St.-Nikolauser-Straße] wurde die Kapitulation unterzeichnet, die u . a. die folgenden Bedingungen enthielt: Alle Türken durften mit ihren Familien und ihrer H abe abziehen. Das Kriegsvolk sollte mit seinen Waffen , mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel abziehen. Munition , Proviant und Artillerie mußten zurückgelassen werden . Walachen, Raizen , Armenier und Juden, die in Temeswar ansässig waren, sollten völlige Entscheidungsfreiheit haben , zurückzubleiben oder mit ihrer Habe abzuziehen. Gegen diese Bedingungen gelangte Temeswar nach 48tägiger Belagerung, nachdem es 164 Jahre lang von den Türken beherrscht worden war, wieder in christliche Hände . (1552- 1716) Im nächsten Jahr, am 15. Juli 1717 , vollzieht Prinz Eugen mit 42 .700 Mann Infanterie und 30.700 Mann Kavallerie bei Pancsowa-Vischnitza. südöstlich von Belgrad, den Übergang über die Donau. Am 19 . Juni beginnt das kaiserliche Heer mit der Belagerung Belgrads. Die vor der Mündung der Save in die Donau gelegene Stadt läßt er durch Verbindungswälle von einem Fluß zum anderen umschließen . Die Gesamtlänge dieser Verschanzung betrug die sehr beachtliche Länge von fast 16 Kilometer! Durch Brücken über beide Flüsse sichert er seine Verbindungen und sperrt den Türken den Wasserweg ab. Die Brücke über die Donau ruhte auf 127 "schwimmenden Unterteilen". Diese Meisterwerke der Feldbefestigung werden "Eugenische Linien" genannt . Das Belagerungsheer von Prinz Eugen zählte bereits 88.800 Mann und das der Türken 30.000 Mann. In einer Schlacht bei Semlin auf der Donau, besiegte am 5. Juli Prinz Eugen die Türken. Mit 106 Geschützen beginnt er am 23. Juli die Beschießung Belgrads. Anfang August trifft ein türkisches Entsatzheer in der Stärke von nahezu 200.000 Mann, unter der Führung des Großwesirs Chalil Pascha. ein , und belagert das kaiserliche Heer. Am 17 . August gelingt dem Prinzen durch persönlichen Einsatz ein massiver Einbruch in das türkische Zentrum, worauf das südliche Heer 29
die Rucht ergreift. Am 22 . August 1717 erobern die kaiserlichen Truppen die Stadt und Festung Belgrad. Ein Jahr später, am 21. Juli 1718, wird der Friede von Passarowi tz zwischen Österreich und der Türkei abgesch lossen. Der zwanzig Artikel umfassende Vertrag bringt für Österreich große Landgewinne, die fünf Distrikte der Walachei, das Banat, Teile Serbiens mit Belgrad bis an die Morava, Drina und Save sowie Teile Bosniens. Außerdem verpflichten sich die Türken zur Toleranz und Rücksicht gegenüber den ihnen anvertrauten Christen auf ihrem Territorium. Mit diesem Friedensvertrag ist das Banat und das rumänische Fürstentum Oltenien (Kleine Walachei) dem Abendland wieder gewonnen worden und Österreich hatte seine größte Ausdehnung gegen Osten erreicht.
Kapitulationsbedingungen bei der Übergabe der Festung Temeswar ( 13. Oktober 1716) "Capitulations-Puncta von seither der Belagerndten aus Temesvar, was für CapitulationsPuncta verlanget werden. 1-mo. Wir mit allen unseren Weibern sambt Kinde, und alles was in unseren Häusern an effecten sich befindet, wie auch mit Wagen, Pferden und anderes Vieh, zu fortbringung unserer Haab undt Gütter sollen Uns verbleiben, und unserer freyer Abzug verstattel werden. Undt dass weder von was nation, als auch was da seyn mögen Uns Kein Ueberlast noch einiger Schade oder Beleidigung wiederfahren zu lassen gestattet werden möge. ( 1-mo. Ist verwilliget, ausgenommen der Deserteurs.)- 2-do. Undt dass sowohl zu rossals fuss die Miliz als Inwohner mit ihren Ober- undt Unter-Gewähr sambt Fahnen undt Klingendem Spiel auszuzihen nicht verwehret werde, sondern von dem Tag dess Ausmarsch solle der Marsch aus Temesvar gerade nacher Belgrad in 8 Marsch Stationen gegeben werden, und den geradisten Weg gehen: die erste Station nacher Themisch über die Brücken; 2-te über die andtere Brücken bey Schebel, so ein Dorf! am Morast ist. 3-te bei Tente über die Brücken Birschowa. 4-te Margida sogenanten Morast. 5-te auf allibonar bei einer gewesten Palanka, 6-te auf Panczowa, 7-te auf Bortscha allwo die Ueberfuhr ist. Undt gleichwie zu fortsetzungdes Marchs dahin genügsame sichere convoy zu geben gebethen wird; Alss wirdt auch von Seithen des Bascha von Belgrad ein revers alsdann gegeben werden, dass die Belagerten sicher biss nacher Bortscha convoyret werden. (2-do. Ist verwilliget, es müssen aber so lang biss die Convoy wieder zurück kommet, Geisseln zurückgelassen werden.)- 3-tio. Zuforbringung um unserer Weib und Kinder sambt effecten, Haab und Güttern, damit Niemand zurückbleibe, noch zu Fuss gehen möge, sollen 7000 Wagen bespanter gegeben werden, und im Fahl ein Wagen brechete, oder das Vieh zu Grund gienge, so sollen andere statt den herbeygeschafft werden undt nicht gestattet werden, dass was ausgeplündt worde. Ingl. wann ein oder anderer umb sein Geldt einen Wagen zu kauften bekommen Könnte, dass solches nicht gehindt werde. (3-tio. Es ist bekannt, dass eine solchequantitätvon Wagen nit zu haben seye, man wirdt ihnen aber Taussenf Wag geben, undt zugleich gestatten, dass Sie einiges Zurücklassen , und durch selbe nach und nach ihre eftecten nachbring, und abführen lassen können. Wie ingl. unverwehrt seyn solle, wann Sie einige Wag haben können, selbe zu erkauften; Und hat es der Verlangten Sicherheit halber auch keinen Anstand!. Jedoch solle auch ihrer Seils die Sicherheit von unterbleibung aller hostilität und feindtseligkeiten gegeben werden.) - 4-to. In wehrender March was zu unterhaltung der ausziehenden Belagerten an victualien und Subsistenz nöthig, solle durch die Bauren zuführen zu lassen nicht allein die hülffl. Handt gegeben werden solche umb bare bezahlung und billigen Preiss zu überkommen, damit keine Noth biss Bortscha gelitten werde, sondern auch die Veranstaltung hirmit zu machen ist. (4-to. Ist verwilliget.)- 5-to. Die Convoy soll wehrenden March von Temesvar bis Belgrad sich nicht unter der belagerten Zug meliren, sondern mit guter ordre selbe bedecken, damit kein Oberlast von andere nationen geschehe. (5-to. lngleich verwilliget.) - 6-to. Nach geschlossener capitulation und Unterzeichnung der Punkten sollen sowohl munition, artiglerie, Proviant und andere Kriegsgeräthschaften denen, so darzu deputirt seyn werden, zu übernehmen, getreulich extradiret werden. Jedoch ist nicht mit Verstanden, was denen particular Familien gehörig, so ohne hinderniss, was Sie abführen wollen und können verstattel werden solle auch nach Wilkühr zu disponiren. Wegen Abtretung der Aussenwerke aber undt eines
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Thores solle derjenige, so mit der capitaulation hinausgeschicket wirdt, genügsamme Valmacht zu tractiren haben, auf was weise, undt Wann es geschehen solle.(6-to. Weilen in allen Vestung die munition dem Herrn zugehörig, auch sonst nicht wissend ist, was davon particulare für einen munition seye, als kan hirrinfahlss nichts abzuführen gestattet werden, ausser, dass ein Mann etwa ein Par Schuss mit Sich nehmen möge, was aber den particulare aigenes Proviant anlanget, kan selbes mitgenommen werden. Wegen Einräumung des Thors und aussen Werker hat der Generalfeldtzeugef Prinz Ale.xunder von Wirtenberg die commisionund Valmacht das behörige zu tractiren, dessen Handlung in allen gutgeheissen und ratificirt seyn sollen.)- 7-mo. Diejenigen Schiawen und andere Christen, so den Mohametanischen Glauben vor vieler Zeit freywillig angenommen und freywillig mit abziehen wollen, sollen nicht aufgehalten seyn, Jedoch seint dieJenigen nicht mit begriffen, so wehrender Belagerung Übergang seynt, sondern wan Sie befunden werden, begriffen werden können. Die Raizen, Grichen, Juden, Armenier, Zigeuner und was sonsten nationen seynt, so in Temeswar wohne und sesshaft und ihr Handwerck getrieben, sollen gleichfahlss unaufgehalten werden, wann Sie freywillig mit abziehen wollen. (7-mo. Die Deserteurs sollen zurückgegeben werden, denen übrig aber so von der Razisch, Jüdisch, undt übrig angeführten nationen darinnen verbleiben wollen, sollen drin zu verbleiben, Jenen auch so hienweg gehen wollen, hienweg zu gehen gestattet seyn, mit ihrem Haab und Gutt.)- 8-vo. Denen Corezen, so sich in Temesvar befinden, solle auch mit nacher Belgrad zu ziehen verstattel werden. (8-vo. Ia Canaglia puo andare, dove vuole.) - 9-o. Alle efecten sollen frey zu verkauffen gestattet werden. (9. Ist verwilliget.) - 10-o. Solle Keines weges unter einigem praetext einer Vor Vorigen Zeiten herfürsuchenden Ursach der Abmarsch gehiendt, und die capitulation violiret werden. ( 10-o. Hat sein verbleiben und ist verwilliget.) Schiisslichen nach geschlossener capitulation und Unterzeichnung sollen Zehen Täg bis zu dem Abzug verstattel werden, oder sobald die benöthigte Wagen herbeigeschafft und beladen seyn werden. Actum Temeswar den /3-ten october 1716.(Sollen gleich sobald die I 000 Wag beysammen ausziehen, und solches auf spätiste und lengstens übermorgen beschehen, das Thor und äussere Werke aber heute noch abgetreten und eingeräumt werden. Alle Gefangenen ohne Unterscheidt müssen zurückgegeben werden.) Sig. Feldt- Lager vor Temesvar den /3-ten October 1716.- Eugenio von Savoy m. p. (L. S.) Mehmet Aga Azebani Edwel. ( L. S.) Chadzi Mehemet ( L. S.)"
Herzog Kar] IV. von Lothringen berichtet aus dem Banat Einen interessanten Tatsachenbericht über die Steppe, zu der das von Natur so reiche Banat am Ende des 17. Jahrhunderts geworden war, lesen wir in den handschriftlichen Aufzeichnungen des Herzogs Karl IV. von Lothringen über seinen Marsch nach Siebenbürgen. Als am 12. August 1687 die Türken in der Schlacht bei Mohacs geschlagen waren , marschierte Herzog Karl von Lothringen mit seinen Soldaten üqer Szegedin durch das spätere "Kronland Banat" nach Siebenbürgen. Über diese Truppenvenlegung berichtet er unter anderem folgendes nach Wien: " ... Nirgends findet sich eine Ader Trinkwasser, das stinkende Wasser der Sümpfe wollte nicht einmal das Vieh trinken. Nirgends ein grünender Baum. Gras, Unkraut und Gestrüpp waren so dicht und so hoch, daß das Fußvolk kaum hindurchgekommen wäre, wenn die Reiter nicht gleichsam eine Furche brechend, einen Pfad geöffnet hätten. Nirgends auf der ganzen ungeheuren Ebene gibt es ein beherbergendes Obdach, ja nicht einmal eine Spur von Menschen, außer einigen Rohrhütten der Hirten." ... Da es sich hier um einen glaubwürdigen und zuverlässigen Augenzeugenbericht im Zusammenhang mit unserer Heimat handelt, scheint es angebracht zu sein, darauf hinzuweisen, daß auf einem solchen verödeten und versumpften Stück Land, auf den Ruinen des Dorfes B i II y e d, der Grundstein zu dem heutigen Billed gelegt wurde. Schon deshalb soll hier der Zustand des
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Landes und das Schicksal seiner Bewohner geschildert werden, um deutlich hervorheben zu können , was die Habsburger, und vor allem die deutschen Kolonisten, im Banat leisten mußten , um das Land auf eine so hohe Kulturstufe zu bringen , auf der es vor dem Zweiten Weltkrieg stand. Herzog Karl IV . war ein Flüchtlingskind, nachdem sein Onkel Lothringen den Franzosen geschenkt hatte . Er wuchs in Wien auf und war mit einer Schwester Kaiser Leopolds I. verheiratet. Er war Statthalter in Tirol und den Vorlanden, in Schwaben und am Oberen Rhein. Seinen Sitz hatte er in Innsbruck. Er war es auch, der im Jahre 1683 gemeinsam mit dem Polenkönig Sobieski Wien von den Türken befreite.
Billyed im Mittelalter Eine erste Kunde über den Ort Billed gibt uns die "Geschichte der Stadt Velika Kikinda (Groß Kikinda)", in der Billed mit weiteren 31 Ortschaften als Besitz der Familie Hagymas de Berekßo genannt wird. Von 1404 bis 1463 gehörten folgende Ortschaften zu den Besitzungen der Familie Berekßo: Szent-Jakob Berekßo Kis-Berekßo Boba Kereßtur Vaja Szilas St. Andras Beldan
Becskereki Tamashaza Kereki Körtvelyes Zovand Vejtek Haraßthegy Kis-Bikamezeje Bak
Veresegyhaz Bi II ye d Bogaras Galad-monostora Rev-Galad Vamhalom Kökend Bezd Csak
Pentele Gereßnad Kiralyfalva Kessöld Tolvajd
Ein Besitzkomplex der im Norden von Bogarosch und Billed bis Woitek und Tolwadin im Süden sich ausdehnt. Die meisten dieser Orte sind schon längst von der Landkarte verschwunden . Bezüglich der Lage und Größe des vor der Türkenherrschaft bestandenen Ortes Billyed sind wir nur auf Mutmaßungen angewiesen, so wie wir auch über seine damaligen Einwohner nicht unterrichtet sind. Die oben angeführten Ortschaften des Grafen Berekßo waren in dieser Zeit noch kleine Dörfer oder Siedlungen mit 5 bis 20 Hütten. Wir werden uns von dem damaligen Billyed keinen falschen Begriff machen, wenn wir es uns als eine große Gemeindeweide vorstellen . Der Hauptreichtum der Dörfer war die Viehzucht und nicht der Ackerbau . Die ersten Bewohner und die Gründer von Billyed waren wahrscheinlich Slawen , da diese Gegend von ihnen bewohnt wurde . Auch der Ortsname Billyed deutet darauf hin; er ist altslawischen Ursprungs. Gegen diese Annahme spricht aber die Verwüstung und völlige Vernichtung des Ortes durch die Türken, da diese die serbischen Ortschaften meistens verschonten. Infolge der türkischen Gewaltherrschaft, besonders des Steuerdruckes und der Willkür, floh natürlich ein großer Teil der Einwohner nach der Moldau, Walachei und Siebenbürgen, so daß dies auch für Billyed zutreffen könnte . .Auch Borovszky schreibt, daß die Serben damals die Mehrheit der Bewohner von Billyed bildeten , ohne dafür eine Quelle anzuführen. Viele der Banater Bevölkerung wurden im Laufe der Jahre in die Sklaverei verschleppt, teils niedergemetzelt , und nur wenige konnten sich in dieser Ebene in Rohr und Schilf verstecken und so ihr Leben retten . Dafür spricht wieder die Lage des Ortes auf der Karte aus dem Jahre 1720, auf der das Prädiurn Bitlied auf der Ostseite derMaras eingezeichnet ist. In den Päpstlichen Zehentregistern der Jahre 1332- 1337, die wohl als älteste noch vorhandene schriftliche Aufzeichnungen betrachtet werden können , scheint Billyed nicht auf. Der "Geheiligte Stuhl" dehnte sich von Billed im Osten bis Walkan im Westen und von Groß St. Ni32
kolaus im Norden bis Groß Kikinda im Süden aus. Oi e päpstlich en Zehenteinn ehmer fanden keine einzige Kirch e in di esem großen Landstreife n . Da aber nicht anzunehmen ist, daß ein e so bedeutende Fläche unbewohnt gewesen wäre. mußten hi er im .,Geheiligten Stuhl" griechi schorthodoxe Slawen . Serben oder Bulgaren auf dem Grund von Billyed ihre Vi ehh erden geweidet und daneben gerin ge Landwirtschaft betrieben haben . Es ist aber auch nicht ausgeschlossen , daß im Heidentum verbliebene Kum anen oder Petschenegen später in den Erdhütten der Sl awen gehaust haben . Welch es Schicksal gerade Billyed während di eser Zeit traf. ist heute schwer, ja fast unmöglich zu bestimm en. da di e wenigen historischen Daten nur sehr spärlich vorhanden sind . Ein e Nach richt stam mt aus dem Jahre 1462 und besagt, daß am 25. Mai di eses Jahres Nikolaus H agymas de Berekßo den Johann de Szentgirolt. welch er u. a. Gutsherr in Beodra war, an Bruders statt ann ahm und di esem das Mitbesitzrecht auf alle sein e Güter. also auch auf Billyed. einräumte. lm Jahre 1562 hat der Kö nig Johann Zapolya dem Burgkapitän von Gy ul a. Ladi staus de Kerecseny Kokenyd. mit Nagy- und Ki sgalad und anderen Ortschaften auch Billyed verliehen . Welch e Stürme und Schi cksale Billyed erlebte, als die Banaler H eide unter dem Türkeneinbruch langsam zugrunde ging, darüber finden wir nichts in der Geschi chte.
Oppidum Maräz (1396) Von den im 14. Jh. unter Kö nig Siegm und im Banat befestigten zwölf Städten scheint auch das Oppidum Märäz östlich von Billed auf. Oi e Städte des Banates im Mittelalter, als das Bana t noch in di e Komitate Torontal. Kevy. Krasso und Temes eingeteilt war. entstanden meist auf römi schen An siedlungen. Als .,Oppi dum " wurden ein befestigter Platz oder eine .,umfriedi gte Stad t" bezeichn et. die aber im Laufe der Zeit zu Grunde gingen. Das Schicksal von Märäz ist uns heute vollkomm en unbe kannt, daher können wir un s nur auf Vermutungen stützen . Sich er ist, daß es damals nur konzentri erte Si edlungen ga b. die wir heute mit ein em Dorf von 30 Häusern vergleichen kö nnen . Vi ele dieser Siedlungen bestanden ja nur aus 2 bi s 10 Häusern und wa ren sehr schwach bewohnt. Als ,. Baum ateri al" di ente bei dem Oppidum Märäz wahrscheinlich das Schilf aus der .. Cern a bara" oder aus dem ,.Hufeisen" . das ja heute dort noch reichlich vorh anden ist. Für diese Oppida bestand im Banat jedoch keine Aussicht auf ein e gute Entwicklung. Di e schon 1390 begonn en Türkeneinbrüche ruinierten diese Befestigungen . so daß sie bald in die Reihen der Prädi en und Pusten herabsanken . 1396 wurde von den Türken u . a. auch Uj-Becs ni ede rge brannt . Dann streiften sie an Temeswar vorbei in die Banater Heide. Ein Ort um den anderen wurde vernichte t. ihre Bewohner niedergemetzelt oder in Skl averei geschleppt, die Häuser ausgeraubt und ni edergebrannt . Von den meisten Orten kennen wir das Ende nicht , sie gingen , ohne Nachricht zu hinterlassen , zu Grunde. Von Märäz . das ja nur 3 Kilometer östli ch vom heutigen Ort Bi IIed lag. wissen wi r. daß es im Jahre 14 78 bereits verni chtet und auf die Stufe ein es Pustas herabgesunken war. Es ist anzun ehmen . daß auch de r Ort Billyed das gleiche Schicksal erleiden mußte und der Zerstö run g ausgesetzt wa r. Wenn wir un s nun di e Karte von Billed an schauen. kö nn en wir ganz interessante Tatsachen fes tstell en . D as Oppidum Märäz lag um di e beiden Hügeln , die im Volksmund mit .,Di cker Hiwi" . 98 m . und ,.Schorsche Hiwi ". 94 m über dem Meeresspi egel. bezeichne t wurden . Vor diesen beiden Hügeln ve rläuft von Norden nach Süden das .,Tal der Deutschen", .,Valea Neamtului ". und schließt an den Schanzgraben an . Von der Karte aus dem Jahre 1720 wi ssen wir, daß di e Römersch anze . von der Marosch kommend . hier vor Billed an di eser Stelle vorbei führte. Das Oppidum Märäz ist wahrscheinlich nach ein em he ute ausgesto rbenen Adelsgeschlecht benannt . Noch vor dem Zweiten Weltkrieg hat di eses oft überschwemmte Gebi et sowi e der ] ergraben im Volk smund nur di e .,Marasch" geheißen . Oi e Märäz , die an Billed vorbei fli eßt, hi eß dort auch " Schwarzes Wasser" und " Jergraben". Ü ber die Bedeutung dieses Namens kommen wir noch in ein em anderen Artikel zu sprechen . 33
Die Sümpfe boten den hier lebenden Völkern eine sichere Zufluchtsstätte gegen die Verheerungen durch die Tataren und Türken. Weder mit einem berittenen Heer noch mit einem Fußvolk konnte man in diese Sümpfe vordringen. "Fersengeld nehmen, im Schilf sich bequemen", das war die weise Kriegstaktik der Zivilbevölkerung, wenn ein übermächtiger Feind kam. Der Name "Cerna bara", Schwarze Bare, ist slawischer Herkunft, denn das Wort "Bare" kommt aus dem Slawischen und bedeutet Sumpfland, eine sumpfige Niederung wie sie eben im Osten von Billed war. Noch in den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts wurden auf der ehemaligen Römerschanze, im Osten von Billed, Betonbunker errichtet. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren es nur Schützengräben, die hier im Osten von Billed gegraben wurden.
Die Puszta Pakacz ( 1332) Welch großes Ausmaß an Grund und Boden die nördlich von Billed gelegene PusztaPakacz erreichte, ersehen wir auf der Karte von Billed. Sie reichte von Knes über Alexanderhausen und Uihel bis Großjetscha. Im Gegensatz zu Billed scheint der Name Pakacz bereits in den Zehentlisten in den Jahren 1332- 1337 auf. Nach diesen Listen war Pakacz eine Pfarrgemeinde, ihr Geistlicher hieß Andras und er bezahlte 10 Banalis an päpstlicher Steuer. In diesen Zehentlisten scheinen auch noch folgende Nachbargemeinden auf: Knes, Achad, Chuka, Juske und Sarad. Im Jahre 1562 hatte Pakacz ebenso wie Billyed den Burgkapitän von Gyula, Ladislaus de Kerecseny, als Grundherrn . Die Weingärten waren bis zu 2,5 Kilometer vom Ort entfernt. Zerstreut lebten und wohnten in Pakacz in den Jahren um 1823 noch oder wieder 30 röm.-kath. und zwei orthodoxe Einwohner. Auf der Müller-Karte aus dem Jahre 1709 ist der Ort "Bakas" und auf der Karte aus dem Jahre 1720 ist der Ort "Pakas" eingezeichnet. Einmal mit "B" und einmal mit "P" geschrieben . Der Name Bakacz zeigt auf das Geschlecht des Graner Erzbischofs und Kardinal-Legaten Thomas Bakacz hin, der in der Zeit des Bauernaufstandes um das Jahr 1514 lebte. Es ist anzunehmen , daß nach dem Einmarsch der Türken in Ungarn seine Güter enteignet und von König Johann Zapolya an verdienstvolle Grafen und Heerführer weitergegeben wurden. "Paktisz" bedeutet auch eine Lebensform im Sumpf, wenn zum Beispiel eine Familie oder eine Person im Sumpfgebiet und Schilf nur von Fischen und Wasservögeln lebt und sich ernährt. "Packtis" kommt aus dem Slawischen und bedeutet soviel wie ein Mann, der Strafe austeilt. Auch klecksig, schmierig. Einen Einblick in den trostlosen Zustand, der auf dem Pakacser-Pußta nach der Türkenvertreibung herrschte, gibt uns ein Situationsplan in der Kartensammlung im Wiener Hofkammerarchiv. Dem sauber gezeichneten Plan ist die fogende, 16 Punkte umfassende, Grundrißerklärung beigefügt:
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Situations p l a n 1 von dem auf dem Prädia Pagaz stehenden Mayerhoff hierauf befindlichen Gebäuden, dann Obstund Weingärten: 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16.
Eine Stallung in 2 Abtheilungen für 46 Pferde ein langer Wagenschupfen zwei aus gutem Material befindlichen Einkehrzimmer eine kleine Kapelle das Wirtshaus, Zimmer, Kammer, Kuchl Eingang zum Keller Kukurutzkorb (Hambar) Fruchtkasten aus Holz Hünerstall aus gestampfter Erde aus Holzwerk mit Laaden [Bretter] verschl. altes Privet [Klo] Wagenschupfen Wohnung für den Mayer [Bauer] ein schlechter Schupfen mit Zaun eingeJaßt Brunnen kleines Haus im Weingarten ein großer Obstgarten mit einem Kreuz
Pagaz, den 22. April1773 In diesem Zustande sahen die ersten Siedler von Billed ihren Nachbarort und Poststation Pakacz!
1
HKA Wien , Kartensanunlung Nr. L 83.
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ZWEITER ABSCHNITf Das Banat als Kronland Österreichs 1716-1778 Kaiser Karl VI. Banater Landesfürst (1716- 1740) Nach dem Abschluß des Passarowitzer Friedensvertrages vom 21. Juli 1718 ist das Banat dem Abendland wiedergewonnen . Hatte auch der Kaiser auf dem Reichstag von 1715 die Zusicherung gegeben , die den Türken entrissenen Gebiete, soweit sie einst zur Stephanskrone gehört hatten , Ungarn wieder anzuschließen, so sprachen sich dennoch die militärischen Kreise, wie Prinz Eugen und die Finanzkonferenz, dagegen aus. Als Präsident des Hofkriegsrates war Eugen für die Sicherheit der Monarchie verantwortlich. Er konnte ein strategisch so wichtiges Gebiet wie das Banat unmöglich demselben ungarischen Adel überlassen, der vorher den Aufstand Rakoczis gegen den Kaiser unterstützt hatte. Am 30. Dezember 1716 stimmte der Kaiser einem Vertrag der Hofkammer zu und erklärte das Banat zum Kronland und Kammerdomäne. Damit wurde das Banat bis 1778 ein Kronland Österreichs, hatte eigene Landesgrenzen und war 62 Jahre lang ein eigenes Hoheitsgebiet. An die Spitze des Banats trat ein General , dem ein kameraler Beamtenkörper beigegeben war. Der Wiederaufbau des verwüsteten und entvölkerten Landes wurde von Wien aus betrieben. Kaiser Kar! VI. führte im Banat den Titel eines Landesfürsten. Sein Stellvertreter oder Statthalter war der Präsident der kaiserlichen Landesadministration mit dem Sitz in Temeswar. Alle Staatsgewalt hatte sich der Kaiser im Banat vorbehalten. Auch über die Kirche sicherte er sich weitgehende Rechte und sein Wille gab in kirchlichen Angelegenheiten den Ausschlag. Er war der einzige Eigentümer und Grundherr des Landes. Unter dem Präsidio des Prinzen Eugen wurde die " Neoaquistische Kommission " [gemischte Hofkommission] in Wien zur obersten Leitung und Kontrolle der Angelegenheiten der "Neoaquistica" [neu erworbenen Länder] wie dem Banat, Serbien, Siebenbürgen und der Walachei gegründet. Von der Wiener Hofkammer und dem Hofkriegsrat wurde als erster LandesadministrationsPräsident der Gouverneur und kommandierende General im Banat, Graf Claudius Florimund von Mercy , ernannt. Der Geburtstag der Temeser Landesadministration ist der 3. September 1718. .
Organisation, Verwaltung, Landesaufnahme und Distriktseinteilung Dieses restlos zerstörte, jeder Kultur entbehrende Land dem Ackerbau, Handel, Verkehr und der Industrie zu erschließen, war Mercy vom Hofe in Wien ausersehen. Er begann seine Aufgabe als Gouverneur mit dem größten Eifer. Mercy faßte seine Pläne über die Einrichtung und Einteilung des Landes in einem Antrag zusammen, den er dem Hofe vorlegte. Diesen Antrag nannte er "Haupteinrichtungswerk" und teilte ihn in verschiedene Kapitel ein. Hier die einzelnen Abschnitte und Punkte dieses "Haupteinrichtungswerkes" anzuführen und zu erläutern, würde die Möglichkeiten dieses Buches bei weitem überschreiten. Trotzdem möchte ich einige Punkte, die für die Geschichte der Deutschen im Banat von Interesse sind, herausstellen und kurz kommentieren. Handelt es sich doch hier um die wertvollste und zuverlässigste Quelle , die in allen Einzelheiten ein vollständiges Bild über die Besiedlung des Banates in der Zei t nach der Wiedereroberung gibt. 37
Unter Punkt 14 des "Haupteinrichtungswerkes" heißt es: "Um das Land schneller zu bevölkern, sollten jedem sich neu Ansetzenden 6 steuerfreie Jahre zugestanden werden, nebst einigen Äckern und Wiesen, ebenso sollte ihnen ein Bauplatz bezeichnet werden." Es ist also unrichtig, wenn heute behauptet wird, n u r d i e D e u t s c h e n w a r e n b e v o r z u g t u n d h ä t t e n d i e besseren Fe I der undFrei ja h r e bekommen . Jeder. g an z g I e i c h w e I c h e r N a t i o n a I i t ä t, d e r s i c h i m B a n a t a n s i e d e 1 n w o I I t e , k o n n t e d i e.s e V o r t e i I e i n A n s p r u c h n e h m e n ! Punkt 16: ,.Um in der Festung oder Stadt Temesvar eine Zunahme der Bürgerschaft und Handwerksleute zu erzielen, sollte den schon Anwesenden ein Stadtrichter, zwei Ratsverwandte und ein Stadtschreiber vorgestellt werden, die eine Personalliste der Bürgerschaft zu halten hätten . Jedem in der Stadt sich ansiedelnden Katholisch-Deutschen sollte eine 6jährige Steuerfreiheit, ebenso einige Äcker und Wiesen gewährt werden. Ein Platz zur Erbauung ihrer Wohnung sollte ihnen gleichfalls ausgesteckt werden." Ferner hielt es Mercy für notwendig, Brau- und Branntweinhäuser zu Orsova. Lugos. Karansebes. Facset, Lippa, Temesvar, Denta, Modos. Pancsova, Uypalanka und Werschetz anzulegen . Mercy forderte den Schutz der Wälder. die Fischerei sollte zu Gunstendes Ärars ausgenützt werden . Die Brücken sollten jederzeit in gutem Zustand erhalten werden . Die Poststraßen. die schon von Belgrad über Temesvar nach Arad reichten , sollten auch gegen Siebenbürgen von Marga, Karansebes. Orsova und Lippa besetzt werden. Auch Ziegel- und Kalköfen sollten hinreichend errichtet werden . Jahr- und Wochenmärkte sollten eingeführt werden . So sollten im Banat Sägemühlen errichtet werden, und dem Provisor oblag es, erfahrene Leute dafür auszusuchen . Punkt 20: ,.Da das Kupferbergwerk von Uypalanka seit der Wiedereroberung nicht mehr in Betrieb sei. in diesem aber eine große Menge Erz liege, so solle es wieder zum Nutzen seiner kaiserlichen Majestät instand gesetzt werden und von Wien oder Siebenbürgen ein erfahrener Mann das Wasserwerk und alles andere Nötige errichten . 21 / Die Zigeuner konnten wegen ihrer Zerstreuung und unsteten Lebensweise nie zu ordentlicher Kontribution herangezogen werden, daher sollten selbe für jeden Winter 2000 fl. als Pauschalsumme bezahlen. 22/ Ferner sollten im Banat keine Militärdorfschatten mehr gestattet werden, da diese für das Land und Ärar großen Schaden bedeuteten . Außerdem würde sich alles dorthin begeben und man würde eher liederliches Gesindel als wirkliche Soldaten ins Land ziehen. Die Liste dieses "Haupteinrichtungswerkes" ließe sich noch fortsetzen , doch ersehen wir schon aus dem wenigen Angeführten, von welch ausschlaggebender Bedeutung der Gouverneur Mercy für die Entwicklung der Zivilisation im Temeser Banat war. Bis zur Genehmigung seines Antrages ernannte Mercy für die Hauptposten der Provinzialbezirke einige tüchtige Männer, die für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu sorgen hatten. Für diesen Zweck erwählte er einheimische Männer, die mit den Ortsverhältnissen vertraut waren und das Volk gut kannten. Da aber der endgültige Besitz des Banats von der Rückeroberung Belgrads abhängig war, so konnte von einer ständigen Regierung noch keine Rede sein. Es wurde vielmehr von den Hauptbehörden am Wiener Hof einprovisorischer Regierungsrat ernannt, der die Angelegenheiten des Volkes im Banat, unter dem Präsidium des Grafen Mercy, zu verwalten hatte. Dieses Provisorium dauerte eineinhalb Jahre, bis das von ihm vorgeschlagene "Haupteinrichtungswerk" vom Wiener Hof beschlossen war.
Die Distriktseinteilung ( 1718) Die türkische Aufteilung des Banats hatte so lange Gültigkeit, bis die Ausmessung des Landes unter Aufsicht und Leitung des Obersten Neipperg und seiner Militäringenieure erledigt war. Nach Beendigung dieser Arbeit fiel die Entscheidung, und die vier Komitate Torontal , Temes, Krasso und Csanad wurden in 11 Distrikte eingeteilt. Diese Distrikte waren folgende: 1 1
HKA BA Fasz. r. Nr. I Fol. 69-84, I. 9. 1718
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Extract über die sämtliche Districts
Temesvarer Csanader Becskereder Pancsovaer Csakovaer Fatscheter Lippovaer Caransebeser Orsovaer Uypalanker Versezer Sa: arum
Anzahlder Dörffer
Anzahl der Häuser
71
1448 448 574 776 3432 1968 1131 3915
21 24 36 69 108 76 91 40 55 72 663
1717
2377 3503 21289
Unter den 71 Dörfern im Te m es v a r er Distrikt scheint Billyed nicht auf, es wurde zerstört und verlassen. Zur allgemeinen und besseren Übersicht möchte ich auszugsweise die Aufstellung des Temeswarer Distrikts wiedergeben, aber nur jene Dörfer anführen, die uns heute noch bekannt sind: Designation deren in dem Temesvarer Banat befindlichen Dörffern und darinnen angemerkten Häusern.
Dörffer Paraz St. Michal Vutvino Silasch Dignas Ivanda Nemet Picola St. Peter Giroada Mosniz Sakalaz St. Andre Pakaz Lovren Comeleusch Deremia
Häußer
84 43 65 40 50 40 5 10 24 50 66 23 15 18 20 19
Dörffer Beregschoff Chenei Peterda Kesa Besenova Hodoyn Vinka Monostar Seleüs Zentralak Fenlak St. Peter Varias Kenes Beskered
Häußer
40 45 15 8 20 15 9 38 15 26 42 14 40 10
36 39
Im ganzen Banat ga b es nur 663 Dörfer mit 2 1.089 Häusern . di e bewohnt waren. Daß zwischen dieser " Designati on". die von Beamten der Zivilve rwaltung im Jahre 17 18 zum Zwecke der Steuereinhebung aufgestellt wurde, und der ersten Landesaufn ahme aus den Jahren 1720- 1725, die von Offizieren und Ingeni euren des Heeres für militäri sche Zwecke erstellt wurde . bezüglich der bewohnten und ve rlassenen Dörfer und Prädien ni cht volle Überein stim mung bestand , ist wohl darin zu suchen. daß di e Banater Bevölkerung zum Teil noch nomadi sierende Wanderhirten waren. Ni chts hat di e Bevölkerungspolitik im Banat. gerade bei den Nationali sten. so sehr erschwe rt. als ihr Mangel an Seßh afti gkeit. ihr Hang zum ,.Transmi gri eren" . wie es in der damaligen Zeit hi eß [Hamilton Denk schrift von 1734]. Di e In strukti on für di e Di striktsverwalter vom 3 1. 12. 1722 gibt einen ti efen Ein blick in den noch vielfach nomadi sierenden Zustand der Banater Bevölkerung und ist in ihrem Bemühen um die Seßhafti gkeit di eser Mensch en. ihr Wohn en in festgebauten Häusern . in ständigen Dorfgemein schaften mit um grenzten Gemeindegebi eten . ein Kulturdokum ent ersten Ranges. Aber auch die von der Landesregierung den Einwohnern im Banat angelasteten Abgaben waren mit ein Grund, um Haus und Hof zu verl assen und auszuwandern . In den ersten Jahren nach der Wi edereroberung verringerte sich die Zahl der Banater E inwohner in erschreckender Weise. Di e von den Türkenkriegen übrig geblieben en Bewohn er flüchteten massenweise nach Ungarn , Siebenbürgen und in die Walachei. Auch in den späteren Jahren hielt diese Flucht noch an . Die Ursachen dieser Flucht waren neben den hohen Abgaben auch noch di e feindlichen Invasion en, der Mangel an Lebensmitteln , der Zwang zum Feldbau und auch das ungesunde Klim a. Die Administration sah sich schließlich genötigt, schwere Strafen auf die Flucht zu setzen. damit das Land nicht völlig entvölkert und dadurch di e aufblühenden Wirtschaftszweige ve rnichtet würden. Die Zahl der Gesamtbevölkerun g war ni cht bekannt. man schätzte im Jahre 17 18. nach dem Frieden von Passa rowitz. als das ganze Banat an Ö sterreich fi el. drei Personen auf den Quadratkilometer als ungefähren Durchschnitt der Bevöl ke rungsdichte. Also rund RO.OOO Einwohn er. Im Jahre 1760 gab es im Banat 32 .98 1 Kath oliken, davon etwa 24.000 Deutsche. die dort ansässig waren.
Flüsse, Gewässer und Sümpfe im Banat Bis zur Eroberung durch die Habsburger war das Gebiet an der Marosch und Theiß , von Szegedin bis Titel , ein kilometerweiter Sumpf, ebenso jenes an der Aranka, welches von Türki schkanischa bis Mokrin reichte . Ein zweiter Sumpf breitete sich von der Bega bi s Großkikinda aus, von wo er sich nach Süden wendete und unweit von Großbetschk erek endete [siehe Karte 1709) . Zwei andere große Sümpfe, der llantsch aer und Alibunarer, erstreckten sich vom südlichen Ufer der Temesch viele Kilometer weit und verloren sich in den Sandhügeln bei Neupal anka. Da das Banat fast eben ist und kein Gefäll e aufwe ist, ist es verständli ch, daß di e Flüsse, sobald sie die Berge verlassen , nur mühsam in zahllosen Krümmungen durch die Ebene fli eßen. Im Frühling, wenn im Gebirge der Schn ee schmilzt, verursachen sie Ü berschwemmungen und bilden weit und breit Sümpfe und Moraste. Wenn die Donau zum Beispi el bei Semtin einen Wasserstand von 6 ,24 m hatte, lag ihr Niveau, in ein er Entfernung von 294 Kilometer, nur 1,02 Meter tiefer als der Nullpunkt der Theiß bei Szegedin . Durch di esen Um stand staute die Donau. wenn sie einen sehr hohen Wasserstand erreichte, das Wasser der Theiß zurück bis Szegedin . Das Wasser der vielen kl ein eren Flüsse und Bäche wie Bega, Temesch , Bersova, Aranga, Pirda, G alatzka, Gyukosin , Beregsau, Ni arad und nicht zuletzt auch die an Billed vorbeifli eßende Maras, war sich selbst überlassen . Man kannte di e Mittel noch nicht, welche die Hydrostatik bot. Die austretenden Flüsse bildeten bald außer den alten neue und größere Moras te, bald Seen. bald Schlammgruben, wo weder Menschen noch Tiere fortkomm en konnten. Di e ansteckenden Ausdünstungen, welche von dem faulenden, stinkenden Wasser herrührten, machten das Banat 40
zum traurigsten Aufenthaltsort Europas. Das stehende und faulende Wasser entwickelte unendlich viele Arten von schädlichen Insekten. die im Sommer und Herbst den Menschen und Tieren sehr schädlich wurden. Vor allem das Vieh litt sehr unter den Kolurnbaczer Mücken, unter deren Stichen es in wenigen Augenblicken leblos zu Boden fiel. Im Jahre 1779, also sechzig Jahre später, schrieb der Mönch Griselini in seinem Buche u. a.: "Statt der dichterischen Stimmen der Nachtigall und des frohen Gesanges der Lerche, härte man nur das Krächzen der Raben und Elstern von dem nächtlichen Trauerlied der Eulen und Uhus abgewechselt." Die Karte aus dem Jahre 1709. aber auch di e des Tem eswarer Distrikts aus dem Jahre 1720. geben un s eine gute Übersicht über die Wasser- und Sumpfverhältnisse im Banat und auf der H eide. Die eingezeichneten dunklen Stellen auf den Karten . vor allem südlich von Billed. waren Sumpf- und Überschwemmungsgebiete. Bereits im März des Jahres 1727 hat die Tem eswarer Landesadmini stration beschlossen. den Begakanal anzulegen. Es wären hier auch noch einige Worte über das Klim a. das einen der schwersten Hinderungstaktoren für di e Besiedlung des Banats bedeutete. zu sagen . Die Sümpfe waren so sehr von Fieberbazillen e rfüllt. daß fast all e Koloni sten darunter zu leiden hatten . Vielfach mangelte es wegen der Sümpfe an gutem Trinkwasser. so daß di e Gesundheit für Mensch und Tier gefährdet und die Krankh ei ten begünstigt wurden. Die Pfarrmatrikeln aus dieser Zeit. auch die fünfzig Jahre später aus Billed. ge ben ein erschütterndes Bild der Sterblichkeit. die durch das Klim a und durch Seuchen noch erhöht wurde.
Die Bega und der Begakanal Der zweite bedeutende Fluß war die Bega. In älteren Zeiten war sie gut schiffbar. hatte aber dann infolge der vielen Überschwemmungen ihr Flußbe tt derart verändert. daß sie für die Schiffahn erst wieder brauchbar wurde. als man daran ging. sie zu reguli eren . Es ist das Verdienst der Landesadmini stration . daß der Begafluß aus seinen unendlich en. der Schiffahn hinde rlichen Krümmungen . in einen Kanal geleitet wurde. der sich von Facset bi s Becskerek erstreckte . Gegenüber von Titel mündete er in di e Theiß . In Temeswar teilte sich der Kanal in vier kleinere. mit Schleusen versehene Kanäle. Von di esen führte einer das Brennholz. die übrigen beförderten das Bauhol z zu den Lagerplätzen . Hinter den Außenwerken der Stadt vereinigten sich diese vier Kanäle wieder und flossen in nahezu gerader Lini e weiter. bis der Fluß bei GroßBecskerek wieder sein altes Bett erreichte. Di e Länge des Kan als betrug 16 Meil en. Ab Temeswar war die Bega schiffbar und daher für den Handel im Banat von Bedeutung . Ab dem Jahre 1737 fuhren unsere Ahnen mit ihren .. Ulmerschachteln .. durch den Begak anal bis Temeswar.
Die Bevölkerung im Kronland Banat Als Mercy nach der Wiedereroberun g das Land betrat. fand er dort Deutsch e. Ungarn. Walachen. Raitzen. Griechen und Juden nebeneinander. Zu den indirekten Einwohnern wurden die Griechen . Juden und Zigeuner gerechnet. da sie auf eine gewisse Art toleriert wurden . Sie wohnten vermischt in Dö rfern beisammen .
Die Walachen und die Raitzen im Banat Die Hauptnation im Banat bildeten die in den östlichen und südlichen Gebirgsgegenden wohnenden Walachen und Raitzen . von der Landesadministration als .. Nationalisten " bezeichnet. Die Raitzen sind die Nachkommen der alten Illyrier. die Walachen hier im Banat sind Reste
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der alten römischen Kolonien. Beide Nationen lebten sehr schlecht und bescheiden. Ihre einfache Nahrung bestand aus einem aus türkischen Weizen [Kukuruz] gebackenen Brot. Dieses Brot nannten sie Maley oder Mamalika. Es wurde mit Kukuruzmehl und warmem Wasser, ohne Würze, angerührt und in heißer Asche gebacken . In ihren Kleidem waren sie ebenso anspruchslos wie im Essen. Nur die reichsten unter ihnen konnten sich Kleider aus blauem Tuch oder Abba kaufen . Die Armen stellten die Kleider selbst her: Die Frauen webten für Hemden die Leinwand und für die Oberkleider das Wollzeug. Als Schuhwerk dienten ihnen die sogenannten "Bockhem" [rum. Obinschen], die aus rohen Häuten zugeschnitten und mit Riemen am Fuße befestigt wurden. Ihre Wohnungsverhältnisse waren trostlos. Jeder war sein eigener Baumeister. Oft wohnten sie in Erdhütten. Die Distriktvorsteher hatten darauf zu achten, daß "in den Erdhöhlen nicht mehrere beisammen wohnten, sondern in Parteien getrennt seien". Um den Leuten das unstete Leben abzugewöhnen , veranlaßte man sie, sich nach und nach eine ordentliche Wohnung mit Stube, Kammer und Stall zu bauen . Griselini entwirft ein eingehendes Bild von der Lebensweise und dem Charakter der Walachen in seinem im Jahre 1780 in Wien herausgegebenen Buche "Versuch einer politischen und natürlichen Geschichte des Temeswarer Banats in Briefen". Einen weiteren, interessanten Bericht über die Rumänen im Banat bringt uns die erste und älteste Zeitung des Banats, die "Temeswarer Nachrichten" aus dem Jahre 1771. In der Ausgabe vom "Donnerstag, den 2. May 1771 Nr. 3" und vom "Donnerstag, den 9. May 1771" können wir unter anderem lesen: " ... die Anzahl der Deutschen erstreckt sich schon der Zeit auf etwelche 45.000 Seelen. Die Walachen machen den größten Theil der Bewohner aus. Sie nennen sich in ihrer Sprache Rumiini, das ist Römer, und diese seynd eigentlich die Oberbleibsei der von dem Kaiser Ulpio Trajano hieher übersetzten Colonie. Ihre Sprache hat die größte Gemeinschaft mit der Lateinischen, wie den auch die Kleidung, Gebräuche und Speisen noch viele Obereinstimmung mit der alt-römischen haben. Ihre Statur ist schlank, lang, stark und schön, ihre Beschäftigung die Viehzucht, und hier und dorten auch der Ackerbau, den sie aber, den türkischen Waitzen und Kukurucz ausgenommen, noch schlecht zu bestellen wissen. Ihre Kost besteht meistens in einer Art von Palenta, welche sie so wie ihr Brod, aus türkischem Waitzen machen. Ihr Getränk ist der Raky, ein aus Zwetschen und Pflaumen gebranntes Wasser, das sehr stark berauscht. In der Religion werden sie von zween Bischöffe in dem Banat geleitet, deren jeder zu 26.000 und mehrere Feuerherde in seinem Bißturn zehlet, und hievon einiges Einkommen beziehet. Der übrige Teil der Bewohner bestehet aus Raitzen und Grichen. Diese seynd nicht nur besser gesittet, sondern sie verstehen auch den Ackerbau und besitzen fast den ganzen Handel des Landes."
Die Griechen im Banat Wie die Juden und Zigeuner wurden auch die Griechen nicht zu der eigentlichen Bevölkerung gerechnet. Sie sind türkische Untertanen , da sie Weib und Kind als Unterpfand hatten zurücklassen müssen. Daß sie sich aber doch im Lande aufhielten , ist darauf zurückzuführen , daß viele Kaufleute, die mit türkischen Waren Handel trieben, gleich nach der Wiedereroberung das Banat verließen . Die Walachen und Raitzen waren aber zu sehr dem Feldbau und der Viehzucht ergeben, als daß sie sich um Warenhandel gekümmert hätten. So haben die den Handelliebenden Griechen gleich von Anfang an das Land mit allen Notwendigkeiten versehen . Man ließ ihnen den Handel und stattete sie mit einigen Privilegien aus. Inner- und außerhalb der Jahrmärkte konnten sie ihre Waren öffentlich feilbieten und ihre türkischen und raitzischen Waren im Kleinhandel verkaufen . Dieser Handel war den anderen türkischen Untertanen nur in Jahrmarktszeiten zugestanden . Diese griechischen Händler nahmen den kaiserlichen Untertanen die Nahrung weg, schleppten das Geld aus dem Lande und verursachten auch viele Verdrießlichkeiten. Wegen jeder Kleinigkeit fingen sie Streit an und beschwerten sich in Widdin bei ihrem Pascha. So waren sie dem Lande eher eine Belastung als ein Nutzen. 42
Die Juden im Banat Ebenfalls nur toleriert waren die Juden . die man in die spanischen und die deutschen Juden unterschied. Sie wurden hier aufgenommen . weil an christlichen Kautleuten noch großer Mangel herrschte . Daher war man froh, daß sie sich des Handels annahmen. Es wurde aber nur eine bestimmte Anzahl von ihnen geduldet, die dem Ärar die Toleranzgebühr zu entrichten hatten. Die Verwalterämter hatten den strengen Auftrag von seiten der Administration, ohne ihre Bewilligung keine fremden Juden ins Banat einzulassen, außer wenn sie mit ihren Waren zu den im Lande festgesetzten Jahrmärkten kamen oder wenn sie nur auf der Durchreise durchs Banat waren. Türkische und raitzische Juden wurden . wenn sie nicht den Zettel über den gezahlten Harasch vorweisen konnten , aus dem Banat abgeschoben . Die seßhaften deutschen Juden wurden genau konskribiert und ebenso die von ihnen zu leistende Toleranztaxe.
Die Zigeuner im Banat Obwohl sie im allgemeinen ein sehr verrufenes Volk waren, so waren sie im Banat recht gut zu brauchen . Sie verkörperten Schlosser und Schmiede in einer Person und machten den Walachen und Raitzen alles für den Landmann nötige Eisenwerk wie Nägel , Hacken und Messer. Selbst Gold- und Silberarbeiten wurden von ihnen meisterhaft angefertigt. Sie zeichneten sich durch Genügsamkeit aus und waren mit dem kleinsten Arbeitslohn zufrieden . Auf gute Kost und Kleidung hielten sie nicht viel. Sie lebten in Verhältnissen, in denen ein Deutscher nicht mehr hätte existieren können. Bot ihnen ein Ort keine Existenzmöglichkeit mehr, so wanderten sie mit ihrem Werkzeug in den nächsten , so zogen sie von Ort zu Ort. Ein Hauptgrund, daß sie geduldet wurden, war wohl der, daß sie den Untertanen unentbehrliche Leute waren. Ihre Anzahlließ sich nur schwer bestimmen, da sie, wie gesagt, keinen festen Wohnort hatten. Sie hatten dem Ärar eine Steuer, den sogenannten Harrasch , zu zahlen , und zwar jeder erwachsene Mann über 15 Jahre jährlich 5 tl. Das Einkassieren dieser Kopfsteuer wurde meist verpachtet, da sie eine recht unsichere Einnahme darstellte, " da die Unterthanen alt bereits exhapieren und sich bey wärmirer Zeith noch mehrers in die sogenannten Saltasehen und Wälder verlaufen werden ... "
Die Nationalisten und ihre Wohnverhältnisse im Jahre 1748 Die Dörfer und Siedlungen waren größtenteils verlassen, die Bewohner geflohen , verschleppt oder umgekommen. Der Ackerbau lag damieder, jede Familie baute nur das Lebensnotwendigste an, die Viehzucht und Jagd war die Hauptbeschäftigung. Elende Hütten aus Stroh und Weiden, mit Lehm und Erde verkleidet, dienten ihnen als Wohnung. Sie waren immer bereit, ihre Hütten und Erdhöhlen zu verlassen und falls erforderlich, an einen anderen Ort zu übersiedeln. Noch im Jahre 1748 wird in einem Brief an die Kaiserin Maria Theresia, der von dem Generalfeldmarschall Imanuel von Vogthern und Maxirnilian Edler von Rosendorf unterzeichnet ist, vom Kampf ums Überleben der Zivilbevölkerung im Banat berichtet, der uns an das frühe Mittelalter erinnert. Als nämlich im Banat bekannt wurde, daß das "Markgraf Darmstädtische Dragoner Regiment" aus Ungarn in das Banat verlegt werden sollte, versuchte man von hier aus, von diesem Vorhaben in Wien abzuraten. Die angeführten Gründe, warum man von diesem Vorhaben Abstand nehmen solle, sprechen mehr als tausend Worte. Mit der Wiedergabe dieses alten, handgeschriebenen Dokumentes, das ein unfehlbarer Zeuge unserer Geschichte ist, glaube ich den Zustand des Banats und die Lebens- und Siedlungsweise seiner Bewohner in der Mitte des 18. Jh .s einfach, deutlich und ohne Kommentar hervorzuheben. Es folgt nun der in Lugosch geschriebene Bericht, der leidenschaftslos die Verwilderung und Verelendung der Lebensweise der "Nationalisten" im Banat historisch dokumentiert: 43
Lugos, 17. September 1748. 1 Mit letzter Post ist von dem General-ober Kriegskommissariats-Amt an den hiesigen FeldKriegs-Commissarium Pr e v e t t e die Nachricht eingelangt, daß das Markgraf Darmstädtische Dragoner Regiment wirklich beordert seye aus dem Königreich Ungarn in den Temesvarer Banat zur Einquartierung abzumarschieren. Wir müssen aber darauf hinweisen, daß hier im Lande verschiedene Kassernen sich befinden, welche aber meistenteils während dem letzten Türkenkrieg gänzlich verwüstet, abgebrannt und ruiniert worden sind, hiervon nur das Mauerwerk und auch das ziemlich verbrochen und zerfallen übrig geblieben ist. Die Kassernen brauchen neue Dächer, Türen und Fenster. Boden und Stallungen große Reparaturen gebrauchen. Da die unter solchen Verhältnissen in das Banat einmarschierenden Dragoner des Markgraf Darmstädtischen Regiments bei den Unterthanen einquartiert werden müssen, wollen wir darauf verweißen, daß die hierlandigen Insaßen Raizischer und Walachischer Nation ihre Pferde und Hornvieh auf den Wayden und in ihren Höfen frei herumgehen lassen und für selbige keine Stallungen haben. Deren Häuser auch entweder in einer in die Erde gegrabenen oder von Ruthen geflochtenen Hütten, und diese in einer Kuchl und einem Zimmer bestehen, in welchem Mann, Weib und Kinder beisammen liegen. Dahero der vorhinigen Erfahrung nach wohl zu vermuthen und zu besorgen ist, daß wenn die hießigen Landesinsaßen Soldaten in ihre kleine Wohnungen auf eine lange Zeit aufnehmen angehalten werden sollten eine große Anzahl derenseihen in die Walachey, Servien oder anders wohin, von hier entweichen, und der Banat zum großen Nachteil des allerhöchsten Arary depopuliert [entvölkert] werden dürfte. Daher unsere Vorschläge die Kassernen schnellstens in den Stand zu versetzen damit die Soldaten dort einquartiert werden können . . . . Es ist daher höchst nötig, daß allhier ein Provinzial-lngeneur angestellet werde, welcher in der Landmessung, Zivi/baukunst, in dem Mühlen- und Wasserbau und in der Wassermesskunst wohlerfahren und welcher über die Cameral-Gebäue und über die Landmüht und Wasserbau die Riße [Zeichnungen] und Oberschläge zu entwerfen und solche Gebäue mit Sparsamkeit zu dirigieren wohlverstehet und welcher succeßive die hierlandigen Prädien aufnehme, hierüber die Pläne verfertigt, bei denen hierlands zwischen denen Dörfern und Dorfinsaßen so häufig vorfallenden Grund- und Gränizstreitigkeiten, wie auch bei Anlegung neuer Dörfer, undbeyzunehmender populierung deren noch nicht genügsam mit Unterthanen besetzten Dörfer die Grundstücke, Felder und Wiesen abmesse um daraus entnehmen zu können wieviel Contribuenten in jedem Dorf füglieh untergebracht werden können. Zu welchem Ende von Seiten der der k .k. Administration der ehemalige lngeneur Leutenant Stein!, als das hierzu tauglichste Supjectum vorgeschlagen werde. Er ist in oberwehnten Wissenschaft bestens erfahren, hierüber in dem Banat vielfach Proben Thätlich abgelegt, und die Wassern Gebirgig und Flachenlanden vollkommen kundig und solche Gewässer theils selbsten aufgenommen und in Karten geJaßt hat." Steinlein wurde anschließend tatsächlich in dieses Amt eingeführt, in dem er zum "Architekten des Banates" emporstieg. Eine Bestätigung seines großen Wissens, Könnens und seiner Leistungen sind die vielen Pläne, Karten und Skizzen, die im Hofkammerarchiv in Wien, in der Abt. Karten- und Plänesammlung aufliegen und seinen Namen tragen . Auch das soll hier festgehalten werden. [Mit seinem richtigen Namen hieß er S t e i n I e i n und nicht S t e i n I!]
Der "Erste Schwabenzug" ( 1722) Die Kolonisationstätigkeit unter Graf Mercy Mercys Plan und sein Streben ging nun dahin. für die halbentvölkerten und zum Teil gänzlich verlassenen Dörfer neue Kolonisten zu gewinnen und anzusiedeln . Als neue Siedler hatte sich Mercy hauptsächlich Deutsche aus dem Reiche ausersehen , denn er kannte deutsche Fähigkeiten . deutsche Ausdauer und deutschen Fleiß. Das deutsche Reich war damals ziemlich überbevölkert und die Menschen waren weder wirtschaftlich noch persönlich frei. Ihrem Grundherrn mußten sie persönliche Robot und Abgaben 1
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leisten. Außerdem bot ihnen ihre Heimat für den großen Kinderreichtum keinen ausreichenden Lebensunterhalt mehr. Unten im Banat erhofften sie sich ein freieres und sorgenloseres Leben , als es ihnen die Heimat bot. Die ersten Deutschen. die ins Banat gerufen wurden, waren Beamte aus der Monarchie und bürgerliche Handwerker, Kautleute oder sonst Angehörige freier Berufe, Ärzte, Ingenieure und Baufacharbeiter für den Festungsbau. Die ersten Bergleute, die ins Banat gerufen wurden , kamen aus Tirol. der Steiermark, den Sudelenländern und aus der Pfalz. Schon vor 1722 sind einige deutsche Bergmannsiedlungen wie Orawitz, Bogschan, Dognatschka und Gallina entstanden. Die systematische Ansiedlung von deutschen, bäuerlichen Kolonisten setzt 1722 ein und geht auf Mercy selbst zurück. Nationalpolitische Ziele hat Mercy nicht gekannt. Von einer Tendenz zu germanisieren kann bei ihm nicht die Rede sein. Der Deutsche ist wegen seiner überlegenen Kultur und seiner politischen Verläßlichkeit im Banat kaum entbehrlich. Man braucht ihn zur Einführung neuer und höherer Kulturzweige, man braucht ihn zum Anlernen anderer Völker. Eines wird unbedingt verlangt: sie müssen Katholiken sein! Die Ansiedlungsbedingungen sind im Gegensatz zu denen der Theresianischen und Josephinischen Periode nicht sehr entgegenkommend, weil Mercy von vornherein Kolonisten haben wollte. die wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen konnten. Schon 17 16- 1717 entstand im südlichen Banat die Siedlung Lagerdorf, die sich aus Soldaten. Marketendern und Händlern eines kaiserlichen Kavallerielagers zusammensetzte. Im Herbst 1717 kamen Bauern ins Banat, von denen einige Weißkirchen gründeten. Im Jahre 1718 entstand Deutsch St. Peter und 1719 die Winzerkolonie Kudritz. Das .. Wienerische Diarium" [Zeitschrift] vom 5. März 1719 berichtet folgendes: " Heute seynd über hundert Handwerks-Leuthe aus dem Reich zu Wasser dahier angelangt, um ferners nach dem Banat von Temesvar abzufahren, und aldorten sowohl in dem Festungsbau als auch in anderen Dingen gebraucht zu werden." Ein Beweis, daß die Regierung neu angeworbenen Handwerker aus Deutschland nachschob . Am 24. Juni 1722 berichtet das "Wienerische Diarium" folgendes: "Montag den 22. Juny. Dieser Tagen seynd in etlichen Schiffen auf der Donau die durch einem Hoch!. Hofkriegs-Rat auf verlangen Ihre Excellentz des in dem Temesvarer Bannat Commandirenden Herrn General Mercy aus dem Tyrol beschriebene Berg Knappen, samt Weib und Kindern bey 450 Köpfen, unter Begleitung dero Berggerichts-Schreibern, Herrn Josef Angerers, allhier angelangt, um nach besagtem Bannat bey Einrichtung aldort liegender Berg- Werkeren sich niederzulassen, und gute Dienst zu thun. " Mit der Anwerbung der deutschen Kolonisten betraute Mercy den Kamera! Oberverwalter Johann Franz Albrecht Kraussen. Kraussen, dessen Name in den "Banater Akten" im Wiener Hofkammerarchiv erst am 18. März 1722 das erste Mal vorkommt, wird dort als " Leuthnanth" bezeichnet. Millecker führt ihn als " Zolleinnehmer von Moldowa" an. Kraussen, der von Herkunft Rheinländer war und der das ganze Banat aus seiner dortigen mehrjährigen Amtszeit gut kannte, ebenso die Verhältnisse im Rhein- und Moseltale, wußte, daß es dort viele Auswanderungswillige gab. Seine Schreiben an Bekannte in der Heimat, in denen er ihnen die zu erhoffenden Privilegien schilderte, hatten volle Wirkung und es meldeten sich einige hundert Familien, die den Landsmann Kraussen beauftragten , in ihrem Namen mit der Banater Landesregierung zu verhandeln . Am 30. März reiste Kraussen mit einem Freipaß , der von Kaiser Kar! VI. ausgestellt war, von Wien nach Deutschland . Das Gebiet der Werbung erstreckte sich auf das Schwabenland, Frankenland, die Pfalz, auf die Kurfürstentümer Mainz , Trier. Köln und auf das Herzogtum Hessen-Darmstadt Der Mittelpunkt der Werbestätte war Worms. Diese 1722 angeworbenen und eingewanderten Familien wurden hauptsächlich im Distrikt von Uypalanka angesiedelt. In dieser Zeit entstand auch die deutsche Stadt Uypalanka. Bis zum Jahre 1724 waren bereits 12 Ortschaften zum Teil neu angelegt, zum Teil erweitert worden; und zwar die 1723 entstandenen Dörfer Neu-Arad, Groß-Becskerek , Werschetz, 1724 Guttenbrunn. Lippa, Pancsova. Perjamosch. Weißkirchen, Deutsch St. Peter, Zadorlak , Neu-Pecs, Detta. Bruckenau und Jarmata. Wurden die Deutschen in einem Ort angesiedelt wo Serben und Ru45
mänen wohnten, so bekamen sie abgesonderte Hausplätze , Gassen und Felder und bildeten eine selbständige deutsche Gemeinde. So entstanden Deutsch-Lugosch, Deutsch-Werschetz, Deutsch St. Peter, usw. Nach einer "Spezification der de facto in dem Temesvarer Banat befindlichen teutschen Ortschaften" befanden sich 1734 im Banat 46 deutsche Ortschaften . Von diesen befanden sich im nördlichen Banat: Neu Arad, Lippa. Guttenbrunn, Lugosch , Perjamosch, Deutsch St. Peter, Bruckenau, Jarmatha, Temesvar, Deutsch Rekasch, Freidorf und Uy Pecs. Zusammen 12 Ortschaften. Im mittleren Banat waren: Csakova, Detta, Denta, Berekuza, Voitek, Groß Becskerek, und Deutsch Karansebesch . Zusammen 7 Ortschaften. Im südlichen Banat waren: Weißkirchen , Deutsch Werschetz, Kudriz, Cservenka, Lagerdorf, Neu Pancsova, Ploschitz, Deleblat Uypalanka, Diebiz, Radimna, Possesena, Mazkovicz, Moldova, Sakalovicz, Langenfeld, Rebenberg, Josoffnik , Petrillova, Potok , Makovics, Freudental, Häuerdorf, Russova, Salhausen, Mühlenbach und Deutsch Orsova. Zusammen 27 Ortschaften . Im Jahre 1736 wurde mit der Anwerbung deutscher Kolonisten von neuem begonnen , dies zeigt uns ein gedruckter Werbezettel des Werbers Joseph Anthoni Yogi, ausgestellt in U1m am 30. September 1736, mit den " Verheißungen und Conditiones". Am 3. Oktober 1736 meldet ein "Accisen-Einnehmer in Schlesien", Leopold Gärtner, " daß er demnächst mehrere Familien aus Schlesien zur Ansiedlung in das Banat befördern werde", Ansiedlungsort FreudentaL Die Anzahl der Kolonisten , welche von 1736- 1738 in das Banat kamen , war bedeutend kleiner als die der Zeit von 1722- 1726, es waren nur einige hundert. Im Jahre 1737 entstanden vier neue deutsche Dörfer: Saderlach , Gutwill , Munar und Novosello. Sie wurden von Schwarzwälder Familien gegründet und hatten einen sehr schweren Start. Aus einer "Specification" vom 12. Februar 1742 geht hervor, daß ... die den 18 deutschen Schwarzwälder Leuthen zu Gutwill pro 1737 vorgestreckten 90 Metzen Getreyd nicht eingebracht werden können, da das Dorf schon völlig entwichen war." Das gleiche traf bei dem Dorf Novosella mit 20 Schwarzwälder Familien und 117 Metzen Gertreide zu. Hinsichtlich der Bevölkerungszahl der einzelnen Ansiedlungen stehen in den " Banater Akten" keine Belege zur Verfügung. Wir wissen aber, daß die deutschen Orte und Kolonien nicht sehr groß waren und durchschnittlich fünfzig Häuser zählten. Rechnet man nun ungefähr vier Einwohner je Haus, so ergibt sich, daß bis 1734 10.000 deutsche Menschen im Banat angesiedelt wurden. Möller berichtet von ungefähr 15 .000 Deutschen und Braess von 2.500 Familien . Als im Jahre 1736 bereits der Türkenkrieg drohte, hielt man es für unbedingt notwendig, dem Banat neue deutsche Ansiedler zuzuführen und suchte außerdem noch die Kriegsveteranen aus Schlesien zu gewinnen. Der Nachfolger von Mercy, General und Administrationspräses Graf Hamilton , setzte 10.000 fl. für die Ansiedlung deutscher Familien aus. Die bewährte deutsche Besiedlung des Banats, die jährlich ungefähr 30.000 fl . Karneralgefälle [Bodenzins und Abgaben] abwarf, wollte man unter allen Umständen fortsetzen .
Der Türkenkrieg im Banat (1737- 1739) Zu all dieser Not brach 1737 der Krieg zwischen Österreich und der Türkei aus, ein harter Schlag für die deutschen Kolonisten . Aus dem zum Kriegsgebiet gehörigen südlichen Teil des Banats, in dem überdies mit den Türken auch die Pest auftrat, flohen die deutschen Siedler unter Zurücklassungall dessen , was sie sich ein Leben lang mühevoll erarbeitet hatten , in den nördlichen Teil des Landes, um dort Schutz zu finden. Bei Festungs- und Schanzarbeiten in und um Temesvar fanden manche einen kärglichen Verdienst. Dabei waren sie vielen Strapazen und Ge46
fahren seitens der von der bisherigen Ordnung niedergehaltenen , jetzt zügellos und rücksichtslos herrschenden Räuber und Wegelagerer, die nun Gewalttaten verübten ausgesetzt. Am 12. Dezember 1737 wurde der Gemahl der späteren Kaiserin Maria Theresia, Franz Stephan von Lothringen , zum Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres gegen die Türken ernannt. Auf einem Ölgemälde im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien sehen wir ihn am 4. 7. 1738 in der Schlacht von Kornya im Südbanat Seine hoffnungslose Lage im Kampf gegen die Türken im Banat zeigt uns ein Brief an seinen Schwiegervater Kaiser Kar! VI.: "Es bleibt mir nichts übrig zu berichten, als daß es mir unerhört schmerzhaft fällt, nicht im Stande. zu sein, dasjenige zu bewirken, was man vielleicht geglaubt und gehofft hat, sondern daß ich im Gegenteile der Meinung der Generale beifallen muß. Ich bitte Eure Majestät zu bedenken, was ich hierbei für eine Figur mache." [15. 9. 1738] Die kaiserliche Armee wurde zurückgedrängt, und die Türken kamen bereits in bedrohliche Nähe von Temesvar und Lugosch. Endlich brachte das Jahr 1739 den Frieden von Belgrad und die Freiheit für das BanatAußer dem Banat ging am 18. September 1739 alles wieder verloren , was Prinz Eugen vor zwanzig Jahren erobert hatte. In die von den deutschen Siedlern im Südbanat verlassenen Dörfer zogen Angehörige der "National Miliz", Raitzen und Walachen ein, ... die dem Lande und der Kaysl. Armee mehr als die Türken selbsten zum Lastschaden und Nachtheil gewesen seyn . ... man hat den alten Landesunterthanen die von ihren Voreltern heurbarte Grundstücke entzogen und denen Nationalisten zugeeignet. Die Militär mußten die Häuser und Gärten der Deutschen mit Gewalt drei Tage lang räumen, wodurch erfolget, daß der größte Theyl jener Teutschen aus dem Bannat abgewichen, in Hungarn sich niedergelassen, und mittels deren Correspondierung mit ihren befreunten in dem Reich die teutsche Population in dem Bannat einen großen Stoß Schaden bekommen. Viele Deutsche aus dem umkämpften Südbanat, die trotzaller Gefahren überlebten , kehrten entmutigt, verarmt, an Leib und Seele gebrochen nach Deutschland zurück und berichteten in ihrer Heimat, am Rhein und an der Mosel , in Schwaben und im Saarland, daß das Banat nicht das versprochene Paradies, sondern die Hölle, der Deutschen Friedhof sei. Die Hoffnung der armen Kolonisten, sich mit viel Mühe und Plage eine neue Heimat geschaffen zu haben, war dahin. Einen ungefähren Überblick über die Verluste der deutschen Zivilbevölkerung gibt uns ein "Aufsatz" vom 13. Juni 1739 über einen Transport . .. Banatischer Pupillen [Waisenkinder] verarmter Männer und Frauen: 3 Wittwer 56 Mädchen 6 Weiber 46 Knaben 2 Männer 38 Wittwen
Flucht aus dem Banat und ihre Ursachen Trotzdem die Administration gute Bedingungen stellte, kam es immer wieder vor, daß viele Einwanderer das Banat verließen. Das ungesunde Klima sagte den neu Ankommenden am wenigsten zu. Hohe Kontributionen gaben häufig Anlaß zur F1ucht, ebenso die schweren Roboten und Steuern. Besonders gefürchtet waren die militärischen Einquartierungen , die die Einwohner oft empfindlich schädigten. Mißhandlungen und Schläge, auch ungerechtfertigter Weise, vonseitender Beamten. verleideten den Menschen den Aufenthalt. Auch von der Kirche aus kamen schwerste Bedrückungen vor. Die Popen und selbst der Bischof zwangen die Leute zu Geld- und Naturalienleistungen und pfändeten ihnen die unentbehrlichsten Gegenstände, falls sie nicht zahlen konnten . Die F1ucht der Ansiedler brachte aber nicht nur die Regierung in große Verlegenheit, sondern bedeutete auch für die Zurückgebliebenen eine ernste Schädigung. In solchen Fällen wandten sich die Verwalterämter an die Administration, die Kontribution etwas einzuschränken, damit nicht auch noch die Treugebliebenen die Siedlung verließen. 47
Aber nicht nur die Bauern , sondern auch die Handwerker, an denen ohnehin immer Mangel herrschte, suchten auf alle möglichen Arten aus dem Banat herauszukommen. Daher erhielten die Mautämter den Auftrag, niemanden ohne gültigen Paß oder Abschiedszettel des Bauamtes oder Militärkommandos passieren zu lassen, sondern diese Flüchtlinge unter Bewachung einzuliefern . Die Hofkammer verordnete am 2. Mai 1722: ". .. daß alle jene Unterthanen aus Banat, die sich während des Türkenkrieges ins Ungarn geflüchtet haben, wieder zurückkehren müssen. "
Die katholische Kirche im Banat Die lange Zeit, in der das Banat unter Türkenherrschaft gestanden hatte, hatte dem katholischen Leben fast ein völliges Ende bereitet. Es mußte also auch das kirchliche Leben neu aufgebaut werden. Die ursprünglichen Moscheen wurden in katholische Gotteshäuser verwandelt, und in der Zeit von 1717-1733 entstanden mehr als 20 Pfarreien . Vielfach brachten die deutschen Ansiedler ihre Seelsorger selbst mit ins Banat. 1724 wurde der Bischof Graf von Nadasdy der oberste Leiter der kirchlichen Angelegenheiten, und er verlegte seinen Sitz von Csanad nach Temeswar. Man berief auch Orden ins Land , z. B. die Patres Piae Scholae, die die Jugend in den Grundfächern zu unterrichten hatten , ferner die Franziskaner in die große Palanka, ein Vorort der Festung Temeswar, die Kapuziner nach Uypalanka, die Minoriten nach Orsova und Negodin, schließlich die Jesuiten , die in Temeswar ein dreiklassiges Gymnasium unterhielten. Der Zweck war, die Jugend nicht nur in der Furcht Gottes, sondern auch im Lesen, Schreiben und Rechnen zu unterrichten . Wie sehr man bestrebt war, das neu eroberte Gebiet katholisch zu machen, geht daraus hervor, daß man bei der Wiederbevölkerung des Landes den Protestanten die Einwanderung in s Banat verwehrte, und die Akten liefern immer wieder den Beweis, daß die Katholiken gegenüber den Protestanten bevorzugt wurden. In einem Hofkammer-Rescript vom 5. Februar 1720 heißt es: "daß bei Vergebung der Dienststellen denen Katholiken vor denen Acatholicis der Vorzug zu lassen ist." Milder verfuhr man gegen die Angehörigen der griechischen Religion. Ihre Popen waren von jeder Kontribution und Robotleistung befreit.
In der Feldherrnhalle zu Wien in Marmor gemeisselt:
FM. FRANZ FREIHERR MERCY v. BILLETS t hi Allenbelall 1645
FML. PETER ERNST FREDIERR MERCY •· BIILETS f ..... OfeB 1686
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"Claudius F1orimund Graf Mercy von Billets" Im Laufe der Jahrhunderte ist es völlig untergegangen, daß der Kaiser bei der Adelsstanderhebung und Verleihung des Grafentitels an den Grafen Mercy, auch das Prädikat "von Bi II e t s" mitverliehen hat. Eine heute noch einwandfreie Bestätigung der Verleihung des Prädikats an die Familie Mercy sind die in Marmor gemeißelten Namen des Großvaters, Vaters und Sohns in der Feldherrnhalle zu Wien. Auch in der "Allgemeinen Deutschen Biographie"' scheint bei Oaudius Aorimund Mercy das Prädikat "v. Billet" auf, ebenso in einem im Kriegsarchiv aufliegenden "Generalsbuch". Aus den einschlägigen Werken geht hervor, daß Mercy's Adelsstanderhebung am 19. März 1719,2 mit dem Adelstitel "von Billets" erfolgte. Wappen der Fa m i I i e M er c y 3 : In Gold ein gemeines blaues Kreuz. Helm: Schilfkolben mit Gras zwischen zwei Pfauschweifen. Generalfeldmarschall Graf Oaudius Aorimund Mercy entsproß einem ins 15. Jh . zurückreichenden, Iothringischen Adelsgeschlecht und wurde 1666 im Lothringischen geboren. Gefallen am 29. Juni 1734 in der Schlacht bei Parma, als Höchstkommandierender, begraben in Reggio, in der Domkirche.
Prinz Eugen, der edle Ritter Der Diener dreier Kaiser (* 1663 t 1736) Prinz Eugen ist für uns Donauschwaben ein Nationalheld der Banater Geschichte. Er war aber noch viel mehr: ein glänzender Diplomat, hervorragender Stratege und ein begeisterter Kunstförderer. Er war eiteL prunkliebend und ein raffinierter Taktiker. Der Herkules war Eugens Symbolfigur. Er selbst war klein. hohlwangig und sah nicht imponierend aus. Wie viele französische Adelige kämpfte auch er 1683 bei der Befreiung Wiens von den anstürmenden Türken mit. Sein Bruder Ludwig Julius ist im habsburgischen Heer gegen die Türken gefallen . Eugen zeichnete sich so aus. daß er in zwei Monaten Oberst war. Er war ein treuer Diener seines Herrn. Kaiser Leopold's. Er diente drei Kaisern: Leopold. Josef I. und Karl VI. "Der erste war mir wie ein Vater, der zweite wie ein Bruder", sagte Eugen selbst. "Der dritte", der Vater Maria Theresias, "war ein Herr". Das sagt genug über die gespannten Beziehungen zwischen beiden aus. Daß Eugen nach seinen Siegen über die Türken bei Zenta, nach der Eroberung Belgrads. als Generalgouverneur der Lombardei und Statthalter der Niederlande nur noch die Eifersucht seines Kaisers und Dienstherrn erntete. war eine Tatsache. Eugen galt damals als der ,.heimliche Kaiser" . Heute gilt Prinz Eugen als einer der faszinierendsten Politiker und Strategen der europäischen Geschichte. Seine schlimmsten Feinde, die Franzosen, feiern ihn heute gerne als einen der ihren und die Italiener preisen ihn als den bedeutendsten Sproß ihres Königshauses. Er ist im April 1736, also zwei Jahre nach Mercy, in Wien verstorben. Sein Herz ist in Turin. in Italien . und seine sterblichen Überreste sind im Wiener Stephansdom beigesetzt.
Allgemeine Deutsche Biographie. 21. Band Leipzig 18R5. S. 410 ff. Siebmacher's großes und allgemeines Wappenbuch. Nürnberg 1856. S. 58. 3 Siebmacher's großes und allgemeines Wappenbuch . Der Adel in Deutsch-Lothringen. Tafel 44. Bd. II. II. Vgl. Wurzbach . Constant v. Dr.: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich . Wien 1867, S. 386-393. Bd. 17 . Vgl. Michaud, J. Fr.: Biographie Universelle, Paris 1854. 1
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Johannes von Nepomuk Schutzpatron des Banates
Auf dem Paradeplatz zu Temeswar [früher Prinz Eugen Platz, Freiheitsplatz, Rathausplatz usw .] stand bereits im Jahre 1722 eine Statue des heiligen Johann von Nepomuk. Nachweislich deshalb. weil am 16 . Mai 1722 an dieser Statue die Litanei abgesungen wurde. Nach dem Vorbild anderer Vereine in Wien und Prag. wurde am 3. April 1724 in Temeswar die Bruderschaft des heiligen Johannes von Nepomuk gegründet. Die Statuten dieses Vereines. welche die Beschützung des guten Namens der Mitmenschen gegen Verleumder. die Erhaltung guter Sitten und die Ausübung barmherziger Werke an Arme, Gefangene usw. zum Ziele hatten, befanden sich im Archiv des Temeswarer Domkapitels. Dieser Verein hatte immer die angesehensten. weltlichen Würdenträger und Personen zu Vorständen . Sein erster Rektor war der Temeswarer Festungskommandant Feldmarschall Leutnant Graf Franz von Wallis. Die bosnischen Franziskaner in der Festung Temeswar. waren die Gründer des Vereines. Die Statue des heiligen Johannes war das älteste Standbild des Banats und wurde von einem unbekannten Künstler errichtet. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese erste Statue aus dem Königreich Böhmen ins Banat gebracht wurde . Denn Johannes von Nepomuk wurde um 1350 in Nepomuk , früher Pomuk , in Böhmen geboren. Er wurde Priester und später Generalvikar des Erzbischofs von Prag. In dieser Eigenschaft wurde er von König Wenzel I. gefangengenommen , gefoltert, gefesselt und am 20. 3. 1393 von der Karlsbrücke in Prag, in die Moldau geworfen . Da er für seine religiöse Überzeugung leiden und sterben mußte, wurde er zum nationalen Blutmärtyrer von Böhmen. Daß gerade dieser Mann, 334 Jahre nach seiner tragischen Hinrichtung in Prag, zum Schutzpatron des Banats ernannt wurde war ein Politikum ersten Ranges. Der Papst in Rom und die katholische Kirche in Europa hatten in die Vertreibung der Türken aus MitteJeuropa sehr viel Geld investiert. Prinz Eugen hatte zu den Ungarn jegliches Vertrauen verloren und war gegen eine Vereinigung des Banats mit Ungarn . Er ließ die Militärgrenze an der Theiß und Marosch ausschließlich mit Serben und Slawen, Aüchtlinge aus den von den Türken besetzten Gebieten, besetzen. Diese Maßnahme richtete sich sowohl gegen die Türken , als auch gegen die Ungarn. In Wien war man auch bestrebt möglichst viele Offiziere und Beamte, mit ihren Familien, aus Böhmen, dem zweiten Königreich der Habsburger, im Banat anzusiedeln . Somit war es selbstverständlich, daß man dieses neu eroberte Banat, rein symbolisch unter den Schutz des nationalen Blutmärtyrers von Böhmen , Johannes von Nepomuk , stellte. Sowohl der Kaiser Kar! VI. als auch der Papst Benedictus XIII . waren damit einverstanden, und am 1. Mai 1726 hat die Banater Landesadministration empfohlen "nach dem das Banat sich diesen Schutzpatron gewählt habe, das Fest des Heiligen Joannis Nepomuceni am 16. Mai feierlich begangen werde." Als Schutzpatron des Banats wurde Johannes im Jahre 1729 vom Papst Benedictus XIII. heilig gesprochen. Im Jahre 1735 hatte man in Temeswar mit dem Bau eines Spitales zu Ehren des heiligen Johannes von Nepomuk begonnen. Der kommandierende General im Banat, Graf Hamilton . der damals Präses der Bruderschaft war, schlug vor. das neue Spital den geistlichen Brüder des Ordens der Barmherzigen anzuvertrauen . Am 1. November 1737 übernahmen sechs Mitglieder dieses Ordens aus Deutschland, unter der Leitung ihres Vicars Paulinus Terne! das Gebäude samt der Pflege der Patienten. Das Spital der Barmherzigen Brüder. stand noch im Zweiten Weltkrieg. allerdings unter einem anderen Namen , im vollen Einsatz. In den Jahren der Türkeneinfälle in das Banat 1738/ 39, die ja auch die Pest in s Land brachten . suchte die Bevölkerung von Temeswar und dem Banat immer Schutz und Hilfe bei dieser Statue. Statue des heiligen Johannes v. Nepomuk in Temeswar, 1980 . .,... 50
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Das Prädio Billiet von 1716 bis zur Ortsgründung im Jahre 17 65
Wie wir sehen, ist die Geschichte unserer Heimatgemeinde Billed in ihren Anfängen dunkel. erst später, mit dem Jahre 1716 beginnt der Geschichtsfaden sich ununterbrochen fortzuspinnen und es treten einzelne Lichtpunkte hervor, welche uns hie und da einen Einblick in das wirre Getriebe um Billiet gestatten . Viele Orte im Banat. deren Namen aus dem Mittelalter uns überliefert wurden , waren teils ganz verschwunden, teils lagen sie in Schutt und Asche. Auch unser Billed war ein "verödetes Dorff' und wurde restlos zerstört. Die 1720 entworfene Karte des ,.Temesvarer District" zeigt uns in der westlichen . ebenen Hälfte des Gebietes weit aus!,!edehnte Sumpf- und MorasNcll cn ganz verlassene oder nur wenig bewohnte Ortschaften . Kennzeichnend und charakteristisch für den Zustand dieses Gebietes ist die Eintragung des Vermessungsingenieurs auf dieser Karte im Gebiet des Flusses Bega, westlich von Temesvar, wo er schreibt: "Morast welcher nicht durch zu kommen ist." Alles von den Orten entfernt liegende Land war Weidefläche für eine ausgedehnte Viehzucht. In dieser Viehzucht lag auch die wirtschaftliche Bedeutung des Banats. Es war Ausfuhrland für Schlachtvieh und ungarisches PferdemateriaL Das Banat war der große "Viehstall" in der Wirtschaft Europas . Das eigentliche Wirtschaftssystem des Banats baute sich ganz auf die Nutzung des unangebauten Landes im extensiven Weidebetrieb auf. In denkbar billiger und denkbar primitiver Weise wurden riesige Rinderherden auf den Prädien des Banats gezüchtet. die Tag und Nacht. Sommer und Winter im Freien blieben und um die sich vor dem Verkauf kaum jemand zu kümmern brauchte. Die Unternehmer waren sogenannte Griechen . zum Teil wirklich von griechischer Nationalität, zum größeren Teil aber serbische oder mazedo-valachische Handelsleute, die, in einerPrädien-und Ochsenhändlerkompanie organisiert. das Monopol für die Ausnützung der Prädien und damit den größten Teil des ganzen Landes in der Hand hatten . Unter dem Präsidium eines Bürgers von Temeswar namen s Bibic'. erfolgte die Gründung ei ner Gesellschaft. die . mit reichlichen Mitteln ausgestattet . bald den ganzen Produkten- und Viehhandel an sich riß . Dem Schriftverkehr zwischen der Landesadministration in Temesvar und der Hofkammer in Wien verdanken wir die ersten Nachrichten über das "Prädio Billiet" nach der Türkenzeit. Diese Schriften. Akten. Verträge , Urkunden, Karten, usw. sind die Quellen und Perlen unserer Geschichte im Banat. Das erste Dokument in den "Banater Akten" in dem Billiet aufscheint, ist vom 10. Mai 1721, also 44 Jahre vor der Besiedlung mit Deutschen, und bestätigt uns, daß Billiet ein verlassenes Dorf war: 10. Mai 1721 Das Temesvarer District- Verwalteramt erstattet die Außerung über das Gesuch der Bürger in der großen Palanka [ein Vorort der Festung Temesvar], womit ihnen zum Unterhalt ihres Viehs die v e r I a s s e n e n Dörfer Billet, Jetsa und Ketse, überlassen werden möchten, mit dem Erachten, daß da Billet und Jetsa verpachtet, Ketse aber für die umliegenden Ortschaften unentbehrlich ist, dem Gesuch nicht zu willfahren [nicht zu genehmigen] wäre. 3. Mai 1722 Contract zwischen dem Paratzer Verwalteramt und denen Raitzen Fronekund Jura in Betreff der von 70 fl. und der Zehententrichtung zu überlassenden Benützung des Prädii Billiet. 3. August 1722 Die Administration bewilliget, daß mit den Calugern [Calugyer Kloster], die den öden Grund bei Szaderlak bebauet haben und Zehend hievon entrichten wollen, ein Contract dieserwegen angestossen [abgeschlossen] werden könne. Schließlich und endlich den wegen Verpachtung des ö d e n Do r f es B i II i e t h angestossenen Contract zur Abänderung.
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24. April1723 Contract zwischen denen Palankaer Unterthanen Jura und Froma und dem Temesvarer Districtverwalteramt, wegen der ihnen auf ein Jahr zur Benützung gegen 70 fl. Arrenda überlassenen ö d e liegenden Dorfes Billiet. 24. April 1724 Contract zwischen dem Temesvarer Districtverwalteramt und denen in der Temesvarer Palanka wohnhaften Jura und Frona, wegen des ihnen auf ein Jahr pro 1725 zur Benützung überlassenen ö d e liegenden Dorfes Billet, gegen eine Arrenda von 70 fl. 21. April 1725 Contract zwischen dem Temesvarer Districtverwalteramt und den Griechen Jova und Frona wegen des ihnen pro 1726 gegen einen Zins von 70 fl. und Zehententrichtung überlassenen Dorfes Billiet.
Erst 12 Jahre später erfahren wir wieder einiges über Billiet als "zwischen dem Kaysl. Administrations Buchhalter dahier Hr. Georg Wilhelm Haagen an einem, dann dem Oberverwalter Samuel Mayer an andern Theils ein aufrecht und unwiderruflicher Kauf- Contract errichtet und folget beschlossen worden seye". Da dieser Kaufvertrag über 8 Seiten umfaßt, bringe ich auszugsweise nur jene Stellen. die auch heute noch für uns von Wichtigkeit sind.
Temesvar, 22. Juny 1737 "Hr. Oberverwalter Mayer überläßt dem Hr. Buchhalter Haagen sein sämtliches auf dem Prädio Piliet dermahlen habendes Vieh, welches vermög specifirten Aufsatz 800 Stück Hornvieh und 78 Pferdten bestehet also und der Gestalten käuflich überlassen, daß er Hr. Buchhalter von nun an den völligen Genuß davon ziehen und würklich wahrer Eygenthümmer davon seyn solle." "Gleich wie es lhme auch bereits ordentlich zugezehlet und übergeben worden ist, dahin obligiert sich er, Hr. Buchhalter vor jedes Stück Hornvieh durch die Bankh, es seye groß oder klein exclus. derer heurigen Kälber 8 fl., vor jedes Stück Pferdt aber 12 fl., dann vor das ihm zugleich überlassende Gebäu und Brunnen, welche Hr. Oberverwalter errichten lassen 200 fl., mithin in Toto vor die zugezehlte 800 Stück Hornvieh und 78 Pferdt nebst der S a ll a s c h 7536 fl. also zu seinen Handen baar und ohne Causierender Verzögerung zu erlegen haben solle." " Und zumahlendem Hr. Oberverwalter Mayer, als er dieses Vieh von der Temesvarer Administration käuflich übernommen, zugleich auch unter andern Accords Punkten mit einbedungen und erlaubt worden ist, daß er das Prädium Piliet gegen jährlich 100 fl. Arrenda Zins, ohne von jemanden davon vertrieben zu werden auf 6 Jahre lang unbeeinträgtigd besitzen und genießen solle, also thut er sein dießfalls darüber erlangtes Recht hiermit gänzlich an Hr. Buchhalter abgeben." Unterschrift: G. W. Hagen loh. Mayer
Mit den beiden RaizenFronekund Jura wurde der Pachtvertrag über das Prädio Billiet nicht mehr verlängert und ab dem Jahre 1727 hat die Temesvarer Landesadministration dort das ,.Kaysl. Zuchtvieh" gehalten. 1731 hat der Oberverwalter Mayer das gesamte Vieh der Landesadministration käuflich erworben und das Prädium Billiet gegen einen jährlichen Pachtzins von 100 fl. auf 6 Jahre gepachtet. Interessant ist. daß dieser Oberverwalter Mayer auf dem Prädio Billiet lauf Punkt 4 des Vertrages "auf ersagten Prädio zu unumgänglicher Unterbringung derer Leuth errichtete Gebäu und neu verfertigte Brunnen ... zur Unterbringung der Hirten, die das Vieh beaufsichtigten" anlegen ließ. Diese Hirten hausten in mit Schilf gedeckten. armseligen Lehmhütten, meist auf Anhöhen, um vom hohen Grundwasser möglichst verschont zu bleiben . Ob die "neu verfertigten Brunnen" schon als Ziehbrunnen ausgerüstet waren. werden wir wohl nie erfahren . Unsere Ahnen. die Billiet 1765 besiedelten. sahen bestimmt noch Überreste und Gegenstände. die sie benützten, oder mit denen sie in naher Berührung standen. 53
Im Jahre 1922 wurde auf dem Grundstück von Peter Werhoff in der Vertgasse . Hausnummer 123. bei Erdarbeiten eine Wohnstelle in der Erde entdeckt. Feuerstelle. Tisch und die Sitzgelegenheiten waren aus Erde geformt. Es ist also nicht ausgeschlossen . daß dieses ,.Gebäu" in den Jahren von 1731 - 1737 dort errichtet wurde. Sicher ist aber. daß diese ,.Erdhöle"- wie sie Kar! von Möller nannte- nicht von unseren Ahnen errichtet und bewohnt wurde. um die Fertigstellung ihrer Häuser abzuwarten. Die im Hofkammerarchiv in Wien liegenden Schlafkreuzerlisten bestätigen und beweisen tausendfach. daß unsere Ahnen im Banat bei Deutschen und Nationalisten bis zur Fertigstellung ihrer eigenen Häuser im Quartier lagen. Viele von ihnen . oft ganze Familien . sind in diesem ..Notquartier" gestorben. noch ehe ,.Ihr" Haus erbaut war. I 7 3 8 w ur d e das ,, Prä d i um Bi II i e t der Stadt Temesvar zur "gemeinen Wayd beygegeben, aus der Licitationsliste ausgelöscht und zur obbesagter Heuerzeugung vorbehalten." 1 7 4 1 war das Prä d i um Bi II i e d, laut "Extract des Prov. Einnehmer Joh. lgnaz Schwarthbach vor König!. Heu reserviert worden und hat seit 1734 jährlich 100 fl. an Arrenda Zins erbracht." 2 3. J u I i 1 7 4 2 berichtet das Iippaer Verwalteramt der Landesadministration in Temesvar, "daß zur endlichen Aufschöberung des Heues auf dem Prädia Billiet 200 Bauern beordert wurden." 2 2 . Mai 1 7 4 3 "St. Andrascher Verwalter Märkl meldet, daß er laut Auftrags in Gemeinschaft des Waldförsters Schön und des Baumeisters Wittmesser, dann des Ingenieur-Leutnants Bemler den ganzen Terrain vom Prädia Billeth bis Becskerek gemarkt habe und die Hotterhügeln habe aufwerfen lassen." Der Verwalter des Temesvarer Districtes. dem auch Billiet angehörte. hatte seinen Sitz in Andres und hieß Josef Schmidt. Beim Einbruch der Türken in das Banat. 1737. ist er nach Wien geflüchtet. Über ihn und seinen Nachfolger Märkl erfahren wir aus einer "Spezification" aus dem Jahre 1739: "Der Verwalter Josef Schmidt hat sich o h n erachtet alles ermahnens hier in Temesvar zu verbleiben ohne Noth retirirt, und ist an viel erfolgten Landesunheil samt seinem Gegenschreiber schuldig. Er befindet sich Dato zu Wien. Statt ihm ist der Columbazer vertriebenen Verwalter Johann Märkl eingesetzt hier in Temesvar." 2 1 . J u n i 1 7 4 3 "Administrations-Circular an die Districtsämter, wegen auf dem Prädium Billet zu verfertigen habenden 2530 Schöber Heu." 2 6 . Dezember I 7 4 4 "Provinzial-Commissär Rösler fragt bei dem Hr. Generalen und Administrations Präsidenten an, ob von jenem Heu, welches auf dem Prädium Biliet gegen Bezahlung erzeugt wurde, etwas verkauft werden dürfe, indem sich schon einige Ochsenhändler darum angefragt haben. 2 3 . März 1 7 4 5 "Csakovaer Verwalteramt zeiget der Administration an, daß die am 7. März erlassenen Verordnung, wegen Stellung von 70 Wagen am 10. März zum Heuführen von Billet nach Temesvar erst am 16. März hier eingetroffen seie, macht daher die Anfrage wann benannte Anzahl Wägen abzuschicken seien? 2 5 . Mai 1 7 4 5 "Extract über die auf dem Prädia Biliet vorfindigen Viehsorten. Relation der auf dem Prädia Biliet befindlichen Wirtschaft. Pferd- und Viehzucht betreffend." "Spezification deren Prädien welche von Seiten des Staatsprädii Jecsa auf dem Bilieter Grund Fr u c h t angebauet haben." Weder ,.Extract" . ,.Relation" noch .. Specification" aus dem Jahre 17 45 scheinen in den Banaler Akten im Hofkammerarchiv auf. 1 7 . J u I i 1 7 4 5 "Die Administration bedeutet denen raizischen Richter [in Temesvar], daß die 28 raizischen Inwohner, welche ohne Erlaubnis sich unterfangen haben, auf dem Billieter Grund, welcher zum Heumachen bestimmt gewesen, zu a c k e r n , zur Strafe ein jeder auf dem Prädia Billiet fünf Schöber Heu ahnentgeltlich zu machen, angehalten werden soll." 1 3 . Juni 1 7 4 6 "Die Administration bedeutet dem Csanader Bischof Stanislovich, daß Zweidrittel von dem Prädia Billed zur Heumachung für das Fortifications-Fuhrwesen, der dritte Theil aber dem Baumeister Widmesser gegen einen jährlichen Pachtschilling in Bestand gegeben worden sei."
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Maria Theresia mit dem Bildnis Josephs II . テ僕gemテ、lde von Martin von Meytens d. j . Historisches Museum der Stadt Wien , I. Nr. 49.808. 55
"Domkirche mit Dreifaltigkeitss채ule." Ein barockes Juwel in Temeswar, errichtet 1736 bis 1774 in der Regierungszeit der Kaiserin Maria Theresia.
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Das Banat unter Maria Theresia (1740-1778) Nach dem plötzlichen Tod Kaiser Karls VI. [20. Oktober 1740] , dem letzten männlichen Habsburger, folgte ihm seine 23jährige Tochter Maria Theresia im Jahre 1740 auf den Thron . Österreich, das wenige Jahrzehnte zuvor sein Heldenzeitalter durchlebt hatte und zur Großrnacht aufgestiegen war, stand mit dem Regierungsantritt Maria Theresias vor einem Abgrund. Von einem Kreis überalterter Berater umgeben , die sie von ihrem Vater übernommen hatte, gestützt auf eine Armee, deren Schlagkraft zweifelhaft war, und mit einer leeren Staatskasse, stand Maria Theresia ihren Feinden gegenüber, die Stück um Stück aus dem Staatskörper der Monarchie herausreißen wollten . Während der Regierungszeit der Kaiserin leiteten mehrere Hofstellen mit kurzen oder längeren Unterbrechungen die Verwaltung des Banats, das bis 1745 der Hofkammer und der Neoacquisitischen Kornmission unterstand . Letztere wurde 1745 aufgehoben und dafür wurde die Hofdeputation [Deputatia Aulica] in Transylvanicis, Banaticis et Illyricis, ins Leben gerufen , an deren Spitze als Präsident der Graf von Kolowrat stand, der mit Hofrat Kernpf von Angerth bestrebt war, die Kolonisation im Banat voranzutreiben. hn Banat regierte die Landesadministration mit dem Sitz in Terneswar, der der General von Engelshafen vorstand, der aber nicht mehr dem Hofkriegsrat, sondern der Hofdeputation untergeordnet war. Die folgenden Jahre sind durch das eifrige Bemühen gekennzeichnet, neben der Förderung des Ackerbaues und der Viehzucht durch die Verpachtung der Prädien, den Reisbau einzuführen , die Rohseideerzeugung durch Anpflanzung von Maulbeerbäumen und die Kultivierung der Seidenraupenzucht zu steigern . Ferner sollten Industriepflanzen wie arnerikanisches Indigo, Baumwolle, Oliven- und Mandelbäume heimisch gernacht werden. Zu diesem Ziel und Zweck mußten deutsche, italienische und französische Kolonisten herbeigeholt werden. Da Österreich laut dem Friedensvertrag von Dresden im Jahre 1745 Schlesien an Friedrich von Preußen abtreten mußten, entstanden bei der Rohstoffbeschaffung für die Österreichische Industrie große Schwierigkeiten. Das Banat sollte den Verlust ersetzen und zum vielseitigen Rohstofflieferanten werden. Die Wirtschaftsplanung des Karneralisrnus in Wien unternahm alle möglichen Experimente im Banat. Von 1740 bis 1742 erhielten die Banater Bergbausiedlungen Mehadia, Dognacska, Deutsch Moldowa, Deutsch Bokschan wie Tschiklova und Orawitza aus Österreich und Siebenbürgen deutschen Zuwachs. Der Bergbau des Banats, der zu dieser Zeit der Niederösterreichischen Kammer unterstand, erreichte während der Amtszeit des Generals Engelshafen eine neue Blüte, zu der die deutschen Bergbausiedlungen wesentlich beigetragen hatten . Schon in den Friedensjahren zwischen 1748 und 1756, aber auch nach dem Siebenjährigen Kriege, der 1763 geendet hatte, wurde im Banat vieles geschaffen und ergänzt, was wir im Folgenden betrachten wollen. Daß das Prädio Billet schon im Jahre 1747- also genau 18 Jahre bevor die ersten deutschen Siedler das Dorf Billet gründeten- für die Ansiedlung von Kolonisten vorgesehen war, geht aus dem folgenden Schriftverkehr der Kaiserin mit der Landesadministration inTerneswar hervor. In einem Schreiben vorn 7. Jänner 1747 an die Landesadministration bestätigt sie den Empfang des Planes von dem Prädium Schurnbol [Hatzfeld) und beauftragt gleichzeitig die Administration ... succeßive von alt daruntigen [im Banat] Prädien Pläne anzufertigen, das nächste aber das Prädia Billet seynesolle, welchesebenineinemsolchenAbriß [Zeichnung]zubringenunddieses v o r a u s , nebst Eurem Bericht hiehero einzusenden ist.
Mit folgendem Antwortschreiben des Administrations-Präsidenten im Banat, Franz Leopold Freiherr von Engelhofen , vorn 15. April 1747 an die Kaiserin in Wien , können wir einige Lükken , die in der Vorgeschichte von Billiet noch vorhanden sind, klären . Leider ist der in dem Schreiben erwähnte Plan des Prädio Billiet zur Zeit nicht zu finden, er wäre mit Sicherheit der erste von Billed. 57
A ll e r d u r c h l a u c h t i g s t - G r o ß mä c h t ig s t e Römische Kayserin in Germanien , zu Hungarn und Böheimb Königin, Ertz-Hertzogin zu Osterreich . A ll e r g n ä d i g s t e K a y s e r i n , K ö n i g i n u n d F r a u ! 1 ... "Da nun die geometrische Operation vor wenigen Tagen abgeschlossen worden, so ermangle es nicht den hierüber verfaßten Plan Euer Kayserlich- Königlicher Mayestätt allerunterthänigst zu überreichen, und dabey anzumerkhen, daß gleichwie die mitten durchgehende Straße von Backas auf Becskeret dieses Prädium Billiet in zwey fast gleiche Theile durchschneidet, also auch selbiges auf zweyerley Arth bewirtschaftet worden seye. Dergestalten zwar, daß der eine [westliche) Theil worauf der Mayerhof angezeuget ist, dem gewesten Cassa- VerwalterUngers und dem Zimmerbaumeister Wittmesser um jährliche 80 fl. bißhero verarendien gewesen. Auf dem anderen [östlichen] Theil hingegen das zur hießigen Erfordernis vor das Fortifications- und Brauhausfuhrwesen erforderliche Heu, jeglichen Jahres gemacht worden. Bei mittleren Jahren können 2.500 ordonanzmäßige Schöber Heu jeglicher a 3 Clafter in der Höhe und 9 Clafter im Durchmesser auf diesem halben Prädia aufgebracht werden. Zu anderer Zeit hingegen gibt die Erfahrung, daß gleichwie der obere Theil gegen Backas etwas höher, der gegen Becskerek aber etwas niedriger lieget, also bey trockhenen Jahren alleinig in den heruntigen beynassen Jahren hingegen wegen der Oberschwemmung nur in dem oberen Theil gernähet werden könne. Indeme nun keinen Zweifel tragen, Euer Kayserlich- Königliche Mayestätt werden in soweith es die zum Unterhalt des Fortifications- und Bräuhausfuhrwesen gewidmete Heuerfordernis betreffend, es beyder bißherigen Regelung allergnädigst beruhen lassen. Also werden wir dagegen die andere Hälfte besagten Prädy Billiet bey der auf den 18. dieses Monaths ausgeschriebenen Lidtation an den Meistbiethenden so hoch als möglich zu verarendiern uns allen Fleißes angelegen seyn lassen, mit der zugleich bedingenden Verpflichtung, daß gleichwie Ungers und Wittmesser über die andere Hälfte des Prädy, und das zu hießigen Bedarf gemachte Heu, durch ihren Mayer die Aufsicht haben tragen lassen . Also der künftige Bestandnehmer [Pächter] ein gleiches zu thun sich verbindlich mache. Womit zu Allerhöchst-Kaysl. König!. Hulden uns in tiefster Subjection erlassen. Temesvar den 15. April/747 allerunterthänigst- Treu-gehorsamste Franz von Engelshafen
Jakob Hetz Pächter des Prädio Billiet (1747) Einen nicht unwesentlichen Teil der Vorgeschichte von Billed verdanken wir dem einzigen bürgerlichen deutschen Ochsenhändler Jakob Hetz von Temeswar, dessen Familie die 160jährige Türkenherrschaft im Banat überlebte. Er kaufte von dem verstorbenen Kassaverwalter Johann Georg Ungers um 10.000 fl. "Horn- und anderley Vieh", welches schon einige Jahre auf dem Prädio Billiet gestanden hat. Am 26. April1747 hat Hetz das Prädio Billiet um 2021 fl . ersteigert, obwohl es im Vorjahr nur 80 fl. Pachtzins gekostet hat. Außer ihm hat nur noch der Bischof Nicolay Stanislavic mitgesteigert und trotzdem wurde ein so hoher Pachtzins erreicht. Da er, so schreibt er in einem Brief an die Kaiserin in Wien , nicht gewußt habe, auf welcher Viehweide er sein Vieh treiben solle, wenn er das Prädio verliere, so habe er sich in das . .. äußerste Verderben gestürzt und habe von der Lidtation nicht abstehen können und in dem größten Scha1
HKA BAr. Nr. 17 Fot. 22, 1747
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den verhalten müssen. Er ersucht daher allergnädigst den so übergroßen Pachtschilling zu verringern und sich zu allerhöchsten Huld und Gnaden in allerdiefster Submißion [demütig, bescheiden] empfehle. Allerunterthänigster-gehorster Jakob Hetz Bürgerlicher Ochsenhändler in Temesvar In einem Hofrescript vom 17. Juni 1747 verlangt die Kaiserin von der Administration in Temeswar ... einen gutachtlichen Bericht überdas Gesuch des bürgerlichen Ochsenhändlers Jakob Hetz, um Verringerung des übertriebenen Pachtschillings von dem Predio Billiet. Am 9. April 1748 hat der Distriktverwalter Johann Adam Stögmann aus St. Andrasch sein Gutachten über das Prädio Billiet fertiggestellt und der Landesadministration in Temeswar übergeben. Hier heißt es u. a.: ... Billieth ist zwar ein gutes Prädium es ist aber die Hälfte zur Erzeugung des Temesvarer Fortifications-Heues reserviert, können also auf das allerhöchste 1500 Stück Vieh a/da gewaydet, und überwintert, auch auf solche Arth von dem Inhaber nicht mehr als 750 fl. abgeführt werden. Da auch nicht jede Kuh alljährlich ein Kalb machet, sondern auch einige gall [ohne] gehen, und vielebeyhärtester Wintherzeit bey der Kälberung verunglücket und die Kälber auf der bloßen Hayde vor Frost Crepieren müssen, andere aber durch die Wölfe niedergerissen werden . .. daher die hoheArendavon 2021 f/. kein Handels-Mann ohne seinen ahnfehlbaren Ruin zu bezahlen in Stande ist . . . In einem Schreiben der Landesadministration vom 18. 5. 1748 nach Wien steht folgendes zu lesen: ... Der Bestandsinhaber Jakob Hetz hat einen Tag vor der letzteren Lidtation angezeigt, daß er das Prädia Billiet in dem vorjährigen Pachtzinsper 2021 fl. nicht mehr behalten könne, und solches der Lidtation überlassen müsse . . . In demselben Schreiben heißt es weiter ... ob es dero allerhöchsten Arario nicht ersprieslicher seyn werde, e i n e A n z a h I P r ä d i e n z u p o p u I i e r e n u n d z u D ö r f e r n z u machen? . .. Der Ochsenhändler und Pächter Jakob Hetz hatte im Jahre 1748 auf dem Prädio Billiet folgenden Viehbestand:
Pferde a 18 Gulden Große ungarische Ochsen a 37 Gulden Geringere ung. Ochsen a 30 Gulden Kühe und Zuchtvieh a 15 Gulden Schafe u. Geise, alte a 1 Gulden Schafe u. Geise, jährige a 45 Kreuzer Schweine, alte a 3 Gulden Bienenstöcke a 1,30 Gulden SumQie des Vermögens: Hiervon der Centesima [Zehent]
374 Stück 206 Stück 666 Stück
64 Stück 23 .058,- Gulden 230,34 Gulden
Zum Vergleich einige Nachbarprädien: Pagaz hatte ein Vermögen von Bogaros hatte ein Vermögen von Csadat [Lenauheim] hatte ein Vermögen von Jetscha hatte ein Vermögen von Czomboy [Hatzenfeld] hatte ein Vermögen von
37.707,- Gulden 18.676,- Gulden 14.802,- Gulden 15 .004,- Gulden 29.040,- Gulden
In einem Bescheid vom 10. Mai 1749 an die Landesadministration in Temeswar heißt es u. a.: ... dem Ochsenhändler Jakob Hetz ist das Prädia Billiet gegen einen jährlichen Pachtbetrag von 1.500 fl. zu überlassen, sofern derselbe eine Anstand machete, solches auf ein Jahr zu übernehmen.
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Schon am 21. Mai 1749 kam ein Schreiben der Administration an die Hofdeputation , in dem folgendes zu lesen stand: Also hat der Ochsenhändler Hetz, über diesen gemachten Antrag mit dem Vorwand sich entschuldigt, daß Billiet von denen zusammen gränzenden Prädien Seliosch und Teremie zu weit entfernt und Er in Besorg- und Beobachtung des einen auf das andere benachtheiliget würde.
Mit einem Schreiben vom 13. Juni 1749 wurde die Angelegenheit auffolgende Art und Weise erledigt: Die Hofdeputation gestattet der Administration, da der Ochsenhändler Hetz das Prädium Billiet um 1.000 fl. nicht übernehmen will, das Heu ab Arario zu verkaufen, auch selben [dem Hetz] die anderen zwei Prädien Teremia und Selios um den Bestand [Pachtpreis] nicht beizubelassen, sondern selber für ersteres 520 fl. und für letzteres 701 fl. bezahlen sollte. Noch im selben Jahr wurde das Prddio Pilliet dem Stepan Stanislavit von Theresiopl um 805 Gulden verpachtet.
Aus den Akten eines amüsanten Prozesses, den Jakob Hetz gegen den Temeswarer Fleischhacker Balthasar Douschan geführt hatte, erfahren wir, daß ... das Prädium Billiet schon 1749 mit vielen Brunnen und Wassergräben zum Viehtränken versehen war.
Über den Stand und Grad der Bildung der nationalistischen Prädienpächter und Ochsenhändler sagte der damalige Untersuchungsrichter folgendes ... diese aber gar selten deutsch reden und noch weniger lesen und schreiben, auch gar selten ihre eigene Sprache lesen und schreiben können.
Die Pachtverträge, die Hetz über das Prädio Billiet mit der Landesadministration abgeschlossen hat, trugen durchwegs sein persönliches Siegel. Es war ein Rundsiegel, 15 Millimeter im Durchmesser, mit seinen Initialen J. H. Quer über das Siegel steht ein aufrechter stolzer Schafbock mit einer Fahnenstange, an deren Ende ein Kreuz und ein Wimpel angebracht sind. Auf dem Wimpel befindet sich ebenfalls ein Kreuz.
Im Mai des Jahres 1753 hat es Hetz vorgezogen, Temeswar zu verlassen, und sich in Werschetz ein Haus zu kaufen, und sich dort niederzulassen . Es sei noch vermerkt, daß bereits im Jahre 1214 der Temeswarer Graf und Befehlshaber Heize oder Hetze geheißen hat. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß Jakob Hetz ein Nachkomme dieser Adelsfamilie war, die die 160 Jahre Türkenherrschaft im Banat überlebte.
Das Prädio Billiet als Heulieferant des kaiserlichen Heeres Am 2 6 . Juni 1 7 4 7 berichtet der Hofkammerrat Baron v. Vichter dem General Baron v. Engelshofen, daß die Vorbereitungen auf dem für das k.k. Militär reservierten Theil des Prädio Pillet für die zu machenden 1.000 Schober Heu getroffen wurden.
Laut Circular vom 3. Juni 1748 solle das kayserliche Heu auf dem Prädio Billet durch die Unterthanen der umliegenden Districte erzeugt werden. 60
A m 1 3 . J u I i 1 7 4 8 bedeutet die Administration, daß der dem Unterthan für das auf dem Prädio Billiet gemähte Heu von 1073 Schober gebührende Schnitterlohn in solange nicht abgerechnet werden könne, bis dasselbe nicht besichtigt und übernommen werden wird. 1 4 . J u I i 1 7 4 9 . Die Administration verordnet dem Verwalteramte auf dessen Bericht, daß dem zur Besichtigung und Obernahme der im Predio Billiet befindlichen 1.073 Schober Heu beordneten Commissar Plasch und Feldkriegs-Kanzelisten Rosenzweig, diese 1.073 Schober übergeben, dann auch die Verfügung getroffen werden, daß noch an allen übrigen Stellen das Gras abgemäht werde. Mit einem Befehl an die Temeswarer Landesadministration hat sich die Kaiserin im Jahre 1750 selbst in das Prädiengeschäft eingeschaltet und u. a. folgendes angeordnet: ... der Prädienbestand-Contract ist approbiret worden, mithin das nötige fürzukehren sey, auch wegen des halben Prädii Billet die Berechnung des auf diesem gemachten Heu einzuschicken sey. Maria The~ resia Wien, 14. 4 . 1750. 2 0 . M a i 1 7 5 0 . Die Hofdeputation heißt der Administration gut, daß der Betrag per 2. 021 jl. für das Jahr 174 9 auf dem halben Prädio Billiet erzeugte und verkaufte Heu eingebracht, in die Cameralkasse abgeführt und in denen Extracten eingeschaltet werde. 2 5 . Juni 1 7 5 0 . Circular, daß die Heumähde auf dem Prädio Billiet nunmehr eiligst bewirket werden solle. Aus dem Jahre 1751 steht uns lediglich ein Circular vom 17. Juli zur Verfügung, in dem darauf hingewiesen wird ... daß jeder der hierlandigen Distriele das zugetheilte Quantum Heu auf dem k. k. Prädio Billiet mähen und in Schober aufschlichten solle. Nach einem Bericht des Temeswarer Districts-Oberverwalter Brandenburg, vom 2 8 . J u n i 1 7 5 2 , der sich zur Untersuchung, des der Theresiopler [Lippaer] Communität interimal überlassenen 4. Theil des Prädiums Billiet begeben und gefunden hat, daß derselbe Theil von dem ganzen Prädio nicht mehr als 250 jl. Werts tragen kann, jedoch sich diese anwesenden Communität zu Erlegung deren 300 jl. für die Oberlassung desselben Theils herbeigelassen habe. Das Temeswarer Verwalteramt erstattet am 1 0 . J u I i 1 7 5 2 firn Bericht über das Quantum des auf dem Prädio Billet vom Csakovaer, Lippovaer, Csanader, Temesvarer, Lugoser und Becskereker Districte gemachten Heues. Der Verwalter Wittofsky beschwerte sich am 8. Se pt e m b e r 1 7 5 2 . . . daß auf bloses Anordnen des Provinz-Commissärs ein Corpora/ und zwei Cameral-Husaren eingetroffen, um beim Heumähen in Billiet gegenwärtig zu sein, welches Verfahren ein Eingriff in die Rechte des Amtes wäre, er erbittet daher die nähere Weisung. Am 2 7 . 0 k t ob e r 1 7 5 2 meldet der Temeswarer Kasernenverwalter Gugenmos ... daß der unter seiner Verrechnung seyende Heuvorrat zu Ende zu gehen beginne und unumgänglich erforderlich wäre, vor eintrettender übler Witterung das auf dem Prädio Billiet erzeugte k. k. Heu zu behufder k. k. Administrations Bräuhaus, Fortification Entrepreneurs und anderen Parteien mit der Husaren-Companie hereinbringen zu lassen. Die Landesadministration beauftragte aber die Distriktsverwalterämter " ... daß auf dem Prädio Billiet erzeugte k.k. Heu in das Temesvarer Heumagazin zu dem Casarmverwalter Gugenmos zu bringen und für jeden Schober von ihm 30 Kreuzer Fuhrlohn zu empfangen." Der Temeswarer Distriktverwalter Wittofsky bittet am 9. Dezember 1752 ... die geleistete Auszahlung der beim Heumachen verwendeten Unterthanen zu Billietfür 2.000 Schober Heu die 850 jl. zu ersetzen. Die Landesadministration verrechnete den Entrepreneurs des Temeswarer Fortificationsbaues 1 fl. und 30 kr. je Schober Billieter Heues. Die Landesadministration bewilligt am 9 . D e z e m b e r 1 7 5 2 . . . den zu Mercydorf angesiedelten deutschen-lothringischen Familien, in Rücksicht ihrer Armut, einen Geldvorschuß von 50 jl. dann 25 Strohsäcke, Leintücher und ebensoviele Kotzen zu übergeben und das nötige Heu von dem Prädio Bi II i e t zu verabreichen. Die Buchhalterei erstattet am 1 4 . März 1 7 5 3 den Bericht . . . über die neuerdings vorgenommen Licitation des noch übrigen Theiles des Prädii Billiet mit einem erzielten Pacht von jährlich 470 jl. Der 4. Theil des Prädium Billiet wurde der banarischen Prädien-Companie auf 3 Jahre in Arrenda überlassen. Mit der Vergütung [Pachtschilling] ist den Unterthanen den noch ausstehenden Mader- und Fuhrlohn zu bezahlen.
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Am 14. April1753 überreichte der Gremial Buchhalter Lagler dem serbischen Richter Joszim Malenicza den auf drei Jahre abgeschlossenen Pachtvertrag über den 4. Teil des Prädio Billiet. Nach einer "Consignation" der Temeswarer Landesadministration gab es im Banat im Jahre 1765 also bei der Gründung von Billiet, insgesamt noch 90 Prädien, die dem Ärar jährlich einen Betrag von 26.100 fl . einbrachten. Nach der Aufteilung und Besiedlung eines Teiles dieser Prädien mit deutschen Kolonisten, Invaliden, Nationalisten und Serbischen Grenztruppen , brachten die verbleibenden Prädien nur noch 11 .902 fl. an Arrenda ein. Für die Besiedlung des Banats mit Menschen hat der Staat allein l4.198 fl. seiner jährlichen Einnahmen aus dem Prädiengeschäft investiert. Nach dieser "Consignation" erbrachte im letzten Jahr vor seiner Besiedlung die erste Hälfte des Prädio Billiet 350 fl. und die zweite Hälfte 430 fl. zusammen, also 780 fl. an jährlicher Arrenda. Mit der Wiedergabe dieser alten , handgeschriebenen , unfehlbaren Zeugen der Vorgeschichte der Heidegemeinde Billed, hoffe ich den Zustand des Prädio Billiet nach der Eroberung des Banats durch die kaiserlichen Truppen einfacher, deutlicher und fast ohne eigenen Kommentar hervorgehoben zu haben. Bereits im Jahre 1748 wurden die Prädienpächter von der Landesadministration unterrichtet, daß es im nächsten Jahr mit der Besiedlung der Prädien mit deutschen Menschen ernst wird . So schrieb Maria Theresia am 22. März 1748 an den Grafen von Kollowrath u. a. : ... unterdessen habt ihr wohlgetan, denen Prädianten zu eröffnen, daß sie noch ein Jahr im Besitz ihrer derzeit habenten Prädien ohne Licitirung verbleiben sollen. Belangend weiters die zwei Prädien Billiet und Seleusch so ist die mit dem Bestandinhaber derenselben, Jakob Hetz, für gegenwärtiges Jahr getroffene modalität beangenehmt . . . Maria Theresia
An die Landesadministration zu Temeswar hatte die Kaiserin am 10. März 1749 die folgenden Weisungen weitergeben lassen : ... wir garnicht befürworten wiederholtes Prädia Billiet eurem Antrag nach mit denen in das Banat neu kommenden deutschen Familien zu besetzen, sondern habt ihr Euch an unseren diesfalls schon ergangenen Befehl zu halten, zu folge welchen darunten anlangende deutsche Familien an solchen Orten, wo dergleichen sich schon befinden, und zwar zuvorderst in dem dazu gewidmete Orth Besehenova untergebracht werden, insoweit aber allda für solche nicht genügsames Unterkommen ist, so wollen wir, daß die übrigen deutschen Leuthein die Temeswarer, Csanader und Lippovaer Distriele und zwar in solche Dörfer, wo allbereits pure [allein] Deutsche seynd eingetheilet, und endlichen im Falle zu deren Unterbringung die Dörfer nicht zureichten, der Oberrest nachher Lugasch transferirt werden, allerwegen aller dasigen Orthen würklichen geistliche Seelsorger angestellet seynd. Maria Theresia ... auch wegen des gemachten Heu auf dem halben Prädia Billet die Nachricht gegeben werde. Wien, 28. 3. 1750 Maria Theresia
300 deutsche Familien sollen im Jahre 1749 das Prädium Billiet besiedeln Die Meinung, daß das riesige Landesreservoir im Banat, welches die Prädien in ihrer Gesamtheit bildeten, mit Leichtigkeit die Entnahme einer genügenden Menge von Grund und Boden für die Besiedlung und Gründung von Dörfern gestatten würde, war wohl berechtigt. Aber trotzdem erwies es sich im Laufe der Zeit als eine der größten, ja als die entscheidende Schwierigkeit bei der Besiedlung und Kultivierung des Banats. Allen Kräften, die an einer Besiedlung 62
interessiert waren, wollte es absolut nicht gelingen, in die Abwehrfront, welche die Prädienpächter zur Verteidigung ihrer Interessen gebildet hatten, mit Erfolg Breschen zu schlagen. Einer Aufstellung vom Jänner 1749 können wir entnehmen, daß ... folgende drei Prädien seynd für die Population aus der Licitation gestrichen worden : P eschen o v a [Neubeschenova] ist im abgewichenen Herbst mit einer Teutschen Kolonie besetzt worden, und wird vermehret werden auf 125 Familien. Pa t k a ist würk/ich mit emigrirten Familien aus dem Türkischen besetzt, und wird auf 125 Familien populiert werden. B i LI i e t wird die Reifte zum Kaysl. König/. Heumachen reserviert, die andere arrendirt gewesene Reifte ist aufgesaget worden, und wird zur Population mit Teutschen Familien reserviert, da alldorthen über 200 Familien sehr wohl bestehen können. Am 30. April 1749 schrieb der General-Feldwachtmeister Immanuel von Vogthem einen Bericht an die Kaiserin, in dem er über Billiet folgendes, höchst Interessantes, b"erichtete : ... da nun aber das Prädium Billet, einerseiths an der Hauptstraßen nach Segedin gelegen, alwo auf 4 Meylen Wegs keine Mittelstation oder Dorf ist, und andererseits der an die Moßel abgeschickte Commissarius Oswald1 dem Vernehmen nach mit einer guthen Anzahl Teutschen auf dem Weg ist, und gleichergestalten, man eine andere Gruppe von Rothen-Burg ob der Tauber zu erlangen erhofft und auf Billet 300 Familien wohl bestehen können. Es ist schon lange unsere Gesinnung gewesen das Prädio Billet mit Teutschen anzusetzen, wodurch wir dann in der That darzuzeigen vermögen, wie die Banatische Prädien genutzt werden können, wodurch wir ein mehreres als der gewesene Pachtzins a 2021 f/. an Nutzung einzubringen erhoffen. Da sowohl das Heumachen auf dem Prädio Billet binnen 10 bis 12 Tagenherbey nahet, und andererseits die herankommenden teutschen Familien ehestens hier gewärthiget werden, an deren sehteiniger Unterbringung dringentlieh gelegen ist erwarten wir allergnädigst Anweisungen, wie wir verfahren sollen. Die Kaiserin, der wegen ihrer absoluten Autorität, auch in der Frage der Besiedlung des Banats die letzte Entscheidung zufiel, und deren Wille in allen Fragen allein ausschlaggebend hätte sein sollen, war in der Prädienfrage die Haupttriebkraft in der Richtung der Besiedlung des Weidelandes. Der Temeswarer Landesadministration befahl sie, daß sie die Besiedlung "zum alleinigen Gegenstand" ihrer Tätigkeit zu machen habe, und dabei weder auf die Kosten noch auf die Erhaltung der Prädien sehen solle. "Meine beharrliche und unabänderliche Willensmeinung geht dahin" so schrieb sie, "daß die Administration in dem Banat die Vermehrung der Population und der Kultur, als worinen die Stärke und der Reichtum eines Staates bestehet, zu ihrem Hauptgegenstand ihrer Bearbeitung nehmen ... ich will meinen diesfälligen Befehl in schuldigem Gehorsam befolgt wissen." Allerdings war es ein nicht unerheblicher Besitz, der auf der anderen Seite von den Prädienpächtem verteidigt wurde. Als im Jahre 1766 das Dorf Billiet bereits aufgebaut war, betrug die Stückzahl der Viehherden im Banat noch immer : 12.850 Stück Ochsen 19.000 Stück Hornzuchtvieh 7.120 Stück Gestütpferde 11.100 Stück Schafe 8.800 Stück Schweine Es ist also verständlich, daß die Besitzer dieser großen Viehmengen Schwierigkeiten bereiteten , wo immer sie konnten. Eines der wirksamsten Mittel und Möglichkeiten, die Besiedlung der Prädien zu vereiteln, bestand für die Prädienpächter darin, die Verwaltungsbehörde der Temeswarer Landesadministration, in deren Händen die Durchführung des Ansiedlungsprogramms gelegt worden war, im impopulationsfeindlichen Sinne und im Sinne für die Erhaltung der Prädien , für Weidezwecke zu beeinflussen. 1
Johann Oßwald war deutscher Kolonist und hatte zunächst ein ... "Häuslein in der Fabrike zu Temesvar und ist später völlig nach Neu Petsehenaha gezogen . .. " Er betätigte sich als Kolonistenwerber in Deutschland, gegen ein Kopfgeld für jeden von ihm angeworbenen Kolonisten. Er ist am 18. Nov . 1752 in Neubeschenowa gestorben, ohne auch nur einen Groschen für seine Tätigkeit zu bekommen. Seine Witwe erhielt eine einmalige Abfindung von 200 Gulden von der Landesadministration ausbezahlt .
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So ist es den Prädienpächtern schon im Jahre 1749 gelungen , die Besiedlung des Prädio Billiet mit deutschen Familien zu verhindern. Dieser Erfolg war ihnen umso leichter beschieden, da die Landesadministration, allen voran ihr Präsident v. Engelshofen, auch von sich aus viele Bedenken gegen die Besiedlung der Heide ha.tt,e. Schließlich waren es die katastrophalen gesundheitlichen Verhältnisse unter den deutschen Ansiedlern , die jede verantwortliche Behörde, die diese Zustände täglich vor Augen hatte, dazu veranlaßt hatten , sehr ernsthafte Bedenken zu äußern. So schreibt v. Engelshafen am 15 . März 1749 in seiner "Haupt-Systemal Relation" über die " Teutschen Population im Temesvarer Banat" es wäre besser .. . derley ins Land kommenden Teutschen Familien in dem Gebirgigen Gegenden, besonders aber im Lippovaer Distriel auch unweit der Marosch anzusiedeln, schon wegen des daselbst vorhandenen guten Trinkwasser und gesunden Luft . .. doch ist ohnstreitig, daß die Teutschen nirgends weniger als auf der Hayde taugen, allsowohl wegen Ahmangel an gutem Wasser und Holzungen [Waldarm] in kurzer Zeit absterben, oder sonst zu Grunde gehen . . . 1 Von den 1600 Personen, die Johannes Oswald im Jahre 1748/49 in zwei Transporten, einmal 700 und einmal 900 Personen aus dem Reich ins Banat gebracht hatte, wurde keine einzige Familie auf dem Prädio Billiet angesiedelt. Sämtliche Personen wurden in bereits bestehenden Dörfern untergebracht und angesiedelt. Zwanzig Familien, etWa 110 Personen aus DeutschLothringen wurden in Periamosch, Neuarad und in Weißkirchen bei ihren Freunden und Bekannten untergebracht. Nach einer "Consignation" des Temeswarer Verwalteramtes in St. Andrasch vom 5. Februar 1753 wurden diese Familien in folgende Dörfer verteilt : Neubeschenowa St. Peter Bruckenau Saderlak Freydorf Jahrmatha Rekasch Uypecs Gudriz Werschetz Csakovar Detta Guttenbrunn Lippa
342 Personen 29 Personen 33 Personen 2 Personen 27 Personen 21 Personen 39 Personen 65 Personen 37 Personen 10 Personen 15 Personen 35 Personen 12 Personen 20 Personen 687 Personen
Von diesen 687 Personen waren im Jahre 1753 bereits 138 verstorben. Über den Verbleib der restlichen 913 Personen ist in dieser "Consignation" nichts vermerkt. _ Maria Theresia hat noch im Jahre 1748 einen Befehl an die Landesadministration in-Terneswar erlassen, daß .. . noch für gegenwärtiges Jahr die Banater Prädien für einen jährlichen Pachtschilling von 30.000 jl. auf 10 Jahre, angeboten und versteigert werden sollen. Alle 99 Prädien, die damals im ganzen Banat ausfindig gemacht wurden, hat die "Societäts Companie" für ihre Mitglieder ersteigert. Das Prädio Billiet hat sich die Temeswarer Landesadministration für ihren eigenen Bedarf zurückbehalten und es wurde nicht versteigert. Das Prädienproblem war das Kernproblem der Theresianischen Besiedelung des Banats und ist als Hauptursache des unbefriedigenden Verlaufs des "Ersten- und Zweiten Schwabenzuges" zu bezeichnen.
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HKA BAr. Nr. 20 Fol. 132. April 1749 .
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Lassen wir den Pachtvertrag 1 selber zu uns sprechen: Bestands- Contract Project 28. Martii 1750
1. . .. Mittels dieser k. k . Administration und den Landesunterthanen Societät, die gesamten in verschiedenen Distriefen befindlichen Prädien, soweit sich deren bisher beobachteten Gränzen erstrecken, auf zehn Jahre lang überlassen werden, das sie nach eigenem Gefallen und besten Wissen, auf die bis nun üblichen gewesten Art nutzen und genießen ... 2 ... . mit alleiniger Reservierung und Ausnahme der Hälfte des Prädia Billiet zur machung des k. k . Heu und deren jenigen Hälfte des hl. Bisehafen zu Csanad Stanislavich und von dem Bürger und reutsehen Ochsenhändler zu Temeswar Hetz . .. . . . eine Pachtsumme zu jährlich 30.000 Gulden zu bezahlen . . . daß jene Prädien welche man etwa während der Arenda Zeit zur Population oder sonstigen Gebrauch nöthig ermessete, von ihnen wiederum abzutreten und zu Behuf! des allerhöchsten Dienstes zu überlassen . .. 3. kann die Societät gleichfalls an den Hauptstraßen Prädien ansiedeln und darauf Dorfschaffen errichten. 4 . . . . nur Fremde [Ausländer] dürfen neu angesiedelt werden und Grund erhalten . ..
Die Kolonisation des Banats zwischen dem ersten und zweiten Schwabenzug unter Maria Theresia (1740---1765) Die beiden ersten Jahrzehnte der Regierungszeit Maria Theresias waren für eine Wiederaufnahme der Impopulation im Banat nicht sehr günstig. In den Kriegen, die die ganze Monarchie erschütterten, galt es ohne große Geldopfer das Banat zu einer Einnahmequelle zu machen. An eine neue, große und kostspielige Impopulation war vorläufig nicht zu denken . Für den Feldbau wurden zur notdürftigen Wi ederbesiedlung außer den Walachen und Raizen , katholische Bulgaren aus dem türkischen Gebiet, die sogenannten Clementiner, angesiedelt, sodaß auch hier und da etwas Ackerbau betrieben werden konnte . Die Werbung zur Ansiedlung im Banat richtete sich ohne Rücksicht auf die Nationalität. So wurden neben den Deutschen auch Italiener angeworben , vor allem zur Einführung der Reiskultur und der Seidenproduktion. Sie wurden alle von dem ungesunden Klima im Banat dahingerafft. Von den zwischen 1751-1754 in s Banat eingewanderten Lothringern stammten viele aus dem fran zösischen Teil Lothringens. Sie wurden hauptsächlich in Mercydorf angesiedelt, das schon seit der Gründung durch Mercy der Sammelpunkt der Spanier, Italiener und Franzosen war. Alle späteren französisch-lothringischen Dörfer im Banat, wie Mercydorf, Triebswetter, Charleville, Seultour, St. Hubert u. a. wurden in den nächsten Jahrzehnten durch die umliegenden deutschen Ortschaften germanisiert. Sie waren ein Beispiel für Eindeutschungen in der Neuzeit. Wenn also neben den Walachen , Raizen , Spaniern, Bulgaren, Italienern und Franzosen der deutsche Siedler von Wien aus bevorzugt für die Ansiedlung im Banat angeworben wurde, so geschah es mehr wegen seiner wirtschaftlichen Überlegenheit als aus völkischen Rücksichten . Dem fürstlichen Absolutismus war der Nationalismus überhaupt fremd. 1
HKA BA r. Nr. 23 Fol. 2 18--253 März 1750. Dieser Vertrag umfaßte 25 Punkte , er wurde in Temeswar von Johann Brankowic. k. k. Geri ch tsdolm etscher. und von 29 nationali stischen Ochsenhändlern unterzeichnet und mit ihren Siegeln bestätigt. Damit gehörten sämtliche Prädien im Banat, mit Ausnahme des Prädia Billi et, den Ochsenhändlern.
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Spanische Familien im Banat ( 1735-17 44) Kaiser Karl VI., der noch ganz im spanischen Stile erzogen wurde, und dem es die Wiener nie vergessen konnten , daß er zeitlebens an der spanischen Etikette, also an strengen Vorschriften für das Benehmen bei Empfängen und Audienzen festgehalten hatte, schickte die ersten spanischen Familien, vorwiegend Juden und Pensionisten in das Banat. Aus dieser Zeit stammte noch der im Banat übliche und auch heute noch bekannte Ausspruch "es kommt mir spanisch vor". So kamen im Jahre 1735 fünfzig spanische Familien , und im Jahre 1736 hundertachtundneunzig Familien nach Arad, von wo sie in den folgenden neun Orten angesiedelt wurden : Arad, Pecska, Nadlak, Szemlak, Gaitin, Csanad, Glogovaz, ManderJak und Szubotthel. Im Mai des Jahres 1744 kamen weitere 116 Familien spanischer Juden im Banat an, die auf verschiedene Ortschaften verteilt wurden.
Der Temeswarer Wasserschub (1744-1767) Die umfangreichsten und gewaltsamsten Verschickungen der theresianischen Zeit war die Abschiebung unerwünschter Elemente aus der Reichshauptstadt Wien und ihrer Umgebung in das Temeswarer Banat. Maria Theresia hatte durch die Einsetzung von Keuschheitskommi ssionen weit über das Ziel hinausgeschossen. Entscheidend für die Einführung des ,,Temeswarer Wasserschub" war der polizeiliche Gesichtspunkt der Reinhaltung der Reichshauptstadt, und vor allem das Abschreckungsprinzip, denn der Ruf des Banats als Deportationsziel war in Österreich der gleiche, den sich später das französische Cayenne, oder Sibirien erwarb. Obwohl die Kaiserin ihren Gemahl sehr liebte und ihm 16 Kinder schenkte, war sie sich doch klar darüber, daß Franz Stephan nicht der treuesteGatte war. Es war wohl auch ein Merkmal eifersüchtiger Gefühle. wenn die Kaiserin zum Beispiel ungetreue Gattinnen , gehörten sie auch noch so hohem Adel an , von der Polizei durch halbEuropaverfolgen ließ . und sie mit dem "Temeswarer Wasserschub" ins Banat verschickte. Selbst die Moral ihrer Offiziere wollte sie heben und befahl, daß keiner von ihnen, der in einem verrufenen Haus angetroffen wurde, befördert werden durfte . Die auf der Straße verhafteten leichten Mädchen wurden ebenfalls mit dem Wasserschubins Banat abgeschoben. Aber auch Ärzte, Kaufleute und andere unerwünschte Akademiker wurden wegen ... öftennaligen Hofbehelligung" mit dem Wasserschub ins Banat deportiert. Recht stark vertreten waren die niederösterreichischen Bauern , die mit ihrer Herrschaft aus irgendeinem Grunde in Streit geraten waren. Daß die .Herrschaft ihre Gerichtsbarkeit oft mißbrauchte , wenn sie bei Streitigkeiten mit ihren Bauern Partei und Richter zugleich waren, liegt auf der Hand. Viele Bauern wurden wegen ... Ungehorsams, Robotverweigerung und Wildschießens ins Banat deportiert . Wer einem Deserteur Unterkunft gegeben hatte, wurde als ... Deserteurverhehler ins Banat deportiert. In der Monarchie gab es wirtschaftlich besonders schlecht gestellte Gegenden, wo fast die ganze Bevölkerung den Schmuggel als Erwerbsquelle betrieb. Aus diesem Grunde waren die Schmuggler, besonders die Tabakschwärzer, stark vertreten . Neben den angeführten Gruppen gab es dann noch die Bettler, Vagabunden und Radaubrüder. die wegen Schimpfens, Raufens oder Widerstandes gegen die Staatsgewalt, aufgegriffen worden waren. Die Wasserschubleute, die zu Kerkerstrafen verurteilt waren , wurden im Banat eingesperrt. die anderen wurden nach der Ankunft in Temeswar freigelassen , um sich selbst ihr Brot zu verdienen . Wenn so ein Transport in Temeswar eintraf. entstand zunächst ein Treiben wie auf einem orientalischen Sklavenmarkt. Durch Trommelschlag wurde der Stadt die Ankunft verkündet. Männer und Frauen zogen zum Tor hinaus an die Bega, sahen sich die Schubleute einzeln an und wählten sich schließlich einen Knecht oder eine Magd , ohne daß die Betroffenen dabei gefragt wurden. Mit den Mädchen. die einigermaßen hübsch waren, trieben serbische Unternehmer einen Mädchenhandel in die Türkei hinüber. Fast alle bemühten sich, so schnell wie 66
nur möglich . sich nach Wien durchzuschlagen. manche trafen dort noch vor den Transportknechten . die ihren Transport ins Banat geleitet hatten, wieder ein . Die Landesadministration in Temeswar sah in dem Wasserschub eine sehr unerwünschte Belastung und protestierte dagegen. indem sie die Auslagen für den Transport, Bekleidung und Unterkunft der Leute vorlegte. Da die Frauen in einer Kaserne in Temeswar unter unmenschlichen Umständen untergebracht waren und leben mußten . hat der Präsident der Administration. Baron v. EngelshofeiL eine Beschwerde an die Kaiserin gerichtet.
Die Hauensteiner Politische Deportationen ins Banat (1755) Die politische Umsiedlung unzuverlässiger Volksteile und Gruppen ist so alt wie die Geschichte der Menschen selbst. Besonders gern schickten die Habsburger die politisch Unzuverlässigen aus den westlichen Ländern der Monarchie und Vorderösterreichs, dem Preißgau und den Herrschaften in Schwaben zur Arbeit in die Festungen des Ostens, wo sie nur schwer Gelegenheit hatten. die gefährliche Verbindung mit der Heimat wiederaufzunehmen. Eine solche Aktion war die Deportierung von Hauensteinern, die schon unter Kar! VI. diesen kampflustigen Schwaben gegenüber angewandt worden war, so daß Maria Theresia im Jahre 1755 nur die Praxis des Regimes ihres Vaters wieder aufzunehmen brauchte. Sie begnügte sich aber nicht mit dem Abtransport der Rädelsführer. sondern man griff ganz willkürlich 27 Familienväter heraus, verhaftete die Frauen. Söhne und Töchter und ließ alle 112 Personen nach Temeswar transportieren. Man glaubte auf diese Art und Weise kostenlos ländliche Kolonisten für das Banat zu gewinnen. für die der Staat keinerlei Aufwand zu machen brauchte, weil man zumeist angesehene und vermögende Familien ausgesucht hatte . Die Deportierten wurden mit dem Schiff nach Temeswar gebracht und dann in einzelne Gruppen verteilt und in den Kolonistendörfern im Banat. in der "Einöd", über den Winter einquartiert. Verpflegt wurden sie auf Rechnung ihres in der alten Heimat eingezogenen Vermögens. Im Bewußtsein ihres verletzten Rechtsgefühls leisteten sie zunächst passive Resistenz, und man konnte mit den halsstarrigen Schwaben wenig anfangen. Als im nächsten Jahr mit der Ansiedlung ernst gemacht werden sollte, schrieb Eckhard Fridolin, der tnit acht anderen Familien in Neubeschenowa lag. an seine Eltern in der Heimat einen Brief. der über die Stimmung der Bauern im Banat einen besseren Aufschluß gibt, als die Berichte der Landesadministration . Der Brief ist vom 22. April 1756 datiert und hat sein BestimmungszieL die Heimat, nie erreicht und liegt im Wiener Hofkammerarchiv auf. ... Man hat uns schon dreimal angekindt, daß wir sollen wirtschaften. Wir haben ihnen aber abgesagt. Man soll uns Schuld oder Ursache weisen, warum daß man uns von unserer Wirtschaft hinweg nahm. Wir klagen auf Ehr und guten Namen, man soll uns unser Recht antuon. Wir bitten um keine Knad . .. die sollen uns erhalten, wo uns in dieses Land geschickt haben, oder sollen uns wieder nacher Hause lassen . Wirtschaften duon wir gewißlich nicht, oder man zwingt uns mit Gewalt. Der Gewalt muoß man alle Zeit gehorsamen, wie sie allezeit mit uns gedrieben haben. Aber mit der Zeit wurde auch der Widerstand dieser hartnäckig auf ihrem Recht bestehenden Bauern mehr und mehr gebrochen. Die Söhne der Schwarzwälder Berge starben auf der heißen Banater Heide mit ihren Malariasümpfen dahin wie die Fliegen . Die acht noch im Widerstand verbliebenen Neubeschenowaer Hauenstein er wurden zunächst nach Temeswar gebracht. ... unser acht haben sieblagt bis auf das Bluot an Eisenbänder in Demiswar. Wenn wir noch acht Tag heden missen dor innen bleiben müßen, so heden wir all das Leben eingebießt. Damit war auch die Widerstandskraft dieser acht Haueosteiner gebrochen. Sie kehrten nach Neubeschenowa. zur Wirtschaft und Ansiedlung zurück .... jötzt bauet man uns Häuser und hat uns schon Pferd gekauft. Eckhard rechnet schon damit, daß er im Banat bleiben wird. In diesem Fall will er die drei Kinder seines in Neubeschenowa verstorbenen Bruders zu sich nehmen ... 67
wenn ich muoß wirtschaften, so werdich die Kinder zuo mir nehmen ... Und meinem Rieblein laß ich sagen, er soll eich fleißig folgen. Wann ich muoß im Ungarland bleiben, so wird ich ihn auch holen . .. Im Jahre 1765/66 waren viele unserer ins Banat eingewanderten Vorfahren in Neubeschenowa bei den Haueosteiner Familien im Quartier. bis ihre Häuser in Billiet aufgebaut wurden.
Die Ansiedlung der aus der Theiß-Marosch-Grenze entlassenen Soldaten im Banat (1751) Die Aufhebung der Grenze an der Theiß und Marosch im Jahre 175 1 hatte dem Banat eine kleine Bevölkerungsverm ehrung durch die entlassenen nationali stischen . meist raizischen Soldaten gebracht. Sie hielt sich aber in engsten Grenzen. Nach einem Auszug des Temeswarer Distriktverwalters. Johann Adam Stögmann. in St. Andrasch vom 22. und 26. Juni 1751. haben sich in folgenden Dörfern Soldaten niedergelassen:
Dorf St. Andrasch Beczkereth Knees Monostar Podrok Barazhas Föenlak Sekusith Nagyfallu
Personen 1 16 13 46 3 5 35 6 60
Dorf Variasch Gecza Beczkereth Monostar Secsan Mur an Nemeth Teutsch St. Peter
Personen 41 100 51 20 8 12 6 8
Wie aus der obigen Aufstellung hervorgeht. wurden in den Nachbardörfern von Billiet Serben angesiedelt. das Prädia Billiet selbst. das in diesem Jahr von der Landesadministration für die k. k . Heumachung reserviert war. blieb von den Serben unbesetzt. Aus dem Bericht von Stögmann geht auch hervor. daß es bei der Besetzung der Dörfer durch die serbischen Soldaten zu schweren Schlägerei en zwischen diesen Militaren und den Unterthanen gekommen ist.
Anwerbung und Ansiedlung französischer und preußischer Kriegsgefangener im Banat (1743-1763) Die Anwerbung der Kriegsgefangenen für die Verwendung im eigenen Heer oder zu Kriegsdiensten war nichts neues undden Verhältnissen dieser Zeit angemessen. Bereits im März des Jahres 1743 wurden Verhandlungen geführt, wie man 2000 französisch e Kriegsgefangene aus Prag nach Temeswar transportieren und verpflegen könne. Im Juli desselben Jahres trafen sie in Temeswar ein und sollten hier zu Schanzarbeiten und zur Ansiedlung verwendet werden. In den Regimentslisten finden wir neben den französischen Namen auch sehr viele deutsche wie Herrschaft, Fendrich , Klein , Staufer, Weinrich , Gill und viele andere, die wir auch heute noch im Banat antreffen.
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Die gefangenen preußischen Soldaten des Siebenjährigen Krieges [1756- 1763] lagen in ganz Österreich in kleinen Gruppen verstreut und wurden von verschiedenen Stellen gleichzeitig angeworben . Im Jahre 1761 wurden für den Kriegsdienst 6999 Mann und zur Ansiedlung im Banat 1126 Mann angeworben . Mit dem Friedensschluß zu Hubertusburg am 15 . Februar 1763, kündigte Freiherr v. Kempfen dem damaligen Präsidenten der Banater Landesadministration, Grafen Perlas, Transporte von katholischen preußischen Kriegsgefangenen an, die in den Banater Bergwerken untergebracht werden könnten . In einem Schreiben vom 14. März 1763 an Hatzfeld stellte Perlas in Aussicht, daß ungefähr 800 Familien in den Temeswarer Vorstädten , in den deutschen Dörfern , bei den Bergwerken und in der Landmiliz untergebracht werden könnten , vorausgesetzt, daß die Leute katholisch, arbeitsgewohnt und Ackerbauer oder Professionisten seien. Im großen und ganzen wurde mit der Kriegsgefangenenansi edlung im Banat nicht das erreicht. was man sich zu Beginn darunter vorstellte. Schönemann schätzte. daß ungefähr die Hälfte der preußi schen Kriegsgefangenen dem Ansiedlungswerk im Banat wieder verlorengegangen ist. da viele nach Kriegsende über Polen in ihre alte Heimat zogen . Bei der ablehnenden Haltung der Banate r Landesadministration in Temeswar war es vorauszusehen . daß das Werk keinen guten Verlauf nehmen konnte. Man verzichtete darauf. neue Dörfer anzulegen und steckte die ehemaligen Kriegsgefangenen in schon bestehende Dörfer.
Die Invalidenansiedlung im Banat (1753- 1761) Obwohl gegen Ende des Siebenjährigen Krieges in Wien. Prag und Pest große Gebäudekomplexe zur Verfügung standen. in denen Tausende von Invaliden untergebracht waren. zogen die untauglich gewordenen Soldaten als Bettler und Musikanten im Lande umher und versuchten sich und ihre Familien auf elende Wei se durchzubringen. Man konnte diese Menschen nicht ungenutzt verkommen lassen und steck te sie in die städtische und öffentliche Verwaltung. Damit stand eine weitere Gruppe von ehemaligen Soldaten noch während des Krieges für Impopulation szwecke im Banat zur Verfügung. Der Generalfeldzeugmeister Graf von Harrasch hatte im Jahre 1761 ein Projekt für das Banat aufgestellt, nachdem er die Bevölkerungsverluste im Banat aus dem Türkenkrieg von 1737 I 39 ausgleichen wollte . Dies sollte vor allem durch die Errichtung einer deutschen Landmiliz mit invaliden Soldaten geschehen. Der Banater Landesadministration in Temeswar wurde mitgeteilt, daß man beschlossen habe, Invaliden und preußische Kriegsgefangene im Banat anzusiedeln . Die damals ins Banat geschickten Invaliden waren weniger für die Zivilansiedlung als für die Invalidenkompanien der Militärgrenze bestimmt. Sie erhielten unentgeltlich Gründe und Material für den Hausbau. Ferner bekamen sie den Samen für die erste Aussaat, ausgediente Kavalleriepferde für den Wirtschaftsbetrieb und Vorschüsse für Ackergeräte und Hornvieh.
Die Anwerbung und Ansiedlung von entlassenem Heerespersonal im Banat ( 1763) Am Ende des Siebenjährigen Kri eges konnten sich die Verantwortlichen für die Besiedlung des Banats die einmalige Gelegenheit. die frei werdenden Menschenmassen zu bekommen. auf keinen Fall entgehen lassen . Sie mußten sie für die Kolonisation des Banats gewinnen. Di e Bömisch-Österreichische Hofkanzlei . als oberste Stelle der deutschen Erbländer. legte am 25 . Jänner 1763 den Entwurf eines Werbepatentes vor. der das Heerespersonal für die Po-
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pulation der Erbländer zu gewinnen suchte. Er wurde arn 25. Februar 1763 von der Kaiserin unterzeichnet und richtete sich an alle zur Entlassung kommenden Heeresangehörigen bei den Armeen in Schlesien, Sachsen und Franken. Aus dem sechs Punkte und sechs Folienseiten umfassenden Kolonisationspatent war das Ausmaß der finanziellen Hilfe. die den Ansiedl ern zuteil werden sollte. noch offen gelassen . man versicherte den Leuten aber mündlich. daß sie außer dem Saatgetreidevorschuß auch 36 fl . zur Einrichtung ihrer Wirtschaft erhalten würden. Dieses Werbepatent war auch noch bei der Besiedlung von Billiet im Jahre 1765 in Kraft und bildete durch die angegebenen Ansiedlungsbegünstigungen den Hauptgrund der Massenauswanderung aus dem Reich in s Banat. In diesem Patent heißt es wörtlich:
" Wir Maria Theresia von Gottes Gnaden Röm. Kayserin, in Germanien, zu Hungarn, Böheim, Dalmatien, Croatien, Slavonien, u. Köngin; Erz-Herzogin zu Osterreich; Herzogin zu Burgund, Ober- und Nieder-Schlesien, zu Braband, zu Mayland, zu Steyer, zu Kärnten, zu Crain, zu Mantua, zu Parma, und Piacenza, zu Limburg, zu Luzenburg, zu Geldern, zu Würtemberg; Marggräfin des Heil. Römischen Reichs, zu Mähren, zu Burgau, zu Ober- und Nieder-Laußnitz; Fürstin zu Schwaben, und Siebenbürgen; gefürstete Gräfin zu Habsburg, zu Flandern, zu Tyrol, zu Pfyrt, zu Kynburg, zu Görz, zu Gradisca, und zu Artois; Land-Gräfin in Elsaß, Gräfin zu Namur, Frau auf der Windischen March, zu Portenau, zu Salins, und zu Mecheln; Herzogin zu Lothringen und Barr; Groß-Herzogin zu Toscana, Entbieten allen in Unsren König/. Böheim- und Gesterreichischen Erblanden angestelten Creyß-Aemtern, Land- und respective Hals-Gerichtern, Stadt- Markt- Dorf- und Grund-Obrigkeiten, derenseihen Vorstehern, Beamten, Richtern, und Gemeinden, wie insonderheit auch denen all der all-artigen Gränitz, und bey denen Urfahrten befindlichen Maut- oder Zoll-Officianten, Schiff- oder anderen dergleichen Leuten, welche über das Wasser zu führen pflegen, Unsere Gnad, und geben euch hiemit zu vernehmen: welchergestalten nach dem unter göttlicher Verleihung würklich erfolgten Friedens-Schluß Unsere Landes- Mütterliche Sorgfalt nebst anderen Vorsehungen, hauptsächlichen auch dahin abzielet, damit Unsren Erbländern die bey denen Armeen nunmehro dienstlos werdende Leute nebst dem anderen zahlreich sich dort aufgehaltenen Gesind beyderley Geschlechts, nicht zum übermäßigen Last fallen, und solche Leute noch weniger gegen die eingeführte allgemeine Sicherheits- Verfassung zu handlen Ursach haben, sondern dieselbe nach beschaffenen Umständen in Unsre gesamte Teutsch- und Temeswarisch- auch Hungarisch- und Siebenbürgische Erblande, in welche beede Ietztren auch die der Augspurgischen Confession und der reformirren Religionzugethane eingenommen werden, und daselbst des freyen Religions-Exercitii sich zu erfreuen haben, nach eines jeden Verlangen vertheilet, und daselbst ihnen zu ihrem künftigen Nahrungs-Stand allerforderlicher Beystand verschaffet werden solle. Dieses Unser obstehendes gnädigstes Absehen, wie auch Unsere nachfolgende höchste Willens-Meinung haben Wir, damit sich Niemand mit der Unwissenheit entschuldigen möge, an Unsre in Schlesien, Sachsen und Franken noch dermalen stehende Armeen zur dortigen, und bey denen dahin gehörigen Militar-Commandi äffenliehen Kundmachung durch seine Behörde bereits gelangen lassen; Es besteht aber die hierinfalls anzuordnen für sehr nöthig befundene Vorsehung in denen folgenden - von jedermann zu beobachten habenden Absätzen: und zwar Erstens: müssen alle von denen Armeen, oder wo sie sich sonsten bey besonderen MilitarCommandi aufhalten, in- oder durch Unsre Erbländer abzugehen gedenkende Leute beyderley Geschlechts, wovon jedoch die in würklichen Militar- Diensten stehende- oder ahnmittelbar dahin gehörige Personen, als das Kriegs-Canzley-Commissariat-Proviant- und dergleichen Personale, wie auch die bekannte Standes-Personen ausgenommen werden, beydenen alldort die Staabs-Auditoriats-Dienste verrichtenden Militar-Personen, oder in Ermanglung derenbeydem Auditoriat eines jeden Regiments, und Corps sich anmelden, und von denenseihen die ihnen mitgebende Päß bis an die gleich hierunten benannte Ortschaften ansuchen; Zu welchem Ende Unser gnädigster Wille ist, daß denenseihen nicht nur alle Pässe ahnentgeltlich ertheilet, und bey schärfester Ahndung dafür kein Geld abgenommen, sondern vielmehr die sich meldende Leute nicht in mindesten aufgehalten werden sollen.
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Andertens: hat jedermann an die ruckwärts denen Armeen bestimmte- ihnen am nächsten gelegene Oerter, nemlichen nacher Pi/sen, Eger, Einbogen, Saatz, Lobositz, Jung-Bunzlau, Königgrätz, Landscron, Troppau, und Weidenausich zu begeben, und der ihne dort fragenden AmtsPerson zu eröfnen, was sein Absehen seye, und wohin er, um sich aufzuhalten, oder seine Nahrung zu suchen, abzureisen Willens seye, um ein solches in dem Reiß- Paß anmerken, oder bey dargegen habenden Bedenken ein anderes Ort, oder Land anweisen zu können, wobey jedoch ein jeder versicheret seyn mag, daß ohne erheblicher Ursach niemanden wird abgeschlagen werden, das verlangende Land, oder auch Ort ihme anzuweisen, sonderbar wann er alldort Befreundte, oder auch nur Bekannte haben solle, welche ihme Dienst, Arbeit, oder allenfalls nur auf einige Zeit ein Unterkommen zu verschaffen im Stand seynd; denen in Unsren Erbländern gebürtigen solchen Leuten aber gebühret ohnedem, vermög der eingeführten Sicherheits- Verfassung, der Unterstand in ihren Geburts-Oertern, wohin sie auf die ihnen ertheilende Päß einzuleiten, oder anzuweisen seynd. Damit aber niemand, an sein Geburts-Ort zuruck zukehren, ein Abscheuen zu nehmen Ursach habe, so wird allen Herrschaften, derenseihen Beamten, wie auch Vorsteheren, Richtern, und Gemeinden andurch auferleget, daß sie bei sonst auf sich ladender Verantwortung denenjenigen, welche ohne ihrer Einwilligung, oder Vorwissen zur Armee sich begeben haben, derowegen nichts entgelten lassen sollen. Worauf die in Unsren Erbländern angestellte Cryß-Ämter, und LandesAelteste die genaueste Obsorg zu tragen, und die darwider Handlende behörig anzuzeigen wissen werden. Zu welchem Ende! Drittens: allen Creyß-Aemtern, und jeglichen Orts-Obrigkeiten, oder Beamten weitersanmit aufgetragen wird, daß sie denen von der Armee ankommenden Leuten den Unterstand nicht versagen, sondern vielmehrbeysonst auf sich ladender Verantwortung ihnen fortzuhelfen, beflissen seyn sollen. Allermaßen auch Viertens: in Unsren hiesigen Erb- und Königreichen, und Landen genugsame, an sich fruchtbare, doch der Zeit noch nicht zum behörigen Genuß gebrachte Gegenden verhanden seynd, al/wo man einem jeden, so sich ehrlich zu ernähren verlanget, hierzu das nöthige an Hand zu geben beflissen seyn wird. Wie dann allen solchen Leuten, welche sich auf ein neu anstiftendes Hauß niederzulassen gedenken, die 6. jährige Steuer-Freiheit anmit zugesagt, und versprochen wird, jenen hingegen, welche in Hungarn, Siebenbürgen, und dem Temeswarer-Banat sich ansiedlen wollen, werden Grund-Stücke, und so auch das Holz zum Bauen, ahnentgeltlich angewiesen, annebst ihnen zum ersten Anbau aller hülflicher Beystand geleistet, und eine 6. jährige Freyheit von allen Contribution, und Steuer, denen dahin abgehenden Professionisten aber, eine zehenjährige Freyheit zugestanden werden; Wie dann gleichermaßen, wann einige der Catholischen Religion Zugethane Lust zum Militar-Gränitz-Stand trügen, Wir diese in dem Banat mit denen gleichen Beneficien, und Genuß deren dasigen Banat-Gränitzern, mithin auch mit denen für diesen Stand ausgemessenen Grund-Stücken mildest begaben lassen wollen. Wir befehlen auch ernstlich, und wollen, daß die Professionisten und Handwerker, welche sich mit Pässen von der Armee anmelden, vorzüglich beförderet, und in die Arbeit angenommen werden sollen. Fünftens: muß in einem jeden Land an dem ersten Gränitz-Ort, wo diese Leute von der Armee durchreisen, ruckwärts auf dem Paß bis an das Bestimmungs-Ort nur mit wenigen Worten der Tag der Durchreiß mit dem Namen des dortigen Orts, wie auch der sich unterzeichnenden Amts-Person angemerket, und die auf einem Abweeg betreuende Person auf die rechte Straß wiederum eingeleitet werden. Sechstens: Wird jeder Orts-Obrigkeit, besonders aber zur Darabhaltung denen Creyß-Aemtern, und Land-Gerichtern, dann in Unsren Böheimischen Erblanden dem nächsten Hals-Gericht anmit auferleget, daß sie alle von der Armee betreuende, und mit keinen Pässen versehene Leute arrestirlich anhalten, behörig vernehmen, und ihre Auslagen samt denen angehaltenen Leuten in das betreffende Land- und respective Hals-Gericht einschicken, folgsam wider sie nach der eingeführten Sicherheits- Verfassung gleich Vaganten, oder sonst liederlichen Leuten fürgehen sollen. 71
Schlüßlichen tragen Wir jeder Orts-Obrigkeit ernstlich auf, daß sie denen von der Armee abreißenden, untenveegs aber erkrankenden Leuten aus schuldigem Christlichen Mitleiden hülfliche Hand bieten, und zu ihrer Genesung all-mögliches beytragen sollen. Das meinen Wir ernstlich; Es beschiehet auch hieran Unser gnädigster Will, und Meinung. Geben Unserer Haupt- und Residenz-Stadt Wien, den 25ten. Monats- Tag Februarii im siebenzehen hundert drey und sechzigsten, Unserer Reiche im drey und zwanzigsten Jahre." Auf Grund dieses Patentes haben sich 416 Heeresentlassene für die Ansiedlung im Banat gemeldet. Die meisten kamen in den Temeswarer Distrikt und nach Temeswar selbst. Aber auch Mercydorf, die einstige Spanier- und Italienersiedlung wurde stark mit Heeresentlassenen aufgefüllt, sowie Bruckenau und noch einige andere deutsche Dörfer des Banats. Die besonders brauchbaren Elemente, die Führungsqualitäten und sonstige Fähigkeiten besaßen, suchte man sich heraus und verwendete sie als Irnpopulationspersonal, als Kolonistenaufseher, Schreiber, Wirtschafter, Proviantmeister, usw . Auch der Billeder Kolonistenaufseher Klunckhard gehörte zu den "Helden von Kolin und Kunnersdorf", auch er war Heeresentlassen er. Das Kolonisationspatent vom 25. Februar 1763 schuf die Grundlage für das große lrnpopulationswerk, den "Großen Schwabenzug" von 1763 bis 1771 und machte die Begünstigungen für die Ansiedlung im Reich bekannt.
Maria Theresia verpfändet das Banat für zehn Millionen Gulden (1759) Der Siebenjährige Krieg hatte nachallden Schlachten und Verheerungen die Schuldenlast der Monarchie ganz gewaltig vermehrt. Alles brachte Opfer und schränkte sich ein. Die prachtvollen Wagen der kaiserlichen Familie wurden verkauft. Die Kaiserin verpfändete im Jahre 1758 ihre Juwelen für mehrere Millionen Gulden. Die Verwaltung des Banats als dominialer Besitz des Staates oblag seit der Eroberung durch die kaiserlichen Truppen im Jahre 1716 der Wiener Hofkammer. Die nächste Veränderung in der Zentralen Verwaltung des Banats erfolgte 1759 durch die Finanznot bedingten Verpfändung des ganzen Banats an die Wien er Stadtbank der Hofkammer, bei gleichzeitigem Übergang der Verwaltung an die Ministerial-Bancohofdeputation , an die mit der Aufsicht der staatlichen Kredit- und Schuldenverwaltung betrauten Zentralstelle. Aus dem am 9. Juli abgeschlossenen Vertrag 1 geht hervor, daß die Pfandsumme 10,000.000 Gulden betrug und die Jahreseinkünfte aus dem Banat 650.000 Gulden ausmachte. Das bedeutet, daß in den nächsten 15 Jahren sämtliche Einnahmen aus dem Banat nicht dem Staate direkt , sondern der Bank zuflossen. Für das Banat und die Banater Landesadministration in Temeswar bedeutete dies, daß sie der Bancodeputation unterstanden und ihre Weisungen von dieser empfingen. Es ist verständlich, daß zwischen der Hofkammer und der Bancodeputation ständige Reibereien und Meinungsverschiedenheiten an der Tagesordnung waren. Im Jahre 1765 vereinigte man die Bancodeputation mit der zweiten Finanzstelle der Monarchie, der Hofkammer, beließ aber das Banat weiter unter der Verwaltung des Banco. Im Jahre 1768 wurde über Betreiben Josephs II . das Banat dem Wirkungsbereich der Bancodeputation und Irnpopulationskommission entzogen und einem eigenen Banater Departement der Hofkammer unterstellt .2 Der Hofkammerpräsident, Graf Hatzfeld , war für die Dauer der Besiedlung des Banats der entscheidende Mann in allen Banater Kolonisationsangelegenheiten. 1 2
Vgl. HKA Faszikel .,Rezessen" der Minislerialbankodeputation. HKA BA Fasz. 2, r. Nr. 77, Sept. 1769.
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Der große Schwabenzug (1763- 1771) Die Anwerbung der Siedler im Reich Wie wir sahen, geriet die Kolonisation im Banat während des Siebenjährigen Krieges ins Stocken. um nicht zu sagen zum Stillstand. Bei herannahendem Frieden wurde das vor vierzig Jahren begonnene Kolonisationswerk wieder in Angriff genommen . Auswanderungsbewegungen kommen aber nie von selbst in Gang . Die Kolonisation aller Länder und Zeiten bedurfte der Werbung in irgendeiner Form , sei es durch Ansiedlungsagenten, durch den Briefverkehr mit Bekannten und Verwandten in der Heimat oder auch durch Inserate in den Zeitungen. In der karolingi schen Zeit arbeitete man mit Agenten. die zur Kolonistenwerbung ins Reich entsandt wurden . Man kümmerte sich damals wenig darum. daß dem Reich und den Österreichischen Vorlanden im Westen durch die Kolonisation im Banat wertvolle Menschen entzogen wurden. Im Gegenteil. die Mittel der staatlichen Autorität wurden gerade dazu eingesetzt, um in den eigenen Ländern die Propagandatrommel zum Auswandern ins Banat zu schlagen. Erst in den sechziger Jahren setzten sich Bedenken gegen die Entvölkerung des einen Landes der Monarchie zugunsten des anderen mehr und mehr durch. Das Auswanderungsfieber, das Westdeutschland in den Jahren 1765- 1771 ergriffen hatte , veranlaßte viele Territorialfürsten zu scharfen Gegenmaßnahmen . Hessen-Kassel. Kurpfalz, Kurrhein und Bayreuth hatten ihren Untertanen das Emigrieren verboten . Der Kurfürst von Mainz verbot als Erzkanzler des deutschen Reiches allen am Wasser gelegenen Reichsstädten. den Emigranten den Durchzug zu gestatten. Auch der Kurfürst von Trier erhob Einspruch gegen die Österreichische Kolonistenwerbung. Selbst Luxemburg. das nicht zum geschlossenen Körper der Monarchie gehörte, stellte einen sehr beträchtlichen Prozentsatz der Banater und auch Billeder Ansiedler. Die Werbekommissäre betrieben ihre Tätigkeit durch zahllose Winkelagenten , die über die auswanderungsbereiten Gebiete des Reiches zerstreut waren und in der Hoffnung auf Belohnung e1folgreich und intensiv für die Auswanderung ins Banat arbeiteten. Für jede angeworbene Familie wurde den Kommissären 1 fl. 30 kr. versprochen. Jawohl. versprochen. Der erste Kolonistenwerber des Banats. Johann Franz Albrecht Craussen. endete in Belgrad im Gefängnis. noch bevor ihm Mercy seinen versprochenen Lohn ausbezahlte. Ebenso ist Johann Oßwald. der allein 1600 Kolonisten in das Banat brachte. gestorben, bevor ihm der versprochene Lohn ausbezahlt wurde. Es würde zu weit führen , im Rahmen dieses Buches das Schicksal der einzelnen Koloni stenwerber aufzuzeigen. In den Akten steht es schwarz auf weiß. daß es ein reiner Menschenhandel war. der unter der Tarnkappe des Kaisers, durch Versprechung von Privilegien . Verheißungen von kaiserlichen Angesinnen usw . damals getrieben wurde . Eine zweite Gruppe der Werber waren die im Banat bereits angesiedelten Kolonisten . Sie wollten mit ihren Verwandten und Nachbarn ein Stück Heimat ins Banat holen und wurden auf diese Weise durch optimistische und schönfärbende Schilderungen der neuen Verhältnisse selbst zum Werber. Kempelen schreibt in seiner " banatischen Relation" über das Werben ... die einmal gut untergebracht sind und anfangen in ihrer Wirtschaft aufzukommen, wie es deren bereits viele im Lande giebet, die sind die besten Werber. Sie schreiben ihren zurückgelassenen Befreundten und reizen sie an, auch herein in das Banat zu ziehen. Es geschah nicht selten, daß der eine oder der andere der Kolonisten aus irgendeinem Grunde noch einmal in die alte Heimat zurückkehren mußte. Diese Gelegenheit brauchte die Landesadministration nur zu benutzen , um ihm gegen einen Reisegeldzuschuß und die üblichen Prämien den Auftrag mit auf den Weg zu geben, in seiner Heimat neue Kolonisten für das Banat zu werben. Der in Billiet angesiedelte Kolonist, Georg Hubert, reiste in seine alte Heimat und ist am 29. November 1768 ... von der Behebung seiner Habschaft aus dem Tryerischen zurück. Ob er mit Erfolg in seiner Heimat geworben hat, ist in den Akten nicht vermerkt. Die bedingungslose Aufnahme aller. die sich bei den Werbekommissären meldeten und die Hoffnung. im Banat. in einem so fruchtbaren Gebiet, ein besseres Leben als in der Heimat zu finden. waren mit ein Grund des großen Erfolges der Werbung. 73
Die Kolonistenwerbung erlebte bereits in den Jahren 1763/64 eine neue Methode: die Zeitungsannonce . Die Monarchie. deren Herrscherhaus in Wien das Reichsoberhaupt, den Kaiser, stellte, hatte die größten Wirkungsmöglichkeiten im Reich . Für Österreich gab es die Möglichkeit. die gesamte Reichspresse für seine Zwecke in Anspruch zu nehmen. Der Staat als solcher hielt sich dabei zurück und übertrug der zuständigen Landesadministration in Temeswar die Abfassung und Unterfertigung der Annoncen . Um aber die kaiserliche Autorität durch ein solches Vorgehen nicht zu schädigen, wurde angeordnet, ... daß die Leute, ohne auf ein auswärtiges Land zu deuten, zur Ansiedlung in den Banat eingeladen werden. Die gesamten Begünstigungen , die eine Ansiedlung im Banat brachte und gewährte, wurden als Annoncen , Werbepatent, Notifikation . Avertissements und Werbebriefe in den Zeitungen veröffentlicht. Von den Werbekommissären wurden sie auch als Augzettel in den Werbegebieten verbreitet.
Die Urheimat und Stammeszugehörigkeit der ersten Siedler des "teutschen Dorffes Billiet" Von vomherein galt im Banat bei der Ansiedlung der Grundsatz, die Kolonisten nach ihrer Abstammung und dem Heimatland in Dörfern zusammenzufassen. Allein durch den über Jahre dauernden " Großen Schwabenzug" in das Banat, der ununterbrochene Zuzug und die auf der Reise bereits vollzogene Vermischung der Auswandererfamilien war es unmöglich , die Deutschen nach Stämmen zu lokalisieren, da man neue Dörfer baute und den Neuankommenden zuwies. In Billiet, das in den Jahren 1765, 1766 und 1767 aufgebaut wurde , war es dadurch schon unmöglich, die Siedler nach der Abstammung zusammenzufassen und auf Verwandtschaft und Bekanntschaft Rücksicht zu nehmen . In allen neugegründeten Dörfern der theresianischen Zeit waren die deutschen Stämme vermischt. Nur die französischen Lothringer wurden aus administrativen Gründen in möglichst geschlossenen, rein französisch sprechenden Siedlungen angesiedelt. Dadurch, daß in den ersten Jahren nach der Ortsgründung von Billiet jährlich 200 bis 300 Personen starben und flüchteten, standen immer wieder leere Häuser zur Verfügung. Sofort nach Freiwerden eines Hauses, siedelte der Distriktverwalter Knoll neue Familien an , ohne dabei auf Herkunft und Stammeszugehörigkeit der Obdachlosen zu achten. Es soll uns daher auch nicht überraschen , wenn die ersten deutschen Siedler, die in Billiet angesiedelt wurden , aus einem Dutzend verschiedener Provinzen des Reiches kamen. Nach einer Aufstellung von Wilhelm Weber, die nach den "Quellen zur deutschen Siedlungsgeschichte in Südosteuropa" , nach dem Billieter Sterbematrikel der Jahre 1766- 177 4 und des Billieter Grundbuches, das allerdings erst neun Jahre nach der Ortsgründung, am 1. November 1774 angelegt wurde, erstellte, lebten an diesem 1. November 252 Familien in Billiet, die aus folgenden Provinzen und Ländern kamen: Rheinprovinz Trier Kreis Bemkastel
Kreis Birkenfeld 74
Hölzbach 1 Familie Hundheim 2 Familien Wintrich 2 Familien Bosen 1 Familie
Kreis Merzig
Kreis Ottweiler
Kreis Saarburg
Kreis Saarlouis
Kreis Tri er
Kreis St. Wendel Kreis Wittlich
Hesseringen 1 Familie Britten 1 Familie Dagstuhl 3 Familien Niederlosheim 1 Familie Weißkirchen 4 Familien Wellingen 1 Familie Illingen 2 Familien Schaumburg 9 Familien Tholey 1 Familie Uchtelfangen 1 Familie Beurig 1 Familie Merscheid 1 Familie Niederleuken 2 Familien Saarburg 1 Familie Großhemrnersdorf 1 Familie Meurich 2 Familien Nalbach 3 Familien Saarwellingen 2 Familien Helenenberg 1 Familie Kasel 1 Familie Riveris 4 Familien Marpingen 1 Familie Mausbach 1 Familie Altrich 14 Familien Bruch 1 Familie Eisenschmitt 1 Familie Greimerath 3 Familien Hupperath 3 Familien Landscheid 3 Familien Niederscheidweiler 1 Familie
Ohne Kreis- und Ortsangabe 17 Familien
Rheinprovinz Koblenz Kreis Zell
Luxemburg Distrikt Diekirch Distrikt Grevenmacher
Distrikt Luxemburg
Bärenbach 1 Familie
Rammeldingen 1 Familie Vichten 1 Familie Canach 2 Familien Ellingen 2 Familien Greiweldingen 3 Familien Nieder-Donwen 4 Familien Stadt u. Waldbredimus 1 Familie Rodenburg 1 Familie Wormeldingen 3 Familien Bettembourg/ Alzette 8 Familien Hälschen 1 Familie
Ohne Distrikt und Ortsangabe 3 Familien 75
Rheinhessen / Mainz KreisAlzey Kreis Bingen
Fürfeld 2 Familien Planing 1 Familie Oppenheirn 2 Familien
H e s s e n - S t a r ke n b u r g I D i e b u r g Kreis Bensheim Kolmbach 1 Familie Kreis Heppenheirn Aschbach 1 Familie
Hessen-Bad Hornburg Kreis Meisenheim
Pf a Iz Bezirksamt Kusel Bezirksamt Pirmasens Bezirksamt St. lngbert Bezirksamt Zweibrücken
Lothringen Kreis Bolehen Kreis Otateau-Salins Kreis Diedenhafen Kreis Forbach Kreis Saargemünd
Barweiler 5 Familien Runsbach 4 Familien Lauschied 11 Familien
Reipoltskirchen 1 Familie Rodalben 1 Familie Bliesmengen 1 Familie Maßweiler 1 Familie
Elwingen 4 Familien Zarbeling 4 Familien Apach 1 Familie Kitzingen 1 Familie Morsbach 3 Familien Walleringen 1 Familie Keskastel 1 Familie Langeisheim 1 Familie
Ohne Kreis- und Ortsangaben 8 Familien
Baden Kreis Karlsruhe Kreis Mosbach
Württemberg / Donaukreis Oberamt Waldsee Unterfranken Bezirksamt Alzenau Bezirksamt Lohr Bezirksamt Würzburg
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Siekingen 11 Familien Klepsau 1 Familie Waldstetten 1 Familie
Ziegelbach 1 Familie
Mittelwestern 1 Familie Rodenbach 5 Familien Neustadt 9 Familien Roßenbrunn 1 Familie Rottendorf 1 Familie
Westphalen Krei s Amsberg/Sauerland
Kreis Lüdinghausen Kreis Meschede Kreis Sauerland KreisOipe
Altenaffeln 4 Familien Freienohl 12 Familien Neheim 1 Familie Stockum 1 Familie Holthausen 1 Familie Eslohe 1 Familie Schliprüthen 2 Familien Benolpe 5 Familien Gerlingen 2 Familien Oberhundern 3 Familien Oberweisehede 1 Familie Rieflinghausen 3 Familien Salhausen 1 Familie
Ohne Kreis- und Ortsangabe 4 Familien Wenn wir nun diese Aufstellung ein wenig betrachten und analysieren , so bekommen wir ein sehr interessantes Bild über die Herkunft und Stammeszugehörigkeit der Bevölkerung von BilIiet, die neun Jahre nach der Ortsgründung die Felder und Grundstücke von der Landesadministration zugeteilt erhielten . Vor allem kamen diese Familien aus drei verschiedenen Staaten: aus dem Reich, aus Luxemburg und aus Frankreich. Nach ihrer Herkunft unterteilten sie sich auf 12 verschiedene Provinzen, auf 38 verschiedene Kreise, Distrikte und Bezirke und auf 88 verschiedene Ortschaften . Für das damals neu angesiedelte Billiet mit seinen 252 Häusern bedeutete dies, daß in jedem dritten Haus eine Familie aus einem anderen Ort wohnte . Die Rheinländer undnicht die Schwaben waren in Billiet am stärksten vertreten . In Prozenten ausgedrückt ergibt sich das folgende Bild: Aus dem Reich Rheinprovinz/Trier Rheinprovinz/ Koblenz Rheinhessen / Mainz Westphalen Hessen-Starkenburg/Dieburg Hessen-Hornburg Kurpfalz Baden Württem berg/ Donaukreis Unterfranken
37,34% 0,40% 1,98% 16,26% 0,80% 7,93% 1,58% 5,15% 0,40% 6,74%
Aus Luxemburg
11,90%
Aus Lothringen
9,52%
Diese Tabelle liefert uns auch den Beweis, daß wir Billeder überhaupt keine Schwaben sind, wie dies bisher immer fälschlich behauptet wurde . Die Wiege unserer Ahnen stand am Rhein , an der Mosel und Saar, am Mainundan der oberen Donau. Wenn also der Chronist in der ersten " Ethnographisch- und topographischen Beschreibung des Marktes Billet" aus dem Jahre 1859 schreibt, daß der Markt Billet durch Einwanderer aus "Chursachsen" gegründet und besiedelt wurde, so meint er jene 56 Familien , die aus dem Sauerland in Billiet angesiedelt wurden. Auf die von den sauerländischen Siedlern ursprünglich bewohnte Gasse deutet in Billed noch heute der Name Sauerländergasse hin. Geblieben sind aber auch eine Reihe sauerländischer Familiennamen , der Sauerländer-Friedhof, die Sauerländer Brücke und die Sauerländer Hutweide. 77
Untersuchungen haben gezeigt, daß 90% der sauerländischen Banatauswanderer der theresianischen Zeit aus der "enterbten Schicht der Nachgeborenen" , der Kotter, Beilieger und Landhandwerker, stammten. 10% gehörten zur Gruppe der Bauern , d. h. der Besitzer oder Pächter tragfähiger landwirtschaftlicher Betriebe, deren Hof jedoch ausnahmslos stark verschuldet war. In der Zeit von 1763 bis 1772 wurden 263 sauerländische Familien in 13 Banater Gemeinden angesiedelt. das sind rund 1.000 Personen. Kursachsen wurde das Land deshalb genannt, weil der Landesherr, der Kurfürst, bei der deutschen Kaiserwahl stimmberechtigt war und " küren" . wählen, konnte. Ebenso der Landesherr der Kurpfalz . Das ehemalige Stammesgebiet des alten Sachsenstammes heißt Westfalen , Schleswig-Holstein, Hannover, Oldenburg. Wenn wir die drei rheinischen Kreise des alten Reiches zusammenfassen , den westfälischen, den kurrheinischen und den damals durch die französische Expansion arg verstümmelten oberrheinischen , so erhalten wir ein Gebiet, das von der Weser bis zur niederländischen und Iothringischen Grenze und bis zum unteren Neckar hinüberreicht. Die meisten der Billieter Ansiedler. 37%, kamen aus dem Kurtrierischen. Fast alle kamen von der unteren Saar und den trierischen Grenzgebieten im südlichen Hausruck . Aber auch aus dem KreiseSaarburg und Merzig bis ins Birkenfeldische hinüber sind unsere Ahnen ausgewandert. Hier war das Kerngebiet der gesamten linksrheinischen Auswanderung, die sich von hier aus nach allen Seiten ins Lothringische. ins Luxemburgische und ins pfälzische hinein verschiebt. DasSaargebiet war zu Beginn der sechziger Jahre des 18. Jh.s das Zentrum der gesamten westdeutschen Auswanderungsbewegung in die Monarchie . Die meisten Kolonisten , die im Jahre 1766 in Billiet angesiedelt wurden , kamen im Frühjahr dieses Jahres mit einem aus 1300 " kölnischen" Familien bestandenen Transport in Temeswar an. In Wirklichkeit handelt es sich um den gesamten west- und süddeutschen Kolonisationsstrom. Die Zusammenfassung als "Kötner" spricht für die Bedeutung des damaligen Kolonisationsstroms aus dem Kurfürstentum ins Banat. Dabei stand nicht der schmale Streifen des kurkölnischen Hauptlandesam linken Rheinufer im Vordergrund, sondern das sogenannte Herzogtum Westfalen mit dem Sauerland . Die rein katholischen Gegenden des Regierungsbezirkes Arnsberg an der oberen Ruhr und vor allem an der oberen Lenne, die Kreise Meschede und 01pe bildeten ein Zentrum der Banatwanderung. So lieferten die benachbarten Orte Oberhundem. Oberveischede. Benelope. Saalhausen. usw. viele Familien, die in Billiet angesiedelt wurden . Die Ansiedlerfamilien aus Rheinhessen. Erzbistum Mainz. waren in Billiet nur mit kn app 2 Prozent vertreten . Trotz des dort verhängten Auswanderungsverbotes drückte man aber gegenüber der Abwanderung in die Länder des Kaisers gern ein Auge zu. Die Banater Kolonisten aus dem Mainzischen konnten sogar ihre Erbschaftsforderungen in ihrer Heim at geltend machen . Mit der Bezeichnung Süddeutschland fassen wir den fränkischen. schwäbischen und bayrischen Kreis des alten Reiches zusammen. An der Besiedlung von Billiet waren alle nur sehrschwach beteiligt. In Bayern, das durch Krieg sehr stark mitgenommen war. erging schon am 28. Februar 1764 ein Auswanderungsverbot, das in den nächsten Jahren noch mehrmals wiederholt werden mußte . Den Auswanderern wurde mit der Konfiszierung ihres Vermögens gedroht. und den Werbern wurde der Galgen binnen 24 Stunden in Aussicht gestellt. Als im Jahre 1765 Billiet angesiedelt wurde, kamen 140 Iothringische Familien in s Banat. Von ihnen lebten am 1. November 1774 noch 24 in Billiet. Wieviele vorher dort gestorben si nd und vor Hunger die Flucht ergriffen, ist nicht bekannt. Wer aber ihre Bittgesuche an die Kai serin, die heute noch im Wiener Hofkammerarchiv aufliegen, gelesen hat. wird wissen. daß sie zu den ärmsten der Armen zählten. Die Familien benachbarter Orte gruppierten sich zu Trupps. für die die Grenzen der Heimat keine Rolle mehr spielten. Sie fühlten sich als ein moselfränkisches Volk . das gemeinsam im Banat eine neue Heimat suchte. Wenn man sich entschloß, die Heimat zu verlassen und den verhaßten Franzosen den Rücken zu kehren , so war es das natürlichste. dorthin zu ziehen, wo die Iothringische Dynastie ihre neue Heimat gefunden hatte. Die Lothringer französischer Sprache dachten darin genauso. wie die Deutschen.
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Franz Stephan von Lothringen heiratete am 12. Februar 1736 Maria Theresia, und so wurde sie die Stammutter des Hauses Habsburg-Lothringen . Im Jahre 1745 wurde Franz Stephan von Lothringen in Frankfurt zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt, der seinen Sitz in Wien hatte. Ähnlich wie die moselfränkische Bevölkerung Lothringens und die der benachbarten Reichsterritorien zusammenhielt, bildeten auch die alemannischen Elsässer in sich eine geschlossene Gruppe, die aber ein viel stärkeres Selbstbewußtsein entwickelte und sich ihren schwäbischen Stammesbrüdern vom rechten Rheinufer weit überlegen fühlten. Die Anzahl der elsässischen Auswanderer ins Banat ist viel geringer als die der Lothringer. Das ganze Elsaß stellte auch unter französischer Herrschaft das gleiche Gewirr kleiner und kleinster Territorien dar wie das rechtsrheinische Schwesterland. In Billiet standen die Einwanderer aus Luxemburg mit 12 Prozent hinter den Familien aus dem Trierischen und aus dem Sauerland an dritter Stelle. Es konnte nicht ausbleiben, daß Luxemburg, das mit seinem Gebiet weit ins Mosel- und Eifelland hineinreichte, von der großen rheinisch-lothringischen Auswanderungbewegung der sechziger Jahre ebenfalls erlaßt wurde. Laut den Transportkonsignationen im Wiener Hofkammerarchiv erreichte sie im Jahre 1766 mit 200 bis 300 Familien ihren Höhepunkt. Allein in Billiet wurden 30 Familien aus Luxemburg angesiedelt. Von den ab 1764 bis 1785 ausgewanderten 5123 Personen waren 83% Bauern, 8,5% Handwerker, 2,5% hatten sonstige Berufe und 6% waren ohne Beruf. Aus dem Sitzungsprotokoll der Temeswarer Landesadministration vom 21. November und 12. Dezember 1767 geht hervor, daß schon damals Kolonisten und Kolonistenfrauen, mit Pässen versehen, in ihre Iuxemburgische Heimat reisten, um dort ihre Vermögensforderungen durchzusetzen. Folgende Familiennamen aus der Zeit der Ansiedlung von Iuxemburgischen Siedlern waren im Jahre 1945 noch in Billed erhalten: Donnwell [Donawell], Bauer, Bentz, Federspiel, Gengler, Jung, Klein , Laut, Mayer, Wagner. Diese Auswanderungen einzelner und ganzer Gruppen, wurden vom Gesamtvolk so wenig beachtet, wie der Abgang nach Amerika, es war eben Überschuß, den das politisch gestalt-und machtlose Deutschland nicht nähren und nicht nutzen konnte . Die deutschen Siedlungsgebiete in Ungarn , Banat, Rußland und in Amerika wurden mit schweren Opfern des deutschen Volkes geschaffen, nur weil es im "Reich" keine staatliche Macht gegeben hat.
Gründe und Ursachen der Auswanderung Vor allem steht fest , daß unsere Vorfahren nicht ausgezogen sind, um Lehrmeister anderer Völker auf dem Balkan und in Ungarn zu sein. Die Verarmung war wohl allgemein und überall bekannt. Die Bevölkerung war von Jahr zu Jahr gewachsen, die Anbaufläche aber nicht, eine bessere Bodennutzung als Ausgleich dafür verstand man nicht. Witterungs- und Kriegsschäden trugen immer wieder zu Abwanderungen bei. Den Oberrheinlanden. von wo die meisten Billieter Kolonisten ausgezogen sind. war nach dem dreißigjährigen Krieg noch keine Erholung gegönnt. Kämpfe und Durchmärsche beunruhigten das Land, wobei es den Einheimischen ziemlich gleich war, ob Feind oder Freund Quartiere. Futter oder Vorspann verlangte. Der Österreichische Erbfolgekrieg [1741-1748] sah harte Kämpfe im Raum zwischen Mosel und dem Elsaß. am Oberrhein und um die Schwarzwaldpässe. Die ständig vor- und zurückgehenden Heere fraßen das Land arm und leer. Ein altes Volkslied aus dieser Zeit lautet: Manches schöne Dorf im Land haben sie rein abgebrannt ... Es braucht uns daher nicht zu wundern, wenn die auswanderungswilligen Gesuchsteller als Grund der Auswanderung folgendes angaben: ... bei gegenwärtigen nahrungslosen Zeiten sein Glück weiters, folglich im Banate suchen ... . . . wegen Abgang der benötigten Nahrung . .. in der Hoffnung besserer Nahrung ... weil er sich ohne Handwerk bei den gegenwärtigen armseligen Zeiten mit Handarbeit hier nicht ernähren könne und daher im Banat sein Glück suchen wolle ... 79
Diese und ähnliche Begründungen kehren immer wieder. und zwar nicht nur bei den wenig bemittelten Auswanderern. Meist haben die Protokolle auf jede Begründung verzichtet. Über die fünf Familien aus dem Kreis Bernkastel. die in Billiet angesiedelt wurden. können wir in einer kurfürstlichen Zirkularverfügung u. a. folgendes lesen: ... es sind dahier in Bemkastel 3 Familien abgegangen, welche aber mehr Schulden hinterlassen als selbe zu zahlen hatten, die Kinder sind von Tür zu Tür betteln gegangen ... . . . Auf dem Hunds-Rück haben diejenigen bursehen sich mehren theils dies Jahr verheiratet, des willens, sich mit ihren sponsabus [Ehefrauen] ins neue Land zu verfügen und selbe weder Land nochSandtim Vermögen haben, noch das mindeste hinterlassen ... denn wann siebrod hätten, blieben sie gewissentlieh in hiesigen landen . .. das Vermögen der hiesigen Amts-Emigranten, welches vorher aus freier Hand versteigert worden sei, hatte befohlenermaßen deshalb nicht eingezogen werden können, weil deren passive Schuldenlaßt ihr Vermögen derart überstiegen habe, daß bei verschiedenen Personen mehrere Creditores [Gläubiger] nicht befriedigt werden konnten ... Unter den Auswanderern aus Deutschland ins Banat gab es aber nicht nur arme Bettler, sondern auch solche, die Geld mit ins Banat brachten oder später ihre Erbschaft nachholten. Mit diesen wollen wir uns im Folgenden beschäftigen .
Vermögensstand der Ansiedler von Billiet Die Frage. wie vermögend oder wie arm die Kolonisten im einzeln en waren. als sie in Bi II ed oder im Banat angesiedelt wurden. hat viele Billeder Landsleute interessiert. Auf Grund der von mir eingesehenen Archivalien kann ich feststellen. daß unsere Ansiedlerahnen mit Sack und Pack ausgewandert sind . Auf die weite Reise konnten sie selbstverständlich nur das Notwendigste an Hausrat mitnehmen . Daher machten sie fast ihre ganze Habe zu Geld. So mancher kam mit einer großen Geldsumme in Billed an. die meisten abe r mit leeren Händen . Einige von ihnen sind nach Jahren in ihre alte Heimat gefahren. um ihr Erbteil zu übernehm en . Es wäre sehr wichtig. die Höhe der Erbschaftsforderungen zu erfahren. Vielen Kolonisten wurde ihr väterliches oder mütterliches Erbe in das Ansiedlungsdorf nachgesandt. Selbstverständlich wurde nicht das Geld übersandt, sondern nur eine sogenannte .. Verlags-Quittung". Di e Wien er Hofkammer verständigte die Banater Landesadministration in Temeswar. die dann die Temeswarer Distriktverwaltung in St. Andres beauftragte. das Geld auszuzahlen. Nicht alle Ansiedler erhielten ihre Erbschaft aus der verlassenen Heimat, vielen wurde auf Ihre Erbschaftsanforderung ein abweisender Bescheid erteilt. Ihr Erbanteil wurde gerichtlich beschlagnahmt, weil sie ohne landesfürstliche Erlaubnis auswanderten und eine Liegenschaft Haus oder Feld- zurückließen. So mußten z. B. die beiden in Billiet angesiedelten Familien aus Kolmbach und Aschbach in der Provinz Hessen-Starkenburg, heute Kreis Dieburg, auf ihr Erbteil verzichten, weil sie ohne herrschaftliche Erlaubnis ins Banat auswanderten. Ebenso wurde auch das zurückgelas~ene Vermögen einiger Auswanderer aus dem Kreis Birkenfeld und Rheinimid-Pfalz beschlagnahmt.
Gebühren anlässlich der Auswanderung aus der Heimat Zwei verschiedene Gebühren belasteten neben den Schreib- und Ausfertigungstaxen den Auswanderer: Für die Entledigung der Leibeigenschaft hatte die Kammer die Manumissionsgebühr anzusetzen und für die Verbringung von Vermögenswerten ins Ausland, die Abzugsgebühr. Beide Gebühren wurden nach Höhe des Vermögens bemessen. Daher war von den Ansuchenden eine vom Amt zu bestätigende Vermögensaufstellung beizufügen. Die Höhe und Berechnungsmethode wechselten in den verschiedenen Gebieten mehrfach . Zunächst gab es keine
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bestimmten Gebührensätze . Man setzte das Entgelt für die Loslassung von Fall zu Fall fest, allerdings unter Berücksichtigung des Vermögensstandes. Mindestgebühr war 1 RTh. bei größerem Vermögen kostete die Entlassung 5 bis 10% des Vermögens. Handwerker mit geringem Vermögen waren schlimm dran , sie mußten für ihren erlernten Beruf 20 fl . bezahlen. Manch Wandergeselle wird sich nicht grundlos gedacht haben: "Gehe nicht zu deinem Fürst, wenn du nicht gerufen wirst.", und ohne "Gebühren" ins Banat gewandert sein. Wer wegzog, mußte sich auch an den in der Vergangenheit aufgekommenen Kriegsund Militärkosten beteiligen . War jemand unerlaubt abgewandert, so wurde heimlich sein Vermögen beschlagnahmt. Praktisch durften sich also eine heimliche Auswanderung nur solche Leute leisten , die Vermögen weder zu verlieren noch zu erwarten hatten. Wer die Grenze einmal hinter sich gelassen hatte, durfte in der Regel mit einer Wiederaufnahme nicht rechnen . Bei mittellosen Untertanen war man froh , sie losgeworden zu sein.
Staatsangehörigkeit und Leibesuntertänigkeit unserer Ahnen Den Begriff des Staatsbürgers kannte man bei der Auswanderung unserer Ahnen aus ihrer Heimat noch nicht. Der Fürst allein war der Staat. Daher gab es keinen Unterschied zwischen de. Entlassung aus der Staatsangehörigkeit und der Entlassung aus der "den Untertanen anklebenden Leibes-Servitut", also der Schollensässigkeit, Leibesunfreiheit, Leibesuntertänigkeit oder Leibeigenschaft. In den Akten bezeichnete man jede Entlassung als "Manumission" . Leibeigene wurde man durch Geburt von einer leibeigenen Mutter oder indem man sich der Leibesherrschaft ergab. Die Auswanderer ins Banat hatten sich in ihrer überwiegenden Mehrheit aus der Untertänigkeit in ihrer Heimat durch Zahlung einer Abfindungssumme und einer Vermögensabgabe an die frühere Herrschaft lösen müssen. Sie kamen als persönlich Freie ins Banat.
Der Kolonistentransport und seine Organisation Der ganze Reiseweg der Kolonisten mit ihren Familien zerfiel in der Regel in zwei deutlich getrennte Etappen , die eine von der Heimat in die Kaiserstadt Wien , die andere von dort bis ans Ziel im Banat. Die erste war die eigene Angelegenheit der Kolonisten. Die zweite finanzierte der Staat und hielt sie entsprechend unter seiner Kontrolle. Es gab aber auch Perioden , in denen der Staat auch auf den ersten Teil der Reise Einfluß zu gewinnen suchte, und andererseits dauerte es jahrelang, bis der zweite Teil fest in staatliche Hände kam und in ein einigermaßen einheitliches System gefaßt werden konnte .
Unsere Ansiedlerahnen auf dem Weg nach Ulm Aus Holthausen im Kreis Lüdinghausen. im heutigen Nordrheinwestfalen, dort wo der längste und wichtigste Kanal Deutschlands das rheinisch-westfälische Industriegebiet mit der Nordsee verbindet. aus dieser schönen Landschaft zwischen den Flüssen Ems und Lippe. trat Mathias Quitter seine Reise nach Billed an . Von allen unserer Ansiedlerahnen hatte er den weitesten Fußm arsch zum Sammelplatz der Auswanderer in Ulm zurückzulegen. Luftlinie weit über 400 Kilometer! Er wanderte über Dortmund. Olpe, von hier mit den Sauerländern gemeinsam über Frankfurt. Würzburg und Schwäbisch Hall. nach Ulm. Über Würzburg kamen auch die Auswanderer aus Unterfranken.
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Einen zweiten Weg nahmen die aus Luxemburg, dem Trierischen und der Pfalz kommenden Auswanderer. Sie kamen über Karlsruhe und Stuttgart nach Uhn . Die Lothringer wanderten zum Teil ins Badische, überquerten den Schwarzwald und den Schwäbischen Jura und kamen so nach Uhn. Einige Auswanderer aus Frankreich kamen über die Schweiz nach Konstanz am Bodensee und von hier nach Uhn. So zogen unsere Vorfahren zu Fuß auf schmalen Fußwegen und Waldpfaden , viele mit einem Handwagen dem Ziel entgegen . In Körben, Säcken und kleinen Bündeln nahmen sie das Notwendigste mit: Bettzeug, Wäsche, Kleider usw. Einen besonnenen, geschickten Mann machten sie zu ihrem Sprecher und Anführer für ihre Gruppe. Mathias Quitteraus Holthausen , wurde im Jahre 1766, in Billed, in der Viertgasse, Hausnummer 172 angesiedelt, wo er zwei Jahre später, 1768 bereits gestorben ist!
Die Stadt Ulm und der Ulmer Hafen Die Stadt Uhn hat zur Besiedlung des Südostens Europas mehr beigetragen als andere Städte Deutschlands. Die Kolonisten bevorzugten den Uhner Donauhafen , der seine Aufgabe hervor~agend löste. Auch auf das gute Verhältnis der Ulmer Bewohner. besonders der Gastwirte und Kaufleute, zu den Auswanderern, sei hingewiesen. Aus dem bisher erschlossenen Quellenmaterial von Friedrich Lotz geht eindeutig hervor, daß die Ulmer für die Kolonisten . die bei ihnen einige Tage im Quartier Jagen, viel getan haben . Ulmer Bürger standen sogar Pate bei der Taufe der Kolonistenkinder, die in Uhn geboren wurden . Die Kolonistenbrautleute, die in Uhn heiraten wollten , hatten vom Uhner Bürgermeister eine Ausnahmebewilligung erhalten , mit der die gesetzliche Vorschrift der dreimaligen ,,Verkündigung" aufgehoben wurde. In Uhn wurden von der "K. u . K. Prinzipal Kommission" Reisepässe für die Auswanderer bis nach Wien ausgestellt. Auf der Donau, der alten Nibelungenstraße, fuhren sie dann ins Banat. Die im Westen lebenden Nachfahren jener Auswanderer haben im Jahre 1958 am-linken Ulmer "Donauschwabenufer" zu Ehren ihrer Kolonistenahnen ein Ahnendenkmal errichtet, das auch Symbol der Südostansiedlung ist.
Die folgenden Worte sind in Marmor gem_eißelt : VON ULM AUS ZOGEN DEUTSCHE SIEDLER IM 18 . JAHRHUNDERT AUF DER DONAU NACH DEM SÜDOSTEN EUROPAS. IHRE NACHFAHREN KEHRTEN, VOM SCHICKSAL NACH DEM ZWEITEN WELTKRIEG AUS IHRER HEIMAT VERTRIEBEN, IN DAS LAND IHRER VÄTER ZURÜCK.
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Die Reise bis Wien Die Schiffahrt auf der oberen Donau bis nach Wien lag in den Händen der Ulmer Schiffsleute, neben denen nur noch die Regensburger eine gewisse Bedeutung hatten . Mitunter mieteten die Kolonisten , die zu Bekannten ins Banat ziehen wollten , gleich in Ulm ein Schiff bis Ofen und fuhren ohne die staatliche Transportorganisation in Anspruch zu nehmen , direkt ihrem Ziele zu . In der Regel ging die Fahrt von Ulm nur bis Wien. Die Auswanderer hatten verschiedene Möglichkeiten sich der Ulmer Donauschiffahrt zu bedienen . Das einfachste war, die fahrplanmäßigen Schiffe zu benutzen , die in regelmäßigen Abständen den Passagierdienst von Ulm aus donauabwärts versahen . Es waren Fahrzeuge, die 400 und mehr Personen aufnehmen konnten. Wer das Pech hatte, kurz nach der Abfahrt dieses "ordinari Schiffes" einzutreffen und nicht wochenlang bis zur Abfahrt des nächsten Schiffes in den Ulmer Wirtshäusern liegen und sein Geld verzehren wollte, konnte versuchen , auf einem Frachtschiff unterzukommen . Im Frühjahr, wenn die Kolonisten scharenweise kamen , und in den Jahren der Massenauswanderung auch im Sommer und Herbst, reichte der reguläre Schiffsverkehr bei weitem nicht zur Beförderung aus. Die Ulmer nutzten die Konjunktur aus, um einen besonders vorteilhaften Schiffstyp eigens für die Kolonistentransporte zu bauen . Der Volksmund im Banat gab ihm den Namen "Schwabenzille". Es waren leicht gebaute, floßartig flache Fahrzeuge, die nur für die Talfahrt bestimmt waren . Am Ziel wurden sie auseinandergenommen und im holzarmen Banat gern als Bauholz gekauft. Eine Vergnügungsreise ist die Nibelungenfahrt auf diesen Fahrzeugen nicht gewesen . Eng zusammengepfercht auf dem flachen Fahrzeug, mit ihrem Gepäck weithin sichtbar, boten sie ein besonderes Bild, das nicht selten den Spott der Bayern und Österreicher herausforderte. Der Dialekt mag nicht wenig dazu beigetragen haben. Ernster war die große Unsicherheit, die durch die leichte und trotzdem unbeholfene Bauart dieser Schiffe bedingt war, sodaß die Kolonisten auf der schlecht ausgeräumten Donaustrecke stets in Lebensgefahr waren. Ein mit Kolonisten beladenes Floß ist bei Grein in dem gefürchteten Strudel der Dürnsteiner Klippen zerschellt, wobei 300 Personen den Tod fanden . Normalerweise wäre die Fahrt auf der Donau zwischen Ulm und Wien in 4 bis 5 Tagen zu bewältigen gewesen. Bedingt durch das fallweise Zusteigen von anderen ausreisenden Kolonisten in Günsburg, Donauworth , Neuburg, manchmal auch in Regensburg, dauerte sie länger. Aber auch die Donauschiffer versuchten durch Verzögerungen Vorteile für die Gastwirte und sich selbst zu verschaffen. Krankheiten und Tod unter den Reisenden sorgten für manche Tragödie. Kein Wunder, daß viele von den Kolonisten schon mittellos und entmutigt in Wien eintrafen. Der Schriftsteller J. Rohrer schrieb, daß er einst auf dem Schanzl an der Donau in Wien , wo die Schiffe mit den Auswanderern nach Ungarn und ins Banat landeten , einen schwäbischen Hausvater fragte, wie er sich entschließen könne, eine so weite Reise in ein fremdes Land zu wagen. "Ei", antwortete dieser, "überall wo s Herr Gottle huset, da kann allweil a Schwäble sei Plätzle han." Diese tapfere Gesinnung hat unseren Ansiedlerahnen über die Not der langen Reise und über die schwierigen Verhältnisse in der ersten Ansiedlungszeit hinweggeholfen . Viele zogen mit nichts als dem Glauben an ihren guten Stern fort. Mit diesem Glauben folgten sie den unübersehbaren Scharen ihrer Vorgänger ins Banat, die ausgezogen waren, um das Glück zu suchen , das ihnen die Heimat versagte. Unsere Billeder Ansiedlerahnen fanden es nicht und gingen zugrunde wie abertausende deutsche Auswanderer, die in der Fremde, im "eilend" untergegangen sind.
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Die Auswanderer kommen in Wien an Hatten die Kolonistentransporte Wien erreicht, so fuhren die Schiffe bei Nußdorf aus der Donau in den heutigen Donaukanal und landeten in der Roßau, im heutigen 9. Wiener Gemeindebezirk. Wenn am .,Schanzl". gleich unterhalb der Rotenthurmstraße, bei der damaligen Zollbrücke über den Donauam1 , es noch freie Plätze zum Anlegen gab. legten die Schiffsmeister ihre ,.Ulmer Schachteln" gleich an der Festungsmauer an. [Schanzl = Schanze, Verteidigungsanlage]. An1 ,.Schanzl" stellten sich sogleich die die Händler mit Lebensmitteln und Getränken ein. Von den Zollbeamten wurden die Ansiedler auf die Anmeldestellen bei der Hofkammer und bei der Bancodeputation geschickt. Jene, die ins Banat auswandern wollten, hatten sich beim Leiter des Banater Hofdepartements, im gräflichen Traunschen Haus in der Herrengasse, zu melden. [Heute im ersten Wiener Gemeindebezirk, Innenministerium , Herrengasse 7.] Zuerst werden sie von dem Speditionsbeamten nach Religion und Vaterland gefragt. Für das Banat wurden nur Katholiken angenommen. Für die Angenommenen wurde ein vorgedrucktes Paßformular ausgefüllt mit der Angabe von Namen, Alter, Vaterland, Beruf und die Anzahl der Weiber und Kinder. Wenn mehrere Familien zusammen reisten, erhielten sie einen San1melpaß. Falls sie zusammen angesiedelt werden wollten oder einen bestimmten Ansiedlungsort im Banat wünschten. sollten ihre Wünsche nach Möglichkeit berücksichtigt werden. So steht es zumindest in einer Instruktion an den Speditionsleiter von Wallenfeld. ln1 Banat sah die Wirklichkeit ganz anders aus.
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Ulmer Schachtel auf der Donau bei Wien. Diese Aufnahme entstand im Jahre 1960.
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Der Aufenthalt in Wien Bis zur Abfahrt des Schiffes, dessen voraussichtlicher Termin den Kolonisten bekanntgegeben wird, müssen sie sich nun in Wien aufhalten . Die Wirtshäuser, in denen sie sich einquartieren, sollen möglichst in der Leopoldstadt, in der Nähe der Abfahrtsstelle liegen, denn die Abfahrtstermine lassen sich nicht genau einhalten und müssen oft um mehrere Tage verschoben werden. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung in Wien müssen die Kolonisten selbst tragen . Das führt zu katastrophalen Mißständen. wenn die Abfahrt sich zu lange hinauszögert. Manche. die kein Geld mehr für Kost und Quartier übrig haben. wie auch reichere. die ihr Geld für die Ansiedlung im Banat sparen wollen und gut zu Fuß sind . weil sie keine kleinen Kinder haben. werden ungeduldig und wollen. anstatt weiter zu warten. die Reise lieber zu Fuß zurücklegen. Das wird ihnen aber aus Gründen der Transportkontrolle nicht erlaubt. Besonders schlimm wurden die Verhältnisse bei der Unterbringung in Wien. beim Einsetzen des großen Kolonistenstroms. Wallenfeld meldete damals. daß viele Kolonisten in ihren Barmitteln durch die Reise nach Wien völlig erschöpft seien und bei ihrer Ankunft oft keinen Kreuzer mehr von ihrem Geld übrig haben. Die Wirte wollen sie nicht aufnehmen . Sie müssen unter freiem Himmel am Donauk anal und in den Praterauen übernachten. Die Folge sind Krankheiten und unbeschreibliche Not. wenn etwa eine Niederkunft bei einer Frau zu erwarten war. Die Wirte nutzten die Konjunktur und übervorteilen die armen Leute. Wallenfeld schlägt daher staatliche Kontrolle vor und erbittet sich. die Bezahlung der Wirte selbst in die Hand zu nehmen. Noch besser sei es freilich. wenn Räumlichkeiten des umfangreichen Invalidenhauses für die Unterbringung der Kolonisten zur Verfügung gestellt werden konnten. Es scheint aber nicht. daß der Hofkriegsrat und die Invaliden-Kommission auf diesen Antrag eingegangen sind. Es kam auch nicht selten vor, daß Braut und Bräutigam ihre Kolonistenreise ins Banat antraten. oder daß sich zwei junge Menschen auf der Reise Ulm, Regensburg oder auf dem Schiff zusammenfanden und in Wien getraut wurden. Die Eintragungen in den Ehebüchern des 1., 2. und 9. Wiener Gemeindebezirkes bieten ein ausgezeichnetes familienkundliches Quellenmaterial , das für die Forschung erschlossen werden muß. Nicht alle unserer Ansiedlerahnen sind in den Banater Akten im Wiener Hofkammerarchiv verzeichnet, da sich nicht alle in Wien gemeldet haben. Die ohne grundherrschaftliche Entlassung oder ohne Geleitpaß der Ansiedlungskommissare heimlich ausgewanderten Leute haben eine Ablehnung und Zurückweisung befürchtet. Sie waren die ärmsten von den Armen . Alle Ansiedler die sich in Wien gemeldet haben, erhielten außer den 3 Gulden Zährgeld auch Reisepässe. Diese Pässe wurden ihnen in Temeswar von Beamten der Landesadministration abgenommen.
Die Reise von Wien nach Temeswar Die Militärpersonen und später auch die Zivilkolonisten, die sich ins Banat zur Ansiedlung begeben wollten, erhielten für die Reise von Wien bis Temeswar 6 fl ., mit denen sie den Transport und die Verpflegungskosten bezahlen mußten. Vorsichtshalber bezahlte die Bancodeputation in Wien nur 3 fl. aus, versah die Reisenden mit Pässen, die Hatzfeld als Bancopräsident unterfertigte und schickte sie zur nächsten Etappe nach Ofen . In Ofen bekamen die Kolonisten die restlichen 3 fl. ihres Reisegeldes. Auf dieser Strecke faßten die Schiffe 50 bis 80 Personen. Wenn die Stunde der Abfahrt gekommen war und die Kolonisten bereits auf dem Schiffe versammelt waren. erschien der Speditionsleiter mit dem Geld und nahm die Auszahlung der ersten Rate von 3 fl . des Reisegeldes vor. Von dieser Summe wurde zunächst der Schiffslohn bezahlt. Der bei großen Familien recht kleine Rest wurde den Kolonisten persönlich ausgehändigt. Der Schiffsmeister unterzeichnete eine Quittung darüber, ... daß die Kolonisten mir richtig übergeben und in meiner Gegenwart jedem 3 fl. Reisegeld gereicht wurden. Er nahm die Konsignationen
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lutttung.
Quittung. Pr. sechs Gulden. welche wir Endes gefertigte, als ein Reisgeld in das Temeswarer Banat 6. fl . für jegliche Familie gerechnet, von der allhiesigen Banco-Haupt-Cassa, baar, und richtig empfangen haben . Wien den 20. Marty 1769. Id est 6 fl . Rh . Johann Oberdorfer, Michael Züngel. Daß diese Colanisten mir richtig übergeben und ihnen in meiner Gegenwarth jeden 3 fl. Reisegeld gereichet worden bescheine hiemit Mathias Wendel Bürger!. Schiffmeister. HKA BA r.Nr . I) I. Fol. l]li3 .
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und die Pässe in Empfang und wurde nocheinmal ermahnt, unterwegs niemand zu entlassen und die Kolonisten und ihre Papiere richtig beim Dreißigstamt [Zollamt) in Ofen abzuliefern . Dann konnte die Fahrt ins Banat beginnen. Die Strecke auf der unteren Donau zeigte noch größere Schwierigkeiten und Mißstände auf als die oberhalb von Wien. Der Klimawechsel war für die Kinder des deutschen Berglandes um so verhängnisvoller. da der Strom von einem breiten Überschwemmungsgebiet eingefaßt war, das im Hochsommer eine ideale Brutstätte für Malariamücken abgab . Das enge Zusammenhokken der vielen Menschen auf dem Schiff verbreitete eine Menge ansteckender Krankheiten unter den Ansiedlern . Das große Kolonistensterben geht nicht nur auf die klimatischen Tücken des Ansiedlungsgebietes im Banat zurück , sondern beginnt zum großen Teil schon auf dem Transport dorthin. Auf der Reise nahmen die Erkrankungen einen solchen Umfang an , daß besondere Bestimmungen über die Aussetzung der Kranken ans Land und ihre Übergabe an die betreffenden Ortsbehörden in Ungarn in die Instruktion der Wiener Speditionsleiter aufgenommen werden mußten. Wenn es nur irgendwie möglich war, schleppten sich die Kranken mit ihren Familien weiter, um nicht allein in der Fremde, irgendwo in Ungarn zurückzubleiben. In Zeiten , in denen ansteckende Krankheiten herrschten , mußten die Einwanderer an der Banater Landesgrenze wegen der ständigen Seuchengefahr eine Kontumaz über sich ergehen lassen . Die Behörde beschränkte wohl im Gnadenwege deren Dauer von 6 auf 4 Wochen , doch wurden die Einwanderer täglich verdrießlicher und mutloser. Kontraktlieh war der Transport der Kolonisten mit den Wiener Spediteuren bis Temeswar vereinbart worden. Bei Titel wurden sie vom Banater Amtsschreiber übernommen . lhre Weiterbeförderung auf der Theiß in die Bega und den Begakanal geschah mit Aößen , die an langen Seilen vom Ufer aus mit pferden gezogen wurden . Die Kolonisten , die während des "Ersten Schwabenzug's" ins Banat kamen, landeten in Pancsova und Uypalanka. Einige fuhren auch auf der Theiß hin auf bis zur Marosch. Erst ab 1736, als der Begakanal fertiggestellt war, wurden die Kolonisten größtenteils nach Temeswar geführt und dort " ausgeschifft" und in die Dörfer verteilt.
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Auf der Schiffskonsignation waren alle mitreisenden Familienmitglieder vermerkt.
Das Abwerben der Kolonisten durch private Grundherren in Ungarn Schon während des "Ersten Schwabenzuges" wurde von der Hofkammer 1723 befohlen , gleichzeitig mit der Auszahlung eines Reisegeldes, Verzeichnisse der Einwanderer aufzustellen. Auch aus der frühen theresianischen Ansiedlung, die etwa in die Jahre 1748 bis 1754 fällt, sind einzelne Einwandererverzeichnisse uns erhalten geblieben . Kaum waren im Jahre 1763 die staatlichen Kolonistentransporte ins Banat in Gang gekommen, da erhoben sich die Klagen , daß ein Teil der in Wien und Preßburg abgefertigten Kolonisten im Banat nicht eingetroffen ist. Das Ausstellen von Konsignationen der Angeworbenen war ein Abwehrmittel gegen die damals sehr häufige Verschleppung und Abspenstigmachung der Reichskolonisten durch private Grundherrn während der Reise durch Ungarn. Als im Mai 1749 der in Neu Beschenowa ansässig gewordene Johann Oswald, der in dieser Zeit wiederholt als Werber verwendet wurde, einen ungewöhnlich großen, 900 Personen umfassenden Transport von Einwanderem aus Lothringen die Donau hinab in das Banat führte , wurden ihm in Ofen über 196 Leute verschleppt. Die Namen sverzeichnisse wurden in Wien angelegt und zur Überprüfung an die einzelnen Etappen der den 88
Transport überwachenden Behörden weitergegeben. Am 22. September 1763 meldete die Banater Landesadministration, daß von fünf angekündigten Familien nur zwei angekommen sind. Im Frühjahr 1765, also als die ersten Billeder Kolonisten ins Banat ausgewandert sind, fehlten bei einem Transport von 23 Familien sechs, bei einem anderen drei Familien . Insgesamt waren von 992 wirklich angesiedelten Familien über 200 unterwegs verschwunden. Im ersten Vierteljahr 1766, als die nächsten Kolonisten für Billed im Banat ankommen sollten , waren von 295 Familien 32 nicht eingetroffen . In den nächsten Jahren gingen die Verlusteinfolge der getroffenen Abwehrmaßnahmen zwar zurück, doch ganz fehlten auch in dieser Zeit die Klagen nicht. Der genaue Prozentsatz dieser Verluste ist sehr schwer abzuschätzen, doch dürfte er zwischen 10 und 20 Prozent geschwankt haben . Was ist aus diesen unterwegs verschwundenen Kolonisten geworden? Einige mögen immerhin Krankheiten zum Opfer gefallen sein. Die gefährlichste Stelle war offenbar Ofen , wo die Donautransporte der Kolonisten anzulegen pflegten. Wenn die Kolonisten das Festland betraten und in der Stadt herumgingen, machten sich die Agenten der Privatherrn und Grafen an die besonders zuverlässig und vermögend Aussehenden heran und machten ihnen ihre Ansiedelungsangebote . Durch vieles Zureden und verschiedenen Verlockungen wurden sie der staatlichen Ansiedlung im Banat abspenstig gemacht. Das häufige Verschwinden der für das Banat bestimmten Kolonisten. für die bereits staatliche Gelder ausgegeben worden waren. forderte natürlich zu Abwehrmaßnahmen heraus. Im April 1768 war auf einen Vortrag des Grafen Hatzfeld eine allerhöchste Resolution erfolgt. die verschärfte Kontrolle der Kolonistentransporte verlangte. Die Schiffleute erhalten eine Namensliste der Kolonisten und dürfen unterwegs unter keinen Umständen einen entlassen. Wenn doch jemand entweicht. hat der Schiffsführer sofort Anzeige zu erstatten. Die Ungarische Hofkanzlei wird angewiesen. allen Komitaten. die an der Donau liegen. aufzutragen. nach den Rüchtigen zu fahnden und sie gefangen abzuliefern. Nun nahm sich die lmpopulationskommission der Sache an und wies die ganze Resolution zurück. Die Eskortierung verursacht Kosten . Bei den übrigen Kolonisten muß es Aufsehen machen und Widerstand erregen. wenn sie sehen. wie ihre Kameraden gefesselt zu ihrem Ansiedlungsort geführt werden. Wenn diese Kolonisten einmal einen Abscheu vor dem Banat hatten und sich lieber anderswo ansiedeln wollten. sollte man sie ruhig ziehen lassen und ihnen nur die 6 fl. Reisegeld wieder abnehmen. Das Entscheidende ist. daß man sich auf den eigentlichen Zweck der lmpopulation besinnt. der in den Privatherrschaftengenauso gut erreicht wird. wie auf staatlichem Besitz. Aber sonst hielt man an den Abwehrmaßnahmen gegen den Übertritt der Kolonisten zu den Privatherrschaften fest und richtete auch die Instruktion für den verantwortlichen Speditionsbeamten auf dem Schiff dementsprechend ein.
Die Ankunft der Kolonistentransporte in Temeswar Wenn die Kolonisten in Temeswar ankamen, wurden sie von dort in ihre Bestimmungsorte abtransportiert, wo sie von den Distrikst-Verwaltungsbeamten übernommen , einquartiert und verpflegt wurden. Teilweise wurden sie auch unter die Aufsicht eines amtierenden Dorfschulzen oder Kolonistenaufsehers gestellt. Die Einquartierung der Neuankömmlinge war meistens keineswegs- wie ursprünglich in Wien geplant- ein rasch vorübergehendes Zwischenstadium, sondern eine sehr lange und unangenehme Station auf dem Leidenswege der Ansiedler. In den Jahren 1765/ 66 , als Billiet angesiedelt wurde, war die Zahl der Einquartierten durchschnittlich sehr gering und die Dauer der Einquartierung daher sehr kurz. Die Billeder Kolonisten lagen im Winter 1765/66 in Neu-Beschenowa im Quartier, die meisten kamen aber erst im Frühjahr 1766 ins Banat und wurden sofort auf die "Baustelle" nach Billiet gebracht. Wie aufgrund des einschlägigen Archivmaterials des Wiener Hofkammerarchivs zu ersehen ist, hatte auch Billiet nach der Fertigstellung der Häuser, ständig Kolonistenfamilien einquartiert. 89
Bei sehr großem Bedarf wurden auch leerstehende Kasernen, Kontumazhäuser, Fabriksgebäude und ähnliche Unterkünfte im ganzen Banat herangezogen . Selbstverständlich waren die Altkolonisten über diese "Eindringlinge" in ihre ohnehin nicht großen Häuser nicht sehr begeistert. Die Einquartierten hatten infolgedessen von den alteingesessenen Einwohnern "äußerste Ungemach" zu erdulden . Besonders dann , wenn sie nach erledigter Feldarbeit im Herbst und Winter keine Hilfe, sondern nur mehr eine Last waren. Da die Familien groß waren, mußten einige im Stall oder auf dem Boden schlafen . In der Enge der Häuser und bei den ungesunden Unterbringungsverhältnissen konnten sich die Krankheiten rasch verbreiten und stürzten die Altsiedler und Einquartierten in Elend und Schulden . Die Neuankömmlinge waren meist viel zu arm , um sich auf eigene Kosten verpflegen zu können. Wohl war durch die Errichtung der Wirtshäuser die Möglichkeit gegeben , sich mit Fleisch und Getränken zu versorgen , aber die Ernährung der Massen der Einwanderer, die sofort nach dem Anlegen der Schiffe in Temeswar einzusetzen hatte, war nur dann möglich , wenn rechtzeitig genügend Mehl verfügbar war. Wie schlecht es aber mit der Mehlversorgung in Billiet nach der Ansiedlung geklappt hat, werden wir auf den nächsten Seiten dieses Buches erfahren. Um den Kolonisten Gelegenheit zu geben , sich vor der eigenen Ernte möglichst weitgehend selbst die Nahrung zu verdienen , wurden sie gegen Entlohnung zur Mitarbeit bei der Heuernte auf den Prädien und bei der Ernte in den Altkolonistendörfern herangezogen. Solche, die bei der Feldarbeit nicht gut gebraucht werden konnten oder vor Wintereinbruch noch nicht in ihren eigenen Häusern untergebracht waren, wurden teilweise beim Festungsbau und den Pflasterungsarbeiten in Temeswar und Arad , Frauen auch in der Spinnerei , beschäftigt. [1. H . I.] Alle diese Maßnahmen , die dazu dienen sollten , die allgemeinen Verpflegungskosten möglichst herabzudrücken , konnten aber keineswegs die Tatsache aus der Welt schaffen , daß Tausende Ankömmlinge in fremden Dörfern fern von den ihnen zugedachten Feldern tatenlos herumsaßen . Durch Mißernten und Krankheiten der Kolonisten wunß es oft notwendig, ganze Gemeinden durch zwei und mehr Jahre immer wieder zu verpflegen. Die allgemeinen monatlichen Verpflegungskosten waren im Banat sehr verschieden hoch . Laut einem Auszug aus dem Jahre 1772 betrug der Durchschnitt für die gesamte Verpflegung im Banat innerhalb eines Monats 6.000 fl. Für große Familien rechnete man mit 11 bis 13 fl . monatlichen Verpflegungskosten . So standen am Ende des " Großen Schwabenzuges" im Sommer 1771 sechstausendfünfhundertfünfzehn Personen , im Herbst dreitausendsechshundert und im Februar 1772 dreitausendzweihundertneununddreißig Personen bei den Verwaltungsämtern im Banat in Verpflegung. Damit sind wir am Ende der langen Reise angelangt. Wir hatten Gelegenheit, unsere Ansiedlerahnen, skizzenhaft und in ganz groben Zügen auf ihrem schweren Weg aus der Heimat in die neue Heimat, in das Banat, im Geiste zu begleiten . Wir taten einen kleinen Einblick in den tatsächlichen Ablauf der größten Völkerwanderung des 18. Jh .s in das Banat, die im Jahre 1772 ihren Abschluß fand und als der " Große Schwabenzug" in die Geschichte eingegangen ist.
Ansiedlung Die Ortsgründung des deutschen Dorfes Billiet ( 1765) Bei der Ankunft unserer Ansiedlerahnen in Temeswar diente das Prädio Billiet nach wie vor als Viehweide und zur Heumachung, es wurde nur extensiv genutzt . Dieser Umstand verdient schon deshalb festgehalten zu werden , da zum Unterschied einiger neu angesiedelter Dörfer des " Ersten Schwabenzuges" wie: Neu-Petsch , Neu-Beschenowa, Neu-Arad, Neu-Moldowa aber auch Deutsch-Sankt-Peter, Deutsch-Tschanad , Deutsch-Sankt-Nikolaus, Deutsch- Rekasch usw. die aus bereits bestandenen nationalistischen Ortschaften hervorgegangen sind und zugebaut wurden, ist Billiet neu, auf unbebautem, siedlungsleeren Weideland aufgebaut worden. Um den nötigen Ansiedlungs-Grund und Boden zu sichern , wurden schon im Jahre 1764 die Prädienpächter auf der Heide angewiesen, sich nach anderen Weideflächen umzusehen . Auch
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das Umackern der Felder wurde zum Teil im vorhergehenden Herbst durchgeführt. NationalUntertanen wurden aufgenommen, die für das Umackern eines Joches noch niemals beackerten Grundes 1 fl. 50 kr. erhielten , für ein Joch das schon einmal beackert war, 1 fl. 15 kr. Um in jedem neu anzulegenden Dorfe eine bestimmte Anzahllandeskundiger Personen zu haben , die den Neuankömmlingen in allen Belangen Anleitungen geben und auch die Verwaltung der neue Orte übernehmen konnten, wurde der Versuch gemacht, altansässige Kolonisten durch Versprechung von zwei Freijahren dazu zu bewegen, in die neu anzulegenden Orte umzusiedeln . Gleichzeitig sollte dadurch auch in den schon übersetzten alten Orten Luft geschaffen werden. Da diese Altkolonisten aber ihre Häuser selbst aufbauen sollten und die Zustände in den neuen Dörfern ja alles andere als verlockend waren, fanden sich sehr wenige, die bereit waren, in die neuzugründenden Orte zu übersiedeln . Nach Billiet kam der in Mercydorf ansässig gewesene Lorenz Klunkhard als Kolonistenaufseher. Er war 50 Jahre alt, davon hatte er 25 Jahre beim Militär verbracht und wurde bei den Militäransiedlungen als Wachtmeister in das Banat entlassen. Sein Geburtsort war Mayns im Reich, er studierte Philosophie . .. und ist der lateinischen, deutschen auch in etwas der französischen und walachischen Sprache kundig. Vorgesetzter des Kolonistenaufsehers Klunkhard war der Verwalter des Temeswarer Distriktes Franz Josef Knoll. Das k. k. Temeswarer Distrikts- Verwalteramt, dem auch Billiet angehörte. war in St. Andres. wo Knoll seine Wohnung hatte. Er war der Mann. der Billiet erbaute und dabei die Oberaufsicht führte. Damit sind wir auch schon bei der Kernfrage angelangt: Wann wurde Billiet erbaut? Zur Beantwortung dieser Frage können wir uns auf eine ganze Reihe von handschriftlichen Quellen aus dieser Zeit stützen. Als erstes Dorf in der theresianischen Zeit wurde Billiet im Jahre 1765 mit 252 Häusern. einer Kirche und einer Schule geplant. Es war als Muster für alle weiteren Siedlungen auf der Heide gedacht. Im Jahre 1765 wurden in der Altgasse in Billiet 32 Häuser noch vor Einbruch des Winters fertiggestellt. Im April des Jahres 1766 wurde Knoll aufgefordert. die in Billiet noch abgängigen 220 Häuser unverzüglich fertigzustellen. Die höchst interessanten und für uns Billeder sehr wichtigen Auszüge aus den Sitzungsprotokollen der Temeswarer Landesadministration und der lmpopulations-Kommission im Banat lassen wir nun direkt zu uns sprechen : A u s zu g aus dem Si t zu n g sProtokoll vom April 1776. Es wird erinnert nunmehr an der Zeit zu seyn, daß sowohl die noch in Baubegriffene Colanistenhäuser zu Neu-Dorf vollends verfertiget werden sollen, als auch die Errichtung deren zu B i II i e t noch abgängigen 220 derley Häusern, nicht weniger zur Erbaung anderer 200 Häuser für das Dorf! Landstreu, ohne Verschub der Anfang mit allem Ernst zu machen seye. Zu solchem Ende der Ziegelschlag veranstaltet werde, hierzu die Colanisten selbst, gegen denen selben zu ihrer Subsistens [Lebensunterhalt] leistende bezahlung gebrauche. Das Bauholz beyführen lassen, sich um Aujbringung deren erforderlichen Maurer und Zimmerleuthen sowohl von Deutsch- als Wallachischer Nation bewerbe. Oberhaupt sey dieser Bau dergestalten zu betreiben damit alle Häuser im Julio, oder doch längstens im August 1766 in vollkommen wohnbaren Stand hergesteilet seyn mögen. Wenn übrigens an Gespör-Hölzern, oder Latten ein Mangel seyn sollte, hierinfalls von Seiten des hiesigen [Tem eswarer) Waldamts mittels des bey selben befindlichen derley Vorrath ausgeholfen werden würde, und hierwegen erforderlichen Falls nur die berichtliehe Anzeige an die Hoch Löbl. Administration zu machen seye. Hier nun der Bericht des Verwalters Knoll : Das Temesvarer Verwalteramt berichtet in Betreff deren zu erbauenden 220 Billieter Colonisten-Häuser die Veranstaltungen bereits dahin gemacht haben, daß von denen Zimmerleuten diesen verflossenen Winther schon eine zirnliehe Anzahl Fenster- und Türstöcke, dann Mantelbäumer [Durchzug] verfertiget. Bei Ankunft des Accordierten Floßes und des Lippaer Districts Gespörholzes jedes Haus ohne Verzögerung, das Gebäu für 6 Gulden in Zimmermannsarbeith vollkommen und anständig gearbeithet, hergesteilet werde. Mithin nur noch die hierzu benöthigte Maurer aufgebracht, und mit selben ein Hauptaccord getroffen werden müsse. 91
Das Temesvarer Verwalteramt erinnert zunächst, daß es mit dem nöthigen Bauholz für die Billieter und Mercydorfer Häuser bereits versehen, daher das beydem hiesigen Waldamt vorrätige Bauholz auf die angetragenen 400 Colonisten-Häuser verwendet werden können. Aus dem folgenden Protokollbericht erfahren wir, daß die Billieter Kolonistenhäuser schon auf gebrannten Ziegeln im Fundament aufgebaut wurden .
Akt-Nr. 519 Das Temesvarer Verwalteramt fraget an, ob die auchnoch zu erbauenden erforderlichen Billieter Colonisten-Häuser mit harten oder nur mit Kotziegel-Fundamentern ausgeführet werden sollen? Da nun laut diesem Verwalteramtlichen Bericht, zu einem hart fundamentierten Haus, auf 3 Ziegel hoch und 2 Schuh breit gerechnet, nur 1.368 Stück Ziegeln erforderlich sind, wovon das Tausend auf 3 Gulden und 30 kr. zu stehen kommen, zu gleich auch noch die zu denen Fundamenten erforderlichen Kotziegel ersparet werden, die Häuser aber um so standhafter hergesteilet werden könnten. Antwort zu N r. 519. Es wäre der ahnvorgreifliehen Kommissions Meinung, bei denen noch zu errichtenden Billieter Colonisten-Häuser, die Fundamente aus 3 Ziegel hoch, dann 2 Schuh in der Breite von gebrannten Ziegeln zu legen, und die hierzu mehrers erforderlichen Kosten, höchstens je 3 Gulden vom Haus, nicht anzusehen. In dem nun folgenden Bericht des Temeswarer Verwalteramtes vom 16. Juli 1766 an die K. K. Hof- und Untersuchungskommission steht es schwarz auf weiß. daß a m 2 1 . 0 k t ober 1765 der Grundstein für das erste Kolonistenh a us in Bill i e t g e I e g t w u r d e . Der Geburtstag des deutschen Dorfes Billiet ist also der 21. Oktober 1765. Um den Nachweis dafür zu erbringen zitiere ich hier die amtliche Quelle: Akt-Nr.520 Das Temesvarer Verwalteramt erstatte den über die Beschaffenheit der eingedeckten Billieter Kolonisten-Häuser abgeforderten Bericht, dahin, daß keiner unter allen Billieter Kolonisten mit Namen zu erfragen seie, welcher sich geäußert haben solle, ein derlei Haus mit beigabe eines Handlangers, innerhalb von 4 Tagen allein eindecken zu wollen. Es seien zwar 5 von der Häuserdeckungs-Profession [Dachdecker] machenden Billieter Kolonisten bei dem Amt erschienen, hatten sich aber auf eine so kurze Zeit nicht eingelassen, sondern erklärt, daß sie sich nur dann zur Eindeckung deren Häuser gebrauchen lassen wollten, wenn für eines 9 Gulden mindestens aber 8 Gulden oder aber 30 kr. für ihre blase Arbeit täglich bezahlt würden. Es seien zwar voriges Jahr [1765] die Eindachung der Billieter Häuser etwas lang hergegangen, und möchte jedes im Taglohnarbeit auf 6 bis 7 Gulden gekommen sein, so wurde dem Unterthan nur 10 kr. täglich bezahlt. Dieses rühre aber von denen kurzen Tägen, dann von der eingefallenen kalten und üblen Witterung her, zurnahten der Bau deren 3 0 H ä u s e r n e r s t a m 2 1 . Oktober angefangen und bis letzten November 1765 vollendet worden. Wohingegen bei längeren Sommertagen in einem Tag mehr als an anderen in zweien an dieser Arbeit geschehen könne. Da sich sonst niemand geäußert habe, diese Arbeit auf eine andere Art, auf sich zu nehmen, so halten wir es dafür, daß die bevorstehende Eindeckung der übrigen 220 Billieter Häuser durch die Districts-Unterthanen gegen täglich 12 kr. Lohn am wirtschaftlichsten und bevörderlichsten geschehen könnte. Zumalen bei längeren Tagen keines über 4 Gulden kosten würde. Diesen Bericht zur diesfalls anverlangten Auskunft der Kaysl. König!. Hof- und Untersuchungs-Commission per Notam zu übergeben. Exp. 16. Juli 1766 Das heißt mit anderen Worten , daß in sechs Wochen oder in 42 Tagen dreißig Häuser errichtet wurden und es wahrscheinlich keine Sonntagsruhe gab. In seinem folgenden Bericht vom 22. Februar 1767 an die Temeswarer Landesadministration schreibt der Verwalter Knoll , daß er 92
schon seit dem 15. September 1765 zweihundertzweiunddreißig Kotziegelhäuser teils vollständig ausgebaut . teil s unter Dach gebracht habe. und noch zwanzig Häuser herzustellen sind. In diesem Bericht ergänzt Knoll seinen Termin vom 21. Oktober und verlegt ihn auf den 15. September . Wie wir sehen . stimmen Knoll s Angaben nicht ganz überein. Wir wollen sie aber nicht in Bausch und Bogen verwerfen. Wen n wir bedenken. daß Knoll nicht nur der Verwalter des Temeswarer Distriktes war. sondern daß wir außerdem gerade in ihm den Erbauer unserer Heimatgemeinde Billiet sehen müssen. dann wird es uns einleuchten . daß in seinen Angaben jedenfalls auch etwas Wahres liegen muß. In seinem Bericht vom 16. Juli 1766 spricht Knoll vom " ... Bau, deren 30 Häuser erst am 31. Oktober angefangen", das heißt. daß die Maurer. Zimmerleute und die verschiedenen anderen Handwerker. die ja den Aufbau der Häuser im Akkord durchführten. am 21. Oktober mit di eser Arbeit begannen. Das Ausmessen der Hausplätze. der Ziegelschlag. dann das Herbeiführen von Sand. Kalk und Holz mußte alles schon ab dem 15 . September geschehen. wahrscheinlich noch früher. Denn nicht nur die Hausplätze mußten pünktlich ausgesteck t sein. sondern auch die Bauplätze für die Kirch e. Schule und das Gem eindehaus. Ebenso wurden di e für Billed so charakteristischen. breiten. geraden Gassen und Kreuzgassen genau ausgemessen und marki ert . Aus dem Bericht von Knoll geht auch hervor, daß im Februar 1767 noch zwanzig Häuser in Billi et zu erbauen waren . Da die Sauerländergasse- mit Ausnahme der Neugasse- als letzte Gasse erbaut wurde, können wir annehmen, daß diese zwanzig Häuser im Jahre 1767 am nördlichen Ende der Sauerländergasse erbaut wurden . Obwohl in Billiet noch nicht alle 252 Kolonistenhäuser fertig waren , hat Knoll im Auftrag der Ansiedler von Billiet bei der Landesadministration in Temeswar um einen Kostenvoranschlag für den Bau eines Gotteshauses angesucht. Ebenso lebten die Billieter in der tröstlichen Hoffnung, daß zu ihrem Gotteshaus auch die üblichen Glocken angeschafft werden . Wie wir wissen, wurde die Kirche erst zehn Jahre später erbaut, der Gottesdienst wurde in der Schule abgehalten . Hier nun der Bericht des Verwalters Knoll im Wortlaut: Akt-Nr. 544. Das Temesvarer Verwalteramt berichtet vom 22. und 26. Februar 1767, daß nachdem auf dem zur Collonisten-Familien-Ansiedlung angewiesenen Prädia Billiet schon zeith 1 5. Se pt e m b er 1 7 6 5, 232 Kothziegelhäuser theils vollständig ausgebauet, theils unter Tach gebracht, daß also letztere in ihre Vollkommenheit zu bringen, und die noch neu anzulegen kommenden 20 Häuser herzustellen, so bald es die Zeit vergünstiget, der Anfang gemachet, und so viel und schnell es möglich das Ende der vollkommenen Herstellung dieses Dorfes zu erreichen. Das Verwalteramt sich angelegen sein lassen würde, mithin nur noch jenen Umstand sich zu äußern, damit da selbst in Billiet a proportione [nach Anzahl] deren Familien ein Gotteshaus und Pfarrhof durch Bauverständige überschlagen und deren Unkosten entworfen, in ahnvorschreibliehen A ccord [Vertrag] übergeben werden möchte. So bittet das Verwalteramt ferner die Hohe Entschließung, damit die beyhülfliche Notwentigkeiten in jener bequemen Zeith angesetzet werden konnten, da der Unterthan in seinen üblichen Hausgeschäften nicht gehemmet wird.
Da die Billieter Insaßen der tröstlichen Hoffnung leben, daß zu ihrem Gotteshaus auch die üblichen Glocken angeschafft werden würden, hingegen der Orth sehr weithschichtig angeleget ist, die Einwohner durch geringes Zeichen zum Gottesdienst nicht benachrichtigt werden könnten so wäre der Gemeinde einhelliges Bitten die Glocken noch ehe und bevor des angehenden Kirchenbaues beyzuschaffen. Bis zur Erhebung eines Thurmes will die Gemeinde mit ihrer eigenen Mühe einen Intermal [Zwischenlösung] Glockenstuhl errichten um die Glocke aufzuhängen. Antwort zu Be sc h eyd Nr .544. Es diene dieses Einberichtete zur guten Nachricht, es werde dem Verwalteramt alle mögliche Sorgfallt und Nachsicht an Recomandiret [anempfohlen], womit die noch abgängigen etliche Collonisten-Häuser doch baldigst zu Standt gebracht werden.
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Die Kirche betreffend ist der Oberschlag bereits von der Landesadministration gemacht und werde ihrem Verwalteramt hievon ein Auszug zu dem Ende und mit dem Befehl hier neben angeschlossen, die Materialien sogleich und auf das baldigste beyzu schaffen. die angesetzte Quantität Ziegel brennen zu lassen, dann die speciflcirte [eigenartigen] Holzsorten he1· dem hiesigen k . k. Waldamt, -an welches in dieser Sache das nötige Unternimm ergehet- abholen und nach Billiet zum Baue hinführen zu machen. Hingegen was die angesuchte Glocke belanget, da ist hier Orts nicht unbekannt, daß die neue Billieter Ortsgemeinde für auf ihrem Terrain [Gemeindegrund] von fremden Partheyen gehaltenes Vieh einiges Geldt eingenommen, daher von diesem Geldt die Glocke beygeschaft werden kann. Oder aber, wenn solches wider erhoffen nicht mehr vorhanden seyn sollte, schleunigsten einberichtet werden solle, auf wa.S solches Geldt verwendet worden seye. Dem hiesigen Waldamt hingegen, einen Auszug in Betreff des Kirchenbaues erforderlichen Holzgattungen mit der Auflage zuzustellen, diese Erforderniß denen hierum einlangende Temesvarer Districts Unterthanen ahnbedenklich ausfolgen zu lassen. Zusammenfassend können wir sagen. daß die Ortsgründung von Billiet in drei Abschnitten . etappenweise vor sich gegangen ist : Im Jahre 1765 30 Häuser Im Jahre 1766 202 Häuser 20 Häuser Im Jahre 1767 zusammen 252 Häuser Versuchen wir uns Billiet zur Ansiedlungszeit vorzustellen! Wie es wohl vor 215 Jahren dort ausgesehen hat. wo das Gemeindehaus die .. Burg" [,.Burch"] , die Kirche. Schule. Pfarrer- und Lehrerwohnungen standen? Die mündliche Überlieferung hat un s nur ganz wenig darüber aufbewahrt. Zweihundertfünfzehn Jahre sind eine lange Zeit. es ist nicht zu verwundern. daß die Ennnerung darüber fast spurlos verschwunden ist. Oft gingen wir an der alten .. Burch" vorbei. in der der erste Dorfschulze. der Vetter Kasper Hann mit seinen Geschworenen saß und überlegte. was er wohl für seine Gemeinde in dieser Not tun soll oder kann . In diesem Hause schlug von allem Anfang an das Herz von Billiet ! ! ! [Heute Hausnummer 538] Die erste Schule stand ebenfalls in der Altgasse. gegenüber dem Gemeindehaus. heute Hausnummer 474. Bis zum Jahre 1944 wohnte in diesem Haus die Familie Mann mit ihren beiden Söhnen . die alle nur unter dem Namen .. Schule Vetter Klos" und ,.Schule Hans" bekannt waren. Wann und wo das erste Wirtshaus erbaut wurde . läßt sich heute nicht mehr feststellen . Sicher ist. daß der erste Schankwirt von Billiet ( 1766) Franz Schuh hieß. und in der Altgasse Nr. 48 [heute Hausnummer 476. Jakob Krier] gewohnt hat . Also auch gegenüber vom Gemeindehaus und neben der Schule ! In dem Sitzungsprotokoll der "Commission in lmpopulations Sachen" vom 19. und 23. Februar 1767 in Temesvar. werden folgende Mißstände in Billiet unter Punkt 6 beanstandet: " ... wäre mit der Besiedlung selbst so lau vorgegangen worden, daß viele Kolonisten 2 bis 3 Jahre im Lande sind, gleichwohl aber die Notwendigkeiten zur Wirtschaft nicht erhalten haben, wie dem in dem schon i m Fr ü h j a h r 1 7 6 5 a n g e f a n g e n e n D o r f B i II i e t , und vor dieser Zeit zuerbauen angefangenen Dorfschafren Jarmatha , Mercydorf, Groß St. Miklosch und Neudorf wenig ganze Häuser anzutreffen seien. Vorsitzender : Franz Anton Graf von Lamberg Referat : Baron von Kempfen Anwesend : Baron Festefies Laut einem Bericht des Temeswarer Verwalteramtes von April 1766 befanden sich damals . . . mit denen neuerlichen zugewachsenen 26 Familien die Anzahl deren Billieter Familien in 232 Haushaltungen. Nach einer Tabelle vom 11 . September 1766. also fünf Monate später. gab es bereits zweihundertneunundsiebzig Familien in Billiet. Da zu diesem Zeitpunkt aber erst 230 Häuser fertig 94
waren, hatte man in 49 Häusern zwei Familien untergebracht. Wenn wir jede Familie im Durchschnitt mit vier Personen annehmen , so hatte Billiet im September 1766, 1.116 Einwohner. Aus der gleichen Tabelle geht auch hervor wieviele Familien in den Jahren von 1762 bis 1766 ins Banat eingewandert sind: 59 Familien 302 Familien 622 Familien 826 Familien 1.703 Familien 3.512 Familien Bei der Ortsgründung von Billiet ging man noch von dem Grundsatz aus. gleichsprachige Familien in einem Ort anzusiedeln. So wurden den Siedlern nach ihrem Herkunftsland. nach Möglichkeit in der gleichen Gasse. die Hausplätze zugeteilt. Auf diese Art entstand in Billiet die Sauerländergasse . Dem folgenden Bericht. den Knoll an die Impopulations-Kommission gerichtet hatte. können wir entnehmen. daß die Billieter Kolonisten an dem Aufbau ihrer Häuser ernstlich mitgearbeitet hahen und fünfzig Faß Mehl zur Verpflegung erhielten. Da das Dorf Billiet mit den darauf angetragenen [vorgesehenen]250 Familien bald complet seyn werde und daher für die weiters einlangenden Familien ein anderer Platz um so ehender zu bestimmen seye als deren in kürzester Zeit bis 1.300 Familien aus dem Cöllnischen Gebieth hier anlangen sollen. Ersuchet nebstbey, womit denen Billieter Colanisten welche nunmehr ernstlich anfangen ihre Häuser aufzurichten zu deren einsweiligen Lebensunterhalt 50 Faß Provisions Mehl angewiesen werden möchten. Eine weitere Anfrage, ob es für jedes Faß Mehl 24 kr. und wieviel Fuhrlohn dafür bezahlen dürften , da besagte Colanisten noch mit keinem Fuhrwerk versehen, und der Unterthan derlei Fuhren unentgeltlich nicht verrichten wolle. Antwort der lmpopulationskommission Die Meldung des effectiven Stand denen zu Billiet befindlichen Collonisten lasse man sich mit dem noch einberichteten zur Wissenschaft andienen, nachdem hierauf von der Impopulations Commission der nöthige Bedacht bereits genommen worden, das anverlangte Provisions Mehl Quantum von 50 Faß seye beyhiesigen Provisions Verwaltungsamt bereits angewiesen. Sollte hiervon etwas noch rückständig bleiben, so ist dieses mittels hereinzuschickender Vorspan nachzuholen. Der wegen diesfälliger Transportierung vorgeschlagene Fuhrlohn von 24 kr. je Faß scheinet garnicht zu viel zu seyn, und wäre demnach die Paßierung [Genehmigung zur Auslieferung] dem Verwalteramt ahnbedenklich zu ertheilen. 1762 1763 1764 1765 1766
Der fränkische Streckhof als Kolonistenhaus in Billiet Der Erbauer von Billiet. Franz Josef Knoll. hatte zu Beginn der theresianischen Besiedlung des Banats ( 1740). die damals so gut wie ausschließlich angewandte Methode der Zusiedlung an bestehenden Ortschaften im Temeser Distrikt durchgeführt . Er hatte den Orten St. Andres. St. Peter. Saderlak. Bruckenau. Jarmatha. Mercydorf. Neubeschenowa. Neupetsch. Freidorf und Rekasch deutsche Zusiedlungen angefügt. die zwischen 5 und 235 Häuser um faßten. Äls erste Neugründung dieser Periode stellte ihnen Knoll in seinem Distrikt das Prädiendorf Bi I I i e t zur Seite. das den kommenden Typus der Besiedlung auf der Heide bestimmte. Allen in dieser Zeit auf der Heide erbauten Dörfern war folgendes gemeinsam : die rasche Art ihrer Fertigstellung. die billige und etwas flüchtige Konstruktion der Häuser. die unsolide Ausstattung der Wirtschaften. die oft durch drakonische Strenge erzielte. restlose Ausnützung der Arbeitskraft der Kolonisten [in Hatzfeld durch Prügel], die zur Sicherstellung der Verpfle95
gung zwangsweise eingeführte Gemeinwirtschaft. und die verhältnismäßig hohe Sterblichkeit unter den Siedlern. Gerade diese ganz im Sinne der kaiserlichen Auftraggeberin Maria Theresia gelegenen Vorteile trug aber dieser Methode und ihrem Schöpfer den Haß der gesamten ansiedlungsfeindlichen Kräfte innerhalb des Banats ein. Die staatlichen Stellen mußten sich entschließen , den Hausbau im ganzen Banat selbst in die Hand zu nehmen . Billiet und auch die anderen Prädiendörfer, die auf der Heide geplant waren , hätten auf gar keine andere Art errichtet werden können . So entwickelte sich auf der Heide, wo man nichts anderes als Gras und Himmel gesehen hatte, eine rege Bautätigkeit, die in ihrer Betriebsamkeit der eines Ameisenhaufens ähnlich gewesen sein muß. Mit größter Selbstverständlichkeit wurde im ganzen Banat ein Haus ganz gleich wie das andere erbaut. Die Form des "fränkischen" Streckhofes, die im ganzen südostdeutschen Siedlungsraum die gültige Norm war, erschien allen am Siedlungswerk beteiligten in ihrer bodenständig gewachsenen Art so selbstverständlich, daß auch nicht der Gedanke an eine andere Lösungsmöglichkeit aufkommen konnte . Mit einem Dachvorsprung an der Grundgrenze, den Gibel zur Straße gerichtet, so wurden diese ersten deutschen Siedlungshäuser in Reih und Glied hingestellt. Vom Burgenland ostwärts bis an die Grenze der Walachei sind sie auch heute noch überall zu finden . Der hofseitige Dachvorsprung sprang meist etwas stärker vor, sodaß ein regensicherer Gang entstand, der sich vom Gassentor längs des Hauses bis zum Stall und zur Scheune hinzog. Vom Hof trat man in die "schwarze Kuchl",- so genannt, weil ihr die Hälfte der Decke fehlte, und in der hinteren Hälfte des Raumes auf einem Mantelbaum ruhend, der schwarze Trichter des Rauchfanges des offenen Herdfeuers gähnte. Straßenseitig lag ein Zimmer, die "Stub" , auf der anderen Seite der Küche eine Kammer. An diese schloß unter dem gleichen Dach liegend, fallweise der Stall an . Das Zimmer hatte ein Fenster auf die Gasse und eines auf den Hof. Die Küche erhielt ihr Licht nur durch die Eingangstür, die Kammer aber durch ein Fenster vom Hof. Im Zimmer steht ein Ofen, dessen Rauch ebenfalls durch den Küchenrauchfang abziehen kann. Die einfache Dachkonstruktion ist direkt mit den Deckentramen verbunden , sodaß jeder zweite Deckentram zugleich als
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Bundtram wirkt. Scheune und Vorratshäuser wurden hinten, den feuerpolizeilichen Vorschriften entsprechend, in einer Linie- und nicht quer zum Hofe- [I. H. I.] je nach Bedarf, angebaut. In der Kartensammlung des Wiener Hofkammerarchivs liegen zwei Zeichnungen von zwei verschiedenen Typen von Kolonistenhäusem. wie sie in der theresianischen Zeit im Banat errichtet wurden . auf. Das eine mit Stall und das andere ohne Stall . Auf der Abbildung links sehen wir ein Kolonistenhaus in gestampfter Bauweise mit Stall. das Dach mit Rohr gedeckt. solide Ausführung. nach Administrationsrat Plasch. und auf der Abbildung rechts sehen wir ebenfalls ein Kolonistenhaus in gestampfter Bauweise. System Hildebrand. Die Maße der Räume in den beiden Häusertypen waren ungefähr gleichgehalten. Das Kolonistenh aus mit Stallung hatte eine Länge von 10 Klafter, eine Breite von 3 Klafter und eine Raumhöhe von 8 Schuh. Das Kolonistenhaus ohne Stallungen war nur 6 1 / 2 Klafter lang. Die Türen und Fenster wurden maßlieh gleich gehalten , da sie ja in großen Mengen erzeugt wurden. Ein Fenster hatte nur einen Flügel der 71 cm hoch und 54 cm breit war. Für die Auswahl des Baumaterials waren im wesentlichen die örtlichen Rohstoffvorkommnisse maßgebend und es herrschte in diesem Punkte bei allen Stellen die gleiche Ansicht.- so zu bauen, . .. wie es der Grund und die Umstände zulassen und auf welche Art es am wohlfeilsten sein kann . .. [I. H. I.] Wie wir aus dem bereits zitierten Quellenmaterial ersehen konnten. wurden die ersten Kolonistenhäuser in Eillied auf einem Fundament aus gebrannten Ziegeln errichtet. die natürlich einen wesentlichen Schutz gegen die Feuchtigkeit und das Einstürzen der Häuser bot. Auf diesen gebrannten Ziegeln wurden dann die Mauem aus ungebrannten Ziegeln [Kotziegeln] aufgeführt. die mit Mörtel aus flüssigem Lehm verbunden wurden. Unsere Ansiedlerahnen hatten an den Dorfenden von Billiet. wo heute noch die Grundkaulen zu sehen sind. regelrechte Ziegelschläge errichtet und die Lehmziegeln selbst erzeugt. Sie bestanden aus einem Gemisch aus Lehm und Spreu. das sie mit den Beinen- vielleicht auch mit Pferden ? -durch ständiges Treten vermischten . dann in Holzformen preßten und in der Sonnenhitze trockneten bis sie relativ hart waren . Auch der verwendete Mörtel verlieh dem Mauerwerk eine gewisse Härte. Fest steht. daß bei der Ansiedlung von Billiet keine Häuser gestampft wurden !
Die Dächer der Kolonistenhäuser in Billiet wurden fast alle mit Rohr: gedeckt, nur einige wenige mußten mit Sasch [Stroh] vorübergehend eingedeckt werden, da das vorhandene Rohr nicht ausreichte. Diese Not an dem erforderlichen Deckmaterial veranlaßte Kempelen den Antrag zu stellen, die Dächer allgemein mit Holzschindeln decken zu lassen. Diese Forderung fand allerdings allgemeine Ablehnung. Verhältnismäßig wenig Schwierigkeiten hatte man in Billiet mit der Beschaffung der zum Aufbau der 252 Kolonistenhäuser notwendigen Arbeitskräfte. Zimmerleute, die auch in genügender Anzahl vorhanden waren, verdienten an einem Kolonistenhaus 5 bis 6 und mehr Gulden. Die Dachdecker forderten laut dem Akt Nr. 520 8 bis 9 Gulden je Haus oder 30 kr. täglich für ihre Arbeit. Um allen Facharbeitern und Kolonisten das Arbeitsziel anschaulich vor Augen zu führen, die einfachsten Baumetho den herauszufinden und um die günstigste und billigste Dachkonstruktion praktisch zu erproben, wurdeNon Knoll in der Altgasse ein Musterhaus aufgestellt, das erst ganz zum Schluß zur Einquartierung freigegeben wurde. Den Kolonisten wurde außer der Gratislieferung von Bauholz und Rohr zum Dachdecken n u r i n A u s s i c h t g e s t e II t , daß ihnen ... im übrigen auch zum Hausbau selbsten nach Erfordernis an Hand gegangen werde, eine mit Absicht unbestimmt gelassene Fassung, da schon ältere, im Jahre 1764, veröffentlichte Avertissements den ararischen, also staatlichen Hausbau zugestanden hatten.
Bild links: Kolonistenhaus mit Stall
Bild rechts: Kolonistenhaus ohne Stall
Original: HKA Wien . Kartensammlung Rb 79
Ebenda. Rb 44
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Der erste Bürgermeister und sein Gemeinderat von Billiet (1765) AJs am 5. November 1766 in Billiet der Hausbau vor dem anbrechenden Winter abgeschlossen war und die Kolonistenfamilien sich in ihren eigenen Häusern einquartierten , schrieb der Administrationsrat v. Hildebrand der Kaiserin einen Brief nach Wien. Er führt u. a. aus: " ... nebst den neuen Dörfern Landstreu, Hatzfeld und Billiet, haben wir einen Anfang zu einem deutschen Banat zwischen den Marosch, Theiß und Temes Flüssen machen können." Die in den deutschen Kolonisten eingewurzelte Tradition der deutschen Dorfverfassung im Reich , wies den einzigen Weg, der ohne Schwierigkeiten beschritten werden konnte um eine Gemeindeverwaltung zu wählen . Hildebrand förderte die Selbstverwaltung der Gemeinden nach besten Kräften , damit er und die Landesadministration auf dem Gebiet der öffentlichen Verwaltung entlastet wurden. Das Oberhaupt einer Gemeinde war der Dorfrichter oder Schulze, wie er damals genannt wurde. In Anwesenheit des Distriktverwalters oder des Unterverwalters wurde von der Gemeinde ein Dreiervorschlag gemacht, aus dem dann das Verwalteramt den Bürgermeister ernannte. [I.H.I.] Dem Schulzen, der während der ersten drei Freijahre eine kleine Besoldung von 24 fl. jährlich bekam , standen zwei Geschworene und ein Kleinrichter zur Seite, die je 12 bzw. 10 fl . aus Gemeindemitteln erhielten. Weitere unbesoldete Geschworene wurden ebenfalls, vor allem zur Kontrolle der Gemeindekasse, in die Gemeindeämter berufen . Die Rechnungsführung machte der Bürgermeister. Der erste Billieter Bürgermeister hieß Caspar Hann , seine Amtszeit dauerte bis 1767, in der einige Bürger seiner Gemeinde den Hungertod sterben mußten. Ihm blieb nichts erspart, wie wir noch später sehen werden . Er ist aus Altrich , Kreis Wittlich , ins Banat ausgewandert. Sein Amtssitz war in der Altgasse in der "Burg", ein Kolonistenhaus, das erst im Jahre 1965 abgetragen wurde.
Das älteste Haus in Billed, "Die Burg", aufgenommen im September 1964.
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Um den Gemeinden die zu ihrer Verwaltung erforderlichen Geldmittel sicherzustellen, dabei aber die Kolonisten nicht mit Abgaben zu belasten, wurden ihnen von vomherein verschiedene Einnahmenquellen eröffnet, die geeignet waren, ihnen finanziell über die ersten Jahre hinwegzuhelfen. Zunächst wurde vom Dorfgrund während der ersten Zeit, in der der Grund noch nicht zugeteilt war, meist durch acht Jahre ein entsprechendes Stück separiert, das von der Gemeinde gemeinsam zu bebauen war und dessen Erträgnisse in die Gemeindekasse flossen. In diese Kasse kamen auch die, Erträge aus den vorübergehenden Verpachtungen von zunächst überflüssigem Dorfgrund . Aus dem reichhaltigen Quellenmaterial aus den Banater Akten im Wien er Hofkammerarchiv stehen uns einige Akten aus der Gemeinde Billiet zur Verfügung, die uns sehr anschaulich diese Zeit vor Augen führen. Akt-Nr. 402 Marco Poppovici, Temesvarer Districts-Oberknees und Stojan Lazarov erschienen am 18. Mai [ 1767] und berichten, welcher Gestalten selbe im abgewichenen Jahr das Prädium Billiet denen dahin zur Ansiedlung verwiesenen Colanisten auf hohen Befehl abtreten müssen, mit denen Billieter Colanisten einen Accord [Abkommen] getroffen, vermög welchem ihnen auf 3 Jahre, gegen Erlag einer billigen Arrenda, 200 Stück Vieh und 1 Stier auf diesem derzeit ihrem Grund zu weiden gestattet werde. Auch ist solches, bereits ein Jahr lang, ruhig genützet worden, jetzt aber wollen die Billieter Colanisten diese von dort, ungeachtet des mit ihnen auf 3 Jahre getroffenen Accords, abtreiben. Da sie folglich nicht wissen, wohien sie zur Zeit ihr Vieh zur Weydung treiben sollen, bitten sie daher ihnen die accordierte Viehweyde auf dem Billieter Grund auf 2 Jahre noch zu beyzulassen. Antwort zu Akt Nr. 402. Dem Temesvarer verwalteramt zu verordnen, wenn der Supplicanten Angaben begründet, so haben das Verwalteramt die Billieter Gemeinde zur Einhaltung ihres Contracts in allwegen anzuhalten, oder die bedenklichen Anstände einzuberichten. Selbst der Nutzen aus dem Wirtshaus und der Fleischbank. welche Konzession vom Staate stets in Pacht an die Untertanen vergeben wurde. kam während der ersten drei Freijahre der Gemeinde zugute . Der erste Schankwirt von Billiet war aber damit nicht einverstanden und hat sich im Jahre 17o6 in Temeswar beschwert: Akt-Nr. 12. Franz Schuh Colonist und Schankwirth zu Billiet beschweret sich das die dasige Gemeinde von ihme für jeden Eimer Brandwein 1 fl. für Wein 3 0 kr. und für Bier 15 kr. als eine Arrenda [Steuer] abnehmen wolle, er bittet daher ihme von dieser Abgabe zu befreyen, nebstbeyauch die gewöhnliche 3 Freyjahre angedeyen zu lassen. Zu Akt-Nr. 12. Dem Temesvarer Verwalteramt um Bericht zuzustellen. Franz Schuh ist aus Oberweiler im Kreis Bittburg, Rheinprovinz, ins Banat ausgewandert. In Billiet wohnte er im Haus Nr. 48, heute Hausnummer 476, Jakob Krier. Im nächsten Fall geht es um den Fleischhauer und Schankwirt Paul Lechner, der sich ebenfalls in Temeswar bei der Landesadministration über das Vorgehen der Gemeinde Billiet und dessen Schulzen beschwert. Lechner ist im Jahre 1766 aus Neustadt bei Würzburg nach Billiet ausgewandert und wie wir noch später sehen werden, am 29. Juni 1778 mit seiner Frau einem Doppelmord zum Opfer gefallen. Zu dieser Zeit wohnte Lechner im Haus Nr. 148 in der Kirchengasse, heute Nr. 240. Nach dem Ersten Weltkrieg war dort das Kaufhaus der Brüder Tenner, im Jahre 1938 war die Familie Nikolaus Mumper Besitzer des Hauses. Akt-Nr. 498 . Act Prioribus [Vorrang, Vorzug] Paul Lechner Kolonisten-Fleischhacker in Billiet, erschien am 9. Dezember 1767 und berichtet, daß er neben der Fleischbank auch die Weinschanksgerechtigkeit ausübe. Er habe für jeden ausgezapften Eimer Wein 80 kr., für jeden Eimer Rakie ebenmäßig 30 kr. und für anderlei Brandwein-Getränke 1 Gulden der Gemeinde abgeliefert. Nachdem aber der Schuldheis [Richter] und die Gemeinde ihm sotanne die Gerechtigkeit entzog und andergestalten disponieret werden solle, 99
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so gibt der Suplicant an, daß er immerdar die Gemeinde mit gut und genußbarem Getränke versehen hatte. In hinsieht dessen derselbe gehorsamst bitte um die Weinschank- und Fleischbankgerechtigkeit durch eine amtliche Licitations-Actum wiederum beigelassen werden möchte. Zu 498. Dem Temesvarer Distr. Verwalteramt um Bericht was die Weinschanks- und Fleischbanksgerechtigkeit bishero zu Billiet ertragen und wie die dafür abgeführten Gelder verwendet worden seyen. Exped. 23. Jänner 1768 Die Behörden im "Temesvarer Banat" arbeiteten oft langsam und schwerfällig. Wenn sie schnell reagierten , hatte das meist zwei Gründe. Zum einen: Sie wollen Geld. Zum anderen: Sie jagen arme " Untertanen" . So kamen es also zur Anfrage beim " Temesvarer Districts- Verwalteramt" . . . "was die Weinschanks- und Fleischbanksgerechtigkeit zu Billiet ertragen haben." Man hat also mit Kanonen auf Spatzen geschossen . Akt-Nr. 238 Das Temesvarer Verwalteramt schreibt am 2. Marty, vorgelegt am 10. Marty 1768, vermög Auflage die verfasste Abrechnung, nebst einem anderweitigen Ausweiß, Aufsatz was der Co l onisten-Ort Billiet von Zeit 15ten 7bris 1765 [15.September1765] bes c h ehe n er Anleg u n g bis Ende Xbris 1767 [Ende Dezember 1767] sowohl an Weinschanks- als Fleischbanks-Arrenda, den vermietheten und sonsten genutzniesten Gründer ertragen haben. Mit Bericht, daß hiemit durch diese Ortsvorstehern sehr unwirtschaftlich und eigenmächtig fürgegangen worden seye. Und da die Laage dieses Orths sehr vorteilhaft, folgliehen auch hieraus ein viel größeren Nutzen für die Gemeinde hätte eingebracht werden können. So wäre das Verwalteramt der ahnvorgreifliehen Meynung, allenfals diese Nutznießung der Gemeinde noch dieses fürwehrenden Freyjahrs beygelassen werden dörften, womit solche zu Beseitigung aller von denen Vorstehern bishero verursachten Nachtheilen durch Licitation hindangegeben, und der ausfallende Arrendabetrag- welcher sich gantz sicher auf 200 fl. zu versprechen -abseifen des Verwalteramtes eincassiret werden dörfte. Nr. 238 Rückanzufügen Es seye zwar nicht wohlgeschehen, daß der von der Weinschanks- und Fleischbanks-Gerechtigkeit zu Billiet dem Allerhöchsten Arario gebührende Nutzen schon so lange Zeit der Willkühr dortiger Gemeinde-Schulzen überlassen worden, jedoch wolle man ein solches dermahlen weilen es in einem neuen Colonisten-Ort beschehen, nachsehen. Hingegen hiemit verordnen, die Weinschanks- und Fleischbanks-Gerechtigkeit zu Billiet vom 1. Aprilis lfd. Jahres [1768] anzurechnen. Entweder per Licitationem, oder per Contractum , wie es in diesem neuen Dorf am füglich sten thunlich, pro Arario zum Nutzen zu bringen, und die Arrenda für dieses mahl nur bis Ende dieses Jahres abzuschließen. Und übrigens alles sonst hiebey Vorgeschriebene und Gewöhnliches genauest zu beobachten. Exped. 26. Marty 1768 Um den Gemeinden gerade -diese letzten Einnahmen zu gewährleisten und die Kolonisten vor Übervorteilung zu schützen, wurde darauf gesehen, daß die sehr geschäftstüchtigen griechischen Händler und Juden keine Gelegenheit hatten , sich in den neuen Orten festzusetzen. Wenn den Griechen oder Juden dies fallweise gelungen war, wurden sie wieder entfernt, da sie ihre Waren mit zu großem Profit verkauften und die Ansiedler verleiteten, ihr Getreide zu billig abzugeben . Das nachstehende Gesuch des Jacob Moyses, sich in Billiet niederlassen zu dürfen , wurde von der Landesadministration abgelehnt. Akt-Nr. 359 Jacob Moyses Handels-lud von Makova, bittet unterm 19. July, damit demselben die Niederlassung und Handlungs-Forttreibung zu Billiet zugestanden werden möchte. Zum Bescheit: Das Begehren findet nicht statt. Exped. 20. July 1768 100
Die Einnahmen der Gemeinden sollten vor allem auch zur Anschaffung von Feuerlöschgeräten und zur Anlegung von Brunnen veiWendet werden . Die Feuerhaken und -Ieitern waren im Gemeindehaus zu veiWahren und bei den Brunnen, die wegen ihrer großen Tiefe nicht rasch genug Wasser liefern konnten, mußten wassergefüllte, zugedeckte Fässer und Bottiche in Bereitschaft stehen. In Billiet waren diese Feuerhaken und -Ieitern bis zum Jahre 1945 beim Gemeindehaus in der Zwetgasse abgestellt. Ebenso die sogenannten "WasseiWähn" auf denen je ein großes Faß montiert war, das ständig mit Wasser gefüllt sein mußte. Dem Bürgermeister oblag es auch, für die Anlegung eines Gemeinde-Grundbuches Sorge zu tragen, zu welchem Zwecke die einzelnen Häuser mit großen, gut lesbaren Nummerntafeln versehen wurden. Das erste Billieter Grundbuch wurde mit Stichtag vom 1. November 1774, nachdem die Felder abgeerntet waren, angelegt.
Die Finanzierung und Ansiedlung der ersten Kolonisten in Billiet Das finanzielle System, auf dem die ganze Ansiedlung im Banat aufgebaut war, war ein reines Vorschußsystem , d. h . der Staat gewährte dem Ansiedler alle Beihilfen [Antizipationen genannt], die dieser zur Errichtung seiner Wirtschaft und bis zur Erlangung der Selbstversorgung auch zu seinem Unterhalt benötigte. doch wurden diese Beihilfen grundsätzlich nur leihweise gegeben und es wurde nach einer gewissen Frist nach und nach der volle Gegenwert der gewährten Vorschüsse wieder zurückverlangt. Diese Frist. die allgemein mit drei Jahren bemessen war. während der die Ansiedler nicht nur von Steuern und Abgaben . sondern auch von der Einquartierung und vom Vorspann befreit waren . sollte selbstverständlich dazu dienen, sie zu Kräften kommen zu Jassen. Der Beginn dieser Frist war mit dem Moment der ersten Beackerung des e ig e n e n Feldes festgesetzt. Nach ihrem Ablauf sollten - das war den Ansiedlern zugesagt- diese " leidlich gehalten" werden und die gleichzeitig einsetzende Rückerstattung der Antizipationen nur ratenweise erfolgen. wohl so. daß die vorgeschossenen Früchte innerhalb von drei Jahren zurückgegeben werden mußten . die übrigen Darlehen aber in sechs Jahren getilgt waren . Die Heeresangehörigen erhielten ursprünglich zehn Freijahre zugebilligt. Es war beabsichtigt. den Ansiedlern nur das vorzuschießen, was sie sich nicht aus eigenen Mitteln zu verschaffen in der Lage waren . So gab es zum Beispiel Ansiedler, die sich alles. Haus. Hof. Wirtschaftseinrichtung und Verpflegung selbst finanzierten, solche die nur einen Teil davon aus eigenen Mitteln eiWarben und solche. die alles vom Staate erhielten . Doch waren die fi nanziellen Belastungen. die die Zeit der Reise ins Banat und die Einquartierung mit ihren Krankheiten und Ernährungsschwierigkeiten den Einwanderern auferlegte, so groß, daß auch die vermögenderen sehr bald in die unterste Kategorie versetzt wurden . Grundsätzlich umsonst erhielten die Ansiedler den Grund , also den Hausplatz, Acker und Wiese und das BaumateriaL also alle jene Dinge. die dem Staate selbst wohl gehörten. ihn aber nichts kosteten . Hingegen mußte alles bezahlt werden , was dem Staate selbst auch irgendwelche Kosten verursachte, also der Arbeits- und Fuhrlohn, dann die Kosten der Erbauung der Häuser, das Vieh. die Geräte. das Saatgut. die Verpflegung und die Medizin.
Die Ausstattung der Wirtschaft der angesiedelten Kolonisten Wenn die Häuser. Unterkünfte und Wirtschaftsgebäude für die Ansiedler fertiggestellt waren. mußte die nächste Sorge sein. das nötige Vieh beizuschaffen. Wo es möglich war, ließ man die Ansiedler selbst ihr Vieh aussuchen. Diese Methode bot entschieden den geringsten Anlaß zu Klagen. [1. H. I.] Die Frage. wieviel Vieh den Kolonisten zu geben sei. wurde niemals restlos geklärt und deshalb waren auch die Zuteilungen nicht immer gleich. Anfänglich wollte man für
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je zwei Kolonisten zwei Pferde vorsehen. da geplant war. immer zwei Bauern gemeinsam ihre Äcker bestellen zu lassen. und nur den Ärmeren noch eine Kuh dazuzugeben . [5 . Nov. 1764) . Bald aber wurde diese Norm erhöht und ein Haushalt erhielt zwei Pferde oder Ochsen und mindestens eine Kuh . (April 1767 .] Auf Verlangen wurden den Ansiedlern auch Zuchtschweine. Schafe und Ziegen verschafft . Die Billeder Kolonisten. die vielfach als Zugtiere Ochsen erhielten waren damit nicht zufrieden. da sie nicht gewohnt waren. mit diesen Tieren umzugehen . Sie ruinierten die Ochsen . weil sie mit ihnen zu schnell fuhren . beschwerten sich dann über ihre schlechte Qualität und suchten wo es ging mit den Besitzern von Pferdegespannen zu tauschen. wobei sie natürlich sehr schlecht abschnitten . Die Behörden nahmen anfänglich auf die Wün sche der Kolonisten keine Rücksicht und gingen gegen solche Tauschgeschäfte ganz scharf vor. Hier ein Auszug aus dem Protokoll : Punkt 2. Vermög des nehmlichen Prothocolls Sub Nr. 278 ist zu ersehen, daß verschiedene Cplonisten zu Billiet durch das Temesvarer Verwalteramt mit 10 Stockstreichen dessentwegen gezüchtiget worden, weilen sie ihre gutten Ochsen gegen schlechte Pferde vertauschet haben, seye dieser Führgang dem besagten Verwalteramt um so mehr nachdrucksamst zu verweisen, und selbes zur Verantwortung zu ziehen, als die teutschen Colanisten nicht gleich mitteist öffentlicher Züchtigung mit Prügeln sondern auch durch andere Bestrafungen zum Gehorsam zu bringen seyen, auch schon öfters anbefohlen worden, die deutsche Innwohner möglichsten glimpflich zu halten und nicht gleich mit Schlägen zu tractiren. Gebe zugleich mit, wie und in welchen Umständen denen Colanisten derley Vertauschungen zu treffen, oder in Hinkunft Pferde statt Ochsen zu nehmen, gestattet werden solle. Peter Schmidt und Jakob Lieber Colanisten von Billiet stellen mündlich vor, daß jedem ein Pferdt verlorengegangen, und sich, um an deren statt andere zu erhalten an die k. k. Hof k o mm i s s i o n gewendet hatten, von dieser ihnen auch mitgeteilt worden seye, daß jeder ein anderes Pferdt erlangt und solches mit der Hoch Löbl. Landesadministration besprechen sollen, sie bitten daher um diesfällige Beischaffung. Antwort der Landesadministration: Bey solcher Beschaffenheit wird erachtet, dem Temesvarer Verwalteramt zu verordnen, daß es jedem ein anderes Pferdt beyschaffe, sodan den Betrag einberichte, jedoch ein solches dergestalten heimlich tuen, als ob die Colanisten sich die Pferdte selbst gekauft htitten, damit sich nicht mehrere ihr Vieh vernachlässigenden Colanisten hierauf berufen können und ebenfalls Forderungen an die Administration stellen. Peter Schmidt ist aus Schaumburg im Kreis Ottweiler ins Banat ausgewandert und wohnte seit 1765 im Haus Nummer 11. in der Altgasse neben der .. Burg" . Im Jahre 1938 wohnte in diesem Haus Mathias Hahn . Es hatte die Nummer 537 . Ein Jakob Lieber [Si eber?) scheint in der Aufstellung von W. Weber nicht auf. obwohl mit Sicherheit feststeht. daß er in Billiet angesiedelt wurde . Eine große Sorge der Banater Landesadministration bildeten die immer wieder auftretenden Viehverluste. die fast ausnahmslos durch Viehdiebstähle verursacht wurden . Wie großen Umfang diese annahmen . zeigt eine Meldung aus dem Jahre 1769. nach der allein im Temeser Distrikt. zu dem ja auch Billiet gehörte . 429 Pferde. 90 Ochsen und 130 Kühe gestohlen worden waren . Im Zeitraum von 1761-1768 waren 522 Pferdediebe gefangengesetzt und streng bestraft. davon 64 hingerichtet worden. Die Todesstrafe schreckte nicht ab. die Verurteilten gingen ..spielend und scherzend" in den Tod . Von der Weide . aber auch aus Höfen und Ställen. selbst mit Gewalt von der Straße weg wurde das Vieh geraubt [Handschriften 494) . Das auch die Billieter Kolonisten von solchen Viehdiebstählen nicht verschont blieben. zeigt der nachstehende Auszug aus dem Sitzungsprotokoll der Banater Impopulations-Kommission . Aktnummer 266. Akt-Nr. 266 Mathias Michel Kolonist von Billiet, mit Schreiben vom 8. 5. 1767 bringt vor, daß er schon vor 1 112 Jahren mit einem Haus, dessen Einrichtung, Vieh und mit den nöthigen Lebensmitteln gleich anderen neuen Kolonisten versehen worden ist. Jetzt könne er jedoch in ermangelungseiner Gesundheit, als auch w e g e n e n t w e n d u n g s e i n e s Z u g v i e h s , unmöglich bestehen. 102
Nachdem ein sicherer Heinrich Rußnery gesinnet, sich in dem gedachten Billiet sesshaft zu machen, und von ihm, Mathias Michel die ganze Wirtschaft zu übernehmen, selbst auch sich verwilliget ihme dessen baar ausgelegtem Geld auf die Hand zulegen. Der Schluß dieses Aktes ist leider verlorengegangen . auf alle Fälle erleben wir hier nach 200 Jahren die erste a m t I i c h e Hof ü bergab e in Billiet. Mathias Michel ist aus Schaumburg im Kreise Ottweiler ausgewandert und wurde im Jahre 1765 in einem der ersten dreißig Häuser in Billiet angesiedelt.
Die Zuteilung von Arbeitsgeräten und Werkzeugen Wie wir schon wissen. waren die Ansiedler kaum in der Lage. sich auf der langen und beschwerlichen Anreise mit zuviel Gepäck oder gar mit Arbeitsgeräten zu belasten. Es mußte sofort darangegangen werden. die Kolonisten mit allen erforderlichen Acker- und Haushaltswerkzeugen zu versehen. In einem so rückständigen und industriearmen Lande. wie es das Banat war, gewiß keine leichte Aufgabe . Da es in den neuen Kolonistendörfern keine Kaufleute und anfänglich auch keine Handwerker gab. mußten die staatlichen Stellen für die Beschaffung der erforderlichen Geräte. viel Zeit und Geld aufwenden. Die Materialdepots der Verwaltungsstellen. das für. Eillied zuständige war in St. Andres. wurden bald zu wahren Kaufhäusern , bei denen nicht gegen Barzahlung. sondern auf Anschreibung bezogen wurde . An erster Stelle unter den Erfordernissen standen natürlich die Ackergeräte . voran der Pflug. Da der Boden im Banat sehr schwer war und besonders am Anfang nur von sechs Ochsen oder Pferden aufgerissen werden konnte. mußten immer drei Haushalte zusamm en ackern . di e dann gemeinsam einen eisenbeschlagenen Pflug und ein Pfluggestell ohne Eisen ab Reserve erhielten. Durch Krankheit und Tod ließ sich die Zusammenarbeit der verschiedenen Haushal re praktisch schwer durchführen. Ein Pfluggestell kostete 2 fl .. ein Pflugschar 3 tl.. sodaß ei n ganzer Pflug 5 fl. kostete . Ochsenpflüge waren etwas teurer, da drei Joche mitgeliefert wurden. von denen eines 15 kr. kostete . Jeder Haushalt bekam einen Wagen , der unbeschlagen 8 fl. und halbbeschlagen 16 fl. kostete. Fallweise wurden angeboten : Heinzelbänke . Wasserschaffeln . Töpfe und Schüsseln aus Tonerde. Trinkeimer. KochlöffeL Kotzen einfach und doppelt. Betten usw . Auch einzelne Materi alien konnten bezogen werden . wie Bretter. Latten. Rohrbünde. Tür und Fensterbänder und auch ganze Fenster. Als Ergänzung zur Landwirtschaft fand auch stellenweise die Hausindustrie Förderung. Spinnräder wurden verteilt und zwei Spinnerinnen aus Siebenbürgen verpflichtet. die dem Landvolk die Wollspinnerei beizubringen hatten. 1m Jahre 1768 kam eine Verordnung heraus . . . es sind die Holzpflüge durch mit Eisen beschlagene zu ersetzen. Für zwei Familien wenigstens ein Pflug . ..
Die Zuteilung und Beschaffung von Saatfrucht Das Banat war ja in der theresianischen Zeit noch immer mehr Viehzucht- als Ackerland und es war den einzelnen Kolonisten unmöglich. das zu erreichen. was den staatlichen Stellen kaum gelang. nämlich die erforderlichen. in die hunderttausendeMetzen gehenden Saatgutmengen an Ort und Stelle zu erlangen . Nicht nur Weizen und Roggen. sondern auch Gerste, Hafer. Kukurutz. dann Hülsenfrüchte. Tabak. Hanf und Flachssamen wurden bereitgestellt. Allerdings nicht immer rechtzeitig. daher war die Hungersnot auf dem Vormarsch und viele der ersten Ansiedler sind in Billiet verhungert. 103
Die Brennmaterialbeschaffung Der im Banat empfindlich bemerkbare Holzmangel wirkte sich auch auf die Brennmaterialbeschaffung aus, die in den Prädienorten wie Billed von Anfang an ein Problem war. Grundsätzlich war festgelegt, daß jeder neue Ort gleich anfangs ein Stück Wald zugewiesen erhalten solle. wo er sich sein Bauholz und sein Brennholz besorgen konnte. Wenn der Wald zu weit entfernt war. wurden an seinerstatt mit Schilfrohr bewachsene Moraste zugewiesen. aus denen das Rohr zum Heizen geschnitten werden konnte. [I. H. I.] In Billed lieferte der Jergraben und die Marasch in den Jahren der Ortsgründung, nicht genügend Schilfrohr um die Häuser alle damit zu decken .
Vorn Brunnenwasser bis zum Trinkwasser Mit dem heiklen und schwierigen Problem der Trinkwasserbeschaffung in Billiet mußten sich die Verantwortlichen ganz intensiv befassen . Das Wasser war vielfach sehr ungesund und die Errichtung guter Brunnen mit vielen Kosten verbunden . Oft kamen Klagen, daß zu wenig Brunnen mit gutem Trinkwasser vorhanden wären. Um das Brunnenwasser einigermaßen zu verbessern , wurden die Brunnen vor dem Eintreffen der Kolonisten durch vier Wochen mehrere Stunden täglich ausgeschöpft und in jeden zum Schluß einige Pfund Steinsalz hineingeworfen . Da der Mangel an gebrannten Ziegeln sich auch im Brunnenbau auswirkte. wurden die Brunnen vielfach nicht ausgemauert. sondern mit Eichenpfosten ausgekleidet. Die ..Halterbrunnen" zur Viehtränke auf der Vertgasser-Hutweide und auf der Zwetgasser-Hutweide in Billed waren noch in den Jahren vor dem Zweiten Weltkriege so ausgebaut. Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Grundwasserspiegel in Billed, je nach Lage des Brunnens. 2--6 Meter tief. Das Trinkwasser wurde aus einer Tiefe von 100-200 Metern gewonnen.
Hofkornmissionen aus Wien auf Inspektionsreisen im Musterdorf Billiet (1766-1767) Die große räumliche Entfernung zwischen Wien und Temeswar, die Unzulänglichkeit der Nachrichtenübermittlung und nicht zuletzt die Unzuverlässigkeit der Banater Behörden machten es notwendig, des öfteren Kommissionen von Wien ins Banat zu entsenden. Im Frühjahr und Sommer des Jahres 1766- also genau in der Zeit als das Dorf Billiet aufgebaut und fertiggestellt wurde- weilte eine solche Hofkommission zum Studium des gesamten Verwaltungswesens im Banat. die ihre besondere Aufmerksamkeit natürlich dem damals entstandenen Musterdorf Billiet zuwandten . Mit besonderen Instruktionen wurde der Hofkammerrat von Kempelen ins Banat geschickt, der vom 12. September bis zum 18. November 1767 im Banat weilte. In seiner Relation vom 10. Februar 1768. lieferte er uns einen sehr authentischen Bericht und eine Fülle verläßlicher Daten. die einen Einblick in die bewegte Zeit der ersten Kolonisten in Billiet gewähren . In seiner .. Relation". die auch der Kaiserin vorgetragen wurde, schreibt Kempelen u. a. über Billiet: EILLIED Dies ist ein auf dem Prädia nämlichen Namens durch den Temesvarer- Verwalter Knall ganz neu angelegtes Dorf, ungefähr 2 Stunden von St. Andras entfernt. Der Ort selbst lieget auf der Fläche, nach der Länge mit gehörig breiten Haupt- und Zwerg-Gassen versehen. Gemein- oder öffentliche Brünner befinden sich daselbst dreyzehene, zu 5 und 6 Clafter tief, die durchaus reines, helles Wasser enthalten. Oberdieses haben auch schon die Innwohner sich in ihren Häusern [Hof und Grundstücke] eigene Brünnen gegraben.
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Die Häuser sind von Koth-Ziegeln ganz bequem, und dauerhaft gebaut. Nur klagen die Innwohner über die Dächer, die, wie ich erkennen muß, sehr schlecht gemacht sind, nämlich blas mit daraufgeworfenen und niedergebundenen Schasch einer Art eines röhrigten breiten Gras, das an den Sümpen wächst. Ich wäre der Meinung, daß diese Art zu deken, in Zukunft ganz verworfen, und die Häuser nicht anderst, als mit Rohr gedeket werden solten. Was diese und alle von dem Verwalter Knall erbaute Häuser für eine Gestalt haben und was sie kosten zeiget der Sub. Nr. I I beyliegende Riß. Bey einem jeden Haus hat das Dach auf der einen Seite, wo der Eingang ist einen Vorsprung von 3 1 12 Schuh, welches dem Bauern einige Sachen aufzuhenken, und zu troknen ganz bequem ist. Es befinden sich daselbst in allem 252 fertigen und mit Wirten [Menschen, Kolonisten] besetzte Häuser. Die von Zeit zu Zeit besonders aber dieses sehr üble 1767er Jahr einreissende Krankheiten schreiben die Leut keinem Mangel an Lebensmitteln zu, sondern der meist ungewöhnlichen Luft. Es ist ein eigener Feldscherer Namens Gerbel mit 200 f/.. Besoldung daselbst angestellet, welcher den Kranken mit Arzneyen und Fleischbrühe nach Nothdurft beystehen muß. Zur Zeit meiner Visitation zählte man eben 192 Kranke beyderley Geschlechts, die meist mit verschiedenen Arten von Fiebern behaftet waren. Die meisten von diesen Kranken genesen wieder. Die Gemeinde hat wider die Conduite [Führung], ihres Pfarrers nichts einzuwenden, sondern ist mit demselben, und so auch er mit seiner Gemeinde ganz zufrieden. Mit einem Schulmeister war der Ort bisher nicht versehen. Man brachte mir zwar einen in Vorschlag: aber nachdem ich denselben geprüft hatte, zeigte es sich, daß er weder eine gute Handschrift, noch in der Rechenkunst einige Erfahrung habe. Ich wies ihn daher glatterdings ab und empfahl dem Pfarrer Sorge zu tragen, daß ein guter Schulmeister um so viel eher aufgenommen werde, als die Leute einhellig wünschen ihre Kinder in die Schule schicken zu können. Eine Kirche ist noch nicht gebaut, sondern der Gottesdienst wird in einer großen, anfangs für die Kranken gleichsam als ein Spital errichteten Hütte von Brettern gehalten, worin ein schlechter hölzerner Altar mit einigen Bildern in Holzschnitt aufgerichtet ist. Hinter demselben stehet eine gemeine hölzerne Wäschtrugen [Wäschetruhe] auf der Erde, in welcher das Ciborium mit dem Hochwürdigsten sehr ungebührlich aufbehalten wird. Zur Abstellung dieser Argernuß habe ich angeordnet, daß man ab sogleich wenigstens ein glattes aufrechtstehendes und zum versperren gerichtetes Trügerl in Form eines Tabarnakels verfertigen, und auf den Altar stellen lasse soll. Da ferners in dieser hölzernen, und schon durchaus dursichtigen Kirche im Winter weder der Pfarrer am Altar, noch die Messhörenden vor Kälte bestehen könnten, so habe ich veranlaßt, daß als gleich und noch vor einfallender Kälte ein Schulhaus von getrokneten Ziegeln, ohne Scheidewände auferbaut und darinn über Winter der Gottesdienst gehalten werden soll. Künftiges Frühjahr kann auf eine bessere Kirche angetragen, das Schulhaus aber mit Scheidewänden oder mit Zwergmauern versehen und zur Schule gebraucht werden. Der Pfarrer wohnet unterdessen, bis etwan künftiges Jahr ein förmlicher Pfarrhof gebauet werden kann, in einem Colonistenhause. Dieses Dorf ist wie solches die Tabelle Nr. 9 ausweiset mit hinlangliehen guten Grund versehen, solcher aber ist noch nicht individualiter ausgelheilet [Einzeln. persönlich]. Die Innwohner gedenken sich auch Weingärten, wozu sie einige Gegenden haben, anzubauen. Von der Waldung sind sie gegen 7 Stund weit entfernet, welches ihnen beschwehrlich fällt. Allein da ihr Terrain einige Gräber und sumpfige Thäler enthält, so kann ein Holzmangel durch häufige Pflanzung der Felber oder Weyden einigermaßen abgeholfen werden. Weswegen ich überhaupt in der an die Landesadministrationgegebenen Nota Nr. 37 veranlasset habe. daß alsobald in allen Ortern, wo es der Grund zuläßt, eine große Menge derley Bäume gestupfet [gesetzt] werden soll. In den Strassen sind noch keine Maulbeerbäume, aber künftigen Frühling sollen solche ausgesetzt werden. Mit Vieh, Naturalien und Requisiten zum Akerbau und Haushaltung sind die Innwohner hinlänglich versehen und damit auch ganz zufrieden. Das Vieh habe ich mir alles vortreiben lassen, und selber gefunden, daß es durchaus schön und gut ist. Der Verwalter Knallläßt sich sehr angelegen seyn, in seinen Colonien die Hanf- und Flachsspinnerey so viel möglich einzuführen, weswegen er auch hier zu Eillied schon 211 Spinnräder ausgelheilet hat.
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Keine geschwohrene, oder eigends vorgestellte Hebammen haben diese deutsche Orter durchaus nicht, sondern es befinden sich fast in einem jeden Dorfe ein paar Weiber, die gleichsam eine Profeßion daraus machen den gehährenden beyzustehen, oder aber eine Nachbarin kommt zu Hülfe. Dessen ungeachtet hat man mich versichert, das unter diesem gemeinen Volke sich nur sehr selten unglükliche Geburten ereignen. Den Schank una die Fleischbank benutzet noch die Gemeinde. Obrigens sind auch bereits zwey Roßmühlen daselbst. Die daige Gemeinde hat mir ihre Noth vorgestellet, daß sie verflossenes Jahr sehr wenig Winterfrucht, nähmlich eine Haushaltung nur 5 bis 6 Metzen angebauet hatten, und da wie ohnehin bekannt ist, die heurige Ernte durchaus sehr schlecht gewesen, sie sich dermahlen in einem so mittellosen Zustand befinden, daß sie sich ohne herrschaftlichen Beystand den herannahenden Winter zu Grunde gehen müßten. Ich habe daher für nöthig gefunden laut Nota Sub Nr. 35, Puncto 2 . bey der Landesadministration zu veranlassen, daß diesen nothleydenden Colanisten einer jeden Haushaltung a proportion 5 bis 6 Metzen Frucht auf Winterbrod, und eben soviel, oder noch etwas mehr zum Samen aus dem St. Andraser Districts- Vorrath gegen künftigen Ersatz verabfolget werde. Zum allgemeinen Befinden der deutschen Kolonisten im Banat und über den Zustand ihrer Häuser berichtete Kempelen weiter: Punkt 7 Da bey diesen Colanisten bisher mehrere Sterbefälle sich ergeben, daher zu wissen erforderlich ist, ob diese nicht etwa durch Ermangelung des benöthigten Unterkommens [Häuser, Wohnungen] und der erforderlichen Verpflegung und Medicamenten geschehen seye und wer allenfalls hieran die Hauptschuld trage ? Ad. 7 num : Bey der vorgenommenen Local-Revision eines jeden Ortes habe ich nie ermangelt die Gemeinde genau zu befragen, ob sich unter ihnen viele Krankheiten geäußert haben, und was für einer Ursache sie diese zuschreiben. Allein es fand sich unter allen auch nicht ein einziger, der da einer ausgebrochener Krankheit, oder im Mangel des benötigten Unterkommens, oder der erforderlichen Verpflegung Schuld gegeben, viel weniger solches mit Ablegung eines Eydes zu bekräftigen sich getrauet hatten. Es w ä r e a u c h u n v e r a n t w o r t l i c h , w e n n d i e s e L e u t e , d i e m i t a ll e m s o r e i c h l i c h v e r s e h e n w e r d e n s i c h ü b e r M a ng e l beschweren wollen . [Hier hatte Kempelen absichtlich die Unwarheit gesagt !] Die meisten schreiben die Krankheiten der veränderten Luft und dem ungewohnten Wasser zu. Diese Leute sind aus verschiedenen Ländern zusammengekommen. Der eine ist bey hartem, der anderebeyweichem Wasser aufgewachsen. Eine andere Ursache des Fiebers könnte wohl auch in dem Genuß von Melonen sein, die wie bekannt hier im Banat in großen Mengen hervorgebracht werden. Allein dies es sind nur Muthmaßungen und ich kann hierwegen nichts gewisses festlegen . Doch muthmaße ich, da sie in Erd- und Rohrhütten schlafen, bis zur Fertigstelung ihrer Häuser, die meisten durch die Erkältung, in dem sie sich gegen die kalten Nächte nicht genügsam bewahren, erkranken. Ober die Prügelstrafe im Banat schreibt Kempele in seiner Relation u. a. : ... " Der Deutsche kann die Schläge nicht so wie der Wallach vertragen und wird durch Güte viel eher zu etwas gebracht, wozu er durch Schärfe nimmermehr wäre gebracht worden. Kempelen , der Deutscher aus Ungarn war und aus Preßburg stammte, genoß das Vertrauen der Kaiserin Maria Theresia. Sie schickte ihn im folgenden Jahr, abermals mit großen Vollmachten ausgestattet, ins Banat, von wo er dann am 30. August 1769 aus Lugosch u. a. berichtete : Als ich in das Banat kam fand ich übemaupt die deutschen Kolonisten in einem elenden Zustande. Eine in den dortigen Gegenden in dem zweiten Jahr angefallenen außerordentlichen trokkene Witterung hat einen allgemeinen Mißwachs; folglich große Not unter diesen Leuten verursachtet. Hierzu sind noch die heftigen Sturmwindegekommen wodurch viele Dörfernahmhaft beschädigt, besonders aber Csatad, [Groß] Jecsa, Szakelhaz, Bill i e d und Hatzfeld die mit überaus schlechten Tächern versehen waren, nicht nur allein größten Theils abgedecket worden, sondern auch ein Theil ihrer Häuser gänzlich eingesiürzet ist. 106
Damit diese notleidende und in das äußerste Eilend gestürzten armen Colanisten nicht gänzlich zu Grunde gehen hat man sich von Seiten der Einrichtungs-Commission genöthiget gesehen, wegen Wiederherstellung ihrer Häuser sowohl, als auch anderer denenseihen zu beistehender Hilfe die schleunigsten Vorkehrungen zu treffen. 8tens. Billiet allwo die Häuser auch mit Stapf gedeckt sind, soll dem Vernehmen nach ebenfalls sehr gelitten haben. Der Herr Salz-Einnehmer v. Neumann wird also auch diesen Ort in Augenschein nehmen und mir über den Befund die Anzeige zu machen und allenfalls auch die Mittel vorzuschlagen haben wie denselben zu helfen wäre. G,J9ten. Alle Unterthanen die Materialien zu den Häusern liefern, alle Arbeiter und Baufacharbeiter sind absog/eich baar auszubezahlen und nicht wie bisher geschehen, ein und mehrere Jahre aufzuziehen, damit der Haß gegen die Deutschen Colanisten vermindert werde. Lugos, den 30. August 1769 Wolfgang v. Kempelen In den ersten Jahren nach der Ortsgründung von Billiet ging dort von Jahr zu Jahr das Elend und die Not weiter, es brauste der vernichtende Sturm der Hungersnot erbarmungslos über die trost- und dachlosen Hütten der Kolonisten dahin . Verfolgen wir nun an Hand von Dokumenten . die uns aus dieser Zeit erhalten geblieben sind, die Ereignisse. die sich in Billiet selbst abgespielt haben .
Aufstieg oder Untergang des "Teutschen Dorffes Billiet" Kampf gegen Krankheit, Hunger, Not und Tod Es gibt ein altes Kolonistensprichwort. das Richard Bahr in seinem letzten Buche über das Schicksal der Deutschen im Südosten Europas angeführt hat : Der erste hatte den Tod, Der zweite hatte die Not. Der dritte erst das Brot. Auf kein anderes Dorf. aber auch auf keinen anderen ausländischen deutschen Volksstamm treffen diese Worte so zu. wie auf das ,.Musterdorf Billiet" auf der Banater Heide. Wie furchtbar das Sterben und wie entsetzlich die Not der Anfangsjahre in Billiet waren. sind in den ältesten Dokumenten von Billiet. in den Banater Akten. ausführlich beschrieben. Sie haben die letzten 200 Jahre überdauert und gestatten uns heute einen Einblick in die Verhältnisse nach der Ortsgründung von Billiet. Waren die sanitären Verhältnisse in dieser Zeit im ganzen Banat trostlos. so herrschten in dieser Hinsicht in Billiet derartige Zustände. daß die Bezeichnung .. Grab der Deutschen" mehr als gerechtfertigt erscheint. Das Sanitätswesen im Banat unterstand einem " Cameral, Provincial und Contagions Medikus", der seinen Sitz in Temeswar hatte . Ihm war für jeden Distrikt ein Distrikts-Chirurgus unterstellt. welcher wieder eine Anzahl von Feldscherern unter sich hatte . die anläßlich der Ansiedlung der Ortschaften· eingestellt wurden . In Billiet nahm der erste Feldscher. Josef Anton GerbeL am 6. Juni 1766 seine Dienste auf. Diese Feldscherer waren von Militärärzten während des Krieges in Spitälern ausgebildete Heilgehilfen . oft Friseure. deren Wissen sich meist auf Zahnziehen . Aderlasse. Schröpfen . Verbinden und sonstige Ersthilfe erstreckte . Manchmal verstanden sie auch die Wundbehandlung und wurden daher auch Wundarzt genannt. Auf Grund der von der Kaiserin am 22. Juni 1766 getroffenen Verfügung ... damit jedesmal in zwey Dörffem ein Chirurcus in jedem deren aber ein Pfarrer und ein Schulmeister angestellet werden . .. wurde am I . August 1766 der Medicus Johann Joachim Groß als Arzt nach Billiet beordert. Zu diesem Zeitpunkt lagen dort schon so viele Menschen krank in ihren Betten. daß es 107
höchste Zeit war. diesen einen Arzt zur Verfügung zu stellen. Über die Tätigkeit des Arztes Groß in Billiet können wir u. a. lesen. daß ... er von seiner Kunst und fleißigen Dienstleistungen schon Beispiele gegeben, daß wider ihme nicht allein keine Klage eingelaufen, sondern die ganze Gemeinde mit ihm bestens zu frieden wäre ... Laut Sitzungsprotokoll vom 25. Februar 1767 war zu diesem Zeitpunkt der Billieter Arzt Dr. Groß der oberste ,.Cameral. Provincial und Contagionsmedicus". dem das gesamte Sanitätswesen im Banat unterstand. Er wurde im Jahre 1725 geboren und ist 1791 in Temeswar gestorben . Ihm und den vielen anderen Ärzten verdanken die Menschen im Banat- nicht nur di e Deutschen- die Ausmerzung fast aller Seuchen . welchen unsere Ahnen noch zum Opfer fielen . Aus einem Bericht des Medicus Groß vom 12 . August 1767 geht u. a. hervor, daß ... bey vorgenommener Visitation veroffenbaret es sich, daß die mehristen von diesen Kranken aus ihrer eigenen Nachlässigkeit dem Feldscherer weder ihre Krankheit wissen lassen, noch weniger um Hilfe bey ihme angesuchet haben. Nun habe er dem Schulzen anbefohlen, täglich durch vertrauthe Männer die Häuser zu visitiren und im Falle sich Kranke dort befinden die dem Feldscherer nicht bekannt wären, diese anzuzeigen, damit selbe mit Medicamenten versehen werden mögen. Medicus Groß. der in seinem Bericht ein erschütterndes Bild der Hungersnot in Billiet aufzeichnet. führt weiter aus .. . Hingegen der gesunde Mann zum Verpflegungsaufwand nichts anderes hat, als saure Milch und hartverdauliche Speißen. Dann in Geld der Mann und das Weib täglich 3 kr., das Kind aber 1 114 kr. zur Beyschaffung des Rindfleisches zu einer kräftigen Rindsuppe und anderen zu Speisen erforderlichen Zugekörungen sowohl für die Kranken als die Genesenden nicht hinlänglich scheinet. Damit hatte Groß die obersten Landesbehörden im Banat. die Landesadministration in Kenntnis gesetzt. daß die Menschen einfach zu wenig Lebensmittel bekommen und das Geld weder für die Kranken noch für die Genesenden ausreichend ist . Angesichts der großen Hungersnot. die in Billiet herrschte . wandte sich der Feldscherer Gerbel schriftlich an seinen Vorgesetzten Distriktsverwalter Knoll in St. Andres um Hilfe und Lebensmitteln . Knollleitete das Gesuch an die Temeswarer Landesadministration weiter. die sich dann in der Sitzung vom 22. August 1767 mit dem Gesuch aus Billietbefaßte . Referent in dieser Sitzung war der Administrationsrat von Hildebrand . Um den Nachwei s über die in Billiet herrschende Hungersnot zu erbringen. lasse ich hier den Text im Sitzungsprotokoll wortwörtlich folgen: Seßio Administrationis LXVI. die 22 . Aug. 1767. Akt-Nr. 405. Das Temeswarer Verwalteramt berichtet vom 19. August 1767 über die gegebenen Nachricht des zu Billiet angestellten Feldscherer Josef Anton Gerbe!, daß da selbst 125 Personen von denen Kolonisten krank darnieder liegen und L e b e n s m i t t e l erforderlich haben. Bittet also dahin eine beliebsame Disposition zu treffen, womit jemand diese Krankenverpflegung eigens zu verrechnen angeordnet werden mögen. Bescheid zu Akt-Nr . 405. Da diese k . k . Landesadministration die Notwendigkeit gar wohl erkennet, daß denen armen, kranken, notleidenden Kolonisten unter die Arme gegriffen werde, so verordne man dem Verwalteramt hiemit, mit Einverständnis des zu Billiet angestellten Feldscherers alljenes immer möglichen zu unternehmen und anzusehen was zu deren Hilfeleistung in diesem Fall dienlich seyn könne, zu dem Ende auch in einigen besonderen Häusern Fleisch kochen, solches Fleisch, oder nach Erfordernis die Suppen unter die notleydenden Kranken vertheilen. Auch denen, so solche selbst abzuholen außer Kräften sind, ordentlich zutragen zu lassen. \\ ic "1 1 aus der .. Relation" von Kempelen wissen. hat dieser im September 1767 Billiet persönlich besucht und bei der Landesadministration veranlaßt ... daß diesen nothleydenden Colanisten einer jeden Haushaltung a proportion 5 bis 6 Metzen Frucht auf Winterbrot aus dem St. Andraser Districts- Vorrat gegen künftigen Ersatz verabfolget werde. Dem Sitzungsprotokoll der Temeswarer Landesadministration vom 1. April 1768. AktNr. 43 können wir u. a. folgendes entnehmen : ... Sämtliche Bilieter Colanisten Familien bitten am 1. Marty 1768 zu mehrmahlen ihnen über die jeder Familie ausgelheilt-bereits schon verzehrten 6 Metzen Brotfrüchten, noch einen derley Vorschuß . .. da bey selben hieran schon die 108
größte Noth vorhanden. Folglich bey in widrigen, sie sich nebst Weib und überhäuften Kindern des Hungers und erfolgliehen Verschmachtung zu erwehren auf keine Weise vermögend wären. Bescheid zu Akt-Nr . 43 . Dem Temeswarer Verwalteramt [Knoll in St. Andres] zu verordnen, denenjenigen Billieter Colonisten, welche würklich bedürftig sind, und sich keinen Verdienst zu verschaffen vermögen, so lang und so viel als ihr Mangel gehet, mit Brodfrüchten gegen den anerbotenen Ersatz von nächster Erndte bey zu stehen, und die diesfälligen Angaben in ihre Anticipations-Büchel zu schreiben. Das letzte Bittgesuch der hungernden Familien in Billiet wurde am 19. Juli 1768 der Landesadministration in Temeswar überreicht .. . da sie das ihnen zugetheilte Mehl gänzlich verzehret, und hiervon nichtsmehr zu ihrem fernerweitigen Lebensunterhalt übrig hatten. Sie bitten damit ihnen mit einer mehrmaligen Anticipation, bis zur erlangung der Emde, an Hand gegangen werden möchte. Das Temeswarer Proviantamt wurde angewiesen. 250 Metzen Brotfrüchten den Billieter Kolonisten auszufolgen .. . die diesen Vorschuß von ihrer heurigen Emde in Naturasogleich wiederum ersetzen sollen. Die Rückerstattung der Vorschüsse fiel den Kolonisten sehr schwer und wurde von Jahr zu Jahr verschoben . Wenn die Ernte gut ausfiel. zahlten sie bereitwillig ab. in Mißjahren aber konnten sie nichts zurückerstatten . Als die Anzahl der kranken Kolonisten in Billiet von Tag zu Tag größer wurde, holte sich Doktor Groß mit der Zustimmung des Verwalters Knoll den Csakowaer Distriktsarzt Leber nach Billiet und errichtete mit ihm gemeinsam in der Schule in der Altgasse ein provisorisches Spital. Ende 1766 gab es bereits 400 Kranke im Dorf. so daß das Spital zu klein war und in jeder Gasse einige Kolonistenhäuser für-die Kranken eingerichtet werden mußten. Dies war mit ein Grund. warum die Kranken sich weigerten. sich beim Feldscherer Gerben krank zu melden, um zu verhindern. in so ein "Sterbehaus" eingeliefert zu werden . Die neuen , noch feuchten Wohnungen. die Ausdünstungen der Sümpfe um das Dorf und nicht zuletzt die einseitige geringe Nahrung trugen viel zur Verschlechterung der Gesundheitsverhältnisse bei. Zufolge des kaum genießbaren, zumeist aus seichten Brunnen geschöpften Wassers war auch der Typhus ein ständiger Begleiter. Die Kindersterblichkeit war überaus groß . denn abgesehen von den durch mangelhafte Pflege und Verabreichung von minderwertigen Nahrungsmittel verursachten Todesfällen. hielt auch die Diphtherie schreckliche Ernte. In dieser Not wandte sich der für die ganze Gemeinde verantwortliche Bürgermeister. Kaspar Hann. an den in Billiet anwesenden Distriktsarzt Leber und sie beschlossen. unter Umgehung der Landesadministration in Temeswar der Kaiserin und der Banco-Hofdeputation eine Bitt- und Anklageschrift nach Wien zu schicken. Die von dem Arzt Leber verfaßte Bittschrift war gleichzeitig eine Anklage gegen den Distriktsverwalter Knoll und gegen den Kolonistenaufseher Klunkhard . Unterschrieben wurde sie von Dr. Leber. dem Bürgermeister Hann. den Geschworenen und von einigen Einwohnern der Gemeinde . Leber beanstandete in seiner Bitt- und Anklageschrift. daß die Verteilung der Verpflegungsrationen in Billiet dem Kolonistenaufseher Klunkhard überlassen sei und dieser waltete ganz nach seinem Gutdünken . Es ging dabei kaum ohne Härten und Ungerechtigkeiten zu. Ab und zu klagten die Kolonisten. daß ihnen Verpflegung und Geldzuwendungen monatelang vorenthalten werden und daß sie hungerten . Durch das Verschulden des Distriktverwalters Knoll und des Kolonistenaufsehers Klunkhard- die die über Hunger klagenden Menschen mit Grobheiten und Drohungen abgewiesen hatten- starb im Jahre 1767 die ganze Familie Kaiser, Mann. Frau und Kind. den Hungertod . Alle 252 Kolonistenfamilien in Billiet hatten wochenlang gehungert und nur von Wasser. grünen Fisolen. Wurzeln und Kräutern ihr Leben gefristet. Der rohe Speck . den sie als Lohn und Verpflegung bei den Nationalisten im Schnitt erhielten. war nicht genießbar und viele waren davon krank geworden. So lautete in ganz groben Zügen der Wortlaut des Schreibens von Distriktarzt Leber an die Kai serin in Wien . Bereitsam 15. Februar 1767 traf dieses Schreiben aus Wien in Temeswar bei 109
der Landesadministration ein . mit der Aufforderung .. . binen 4 Wochen darüber Bericht zu erstatten. Bei der Landesadministration in Temeswar wurde daraufhin eine Untersuchungskommission zusammengestellt. bestehend aus den Administrationsräten von Langenbach und von Baußard und dem Buchhalterei-Direktor Frank . die dann in Billiet an Ort und Stelle die Untersuchungen führten . Das Untersuchungsergebnis wurde erst am 3. September 1768 unterschrieben . also 19 Monate später. aber nicht nach Wien geschickt . sondern in der Schreibtischlade des Untersuchungskommissärs v. Langenbach liegen gelassen. Nach dessen Tod wurde am 14. Jänner 1769 der überfällige Untersuchungsbericht nach Wien weiterbefördert. Hier wurde er von dem Grafen Wrbna. dem Leiter des 1769 neu geschaffenen Banater Hofkammerdepartements in dem .. gräflichen Traunschen Haus" in der Herrengasse [heute Innenministerium] überarbeitet. geprüft und neu abgefaßt . Diesen von Graf Wrbna an die Kaiserin gerichteten Bericht lasse ich hier wörtlich folgen :
Euer Majestät Euer Majestät haben auf das allerunterthänigst überreichte Impopulations-Protocollwn vom 25. Novembris vorigen Jahres [ 1768] unteranderem verordnet, als erstes ist über den angezeigten Vorfall, daß der Verwalter Knall mit den Kolonisten so übel verfahre, und daß so gar zwey Personen aus Hunger gestorben, die eigentliche Beschaffenheit der Sache durch einen Vortrag [Bericht] vorzulegen. Da nun hierüber endlich der beiliegende vom 14. Jänner 1769 datirte Bericht von der Temesvarer-Landes-Administration erstattet worden, so ermangelt man nicht Euer Majestät die ganze Beschaffenheit der Sache hiemit allerunterthänigst darzulegen: Man hat nemlich über das im Nahmen der Gemeinde zu Billiet hier vorgekommene Memorial [Mitteilung. Denkschrift. Abhandlung] der Temesvarer Landes-Administration bereits unterm 15. Februar 1767 anbefohlen, daß sie die angebrachte Beschwerde und Umstände untersuchen, und darüber längstens binnen 4 Wochen den Bericht abstatten solle, welche Berichtsabstattung unterm 25. Nov. 1768 urgiret worden ist. In oberwehntem Memoriali der Billieter Gemeinde wurde angeführet, daß von ihr wirklich 400 Personen krank liegen und das Vbel noch weiter wn sich gegriffen haben würde, wann nicht der Medicus Groß und der Districts-Chyrurgus Leber durch ihre Bemühung solchen gesteuret, auch zu Ietzt auf Veranlassung der Administration ein Spital errichtet worden wäre. Inzwischen seyen da die größte Noth ware, zwey Personen aus Hunger gestorben. Wobey auch die Gemeinde das harte Verfahren, die Drohungen und Schmähewörter von dem Verwalter Knall, als sie bey ihm Hülf gesuchet, habe ertragen müssen. Die Administration suchet die so späte Einsendung ihres Berichtes mit dem zu entschuldigen, daß die als Untersuchungs-Commissarii benannt gewesene Administrationsräthe von Langenbach und Baußard ihre Berichte deswegen lange nicht haben zu Stande bringen können, weil die angeklagten Partheyen wn ihre Entschuldigung schriftlich haben vernommen, und deren Verantwortung abgewartet werden müssen. Der Bericht selbst, als er bereits verfertigt war, sey bey dem von Langenbach liegen geblieben, und habe erst nach seinem Todtaus dessen Schriften hervor gesuchet werden müssen. Woraus erfolget, daß dieser erst unterm 14. Jänner dieses Jahres [1769] beyder Administration in Vortrag gekommen . Aus dem beygelegten Protokoll der Administration ist daraus zu ersehen das die Verfassung des Memorialis eine von einigen Kolonisten, und nicht von der ganzen Gemeinde anverlanget, auch die Unterschrift einiger derselben von fremder Hand und ohne ihrem Wissen beygesetzt, das Memorial aber von dem nunmehrigen Csakovaer-Districts Chyrurgo Leber verfertigt und anhet gesendet. Vbrigens die wider den Temesvarer Districts- Verwalter Knall angebrachte Beschwerde seye ungegründet angebracht und von ihm sattsam widerlegt worden, besonders aber der Wahrheit nicht gemäß sey, daß zwey Personen nemlich der Franz Kaiser und dessen Eheweib aus Hunger gestorben, indem dargethan worden, daß besagter Kaiser zwar aus Mangel des Verdienstes Noth 110
gelitten, von seinem Nachbar aber mit Wein und Brod und Zugemüß gelabet worden, und dessen Eheweib sich niemalen wegen eines Hungers beklaget habe. Gleichwie nun die Administration nach solanger Zeit dennoch einen sehr seichten Bericht abgestattet, also hat man um Euer Mayestät einen ausführlichen Bericht deswegen allerunterthänigst zu Füßen zu legen zu können, unumgänglich nötig zu seyn befunden, die wahre Beschafenheit aus den beygelegten Akten heraus zu ziehen, und in das klare zu setzen. Nun wird von den gewesenen Untersuchungs-Commissarien der Administrations-Räthen von Langenbach und Baußard, dan von dem Buchhalterey-Direktor Frank in der unterm 3. September 1768 gefertigten Untersuchungs-Relation angeführet, was maßen befunden worden, daß 1. die Unterschrift des hier vorgekommenen Memorials nur von denen Kolonisten Johann Falk, K a s p a r Ha n, Mathias Ziegler und Johann Pläß eigenhändig unterschrieben, auch von dem Johann Pläß gemeldet worden, daß er dessen eigendlichen lnnhalt nicht gewußt habe, wohingegen die Unterschrift des Johann Schütz, und Johann Peter Heinrich, von einer anderen Hand beygerückt worden, auch dem Schütz der lnnhalt des Memorialis ebenfalls nicht bekannt, und der eigentliche Urheber des Memorialis der ehemalige Schulz Kaspar Han gewesen seye. Wie dann auch faßt alle anderen welche dazumal davon Wissenschaft gehabt, mit ihnen bestättiget haben, daß anfänglich nur der Antrag gewesen, eine Danksagungs-Schrift an die Hofstelle anher einzusenden, weil die der Gemeinde versagte Verpflegung wieder abgereichet, auch ein Krankenspital errichtet worden, wonach der Chyrurgus Leber die neue Verfassung des Memorialis auf sich genommen, und obschon der Hann sich geäußert, daß die von dem Verwalter Knall wider die Kolonisten ausgestoßenen Schmähreden in das Memorial einschließen zu lassen der Antrag gewesen, so sey doch die Meinung nicht dahin gegangen eine Meldung zu machen, djaß zwey Personen aus Hunger gestorben, sondern blos der Chyrurgus Leber habe diesen Umstand beygesetzt. Obrigens erhelle, daß die ganze Gemeinde zur Verfassung des Memorials ihreeinwilligungnicht ertheilet habe, weil die einvernommene vier geschworene und die zwey Männer von jeder Gasse einstimmig bestätiget, daß sie davon nichts gewußt haben. Was aber 2 . das harte Verfahren des Knalls wider die Kolonisten anbelange, da hätten sich nur vier Kolonisten gegen ihn, Knall beschweret, und die zwey Personen, welche aus Hunger gestorben seyn sollen habe niemand als der Kaspar Hann zu benennen gewußt, welcher sich jedoch auf den Kolonisten Kar[ Non berufen, dieser sey sowohl als der Kolonistenaufseher Klunkhardt nebst einer freywillig beyder Commission erschienene Billieter Kotanistin Namens Maria Elisabetha Reinertin Constituiret worden, allein die Untersuchungs-Commission müsse an den Grund des Vorgebens, daß die benannte zwey Personen wirklich aus Hunger gestorben, um so eher zweiflen, als der Kaspar Hann, und Kar/ Non sich geäußert, daß sie dem Verstorbenen in seiner Noth einige Hülf geleistet. und der Kaspar Hann gemeldet, daß der Verstorbene Kaiser mit der Melancholie behaftet gewesen. Wenn aber auch die genannten zwei Personen würklich aus Hunger gestorben wären, so könnte doch nicht bestimmet werden, wem man in diesem Fall eine Schuld beyzumessen hätte. Nachdemeweder dem Verwalteramt, noch der Administration davon eine Anzeige in Tempore [in dieser Zeit] gemacht worden. Die Commission glaube, daß zu dem Todt des Kaiser dessen Melancholie [Schwermut. trübsinnig] vieles, und nebst solcher die zu Billiet besondersbeyden Kranken und mühseligen fürgewaltete Noth auch etwas beygetragen haben möge. Nun ist Votum. Ad. 1. aus dem, dem Bericht in Original-Concept beygelegten, von den Untersuchungs-Commissarien und dem Actuario unterfertigten, jedoch in der Untersuchungs-Relation noch in dem Administrations-Bericht angeführten original Tatbestand zu ersehen, daß von denen Vollmachtgeber welche das Memorial unterschrieben, nur der Johann Falck, der Mathias Ziegler, dann der Kaspar Hann den eigentlichen Inhalt desselben gewußt, der Johan Schütz hingegen weder den Memorialzusatz gelesen, noch solchen eigenhändig unterschrieben habe, ihm seye nur von dem Districts- Feldscherer Leber gemeldet worden, daß es eine Danksagungs-Schrift wegen der wieder angefangenen Verpflegung sey. Der Johann Heinrich aber meldet, daß ihm nur der Passus wegen der Danksagung vorgelesen worden, auch er darüber sich geäußert habe, daß man seinen Namen unterschreiben könne. 111
Weiters hat der Johann Pläß eingestanden, daß er das Memorial, welches ihme nicht vorgelesen worden, blos auf Verlangen des Feldscherers Leber, und des vorigen Schulzen Hann unterschrieben habe, auch haben damals alle jene Kolonisten, welche in der Kirche waren, solches mit der Äußerung begenehmigt, daß sie sonsten hätten Hunger sterben müssen. Ferner obschon der Kaspar Hann in seiner Aussage meldet, daß gedachtes memorialsieben Geschwornen, dann noch drey oder vier andere Personen vorgelesen worden. So widerspricht doch dem, der darunter genannte Johann Plaß. Der Johann Schmid gestehet nur ein, daß er nach der Zeit den Aufsatz zu lesen bekommen, die von dem Hann angeführten Peter Giberich, Marx Tester und Pranz Schuh aber hat man diesfalls nicht einvernommen. Wogegen die zum Ausschuß constituirt 14 andere Kolonisten einhellig gemeldet, daß Ihnen von der Verfassung und Abschikkung des Memorials nichts bekannt gemacht worden. Aus diesen und noch anderen in den Acten vorkommenden Umständen ist anzunehmen, daß oberwehntes Memorial im Namen der ganzen Gemeinde durch den gewesenen Schulzen Hann und den Districts-Chyrurgusn Leber zu Stande gebracht, auch von dem Leber verfasset, dessen lnhalt aber nur wenigen von der Gemeinde bekannt gemacht worden sey. Obschon nun beyde hierinnen Ordnungswidrig gehandelt, daß sie sich bey vorgedachten Umständ unterstanden, das Memorial im Namen der ganzen Gemeinde Billiet einzureichen, folglich ihnen dieses zu vergeben wäre, so kommet es Hauptsächlich Ad. 2. darauf an, ob und wie weit dessen lnnhalt würklich begründet und durch die aufgenommene Constituta erwiesen worde. Die sämtliche Constituirte Kolonisten, als nähmlich der Johann Falck, Johann Schütz, Johann Peter Heinrich, Mathias Ziegler, Johann Pläß, K a s p a r Ha n n, Kar! Non, Hans Adam Wilhelm, Elisabeth Heinertin und Johann Schmid, nebst denen zum Ausschuß vorgerufenen in dem Constituto benannten 14 Männern bekennen einhellig, das als im Jahre 1766 die denen Kolonisten gereichte Verpflegung aufgehöret, in der zwischen Zeit, bis solche wieder angelaufen, eine Hungersnoth entstanden, viele Leute erkranket, und aus Noth, dann Mangel der Hülfe dahin gestorben seyen. Der Johann Falk meldet anbey, daß wie man den Kolonisten die Verpflegung entzogen, man sie zur Arbeit angewiesen habe. Sie hätten sich in den Schnitt begeben, nachher aber seyen sie wieder zurück berufen worden um ihre Häuser selbst auszubauen. Da sie nun bey diesem Bau keinen Lohn und sonst keine Verpflegung erhalten, auch viele den Schnitterlohn nicht richtig empfangen, so seye eine große Noth entstanden, und die Krankheiten welche gegen 400 Personen ergriffen, hatten sich deswegen so sehr ausgebreitet, weil viele Kolonisten sich mit Kräutern und grünen Fißolen, welche sie in den Gärten, und auf den Haiden gesuchet, sich hatten ernähren und solche ohne Salz und Schmalz, bloß im Wasser gekocht, auch ohne Brod genüssen müssen, dahero auch zwey Personen aus Hunger verstorben seyn. Der J o h an n P e t er Heinrich äußerte sich, daß nach aufgehörter Verpflegung die Noth allenthalben auch bey denenjenigen, welche in den Schnitt gegangen entstanden, weil diese Letztere kein Geld sondern nur Frucht und diese nicht richtig überkommen, und diese erst hernach haben vermahlen lassen müssen. Der Raizischen und Wallachischen Kost hingegen, nemlich des Malai und rohen Specks nicht gewohnet waren, folglich eine Menge in Krankheit verfallen seyn. Der Mathias Ziegler hat den Umstand beygefüget, daß es noch würklich L e u t e in dem D o r f g e b e , d i e 1 4 T ä g e k e i n e n B i s s e n B r o d g e g e s s e n , weil ihnen das empfangene Mehl ausgegangen und sie das wenige geh ab t e Ge 1 d a u f P f 1 ü g e und andere notwendige Hausgerätschaften auszulegen sich genötiget gefunden . Der J o h an n P 1 ä ß meldet von jenen die in den Schnitt gegangen, daß sie mit Wasser und Brod hätten leben müssen, und das viele aus bloßer Noth, weil sie sich nichts haben verdienen können erkranket seyen, wie dann viele Leute welche kein brod gehabt von blassen Kräutern sich ernähret hätten. Der gewesene S c h u l z K a s p a r Ha n n bestättiget solches mit dem Beysatz, daß als die Verpflegung aufgehöret, die Kolonisten bemüßiget waren, zur Fristung des Lebens Kräuter und Wurzeln zu sammeln und solche im bloßen Wasser gekocht zu essen, auch unzeitige Bohnen und
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Pißoien in Milch zu genüßen, jenen aber welche bey den Raizen im Schnitt gearbeitet, hätten nichts als Malei und roher Speck nebst Brod bekommen, dahero es auch erfolget, daß über 400 Kranke gezehlet worden. Der Franz Kaiser nebst seinem Weib und Kind sey dem Vermuten nach aus Hunger gestorben. Es ist ihm von dem Verwalter Knall mit solchen Schmäheworten begegnet worden , daß er sich nicht mehr zu ihm zu gehen getrauet, und eher erhunger zu wollen gemeldet habe. Esseyen auch mehrere aus Verdruß und zum Theil aus Hunger gestorben. Der J o h a n n S c h m i d saget aus, daß die Kolonisten sich ahnmöglich vor der Hungersnoth haben retten können, weil der Verdienst gering und selten ware, welches die oben angeführten zum Ausschuß vorgerufene 14 Männer mit dem Zusatz bekräftiget, daß von denen Kolonisten wegen ihrer und ihrer Leute Krankheit, die wenigsten im Stande waren, mit Arbeit sich etwas zu verdienen. Viele seye verschmachtet, weil sie aller Hülf entblößt waren und kein Brod gehabt, daher sie gezwungen worden, allerhand grünes Zeug in Wasser gesotten nebst saurer Milch zu genüßen, welches Krankheiten verursachte. Was die zwey Personen belanget, welche aus bloßen Hunger gestrorben seyn sollen so hat der J o h an n Fa I c k in seiner Aussage von zweyen aus Hunger gestorbenen Personen, nemlich einen gewissen J o h an n Scheid und dessen Eheweib Meldung gemacht, wogegen bereits erwehnter Maßen der Kasper Ha n n den Fra n z Kaiser und sein Weib nebst seinem Kinde, als aus Hunger gestorbenen Personen angezeiget hat. Der J o h a n n P e t e r He i n r i c h äußerte sich, daß er zwar gehöret habe, daß in der alten Gasse ein Weib und ein Mann aus Hunger gestorben, doch wisse er deren Namen nicht, nur soviel habe er noch erfahren, daß sie sich an Nachbarn gewendet, welche ihnen aber, weil sie selbst nichts gehabt, auch nichts geben können. Der J o h a n n S c h ü t z hat diesfalls eben nichts anderes zu sagen gewußt, als daß er gehöret, daß einige Personen aus Hunger gestorben. Ein gleiches sagte aus der M a t h i a s Z i e g 1 e r, daß er nehmtich sowohl von dem Kaspar Hann als dem Anton Wilhelm gehöret daß der Kaiser und sein Weib aus Hunger gestorben. Der J o h a n n P I aß beziehet sich in ansehungeiniger aus Hunger gestorbenen seyn sollenden Personen ebenfalls auf das Hörensagen. Der Kar I Non saget aus, daß der Verstorbene Fra n z Kaiser kranker in den Ziegelschlag gegangen, und dadurch sein Obel verschlimmert habe, besonders da er nur ein wenig Brühe von Wurzeln und Kräutern habe bekommen können, weil die Kolonisten weder Brod noch andere Verpflegung empfangen. Der Verstorbene K a i s e r habe ihm No n vier oder fünf Tag vor seinem Tod gemeldet, es würde schon mit seiner Krankheit besser werden, wann er nur Lebensmittel hatte, sonst müste er erhungern. Der No n hatte ihm K a i s e r so lang er etwas gehabt, Hülfe geleistet, endlich da ihm selbst nichts mehr geblieben, hätte er ihm keine Hülfe mehr leisten können. Weiters hatte der Kaiser sich gegen ihn Non einmal beschweret, daß, als er ein Laibel Brot von dem Kolonisten-Aufseher Klunckhard begehret, dieser ihm erwidert, er wolle ihn eher sterben lassen, als eines geben, und er solle sich mit der Arbeit ernähren. Obrigens hätte sich des Kaisers Weib , welches 14 Tage nach ihrem Mann gestorben, nicht ausdrücklich über eine Hungersnoth beklaget, welche des Nons Aussage auch dessen Eheweib bestättiget. DerHan s Adam W i l heIm hat zwar die Ursache des Todts des Kaisers und seines Weibes nicht anzugeben gewußt, doch er bestättiget, daß der Kaiser kein Brod im Ziegelschlag gehabt, es auch nicht möglich war den Unterhalt zu verdienen. Er fügte noch bey, daß des Kaisers Kind 2 Tage Todtin seiner Hütte gelegen und zu Ietzt von ihm Wilhelm begraben worden. Endlich hat die A n n a M a r i a He i n e r t i n , welche sich freywillig bey der Untersuchungs-Commission gemeldet, wegen des verstorbenen Kaisers, folgende Umstände beygebracht, wie dessen Kind gestorben. so wäre er zu ihr in die Hüte gekommen, ganz ermattet, und da er von einembeyihr in der Hüte sich befindenden Maurer, den sie nicht zu nennen wisse [der Name war ihr nicht bekannt] . und welcher sich als ein Kolonist in Sakelhas befindet befraget worden, ob er Kaiser Tödlich krank sey, habe er geantwortet, nein, wenn ich nur Lebensmittel hätte. Nachher habe er ihrem Mann 7 kr. behändiget, um ihme eine Halbe Wein zu holen, indessen aber da ihr 113
Mann um den Wein gegangen, hätte der Maurer ihm Brod mit aufgestrichenen Butter gegeben, welches er gegessen, so dann habe sie ihm, Kaiser, ein Schüssel Zugemüß und Wasser dargereichet, welches er gleichfalls genoß, danach mit dem Weine nach Hauß zu seinem Weibe gegangen, und nach 3 Tagen darauf gestorben, sein Weib aber einige Tage darnach mit dem Todt abgegangen sey. Ober den Umstand ob die Gemeinde sichbeyausgebrochener Noth nichtbeydem Verwalteramt oder der Administration beschweret, und ob jenen, welche Vorstellungen oder Beschwerden beydem Verwalter angebracht, von demselben übel begegnet worde, hat der J o h an n Fa l c k ausgesaget, daß von Seiten der Gemeinde Eillied seit dem Jahre 1766, beyder Administration 14 Stück Memorialien eingereichet und kein Bescheid darüber bekommen. Es habe ihm , Falck auch der Verwalter mit Bedrohung vieler Schläge, und Ehrenrührerischen Worten begegnet. Der J o h a n n P e t e r H e i n r i c h hat sich beschweret, daß wenn er sich an den Verwalter gewendet, er an den Administrations-Rath von Hildebrand, und von diesem an den Verwalter wiederum verwiesen worden. Der M a t h i a s Z i e g l e r hat diesfalls forgebracht, daß die Kolonisten sich wegen der Hungersnoth beyder Administration und dem Verwalter-Amt beschweret, auch beyder in dem Banat gewesenen Untersuchungs-Hof-Kommission ein Memorial eingereichet habe. Der J o h an n P l ä ß meldet, daß als er dem Verwalter einsmal vorgestellet, daß er sich etwas zu verdienen keine Gelegenheit habe, ihm daselbst mit 25 Prügel gedrohet worden. Der gewesene S c h u l z K a s p a r Ha n n hat in seiner Aussage einflüssen lassen, daß als der Verwalter ihm gemeldet, das die Verpflegung verbothen worden, so hätte er, Hann, sich an die Administration gewendet, worauf die zweite Verpflegung erfolget seye. Obrigens habe der Verwalter Knall die Kolonisten vor Ankunft der Untersuchungs-Hof-Kommission nichteinmal recht angehöret, und sie nicht nur mit groben Worten abgewiesen, sondern auch Haufenweiß hinweg gejaget, anbey ihn Hann dreymal prügeln lassen wollen, und als die Kollonisten nach aufgekörter Verpflegung ihme ihr Noth geklaget seyen sie von dem Verwalter mit dene Worten zur Arbeit verwiesen worden, s i e f r e ß e t e n d i e K a i s e r i n a r m . Der J o h an n Sc h m i d hat sich beschweret, daß als er einmal von dem Verwalter Pferd statt der Ochsen verlanget, ihm dafür 50 Prügel angetragen worden. Endlich haben die zum Ausschuß vorgerufene 14 Männer bestättiget, daß sie bisweilen von dem Verwalter mit groben Worten angefahren worden. Ober dieses ist noch und zwar aus den Aussagen des J o h a n n P e t e r I-i e i n r i c h die Unordnung hervorgekommen, daß weilen er keine Haushaltung überkommen, alles was ihm der Unterverwalter gebe, seinem Bruder zum Ersatz angeschrieben werde. Sowohl aus der Aussage des J o h a n n Fa I c k als des K a s p a r Ha n n erhellet, daß anfänglich wie die Krankheiten eingerissen kein Feldscherer zugegen waren, mithin die Kranken keine Hülf gehabt haben. Der von den Untersuchungs-Commissarien schriftlich einvernommene D i s tri c t s- V e rw a I t er K n o II suchet sich in seiner der Untersuchungs-Relation beyliegender Verantwortung damit zu vertheidigen, daß er wahrgenommen, daß Krankheiten unter den Kolonisten sich äußern, den Feldscherer Leber selbst, um beyden Kolonisten nachzusehen, nach St. Andrasch berufen, und als er ihm von dem eingerissenen Obel Nachricht gegeben, dieselben an den Directoren des lmpopulations- Wesens den Administrations-Rath von Plasch abgeschicket habe. Wonach der Provincial Medicus Groß dahin gesendet worden, mit welchem er, Knall die deutschen Orter durchsuchet, und alle mögliche gute Vorkehrungen gemacht habe, die auch von der Administration begenehmigt worden, weswegen er sich auf den von ihm und dem Groß unterm 17. September 1766 an die Administration abgestatteten Bericht berufe. Die Namen der zwey aus Hunger verstorben seyn sollenden Personen habe er Knall alles Nachforschens ungeachtet nicht erfahren , nochweniger errathen können, da die ganze Gemeinde gut verpflegt worden. Ober die angezogene Beschwerden der Kolonisten, daß er ihnen mit groben- und mit Schimpfworten begegnet, ihnen Schläge angetragen und sie spötisch abgewiesen, entschuldiget er sich mit deme, daß selbe ihn ungestim angegangen. Er glaube auch gut gethan zu haben, daß er sie zur Arbeit angewiesen, und sie darzu angehalten, nachdem der Erfahrung gemäß eine glimpfliche Vorstellung bey dergleichen 114
Leuten nichts nütze. Sie hätten auch ungeachtet, die Maurer, welche den Häuserbau in Accord genommen, täglich einem Handlanger 15 kr. bezahlten, sich darzu nicht gebrauchen lassen wollen. Der übrige Inhalt der Verantwortung Knalls besteher meistens aus Schmähungen auf den Chyrurgum Leber. Der ebenfalls schriftlich einvernommene Kolonistenaufseher K l u n c k h a r d [wohnhaft in Mercydort] hat sich geäußert, daß zu jener Zeit, als der verstorbene Kaiser den Laibbrod von ihm verlanget haben sollen, die Kolonisten Parnillien nicht durch ihn mit Brod, sondern durch das Verwalteramtmit Mehl und Brodfrüchten versehen worden, mithin der Ungrund [grundlos] der wider ihn angebrachten Beschwerden von selbst an dem Tag liege. Wenn er die Leute zur Arbeit anfrische, so glaube er solches seiner Schuldigkeit gemäß zu seyn. Diese beyden Verantwortungen welche denen Aussagen der Unterthanen das Gegengewicht nicht halten, ja solche alle weder specifice berühren noch weniger selbe stamhaft widerlegen, findet man von Seiten dieses treugehorsamsten Departement zur Rechtfertigung des Verwalters Knall und Kolonisten-Aufsehers K l u n c k h a r d keineswegs hinreichend. Obschon die Unterthanen mit dem Verwalter und dem Aufseher nicht confrontiret [gegenüberstellen] auch der Chyrurgus L e b e r , welcher vielleicht noch viele Umstände hätte angeben können, garnicht constituiret worden. So ist doch durch die Constituta der Unterthanen welche sie- wie der am Ende derenseihen beygefügte Zusatz zu erkennen gibt - beschwören zu wollen sich erkläret, erwiesen daß wegen Mangel der Verpflegung würklich ein Hungersnothunter denen Kolonisten entstanden, daß sie sich meistens mit blasen Wurzeln und Kräutern behelfen müssen, sofort dadurch schwere und viele Krankheiten entstanden. auch daß sowohl der Kaiser als mehrere andere aus Noth gestorben seyn mögen. Ferner ist aus den Constituten abzunehmen [zu lesen], daß dem Kolonisten-Aufseher und dem Verwalter die Entstandene Noth nicht unbekannt geblieben, und daß nicht eher als bis das Obel allgemein worden, und schon weit um sich gegriffen, eine Abhülf durch die Administration, Vermutlich mit Zuthat, der im Lande [Banat] gewesenen Hof-Commission erfolget. Ja, daß anfänglich nicht einmal ein Chyrurgus zugegen ware, welches der Knall selbst bestättiget. Es ist anbey erwiesen, daß der Knall mit den Kolonisten wenigstens mit Worten und Drohungen, sehr übel verfahren, welches um so glaublicher ist, als in den Protocollen über die Relation der Untersuchungs-Hof-Commission unter Punkt 74 dargethan worden, daß er einige andere nemlich die Sakalhaser Unterthanen , welche im Begriffe waren, sichbeyder Hof-Commission zu beschweren, ohne mindeste Untersuchung mit dem schwersten Arrest belegen lassen hat. Obwohlen übrigens die Anweisung der Kolonisten zur Arbeit einer Seits billig ist, so muß man anderer Seits solche ihnen zu verschaffen suchen, und sie eher in Stand versetzen sich selbst verpflegen zu können. Da nun der Verwalter Knall anstatt darauf den Bedacht zu nehmen, hat er die Kolonisten in ihrem Elend geraume Zeit schmachten lassen, und weil ihme das Kolonisten- Wesen anvertraut war, seine Pflicht gewesen wäre, die Umstände der Kolonisten genau und gründlich zu untersuchen, er hingegen diese seine Pflicht vernachlässiget, und durch sein fahrlässiges Betragen die übelsten Folgen und das größte Elend unter den Kolonisten entstanden sind. So kann selber nicht anders als sehr sträflich angesehen werden. Besonders nach Ausweiß der Protocollen über die Banatische Haupt-Untersuchungs-Relation Punkt 41, das Kolonisten- Wesen in allen Stücken schlecht geführet und über die so beträchtlichen Auslagen nichts als etliche unordentliche Protocolle sich vorgefunden. Man wäre daher des allerunterthänigsten Ermessens, daß besagter Knall wegen der obangeführten, ihn sehr beschwerenden Umständen zur Strafe auf 6 Monate ab Officio et Salario [vom Dienst und Gehalt] suspendiret zu werden wohl verdienete. Eine gleiche Bestrafung könnte auch wider den Billieter Kolonisten-Aufseher Klunckhard verhänget werden, indeme es dessen Schuldigkeit und Pflicht gewesen wäre bey den Kolonisten genau nachzusehen, und die würklich befundene Noth allenfalls bey der Administration anzuzeigen, anstatt daß er diese pflichtmäßige Sorge gänzlich außer acht gesetzet und sich sehr fahrlässig bezeiget hat. Wie er sich dann auch wider die 1nzüchten, daß er dem vermutlich aus Elend verstorbenen Kaiser die Verschafung eines Laib- Brods versaget, nicht hinlänglich gerechtfertiget hat.
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Sollte dieses allerunterthänigste Einrathen [Vorschlag] allergnädigst begenehmigt werden, so würde man währender Suspensionszeit der vorerwehnten zweyen Beamten eine so gute interimalBestellung [Zwischenzeit, vorläufig] als mitden dermaligen Banatischen Subjecten [Unterthanen] zu machen möglich vorkehren. Obrigens verdienere auch jener Administrations-Rath, welcher zu selber Zeit die Direction des Kolonisten- Weesens gehabt, eine scharfe Ahndung, da er nicht gehörig nachgesehen, und seiner Schuldigkeit nie Genügen geleistet hat. Endlich haben die von der Administration zur Untersuchung der in Eingangs erwähnten Memoriali [der Gemeinde Billiet] enthaltenen Beschwerden abgeordneten Commission ihre Schuldigkeit ebenfalls nicht recht erfüllet, da sie die, erstens die Constituta auf eine bündigere Weise hätten vornehmen - und nicht durchaus die nähmlichen Fragstücke stellen sollen, indeme sie aus den ersteren Aussagen auf 2 andere, nähere Erforschungen den Anlaß hätten nehmen können. Zweitens haben sie die Confrontation der abgehörten Partheyen, und die Constituirung des Chyrurgi Leber gänzlich unterlassen, viele weesentliche Puncten der Constituten in ihrer Relation übergangen, selber nur ein seichtes Gutachten beygefügt, und sotane die Relation von April 1767, wo die Constituta abgeschlossen worden, bis im Jannuar 1769 ohne diese einzureichen im Rückstand gelassen. Gleichwie dann auch die Administration selbst sich fahrlässig verhalten hat, daß sie ungeachtet das Memorial der Unterthanen von Billiet bereits unterm 15. February 1767 zur Untersuchung zugeschicket- und ihr befohlen worden, darüber längstens binnen 4 Wochen Bericht zu erstellen, sie solches erst unterm 14. Jänner 1769 folglich fast nach 2 Jahren eingesendet- . Anstaft ein standhaftes Gutachen in einer solchen wichtigen Angelegenheit abzustatten, sich blas auf die Allegata und nur daraus etwas zur Entschuldigung des Knalls angeführet hat. Daher man derselben dieser einer Landes-Stelle unanständigen Fürgang [Vorgang], und ins besondere dem gewesenen Untersuchungs-Commissario v. Baußart, nachdem der andere Commissarius v. Langenbach gestorben, die von ihme gezeigte Nachlässigkeit schärfest zu verheben, nicht unterlassen wird. Wienn den 1. Februar 1769 Eugenius Grafv. Wrbna 2. Unterschrift unleserlich. Vermerk der Kaiserin Maria Theresia auf der Folio 325 : Der künftigen neuen Administration ist die diesfalsige nähere gründliche Untersuchung, sowohl in Ansehung des Knall und Klunckarth, als auch in sonderheit wegen des Chyrurgi Leber, dessen Betrag in Verfassung des Memorials [von Biliet] sehr verdächtig scheinet, mit dem Beysatz aufzugeben : daß sie darüber in kurzer Zeitfrist ihren Bericht nebst Gutachten einsenden sollen. Maria Theresia Maria Theresia warf ihre Meinung entweder kurz auf den Rand eines Schriftstückes oder auf kleine Papierfetzen. die manchmal den Akten noch heute beiliegen . sicher aber oft verlorengegangen sind. Für uns. als die Nachkommen dieserMännerund Frauen von Billiet. sind diese 35 Folio umfassenden handschriftlichen Dokumente stumme Zeugen unserer Geschichte . Sie zeigen uns neben dem heroischen Kampf der ersten Siedler ums Überleben auch das Lebensbild eines charakterfesten Mannes. nämlich das des ersten Bürgermeisters von Billiet. Kaspar Hann .
Kostenvoranschlag über die Errichtung eines Brauhauses in dem deutschen Kolonistendorf Billiet ( 1768) In einer Zeit. als in Billiet die Menschen noch am Hungertuch nagten. ließ die Temeswarer Landesadministration einen Kostenvoranschlag über ein Brauhaus in Billiet erstellen. den sie am 3. Oktober 1768 bei der Hofkammer in Wien zur Genehmigung einreichte. Der bereits am
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1~- Februar 1768 fertige Voranschl ag mit einem Plan über die Errichtung der Anlage belief sich auf einen Betrag von 5.849 Gulden und 1~ 5 /s Kreuzer. Der in dem Schreiben erwähnte Plan ist heute leider nicht mehr auffindbar. er war unter der NummerN !53 in der Kartensammlung im Hofkammerarchiv abgelegt . Aus dem Kostenvoranschlag geht u. a. hervor. daß ... Bitlief weiches zum Bier vorzügliches taugliches Wasser und einen Schüttkasten auf 14- 16.000 Metzen Getreide besitze wegen welch letzteren ein eigener Beamter forthin daselbst unterhalten werden muß. Dieser könnte mit einem Schreiber und Wirtschafts-Korporallen auch die Bräuhauswirtschaft besorgen. Aus den Aufzeichnungen geht leider nicht hervor ob das Bräuhaus in Billiet ... wegen des guten Wassers und der Brunnen die sich hier an der Straße zwischen St. Miklosch und Kleinbetschkerek befinden ... jemals errichtet wurde. Der rund 10.000 kg Getreide fassende Schüttkasten wurde später erweitert und vergrößert . er stand in der Kreuzgasse . auf den heutigen Hausnummern 249. 250 und 25 1.
Die ersten amtlichen Hofübergaben in Billiet ( 1771) Ein besonderes Kapitel bildete bei Übernahme einer bereits bestehenden Wirtschaft. wieviel ein em Kolonisten von den auf dieser haftenden Schulden anzul asten sei. Es gab ja viele Höfe. wie zum Beispiel das Haus Nr. 27 in Billiet. die ihren Besitzer verloren hatten . sei es durch Tod oder Rucht. Diese Hofstellen hatten Kredite erhalten. beginnend mit ihrer Erbauung bis zu den Unterstützungen an den frü heren Besitzer. Auch die Häuser Nr. 68. 76. 136 und 2 59 hatten schon im Oktober 177 1 mehrere Familien beherbergt. und es lasteten erhebliche Schulden auf ihnen . Wenn sie nun wieder besetzt wurden. so bestand entweder die Möglichkeit. dem neuen Eigentümer einfach alle bisher aufgelaufenen Schulden anzurechnen oder man wäre gezwungen gewesen . Abschreibungen vorzunehmen. Die in diesem Sinne genötigten Neukolonisten sagten entweder bedingungslos zu. um nur zu einem Dach über dem Kopf zu gelangen oder aber sie weigerten sich . die oft bis zu 500 fl. betragenden Lasten auf sich zu nehmen . was dann zur Folge hatte . das sie den in Frage stehenden Hof nicht erhielten und weiter auf die Ansiedlung warten mußten. Der aus Wien extra zur General-Musterung in s Banat geschickte Buchhalter Graußberger berichtet in sein em Bericht vom 2. Oktober 1771 ganz ausführlich über einige Fälle in Billi et: Zu Billiet hat das Haus Nr. 27 vorher der Nielas Plasius, sod.ann der Michael Weber gehabt und ist endlich dem einquartierten Colanisten Wilhelm Gram mit 389 fl. Schulden übergeben worden ... Die Häuser Nr. 68, 2 59 und 76 sind ebenfalls vor 4- 6 Monaten an andere Leute übergeben worden ... Johann Hum ein einquartierter Colonist ist mit derbehausten Witwe alda Haus Nr. 136 copuliret [verheiratet] . . . Bey all diesen Leuthen ist auf die Obertragung oder die Sicherstellung der Anticipationen gar niemahlen gedacht worden. Die wenigsten der angesiedelden Colanisten haben ihr Büchel in Händen. Viele der Haus-Büchel sin verloren gegangen und will niemand was davon wissen. Bereits im Oktober 1768 hat der in Billiet einquartierte Josef Gerschi angesucht . sich in Billi et als Colonist niederzul assen zu dürfen. Am 19 . März 1770 haben die Familie Thi berius Schanz , 35 Jahre . verheirate t. ohn e Beruf. zwei Söhne. und die Familie Wilhelm Arrend. 48 Jahre. verheiratet. Beruf Müller. zwei Söhne. die schon bewohnt geweste Häuser mit allen darauf lastenden Schulden freywillig übernommen und dadurch ihre Ansiedlung erhalten.
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... Nach Billiet kam am 20. Jänner 1771 in das Haus Nr. 201 durch Heirat der ledige Jakob Maria. Er ist am 14. August in Temswar angekommen und war in Arad im Quartier. . . . Im Februar 1771 wurde die Familie Nicolaus Loch mit ihren 3 Söhnen nach Rückzahlung ihrer ab Arario erhaltenen Anticipationen wiederum aus Billiet entlassen. Aus Billiet ist die Familie Johann Bemhardt. die im Jahre 1765 hier angesiedelt wurde. geflohen. Die Bernhardts kamen aus Merscheid . im Kreis Saarburg. nach Billiet. Das Familienoberhaupt ist am 15. September 1768 im 58. Lebensjahr in Billiet gestorben. Die Behörden im Banat sahen die Flucht der Kolonisten sehr ungern. vor allem wegen der damit verbundenen finanziellen Verluste. da keine Aussicht vorhanden war. die den Kolonisten vorgestreckten Werte wiederzuerhalten. Es waren nicht wenige. die versuchten. dem Banat den Rücken zu kehren . . . . Rudolf Beilmann ein Kolonist von Billiet stellet unterm 18. A ug. 1771 vor, daß er daselbst ein mit Schulden beladenes, und vor allen Einrichtungen entblöstes Haus, in dessen Reparierung er bereits baare 50 fl. gestecket, übernommen. und mit Genehmigung des Temeswarer Distrikts Verwalters Swietezky ein Pitanken Pferd empfangen habe, welches aber von dem Eigenthümer nach Verlauf von 3 Tagen erkennet und ihm wieder abgenommen worden, bittet daher, ihm mit einem anderen Pferd behülflich zu seyn .. . Graußberger führt in seinem Bericht weitere Einzelheiten über das große Sterbe n in den Jahren 1770-1771 an: ... Ich habe in Billiet wirklich aus dem Totenbuch eruiret, daß vorigen Jahres [ 1770] binnen Zeit von etlichen Wochen auch 1, 2 oder 3 Monathen vieler ganze Familien von 4 auch mehr Personen ausgestorben sind ... Es ist freilich zu befürchten, hiedurch eine große Anzahl von Bettlern im lande zu haben und das viele Kolonisten das Banat verlassen werden und nach Ungarn flüchten Nach dem ..Haupt-Rapport" für den Monat September 1771 über die in Billiet angesiedelten und einquartierten Kolonistenfamilien gab es am letzten August folgenden Personenstand: Bauern 53 Professionisten 9 Frauen 47 Wittiber 5 Söhne 22 Töchter 21 157 Personen zusammen In diesen beiden Hungerjahren 1770 und 1771 starben in Billiet allein 474 Personen . Von den 252 Häusern standen 200 leer und mußten erst wieder mit neuen Kolonisten besetzt werden. Durch den ständigen Nachschub und die Ansiedlung neuer Kolonistenfamilien in Billiet betrug die Anzahl der Bevölkerung im Jahre 1772 bereits wieder I 092 und im Jahre 1777 1235 Personen. Das heißt also. daß zu diesem Zeitpunkt in jedem Hausdurchschnittlich vier Personen lebten. Nach einer .. Consignation" sind in der Zeit vom 16. Juni 1770 bis letzten Februar 1771 in Billiet aus 77 Familien 132 Personen gestorben. Obwohl in dieser .. Consignation " nur 77 Familienväter namentlich angeführt sind und die Namen der restlichen 175 Hauswirte fehlen. so können wir doch feststellen. daß nur ein Bruchteil der damals in Billiet lebenden Kolonisten die Stammväter der heute noch Lebenden sind. Tausende der in den Matrikelbüchern der Kirche verzeichneten Familien sind heute ausgestorben. Die Zähigkeit der überlebenden deutschen Menschen hat das Werk der Ansiedlung bis in die Gegenwart gerettet .
Consignation Worinen enthalten ist. wieviel von denen seit 16. Juny 1769 bis ultimam Februarii 1771 neu angekommenen Colanisten Familien, durch besagte Zeit in nachbenannten Ortschaften sowohl einquartierten als auch angesiedelten gestorben sind. Als:
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Die Landvermessung Banat und in Billiet ( 1769)
Erst die Impopulationskommission machte im Jahre 1767 einen bescheidenen Anfang. in dem sie darauf drang. daß die im Banat tätigen d r e i Pr o v i n z i a I i n g e n i e u r e das Banat kartieren sollten. Es ist Kempelens Verdienst. daß er sofort die Unhaltbarkeit des Zustandes. ein Land besiedeln zu wollen. von dem man noch keine Karte besaß . voll erkannte und auf wirkliche Abhilfe drang. Er verlangte die Herabsetzung der erforderlichen Kräfte . deren Zahl er auf einen Direktor . fünf Unterleutnants und zwanzig Tagwerker einschätzte. Das Verlangen Kempelens. daß das Banat aufzunehmen und nach Quadratklaftern auszumessen sei. fand die Zustimmung der Kaiserin. Joseph II. gab dem Großen Generalstab den Befehl. das Land zu mappieren und zu beschreiben . Im Sommer 1769 trafen von den beantragten 33 Offizieren 21 unter der Führung des Oberstleutnants Elmpt im Banat ein. die in drei Abteilungen zu operieren begannen . Die einen nahmen die Prädien. die anderen die Dörfer und die dritten den Wald auf. Erst 1772 waren dann genug Geometer vorhanden und konnten dem Bildebrand unter dem Hauptmann Triebswetter zugeteilt werden. Es war viel zu spät. denn die Ansiedlungsperiode war bereits an ihrem Ende angelangt. Als Probe wurde unser schon bestehendes Dorf Billiet vollkommen vermessen. Das Ergebnis war außerordentlich zufriedenstellend [Siehe Ortsplan von Billiet] . Das Original von damals ist bunt in den verschiedensten Farben ausgeführt und liegt in Kempelens Handschriftensammlung unter Fol. 121) auf. zum Unterschied des Ortsplanes in d~r Kartensammlung. Ul'r nur in schwarzweiß ausgeführt ist. Die Methode. nach denen die Ingenieure vorzugehen hatten . waren ihnen genau vorgeschrieben . Kempelen hatte diesbezüglich in der Impopulations-Haupt-Instruktion genaue Weisungen gegeben . Auch die Planung von Straßen und Wegen war ihre Aufgabe . Diese sollten möglichst gerade geführt werden. wobei Haupt- und Landstraßen 10 Klafter [19 m] . Feldwege 3-4 Klafter [5-7 m] anzunehmen waren. Das Ergebnis aller dieser Arbeiten war schließlich die sogenannte josefinische Landaufnahme des Banats. Die Rurteilung. wie sie in den meisten Dörfern nach und nach festgelegt wurde. war entsprechend dem Umstande. daß sie meist auf ebenem Neuland durchgeführt werden konnte . klar und einfach. Sie wurde nicht nur für Siedlerdörfer angewendet. sondern bei der Kartierung auch für die walachischen Dörfer übernommen . Der Platz für den Ort selbst wurde möglichst in der Mitte des Dorfterrains gewählt . möglichst nahe einem fließenden Wasser oder einer Straße. wobei darauf geachtet werden sollte. daß er nicht Übersch~emmungen ausgesetzt sei. Man achtete auch darauf. ob der Grundwasserspiegel nicht zu tief lag und daß der Grund selbst. auf den die Siedlung zu stehen kommen sollte. landwirtschaftlich von geringem Nutzen sei. Rund um das Dorf herum wurde die allgemeine Hutweide angelegt. wobei bei den unregelmäßigen walachischen Siedlungen der Hausgrund der Hutweide zugeschlagen wurde. damit für eine spätere regelmäßige Anlage genügend Dorfgrund innerhalb der Hutweide sei. Ein Teil der Hutweide wurde für die Gemeinde reserviert und es war zumindest geplant. die Hutweide durch Reihen von Weiden . Erlen und Pappeln zu teilen . damit das Vieh Schatten habe und die so entstandenen Unterteilungen wechselweise betrieben werden konnten. An schließend an die rechteckig umrissene Hutweide lagen die Ackerfelder. Diese wurden in ihrer Gesamtheit in drei Breiten geteilt und in jeder Breite jedem Bauern ein Drittel seiner Felder zugeteilt. Im allgemeinen sollte ein Dorf nicht weniger als ein Drittel aber auch nicht mehr als die Hälfte ganze Bauern haben . Bei der Grundzuteilung hatte Billed. laut Ortsplan von Hauptmann Triebswetter 34 Ganzebauern a 37 Joch und 220 Halbebauern a 21 Joch Grund. Zurgenauen Begrenzung dienten Haufen. Steine oder Pflöcke. in welche auf den Seiten die Nummern des Hauses eingebrannt wurden. zu denen das auf dieser Seite liegende Grundstück gehörte.
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Die leitenden Stellen begann en sich grundsätzlich mit der Frage zu befassen. wieviel Grund ein em jeden Koloni stenhaushalt eigentlich zuzum essen sei. Ursprüngli ch pl ante man . den Ansiedlern 30 Joch oder Tagwerke Ackerland. das Joch zu 1600 Quadratklafter. somit also etwas über 17 ha. gleichmäßig zuzuteilen (Sept. 1766]. Auf Grund der Berichte der im Jahre 1766 unter dem Grafen Clary im Banat weilenden Kommission begann man aber dann. dieses Maß zu verringern und setzte es auf 24 Tagwerke herab [April 1767]. Diesem Ausmaß an Ackerfläch e wurden noch 6 Joch Wiesen und ein Joch für Hof und Garten neben ein em Anteil an Hutweide zugeteilt . Allein dieses Einheitsschem a konnte auf di e D auer nicht di e G rundl age für die Bildung bäuerlicher Gemein schaften abgeben . Es zeigte sich bald . daß kl ein e Familien und nicht so tüchtige Landwirte nicht den gan zen Grund zu bebauen vermochten . Umgekehrt waren große Famili en nicht genügend versorgt und man mu ßte zum Beispiel in der Praxis daran gehen . solchen Familien . bei denen ein verh eirateter Sohn oder Bruder lebte. 36 Joch Ackerl and zur Verfü gung zu stellen [Juni 1767]. Schließlich erwies es sich auch . daß die Dö rfer zu rasch mit Koloni sten überbesetzt waren . wenn man di ese ve rhältnismäßig große Norm beibehalten würde . Kempelen war es. der di ese Schwierigkeiten erkannte und die Teilun g in halbe und Viertelstellen vorschlug. wobei er auch darauf hinwies. daß die weinbautreibenden Landwirte gar nicht gut mehr als eine Viertelstell e bewirtschaften konnten [Nov. 1767]. E r konnte auch darauf ve rweisen . daß Bauern . die weniger Grund bekomm en hatten - e twa nur 19 Joch - sich vollk omm en zufri eden erklärten . Nach längeren Erörterun gen konnte Kempelen mit sein em Vorschl ag durchdringen und di e neue Norm ali sierun g wurde wi e folgt festgelegt: Ein ganzer Bauer erhi elt 24 Joch Ack erl and . 6 Joch Wi ese . 6 Joch Weide und 1 Joch H ausgrund. also in sgesamt 37 Joch oder etwas über 2 I ha Grund ; ein halber Bauer 12 Joch Ack er. 4 Joch Wiese . 4 Joch Weide und 1 Joch Hausgrund . also ingesamt 2 I Joch oder 12 ha; und ein Viertelbauer schli eßlich bekam 6 Joch Ackerland . 3 Joch Wi ese. 3 Joch Weide un d wieder I Joch H ausgrund. zusammen also 13 Joch oder 7 .5 ha Land [I.H .T.] . Die Grundausmaße waren nach dem zu erhoffenden Ertrag berechn e t worden . Es wurde angenommen . daß ein ganzer Hof 192. ein halber 96 und ein viertel Hof 48 Me tzen Frucht im Jahre ernten könn e. Die Größe der Wi esen war so festgelegt. daß ein ganzer Bauer 8 Stück . ein halber ungefähr 6 und ein Viertelbauer 4 Stück Vi eh durch vier Winterm onate hindurch mit H eu füttern konnte . Die Weisungen an die Militäringenieure sah en für ein en katholi schen Pfarrer ein en doppelten Hausgrund und 2 Joch Wi ese . für ein en Schulmeister dasselbe Ausmaß. für einen gri echi schen . wirkli ch fungierenden Popen ein en ganzen und für seinen Di akon ein en halben H ausgrund vor. H andwerker. herrschaftli che Wirtshäuser und di e Inh aber von Fleischbanken erhi elten je eine halbe Stelle [H.S . 496]. Die Na tionali sten waren bei der G rundzuteilung den Kolonisten ni cht nur gleichgestell t. sondern sie erhielten sogar für jeden Haushalt grundsätzlich ein e ganze Session. di e nur dann geteilt wurde. wenn sie diese inn erh alb von sech s Monaten nicht ganz bebauen konnten [Mä rz 17o8]. Bei den Kolonisten wurde es so gehalten . daß ein Wirt . der inn erh alb von zwei Jahren sein e Gründe nicht voll in Bearbeitung nahm. in die nächstti efere Kl asse ve rsetzt wurde . Di e Kaiserin erklärte sich prinzipi ell bereit. das ihr gehö rende Land den Koloni sten eigentümlich zuteil en zu lassen und damit auch die Erblichkeit der Sessionen zu sichern und dadurch di e Untertanen zu guter Wirtschaft anzueifern . Doch traf sie gleichzeitig die Verfü gung. daß diejenigen wieder zu enteignen seien . di e ihr Grundstück nicht bebauten [Sept . 17o8] . Der Verk auf war gestattet. doch bei halben und Vi ertelhöfen nur im G anzen . Unterteilungen wurden ni cht bewilligt und auch nur bei ganzen Höfen nur di e Abteilun g ein es Vi ertels gestat tet [Juli 17o9] . Al s erbberechtigt hatte imm er der älteste Sohn zu gelten. sein en Geschwistern waren Anteil e von drei Vierteln des Grundwe rtes in bestimmten Termin en auszubezahlen . Das Ärar behi elt sich lediglich das Eigentumsrecht an den Moras ten vor. die den Dö rfe rn nur zur Nutzung überlassen wurden . So vorteilh aft diese Bestimmungen über di e Grundaufteilung auch sein mochten. so konnten sie in ihrer praktischen Wirkung doch die längste Zeit nicht in Erscheinung treten . da di e Zuteilung der Gründe an die An siedler fast niemals rechtzeitig durchgeführt wurde und oft viele Jahre
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auf sich warten li eß. Da ja in den Jahren 1765 /66. als Billed erbaut wurde. noch keine Karte oder Ortsplan zur Verfügung standen. wurde der Grund den Kolonisten nach dem Augenmaße zugeteilt. Erst nach der Ansiedlung stellte sich dann heraus. ob das vorgesehene Terrain auch die richtige Größe hatte. Daher auch die 220 halben Bauern und nur 34 ganze Bauern bei der Grundverteilung in Billed. Die Verwirrung. die dadurch entstand. daß die Kolonisten die zu ihrer Hausstelle gehörigen Grundstücke erst nach Jahren zugewiesen erhielten. war allgemein groß. Die an Ordnung gewöhnten Deutschen kamen dadurch zu der Meinung. daß man sie auf ihren Grundstücken nicht belassen werde . weil sie diese nicht ausgemessen und gru ndbücherlieh zugeteilt erhielten . Vor allem fand sich aus diesem Grunde niemand. der sich der Mühe unterziehen wollte . das Gras und Gestrüpp ordentlich wegzuputzen und die Gründe überhaupt sauber zu halten . Die Siedler mußten gemeinschaftlich zu den Rodungen herangezogen werden und verrichteten diese Arbeit weder ordentlich noch willig [Jänner 1769]. Diese Zustände waren so trostlos . daß sie Kempelen im Jahre 1769 zur Klage in Wien veranlaBten. Er berichtete: ,. ... Es besitzt noch kein Untertan in dem ganzen Banat einen ihm rechtmäßig und in einem bestimmten Maße zugeteilten Grund. Bisher haben entweder die Gemeinden ihre Dorfgründe selber nach Willkür unter sich geteilt oder einzelne Bauern haben sich bald dieses. bald jenes Stück Feldes bemächtigt, einander wieder wechselweise daraus verdrängt oder solche freiwillig verlassen und wieder andere gewählt. Bei einer solchen Unordnung war es eine natürliche Folge, daß sich die Reicheren und Mächtigeren immer die größten und besten Stücke zueigneten . folglich die Ärmeren und Schwächeren unterdrückten. da doch diese letzteren wo nicht oft mehr, doch wenigstens gleiche Last mit jenen tragen mußten. So lange daher diese Ungleichheit nicht behoben. die Gründe nicht ausgemessen und dem Untertan individualiter zugeteilt sein werden, kann keine systematische Landeseinrichtung. keine Gleichheit in Abgaben und persönlichen Lasten. keine Wirtschaftsverbesserung, keine Industrie und überhaupt keine Ordnung stattfinden ." Die Ansiedlung in Billiet und überhaupt auf der Heide bedeutete Urbarmachung. an Stelle der Gras- und Heuwirtschaft trat die Dreifelderwirtschaft . Es war jetzt eben die Aufgabe der Ansiedler. dieseserst m a I s in der Ge sch icht e vermesse n e. wilde . brachliegende Land in ertragreich e. landwirtschaftlich genutzte Anbauflächen zu verwandeln . Wenn heute. 200 Jahre später behauptet wird. die deutschen Kolonisten wurden bei der Grundverteilung im Banat bevorzugt behandelt. so entspricht dies sicher nicht den Tatsachen . Denn die" Verbreitung der raizischen und walachischen Population" war ein durchaus gleichwertiger Programmpunkt der Besiedlungspolitik der Habsburger im Banat. Lediglich im Festungsdreieck Temeswar-Arad-Szegedin wurde von rein militärischen Gesichtspunkten aus der "in Sprache und Sitte dem Kaiserhaus näher stehende deutsche Kolonist" bevorzugt a n g e s i e d e I t. Das Ausmaß der zugeteilten Gründe und die Ansiedlungsprivilegien waren aber die gleichen wie die der dort angesiedelten Walachen und Raizen! Sie wurden bei der Grundverteilung den Deutschen grundsätzlich gleichgehalten [HS 496]. Der Entwurf zu dem" Grundriß zu einer systematischen Landes-Einrichtung des Temesvarer Banats" stammte von dem " Hungarischen Hof-Kammer-Rath von Kempelen" und umfaßte 178 Seiten. Er wurde von ihm auf Grund der Erfahrungen. die er bei der Landvermessung und Gru ndzutei lung in Billiet im Jahre 1769 gemacht hatte. erstellt. Sein Bericht über" . .. die bey dem deutschen Dorf Billiet beschehene lndividual-Grund-Zutheilung .. ." wurde am 13 . Februar 1770 von Baron Stuppan der Kaiserin vorgetragen. Auf all e Punkte und Einzelheiten dieses Berichtes einzugehen . würde den Rahmen dieser Chronik sprengen. Die Gerechtigkeit erfordert aber von uns. die Details. die Billiet betreffen. in den Vordergrund zu stellen, um den Beweis zu erbringen. daß dieser Ort zum "Musterdorf' für dasgesamte Banat wurde. In diesen alten Akten steht u . a. togendes zu lesen: ... In der Anlage wird Eurer Majestät der nebenstehende Bericht, der Banatischen beyden Einrichtungs-Commissärien [Graf v. Clary und v. Kempelen] samt der dazugehörigen Mappa von Billiet [Ortsplan] hiemit allerunterthänigst zu Füßen gegeben .. . DieMappeurs haben in dem abgewichenen Herbst 1769 auch einen Versuch mit der Individual-Zu-
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theilung bey dem Dorf Billiet gemacht, so wollen sie den beyliegenden Plan zu dem Ende beyschließen, damit sie nach erfolgter allerhöchsten Begenehmigung auf diese Art, sobald es die Witterung zulassen wird, mit der Individual-Grund-Zutheilung, vorzüglichbeyden deutschen Colonien und sonach in dem Lugascher District fortfahren lassen mögen . . . der von dem Dorf Billiet zum Muster eingesendeten Plan ist der, der Administration und den Einrichtungs Commissarien gegebenen "Haupt-lnstruction" angemessen . .. Die Einrichtungs-Commissaren haben jedoch bey diesem Dorf Bil/iet ohne von einer solchen VherleRung Meldung w machen. oder hieriiher ein Gutachten zu geben. die Eintheilung in 3 Fluren selbst gemacht . .. 2. findet man in dem Plan in der ersten Flur einen Theil derselben als s u m p f i g angemerkt. Gleichwie aber in diesem s u m p f i g e n Theil der Ackerbau nicht am besten seyn dürfte, andererseits diese sehr starke Gemeinde für ihre Feuerstellen ziemlich viel Holz gebrauchen wird, so wäre man diesorts der gehorsamsten Meinung, daß dieser sumpfige Theil aus der Flur exscindiret, und darauf Holzsorten, die es dort gibt: Pappeln, Weiden und dergleichen angezünglet werden. Dahingegen der dadurch sich ergebende Abgang an Boden bey der ersten Flur, durch eben so viel von den oben anstoßenden Oberlandgründen ersetzet . . . Antwort der Kaiserin: Ich begnemige. was die Kammer in Banaticis hierüber zu rescribiren antraget deme auch noch weiter beyzusetzen ist ... nach welchen Anmerkungen dann den Plan. welcherz u m Mus t e r für alle übrigen Fälle zu dienen hat, vollständig begnehmige. Maria Theresia Aus dem Begleitschreiben des Grafen v. Clary und Wolfgang v. Kempelen an die k . k . Hofkammer erfahren wir einiges üher das Muster-Dorf Billiet: Die zur Ausmessung des Landes ins Banat geschickte Herrn Officieren haben den vergangenen Sommer 78 Prädien und 36 Dorfschafren samt den dazu gehörigen Gründen zusammen also 114 Stück aufgenommen und sind den gegenwärtigen Winter über beschäftigt die aufgenommene Pläne in das Reine zu zeichnen. und zu berechnen ... Man wäre mit der Ausmessung des Landes. im verflossenen Jahr viel weiter gekommen. wenn ersten~ diese Mappeurs [V C'rml'~~lln f!~ hl'am tl'] etwas friiher ih re Operarinn hättm anfangen kiinnen. Zweytens ihre Anzahl nicht nur aus 21. sondern wie gleich Anfangs der Antrag gestellet, aus 33 bestanden wäre. Und endlich drittens, wenn nicht immer ein großer Theil derselben durch Krankheit von aller Arbeit abgehalten worden wäre .. . übrigens haben wir noch im vergangenen Herbst [ 1769] einen Versuch mit der Individual-Grund-Zutheilung [jedem Bauern einzeln. abgesondert] vornehmen lassen, und zwar zur Pro b e u n d k ü n f t i g e n Mus t e r in dem neuen-d e u t s c h e n D o r f B i ll i e d einem jeden ganzen und halben Bauern- nach der höchsten Vorschrift- seinen Grund Inidvidualiter mit Furchen auszeichnen und zurheilen lassen. Worüber wir den beyliegenden Plan nebst der beygerückter Erklärung zur hohen Einsicht einschicken . . . Kempelen berichtet am 10. Oktober 177 0 üher die Zuteilung der Felder an die Billi e ter H auswirte unter Punkt C folgendes: C. Um aber auch zugleich im Werke selbst einMustereiner solchen nach obiger Vorschrift besagten Zurheilung darlegen zu können. so habe ich zur Probe das in dem Temeswarer-District fieRende deutsche Dorf B i ll i e d zurheilen lassen. Ich habe nämlich den Herrn Hauptmann Triebswetter und Herr Lieutenant Glaser hierweRen genau unterrichtet und noch im späten Herbst 1769 zu dieser Arbeit angestellet. Deren Geschicklichkeit und Fleiß ich die Gerechtigkeit wiederfahren lassen muß. daß sie dieses ihnen aufgetragenen Geschäft vollkommen gut verrichtet haben. So wie solches auch die über den diesfalligen eingeschickten hier unter D. anverwahrten Riß erfolgte allerhöchste genehmigung bestätiget. Wie wir auf dem Ortsplan ersehen könn en . waren die Gründe in die Dreitlurenwirtschaft . in Wintersaattlur. Sommersaatflur und in die Brachtlur eingeteilt . Entsprechend der Dreifelderwirtschaft. die die deutschen Koloni sten dam als im Banat einführten . blieb in jedem Jahr ein anderer Teil brach liegen. während die beiden anderen Teile mit Winter- oder Sommerfrüchten und Getreide beptlanzt wurden. Das Brachland wurde zur Viehweide verwendet. was ein en 124
Flurzwang ,·oraussetzte . Die Dreifelderwirtschaft härte in Billiet mit der Übernahme des Grund und Bodens durch die Bauern nach der Revolution von I R4RI-19 allmählich auf . Die im Jahre 17(19 zugeteilten Gründe und Felder waren kein Eigenbesitz der Ansiedler. sondern Staatsgut Es wurd~ allgemein Kammeralgut genannt . weil es der Hofkammer als oberste Verwal ri.mg;hehörde unterstand . Das Billieter Grundbuch wurde am I. November 1774 eröffnet und von dem Nachfolger Knolls . Distriktverwalter Johann Georg Wallhrunn. dem Steuereinnehmer Joseph Haneker und dem Gegenschreiber Christoph Natal. unterzeichnet. Nach einer Aufstellung von Wilhelm Weber gab es damals in Billiet IR9 Ganzbauern und 6.' Halbhauern oder Handwerker. die zusammen n .921 Joch Feld bewirtschafteten. plus je ein Joch der Kirche und Schule . zusammen also n .923 Joch .
Original- Text auf dem Ortsplan von Billiet aus dem Jahre 1769 PLAN des Teutschen Dorffes Bi I i e tindem Themesvarer District welches besteher in 252 reutsehen Co/onisten-Familien. worunter 32 gantze Bauern a 37 Joch dann 220 halbe a 21 Joch sich befinden. Die Felder sind überhaupt in 3 Fluren wie der Plan zeiget eingetheillet. wovon jede Portion 128 Klafter lang und 100 Klafter breit und 8 Joch a 1.600 Quadrat Klafter gerechnet in sich enthaltet. Folgsam ein solches Rectangl [Rechteck] wie A. B. C die Portion eines gantzenoder zweyer halber Bauern in einer Flur ist. Die kleinen Portionen a. b. c. d. e. f g. h. i. k. I. m. n. o. p. sind zum Supptementum [Ergänzung . Zuschuß] deren jenigen Portionen. die durch den durchlaufJenden Morast unvo/kommen geworden. gewidmet. Ferners ist jede Portion mit 4 Pflöcken. worauf der gehörige Numerus gebrenet. bemerket. Beynebst sind annoch nach Abschlag der nöthigen Communications- Weege 1323 Joch Oberland-Gründe die man denen Bauern succeßive wie sie zu Kräften kommen oder sich vermehren zutheillen kann. Zur Vieh- Weide seind auf einen gantzen Bauern 6 und auf einen halben 4 Joch gerechnet und abgestecket worden. Die Wiesen so sich links und rechts der Straße befinden haben sich am füglichsten dahin geschicket weillen das Terrain da selbst etwas niedriger. auch schon geraume Zeit von Dörnern gereiniget und immer guter Wies-Boden ware. Die Portion eines gantzen Bauern besteher in 6 und eines halben in 4 Joch und ist die Perpendiculaire Länge (senkrecht] einer gantzen Portion I 00 Klafter die Breithe aber 96 Klafter. Dann eines halben die Länge 100 und die Breithe 64 Klafter. Die Landstraße ist durchgehends 20. die Communications- oder Feld- Wege aber 3 Klafter breith. Die Dortf-Gassen sind 18 Klafter breith.
Ortsplan von Billiet aus dem Jahre 17n9. Ori gin al: HKA HS 494 Fol. I ~9 . 1770 . Di eser Plan(< nächste Seite) wurde für di e Kaiserin mi t Buntstiften eezeichnet und ist äusführlich er als der in der Kartensammlung im HKA unter (I~R abgelegten und nur in schw arz-wei~ aus geführte Pl an vnn Billie r.
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Mit der Feldzuteilung an die einzelnen Kolonistenfamilien in Billiet im Jahre 17n9 traten gleichzeitig: auch die drei Freijahre in Kraft . Die Jahre 1770. 1771 und 1772 waren also für sie steuerfrei und dienten der finanziellen Erholung: und des Wurzelschiagens der Siedler selbst . Nach Ablauf dieser Freijahre hatten sie Geld und Natural-Abgaben zu leisten Die erste Steuerliste aus dem Jahre 177?. ist uns erhalten gehliehen und wir erfahren aus ihr einige Daten . die uns gestatten. in die damaligen Verhältnisse' einige Blicke zu tun. Überschrieben ,ist dieses Dokument: WIEVIEL PERSONEN IM OKTOBER 1773 SICH IN BILLJET BEFANDEN UND STEUERN ZU BEZAHLEN HATTEN: 236 Hauswirte 10 verheiratete Verwandte und Befreundete 27 ledige Verwandte und Befreundete I 0 vennögendliche Wittiben 0 anne und mittellose Wittiben Haben bishero an Grundstücken besessen: Feldbau 3412 1 /2loch /106 3 14loch Wiesen //II 1 /4Joch Hutweide 126Joch Obstgarten Zusammen 5756 1 12loch Außerdem sind gratis zugetheilt worden: An Dorfgrund 8 Joch Grund~tücke 281 1 12loch Dorfgründe 284 Joch 573 1 /2loch 160Joch An Moraste Zusammen 733 1 / 2 Joch An Steuern und Abgaben wurden bezahlt: Kopfsteuer 1036 Gulden Kassernenbeitrag 129.30 Gulden Grundsteuer 1547.17 Gulden Gewerbesteuer 5 Gulden Handlungszinsen Realitütensteuer 1.48 Gulden Juden- Tolleranz Zusammen 2719.35 Gulden Bi" zum Jahre 1772 wurden an .. Neu Banater Tax .. fi Gulden bezahlt . Die ..Neu Banater .. waren die Zigeuner. die damals von Kaiser Joseph II ihren Namen erhielten und in einzelnen Orten im Banat angesiedelt wurden . Dadurch . daß den Handwerkern bei der Ansiedlung eine IOjährig:e Steuerfreiheit eingeräumt wurde. scheint keine Gewerbesteuer in dieser Steuerliste auf Auf Grund der ausgezeichneten Erfahrungen . die man in den letzten drei Jahren mit den Ansiedlern und deren Wirtschaft in dem deutschen Dorfe Billiet gemacht hatte. entschloß man sich seitens der Landesadministration. diese ab I. November 1774 ins Grundbuch einzutragen: ... damit diese dadurch zur guten Wirtschaft um so mehr angeeifert werden sollen ...
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Die ersten Handwerker in Billiet ( 17 66) Das Anwerben in Deutschland und das Ansiedeln der erforderlichen Handwerker in den neu errichteten deutschen Dörfern im Banat war ein großes Problem, mit dem sich rechtzeitig schon der erste Bürgermeister von Billiet, Kaspar Hann , beschäftigen mußte . Schon am 2. April 1766 hatte es in Billiet einen in den Akten nicht namentlich genannten Schmied gegeben , für den der damalige Dorfrichter Hann bei der Landesadministration in Temeswar um Werkzeug für die Ausübung seines Handwerkes angesucht hatte. Der Inhalt dieses Gesuches, den ich anschließend zitiere, möge uns das Bild von der Entstehung Billiets noch vervollständigen helfen . Aber auch in den fünf nächsten handschriftlichen Quellen zur Geschichte des deutschen Handwerkes in Billiet wird uns das Schicksal von Handwerksgesellen oder Meistern vor Augen geführt, das einem großen Drama gleicht. Dieses nun folgende Quellenmaterial ist den jeweiligen Sitzungsprotokollen der Banater Landesadministration in Temeswar entnommen, in denen die betreffenden Gesuche behandelt wurden . Das erste Gesuch hatte der Dorfschulze Hann der Hofkommission in Billiet überreicht, das hier in der Sitzung verlesen wurde und lautete: Abgelesen wurde die mittels Hochlöbl. Administrationsverordnung vom 2. April a. o. zu Decretirte Abschrift von der k. k. Hofkommission durch den Schulzen von Billiet überreichten Bittschrift mittels welcher selber vorstellet, daß dortige Gemeinde einen Schmied ahnumgänglich nöthig habe. Auch ist die Gemeinde mit einem derartigen, ehrlich, arbeitsam, und dieser seiner Profeßion wohl kundigen Mann zwar versehen, dieser aber seine Profeßion darumen nicht treiben könne, weilen es ihme an den hiezu erforderlichen Handwerkszeug ermangle, welches er e.x proprys [aus eigenen Mitteln] beyzuschaffen nicht vermöge, daher bittet, diesem Schmied zur Anschaffung des noch abgängigen Handwerkszeug einiges Geldt vorgestrecket werden wolle. Antwort und Bescheid . Diese Abschrift dem Temesvarer Verwalteramt mit dem Bedeuten zuzustellen, selbes habe mit dem Billieter Schmied eine Aufstellung, was selber an Handwerkszeug benöthiget und wieviel solches in Geld betrage, zu verfassen und einzusenden. Zugleich auch zu berichten, ob nicht etwa von dem zu Bruckenau befindlichen die Profeßion nicht treibenden Colanisten Schmied, einiges Handwerkszeug dem zu Billiet übergeben werden könne. Im Herbst des Jahres 1766 hat sich der Bäcker Johann Kraft in einem leeren Haus in Billiet " untergebracht" und die Kranken und auch die übrigen Einwohner mit Brot versehen. Hier das Gesuch des Temeswarer Verwalteramtes in St. Andres an die Administration: Akt-Nr. 505 . Das Temesvarer Verwalteramt meldet vom 16. und 25. April, daß der zu St. Andrasch einquartiert gewesene Colonist und Beck, Johann Kraft, im verflossenen Herbst [1766], als die in dem neu angesiedelten Orth Billiet häufig zu erkranken angefangen, er sich in einem leeren Hausplatz untergebracht hat, und theils die Kranken, theils die übrigen Einwohner mit Brod versehen hat. Dieser seye vermög vorhandenen Probe in seinem Handwerkswesen zirnlieh gut erfahren, in dem übrigen Hausgeschäft sorgfältig, arbeitsam und emsig. Da der Orth Billiet einen dergleichen Handwerksmann ahnmittelbar erforderlich habe und er siehe sich mit seiner Bäckerey fortbringen zu können seye er nunmehr vor Willens sich auf Billiet zu verlegen. DaS Verwalteramt zu St. Andrasch wäre alsobeysolch angezeigten Umständen des ummaßgeblichen dafürhaltens, dem Supplicanten den nöthigen Vorschub zu leisten. Zumahlen er selber versicheret, von Wien unter theurer Versprechungen in seinem Handwerksgeschäft unterstützet zu werden, in das Banat abgeschickt worden zu seyn. Der Supplicant hat sich dahin geäußert, daß er nicht nur allein den Orth Billiet, sonder auch bey bevorstehendem Bau, die neu anzulegende Ortschaften Jecsa und Csadat mit Brod zu versorgen.
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Bescheid zu Ad. Num. 505 . Ruckanzufügen, aus denen einberichteten besonderen Ursachen werden dem Supplicanten die weitere Anticipation mit 50 fl. und der Vorschuß mit 25 Centner Mehl vom Prädia Ararii, aus dem frovisions-Magazin mit der Bedingung willfaret [genehmigt] . . . Am 9. Jänner 1767 suchte der Kolonist Johann Kraft aus Billiet bei der Administration um einen Vorschuß an , damit er das Bäckerhandwerk ausüben könne: Akt-Nr.209 in der 18 . Sitzung der Administration vom 2~ . 2.1767. Johann Kraft Collonist von Billiet, bittet am 9. Jänner 1767 um eine Geld-Anticipation [Vorschuß] zur Betreibung seiner Bäckers-Profeßion, weil er alleinig dabey zu verbleiben gedenket, und weder Pferdte noch Wagen anverlange. Zu Akt-Nr. 209. Dem Temesvarer Verwalteramt um Bericht. [In St. Andrasch an den Verwalter Knoll.] Der aus Neustadt bei Würzburg, heute Bad Neustadt, nach Billiet eingewanderte Wagner Johann Haydefelder suchte ebenfalls um einen Vorschuß an , da seine mitgebrachten Eigenmittel schon "aufgezehret wahren": Akt- N r. 2 I 0 in der 1_8 . Sitzung der A d mini s trat i o n vom 25. 2.1767. Johann Haydefelder ein Wagner und Collonist zu Billiet, bittet am 9. Jänner 1767 ihme gleichfalls, um seine Wagner Profeßion besser betreiben zu können, ihme etwas in haaren vorzustrecken da seine eigenen Mittel schon aufgezehret währen, und alle andere dortige Collonisten mit Geld und Brodt erfreuet wurden. Zu Akt-Nr . 210. Dem Temesvarer Verwalteramt um Bericht, ob und was Supplicant als Bauer oder als Wagner bereits empfangen, und wie ihm allenfalls zu helfen seye, ohne doppelte Ararial Anticipation die Bauerey und Wagnerey auch ohne erstere zu vernachlässigen zugleich betreiben zu können . Aus dem folgenden Gesuch des Bürgermeisters von Billiet, Bemhard Groß , erfahren wir, daß es am 26. August 1771 in Billiet schon einen zweiten Wagner gegeben hat, der aber noch auf "Wohnungssuche" war. Akt-Nr. 0 1 68 . Bernhard Groß, Schutz von Billiet bittet unterm 26. August 1771, womit dem in Bitlief ohne Verpflegung einquartierten Wagner, Niklas Kunzow das Haus des sehr liederlichen Kolonisten Mathes Wagner eingeräumet werde. Akt-Nr . 0 1 69. Gemeldeter Bemhard Groß bittet unterthänigst, daß dem vorbenannten Wagner Kunzow, welcher bereits ein leeres Haus übernommen hat, auch das noch nöthige Vieh, und die übrigen Erfordernüssen beygeschaffet werden möchten. Verfügung zu Nr . 0 1 68 . Beede Memorialien werden dem Temesvarer Verwalteramte mit der Verordnung eingeschlossen, mit wessen Genehmigung, gegen welche Bedingnüsse, was ansonsten an Vieh und Geräthschaften dieser Kunzow mit dem Kolonisten-Haus zu Bitlief übernommen hat, sich anhero bericht/ich zu äußern. [An den Verwalter Knoll in St. Andrasch] hn Jahre 1773 starb der Feldscherer Max Scholz in Billiet, und seiner Witwe Eleonora Scholz wurde seine Verlassenschaft ausgefolgt. Auch die Feldscherer im Banat gehörten zu den Handwerkern . Laut dem "Hauptrapport" für den Monat September 1771 , gab es damals 9 Professionisten in Billiet. Das heißt, daß auf 111 Einwohner im Ort ein Handwerker kam . Die meistbegehrten Handwerker waren wie wir an den eingereichten Gesuchen sehen konnten die Schmiede, Wagner und auch die Bäcker. Diese Meister waren alle in der Ausübung ihres Berufes an ihren Wohnort gebunden. Später schlossen sie sich zwecks Wahrung ihrer Interessen mit solchen von verwandten Fächern in Zünfte zusammen .
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Die röm.-kath. Kirche in Billiet Erbaut 1775- 1777 Es ist begreiflich, daß es eine sehr lange Zeit dauerte, bis das äußere Bild des Dorfes Billiet vom Wandel der Zeit berührt wurde . Die kleinen, niederen , mit Rohr eingedeckten Kolonistenhäuser standen noch ziemlich lange, aber der Wille der Ortsbewohner zur Errichtung einer schönen und prunkvollen Kirche im neuerbauten Dorf war ungeheuer groß. Der Kirchturm mit seinen Glocken sollte auch nach außen hin ein deutliches und sichtbares Zeichen für den Sieg und Triumph des Glaubens über die Not und Tod der vergangenen Jahre sein. Kempelen hat bereits im Jahre 1767 den schlechten Zustand der ersten Kirche in der Altgasse beanstandet. Im Sitzungsprotokoll der Impopulations-Kommission vom April 1768 hat daraufhin die Kaiserin verfügt .. . daß nicht allein in der K i r c h e zu B i II i e t sondern in allen übrigen Kirchen im Banat zur Bewahrung des Ciborii mit ihm dem Sanctißimo behörige Tabernaculu sogleich verfertigt werden . .. Maria Theresia hat auch betont, daß der Bau von Landkirchen in den Kolonistenorten weitaus wichtiger sei als der der bischöflichen Residenz und von Domherrnwohnungen . Im August 1768 hatte die Kaiserin befohlen, vorläufig die Kolonistenkirchen nur aus Lehmziegeln zu bauen und neue Steinkirchen erst dann zu errichten, wenn die Bevölkerung aus eigenen Mitteln dazu beisteuern könne . Einige Monate später wurde verordnet, "nicht allzu kostbar, aber mit dem nötigen Dekor zu bauen." Auf Grund dieser Anhaltspunkte schickte die Administration mehrere Pläne ein . Es waren die Kostenvoranschläge für drei Kirchentypen in verschiedenen Preisstufen, deren mittlerer, nach Überprüfung durch den Hofarchitekten Hillebrand. genehmigt wurde. Fundament und Sockel der einfachen Hallenkirche bestanden aus gebrannten. die Wände aus ungebrannten Ziegeln , das Dach und der hölzerne Turm waren mit Schindeln gedeckt. Kleine Abweichungen vom Schema waren gestattet, der ganze Bau durfte aber nicht mehr als 2.950 fl. kosten. Siehe Abb . mit der eigenhändigen Unterschrift Maria Theresias. Als Maria Theresia im Frühjahr 1768 befohlen hatte ... daß die Kirchen in den Colonistendorfschaften nur aus gestampfter Erde hergestelief und höchstens 15 0 Gulden ausgelegt werden sollen, ... schrieb die Kaysl.Königl. Landesadministration einen Bericht nach Wien, in dem es u . a. heißt: 2. Erfordert die höchste Nothwendigkeit in dem Colanisten Orth Billiet eine Kirche und Pfarrhof endlich einmal zu errichten. Und obzwar die hohe Hofsgesinnung dahin gehet daß in denen Colonistendorfschaften die Kirchen nur von gestampfter Erde hergestelief und höchstens 150 Gulden ausgeleget werden sollen. Dahingegen aber um diesen geringen Betrag weder zum gebührenden Gottesdienst noch zum nützlichen Gebrauch etwas zustand gebracht werden könnte. Also bittet die Kaysl.Königl. Landesadministration die Hochlöbl. Kaysl.Königl. Ministerial Banco Hof-Deputation himit gehorsamstingnädige Consideration [Erwägung, Überlegung] zu ziehen, daß in diesem Orth Billiet 252 Colonisten-Familien mit allseitigen zufriedenheil angesiedelt und an der Standhaftigkeit, und bestem Aufkommen des in der Thatt sehr schöne Colanisten Dorfs so weniger zu zweifeln, als alda eine deren schönsten und gesündesten an der Landstraße zwischen St. Miklosch und Kl. Becskerek situirten Gegenden, nebst deme ein gesundes und genußbahres Brunnenwasser vorhanden, und alle Hoffnung ist, daß diesedaselbst angesiedelte Colanisten durch ihre bezeugende Industrie, und Würthschafts- Eyfer sich bald und gut aufhelfen werden. Andererseits auch zu betrachten, daß die Baumaterialien zum Theil schon daselbst vorhanden sind, mithin aus all diesen treftigen Bewegursachen gnädig zu bewilligen, daß in dem ColonistenOrth Billiet nach dem in dem Bau-Commissions-Protocoll enthaltenen Antrag eine Kirche und Pfarrhof von gutem Baumaterialien nach beyliegenden Ryß [Zeichnung] und Oberschlägen erbaut, und zum größeren Trost und mehrer ereyfer, wie Aufmunderung deren Colanisten Familien nebst ihren See/sorgen errichtet, sohin hiernach
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5.469 Gulden 20 112 Kreuzer auf die Kirche 2.003 Gulden 30 1h Kreuzer auf das Pfarrhaus verwendet werden diirfte. In Erwarthung welch ein so andererhoher Verhalts befehlen, uns zu beharrlich hohen Hulden und Gnaden in all vollkomensten Respect ganz gehorsamst empfehlen. Hofarchitekt Ing. Hillebrand entschied sich für den " Riß und Oberschlag sub Lit. B" welcher von dem log. Johann Theodor Kostk a am 16 . Jänner 1767 in Temeswar entworfen wurde und sich auf 2956 fl. 54 1 / 2 kr belief. In seiner "A llergehorsamsten Nota über der zu Billiet im Temeswarer Distrikt neu zu erbauende Pfarrkirche" vom 2. Juni 1769, begründete er dies damit .. . weil in diesem Riß sub Lit. A die Kirche zu niedrig angetragen sei und die Mauer in der Dicke von 2 Schuhen ohne Kalkmörtel zu schwach sein würden. Dagegen unter Riß sub Lit. B wäre eine Ersparung zu erwirken . .. Hillebrand führte hier einige Vorschläge und Änderungen an, wie der Bau billiger ausgeführt werden könnte und fügte hinzu ... daß bei der Herstellung des Kirchendaches die Mauerbänke nicht zu vermauern wären, um der Vermorschung des Holzes vorzubeugen . Dem überaus reichen Schriftverkehr, der wegen der Billieter Kirche zwischen Temeswar und Wien geführt wurde sei noch ein sehr interessanter Abschnitt aus einem Schreiben der Temeswarer Landesadministration entnommen , der es unseren Vorfahren wegen verdient, erwähnt zu werden. In einem Schreiben vom 1. April 1769 heißt es u. a.: ... Auf einen Beitrag der Kolonisten, um mit der Zeit eine Kirche aus guten Materialien ohne Beschwerung des Ärars herstellen zu kölnen, könne man sich um so weniger verlassen, als die meisten Kolonisten .bekanntermaßen sehr arme Leute sind, die nicht das geringst Vermögen mit sich bringen. Folglich wird man zufrieden sein können, wenn man den Ersatz der ihnen geleisteten Anticipationen auch erst nach langen Fristen wieder erhalten wird. Auch würde es niemals rätlich sein, sie zur Reichung eines Beitrags zum Kirchenbau anleiten zu lassen, weil sich viele aus einem unvernünftigen Andachtseifer zu Bettlern machen könnten ... Wer die tieffromme Gesinnung der Kaiserin kannte, die doch in Wien an großartige Gotteshäuser, an goldstrotzende, barocke Pracht beim Gottesdienst gewöhnt war, wird es für natürlich finden , daß die Monarchin , wenn sie aus den verschiedenen Berichten über die armseligen , ja der heiligen Sache manchmal geradezu unwürdigen Verhältnisse im Banat hören mußte, tief ergriffen war. Trotzdem wurde erst im März des Jahres 1771 auf Grund der eingereichten Pläne eine jährliche Erbauung von 2 Kirchen und 2 Pfarrhäusern sowie die Renovierung je einer Kirche und eines Pfarrhauses im Banat beschlossen. Zunächst mußte eine finanzielle Grundlage für diese Bauarbeiten geschaffen werden. Die ursprünglich dafür ausgesetzten 5.000 fl . im Jahr waren natürlich viel zu wenig. Es wurden also jährlich weitere 5.000 fl . ausgesetzt und bestimmt. Wie dringend notwendig die Schulräume zum Unterricht gebraucht wurden geht aus dem Schreiben des Herrn Neumann v. Buchholt vom 28. April 1771 hervor, das dieser an die Hofkammer in Wien gerichtet hatte. Er schreibt ... wie notwendig es sey, daß in den Colanistenortschaften Csatad, Groß Jecsa, Billiet und Sakelhas zur Abhaltung des Gottesdienstes eigens Bretterhütten errichtet werden und die vom Ärario nur zum U n t e r r i c h t d e r Z a h l r e i c h e n J u g e n d erbauten Schulhäuser, zu ihrer wahren Bestimmung geräumet würden. Verfügung zu Nr. 2138 . Hierüber wird dem Temeswarer Verwalteramt angeordnet, daß selbes mit zuziehung Sachverständiger, den Kostenvoranschlag für die in den genannten Ortschaften, zur Abhaltung des Gottesdienstes erforderlichen Bretterhütt~n mit einem Bericht herein begleiten. Damit haben wir auch gleichzeitig die amtliche Bestätigung, daß nicht. wie von kirchlicher Seite später behauptet wurde, der Unterricht in den Kirchen stattfand, sondern genau umgekehrt, der Gottesdienst wurde in den Schulen abgehalten! Nach langen Erwägungen und Beratungen konnte endlich im Jahre 1775 mit dem Bau der Billieter Kirche begonnen werden. Anscheinend hatte es sich doch gelohnt, lange und zähe Verhandlungen zu führen , denn nach ... der erflossenen Allerhöchsten Resolutionen von 2. July 1774, vom 16. Dezember 1775 und vom 14. September 1767 wurden zum Kirchenbaufür Billet 4.098 fl. 38 11 !1 2 kr. veranschlagt. Nach derselben Quelle aus dem Jahre 1783 wurde der Ko132
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Grundriß und Aufbau der Kolonistenkirche in Billed. ......
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Original: HKA Kartensammlung Rb 494/1-4 Ebenda Rb 54. BA F 23/74 C. S. 1767 Vgl.: .. Plän e für Kirche und pfarrhaus zu Billet" BA Fasz. 11 . 28 ex Juli 1768. Fol.
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Plan des Pfarrhofes in Billed. stenvoranschlag beim Bau der Billieter Kirche um 149 fl. 25 112 kr. überschritten. Zur Entschuldigung wurde aus Billiet vom "Karcherts Vetter Klos" , der war damals Dorfrichter, angeführt . . . das bey dem Thunne ein tieferes Fundament wegen schlechtem Grunde habe geführt werden müssen; und der Dachsaumen samt den Gradsporn der längeren Dauer wegen mit gepflanzten Schindeln wären eingedeckt worden. Erwähnt sei aber auch , daß die Kirche von Billiet schon im Jahre 1775 mit gebrannten Ziegeln errichtet wurde . Der Abglanz des barocken Wien fiel also auch in das karge Kolonistendorf auf der Banater Heide, nach Billiet. Obwohl sie nach ihrem Aussehen ärmlich und schlicht war, bedeutete der Besitz einer Kirche in jener trostlosen Zeit für die Kolonistenfamilien sehr viel. Sie gab ihnen das Gefühl der Zusammengehörigkeit und vermochte ihnen das fremde, unwirtliche Banat, das Grab der Deutschen , erst langsam zur Heimat zu machen. Wir können es uns heute nur ungefähr vorstellen, wie groß die Freude gewesen sein mochte, als Ende September des Jahres 1777 die Einwohner, Mann, Frau und Kind, mit ihrem Pfarrer Nikolaus Marx in die fertige Kirche einzogen , die von dem Domherrn Anton Spissics aus Neubeschenowa dem heiligen Erzengel Michael geweiht wurde. Es würde zu weit führen , die Kostenvoranschläge von der Kirche und dem Pfarrhof im Detail anzuführen, erwähnt sei aber, daß allein zum Aufbau der Kirche, wie sie auf der Abbildung zu sehen ist, 192 .000 Stück Ziegel , 76.000 Schindeln, 500 Fuhren Sand und 366 Kübel Kalk notwendig waren. Für das Pfarrhaus, das ebenfalls Ing. Kostka entworfen und kalkuliert hatte, waren 75 .000 Mauerziegeln, 300 Fuhren Sand, 154 Kübel Kalk und 25.500 Stück gefälzte Siebenbürger Dachschindeln notwendig. [Das stockhohe Pfarrhaus, wie es noch heute in Billiet steht, wurde erst in den Jahren 1791- 1792 errichtet.]
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Für die auf dem Grundstück des Pfarrhofes erbauten Wagenschupfen und Stallungen waren 12 .000 Stück Mauerziegeln, 8.000 Siebenbürger-gefälzte Dachschindeln, 54 Fuhren Sand und 25 Kübel Kalk notwendig . An diesen drei Gebäuden wurden die folgenden Arten und Mengen von Nägel "vernagelt" : 124.500 Stück Schindelnägel 17.500 Stück Lattennägel 215 Stück Anzugnägel 44 Stück Brucknägel Zusammen 142.259 Stück Holzmaterial Die 302 Stück 4- 7 Klafter langen Tannenstämme wurden aus Siebenbürgen auf der Marosch ins Banat und vom Maroschufer auf dem Landweg zur Baustelle nach Billiet gebracht. Ebenso die 18 Stück 5 Klafter langen Eichenstämme. Das Schnittholz wie Latten , Pfosten, Bretter und Brennholz wurde mittels Fuhrwerk aus Temeswar nach Billiet transportiert. Laut Kostenvoranschlag waren für die Errichtung der Kirche und des Pfarrhofes auf der Baustelle in Billiet die folgenden Handwerker erforderlich: Maurer, Zimmerleute, Schlosser, Tischler, Glaser, Maler und Anstreicher. Für die "Transportierung und Verstauung" dieser Handwerker waren 100 Gulden in dem Kostenvoranschlag vorgesehen . Neben den Facharbeitern gab es eine große Anzahl von Fuhrleuten mit Pferdefuhrwerken sowie Handlanger. die die Gemeinde Billiet stellte. Für die Arbeiten dieser Handlanger und Fuhrleute waren im Kostenvoranschlag ebenfalls Löhne vorgesehen . Ob und wie weit im Jahre 1775, also sieben Jahre später. von denEinwohnernun b e z a h I t e Hand- und Zugrobotverlangtwurde, ist in den Akten nicht vermerkt. Der K o s t e n v o r an s c h I a g für den Bau der Kirche wurde am 11. November 1768 it1 Temeswar von dem Provinz.-Ing. Kar! Steinlein erstellt und persönlich unterzeichnet. Die Höhe des Voranschlages betrug 2.956 fl . und 54 1 / 2 kr. Der VoranschIa g für den Pfarrhof wurde von dem Provinz.-Ing. Johann Theodor Kostka in Temeswar am 8. Jänner 1768 errechnet. Für den Pfarrhof errechnete er einen Betrag von 1.655 fl . 35 kr., für die Stallungen und Wagenschupfen 347 fl. 55 1 /4 kr., zusammen 2.003 fl. 301/ 4 kr.
Die Innenausstattung und Einrichtung der Kirche Über die Innenausstattung der Kirche sowie deren Kultgeräte, Anzahl der Bänke und Glokken usw. , das ja alles vom Ärar zur Verfügung gestellt werden sollte, ist heute nichts mehr bekannt. Erst durch die am 16. Juni 1803, also 25 Jahre später erfolgte Visitation der Billieter Kirche durch den Bischof Ladislaus Remetei Köszeghy, erfahren wir erstmals aus dessen Bericht, daß es zu diesem Zeitpunkt bereits drei Altäre , aber nur zwei Glocken in der Kirche gab. Eine der beiden Glocken war aus dem Jahre 1800, sie wog 618 Pfund und war dem heiligen Michael geweiht. Die zweite war 352 Pfund schwer und der glückseligen Maria geweiht. Über dem Eingang in der Kirche selbst standen die Worte zu lesen : Schweige' , I e i d e , hoffe , m e id e , n i c h t verzagen . 1 7 6 5- 1 7 7 5 . Aus diesen sechs Worten spricht die erschütternde Tragödie, die in den letzten zehn Jahren, seit der Ortsgründang im Jahre 1765 bis zum Bau der Kirche im Jahre 1775, über die deutschen Kolonistenfamilien in Billiet hereingebrochen war. Hier ist jeder Kommentar überflüssig .
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Die Kaiserin genehmigte den Kostenvoranschlag für die Kirche und fügte noch hinzu : Ich begnehmige den Riß und Oberschlag sub .. Lit. B und verwillige die hierzu angetragene 2.956 fl. 54 1/2 kr. Jedoch d,aß dieser Oberschlag nicht überschritten, und vielmehr hievon etwas zu erspahren getrachtet werden soll. Wien, den 14. August 1769 Maria Theresia 0 r i g in a l : HK A BA r . N r . ·1 3 7 F o l . 1 4 9 .
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Die Kolonisten in Billiet und ihre Seelsorger (1766-1837) Gemäß der Einstellung der Kaiserin Maria Theresia war es eine Selbstvei;ständlichkeit, daß die seelsorgliche Betreuung der Kolonisten von Anfang an geregelt wurde. Gute Seelsorger erschienen der Herrseherin ein Allheilmittel gegen alle Übel, daher ließ sie die Dorfschulzen ermahnen , daß sie auf guten Kirchenbesuch sehen sollten. Die Dorfgeistlichen wurden während der Freijahre- in Billiet bis einschließlich 1772- vom Staate erhalten und bekamen jährlich neben den üblichen Naturaldeputaten 200 fl. Die Stolagebühren, die für ein Begräbnis, für Trauung, Taufe und Messe je 1 fl. betrugen, sollten ursprünglich von den Kolonisten bezahlt werden. Da aber bald von den Pfarrern Beschwerden einliefen, daß die meist armen Ansiedler kein Geld hatten und die Stolagebür schuldig blieben [HS 494], und die Eintreibung durch habgierige Pfarrer starke Unzufriedenheiten auftreten ließen , nahm das Ärar schließlich auch diese Ausgaben für die Zeit der Freijahre auf sich. Die Diözese verfügte aber in den ersten Jahrzehnten nicht über genügend katholische Priester und so behalf man sich mit aus den verschiedenen Provinzen der Monarchie kommenden Ordensgeistlichen, die in den meisten Fällen die deutsche Sprache nur mangelhaft oder auch garnicht beherrschten. Einige deutsche Priester kamen gleich mit ihren Gläubigen aus Österreich und dem deutschen Reich ins Banat, aber den großen Priestermangel konnten sie nicht beheben . So kam es dann auch, daß Billiet nach der Ortsgründung im Jahre 1765 bis zum 9. September 1766 als Filiale der Pfarre von Neubeschenowa geführt und von dort seelsorgerisch betreut wurde. An diesem 9. September kam der Franziskanermönch Gabriel Komdörfer aus dem Kloster des Hl. Johann v. Nepomuk aus Temeswar nach Billiet und legte den Grundstein zur Pfarre. Er legte die ersten Matrikelbücher an und schuf damit das Standesamt von Billiet. Was wir diesem ersten Pionier der Seelsorge für seine auf diesem Gebiet vollbrachten Leistungen zu danken haben , können wir erst ermessen, wenn wir heute, nach 200 Jahren , in diesen Büchern blättern und die mit viel Mühe und Sorgfalt gemachten Eintragungen studieren . Bereitsam 28. September 1766 hatte der Franziskanermönch Philippus Pschortsch das Seelsorgeramt von Komdörfer übernommen. Wenn wir die Namensliste der einst in Billiet tätigen Pfarrer und Seelsorger durchsehen, so können wir feststellen , daß allein in den ersten 70 Jahren, bis zur großen Visitation und Bestandsaufnahme der Pfarre von Billiet durch Bischof Lonovics, 17 verschiedene Geistliche hier das Amt eines Priesters ausübten. Der erste Priester der in Billiet verstorben ist war Paul Herics, [Sterics] im Jahre 1768, er ist bereits nach einem Jahr an dem Ort seiner Tätigkeit gestorben . Erwähnt sei auch, daß Pfarrer Nikolaus Marx [1772-1789] bereits den Pfarrhof und Garten mit Obstbäumen bepflanzte. Noch im selben Jahr, als das Banat aufhörte ein selbständiges Kronland der Habsburger Monarchie zu sein und an Ungarn angeschlossen wurde, besichtigte der Csanader Bischof Emmerich Christovieh am 22. Juni 1778 Billiet. In seinem Visitationsbericht lobt der Bischof die Frömmigkeit sowie das moralische und religiöse Verhalten der deutschen Bevölkerung. Es ist wohl das erste aber auch das beste Zeugnis, das je ein Bischof unseren Vorfahren ausgestellt hat, wenn er in seinem Protokoll u. a. berichtet: .. . Das Volk kennt kein Fluchen oder Skandale, kein Aberglauben, kein Wucher, im ganzen Dorf gibt es keine Konkubinate, ja nicht einmal Verdiichtige zum Konkubinat sind zu finden . Es sind in der ganzen Pfarre keine die ihre Eltern schlagen oder mißhandeln, auch gibt es keine Betrüger und keine Schwindler. Über das erste Pfarrhaus schreibt er, daß es eng und nieder war und durch Regen unbrauchbar wurde . Pfarrer Marx wohnte dann in einem kleinen Bauernhaus neben einem Wirtshaus, an der Stelle der heutigen Stallungen des Pfarrhofs [Heute neben Haus Nr. 240 ]. Eine zweite offizielle Visitation hielt der Bischof Christovieh am 19. April 1784 in der Pfarre zu Billiet ab. Am 1. November 1790 erhielt der Billieter Pfarrer 300 fl. in barem Gelde, sowie 30 p .m. [Preßburger Metzen] Fruchtgetreide, 50 pm. Hafer, 20 p.m. Mais, 15 Schober Heu, 15 Öl Holz und 10 ako Wein. · 137
Das erste und schönste Ereignis, nach all den Jahren der bittersten Not, war wohl die am 17. Mai 1803 erfolgte Erhebung von Billiet zum Dekanat, die Bisci;JOf Remetei Köszeghy Laszlo anläßlich einer Visitation der Pfarre ausgesprochen hatte. Diese Gelegenheit hat der Bischof benützt, um den Pfarrer Georg Karg, im Beisein der Bevölkerung, zum Dechant zu ernennen. Zu seinem Dechantamt zählten folgende Gemeinden : Bogarosch, Gottlob, Lovrin, Perjamosch , Varjasch , Jecsa und Gyertyamos. Im Laufe der 200jährigen Geschichte der Billieter Kirche gehörten ihr folgende Filialkirchen an : Pakacs, Peszak, Knez und Sandorhaza. Peszak gehörte nur ganz kurze Zeit zu Billied, Knez bis 1823 und Sandorhaza bis 1837.
Das Schulwesen von Billiet ( 17 65-177 8) Viel rascher als an die Erbauung der Kirche schritt man in Billiet an die Erbauung der Schule. schon deshalb. weil man das Schulhaus gleichzeitig für gottesdienstliche Zwecke verwendete . indem man einen Teil der Scheidemauem wegließ um einen möglichst großen Raum zu gewinnen . der dann eben zum Kultgebrauch herangezogen wurde. Kempelen berichtete bereits im Jahre 1767 in seiner ,. Relation" darüber. Aus derselben Quelle erfahren wir auch etwas über den ersten Anwärter auf die Lehrerstelle in Billiet. den er "wegen schlechter Handschrift und weil dieser in der Rechenkunst keine Erfahrung hatte," ablehnte. Die meisten deutschen Kolonisten waren schreibkundig und daher ist es verständlich. daß Kempelen dem damaligen Pfarrer von Billiet. Paul Herics. beauftragte : "Sorge zu tragen, daß ein guter Schulmeister um so viel eher aufgenommen werde als die Leute einhellig wünschten ihre Kinder in die Schule schicken zu können ."
In den Jahren der Ansiedlung kamen auch einige Lehrer aus der alten Heimat mit ins Banat. aber die waren fast alle ohne ordentliche Befähigung, sie handhabten ihr Werk wie alle Handwerksmeister. sie waren eben Schulmeister, Kantor, Glöckner und Gemeindeschreiber zugleich. Die beiden ersten in der Schule von Billiet tätigen Schulmeister scheinen im amtlichen Lehrerverzeichnis der Schule nicht auf. Sie sind im Trubel des " Massensterbens" untergegangen . Der aus Lothringen stammende und in Billiet eingewanderte Mathias Krauser, kann wohl als erster Schulmeister von Billiet angesehen werden. Er ist aber schon am 29. April 1771, im Alter von 38 Jahren . hier verstorben. Neben den amtlichen Eintragungen im Sterbematrikelbuch. hat der Pfarrer noch vermerkt: " Ludi magister huius" [Hiesiger Schulmeister]. Als der Schulmeister Mathias Krauser erkrankte und seinen Dien st nicht mehr ausüben konnte . wurde er von dem Schulmeister Grabhorn [Grabhem ?] abgelöst. Zwischen dem damaligen Pfarrer von Billiet und dem Schulmeister Grabhorn kam es aber zu Meinungsverschiedenheiten . Der Pfarrer setzte , gegen den Willen der Bevölkerung, den Schulmeister auf die Straße und machte ihn brotlos. Mit dieser Maßnahme des Herrn Pfarrers war die Bevölkerung von Billiet überhaupt nicht einverstanden und ließ durch den Distriktsverwalter Knoll bei der Landesadministration in Temeswar Einspruch erheben. Im Sitzungsprotokoll der Landesadministration vom 26. April 1771 heißt es unter der Akt-Nr. 2120: Das Temeswarer Verwalteramt berichtet vom 22. Apri/1771, daß die Billieter Gemeinde wegen der Aufführung und nachhineinigen Entlassung des dortigen Schulmeisters Grabhorn vernommen habe, daß sie gegen dessen bisherigen Betragen nichts auszustellen gehabt, und seine Entlassung blos durch den Pfarrer veranlaßt worden sey. Rückanzufügen zu Nr. 2120. Nachdem diese Gemeinde Billiet wider den unschuldig abgesetzten Schulmeister Grabhorn nicht die mindeste Beschwerdeführung anzubringen weiß, und der dortige Seelsorger garnicht befugt ist, aus wes immer für einer Ursache den Schulmeister seines Dienstes zu entsetzen, wohl aber bei vermeintlich haben eines Grundes seine Klage bei den Behörden anhängig zu machen. So hat das Verwalteramt diesen um den bereits vergebenen Klein-Jecsaer Schuldienst eingekommenen Grabhorn in loco Billiet wieder anzustellen. Ebenso wie die Geistlichen wurden auch di e Schulmeister während der Freijahre vom Ärar bezahlt. Sie erhielten neben Haus und Hof 60 fl . jährlich [I. H. I.] . Später wurde diese Summe von der Gemeinde auf 100 fl ., 60 Metzen Früchte und 6 Klafter Holz erhöht [ 1778].
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Maria Theresia ordnete im Banat die allgemeine Schulpflicht an, zunächst nur für die männliche Jugend auf 4--5 Wintermonate . Später wurde die Schulzeit auf 8-9 Monate und auch für Mädchen verpflichtend ausgedehnt . Im letzten Jahrzehnt ihrer Regierung legte sie das Fundament für die staatliche Schulaufsicht. Am 6. Dezember 1774 trat die allgemeine Schulordnung für die deutschen niederen Schulen in sämtlichen Erbländern in Kraft. Der Name Maria Theresia ist auch im Banat mit der Reform des Volksschulwesens verknüpft. Bedingt durch den ständigen Zuwachs der Schulkinder mußte im Jahre 1791 eine zweite Klasse neben der ersten errichtet werden. Heute Hausnummer 473 und 474 , Klein /Mann . Bei der Ortsgründung hatte dieses Grundstück die Hausnummer 46 und ab dem Jahre 1833 bis 1926 die Nummer 51. Bewohnt wurde das Haus von der Familie Johannes Barth. die aus Tötern, Kreis Birkenfeld. Rheinprovinz, nach Billiet eingewandert ist. Im Jahre 1798 wurde auf Beschluß des Kaisers die Billieter Schule hinter der Kirche aus Ziegeln neu aufgebaut . Durch den Türkenkrieg wurde die Fertigstellung des Gebäudes verzögert, so daß nach der Übernahme des gesamten Dorfes durch das Agramer Bistum, im Jahre 1800, die Gemeinde für die Baukosten selbst aufkommen mußte. Erst ab diesem Jahr wurde der Unterricht aus der Schule in der Altgasse in die neue Schule neben der Kirche, verlegt. Nach einer Statistik hatte Billiet im Jahre 1778. beim Anschluß des Banats an Ungarn. 262 Häuser mit 145 schulpflichtigen Kindern. Mit dieser Zahl an Kindern lag Billiet im Mittelfeld der Heidegemeinden . Wenn wir uns vorstellen. daß heute eine Lehrkraft höchstens 30-35 Kinder in einer Klasse unterrichtet, so bekommen wir ein Bild. wie es damals mit dem Unterricht bestellt war.
Das erste Ortssiegel von Billiet Kleine Zeugen einer großen Vergangenheit (1772) Das erste Orts- und Amtssiegel von Billiet war ein Rundsiegel mit einem Durchmesser von 25 Millimetern. Die Umschrift [Legende] lautete: SIGL TOC 1772 Billiet Dorf. Das Siegelbild, das als Symbol einen Vogel mit einem Pflugschar im Schnabel darstellt, hat in einem von der Wirklichkeit des Heidebodens gegebenen Zusammenhang seine Bedeutung.
Bei diesem Symbol kann mit Sicherheit bestimmt werden : a) der Vogel als solcher und b) das eiserne Pflugschar. Die Gattung des Vogels ist der Undeutlichkeil wegen nicht zu präzisieren . Es besteht die Möglichkeit ihn in die Gruppe der Storchvögel einzureihen die in wasserreichen Gegenden, wie zum Beispiel Billiet, lebten. Hier gab es bekanntlich ganze Reiherkolonien , wie Störche, Fischreiher, Silberreiher, Nachtreiher, Löffler usw ., die sich von den Fischen und sonstigen Wassertieren derMarasch ernährten. Die zweite Möglichkeit ist die, daß der Vogel der Gruppe der Groß- und Zwergtrappen angehört, der sich von Pflanzen ernährte und ein Steppenvogel ist. Er lebte in den Graslandschaften der Banater Heide und war in Billiet unter dem Namen "Trappgans" bekannt. Sein plumper
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Körper, der von langen , kräftigen Beinen mit starken, stumpfen Krallen getragen wird, schließt es nicht aus, daß der Vogel im Ortssiegel von Billiet eine Trappe sein konnte. Das eiserne Pflugschar, Symbol der Landwirtschaft, im Schnabel des Vogels, fällt nicht schwer zu deuten . In der Zeit, in der dieses Symbol im Ortssiegel von Billiet entstanden ist, lautete noch das goldene Grundprinzip : Die Landwirtschaft sei die Quelle des Wohlstandes der Völker. Beide Siegelsymbole deuten auf Ackerbau, Fischfang und Jagd hin , die damals die Hauptquellen des Nahrungserwerbs der Billieter Kolonisten darstellten. Der S-förmig gekrümmte Hals des Vogels, die offenen ausgebreiteten Flügel und die Stellung der Stelzbeine deuten darauf hin, daß er eben aus der Luft kommend auf dem Heideboden landete. Das eiserne Pflugschar bedeutete das Ende der bisherigen mittelalterlichen e x t e n s i v e n Weidewirtschaft und der Beginn der i n t e n s i v e n Bodenbewirtschaftung in Billiet. Abschließend wollen wir Stephan Augsburger [geb. 1840] mit seinen so treffenden Worten zur Legende des Ortssiegels von Billiet zu uns sprechen lassen : "NICHT MIT DEM SCHWERTE, MIT DEM PFLUGSCHAR EROBERT, KINDER DES FRIEDENS, HELDEN DER ARBEIT' .
Der Ortsname Billed im Wandel der Zeit Seine Herkunft und seine Bedeutung Goethe: Wir suchen die Dinge zu benennen , Und glauben am Namen sie zu kennen, Wer tiefer sieht, gesteht es frei: Es bleibt immer was Anonymes dabei. Eine erste Kunde über Billed gibt uns die .. Geschichte der Stadt Groß Kikinda", in der Bi IIed mit weiteren 31 Ortschaften schon vor 575 Jahren. im Jahre 1404. genannt wird . Damals hieß der Ort B y I y e d . Dienächste Erwähnungstammtaus dem Jahre 1462mitder Schreibweise B y I y e d. Sie ist im II. Band des Sammelwerkes der alten geographischen Namen Ungarns von Csanki enthalten und beweist den Namensfortbestand aus der Zeit vor den Türkenkriegen. Die amtliche Schreibweise des Ortsnamens Billed hat sich in diesen 575 Jahren oft geändert. Auf der amtlichen Müller-Karte im Jahre 1709 schrieb man Be II i e t, auf der amtlichen Mercy- Karte im Jahre 1720 steht Bi II i e t, auf dem Dorfsiegel von Billed im Jahre 1772 ebenfalls Bi II i e t; die Herrschaft von Billed im Jahre 1828 schrieb Bi II i e t h, das Pfarramt im Jahre 1835 schrieb Bi II e t, im Geograph. Lexikon des Königreichs Ungarn von Viktor Hornyansky im Jahre 1864 steht B i II j e t; auf der Ethnogr. und topogr. Beschreibung der Gemeinde Billet im Jahre 1859/60 steht Bi 11 e t, die amtliche Schreibweise in Ungarn ab dem Jahre 1867 war Bi 11 e d; die amtliche Schreibweise in Rumänien ab dem Jahre 1920 warB i 1 e d. Für die Erklärung der Bedeutung und Herkunft des Namens sind die abweichenden Schreibweisen nicht maßgebend, denn in Wirklichkeit ist der Wechsel von t und d kein Problem. Auch b und p, g und k, i, y und j ändern oft die Schreibart eines Wortes. die Verschiedenheit der Sprachform wechselt also auch zwischen Billyed und Bylyed, zwischen Billjet und Billieth. Beobachten oder erinnern wir uns, wie im Banat die Mundart oft von Dorf zu Dorf verschieden ist. Noch mehr tritt die Verschiedenheit hervor, wenn ein Rumäne, Ungar oder Slave deutsch spricht und umgekehrt. Auf dem Balkan begegnen wir neben der rumänischen und ungarischen Schrift auch noch zwei nichtlateinischen Schriften, der kyrillischen und der griechischen Schrift. Dadurch werden die Probleme der Schreibung und Aussprache bei der Ortsnamengebung noch viel schwieriger, sodaß bei der Übertragung fremder, nichtlateinisch geschriebener Namen in die lateinische Schrift bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt werden . So schreibt zum Beispiel G r i seI in i 14 Jahre nach der Ortsgründung von Billiet bei seinem Aufenthalt in Temeswar [ 1779] u. a . ... 140
Knoll erbauteBille setmit 254 Wohnhäusern ... Ausall dem können wir ersehen, daß wir in der Erforschung des Ortsnamens Bi II e d über Vermutungen nicht viel hinaus kommen. Wie wir aus dem ersten Abschnitt ersehen konnten, waren in den frühesten Zeiten die verschiedensten Völkerstämme entweder dauernd oder vorübergehend im Banat seßhaft, viele nur auf Kriegszügen das Land durchstreifend. So ziemlich an alle diese verschiedenen Völker werden wir erinnert, wenn wir die geographischen Namen im Banat durchschauen. Bei den ersten Bewohnern von Billiet handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um orthodoxe Slaven, die aus den türkisch gewordenenGebieten über die Donau ins Banat herüberwechselten, ohne ihren orthodoxen Glauben preiszugeben, was für die Feststellung der Herkunft des Ortsnamens großen Wert besitzt. Die den slavischen Orts-, Flur- und Flußnamen zugrundeliegenden Vorstellungen sind unter anderem die Farbenbezeichnungen und da wieder in erster Linie schwarz, weiß, braun und rot. Wenn wir nun zur Kontrolle die diesem Buche beiliegende Karte von Billed mit den historischen Namen zur Hand nehmen und betrachten, so können wir leicht feststellen, daß wir in Billed ein "Schwarzes Wasser" und eine "Cerna bara" haben oder hatten. Cerna bedeutet ebenfalls schwarz und das Wort " bara" stammt aus dem Slavischen und bedeutet soviel wie sumpfig, Sumpf mit Marschland, bara = Schranken, bara'j = Talsperre. In Billed gibt es auch einen Jergraben. Jerube heißt Rebhuhn und kommt ebenfalls aus dem Slavischen . [Vgl. Jereb- bulg. und slov., Jerabek- tschech., Jerube- ukrain., Jerebica :.. _ östl.] Das Sumpfgebietzwischen Billed und Kleinbetschkerek mit dem schönen Namen "Verde-eau" dürfte seinen Namen von den Rumänen oder von den später ins Banat gekommenen Franzosen bekommen haben. "Verde-eau" heißt zu deutsch "grünes Wasser", stehendes oder fließendes Wasser. Und damit sind wir schon bei dem Ortsnamen Billyet oder auch Bellyet angelangt. Bely kommt aus dem altslavischen und heißt weiß, auch glänzend; led, lyet bedeutet Eis. Aber auch bil, bilo, bila, bily, biel kommt aus dem Slavischen und heißt ebenfalls weiß . Es ist daher anzunehmen, daß es im tiefsten Winter war, als Bellyet unter einer weißen und glänzenden Eisdecke derMarasch lag und die dort jagenden Jäger oder auch Hirten diesem Dorf seinen Namen gaben: Be 1-1 e d =weißes Eis. Ähnliche Vergleiche gibt es noch mit: Bel-Grad Weiße-Stadt Bela-Voda Weißes-Wasser Bela-Pec Weißen-Fels Bily-Potok Weiß-Bach Bela-Crkva Weiß-Kirchen Bily-Kostel Weißes-Kastell usw. Es ist natürlich und auch sehr oft der Fall. daß die Späterkommenden den vorgefundenen Namen ihrer Sprache anpassen. sei es lautlich oder mit Umdeutung. oder daß sie ihn gleich aus der slavischen Sprache in ihre eigene übersetzten . Die erste nachweisliche amtliche Umgestaltung des Ortsnamens von Billet erfolgte 1834/35. Mit der Zustimmung und dem Einverständnis des kirchlichen Ordinariats wurde der Ortsname auf Billet abgeändert. um dann im Jahre 1867. nach dem Ausgleich mit Österreich von der amtlichen ungarischen Schreibweise Billed abgelöst zu werden. Die dritte amtliche Änderung der Schreibweise des Ortsnamens Billederfolgte mit dem Anschluß des Banats an Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg. Der ursprünglich aus sieben Buchstaben bestehende Name wurde wieder um einen Buchstaben gekürzt "und dann waren es nur noch fünf". Heute schreibt man Biled. Gustav Kisch leitet in seiner Arbeit "Das Banat im Spiegel seiner Ortsnamen" den Ortsnamen Biled. madjarisch Billed. von einem Personennamen Bilyj [weiß] ab. das auslautende d betrachtet er als eine madjarische Endung. die zur Bildung von Ortsnamen diente .
Graf Beled und der Ortsname Belliet im Jahre 808 Aus weiteren Urkunden ergibt sich. daß der Personenname Beled sich bei dem Geschlecht Os! in mehreren Generationen wiederholte. und daß der Ortsname einfach den Namen des ersten Besitzers darstellt. Ungarischerseits hält man das Geschlecht Os! für petschenegisch und will den Personennamen Beled von bei- Inneres. Eingeweide. Innereien . Darm. ableiten.
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Dagegen spricht Dr. Fritz Zimmermann. Wien . in einer Arbeit. die er mir freundlicherweise zur Verfügung stellte und die ich gekürzt und sinngemäß wiedergebe . daß der Name des Grafen Beled sich im Stammgebiet des Geschlechts Osl findet und dessen ältester Ahnherr bereits im Jahre 808 als Adalo in dieser Gegend genannt wird. Sein Ursprung geht auf einen Angehörigen des Hochadels der Karolingerzeit zurück. der im Feldzug gegen die Awaren 791 - 803 unter König Pippin kämpfte. Jedenfalls heißt das spätmittelalterliche Adelsgeschlecht das die Ungarn Osl nennen und dem auch der Zweig Beled angehört. richtig Adalinger. nach dem im Jahre 808 genannten Adalo. Geht nun tatsächlich auf dieses Geschlecht der Adalinger auch Billed im Banat zurück. so können wir annehmen. daß es um das Jahr 800 gemeinsam mit Alramsburg. heute Arad im Banat. Baldrichsburg in der Batschka. Wazenburg . später Waitzen am Donauknie in Ungarn. und auf Klein-Kikinda. vormals Basahida. wo heute der Ort Lovrin liegt. gegründet wurde. Es bestanden und bestehen noch heute im ehemaligen österreichisch-ungarischen Gebiet viele Orte. deren sprachlicher Zusammenhang mit unserem Billed offenkundig ist. So erhielt Prinz Eugen von Kaiser Karl VI. ein großes Gut im Mündungswinkel der Drau in die Donau mit dem Namen .. Bellye" zum Geschenk. Bereits im Mittelalter gab es im Banat einen Grafen Egrisch von Eileden sowie in der Provinz "Zomboriensi" in der Batschka ein Prädio Bility. Im südlichen Burgenland liegt der Ort Bildein, der im Jahre 1221 Belud, 1369 Belyd und zuletzt amtlich Beled geheißen hat. Wie sich der Name "Billiet" als Familienname bis zum heutigen Tag erhalten hat, zeigen uns die Buchautoren: Billeter Gustav, Billeter A ., Billeter Johann Kaspar, Billiet Clement, Billiet Alois und Pillet. Im amtlichen Telefonbuch der Stadt Wien 1980 scheint der Familienname Billieth zweimal auf. Wie wir sehen. ist es unmöglich. in diese dunkle Frage volles Licht zu bringen. und wenn ich trotz aller Anstrengungen nichts endgültiges erreichen konnte . so muß man dies der Tatsache zuschreiben . daß die Qelle zu unserem Ortsnamen Billed mit Sicherheit bis zum Jahre 1400. al so 580 Jahre. zurückliegt . Wie wir sehen . ist es nicht ausgeschlossen . daß es bereitsamAnfang des 9. Jh .s einen Ort mit dem Namen Beled gegeben hat. wo heute unser Billed liegt. So können wir auch abschließend mit Goethe sagen: .. Grau Freund ist jede Theorie."
Die Einstellung der Kolonistenwerbung und das Ende des Großen Schwabenzuges ( 1771) Inzwischen waren die Not und das Elend unter den in den verschiedensten Ortschaften einquartierten Einwanderern ins Unermeßliche gestiegen und es war höchste Zeit. daß die bereits im Sommer des Jahres 1770 von Kempelen dringend empfohlene Einstellung der Kolonistenwerbung in die Wege geleitet und die Unterstützung der Einwanderer abgestellt wurde. Im Februar 1771 ergingen die entsprechenden Weisungen von Wien aus. Bereits im Jahre 1770 wurden die Prädienorte Klein-Jecsa. Heufeld und Mastort im Temeser Distrikt. Marienfeld und Albrechtsflur im Csanader Distrikt und Blumenthai und Seegenthau im Lippaer Distrikt fertiggestellt und mit Kolonistenfamilien besiedelt. Im Sommer des Jahres 1771 wurden im Csanader Distrikt die Prädienorte St. Hubert. Seultour und Charleville gegründet und mit französischen Siedlern besetzt. Im Lippaer Distrikt wurden Wiesenhaid und Kreuzstätten und im Berexovaer Tal Lichtenwald. Buchberg. Neuhof. Klein-Aitringen. Charlottenburg. Königshof und Greifental gegründet. 142
Im Herbst des Jahres 1772 standen die Prädiendörfer Triebswetter und Gottlob im Csanader Distrikt fertig . Nur der Ort Ostern wurde nicht mehr planmäßig ausgebaut. da zu diesem Zeitpunkt sich die Einstellung der Kolonistenwerbung ausgewirkt hatte und die Einwanderung praktisch auf den Nullpunkt gesunken war. Damit kon nte der ..Große Schwabenzug" ins Banat als beendet betrachtet werden und es wurde in den nächsten beiden Jahren. 1773 und 1774. bewußt in das Stadium der Liq uidierung der Ansiedlungsaktion und ihrer Maßnahmen eingetreten . Wie uns die folgende Aufstellung des Calculators Johann Adam Martin. ausgestell t in Temesvar am 8. Mai 1773. zeigt. wurden in den 10 Jahren von 1762 bis Ende Dezember 1772. 31 Orte und 27 Zusiedlungen mit 5659 neuen Bauernhäusern . 9 Pfarrhäusern. 26 Schulhäusern und 17 Wirtshäusern errichtet. Aufsatz über die in dem Temesvarer Banat ab anno 1762 bis Ende Dezember 1772 teils ganz neu gebauten und teils zugebaut wardenen Kolonisten-Dorfschaften, dann wieviel in solchen Kolonistenhäuser sowohl als Pfarr-, Schul- und Wirtshäuser gebaut und erstere mit Kolonistenfamilien besetzt worden sind Angelegt: 1765 1766
1767 1768 1769 1770
1771
1772
Neu erbaute Ortschaften: Billiet Hatzfeld Szakelhaz Engelbrunn Schöndorf Csatad Groß-Jecsa Grabaz Bogarosch Klein-Jecsa Heufeld Mastort Manenfeld A lbrechtsflur Blumenthai Seegenthau St. Hubert Seultour Charleville Wiesenhaid Kreuzstätten Lichtenwald Buchberg Neuhof Klein-A ltringen Charlottenburg Königshafen Greifenthai Triebswetter Gottlob Ostern Zusammen
Kol.-
252 402 300 106 210 202 202 202 200 100 78 78 123 78 93 75 75 62 62 98 63 40 30 30 30 30 30 30 200 200 50 3731
Pfarr-
Schulhäuser:
1 1 1
1 1 1
-
-
Wirts-
-
1 -
-
-
1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1
-
-
-
-
-
-
-
1 1 -
-
1
-
-
-
-
-
-
1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1
1 1
-
1 1
-
-
-
-
-
-
1 1 1
1 1 1
-
9
26
17
1 1
Z usammen 254 405 302 106 211 204 204 203 201 101 80 80 125 80 95 77 78 64 64 100 65 42 30 30 32 32 30 30 203 203 52 3783 143
Jahr
Zugebaute Dorfschaften:
Häuser
1762
Neu-Arad Gutenbrunn Besehenova Mercydorf St. Peter Jarmatha Bruckenau Rekas Ujpecs Werschetz Gutricz Weiskirchen Lugasch Temesvarer Mayerhöf St. Andras Saderlak Freydorf Lippa Detta Mehadia Groß-Becskerek Periamosch Neudorf Groß St. Miklos Csanad Csakova Facset
42 148 104 443 34 235 92 42 9 30 5 4 9 20 34 5 19 71 21 4 4 74 148 152 139 5 35 1928 5659
1763
1764 1764
1765
1766 1767
Zusammen Temesvar, 8. Mai 1773 Gez.: Johann Adam Martin Calculator
Was kostete dem Staat die Ansiedlung des Musterdorfes Billiet? Kempelen errechnete den gesamten Ausgabenstand bis einschließlich September 1767, der für die lmpopulation im Banat aufgelaufen war, mit 800.000 fl. [HS 494] . 1m Jahre 1768 nannte Joseph II. einen Betrag von 900.000 fl ., ein Jahr später nannte Buchhalter Wolf die Ziffer von 1 Million fl . Im Oktober 1771 hatte Kraußberger auf Grund seiner Erhebungen für die abgelaufenen acht Jahre insgesamt 1,400.000 fl . Ausgaben für die lmpopulation errechnet. Alles in allem wird man nicht weit fehlgehen , wenn man die Ziffern für die Jahre 1772, 1773 und 177 4 dazuzählt, daß die ganze Ansiedlung etwa 2 Millionen fl. gekostet hat. 144
Die Gesamtzahl der in dieser Zeit erbauten Häuser beträgt 5.659, das ergibteinen Durchschnitt von rund 350 fl . je Haus und Hof. Das Reisegeld von Wien ins Banat betrug 6 fl. je Familie . Alle anderen Kosten für die Verpflegung in Billied, die Medikamente und der Spitalsaufenthalt. Haus- und Ackergeräte, Pferde, Kühe, Saatfrucht usw . wurde den Kolonisten nur in der Form eines Darlehens übergeben und mußte dem Staate wieder ersetzt werden. Demnach hatte der Staat für die Ortsgründung von Billiet folgende Summen ausgegeben: 252 Häuser a 350 fl. 88.200.- fl. 252 Reisespesen. Wien-Temeswar a 6 fl . je Familie 1.512.- fl. 89.712,- fl. Dazu kommen die Kosten für die im Jahre 1777 2.956,-fl. fertiggesteH te Kirche 1.655,- fl. Pfarrhof 347,-fl. Stallung und Wagenschuppen 1.800,- fl . Schule und Schuleinrichtung [geschätzt] 200,-fl. FeueiWehrgeräte [geschätzt] 149.-fl. Der Kostenvoranschlag der Kirche wurde überzogen. um Zusammen 96.819.-fl. Das entspricht einem Durchschnittsbetrag von 384 fl. je Haus.
Kritik und Wertung des "Großen Schwabenzuges" Der unbarmherzigste Richter über die Besiedlung des Banats war Joseph II., der auf seiner im Jahre 1768 ins Banat und nach Siebenbürgen unternommenen Reise durch mehrere Tage Gelegenheit hatte. die Ansiedlung aus nächster Nähe zu studieren und der bei seiner zweiten Durchreise im Jahre 1770 und der dritten im Jahre 1773 nach Abschluß der Ansiedlung sein seinerzeit gewonnenes Urteil neu bestätigt zu finden glaubte . Er. der viel Verständnis für die im Klima des Landes gelegenen Schwierigkeiten aufbrachte und auch wußte. daß unter den in Temeswar geborenen Personen sich keine drei befanden. die über 30 Jahre alt geworden waren. faßte seine Eindrücke so zusammen. daß er erklärte, es seien nie .. 900.000 fl. schlechter. unnützer und ungeschickter veiWendet worden . als bei diesem Impopulationsgeschäft!" . In den Jahren von 1930 bis 1945 hätte man sich, im Hinblick auf das Aufblühen der deutschen Siedlungen im Banat diesem so scharf pointierten Urteil nicht anschließen können, doch seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wissen wir es genau, wie Recht der Kaiser mit dieser Äußerung hatte. Es ist nun einmal eine Tatsache.· daß die Gedankengänge. auf denen die Finanzierung der Ansiedlung aufgebaut war. eine rein geschäftliche Spekulation darstellten. Man rechnete einfach damit. alle Barauslagen . die man für die Besiedlung geleistet hatte, auf dem Wege der VorschuBrückzahlung in einem Zeitraum von längstens 20 Jahren wieder erhalten zu haben . Was aber unbedingt zu verurteilen ist. war die Art und Weise. in der dieses Geschäft- und ein solches war es schließlich- mit dem anderen Partner. dem Ansiedler, abgeschlossen wurde. Sie, die in ihrer alten Heimat Haus und Hof verließen. die Strapazen einer langen Reise auf sich nahmen und dann im Banat das Elend und die gesundheitlichen Gefahren der Kolonisation zu tragen hatten , waren über die Verpflichtungen . die sie ohne gefragt zu werden einzugehen gezwungen wurden. in keiner Weise unterrichtet. Den Kolonistenwerbern war nach Erhalt der Avertissements ausdrücklich eingeschärft worden. ja nichts Gedrucktes oder Geschriebenes aus der Hand zu geben . Man kann sich denken. daß diese Werber. die ihr Geschäft gegen Provisionszahlung betrieben. ihre Leute durch bedenkliche Versprechungen ins Netz lockten. Sie brauchten dabei gar nicht zu lügen . Sie konnten der Wahrheit gemäß verkünden . daß die Ansiedler im Banat. neben Haus. Hof. Vieh und Geräten auch Saatgut und Verpflegung durch viele Jahre erhielten . Nur 145
der Umstand. daß dies alles nur auf Kreditverabreicht wurde, brauchte verschwiegen zu werden. Diese Methode lag nicht sehr weit von Betrug und Menschenhandel. Durch raffiniert getarnte Lügen und Täuschungsmanöver wurden die Menschen in die Irre geleitet und an der Nase herumgeführt. Die Ansiedler waren einfach nicht in der Lage. aus dem Ertrag des erst urbar gemachten Bodens sich selbst zu erhalten. Steuern zu bezahlen und darüber hinaus noch alle Lasten die ihnen eine unfähige Verwaltung in den Elendsjahren der Ansiedlung aufgebürdet hatte zurückzuzahlen. Wohl war eine Reihe von Großdörfern erstellt. riesige Flächen bevölkert und dem Banat für alle Zeiten der Stempel eines besonderen Siedlungsbildes aufgedrückt worden. aber der Preis. den die Angesiedelten dafür bezahlen mußten. entsprach nicht annähernd dem. was heute den Nachkommen dieser ersten Kolonisten noch gehört . Kaiser Joseph II. bezeichnete es als bestes Mi t t e I, wenn man das ganze Land stückweise an die ungarischen Magnaten verkauft, was ja dann ab dem Jahre 1778 tatsächlich geschehen ist.
Verdammt, verloren, verlassen. Die das Glück suchten und den Tod fanden. Wenn das deutsche Kolonistendorf Billiet von der Kaiserin Maria Theresia persönlich zum Musterdorf im Banat erklärt wurde und man dies durch den Einsatz deutscher Bauern und Handwerker in die Tat umsetzte, so müssen auch die Opfer genannt werden, die diese Kolonisten zu bringen hatten. In Billiet waren in den 252 Kolonistenhäusern durchschnittlich eintausend Personen untergebracht. Von diesen ersten Einwohnern sind in den ersten sechs Jahren , von 1765-1770, allein 758 gestorben. Das heißt mit anderen Worten, daß von 100 Angesiedelten 76 an den verschiedensten Krankheiten zu Grunde gingen , viele sind aus Mangel an Nahrung umgekommen. Von den nach und nach in Billiet angesiedelten Kolonisten starben im Jahre 1765 107 Personen, im ganzen Banat 334 1766 98 Personen , im ganzen Banat 790 1767 167 Personen, Hier gehn die Meldungen der Standeslisten auseinander. 1768 86 Personen, 1769 40 Personen, 260 Personen, 1770 758 Personen Die Sterblichkeit war in allen Prädiendörfern auf der Heide weit höher als im übrigen Banat. Durch das große Massensterben war auf der ganzen Heide der Totenkult vollkommen verwildert und Kaiser Joseph II. sah sich anläßtich seiner Reise durch das Banat veranlaßt, eine eigene Verordnung zu erlassen in der er befahl, daß die Toten wenigstens 3 Schuh tief einzugraben seien. Gerade diese hohen Sterblichkeitsziffern wurden zu einem Kriterium der theresianischen Besiedlung des Banats, ganz speziell auf der Heide. Es liegen in den Banater Akten im Hofkammerarchiv in Wien nur Bruchstücke von Angaben vor, da die Verantwortlichen Stellen in Temeswar und im Banat über dieses traurige Kapitel nach Möglichkeit einen dichten Schleier zu legen suchten. Die Billieter Sterbematrikelbücher aus dieser Zeit sprechen aber eine klare und deutliche Sprache. Die hier verzeichneten Toten sind an den verschiedensten Krankheiten gestorben, die meisten an dem verrufenen "Banater Fieber", Sumpffieber, Wechselfieber, Malaria, Diphtherie, Pocken und Kindbettfieber. So komisch es vielleicht klingen mag, aber auch an Altersschwäche sind in dieser Zeit zwei Menschen gestorben. Am 3. November 1766 starb die aus Lothringen nach Billiet eingewanderte 76jährige Barbara Wild und am 25. März 1767 ist der aus Westfalen ausgewanderte Melchior Flegel im Alter von 106 Jahren an Altersschwäche gestorben. Der Seelsorger Paul Herics, der diese Eintragungen im Sterberegister machte, hat die 146
Zahl 1 0 6 zweimal unterstrichen, damit wir heute, 200 Jahre später auch noch wissen , daß es sich um keinen Irrtum handelte! Ein altes deutsches Volkslied, das in der Zeit des "Großen Schwabenzuges" in Süddeutschland entstanden ist und dann auch an der Mosel und am Rhein gesungen wurde, drückt die Enttäuschung eines jungen Mädchens aus, dessen Liebster nach dem Ungarland gezogen ist und nicht wieder kam . Hier nur die beiden letzten Strophen:
All' Frühjahr kehren die Schwälblein z'ruck. Der Storch kommt wieder her. Doch die gegen Ungarn zogen sind. Die kommen nimmermehr. Und sieben. sieben lange Jahr, Die sind jetzt nun hinab. Ich wollt ich wär bei meinem Schatz. Doch niemand weiß sein Grab.
Herkunft und Aufstieg des Erbauers von Billiet Distriktverwalter Franz Josef Knoll (1750- 1770) Da Knoll als der Erbauer unserer Heimatgemeinde Billed angesehen werden muß, ist sein Name eng mit dieser für alle Zeiten verbunden, und soll daher auch in der "Chronik der Heidegemeinde Billed" entsprechend aufscheinen. Ich habeversucht, möglichst viel dokumentarisches Material über die Person des Franz Josef Knoll zusammenzutragen , um ein möglichst umfassendes Bild über ihn aufzustellen. Im Wiener Hofkammerarchiv, in den Banater Akten , scheint der Name Knoll erstmals im August des Jahres 1750 auf, und zwar in einer Status PersonaUs deren Provincial und Districts Beamte. In dieser Aufstellung wird Knoll als Amtsschreiber des Pancsovaer Distrikts mit 90 Gulden Jahresgehalt geführt. Aus einem Dokument vom Juli 1751 geht hervor, daß Knoll bereits seit neun Jahren in Pancsova seinen Dienst versieht und dabei "große Infonnationen überkommen habe". Mit anderen Worten heißt dies, daß Knoll auf alle Fälle bereits im Jahre 1742 im Banat war. Im August desselben Jahres heißt es dann in einer Personenbeschreibung, daß er immer einen besonderen Pister [Ehrgeiz] gezeigt habe, und sich der Umgreifung der Militärs zu widersetzen verstanden hat, und kann bei dessen Anstellung als Gegenschreiber in Pancsova viel nützliches Wirken ... Aus einem anderen Dokument geht hervor, daß Franz Josef Knoll im März des Jahres 1752 zum Unterverwalter aufgerückt ist. In dem vom 19. bis 25. Juni 1752 ausgestellten "Rats-Sitzungsprotokoll" ist vermerkt, daß ein Johann Fischer sich über den Verwalter Knoll beschwere, weil dieser ihm die Weinschanksbewilligung verweigert hatte ... Im März des Jahres 1753 bewirbt sich Knoll um die freistehende Ujpalankaer Distriktsverwalterstelle und wird trotz seiner geringen Dienstjahre älteren Dienstnehmern vorgezogen . . . da er in Rechnungen eine vollkommene acuratesse [Genauigkeit] bezeiget . . . und um die jungen Beamten zu guten Dienstleistungen anzueyfern . . . 147
Im April des Jahres 1753 ersuchten sieben Dörfer rings um Pancsova daß .. . die privaten Benützungen der beiden Ordonanzwagen durch den Verwalter Knall eingestellt werden möchten ... Daß Knoll aus Passau stammt und nach Maria Zell, einem Wallfahrtsort in der Steiermark, wallfahrten möchte, geht aus einem Gesuch hervor, das er am 14. August 1753 an die Landesadministration stellte. Hier steht u. a. zu lesen: ... Josef Knall bittet ihme gniidigst zu erlauben zur Verrichtung seiner gelobten Wahlfahrth nacher Maria-Zell, von dorten aber zur Abhandlung und Habhaftwerdung seiner Erbschaft nach Passau verreysen zu dürfen ... Knoll durfte das Banat nicht verlassen , da sein Gesuch abgelehnt wurde. Zu diesem .Zeitpunkt stand es schon fest, daß Knoll den Posten eines Distriktverwalters im Csanader Distrikt übernehmen sollte. Im Sitzungsprotokoll der Banater Landesadministration in Temeswar vom 9. September 1753 steht u. a. folgendes vermerkt: . .. Ist der in den Csanader District Neu-resolvirte Verwalter Josef Knall in die Eidespflicht genommen worden ... Am 28. Dezember 1756 ist Knoll noch immer Distriktsverwalter des Csanader Distriktes, mit Sitz in St. Miclosch . . . Von diesem Posten wurde Knoll durch Andreas Laff abgelöst und bekam die Distriktverwalterstelle im Temeswarer Distrikt, mit dem Sitz in St. Andres. In welchem Jahr dieser Wechsel vor sich ging, konnte ich nicht ermitteln. Fest steht, daß Knoll am 25. März 1761 noch im Csanader Distrikt tätig war, da zu diesem Zeitpunkt die Hofkammer in Wien von der Landesadministration im Banat einen Bericht anforderte . .. wie das mit der Bestrafung des Csanader DistriefVerwalters Knall, Waldbereiter Schwarz und Unterverwalter Marziko sich verhält, da noch keine Meldung gemacht worden ist . . .? Im Jahre 1764, also ein Jahr bevor Knoll Billiet erbaute, erweiterte er die bereits bestandenen Ortschaften St. Peter, Bruckenau, Gyarmatha, Freidorf, Rekasch , St. Andres, Saderlak, Mercydorf, Neubesehenova und Neupetsch durch Zubau von neuen Kolonistenhäusern. Im Jahre 1765 hat er in Billiet noch 30 Kolonistenhäuser errichtet, und im Jahre 1766 wollte er sein Amt als Distriktsverwalter zurücklegen und begründete dies laut Sitzungsprotokoll der Landesadministration in Temeswar wie folgt : ... Der Verwalter Knall noch weiter vorstellet, daß er dieses mühsame Kolonistengeschäft nicht länger versehen könne, weil der Gegenschreiber Theysel die Amtierung bis jetzt nicht übernommen habe, daher dessen Rechnunglast auf ihne alleinig falle. Nebstbey auch durch den täglichen Anwachs deren Familien in solche Verlegen versetzet worden seye, das er die für das Jahr 1765 noch ausständigen Berechnungen nicht habe verfassen können, weswegen er das Ansuchen mache von diesem Colanistengeschäft entlediget zu werden. Im Jahre 1768 zieht sich die Schlinge um Knalls Hals immer enger und er muß vor den Richter. Aus dem Protokoll . .. über die allhier gehaltenen Commissionen in Betreff der schriftlich angezeigten, verschiedenen Unordnungen und Verbrechen in dem Temeswarer Banat vom 22. September, Seßio Decima [10. Sitzung] geht hervor: das der Verwalter Knall und der Oberknees Millosovich nebst dessen Sohn Alexa schuldig befunden wurden ... Unterschrift Leopold Graf Schlick Über die Art des Verbrechens von Knoll berichtet Baron von Kämpfen in seiner "Banatischen Landes- und Bergwerksverfassung" aus dem Jahre 1768 u. a .... Wegen desbeydem St. Andrascher Verwalter Knall vorgefundenen Verstoßes in dem Kassastand, und das derselbe einen anderen zu verfassen angetragen habe, da hätte es nur von Ihrer Hof- Commissions Willkühr abgehangen, denselben gleich ab Officio et Salario [von Dienst und Gehalt] zu suspendieren, ohne die Suspension dieser Hofstelle anheim zu lassen . . . Der Verwalter Knall ist ein eigenmächtiger, arroganter Mann, der die Rechnungen immer im Dunkeln fortführet ... und gleichfalls im Trüben fischet ... weil viele der Colanisten mittler Zeit ohne Liquidation verdorben, gestorben und außer Landes gegangen sind. Knoll wurde im Jahre 1767 aufgefordert, eine Aufstellung über seinen Vermögensstand und über den seiner untergebenen Beamten zu erstellen und bei der Untersuchungskommission in Temeswar abzuliefern. Dieser Bericht, der von Knoll und Theißl unterfertigt ist, gibt uns einen ganz genauen Einblick in die Vermögensverhältnisse vom Knoll , der zusah wie Frauen und Kin' der in Billiet verhungerten.
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Hier nun die Aufstellung: Aufsatz Ober diejenige äconomic [Verwalter-, Wirtschaftsgebäude] Sorten und sonstige besondere Gebäude, welche das Kaysl.Königl. Temesvarer Distr. Oberbeamten und übrige Amts Subalterne [Untergeordnete] halten: Ich V e r w a l t e r Fra n z J o s e f K n o ll habe kein anderes als das aus allerhöchsten Gnaden zum Quartier gewidmetes Gebäude, pflege keine Wein- und Feldfrüchte anzubauen, die Küchen- oder grüne Waare erzeuge ich in dem beydem Quartier befindlichen Garten, welchen meine Dienstbothen bearbeithen, und bestehet meine ganze Würthschaft in 6 Stk. Pferdt und 2 Stk. Kühe. Mit mir G e g e n s c h r e i b e r J o h a n n G e o r g T h e y ß e l waltet obige beschafenheit ab, nur mit dem ledigliehen Unterschied, daß seine ganze aconomie in 2 Pferdt, und 4 Stk. Kühe bestehe. U n t e r v e r w a l t e r A n t o n i Ha n d l hat außer seinem gewöhnlichen Quartier eben kein anderes Gebäu, pflanzet weder Wein- noch anderen Früchtenbau, erzeuget durch eigene Hand-anlegung in seinem kleinen Haus-Gart/ die grüne Küchel- Wahr und bestehet dessen ganze Wertschaft in 2 Pferdt und 3 Kühe. Der ab Officio [Büro, Amt, Dienst] suspendierte [zeitweiliger Ausschluß] Unter verw a l t er J u k o v i t h ist mit Szalaschen [Viehstall] verschiedenen Handelsvieh-Sorten, und anderen Bauerswürtschaften versehen, hier von aber eine waithläifige Beschreibung zu machen ohnnätig erachten intemahlen einer Hohen Landesinstanz dessen Versehenheil durch die von Herrn Verwalter Maderer in dieser Angelegenheit erhobene Inquisition [Untersuchung], und ab Seithen deren Unterthanen villfach eingekommenen Beeinträchtigungs- und Mitnehmungsbeschwerden vollkommen bekannt ist. Der hiesige D i s t r . C h y r u r g u s S t e i n e r sitzet allhier in Zins und bestehe! dessen ganze Würtschafts Substanz in 3 Stück/ Kühen. Der A m t s c h r e i b e r J o h a n n G u g e n m o s ist ledig, seine Wohnungbestehetin einem Zimmer und führt keine Würthschaft. Eine gleiche Beschaffenheit hat es auch mit dem hiesigen A m t s - P r a c t i k a n t e n J osef Richter . Der 0 b e r k n e e s v o n S z a k a l h a z S c h i v o i n M i l o s c h o v i t h ist zwar einer von denen stärckesten hiesigen Landes Viehhändlern, haltet aber dessen Zucht- wie Mastvieh sowie Schweine und Schafe und Gestüt Pferdt auf denen Prädien, wofür er zu dieser Compagnie bezahlet. Der 0 b e r k n e e s M a k o P o p o v i t h haltet sein Zuchtvieh, Mastochsen, Schaaf und Gestüt auf dem Billieter mit deutschen Familien besetzten Dorfs-Grund, wohin er auch das Waidgeld! bezahlet, und bauet auf dem Becskereker Dorf- Terrain, auf dem Ort seiner Behausung, nur soviel durch seine eigenen Dienstbothen an, was er zur Auskunft seiner Haushaltung erforderlich hat. Der 0 b e r k n e e s R a n k o S o c u l i t h hat außer seinen unmittelbahren Hausvieh 2 Pferdt und etwelche Stück Borstenvieh kein andere Würtschaft. Da er kaum soviel Früchten erzeuget als er zur Erhaltung seiner Hausgeschäften erforderlich hat, so lebet er meistens von seiner allergnädigst ausgemessenen Besoldungsgehalt. Der hiesige D i s t r i c t s Co r p o r a l L a z a r Fe r b i s c h j e haltet das von seinem Vätern hinterbliebenen noch kleine Pferdtgestüth und etwelche Stück Schweine auf denen Prädien, wofür er doch bezahlet. Dessen Hausvieh hingegen bestehet in 6 Ochsen, 4 Pferdt und 5 Stk. Kühen, welche auf dem hiesigen St. Andraser Dorfsgrund Weyden. Bauet seine Hausnotdürftliche Früchte selbst an und bezahlt hiervor ad Arariurrt die Zehentgebühr. Alle anderen D i e n s t h u ß a r e n u n d T r a b a n t e n haben ihren meistentheils wegen stetten Herrendiensten zwey haltenden Dienstpferdten keine andere Würtschaft, als nur jenes Ochsen-, Zug-, und Milchvie, wessen sie zu ihrem höchsten Lebensunterhalt erforderlich seyed .. .
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Die 3 im hiesigen Distrief sich befindliche salarirte [Gehaltsempfänger] WaIdbereite r, G ö ll e r , Z a c h u n d L a z a r o v i t h , leben lediglich von ihrem Soldungsgehalt und zufließenden Waldzettelgroschen-Antheil. Halten nebst ihren Dienstpferdten etwelche Stück! Milchvieh. Sie haben außer ihrem kaysl. Quartier die ersteren zwey nichts mehreres, wohl aber der letztere zu Schaag einen Garten von verschiedenen Gattungen Baumfrüchten. Außer diesen Beschriebenen Befindet sich kein Officiant [Angestellter] im hiesigen District welcher eine Milderung in dieser Angelegenheit machete. St. Andrasch, den letzten Xbr. 767 Siegel. Kaysl. König!. Temesvarer (31. 12. 1767] Districts- Verwalteramt Pranz Josef Knall Johann Georg Theißl A u s z ü g e a u s e i n e m S i t z u n g s p r o t o k o l I d e r L a n d e s a d m i n i s t r at i o n in Te m es w a r aus dem Jahre 1770 : Fol. 30. wegen der gegen den Verwalter Knall angezeigten Häcktischen Denunciations-Sache, wurde vom Herrn v. Hildebrand auf die diesfällige Acta bezogen ... Sein weiteres Angeben des zum Gegenschreiber promovirten Veit hatte seine Richtigkeit, und beyder Untersuchung des Temesvarer-Districts würde sich offenbahrenwarum der Districts- Verwalter Knall also portiret [unter den Kolonisten so verhaßt] worden sey? ... um so mehr, als seit der im Aprili 1766 von der Hof-Commission gemachter Untersuchung, nachdem mittlerweile die Colonisten-Rechnungen gelegt, und dadurch die hier von dem Buchhalter Huttfelder gemachten Mängel vielleicht behoben wurden, durch 1 1 12 jahr sich die Umstände sehr veränderet, und bevor zur Suspension geschritten werde, eine neuerliche Cassa- Visitation mit dem Knall fürzunehmen lassen, nothwendig seyn dürfte.
Billeder Kolonistenaufseher Lorenz Klunkhard Conduiten-Liste [Personenbeschreibung]
Ober das bei der k. k. Impopulations-Direction wirklich, salariert, aufgestelltes Personal: M e r c y d o r f: Lorenz Klunkhard, Deutscher Be so l du n g: 320 Gulden Dessen Alter und auf sich habende Jahre: 50Jahre D essen V a t t er l a n d u n d Ge b u r t s o r t: Reich, von Mayns R e l i g i o n g e n o s s e n : Kath. 0 b d i e s e r s t u d i e r e t , w a s s e l b e r e r I e r n e t u n d w a s f ü r M e t i e g e t r i eben, und was er vorher gewesen ist: Habe usque. Ad. Philosophiam studiret, ist der lateinischen, deutschen auch in etwas der französischen und walachischen Sprache kundig. Hat das Militär mit 25 Jahr betrieben, vonwanenals Wachtmeister seine Dernißion angesuchet und mit Hof- Kriegs- Räthlicher-Erlaubnis erhalten. Wielange ein jeder in gegenwärtigen 0 f f i c i o stehend ist : 4 Jahre W e l c h e z u m D i e n s t d i e g e w ö h n l i c h e Ca p a c i t ä t b e s i t z e : Zum Kolonistendienst sehr gut gebrauchen. Wie eines jeden Conduite beschaffen : fleißig, emsigundfriedsammerMann mit guter Führung. D e c i s i o u n d R e s o l u t i o : Zum Kolonistenaufseher, folglich auch zu einem Unterverwalter tauglich. Hildebrand e. h. 150
Wolfgang Ritter von Kempelen (1734-1804) Kempelen wurde am 23. Jänner 1734 in Preßburg, damals Ungarn, geboren. Sein Vater war k. k. Hofkamm errat. Er besuchte die Schule in Raab, härte später die philosophischen und juridischen Wissenschaften in Wien und machte sich schon damals durch Übertragungen des Gesetzbuches für die Kaiserin Maria Theresia ins Deutsche bemerkbar. Die Kaiserin ließ sich den jungen vielversprechenden Mann vorstellen und ernannte ihn zum "Concipisten" der ungarischen Hofkammer. In einigen Jahren wurde er Hofsekretär, dann Hofkammerrat bei derselben Stelle. In dieser Stellung wurde er mit der Leitung des Baues des königlichen Schlosses in Ofen [Budapest] und mit der des gesamten Salzwesens in Ungarn betraut. Er hatte das von Räubern heimgesuchte Banat, für dessen Besiedlung die umfassendsten Vorbereitungen getroffen wurden, von den Räubern zu säubern und für die neuen Bewohner einzurichten . Über die Tätigkeit und Leistungen Kempelens im Banat und im besonderen in Billiet konnten wir seinen Berichten zur genüge entnehmen und uns über ihn ein Bild formen. Im Jahre 1786 zum Hofrat der vereinigten ungarisch-siebenbürgischen Hofkanzlei ernannt, versah er diesen Posten bis zum Jahre 1798. Nach 43jähriger Dienstleistung trat er dann in den Ruhestand, den er noch sechs Jahre genoß . Im 10. Wiener Gemeindebezirk erinnert heute noch die Kempelengasse an Wolfgang von Kempelen, der als die Seele des "Großen Schwabenzuges" betrachtet werden kann .
Maria Theresia und das Ende des Kronlandes Banat ( 1778) Maria Theresia setzte allem , was sie für Ungarn tat, dadurch die Krone auf, daß sie dessen Integrität im Jahre 1778 wiederherstellte. Der 18. und 50. Gesetzesartikel von 1741 sah auch die Wiedervereinigung und Einverleibung des Temeser Banats in das Ungarische Reich nach dem Eintritt friedlicher Zeiten vor. In diesem Gesetzesartikel waren die folgenden Komitate angeführt: Poschega, Wirowitiza, Syrmien , Tschongrad , Tschanad, Arad, Bekes, Zarand, Temes, Torontal und Severin. Der Reichstag von 1751 , 1764 und 1765 hatte die Königin gebeten , den Gesetzesartikel zu vollziehen [Maria Theresia war bekanntlich Königin von Ungarn und Böhmen] . Im Jahre 1777 wurde die Bitte um Wiedervereinigung des Banats mit dem ungarischen Reichskörper abermals vor den Thron gebracht und vom Statthalter Herzog Albrecht eifrig befürwortet [Herzog Albrecht war gleichzeitig der Schwiegersohn Maria Theresias]. Die Kaiserin war bereit, das Verlangen der Ungarn zu erfüllen und forderte ein Gutachten darüber, in welcher Weise die Einverleibung durchzuführen sei. Die restlichen Erbländer behaupteten , das in Frage stehende Banat sei mit dem Ge I d und BI u t e der gesamten Österreichischen Länder den Türken entrissen worden , und dürfe deshalb nur gegen Erlegung eines angemessenen Lösegeldes an Ungarn zurückgegeben werden . Maria Theresia schrieb an ihren Schwiegersohn nach Ungarn: ... Ich gebe zur Einverleibung des Banats meine Zustimmung, jedoch unter der Bedingung, daß wir daraus zur Deckung unserer Schulden und zur inneren Verbesserungen soviel Geld als möglich ziehen. Von Seiten Ungarns müßte ein bedeutendes Angebot gemacht werden, damit ich in den Stand versetzt werde, meine gute Absicht zu verwirklichen, ansonsten stoße ich auf unüberwindliche Schwierigkeiten ... Später verzichteten die deutschen Minister auf das Lösegeld und die Einverleibung wurde beschlossen . " . . . Der heutige Tag" schrieb sie "ist ein großer Tag für Ungarn, die Frage über das Banat ist entschieden. Der Kanzler wird hinabkommen, um mit Ihnen, mein lieber Sohn, die Sache vollends zu verabreden . . . Ich bin eine gute Ungarin, mein Herz ist bis zum Oberfließen vom Dank gegen diese Nation erfüllt und kann im Frieden zu meiner letzten Ruhe eingehen. Mit einem Rescript vom 27. April 1778 hatte Maria Theresia die Banater Landesadministration in Temeswar von der Einverleibung des Banats an Ungarn in Kenntnis gesetzt. Damit wurden unsere Vorfahren in Billiet nach 13 Jahren härtester Aufbauarbeit an Ungarn übergeben und bedingungslos ausgeliefert. Hier nun auszugsweise der Text dieses Schreibens: 151
Rescript an die Banatische Landes-Administration Maria Theresia Nachdem Wir unseres höchsten Dienstes zu seyn befunden haben das Temeswarer Banat dem Königreich Hungarn einverleiben zu lassen, und in dieser Absicht eine besondere mit einer eigenen Instruction versehene Hof-Commission unter dem Vorsitz unseres würkl. [wirklichen] geheimen Raths, Beisitzer der König!. Septern viral- Tafel, des Vöröczer-Comitats Obergespan, Commandeur des Ordens des Heiligen Stephan, Christoph Grafvon Niczky alldahin abzuschicken, welche Commission nach Vorschrift der ihr mitgelheilten Instructyon das Temeswarer Banat für das Königreich Hungarn sogleich zu übernehmen haben würde. Als haben wir zugleich den ferneren gnädigsten Entschluß geJaßt, daß bei erfolgter Dahinkunft vorgedachte Hof-Commission Unsere bisherige Landesadministration gleich aufgehoben, die Landesgeschäfte durch unsere abgeschickte Commission besorget, zur Errichtung neuer Cornitaten geschritten wird, einstweilen aber bis wegen des G ü t e r v e r k a u f s Unsere weitere höchste Entschließung erfolgen wird, alles Camerale von unserl!r König!. Hung. Hofkammer besorget werden solle. Ihr werdet demnach diesen unse;en höchsten Willen und Befehl genauest nachzuleben. und in Gemäßheil dessen die Obergabe des Landes [Banat) s a m t a ll e n Zugeh ö r i g e n an das Königreich Hungarn zuHanden Unserer Hof-Commission ordnungmäßig zu bewirken ... Wien, den 27. April1778
Am 6. Juni 1778 wurde durch den "Königlichen Kommissären" Graf Christoph Nitzky im großen Saal des Landespräsidentenhaus, später Komitatshaus am Domplatz in Temeswar, in Anwesenheit der kirchlichen und politischen Behörden die feierliche Einverleibung des Banats an Ungarn vollzogen. Damit hatte das Kronland Temeser Banat nach 62 Jahren aufgehört zu bestehen, die Grenzen gegen Ungarn waren gefallen . Die Einverleibung hat der Dynastie wirtschaftlich nichtsgekostet, da die Kaiserin sich die Grundherrschaft im ganzen Banat auch weiterhin behielt, mitder Begründung, daß dieses Land 164 Jahre hindurch türkisch war und unter großem Aufwand und Verlusten für das Hause Habsburg zurückerobert und wiederhergestellt werden mußte. Die alte "Landes-Administration" des Temeswarer Banats wurde aufgelöst und die neue Landesverwaltung, die "Königliche Rungarische lncorporations Hof-Kommission " übernahm ihre Tätigkeit. Das Banat wurde sofort in die Gespanschaften Torontal, Temes und Krasso geteilt und erhielt die Einrichtungen der anderen ungarischen Komitate. Billiet, das seit 1716 zum Temeser Distrikt gehörte, war ab jetzt dem Torontaler Komitat zugehörig. Ereignisse dieser Art wurden von einem Teil der früheren Geschichtsschreibung sowie von derBanaterPresse und im Bewußtsein des deutschen Volkes von einer Gloriole umgeben, die aber nur einem Teil der Wirklichkeit gerecht wurde.
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DRITTER ABSCHNITT Das Banat im Königreich Ungarn (1778-1849) Billed kommt zur Grundherrschaft des Agramer Bistums
Kaiser Joseph II. in Generalsuniform Hofburg: Präsidentschaftskanzlei [KHM, Gemäldegalerie, Kat.-Nr. 1388] Einst hat der Boden, dem wir treu geblieben nur hohles Rohr und freches Schilf getrieben .
Einst spottete der Arbeit dieses Land. Doch unsere Arme zwangen zäh ins Knie den eklen Sumpf, der Unheil spie!
Franz Xaver Kappus Temeschburg 153
Kaiser Joseph II. Mitreg~nt Maria Theresias Oberster Vollstn~ck~r bei der Versteigerung deS""Königlichen Hausguts" im Banat ( 177 8-1790) Joseph II. wurde am 13. März 1741 geboren und am 3. April 1764 zum römi schen König vom Erzbischof von Mainz in Frankfurt gekrönt. Nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Franz I. am 18. August 1765 , nahm er den Kaisertitel an und wurde Mitregent Maria Theresias, was sich aber bald und bis zum Schluß als Quelle ständiger Reibereien und Enttäuschungen erweisen sollte. Zwischen Mutter und Sohn gab es oft Meinungsverschiedenheiten bei denen Joseph manche harte Worte einstecken mußte. Die Kaiserin blieb aber doch immer die Herrscherin , auf deren letzte Entscheidung es ankam . Sie hatte es wie kein anderer Herrscher aus dem Hause Habsburg vor und nach ihr, verstanden, die Länder der ungarischen Stephanskrone, in denen Deutsche, Ungarn , Tschechen , Rumänen, Kroaten , Serben, Krassowaner, Bunyewazen, Slovaken, Polen, Ruthenen, Muselmanen, Italiener, Slovenen, Bulgaren und Zigeuner lebten, für die Erhaltung des Gesamtstaates zu begeistern . Sie, die mütterliche Herrscherin , war das Symbol der Dynastie, die diese sechzehn verschiedenen Völker zusammenhielt. Trotzdem blieb sie in ihrem Herzen und ihrem Gehabe kerndeutsch . So schrieb sie in einem Brief an ihre Tochter, die sie an den König von Neapel verheiraten wollte, u. a. die folgenden Worte: ... Im Herzen seien Sie immer eine Deutsche, schon durch ihre Rechtschaffenheit ... Von den drei Reisen , die Kaiser Joseph II. ab 1768 ins Banat unternommen hatte, ist ein reichhaltiges Handschriften-Material im Haus- , Hof- und Staatsarchiv sowie im Hofkammerarchiv in Wien erhalten geblieben, das zusammen mit den Ungarischen Kameralakten als Quellenmaterial für dieses Kapitel verwendet wurde. Joseph II. bemühte sich, die Grundsätze eines aufgeklärten Absolutismus durchzuführen , jedoch meistens erfolglos und unglücklich . Sein tragischer Untergang hat ihm die Legende eines deutschen Helden gewoben und das Prädikat "Joseph der Deutsche" eingebracht. Nach Josephs Plan sollten die deutschen Kolonisten nicht die einheimischen Völker im Banat und der Batschka verdrängen, sondern die öden und verlassenen Gebiete bevölkern und urbar machen . Seine Eindrücke und Beobachtungen, die er auf seinen Reisen durch das Ban at gewonnen hatte, faßte der Kaiser in einem unerhört scharfen Urteil über das Ban ater Ansiedlungswerk in einer Relation zusammen , die sehr entscheidend zur Aufgabe des Banats im Jahre 1778 beigetragen hat. Von allergrößter Bedeutung für das Banat und von beispielloser Rücksichtslosigkeit gegenüber den deutschen Menschen sollte ein Projekt werden, das der Kaiser im Folgenden zum erstenmal erwähnte: So unglaublich es auch in der theoretischen Überlegung scheinet, so wahr zeiget es sich doch in der täglichen Praxis, daß Güter von der eigenen Regie des Staates, [Kolchoswirtschaft] oder eines ganzen Departements nie wohl und nie nutzbar für die Untertanen verwaltet werden und alles anwendenden Geldes ohngeachtet, nie zunehmen, nach Maß derjenigen die in Partikularhänden [Privathänden] sind. Diese Wahrheit ziehet bei mir den Entschluß nach sich, daß, wenn man ernstlich will und notwendig findet aus dem so gesegnetem Grund des Banats einen wahren Nutzen zu ziehen, ich kein geschwinderes, ja kein sichereres Mittel, als selbes an Particuliers [Privatleute] zu verkaufen sehe. So keck als dieses Mittel anfangs scheinet, so sehr wird sich diese Ausführung erleichtern, durch die von mir hier zum Grundsatz vorschlagende Mittel, in welchen ich trachtete, dem Käufer einigen Nutzen und dem verkaufenden Staate einen noch weit größeren zu verschaffen. Sollte man nicht die Mittel finden, beider Nutzen zu vereinigen und sollte man deswegen entweder keine Käufer finden, oder dem Staate etwas Nachtheiliges zufügen, so bitte ich im Voraus, den ganzen Gedanken lieber in ewige Vergessenheit zu stellen." Er führt noch weiter aus: .. . ich habe selbst die Dörfer schier alle durchschritten und in selben die nämlichen recht tollsinnigen Fehler betrachtet, die teils von ihrer Lage und Größe, teils von ihrer innerlichen Einrichtung herrühren. Nie sind 900.000 Gulden [bis zum Jahre 1768] schlechter, 154
unnützer und ungeschickter verwendet worden als bei diesem lmpopulationsgeschäft, da um diesen Wert sehr wenig Menschen schlechte Dörfer, schier unbrauchbare Häuser verschafft, die Kultur nicht befördert, die Wälder ausgehauen und endlich die Nationalisten von Haus und Hof vertrieben, degoutiert [eckelhaft, widerlich] verdrossen gemacht worden seind. Dieser Plan, den der Kaiser als den vorteilhaftesten seiner Verbesserungsvorschläge für das Banat bereits im Jahre 1768 besonders empfahl, war der erste Schritt auf dem Wege zur Einverleibung des Banats in das ungarische Königreich . Der gesamte Grund und Boden im Banat, den sich im Mittelalter die Kirche und der Adel geteilt hatten , der dann von den Türken enteignet und im Jahre 1716 durch die Habsburger mit deutschem Blut und Geld wiedererobert wurde, kam jetzt, als " Kameralgüter", unter den " Hammer" und wurde versteigert . Man muß sich vor Augen halten , daß diese Tatsache für den deutschen Bauern im Banat eine erhebliche Verschlechterung seiner sozialen Lage bedeuten mußte, denn bisher war er von herrschaftlichen Frondiensten frei und nur zu Diensten öffentlich-rechtlichen Ursprungs verpflichtet. Der deutsche Bauer des Banats gehörte bei seiner Ansiedlung zu den ersten persönlich freien und nur beschränkt abgabepflichtigen Bauern Mitteleuropas. Die "Zerstückelungspläne" der Kameralgüter zu "Herrschaften" leitete die Umstellung der deutschen Siedler von unmittelbaren zu mittelbaren königlichen Untertanen ein und stand im Widerspruch zu den Zusagen des Werbepatents vom 21. Juni 1755 Ziffer 3, wonach die Ansiedler im Banat "für immer als unmittelbare k. k. Untertanen gehalten" und nicht kaufweise an jemand anderen überlassen werden sollten . Schon als junger Mann und Mitregend seiner Mutter sagte Joseph II. zu dieser: Es gibt keinen Unterschied zwischen einem König, einem Grafen , einem Bürger oder Bauern. Später wollte er mit seinen Reformen diesen Unterschied beseitigen. Er war der große Gleichmacher. [Näheres über die einschlägigen Reformen Joseph II. siehe die Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs, Band 24, Wien 1927, Seite 310-346.]
Die "Zerstückelungspläne" Kaiser Josephs II. (1780) Nach dem Tode Maria Theresias am 29. November 1780 trat Kaiser Joseph II. seine Alleinherrschaft an. Damit war auch dasweitere Schicksal der deutschen Siedler, ihrer Dörfer und Felder im Banat entschieden , dem großen Ausverkauf stand ~ichts mehr im Wege. Im März des folgenden Jahres hat der Kaiser eine gemischte Hofkommission einberufen, an der die Vertreter der k.k . Hofkammer, der königl. hungar. Hofkanzlei und der k.k. Hofrechenkammer in "Banater Güter-Verkaufs-Angelegenheiten" teilnahmen . Unter dem Vorsitz des Kaisers wurden unter anderem folgende Punkte festgelegt: ... die mit Waffengewalt von dem Erzhause der türkischen Bottmäßigkeit entrissene Güter sollen auf die natürlichste und billigste Art, nähmlich durch die öffentliche Versteigerung verkauft werden ... damit man gesichert seye, daß diese Güter bei dem bevorstehenden Verkauf nicht zum Nachteil des Ararii verschleiden werden, so hat die Kammer jemanden Vertrauten und in Wirtschaftssachen wohl erfahrener, sowohl hier in Wien als auch in Temeswar zu beordern der im Namen des Ararii beijedem Verkaufmitlicitire und dadurchjedes Gut wenichstens um ein Viertel im Preise steigen oder selbes Ararisch verbleiben mache ... Geistlicheoder weltliche- Co munitäten sind ohne der von mir [dem Kaiser] erhaltene besonderen Dispensation [Erlaß oder Befreiung] zu diesen Ankäufen nicht fähig ... Mit dieser .Verordnung wurden die einzeInen Dorfgemeinschaften im Banat von der Ersteigerung ihrer Felder vom Kaiser persönlich ausgeschlossen . Ein späterer Einspruch gegen diese Verordnung des Bürgermeisters von Billiet, Kleinjetscha und Neupetsch beim Präsidenten der Ungarischen Hofkammer, Graf Collowrat, blieb ohne Erfolg. Diese genannten Gemeinden wollten ihre urbar gemachten Felder selbst ersteigern. Den Grund, warum dies nicht möglich war, erfahren wir schon aus dem nächsten Absatz des Sitzungsprotokolls: ... noch eine Tax für jene die in den Magnaten Stand erhoben werden, und zwar für den Frei155
herrnstand wen der Interessent aus einer alten Familie abstammt und vorzügliche Verdienste besitze 2.000 Gulden, ansonsten aber 3.000 Gulden. Für den Grafenstand aber 3.000 bis 5.000 ausgemessen sey.
Diese ganzen Beschlüsse und Bedingungen wurden dem finanzstarken Publikum durch Inserate in den nachstehenden Zeitungen kundgemacht: Wiener Zeitung Preßburger Zeitung Brünner Zeitung Prager Zeitung Frankfurter Zeitung
Augsburger Zeitung Regensburger Zeitung Erlanger Zeitung Brüssler Zeitung Aorentiner Zeitung
Laut "Schätzungs-Aufsatz des Guths Biliet im Torronthaller Comitat" vom 15 . November 1780 betrug die Schätzungssumme 75.122 fl. 462 /a kr. Zum Vergleich zwei Tabellen aus dem Jahre 1781 in denen weitere 35 Banater Güter zum Verkauf bzw. zur Versteigerung angeboten werden: Ausweis Der in der ersten Lidtation nicht veräußerte und in der 2. neuerdings feilzubieten angetragenen Banater Gütern.
Nr. I.
2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18.
Benennung derselben Csoka Perjamosch Deutsch St. Peter Clary Kötfel Foen Sanad Remete Bazos Muran Feregyhaz Mosnicza Saderlak Velikigay Itebe Haczfeld Szecsan Eiemir Summarium
156
Schätzungspreis Gulden
82.860.310.496.304.101 .125.470.89.087.60.331 .60.607.75.540.82.985.56.403.55.243.55.147.56.033.97.882.434.529.200.404.68.465.159.562.2,375.145.-
Consignation
Ober die Banater Güter, welche im Monath November 1781 zur öffentlichen Feilbiethung [Versteigerung] vorgeschlagen werden.
Schätzungs Werth
Rückstände
Summa
Gulden
Gulden
Gulden
NeuAr.a4 Kalatsa Lippa Gessinez Wießenheith St. Andrasch Gutrenbrunn Csadat Gottlob Knees GroßJetza Deutsch Besehenova Janova Freydorf Sehebel St. Hubert Jarmatha
172.782.151.979.132.794.69.594.19.048.190.168.152.528.211.879.148.305.152.117.97.305.161.211.112.028.169.847.198.844.72.341.-
15.500.2.311.3.550.728.7.138.7.309.11.637.46.336.28.698.2.536.21.798.8.257.35.3.930.4.497.30.289.8.872.-
188.282.154.290.136.344.70.322.26.18fi.197.477.164.165.258.215.177.003.154.653.119.103.169.468.112.063.173.777.203.341.182.609.81.213.-
Summa
2.365.090.-
203.421.-
2.568.511.-
Namen der Güter
152.320.~
Wie wir aus dieser Aufstellung ersehen, waren alle Dörfer mehr oder weniger verschuldet und hatten mit der Rückzahlung ihrer erhaltenen Vorschüsse an den Staat zu kämpfen.
157
Das Cameralgut Billiet und das Csatader Rentamt (1780) Wie aus den ungarischen Kameralakten hervorgeht, sind die Banater "Camerai-Güter" , nachdem die Komitate festgelegt waren , in 18 Wirtschaftsämter eingeteilt worden. Das Csatader Rentamt, dem auch Billiet angehörte, hatte die folgenden 25 Güter zu verwalten :
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1. Csatader Rentamt Csatad Sogarasch Grabatz St. Hubert Charleville Soultur Ostern Heufeld Groß-Jetscha Mastort Triebswetter Dugosella Theiß-St.-Miklosch Sanad Rai tzisch-St.-Peter Saravolla Egrisch Deska Billiet Gertianosch Kecsa Clary K.lein-Jetscha Pesak Perjamosch
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Ansässigkeiten
11)
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Ganze
Halbe
207 203 225 87 65 65 103 81 205 81 205 115 218 162 350 419 289 150 252 56 203 157 99 184 283
164 183 166 72 57 52 100 61 117 46 108 32 115 94 171 160 52 11 188 50 55 62 85 92 223
31 16 48 3 5 10
Viertel
11
50 40
14
7 -
6 -
-
17 80 32 92 41 46 26 106 148 119 46 64 2 67 47
Achtel
-
-
-
1 7
-
-
-
-
-
-
14 16 23 20 50 46 39
6 3 16 39 27
-
-
40 6 1 3 6
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8 1l
6 4 -
-
4 5 12 3 3 3 2 1 3 5 20 30 13
50 45 33 27 67 4 35 38 2 39 14
Aus dieser Tabelle geht die Besitzverteilung in den verschiedenen Heidedörfern und derer im nördlichen Banat ganz kiar hervor. Bereits im Jahre 1781 hat der Kroate General Csekonits das Kameralgut Csomboly [Hatzfeld] ersteigert. Gottlob und Lovrin wurden von dem k. k. Offizier Anton von Lipthay erworben. Laut dem Kaufvertrag im Hofkammerarchiv hat der Feldzugmeister Graf von Ferrari im Jahre i 795 die fünf Dörfer: St. Hubert, Charleville, Soultour, Heufeld und Mastort sowie das Prädia 'toba gekauft. Die Brüder Nako [Griechen oder Bulgaren] erwarben die Güter St. Nikolaus und Teremi. Die so erworbenen und in Privatbesitz gelangten Güter wurden die Herrschaftsgüter, die nicht " hindangegebenen" [nicht weggegebenen] wurden, Kameralgüter genannt. Bis zu einem Schätzwert von 30.000 Gulden wurden die Güter in Temeswar und über diesen Wert in Wien versteigert. 158
Faksimile des Schätzungs-Aufsatzes über Billiet vom 15. November 1780, also 15 Jahre nach der Ortsgründung von Billiet und 14 Tage vor dem Ableben der Kaiserin . Orig~nal:
HKA Karnerale Ungarn. Fasz 32 ex Okt. 1781 Nr. 3035, Fol. 517-522.
Das Gut Billiet als Tauschobjekt für den Bischof von Fünfkirchen (1781) Anläßlich der Erhebung der Stadt Fünfkirchen in der Schwäbischen Türkei zu einer königlichen Freistadt, sollte dem Fünfkirchner Domkapitel das Gut Kötfel als Äquivalent für seine Besitzungen angeboten werden . Da dieses aber bereits in den Zeitungen öffentlich zum Verkauf angeboten wurde, mußte man davon Abstand nehmen und ein anderes Gut in dieser Größe und Preislage anbieten . Die Entscheidung bei der Auswahl eines Ersatzgutes fiel in Wien auf Billiet, das einen Schätzwert von 75 .122 fl. 46 2 13 kr. aufwies. Der Betrag, den das Domkapitel von Fünfkirchen vom Ärar forderte betrug 62.888 fl. 808 /s kr. Da der Bischof sich weigerte, die Differen z von 12.234 Gulden in barem Gelde an den Staat auszubezahlen blieb dieses Vorhaben unerledigt. Trotzdem ist dieses "Zwischenspiel" mit Fünfkirchen für uns von ganz großer Bedeutung. Aus dem Schriftverkehr zwischen Wien-Temeswar-Fünfkirchen geht wohl das erste und älteste Schriftstück hervor, das wir seit dem Anschluß an Ungarn besitzen . Es ist der "Schätzungs-Aufsatz des Guths Biliet" vom 15. November 1780. Er setzt dort an. wo wir bis heuteamwenigsten 159
gewußt haben: 15 Jahre nach der Ortsgründung von Billiet und er ist daher ein sehr wichtiges Glied in der Kette unserer Geschichte. Wenn wir diesen handgeschriebenen, zehn Seiten umfassenden "Schätzungs-Aufsatz" genau studieren, so können wir u. a. folgendes feststellen : Obwohl Maria Theresia und Joseph II. bestrebt waren die Leibeigenschaft aller Bauern in Ungarn zu mildem und sie in bloße Untertänigkeit umzuwandeln, wurden die vorher freien Bauern von Billiet zu Fronbauern mit 14 .392 " Robathstagen" jährlich, degradiert. Wenn wir heute unserem schönen und großen Billed- wie wir es aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen in Erinnerung haben- nachtrauern, dann werden uns die folgenden Archivalien nach 200 Jahren des Schweigens dokumentieren, daß es nicht immer so war. Die Aufzeichnungen werden schriftgetreu wiedergegeben und dienen als Hauptquelle für diese Kapitel.
Hochlöbliche Kaysl. König!. Hof-Kammer! Euer Excellence! In Folge des durch die Hochlöbliche Kaysl. König!. Hof-Kammer unterm 22. Jänner 1781 überkommenen Allerhöchsten Auftrages, daß für das Fünfkirchner Kapitl, Kirchen und Seminarium ein Bonum immobile pr 62.888 Gulden 808 / g kr. aus den hindanzugebenden [zum Verkauf angebotenen] Banatischen Gütern namhaft gemacht werde, unermanglet diese König!. Hof- Kommission um den bekommenen hohen Auftrag nicht zu verfehlen oder dessen Vollzug auf einen weiteren Zeitpunkt zu verschieben, daß im Anschluß ausgeschätzte Gut Bitlief gehorsamst einzusenden, nebst dem aber auch das unterm 28. Oktober 1780 eingesandte Gut Köttfel unmaßgebigst vorzuschlagen, da sich der um dieses Gut eingekommene Arader Cornitals Nationum Exactor Köszeghy davon abzustehen sich eben jetzt erkläret hat. Bey dieser gehorsamsten Einbegleitung hat man folgende Betrachtungen gehorsamst beyzufügen für nöthig erachtet, und zwar: E r s t l i c h : Daß kein solches Stück ausgefindiget werden könne, welches der angedeuteten Summe von 62.888 fl. 808 /g kr. vollkommen gleich kommen würde . .. Mit vollkommenster Ehrerbiethung geharrend Gehorsam Dienstschuldigster G. Christoph Niczky Temeswar den 15. Martii 1781.
Biliet Dieser aus Teutschen Kollonisten bestehende Ort B i l i e t wird vermög Allerhöchster Resolution bis Ende Oktober 1781 nach der dritten Klasse in welcher selber dermallen stehet behandelt, vom 1. November 1781 aber wird selber in die zweite, und mit ersten November 1788 in die erste Klasse versetzt. Daher ist dieser auch nach diesem Grundsatz folgender maßen berechnet worden, nämlich: Biliet enthält 188 ganze und 64 halbe Ansäßigkeiten.
An Sessional Gulden. Nachdem der Sessional Gulden keinen Unterschied in denen Classificationen verursacht so wird selber ganz angesetzt. Von 188 ganzen und 64 halben Ansäßigkeiten, 252 behauste lnwohner a 1 fl. pr. Kopf sind 252 fl.
160
An Rohathen in der 3.Klaß. in welcher sie sich jetzo befindet: von I88 ganzen a 62 112 Robath = ll .750 Tage von 64 halben a 35 Robath = 2.243 Tage 67 ohnbehauste Inwohner a 6 Robath = 402 Tage Summa an Robathstägen I4.392 a 10 kr. = 2.398 fl. 40 kr. Summa an Robathstägen in der 2. Klaße = 17.850 a 10 kr. = 2.975 fl. Summa an Robathstägen in der I. Klaße = 23.666 a 10 kr. = 3.944 fl. An Zehenden und zwar An Früchtenzehend nach der 3. Klaße Von I88 ganzen a I6Joch = 3.008 Joch = 512 Joch Von 64 halben a 8 Joch Summa 3.520 Joch Hievon auf ohnversehentliche Fälle 25% abgezogen = 880 Joch verbleiben 2.640 Joch . Nachdem in Folge Verkaufs-Plans die Hälfte davon mit Winter- die Hälfte mit Sommerfrucht bebauet angenommen wird, so fallen von erster Gattung zu I Metzen Winterfrucht I.320 Metzen aus. welche a 30 kr. betragen = 660 fl. Die andere Hälfte zweyter Gattung zu 1 111 9 Metzen Sommerfrucht macht I.452 Metzen so a 20 kr. ertragen = 484 fl. An Früchtenzehend nach der 2.Klaße I.485 Metzen Winterfrucht a 30 kr. ertragen 742 fl. 30 kr. 1. 716 Metzen Sommerfrucht a 20 kr. ertragen 572 fl. An Früchtenzehend nach der I.Klaße I.650 Metzen Winterfrucht a 30 kr. ertragen 825 fl. I. 980 Metzen Sommerfrucht a 20 kr. ertragen 660 fl. An übrigen Dominikat Zehenden. Welcher zufolge beiliegenden Aufsatzes nach den 6jährigen Durchschnitt berechnet werden [von den Jahren 177-1-1779]: An Wein zehend keine An Bienenzehend 25 fl. 6 113 kr. An Lämmerzehend 28 1/ 4 kr. An Tobackzehend 3 kr. An kleinen Abgaben. Diese Abgaben nach denen obigen Ansäßigkeiten berechnet ertragen in der dritten K I aß e: a 30 112 kr .. 17 kr., IO kr. und 6 112 kr. = I 13 fl. 42 kr. In der zweiten Klaße : I42 fl. 47 kr. In der ersten Klaße: I90 fl. 12 kr. An Allodial Gründen, und Waldungen. Von diesem Ort befindet sich vermög Aufnahm und Eintheilungsplan kein Joch mit schlagbaren oder bewachsene Waldung, von welchen in allen nach gemachten Lokal Oberschlag kein Klafter Brennholz erzeugt werden können . Nachdem aber nach Waldmännischer Beurtheilung, diese Waldung zur ewigen Conservation in Schläge einzurheilen ist. so fallen zur jährlichen Benutzung kein Klafter Holz an. 161
Jungstämmige Waldung Anflug Waldwiesenplätze Ganz genußbare Reservatgründe 141 Joch ganz genußbare Oberländer Mittlere Oberländer Schlechtere Oberländer 3 Joch Wirtshaus- und Fleischbanksgrund 5 00 Joch Titul Arrenda 103 Joch Paßagieurs Wiesen Heu-Mad 176 Joch Moräste
keine keine keine keine a 16 kr. = keine keine a 16 kr. = a 30 kr. = a 16 kr. = a 2 kr. =
37 fl. 36 kr.
48 kr. 250 kr. 27 fl. 28 kr. 3 fl. 3 1/ s kr.
Anderweitige Dominikat Erträgniße. Welche ebenfalls in Gemäßheil des zuliegenden Aufsatzes nach einem 6jährigen Durchschnitt berechnet worden, und haben ertragen [als Grundlage dienten die Jahre 1774-1779]: An Weinschanks Gerechtigkeit nach Abschlag der denen Unterthanen gebührenden 1 I4iährige freye Schanksgerechtigkeit 3 04 fl. 48 kr. An Fleischbanks Arrenda 20 jl. 28 112 kr. An Rakiekesseltax keine An Fischfangs Arrenda keine An lndustrieal- oder extra Sessional-Steuer . Mit Reben bepflanzte Gärten keine Obstgärten keine Savranen [Baum- oder Buschfelder. hochwüchsige Gräser) keine Promontorial Weingärten [Vorgebirgsweingärten] keine 2 00 Joch Krautgärten a 3 0 kr. 100 fl. An Realitäten Steuer von denen Häusern keine An Mühlenzinßung . Wassermühlen 8 Roßmühlengänge a 1 fl.
keine 8ft.
An Gewerbesteuer . 1 Schmid mit Grund a 2 kr. Klafter 3 fl. Von den Erträgnissen werden zur Unterhaltung der Beamten und Gebäude 10% abgezogen. Der Pfarrer hat an jährlichen Gehalt In Natura: 7 fl. 30 kr. 15 Metzen Fruchta 30 kr. 30 Metzen Haber a 18 kr. 9 fl. 6 fl. 15 Metzen Kukurutz a 2 4 kr. 15 Schöber Heu a 3 f/.20 kr. 50 fl. 15 Klafter Holz a 2 fl. 30 fl. in Summa 302 fl. 30 kr. Gleichwie nun dem Grundherr beymAnkauf des Guts Biliet das Jus PatronalUS [Patronatsrecht. Grundherrnrecht) mit verliehen wird, so wird auch diese jährliche Beköstigung [Geh alt und Lohn des Pfarrers) zu 4 112% berechnet, und von der Kapitals Summe abgeschlagen. V e r b l e i b t d i e e i g e n t l i c h e Kap i t a l s S u m m e i n 7 5 . 1 2 2 f l . 4 6 213 k r . Mit Ende Oktober 1779 verbleibe dieser Ort an Liquidirten Contributions Resten 162
schuldig4.133 fl. 6 kr. 24.435 fl. 1112 kr.
so in 8jährigen Raten einzurheilen Und an Kolonistenschulden
Die weiteren Rückstände von da herwärts müssen bey der Obergabe Liquidirr werden. Ärarial Gebäude befinden sich allhier. Schätzungs Aufsatz. Des Guths Biliet im Thorronthaller Comitat. Diese enthält folgende Ortschaften: Bi li et DerseIben Erträgnis nach allen A b zu g a 4 112 %1 . 756fl . 42kr . a 6 % -2.165fl.6kr. B e t r a g e t a n K a u f s c h i ll i n g s Kap i t a l : 7 5 . 1 2 2 f l . 4 6 213 k r . Mit Ende Okt. 1781 kommt Biliet in der II. Klasse zu behandeln, dahero dermallens [ab dann]
nachzutragen: 1 2 . 6 3 6 f l. 4 4 4 /9 k r. Ab 1. Nov. 1788 nach der I. Klasse anzuschlagen [zur Verrechnung] mit: 1 8. 8 9 8 f L 1 5 5/ 9 k r. An Contributions Rückständen: 4.133fl.6kr. An Kollonisten-Schulden: . 24 . 435fl.1 112kr.
Pr. [Preßhurg.er]Königliche Kamera/ Landes Buchhalterey. Temeswar den 15. November 1780. M. Hofmann Caal. Admn. Aßeßor Johann Georg Barth K. K. unleserlich An die Kaysl. König/. Hof-Kammer, Euer Excellence! . . . Wenn der Vbemehmer des Guts Billiet im Thoronthaler Komitat die Contributionsreste von 4.133 fl. 6 kr. gleich baar bezahlt, demselben 30% nachgesehen werden könnte, weil diese Ausstände meistentheils durch die mittlerweilen v e r s t o r b e n e n , v e r d o r b e n e n und e n tw i c h e n e n Ansiedler erwachsen sind. Bei der sehr nahmhaft steigenden Kolonisten Anticipations Schulden pr 24.435 fl. 1112 kr. hingegen erachtet die König!. 1nkorperations Hof-Commission, daß bei alsogleichem baaren Erlag 50% , wie dies auch bei übrigen Herrschaften und Gütern geschehen ist, der Ursachen nachzusehen wären . . . Gehorsam Dienstschuldigster Temesvar, den 7. Juny 1781 G. Christoph Niczky Durch die vielen, nüchternen Zahlen des "Schätzungs-Aufsatzes"wird das gesamte Spektrum des Wirtschaftslebens von Billiet im Jahre 1780 erlaßt und offen dargelegt. Er gewährt uns aber leider keinen Einblick in das Gefühlsleben der Frauen und Männer von Billiet, die durch dieses Dokument am Anfang eines großen Dramas standen, das durch menschliche Leidenschaften, von Großmut und Erbärmlichkeit bestimmt wurde. [Fünfkirchen heißt heute Pecs und war früher die Frankenstadt in der Schwäbischen Türkei.] Hi3
Der dritte Schwabenzug (1782-1787) In Wien mußte man sehr bald feststellen, daß die angebotenen Kameralgüter nur dann einen Abnehmer fanden. wenn auch die nötigen Arbeitskräfte - die Fronbauern m i t i hr e n Fa m i I i c n - zur Bewirtsch aftu ng derselben vorhanden waren. Nach den mit Kolonisten besiedelten Gütern und Dörfe rn herrschte eine rege Nachfrage, das beweisen die vielen , heute noch vorhandenen Bewerbungsschreiben im Wiener Hofkammerarchiv. Im Banat gab es noch eine große Anzahl von unbesiedelten Prädien , die man gerne nutzbringend verkaufen wollte . Jetzt war es nicht mehr das Ärar oder der Staat der die Kolonisierung betrieb und finanzierte, sondern die Hofkammer in Wien als Grundherrschaft. Der ungarische Staat oder die drei neu gegründeten Banater Komitaten hatten mit dem dritten Schwabenzug und der Kolonisierung der restlichen Prädien mit Kolonisten nichts zu tun . Wer aber annahm , daß die Habsburger, an der Spitze Kaiser Joseph li. durch ihre Ansiedlungen von deutschen Menschen im Banat ihren angeblichen "Germanisierungstendenzen" huldigen wollten, geht sehr weit fehl. Ausall den Maßnahmen , die der Kaiser in der Epoche seiner Alleinherrschaft für das Banat und seine Völker getroffen hatte, war mit Sicherheit zu schließen , daß sie nicht zum Vorteil der deutschen Siedler gereichten. Der Anbau der brachliegenden Felder, die Verbesserung der Bodenkultur, die Vermehrung des so geringen Bevölkerungsstandes und dadurch wieder die Förderung der Staatseinnahmen waren die Absichten und Ziele des Kaisers. In einem Handschreiben vom 8. Juli 1786 an seine " Impopulationskommissäre" im Banat und der Batschka nimmt der Kaiser zu dem Thema der Gleichberechtigung der Nationalisten mit den Deutschen wie folgt Stellung: "So nützlich die deutsche Ansiedlung in dem Bacser und Temeser Distriel sein mag, zu deren Beförderung ich schon beträchtliche Summen verwendet habe, so schädlich würden sie für diese Gegenden ausfallen, wenn man sie zum Nachteil der älteren Colonisten, nämlich der Razen und Illyrier begünstigen wollte. Da diese an das Land gewöhnt, mithin eine solche Familie in ansehungihrer innerlichen Stärke mehr als 3 deutsche zu schätzen ist. Meine Willensmeinung gehet also dahin , daß sie die Administration gemessenst anweisen bei allen Ansiedlungen irrender Colanisten nie einer illyrischen oder walachischen Gemeinde ein Grund benommen werde, den sie entweder zu ihrer Subsistens oder zu Erhaltung ihrer Viehzucht bedarf." Zombor, 8. Juli 1786. Di e ,Jnstruction für die Landesherrlichen Commissarien in Ungarn " sagt unter§ 3 u. a. folgendes aus: ... eine von Landeskinder selbst, besonders von der razischen Nation und aus der Türkei oder Walachei herüberkommenden Emigranten nach und nach erzielende Menschenvermehrung würde gewiß viel wohlfeiler und gedeihlicher sein. als Ausländer. Diese Einsicht des Kaisers kam nachdem bereits 60.000 deutsche Men schen. von den Habsburgern mit Reisepässen versehen. in s .. Kronland Banat" geschickt und dort angesiedelt wurden. zu spät. Seinen Grundsätzen. mit denen er sich bei sein er Mutter nicht durchsetzen konnte. muß man eine weitherzige Gerechtigkeit den einheimischen Walachen und Raizen gegenüber. zubilligen. Am 13. März 1787 hatte der Kaiser die Ansiedlung von deutschen Menschen auf Kosten der Hofkammer gänzlich eingestellt. Damit fand der "Dritte Schwabenzug" in das Banat seinen Abschluß. Während dieser Zeitspanne wanderten rund 13.500 Personen in das Banat ein und wurden in irgendeinem Dorf oder Prädium angesiedelt [Heute wandern jährlich rund 12.000 deutsche Menschen aus ganz Rumänien in die BR Deutschland zurück].
Der " Schlafkreuzer" an die Quartiergeber von Billiet ( 1786) Die Kolonisten des dritten Schwabenzuges wurden , ebenso wie die des ersten und zweiten . bis ihre Häuser in ihrem Bestimmungsort fertig waren, in den Nachbardörfern, den sogenannten Durchgangsortschaften untergebracht, in denen sie eine gewisse Zeit, oft mehrere Monate, verbrachten . Die Hausbesitzer erhielten vom Ärar täglich einen Kreuzer je Person an "Schlafkreu164
zer-Gebühr". Der Schlafkreuzer war ein Quartiergeld, das nicht nur für die Schlafstelle, das Übernachten , sondern vom Ärar als Miete für die Wohnung bezahlt wurde. Die im Wiener Hofkammerarchiv im Faszikel 156 aufliegenden Schlafkreuzerlisten sind sowohl für die Familienforschung als auch für die Geschichtsforschung Quellen erster Ordnung. Nach diesen Listen befanden sich im Bezirk Csatad [Lenauheim]472 Familien, von denen 23 im Jahre 1786 in Billiet einquartiert waren. Diesen 23 Familien gehörten 113 Personen an, die insgesamt 23 .672 Tage in Billiet wohnten , was einem Durchschnitt von sieben Monaten je Person entspricht. Für diese in Anspruch genommenen Tage bezahlte der Staat laut der Schlafkreuzerliste von Oktober 1786 an die Quartiergeber von Billiet [um nicht Hausherrn zu sagen], eine Summe von 394 Gulden und 32 Kreuzer. Von diesen 23 Familien sind drei in Billiet verblieben , drei Kinder haben in Billiet das Licht der Welt erblickt und acht der einquartierten Kinder sind in Billiet verstorben. Die Witwe Charlotte Aor, die seit dem 3 1. Juni bei Peter Honig, Hausnummer 243, mit ihren fünf Kindem einquartiert war, ist am 17. August 1784 ... mit dem Tod abgegangen und ihre hinterbliebene Kinder wurden am 30. Apri/1785 in Klein-Betschkerek, mit 5 Köpf angesiedelt. 16 weitere Familien wurden ebenfalls in Kleinbetschkerek und 4 Familien in St. Andres angesiedelt. Laut dem "Aufsatz" über die Schlafkreuzer des Dorfes Sackelhas hat der Kolonist Nikolaus Habscheid vom 11 . Juni 1784 bis 17. September 1784 bei Mathias Becker Nr. 161 gewohnt und ist dann " nacher Pilliet gezogen." Wenn wir die folgende Schlafkreuzerliste mit dem Namensverzeichnis aus dem Jahre 1774, bei der Eröffnung des Grundbuches, vergleichen, so können wir feststellen , daß nur sechs von diesen Familien schon damals in Billiet lebten . Aufsatz . Wieviel die Hausbesitzer der nachstehenden Ortschaften an Schlaf- Kreuzer für die im Quartier gehabte Colanisten bis Ende Oktober 1786 zu fordern haben. Also: Billiet Haus Nr.
Namen des Hausbesitzers
Namen des im Quartier gehabten Colanisten
Tagder Einquartierung
Personen
123 124 143 143 248 247 252 243 33 7 7 112 56 25 96 236 237 203 203 39 147 251 147
Wilhelm Berich Johannes Brander Georg Rößler Georg Rößler Johannes Endrasch Mathias Endrasch LorenzHenz Peter Honig Johannes Metzen Johannes Tenserter Johannes Tenserter Kaspar Stillhammer Johannes Arnoldy Wilhelm Woll Franz Land Heinrich Rademacher Josef Greber Peter Adelbach Peter Adelbach Jakob Neumann Michael Wagner Nikolaus Lany Georg Koßt
Joh. Adam Bach Johannes Bernath Johannes Bernath Palthasar Braun Andreas Taunn Martin Zimmermann Peter Stirnher Scharlotta Flor, Wittib Peter Treib AdamMetzen Peter Waschgus Peter Willge Nikolaus Kambel Mathias Lehner Nikolaus Habscheid Georg Bieg/er Cordianw Ditz Jakob Bibet Gottlieb Ribitsch Mathias Biringer Peter Forster Gottlieb Rübitz Palthasar Rothweiler
29. 6.1784 11 . 6.1784 28. 2. 1785 16. 6. 1785 11.6.1784 11 . 6. 1785 31 . 6. 1784 31.6. 1784 6. 6. 1784 15. 6. 1784 21. 6. 1785 15.6.1784 21.6.1785 15. 6. 1784 17.9.1784 15.6.1784 15.6.1784 25. 6. 1784 13. 10. 1784 19. 4. 1785 31 . 6.1784 11. 6. 1784 1. 6. 1784
8 6 6 5 7 3 5 6 7 4 5 6 \5 3 6 3 2 8 2 5 4 2 5
Der Türkenkrieg im Banat (1788) Kaum waren dieletzten Familien des dritten Schwabenzuges aus Billiet ausgezogen , kamen neuerdings, bedingt durch den ausgebrochenen Krieg mit den Türken, F1üchtlinge aus dem südlichen Banat bis Billiet, die hier einquartiert wurden. Im Jahre 1788 brachen die Türken mit einem großen Heer über die Donau nach Norden auf und verbreiteten sich in mehreren Streifzügen über das gesamte Südbanat Die Kampfhandlungen nahmen für die Bevölkerung des Banats einen recht unglücklichen Verlauf, denn die Türken verfolgten die kaiserlichen Truppen bis Lugosch und bis knapp vor die Tore der Festung Temeswar. Kaiser Joseph kam mit einem großen Heer ins Banat und war persönlich im Hauptquartier seiner Generäle anwesend. Die Österreichische Heeresleitung unter Feldmarschall v. Lacy sah sich gezwungen, die mit deutschen Menschen besiedelten Städte und Dörfer wie Weißkirchen , Neupalanka, Werschetz, Neumoldowa, Saska und viele andere Orte zu räumen und die Bevölkerung zur F1ucht nach Norden aufzufordern . Nahezu 150 Orte wurden in diesem Kriege verwüstet und niedergebrannt. Die deutschen Siedler aus dem Südbanat suchten bei ihren Landsleuten im Nordbanat Schutz und Hilfe, die ihnen auch den Umständen entsprechend gewährt wurde. Die F1üchtlinge hatten nur das Notwendigste zu ihrem einstweiligen Unterhalt von zu Hause mitgenommen und kamen so mit leeren Händen im nördlichen Banat an. Erst am 4. August 1791 wurde der Friede mit den Türken in Sistowa geschlossen. Die nach den Kampfhandlungen zurückgekehrten deutschen F1üchtlinge fanden in ihren Dörfern nichts als wüste Brandstätten vor. Viele kehrten nicht mehr in ihre Dörfer und Städte zurück . Trotzdem gewann dieses verwahrloste Gebiet Dank der deutschen Menschen und ihrem festen Willen zur Arbeit ein freundliches Aussehen und viele Dörfer wurden neu angelegt. Außer den Eintragungen in den Kirchenbüchern fehlen über diese Einquartierungen in Billiet alle archivalischen Quellen.
Billiet in der ersten Klasse der Steuerzahler 1. November 1788 Wie bereits aus dem " Schätzungs-Aufsatz des Guthes Billiet" aus dem Jahre 1780 ersichtlich ist, wurde dieses ab 1. November 1788 mit weiteren 17 Heidegemeinden in die erste Klasse versetzt. Nach einer Verordnung vom 2 4 . Deze m b er 1 7 8 8 , es war also eine "Weihnachtsüberraschung" , stiegen die folgenden Dörfer mit in die erste Klasse auf: Hatzfeld Lovrin Mastort Tschadat St. Hubert Groß Jetscha Bogarosch Charleville B i II i e t Grabaz Seoltour Marienfeld Ostern Heufeld Albrechtsflor Gottlob Triebswetter Klein Jetscha Angesichts des ausgebrochenen Krieges gegen die Türkei und der ständigen leeren Staatskasse der Habsburger wurden die Kontributionszuschüsse an das Komitat wie folgt neu festgelegt und erhöht: 4.640 fl . 51 kr. Für das Jahr 1788 Für das Jahr 1789 6.764 fl. 51 kr. 6.764 fl . 51 kr. Für das Jahr 1790 6.764 fl . 51 kr. Für das Jahr 1791 24.935 fl . 24 kr. Zusammen 166
Nach Kaiser Joseph II. folgt sein Bruder Leopold II. auf den Thron der Habsburger ( 1791) Da Kaiser Joseph II. am 20. Februar 1790 ohne männlichen Nachkommen starb, folgte ihm sein Bruder Leopold II. (1747- 1792] auf den Thron des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation . Leopold setzte die von Joseph begonnenen Verhandlungen über die Abtretung des Kameralgutes Billiet an das Agramer Bistum fort. Wie wir im nächsten Kapitel sehen werden, ohne viel Erfolg, da sich die Verhandlungen bis ins 19. Jahrhundert erstreckten. Leopold II. starb bereits im Jahre 1792 an der Ruhr, sein Nachfolger wurde sein Sohn Franz II. [ 1768- 1835J; der im Jahre 1806 die deutsch Kaiserkrone niederlegte. Aus der Epoche dieser beiden Kaiser steht uns über Billiet ein sehr reichhaltiges dokumentarisches Material zur Verfügung. Nach einer "allerhöchsten Majestäts Entschließung" vom 17 . Dezember 1792 sind nach Punkt 30, Ziffer A weitere 85 Ortsch aften und 5 Prädien neben 600 Joch vom Prädium Pakacs. die im Norden an das Gut Billiet angrenzen. zur "Hindangebung" [Weggebung] vorgesehen. Weiters wurde auch daran erinnert, daß ... der mindeste zerstückelte Ort noch über 170 ganze Ansässigkeifen verfügen muß . . . und es ist die Meinung der Hofkammer, daß nach dem Sinne des Gesetzes die Güter nur an wohlhabente Männer für sie und' ihre Nachkommen verliehen werden sollen ... Es folgt nun der Origiiuiltext des "Zerstückelungs-Planes" und die Vorschläge der Banater Landesadministration in Temeswar aus dem Jahre 1791 , wie die Ortschaften Billiet und Kleinjetscha sowie 1200 Joch Feld vom Prädio Pakacs gemeinsam verkauft werden sollten: Ausweiß [Aufstellung] November 1791 Sämentlicher banarischer Kamera! Ortschaften und Prädien wie solche wegen der von allerhöchsten Orthen angeordneten Veräußerung oder Verpachtung nach ihrer Lage und Umständen in Herrschaften zusammen gesetzet, oder als einzelne Gütter belassen worden. Dann welche Ortschaften noch fernerhin und wenichstens in solange ahnmittelbar beizubehalten notwendig seien, bis die hierwegen obwaltende Umstände behoben und diesfalls vom allerhöchsten Orthen das notwendigermaßende bestimmt und veranlasset sein wird ... Billiet Gehört zu dem Komitat: Toronthall zu dem Amte: St. Andrasch Nahmen der Ortschaften und Prädien: Billiet, Klein Jetscha und ungefähr bis 1200 Joch von dem Prädio Pakatz. A n t r a g d e r A d m i n i s t r a t i o n : mit sammen loszuschlagen [gemeinsam weggeben]. A d m i n i s t r a t i o n s G u t a c h t e n warum sie so zu behandeln vorgeschlagen habe: Der Zusammenhang dieser Ortschaften machet diese Zusammensetzung nothwendig. Nachdem aber beide Gemeinden die s e l b s t R e d i m i r u n g wünschen därften, und hiefür Soloendo sind, so würde von Pakazersteren Ort Billiet nur 400, letzteren Klein Jetscha aber bis 600 Joch zuzutheillen die nothwendigkeit erfordern. Erst vier Jahre später, im Jahre 1795, hat die k.k. Ungarische Hofkammer in Wien gegen diesen Antrag, die beiden Ortschaften Billiet und Klein-Jetscha ,,mit sarnmen loszuschlagen", entschieden und sich für die "Bey b eh a I tun g der 0 r t s c h a f t Bi II i e t" eingesetzt. In ihrem eigenen "Zerstückelungs-Entwurf" an die Gemischte Hofkommission in Kameralangelegenheiten begründete sie ihren Entschluß wie folgt:
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Temeswarer Bezirk Zerstückelungs-Entwurf Ortschaft Billiet Komitat in welchem das Gut oder Ortschaft liegt: T o r o n t h a l Zur Beybehaltung: j a Zur Hintangebung: nein Bemerkungen der königlichen hungarischen Hofkammer:
Für Eillied und Pakatz einverstanden mit dem Vorschlag der Administration vom November 1791, es wird in Ansehung der von dem Prädia Pakatz zu den Portionen welche aus dem Ort Pesak formiert werden sollen zu verwendenden 600 Joch darauf ankommen, ob die Zerstückelung des Ortes Pesak allerhöchsten Orts Beyfall finde, oder die in dem Begleitungsbericht gegen derley Zerstückelung ganzer Ortschaften gemachte Bemerkung überwiegend angesehen werden wolle.
Das Direktorium der Gemischten-Hofkommission in Kameralangelegenheiten hat unter Vorsitz des Obersten-Direktors, Minister Graf von Kollowrath, den von der Ungarischen Hofkammer eingereichten " Zerstückelungs-Entwurf des Temeswarer Bezirks" überpriift und entscheidende Änderungen getroffen . In dem dem Kaiser vorgelegten Protokoll heißt es unter Punkt 4 [Fol. 20.] . .. obschon in Ansehung des weit ausgedehnten Temeswarer Bezirkes die allerhöchste Gesinnung dahin gehe, die Masse der Cameral Güter zu vermindern und die Zahl der privat Besitzer zu vermehren so treten doch in Rücksicht sowohl auf Publicum als auf das Ärarium mehrere Umstände ein, welche auch in diesem Bezirke die Beibehaltung nahmhafter Besitzungen erforderlich machen. Es folgt nun eine Reihe von Griinden für die Beibehaltung von einzelnen Dörfern und Prädien. Für die Beibehaltung des Kameralgutes Billiet, das für den Austausch an das Agramer Bistum vorgesehen war, heißt es unter anderem: .. . Außer dem können noch ein anderweitiger Theil der Caal Güter teils für die von dem Fiscus manchesmal in Äquivalenti zu leistenden Evictivsfälle, aber auch als ein Gnadenschatz zur Belohnung solcher Männer, die sich auch künftig durch nützliche Dienste im Militär- oder Civilsachen auszeichnen werden, zurück zu behalten. Ferner werden in der Betrachtung das der Ternescher Bezirk und vorzüglich das Toronthaler Komitat meistens große Ortschaften enthalte, deren Schätzungswerth die Kräfte der meisten sonst wohl verdienenten, aber unvermögenden Bittwerber weit übersteigen würde . . . Es sollte auch vermieden werden, daß mehrere kleine Güter zu einem großen Gut zusammen gelegt werden, um den . .. schon oft um ausmessungeiniger Edelhöfe [Prädien und Pußta] und kleineren Antheilen eingekommenen Magistratual Individum womit auch der weniger bemittelten, seit der incorporation [Einverleibung mit Ungarn] dienenden Komitats- Beamten die gewünschte Gelegenheit, zu einigen minderen Besitzungen zu gelangen. · Wir sehen also, obwohl es dem deutschen Bauern untersagt war, seine von ihm urbar gemachten und bebauten Grundstücke zu erwerben, wurde den Komitats- und Magistratsbeamten das Recht eingeräumt, sich "Edelhöfe" zu erwerben . Um der Wahrheit die Ehre zu geben , muß angesichts dieser Fakten und Tatsachen gesagt werden , daß die deutschen Bauern im Banat nicht erst in Ungarn , Rumänien und Jugoslawien die Stiefkinder der jeweiligen Regierungen dieser Staaten waren, sondern das galt vor allem schon für die Zeit unter den Habsburgern . Wie wir aus den alten Akten und Quellen ersehen können , ging es schon damals einzig und allein darum , die Lasten möglichst einseitig und nur auf die Schultern der Bauern, Kleinhäusler und Gewerbetreibenden zu legen . Daher erhebt sich auch die Frage, wer waren die Mitglieder dieser Gemischten Hofkommission, die diese " Zerstückelungs-Entwürfe" für das Banat und seine Dörfer und Prädien ausarbeitete und in die Tat umsetzte? Dieses "allerunterthänigste und treugehorsamste k .k . Direktorium" setzte sich aus den folgenden Mitgliedern zusammen: · 168
0 b e r s t e r D i r e k t o r : Minister Graf von Kollowrath D i r e k t o r : Hofkanzler Graf von Rottenhan D i r e k t o r V i c e p r ä s i d e n t : Freiherr von Degelmann Hofräthe : Freiherr von Bolza Freiherr von Hertelly Freiherr von Koller Freiherr von Greiner Freiherr von Birkenstock Freiherr von Kempelen Freiherr von Semsey Freiherr von Mehesy Freiherr von Oswalder Freiherr von Fechtig Graf von Colloredo Freiherr von Strobel Freiherr von Pergen Präsident der k.k . Ungarischen Hofkammer war Grafvon Szecseny. Wie wir sehen , nur Grafen und Freiherrn. Die Bauern, um deren Kopf und Kragen es letztlich ging, wurden nicht gefragt und hatten auch kein Mitspracherecht.
Aufteilung des Überlandgrundes in Billiet ( 1794) Aus dem "Beschäftigungsrapport" des "Cameral Mappeur", lng. Ernest Polak , ist zu entnehmen , daß dieser . .. am 19. Februar 1794 von dem Ort Dugosela nach Billiet ging und daselbst Ausschnitte wie auch 102 Stück Feldportionen geometrisch aufgenommen habe. Mit dieser Eintragung in seinen "Beschäftigungsrapport" hat uns Ing. Polak bestätigt, daß im Jahre 1794 ein Teil des seit der Ortsgründung reservierten Überlandgrundes zu 102 Feldportionen vermessen und an die Bevölkerung vergeben wurde. Wie sehr man bestrebt war, alle nur möglichen Grundstücke an die Bevölkerung zu verpachten und zu Geld zu machen , geht aus dem folgenden Akt des Jahres 1797 hervor: ... übrigens sind der Gemeinde Lippa, Werschetz, Gertianosch, Alt-Besehenova und Billiet sowohl die Urbarial- Beneficien als Dominical-Regalien auf verschiedene Jahre kontraktmäßig in Pacht überlassen. Trotzdem fanden sich doch immer wieder viele leere Sessionen und verlassene Häuser in den Kameralherrschaften , auf denen sich die deutschen Siedler niederließen . So zählte man z. B. im Jahre 1794 nur im Temeswarer Komitat 250 ganze, 597 halbe, 1029 viertel und 660 achtelleere Ansässigkei ten. Nach einer Kamerai-Administrations-Verordnung vom 3. Mai 1797 an das Csadater Rentamt solle dem ... Billieter Unterthan des Hauses Nr. 218 das abgehende 1 Joch Ackerfeld aus der angrenzenden Portion Nr. 118 die um 5 3/ 4 Joch größer ist ersetzt werden, und der neu erbrachte Theil von 4 3/ 4 Joch für das Ärario abgeschnitten werden.
Die Neugasse in Billiet wird vermessen und aufgebaut ( 1798) Als nächste, heute noch sichtbare Maßnahme gegen die drückende Wohnungsnot in Billiet wurde im Jahre 1798 die Neugasse vermessen und aufgebaut. Die Karnerale-Grundherrschaft überließ den Haus- und Wohnungsuchenden einen Teil der im Westen des Ortes gelegenen Urbariai-Hutung, also bereits urbar gemachte Grundstücke, als Hausplätze. Mit dieser Maßnahme 169
ist der Ort in die Hutweide hineingewachsen und hat sich um rund 80 Häuser vermehrt, sodaß auch die bereits im "Schätzungsaufsatz" des Jahres 1780 angeführten 67 "ohnbehauste Inwohner" ein eigenes Dach über den Kopf erhielten. Für diese neuen Hausplätze sind nicht die gleichen breiten Grundstücke wie bei der ersten Kolonisation, bei der Ortsgründung, zur Verfügung gestellt worden, sondern kleinere, daher auch der Name die "Kleinhäusler". Die Größe eines Hausplatzes betrug in der Neugasse 250 bis 300 Quadratklafter. Dadurch, daß diese Erweiterungsbauten bereits im Jahre 1798 möglich waren, wird deutlich bewiesen, wie weiträumig die ursprüngliche Anlage des Dorfes gewesen ist . Die Kirche, die bei der Ortsgründung im Jahre 1765 den Mittelpunkt des Ortskernes bildete, ist durch den Zubau der Neugasse ganz aus dem Zentrum gerückt.
Die Bittschrift der Waisenkinder Lehner an den Kaiser Franz II. ( 1795) Die lmpopulations-Hauptinstruktion erhielt zahlreiche Bestimmungen, die anordneten , daß das Vermögen der Waisen sicherzustellen, zu Geld zu machen, auf Interesse zu legen und Thnen bei ihrer Mündigwerdung auszufolgen sei. Die Verwaltung sollte durch die Gemeinden besorgt werden . Die Praxis entsprach der Theorie jedoch in keiner Weise und die Waisengelder bildeten den Hauptgegenstand der Betrügereien, die entweder von den Rechnungsführern und Beamten oder wie in Gertianosch, vom Grundherrn selbst, die die Verwaltung der Waisengelder widerrechtlich an sich zogen, begangen wurden. Die vielfachen Vorschläge, zur Minderung des Elends ein Waisenhaus errichten zu lassen , wurden von der Kaiserin insoferne abschlägig entschieden, als sie befahl, damit zu warten, bis aus der Ansiedlungsaktion bereits Einnahmen zu verzeichnen seien. Aber auch die Gemeinde Billiet hatte im Jahre 1795 u. a. einen Fall , in dem sich die vier Lehnensehen Waisenkinder in einer Bittschrift an den Kaiser wenden mußten , um in den Besitz ihres elterlichen Erbteils zu kommen . Die Archivalien berichten über bisher unbekannte Einzelheiten und Methoden - freilich aus der Sicht der ganz und gar auf herrschaftlicher Seite engagierten Grafen und Freiherrn- über das Schicksal der ärmsten der Armen , der Waisenkinder.
Akt über die Verlassenschaft des Fleischhackers zu Billiet Paul Lehner Eure Majestät In der hier beiliegenden allerhöchst bezeichneten B i t t s c h r i f t beschweren sich die Erben des zu Billiet im Banate gewesenen Fleischhackers und Weinschenkers Paul Lehner, es wäre nach der im Monat Juny 1778 durch Räuber erfolgten Ermordung ihren Eltern das von denselben hinterbliebene Vermögen zwar durch das Hatzfelder königliche Rentamt inventirt und licitirt worden, aber erst im März 1780 eine einstweilige Abhandlung, unter Buchstabe A entworfen worden, die jedoch wegen noch unberichtigten activ- und paßiv-Standes nicht bestehen konnte. Daher sei der Cameral Amts-Aktuar K l um im Oktober 1780 als Curator Massa mit dem Auftrag bestellt worden die ausständigen activa- und licitations- Gelder einzutreiben, die pasiva ordentlich liquidiren, einen Gerhaben [Pfleger] für die Waisen vorzuschlagen und die standhafte Abhandlung zur Ratification einzureichen, allein dieser [Klum] hätte bei seinem Absterben das Geschäft in der größten Verwirrung hinterlassen. Es wäre also zu Anfang des Ja h r e s 1 7 8 6 eine Localuntersuchung veranlaßt und hiernach von dem Cameral-Administrations-Actuar Szentkereszti der Vermögensausweis unter Buchstabe B entworfen worden. Allein hiemit sey die Sache nicht abgethan, weil die seit so vielen Jahren 170
ausständige licidacions - Gelder immer noch uneingebracht blieben, ja unsicherer wurden. Ungeachtet mehrmaliger Ansuchen der bittstellenden Erben um die endliche Abhandlung ihrer V erlassenschaftssacke wäre doch solche noch nicht berichtigt und sie fänden sich in folgende beschwered: a) Sey erst 44 Tage nach der Ermordung ihrer Eltern zur Sperr geschritten worden, mithin durch so lange Zeit alles fremden Händen ausgesetzt gelassen, zu Verschleppungen und Verschweigung der wahren Hinterlassenschaft Gelegenheit gegeben, ja auch durch die so lange vernachläßigte Abhandlung die Mittel der Nachforschung und des Beweises benommen, womit sie in vielen unwiederbringlich verkürzet worden. b) Sey weder zur Inventur ein Curator noch zur Vertretung der Pupillen [Waisen] bei der Licitation, und zur Ausfindigmachung des wirklichen Vermögens ein Vormund bestellet, sondern alles nur beiläufig von Unkundigen abgeschätzt, licitirt und aus Mangel hinlänglicher Käufer vieles zu gering verschleudert worden. c) waren bei der Lidtation das meiste ohne Geld und zum Theil ohne Sicherheit hindangegeben worden, woraus sich uneinbringliche Posten ergeben hatten. d) Seyen die pasiva ohne Beweis und Liquidierung bezahlet worden, wo doch für den Erblasser, als einen wohlhabenden Mann, die Vermuthung bestanden hatte, daß selber nicht so vielen schuldig geblieben sey. e) Sey nach den Anmerkungen unter c, der Nutzen der Pupillen vernachlässigt, ihr Vermögen durch Auslassung des gebührenden, und durch Vergrößerung und Vbertreibung aller nur möglicher Lasten vermindert worden. Da um solcher Gestalt ihre Erbschaft durch soviele Jahre unberichtigt erläge, und sie inzwischen in ihrem Nahrungsstand, den sie sonst wircklich verbessern konnten mit Kummer beschränkt sehen müssen und nicht einmal die nöthige Aushilf auf Kleidung fanden, wenn nicht ihre Schwester, die verehelichte Elisabeth König hirauf 160 Gulden bereits vorgeschossen hätte, welche sie jedoch ungeachtet mehrmahliger Mahnungen von dem Gerhaben nicht zurück erhalten könnte. So bäthe sie um die nöthige Veranlassung damit ihr Erbschaft endlich abgehandelt, und in volle Richtigkeit gebracht, alsdann aber den Großjährigen ihr Erbtheil ausgefolgt und die von der bemeldeten Schwester für die minderjährigen auf die Kleidung vorgeschossenen bereits liquidirren 160 Gulden derselben vergütet werden möchte. Man hat dieses vorstehende Gesuch der königl. hung. Hofkammer mit dem Auftrage zugesendet, über die vorgebrachten Beschwerden die unterhabenden Behörden den standhaften Bericht mit beigefügter Wohlmeinung zu erstatten. Diesem zufolge nun berichtet die gedachte Hofkammer in dem Anschlusse: Es sey nach der zugleich beiliegenden Äußerung der Ternescher Cameral-Administration der im Dorf Billiet wohnhaft gewesene Vater der Bittsteller Paul Lehne r nächtlicherweile zwisch.en dem 28. und 29. Juny 1778 samt seiner Gattin von Räuber erschlagen, und ausgeraubt, das übriggebliebene Vermögen am 12. August des nämlichen Jahres durch das ehemalige Hatzfelder Rentamt beschrieben und versteigert worden. Ober die rückgeblibenen Waisen hatte sich gleich anfangs der Temeswarer Dom-Musicus Pabst, als vorgeblicher Anverwandter zum Vormund aufgeworfen, und selbe durch einige Jahre mit Kost und Kleidung versehen. Die Verlassenschaft wäre aus Anlaß durch die mittlerweile erfolgte Landes-Incorporation [Anschluß des Banats an Ungarn] eingetretenen verschiedenen Steuerungen und Anweisungen durch die Umstellung der vorigen banatischen Landesverfassung bei dem gedachten nach Csadat übersetzten Rentamt in einige Verlegenheit gerathen, und darüber ein Ausweis, welcher zwar mehreren Anständen unterlag, der im Jahre 1779 aufgestellten jetzigen Cameral Administration im Monat März 1780 zugekommen, und als die fürgewesene königliche Incorporations-Hofkommission zur vollenberichtigungaller von der banatischen Landesadministration unabgehandelt verbliebenen Verlassenschaften dem verstorbenen Landesgerichts Actuar K l um zum Curator aufgestellet hätten, waren demselben unterm 28. Oktober 1780 auch die Lehnerischen Verlassenschaft mit alt zugehörige Acten in gleicher Absicht übergeben wordn. Dieser Curator sey aber im Monat Oktober 1784 verstorben und habe die gefragte Verlassenschaft noch in einem verwirrteren Stande als er sie übernahm zurück gelassen. Daher wäre die Bearbei-
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tung dieser und mehr anderer Verlassenschaften dem vorigen Administrations Actuar nunmehrigen Beisitzer Szentkerszti übertragen worden, der auch dieselbe Zeuge des der Bittschrift unter B beiliegenden Aufstellung aus ihrer Dunkelheit ins volle Licht gebracht, und im Jahre I786 ordentlich vorgetragen hatte. Um das Geschäft aus Mangel eines thätigen Curators nicht etwa in die vorige Unrichtigkeit wieder verfallen zu lassen, wäre solches dem Temeschwarer Bürger Dirnhoff der als Schwager des ermordeten Paul Lehner sich nach der Hand der Waisen annahm und sich zu ihrem Gerhaben selbst antrug, unterm 24. July I784 anvertraut, und ihm auch späterhin alle nöthige Akten ausgefolget worden, um das an Richtigkeit noch etwa mangelnde anzumerken, und sonach die Verlassenschaft zur gehörigen Abhandlung zu befördern. Inzwischen wäre die Ternescher Cameral Administration bemüht gewesen die über den Beisitzer Szentkeresztischen Vertrag von verschiedenen Behörden abgeforderten Berichte zu sammeln, theils gleich zu erledigen und theils zur weiteren Berichtigung vorzubereiten, auch die CameralBuchhalterei, den Fiscal Bosznyak, und den Kanzellisten Pava wegen Beschleunigung der Abhandlung zu betreiben. Weil dieselbe bis zum Jahre 1790 nicht erfolgt, und auch von dem Gerhaben Dirnhoff bis dahin keine Rechnung über seine Amtshandlung und den eigentlichen Maß aStand erlegt worden wäre so sey zwar derselbe sowohl unmittelbar als auch durch den Temeschwarer Stadt-Magistrat wiederholt dazu, jedoch lang ohne Erfolg angehalten worden, und hätte die rückständige Rechnung erst im Oktober I792 aber auch da nicht über die ganze sondern nur über einen Theil der Maßa beigebracht, und über die deshalb aufgeworfenen Anstände eine Äußerung am 20. April 1793 eingereicht, die aber deshalb zu keiner wesentlichen Verhandlung gelangen konnte, weil auch dieser Gerhab in wenigen Tagen verstorben wäre und das Geschäft abermals in einem durchaus unrichtigen Stand hinterlassen hätte. Die Cameral Administration wäre dadurch in die Nothwendigkeit versetzt worden, zur Bestellung eines anderen Gerhabens in der Person des städtischen Hauptmanns Paval?? [unleserlich] zu schreiten, der auch dieses Amt anfänglich angenommen, nachher aber solches wegen öfterer kranklicher Anfälle verbeten hätte, und dadurch die Sache in die vorige Verlegenheitgerathen wäre. Bei dieser Lage der Umständen, wo die Verzögerung der Verlassenschaftsabhandlung hauptsächlich den bisherigen Gerhaben zuzuschreiben kommt, ließen sich nach dem Erachten der Temescher Cameral Administration der wahre Maße-Stand nicht anderst erheben und zur gehörigen Behandlung bringen, als wenn statt des Stadthauptmanns Pava ein anderer Curator bestellet, durch diesen die E r b e n d es v o r l e t z t e n G e r h a b e n D i m h o f f zur ordentlichen Rechnungslegung verhalten, diese sodann ordentlich durchgegangen und berichtigt, die noch ausständigen Activa neuerlich liquitiert und sammt den verfallenen Interessen eingetrieben, oder etwa deren Einbringung den Erben selbst überlassen und auf diese Art die Richtigkeit hergestellet würde. Sofern aber hiezu kein tüchtiger Mensch ausfindig zu machen seyn sollte welchem dieses Geschäft mit voller Sicherheit anvertraut werden könnte so wäre am Zuträglichsten die Auswahl und Bestellung eines Curators dem schon größten Theils Vogtbaren [großjährig] und berechtigten Erben selbst zu überlassen. Die königl. Ungarische Hofkammer stimme diesem Administrations-Einrathen um so vielmehr vollkommen bey, als die Pflicht der Grundherrschaft sich nur auf die gute Vermögensverwaltung der noch minderjährigen keineswegs aber auch auf die Großjährigen Unterthans- Waisen wie die Bittstellenden sind, sich erstrecke die bereits vogtbar und auch berechtigt ihre Sache selbst zu vertreten im Stande wären. Wenn dieser Antrag die allerhöchste Begenehmigung fände und die Bittsteller hinach sich selbst einen Curator zu wählen beschieden würden so erübrigte nur noch die Ternescher Cameral Administration anzuweisen, dasselbe den Bittstellern oder ihrem Bevollmächtigten die ganze bey der Depositen-[Verwahrungskasse] Kasse nutzbringend anliegende Haarschaft auf erfolgtes Ansuchen verabfolgen lassen, und denselben die vorhandenen sämtlichen Verlassenschaftsakten nebst einem genauenAusweis des Vermögens insoweit solches Grundherrlicherseils verwaltet wurde, hinausgeben, und zugleich dem bestellten Mandatarius [Bevollmächtigter] beyder Eintreibung
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der ausstehenden Activschulden die erforderliche Assistens [Un terstü tzung]leisten, oder auch bey vorkommenden Anständen zur näheren Aufklärung La Officio [von den Behörden] hilfliehe Hand biethen soll. Obrigens habe sich die Vorschußleistung der Elisabeth Lehner an ihre zween Brüder zu I60 Gulden allerdings bestätiget, und sey daher die gehörige Vergütung derselben bereits eingeleitet worden. Was endlich die von-den Bittstellern in der Beilage ihrer Bittschrift unter Punkt C angeführte Verkürzungen betrifft, da scheine hierinfalls der gegenwärtigen Cameral Administration schon darum nichts zur Last zu fallen, weil diese zur Zeit der Ermordung des Paul Lehner und seiner Gattin noch nicht bestanden. Die damalige Landesadministration samt dem Csadater Kreisamt, welchem die Veranlassung einer verlässlichen Vermögens-Inventarium oblag, im Jahre I779 aufgehoben wurde. Heute ist es schwerlich Jemand an dem der Regreß [rückwirkend] wegen etwaiger Vernachlässigung gesucht werden könnte, vorfindig wäre. Gutachten Das vormalige Hatzfelder Rentamt hat allerdings stark gefehlt, daß selbes erst 44 Tage nach der am 28. und 29. Juny I778 geschehenen Ermordung der Lehnerischen Eheleute zur Amtshandlung geschritten ist und dadurch zur Verschleppung und Verschweigung der wahren Verlassenschaft zum Nachteil der zurückgebliebenen Waisen gelegenheil gegeben haben mag. Auch ist darin sehr gefehlt worden, daß zu der Inventur und Versteigerung der Verlassenschaft, weder ein Curator noch ein Gerhab der die Pupillen vertreten, und das wirkliche Vermögen ausfindig zu machen getrachtet hätte, bestellt worden ist. Da indessen das Hatzfelder Rentamt dem vormaligen Csadater Kreißamt und dieses unter der im Jahre I779 aufgehobenen ehemaligen Banatischen Landesadministration gestanden ist, von welcher Behörden jedoch dermalen keiner mehr vorhanden ist, so können solche jetzt von Seite des Cameralis nicht zur Rede und zur Verantwortung gezogen werden, und es ist hierwegen nichts anderes übrig als den 4 Lehnerischen Erben, welche größtentheils die Großjährigkeil schon erreicht haben, anheim zustellen, diejenigen welche an der unrichtigen Behandlung der Verlassenschaft während der Zeit als die Vormalige Banatische Landesadministration bestanden ist, und der dadurch der Massa zugefügte Verkürzung einige Schuld zu tragen erwiesen werden kann, durch einen zu bestellenden Sachverwalter nach dem von der Ternescher Karneral-Administration in ihrer Veräußerung erstatteten Gutachten im Wege des Regreses zu belangen. Was die Verhandlung dieser Verlassenschaft unter der jetzigen, seit dem Jahre I779 bestehenden Temesschwarer Karner[ Administration betrifft, nachdem sie weder auf den Erfolg ihrer über das Elaborat des Actuarius Szentkereszty wodurch die ganze Verlassenschaft im Jahre 1786 aus ihrr:r Dunkelheit insvolle Licht gebracht wurde, getroffene Verfügungen noch auf die Gebahrung der von ihr im Jahre I784 bestellten Gehaben Dinnhoff gesehen hat. So fällt hierwegen die Schuld der seit so vielen Jahren noch nicht erfolgten Berichtigung der Verlassenschaft einigermaßen auf sie selbst zurück. Da indessen die Hauptschuld hieran der gewesene Gerhaben Dinnhoff trägt welcher erst im achten Jahre seiner Gerhabschaft über seine Gebahrung die Rechnung gelegt hat und auch diese unvollständig ausgefallen ist: so kommt es nunmehr hauptsächlich alles darauf an, daß die Lehnerischen Erben wovon 3 bereits vogthier und nur einer noch minderjährig ist, einen tüchtigen Sachwalter ehemöglichst bestellen, welcher durch den Beystand der Administration unterstützt, die Erben des Verstorbenen Gerhaben Dinnhof zur Ordentlichen Rechnungslegung zu verhalten hatte. Die Rechnung wurde sodann ordentlich durchzugehen, zu berichtigen, die noch ausstehenden activa zu liquitiren, und sammt den verfallenen Interessen einzutreiben seyen. Die Administration wird hiebey nach dem Einrathen der königlichen hungarischen Hofkammer anzuweisen seye, dem Sachwalter der Lehnerischen Erben die bei der Temeschwarer Depositions-Kasse nutzbringend anliegende Baarschaft, besonders insoweit solche die großjährigen Erben angehet ohne Anstand zu verabfolgen und dann selben auch die Verlassenschaftakten nebst einem genauen Ausweis des Vermögens insoweit solches vom Camerali als Grundherrn verwaltet wurde, hinauszugeben. Bei der Eintreibung der activen und Interessen den erfordl!rlichen Bey173
stand zu leisten, und bey sich ergebenden Ausständen zur näheren Aufklärung an Officio hilfliehe Hand zu biethen. Und in dieser. Gemäßheil wird nach erfolgter allerhöchsten Begenehmigung das nöthige an die königl. hungarische Hofkammer erlassen und den Bittstellenden Waisen der Bescheid ertheilt werden. Unterschriften Wien, den 9. Jänner 1795 unleserlich Die Bittschrift ist vom 25 . July 1794 Damit können wir einen Akt voll von katastrophaler Mißwirtschaft schließen und uns voller Zuversicht der Grundherrschaft des Agramer Bischofs zuwenden.
Das deutsche Kameralgut Billiet im Banat und das Agramer Erzbistum in der kroatischen Militärgrenze (1784) Die Österreichische Militärgrenze war eine staatliche Institution , die ihrem Wesen nach in Europa nicht ihresgleichen hatte, die in historisch-politischer und militärischer Beziehung für die österreichisch-ungarische Monarchie von großer Wichtigkeit und Bedeutung war. Ganz MitteJeuropa verdankt dieser Militärgrenze, dem "Hofzaun der Monarchie" zum großen Teil den Schutz und die Abwehr gegen türkische Einfälle und Überflutung. Beim Abschluß des Karlowitzer Friedens am 26. Jänner 1697 bestand die Österreichische Militärgrenze aus den beiden Generalaten Warasdin nördlich von Agram an der Drau und Karlstadt südlich von Agram an der Kulpa. Schon im Jahre 1696 erklärten die kroatischen Stände den Banus des Militärgebietes an der Kulpagrenze zum Oberkapitän derselben . Zur Sicherung der Grenze hatte man in den serbischen Flüchtlingen ein kriegstüchtiges und kampflustiges Volk, das man um so mehr verwenden mußte, da ja eine Rücksiedlung dieser Flüchtlinge unmöglich geworden war. So wurde aus den serbischen Emigranten eine Landmiliz und ein Tschardakenvolk das an der Save, Donau und Marosch angesiedelt wurde. Die Auslagen für die Verpflegung hatte seit 1704 ausschließlich Kroatien zu tragen . Nach einem Bericht des Banal-Kommandanten Graf Draskowics vom 7. Juni 1723, wurde nur die Miliz kroatischer Abkunft besoldet, die im Jahre 1697 hier angesiedelten Serben besaßen statt des Soldes Grundstücke. Infolgedessen waltete hier die Willkür von seiten der Offiziere, die meistens Kroaten waren, und die unbesoldeten Serben je nach Belieben zum Dienste einberiefen und statt zu Militärzwecken für ihre privaten Angelegenheiten verwendeten. Diese Offiziere rissen bei der Verteilung der Grundstücke den meisten und fruchtbarsten Boden an sich, den dann die Grenzer für ihre Herren bebauen mußten . Den Sisseker und den Dubitzaer Posten kommandierten Agramer Domherren! Außer kroatischen Edelleuten hatte insbesondere der Agramer Bischof und das dortige Domkapitel ausgedehnte Besitzungen im Gebiete der Banal-Grenze. Die definitive Auswahl dieser z i v i I e n G r u n d s t ü c k e begann eine gemischte Kommission unter dem Präsidium des Grafen Majläth, Gouverneur von Fiume, im Jahre 1 7 7 8 u n d fand ihren Abs c h I u ß e r s t i m J a h r e 1 7 8 4 . Diese lange Dauer erklärt sich aus dem Widerstreben der kroatischen Grundbesitzer und der kroatischen Stände gegen die völlige Ausscheidung der Banal-Grenze aus dem Verbande mit dem Provinzial-Gebiet. Die Gutsbesitzer forderten ganz enorme Summen zur Ablösung ihrer Besitzungen. Zwischen der Forderung der Grundbesitzer und dem Schätzungspreise der Ablösungskommission bestand eine Differenz von über 925 .000 Gulden . Für die Güter des Agramer Bischofs, des dortigen Probstes und Domkapitels wurden entsprechende Äquivalente [gleichwertige Güter und Dörfer] wie Billed, Gertjanosch, Kleinjet174
scha, Perjamosch, Neuzina, Boka, Peszak, Szajan, Kanak, Clary und Kecsa, ferner die Prädien Neulecz, Pirinesa, Malamegya, Krivabara, Grinduallui-Avram, Udvarnok und noch 600 Joch Feld vom Prädio Pakacz im Torontaler Komitat, außerdem der Ort Warjasch im Ternescher Komitat zur Verfügung gestellt. Der Bischof von Agram Rätkay hat sich sehr dagegen ausgesprochen , Güter, die so weit entlegen sind, im Tausch anzunehmen . Nach der Auffassung des Agramer Bischofs hat die Kommission die Kirchengüter so nieder eingeschätzt, daß der Bischof und die Herrschaften mit den Preisen nicht einverstanden waren . Gegen den Willen des Bischofs von Agram hat der Kaiser Joseph II. angeordnet, die Eistumsgüter in Agram gegen die Banater einzutauschen. Im Jahre 1787 und 1788 wurde dem Agramer Bischof die Herrschaft von Billed übergeben . Der Bischof hat nur mit der Bedingung und unter Protest zugestimmt, daß seine sämtlichen Rechte und Ansprüche aufrecht bleiben . Die Kommission hat den Kaiser beruhigt und darauf verwiesen , daß die endgültige Lösung des Problems erst nach dem Tode des widerspenstigen Bischofs durchgeführt werden könne. Tatsächlich hat das Ärar im Jahre 1790 bei dem Bischof Verhovacz, dem Nachfolger von Ratkay , die noch nicht amtlich übergebene Herrschaft von Billed wieder rückgängig gemacht. Ein Brief des Kaisers Leopold, dem Nachfolger Josephs II ., vom 23 . Dezember 1790 an den Grafen Palffi in der Siebenbürgischen Hofkanzlei und der Bericht Paltfis vom 27 . Dezember 1790 an den Kaiser bringen endlich Licht in das Dunkel der Geschehnisse um die Ersatzgüter des Agramer Bistums und der "schmachtenden schuldlosen Feudalisten" aus Kroatien: Lieber Graf Palffi! Unterm 20. Juli h. a. [ 1790] habe Ich der Hungar. Siebenbürg. Kantzley mitgegeben, Mir die Abschätzung der den kroatischen Güterbesitzern für ihre dort militarisirte Gründe zur Entschädigung im Banat anzuweisenden Poßeßionen, n o c h v o r d e r w i r k l i c h e n U i b e r g ab e d e r s e l b e n v o r z u l e g e n . Diese Abschätzung ist mir seither noch nicht zugekommen, hingegen vernehme Ich, daß mit der Uibergabe dieser Güter in einem beträchtlichen Betrag bereits vorgegangen worden ist. Ich gewärtige also von der Hungarisch. Siebenbürgisch. Kantzley die Ursache des einen, und des andern zu vernehmen. Zugleich aber wird die Kantzley unverzüglich die Anordnung treffen, damit die in diesem Jahr übergebene Bannatische Güter, biß zu meiner weitem Entschlüßung dem Agramer Bißturn nicht zur Hand gegeben, sondern durch dazu eilends zu bestellende Cameral Beamte absonderlich verwaltet, über solche Rechnung geführet, die Einkünfte hiervon in Sequestro [beschlagnahmen , Zwangsverwaltung] gehalten werden und es versteht sich ohnehin, daß die Uibergabe der noch weiters hierzu angetragenen Güter für der Hand einzustellen seyn. Die Kantzley hat im übrigen zu trachten, daß die Abschätzung dieser Güter, mit allen Urkunden und Erläuterungen baldmöglichst Mir vorgelegt werde. Wienn, den 23. Dezember 1790 Leopold Angesichts dieses sehr bestimmt und direkt abgefaßten [Handbilliet] des Kaisers, ließ Graf Pallfi nicht lange auf Antwort warten und unterbreitete am 27. Dezember 1790 dem Kaiser einen " Vortrag" aus dem ich hier, seiner Länge wegen , nur einige Auszüge gekürzt zitiere: Vortrag über ein in Angelegenheit des dem Bischof von Agram in Ban a t g e b ü h r e n den Ä q u i v a l e n t i s [Ersatzgüter] h e r ab gelangtes a 1lerhöchstens Handbilliet . . . . daß es hierin bei den bereits gefaßten allerhöchsten Schlußfassungen sein ferneres Bewenden um so mehr haben dörfte, als es verläßlich bekannt ist, daß der Agramer Bischof diesen Revers bereits ausgesteilet hat, ihm auch die Äquivalents-Gütter im allgemeinen schon übergeben worden sind, und jetzt nur die vorgeschriebene neue Reambulation und Classification dieser Gütter für sich gehet, bey welcher zugleich die Specielle Obergab geschieht; die aber auch schon ziemlich seinem Ende nahe seyn dörfte. Euer Mayestiit geruhen selbst in allergnädigste Erwägung zu nehmen welche Verwirrung für das ohnehin so lang verzögerte Äquivalens es geben würde, w e l c h e B es t ü r z u n g u n t e r den schmachtenden, das Äquivalent so sehnlich erwartende, 175
schuldlosen Feudalisten daraus entstehen wurde, wenn nun da s Agramer Bistum die Verwaltung der bereits übergebenen Gütter a b g e n o m m e n u n d h i e d u r c h d i e u n t e r d i e F e u d a I i s t e n z u g e s c h eSpecielle Vertheilung die s er Gütter neuerdings verschoben w e rden sollte . Alle Berechnungen die sowohl in Betref der Rückständig gewesenen Interessen, als auch derden Feudalisten allerhöchst bewilligten Obersiedlungskösten, bis jetzt geschehen sind, würden ganz unnütz seyn. - Die Feudalisten würden den gerechtesten Anspruch auf die Vergüttung der ihnen neu verursachten Kosten zu machen befugt seyn. Deren Erhebung viele Schwierigkeiten, Zeitversplitterungen, unnütze Schreibereyen, auf Unkosten des allerhöchsten Ärariums nach sich ziehen würde, ohne daß dasselbe hiebey in was immer für Rücksicht etwas gewöhne. lndeme es in Rücksicht auf die Sicherheit, dem Ärario gleichgültig zu seyn scheint, ob indessen bis die Abschätzungen allerhöchsten Orts revidirt und approbirt werden die übergebenen Gütter unter der Bischöflichen , oder Cameral Verwaltung bleiben . . . . . . alle übrigen, welche im Banat ein Äquivalent zu überkommen hatten, die diesfälligen Güter, ja auch selbst der Bischof zu Agram derlei Güter bis auf das demselben nachträglich mit 186.077 Gulden allerhöchst zuerkannte Äquivalent bereits erhalten .. . . . . wo die wohlhabende Güterbesitzer für ihre großen Besitzungen schon vollkommen befriedigt worden waren und nur die Feudalisten - das ist die ärmste Klasse ihrer Entschädigung um so sehnlicher entgegen sieht, da sie auch im Jahre 1784 blos zum wohl des Staats ihre Besitzungen aufopfern mußten. Seit dieser Zeit aber ohne a/1 ihr Verschulden weder ein Äquivalent, noch die gebührenden Interessen erhalten und daher die meisten im äussersten Elend Leben müssen, für diese arme Leute es äußerst betrübt und bestürzend seyn würde, wenn sie nun, da sie der Beendigung dieses Geschäftes und der Erleichterung ihres Schicksals so nahe zu seyn glaubten, und vielleicht in dieser Hoffnung die so weite und kostspielige Reise von mehr denn20Meilen aus Croatien nach dem Banat unternommen haben . . . Wien, den 27. Dezember 1790
Wie wir wissen , ist Kaiser Leopold II. im Jahre 1792 gestorben und sein Sohn Franz II., der ihm als Kaiser auf den Thron folgte , unterzeichnete erst am 29. Juni 1800 die Urkunde, nach welcher der Agramer Bischof Maximilian Verhovatz die Kameralgüter Billiet, Perjamosch, Gertianosch, Kleinjetscha, Pakacs im Torontaler Komitat und Wariasch im Ternescher Komitat für die an die Kroatische Militärgrenze abgetretenen Besitzungen zugesprochen erhielt. Außer dem Agramer Bischof erhielten ... für ihre in Croatien an das Militär abgetretenen Güther im Temesvarer Distrieläquivalents Vergütungen: Frau Barbara Skerlecz Herrn Franciscus Petrovics [Bevollmächtigter des Agramer Bischofs mit Sitz in Billiet] Graf Johannes Draskovics Graf Erdödy mit Familie Graf Keglevics mit Familie. Bei den Verhandlungen , die sich über 15 Jahre hinzogen, wurden die deutschen "Unterthanen" auch nicht ein einziges mal nach ihrer Meinung oder ihrem Willen gefragt. Über die Reaktion der deutschen Bevölkerung in den fünf betroffenen Kameraldörfern beim Anschluß an das Agramer Bistum, an ein System der Feudalwirtschaft, dem sie aus Deutschland entflohen waren , ist bis heute nichts überliefert. Ich konntetrotz mühevoller Kleinarbeit keinen Akt und keinen Hinweis finden, der uns heute ein schriftliches Zeugnis abgibt, wie sich die deutschen Bauern unter dem Druck des dirigistischen Systems verhalten haben . Die Einführung des Zehent und der Fronarbeit verursachte bestimmt viel Wirbel und wurde wahrscheinlich auch in Billiet nicht stillschweigend hingenommen . Die Anwendung der Urbarlaigesetze bei diesen kaiserlichen Ansiedlern war ein himmelschreiendes Unrecht, das ihnen drei Kaiser der Familie Habsburg zugefügt haben: Joseph II ., Leopold II. und Franz II. Wo waren die goldenen Versprechungen , die ihnen die kaiserlichen Werber bei der Anwerbung ins Banat gaben? Die in Deutschland geschaffene Auswanderungseuphorie ab 1763 wurde im Banat zu einem heroischen Kampf ums Überleben. Und jetzt, angesichtsder Übergabe an die kroatischen Feudalherren, mit Mann und Roß 176
und Wagen , fühlten sich die Betroffenen bestimmt betrogen und vom Kaiser getäuscht. Und das mit Recht. Denn diese Beschlüsse eines noch so weisen Kaisers, mußten bei der deutschen Bevölkerung des Banats auf Unverständnis und Ablehnung stoßen. Die Übergabe der fünf Kameraldörfer und die 6.0011 /4 Joch Feld des Pakacser Pußtas an den Agramer Bischof erfolgte am 1. September 1800 in Billiet. Die Urkunde der Übergabe wurde am 5. August 1800 unter der Nummer 13.206 von der Karneral-Administration in Temeswar in lateinischer Sprache abgefaßt und umfaßt 3 Seiten Folioformat. Unterfertigt wurde diese Urkunde von den einzelnen Bürgermeistem sowie von je zwei Geschworenen aus jeder Gemeinde. Für Billiet unterschrieben der damalige Bürgermeister Nikolaus Karcher, ferner der ehemalige Bürgermeister Peter Daniel [1795-1796] und Jakob Glas. Seitens des Agramer Bistums unterschrieben und siegelten Hottics und Marsovsky und für die Karnerale-Administration Johann Vörös und Josef Simon. Eine Kopie dieser Urkunde von der Übergabe in Billiet ist in meinem Besitz und wird wie alle Kopien , die Billed betreffen , in dem Archiv der Heidegemeinde Billed aufbewahrt. Die eigentliche Tausch-Urkunde zwischen dem Ärar und dem Agramer Bistum wurde am 29. Juli 1800, von Kaiser Franz II. in Wien unterzeichnet. In dem Original dieses Vertrages, der in lateinischer Sprache abgefaßt ist steht unter anderem : . .. Die Güter, welche für die vom Bistum abgetrennten Güter gegeben werden, liegen in unserem Torontaler und Ternescher Komitat und haben einen Wert von 782.266 Gulden ...
Faksimile des unterzeichneten und gesiegelten Tauschvertrages in Billiet. Der Schlußsatz des Vertrages lautet: "Datum der Be s i t zergreif u n g , Billiet, am 1. September im Jahr des Herrn eintausendachthundert Die vier Siegel der Unterzeichner.
177
Der Agramer Bischof ist Grundherr von Billiet (1800) Nach der Übernahme des Kameralgutes Billiet durch das Agramer Bistum wurden die Felderkraft der Urbarial-Regulierung zum Teil neu ausgemessen und zugeteilt. Das Kronland Banat war bis zum Jahre 1778 unter der Verwaltung der Hofkammer in Wien und wurde nach dem ö s t erreich i s c h e n Gesetz behandelt. Nachdem das Banat im Jahre 1778 an Ungarn angeschlossen wurde, erhielt es im Jahre 1780 ein eigenes Urbarial-Gesetz, das in den Jahren 1792, 1802, 1807 und auf den Reichstagen von 1832 und 1836 immer wieder zu Gunsten der Bauern verbessert wurde. Nach diesem Urbarialgesetz gab es, nach ihrem Besitz zu urteilen 1. Ansässige [Sessionati] wenn sie außer einem Wohnhaus auch Ackergründe besaßen. 2. Nichtansässige [non Sessionati) diese unterteilten sich a) in die Gruppe der Häusler [lnquilini) wenn sie außer einem Wohnhaus keine Ackergründe oder nur weniger als ein Achtel einer ganzen Session besaßen , b) die Hintersassen oder Söllner [Subinquilini] die kein Haus und keinen Grund besaßen und bei anderen im Zins oder Untermiete wohnten . Der Billieter Herrschaftsgrund unterteilte sich in Urbarialboden, den die einzelnen Bauern mit dem Nutzniesungsrecht [Usus-fructus] oder mit dem Nutzungseigentum [Dominium utile) bewirtschafteten. Ferner gab es die Herrschaftsgründe, die sogenannten Allodial- oder auch Curial-Gründe, die der Grundherrschaft selbst vorbehalten blieben und durch diese bebaut wurden . Die Feldgründe unterteilten sich wieder in Äcker und Wiesen . Im Ackerbau herrschte in Billiet die Dreiflurordnung: W in t er f I u r , [Weizen und Wintergerstel, So m m er f I u r [Sommergerste, Hafer, Hirse, Hanf, Muhar, Mais, Kartoffel) und die Brach f I ur. Laut dem Urbarial-Gesetz bestand im Jahre 1800 noch der Flurzwang. Demnach konnten die Bauern mit den ihnen zugeteilten Feldern nicht tun und lassen was sie wollten , sie mußten sich dem herrschaftlichen Flurzwang fügen. Sie durften also nicht das anpflanzen was sie nach ihrer Berechnung für gut und nützlich hielten sondern nur das, was ihnen von der Herrschaft vorgeschrieben wurde. Die Größe der Ansässigkeiten der Billieter Bauern zerfiel in ganze und halbe Sessionen. Nach einer Aufstellung aus dem Jahre 1828 gab es in Billiet keine viertel und achtel Sessionen , daher gab es nur Voll- und Halbbauern. Zum Bestand einer ganzen Session gehörte auch der Hausgrund [Fundus domalis, intravillanus] der in Billiet, mit Ausnahme der Neugasse, ein Ausmaß von einem Joch hatte. Die Erzeugnisse des "inneren Grundes" [Hof und Garten) unterlagen im Gegensatz zum "äußeren Grund" [Felder) keinen Zehentabgaben.
Vom "Zehnten, Frohnen oder Robotten" Jeder Untertan war nach dem Urbarial-Gesetz seinem Grundherrn zu Abgaben und Frondiensten verpflichtet. Dieses Gesetz bildete die Grundlage für das gesamte öffentliche Leben unserer Vorfahren . Es verpflichtete jeden einzelnen Untertan , dem Grundherrn- in Billied. dem Bischof von Agram- für die empfangenen Felder Abgaben. den Zehent und Robote zu leisten. In den Gespannschatten Temesch, Torontal und Krascho. also im Banat. wurden die Fronleistungen nach folgender amtlicher Tabelle festgelegt: 178
~
.D
~
.....
.....
Ein
Klasse
1:::
Q)
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..c : ;:l
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..s
Cj
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a:.9"' Q).D
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Betragen
"0
~8
Tage der Handfrohnen
fl.
kr.
9 7 5
45 5 30 10 45
45 1 /2 58 1 /2 35 1 / 2 42 1/2 29 1 /2 33
Vollbauer
in der 1. Klasse in der 2. Klasse in der 3. Klasse
104 78 62 1 /2
Halblehn er
in der 1. Klasse in der 2. Klasse in der 3. Klasse
58 43 1 / 2 35
27 21 17
31 22 18
5 3 3
-
Viertellehner
in der 1. Klasse in der 2. Klasse in der 3. Klasse
34 25 1/2 20 1/2
18 14 11 1 / 2
16 11 1 / 2 9
2 1 1
40 55 30
Achtellehn er
in der 1. Klasse in der 2. Klasse in der 3. Klasse
211/2 16 13
21 1 / 2 16 13
Ein Häusler
8
8
Ein Söllner
6
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
6
1
-
Der Zehent bestand in dem zehnten Teil der gesamten Ernte. Wie bereits erwähnt, waren die Gartenfrüchte wie Kraut und Kartoffel, Hülsenfrüchte usw. nicht zehentpflichtig. Hingegen waren Bienen , Lämmer, Zicklein, Hühner, Eier, Schmalz und Kälber zehentpflichtig und mußten in den vorgeschriebenen Mengen an die Herrschaft abgeliefert werden. Erst nach dem Gesetz von 1836 Art. 7, § 4 wurde der sogenannte kleine Zehent abgeschafft und die Bauern von dieser Abgabe enthoben. Das auf den herrschaftlichen Tretplätzen gedroschene Getreide lieferten die Billieter Fronbauern zum Teil in den Harnbar und Getreidespeicher der Herrschaft ab. Dieser Getreidespeicher hatte eine Dimension, die der Getreidelieferung aus dem Jahre 1800 entsprach. Später wurde er erweitert und vergrößert. Wie wir aus der obenstehenden Tabelle ersehen, konnte der Frondienst teils in Form von geleisteter Arbeit, teils in Geld entrichtet werden . Für jedes Haus, das in Billiet stand, bekam der Grundherr ebenfalls jährlich einen Gulden . Die Geldbeträge waren immer zur Hälfte an Georg, 23. April , und zur Hälfte an Michael, 29. September, jedes Jahres fällig. Diese beiden Tage waren die Zahltage, an welchen unsere Ahnen ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllten und den für viele oft unangenehmen Weg, zum Grundherm , zur Herrschaft, antraten. Der Bauer mußte dem Grundherrn mit einem bespannten Wagen wöchentlich einen Tag, im Jahr 52 Tage. hindurch Zugrobot, oder ohne Wagen wöchentlich 2 Tage, im Jahr 104 Tage , hindurch Handrobot leisten. Nach dem Urbariai-Gesetz mußten alle ... vorangegebenen Frohnen mit tauglichen Arbeitern, Werkzeugen und Zugvieh geschehen . .. In bestimmten Fällen konnte die Spanndienstpflicht mit 20 kr. und die Handdienstpflicht mit 10 kr. vom Grundherrn abgelöst werden .... sind die Frohnen in dem Umfange des Ortsgebietes zu leisten, so haben sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu geschehen, jedoch so, daß nebst der nach dem Ortsgebrauch zu bemessenden Zeit der Fütterung und Tränkung, der Hin- und Rückweg dem Unterthan als Arbeit eingerechnet werde ... 179
Für den Kleinhäusler waren 8, und für eine Familie ohne Haus 6 Tage Handrobot zu leisten . Kaufleute zahlten je nach Größe ihres Geschäftes 20, 15 , 10 oder 3 Gulden jährlich an den Grundherrn. Für die Herrschaft waren auch die ausschließlich dem Grundherrn vorbehaltenen Rechte zur Jagd, Fischerei, Vogelfang, Marktrecht, Mühlen , Wirtshäuser, Fleischbänken und Branntweinkesseln sehr einträglich. Der Pachtschilling dieser herrschaftlichen Rechte hieß Arrenda oder Arrende und wurde halbjährlich am 1. Mai und am 1. November bezahlt.
Ein Bittgesuch um das Marktrecht für Billiet und das Schwertrecht für den Bischof Bereits am 16 . September 1800, also genau 16 Tage nach der Übergabe der Kameralgemeinde Billiet an den neuen Grundherrn, den Bischof des Agramer Bistums, hat dessen Bevollmächtigter in Billiet, Franz Petrovits, bei der Hofkammer in Wien, um das Recht zur Abhaltung von Jahr- und Wochenmärkte zu Billiet angesucht. Gleichzeitig ersuchte er um die Eintragung des "Juris Gladii" [Schwertrecht, Todesstrafe] in die noch auszufertigende Tauschurkunde für die Herrschaft von Billiet. Ich darf als Beleg dafür das Rescript des Grafen Batthyany an die königl. Hungar. Hofkammer zitieren: Bescheid a: Die Abhaltung der Jahr- und Wochenmärkte zu Billiet sei ein politischer Gegenstand, in Ansehung dessen sich der Bittsteller an die betreffende Behörde wenden müsse. Be s cheid b: An den Bittsteller hinauszugeben: Die von ihm gesuchte Einschaltung des Juris Gladii, Juri Comisis Curialis Privilgialis et PatronalUS in die auszufertigende Donation, über die dem hl. Bischof für die croatischen Besitzungen angewisenen Aquivalens-Güter im Banate, seye eine bereits durch die allerhöchste Resolution vom 29. July d. J. [1800] wodurch die diesfällig abgeschlossene Convention [Abkommen] bestätigt wurde, entschiedene Sache. Was aber die anderen Punkte seines Bittgesuches anbelangt: so werde ihm die diesfalls erfolgende allerhöchste Entschließung zu seiner Zeit bekannt gemacht werden, welche derselbe sonach in Geduld abzuwarten habe. · Batthyany Bischof Maximilian Verhovatz ließ am 27. Jänner 1801 durch seinen Bevollmächtigten Franz Petrovits abermals in Wien urgieren und verwies auf die auf den kroatischen Gütern Hrasztovicza und Topuszko besessenen und überlieferten Rechte, die ihm jetzt, nach dem erfolgten Tausch , wieder verliehen werden sollten. Gemäß der Resolution vom 29. July 1800 standen dem Bischof sämtliche schutz- , leibesund gerichtsherrliche Rechte und Privilegien zu , er hatte das Recht, über Leben und Tod seiner . Untertanen zu entscheiden. · Von dem Jus primae noctis = Recht der ersten Nacht des Grundherrn gegenüber einer grundhörigen Braut steht in der Resolution vom 29. Juli nichts vermerkt. Trotzdem wurde , laut m ü n d I i c h e r Ü b e r I i e f e r u n g , dieses nur dem Grundherrn zustehende Recht von den Beamten der Billieter Herrschaft fallweise in Anspruch genommen.
Die grundherrliehen Vorrechte Der Kerker und die Folterkammer in Billiet Die Güterverwaltung des Agramer Bistums im Banat hatte ihren Sitz in Billiet, im Kastell , heute Hausnummer 300, Ecke Kirchengasse/ Bahngasse. Noch bevor der Bevollmächtigte des Agramer Bischofs, Franz Petrovits, in Billiet einzog, mußten einige Bauern aus ihren vom kaiserlichen Distriktsverwalter Knoll angewiesenen und von ihnen errichteten Häusern ausziehen 180
und diese der neuen Grundherrschaft von Billiet zur Verfügung stellen. Trotz heftigem Widerstand und Gegenwehr der Betroffenen, wurden diese in der Neugasse angesiedelt. Nach mündlicher Überlieferung haben sich einige Familienväter der so delogierten beim Kaiser in Wien, jedoch ohne Erfolg, beschwert. Auf dem heutigen Grundstück-Nr. 300 wurde von~ der Herrschaft ein sehr massives, ein Stock hohes Kastell errichtet. Getreu nach dem Motto "kein Schloß ohne Folterkammer" ließ der Bischof auf dem gleichen Grundstück ebenfalls ein sehr massives und ein Stock hohes Gefängnis errichten. Dieses Gebäude, mit seinen im Keller befindlichen Korrektionszellen und den in die Wände eingelassenen 150 Millimeter im Durchmesser und 25 Millimeter starken eisernen Ringen , an die die Gefangenen angebunden wurden, ist noch heute von historischem Interesse. Nachdem die amtliche und auch die halbamtliche Geschichtsschreibung dieser Epoche die Ereignisse in diesem Kerker totgeschwiegen hat, verdient die Erforschung der Leidenswege und Schicksale der in diesen Zellen umgekommenen und im Hof begrabenen Opfer unser Interesse. Über die Art der Folter und der Hinrichtungen, in diesem bis nach Kikinda berüchtigten Gefängnis, herrscht ein krasser InformationsmangeL Die Gerechtigkeit erfordert es, auch daran zu . erinnern, wie die von Gott verlassenen Gottesmänner, Menschen gegen ihren Willen folterten und die man beseitigen wollte, vor deren Tötung nicht zurückschreckte. Bis zur Revolution im Jahre 1848 war hier im Kastell in Billiet die Residenz des Gerichtshofes des Agramer Bistums. In dem Gebäude des Gefängnisses waren die Hajduken mit ihren Wohnungen untergebracht. Der erste Bevollmächtigte des Agramer Bischofs in Billied, Franz Petrovits, ist am 3. Mai 1803 gestorben und in der Kirche von Billiet beerdigt. Wo dieses Grab sich in der Kirche befindet, ist heute nicht mehr bekannt, es wurde schnell und leicht von den "Untertanen" vergessen. Auf dem Grundstück gegenüber dem Kastell , heute Hausnummer 233, 234, 235 und 236 wurde das herrschaftliche Rentamt mit den Stallungen und Wagenschupfen der Grundherrschaft errichtet. Noch im Jahre 1912 amtierte hier der letzte Rentamtsmeister des Agramer Bistums, namens Berg. Ihm oblag die Aufgabe, noch während des "Abreißens der bischöflichen Zelte" in Billiet, dieses Grundstück auszumessen, in Bauparzellen aufzuteilen und an Interes181
senten gegen bares Geld zu verkaufen. So entstand an der Ecke Kirchengasse/ Bahngasse der Kindergarten. Auf der nächsten Bauparzelle. heute Nr. 233a, war bis nach dem Zweiten Weltkrieg das Billieter Postamt untergebracht. Auf der Parzelle heute Nr. 233b wurde eine kleine Gendarmeriekaserne errichtet, in der auch heute noch die Miliz amtiert. Diese Grundstücke oder Bauparzellen wurden von der Gemeinde Billiet erworben und verwaltet. Die nächste Bauparzelle Nr. 234 auf der mein Geburtshaus entstand, wurde von meinen Eltern erworben. Wie bereits erwähnt, wurde an der Ecke Kirchengasse/ Kieinjetschaer-Kreuzgasse . wo sich heute die Hausnummern 248-252 befinden, ein Getreidespeicher mit den dazugehörigen Verwaltungsgebäudenund Wohnungen für den "lspan" [Verwalter] und Magazinen errichtet. Dem Ispan oblag in erster Linie die Aufsicht und Besorgung des Robotswesens sowie die Nachsicht bei den Arbeiten , welche die Bauern in den ihnen zugewiesenen Fluren und Feldern für die Grundherrschaft verrichteten. Außerdem überwachte er auch die Einhebung und Zusammenführung des Zehents vom Felde bis in den Getreidespeicher und die damit zusammenhängenden Manipulationen. Der Ispan hatte überall , auf dem Tretplatz , im Getreidespeicher, überall dort wo Zehent aufbewahrt wurde, die Oberaufsicht. Er war auch für die Durchführung und Befolgung aller sonstigen Aufträge von seiten der dirigierenden Beamten der Grundherrschaft , verantwortlich. Unterstützt wurde er von kroatischen und serbischen Panduren die die deutschen Bauern überall bei der Arbeit beaufsichtigten. Im Jahre 1803 hatte die Gemeinde Billiet die Erlaubnis bekommen Wochenmärkte abzuhalten, die immer am Mittwochvormittag stattfanden. Dreimal im Jahr konnten nach diesem verliehenen Marktrecht Jahrmärkte abgehalten werden . Der Josefi-Markt fand an einem Sonntag im März statt, um den 15. Juni wurde der Zweite und Ende September der Micheli-Markt abgehalten. Das Markt- und Standgeld auf diesen Jahr- und Wochenmärkten durfte nur von der Grundherrschaft eingehoben werden. Eine Ausnahme war nur dann gegeben. wenn sie dieses Recht an Privatpersonen verpachtet hatte. Ebenso gebührte dem Grundherrn das Mahlrecht und so mußte jede Roßmühle und auch die später in Billiet errichtete Wassermühle vierteljährlich ihren Mahlzins im Rentamte abliefern. Beabsichtigte ein Bauer seinen Grund wegzugeben, so mußte er seine Absicht dem Grundherrn melden, denn dieser hatte zu entscheiden , wer der Nachfolger auf diesem Grundstück wird. Alle Änderungen bedurften der grundherrliehen Zustimmung und ohne diese waren alle Veränderungen ungültig . Beim Tod eines Erbpächters konnte der Grundherr, falls kein entsprechender Erbe vorhanden war und die Witwe nicht wieder heiraten wollte, frei über den gesamten Grund und Boden verfügen. Der Grundherr war vom Gesetz her Vormund aller Waisenkinder seiner verstorbenen Erbpächter und diese hatten seine Anordnungen einzuhalten. Der Grund durfte auf keinen Fall geteilt oder vom Haus getrennt werden, sodaß der Erbe des Bauern bei der Hofübernahme die vorhandenen Geschwister mit Geld abfertigen mußte. Die den Besitz übergebenden Eltern erhielten vom Sohn auf Lebzeiten den "Vorbehalt" oder "Ausgeding". In der Zeit der Grundherrschaft des Agramer Bistums in Billiet, wurden die Ortsrichter aus drei von der Herrschaft vorgeschlagenen Personen , die Geschwornen und der Kleinrichter ohne herrschaftlichen Vorschlag durch die Einwohner von Billiet jährlich gewählt. Ebenso wurde der Ortsnotar von den Einwohnern gewählt, die Grundherrschaft konnte aber Einspruch erheben. Die Liste der Vorrechte und Privilegien des Agramer Bischofs als Grundherr von Billiet ließe sich noch weiter fortsetzen, feststeht auf alle Fälle, daß diese in Verbindung mit dem Urbarial-Gesetz die wirtschaftliche und dynamische Ausbreitungskraft, den sogenannten Feldhunger der deutschen Bauern einbremste und sie hinderte ihre wirtschaftliche Basis übertrieben auszubreiten. Bis zur Revolution im Jahre 1848 waren ihnen durch rechtsgültige Gesetze die Hände gebunden und niemand hatte eine Chance, Großgrundbesitzer zu werden. Erst nach 1848 schufen sich viele Bauern durch nimmermüden Fleiß und vielleicht auch einige durch knauserige Sparsamkeit eine gute wirtschaftliche Ausgangsposition für die Zukunft ihrer Kinder.
182 '
Die Grundverteilung- ein Schlüsselproblem für die Entwicklung der Familie in Billiet (1828) Eine umfassende Darstellung der wirtschaftlichen , kulturellen und sozialpolitischen Struktur der Gemeinde Billiet, genau 63 Jahre nach der Ortsgründung, gibt uns eine handschriftliche, I 08 Seiten umfassende Konskription aus dem Jahre 1828. Diese 108 Seiten unterteilen sich wieder in zwei Bände, von Hausnummer 1 - 420 sind die Grundstücke im ersten Band eingetragen und von Hausnummer 421-490, das ist die Neugasse, im zweiten Band. Beide Bände sind im Originaltext in lateinischer Sprache abgefaßt. Aus diesem Grunde wurden für den folgenden Bericht die Fa m i I i e n n a m e n s c h r i f t g e t r e u w i e dergegeben , hingegen wurden die Tauf n a m e n , soweit als nötig, aus dem Lateinischen ins Deutsche übertragen.(Vendelinus-Wendel, Josephus-Josef, Joannes-Johann, Niclas-Nikolaus, Carolus-Karl, Jacobus-Jakob usw.] Dabei ist auch zu beachten , daß viele Familiennamen ihre ursprungliehe Schreibweise im Laufe der Zeit längst abgelegt haben und andere wieder völlig verschwanden . Ebenso sind viele Familiennamen verstümmelt, so z. B. : Gettert und Köttert, Welder und Velder, Piehier heute Büchler, Türres, Türreß heute Thöreß, Donnwell heute Donawell, Britz und Pritz.
183
Natürlich beschäftigt sich die "Konskription" mit den Billieter Untertanen nur soweit, als es für die Herrschaft und den Fiskus von Vorteil und notwendig war. Trotzdem gelingt es uns, Dank dieser Quelle, einen umfassenden Blick in die sozialen Verhältnisse unserer Vorfahren zu werfen. Von der Sauerländergasse bis auf die Neugässer-Hutweide, werden wir feststellen können. wie und von wo die Söhne und Töchter der zweiten Generation der Ansiedler von Billiet. sich ihren Lebensunterhalt erwarben. Zunächst werfen wir aber noch einen Blick auf den ersten Ortsplan von Billiet aus dem Jahre 1769, der bekanntlich von Kaiserin Maria Theresia als M u s t er für alle weiteren Grundzuteilungen an die Kolonisten im Banat. auserwählt und bestimmt war. Nach diesem Ortsplan gab es damals in Billiet nur 32 ganze Sessionen a 37 Joch und 220 halbe Sessionen a 21 Joch Grund und Boden . Nach der oben erwähnten Konskription aus dem Jahre 1828 gab es zu diesem Zeitpunkt 189 ganze Sessionen a 32 Joch und 62 halbe Sessionen a 16 Joch Grund und Boden. Ohne jeglichen Grund und Boden waren 239 Familien. die sich wieder in 87 Kleinhäusler und 152 Untermieter. solche die im Zins wohnten. unterteilten. Außer den Hausgründen im Dorfe selbst. umfaßten die Herrschaftlichen Außengründe: 5.280 Katastraljoch Ackerfeld 1.384 Katastraljoch Wiesen 692 Katastraljoch Hutweide 88 Katastraljoch andere, sonstigen Weiden Zusammen 7.444 Katastraljoch Herrschaftsgrund minus 7.040 Katastraljoch Urbanalboden [für die Bauern] Rest 404 Katastraljoch Allodialgründe [für die Grundherrschaft] Von den insgesamt von der Grundherrschaft vergebenen 7.040 Joch Urbanalboden wurden allein 6.048 Joch von den Vollbauern bewirtschaftet und nur 992 Joch von den Halbbauern. Wie wir aus der Konskription ersehen können , setzten sich die restlichen 239 Haushalte, die ohne Grund und Boden waren , aus Kleinhäuslern , Handwerkern, Herrschaftsangestellten , Arbeitern usw . zusammen. Insgesamt lebten in den 490 angegebenen Familien 1.328 Personen zwischen dem 18 . und 60. Lebensjahr einschließlich des mittätigen Arbeitspersonals 11 Brüdern , 110 Söhnen und 58 Töchtern. Wenn wir diese Zahlen noch näher analysieren und einander gegenüberstellen, so können wir feststellen, daß bereits unter der Grundherrschaft des Agramer Bistums die Weichen für das spätere Gefälle zwischen Armen und Reichen gestellt wurden . So lebten :
1. Von den 188 Familien der Vollbauern 599 Personen durchschnittlich von 11.76 Joch Feld je Person . 2. Von den 62 Familien der Halbbauern lebten 156 Personen durchschnittlich von 6,35 Joch Feld je Person. 3. Von den 239 Familien der Häusler und Untermieter lebten 57 4 Personen ohne Grund und Boden nebeneinander. 4 . Lebten in der Familie eines Vollbauern durchschnittlich 3.1 Personen . 5. Lebten in der Familie eines Halbbauern durchschnittlich 2.5 Personen . 6. Lebten in der Familie eines Häuslers oder Untermieters durchschnittlich 2.4 Personen . Der Billieter herrschaftliche Allodialbesitz war nicht in Parzellen aufgeteilt und wurde von der bischöflichen Grundherrschaft in eigener Regie und auf eigene Kosten bearbeitet. Dies geschah hauptsächlich durch den unentgeltlichen Frondienst der Bauern und Pächter. sodaß der gesamte Ernteertrag kostenlos dem Feudalherrn, dem Bischof in die Tasche floß. Diese Allodialgründe der Herrschaft bildeten im Nordwesten die Grenze gegen Alexanderhausen und im Westen gegen Großjetscha . Auf der beiliegenden Karte von Billiet sind die Brunnen und Gemüseanlagen im "Gebrannten Land" eingezeichnet. Zum Teil waren diese Felder auch an die Kleinhäusler und Hintersaßen verpachtet. Aus diesem Allodialbesitz der Billieter Herrschaft sind nach 1848 einige Pußten hervorgegangen. 1R4
Durch die Agrargesetze von 1848 und 1853/ 54 in der damaligen "Woiwodina und Temeser Banat" wurde den Bauern bloß der Urbarialboden überlassen, während der Allodialbesitz in den Händen der Kirche und adeligen Grundherrn verblieb. Durch diese Agrargesetze erhielten die Kleinhäusler und Hintersaßen keinen Boden. Auf dem Grund, den ihnen der Bischof als Grundherr aus dem Allodialbesitz zur Bearbeitung überließ. hatten sie jedoch keinerlei Rechte, sie konnten ihn auch nicht an ihre Kinder weitervererben. In der nun folgenden Konskription werden viele unserer Landsleute ihre Vorfahren wiederfinden. Viele dieser Familien sind im Meer der Vergessenheit untergetaucht. Sie weisen uns darauf hin. wie es in den nächsten 150 Jahren in unserer Heimat, in Billed, aussehen wird. Zu den einzelnen Spalten und Eintragungen in der Kopfleiste der Konskription sei folgendes vorausgeschickt: 1 . S p a I t e : ln dieser Spalte sind die fortlaufenden Steuernummern eingetragen. Waren es bei der Ortsgründung im Jahre 1765 nur 252 Hausplätze, so standen jetzt. 50 Jahre später. bereits 490 Häuser in Billiet. Das sind um 238 Häuser mehr als ursprünglich geplant waren. Durch die Errichtung der Neugasse im Jahre 1798 ist das Dorf um rund 80 Häuser nach dem Westen erweitert worden . Die restlichen. sogenannten " Vorbehaltshäuser" entstanden auf den ein Joch großen Hausplätzen von der Altgasse bis in die Sauerländergasse. 2 . S p a I t e : Hier ist der Name des Steuerzahlers eingetragen. das kann der Besitzer. ein Pächter oder auch ein Untermieter sein. 3 . S p a I t e : In dieser Spalte ist die Anzahl der Personen angegeben. die zwischen dem 18. und 60. Lebensjahr mit dem Steuerzahler im gemeinsamen Haushalt leben . 4 . S p a I t e : DieBauer n. die über eine ganze oder halbe Session Grund verfügten. sind hier eingetragen. 5 . S p a I t e : In dieser Spalte sind alle Kleinhäusler eingetragen. die wohl ein Haus. aber keinen Grund besaßen. 6 . S p a I t e : In dieser Spalte sind die ärmsten Familien eingetragen. die weder Haus noch Grund besaßen und im .. Zins" lebten. die Untermieter [Subinquilini]. 7 .. 8 .. 9 .. 1 0 . u n d I I . S p a I t e : ln diesen Spalten sind die mit dem Steuerzahler im gemeinsamen Haushalt lebenden Personen näher bezeichnet und eingetragen . 1 2 . S p a I t e. : Hier sind die verschiedenen Handwerker angegeben. jedoch ohne Berufsbezeichnung. · I 3 . S p a I t e : Hier ist der einzige Kaufmann eingetragen. I 4 . S p a I t e: Hier sind die Hausbesitzer eingetragen . I 5 . S p a I t e : Hier ist die Größe des Grundbesitzes. in Katastraljoch. angegeben. 32 Joch eine ganze Ansässigkei t. 16 Joch eine halbe Ansässigkei t. I 6 . S p a I t e : Im Originaltext der Konskription ist die Anzahl der Rinder in vier Gruppen unterteilt . ich habe alle der Einfachheit halber in eine Gruppe zusammengefaßt. es sind zusammen 1159 Rinder. I 7 . S p a I t e : Die in zwei Gruppen unterteilten 966 Pferde habe ich ebenfalls in einer Gruppe zusammengefaßt. I 8 . S p a I t e : Hier sind die Schafe registriert. I 9 . S p a I t e : In der letzten Spalte sind die Schweine registriert. Aus einer anderen Spalte geht hervor. daß es damals 1386 Sensen im Dorfe gab, aber keinen Arzt und keinen steuerzahlenden B ü r g er. Lassen wir nun das Dokument selbst zu uns sprechen:
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' Besitzer: Jakob Schneider. Wohnt auf Hausnummer 16.
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Besitzer: Ludwig Jung. [Vgl. Nr. 246 u. Nr. 480] Besitzer wohnt in Großjetscha.
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Besitzer wohn t in Kues im Temeser Komitat. Ist nach amtlicher Verordnung Kaufmann 3. Klasse. Ist auf seinem großen Grundstück registriert . [Vergl. Nr. 84] Ist auf seinem großen Grundstück registriert. [Vgl. Nr. 235]
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Besitzer verstorben. Ist auf seinem ersten Grundstück registriert. [Vgl. Nr. 178] Besitzer verstorben.
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Besitzer verstorben , das Haus wird von Untermietern bewohnt. Besitzer auf Nr. 283 registriert. Besitzer auf seinem ganzen Grundstück Nr. 133 registriert. Besitzer auf seiner Session unter Nr. 75 registriert. Besitzer ist auf beiden halben Grundstücken, Nr. 313 u. 314 registriert. Grundstück ist unter den Geschwistern aufgeteilt.
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2 lgnaz Thielmann Peter Schulz Jakob Rademacher Georg Sebastian Nikolaus Keller Nikolaus Nim Johann Hacm ann Mich ael Rotenbusch Peter Kohler Martin Schmid Nikolaus Dem es Nikolaus Roth Josef Kunzen Josef E scher25 Michael Heckmann Kaspar Schwarz Janaszia Fojnya Peter Türres Anton Pritz Heinrich Ballmann Johann Maurer Peter Braun Nikolaus Speicher Mathias Federspiel Jakob Weber Jakob Lichtfuß Ludwig Jung Lambert Glasen Martin Glass Jakob Gilde Johann Mayer Nikolaus Paulus Christian Samßeng Peter Schurner Jakob Braun Franz Windhauser Johann Schön Mathias Philippi 2 6 Johann Zimmer Nikolaus Müller
Besitzer auf Grundstück Nr. 225 registriert. Besitzer auf Grundstück Nr. 155 registriert.
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Dieses Haus ist Eigentum der Gemeinde.
3° Pan tur der Herrschaft.
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Besitzer der Zweigang-Trockenmühle. Schmiedemeister. Arbeitet in der Mühle. (382] Gärtner, Pflanzer.
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Vertragsmäßig in der Mühle von Molinger für den Ort Billieth angestellt.
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Billieth, im Dezember 1828
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Laut dieser Aufstellung lebten am 4. Dezember 1828 1.328 Personen vom vollendeten 18. Lebensjahr bis zum vollendeten 60. Lebensjahr in Billiet. Sie unterteilten sich in die folgenden Gruppen: Honoratioren [Beamter] 1 Person Bürger keine Bauern 251 Personen 87 Personen Kleinhäusler 152 Personen Hintersassen Brüder 11 Personen 110 Personen Söhne 82 Personen Knechte 27 Personen Mägde 27 Personen Handwerker Kaufleute 1 Person Arzt [Weh- u. Wunderheiler] keine Zusammen : 749 Personen Die Differenz von 749 auf 1.328 Personen bildeten die Hausfrauen bzw. Ehefrauen, die mit 579 Personen in der Konskription nicht gesondert aufscheinen. In der Rubrik 1 0 dieser Konskription sind die " Großvieher" zusammengeschrieben . Sie unterteilen sich in folgende Gruppen : keine Zugochsen Trächtige und Mutterkühe 812 Stück 54 Stück Ochsen und Kühe über 3 Jahre alt 158 Stück Ochsen und Kühe über 2 Jahre alt 135 Stück nichtträchtige Kühe 1159 Stück Zusammen: Über 3 Jahre alte Lauf- u. Zugpferde Über 2 Jahre alte Lauf- u. Zugpferde Zusammen: R u b r i k 1 1 : " K I e i n v i e h e r" Einjährige Schafe Einjährige Schweine Einjährige Ziegen
924 Stück 42 Stück 966 Stück
1082 Stück 213 Stück keine
R u b r i k 1 2 : " W ä I d e r" Sie haben ein Flächenausmaß: keines Sie bringen jährlich von der Eichelmast und vom Holzverkauf einen Nutzen von Rheinischen Gulden und Kreuzer: keinen.
Rubrik 1 3 : "W e i n s c h an k" Die Frage nach Nutzen und Ertrag ist nicht beantwortet. Die nun folgende " 0 b s e r v a t i o n e s " Bemerkungen zu dieser Konskription hat mir freundlicherweise unser Landsmann Dr. Anton Taffemer. München, aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt. Für diese mühevolle Kleinarbeit sei ihm an dieser Stelle gedankt. Berechnung der zu ermittelnden durchschnittlichen Steuererträge 1. In dem Ort Billieth herrschen die Ackerfelder vor. Ohne das Brachfeld umfaßt der Hotter Billieths ein Terrain von 7040 Preßburger Metzen [das heißt, so viele Metzen können dort angebaut werden]. Die Äcker sind vom Komitat in die 1. Klasse eingestuft worden. 199
2. Was den du r c h s c h n i t t I i c h e n Ertrag [ Fe c h s u n g] der Ä c k e r anbeI an g t: Nach der Schätzung von mehreren Jahren- abzüglich der Abgaben des Zehent. werden hier nach einem angebauten Preßburger Metzen Weizen drei [es folgen noch Bruchzahlen aber unleserlich) Preßburger Metzen. nach einem Preßburger Metzen Hafer- vier Metzen gefechset. Diese zusammengegeben ergeben sieben Preßburger Metzen. Wenn man diese Zahl sieben [zusammen mit den Brüchen] dividiert. so ergeben sich nach der Ernte bzw. pro Aussaat drei und [Bruchteile?) an Preßburger Metzen. Oder nach der Aussaat von 7040 PreßburgerMetzen ein Durchschnitt von jährlich 27.084. 32 / 12 Preßburger Metzen. Davon entfallen auf Weizen 11.244. 32 / 12 und auf Hafer 15.840 Preßburger Metzen Fechsung. 3. Was den durchschnitt I ich e n Fechsung s preis anbeI an g t. Obwohl Billieth ein "Marktflecken" genannt wird [Oppidum], ist es trotzdem kein Handelsplatz. Die Früchte werden auf den Markt in Tisza-Betsche gebracht, da auf dem nächstliegenden Marktplatz in Groß St. Nikolaus Früchte in großen Mengen nicht verkauft werden können. In Tisza-Betsche haben die Billiether jederzeit die Möglichkeit, ihre Erzeugnisse zu verkaufen. Nach Abzug der Fuhrlohn- und Mautunkosten bleiben für einen Metzen Weizen noch immer 1 Gulden, 17 Kreuzer und für einen Metzen Hafer 18 Kreuzer. Das macht also zusammen einen Gulden und 35 Kreuzer pro Metzen. 4. W a s d e n R e i n g e w i n n d e r A c k e r f e I d e r b e t r i f f t Da in diesem Ort nach einem Preßburger Metzen Aussaat nach den vorhergehenden Darlegungen 3 6 1 /79 Metzen gefechset werden . der durchschnittliche Preis nach einem Preßburger Metzen aber 47 Gulden und 4 /s Kreuzer beträgt. so kann das ganze Einkommen- durch Multiplikation- nach einem Metzen Aussaat mit 3 Gulden und 26 /s Kreuzern berechnet werden. Für eine Herbstaussaat muß zweimaL für eine Frühjahrsaussaat muß einmal geackert werden. also insgesamt muß für die Aussaat dreimal geackert werden ; also muß für einen Metzen Aussaat. ungeachtet ob Herbst- oder Frühjahrsaussaat. durchschnittlich anderthalbmal geackert werden. Der Ackerlohn beträgt nach der Versicherung [Aussage) der gewählten Geschworenen in diesem Ort durchschnittlich 36 Kreuzer. somit kostet anderthalb Ackern 54 Kreuzer. Das Säen und Eggen macht zusammen 12 Kreuzer. Düngung ist hierorts noch nicht üblich. Alle auf einen Metzen Aussaat anfallenden Kosten machen 1 Gulden und 6 Kreuzer aus. Wenn man diese von den vor erwähnten Einkommen abzieht, bleiben nach einem Metzen Aussaat 1 Gulden und 56 7 /s Kreuzer Reingewinn . 5. Was den Wiesenzins betrifft Die Wiesen dieses Ortes gehören in dieselbe Kategorie wie die Ackerfelder. Darum wurden als Wiesenzins für eine Wiese in der Größe eines Preßburger Metzens 36 Kreuzer berechnet und in die Rubrik 7, Kolumne 2 eingetragen. 6. W a s d e n Re i n g e w i n n d e r W i e s e n b e tri f f t Wie schon erwähnt gehören die Wiesen dieses Ortes in dieselbe Klasse wie die Ackertel der. Also wird die Fechsung des Ackers mit der einer Wiese gleichgesetzt, bloß der Samen wird abgezogen und nach einem Metzen wird der Gewinn mit 420!12 Preßburger Metzen berechnet. Wenn dieser Gewinn mit 47 4 /s Kreuzern als durchschnittlichem Preis nach einem Metzen multipliziert wird, so macht der Reingewinn 3 Gulden und 23 7 /s Kreuzer aus, nach einer, ein Preßburger Metzen großer Wiese . Davon muß noch abgezogen werden: a) Der Mäherlohn, der nach der Aussage der Geschworenen macht 1 fl. 12 Xr. b) Der Lohn für das Aufsammeln, das Schobersetzen und Einfuhr des Heus, der nach einer Heumahd macht 1 fl. 24 Xr. Diese Ausgaben machen zusammengegeben 2 fl . 36 Xr. Da aber hierorts eine Heumahd zwei Preßburger Metzen umfaßt, so machen die Kosten, die für einen Metzen große Wiese aufgewendet werden müssen, aus 1 fl. 18 Xr. Wenn aber diese Kosten vom obigen Einkommen abgezogen werden, dann bleiben nach einer, einen Preßburger Metzen großen Wiese als Reingewinn 2 Gulden , 57 hs Xr . 200
7. Was die Weingärten betrifft Da die Weingärten auf alle Fälle mit den Ackerfeldern erster Klasse gleichgesetzt werden müssen , so werden als Weingartenzins nach einem Preßburger Metzen in die Zusammenschreibungstabelle, Rubrik 8, Kolumne 2, 1 fl . 4 Xr . als Grundzins für Ackerfelder erster Klasse eingetragen. Dieser Grundzins(= Weingartenzins) ist durchschnittlich im Vergleich mit jenem mehrerer benachbarten Gemarkungen ermittelt worden . Ein Weingarten von einer, einen PreßburgerMetzen umfassenden Größe erfordert durchschnittlich vier Hauer[= gemeint sind die Weinstöcke oder Rebstöcke in einer Reihe, also vier Hauer = vier Rebstockreihen]. Auf einem Hauer wachsen nach Abzug des Zehntels ein und ein Viertel Eimer Wein. Ein Eimer Wein wird allgemein ab 1 fl. 12 Xr. verkauft. Der Weinpreis nach einem Hauer macht also 1 fl. und 30 Kreuzer. Dieser Preis ist in die Zusammenschreibungstabelle Rubrik 8, Kolumne 5 eingetragen worden. 8. Was den Reingewinn der Weingärten betrifft Der Fechsungspreis kombiniert mit dem vorhin ermittelten Hauerpreis von 1 fl. und 30 Kreuzern, ergibt folgende Rechnung : a) Vier Hauer [Reihen], berechnet nach einem Weingarten in der Größe von einem Hauer a 24 Kreuzer ergibt im Ganzen 1 fl. 36 Xr. b) Schneiden [der Reben] 48 Xr. c) Binden und Lichten [der Reben] 24 Xr. Kosten der Weingartenarbeiten zusammen 2 fl . 48 Xr. Dieses Resultat ist erstellt auf Grund von 1 fl. und 18 Kreuzern Verlust. Diese Weingärten befinden sich in einem Gebiet, wo die Wirtschaft fleißig betrieben wird und wo die Bauern den Weinbau zu ihrem Vergnügen , oder genauer, gegen die Verpflichtung, der Grundherrschaft 30 Kreuzer zu zahlen , kultivieren können , und zwar auf Grund eines immerwährenden Kontraktes, den sie mit der Grundherrschaft geschlossen haben, und gegen Reichung des Zehntels nach einem jeden bepflanzten Weingarten. Diese Art des Weinbaus hat sich bereits bewährt und ist dementsprechend zusammengeschrieben worden . 9 . u n d 1 0 . W a s d i e P u n k t e 9 u n d 1 0 b e t r i f f t : H i e r g i b t e s k e ine Obst- oder Zwetschkengärten 11 . : Was den Reingewinn nach den Kühen betrifft Eine Kuh kann nach der Aussage der Geschworenen wegen der dürren Weide nur drei Monate oder 90 Tage hindurch gemolken werden . Eine Kuh liefert täglich anderthalb Halbe Milch oder Uährlich) im Ganzen 135 Halbe. Eine Halbe Milch k~nn ab 1, 3 /s Kreuzern verkauft werden. Wenn man diese mit 135 Halben multipliziert, so ergibt das 3 Gulden und 36 Kreuzer. Ein Kalb kann verkauft werden ab einem Gulden und 24 Kreuzern. Stallmist wird für nichts eingeschätzt. So macht also das ganze Einkommen nach einer Kuh fünf Gulden aus. Die Fütterung einer Kuh während des Winters mit Stroh und Spreu wird nach der Schätzung der Geschworenen nach Abzug des hierorts gültigen Futterpreises auf vier Gulden geschätzt. Wenn man diese vier Gulden vom Einkommen abzieht, so bleibt nach einer Kuh als Reingewinn ein Gulden . Was den Paragraphen 23 der Komitatsvorschrift betrifft Ersten s : Die Bauern sind Sessienalisten und bestreiten ihren Lebensunterhalt durch Ackerbau ; die Kleinhäusler aber verdienen hauptsächlich als Taglöhner bei den Bauern ihren Lebensunterhalt. Zwei t e n s : Der Boden ist fruchtbar, der Hotterist eben, allerdings liegt nach der Aussage der Geschworenen ungefähr ein Achtel des Hotters tiefer. Hier sammeln sich Schneewasser und sonstige winterliche Feuchtigkeiten an, wodurch dieser Botterteil überschwemmt und die Herbstaussaat sehr oft zugrundegerichtet wird. 201
D r i t t e n s : Hierorts wird als Herbstaussaat reiner Weizen, als Frühjahrsaussaat aber gewöhnlich Hafer und türkischer Weizen angebaut. Im ganzen Hotter können alle Fruchtarten angebaut werden. V i er t e n s : Die Düngung der Äcker war hierorts bis jetzt noch nicht notwendig geworden. Fünftens: In diesem Hotter pflegt man mit einem Viergespann zu ackern . Sech s t e n s : Nachbarliche und zentral gelegene Handelsplätze sind: Der Marktflecken Hatzfeld und Groß-St. Nikolaus, beide drei Meilen entfernt. Aber um ihre Ware sicherer und zu einem höheren Preis verkaufen zu können, besuchen sie meist den berühmten Markt von Türkisch Betsche, der 4,5 Stationen entfernt liegt. Si eben. t e n s : Der reguläre und durchschnittliche Preis für Früchte beträgt nach der Preistabelle für Früchte auf dem Markt von Türkisch Betsche- nach Abzug der Fuhrlohns und der Mautper 12 Kreuzer für einen jeden Metzen Frucht: 47 Gulden und 4 /a Kreuzer. Achtens: Die Gemeinde besitzt eine halbe Session Grund, die in Arenda [Pacht] ausgegeben, 32 Gulden in Konventionsmünze einbringt. Neun t e n s : Am Hotter fließt kein Fluß vorbei, aber er wird von winterlichen stehenden Gewässern in Mitleidenschaft gezogen, wie das unter Punkt zwei schon dargelegt ist . Zehntens: Billedistein durchgehender Ort. Laut Erhebungen aus den Gemeinde-Notariatsprotokollen nehmen jährlich durchschnittlich 800 Personen hier Quartier. Nach der Aussage der Geschworenen können nach einer jeden Person 6 Kreuzer berechnet werden. Diese machen jährlich die Summe von 80 Konventionsgulden aus, die der Gemeinde zu Lasten[= in die Gemeindekassel fließen. EI f t e n s, z w ö I f t e n s u n d drei z eh n t e n s : Fehlanzeige. Vierzehn t e n s : Die Gemeinde leistet Naturalabgaben an das Militär. Unter diesem Titel haben die Bewohner zwar einen Verlust zu verzeichnen, da aber diese Last alle gemeinschaftlich und einen jeden proportioniert trifft, waren wir der Ansicht, daß diese Summe nicht in Rechnung gezogen werden dürfte. Die Vorspanndienste, die sie dem Gemeinwohl leisten, halten sie nicht für beschwerlich . Denn einerseits werden sie mit ihnen nur selten belastet, andererseits werden sie ihnen preiswert als Gemeindesteueranteil angerechnet . - Datum: Billieth , den 4. Dezember 1828.- Gezeichnet durch Emmerich Depenszky, Stuhlrichter des berühmten Branauer Komitats, als auswärtiger ZusammenschreibeL - Gezeichnet durch Josef Cicatricis, kgl. Exekutor des berühmten Torontaler Komitats, als Zusammenschreiber dieses Komitats . Die Namen der Geschworenen im Marktflecken Billed sind : Josef Spüller, Gemeindenotar Eberhard Winkert, Gemeinderichter Mathias Stein, Geschworener Konrad Alexi, Geschworener Johann Thürresz, ein ganzer Bauer Johann Neisz, ein Halbbauer Mathias Pool, Kleinhäusler Johann Reb, Hintersasse.
Faksimile der Zusammenschreibung aus dem Jahre 1828 mit Unterschrift und Siegel. 202
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Obwohl der Jergraben bzw. die Marasch schon auf den Karten von 1709 als auch auf derMercykarte von 1720 eingezeichnet ist und einmal östlich und einmal westlich an Billed vorbeifließt, wird diese Tatsache von der Herrschaft in ihren amtlichen Berichten immer wieder in Abrede gestellt. Es erhebt sich die Frage: War es Unwissen oder Absicht? Wollte man den Fischfang und die Jagd dem Fiskus gegenüber verheimlichen? Eine Frage die heute sehr schwer zu beantworten ist. Der Ort Türkisch Betsche, wo die Billeder Bauern ihren Weizen verkauften und mit dem Pferdefuhrwerk hintransportierten, liegt südwestlich von Hatzfeld an der Theiß. Es war der größte Umschlagplatz für den Banater Weizen. Tausende von Schiffen wurden hier beladen und auf der Donau nach dem Westen gebracht. Am 4. Juli 1823 wurde der Ort Billed und seine Felder von einem schweren Hagelschlag heimgesucht, wobei im Verlauf einer Stunde die gesamte Weizenernte gänzlich vernichtet wurde . Wenn auch der Notar Spüller hier in seinem statistischen Bericht schreibt, im abgelaufenen Jahr habe sich im Ort nichts Besonderes ereignet, so können wir doch feststellen, wenn wir aufmerksam Zeile für Zeile lesen , daß sich seit der Ortsgründung von Billieth in den letzten 60 Jahren sehr viel getan hat. Alles in allem können wir feststellen, daß sowohl die wirtschaftliche, wie auch die kulturelle und sozialpolitische Struktur, der damaligen Zeit entsprechend, gefestigt war. Wir dürfen nicht übersehen, daß der ganze Ort noch ein weisungsgebundener, vom Agramer Bistum abhängiger Marktort war, in dem die Grundherrschaft entscheidend mitzubestimmen und mitzureden hatte . Alle die damals von der Bevölkerung gewählt wurden und in der Gemeinde mitzubestimmen hatten, also der Bürgermeister mit seinen Geschwornen, waren schon in Billiet geboren. Von denen, die als Kolonisten aus Deutschland eingewandert sind und bei der Grundsteinlegung von Billiet dabei waren, werden nicht mehr viele gelebt haben. Der Briefverkehr und die Verwandtenbesuche mit Deutschland verblaBten allmählich und die zweite Generation hatte die Beziehungen und Verbindungen zum deutschen Mutterland abgebrochen . Wir wissen aber auch, daß bei der Ortsgründung nicht jeder Bauer ein Ia Experte in der Landwirtschaft und Viehzucht gewesen ist. Durch Tod und Krankheit wurden viele Familien in ihrer landwirtschaftlichen Existenzmöglichkeit ruiniert. Viele vernachlässigten aus irgend einem Grund ihre Wirtschaft, verkauften sie schließlich und wurden Hilfsarbeiter, Taglöhner bzw. Hintersaße. So glitten sie, oft unverschuldet, von Jahr zu Jahr immer mehr in die Armut ab und wanderten aus. Später, nach der Revolution als die Erbteilung möglich wurde, trug diese ebenfalls zur Aufteilung und Zerstückelung des Vermögens einzelner Familien bei . Nur die leistungsfähigen Bauern , Kleinhäusler und Handwerker konnten sich auf Dauer durchsetzen und behaupten und vermehrten von Generation zu Generation ihr Vermögen und Grund und Boden.
Unsere Kirche, wie sie im Jahre 1833 erweitert und aufgebaut wurde und wie sie nach der Renovierung im Jahre 1977 aussah
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Von der armen Kolonistenkirche zum barocken Gotteshaus (1833) In den letzten 65 Jahren stieg die Anzahl der Bevölkerung in Billiet von 252 "Hauswirte" im Jahre 1775 auf 525 "katholische Ehepaare" oder auf 3.218 Personen . Das entspricht einem Zuwachs von über 100% der Einwohner. Der Fassungsraum der Kirche wurde im Jahre 1768 von den Ingenieuren und Planem nur für eine Bevölkerungsdichte von höchstens 300 Familien je Ort und Pfarrei ausgelegt. Mit anderen Worten , die Kolonistenkirche konnte ihr "Pfarrvolk" nicht mehr fassen und mußte vergrößert werden.
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Dem Bischof des Agramer Bistums, dem Grundherrn von Billiet, wurde das ganze Dorf im Jahre 1800 mit dem im Kolonisierungspatent festgelegten Patronatzpflichten belastet, übergeben. Aus diesem Grunde war er nun verpflichtet, der Gemeinde eine der Einwohnerzahl entsprechende, große Kirche zur Verfügung zu stellen . Bereits im Jahre 1803 hatte er den Holzfußboden in der Kirche durch Sandsteine aus Kroatien ersetzen lassen . Unter dem Bischof Alexander Alagovits wurde im Jahre 1833 die Kolonistenkirche zur heutigen Form erweitert und der Turm erhöht. Pfarrer von Billiet war in diesen Jahren (1823-1844] Josef Duchony, der hier am 21 . Nov . 1844 verstarb. Die seit dem vierten Jahrhundert in der katholischen Kirche vom jeweiligen Bischof vorgenommenen Visitationen in den Pfarrgemeinden [nicht nur im Banat], hatten den Zweck , die dortigen Mißstände zu beseitigen und alles zu tun , um das "Wohl und Heil der Gläubigen" zu fördern. Einem solchen Visitationsbericht vom 13. April 1837 verdanken wir zum größten Teil die nun folgenden detailierten Einzelheiten zur Kirchengeschichte von Billiet. Für die freundliche Überlassung des betreffenden Bandes zum Zwecke der Übersetzung aus dem Lateinischen in die deutsche Sprache, sei Frau Dr. Fendl vom Archiv der Erzdiözese Wien , gedankt. Der Bericht von Bischof Joseph Lonovics wurde in einer Sitz'img im Pfarrhaus von Billiet in Gegenwart der Herrn Joseph Baläs von Sipek, Assessor der köngl. Kammeraladministration von Temes und Kammerkommissär der Güter des vakanten Bistums Zagreb, sowie des Felix Mihajlovits, Präfekt der bischöflichen Herrschaft Bi II i e t abgefaßt. Beide Herren kamen von Seiten der Grundherrschaft. Seitens der Ortsgemeinde waren der Richter und die Geschworenen und von der Pfarrkirche der Pfarrer, sein Kaplan , und der Kirchendiener anwesend. Da der Bericht 32 Seiten umfaßt, werde ich nur den Sinn und die Sache wiedergeben , die auch heute noch für uns wichtig sind. Denn nur im Bewahren des Alten liegt der Respekt vor dem was war und heute noch ist. Im Kapitel I. heißt es in dem Berichtzur " Lage der Kirche " . . . daß sie dem Patronat des Bistums iagreb unterworfen ist, in der Mitte der Herrschaft gegen Osten zu gelegen, entfernt von den Häusern, so daß sie an ihrem Ort vor Feuersbrunst gesichert ist, von einer Mauer umgeben und mit einer Krypta ausgestattet [Das Grab von Franz Petrowitsch]. Wegen Vermehrung des Pfarrvolks wurde sie im Jahre 1833 vergrößerf und durch Joseph Buchwald, Vize-Archidiakon des Bezirkes, neu geweiht. .. . Im Turm hängen vier Glocken, die erste wurde von der 0 r t s g e m ein d e im Jahre 1800 erworben und wog 618 Pfund. Sie wurde am 16. Juni 1800 dem Hl. Erzengel Michael geweiht. Die zweite wog 352 Pfund und wurde auf Kosten ebenderselben 0 r t s g e m e i n d e besorgt und bei gleicher Gelegenheit mit der vorigen geweiht. Die dritte wog 114 Pfund und wurde von derselben 0 r t s g e m e i n d e besorgt, und dem Hl. Wendetin geweiht. Die vierte wurde am 12. Sept. 1834 von dem Bischofvon Zagreb, Alexander Alagovich, gestiftet und ist daher auch dem Hl. Alexander geweiht. Ihre Seile werden auf Kosten der Gemeinde in Stand gehalten. Das Dach der Kirche ist mit Hohlziegeln, die Turmhaube mit Blech gedeckt, beide befinden sich in gutem Zustand. Die Turmuhr schlägt Stunden und Viertelstunden, wird auf Kosten der Gemeinde in gutem Zusiand gehalten, wofür ein eigener Nachtwächter ohne besonderes Entgelt sorgt. Der Verschluß der Kirche ist solide, ein SchlüSsel befindet sich beim Pfarrer, einer beim Schulmeister, der dritte beim Nachtwächter. Die Erhaltung des Bauzustandes der Kirche obliegt der Grundherrschaft. Die Kirche ist innen holzgewölbt, der Altarraum ausgemalt, das Kirchenschiff weiß gestrichen, das Holz und die Fensterstöcke sichtlich in gutem Zustand. Das Chor ist zum Teil gewölbt, zum Teil aus Holz, gestützt durch zweigemauerte Säulen, es besitzt eine Orgel mit 24 Registern. Die Sakristei ist angemessen, mit einem hölzernen, darüber gebauten Oratorium, es ist wie die Kanzel am passenden Ort angebracht. Ferner finden sich drei Altäre, der größere zu Ehren des Hl. Erzengel Michael, der kleinere einer dem Hl. Wende/in, der andere der seligsten Jungfrau Maria geweiht ... Leuchter sind auf dem größeren Altar, 6 aus Silberblech und 4 aus Bronze, auf den kleineren Altären finden sich 6 aus Holz, bemalt. . .. An den Wänden der Kirche hängen: Das Bild des Hl. J o h a n n Ne p o m u k und die alten Bilder der Altäre des Hl. Erzengels Michael, im Orato206
Altar der Jungfrau Maria, mit Blick '&uf die.Kanzel
Die Orgel aufdem 010r in der Kirche
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Der Hochaltar mit dem Bild des Hl. Erzengels Michael. im Vordergrund links hängt die Ampel mit dem ewigen Licht.
rium das des Hl. Wende/in. Das ewige Licht vor dem größeren Altar brennt immer. Bänke aus Hartholz sind 36 vorhanden. Die Kirche besitzt eine vom Ordinarius genehmigte Partikel des Hl. Kreuzes. die an den Sonntagen der Fastenzeit zur Vesper der Verehrung und dem Kusse der Gläubigen ausgesetzt zu werden pflegt. Unter dem Titel Vermögen besitzt die Kirche Stiftungskapital von 500 Gulden, das eigens zur Unterhaltung des ewigen Lichtes vor dem Allerheiligsten bestimmt ist. ... Der effektive Kassenstand der Kirc.he im Augenblick der Visitation beträgt 133 Gulden und 20 Kreuzer. Die Kasse der Kirche wird im Zimmer des Pfarrers aufbewahrt, sie ist unter wechselseitigem Verschluß . Die Schlüssel sind in den Händen der Pfleger [Kassenwart] loh. Nikolaus Fölker und Johann Laub, in deren Gegenwart Einnahmen und Ausgaben erfolgen, das Tagebufch darüber führt der Pfarrer. Die Kassenhüter werden unter Einflußnahme des Pfarrers von der Gemeinde gewählt, jeder erhält dafür 30 Gulden Remuneration. Im Kapitel Ill wird der Gottesdienst und seine Ordnung beschrieben, die heiligen Meßgewänder und ihre Farben, die Prozessionen zu Fronleichnam und am Samstag der Auferstehung, zum 208
Feste Allerheiligen auf den Friedhof, am Feste Maria Lichtmeß, am Palmsonntag um die Kirche herum, zur Segnung der Äcker am Feste des Hl. Markus, zu den Kreuzen an den drei Bittagen. Zur Adventszeit wird um 6 Uhr morgens das Rorate-Amt gehalten. Zum englischen Gruß wird jeden Tag dreimal geläutet . . . Über den Beginn und Zustand der Pfarre steht hier u. a. zu lesen : ... Maria Theresia welche die aus Deutschland kommenden Siedler am 12. Juni 1766 in dieser Gegend ansiedelte, die meisten Emigranten aus Deutschland siedelten in der Straße an, die heute die alte genannt wird, die aber. da sie fremd waren und sich an das Wasser nur sehr schwer gewöhnen konnten in solcher Zahl starben. daß im Jahre 1770 fast alle Hoffnung auf diese Ansiedlung vergebens schien ... Die Pfarre wurde bald nach Besiedlung der Herrschaft gegründet. ... Der Sorgfalt des Pfarrers Georg Karg verdankt man fast das ganze heilige Kirchengerät ... außerdem die Stiftungen, die für die Armen in Billiet gemacht wurden . . . Erst durch seine Unternehmungen und Vermittlungen ist das Pfarrhaus in den Zustand, in dem wir es jetzt sehen, gebracht worden. Diese Pfarre hat die Filialkirche Sandorhaza, sie ist von der Mutterkirche eine halbe Stunde entfernt. Das Pfarrhaus Das Pfarrhaus ist aus ausgetrocknetem Balkenwerk im Jahre 1792 errichtet worden. Es enthält im Oberstock außer dem Archiv 4 Zimmer. wovon eines der Kooperator bewohnt, im Untergeschoß befinden sich für den Pfarrer zwei getrennte Zimmer, die Küche mit dem Zimmer für das Gesinde, .eine kleine Vorratskammer und der Keller. Zusätzliche Gebäude sind der Stall und ein Liegeraum. Das Dach des Pfarrhauses ist mit Ziegeln, das der übrigen zusätzlichen Gebäude mit Schindeln gedeckt . . . Die Grundfläche des Pfarrhauses und der Garten betragen ein Joch. Sowohl das Gebäude als auch der Pfarrgarten sind von einer Mauer umschlossen ... Die Matrikelbücher werden sauber geführt und befinden sich im Zimmer des Pfarrers unter Verschluß. Die Tochterkirche Hier folgt eine Beschreibung der Tochterherrschaft und -Kirche von [Alexanderhausen]Sandorhaza. Armenhäuser und Einrichtungen für die Armen In dieser Pfarre wurde durch den Pfarrer Georg Karg in Gemeinschaft mit mehreren Wohltätern eine Stiftung zur Unterstützung der Armen von Billiet gemacht. . .. Sie besteht aus der Summe von 2.245 Gulden, deren jährlicher Zinsertrag 134 Gulden 42 Kreuzer ausmacht und alljährlich zu Beginn des Monats November in Gegenwart der Kassenwarte und der ersten der Gemeinde an die Armen verteilt wird. Die Statuen und Kreuze Ein steinernes Kreuz mit dem Bild des allerheiligsten Erlösers ist 1809 zwischen der Kirche und dem Pfarrhaus errichtet worden, über das eine Urkunde besteht, in der sich die Gemeinde verpflichtet hatte, ein früher an dieser Stelle errichtetes Holzkreuz seit 1792 zu erhalten. Ein anderes Kreuz an einem öffentlichen Weg wurde von der Familie Rademacher im Jahre 1796 gegen die Herrschaft Sfmdorhaza zu errichtet. Ein 3. Kreuz wurde an öffentlichem Weg gegen Nagy Jecsa [Großjetschal durch Kaspar Schäffer 1800 errichtet, ein viertes an dem öffentlichen Weg nach der Herrschaft Knez zu, durch die Familie Allerpacher, ebenfalls im Jahre 1800. Ein fünftes wurde ohne Stiftung von Nikolaus Hassenteufl an dem Weg nach Kis Jecsa [Klein jetschal errichtet. Das Pfarrvolk Das Pfarrvolk ist rein deutsch, und mit Ausnahme einiger akatholischer Beamter und Diener und einiger Juden sind alle katholischer Religion und haben ihren Sitz hier 1766 genommen. Die Katholiken beobachten die Gebote Gottes und der Kirche, im Besuch der Predigten sind sie etwas lässig. Den Gottesdienst am Morgen besuchen mehr als den am Nachmittag, auch an Wochentagen kommen viele zur Kirche und singen dort ohne Unterschied. Sie beachten die Feste, die Kinder schicken sie gerne zur Schule. Sie beachten die jährliche Osterpflicht genau und einige frequentie209
Das Wegkreuz an der Großjetschaer Straße. Gestiftet von der Familie Kaspar Schäffer im Jahre 1800.
Das Wegkreuz an der Straße nach Knes. Gestiftet von der Familie Allerpacher im Jahre 1800.
renauch außerhalb der österlichen Festen die HZ. Beichte und die Kommunion. Das Kirchweihfest wird mit beispielhafter Devotion gefeiert. In Sachen seines Amtes erweisen die Gläubigen dem Pfarrer Ehre und Gehorsam. Der Gottesdienst wir durch Anhänger einer anderen Religion nicht gehindert. V e r s t e i g e r u n g e n finden an Sonntagen erst nach dem Nachmittagsgottesdienst statt. Gemischte Ehen gibt es in der Pfarre vier. Der Pfarrer wendet den Kindern aus diesen Ehen seine besondere Sorgfalt zu und es werden ihrer dem Gesetze entsprechenden Erziehung kein Hindernis bereitet. Die Kinder werden unterschiedslos sorgfältig geimpft und die Gläubigen nehmen in der Krankheit Zuflucht zu ärztlicher Hilfe. Zahl der Seelen In dieser Pfarre finden sich kath. Seelen In der Filiale St'mdorhaza Gesamt kath. Seelen Nicht-unierte Griechen Augsburger Konfession Helvetischer Konfession Juden Zusammen Von den Katholiken sind der Beichte fähig nicht fähig Katholische Ehepaare in der Mutterkirche In der Filiale Sandorhaza
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3.218 951 4.169 24
5 1 ____1.§_ 4.227
2.838 1.331
525 172
Der Pfarrer und seine Eigenschaften Der Pfarrer Joseph Duchony stammt aus Neutra im Mocsonkienser Komitat. Er versteht die ungarische, deutsche, slovenische, illyrische und wallachische Sprache ... Im Ort gibt es öffenftliche Gefängnisse der Herrschaft, wo der Pfarrer oder der Kooperator um 3 Uhr nachmittags religiöse Unterweisungen abzuhalten pflegt. . .. Zwei Paten sind bei der Taufe anwesend, die katholisch sind, nach der Taufe findet in ihrer Gegenwart und der der Hebamme sogleich die Immatrikulation statt, nach den Vorschriften der Rubriken. Die Frauen werden nach der Geburt feierlich nur in der Kirche gesegnet ... Im Kirchenschiff an allgemein zugänglichem Ort stehen zwei Beichtstühle, die mit verschlossenen Türen und vergitterten Fenstern versehen sind ... Die Leichen der Verstorbenen werden nicht vor Ablauf von 48 Stunden beerdigt. Arme werden kostenlos begraben, ebenso wird für sie umsonst geläutet. Minderjährige unter 18 Jahre werden zur Ehe nicht zugelassen. Der Pfarrer hat dafür zu sorgen, daß die Brautleute vor der Trauung nicht vertrauten Verkehr miteinander haben. Die Trauungen werden an Wochentagen in der Früh in Gegenwartzweier Zeugen vorgenommen. Nach der heiligen Handlung werden die Verheirateten in Gegenwart der Zeugen in das Traupro t ok o II . nach den geltenden Vorschriften, einJ!etragen. Außerdem führt der Pfarrer ein T o t e n p r o t o k o ll , in das er diese sogleich nach erhaltener Nachricht einträgt. Kap I a n i s t A n t o n Ti n o p I aus Cravicza im Krassovaer Komitat von bürgerlichen Eltern geboren. Er spricht deutsch und illyrisch. Er hat 200 Gulden Honorar von der Herrschaft und bezieht vom Pfarrer kostenlos den Unterhalt, die notwendige Beleuchtung und Beheizung . .. Er hat im Oberstock ein ang(}_messenes Zimmer mit eigenem Hausrat.
Der Kalvarienberg in Billed. 211
D e r Ha u s h a l t oder das Gesinde des Pfarrers besteht aus 3 Personen. Eine Wirtschafterin im Alter von 28 Jahren, die schon im 13. Jahr dort dient, eine verwaiste Dienstmagd von 12 Jahren, die den 4. Monat dort dient und ein Fuhrmann aus Krassov. Ihrer aller Ruf und Umgang ist gut. Es folgt nun das In v e n t a r der im Jahre 1837 zur Pfarr k i r c h e von Billiet gehörigen Sachen . Diese Bestandsaufnahme umfaßt 93 Positionen die 443 einzelne Artikel ergeben . Das In v e n t a r der Pfarr b i b 1 i o t h e k umfaßt 33 Bücher. ... Am Karfreitag findet eine Prozession um 6 Uhr morgens zu dem Kreuz auf dem Kleinbecskerek zu gelegenen Hügel statt . .. [heute der Kalvarienberg]. Der verstorbene Herr Franz Petrovits, Bevollmächtigter des Bistums Zagreb, hat den Pfarrern von Billiet eine Stiftung von 100 Gulden vermacht, die für 80 Messen und ein Anniversarium mit der Vesper "Placebo" jährlich für sich und die Seinen verwendet werden sollen .. . [Nach Szentklaray wurde Petrovits in der Kirche, im Altarraum beerdigt.] Es folgen nun wertvolle Mitteilungen über die Schule von Bitlied und deren Lehrkörper, die wir aber im Artikel "Schule" behandeln wollen . Der oberste Grundherr und Besitzer des gesamten Dorfes Billiet, der Agramer Bischof Haulik , besichtigte im Jahre 1836 seine Besitzungen im Banat, und bei dieser Gelegenheit zelebrierte er eine hl. Messe in der Billieter Kirche. In den folgenden Jahren 1842, 1850 und 1856 weilte er ebenfalls in unserer Gemeinde. Sein erzbischöflicher Nachfolger, Joseph Mihajlovics hat unsere Vorfahren erst in den siebziger Jahren mit seinem Besuch beehrt und seine Besitzungen visitiert. Bei einer im Jahre 1859 durchgeführten Sammlung spendeten die Ei n w o h n er von Bi 11 i e t 5.600 fl. Mit diesem Geld wurde der Innenraum der Kirche ausgemalt und die Kirche selbst mit einem eisernen Zaun, der auch heute noch besteht, eingefriedet. Mit Blumen , Fliederund Kastanienbäumen wurde der Kirchengarten zu einem schattigen Garten ausgestattet und umgebaut. Auf dem Grundstück der Familie Ferdinand Braun, Hutmacher, Hauptgasse 416 , und dem der Familie Adam Slawik Bauer, Hauptgasse 425, wurde je eine Fronleichnamskapelle errichtet. Vor der Kirche wurde ein gewaltiges Steinkreuz aufgestellt. Im Neugässer Friedhof wurde aus den Spenden des Direktors der Billieter Herrschaft, Felix Mihajlovics, eine prachtvolle Kapelle erbaut.
Das Kirchensiegel von Billed mit dem Hl. Erzengel Michael. Die Umschriftung: SIGILLUM ECCLESIAE BILLEDENSIS (Siegel des Billeder Volkes). Das Steinkreuz vor dem Haupteingang zur Kirche. 212
Blick in den Neugässer Friedhof und auf di e Kapelle.
Die alte Orgel , die auch heute noch das Schmuckstück unserer Kirche ist, wurde beim Umbau und der Vergrößerung der alten Kolonistenkirche im Jahre 1833 aufgestellt. Über die Herkunft und den genauen Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Turmuhr ist nichts näheres bekannt, es ist aber anzunehmen , daß sie ebenfalls im Jahre 1833 in Betrieb gesetzt wurde, und in diesen 150 Jahren wußten die Einwohner von Billiet immer ganz genau "wieviel es geschlagen hat". Aus den Schematismen der Tschanader Diözese können wir u. a. noch die folgenden Tatsachen heraus lesen : Dem Billieter Distrikt gehörten im Jahre 1835 zehn Gemeinden an . Im Jahre 1837 befanden sich im Billeter Distrikt 9 Kirchen , eine im Ternescher und acht im Torontaler Komitat. Zum Distrikt Billet gehörten die folgenden Gemeinden bzw. Prädien: Billet, Bogarosch, Gott! ob, Gyertyamos mit 7 Filialen , Klein Jetsa, Lovrin mit Filialen Peszak und Prädio Racs-Sz. Peter, Perjamos, Racz-Sz. Peter mit Filialen Egres und Domin , Sandorhaza mit Filialen Pakacz Prädio, und Variasch im Komitat Temes. Im Jahre 1822 war auch Knes eine Filiale von Billit. Unter dem Piarrer Duchon wurde im Jahre 1835 die Schreibweise des Ortsnamens Billiet auf Billet geändert. Im Jahre 1861 wird zum erstenmal die Billeter Poststation in den Schematismen erwähnt. Durch die Meldung der "Temesvarer Zeitung Nr. 246 Amts und Inteligenzblatt" vom 26. 10. 1858 auf Seite 1704 wissen wir aber, daß bereits vor diesem Tag in Bi IIed ein "Brief-Postdienst" bestanden hat. Im Jahre 1833 , als die Kirche in Billed erweitert wurde, ließ die Grundherrschaft das "Hotel zum Trompeter" errichten. Als Standort wurde das Grundstück gegenüber vom Gemeindehaus, Nr . 353 , Ecke Zwetgasse/Bahngasse zur Verfügung gestellt. In diesem Haus war das Billeder Kasino untergebracht. Nach 1848 hieß es im Volksmund das "Groß-Wertshaus" und nach 1945 wurde es ein Kulturheim . 213
" Groß-Wertshaus" . Seit 1945 Kulturheim.
Die Friedhöfe in Billed (1765- 1980) Laut mündlicher Überlieferung war der erste Friedhof nach der Ortsgründung im Jahre 1765 , also noch bevor die Neugasse angelegt wurde, in der Bahngasse, wo sich heute die Häuser Nr. 545,546 und 547 befinden [ehemals Steiner, Sauer, Märzacker und Flesch]. Erst durch das Anlegen der Neugasse im Jahre 1798 wurde es notwendig , diesen ersten Friedhof aufzulassen bzw. nach dem Westen , an seinen heutigen Ort, auf Gemeindegrund zu verlegen. Damals wurden die Verstorbenen von den Verwandten und Nachbarn noch zum Friedhof getragen und bestattet. Laut dem Visitationsbericht des Bischofs Lonovics aus dem Jahre 1837 ... erhielten die Bewohner von Billet im Jahre 1803 einen zweiten Friedhof, beide sind geweiht, versehen mit großen Kreuzen, die mit dem Bild des heiligen Erlösers geschmückt sind, beide sind umzäunt, die Erhaltung des Zaunes obliegt der Gemeinde. Die Gräber werden tief gegraben und vor Ablauf von 3 0 Jahren nicht geöffnet. In beiden Friedhöfen werden nicht nur Katholiken, sondern auch Menschen anderer Religion begraben, aber an getrennten Orten. Die Kreuze, die auf den Gräbern angebracht werden, werden nicht zerstört. Für Kinder, die ohne Taufe gestorben sind, gibt es einen eigenen Platz außerhalb des Friedhofes. Seit Menschengedenken gibt es diese Sitte in Billet nicht mehr. Totengräber gibt es nicht, die Gräuber werden von den Gläubigen und Nachbarn gegraben . Szentklaray verlegt das Eröffnungsjahr des Sauerländer Friedhofs in das Jahr 1801 und schreibt u. a.: . . . Im Jahre 1801 ist die Zahl der Gläubigen in der Gemeinde so groß, daß der zweite Friedhof nötig wurde. Auf diesem sogenannten Sauerländer Friedhof sind noch heute, laut einer Bestandsaufnahme unseres Landsmannes Franz Luckhaup aus dem Jahre 1978 , 179 schmiedeeiserne Kreuze 214
H aupteingang zum Sauerl채nder Friedh of.
H aupteingang zum Neug채sser Friedhof. 215
Drei Gedenkkreuze f체r die Opfer des Zweiten Weltkrieges und die in der Baragan-Steppe verstorbenen Billeder Landsleute.
Glockenturm mit Friedhofskreuz auf dem Sauerl채nder Friedhof.
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Haus für den Totenwagen auf dem Neugässer Friedhof.
auf den ehemaligen Gräbern vorhanden. Leider sind die Jahreszahlen und Inschriften auf den einfachen Querbalken der Kreuze verwittert und verrostet, daher nur mehr auf 18 Kreuzen leserlich. Manches müde Grabzeichen senkte oder neigte sich zur Erde, als Sinnbild des ewigen Naturgesetzes von der Vergänglichkeit alles Irdischen . Aus dieser bereits erwähnten Bestandsaufnahme von Franz Luckhaup geht ganz klar hervor, daß die Bevölkerung von Billed schon im vorigen Jahrhundert sehr konservativ war. Die Billeder bevorzugten schon damals Marmorkreuze aus rotem , weißem und grauem Marmor. Jeder Friedhofbesucher kann auch beobachten , daß die Inschriften auf den Kreuzen in den letzten Jahren immer einfacher geworden sind. " Ruhe in Frieden" oder "sanft" sind schon fast aus der Mode gekommen. Ornamente wie sie früher zu sehen waren , finden keinen Anklang mehr. Verändert hat sich auch die Form des Grabes und des Grabsteines. Die seitlichen Einfassungen und " Überschüttungen" kommen sehr stark zum Vorschein. Heute geht der Trend aus einem ganz bestimmten Grunde zum abgeschlossenen, mit Beton übergossenen , pflegeleichten Grab über. Die im Westen lebenden Kinder lassen die Gräber ihrer Eltern und Großeltern übergießen oder mit einer Platte, einem Grabdeckel schließen. Was den Blumenschmuck auf den Gräbern betrifft, sind die Billeder Frauen sehr emsig und tüchtig. sie lassen sich nicht viel dreinreden . Jede hat ihre eigenen Sorten von Blumen, die sie immer wieder auf die Gräber ihrer Lieben pflanzt: Stiefmütterchen , Chrysanthemen, Erika usw. Di e Anordnung der Blumen auf den Gräbern sind oft ein wahrer barocker Blumenschmuck mit scharfen Farbabgrenzungen , der jedes Auge erfreut. Bei allem Aufwand, der rund um die Gräber gemacht wird , ist es eigentlich verwunderlich , daß die " Gruft" , das Mausoleum , ganz aus der Mode gekommen ist. Hier spielt aber der Mangel an Baum aterial die entscheidende Rolle. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es noch annähernd 20 solcher Grüfte auf beiden Friedhöfen , die sich natürlich nur wohlhabende Familien leisten konnten.
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Auf beiden Friedhöfen sind Glockentürme mit einer Allerseelenglocke aufgestellt, die bei jedem Begräbnis läuten. Auf der am Fuße des Turmes angebrachten Marmortafel stehen die Worte: ,.Gedenktafel. Wir werden auferstehen . Gewidmet vom Banater Deutschen Frauenverein . 1935 ."
Grabsteine und Kreuze auf dem Sauerländer Friedhof Das Grundstück des in den Jahren 1801 bis 1803 angelegten Sauerländer Friedhofs gehörte seit der Ortsgründung von Billiet, wie aus dem Ortsplan aus dem Jahre 1769 zu ersehen ist, zu der am Ostrand des Dorfes gelegenen Hutweide. Heute ist dieser Friedhof, im Gegensatz zum Neugässer Friedhof, noch immer im Besitz der Pfarrkirche von Billed. Im Jahre 1978 hat unser Landsmann Franz Luckhaup auf diesem 175 Jahre alten Ehrenhain unserer Vorfahren eine Bestandsaufnahme der dort noch vorhandenen Grabsteine und Kreuze durchgeführt. Das Ergebnis dieser mühevollen Kleinarbeit liegt nun vor und soll in unserem Heimatbuch festgehalten werden: 373 Stück Steinkreuze und sonstige beschriftete Grabsteine Gedenktafeln mit Beschriftung 22 Stück Pyramidenform und ähnliches 48 Stück Eisenkreuze beschriftet 18 Stück Eisenkreuze mit unleserlichen Inschriften 161 Stück Die noch leserlich beschrifteten Eisen- und Steinkreuze aus dem vorigen Jahrhundert setzen sich wie folgt zusammen :
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18.
Alte Eisenkreuze mit Namen und Sterbejahr, 18 Stück . Johann Mager Peter Mager Susanna Schutz GeorgWel ter Franz W e I t e r Jakob W e I t er Michael Niemberger Elisabetha WeIter Josef Zimmer Peter Kr ä m m er Nikolaus S I a v i k Angela Weindorfer Peter Weindorfer Michael Leindecker Maria SI a v i k Maria Li n t Angela Weindorfer Jakob Li n t
gest. 1843 gest. 1847 gest . 1851 gest. 1858 gest. 1861 gest. 1862 gest. 1864 gest. 1868 gest. 1871 gest. 1872 gest. 1878 gest. 1879 gest. 1883 gest. 1884 gest.l884 gest. 1887 gest. 1889 gest. 1889
Alte Steinkreuze aus rötlichem Marmor, teilweise mit Geburtsjahr und Sterbejahr, zusammen 11 Stück. 1. Jakob R o s a n i gest. 1849 2. Barbara Steiner, geb. Slavik geb. 1826 gest . 1856 3. Johann Donawell gest. 1853 geb. 1831 4. Michael Lichtfuß gest. 1871 geb. 1823 5. Katharina Glass, geb . Daniel gest. 1872 6. Johann Weber . gest. 1878 218
7. 8. 9. 10. 11.
Jakob K I e i n Josef G i I d e Franz W a g n e r Johann No II Johann H e r b s t I e r
geb. geb. geb. geb. geb.
1825 1812 1840 1840 1872
gest. 1884 gest. 1888 gest. 1895 gest. 1896 gest. 1897
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12.
Alte Steinkreuze aus grauem Marmor mit Geburts- und Sterbejahr, 12 Stück. Maria SI a v i k geb. 1836 gest. 1863 Barbara Rieder, geb . Pfeiffer geb. 1853 gest. 1873 Susanna Bauer, geb. Hergott geb. 1814 gest. 1874 Johann Ha h n geb . 1835 gest. 1881 Thomas Fr an c k geb. 1823 gest. 1881 geb. 1808 gest. 1882 Margaretha Tob i a s Anna Plenert, geb . Pfeiffer geb. 1834 gest. 1887 Peter W e I t er geb. 1825 gest. 1889 geb. 1802 gest. 1891 Mathias Tob i a s geb. 1819 gest. 1893 Kar! Bauer geb. 1824 gest. 1896 Peter Herbst Peter K I ein geb. 1821 gest. 1898
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15 .
Alte Steinkreuze aus weißem Marmor, mit Geburts- und Sterbejahr, 15 Stück . Sebastian Müller gest. 1858 Anna Müller gest. 1859 Susanna Lex , geb. Jochern gest. 1859 Peter Slavik gest. 1864 geb. 1854 Elisabetha Rothen gest. 1882 geb. 1838 Magdalena Krier, geb. Wolf geb. 1840 gest. 1882 Maria Aexius, geb . Quinkert gest. 1884 geb. 1857 Peter AI e x i u s gest. 1885 geb . 1852 JohannRieder geb. 1843 gest. 1889 Johann Kr i e r gest. 1890 geb. 1835 Barbar Weber, geb . Köster geb. 1865 gest. 1891 Peter Niereoberger geb . 1873 gest. 1894 Heinrich Be r n a u er gest. 1896 geb. 1832 Jakob G i I d e geb . 1830 gest. 1898 Johann Rot h e n gest. 1900 geb. 1829
Als Ergebnis dieser Bestandsaufnahme waren somit im Jahre 1978 noch insgesamt 622 verschiedene Grabkreuze oder sonstige Totengedenksteine auf dem Sauerländer Friedhof vorhanden. Laut den Eintragungen im Billeder Kirchenbuch wurde der Grund für die Errichtung des Sauerländer Friedhofes von dem kinderlosen Ehepaar Ratz [heute Nr. 232] der Kirche von Billed zur Verfügung gestellt. Wie es zu dieser Schenkung kommen konnte, denn im Jahre 1803 gab es keinen privaten Grundbesitz, ist heute nicht mehr zu erforschen, Grundherr von Biiled war der Agramer Bischof. Aber auch die "Kerchhofshüter" wollen wir hier nicht vergessen , sorgten sie doch für die Sauberkeit und Ordnung auf unseren beiden Friedhöfe.
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ü b e r s i c h t de r i n Bi II ed verstorbenen Pfarrer: Lfd. Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Name des Pfarrers Paul Herics Georg Frisch Nikolaus Maarx GeorgKarg Josef Duchony Paul Novak Peter Uitz Josef Unterreiner JosefWild
gestorben 12. 4. 1768 1. 10. 1771 28. 12. 1789 17. 5. 1815 21. 11. 1844 11. 8. 1890 20. 6. 1913 27 . 10. 1948 29. 1. 1961
Beerdigt Friedhof Neugässer Neugässer Neugässer Sauerländer Sauerländer Sauerländer Sauerländer Sauerländer Sauerländer
Das Schulwesen, die Schulkinder und ihre Schulmeister ( 1778- 1870) Einen sehr ausführlichen und instruktiven Leitfaden zur Entwicklung und zu den ersten Problemen, die die Einwohner von Billiet mit der Errichtung und Erhaltung ihrer Schule hatten , gibt uns der handschriftliche Visitationsbericht des Tschanader Bischofs Lonovics aus dem Jahre 1837. Die Aufzeichnungen über die Schule und ihre Lehrer werden hier zum Teil schriftgetreu aus dem Lateinischen wiedergegeben . Weniger wichtige und belanglose Angaben wurden weggelassen. Das Schulgebäude Das Schulhaus, bei der Kirche und dem Pfarrhaus gelegen, wurde in den ersten Jahren nach der Besiedlung aus gebrannten Ziegeln erbaut. Es hat ein Areal und einen Garten von zusammen 800 Quadratorgien Flächeninhalt und enthält 3 Zimmer für den Schulmeister, eine Vorratskammer, einen kleinen Keller und 2 getrennte Zimmer für die Unterlehrer. Zusätzliche Gebäude sind ein Schuppen und ein Stall, alle mit Stroh gedeckt. Schulzimmer Es gibt 3 Schulräume, 2 zum Unterricht der Knaben, einen für die Mädchen, alle getrennt von den Wohnungen der Lehrer und von genügend Fassungsraum für alle Schüler. Der Schulmeister oder Kantor Der Schulmeister ist Adalbert Körber, aus Billiet, 37 Jahre alt, von guter Gesundheit, der deutschen Sprache mächtig. Nach Besuch der Volksschule besuchte er die Lehrerbildungsanstalt in Temeswir, nach deren Beendigung er im Jahre 1815 in der Eigenschaft als Unterlehrer nach St. Anna kam, von wo er nach zwei Jahren nach Marienfeld kam. Dann wurde er Schulmeister in Gyertyamos [Gertianosch] und nach drei Jahren in dieser Stellung für Billiet vorgeschlagen. Dieses Amt versieht er im 14. Jahr, er ist für den Unterricht der Jugend und anderweitig begabt, fleißig und genau in der Schule, dem Pfarrer gehorsam, seine Sitten sind gut, er gibt keinen Anlaß zum Widerspruch, ist genau beim Gottesdienst, singt gut und spielt die Orgel. Er unterrichtet die Kinder im Gesang und Musik, gebraucht dabei nur die deutsche Sprache. Außer als Organist und Kantor dient er auch als Glöckner, führt die Aufsicht über das Schulhaus und hat das Glaubensbekenntnis abgelegt. 220
Unterlehrer Der Schulmeister hat zwei Unterlehrer, der erste ist, Leopold Böck, aus Haczfeld, 1816 geboren, er besuchte die Lehrerbildungsanstalt in Temeswir, wurde durch den Schulinspektor Vizearchidiakon Joseph Buchwald eingestellt und lehrt nun hier 4 Jahre. Er bezieht von der G em e in d e ein Jahresgehalt von 30 Gulden und dazu 10 Metzen [Preßburger] Weizen, er ist genau in der Ausübung seines Amtes, singt gut, spielt die Orgel und versteht Deutsch und Illyrisch. Der zweite, Nikolaus Hoffmann , aus Ecsken, er wurde durch den Schulinspektor von Bitlief Friedrich Konrad eingestellt, dient im ·2 . Monat, ist des Deutschen mächtig, verfügt über gute Sitten und hat Kenntnisse in der Musik. Er hat die Mädchen zu unterrichten. Beide Unterlehrer haben für sich getrennte Zimmer im Schulgebäude und empfangen die gleichen Bezüge von der G e m e i n d e . Die Schule und die Schulkinder Die Schule ist eine Volksschule. Im Ort befinden sich 390 Knaben und 209 Mädchen, zusammen 599, im Alter von 6 bis 12 Jahren, die zum Besuch der Schule geeignet sind. Tatsächlich besuchen sie 354 Knaben und 220 Mädchen, zusammen 574. Der Pfarrer ist der Katechet und Direktor in den Schulen, er berichtet jährlich über den königlichen Schulinspektoral und erteilt zweimal in der Woche Religionsunterricht. Dabei wird der Römische Katechismus benutzt, den Kindem wird die biblische Geschichte erklärt und außerdem werden andere Fächer nach den normal vorgeschriebenen Autoren gelehrt, wie Kalligraphie [Schönschreiben], Orthographie [Rechtschreiben) und Arithmetik [Teil der Mathematik , Zahlenlehre und Rechnen]. Ferien sind einmal in der Woche, außerdem in den Monaten Juli und August. Die Schüler besuchen täglich den Gottesdienst und dienen dem Priester beim Zelebrieren, an Sonntagen werden Wiederholungsstunden eingerichtet. Der Glöckner Das Amt des Glöckners versehen in der Mutter- und der Tochterkirche [Alexanderhausen oder Sändorhäsa) die jeweiligen Schulmeister. D a s S c h u I we s e n i m J a h r e 1 8 6 0 Den "Ethnographisch- und topographischen Notizen der Marktgemeinde B i II e t" aus den Jahren 1859/60 können wir die nachstehenden Notizen zur Schule, Lehrer und Schüler entnehmen: Billet hat eine Volks- Trivialschule [Rechnen, Lesen, Schreiben) mit 3 Klassen für den Knabenunterricht und eine Klasse für den Unterricht der Mädchen. Das Lehrpersonal besteht aus einem Ober- zwei Unter- und einem Mädchenlehrer, welche die Jugend im Lesen, Schreiben, Rechnen usw. unterrichten. Die Lehrer sind an der Präperandi geprüft, beziehen ihr Gehalt von der Gemeinde und unterstehen dem bei der hohen k.k. Statthalterei aufgestellten Schulrathe, dem Dechanate als Inspectorate und dem Pfarramte als Local-Directorate, welche zeitweise Prüfungen mit der Jugend über den Fortgang vornehmen. Jedenfalls wirken diese Volksschulen auf die intellectuelle so wie sittliche Bildung der Jugend vorteilhaft ein. Der Schulbesuch ist fleißig, auch findet in letzterer Zeit eine Vorliebe zur besseren Ausbildung der Kinder statt, da viele ihre Kinder zur höheren Ausbildung nach Temesvar oder Szegedin in die Schule schicken. Auch die Musik ist eine sehr beliebte Kunst, welche an der hiesigen Volksschule ausgebildet und mit dem besten Erfolg betrieben wird. Die im Jahre 1798 erbaute Schule war 50 Jahre später schon wieder zu klein geworden. So wurde im Jahre 1847 eine schöne, große und gut eingerichtete Schule, mit Unterstützung der Billeter Herrschaft errichtet. Dieses Schulgebäude besteht auch heute noch, es wurde im Jahre 1857 durch den Anbau einer Lehrerwohnung und eines Schulzimmers erweitert. [Ab 1902 wohnte und unterrichtete in diesem Gebäude Elisabeth Szimits, die Tochter des Banater Volksdichters Johann Szimits. " Die Lerche der Banater Heide".] Erwähnt sei auch die bis zum Jahre 1925 in dem Haus Nr. 299 bestandene Mädchenklasse und Direktorenwohnung von Dir. Josef Goschy. 221
Wie das Lehrpersonal damals für die Billeter Schule angeworben wurde, erfahren wir nun aus einer Anzeige in der "Temesvarer Zeitung" Nr . 173 vom Samstag, dem 31. Juli 1858, die der Dechant Joseph Noviik als Distrikts-Dechant und Schulinspektor des Billeter Dechanats aufgegeben hatte: Offene Mädchenlehrerstelle in Billet. Zufolge hohen Csanader Diözesan-Erlasses vom 10. Juli 1858 Nr. 271 Sch. ist für die kath. Mädchenschule zu Billet mit deutscher Unterrichtssprache ein Lehrer Supplent mit dem Gehalt von 2 00 fl. CM, 50 Metzen Weizen, 5 Klafter Brennholz und 4 Klafter Stroh nebst freier Wohnung im Schulhaus zu bestellen. Lehrbefugte Bewerber haben ihre Bittgesuche bis 20. August 1858 an die Schulaufsicht des Billeter Distriels zu Bogaros, per Lovrin, einzusenden. Bogaros, am 28. Juli 1858 Joseph Novak m .p . Dechant [Bei Joseph Noviik handelt es sich um den Verfasser der Bittschrift an den Kaiser im Jahre 1849.] Eine Lehrkraft für deutsch e Unterrichtssprache wurde für Billet noch gesucht. Mit dem Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn im Jahre 1867 begann aber der Anfang vom Ende des deutschen Unterrichts in Ungarn und auch in Billet. Das Volksschulgesetz von 1879. das Mittelschulgesetz von 1883 und das Kindergartengesetz von 1891 waren darauf angelegt. das eigenständige Schulwesen der Nationalisten zu zerstören und der madjarischen Sprache zum Durchbruch zu verhelfen. Der junge deutsche Lehrernachwuchs wurde im ungarischen Geiste erzogen und in fremder Sprache unterrichtet, er war der eifrigste Förderer der einsetzenden Madjarisierung und half bereitwilligst an der Verstaatlichung der deutschen Schulen mit. So kam es wie es kommen mußte: Unser deutsches Volk. seiner geistigen Führer verlustigt. ließ es in stumpfer Gleichgültigkeit geschehen. daß man ihm die letzten Bollwerke seines Deutschtums, die deutschen Schulen wegnahm. Anstatt mit allen Mitteln für die Erhaltung der deutschen Schulen zu kämpfen. ließ man sich von den vorgegaukelten materiellen Vorteilen verblenden. gab seine Schulen preis und war nur mehr für die Vermehrung seiner irdischen Güter bedacht. Damals lag in Billet die Leitung der Gemeindeangelegenheiten in materialistischen Händen. sodaß es nicht allzu schwierig war. die eigene. konfessionelle Schule mit deutscher Unterrichtssprache zugunsten einer den Gemeindesäckel nicht belastenden Gemeindeschule preiszugeben. Unter dem Dorfrichter Johann Rieder kam es am 17. Februar 1870. also schon neun Jahre vor dem Erlaß des ungarischen Volksschulgesetzes zu einer Volksabstimmung. Der Bevölkerung wurde die Frage zur Entscheidung gestellt: Ob die seit 1765 von der ganzen Gemeinde finanzierte konfessionelle Schule beibehalten. oder ob sie in eine vom ungarischen Staate finanzierte Gemeindeschule umgewandelt werden solle? Wie hart hier Meinung gegen Meinung stand. geht aus dem knappen Ergebnis der Volksentscheidung hervor. Mit einer Mehrheit von nur z w ö I f Stimmen wurde die eigene konfessionelle Schule in eine Gemeindeschule umgewidmet. Bereitsam 2. und 3. April 1870 setzte der Schulinspektor. Johann von Mennyei. die neu gewählte Billeier Gemeindeschulkommisssion ein , organisierte den Lehrkörper und ernannte Herrn Heinrich Ti II zum dirigierenden Lehrer und Präses der Lehrerkorporation . Im Jahre 187R wurde Till zum Direktor ernannt und leitete ab diesem Zeitpunkt bis zu seiner Pen sionierung im Jahre 1892 das gesamte Unterrichtswesen in Billet.
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Der entscheidende Unterschied zwischen den konfessionellen und den Gemeindeschulen bestand im folgenden: Die Lehrkräfte für die konfessionellen Schulen, wie die Schule von Billet im Jahre 1870 eine war, wurden vom Kirchenrat gewählt und von der Kirchensteuer der Kirchengemeinde bezahlt. Aus diesem Grund war es selbstverständlich, daß an der Schule von Billet nur deutsche Lehrkräfte in ihrer Muttersprache unterrichteten . Mit der Volksentscheidung vom 17. Februar 1870 wurde die konfessionelle Schule von Billet in eine Gemeindeschule umgewandelt und damit setzte die staatliche Kostenbeteiligung und natürlich auch die staatliche Einflußnahme auf die Personalpolitik und die Unterrichtssprache ein. Seit der Ortsgründung von Billiet im Jahre 1765 bis zum Jahre 1830 war die oberste Schulleitung immer in weltlichen Händen , erst ab 1830 bis 1870 in geistlichen. In diesem Zeitabschnitt hatte der Dechant des Billieter Oechanats in sämtlichen zu Billiet gehörigen Gemeinden, die oberste Schulaufsicht, wie zum Beispiel Dechant Joseph Novak von 1849 bis 1863. Erwähnt sei auch noch eine Verordnung vom 3 I. Juli 183 I. die der Dechant Joseph Buchwald an alle Lehrer und Pfarrer des Billeter Di strikts-Oechanats verschickte. in der er darauf hinwei st. daß das Gesetz in Kraft getreten sei. nach dem die ungarische Sprache zur Geschäftsund Wi ssenschaftssprache erhoben werden solle. was voraussetzt. daß die Lehrer ebenfalls der ungarischen Sprache mächtig sein müssen. im widrigen Falle sie nicht befördert werden können und mit einer Pensionierung rechn en müßten.
Alte Volksschule mit der Kirche (1957].
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75 Jahre Aufbauarbeit 1m deutschen Dorf Billiet (1765- 1840) Der deutsche Kolonist, Ansiedler, Bauer und Handwerker im Banat erscheint in den Akten der Österreichischen und ungarischen Archiven in einem so günstigen Lichte, das nicht mehr er löschen kann und das Wirken dieser Menschen durch nichts mehr herabgesetzt oder gar geschmälert werden kann. Auch wenn uns heute zwei Jahrhunderte davon trennen und jetzt die Traktoren und Mähdrescher der Kollektivwirtschaften über die einstigen Prädien der Heide fahren. Josef Dorner. Apotheker aus Preßburg. reiste im Jahre 1839 über Szegedin, Billiet. KleinBecskerek nach Temesvar um von hier nach Herkulesbad zu gelangen. Über diese Fahrt berichtet er in seinem Buch unter anderem: .. . Ein betriebsames, schlichtes Volk deutschen Stammes hat sich hier einen neuen Herd gegründet und die wüste Ebene gar bald in einen weiten Garten umgeschaffen. Dort wo früher stehende Sumpfwasser die Luft verpesteten, jede edlere Vegetation verdrängten, die Gesundheit Tausender untergruben, dort wandelt man nun durch die übigsten Kornfelder, und so weit das Auge reicht wiegen die langen Halme ihr schwer beladenes Haupt, und der fruchtbare Boden vergilt im reichlichen Maße das schweißbedeckte Tagwerk dieses biederen Volkes ... Der überschwenglich fruchtbare Boden des Banats hat tausend geschäftige Hände herbeigelockt, die diese Gegend sorgsam bebauen. Man trifft zahlreiche Dörfer, schöne Märkte, und ein Wohlstand unter den Bauern, der gewiß jeden Menschenfreund wohltätig ansprechen wird . . . Nur drei Jahre später berichtet der ungarische "Comitats Assessor" im Banat, Johann von Csaplovics in einem seiner Bücher über die deutschen Menschen auf der Heide u. a. "Heidebauern, von der Heide die sie bewohnen so benannt. Die schönsten, am regelmäßigsten gebauten Ortschaften sind in dem Temescher- Torontaler Comitaten, weil sie für deutsche Kolonisten, nach einem architektonischen Plan angelegt wurden .. " "Die modernsten Tische, Stühle, Kanapees, Spucknäpfe, Kleider- und Schubladenkästen, Geschirrkästen [Küchenkredenzen], alles poliert, bronziert, zuweilen auch mit Goldstäbchen eingefaßt. Zierliche Stockuhren, Porträts, Leuchter, Luster. Das Tischzeug ausgesucht, das Tischgeschirr von Porzellan, Zinn und Silber. Spiegel 4 - 6 Schuh hoch [ 130- 190 cm], seidene Fenstervorhänge. Von diesem läßt sich auf das übrige schließen. " • "Auch die Wohnungen der Bauern sehen jetzt ganz anders aus, als ehedem. In dem Hause eines Halbbauern mit 16 Joch Feld, mit 4 - 6 Pferden, eben so viele Kühen,.zahlreiche Schweinen und Schafen, sieht man in der Stube 2 Betten, 4 - 6 Pölster, einer guten Federtuchent, Strohsack, mit schönen von Druckleinwand gefertigten Oberzügen und Leintüchern. Einen ·ordentlichen Tisch, etliche Lehnbänke und Stühle. Hier ein Beweis das auch ein Urbarialist [sprich Fronbauer] wohlhabend sein kann, wenn er vernünftig und fleißig ist." . "Von einer Hungersnot der Deutschen in Ungarn härte ich noch nie, weil sie sich aufs Haushalten gut verstehen. Die übrigen Völkerschaften haben mit der Brotnot öfters zu kämpfen. " "Die deutschen Ansiedler in Ungarn waren und sind ein wahrer Segen für Ungarn, ihr Verdienst um ihr Vaterland ist vielfach und höchst wichtig. Sie sind als die Gründer der Civilisation zu betrachten. Denn das Christentum, sammt der späteren Reformation, verpflanzten sich am mächtigsten von Deutschland her nach Ungarn. Sie trugen sehr viel zur Einführung der Landesverfassung bei. Sie halfen das halb öde Land bevölkern, und brachten dahin deutsche Betriebsamkeit, deutsche Gewerbe und Kultur mit." "Unter ihren Händen stürzten Wälder nieder. Sümpfe wurden ausgetrocknet, Einöden verwandelten sich in Kornfelder und Weingärten. Die deutschen öffneten Stollen und Schächte in die Eingeweide des Bodens und begründeten den Bergbau, wodurch Gold, Silber und andere Metalle gewonnen werden." ,.Hätten wir nicht die Deutschen seit jeher als gute Freunde und Nachbarn gehabt, es hätten uns die Tataren und Türken schon lange aufgefressen."
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,.Es übersteigt den menschlichen Scharfsinn zu erraten , wie ungefähr es heutzutage in Ungarn aussehen dürfte. wenn es seit jeher den Eingang der Deutschen verwehrt hätte. Wenn man das alles wegdenkt was man den Deutschen zu verdanken hat. man könnte ohne sie nicht ... " Csaplovies meint weiter, daß dieses sehr schöne und reichhaltige Thema eine fleißige ; umständliche Ausarbeitung verdienen würde, wozu er viele Daten liefern könnte. [Geschrieben am 22 . Juli 1842.] In diesen beiden , auszugsweise zitierten Originalberichten, wird das gesamte Leben und Wirken un serer Vorfahren nach einer Aufbauarbeit von 75 Jahren geschildert und es erübrigt sich , darüber noch viel zu kommentieren .
Die Revolutionsjahre und die Deutschen im Banat (1848- 1849) Von d e r V o r m ä r z z e i t bis zur Entscheidungsschlacht bei Neubeschenowa Wie standen die politischen Dinge in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als das Ringen zwischen der kaiserlichen Macht und dem aufstrebenden Bürgertum seinen Fortgang nahm? Die Brandschriften und Flugblätter der letzten 20 Jahre, die frischen Eindrücke der französischen Februarrevolution hatten eine Stimmung unter den Völkern der Monarchie verbreitet, daß es zu einer Auseinandersetzung kommen mußte. Unter dem Druck der Unfreiheit fanden sich in Wien schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Männer des aufstrebenden Bürgertums zusammen , welche ernstere Reformgedanken im Herzen wälzten. Namen wie Anastasius Grün, Bauemfeld, Hammerling, Grillparzer, Stelzhammer, Danhäuser und nicht zuletzt auch Ni k o1 au s L e n a u waren dabei . Als Kämpfe des Vormärz schrieb Lenau Gedichte, die zum Banner der Freiheit wurden und im Sturm die große Bewegung des Jahres 1848 ankündigten . In seinem Gedicht "Protest" schrieb er gegen den Kaiser u. a.: Reihe ich das Königsturn den Himmelgaben, Verlassner Völker Vaterhaus und Hort, 0, glaubet nicht, ich liebe drum sofort, Was jetzt und hier an Königen wir haben ... Die Dichter, Schriftsteller und Studenten standen in den vordersten Reihen der Gegner des Absolutismus und galten als die Vorkämpfer der Freiheit. Lenau hatte neben Anastasius Grün durch seine freiheitsatmenden Verse am meisten zur Erweckung· des öffentlichen Geistes in Ö sterreich und Ungarn beigetragen. Als am 24 . Februar 1848 in Paris die Revolution ausbrach, haben sich auch die Völker der österreichisch-ungarischen Monarchie erhoben und forderten politische Freiheit, Eigentum und Sicherheit. Die größte Forderung war die Abschaffung der Fronden und Gibigkeiten, die der Bauer bisher dem Grundherrn geleistet hatte. Am 3. März hat der ungarische Abgeordnete Ludwig Kossuth im Landtag von Budapest das vom Adel beherrschte Land aufgerufen und den Antrag gestellt, daß Ungarn in Zukunft von Wien unabhängig regiert werden soll. Noch bevor die ungarischen Minister die Macht an sich reißen konnten , ernannte der Kaiser den Freiherrn von Jellacic, einen geborenen Kroaten , zum Statthalter von Kroatien . Mit diesem Schritt hat der Hof in Wien dieSlavengegen den ungarischen Radikalismus zur Hilfe gerufen . Arbeiter, Bauern, Kleinbürger und Taglöhner unter der Führung von Studenten stürmten am 13. März die Hofburg des Kaisers in Wien und verlangten Mitbestimmung in der Regierung und die Abschaffung des Absolutismus des Kaisers. Der Kanzler Fürst Mettemich mußte sein · Amt niederlegen. Der Kaiser verließ Wien und zog mit seinem Hof nach Innsbruck. Damit begann die Verwirrung in den Reihen der kaiserlichen Truppen in Ungarn. Sie standen vor der
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Wahl zwischen ihrem Treueid für den Herrscher und ihrem Schwur auf die ungarische Verfassung. Aber auch die Deutschen im Banat und ganz Ungarn standen von der Wahl und fragten sich , ob sie nicht selbst auch Hand anlegen sollten, um diese feudalistischen , nichtswürdigen Verhältnisse zu beseitigen. Die Serben schlugen schon im April 1848los und kämpften gegen die Ungarn . Ihnen folgten die Kroaten. Beide Völker hatten die Autorität des Kaisers anerkannt. In Billiet war die Grundherrschaft kroatisch , der Bischof des Agramer Bistums war der Besitzer der ganzen Gemeinde, einschließlich aller Felder und liegenschaften! Die Kirche und mit ihr der damalige Billieter Pfarrer P a u I Novak waren ungarisch eingestellt und standen mit dem Herzen im Lager der Aufständischen unter Kossuth. Laut der ungarischen Verfassung konnten die ungarischen Behörden nach wie vor über die kaiserlichen Truppen in Ungarn verfügen und setzten diese auch gegen die Serben und Kroaten ein . Viele kaiserliche Offiziere, die auf diese Weise gegen den eigenen Kaiser befehligt wurden , hatten in Wien um die Versetzung nach dem Westen des Reiches angesucht. Die Gesuche wurden abgelehnt. Der Österreichische Kriegsminister Latour unterstützte mit dem Einverständnis des Kaisers den General Jellacic im Kampf gegen die Ungarn. Am 11. September 1848 überschrittJellacicmit seinem Heere die Drau und drang ins Innere Ungarns vor. Die Ungarn wurden von allen Seiten bekämpft, die Krone wandte sich von ihnen ab und Kroaten , Serben und Rumänen standen im offenen Kampfe gegen sie. Kossuth riß in Ungarn die Macht an sich und begann mit der Aufstellung eines eigenen Heeres. Der Übertritt von Offizieren und Soldaten aus der Kaiserlichen Armee zur nationalen Landwehr wurde mit rascher Beförderung belohnt. In einem Manifest des Österreichischen Ministeriums vom 3. Oktober 1848, das eine offene Kriegserklärung an Ungarn enthält, wird der ungarische Reichstag aufgelöst, seine letzten Beschlüsse für ungültig erklärt, der Belagerungszustand über das ganze Land verhängt und Jellacic zum Stellvertreter des Königs und zum Oberbefehlshaber aller Truppen in Ungarn ernannt. Die Beförderung von Jellacic traf das ungarische Volk ins Herz, da es in dem Banus von Kroatien einen eidbruchigen Rebellen sah. Ungarn stand jetzt allein und isoliert zwischen den beiden Militärmonarchien Österreich und Rußland. Kossuth hatte dem polnischen General Bem die militärische Leitung in Budapest übertragen. Zum ungarischen Oberbefehlshaber wurde Artbur Görgei. ein Sohn Ungarns, der einer adeligen deutschen Familie aus der Zips entstammte, ernannt. Seine militärische Ausbildung machte Görgei in der Pionierschule in Korneuburg und Tulln bei Wien . Wer nicht früher österreichischer Offizier war, gehörte nicht zu seinen Freunden . zur offiziellen Sprache setzte er die deutsche ein, weil es viele deutsche Offiziere gab , obwohl die Armee aus Ungarn bestand. Gleich Görgei war der Chef seines Generalstabes, Josef Bayer. ein Deutscher aus Ungarn. Ludwig Kossuth, dessen flammende Beredsamkeit in ihrer Art einzig dastand und der auch als Journalist die Herzen der Banater Deutschen zu bewegen verstand, war der Abgott der Massen, da er den demokratischen Freiheitsgedanken in dem vom Adel beherrschten Ungarn vertrat. Trotzdem war es für die 1,5 Millionen Deutschen Ungarns und im Banat, wo die Meinungen auseinandergingen, nicht ganz einfach sich zu entscheiden . Das hing mit ihrem widerspruchsvollen Verhältnis zum Österreichischen Staate und zur deutschen Nation zusammen. In den konservativen Schichten war die Idee eines einheitlichen und mächtigen Österreich lebendig, hier empfand man die Loslösung Ungarns vom Reiche als etwas Unerträgliches. Dies war auch die herrschende Gesinnung unter den Österreichischen Beamten. Ebenso dachten der Adel und auch das begüterte Bürgertum . Wer im Banat aber demokratisch dachte und fühlte, sah unschwer voraus, daß der Sieg der Krone über Ungarn auch das Ende der jungen Freiheit bringen würde . Deshalb hielten es die Träger der Revolution, die Bauern und Arbeiter für notwendig, sich für die Sache Ungarns wie für die eigene zu schlagen. Unter ihnen bildeten die Studenten das führende und treibende Element. Dazu kam, daß bei den Deutschen das erwachende deutsche Nationalgefühl über den altösterreichischen Patriotismus den Sieg davontrug. Schließlich hatten die Deutschen im Banat ihrem Kaiser in Wien noch nicht vergessen , daß es ihre kaiserliche Landesmutter Maria Theresia 226
war, die sie wie ein Findelkind im " Waisenhaus Ungarn" ablieferte, um dann an den meistbietenden versteigert zu werden. Es war ein Rausch kriegslustiger Jugend, dem sich nicht bloß die Ungarn hingaben , manche der üb~rgetretenen Offiziere waren Österreicher. Mit den Ungarn strömten auch die Deutschen begeistert zu den Fahnen, die allein das Bürgertum bildeten und besonders stark von den freiheitlichen Ideen ergriffen waren , für die man sich gegen den Wiener Hof schlug. Kossuth verfügte über eine Streitmacht von etwa 180.000 Mann. Die Nationalgarden dienten freiwillig und gehörten allen Altersklassen an, sie standen unter bürgerlichem Gesetz! Mehr als einmal standen sich Brüder in den feindlichen Reihen gegenüber, wie in dem Falle der Briider Leiningen. Der eine, der sich für die Sache der Freiheit geschlagen hatte, wurde in Arad gehängt, der zweite war in der Festung Temeswar bei den kaiserlichen Truppen und der dritte kämpfte im Heere Radetzkys gegen die aufständischen Italiener in Italien . Als am 6. Oktober ein Batallion Soldaten nach Ungarn abgehen sollte, widersetzten sich die Wiener Studenten, Arbeiter und Nationalgardisten diesem Vorhaben und erschossen den General Bredy. Der Kriegsminister Latour wurde vor seinem Büro an einer Straßenlaterne aufgehängt. Das Ministerium war auseinandergesprengt und der Kai s er f I ü c h t e t e ab e rm a I s a u s W i e n , d i e s e s m a I n a c h 0 I m ü t z i n B ö h m e n [ h e u t e T s c h ec h o s I o w a k e i] . Nach dem Fall Wiens zog eine große Anzahl deutscher Studenten nach Ungarn und bildete den Kern einer Wiener Legion . Moriz Hartmann setzte diesen Studenten in der Reimchronik des Pfaffen Maurizius ein Denkmal: "Sie wissen besser, als ihr wißt, Daß dort die Freiheit wird auferstehen , Daß Deutschlands Feinde dort untergehen , Daß dort der Deutschen Schlachtfeld ist, Die braven Wiener Studenten ." Die Siebenbürger Sachsen blieben kaisertreu, sie hatten sich in Jahrhunderten Rechte erworben und geschaffen und waren den Neuerungen, für die hier gekämpft wurde, weit voraus. Der kommandierende General von Siebenbürgen, Puchner, trat im Oktober gegen die revolutionären Ungarn in Tätigkeit. Die Rumänen in Siebenbürgen erhoben sich ebenfalls mit Nachdruck , die an den beiden Grenzregimentern ihrer Nation einen festen Halt besaßen . Unter dem Obersten Urban sagten sie der ungarischen Regierung den Gehorsam auf. Die Schlösser der ungarischen Edelleute wurden verbrannt und ihre Einwohner niedergemetzelt. In dem jungen Rechtsanwalt Abraham Jancu , einem Bauernsohn, fand das rumänische Aufgebot einen begabten Führer. Mit Ausnahme des ungarischen Szeklerstammes hielt Siebenbürgen zur Sache Österreichs. In Südungarn gab es einen Rassenkrieg zwischen den Ungarn und Serben, bei dem die Deutschen größtenteils auf Seiten der Ungarn standen . Viele Söhne der Banater Heide standen dort im Einsatz, vor allem in der Stadt Weißkirchen. Auch in Billiet spielte sich manch blutiges Gefecht ab. Die Bevölkerung lebte in ständiger Angst. Bald brandschatzten die in Billiet eingefallenen Serben, bald requirierte das ungarische, bald das kaiserliche Heer Nahrungsmittel und Futter. Vorspann mußte für beide Gegner geleistet werden . Der ungarische General Nagy Sandor saß mit seinem Stab in Hatzfeld, von wo aus er seine Streifzüge über die ganze Heide bis Billiet unternahm . In Temeswar saßen die kaiserlichen Truppen mit den serbischen vereint und machten ihre Streifzüge in die umliegenden Dörfer. Einen kurzen Einblick über den Verlauf eines solchen Streifzuges in Billiet selbst gewährt uns ein Schreiben des Gutsverwalters Michael Fuchs vom 27 . November 1848 an seine in Österreich lebende Gräfin. Dieses nun folgende Schreiben hat mir freundlicherweise Direktor Tiberiu Mol. vom rumänischen Staatsarchiv in Temeswar zur Verfügung gestellt, wofür ihm herzliehst gedankt sei .
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Oroßlanyos, den 27. Nov. 1848 Hochwohlgeborene Gnädigste Gräfin! Noch immer ist hier im Banat alles beim alten, von Temeswir werden auf die Ortschafte.n durch das Militär [kaiserlichen Truppen) Ausflüge gemacht, bei ein jedem Ausflug nehmen selbe die Burschen als Recruten mit und lassen sich als Brandsteuer hübsche Summen zahlen. Eben diese Tage haben sie Billet überrumpelt. Die Garden [Anhänger von Kossuth] haben weichen müssen, die Billeter Gemeinde hat müssen 10.000 Gulden baar zahlen und hat müssen 150 Burschen als Recruten stellen, von wo sie aber nach zwei Tagen zurückgedrenkt sind. So wird es in dem ganzen Winter zugehen, und vermutlich wird erst im Frühjahr das wahre Morden sein. Von allen Enden kommen die Recruten nach Szegedin wo sie den Unterricht erhalten, Menschen sind vorhanden nur in Musketen [Gewehren) ist ein großer Mangel . .. Mit aller Hochachtung küsse die Gräfliche Hände und verbleibe Euer Gräfliche Gnaden aufrichtiger Fuchs Michaly Verwalter
Die Thronbesteigung Kaiser Franz Josephs Dezember 1848 Die Armee und Generale waren es, die nach den Aufständen und Kämpfen des Jahres 1848 die monarchische Gewalt wiederherstellten und das Auseinanderfallen des Reiches verhinderten. Zuerst war Krakau, dann Prag, hierauf Mailand und zuletzt Wien zum Gehorsam zurückgerufen worden. Nur Ungarn war noch in den Händen der Aufständischen. Die Generäle sahen den Zeitpunkt für gekommen, um dem Reicp an Stelle des alten und kranken Kaisers Ferdinand I. einen jungen, tatkräftigen Herrscher zu geben. Am 2. Dezember 1848 ging die Thronentsagung zu Olmütz in Böhmen, also nicht in Wien , vor sich. Der junge, 18jährige Kaiser Franz Joseph hat nicht als der um jubelte "Franzl" den Thron bestiegen, sondern er hat auf eine gut reaktionäre Art und Weise mit den liberalen und demokratischen Umtrieben Schluß gemacht. Er ließ den Reichstag aus dem schwellenden Wien ins Mährische Olmütz verlegen und ihn dort nach kurzer Zeit vom Militär auseinanderjagen. Im Mai 1849 wurde Haynau zum Österreichischen Oberbefehlshaber ernannt. Er marschierte mit 80.000 Mann vom Westen und Jellacic mit 40.000 Mann von Kroatien her nach Ungarn ein . Von Galizien setzten sich 130.000 Mann russische Truppen unter Paskiewitsch in Bewegung. Am 3. August überschritt Haynau bei Szegedin kämpfend die Theiß und am 7. August schlug er sein Hauptquartier, 60 Kilometer vor Temeswar, in Lovrin auf. Bereitsam 25. April 1849 mußte die Festung Temeswar seine Tore schließen, als der polnische General Bem- nach dem Fall von Hermannstadt- mit seinen Truppen gegen die Stadt marschierte. Die Ungarn konzentrierten ihre sämtlichen Streitkräfte zu einer geballten Macht, um eine letzte entscheidende Schlacht zu schlagen. Sie hatten bei Kleinbetschkerek, 20 Kilometer vor Temeswar, auf der Wiener Straße mehr als 100 Geschütze zusammengezogen. Am 9. August gelang es dem aus dem Raume Billiet angreifenden 3. k.k. Armeekorps die Ungarn über den sumpfigen, die Straße quer durchschneidenden Bach Beregszo zurückzudrängen. Aus St. Andres stieß Feldmarschall-Leutnant Fürst von lichtensteinmit dem 4. Reservekorps in die rechte Hanke der Ungarn . Aus der Festung Temeswar machte Oberst Biomberg einen Ausfall durch das Wiener Tor und griff in die Schlacht mit ein. Die Ungarn wurden hier entscheidend 228
geschlagen und zogen sich in Richtung Vilagosch zurück. Die kaiserliche Armee, an der Spitze ihr Kommandeur Feldzeugmeister Haynau, erreichte mit ihrer Kavallerie noch am Abend die Festung Temeswar, deren Tore sich nach 107 Tagen zum ersten Mal wieder öffneten. Der Kriegsrat des ungarischen Heeres faßte nun den Beschluß. nicht Haynau, sondern dem russischen Feldherrn die Unterwerfung anzubieten, worauf der Kommandeur der ungarischen Truppen . Görgei. am 13. August bei Vilagosch dem Russen Paskiewitsch sein Heer bedingungslos übergab . Der Stolz Österreichs war durch diese Vorgänge aufs Tiefste verletzt.
Die Deutschen Ungarns und das Kriegsgericht Haynaus in der Festung Arad Bemerkenswert ist der starke Anteil der Deutschen Ungarns an der militärischen Führung des Aufstandes. Die dem Lande entstammenden kaiserlichen Offiziere gingen vielfach aus dem deutschen Bürgertum hervor. von den dreizehn in Arad hingerichteten Befehlshabern haben allein sechs in ihren Abschiedsbriefen in deutscher Sprache von ihren Familien Abschied genommen. General Pöltenberg hat, noch als er zum Galgen emporgehoben wurde, in deutscher Sprache ausgerufen: ,.Eine schöne Abordnung steigt zu Gott hinauf, um in Angelegenheit U ng a r n vorzusprechen." Diese Männer waren gleich allen Aufständischen überzeugt, die Freiheit der europäischen Völker gebiete den Kampf für die ungarische Sache. Einen Tag nach dem Fall der letzten Festung Ungarns, Komorn, am 6. Oktober 1849, wurden die Urteile in Arad vollstreckt. Neun von den zum Tod verurteilten Generälen erlitten den Tod am Galgen. vier wurden erschossen. D i e 0 p f e r v o n B i II ie t Durch die Kampfhandlungen während der Revolution sind in Billiet folgende Personen gefallen: Horvath Istvan 26 Jahre, aus Csongrad am 7. November 1848 Bakes Maria 19 Jahre, aus Billiet am 27 . November 1848 N. N.? Janos ? Jahre. aus Weißkirchen am 4. Jänner 1849 Nikola Andreas 50 Jahre, aus Kleinjetscha am 8. Februar 1849 Mayer Katharina 36 Jahre, aus Billiet am 21. Juli 1849 Müller Johann 33 Jahre, aus Billiet am 22. Juli 1849 Haupt Barbara 22 Jahre, aus Billiet am 23. Juli 1849 In der Schlacht um die Festung Temeswar, im Frühjahr 1849, ist der 16jährige Jakob Tieß aus Billiet gefallen. Er ist mit weiteren fünfzig "Freiheitskämpfern" auf dem Friedhof von Freidorf beigesetzt. In den Reihen der k a i s e r I i c h e n T r u p p e n sind in der Festung Temeswar die folgenden Billieter verstorben: J o s e f Stein er, kath., 34 Jahre, verheiratet, ohne Beruf, an Brand, 16. 6. 1849; Ni k o I aus Lichtfuß, kath ., 20 Jahre, ledig, ohne Beruf, an Skorbut, 5. 8. 1849; Mi c h a e I Mo I i t o r , kath ., 26 Jahre, ledig, ohne Beruf, an Skorbut, 11. 8. 1849; Heinrich Sc h m i d t, kath., 28 Jahre, ledig, ohne Beruf, an Auszehrung, 16. 8. 1849. In den Reihen der k a i s er I ich e n Truppen ist in der Festung Arad gefallen: K o n r a d M um b er , kath ., 24 Jahre, verheiratet, durch eine feindliche Kanonenkugel, 2. Februar 1849. Bei der Niederschlagung der italienischen Aufständischen in der Lombardei durch die kaiserlichen Truppen des Feldmarschalls Radetzky sind dort die folgenden Billieter gestorben: Wende I H ö f n er, kath., 26 Jahre, ledig, an Wassersucht, am 13. Dezember 1848 gestorben. beerCtigt im Friedhof bei Mantua; 229
Mi c h a e I Rapp , kath. , ledig, 27 Jahre, an Lungenblähung, am 17. Jänner 1849 gestorben. beerdigt im Friedhof bei Mantua. Trotz angestrengtem Suchen, sowohl in Temeswar als auch in Wien, nach Hinweisen auf die Gräber der gefallenen k a i s er I ich e n So I da t e n im Raume Billiet-Temeswar, ist es mir . nicht gelungen, auch nur Anhaltspunkte zu finden. Es besteht also die Wahrscheinlichkeit, daß sie auf den Friedhöfen von Neubeschenowa, Kleinbetschkerek und Billiet beigesetzt wurden. Eine zweite Vermutung von mir bleibt vorläufig die Annahme , daß es sich bei den vielen, zwischen den beiden Weltkriegen um den Kalvarienberg ausgeackerten menschlichen Skeletten , um einen Soldatenfriedhof der k a i s er I ich e n Armee aus der Zeit der Revolution handeln könnte. Laut dem Visitationsbericht des Bischofs Lonovics stand bereits im Jahre 1837 auf dem Kalvarienberg ein Kreuz, sodaß die Möglichkeit bestanden hat, hier die Gefallenen zur letzten Ruhe zu betten. Gedenkstein für 54 namenlo se Freiheitskämpfer An die letzte und entscheidende Schlacht der Revolution 1848/49 erinnert heute noch ein völlig unbeachteter Gedenkstein bei Neubeschenowa, auf dem die folgenden Worte eingemeißelt sind: HIERRUHEN 54 NAMENLOSE HELDENDES FREIHEITSKAMPFES WELCHE AM 9. AUGUST 1849 IN DER AN DIESEM ORTE STATTGEFUNDENENSCHLACHT FÜRIHR VATERLAND STARBEN DASANDENKEN DER NAMENLOSEN HELDEN VEREWIGTEN DIE EINWOHNER DER GEMEINDE UIBESSENYO IM JAHRE 1905 1848- 1849 DENHELDEN DES FREIHEITSKAMPFES
Die russischen Truppen bringen die Cholera nach Billiet ( 1849) Das 9. russische Infanterieregiment marschierte aus Knes kommend in Billiet ein und lagerte im Süden vor dem Ort auf dem Gelände des ,.Großen Marktes". Für die Verpflegung der Russen mußte die Gemeinde Billiet und die Bevölkerung aufkommen. am 17 . August. also vier Tage nach der Kapitulation der ungarischen Truppen vor dem russischen Kommandeur Paskiewitsch in Vilagosch . ist in Billiet der aus Zabokaisz stammende russische Soldat Juda Schivers in Billiet an der Cholera gestorben. Da es seit 1836 keine Cholerafälle mehr gegeben hatte. so hat der Kaplan Josef Versetzy diesen ersten Fall im Sterbematrikel rot unterstrichen. Auch im Jahre 183 I wurde Billiet von der Cholera heimgesucht. Diesesmal sind vom 17 . August bis 27. Oktober 70 Personen dieser furchtbaren Krankheit zum Opfer gefallen. Am 29. August hatte die Krankheit ihren Höhepunkt erreicht: an diesem Tag wurden 9 Opfer der Cholera beerdigt. In den wenigen 230
Wochen. oft an einem Tag. hat diese Krankheit ganze Familien ausgelöscht. Die Menschen standen dieser Geisel damals noch machtlos gegenüber. Durch den Genuß von viel Knoblauch versuchten sich die Menschen vor einer Ansteckung zu schützen. Fest steht. daß diese Krankheit in wenigen Wochen in Billiet mehr Opfer gefordert hat. als die Revolution in 18 Monaten. Ausall dem können wir ersehen. daß unseren Vorfahren nichts erspart blieb. es genügte nicht nur die Revolution im eigenen Dorf. nein. auch noch durch Krankheit wurden sie dezimiert und ihnen viel Leid und Schmerz zugefügt. Hier nun die Namen der in Billiet vom 17. August bis 27 . Oktober an Cholera verstorbenen Personen: Die Opfer der Cholera in Billiet 1849: Name
Alter Jahre
Sterbetag 1949
Schivers Juda Schmidt Josef Hausz Johann Hehn Johann Kugel Margit Frick Andreas Donavel Anna Lichtfuß Wendel Schneider Maria Gehl Johann Undi Elisabeth Undi Gertraud Heumeß Maria Müller Franz Zimmer Mathias Pritz Elisabeth Gergen Anna Fuß Magdalena Heinrich Maria Schmid Margarete Müller Peter Frick Susanna Frick Peter Thöreß Elisabeth Hehn Peter Bemhart Margarete Kußen Katharina Metzen Karl Fuß Maria Federspiel Maria Zimmer Eberhard Klein Georg Wilhelm Susanna Lambing Elisabeth Wilhelm Kolos
? 60 6 33 10 58 62 12 40 40 54 47 50 13 54 52 46 13 72 27 26 3 16 26 30 57 38 6 48 22 27 25 44 48
17. August 17. August 19. August 19. August 19 . August 19. August 20. August 21. August 22. August 23 . August 23. August 23. August 23. August 24. August 24. August 25. August 25. August 25 . August 26. August 26. August 27. August 27 . August 27. August 28. August 28 . August 29. August 29. August 29. August 29. August 29. August 29. August 29. August 29.August 29. August 30. August
Stepper Margarete Frick Johann Schneider Elisabeth Gergen Mathias
48 60 65 42
30. August 30. August 30. August 30. August
II
Soldat
Csadat/Billet
Groß jetschalBillet
Zsombolya/Billet/ Hatzfeld
231
Name
Alter Jahre
Sterbetag 1949
Leideker Gertraud WagnerJohann Wagner Elisabeth Braun Katharina Fuß Konrad Grumhauser Peter Leidecker Andreas Schwartz Geliert Muzsinsky Franz Maurer Peter Kohl Jakob Leidecker Tivadar Leidecker Christine Feuerholz Georg Alexius Johann Hergart Karl Eichert Elisabeth Kirsch Josef Kirsch Anna Gallo Katharina Feiler Kaspar Völker Maria Mayer Nikolaus Enderle Franz Krai tsir Horb Kohl Agnes Hort Nikolaus Reiche! Margarete Hemment Josef Neumann Margarete Lauer Mathias Haupt Maria
37 45 13 72 15 35 28 55 29 25 45 68 19 58 40 69 40 38 9 38 41 38 28 55 28 20 65 48 38 30 58 60
31. August 31 . August 31. August 31. August I . Septern ber 1. September 1. September 2. September 3. September 3. September 3. September 3. September 3. September 4. September 5. September 6. September 7. September 7. September 7. September 9. September 9. September 10. September II. September 15. September 18. September 2 I . Septern ber 2 I. Septern ber 14. Oktober 17 . Oktober 18 . Oktober 26. Oktober 27. Oktober
Klein jetschal Billet
Rez- Banya/Billet Bogarosch/ Billet
Zsomboly /Billet
Zum Vergleich eine Tabelle über die Anzahl der Todesfälle in der Zeit von 1842 bis einschließlich 185 I: Im Jahre 1842 sind 229 Personen gestorben Im Jahre 1843 sind 152 Personen gestorben Im Jahre 1844 sind 122 Personen gestorben Im Jahre 1845 sind 129 Personen gestorben Im Jahre 1846 sind 144 Personen gestorben Im Jahre 184 7 sind 172 Personen gestorben Im Jahre 1848 sind 16 L Personen gestorben Im Jahre 1849 sind 275 Personen gestorben Im Jahre 1850 sind 138 Personen gestorben Im Jahre 185 I sind 91 Personen gestorben 232
Jahr 18 11 18 12 18 13 18 1-118 15
Geburten Anzahl 103 160 179 173 176
Neben der Cholera starben die Einwohner von Billet damals noch an den folgenden Krankheiten: Fraisen, Schwäche, Blutsturz, Bluthusten, Lungenentzündung, Gedärmebrand, Lungenlähmung, Brustfellentzündung, Typhus, Gehirnlähmung, Gallenfieber, Frühgeburt, Krämpfe, Wassersucht, Angina, Auszehrung und Altersschwäche. Bereits in den Jahren 1831 und 1836 herrschte in Billet die Cholera. Aus diesen Zeiten stammt auch der heute noch vorhandene "Cholerawagen". Er diente zum Desinfizieren der Wohnungen, in denen die Kranken lagen . Auch die Jahre 1866 und 1873 waren Cholerajahre und forderten ihre Opfer.
Desinfektionswagen aus der Zeit der Choleraepidemien. Dieser Wagen steht heute noch auf dem Friedhof in der Neugasse [ 1977]. 233
VIERTER ABSCHNITT
Die "Wojwodschaft Serbien und Temeser Banat" (1849- 1860)
Die "Schwabenpeti tion" an den Kaiser (1849) Fassen wir kurz zusammen , was sich aus der bisherigen Darstellung über den Freiheitskampf der Ungarn ergibt. Die Krone ging aus der Revolution der Jahre 1848/49 als Sieger hervor, schlug alle Widerstände nieder und waltete ihres Amtes durch strenge Gerichte und Niederhalten der freien Meinung. An die Stelle der patriarchalischen Herrschaft im Vormärz trat ein Imperialismus, der sich durch nichts beschränken ließ. Die freie politische Bewegung härte bald nach der Revolution auf, aber es kam die Rechtsgleichheit und die Unterschiede der Geburt vor dem Gesetz härten auf. Schon lange vor der Kapitulation der aufständischen Ungarn wurden am 4. März 1849 die Fundamente für die künftige Gestaltung der Österreichischen Monarchie festgelegt . Laut dieser Verfassung hatten die Bürger des Staates eine politische Reife erreicht, in der sie sdbst regieren konnten und es sollten Institutionen an der Regierung teilnehmen, die den Volkswillen ausdrückten . Ferner wurde es notwendig, die Anerkennung und den Schutz aller im Lande wohnenden Nationalitäten , auf der Grundlage der persönlichen Freiheit, der Sprache und der Gleichberechtigung in staatlicher Hinsicht zu gewährleisten . Die Staatsmänner Österreichs waren überzeugt, daß die Verfassung vom 4. März für die Länder Österreichs eine politische Notwendigkeit war, ohne die der Bestand der Monarchie gefährdet war. Von diesem Gesichtspunkt ausgehend wurden die Anordnungen mit eiserner Konsequenz getroffen und durchgeführt. Angesichts einer so verheißungsvollen Verfassung und der so viel Recht versprechenden Gesetze, erhoben sich auch die bisher so anspruchslosen, politisch gänzlich rechtlosen , völkisch in keiner Weise geschlossenen , sozial-wirtschaftlich als Leibeigene schwer ausgebeuteten Banater Deutschen und forderten gleichfalls nationale und soziale Rechte. Die seit ihrer Ansiedlung im Banat erduldeten schweren Leiden , das gemeinsame Interesse, hatte zum ersten Mal das deutsche Stammesbewußtsein wachgerüttelt. Auf einer Volksversammlung, die in unserer von der Cholera befallenen Heimatgemeinde Billet am 2. Oktober 1849 stattfand, wählten 133 autorisierte Vertreter aus 30 Banater Gemeinden den Dechant Josef Nowak aus Bogarosch zu ihrem Vertreter. Folgende Banater Gemeinden waren an diesem Tag in Billet vertreten :
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Ud. Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15
Ortsname
Anzahl d. Personen
Ud . Nr.
Ortsname
Ostern Groß Jecsa Billet Deutsch-Bentschek Sackelhausen Banat-Comlosch Csatad Grabatz Mastort Heufeld Vizesda Nakofalva Orzidorf Neu-Besehenova Lovrin
5 6 10 5 6 2 10 7 10 4 3 2 3 4 7
16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30
Gyertyamos St. Hubert Hatzfeld Charleville Solothur Gottlob Csösztelek Deutsch St. Michael Bruckenau Mercydorf Jarmatha Freidorf Klein Jecsa Bogarosch Sandorhaza
'
Anzahl d. Personen
I
5 6 4 2 2 4 2 3 4 3 3 3 3 3 2
Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß Dechant Josef Nowak den Versammelten deutschen Volksvertretern persönlich das kommende Schicksal des Banats und seiner Bevölkerung erklärte und auf die kommende serbische Wojwodschaft hinwies. Das ebenfalls am 2. Oktober in Bogarosch ausgestellte Majestätsgesuch an den Kaiser Franz Joseph I. hatte er bereits fertig den hier versammelten Volksvertretern zur Unterschrift vorgelegt. In dieser Bittschrift baten unsere Vorfahren um die Einsetzung eines besonderen "deutschen Grafen" als ihr Oberhaupt. Sie wünschten nichts sehnlicher, so schrieben sie , als unter dem unmittelbaren Schutze des Kaisers zu stehen, "doch sollte es Eurer Majestät gefallen," fuhren sie fort, "den Serben zur Wahrung ihrer Nationalität einen Wojwoden, den Rumänen einen Kapitän, den Slowaken Oberungarns ein eigenes Oberhaupt zu geben, so wagen auch wir demütigst Gefertigt im Namen aller deutschen Gemeinden kniefälligst zu bitten : Allerhöchstdieselbe möge auch uns, etwa unter dem Namen eines Deutschen Grafen. nach dem Vorbilde des Sachsengrafen in Siebenbürgen ein unmittelbares Oberhaupt einzusetzen geruhen." Diese von dem Dechant Josef Nowak verfaßte Bittschrift an den Kaiser wurde von einem Bürgermeister, 13 Richtern und 17 Geschworenen aus 13 deutschen Gemeinden in Vertretung für alle Deutschen im Banat unterzeichnet. Sie kamen aus den folgenden Gemeinden , in der Reihenfolge wie sie unterschrieben haben: 1 Gertyamos 5 Lovrin 9 Csatad 13 Ostern 2 Groß Jecsa 6 Billet 10 Bogaras 3 Hatzfeld 7 Nakofalva 11 Gottlob 4 Grabacs 8 Klein Jecsa 12 Sandorhaza Für die Gemeinde Billet unterzeichnete der damalige Richter Peter Laut und der Geschworene Adam Engrich das Majestätsgesuch. Adam Müller-Guttenbrunn schrieb im Jahre 1913 u. a. : .. . Dieses Petition liegt mir jetzt endlich im Wortlaut vor. Sie ist ein Fund von unschätzbarem Wert für dieneuere Geschichte des Banats, eine Urkunde, die die Schwaben hochhalten, auf die sie sich in schweren Zeiten immer berufen sollten. Ich glaube sie in ihrem vollen Wortlaut und mit allen Unterschriften, die sie trägt, hier veröffentlichen zu sollen. Das ist ein Dokument deutscher Treue, deutscher Biederkeit und Kraft. Hervorgegangen ist es aus dem Torontaler Komitat, einem Mittelpunkt blühenden deutschen Lebens. Dieser Ruf nach Selbstverwaltung, nach einem Statthalter, einem d e u t s c h e n G r af e n, nach dem Vorbild des Sachsengrafen in Siebenbürgen, hat für den Kenner des Landes etwas Ergreifendes. Es ist der erste elementare Aufschrei des Banater Schwabenturns als Volkseinheit . .. 236
Der Text dieser für uns Deutsche aus dem Banat so historisch wichtigen Bittschrift an den Kaiser lautete: Euer Majestät! Allergnädigster Kaiser und Herr! Das höchst segensreiche und völkerbeglückende Wirken Ihre k . k. Majestät der unsterblichen Kaiserin Maria Theresia glorreichen Andenkens hat vor beinahe einem Jahrhunderte in das Temesvarer Banat und die angrenzenden Bacser und Arader Gespannschafren aus verschiedenen Gegenden des deutschen Reiches Ansiedler berufen, und dieselben in ihren neuen Wohnorten mit wahrhaft kaiserlicher Freigebigkeit versorgt, um deutschen Fleiß und Tätigkeit in das dazumalen verödete, größtenteils durch Sümpfe und Oberschwemmungen höchst ungesunde und beinahe ganz entvölkerte Banat zu verpflanzen. Der herrliche Erfolg krönte das zum Heile der Völker begonnene Unternehmen, deutsche Arbeitslust, mit Ausdauer gepaart, hatte bald selbst die unüberwindlich scheinende Schwierigkeit, und Cultur-Hindernisse beseitigt, hier Kanäle gegraben, um den Sümpfen ihre Seuchen und Fieber erzeugenden faulen Gewässer zu entführen, dort Dämme aufgeworfen, um neuen Oberschwemmungen vorzubeugen, öde Wüsten in lachende Landschaften, und trocken gelegte Sümpfe in üppige Fruchtfelder umgeschaffen. Zwar e r l a g en Ta us e n d e unserer Väter in dem Kampfe mit den verpestete Düfte aushauchenden Sümpfen, denen sie ihr zugemessenes Stückehen Land mit Aufopferung der Gesundheit; und oft selbst des Lebens abgewinnen mußten, doch war die einst empfangene kaiserliche Huld und Gnade jederzeit der Muth einflößende Stern, dessen Anblick zu neuer Thätigkeit entflammte, bis selbst der Einfluß des feindlich gesinnten Klimas überwunden, der Ackerbau zu einer nicht gewöhnlichen Vollkommenheit sich emporschwang - Banat zur Komkammer des Landes, zur Perle des ungarischen Reiches, und zu einem der gesegnefesten Landstriche der Österreichischen Monarchie geworden. Daß bei so bewirkten Fortschritten materiellen Wohlstandes die deutschen Bewohner des Banats auch in ihrer geistigen Bildung neben anderen Nationen nicht zurückblieben, beweisen ihre besser eingerichteten, und reichlicher dotirten Schulen, ferner, daß die Steuern im Lande nirgends pünktlicher entrichtet, die öffentlichen Lasten nirgends billiger getragen, dagegen gröbere Verbrechen nirgends seltener vorkommen, als in den deutschen Gemeinden Banats. Diese in tiefster Unterthänigkeit erwähnten Thatsachen, welche kein Verdienst, sondern bloß das Ergebnis treuer Erfüllung aufhabender Unterthanspflichten sind, können uns nie verleiten vor anderen uns umwohnenden Völkerstämmen einen Vorzug beanspruchen zu dürfen, wohl aber verpflichten sie uns, jede andere Nationalität zu achten, und zu ehren; nur den kleinen Ruhm, daß die auf die Ansiedlung unserer Väter, von Seite des k. k. Aerars verwendeten Kosten nicht nutzlos verausgabt waren, und daß wir nicht ganz unnütze Glieder in der großen Völkerkette der Österreichischen Monarchie sind, wagen wir mit demuthsvoller Unterthänigkeit zu beanspruchen. In Frieden und bester Eintracht mit allen Völkerstämmen, durchlebten wir unbekümmert um Weltereignisse, und Regierungsformen, mit unserer Lage völlig zufrieden beinahe ein Seculum . A r bei t nur war unser Element, das Stückehen Feld das wir bebauten unsere Welt, das einzige Ziel nach welchem wir gemeinschaftlich strebten war: Fleißige Bauern und treugehorsame Unterthanen zu sein.- So kann das verhängnisvolle Jahr 1848, wo der laute Rufnach GI eich b er e c h t i g u n g a II e r Na t i o n a I i t ä t e n auch uns aus dem Schlummer politischer Unthätigkeit erweckte, und uns nun erst wahrnehmen ließ, daß es für uns, als Stammverwandte der großen deutschen Nation sehr d r ü c k e n d, und b e t r ü b e n d sei, sehen zu müssen, wie der deutsche Volksstamm, welcher im ganzen Ungarlande zerstreut Millionen- hier aber in dieser Gegend an eng beisammen Wohnenden dritthalbhunderttausend Köpfe zählet, nicht mit den übrigen als gleichberechtigte Nation sondern bloß als eine schutzlose Waise im Hause einer anderen Nationalitäts-Fraktion betrachtet werde. Anfangs glaubten wir den Drang nach Gleichberechtigung mit den übrigen Nationen und Mitbewohnern unseres Vaterlandes in unserer Brust verbergen zu müssen, denn nicht konnten, nicht durften wir die unheilvollen Wirren jener Zeit noch vermehren - später aber gewährte uns die, von Euer Majestät allen getreuen Unterthanen, der e i n i g e n , g roß e n , und u n t h e i l b a r e n 0 e s t e r r e i c h i s c h e n M o n a rc h i e , allergnädigste verliehene Reichsverfassung weit mehr Rechte, als wir bei dem kühnsten Fluge unserer Hoffnungen wünschen konnten - und erst als die ruhmgekrönten Truppen Euer
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Majestät die lodernde Fackel des unheilvollsten Bürgerkrieges auslöschten, und wir unter den schützenden Fittigen des Friedensengels uns zu erholen, der verlangten Gnaden und Rechte zu erfreuen begannen, als die heißesten Dankgefühle zum Throne Eurer geheiligten Majestät als unseren allergnädigsten R e t t er, und B e g l ü c k er aus der Tiefe aller Herzen emporstiegen, da wurde uns bekannt, daß die in Ungarn (Banate) wohnenden Serben, noch immer die Errichtung einer eigenen Woiwodschaft- worin Geschäftssprache, Religion, und,alle bürgerlichen Einrichtungen den Typus ihrer Nationalität tragen sollen, eifrigst wünschen, und alles aufbieten, um diesen ihren Wunsch verwirklicht zu sehen. Wenig würde uns solches Begehren kümmern, wenn nicht eben wir, die Torontaler, Bacser und ein Theil der im Temeser Cornitat wohnenden Deutschen einen integrierend T h e i l d i es e r W o i w o d s c h a f t ausmachen sollten. Kaum befreit von dem Drucke einer a n d e r e n Nationalität, k a u m d i e S ü ß i g k e i t k ostend, unsere Muttersprache auch in öffent liehen Geschäften g e b r a u c h e n z u d ü r f e n , sollen wir, der zahlreichere, in Sprache und Abstammung dem erlauchten Kaiserhause verwandte Stamm, den minder zahlreichen, als Anhängsel zugegeben werden? - Dieses ist es Euer Majestät! was uns betrübt, und was uns bewog dieses unser unterthänigstes Bittgesuch Euer geheiligten Majestät kniefällig zu unterbreiten. Wir wünschen nichts sehnlicher, als unter dem unmittelbaren S c h u t z e E u e r M a j e s t ä t G l i e d e r d e r g r o ß e n ö s t e r r e i c h i s c h e n M on a r c h i e zu sein; doch sollte es Euer Majestät gefallen, den Serben zur Wahrung ihrer Nationalität einen Woiwoden, den Romänen einen Ca p i t a in, den Slovenen (Slowaken) Oberungarns ein eigenes Oberhaupt zu geben; so wagen auch wir demüthigst Gefertigte im Namen Aller deutschen Gemeinden kniefällig zu bitten: Allerhöchstdieselben möge auch uns, etwa unter den Namen eines deutsch e n G r a f e n , nach dem Vorbilde des SachsencGrafen in Siebenbürgen, ein unmittelbares Oberhaupt einzusetzen geruhen. Nicht der Wunsch nach nationaler Selbständigkeit, nicht separatistische Tendenzen sind es, die uns unsere unterthänigste Bitte abdrängen. Nochmals wiederholen wir es: w i r w o II e n U n t e r t h a n e n e i n e s g roß e n Staates sein, in dem nicht Ungarn, nicht Böhmen, nicht Polen o d e r S e r b e n , i n d e m e s n u r g l ü c k l i c h e , a u f i h r e a II g e m e i n e N at i o n a l i t ä t s t o l z e 0 es t e r r e i ~ h e r g ä b e , und nur in dem Falle, als die Nationalität jedes einzelnen Volks-Stammes konsolidiert würde, bitten wir um Allergnädigste Berücksichtigung auch der Unsrigen. Auch wir mögen uns dann des Glückes erfreuen, ein unmittelbares Oberhaupt zu haben, u n t e r d es s e n S c h u t z u n s e r e A n g e l e g e n h e i t e n , G erichtspflege, und öffentliche Verwaltung in deutscher Sprache, und nach deutscher Sitte behandelt, gepflogen, und geleitet werde. Die wir in tiefster Demuth ersterben Euer geheiligten Majestät allerunterthänigst treugehorsamste Unterthanen Mathias Walzer, Richter, Mathias Ballauer, Geschworener, Johann Resner, Geschworner, aus Gy er t y a m o s . - Paul Michel Richter, Johann Spiller, Geschworner, aus Groß - Je es a. - Mathias Hauslamer, Markt-Richter, Kar! Petri, Bürger-Meister, Peter Heintz, Geschworner, aus Ha t z f e l d . - Nikolaus Ruwohl, (?) Richter, Anton Taugner, Geschworner, aus Grab a c z . - Martin Mayer, Richter, Johann Ring, Geschworner, aus L o v r in . Peter Laut, Richter, Adam Engrich, Geschworner, aus Bi II e t. - Johann Kluch, Richter, Nikolaus Eberhard, Geschworner, aus Na k o f a l v a . - Joseph Mayer, Richter, Johann Ehardt, Geschworner, Johann Burjan, Geschworner, aus Klein - Je c s a . - Adam Anton, Markt-Richter, Georg Mehrle, Geschworner, Johann Mühlberger, Geschworner, aus C s a t a d . - Peter Schütz, Richter, Joseph Volk, Geschworner, Joseph Mango!, Geschworner, aus Bog ar o s . - Johann Lego, Richter, Georg Weiß, Geschworner, aus Go t t l o b . - Peter Thierjung, Richter, Johann Laub, Geschworner, aus S a n d o r h a z a . - Peter Schneider, Richter, Franz Herman, Geschworner, aus 0 s t e r n . Bogaros, am 2ten Oktober 1849
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Die Vollmacht für Dechant Josef Nowak Dank der Forschungsarbeit unseres Billeter Landsmannes Ing. HansPierrein den dreißiger Jahren d. Jh . wissen wir, daß die drei Bogen Papier umfassende Vollmacht für den Dechant Josef Nowak von dem Billeter Notar August Krüner geschrieben und mit dem Ortssiegel der Gemeinde Billet am 2. Oktober 1849 gefertigt wurde . Der von Pfarrer Leo Hoffmann erstmals im Jahre 1925 veröffentlichte Text dieser Vollmacht wurde mir freundlicherweise von Prof. Dr. Anton Scherer, Graz, zur Verfügung gestellt. Dr. Scherer war wohl der erste Forscher, der mit Recht von einer "Billed-Bogaroscher Schwabenpetition" spricht, denn er schreibt u. a.: " ... In Wirklichkeit ist die Basis für diese denkwürdige Willensäußerung weit breiter als gemeinhin angenommen und in den historischen Werken der letzten 20 Jahre dargestellt wird, denn allein 128 autorisierte Vertreter aus 27 Banater Gemeinden wählten auf der Schwäbischen Nationalversammlung - die aber nicht in Bogarosch, sondern in Eilted stattfand - am 2. Oktober 184 9 den Dechanten Josef Nowak zu ihrem "Vertreter" und gaben ihm im Namen ihrer Gemeinden die Schriftliche Vollmacht zur Abfassung dieser höchst bedeutsamen Erklärung über das Donauschwabentum als selbständiger Volkskörper .. . Hier nun der volle Wortlaut mit den Unterschriften der autorisierten Vertreter der einzelnen Gemeinden: "VOLLMACHT" "Nachdem Wir Endesgefertigte Deutsche Gemeinden des Banats bei vielfältigen Gelegenheiten Uns von der wahren Anhänglichkeit an die deutsche Nation, und von dem besonderen Redlichkeits-Sinne des Herrn Josef von Nowak, Bogarascher Pfarrer und Dechant vollkommen überzeugt haben, so erklären und bitten Wir gelobten Herrn Dechant in Na m e n sä m t l i c h e r d e u t s c h e r G e m e i n d e n , womit derselbe auch in Hinkunft V n s e r e D e u t s c h e Angelegenheiten und Uns sowohl , bei unseren Landesstellen in jedweder Angelegenheit vertreten, und nach dessen besten Wissen und Einsichten unsere Gerechte Sache betreiben, und somit V n s e r V e r t r e t e r sein wolle. Sig. Billet den 2ten Oktober 1849" Peter Schneider, Richter, Pranz Germann, Mathias Hecktor, Georg Mitrolf, Christoph Holzinger aus 0 s t er n . Paul Michels, Richter, Johann Schiller, Cassier, Johann Bettendorf, Michael Mersch, Josef Michels, Nikolaus Ebner aus G roß J e t s c h a . Perter Laut, Marktrichter, Adam Engrich, Peter Fiegeß, A. Cöller, Jakob Werhof, Adam Ramacher, Johatm Mann, Peter Fischer, Jakob Becker, Adam Geiß aus B i ll e d . Peter Schreiber, Ortsrichter, Peter Palmy, Peter Heller, Mathias Hehn, Peter Lang aus Deutsch-Bentschek . Jakob Hett, Ortsrichter, Johann Hoffmann, Cassier, Nikolaus Hummel, Mathias Götz, Johann Ciehn, Anton Hein aus Sä c k e l h a u s e n . Carl Simon, Richter, Pranz Cinn, Bürgermeister aus B a n a t - C o m l o s c h . Johann Schmidt, Marktrichter, Johann Kirsch, Nikolaus Schanie, Johann Musar, Cassier, Carl Bieber, Christian Oster, Josef Muth, Johann Bohn, Jakob Hochstraßer, Michael Blaßmann aus dem Marktorte C s a t a d . Johann Settlak, Pranz Neurohr, Johann Unterreiner, Johann Cräuter, Anton Hackbeil, Jakob Paul, [Beil?], Josef Hüpfelaus G r a b a t z . Nikolaus Hetz, Richter, Mathias Celler, Jakob Weber, Johann Weber, Andreas Prammerhaß, Carl Weismann, Wilhelm Brenner, Pranz Cuhn, Johann Schneider, Michael Bräuser aus Mastort. Michael Beik, Richter, Johann Lindner, Johann Mayer, Ludwig Pfeifer aus He u f e l d . Philip Dasinger, Richter, 1gnatz Jordan, Jakob Hörner aus Vize s da [Viseschdia) . Johann Cluch, Ortsrichter, Nikolaus Eberhart aus Na k o . [Nakodorf, Nakofalva, auch Sellesch] . Jakob Speichert, Richter, Georg Seibert, Stephan Tisch aus 0 r z i d o r f. Peter Weber, Richter, Peter Craus, Johann Curth, Nikolaus Schmidt aus Neu b es c h e n o v a .
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Peter Curth, Richter, loharm Aubermann, Josef Stahl, Josef Reiter, Johann Kleitsch, Josef Ludwig, Peter Clär aus L o v r i n . Mathias Walzer, Richter, Johann Ciefer, Mathias Ballauer, Josef Volk, Johann Witwer aus Gertianosch. Peter Heß, Richter, Paul Hollinger, Anton Frauenhafter, Stephan Oberding, Peter Oberding, Johann Weißmann aus S t . H u b e r t . Mathias Hauslauten, Marktrichter, Carl Petri, Bürgermeister, Anton Frank, Peter Mansin aus Hatzfeld. Mathias Zobay, Richter, Nikolaus Esto aus C h a r l e v i ll e . Anton Heß, Richter, Jakob Marsehai aus Solo t h ur n . [Soltour. auch Seultour.] Jakob Lego, Richter, Nikolaus Cautten, Carl Vogel, Johann Sedule aus Gottlob . Peter Schefer, Richter, Johann Szuprich aus C s ö s z tele k. [Schesterlek] Zwei Namen unleserlich, Johann Cost aus Deutsch S t. Michael. [Zilasch] Johann Wege[, Richter, Adam Jäger, Johann Kling, Chaspar Stephan, Cassier aus B rucken au. Ferdinand Bernsteiner, Ortsrichter, ein Name unleserlich, Jakob Luy aus M er c y d o r f . Johann Ebner, Richter, Pranz Nower, Peter Cnecht aus Ja r m a t h a . [Jahrm arkt] Josef Noll, Ortsrichter, Franz Siburg, Martin Huber aus Frei d o r f" . Mit dieser Bittschrift an den Kaiser Franz Joseph sowie mit der in Billet ausgestellten und mit dem 0 r t s siege I von Bi II e t versehenen Vollmacht reiste Dechant Josef Nowak nach Wien. Nach mühevollen und langwierigen Nachforschungen im Haus-Hof und Staatsarchiv in Wien. ist es mir im Jahre 1977 gelungen. den Zeitpunkt der Übergabe zu ermitteln . Im " Meritorischer Intex 1849/61" ist unter dem Buchstaben B = " Banater Deutsche Nation" die folgende Eintragung zu lesen: Datum Exhibition i s [eingelangt] 29. Oktober 1849. N r u s . Exhibit i o n i s [Nummer des Schriftstückes]l2 .786. N a m e n d e s Ex h i b e n t e n : [Namen des Einreichers, Überbringers, Darbieters.] Banater Deut sc he Nation aus Bog aros, am 2.0kt.1849. Gegen s t an d :bittet um ang. [gemessene] Wahrung ihrer Sprache und Nationalität unter einem eigenen Oberhaupte, und Verwaltung ihrer Angelegenheiten in deutscher Sprache. Behörde : Min.[isterium] des Innem [zuständige Behörde, Innenminister Bach.] D a tu m Ex p e d i t i o n i s: [Datum der Auslieferung, Übergabe, Abtretung .] 30. Okt. 1849. Vgl. Reproduktion. Diese amtliche Eintragung ist heute das einzige Dokument, das uns von dem Ansuchen nach einer Selbstverwaltung der Deutschen im Banat, erhalten geblieben ist. Wie wir daraus ersehen können, wurde das Majestätsgesuch erst 27 Tage nach der in Billet am 2. Oktober stattgefundenen Volksversammlung überreicht. Bekanntlich hatte der Kaiser während der Oktober-Revolution 1848 das aufständische Wien mit seinem Hof verlassen und ist nach Olmütz geflüchtet. Es ist also mit Sicherheit anzunehmen, daß der Überbringer dieses Majestätsgesuches, Dechant Josef Nowak, entgegen anderen Mitteilungen nicht vom Kaiser persönlich empfangen wurde. Vielmehr geht aus der Übernahmebestätigung hervor, daß bereits amnächsten Tag, also am 30. Oktober, das Gesuch an den damals mächtigsten und einflußreichsten Mann in Wien und der Monarchie, an den Innenminister Bach, weitergeleitet wurde . Nach ihm wurde der damalige Zeitraum die "Bach-Ära" benannt und die neu einsetzende Verwaltung war das Bachsehe System . Er war bürgerlicher Minister, kaum 35 Jahre alt und in den Augen der Männer von 1848 ein Abtriinniger. Ebenso scharfwurde er von der Gegenseite abgelehnt, denn auch die Aristokraten mißtrauten ihm , weil die von ihm später durchgeführte Bodenreform tief in ihre Eigentumsrechte einschnitt. Unter seinen Händen wurde in den folgenden Jahren in Österreich-Ungarn das Werk der Zentralisation durchgeführt, vor deren Errichtung Kaiser Joseph II. gescheitert war. Diesem Innenminister Bach, als dem zuständigen Ressortminister, wurde die von Nowak am Hof überreichte "Schwabenpetition" zur Bearbeitung zug~ teilt. Hier im Innenministerium erhielt 240
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Übergabe der Bittschrift am Hof in Wien. der Akt die Aktenzahl 7781 , unter der er auch im Jahre 1907, also 58 Jahre später von dem Hi storiker Heinrich Friedjung wiederentdeckt wurde. Aus den Aufzeichnungen von Ing. Pierre geht hervor, daß Dechant Nowak in der Zeit vom 3. Oktober bis 2. November 1849 von dem Kaplan Floris Lukesch in Bogarosch in kirchlichen Angelegenheiten vertreten wurde. Durch die Eintragung der "Bittschrift" der "Banater Deutschen Nation " im ,.Meritorischer Index 1849/61" ist auch der Nachweis erbracht, daß die Einreichung bzw. Übergabe im "Controllorgang" der Wiener Hofburg erfolgte. Dieser Gang, der sich im Leopoldinischen Trakt befindet und in Halbgeschoßhöhe den Schweizerhof mit dem Amalientrakt verbindet, gehörte dem Volke. In ihm warteten die Supplicanten, Bittsteller, in Geduld und Vertrauen oft mehrere Stunden lang, bis sie von ihrem Kaiser empfangen wurden. Es bedarf noch gründlicher und zielstrebiger Archivarbeiten um festzustellen, wer an diesem 29. Oktober 1849, in Abwesenheit des Kaisers, den Vertreter der " Banaler Deutschen Nation" in Audienz empfangen hatte, und ihm die "zuversichtlichen Versprechungen des Kaisers übermittelte." Den Forschungsarbeiten unseres Landsmannes lng. Hans Pierre ist es zuzuschreiben, daß wir auch etwas über die in der Audienz in der Wiener Hofburg gemachten Zusicherungen erfahren haben . Pierre entdeckte im Jahre 1933 in einem Privatbesitz befindlichen alten Aktenbündel eine zweite Bittschrift an den Kaiser, verfaßt wurde dieses Schriftstück am 8. November 1849 in Hatzfeld, unterfertigt durch "Paul Michels Richter, Johann Spiller, Geschwomer aus Groß-Jecsa", gesiegelt mit dem Groß-Jecsaer GemeindesiegeL Dieses höchst interessante Originaldokument, mit zierlicher Handschrift geschrieben; steht im folgerichtigen Zusammenhang mit dem am 2. Oktober unterzeichneten Gesuch:
Ermuntert durch die " huldvolle Versicherung" richtet man "zum zweitenmahl" die Bitte an den Herrscher, denk. k. Kommissär des Torontaler Komitates Carl von Arizi, [Besitzer zu Topolya], von 1841 bis 1849 Komitatsoberfiskal zu Temeswar, z um 0 b e r h a u p t der in e in e m D i s t r i k t v e r e i n i g t e n B a n a t e r d e u t s c h e n G e m e i n d e n z u e rnennen . 241
In einem Artikel "Eine zweite Schwabenpetition" erschienen in der " Banater Deutschen Zeitung" vom 11. Juni 1933 in Temeswar schreibt Ing. Pierre u. a.:
Scheinbar sollten auf dieses Majestätsgesuch die Unterschriften von Gemeinde zu Gemeinde gesammelt werden, was jedoch durch das am 18. November erfolgte kaiserliche Reskript gegenstandslos wurde. Durch diese zweite Schwabenpetition "welche wir anschließend vollinhaltlich veröffentlichen" und aus den daraus zu entnehmenden Daten und Umständen ergeben sich neue Anhaltspunkte zu Folgerung über die ungeklärte und mutmaßliche Momente der Entstehung der ersten Schwabenpetition. Diese zweite Schwabenpetition ist gleichfalls ein sprechendes Zeugnis unserer Väter Wille zur Zusammenfassung aller Deutschen im Banate, ein wahres Bekenntnis zum Volkstum und zur Muttersprache. Das Majestätsgesuch hat folgenden Wortlaut: Allergnädigster Kaiser und Herr! Euer Majestät! Zum zweitenmal wagen wir demüthigst Gefertigte es, uns Allerhöchst Dero Throne mit einer unterthänigsten Bitte zu nahen, und da solches so kurzer Zeit nach gnädigster Gewährung einer so hochwichtigen Bitte geschieht, fürchten wir nicht ohne Grund unbescheiden und zudringlich zu scheinen, allein der Drank der Umstände ist so groß daß wir selbst auf diese Gefahr hin gezwungen sind Euer Majestät mit diesem unserem Bittgesuche zu belästigen. Euer geheiligte Majestät geruhte nemlich unserem Abgesandten die huldvolle Versicherung zu geben, daß wir banater Deutsche Gemeinden zu einem eigenen Districte vereinigt, ein eigenes deutsches Oberhaupt erhalten, und soweite unsere heißesten Wünsche erfüllt würden. Allein nachdem die Serben und Rumänen bereits aus der Mitte ihres Stammes Oberhäupter erhielten, ohne daß deren Wirkungskreis in geographischer Hinsicht genau markiert wäre, nachdem selbst für das Torontaler Cornitat dem Vernehmen nach ein eigener Commissär ernannt sein soll, befinden wir uns in einer Lage, die unter allen die unangenehmste ist, nemlich in der der peinlichsten Ungewißheit! -Manche deutsche Gemeinden sind ringsum von serbischen und rumänischen umgeben, manche der letzteren hingegen liegen mitten unter uns, wem gehören nun diese, wem jene an?- werden, der bisherigen Einführung entgegen, im Torontaler Cornitat zwei Commissäre fungieren, oder hat die des bisherigen Commissärs H. Carl v. Arizi, -zu unserem großen Leidwesen aufgehört? wohin sollen wir uns bei so bewandten Umständen in unseren Angelegenheiten wenden? - Die größte Gefahr aber droht uns der Umstand zu bringen, daß die bereits ernannten Häupter der Serben und Romänen ihre Vorschläge in Hinsicht der Individuen zur Besetzung der Beamtenstellen jedenfalls einrichten werden, und es geschehen kann, daß bei der vielfachen Vermischung, in die wir uns vor bestimmter Abgrenzung unserer Distriele mit Stammesverwandten der beiden Nationen befinden und zum Theil solche Beamte gesetzt werden, die im Interesse der uns fremden Nation vorgeschlagen sind, was uns nicht nur die Freude über die Realisierung unserer Wünsche verkümmert sondern auch das Interesse unserer Nation eben an der empfindlichsten Seite verletzen würde. Doch allden Obelständen wäre augenblicklich abgeholfen, wenn es Eurer Majestät gefallen würde, das uns allergnädigst verheißene Oberhaupt zu ernennen. Dabei wagen wir demüthigst Gefertigte- nicht als zweifelten wir an Allerhöchst Dero erhaltenem Worte [fern sei es von uns so freventliche Gedanken Raum zu geben] nicht aus kindischer Ungeduld, nicht als wollten wir Eurer Majestät allerhöchsten Willen unzeitig vorgreifen, sondern rein nur durch den Drang der obenangeführten Umstände gezwungen Euer Majestät kniefälligst zu bitten das uns huldvoll verheißene Oberhaupt allergnädigst zu ernennen. -Die Huld aber und Gnade, deren uns Euer Majestät durch unseren Abgesandten zu versichern geruhte, ermuthigt uns zu glauben, daß es auch Euer Maijestät höchster Wille sei, uns als Oberbeamten einen solchen Mann zu setzen, der sowohl Allerhöchst Dero Ansprüche genüge, als auch der deutschen Gemeinden Hochachtung und Vertrauen genieße. Einen Solchen waren wir so glücklich auch jetzt als obersten Vorstand in der Person des K:Comissärs H: Carl v. Arizi zu erhalten. Was die Allerhöchsten Ansprüche an die Individualität unseres zukünftigen Oberbeamten betrifft, darüber ein Urtheil zu fällen, steht uns demüthigst Gefertigten nicht zu, allein unserer gerin-
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gerMeinungnach glauben wir, daß H.: Carl v. Arizi auch diesen vollkommen entspräche, denn in Kenntnis der Sprache, des Geschäftsganges, der Individuen nicht nur im Temeser Comitat, wo er durch zwanzig Jahre amtierte sondern auch im Torontaler Comitat, wo er stehts im Interesse der Hohen Regierung an dem politischen Leben den eifrigsten Antheil nahm, kurz in Kenntnis aller Umstände in dieser Gegend, mag ihn vielleicht mancher erreichen, doch keiner übertreffen. Seine Treue und Anhänglichkeit an das Allerhöchste Herrscherhaus steht magellos, wie der reinste Spiegel da, und wird sowohl früher, als er noch im Temeser Cornitat [zuletzt als Ober- Fiscal] amtierte, durch unwandelbares Festhalten an der conservativen Parthei, als auch in den Stürmen der Revolution, da Anhänglichkeit an das Erlauchte Herrscherhaus lebensgefährlich war, endlich dadurch, daß er sich mit Zurücklassung und Aufopferung seines ganzen Vermögens in die Temeswarer Festung begab und da alle Drangsalen und Gefahren einer viermonatlichen Belagerung freiwillig erlitt, auf das glänzenste bewiesen. Doch, daß solche Verdienste Hohen und Allerhöchsten Ortes bekannt sind, und berücksichtigt werden, beweiset seine Ernennung zum K.-Comissär, und wir demüthigst Gefertigte haben nur noch hinzuzusetzen, daß H: Carl von Arizi auch unser unbegrenztes Vertrauen, unsere Hochachtung in vollstem Maße und so ausschließlich besitze, daß wir uns gedrungen fühlen Euer Majestät im Namen aller deutschen Gemeinden kniefälligst zu bitten, benannten H: Carl v. Arizi in dem alle erforderlichen Eigenschaften so schön vereinigt sind, zu unseren obersten Vorstand allergnädigst zu ernennen. Die wir in tiefster Demuth ersterben. Es ist das Verdienst unseres Landsmannes Ing . Pierres, daß er in dieser zweiten Petition den Namen jenes Mannes entdeckte, den Dechant Nowak für das Amt des "Schwaben-Grafen" ausersehen hatte. Bis zum Jahre 1933 wußte man nur, das Nowak und die unterzeichneten Vertrauensmänner der einzelnen deutschen Gemeinden einen deutschen Grafen als ihr Oberhaupt verlangten. In dem zweiten Majestätsgesuch wird ausdrücklich "Ca r l von Ar i z i" als Führer der Banater Deutschen vorgeschlagen . Ing. Pierre hat als erster einige biographische Daten über Arizi zusammengetragen und diese uns überliefert. Arizi war, laut Pierre, mit Klementine Orsler verheiratet. Mit 37 Jahren war er Komitats-Oberanwalt in Temeswar. wo er sich auch während der Revolution aufgehalten hatte . Nach der Revolution. im Jahre 1849, war er vorübergehend kaiserlicher Kommissär in Großbetschkerek. um dann als Beisitzer am k. k. Oberen-Gerichtshof zu fungieren. Ende der fünfzigerJahreist Arizi in Detta, südlich von Temeswar, als Leiter des k. k. Feldpostamtes tätig, wo er am 24. Jänner 1870 gestorben ist und auf dem dortigen Friedhof in der Familiengruft beigesetzt wurde . Nach meinen eigenen. im Hofkammerarchiv Wien angestellten Forschungen konnte ich feststellen. daß die Familie Arizi aus Brescia. in Italien, mit anderen italienischen Reisbau-und Seidenraubenexperten ins Banat eingewandert ist. Paul und Karl von Arizi bewarben sich im April 1801 um das Prädium Topolia im südlichen Banat. Karl wurde 1804 als Sohn des Kar! von Arizi und der Theresia Schulz bereits im Banat geboren . Der Pfarrer Szentkläray urteilte über Arizi anders als die Deutschen und Dechant Nowak in seiner zweiten Bittschrift an den Kaiser, er schrieb u. a .... Der böse Geist Arizis spukte noch lange in Südungarn herum. Infolge seiner vornehmen Stellung und seinespersönlichen Einflusses konnte er die Zuneigung des deutschen Volkes auf dem Lande gewinnen. Er machte in jenen traurigen Zeiten Tschatad [Lenauheim] zum Herd des Österreichischen Geistes und der ungarnfeindlichen Tendenzen ... Bekanntlich ist Ing . Hans Pierre während seiner Verschleppung in den Jahren 1951-1956 im Baragan verstorben . Sein reichhaltiges Archivmaterial ist seit damals verschwunden. Vielleicht liegen noch Teile davon irgendwo auf einem Dachboden und warten darauf, entdeckt zu werden. Sie wären eine wichtige und wertvolle Bereicherung für unser Billeder Heimatarchiv in Wien! Für die Überlassung des von Ing. Hans Pierre über die "Schwabenpetition" veröffentlichten Material. sei Herrn Prof. Dr. Anton Scherer. vom "Donauschwäbisches Bibliographisches Archiv" in Graz. gedankt. 243
Die Kluft zwischen Theorie und Praxis ( 1849) Daß die Bildung einer serbischen Wojwodschaft eine schon längst beschlossene Tatsache war, sollen die folgenden Zeilen beweisen . Kurz nach seiner Krönung zum Kaiser bestätigte Franz Joseph I. in einem Manifest vom 15. Dezember 1848 die alten Rechte der Serben , sowie die von ihrer Nation gewählten Oberen , den Patriarch und den Wojwode . Dem alten Patriarchen Rajaeie wurde die Vollmacht im Namen des Kaisers verliehen, im Bacs-Bodroger und T or o n t a I er K o m i tat , also auch in Billiet, nebst dem Stuhlgericht zu Werschetz, die Verwaltung und Regierung Z!f leiten . Bereits im Winter 1848/49 hatte man sich in Wien, im Innenministerium eingehend mit der Aufteilung Ungarns nach der Eroberung beschäftigt. Es wurde erwogen , ob das Land nicht in fünf nach seinen Nationalitäten getrennten Teile zu zerschlagen sei. Geplant war damals die Bildung einer deutschen Provinz im Westen , einer slowakischen im Norden , einer rumänischen im Osten und zwei ungarischen in der Mitte, wobei das Banat und Siebenbürgen beiseite blieben. Der damalige Innenminister und Vorgänger Bachs, Stadion, kam aber von diesem Entwurf ab. Die Trennung Serbiens von dem Reich der Ungarn haben die letzten Ereignisse der Revolution notwendig gemacht . Der Bürgerkrieg hat den Haß beider Völker noch mehr entflammt und die furchtbaren Greueltaten machten es unmöglich. die Serben . die treu zu Österreich standen, jetzt nach beendigtem Kampfe wieder unter die Herrschaft des besiegten Feindes Ungarn zu stellen. So kam es am 18. November 1849 zu dem kaiserlichen Patent, durch das aus den vier südungarischen Komitaten : Bacs-Bodrog, Torontal, Temes und Krasso sowie aus Teilen des Syrmier Komitats ein eigenes Ver w a I tun g s g e b i e t , also kein Kronland! " Wojwodschaft Serbien und Temeser Banat" gebildet wurde, das kurzerhand den Namen Banat führte. Im Banat lebten Rumänen und Deutsche mit den Serben vermischt. Durch die Zusammen setzung des Landes zu einem vorläufig von Ungarn und Kro a tien unabhängigen Verwaltungsgebiet, erhoffte man sich eine befriedigende Lösung dieser Angelegenheit. Die Gleichberechtigung der Nationalitäten , die in der Verfassung verankert war, gab allerdings auch den D e u t s c h e n und den R u m ä n e n d e n A n s p r u c h a u f S e I b s t ä n d i g k e i t . In Wien wollte man jetzt, da die Ungarn zu schweigendem Gehorsam verurteilt waren. auch alle anderen Volksgruppen der Monarchie ohne Unterschied beugen, undtreunach der Parole: Gleichheit. Freiheit, Brüderlichkeit, den Ungarn gleichsetzen. Ja selbst die treuestender Treuen, die Siebenbürger Sachsen, wurden durch die Abschaffung und Zerstörung ihrer uralten Selbstverwaltung tief gekränkt! Ihr Sachsengraf und ihre Nationaluniversität hatten aufgehört zu bestehen . sie waren Antiquitäten geworden und gehörten der Vergangenheit an. So gesehen war es mehr als verständlich. daß die Wünsche un serer Vorfahren in der Petition vom 2. Oktober 1849 nicht erfüllt werden konnten und der "Schwaben-Graf" gleich dem ,.Sachsen-Graf" eine zerstörte Illusion blieb. Es bleibt noch zu erforschen ob mit der Gründung und Bildung der " Wojwodschaft Serbien und Temeser Banat" nur den Serben der Dank dafür abgestattet wurde. weil sie als erste im Jahre 1848 den Kampf gegen Ungarn aufgenommen hatten. oder ob nicht auch durch das Einsetzen eines deutschen Statthalters. eines "DeutschenGrafen " in Temeswar, den Wünschen der deutschen Bevölkerung entgegengekommen wurde . Die großen Reformen, die in den ersten Jahren nach der Revolution im Banat zugunsten der deutschen Bevölkerung geschaffen wurden. schlugen die Brücke von den Leibeigenen Untertanen über den ersten Weltkrieg bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Sie gehörten zu den besten Schöpfungen. die das Banat je erlebte.
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Das Verwaltungsgebiet Wojwodschaft Serbien und Temeser Banat als Bestandteil des Reiches (1849-1860) Bekanntlich hatte die politische Einheit und administrative Selbständigkeit des Banats mit dem AnschI u ß an Ungarn im Jahre 1778 ihr Ende erreicht. Jetzt aber, da der Freiheitskampf der aufständischen Ungarn zusammengebrochen war, erließ Kaiser Franz Joseph I. gemäß der in Kremsier (Oimütz) beschlossenen Verfassung vom 4. März 1849, eine kaiserliche Entschließung vom 18 . November 1849 nach welcher das Banat und die Batschka sowie Teile des alten Syrmiens mit Ruma und Illok aus dem Königreich Ungarn herausgenommen und daraus ein neues Ver w a I tun g s g e b i e t, als Be s t an d t e i I des Reich es, mit dem Namen " Wojwodschaft Serbien und Temeser Banat" gebildet wurde . Die selbständige Verwaltung wurde Wien direkt unterstellt , die Hauptstadt dieses Verwaltungsgebietes war Temeswar. Nach einem mehrjährigen Provisorium wurde im Mai 1853 eine neue Organisation ins Leben gerufen, nach welcher das ganze Verwaltungsgebiet in fünf Kreise: Temeswarer, Becskereker, Lugoscher, Neusatzerund Zomborer eingeteilt wurden. Diese wurden wieder in Bezirke unterteilt. Billet gehörte damals zum Kreis Groß Becskerek. Die Amtssprache in dieser neugeschaffenen Wojwodschaft war deut sc h . Neben dem Banat bildeten nach der Revolution im Jahre 1849 noch zwanzig Kronländer das Kaisertum Österreich, die von der deutschen Grenze bis nach Siebenbürgen und von Schlesien, im heutigen Polen , bis nach Italien reichten. Die Gesamtzahl der Bevölkerung in der Wojwodina betrug 1.411.057. Davon waren 406.000 Slawen 398.000 Rumänen 340.000 Deutsch e 241.000 Ungarn 16.000 Juden 12 .000 Zigeuner Außerdem gab es noch einige Griechen , Italiener, Armenier und Türken. Die Slawen unterteilten sich in Serben , Sokacen, Bunjewacen, Slowaken, Bulgaren, Ruthenen , Kroaten und Polen . [Die Zahlen der einzelnen Bevölkerungsgruppen sind aufgerundet.] Gleich bei der Errichtung des neuen Verwaltungsgebietes entstanden Unzufriedenheiten. Denn der Traum und Wunsch der Südslawen wäre gewesen, daß man sie alle, soweit sie zur Monarchie gehörten , vereinigt hatte. Das war auch die Meinung des Banus Jellacic, als er im Herbst 1848 von Kroatien in das Banat einmarschierte. Er setzte, obwohl die Serben im Banat nicht so zahlreich waren wie die Deutschen und Ungarn oder Rumänen zusammengerechnet, überall serbische Beamte ein. Er nahm auch an, das neue Verwaltungsgebiet werde ihm ebenso unterstehen, wie Kroatien und die Militärgrenze. Da stieß er aber sofort mit Haynau zusammen, der im Banat wie auch in Ungarn Oberkommandierender General war und von solchen illyrischen Plänen nichts wissen wollte . Bei einer Zusammenkunft in Temeswar gerieten sie in heftigen Streit. 0 s t e rreich , so erklärte Haynau, besitze eine deutsche Regierung u n d a ll e s m ü s s e a u f d e u t s c h e m Fuß e e i n g e r i c h t e t w e r d e n . Jellacic hingegen verlangte in Wien die Aufhebung des Belagerungszustandes und eine bürgerliche Admini stration unter seiner eigenen Oberleitung. In Wien entschied man aber anders, nämlich , indem das Banat und die Wojwodina unabhängig von Ungarn und Kroatien d i r e k t v o n W i e n v e r w a I t e t w u r d e . Die Regierung lehnte es ab, eine eigene große südslawische oder illyrische Provinz zu errichten. Aus diesem Grunde wurde die " Wojwodschaft Serbien und Temeser Banat" auch nicht in den Rang eines Kronlandes erhoben und blieb immer nur ein 245
Verwaltungsgebiet des Reiches. Der Vollständigkeit halber sei auch noch erwähnt, daß Kaiser Franz Joseph den Titel eines Großwojwoden über dieses neu geschaffene Verwaltungsgebiet angenommen hatte. Damit war der von der deutschen Bevölkerung in ihrer Bittschrift geäußerte Wunsch ... wir wünschen nichts sehnlicher, als unter dem unmittelbaren Schutze Eurer Majestät Glieder der großen Österreichischen Monarchie zu sein . .. , erfüllt. Der höchste, von den Vertretern der deutschen Gemeinden auf der Nationalversammlung in Billet geäußerte Wunsch, gipfelte aber in der Einsetzung eines besonderen "deutschen Grafen " als Oberhaupt. In ihrer Bittschrift an den Kaiser heißt es weiter: ... doch sollte es Eurer Majestät gefallen den Serben zur Wahrung ihrer Nationalität einen Wojwoden, den Rumänen einen Kapitän, den Slowaken Oberungarns ein eigenes Oberhaupt zu geben, so wagen auch wir demütigst Gefertigte im Namen aller deutschen Gemeinden kniefälligst zu bitten: Allerhöchstdiselbe möge auch uns, etwa unter dem Namen eines Deutschen Grafen, nach dem Vorbilde des Sachsengrafen in Siebenbürgen ein unmittelbares Oberhaupt einzusetzen geruhen. So wünschten alle Volksstämme in der österreichisch-ungarischen Monarchie am Ende der Revolution mehr Ellbogenfreiheit. Da aber einer auf Kosten des anderen Raum haben wollte, so war es auch beim besten Willen nicht möglich , alle Wünsche zu erfüllen, am wenigsten im Banat, wo wir auch heute noch bunt durcheinandergewürfelt nebeneinander leben. Als erster Statthalter in der "Wojwodschaft Serbien und Temeser Banat" wurde der General und Freiherr Ferdinand Mayerhoffer von Grünbühel gleichsam als " Deutscher Graf" vom Kaiser eingesetzt, der über Deutsche, Rumänen , Serben und Ungarn zu regieren hatte . Als Mayerhoffer nach Temeswar kam , wo er seinen Sitz hatte, mußte er feststellen, daß die von dem Kroaten Banaus Jellacic eingesetzten serbischen und kroatischen Beamten im Banat grausam durch Hinrichtungen und Güterkonfiskationen schalteten und walteten . Auch den Deutschen in den Dörfern ging es schlecht, da viele von ihnen während der Revolution mit den Ungarn sympathisierten. Die ersten Maßnahmen zur Neuregelung der Verwaltung und Ordnung wurden durch Mayerhoffer sofort nach dem 18.November 1849 getroffen . Das gesamte Volk im Banat war ruhebedürftig und nicht nur die Deutschen waren zufrieden, daß nun eine starke Hand die Ordnung wiederherstellte. Graf Karl von Arizi wurde von Mayerhoffer als kaiserlicher Kommissär in Großbetschkerek eingesetzt und eine ganze Reihe harter, unfähiger serbischer Beamter setzte er auf die Straße. Seine Berichte nach Wien sind in einem Militärdeutsch geschrieben und wollen nichts von der Begünstigung einer Nationalität auf Kosten der anderen wissen und raten insbesondere dem anspruchsvoll auftretenden Patriarchen Rajaeie mit seinen Priestern , sich mehr um die Kirche als um die Politik zu kümmern. Zeitungen , die den Nationalstreit unterstützten , wurden verboten oder unterdrückt und der Belagerungszustand tat das übrige . In der amtlichen Wiener Zeitung vom 29. Jänner 1850 Nr. 25 heißt es auf Seite 310 u. a.: ... Die serbische Landesverwaltung hat sich aufzulösen , die Mitglieder aber dem neuernannten Landeschef General Mayerhoffer, sich zur Verfügung zu stellen ... Hier steht es auch vermerkt, daß die Serben die Archive von Temeswar nach Karlovic transportierten. Nach Mayerhoffers Abberufung regierte sein Nachfolger General Johann Baptist Alexander Graf Coranini-Cromberg das Banat in gleichem Sinne wie sein Vorgänger, streng aber nicht ungerecht. Coranini-Cromberg wurde am 16. November 1794 in Görz, heute Norditalien , geboren und war langjähriger Erzieher des Kaisers Franz Joseph . Entgegen allen Erwartungen regierte im Banat ein deutscher Graf, unter dessen Führung glückliche Zeiten für die Deutschen im Banat anbrachen. Sie gewannen am mei sten durch die deutsche Verwaltung, unter der sich der Wohlstand des fruchtbaren Landes zusehends hob. Fast alle deutschen Gemeinden verfügten über deutsche Volksschulen und in den Gemeinden wie im ganzen Banat herrschte die d e u t s c h e Am t s sprach e . Es gab deutsche Mittelschulen und Lehrerbildungsanstalten . Für eine nationale, also deutsche Führung im Banat fehlten sowohl im 18. wie auch später im 19. Jahrhundert die Voraussetzungen . Es fehlte das deutsche Nationalbewußtsein , das die Idee und den Geist des am 2. Oktober 1849 in Billet gefertigten Majestätsgesuches zur Sache des ganzen deutschen Volkes im Banat und der Batschka hatte machen können. 248
Billet und die Reformen (1849- 1860) Sofort nach der Revolution im Jahre 1850 wurde in Billet ein Bezirksamt errichtet, das die Gerichtsbarkeit wie auch die Verwaltung im Billeter Bezirk versah. Damit war dem Kroaten-Bischof für alle Zeiten das Handwerk genommen. Unsere Vorfahren konnten sich endlich frei bewegen und sprechen. Zum Billeter Bezirk gehörten damals die folgenden Gemeinden, in alphabetischer Reihenfolge : I Aurelhaz 2 Billet 3 Bobda 4 Bogarosch 5 Csatad [Lenauheim] 6 Csenej [Tschene] 7 Gottlob 8 Grabaz 9 Gyertyamos lO Jecsa Kis [Kleinjetscha] I I Jecsa Nagy [Großjetscha] 12 Lovrin 13 Nemeth 14 Öregfalu [Altes Dorf] 15 Perjamos und Haulikdorf 16 Peszak 17 Sandorhaz [Alexanderhausen] 18 Tamasfalva [Tomsdorf östl. v. Uivar, heute Jugoslawien] 19 Ujhely [Neusiedl] 20 Ujvar [Neuburg a. d. Bega] Diese 20 Gemeinden hatten eine Bevölkerungsanzahl von 37.257 Personen und ein Ausmaß von 16 Quadratmeilen. Der Kreis von Großbetschkerek, dem Billet angehörte, hatte ein Ausmaß von 127,3 Quadratmeilen und zählte 336.700 Einwohner. Dieses ebene Gebiet ist das sumpfigste Tiefland das Banats gewesen. Das Gebäude des Billeter Bezirksamtes befand sich auf den heutigen Hausnummern 252 und 253 in der Kirchengasse. Nach dem Ausgleich mit Ungarn , im Jahre 1867 , wurde die Gerichtsbarkeit von der Verwaltung getrennt und ab 1870 verblieb in Billet nur das Berzirksgericht. während das Stuhlamt nach Tschene verlegt wurde. Der Oberstuhlrichter hatte seinen Sitz in Groß St. Miclos. Gleichzeitig wurden die deutschen Beamten aus den öffentlichen Ämtern entfernt und ihre Posten mit Ungarn bzw. ungarnfreundlichen Personen besetzt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Billet dem Perjamoscher Stuhlbezirk angegliedert und verblieb dort bis zum Jahre 1950. Heute ist Billed sowohl verwaltungsmäßig als auch gerichtsbarkeitsmäßig dem Kreis Temesch zugehörig.
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Jjanater 1!.} eibe unb 1!.} ecke
Banater Heide und Hecke im Jahre 1855 . Origin al: Ă– sterr. Kriegsarchiv Wi en. Sig. B IX . a 574-2-5386-2
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Strukturveränderungen und Besitzverhältnisse nach der Revolution (1848- 1860) War der Bauer vor der Revolution von 1848/49 nur der Erbpächter und Zehentbauer ohne jegliche Verfügungsgewalt über seinen Grund und Boden, der ja dem Agramer Bischof als Grundherrn gehörte, so wurde er nach der sogenannten Grundentlastung nach der Revolution zum Alleinherrn seines Hofes. Ab jetzt durfte der Bauer mit seinem Grund und Boden tun was er bis jetzt nicht tun durfte: ihn verkaufen . mit Schulden belasten, zwischen seinen Kindem und Erben in beliebig großen Stücken vererben. Diese Grundentlastung war das größte Werk das Österreichischen Absolutismus und der höchste Erfolg der deutschen Menschen seit ihrer Ansiedlung im Banat. Damit hat die Österreichische Regierung einige ihrer Sünden an den Nachkommen der deutschen Kolonisten wieder gut gemacht. Als das schönste Ergebnis des Aufstandes und der Erhebung kann die Regelung der Besitzverhältnisse für unsere Vorfahren angesehen werden. das neue Grundherrn entstehen ließ . Die ehemaligen entrechteten deutschen Menschen stellten jetzt das neue Bürger- und Bauerntum dar . Sie waren freie Menschen geworden! Nun folgte ein friedlicher Zeitabschnitt, in welchem sich der deutsche Fleiß, die deutschen Eigenheiten , Wissen und Können ungestört entfalten konnten. Befreit von der herrschaftlichen Bevormundung des Agramer Bistums begann sich der Feldhunger zu regen . Das dem Bauern dank seines Fleißes nun reichlich zufließende Kapital ermöglichte ihm die Stillung seines Feldhungers. Die Bodenpreise schnellten sprunghaft in die Höhe und der Bauerwurde zum Kapitaleigentümer. Im Gegensatz zum Bauern konnte der Kleinhäusler nur in den seltensten Fällen ein Stückehen Feld erwerben , da ihm das nötige Geld und Kapital fehlte . Da aber in den ersten Jahren der Grundbesitz des Agramer Bistums in den Besitz der Gemeinde Billet überwechselte und das in deutschen Händen befindliche Feld nur selten verkäuflich war, gingen die Interessenten über die Grenzen von Billet hinaus und namentlich dort, wo fremdvölkische Dörfer wie Knes, Kleinbetschkerek, aber auch Alexanderhausen angrenzten, fand ihr Ausbreitungsdrang freie Bahn. Dies war sozusagen der erste Schritt zu der in späteren Jahren noch stärker einsetzenden Besitzausdehnung von Billet. Hand in Hand damit begann der Bauer von seiner wirtschaftlichen Machtstellung vollen Gebrauch zu machen und nützte seinen früheren Pachthof und jetzigen Privatbesitz unternehmensmäßig aus. Hier darf man wahrscheinlich schon den Beginn einer sozialen und gefühlsmäßigen Auseinanderentwicklung sehen, die dann später, durch den Hutweidenstreit, der bei der Aufteilung der Hutweide entstanden ist, verschärft zum Klassengeist zwischen Arm und Reich führte. Wie wir aus der Aufstellung aus dem Jahre 1828 entnehmen können , gab es damals in Billet nur ganze und halbe Sessionen. Im Jahre 1945 war die Variationsbreite des Besitzes wesentlich größer. Das Minimum lag damals bei 0 bis 1 Joch und das Maximum bei 100 bis 150 Joch . Die Anzahl der Kleinhäusler und Taglöhner sowie der Handwerker machte in Billet, wie wir aus derselben Tabelle entnehmen konnten, einen sehr hohen Prozentsatz der Gesamtbevölkerung aus, der von Jahr zu Jahr größer wurde. Durch diese Bevölkerungsbewegungen und Besitzverhältnisse hat sich ergeben, daß die Ackerfläche je Kopf der Bevölkerung am Ende des Zweiten Weltkrieges kleiner war als zur Zeit der Ansiedlung und Grundzuteilung im Jahre 1769. In Billet kamen damals 6 Joch bebautes Ackerland auf einen Einwohner, im Jahre 1936, nach der Volkszählung, waren es nur mehr 3,4 Joch. Die folgende Tabelle zeigt die Zunahme und Abnahme des Grundbesitzes dieses je Kopf der Bevölkerung von Billet: Diese Strukturveränderung ist ausschließlich der Ansiedlung und Leistung unserer Vorfahren in Billet zuzuschreiben. Ihnen allein ist der Übergang von der ungeordneten Heuwirtschaft zu einer geordneten Dreifelderwirtschaft und zu einem modernen Ackerbau zu verdanken. 251
Jahr
Anzahl der Einwohner
Besitz auf eigener Gemarkung Joch
1769 1780 1828 1860 1936
1.000 1.276 1.960 3.868 3.791
6.031 7.822 7.444 7.965 8.741
Besitz auf fremder Gemarkung Joch
Ackerfläche je Kopfder Bevölkerung Joch
-
6,0 6,3 3,8 2,0 3,4
-
4.300
Durch den Ankauf zeitgemäßer technischer Geräte produzierten sie reichlichen Warenüberschuß, der nur zum Teil in Billet selbst verarbeitet und zum Teil in alle Welt geliefert wurde. Sie vergrößerten den Gemeindebesitz von Jahr zu Jahr durch Feldkauf. Die Entfernungen von Haus und Hof zu den Ackerfeldern wurden dadurch immer größer, sie betrugen oft 6 bis 8 Kilometer. Vom Frühling bis zum Spätherbst arbeiteten die in der Landwirtschaft beschäftigten Menschen hart und schwer, oft von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Der allgemeine Flurzwang hörte allmählich auf und die Zweifelderwirtschaft, teilweise mit F1urbau, teilweise mit Freibau, setzte sich in Billet durch.
Die Halbscheitbauern und Taglöhner nach der Revolution (1848) Auch für die Kleinhäusler und Taglöhner hatte sich in Billet nach 1848 in ihrem Berufsleben vieles grundlegend geändert. Die Zeit der mittelalterlichen Sitten, als der lspan des bischöflichen Grundherrn am Morgen vor seinem Büro bestimmte, wer aus der wartenden Menge der Arbeitssuchenden zur Lohnarbeit gehen durfte und wer nicht, war vorbei. Die alten feudalrechtlichen Gesetze und Vorschriften hatten durch die Revolution ihre Gesetzeskraft und Verbindlichkeit auch für den "kleinen Mann" verloren. Eine breitere Eigentumsstreuung, bedingt durch den Ankauf von herrschaftlichem Grund und Boden durch die Kleinhäusler, ist eingetreten. Viele von ihnen, ihre genaueZahl konnte ich aus Zeitmangel nicht mehr bestimmen, kauften sich nach 1848, je nach ihrer finanziellen Lage, von der Grundherrschaft des Agramer Bistums einige Grundstücke. Eine von den Kleinhäuslern in Billet sehr häufig genutzte Möglichkeit, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, hatte sich durch den Taglohn und den Halbscheitanbau für den Großbauern ergeben . Der Halbscheitbauer übernahm vom Großbauern eine Anzahl von Felder, die er beackern und besäen mußte und zur gegebenen Zeit die Ernte einholte. Sein Lohn und Entgelt für seine geleistete Arbeit bestand in der Hälfte dieser eingebrachten Ernte. So kam es sehr häufig vor, daß ein Halbscheitbauer 1 bis 5 Joch Eigengrund hatte und nebenbei noch 10 bis 20 Joch "um die Hälft" für einen Großbauern bearbeitete. Mit dem Einkommen und Fortkommen dieser Gruppe von Menschen werden wir uns noch in einem späteren und ausführlicheren Artikel befassen. Fest steht, daß damals nach der Revolution auch für die Kleinhäusler oder Halbscheitbauern die Zeit der Aufstiegsmöglichkeiten begann , und wer Glück hatte, konnte sich und seiner Familie die Zukunft sichern . Die Taglöhner hingegen, die keinen eigenen Grund und Boden besaßen- im Jahre 1828 waren es 152 Familien- blieben auch in einem allmählich der Armut entwachsenden Billet Taglöhner und Menschen ohne große Zukunft. 252
Die Landarbeiter, Knechte und Mägde in Billet ( 1828- 1848) Aus der Konskription des Billeder Notars aus dem Jahre 1828 geht hervor, daß damals in den 219 Bauernwirtschaften 82 Knechte und 27 Mägde mittätig waren. Das heißt, daß in jedem dritten Bauernhaus bereits ein Knecht und in jedem achten eine Magd beschäftigt waren. Diese 109 Personen waren die ersten unselbständigen landwirtschaftlichen Arbeitnehmer, die einem privaten Arbeitgeber unterstanden und nicht der Grundherrschaft des Agramer Bistums. Nach der Grundentlastung im Jahre 1848, als die Bauern ihre Grundstücke von der Herrschaft käuflich erwerben konnten, stieg das Angebot an landwirtschaftlichen Arbeitskräften sprunghaft an und das Heer der Knechte und Mägde wurde von Jahr zu Jahr größer. Die neugeschaffenen, privaten landwirtschaftlichen Betriebe gingen sofort zur Qualitätserzeugung über und benötigten aus diesem Grunde hochwertige, im höchsten Maße zuverlässige Arbeitskräfte. Ein solches Aufgebot von richtig vorgeschulten und ihre Arbeit auch verantwortungsbewußt ausführenden deutschen Menschen, stand den Bauern in Billet in großer Auswahl zur Verfügung. In den späteren Jahren finden sich immer weniger Deutsche, die bereit sind, als Knechte bei den Bauern zu dienen , was zur Folge hatte, daß die Zahl der nichtdeutschen Knechte in Billet von Jahr zu Jahr größer wurde. Wir werden in einem anderen Artikel, im Abschnitt sechs, auf dieses Thema noch einmal zurückkommen.
Das Postwesen im Banat und in Billet Die ersten Stützpunkte nach der Eroberung des Banats durch die kaiserlichen Truppen sind die Feldpoststationen, die schon 1721 bei der Umwandlung der Feldpost in die Ordinaripost bestanden haben. Die zahlreichen größeren und kleineren Poststationen des Banats waren an private Unternehmer vergeben, die unter der Kontrolle staatlicher Funktionäre standen. Die alte Poststraße, von unseren Großvätern noch Szegediner Straße genannt, kam von Temeswar über Kleinbetschkerek, wo sich eine Poststation befand und die Pierde gewechselt wurden, über das unbewohnte Prädio Billiet zur Poststation Pakacz. Von hier mußte man, wegen eines Sumpfes, nach Nordosten die alte Römerschanze überquerend, über Warjasch nach St. Miklos weiterfahren. In verstärker Westrichtung führt die Straße durch das Tschanader Sumpfgebiete zu der am westlichen Rande des Sumpfes gelegenen Kambiatur Beba. An der Marosch, bei der Kambiatur Neu Szegedin , war die Überfuhr nach der Stadt und Festung Szegedin. Das erste Lebenszeichen, das über die Post in Billed zu finden war, ist eine Anzeige in der "Temesvarer Zeitung Nr. 246 Amts und Inteligenzblatt" vom 26. 10.1858 auf Seite 1704 und hatte folgenden Wortlaut: Fahrpostdienst-Einrichtung in Billet. Vom 1. Nov. 1. J. angefangen wird die k . k. Post-Expedition in Billet, welche sich bisher nur mit dem Brief- Postdienst befaßte auch mit der Ausübung des Fahrpostdienstes betraut, und können mit Rücksicht auf die dort verkehrenden Cariol- Posten, Geldbriefe mit unbeschränkten Beträgen, Frachten bis zum Gewicht von 10 Pfd. [5 Kilo] zur Auf- und Abgabe gebracht werden. Hievon geschieht hiemit die allgemeine Verständigung. Von der k. k. serbisch-banater Postdirektion Temesvar 19. Oktober 1858 Wann und wo in Billed das erste Postamt für den privaten Briefverkehr eingerichtet wurde, geht aus den von mir eingesehenen Akten nicht hervor. Es ist aber mit Sicherheit anzunehmen , daß gleich nach der Ortsgründung in den Jahren 1765-1767 ein solches Amt, als Zweig- oder Nebenstelle von Pakacs, errichtet wurde . Bekanntlich standen die deutschen Kolonisten in BiiIiet mit ihren Verwandten im Reich im Briefverkehr. 253
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Original: Szehenyi-Nationalbibliothek des Ungarischen Nationalmuseums. Budapest, Handschriftensammlung, Sig. Fol. Hung. 1.114. Bd. 50. fol. 99-124.
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Aus der Zeit der "Wojwodschaft Serbien und Temeser Banat" stammt wohl die ausführlichste und wertvollste Darstellung unserer Heimatgemeinde Billet. Sie wurde auf Grund eines Statthalterei-Erlasses vom 8 . Jänner 1859, Nr. 1707 erstellt und am 23. April 1860 gesiegelt und vom Notar unterschrieben. Die Umschrift oder Legende des Rundsiegels lautete: Billeter Markt- Notariat. Es ist anzunehmen, daß diese Urkunde mehrere geistige Väter hatte, wer sie aber waren geht aus dem Akt nicht hervor. Wahrscheinlich wirkten Notar, Richter, Lehrer und der Pfarrer an der Erstellung gemeinsam mit. Die Monographie ist in deutscher Sprache verfaßt und in Kurrentschrift niedergeschrieben . Sie unterteilt sich in zwei Abschnitte und umfaßt 37 Manuskriptseiten . Beschrieben und beurteilt werden die Menschen von Billet sowie die Erdoberfläche, Landschaft. Gewässer. Besiedlung, Verkehr usw. Wie bei allen handschriftlichen Quellen. so wurde auch hier die Orthographie des Originals mit Absicht beibehalten . Original : Szehenyi-Nationalbibliothek des Ungarischen Nationalmuseums, Budapest, Handschriftensammlung, Sig. Fol. Hung. 1.114, Bd. 50, fol. 99--124.
A) G e s c h i c h t e d es 0 r t e s Der Markt Billet ist durch Einwanderer aus Chursachsen im Jahre 1764 gegründet und angesiedelt worden, führte ehedem den Namen Bilieth und wurde im Jahre 1809 zum Markte mit der Bewilligung erhoben, Jahr- und Wochenmärkte abhalten zu dürfen. Die Bewohner desselben sind durchgehends Deutsche, die sich zur römisch-katholischen Religion bekennen. Vor dem Jahre 1848 bestand hier eine selbständige Gerichtsbarkeit in der Eigenschaft eines Curialgerichtes unter der Leitung des mit den Attributionen eines Comitis Curialis versehenen Machthabers, der Agramer bischöflichen, nunmehr erzbischöflichen Herrschaft und mit dem Rechte über Leben und Tod zu ertheilen. B) Lage des Ortes Der Markt Billet auf der Temesvarer-Szegediner Reichsstraße auf einer sumpfigen Ebene gelegen, grenzt im Süden an den Ort Groß Jecsa, westlich an Sandorhaz, nördlich an Knez und im Osten an Klein Becskerek, hat samt seinem Hottergebiethe eine Ausdehnung von 6/a m 2 Meilen, deren nördliche Breite beträgt zwischen 38--39, die östliche zwischen 45-46 Grad. Die Höhe über die Meeresfläche mag 200-300 Fuß betragen. In Billet ist der Sitz eines k . k . Bezirks-Amtes, eines Steuer-Amtes, gehört in politischer Beziehung zur Groß Becskereker k. k. Kreisbehörde der serb. Wojwodschaft und ternescher Banates, hat seinen Ergänzungsbezirk in Groß Becskerek das Graf Tun- Hohenstein 29. Linien Infanterie Regiment. In Ansehung der kirchlichen Eintheilung ist Billet der Csanader Diocese und dem diesseitigen Schulen Dechanate einverleibt. C) V o r h a n d e n e B e h ö r d e n , A m t e r, Anstalten und Vereine. Billet hat wie oben angedeutet ein politisch-gerichtliches Bezirksamt, ein Steuer- und gerichtliches Depositen-Amt, eine römisch-katholische Volks- und Trivial-Schule mit 4 Klassen. Ein Gemeinde-Spital zur Aufnahme fremder und einheimischer Kranken, unter Leitung eines Gemeindearztes. Dann das Agramer erzbischöfliche Oeconomat und einen Zunftverein mit einem Oberund Untervorsteher. [ l. Wenn wir dies hier lesen, so können wir nur mit Hochachtung von unseren Vorfahren und der damaligen Gemeindeverwaltung sprechen. Es ist fast unglaublich, daß von einer solchen sozialen Einrichtung wie ein Krankenhaus eben ist, nach dem Ersten Weltkrieg in Billed nichts mehr bekannt war. Ja nicht einmal der Standort dieses Gemeinde-Spitals ist uns überliefert. Wichtig und interessant ist auch der Hinweis, daß die Billeter Handwerker schon damals in einem Zunftverein organisiert waren .] 255
D) Communicationsmittel. Durch den Ort führt die Temesvarer-Szegediner Reichsstraße welche stets in besten Zustande erhalten wird, aber an ihrer Frequenz durch die errichtete Eisenbahn, welche von Temesvar über Gyertyamos nach Szegedin führt bedeutend verloren hat. In die Nachbarorte führen blos Seitenwege auf deren guten Zustand aber auch immer hingearbeitet wird. [In den Jahren 1856 bis 1857 sowie in den Jahren 1867 bis 1870 wurde die Temeswarer-Szegediner Reichsstraße. früher hieß sie die Wiener-Reichsstraße, instandgesetzt und frisch geschottert.] E) Gebirge, Landschaftsbilder, Fernsichten, Gewässer , Höhlen , Ruinen , Schlösser, Monumente, Dokumente . Da der Ort Billet in einem ausgedehnten Flachland liegt, so können keine Gebirge nachgewiesen werden, und es bietet die Gegend eine unbegrenzte Fernsicht dar, läßt die fernliegenden Nachbarorte mit einem Blick überschauen, und hat keine Gewässer, Flüsse oder Teiche, keine Hohlen oder Ruinen, keine Schlösser, Monumente und daher auch keine Dokumente, welche auf diese Bezug hätten, nachzuweisen. Denn der Ort Billet ist nicht einmal vor einem Jahrhundert gegründet, gehört der Jetztzeit an und hat gar keine geschichtliche Vergangenheit. [I. Mit diesen Zeilen hat uns der Billeter Notar bestätigt. daß im Jahre 1860, also 95 Jahre nach der Ortsgründung durch die deutschen Kolonisten. im Gemeindehaus von Billed, über die Geschichte des Ortes vor der Besiedlung mit Deutschen. überhaupt keine Unterlagen zur Verfügung standen und man nicht wußte was vorher war.] ///.Abschnitt A) Vertheilung, Zustand und Kultur der Bodenfläche . Der Anbauboden ist ganz kultivirt und es sind: Acker 6.625 Joch 1.260 Quadratklafter 322 Joch 530 Quadratklafter Wiesen 146 Joch 1.420 Quadratklafter Weingärten 820 Joch 918 Quadratklafter Hutweide Rohrschlag 14 Joch 899 Quadratklafter [1 Joch = 1.600 Quadratklafter = 0,575 ha] Die Acker werden hauptsächlich mit Waitzen, dann Hafer, Kukurutz, weniger aber mit Korn und Gerste, und noch weniger mit Hanf bebaut. Es kann jährlich ein durchschnittliches Erträgniß bei gewöhnlicher fruchtbarkeif angenommen werden u. z.: Waitz en nach einer Aussaat von 4.470 Metzen- 26.640 Metzen Hafer nach einer Aussaat von 2.660 Metzen- 18.480 Metzen Ku k u r u t z nach einer Aussaat von I 65 Metzen- 9. 900 Metzen Gerste nach einer Aussaat von 40 Metzen320 Metzen Korn nach einer Aussaat von 400 Metzen- 3.200 Metzen Hanf nacheinerAussaatvon 50Metzen- ISOMetzen Die Gärten werden größtenteils mit verschiedenen Gemüse für den häuslichen Bedarf, mit Kartoffeln angebaut und tragen jährlich nach einer Aussaat von 2.100 Metzen etwa 10.500 Metzen. Auf den Wiesen wächst beiläufig 6.460 Centner H e u . Unter allen diesen Producten verdient der Waitzen wegen seiner Vollkommenheit den Vorzug. Von ihm werden auch jährlich 9.000 bis 11.000 Metzen als entbehrlich verkauft und das übrige im Orte verzehrt. Der Abgang der Futtergattungen wird von der Umgebung, die Weine hingegen, wo dieselben nicht hinreichend sind, werden von den Weingebirgsgegenden aus Vilagos, Werschetz und Weißkirchen gekauft. 256
Der Rohrschlag ist Eigentum der Herrschaft, wird von Einzelnen gepachtet und dient theils zur Bedachung der Häuser, theils aber zur Beschützung der Stroh und Streu Tristen. Außer dem Rohrschlag dann 12 Joch Acker 13,310Joch Wiesen 9,300Joch Hutweide welche der Agramer Erzbischöflichen Herrschaft gehört, i s t a ll es Eigen t h um der G emeinde . Der ganze Hotter liegt eben, wird aber ob Mangel eines in der Nähe liegenden Flusses von Oberschwemmungen nie heimgesucht, höchsten daß nach anhaltenden Regengüssen oder nach starken Schneeschmelzungen etwas Wasser sich in den Niederungen sammelt, welches aber keinen erheblichen Schaden anrichtet. Die Obstkultur ist hier nicht stark vertreten, obgleich in den Gärten beinahe alle Obstgattungen gepflanzt werden, aber kein besonderes Erträgniß liefern. An den Straßen Obstbäume zu pflanzen ist nicht gebräuchlich, auch ist der Boden für selbe nicht besonders geeignet. [Für den interessierten Leser wird es sich lohnen , die Aufstellung über die Grundverteilung aus dem Jahre 1828 und dieser, aus dem Jahre 1860, also 30 Jahre später, vorzunehmen und Vergleiche anzustellen. So stieg zum Beispiel die Anzahl der Felder von 7.444 Joch im Jahre 1828 auf 7.965 Joch im Jahre 1860 an, was bedeutet, daß sich die Anbaufläche in dieser Zeit um rund 500 Joch vergrößert hatte. Von großer Bedeutung ist für uns der Hinweis und die Feststellung, daß bereits zehn Jahre nach der Revolution, im Jahre 1859, der gesamte herrschaftliche Grundbesitz, mit Ausnahme des Rohrschlags und 35 Joch Feld, in den Besitz der Gemeinde Billet bzw . ihrer Bürger und Einwohner übergewechselt war.]
B) Erzeugnisse, Gewerbthätigkeit . Die Viehzucht beschränkt sich hier nur auf den häuslichen und eigenen Gebrauch, könnte auch nicht, wegen Mangel an hiezu nöthigen Weidegängen, vermehrt werden. Unter allem wird die Pferdezucht mit großem Fleiße und besonderer Sorgfalt geübt. Der Viehstand ist folgender: 944 Stück 23 Stück 307 Stück 388 Stück 330 Stück 280 Stück 108 Stück
Pferde, darunter Hengsten Miniehen Stuften darunter 1 bis 2 jährige 4 bis 10 jährige Pferde über 10 Jahre
120 Vierspännige Züge sind vorhanden und 108 Zweispännige Züge 1.512 Hornvieh überhaupt Kühe 1.197 Schafe 1.598 Schweine Der Pferdeschlag [Rasse) ist durchgängig jener der banaler und Mezöhegyeser Raze, selten siebenbürger. Die Größe derselben ist von 12-15 bis 16 Fäust, zu Zugdienst und Reiten geeignet, deren Bau zwar schön ist, dieselben jedoch ihrer verzärtelten Erziehung wegen zu anhaltenden Strapatzen weniger tauglich. Hinter zwei Pferde werden hier gewöhnlich 7 Centner Last geladen wo es bei besseren Wegen auch mit 18 Centner aufgenommen werden konnte. Der Preis eines 3-8jährigen Pferdes ist von 15 0 fl. bis 3 00 fl. eines Hengstes 400 bis 600 fl. 257
C) Handel Die hiesigen Märkte sind blos für den nothwendigen Bedarf der mit keinem Grundwirthschaft versehenen Beamten und sonstigen Bewohner als Professionisten etc. und liefern den Bedarf an Lebensmittel und sonstigen kleinen Artikel. Jahrmärkte werden 3 mal des Jahres u. zw. an Josefi, an Pfingsten und am Kirchweihfeste, das ist der Sonntag nach Michaeli abgehalten. Alle Mittwoch ist ein Wochenmarkt. Eigentlicher Getreidehandel existirt hier orts keiner, nur wird von den Grundbesitzern, den entbehrlichen Bedarf an Körnergattungen zum Verkauf nach Temesvar und Perjamos verführt, die Ausfuhr ist wie bereitz erwähnt, bedeutend. [Laut der "Temesvarer Zeitung" vom 4. November 1858 betrugen die Marktpreise je Niederösterreichischen Metzen und in österreichischer Währung in :
Ort
Gr . Betschkerek Periamosch
Weizen fl . kr.
Kukuruz fl. kr.
Gerste fl . kr.
Hafer fl . kr.
2.94 3.10
1.37 1.60
1.47 1.70
1.46 1.60
Ein Pfund Rindfleisch kostete 13 Kreuzer. Eine Semmel aus Semmelmehl kostete 1 Kreuzer und wog 5 1 / 4 Loth . Eine Semmel aus Mundmehl kostete 1 Kreuzer und wog 4 2 / 4 Loth.]
IV. Abschnitt Der Mensch Be v öl k er u n g . Nach der im Jahre 1857 stattgehabten Volkszählung besteht der ganze Seelenstand u. zw. 3.790 Römisch katholische 48 gr. n. u. [griechisch nicht unierte] 4 Evangelische beider Confeßionen 26 Juden In Hinsicht der hierorts wahrzunehmenden Krankheiten sind in den 3 Jahreszeiten also Frühjahr, Herbst und Winter dieselben, als in Gegenden mehr nördlicher Richtung. Im Sommer jedoch, so wie auch in einem Antheile des Herbstes sind die aussetzenden Gallenfieber die am meisten vorhersehenden. Von den so eben benannten sind manche von sehr hartnäckiger und heftiger Natur. Die Ursache dieser vorhersehenden Krankheiten ist zum Theile die hierorts bestehenden niederen geografische Lage des Erdbodens mit den anwesenden, so ziemlich zahlreichen Pfützen, dann die große Hitze, sowie auch die im Gebrauche unter den Einwohnern bestehende Lebensweise in Verzehrung des geselchten Schweinefleisches, so wie auch mancher anderer Nahrungsmittel, welchen viel Fett beigegeben wird, wodurch nach deren Verzehrung in der Zeit, wo gerade die große Hitze herrscht zur Erzeugung quantitativer und qualificativer veränderter Gallenbildung Anlaß geben und so im Vereine aller eben bereits erwähnten Krankheiten erzeugt werden, jedoch ist zu bemerken, daß seit dem Verlaufe von zwei Jahren diese Krankheiten bedeutend abgenommen, worauf sich auch die niedere Sterblichkeit und so die Zunahme der Bevölkerung erklären läßt. Als höchstes Lebensalter läßt sich das 80ste annehmen.
258
Bewegung der Bevölkerung Pfarre in Billed, römisch katholisch . Jahr
Einwohner
I854 I855 I856 I857 I858
3.740 3.750 3.750 3.76I 3.790
Geburten Männl. Weib!.
90 I04 89 IOI 98 482
Zusammen
Trauungen
113 109 116 87 104 529
4I 36 30 30 25 I62
Sterbefälle Jahr
bis zum Lebensjahr:
zusammmen
über
I.
5.
I4.
30.
50.
60.
70.
80.
80.
M.
w.
I854
55
28
8
I2
I6
11
6
I
I
80
58
138
I855
58
17
I2
I8
I7
6
6
3
I
77
51
I28
I856
82
27
11
I5
I8
7
4
4
-
88
80
168
1857
56
30
8
17
25
11
5
1
-
90
73
163
1858
53
I4
I5
19
I6
8
7
5
84
54
138
I
Die Bewohner hierorts bekennen sich durchgehends zur Röm. Catholischen Religion. Die wenigen Bekenner der gr. n. u. Religion gehören dem Beamtenstande an. Die hier wohnenden Juden treiben Handel. Die hiesige Pfarre wurde im Jahre I766 gestiftet. Patron derselben ist das Agramer Erzbistum, wird durch einen Pfarrer versehen, welcher bloß zur Ausübung der Seelsorgepflichten aufgestellt ist für diese Gemeinde. [Man beachte bitte die hohe Kindersterblichkeit bis zum ersten Lebensjahr!] C) Humanitäts-Anstalten Als solches kann das im Jahre I85 6 errichtete, durch Sammlung und auf Kosten der Gemeinde hergestellte Gemeindespital bezeichnet werden, welches fremde und mittellose einheimische Kranke aufnimmt, wo dann die Kosten von der Heimathgemeinde bei den Fremden welche ein Vermögen besitzen hereingebracht werden, die Armen werden unentgeldlich behandelt und verpflegt. Zur Pflege und Wartung der Kranken ist ein von der Gemeinde besoldetes lndividiums aufgestellt, es untersteht der Leitung des Gemeindearztes, der die ärztliche Hilfe bringt, die nöthigen Medicamente werden aus der Hierartige Apotheke gegen Abrechnung bezogen. D) Wohnungen Der Markt Billet besteht au.S 398 geräumigen Häusern mit 796 Wohnpartheien . Die Häuser sind durchgehends mit dem Gibel gegen die Gasse erbaut, haben auf der vorderen (Hof) Seite zwei Zimmer durch eine Küche verbunden. Den rückwärtigen Raum nimmt die Speisekammer und die Stallungen ein, daher sich die Stallungen und Wohnbestandtheil unter einem Dache befinden. Die Wohn zimmer sind allgemein mit gemauerten Ofen versehen, welche im Winter mit Stroh beheitzt werden. Das Material der Häusermauern besteht aus ungebrannten Lehmziegeln, die Bedachung ist größtentheils von Rohr, an jedem Hause ist ein gemauerter Rauchfang angebracht. Das Gassenwohnzimmer hat bei den älteren Häusern zwei, bei den neueren drei Fenster, wo stets eines in den Hof sieht. Die Wohnbestandtheile werden stets sehr rein gehalten. Die Zimmer auf die Gasse sind durchgehents gebrettert.
259
E) Nahrung Das Brot wird blas [nur] von Waitzenmehl bereitet und ist von besonderer Güte. Die übrige Nahrung welche aus Fleisch- und Mehlspeisen besteht, wird gut und schmackhaft zubereitet. Besonders liebt der deutsche Bauer das Schweinefleisch. An Sonn- und Feiertagen, dann wärend der Feldarbeiten wird besonders gut und viel gegessen. Außer den Schweine- und Mehlspeisen wird noch Sauerkraut, Erdäpfel und anderes Gemüse verzehrt. Hülsenfrüchte und Fische kennt man aber hierorts nicht. Bei feierlichen Gelegenheiten, als Hochzeiten, Kindstaufen, hohen Feiertagen und dem Kirchweihfeste wird im Essen nicht gespart und Braten und Kuchen sind an der Tagesordnung, auch Wein darf nicht fehlen. Oberhaupt wird mehr Wein, sehr wenig Branntwein und Bier beinahe garnicht getrunken. F) Kleidung Dieselbe ist nach ungarischer Art, nemlich eine enge Stiefelhose und ein Janker mit Schnüren verziert, von blauen oder schwarzen Tuch, hohe Stiefel und ein runder schwarzer Hut von Filz. Im Sommer an Werkettagen werden blas Hemd und Gattien getragen und im Winter bei sehr strenger Kälte wird ein Schafbunda umgehängt. Dies ist die Tracht der Männer. Die Weiber und Mädchen entfalten in ihrer Kleidung einen gewissen Luxus an Sonn- und Feiertagen und bei feierlichen Gelegenheiten. Die an Werktagen getragenen Kopftücher, Spenzer und Röcke aus Zeug werden mit seidenen vertauscht. Der Unterschied in der Kleidung zwischen den verheiratheten und ledigen weiblichen Geschlechts besteht blas darin, daß die letzteren kein Kopftuch tragen und zu ihrer Kleidung grellere Farben wählen. Der ganze weibliche Anzug besteht in einem Spenzer im Winter wattirte oder mit Pelz gefütterte Joppe, mehreren Röcken, Schuh und Strümpfen, bei den verheirateten noch im Kopftuch. Uiberhaupt tragen sich die Bewohner dieses Ortes an Festtagen sehr rein und nett. G) Zimmereinrichtungen Dieselbe beschränkt sich bei der ärmeren Klasse auf die notwendigsten Bettstätten, Kästen und Stühle. Bei den bemittelten wird auch in derselben ein größeren Comfort gesucht und Canapees, gepolsterte Sessel, statt der hölzernen genommen, die Wände mit schönen Bildern verziert und mit einem Wort, die Zimmer lassen an Nettigkeit und einfacher Eiegans nichts zu wünschen übrig. H) Gebräuche Unter diesen sind besonders hervorzuheben die Kindstaufen, Hochzeiten und Begräbnissfeierlichkeiten. Bei der Kindstaufe werden aus der Verwandschaft die nöthigen Taufzeugen gewählt, das zu taufende Kind in die Kirche getragen und dann nach der heiligen Handlung sich die Verwandtschaftsgliedervereinigen und ein festlicher Schmaus gehalten und der Tag in Lust und Freude hingebracht wird. Bei der Hochzeit, wenn bereitz durch gegenseitiges Uibereinkommen der Eltern, denn eine freie Wahl aus gegenseitiger Liebe findet hirorts nicht statt, für den Jüngling oder die Jungfrau die Gattin oder der Gatte gewählt wurden, wo früher zwischen den gegenseitigen Brauteltern die Bedingungen, als des Brautschatzes der Aussteuer etc. mitteist eines schriftlichen Heirats-Contractes festgesetzt worden ist, und der Tag der Hochzeit erschienen, so holt der betreffende Bräutigam seine Braut aus der Wohnung ihrer Eltern in die Kirche ab, wo gleichzeitig die beidseitige Verwandschaft sich in die Kirche mitbegibt und die Trauung vollzogen ist. Dann begeben sich alle in das Haus des Bräutigams wo bereits der Festschmaus vorbereitet ist. Während des Essens trachtet man der Braut die Schuh und den Strumpf zu entwenden, für welchen Diebstahl die Braut keine Vorkehrungen trifft, im Gegentheile noch zu seihen beihilflieh ist. Dieser Schuh und Strumpf wird verlizitirt, und dann das eingeflossene Geld für die Wirtschaft der jungen Eheleute bestimmt. Dann wird getanzt und bei dieser Gelegenheit der Brauttanz ausgeführt, wo der Bräutigam mit der Braut den Tanz eröffnet, und eine Schüssel in die Mitte des Zimmers gestellt wird, jeder der mit der Braut tanzt, legt etwas Geld auf den Teller, auch diese Gaben gehören zur neuen Wirtschaft. So dauert der Tanz in die halbe Nacht hinein, wo nach beendigung
260
desselben der Braut zum Zeichen, daß sie in den ehelichen Stand tritt, das Kopftuch umgebunden und dann die Mädchen von ihr mit einem Kusse Abschied nehmen und von den verheirateten Weibern in die Mitte genommen wird. Der Bräutigam hingegen wird von einem als Barbierer verkleideten aus der Gesellschaft scherzweise barbiert, wo ein Stückehen Holz die Stelle des Rasiermessers, ein Stückehen Ziegel die Stelle der Seife vertritt, und der Bräutigam nach vielen Sträuben proforma barbiert wird, um anzudeuten, daß er jetzt ein Mann geworden ist. Dieses ganze Possenspiel wird unter viel Jubel und scherzen vollzogen und so dauert diese allgemeine Heiterkeit die ganze Nacht und bei den Reichen auch den anderen Tag hindurch. Wenn ein Glied der Familie stirbt, so wird von den Verwandten die Todenwache in der Nacht gehalten und bei den Verstorbenen gebetet. Zur eigendlichen Leichenfeier versammeln sich alle Glieder der Familie und geben den Verblichenen das letzte Geleite, wo dann nach dem Begräbnis die Glieder der Familie ein Todtenmahl versammelt, bei welchen aber dieselbe Heiterkeit vorherrscht, wie bei einem Kinds tauf- oder Hochzeitsschmaus, nur das keine Musik beigezogen wird. I) Zeichendeuterei, Abergläubische Gebräuche Die Bevölkerung dieser Gemeinde steht schon auf einer etwas höheren Bildungsstufe, so daß keine Zeichendeuterei noch Aberglauben bei derselben Eingang findet, wenn auch hie und da bei einzelnen Leuten noch Spuren eines Aberglaubens auftauchen wollten, so wurden dieselben von den Jüngeren verlacht werden. Auch der gut geleitete U~J-terricht in den Volksschulen und der Umgang mit gebildeteren Menschen lassen keinen Glauben an Zeichendeuterei und Aberglauben aufkommen. K) Vergnügungen Unter den Vergnügungen stand das Fest der Kirchweihe, eine Erinnerung an den Tag, wo die Kirche eingeweiht wurde, nemlich der Sonntag nach dem Tage des Hf. Michael oben an, und war besonders für die erwachsene Jugend ein Hoch fest. Schon längere Zeit vor selben wurden die Vorbereitungen getroffen. Acht Tage früher versammelte sich die Jugend, welche aus ihrer Mitte zwei Altväter wählten, welche das ganze Fest zu leiten hatten. Den Tag vor der Kirchweihe am Samstage wurde ein Umzug mit Musik gehalten, wo ein jeder Bursche von einem Mädchen ein Band und ein Strauß auf den Hut geheftet wurde, welcher dann der erwählte Tänzer derselben war. Den anderen Tag nemlich Sonntag wurde vor der Kirche ein hoher Maibaum aufgestellt, an dessen Spitze ein Hut und ein Tuch befestiget waren. Diese beiden Gegenstände wurden nach der nachmittägigen Vesper verlizitirt, wo eine große Summe von Nummern gezogen wurden. Auch der Vorstrauß wurde zu dieser Zeit verlizitirt, wo oft sehr hohe Beträge gebothen wurden, und der höchstbiethende der Glückliche war, die drei Tage des Kirchweihfestes der Vortänzer zu sein. Alle diese Licitationen hatten keinen anderen Zweck und Bedeutung, als soviel als möglich Geld zur Bestreitung der Kosten aufzutreiben. Es wurde im Hofe eines Hauses ein großes Zelt aufgestellt, wo getanzt wurde. Durch volle drei Tage, und in alten Zeiten noch mehr, wurden Umzüge mit Musik gehalten, gejubelt, getanzt, gegessen und getrunken. In der neueren Zeit wurden aber diese lärmenden Kirchweihfeste eingestellt, weil bei selben höchst wahrscheinlich nicht immer die strengste Sittlichkeit beachtet wurde, und jetzt in neuererZeitwird nur der Sonntag des Kirchweihfestes in aller Stille bei einem Festschmaus verbracht. L) Mundart Der hiesige Deutsche mit seinem Provincialismus, Ohlich statt Oehl, Kwetscha statt Zwetschke, majen statt unterhalten auszusprechen, dann die Geschlechtswörter zu verwechseln und bei den weiblichen Namen das sachliche Geschlechtswort beizusetzen und statt die Kathi, die Nani etc. das Kathi, das Nani zu sagen, haben dieselben von der Sprachweise ihrer Voreltern, welche aus Chursachsen hieher eingewanderten entnommen und beibehalten.
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M) Sprichwörter An selben ist der Deutsche nicht so reich wie die Serben, Ungarn und Romanen. N) Poesie Dieser Genius ist beim Deutschen Bauern nicht zu finden, der Gedanke an das materielle Leben, das Dichten und Trachten seine Lebens-Existenz zu verbessern, selbst bei der Jugendfindet man denselben Mangel an Poesie und das Anhängen an das Materielle. 0) Gesang Auch dieser ist hier nicht ausgebildet, und jede andere Nation, wie der Serbe, Ungar und Romane welche jedes Gefühl, jede Leidenschaft in Gesang kleiden, so hat der Deutsche zwar auch Gesang aber derselbe zeigt von keinem Gefühl.
P) Hervorragende Persönlichkeiten wurden hier nicht geboren. Q) Volkssagen und Märchen Die Bewohner dieser Gemeinde als ein junges Geschlecht in einer vorzeitlichen Erinnerungen armen Gegen4, auf einer Ebene wohnend, wo keine Denkmäler aus früheren Zeiten, kein Wild, kein Bach kurz nichts Stoff zu Sagen und Märchen gibt- haben auch solche nicht.
R) Charakterskizzen Der deutsche Bauer hierzulande bleibt seinen alten Gewohnheiten in Tracht und Sitte bei, und liebt keine Neuerungen. Wie sein Großvater sich getragen, so trägt auch er sich, wie früher die Häuser gebaut wurden, so auch jetzt, eine strenge Redlichkeit und Arbeitsamkeil charakterisieren ihn, er wird zwar unter anderen Nationen wohnen, aber sich nie andere Sitten und Gewohnheiten aneignen sondern nur seinen alten treu bleiben. Billetam31 . July 1859 D.[emeter] Kiurszky Not.[ar] Damit beendete der Chronist den ersten Teil seiner "Ethnographisch-topographische Beschreibung des Marktes Billet" . Dieses ausgezeichnete Quellenmaterial bietet eine Fülle von verläßlichen Daten, die uns einen genauen Einblick in die bewegte Zeit der großen Verwirklichungen in Billet gewähren . Das ganze bunte Leben und Treiben der Einwohner zieht an unseren Augen vorüber. Da der zweite Abschnitt eine andere Handschrift aufweist, steht fest , daß dieser Teil von einer anderen Person geschrieben wurde . Neben Berichten über Witterungsverhältnisse, Struktur und Bestandteile des Bodens, Gartengewächse, Bäume und Blumen fehlt es nicht an ausführlichen Berichten über die Tierwelt.
/l . Abschnitt der ethnographisch-topographischen Beschreibung des Marktortes BILLET A) Witterungs- Verhältnis se Nachstehende Beobachtungen und Vormerkungen über die meteorologischen Verhältnisse des Ortes B i LI e t konnten nur in Beziehung zu der hier gänzlich ebenen Gegend aufgenommen werden. a). Sonnen-Auf- und Untergang . Die Sonne geht im S ü d - 0 s t e n auf und zwar: Im Fr ü h l in g e : Das ist von Ende März bis Mitte Juny, wechselt den Aufgang zwischen 6 Uhr 15 Minuten bis 4 Uhr 40 Minuten Früh . Der Untergang zwischen 5 Uhr 30 Minuten bis 7 Uhr 30 Minuten Abends.
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Im S o m m e r : Das ist von Mitte Juny bis Ende September wechselt der Aufgang zwischen 4 Uhr 40 Minuten bis 4 Uhr 45 Minuten, nimmt dann ab bis 5 Uhr 40 Minuten Früh. Der Untergang zwischen 7 Uhr 30 Minuten bis 7 Uhr 50 Minuten, nimmt dann ab bis 5 Uhr 40 Minuten Abends. Im He r b s t e : Das ist von Ende September bis Ende Dezember varirt der Aufgang zwischen 5 Uhr 40 Minuten bis 7 Uhr 50 Minuten Früh. Der Untergang von 5 Uhr 40 Minuten bis 4 Uhr 50 Minuten Abends. Im W i n t e r : Das ist von Ende Dezember bis Ende März varirt der Aufgang zwischen 7 Uhr 40 Minuten bis 6 Uhr 15 Minuten Früh. Der Untergang zwischen 4 Uhr 15 Minuten bis 5 Uhr 15 Minuten Abends. Im Ho c h so m m er läßt die Stelle des Sonnen-Aufgangs auch schon um 3 Uhr 30 Minuten bis 3 Uhr 45 Minuten erkennen, jedoch entsendet die Strahlen erst um 4 Uhr 10 Minuten bis 4 Uhr 40 Minuten Früh . In dieser Zeit ist der Sonnenuntergang erst um 7 Uhr 40 Minuten bis 7 Uhr 50 Minuten Abends. b) Temperatur Die Beobachtungen der Temperatur ergeben folgendes: Die Temperatur ist durchschnittlich mäßig und es hat sich im Hochsommer der größte Wärmegrad am 26. Juli 1859 eingestellt, und zwar Morgens um 5 Uhr 24-26 Grad, Mittags 2 Uhr 30-33 Grad, und Abends nach dem Sonnenuntergang 26-28 Grad Reaumur, um 1 Uhr nach Mitternacht zeigte sich bei einer sehr schwülen Nacht, 23 Grad Wärme! Der stärkste Kältegrad war am 22. Jänner 1860 u.z.w. mit 19 Grad des Morgens, 14 Grad Mittags bei Sonnenschein und 17 Grad Abends nach Sonnenuntergang. Um Mitternacht zeigte sich bei einem heftigen Wind ein Kältegrad von 21 Grad. Die Temperatur der hiesigen Brunnen mit wenig tiefgelegenen Wasserspiegel zeigte zu keiner Zeit eine auffallende Diferenz, und enthilt meist 4 - 5 Grad Wärme nach Reaumur. Flüsse, Bäche oder Quellen sind hier keine vorhanden. c) Winde Winde sind meistens Süd- und Südostwinde, kommen auch von Norden und Nordosten, erheben sich aber selten zu einer Heftigkeit. Orcane tretten höchst selten ein. Während dem Wehen des Windes tritt in der Temperatur eine Variation von 1-2 Grad ein. Sehr kleine, fast unbedeutende Wirbelwinde erzeugen sich hiergegends öfters und treiben sich meist auf den Straßen und Wegen in Säulen von 1 1 / 2 bis 2 Schuh im Durchmesser und beiläufig 1 Klafter Höhe fort, sind aber ganz unschädlich und von keiner Bedeutung. Treiben bloß ein Spiel der Luftströmung mit dem Staube. d) Feuchtigkeit und Regen Regen sind durchschnittlich mäßig, Wolkenbrüche selten, anhaltende Regen nur im Oktober und November in den übrigen Monaten aber seltener und weniger anhaltend. Erwähnenswert ist es, daß am 21. und 22. July 1859 bei einem 30 Stund ununterbrochenen anhaltenden von den heftigsten Güssen begleiteten Regenwetter ein 4 112 Zollhoher Regen fiel. Gewöhnlich ein, zwei oder auch drei Tage nach dem Wehen des Südostwindes fällt gewiß immer ein Regen, der zu meist von einem etwas kühlen jedoch selten heftigen Winde begleitet wird. Nebelige Tage sind hier gewöhnlich im Anfang und zu Ende des Winters, dann im Anfang des Frühlings, wo dann die Feuchtigkeit bemerkbar wird. e) Gewitter Selten und wenige Gewitter durchziehen die hierländige Gegend, sind auch von kurzer Dauer, niemals länger als 2 bis 5 Stunden anhaltend und von mäßigen Blitzen und Donner begleitet. Entlehrungen geschehen meistens im Monat August. 263
Wirkungen der Gewitter folgen nach vorhergehender großer Hitze und Schwülle und kommen in der Zeitperiode von Anfangs May bis Ende August vor, am häufigsten aber im Monate July. Der Hagel der sich in dieser Gegend im Anfange des Frühlings und im Hochsommer gewöhnlich jedoch im geringeren Maße zeigt und die Gegend blas durchstreift, läßt nach sich selten bedeutend nachtheilige Folgen. Zu erwähnen ist, daß am 6. Jänner 1860 zwischen 9 und 10 Uhr abends hierorts bei einer etwas gelinden Temperatur das Donnern hörbar wurde.
f) Schnee Der erste Schnee fellt hier in der Regel und gewöhnlich im Monate November, welcher jedoch in etlichen Tagen entweder durch Südwinde oder Regen wegschmilzt. Dezember-Schnee schmilzt jedoch erst gegen Mitte Februar. Während des Schneefalls ist gewöhnlich die Luft milder sehr häufig aber bläßt der Nord- oder Nordostwind. Die Höhe des Schnees beträgt gewöhnlich 1 bis 2 Schuh, selten höher. Während der Schnee schmilzt ist die Temperatur sehr milde, und es weht meistens der Süd- oder Südostwind, gewöhnlich vom Regen begleitet. Es wird noch erwähnt, daß hier nach einer von 5. auf den 6. May 1860 12 Stunden anhaltenden kalten Nachtregen, am 6. May 1860 Vormittag zwischen 11 und 12 Uhr der Schneefall von den vollen 3 Stunden dauerte und an den Obstbäumen überhaupt einen namhaften Schaden verursachte. [Am 4. November 1858 berichtet die "Temesvarer Zeitung" auf Seite 1761 u. a. folgendes: Bei dem heuer so plötzlich gefallenen Schnee zeigten Spuren , daß sich in unserer Umgebung Wölfe einfanden die auch schon geringfügigen Schaden angerichtet haben.] g) Jahreszeiten 1 . D er Fr ü h l i n g : Tritt in der Hälfte des Monates März ein, die Hausschwalbe, der Storch kommen hier gewöhnlich Anfangs April an. Die Gartenarbeiten beginnen schon Mitten des Februars und Anfangs des Monats März. Hingegen die Feldarbeit erst im Monat April. Am 7. März 1860 fiel ein sehr starker Reif, der in den Gärten einen nicht unbedeutenden Schaden verursachte. Die angenehmsten Frühlingstage fretten in der 2. Hälfte des Monats May ein. Die Bäume blühen und belauben sich mit Ende April bis gegen halben May, wärend welcher Zeit auch die Feldblumen allmählich ihre Pracht entfalten. Gleichfalls beginnen um diese Z eit die Mücken, Fliegen und andere Insecten ihre Lebensthätigkeit. Die Bienen machen ihre ersten Ausflüge an sonnigen Tagen des Mays und April. 2 . Der So m m e r : Trittmitte Juny ein. Es reifen um diese Zeit Kirschen, Aprikosen, Birnen, Frühäpfel, verschiedene Gattungen Beeren. Bis 10. July wird auf den Feldern Frucht, Gerste, Korn zum Schnitte reif Im Monate July fällt gewöhnlich der stärkste Wärmegrad, wird aber oft bis zur Empfindlichkeit durch die Winde abgekühlt. 3 . D e r Herb s t: Beginnt Mitte September, um diese Zeit beginnt das Mähen des Mohars, das Kukurutzbrechen, die Weinlese, sowie überhaupt das Einernten und Einsammeln der Früchte beendet wird. Zur neuen Aussaat der Winterfrucht wird im Laufe des Monats Oktober geschritten, auch werden die Weingärten dann bedeckt. Das Laub fällt mit Ende Oktober von den Bäumen ab. Die Hausschwalbe, der Storch ziehen Mitte September in die wärmeren Gegenden. Die Stahre, Waldschnepfen, Krumetsvögel u.s.w. Schaaren sich Mitte Oktober zusammen, und beginnen sodann ihre Wanderzüge. Frost beginnt Anfangs November und in diesem Monate fällt gewöhnlich auch der erste Schnee, welcher meist nach einigen Tagen wegschmilzt. 4 . D er W in t e r: Beginnt mit Mitte December, die allgemeine Entlaubung der Bäume ist um diese Zeit bereits vollständig vor sich gegangen. Der Schnee fällt 1 bis 2 Schuh hoch. Die größten Schneegestöber sind im Monate Jänner und Februar. Schneeverwehungen kommen jedoch selten vor und sind unbedeutend.
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h) Luftdruck Der Luftdruck ist hier zu Lande manchmal sehr groß, und gibt zu Folge der tiefen geographischen Lage zu der meistens herrschenden Fieberkrankheit in der Sommerzeit Anlaß. Im Winter, bei minderen Drucke aber zu den entzündlichen Leiden Anlaß. B) Structur und Bestandtheile des Bodens Die Structur des Bodens ist der Art, daß die obere Schichte hervoragend viel Humus enthaltend während die untere Schichte gute Thonerde zeigt, und nur an wenigen Stellen findet man Sand. C) Pflanzen Die Vegetation ist hier eine allgemein gute, nur beschränkt sich unsere Botanik auf die wenigen hier vorkommenden im Hausgarten und bebauten Feldern wachsenden civilisirten Pflanzen, diese sind: [Im handgeschriebenen Original-Text ist der Name der Pflanze auch in lateinischer Sprache angegeben!] I. Feldpflanzen: Kukurutz- Zea Mays Waitzen Reps Hafer Traube Erdäpfel Gerste
2. Futtergräser: Klee Esparsette- Ono mibrichis Mohar Wicke
3. Legiminosen: Plattererbsen Erbsen Reis Linsen Bohnen 4 . Gartengewächse: Salat Zwiebel Gurke Knoblauch Melonen Schnittlauch Kürbisse Sellerie Weiße Rübe Rettig Kohl Gelbe Rübe Petersilie 5. Gesträuche: Agrasse Ribisel Tendel 6. Obstbäume: Birnen Apfel Quitten Mispel Pfirsich Aprikose
Himbeere Haselnuß Hagehute
Kirsche Nußbaum Maulbeere Zwetschken Vogelkirsche
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7 . Verschiedene Bäume: Linden Akazien Pappeln Esche Gladiche Ahorn Eiche 8. Blumen: Deren Cultur Hierlands wenig betrieben wird, jedoch befinden sich vor: Tulpe Märzfeilehen · Pfingstrose Lupine Schwert- Lilie Rose Hyazinthe Goldlack Stiefmütterchen Winde
D) Thi ere 1. Hausthiere: Das Pferd Der Esel DasRind DasSchwein Die zahme Ziege DerHund Die Katze Die Ratte
Die Hausmaus DerHahn DieHenne Die Ente Die Gans Der Puterhahn [Truthahn] Die Taube
2 . Wilde Thiere: DerHase Die Lerche Der Fuchs Die Schwalbe DerWolf Der Grümling Die Trappe DerStaar Die Wachtel Die Nachtigall Die Wildente Die Grasmücke DerSpatz Die Bachstelze Der Diestelfing Die Meise Der Zeisig Die Krähe 3 . lnsecten: Der Roßkäfer Der Mistkäfer Der Maikäfer Der Binschkäfer Der Springkäfer Das Johanniswürmchen Der Holzkäfer Das Gewürmehen DieSchabe Die Feldgrille Die Wanderheuschrecke Die Wespe
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Die Biene DieAmeise Die Bettwanze Die Viehbremse Die Stubenfliege Die Ringmücke Die Laus Der Floh Die Zecke DieSpine Die Kreutzspine Der Regenwurm
Bemerkungen Unter den Amphibien gibt es hier blos Kröten und Frösche. Unter den Reptilien aber meistens kleine Nattern, die unschädlich sind. Nachdem hier keine Flüsse und Bäche - somit sind auch keine Fische vorhanden. Die Wanderheuschrecke die im Jahre 1850 in der Umgebung bedeutende Verherungen angerichtet hat, war hierorts noch niemals zu sehen. Durch D. [emeter] Kiurszky Billet am 23. Aprill860 Not.[ar] Mit diesem bisher unveröffentlichten Bericht können wir eine große Lücke in der Geschichte von Bi IIed aus der Mitte des 19 Jh.s klären und schließen.
Wasser, Hochwasser, Wassertiere und Wasserpflanzen in und um Billet Wqs den Notar in seiner Ortsbeschreibung über Billet bewogen oder veranlaßt hatte, den folgenden Satz in seine Arbeit aufzunehmen, werden wir wahrscheinlich nie erfahren, er schreibt u. a. : . .. Nachdem hier keine Flüsse und Bäche sind somit sind auch keine Fische vorhanden. Es ist aber mit Sicherheit anzunehmen , daß er damit dem Agramer Bischof einen Gefallen oder Dienst erweisen mußte . Denn die Herrschaft von Billet kassierte doch den Pachtschilling der aus der Fischfangpacht einfloß . Also konnte doch nur der Grundherr ein Interesse daran haben, diese Einnahmequelle dem Staate gegenüber zu verheimlichen und zu verschweigen. Aus diesem Grunde scheint auch das Federwildpret und die Wasservögel die es in Billet so zahlreich gegeben hatte, in seiner Aufstellung nicht auf. Lediglich die Wildende wurde erwähnt, alle anderen waren eben ,.untergetaucht". Ein zweiter Punkt der in der oben erwähnten Ortsbeschreibung aus dem Jahre 1859/60 nicht stimmt und ebenfalls mit Absicht verschwiegen wurde, ist das Hochwasser, das es in Billet fast in jedem Frühjahr gegeben hatte. Es entspricht nicht den Tatsachen wenn es dort u. a. heißt: . .. Der Hotter liegt eben, wird aber ob Mangel eines in der Nähe liegenden Flusses von Oberschwemmungen nie Heimgesucht, höchstens daß nach anhaltenden Regengüsse oder nach starken Schneeschmelzungen etwas Wasser sich in den Niederungen Sammelt, welches aber keinen erhäblichen Schaden anrichtet. Dem Hausbuch des Mathias Siehold aus Neubeschenowa können wir im März des Jahres 1872 die folgende aufschlußreiche Eintragung entnehmen: ... Schrecklich ist das Wasser in unseren Feldern, fast alle Wege sind unfahrbahr und noch gefährlicher ist das Wasser im Tor o nt a l e r K o m i t a t , die Marosch ist bei Racz St. Peter ausgebrochen, über Lovrin, Bogarosch und Uyhel zwischen Klein-Betschkerek und Billet kam das Wasser vom Ried, ging über die Reichsstraße und ergießt sich über Klein-Jetscha, Groß-Jetscha, Gertjamosch schwellt sich am Eisenbahndamm an, so daß die ganzen Fluren überschwemmt sind. Zwischen Klein-Betschkerek und Billet kann nur mittels einer Bletten die Oberfuhr bewerkstelligt werden. Wir können nur froh sein, daß wir Eisenbahnen haben, sonst wäre es für ganz Banat gefehlt. Am 6. Mai kam seine Majestät Pranz Joseph I. nach Temeswar in Angelegenheit des großen Wassernotstandes und der vielen Wassergefahren im Banat. Heil unserm König.
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Martin Kurzhals schreibt in seinem Buch über das Hochwasser: ... In der Zeit von 1870-1880 waren die Wasserjahre. Der Boden konnte nur mit großer Mühe oder auch garnicht bebaut werden . ... Der Verkehr, selbst mit unbeladenen Wagen, war fast unmöglich. Das viele Wasser hatte keinen Ablauf, es stieg an tieferen Stellen bis zu zwei Meter an . ... Ergänzend zu dem Thema Hochwasser sei auch noch erwähnt. daß bereits im Jahre 1845 mit der Regulierung der Theiß begonnen wurde und aus diesem Grunde auf der Heide und auch in Billet Wasserregulierungs-Gesellschaften entstanden sind. Trotzdem wurde der Jergraben vor dem ersten Weltkrieg nicht reguliert, obwohl zum Beispiel für Billed seit 1909 fertige Pläne vorhanden waren. Der Durchführung aller dieser Entwässerungspläne stand hindernd entgegen , daß die Eisenbahnlinie Temeswar-Kikinda, westlich des Jergrabens bis Hatzfeld, keinerlei Durchlaß gewährte, der der Ableitung des Binnenwassers nach dem Süden hätte dienen können. Die Überschwemmungsfläche bei Hochwasser war in Billed zwischen den beiden Weltkriegen noch immer 1.000 bis 2.000 Joch. der Ernteausfall durch Überschwemmung betrug 30-40% in Billed. Die Überschwemmungsflächen traten nur in den klimatisch ungünstigen Jahren auf, in den anderen Jahren waren sie beackertes und bebautes Feld , bis auf einige Teile im großen und kleinen Ried und im "Hufeisen" . Zwischen Billed und Kleinbetschkerek waren noch vor dem Zweiten Weltkrieg weite Flächen der Überschwemmung ausgesetzt. Von den Jergrabendörfer haben Billed und Kleinbetschkerek die größten Überschwemmungsflächen. Die Senkung des Grundwasserspiegels betrug in Billed in den trockenen Jahren 3-4 Meter. In den Jahren in denen die Flüsse viel Wasser führen steigt der Grundwasserspiegel bis auf eine Spatenstichtiefe an. Im " Großen" und " Kleinen Ried" konnte man den Lauf des Jergrabens nur in einem Boot [Schinakel] verfolgen . In dem dichten Rohricht und Schilf fand man die verschiedensten Wasservögel auf ihren Nestern sitzen. Dieses ganze Gebiet warmit herrlichem Wassergeflügel übersät. Nie in meinem Leben sah ich mehr Rebhühner beisammen als dort. Aber auch die verschiedenen Reiher, Kraniche, Wildenten, Wildgänse, Schnepfen , Taucher, [Dukente] Stockenten , Rohrdommel, Wassertreter, Bleßhuhn und viele andere waren in diesem Ried zu Hause. Im Jahre 1912 wurde der Jergraben ab dem Billeder Wald bis zur Schließ durch das Ausheben eines Grabens. des "Wahlengrabens" , l;>egradigt. Durch diese Maßnahme wurde die Viertgässer Hutweite eine Insel und aus dem "Hufeisen" wurde ein Kreis. Knapp 100 Meter vom Wald entfernt führte ein Holzsteg, ca. 1m breit, über den " Wahlegraben" , die "Jägerbrücke". Hier hatten die Jäger die Möglichkeit den Graben zu Fuß zu übersetzen . Manche Jäger fuhren auch mit einem Boot [Schinakel] ins Schilf um zu jagen . Der " Wahlegraben" erhielt seinen Namen dadurch, weil die wahlwerbenden Parteien vor 1912, von einer Wahl zur anderen , immer wieder versprachen : nur wenn wir gewinnen, wird dieser Graben gebaut! So wurde dann endlich aus dem Wahlversprechen ein " Wahlegraben ".
Das Ende der Wojwodschaft Serbien und Temeser Banat (1860) Das sogenannte "Oktoberdiplom" vom 20. Oktober 1860 machte auch dieser Verwaltungsreform ein Ende. Mit Wirkung vom 1. Jänner 1861 wurde die "Wojwodschaft Serbien und Temeser Banat" durch kaiserliches Handschreiben vom 27 . Dezember 1860 aufgelöst und das ganze Gebiet unter gleichzeitiger Neuaufrichtung der ursprünglichen Komitate: Torontal , Temes und Karasch, wieder Ungarn einverleibt. Laut der "Temesvarer Zeitung" hatte Temeswar kaum jemals ein schöneres Neujahr, als im Jahre 1861 . Wie aber die Einwohner von Billet und den anderen deutschen Gemeinden im Banat reagierten , darüber steht nichts in diesem Blatt zu lesen , das übrigens in Temeswar, in der Wien er Gasse 6 4 erschienen ist. 268
FÜNFTER ABSCHNI1T Das Banat ein zweites Mal dem Königreich Ungarn angeschlossen (1861- 1918) Banater Schwabenlied Es brennt ein Weh, wie Kindertränen brennen , Wenn Elternherzen hart und stief gesinnt. 0, daß vom Mutterland uns Welten trennen Und wir dem Vaterland nur Fremde sind. Noch läuten uns der alten Heimat Glocken , Die Glocken unsrer Väter treu und schlicht, Doch frißt der Sturm ihr seliges Frohlocken Und Blitz auf Blitz zerstört das Friedenslicht Von deutscher Erde sind wir abgeglitten Auf diese In sel weit im Völkermeer, Doch , wo des Schwaben Pflug das Land durchschnitten, Wird deutsch die Erde und er weicht nicht mehr. Wer mag den Schwaben fremd im Lande schelten? Hier saß vor ihm der Türke, der Tartar. Er will als Herr auf seiner Scholle gelten , Ist Bürger hier und nicht ein Gast, fürwahr! Er hat geblutet in Prinz Eugens Heeren , Vertrieb den Feind, der hier im Land gehaust. Sein eigner König rief ihn einst in Ehren : " Pflüg' mir den Boden, wackre Schwabenfaust! " Aus einer Wüste ward ein blühend Eden , Aus Sümpfen hob sich eine neue Welt, Von diesem Land laßt deutsch und treuuns reden , Verachten den , der's nicht in Ehren hält. 0 Heimat, deutschen Schweißes stolze Blüte, Du Zeugin mancher herben VäternotWir segnen dich , auf daß dich Gott behüte, Wir stehn getreu zu dir in Not und Tod!
Adam Müller-Guttenbrunn.
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Der Ausgleich mit Ungarn im Jahre 1867 Die Schlacht bei Königgrätz Anfang Juli 1866 besiegelte das Schicksal Österreichs [Ausschluß aus dem "Deutschen Bund"] . Der verlorene Krieg beeinflußte die inneren Verhältnisse Österreichs ganz gewaltig. Am 17. Februar 1867 wurden die ungarischen Forderungen anerkannt und das Ausgleichsgesetz verwirklicht. Ein selbständiges Ungarn und freie Verwaltung in allen inneren Angelegenheiten wurde geschaffen . Die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn war damit wiederhergestellt und hat den Ungarn die Eigenstaatlichkeit zurückgegeben. Durch die Umbildung des österreichisch-deutschen Kaiserstaates zur österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie wurde der einst vom Prinzen Eugen erworbene Reichsboden , also auch das Banat, staatliches Ausland. Die Deutschen in Ungarn wurden jetzt nicht nur von Deutschland. dem Nationalstaat Bismarcks, sondern auch von der deutsch-österreichischen Landschaft politisch abgeschnitten. Sie wurden durch diesen "Ausgleich" endgültig dem Nationalstaat der Ungarn hingegeben und im wahrsten Sinne des Wortes geopfert. Die" Temesvarer Zeitung" vom 19. Februar 1867 Nr. 41 schrieb damals u. a .: Auf goldenem Blatte wird die Geschichte dieses Landes dereinst den heutigen Tag in ihre Gedenkbücher verzeichnen, denn der 18. Februar 1867 bedeutet Ungarns Wiedergeburt .. . mit ritterlichem Edelmuth hat Se. Majestät der König heute das der ungarischen Nation gegebene Versprechen eingelößt ... Dankerfüllt und tiefbewegt schlagen heute Millionen treuer Ungarnherzen dem heißgeliebten Monarchen entgegen, welcher durch die Wiederherstellung der ungarischen Verfassung des Landes Wünsche erfüllt und einer traurigschmerzlichen Zeit ein Ende gemacht hat . . . Wie das treue Ungarnvolk- dem König stets gegeben, was des Königs war- mit Gut und Blut den Thron und das Reich beschirmet, - so hat heute der hochherzigste König, das Vertrauen des Landes erwidernd, dem Volk zurückgegeben was des Volkes ist, sein Gesetz, seine Verfassung . .. Gott segne den König! Gott segne das Vaterland! "Fest umschling' der Eintracht Band König, Volk und Vaterland." Gleichzeitig berichtet die "Temesvarer Zeitung" über große Feste und Fackelzüge in Gyertyamos. Hatzfeld. Lippa, Csakova, Mercydorf. St. Andres. Reschitz, Steierdorf. Rekasch . usw. Erst eine Woche später. am 26. Februar. bringt dieselbe Zeitung eine sehr kurze und kühl gehaltene Meldung aus Billet: "Aus Billet wird uns gemeldet, daß auch hier die Wiederherstellung der Verfassung durch allgemeine Beleuchtung und Tags darauf durch ein Tedeum gefeiert wurde." Nur soviel konnte ich über die Stimmung unter der Bevölkerung in Billet aus den Tagen des Jahres 1867 in Erfahrung bringen. Dieses sehr magere Ergebnis stützt sich hauptsächlich auf eine systematische Durchsicht einer Reihe von deutschsprachigen Zeitungen aus dieser Zeit. Mehr dürfte heute an Unterlagen nicht mehr vorhanden sein. Erschwert wurde diese Arbeit durch den Umstand, daß diese deutschen Zeitungen in westlichen Bibliotheken nur zum Teil vorhanden sind. Auch über eine eventuelle Feier oder eines Festes anläßtich der Wiederkehr des 100. Gründungstagesvon Billet. im Jahre 1865. war nichts zu finden .
Billet und das Torontaler Komitat nach dem Ausgleich (1867) Schon am 15. Mai 1867 wurde das Komitat Torontal in drei Bezirke eingeteilt: I . Bezirk Groß St. Nikolaus. mit Sitz des Oberstuhlrichters 2. Bezirk Perjamos 3. Bezirk Billet Stuhlrichter in Billet war Paulovich und Jurassor lgnaz Kereßtes. 270
Am 18. Mai 1867 veröffentlichte das Amtsblatt nachstehende "Allerhöchste Entschließung: Durch Ernennung des Herrn Baron Liptay [Lovrin] zwn Obergespan des Baranyaer Comitats ist der Sitz des Abgeordneten vom Billeter Wahlbezirk im Hause der Volksrepräsentanten erledigt." Aus diesem Anlaß wurden im Bezirk Billet Neuwahlen ausgeschrieben über die die" Temesvarer Zeitung" vom 18 . Mai 1867 wie folgt berichtet: "Obwohl die neue Wahl noch nicht ausgeschrieben ist, sind bereits in allen Ortschaften des Billeter Bezirkes Wahlbewegungen bemerkbar, so daß dieser Gegenstand allenthalben das Tagesgespräch bildet. Diese Erscheinung ist wn so erfreulicher, als sie Zeugnis gibt, daß der hierländigen deutschen Bevölkerung, die bis jetzt bei den meisten öffentlichen Angelegenheiten sich passiv, ja beinahe gleichgiftig verhielt, der Werth der constitutionellen Verfassung einzuleuchten anfängt, und sie zwn Bewußtsein der wichtigen Rechte, die dieser Verfassung dem Staatsbürger gewährt, kommen. Es liegen von Gyertyamos Aufrufe von zwei verschiedenen Parteien vor. Die eine Partei wünscht einen Mann zu wählen der ein rechtschaffenes Herz besitzt, ein Sohn des Vokes ist, dessen Interessen er zu vertretten habe, und der dem Fortschritt hultigt, und empfielt einen solchen in der Person des Gyertyamoser Advocaten He r r n J o h a n n Hoff m a n n . Die zweite Partei drückt ihre Wünsche detaillierter aus, sagt gerade aus, wo sie der Schuh drückt, indem sie die verrosteten Obelstände des Bezirkes aufzählt, macht es dem zu wählenden Abgeordneten zur Pflicht, die Beseitigung derselben anzustreben, und räth einen Mann zu wählen, der hiezu Fähigkeiten hat, und zugleich das Bedrüfnis der Beseitigung mit den Wählern fühlt. In dem nun von dieser zweiten Partei unter den zahlreichen Bewerbern, der Director der wohlbekannten Handelsschule in PestHerr Ni k o l a u s R ö s er, als ein dieses Postens würdigen Mann empfohlen wird, wird diese Anempfehlung folgenderweise motivirt: In unserer Mitte geboren und erzogen, Sohn eines Bauers, der mit uns den Weg der Arbeit und des Schweißes gegangen, mit vielen Hinternissen kämpfend sich zu der ehrenvollen Stellung die er gegenwärtig einnimmt emporgerungen hat, in Erfahrung gereift und mit unseren Verhältnissen innigst vertraut, ist derselbe fähig, diese Verhältnisse von der Licht- und Schattenseite zu beurtheilen. Als wissenschaftlich gebildeter und durch praktische Obung in allen Zweigen vollendeter Handelsmann und Oekonom wird er leicht die früher angedeuteten Obel auffassen und vermög seiner Stellung, Bekanntschaft und seinen conexionen Mittel zur Abhilfe finden und dabei wirken, daß der Verkehr zwischen den Producenten und Käufer gesetzlich geregelt werde, unser Handel eine bestimmte gesetzliche Basis gewinne, unsere Abgaben und Lasten gleichförmig vertheilt werden und unsere Schulen ein heilsamere auf das Lebenswohl unserer Jugend abzielende praktische Einrichtung erhalten. Mit den Handelsverhältnissen des Auslandes vertraut und den Bedarf desselben kennend, können wir ferner von ihm hoffen, daß er unseren Producten neue lohnendere Absatzquellen eröffnet und so unseren Wohlstand fördern wird. Dies thut nicht nur dem Billeter Wahlbezirke, sondern unserem ganzen Lande Noth. Der Aufruf der R ö s e r p a r t e i hat einen lauten anhaltenden Widerhall in den Gemüthern der Wahlfähigen und Nichtwähler gefunden. " Im Wahlbezirk Billet gab es fünf Kandidaten: Daniel, Novak, Göd!, Termanchich und Röser. Hoffmann ist zurückgetreten wn als Landtagsdeputirter zu kandidieren. In einer seiner Wahlreden in Billet sagte Rösner u. a.: Das Vorspannwesen sei eines freien Bürgers unwürdige Einrichtung ... In ganz Ungarn findet man nur wenige Lehrer, die die Zeit begreifen, die ihrer Stellung gewachsen sind . ..
Bei der am 28. Mai 1867 stattgefundenen Wahl des Landesdeputierten für den Billeter Wahlbezirk wurdeN i k o I aus R ö s n er mit 539 Stimmen gewählt. Von den übrigen Kandidaten erhielten Novak 188, Termanchich 46, Göd! 25, Daniel 5 Stimmen. Dieser Zeitungsartikel und Wahlaufruf läßt bestimmende Gestalten wie Nikolaus Röser aus der Vergangenheit direkt zu uns sprechen und ermöglicht so einen objektiven Blick über das Geschehen bei den Wahlen und das Verhalten der deutschen Menschen zu ihren Kandidaten. 271
Ausall dem können wir für Billet folgendes Resümee ziehen: Die verantwortlichen Männer von Billet erwiesen sich als sehr aufgeschlossen. voller Initiativen , die weit über die Kirchturm spitze von Billet hinaus spähten . Der Handel war für Billet ein Wirtschaftsfaktor ersten Ranges geworden. Er brachte viel Geld ins Dorf und belebte nicht nur den Handel sondern auch das Gewerbe und die Landwirtschaft gleich viel und trug zur Hebung des Lebensstandards und zur Besserung der Lebensqualität der gesamten Bevölkerung von Billet bei. Den Bauern war es überlassen, die Art der Bewirtschaftung und die Art der Getreidesorten nach eigenem Gutdünken·zu bestimmen . Er konnte mit allen Früchten und Pflanzen seine Felder bebauen die ihm den größten Vorteil und Gewinn versprachen . Was das Verhältnis der Komitatsangestellten den Deutschen gegenüber anbelangt, kann gesagt werden. daß man den Deutschen als pünktlichen Steuerzahler und loyalen, pflichtbewußten und fleißigen Staatsbürger sehr hochschätzte. Viele sprachen perfekt ungari sch. wie nach 19 18 rumänisch . Dem ungarischen Stat1stiker Fenyes verdanken wir die Feststellung, daß der deutsche Bauernstand der wohlhabendste in ganz Ungarn sei , eine Tatsache , die auch bei den Deutschen im Banat zutage trat.
Die Madjarisierung im Banat Joseph II. hat die Einführung der deutschen Sprache als Amtssprache für die staatliche Verwaltung in Ungarn und Siebenbürgen durch die Tatsache begründet, daß der kleinste Teil der Bevölkerung ungarisch spricht, und die rumänische, deutsche und serbische Sprache weitaus mehr verbreitet ist. Im Jahre 1867 waren von den 13 .579.000 Einwohnern nur 6.170.000 Ungarn gegenüber 7.409.000 Nichtungarn. Deswegen verfolgten die Ungarn , als sie durch den mit der Habsburger Dynastie abgeschlossenen Vertrag die alleinigen und absoluten Herrscher des Landes wurden aus Ungarn einen ungarischen Nationalstaat zu machen . Damals gab es die verschiedenste Parolen zu hören und zu lesen , wie : U n g a r n wird u n g a r i s c h , o d e r verschwindet. Entweder wir assimilieren die Nationalitäten o der w i r geh e n u n t er. Die Regierung konnte jedoch gesetzlich die Familiennamen der Staatsbürger nicht madjarisieren . Diese Aufgabe übernahmen die Patrioten, welche durch alle Mittel der Regierung unterstützt wurden . Auch in Billied ließen sich einige ihre Namen madjarisieren , aber nicht aus Zwang oder Druck von oben, sondern einfach weil es zum guten Ton gehörte. Alle Lehrer und solche die sich als etwas Besseres fühlten sprachen noch in den dreißiger Jahren nur ungarisch miteinander. In Temeswar hat am 17. Juni 1914 ein Landwirtetag stattgefunden , bei dem ca. 10.000 deutsche Bauern versammelt waren . Die Leitung lag in der Hand des Bauernvereines, trotzdem wurden ca. 15 bis 16 ungarische und kaum 4 deutsche Reden gehalten. Die allmählich erfolgte Auflassung der deutschen Schulen in Ungarn brachte dem Deutschtum große Verluste. Die meisten deutschen Kinder erlernten ihre Muttersprache nur mangelh aft in Wort und Schrift zu gebrauchen . Viele überhaupt nicht, sie schämten sich ihrer deutschen Abstammung und gingen so für die große deutsche Gemeinschaft verloren. Der ungarische Statistiker Fenyes hebt lobend hervor, daß unter allen nicht ungarischen Völkern Ungarns die Deutschen die meiste Bereitschaft zur Erlernung der Staatssprache zeigen. Auch Kossuth hat sich einmal ähnlich geäußert in dem er sagte: Die Deutschen sind die besten Ungarn . Der ungarische Schulunterricht, die ungarische Justiz und Verwaltung, der Dienst beim Militär und im Beruf griffzerstörend in die nation ale Abgeschlossenheil auch in Billet ein . Nur die Frauen und Mütter bringen den Männern wieder aus dem Sinn, was sich im Laufe der Zeit von dem ungarischen Einfluß, festgesetzt hatte. Während die deutsche Jugend noch ihre Lieder aus der Urheimat sang, haben die Gebildeten in kürzester Zeit ihre deutsche Sprache vergessen und die ungarische angenommen. Die ungarische Regierung scheute vor den größten Geldopfern nicht zurück , um ihr Hauptziel , die gründliche Madjarisierung der anderssprachigen Jugend, zu erreichen. Bedienstete mit nichtungarischen Namen wurden unter Androhung der Entlassung gezwungen, ihre deutschen , rumänischen oder slawischen Namen abzulegen. Viele
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bescheidene Beamte und Arbeiter hofften mit einem ungarischen Namen im Berufsleben leichter vmwärts zu kommen und ließen sich ihre Namen madjarisieren. Wer kann sich heute die selischen Dramen vorstellen, die jeder Namensänderung vorausgegangen sind und sie begleitet haben? Sie bedeutete eine Loslösung von der Familie, von den Vorfahren und ihrer Tradition. Die Ungarn begnügten sich nicht damit. daß der unglückliche Beamte. Arbeiter oder Angestellte sich bei der Volkszählung als Ungar erklärte. seine Kinder in der ungarischen Schule großzog. zu Hause. auf der Straße und in der Gesellschaft ungarisch sprach. er forderte den Verzicht auf das letzte sichtbare Zeichen. welches ihn mit seinem Volk und seinen Ahnen verband: den Namen. Neben dieser Gruppe von deutschen Menschen gab es noch eine zweite Gruppe. denen es unangenehm war eine deutsche Mutter zu besitzen. Über sie schrieb Csaplovics bereits im Jahre 184~ u . a. folgendes: ... Es ist bei vielen Deutschen sogar zu bemerken, daß sie sich ihrer ehrenvollen deutschen Abkunft schämen, und selbst, .so lange sie ihre Sprache noch gut kennen, dieselbe mit Fremden nicht sprechen, sondern für geborene Magyaren gehalten werden wollen. Dies erklärt sich aus der geringschätzung, die Unvernünftige gewöhnlich den Deutschen fühlen lassen, und diese mit dem allgemeinen Namen der "Schwaben" bezeichnen. Diese Benennung ist dem Deutschen unangenehm, eben weil sie anzüglich ist . . .
Ereignisspiegel des Schulwesens in Billet (1870 -1918) Das Jahr 1877 brachte die Gründungzweier neuer Klassen und zwar einer Knaben- und einer Mädchen klasse. 1890 kam noch eine Klasse hinzu. sodaß am 15. September 1890 vier Knaben- und vier Mädchenkl assen bestanden. Von Oktober 1877 an wirkten die ersten zwei weiblichen Lehrkräfte an der Schule. Im Mai 1892 wurde die Lehrlingsschule gegründet. die bis 1950 bestand. [n der Zeitspanne von 1765 bis 1878 erfolgte der Unterricht ausschließlich in deutscher Sprache. Die Kinderzahl der einzelnen Klassen war sehr groß. sie schwankte zwischen 80-120 Schüler. Jede Klasse wurde von einer Lehrkraft geleitet. Es gab Knaben- und Mädchenklassen. Die Schulregister. Kataloge und Bücher wurden in deutscher Sprache. in Kurrentschrift geführt. Es bestand das sechsklassige Schulsystem. Bereits im Schuljahr 1878/79 wird die deutsche Sprache als Unterrichtssprache beseitigt und an ihrer Stelle die ungarische Sprache eingeführt. Alle Unterrichtsgegenstände werden in ungarischer Sprache vorgetragen. Die deutsche Sprache verbleibt nur als Unterrichtsfach. Der damalige Pfarrer von Billet. Pa u I Novak. hatte es von der Kanzel seinem deutschen "Pfarrvolk" zugerufen: Wer ungarisches Brot esse, der müsse auch die ungarische Sprache lernen. Zwischen den Schuljahren 1878/79 bis einschließlich 1889/90 sind die Schuldokumente, Register und Kataloge sowohl in ungarischer als auch in deutscher Sprache vorgedruckt und geführt. Ab dem Schuljahr 1890/91 wurde auch der Lehrgegenstand Deutsche Sprache aus dem Lehrplan gestrichen. Alle Schuldokumente werden nur mehr in ungarischer Sprache gedruckt und geführt. Auch die Namen der Schüler werden ungarisch geschrieben. So hieß jetzt plötzlich der Johann - Jan6s, der Nikolaus- Miklos, Franz- Ferenc, Katharina- Katalin , Elisabeth Erszebet, Barbara- Borbäla usw . Der einsetzende ungarische Schulunterricht griff zerstörend in die nationale Abgeschlossenheit in Billet ein. Selbst den Lehrern drohte eine Disziplinaruntersuchung oder gar eine zwangsweise Pensionierung, wenn ihre Erfolge im Unterricht der madjarischen Sprache sich als unzureichend erwiesen. Diese Bestrebungen aus den deutschen Menschen echte Ungarn zu machen dauerte bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, also bis zum Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie an. Das mußte bei allen Billeter Kindern, die bei Schuleintritt nur ihre schwäbische Mundart beherrschten , dazu führen, daß sie im Verlauf ihrer Volksschulzeit in der Regel nicht richtig deutsch lernten, aber auch das Ungarische niemals perfekt erlernten, und so in den meisten Fällen nur gebrochen sprachen. Durch die Einführung des 273
Apponyischen Schulgesetzes im Jahre 1907 wurden die Minderheiten in Ungarn sehr stark benachteiligt und rief eine verstärkte nationale Reaktion auch unter den Deutschen im Banat hervor.
Der Kindergarten in Billed (1892) Am 7. November 1892 wurde der Kindergarten- "Spielschule" genannt- errichtet und zu diesem Zwecke in der Kirchengasse, dem Pfarrhaus gegenüber im Brunnersehen Hause, das nötige Lokal gemietet. Die erste Leiterin war Barbara Grünauer. Ihr folgte im Jahre 1903 Barbara Eichert, verehelichte Rieder, die die Leitung bis zu ihrer im Jahre 1936 erfolgten Pensionierung innehatte. Die Zahl der den Kindergarten besuchenden Kinder war anfänglich nicht mehr als 5~0 , da der Besuch nicht verpflichtend und mit Taxen verbunden war. In den späteren Jahren wurde der Besuch für alle Kinder im Alter von 3-6 Jahren verpflichtend . Die Zahl der Kinder stieg auf 120-130. Im Jahre 1912 erwarb die Gemeinde von dem Agramer Bistum das herrschaftliche Verwalterhaus. welches dann dem Kindergarten die nötigen Räumlichkeiten , wie auch der Leiterin Wohnung bot. [Nr. 233] Im Jahre 1936 schickte die Schulbehörde eine rumänische Leiterin , Stafiescu, geborene Lobo~an Gratiana. die im Jahre 1938 durch Wilhelmine Borka abgelöst wurde . Nach 1944 steigt. infolge der Ansiedlung von Rumänen. die Zahl der rumänischen Kinder stark an. Deshalb wurde auch eine rumänische Sektion eingeführt. Das Kindergartengebäude war bald darauf nicht mehr für beide Sektionen [deutsche und rumänische] ausreichend. Deshalb wurde der deutsche Kindergarten im Hause des Mumper Jakob Nr. 240 untergebracht [1950]. Mit Hilfe der Eltern wurden die Räumlichkeiten zweckentsprechend umgestaltet und eingerichtet. hn alten Kindergartengebäude verblieb der rumänische Kindergarten , der zu einem ganztägig funktionierenden Kindergarten umgeändert wurde (8-18 Uhr]. Dieser Kindergarten funktioniert nur mit einer rumänischen Sektion und wird von jenen Kindern besucht [Rumänen und Deutsche] deren Mütter berufstätig sind. Die Kinderwerden jetzt von 4 Kindergärtnerinnen betreut. Borka Wilhelmine leitete den deutschen Kindergarten bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 1953. Ihr folgte Thöres Inge als Leiterin bis zum 28. II. 1955 , dann Roman Maria, geb. Pierre, bis zum 30. XI. 1955. Vom 1. März 1956 leitete Weber Margarete, geb. Divo, den deutschen Kindergarten. Die Kinderzahl war ungefähr 60, die Kinder wurden dem Alter nach in 3 Gruppen aufgeteilt. hn September 1956 übersiedelte der deutsche Kindergarten in das Haus des Glassen Peter [Kirchengasse Nr. 244]. Diese Räumlichkeiten wurden wieder mit Hilfe der Eltern umgestaltet, teilweise umgebaut und zum Kindergarten eingerichtet. Die Kinderzahl war groß [bis zu 96 Kinder], in 4 Gruppen aufgeteilt, die von der Kindergärtnerin Weber Margarete betreut wurden . Ihr stand eine Helferin zur Seite. Im Jahre 1953 wurde noch ein Kindergarten gegründet. und zwar für die Kinder der LPGMitglieder, mit einer rumänischen und ab 1956 auch mit einer deutschen Sektion . Anfangs hatte diese deutsche Sektion 2 Klassen [mit 4 Gruppen]. Im Februar 1965 wurde der deutsche Gemeindekindergarten aus der Kirchengasse Nr. 244 mit dem Kindergarten der LPG zusammengeschlossen und übersiedelte in das Gebäude des LPG-K.indergartens [Haus des Zimmer Jakob Nr. 471, Altgasse ]. Dort funktionierte die deutsche Sektion in 3 Klassen mit 25-30 Kindem je Klasse und mit 3 Kindergärtnerinnen. Im Februar 1970 übersiedelte der LPG-Kindergarten in das von der LPG neu errichtete Gebäude in der Hauptgasse, wo der Kindergarten sich auch heute befindet. Die deutsche Sektion hat nur mehr zwei Klassen mit 2 Kindergärtnerinnen.
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Im Jahre 1965 wurde die dritte Kindergarteneinheit gegründet. für die Kinder der Arbeiter und Angestellten aus der Billeder Hanfrösterei. Tagesprogramm von 8-18 Uhr. Die Kinder werden von 2 Kindergärtnerinnen betreut . Der Kindergarten funktioniert nur mit einer rumänischen Sektion.
Notizen mit Spitzen in der "Temesvarer Zeitung" anno 1867 Es wäre wünschenswert, daß uns auch für die Zeit vor 1848 ähnliche Zeitungsnotizen und "Kleine Anzeigen" zur Verfügung stünden. Es folgen nun zwei Annoncen, die im Jahre 1867 in der "Temesvarer Zeitung" erschienen sind und von der Grundherrschaft in Billet bzw. vom Billeter Notariat aufgegeben wurden . In einer dritten Annonce werden Dreschmaschinen zum Verkauf angeboten. Aus einer "Kundmachung" in der "Temesvarer Zeitung" vom Samstag den 9. Juni 1867 erfahren wir einige Daten die uns gestatten, in die damaligen Verhältnisse einige Blicke zu tun. Das in dieser Kundmachung zur Pacht angebotene Brauhaus liegt zwei Kilometer nordwestlich von Sandorhäza [Sörhazpußta = Bierhauspusta] und ist auf der Karte von Billed eingezeichnet. Ebenso sind die 100 Joch Allodialgründe westlich von der Landstraße als "Bräuhausflur" eingezeichnet. Kundmachung Seitens der im Torontaler Comitate liegenden Agramer erzbischöflichen Herrschaft Billet wird bekannt gemacht, daß die an der Temesvar-Szegediner Landstraße befindliche Brennerei zu Pakota nächst Sandorhiiza, mit dem dazu gehörigen Brauhause, zweien Schüttkästen, Dampf- und Roßmühle, Maststallung auf 200 Stück Hornvieh, 9 Wohnbestandtheilen, alles mit Requisiten versehen und mit dem V ortheile eines gesunden Trinkwassers, auf 6 Jahre oder auch mehr zu verpachten sei ... Ferner 100 Joch in bester Qualität befindlichen Allodial-Gründen behufs Kukuruz- oder Rübenerzeugung angeboten werden. Die hierauf reflectirenden und im Besitze einer Hypothek befindlichen Pachtlustigen werden höflichst angegangen ihre auf das Pachtobject bezughabenden geschlossenen Offerte in frankirten Briefen an das "Billeter herrschaftliche Präfectoral" bis Ende Juni I. J. gefälligst einsenden zu wollen, allwo auch die Pachtbedingnisse einzusehen sind. Billet, 5. Juni 1867 Wie mit dem Nachlaß eines verstorbenen Kleinhäuslers verfahren wurde können wir an Hand einer "Licitations-Kundmachung" in der "Temesvarer Zeitung" vom 16. Juni 1867 ersehen. Zwei Jahre nachdem in Billet der Neumanns Vetter Franz verstorben war, stand folgende Anzeige in der " Temesvarer Zeitung": Licitations-Kundmachung Es wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß auf Grund der herabgelangten Genehmigung des löbl. Torontaler Comitats-Waisenstuhlgerichtes Groß Becskerek dto. 25. Februar 1867 Z1. 517 ex. 1865 die öffentliche Lidtation im Gemeindehause zu Billet am 23. Juni und 7. Juli 1867 jedesmal in den Nachmittagsstunden, behufs Veräußerung der zur Verlassmasse nach Franz Neumann gehörigen, im Billeter Ortsterrain unter C Nr. 343 gelegenen Realitäten, bestehend aus einem Urb. Kleinhause, welches auf 700 fl. österr. Währung, dann aus einem 1/ 2 Joch IndustriealWeingarten welcher auf 150 Gulden österr. Währung geschätzt wurde, abgehalten werden wird. Die obbezeichneten Realitäten dürfen auch bei der zweiten Lidtation nicht unter dem Schätzungswerthe verkauft werden. Die nähere Auskünfte über die vortheilhaften Bedingnisse können täglich beim gefertigten Notariate ertheilt werden Gemeinde-Notariat Billet, am 14. Juni 1867 275
Das Jahr 1863 war ein furchtbares Dürrejahr, jede Saat, das Gras auf den Wiesen , die Sträucher ja selbst viele Bäume verdorrten. Ende Mai des Jahres 1866 gab es einen so starken Nachtfrost, daß sämtliche Obstkulturen und die Saat auf den Feldern erfroren ist. Von 1870-1880 waren die gefürchteten Wasserjahre, in denen sowohl die Felder als auch der Ort selbst, an den tiefer gelegenen Stellen, überschwemmt wurde . Am 17. April des Jahres 1894 wütete ein orkanartiger Sturm über Billed, der sehr großen Schaden anrichtete . Ähnliche Sturmkatastrophen gab es noch in den Jahren: 1924, 1935, 1936, 1942, 1951 und 1970. In alldiesen Jahren entstanden große Schäden an Gebäuden und Fluren . Im Jänner und Februar des Jahres 1899 war es in Billed so warm , daß die Männer mit ihren Stülpkörben im Wasser Fische fangen konnten. Dagegen fing es im März zu schneien an und es wurde so kalt, daß an den Hausdächern bis zu 3 Schuh [100 cm]Iange Eiszapfen hingen. Im Winter des Jahres 1900/ 01 gab es in Billed überhaupt keinen Schnee. Der strenge Frost dauerte bis Ende Februar.
Die Eisenbahnlinie Temeswar-Billet-Groß-St. Nikolaus. Ihre bahnbrechende wirtschaftliche Bedeutung (1895) Mit dem Bau der Bahnlinie und ihrer Eröffnung beginnt ein neuer wirtschaftlicher Abschnitt unserer Heimatgemeinde Billet. Die Eisenbahnstrecke Temeswar-Nagy-Szent-Miklos brachte unseren Großeltern einen Zeitabschnitt wirtschaftlichen Gedeihens. Der insgesamt 61 ,6 km lange Schienenweg eröffnete sowohl den landwirtschaftlichen Produkten wie Getreide, Vieh , Hanf usw. aber auch den gewerblichen Erzeugnissen den Zugang zu fernen Absatzmärkten . Die ganze Wirtschaft erfuhr neue Impulse, was sich bald auf der ganzen Heide bemerkbar machte. Freilich nicht alle Menschen waren von der Eisenbahn begeistert und als am 26. November 1895 die erste Lokomotive mit den Personen- und Güterwaggonsam Kalvarienberg vorbei nach Billet pustete, mit ihrem lauten Schnauben die Viehherden auf der Zweitgässer Hutweide in die Flucht jagte, wetterten und verfluchten viele das Dampfroß. Diese [unsere]Iokale Eisenbahnlinie hatte acht Bahnstationen : Temeswar, Neubeschenowa, Kleinbetschkerek, Billet, Alexanderhausen , Lovrin , Triebswetter und Groß-St. Nikolaus. Sie verbindet Billet mit Großbetschkerek, dem Komitatssitz und Stappelplatz des Begakanals, sie verbindet Billet mit Temeswar, Budapest, Wien und der ganzen Welt. Erst die Eisenbahn machte es möglich , das die Menschen im Gebirge und die in der Ebene ihren Überfluß gegenseitig austauschen konnten. Sie bringt die Früchte der Bauern ins Gebirge und den Kalk, Stein, das Holz , Eisen , Kupfer und die Kohle der Gebirgsbewohner in die Dörfer auf der Heide. Der Aufschwung durch die Eisenbahn führte zu einem schwunghaften Handel , dazu kam, daß sich in Billet auch Industrie ansiedelte, die für die weitere Entwicklung ausschlaggebend war. Es braucht nicht eigens betont zu werden, daß dadurch Arbeitsplätze geschaffen wurden , die der nicht bäuerlichen und ärmeren Bevölkerung zum Vorteil gereichte. Aber auch der Bauer in Billet ahnte, daß er neben der Eisenbahn nicht der alte Bauer bleiben kann, daß der moderne Verkehr nicht nur ein neues Land schaffe, sondern auch neue Menschen . Die Baukosten dieser Bahnlinie betrugen 5.596.600 Kronen. Im Jahre 1915 , also zwanzig Jahre nach ihrer Eröffnung und am Beginn des Ersten Weltkrieges, beförderte die Bahn auf dieser Strecke 328.333 Personen und 45 .185 Tonnen Waren , was einen Gewinn von 141.727 Kronen erbrachte. Über Billet selbst waren keine statistischen Zahlen zu erforschen , was eigentlich sehr schade ist, denn erst durch die Zahlen können wir uns ein Bild davon machen , wieviele Tonnen Ware und Lebendvieh hier verladen und ausgeliefert wurden . 276
Die Binnenwanderung und die Billeter Kolonisten Hand in Hand mit den Versteigerungen der einzelnen Dörfer und Herrschaften an die meistbie tenden privaten Grundherrn setzte nicht nur in Billet, sondern im ganzen Banat, die Binnenwanderung ein . Die Ursache der Binn enwanderung war der Bevölkerun gsdruck in den bereits besiedelten G emeinden , der durch di e Rechts- und Erbverhältnisse hervorgerufen wurde . Die meisten Orte, di e während des "D r i t t e n S c h w a b e n z u g e s " im Ban at angesiedelt wurden , erhi elten ihre Kolonisten nicht nur aus dem Deutschen Reich , sondern auch aus den Reihen der Bana ter Koloni stensöhne der deutschen H eidegem einden, für die in ihren Dörfern kein Grund und Boden zur Verfügung stand . So wurde gerade in Billet, in der Zeit nach der Ortsgründung bis zum Jahre 1800 , trotz der ho hen Verluste durch Todesfäll e und Flucht, durch immer neuen Nachschub von Kolonistenfamilien und dem Kinderreichtum , di e Einwohn erzahl verdoppelt und bi s zum Jahre 1821 sogar verdreifacht. Hi er eine Übersicht über die Einwohnerzahlen von Billet in dieser schicksalsschwe ren Epoche : Im Jahre 1766- 705 Einwohn er zehn Jahre spä ter 1776- 1171 Einwohn er 25 Jahre spä ter 1792 - 1793 Einwohn er 50 Jahre später 182 1- 3205 E inwohner Mit dieser Einwohn erzahl von 3205 Personen lag Bille t damals hinter Wersche tz mit 4 .994 , H atzfeld mit 4 .807, Neuarad mit 3.42 1 und Groß St. Nikolaus mit 3.299 Einwohnern an der fünften Stell e der Bana ter Dö rfer. Buchberg mit 24 Einwohnern und Lichtenwald mit fünf, bilde ten dam als das " Schlußlicht" der 11 4 Dörfer mit deutschen Einwohn ern . Famili en mit acht bi s zwölf Kindern waren damals keine Seltenheit. Hatte nun ein Familien vater nur ein e halbe Session Grund zur Bewirtschaftung, so konnte er diesen nur einem Sohn ve rerben, all e anderen mußten sich anderweitig ihr Brot verdienen. Ein e Aufteilung der Sessionen war vom Grundherrn verboten und hä tte auch nicht viel gebracht, da man dam als von einem einigen Joch großem Feld allein nicht leben konnte. So blieb nichts anderes übrig, als daß diese Kinder, die vom Vater oder der Grundherrsch aft kein Feld bekamen, heirateten, und sich in einem anderen Dorf, wo noch leere Sessionen zu bekommen waren, beim Grundherrn um diese bewarben und dann für alle Zeit "ihrem" Bille t den Rücken kehrten . Die natürliche Begleiterscheinung di eser Umwandlung des Dorfes war das Anwachsen und di e Zunahme einer Schicht von Zwergbesitzern mit einer von Tag zu Tag fragwürdiger werdenden Existenzgrundlage, der völlig Besitzlosen und der Dorfhandwerker, die zum Teil ihrem Berufe nachgingen und ihn ausübten, zum Teil sich in der Landwirtschaft das hinzuverdienten, was sie brauchten , um sich mit ihrer Familie über Wasser halten zu können . D r. Matz Hoffmann schreibt in seinem H eimatbuch " Hundertfünfzig Jahre deutsches G erti anosch " auf Seite 26, über di e Bill eter Koloni stenfamilien u. a. fol gendes: ... "in Gertianosch haben sich auch Eileder Familien angesiedelt. Es war wie Lovrin ein Nachwuchsdorf Söhne und Töchter die in ihren Heimatorten keinen Grund und Boden bekamen wanderten aus. Die m e is t e n F a m i I i e n n a m e n d e r A n s i e d I e r s i n d i n B i I e d n i c h t m e h r b ekannt , si e sind aus ge st o rb e n und auch au sge wand e rt . Nach O rczydo rf [Orczyfalva] sin d aus Bille t di e folgenden Personen ausgewandert : Oie: I rid1 Heinrich . Hi rsch Chri sti an . Klop Martin . Klop Nikolaus. Koch Josef. Roth Mathi as . Roth Peter un d Till Jako b. Für di e fr eundli che Ü bersendung di eses A uszuges aus den Kirchenbüchern von O rczvdorf dank e ich Frau Dipl. lng. Gertrude Adam. Bruck/ Leitha. Orczydorf wurde im Jahre 17f\ 5 gegründet und ha tte 200 Häuser. I 00 ganze und I 00 halbe An sässigkeilen . Nach Lovrin . das im Jahre 1779/RO mi t deutschen Kolonisten besiedelt wurde, zog der aus Münzthal. Kr. Saargemünd . Lo thrin gen nach Billet eingewanderte Filipp Apfel mit seinem bereits in Bill e t ge borenen Sohn Jako b. Beide sind im Jahre 1785 in Lovrin ve rstorben.
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Nach Lazarfeld. im heutigen logoslawischen Banat. sind die beiden Bille ter Einwohner Johann Georg Schiller und Bernhard Donn avell gezogen. Für diese freundliche Mitteilung dank e ich Herrn Dr. Helmut Zwimer Homburg/Saar. Vergleiche hierzu auch das Lazarfelder Heima tbuch. das im Vorjahr erschienen ist . Der Nachbarort von Billet. Knes gehörte zum St. Andrascher Rentamt und hatte 294 Hä user. 15 9 ganze . 91 halbe. 19 viertel und 4 achtel Ansässigkeiten sowie 2 I Häusler. Laut einem Vertrag aus dem Jahre 1796 wurden 23 " Bi II i e t er Kamera I Unter t h an e n " auf 13 ganzen . 7 halben und 3 viertel verlassenen Ansässigkeiten in dem Dorfe Knes angesiedelt. Die ganze Situation beleuchtet ein .. Contract". der im Jahre 1925 auf einem Dachboden in Knes gefu~den wurde . Für die freundliche Überlassung einer Kopie dieses Dokumentes sei einem Landsmann gedankt. der nicht genannt sein will.
Contract Welcher unter heutig zu ende gesetzten Dattum zwischen dem König/. St. Andrascher Kamera/ RentAmt an einer und deren die 23 abgestiftete [herrenlose, verlassenen] Kneser Gründe übernehmenden Billieter Kamera/ Unterthanen, nach hoher Verwilligung von 9. November 1796 Nr. 255 verabredet und geschlossen worden. 1-tens übergibt dieses König!. Cameral RentAmt von den Kneser abgestifteten Costitutio [gesetzlichen], Gründen nach besehen ordentlicher Losung, den Billieter: Franz Eichert Johann Kirsch Johann Unti Johann Stoß Wilhelm Wull Franz Schlawek Niklo Karch Johann Lauer Niklos Karch Anton Unti Jakob Krauser Joseph Hann Jakob Machchotta Peter Daniel Johann Theister Johann Theister Peter Kramp Peter Lauer PeterBauer Valentin Tham Johann Kirsch Lampert Daniel Nikolaus Mann Erbeigentlich mit dem ausdrücklichen vorbehalt, daß die Obernehmer dieser Gründen 2-tens die curente Contributions, und Urbarial abgaben vom 1-ten November 1796 fortlaufend bar und richtig bezahlen, die Zehend Gebühren entrichten und sich der Gemeindedienstleistungen unterziehen, oder diesfalls bis zur bewirkten Häuserherstellung Conveniren [Zusammenkommen lassen]. Nichtminder 3-tens die auf vorstehenden Gründen lastende Contributions Rückstände mit 377.50 dann Urbarial Resten 2.173.89 Zusammen 2.551 .39 Gulden in sechs Jährigen Ratfis in sollidum [die ganze Summe] bezahlen sollen und wollen. Und so weiter auch 4-tens für jede Grundes Ansässigkeif ein Haus, folgbar 23 Häuser mit einem Zimmer, Kuchl, Kammer, Stallung und Schupfen auf eigene Lasten, in der Ordnung und Reyhe, nach amtlicher Plätzen zutheilung herstellen. Es folgt nun eine Aufstellung über das für 23 Häuser notwendige Baumaterial sowie das für die zu errichtenden 23 Brunnen. Weiters wird noch vermerkt. daß : ... "endlich von der Zurheilung der anverlangten 23 Joch
Weingarten Abstand genommen wird. " So geschehen St. Andrasch den 23-ten Jänner 1797. Mit der Besiedlung des Ortes Baratzhausen im Jahre 1832 mit deutschen Siedlern wollen wir diesen Beitrag absch ließen. Für di e freundliche Überlassung der Namen von Billeter Erst- und Zweitkolonisten danke ich Herrn Peter Schannen aus Breiten scheid . Wie wir sehen könn en , suchte eine ganz große Anzahl von unzufriedenen Kolonistenkindern. die schon in Billet geboren wurden. in Baratzhausen [Barndjas, rum . Bäräteaz] ihr Fortkommen . Es waren aber nicht nur Bauernsöhne die auszogen. sondern mit diesen kamen auch die Nachkommen von Hand-
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werkern ins Dorf. Einer von ihnen war der im Jahre 1849 aus Billet ausgewanderte Schmiedemeister Franz ·Lauer. Unter den ersten deutschen Siedlern von Baratzhausen befanden sich die folgenden Personen aus Billet: im Jahre i832 Johann Ritter und Mathias Ritter im Jahre 1849 Franz Lauer im Jahre 1850 Josef Weiter im Jahre 1851 Mathias Dix , Nikolaus Dix, Konrad Kneip im Jahre 1854 Mathias Bayer im Jah t:_e 1~60 Jakob Bichler Weitere Familien, von denen der Zeitpunkt der Ansiedlung in Baratzhausen nicht genau bekannt ist, die auch aus Billet stammten , wurden dort angesiedelt: Brick, Galo, Gergen, Glaß, Federspiel. Rausch, Ramacher, Neiß, Speicher und Schmidt. Als im Jahre 1865 in Baratzhausen der "Neue Friedhof" geweiht wurde, hatte man den aus Billet stammenden Johann Mettzen, als ersten Toten auf diesem Friedhof beigesetzt. Bei der Ortsgründung hieß Baratshausen ungarisch Paratzhaz und hatte 103 Häuser. Sehr vielsagend ist auch die Tatsache, daß in dem Ort Darowa bei Lugosch heute, im Jahre 1980. noch die ..Billeter Wisse" bearbeitet werden! Es ist also mit Sicherheit anzunehmen, daß bei der Ortsgründung von Darowa, deutsche Siedler aus Billet dabei mitgeholfen haben und auch angesiedelt wurden . So ergossen sich Jahr für Jahr die Scharen der deutschen Jugend aus Billet in das Banat, zerstreuten sich auch oft unter die Rumänen, Ungarn, Serben und Bulgaren , un<J,.deutsche Hände und deutscher Geist arbeitete schon damals wie auch heuteamAufbau fremder Nationen. Was die deutschen Einwanderer für diese Nationen bedeuteten, was sie in Ungarn an Aufbauarbeit geleistet habe, das ist viel zu wenig bekannt. Gewiß diente ihre Arbeit schon damals auch der Ehre des deutschen Namens im Südosten Europas, aber in erster Linie und vor allem seit 1945 nur mehr ausschließlich jenen Ländern, an die das Banat nach dem Ersten Weltkrieg aufgeteilt wurde . Niemand wird uns, den Nachkommen dieser deutschen Kolonisten, das schmerzliche Bedauern übelnehmen. daß alle diese Leistungen heute fremden Nationen zugute gekommen sind, ja daß sie sich in entscheidungsschwerster Stunde in den Jahren 1944/45 zum Verhängnis der deutschen im Banat ausgewirkt haben . Im 19 . Jahrhundert ist man sich dieser Siedlungs- und Binnenwanderungsbewegung unserer Vorfahren im Banat nur deshalb nicht bewußt worden, weil sie niemals registriert wurde. Diese vielen unbekannten , auf sich allein gestellten , vom Kaiser und Staat vollkommen verlassenen deutschen Siedler mußten ihr Leiden und ihre Verluste allein tragen , sofern sie daran nicht zerbrachen . Infolge der Binnenwanderung verschob sich im Banat das Verhältnis der Nationalitäten zueinander gegen das bei der Ansiedlung. Von denen mit einer nichtdeutschenMehrheitangelegten Gemeinden wie : Groß St. Nikolaus, Sarafalva, St. Peter, Nero, Komlosch, Viseschdia, Lovrin, Warjasch, Kleinbetschkerek und Gertianosch sind durch ständige Abwanderung der Serben und Rumänen und der Zuwanderung von Deutschen einige Gemeinden zu deutschen Mehrheitsgemeinden geworden . Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich dieses Bild um 180 Grad gewendet und aus der bis dahin rein deutschen Gemeinde Billed wurde durch die Zuwanderung rumänischer Familien eine rumänische Mehrheitsgemeinde.
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Die Auswanderer nach Übersee Dieser Beitrag unseres Heimatbuches soll und will von den Schicksalen jener Billeder Landsleute erzählen, die fern von der alten Heimat draußen in der Welt den Lebensraum suchen mußten , der ihnen daheim versagt war. Wie stark der Drang zur Auswanderung bereitsamEnde des 19. Jahrhunderts in Billed war, geht aus den folgenden Zahlen hervor. Im Jahre 1892, also drei Jahre bevor der Ort an das Eisenbahnnetz angeschlossen war, zählte man 4.993 Einwohner. Dies war die höchste Einwohnerzahl die Billed vor dem Zweiten Weltkriege je erreichte. Im Jahre 1900, also nur fünf Jahre nach der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Temeswar-Billed-Groß St. Nikolaus sank diese Zahl aUf 3.548 Personen herab. Das heißt also, daß in dieser kurzen Zeit 1.445 Personen Billed verließen und ausgewandert sind. Diese Zahl deckt sich ganz genau mit einer Statistik aus dem Jahre 1938. Damals lebten ungefähr 1.500 Personen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, deren Elternhaus in Billed stand. In Chicaco, in jener Stadt wo die meisten Billeder Fuß fassen konnten, entstand eine Tochterniederlassung von ehemaligen Billeder Einwohnern. Daß schon damals die Not und der Kampf ums "Tägliche-Brot" die Triebfeder der Wandernot waren ist eine überlieferte Tatsache. So haben schon in den siebziger Jahren des 19. Jh .s während der Krise des Handwerks, viele Facharbeiter Billed und dem Banat den Rücken gekehrt. Sie kamen meistens aus kinderreichen Familien und waren " Randsiedler" in den Nebengassen. Sie waren auch keine Bauern sondern eben Handwerker, Arbeiter und Taglöhner. Die ersten Familien , die uns heute noch namentlich bekannt sind und von Billed nach Amerika ausgewandert sind, waren die Familien Nikolaus Hement und Franz Batze. Vor der Abfahrt am 2. November 1901 gingen sie noch zur Beichte und zur heiligen Kommunion in Billed. Sie erschauerten vor dem weiten Weg und dem großen Wasser welches sie zu überqueren hatten . Die Fahrt auf dem Schiff über den Ozean dauerte 13 Tage . Das Am,erikalied mit seinen neun Strophen kam auf und wurde auch in Bi IIed in der " Reih" gesungen. Es endete: "Dort ißt man täglich Butterbrot Und trinkt dazu Amerikawein Und läßt Ungarn , Ungarn sein." Von der im 19. Jh. begonnenen und im 20. Jh . fortgesetzten Völkerwanderung nach Amerika bekommt man eine Vorstellung, wenn man bedenkt, daß allein aus dem Banat ca. 90.000 deutsche Menschen nach Amerika ausgewandert sind. Merkwürdigerweise, die reichsten Gegenden Südungams, das Torontaler Komitat wo unsere Heimat, die reiche Heide liegt, hatte die größte Auswanderung zu verzeichnen . Erst dann folgt das Komitat Temesch. So ist es auch erklärlich , daß nach der amtlichen Volkszählung von 1910 die Anzahl der Deutschen im Torontaler Komitat von 176.582 auf 158.312 zurückging. Im Ternescher Komitat von 128 .086 auf 120.683. Diese 20% unseres Banater Deutschtums verschwanden größtenteils hinter den Toren amerikanischer Fabriken , und wurden Arbeiter, Gewerbetreibende und einige auch Kaufleute in ihrer neuen Heimat. Nicht unerwähnt sollen alle jene bleiben, die nur bis in den " Kesselgarten " im Hafen von New York kamen, und von dort wieder nach Europa zurück mußten , da ihre Einreisepapiere oder ihr Gesundheitszustand den Einreisebestimmungen der USA nicht entsprachen . Von den nach Amerika ausgewanderten Banater Deutschen sind bis zum Zweiten Weltkrieg 16.637 wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Nach dem Ersten Weltkrieg, als das Banat von Ungarn an Rumänien angeschlossen wurde fühlten sich viele von der Front oder aus der Gefangenschaft heimgekehrten ehemaligen Soldaten fremd in der angestammten Heimat. Eine zielstrebige Werbung für die Auswanderung tat das übrige . Viele, diesmal auch aus sozial besser gestellten Kreisen , wanderten nach Übersee aus. Drüben fanden sie Anschluß an früher eingewanderte Landsleute aus Billed. Oft war es auch Familienzusammenführung. Selbst nach Kanada und Südamerika sind damals die Billeder Landsleute ausgewandert. Es war der "Zweite Schwabenzug" aus dem Banat nach Übersee. Die Weltwirtschaftskrise in den Jahren 1929-1931 machte vielen schwer zu schaffen . Einige Fami280
Iien kehrten damals mit ihren Ersparnissen nach Billed zurück. Andere wollten in Amerika durch fleißige Arbeit soviel Geld verdienen, damit sie sich später in Billed Haus und Feld oder Werkstätte kaufen und damit ihre gesellschaftliche Stellung begründen können. In Briefen hielten sie Verbindung zu ihren Familien und Freunden in Billed, und kamen auch fallweise auf Besuch. Die in die alte Heimat mitgebrachten Kinder sprachen nur englisch und von ihrer Heimat Amerika, sie empfanden Billed als für sie neu und fremd. Als ich in den Jahren 1972 und 1974 die Billeder Landsleute in den USA besuchte, erzählte mir ein Landsmann, der schon als Kind mit seinen Eltern ausgewandert ist, in seinem englischen Akzent wie viel er in den Staaten gearbeitet habe . Denn als er hinüber gekommen sei, wären die Bäume, an denen die Dollar wachsen, schon ausgemacht gewesen. Unsere Billeder Landsleute die nach Südamerika ausgewandert sind grüßen wir mit dem " Brasilianerlied" das noch vor dem Ersten Weltkrieg in Bi IIed gesungen und von den Zieharmonikaspielern gespielt wurde. " Durch Gott sind wir berufen , Sonst kam's uns nie in Sinn. So glauben wir und wandern auf sein Geheiß dahin." Schwer greifbare religiöse Vorstellungen und Stimmungen klingen in diesem Lied des Auswanderers an. Wer will und wer kann es beschreiben, wie es den vielen Auswanderern ums Herz gewesen ist, als sie aus ihrer Heimat, von Eltern Freunden und Vaterhaus Abschied nahmen und ihrem Billed für immer den Rücken kehrten. Lebwohl du undankbares Vaterland Wir ziehen freudig mit vereinter Hand, Dorthin , nach jenen vielgepriesenen Auen Um uns ein irdisch' Paradies zu bauen. Hier haben wir manche Kränkung ertragen Das dortige Leben soll uns besser behagen , Dort winkt uns Wohlleben und üppige Ruh , Im Schlafe fällt uns der Reichtum zu. Aus diesem Gedicht spricht der Undank des Vaterlandes und die Sehnsucht mit der unsere Landsleute übers Meer zogen. In Harnburg und Bremen gingen die meisten Auswanderer an Bord der Schiffe, die sie dann nach Übersee brachten. Wie wir sehen waren die Gründe, die unsere Landsleute damals zur Auswanderung bewogen, rein wirtschaftlicher Natur. Der Drang auch reich und unabhängig zu werden führte die meisten aus ihrer Heimat. Noch im Jahre 1924 war auf der in Billed abgehaltenen Landwirtschafts- und Gewerbeausstellung im Festzelt unter den Ackerbaugerätschaften auch eine Auswandererkiste aufgestellt mit der Aufschrift: " Bleib im Lande und nähre dich redlich ." Das war nicht nur ein guter Witz, sondern in der Tat ein bedeutsames Wahrzeichen deutscher Zustände im Banat und in Billed.
Das große Hilfswerk nach dem Zweiten Weltkrieg In einem " Offenen Brief" an die nach Deutschland und Österreich geflüchteten Landsleute schreibt Hans Tipre im Chicagoer "Heimatbote" am 2. Oktober 1947 u. a.: ... "Der Notschrei unseres Volkes wurde in diesem Lande gehört! .. . viele emsige Hände rühren sich im Hilfswerk! .. . "Ganz spontan gründeten die nach Amerika ausgewanderten Landsleute einen Hilfsverein für die Menschen der alten Heimat, die durch die Kriegseinwirkungen aus ihr vertrieben worden waren. Sie organisierten Hilfssendungen mit Medikamenten , Lebensmitteln und Bekleidung. Sie traten vor ihren Behörden in Amerika gegen die Diskriminierung ihrer Landsleute ein, kämpften um die Zulassung zur Einwanderung und stellten Bürgen [sponsors] für die Neueinwanderer.
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Die Hilfe unserer Landsleuten von drüben gingen an Landsleute in den Aüchtlingslagern in Österreich und Deutschland, an Kriegsgefangene und an unzählige Einzelfamilien . Dieses Hilfswerk in größter Not, ließ das Bekenntnis der Landsleute in Amerika zu denen in Europa in einem Licht aufleuchten , dessen Strahlenkraft noch viele Jahre dauern wird. Nennen wollen wir hier nur stellvertretend für alle Alteinwanderer in den USA den Vorsitzenden dieses Hilfswerkes Peter M. Wagner und Peter Gänger aus Neubeschenowa. [t29. 11. 1976 in Wien.] Voller Ehrfurcht sei auch hier vermerkt, daß auf dem Militärfriedhof Arlington bei Washington, einige Billeder die in den beiden Weltkriegen für ihre neue Heimat Amerika gefallen sind, ihre letzte Ruhestätte gefunden haben . Möge dieser Beitrag nicht nur Verständnis für die damaligen und die heutigen Auswanderer erwecken , sondern dazu beitragen, zerrissene Fäden zwischen der Urheimat in Deutschland, der alten Heimat im Banat sowie der neuen Heimat in Übersee und in aller Welt wiederzuknüpfen . Grußworte an Billed Ich kenn ein schmuckes Schwabendorf, im herrlichen Banat. Das auf dem weiten Erdenrund kaum seinesgleichen hat. In diesem schmucken Dörfchen, da steht mein Vaterhaus, Da lebt ich meine Jugend, ging fröhlich ein und aus. Willst du den Namen kennen? Es sagt ihn dir mein Sang, Er hat im weiten Lande wohl einen guten Klang. Sei. Heimatdorf, gegrüßet, gegrüßt viel tausendmal. Ja. Billed ist die Blume, im schönen Torontal. [Diese Worte stammen von einem Unbekannten Amerikaauswanderer. Er verließ "sein" Billed um die Jahrhundertwende.]
Die Aufteilung der Billeder Hutweide Ein sehr heißes Eisen war die Aufteilung der Hutweide um die Jahrhundertwende. In dieser Auseinandersetzung standen sich die Kleinhäusler und Besitzlosen mit den Bauern und Hutweideverteilern nicht nur im Gemeinderat sondern auch bei anderen Gelegenheiten als erbitterte Feinde gegenüber. Die Hutweide und Grundkaulen gehörten nämlich laut dem im Banat geltenden "Urbarium Banaticum" den Grundbesitzern , also den Bauern. In diesem Gesetz heißt es ausdrücklich , daß der Kleinhäusler, der nur seinen Haus- und Gartengrund besitzt, keinen Anspruch auf die gemeinsame Hutweide habe. Die Kleinhäusler beriefen sich aber darauf, daß die Gemeinde Billed als Eigentümer der Hutweide im Grundbuch stehe und nicht die Bauern. Zweitens stiitzten sie sich darauf, daß ihr Vieh seit eh und je auf die Hutweide zur Weide ginge und daher ein Gewohnheitsrecht bestehe. Natiirlich hatte diese ganze Angelegenheit nicht nur eine rechtliche sondern auch eine moralische Seite. Daher waren auch nicht alle Bauern für die Aufteilung der Hutweide. Selbst in der "Verteilerpartei" gab es solche, die grundsätzlich gegen die Aufteilung und für die Beibehaltung des damaligen Zustandes eintraten . Daher kam es im Gemeinderat auch unter den Hutweideverteilern zu sehr hitzigen und aufgeregten Debatten. 282
Die Verteilerpartei bestand auf ihrem Recht, und so wurde die Hutweide am nördlichen und östlichen Ortsrand aufgeackert und mit Klee bebaut. Daher auch der Name die "Kleegärten". Diese wurden dann, als ein verspätetes Geschenk der Kaiserin Maria Theresia, an die Bauern aufgeteilt.
Der Baumbestand in Billed In dem Faszikel "Waldwesen" aus dem Jahre 1799 im Hofkammerarchiv in Wien, scheint Billed mit keinem Waldbestand auf. Erst auf der Übersichtskarte des Ungarischen Staates, Hauptholzkarte aus dem Jahre 1885 ist der Marktfleck Billed mit einem Buchenwald und anderem Laubholz eingezeichnet. In einer Aufstellung aus dem Jahre 1895 wird das Ausmaß des Waldes im "Herrschaftsgarten" mit 2 Joch angegeben . Dieser EichenwaId! war Eigentum der Grundherrschaft und wurde vor dem Ersten Weltkrieg von der Familie Peter Weiter [486] erworben. Von den vielen fremden und namentlich nordamerikanischen Holzarten , welche man im Banat und auch in Billed einzubürgern versuchte, hat sich auf der Heide kaum eine andere so ausgezeichnet bewährt wie die Akazie. In Billed übertraf sie sogar die kanadische Pappel. Weil diese Pappeln so schnell und steil in die Höhe schossen, wurden sie in Billed nur als " Schießbäm" bezeichnet. Maulbeere, Eiche, Rüstern, Kastanien, Safran und Linden zeigten sich in Billed gleichfalls wüchsig. Auf dem ehemaligen Pakäz Pußta, später Buding Pußta, hat es bis zum Zweiten Weltkrieg einen schönen Nadelwald gegeben.
Obstbaumbestand im Jahre 1895 Baumart
Zahl
3.791 Apfelbäume 665 Birnenbäume 1.169 Kirschbäume 1.088 Weichselbäume 863 Pfirsichbäume 668 Aprikosen bäume 756 Zwetschgenbäume 342 Nußbäume 24.597 Maulbeerbäume 123 Andere Wie wir aus dieser von Dr. Anton Petri ohne Quellenangabe zur Verfügung gestellten Tabelle ersehen können , gab es im Jahre 1895 34.062 Obstbäume in Billed. Dies heißt, daß im Durchschnitt auf jedes der 600 Häuser, 56 Obstbäume entfielen. Es ist mit Sicherheit anzunehmen , daß ein Teil dieser angeführten Maulbeerbäume auf den einzelnen Grundstücken, in den Gärten und auf der Gasse vor den Häusern standen . Mit größter Wahrscheinlichkeit ist aber anzunehmen , daß in dieser Stückzahl auch jene Bäume enthalten sind, die auf der Gemarkung von Billed, rechts und links neben der Landstraße für die Seidenraupenzucht angepflanzt wurden . Wenn wir nun die Maulbeerbäume aus dieser Gesamtsumme ausklammern, verbleiben noch 9.465 Obstbäume als Rest, was einem Durchschnitt von 15 Obstbäumen je Haus und Hof entspricht. Außer den neun angeführten Obstarten gab es in Billed noch sehr häufig Quittenbäume, Ringlottenbäume, Pflaumenbäume, Prunus oder Prunier, Haselnußbäume und Haselnußsträucher. Ganz vereinzelt gab es Feigen~ und Zitronenbäume die aber vom Klima her, nie reife Früchte trugen. 283
Erste Volksversammlung der ,,Ungarländischen Deutschen Volkspartei'' Am 30. Dezember 1906 fand in Werschetz die Gründung der "Ungarländischen Deutschen Volkspartei" statt, die bis zum Ende des Ersten Weltkrieges von den Ungarn als Vereinigung der "Pangermanen" verfolgt wurde. Zum Obmann dieses ersten organisatorischen Zusammenschlusses der Deutschen in Ungarn wurde der Rechtsanwalt Dr. Ludwig Kremling [1861-1930] aus Weißkirchen gewählt, sein Stellvertreter wurde der Bauer Johann Röser [1870-1932] aus Gertianosch . Am 10. März 1907 wollte die Partei mit drei Kundgebungen vor die Öffentlichkeit treten und ihr Programm bekanntgeben. Alle drei Versammlungen wurden, obwohl sie vorschriftsmäßig angemeldet waren, verboten, ihre Durchführung durch Polizeigewalt verhindert. Die Anmeldung wurde von dem Billeder Einwohner Stefan Bartzer und seinen Parteigenossen eingereicht. Sie sind aber vom Oberstuhlrichter verdächtigt worden, daß sie keine genügende Sicherheit für den ungestörten Verlauf der Versammlung bieten können . Der Oberstuhlrichter begründete das Verbot der Versammlung wie folgt: "Ich nehme die Versammlung nicht zur Kenntnis und.gestatte sie nicht, denn einerseits ist die Tagesordnung der Versammlung nur im Allgemeinen und nicht im Besonderen angegeben, so das der eigentliche Zweck der Versammlung nicht zu ergründen ist, zweitents gewähren die Anmelder der Versammlung nicht die genügende Sicherheit, ob die Versammlung auch ungestört verlaufen wird." Auf unsere Vorfahren müßten sich solche Maßnahmen äußerst ungünstig ausgewirkt haben , wenn der Kaiser Franz Joseph mit der nationalitätenfeindlichen ungarischen Führungsschicht paktierte und der schonungslosen Madjarisierung tatenlos zusah. Vergleicht man den am 2. Oktober 1849 in Billed bei der Volksversammlung in der Schwabenpetition vom Kaiser geforderten "Schwaben Grafen" mit dem jetzt bestellten Landesobmann der eigenen politischen Partei , so läßt sich daraus der enorme Wandel in der Stellung und Haltung der Deutschen in Ungarn in den letzten 50 Jahren feststellen . Unsere Vorfahren wurden mündige Staatsbürger, sie schafften sich eine eigene Partei , ein politisches Instrument zur Verteidigung der Eigenständigkeit und Gleichberechtigung.
"Programm der Ungarländischen deutschen Volkspartei" 1906 Es würde zu weit führen dieses in 13 Punkte unterteilte und abgefaßte Parteiprogramm im Rahmen dieses Buches wiederzugeben . Um aber einen kleinen Einblick in den Kampf unserer Vorfahren um ihre Selbsterhaltung zu gewähren, seien hier lediglich die Punkte A, B, C und D zitiert: "Programm der Ungarländischen deutschen Volkspartei" A. Wir deutschsprachigen Bürger Ungarns wollen, unbeschadet unserer bewährten Staatstreue, unser Volkstum aufrechterhalten und fordern darum als wesentlichen Bestandteil unserer staatsbürgerlichen Rechte die strikte Durchführung der zum Schutze alle Nationalitäten wohl schon bestehenden, aber nicht eingehaltenen Gesetze und die Schaffung neuer Gesetze zu diesem Zweck und fordern dies ebenso entschieden als wir die uns als Bürger unseres Vaterlandes Ungarn obliegenden Pflichten bis jetzt immer treu erfüllt haben und auch in Zukunft treu erfüllen wollen und werden. B. Wir fordern gewissenhafte, strenge Einhaltung des Nationalitätengesetzes als das Mindestmaß dessen, was wir zur freien Entfaltung unserer Kultur zur ungehinderten Betätigung unseres Volkstumes und zum freien Gebrauche unserer deutschen Muttersprache im öffentlichen Leben unbedingt brauchen und mit allen gesetzlichen Mitteln zu verteidigen fest entschlossen sind.
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c. Insbesondere fordern wir als freie gleichberechtigte Staatsbürger die gesetzlich begründete Achtung und freie Benützung unserer deutschen Muttersprache im Gemeinde- und Munizipalleben, die deutsche Protokollsprache, wo wir dazu berechtigt sind, und den freien Gebrauch der Muttersprache im Verkehr mit den Staatsbehörden innerhalb der vom Gesetze gezogenen Schranken. D. Wir verwahren uns gegen jede immer wieder versuchte Einschränkung des Gebrauches unserer Muttersprache in Kirche und Schule und gegen jede Verletzung des auf dem Gebiete derselben uns zustehenden Selbstbestimmungsrechtes, insbesondere in Betreff der für die Erhaltung unserer Kultur unentbehrlichen Volksschulen mit deutscher Unterrichtssprache. So lange der Staat seiner noch heute bestehenden gesetzlichen Verpflichtung, Schulen mit der Unterrichtssprache aller Bewohner Ungarns zu errichten, die zu fordern wir nicht müde werden, nicht nachkommt, bekämpfen wir jede Verstaatlichung von konfessionellen oder Gemeindeschulen.
Wie wir aus diesen wenigen Zeilen sehen können, wehrten sich unsere Vorfahren ganz energisch gegen die Madjarisierung. Es war also kein Zufall, daß bereits im Jahre 1849 die erste deutsche Volksversammlung im Banat, in Billet stattfand und die Bittschrift an den Kaiser, von den Volksvertretern hier , unterzeichnet wurde.
Das Ende der Herrschaft des Agramer Bistums in Billed Wie wir bereits aus der Ortsbeschreibung des Notars aus dem Jahre 1859/60 erfahren haben , war bereits im Jahre 1859, der gesamte herrschaftliche Grundbesitz, mit Ausnahme des Rohrschlages und 35 Joch Feld, in den Besitz der Gemeinde Billed bzw. derer Bürger und Einwohner übergewechselt. Die Auflösung des Verhältnisses zwischen Grundherrn und Untertan dauerte in vielen Banater Gemeinden oft Jahrzehnte und ging nicht überall so rasch vor sich wie in Billed. So ging zum Beispiel unsere Schwestergemeinde Alexanderhausen, die ja auch zur Gänze dem Agramer Bischof gehörte, erst im Jahre 1891 in den Besitz der Gemeinde über. Dieses Verfahren hieß damals die Grundentlastung. Der "Vater" Staat gab dem Grundherrn Gutscheine im Werte seines Grund und Bodens und entschädigte damit den Grundherrn für die Grundentlastung. Dann erhöhte der Staat die Steuern und löste diese Gutscheine samt Zinsen im Laufe der Jahre bei dem Grundherrn gegen bares Geld wieder ein. Mit dem Abführen der letzten Rate Grundentlastungssteuer ist der Feldbesitz des Bauern erst zu seinem freien, uneingeschränkten , wahren Eigentum geworden. Diese große Freude wurde in den einzelnen Dörfern im Banat und speziell auf der Heide ganz verschieden mit Glockengeläut, Fahnenschmuck und Böllerschüsse gefeiert. Wie und an welchem Tag er in Billed gefeiert wurde, bedarf noch der Nachforschung. Da mit der Erledigung dieser Angelegenheiten die Notare betraut waren, sollte im Archiv des Gemeindehauses von Billed, das sich heute in Temeswar befindet, einiges vermerkt sein . Ganz anders gelagert waren die Verhältnisse vor dem Jahre 1914 und nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, als die Grundherrschaft des Agramer Bistumsdaranging ihre restlichen Liegenschaften zu verkaufen. Damals wurden die in den Grundbüchern der folgenden Gemeinden eingetragenen Liegenschaften zum Verkauf angeboten: in dem Grundbuch von Billed 61 Liegenschaften in dem Grundbuch von Sändorhäza 81 Liegenschaften in dem Grundbuch von Kisjecs 88 Liegenschaften in dem Grundbuch von Perjfunos 253 Liegenschaften in dem Grundbuch von Varjas 185 Liegenschaften aus dem Eigen turn der Billeder Herrschaft 663 Liegenschaften 1.331 Liegenschaften Zusammen 285
Mit dem nun folgenden Faksimile eines Kaufvertrages des Agramer Bistums, ausgestellt am 1. Oktober 1914 können wir das letzte Glied in der Beweiskette schließen, die den Nachweis erbrachte, daß der Grund und Boden den unsere Vorfahren ab dem Jahre 1765 mit so großen Opfern urbar machten, ihnen weder vom Kaiser, dem Ärar, noch vom ungarischen Staat geschenkt wurde . Im Gegenteil , jedes Grundstück das sie erst nach der Revolution , im Jahre 1848, erwerben konnten und durften , haben sie 80 Jahre lang als Fronbauern bewirtschaftet. Erst durch die Grundentlastung wurde es ihnen möglich gemacht, sich vom Grundherrn ein Stückehen Land zu erwerben. Dieses Dokument wurde mir freundlicherweise von Herrn Mathias Wilhelm in Billed Nr. 176 zur Verfügung gestellt, wofür ich ihm danke.
An die
Südungarische Landwirtschaftliche Bank Aktiengesellschaft Ter.nesv-ax.
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es zur Kenntniß, daß Sie
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Im Falle Sie solche Ausgaben für ..
... ... ................. verpflichtet dieselben Ihnen mit Im Falle ....
haben · werden , .. ................' /, zu ersetzen .
.. behufs Tilgung des Kaufschillings den hier beschriebenen
Modus mitteist Darlehen und Credit wähle....
verpflichte ........................................................
gegen Verfall der Angabe - , auf Ihre Aufforderung den Kaufvertrag und die betreffen den Schuldurkunden und Dokumente sofort auszustellen .
M... . kaufe
k:"
5 . .....
schulden- und lastenfrei. Auch
Kirch en patronates übern ehme . ~
Lasten des
nicht; se lbstv erständlich übergehen
auf ~ auch keiri e Rechte des Kirchenpatron ates. Auf die mit der Billed er Herrsch aft als ade ligem Oute , -
verbundenen kön . Rega lrechten habe ....
kei nen An sp ruch . 6. Obwohl
~
~
. sc hulden- und lastenfrei kaufe ,rl', so nehme
es doch zur Kenntniß, daß auf sämmtlichen in den Orb.
Bilh~d
61,
Simdorh aza 81, Kisj ecsa 88, Perjamos 253 und Varjas 185 und 663 aufgenommenen Liege nsc haft en der Billeder Herrschaft das Pfandrecht zu Ounsten der Croatisch- Sl avonischen Landeshypoteken- Bank für das Darleh enkapital von 5,500.000. Kronen und Nebenge bühren, so auch zu Gunsten · der Temes va rer I. Sparkassa für da s Kapital von
K 2,000.000 und
Nebenge bühren
ein-
verleibt ist. Sie sind verplichtet, diese zwe i Satzposten nac h gesc hehener grundbücherlicher
Umschreibung
im
Fall e
Barzahlung de s Kaufsc hillings ,
löschen zu lasse n. Auch im Falle, als
~.
behufs Zahlung des Kaufsc hillings von
Ihnen Darleh en beanspruche ... 4-/. , müsse n obige zwe i Hypoteken , nac h Abrechnung der Darlehen , gelöscht werden so, daß die gekauften Realitäten nur mit den behufs Tilgung
..trk. . _. . . . . Kaufschillingsschuld aufgenommenen
Darlehen belastet bleiben . 7. Der Besitz und die Nutznießung der Realitäten gebührt~
,/f/Y..~./. Alle
von
öffentlichen Lasten trage ............. von diesem Tage an .. .
Da die Kataster- Neueinteilung nicht sofort durchgeführt werden kann,
soL
.. .... ~. bis zu r Herstellung der neuen Katastereinteilung verpflichtet, zu sämmtlichen öffentlichen Lasten im Yerhältnisse ....... ~ .. . .... Jochenzahl .beizutragen .
3. Di eses Anbot ist . pflichtet. soba ld ...
unwid erruflich und ......................................... ver-
di e Verständi gung üb er di e Genehmigung di eses Anb otes
durch Ihre Direction erh alt en hab
.. ; inn erh alb
.....
Tagen mit Einrechnung
der Angabe di e Kau fsc hillin gszahlun g wenigstens auf
"1. d es Gesammt-
Kaufschill in gs in dem Falle zu ergänzen, wenn
behufs Til gun g
Kaufsc hillin gs res tsch uld im Sinne Punkt 4 di eses Anbot es Darleh en bea nsp ru chen würde Selbstvcrsutnd li ch steht
das Rec ht zu , die Kaufschillingsschuld
auch bar zu til ge n. in di ese n Fal le
........ . verpflichtet nach Einlangen
der Verständigung üb er die Genehmigung di eses Anb otes innerh alb
Tage
den Res tkaufsch illin g Ihn en bar zu bezahlen und den zur gr undbü cherli ehe n Ei gentum s-E in ve rl eibu ng der ge kauften Rea li täten dienenden Kaufvertrag zu unterferti gen. W en n
di ese r Zahlungspfli cht pünktlich ni cht entsp reche
si nd Sie berechtigt,
abzus tehen und di e erl egte
An gabe ve rfäl lt zu Ihren
Gun sten. Im Fall e di e Angabe aus W ec hse ld ec kun g besteht, sind Sie berechtigt, diese auch ge ri chtli ch einzuk ass ieren . 4. W enn . Darl ehen
ni cht den ganze n Kaufschilling bar bezahle .
beansp ru che, sind Sie verpflichet,
, so nd ern
bis zu 75% d. i . drei-
vi ertt eil e des Kaufsc hilli nges Darl ehen zu bewilligen. Und zwa r bis zu 50% des Kaufsc hillinges 50 -j ähri ges Amortisations- Darlehen mi t voller Zuzählung zu 5.7 5"1. j ährliche Annuität d. h. Zinsen und Kapitalstil gun g in begriffen. w eiteren 25%
Die
v on , Ihn en als zwe itsätzig intab ulirte s Wechseldarlehen
bean sp ruch en zum Zin sfuss e von 1'/.'/, üb er di e Bankrate, minim al 5'/•%. nehm e...
zur
Kenntni s,
daß
die se Wechseldarlehen
wann immer, das 50-jährige Amortisations-Darlehen auch schon nach Ablauf von 10 Jahren laut Schuldschein rückzuzahlen berec htigt Auch ane rk enne
...
. . , daß säm mtli che Spesen d er Er-
w erbung der Darlehen, der Schuldurkund en, Stempel und Gebühren .....
8. Die ärarischen Gebühren und Stempel, die Kosten des Vertrages und der grundbücherliehen Umschreibung, der Aufmessung, die Notariats- und .............. aus eigenem zu bezahlen . Es wird bemerkt,
Ad vokate nspesen hab e ...
daß die In gen ieur- und · Advok atenkosten per Kat.-Joch auf zehn Kronen fe stgese tzt si nd . 9. Nach dem eventuell rückständigen Kaufsc hillin g habe .. bis zum erste n Til gungstage 6'1. Zinsen zu bezahlen.
vom
10. So llte dieses Anbot die Genehmigung Ihrer Direc tion nicht erlangen, dann erhalte ...
di e bare An gabe mit einer 41/e'!. Verzin sun g, die
We chse l in natura zurück. 11 . Auch nehme ..
es zur Kenntni ß, daß zw isc hen ...........................
und den anderen Käufern keine so lid arisch e Haftun g besteht. 12. Für den St reitfal l wird das summ ari sc he Verfahren und die Competen z des Temesvarer kön. Bezirksgerichtes, im Falle der lncompetenz des Bez irk sge ri chtes, der Temesvarer Gerichtshof ausbedungen.
Durch die in den Jahren 1911und 1912 erfolgte Parzeliierung des Feldbesitzes des Agrarner Bistums in Billed und den weiteren vier Ortschaften , konnte sich jeder Einwohner der Geld und Mut besaß, ob Bauer, Kleinhäusler oder Gewerbetreibender ein Grundstück erwerben. Wie wir aus dem Kaufvertrag ersehen können, war es möglich , den Kaufpreis auch in Raten abzustatten. Während der Kriegsjahre 1914/18 stieg der Pachtpreis je Joch Feld, durch die Geldentwertung, so hoch , daß er weit höher lag als der Kaufpreis eines Joch Feldes vor dem Kriege . Nach 1848 verblieb der Grundherrschaft von Billet von ihren Vorrechten nur das Schank- , Markt- und Mahlrecht Das Schankrecht wurde später vom ungarischen Staate abgelöst und das Mahlrecht hörte allmählich vön selbst auf, sowie die alte Wassermühlen und Pferdemühlen den Dampfmühlen weichend, ihren Betrieb einstellten. Das Agramer Bistum verkaufte ihr Marktrecht und das große Einkehrgasthaus "Zum Trompeter", auch "Casino" genannt, an die Gemeinde Billed. Nicht unerwähnt sei auch die Tatsache, daß nach der Revolution , im Jahre 1850, das Bi st u m A g r a m , bisher von einer der Erzdiözesen Ungarns abhängig, zum E r z b i s t u m erhoben wurde. 289
Die Grundherrn von Billed von 1404-1914 In den letzten 510 Jahren hatte das Dorf Billed nachweislich die folgenden uns bekannten Grundherrn : Im Mittelalter, ab dem Jahre 1404, wahrscheinlich auch schon früher , war es die Familie Hagymas de Berekßo. Im Jahre 1462 nahm Nikolaus Hagymas de Berekßo, den Johann de Szentgirolt an Bruders statt an und räumte diesem das Mitbesitzrecht auf alle sein Güter, also auch auf Billyed ein. Im Jahre 1526 hat der König Johann Zapolya dem Burgkapitän von Gyula, Ladislaus de Kerecseny Kökenyd, mit Nagy- und Kisgalad auch Billyed verliehen. Mit dem Fall von Moh acs am 29. August desselben Jahres und mit der Vernichtung des ungarischen Heeres durch die Türken versiegen alle Nachrichten und Hinweise auf die Grundherrn von Billyed. Nach der Eroberung des Banats durch die kaiserlichen Truppen , im Jahre 1716, waren die Habsburger die ersten Grundherrn des gesamten Banats, also auch von Billed. Mit der Verleihung des Grafentitels an den Grafen Mercy 19. 3. 1719 wurde diesem auch das Prädium Billi et auf Lebzeiten zugesprochen. Laut einer Verordnung vom 20. Juli 1738 in der die Hofkamm er der Landesadministration in Temeswar verordnet, .. . soll diese das durch den Todfall des H. Feldmarschalls Grafen v. Mercy , als gewesten Commandierenden Generalen und Temes. Adms. Präsident, der Kammer anheim gefallene Prädium Billiet übernehmen, und darüber verfassende Conscription einzubefördern. Nach dem Tod Mercys im Jahre 1738 wurde der Kaiser wieder Besitzer und Grundherr von Billiet. Erst mit der Über.gabe des ganzen Ortes an das Agramer Bistum im Jahre 1800. wurde der Bischof von Agram auch der Grundherr von Billiet. Erster Bischof als Grundherr von Billiet war der Agramer Bischof Maximilian Verhovatz bis zum Jahre 1827, ihm folgte Georg Haulik bis zum Jahre 1869, dann kam bis zum Jahre 1875 Bischof Alexander Alagovits, ihm folgte Bischof Josef Mihalovits bis zum Jahre 1891 und als letzter Bischof übte bis zum Jahre 1918 Georg Poslovits sein Amt als Grupdherr in Billed aus. Damit endeten für ihn auch die Patronatspflichten gegenüber der Kirche. Nach dem Ersten Weltkrieg war der Grund und Boden von Billed, nur mit geringen Ausnahmen, im Privatbesitz um nach dem Zweiten Weltkriege ganz verstaatlicht zu werden .
Das Schicksal des herrschaftlichen Kastells Wilhelm Weber Das herrschaftliche Kastell ging in den Besitz der kurz vorher nach Billed gekommenen Familie Petö über. Diese bewohnten es bis zum Jahre 1942. Im Kastell war früher auch das Postamt untergebracht. Dr. Schneider, ein Angehöriger der Familie Petö und letzter Eigentümer des Kastells, beabsichtigte, es im Jahre 1942 zu verkaufen . Auf Anregung des Billeder Einwohners Nikolaus Seibert wollte es die Billeder Ortsgruppe der Deutschen Volksgruppe kaufen um in diesem stattlichen Bau eine landwirtschaftliche Schule zu gründen . Weil die Geldmitteln zum Ankauf des Gebäudes fehlten, streckte obengenannter Nikolaus Seibert die Summe von 1.500.000 Lei der Volksgruppe vor, damit das Gebäude gekauft und die materielle Grundlage zur Schaffung dieser Schule gesichert sei. Die restlichen 300.000 Lei bis zur Kaufsumme von 1.800.000 Lei wie auch noch etwas über 100.000 Umschreibegebühren und sonstigen Auslagen die mit dem Kaufverbunden waren bestritt man mit dem Volksbeitrag. Das vorgestreckte Geld konnte die Volksgruppe in dem kommenden Jahr nicht aufbringen und nachdem 1944 dieselbe aufgelöst wurde, büßte Nikolaus Seibert die anderthalb Millionen Lei ein. In dem Kastellgebäude wurde nach dem Krieg ein Gymnasium untergebracht. Dann gehörte es wieder der Elementarschule, später einem landwirtschaftlichen Lyzeum , das sich in eine landwirtschaftliche Gewerbeschule verwandelte. Nach dem dieser Schule ein neues Schulgebäude gebaut wurde, verblieb im Kastell noch das Schülerheim dieser Schule, zu welchem Zweck es auch heute noch verwendet wird . 290
Pflasterung zweier Billeder Dorfstraßen Wilhelm Weber In den Jahren 1911-1912 ließ die Gemeinde den Fahrdamm der Bahngasse in einer Länge von fast 2 km mit Quader- sogenannten Zyklopsteinen pflastern . Die Arbeit besorgte ein Temeswarer Bauunternehmen und wurde aus den Gemeindeumlagen bezahlt. 1973 wurden davon 1 km asphaltiert . 1924--1925 ließen die in der einen Hälfte der Kirchengasse wohnenden Familien ihren Teil des Fahrdammes in eigener Regie mit Bruchsteinen pflastern . Der Beitrag wurde nach Vermögen und Größe der Hausgerechtigkeit jedes einzelnen berechnet. Die Gesamtkosten beliefen sich auf fast 500.000 Lei. [Mühlenbesitzer Ballmann bezahlte davon 150.000 Lei, Sodawassererzeuger Divo bezahlte 15.000 Lei .] Das Pflastern besorgten 4 Fachleute. Den Stein-, Sand- und Schlackentransport wie auch die Handlangerarbeiten versahen die Einwohner dieses Teiles der Kirchengasse . Die Initiatoren dieses Unterfangens waren Johann Seibert, Jakob Ballmann und Rechtsanwalt Dr. Michael Ortinau.
291
Der Erste Weltkrieg 1914-1918 Die wichtigsten Ursachen die zum Ersten Weltkrieg führten bestanden schon seit dem ausgehenden 19. Jh . in einem Kampf zwischen den Großmächten Europas: England, Frankreich, Deutschland und Rußland um die wirtschaftliche Vorherrschaft und um die Verteilung der Kolonien in der Welt. Ferner die deutsch-englische Konkurrenz im Welthandel , der ständig zunehmende deutsche Hotten- und Unterseebootbau, durch den England sich bedroht fühlte , und nicht zuletzt das Revanche-Verlangen Frankreichs für den verlorenen Krieg gegen Deutschland im Jahre 1870/71. Zu alldiesen Fakten kam eine gewisse Übertreibung des Nationalismus, der zum deutschen Militarismus und zum "Panslawismus" führte. Der Gegensatz zwischen Rußland und Österreich-Ungarn trat besonders auf dem Balkan in der Großserbischen Bewegung zutage. Bereits im Jahre 1907 schlossen England, Frankreich und Rußland ein Bündnis, die "Entente", gegen die Mittelmächte Deutschland und Österreich ab . Den unmittelbaren Anlaß zum Krieg gab die Ermordung des Österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gemahlin am 28 . Juni 1914 durch einen serbischen Nationalisten in Sarajewo. Österreich versicherte sich hierauf der Unterstützung Deutschlands und erklärte daraufhin Serbien den Krieg, worauf sofort die Entent und auch Deutschland in den Krieg eintraten. Die Österreichischen Truppen , ihnen allen voran das Infanterieregiment Nr. 61 , das Temeswarer Hausregiment in dem unsere Vorfahren ihre soldatischen Pflichten erfüllten, besetzten am 12. Dezember 1914 Belgrad. Einer der ersten Opfer dieses Regiments war unser Billeder Landsmann Oberleutnant Otto Bier, der bereits am 30. August 1914 gefallen ist. Sein Name ist nicht nur im Kriegerdenkmal der Gefallenen von 191~1918 in Billed verewigt sondern er steht auch im Regimentsbuch der "61er in Waffen". Neben seinem Namen stehen noch die Worte seines Regiments-Kommandeurs Oberst Alois Hajek vermerkt: "Oberleutnant Otto Bier war ein Temeswarer Kind und als solches mit allen liebenswürdigen Eigenschaften dieser glücklichen Mischung ausgestattet." Rumänien und Griechenland traten an der Seite der Entente in den Kampf ein . Die Türkei und Bulgarien schlossen sich den Mittelmächten an. Trotz der militärischen Erfolge wurde die Not in Österreich und Deutschland immer größer. Rußland schloß bereits am 3. März 1918 den Frieden von Brest-Litowsk und auch Rumänien wurde zum Frieden gezwungen. Dies alles konnte den Zusammenbruch der Mittelmächte nicht mehr verhindern . Bei Kriegsende standen allein 18 Staaten auf der Seite der Gegner Deutschlands und Österreichs. Zu den sogenannten Mittelmächten vereinigten sich Österreich-Ungarn, Deutschland, ferner die Türkei und Bulgarien. Die Völker der Österreichisch-Ungarischen Monarchie machten sich selbständig, Kaiser Kar! I. und der deutsche Kaiser Wilhelm II. mußten abdanken . Deutschland und Österreich wurden Republiken.ln den Jahren 1919/20 schlossen die Siegermächte in Versaille den Frieden mit Deutschland, in St. Germain mit Österreich und in Trianon mit Ungarn. Nach dem Friedensvertrag von Trianon wurde das Banat in drei Teile zerstückelt und an Rumänien , Jugoslawien und Ungarn aufgeteilt. 650 Jahre Habsburgerherrschaft in Mittel- und Südosteuropa sind damit zu Ende.
292
Die Namen der Billeder Kriegsopfer im Ersten Weltkrieg 1. Nikolaus Bartelamai 2. Johann Bier 3. Otto Bier 4. Josef Billinger 5. Peter Billinger 6. Mathias Billinger 7. Peter Bojar 8. Mathias Braun 9. Josef Breitenbach 10. Nikolaus Christ 11. Josef Enderle 12. Michael Filippi 13. Josef Fischer 14. Jakob Fischer 15 . Nikolaus Aesch 16. Jakob Resch 17. Johann Folmer 18. Nikolaus Frank (192) 19. Nikolaus Frank (451) 20. Lorenz Frauenhafer 21. Johann Frey 22. Adam Frick 23. Andreas Frick 24. Mathias Friedrich 25 . Johann Gilde 26. Adam Gilde 27 . Peter Gilde 28. Johann Gimpel 29. Johann Graf 30. Jakob Groß 31 . Mich,ael Groß 32. Josef Grundhauser 33 . Michael Haas 34. JosefHahn 35 . Nikolaus Hahn 36. Wilhelm Hahn 37 . Wendel Hehn 38 . Anton Helfrich 39. Adam Holz 40. Peter Jung 4 1. Peter Kasper
42 . Peter Klein 43 . Filipp Kneip 44. Nikolaus Kneip 45. Andreas Koch 46. Johann Koch 4 7. Adam Köster 48 . Nikolaus Krawitsch 49. Johann Krier (52) 50. Johann Krier (247) 51 . Josef Lahni 52 . Konrad Laub 53. Nikolaus Laub 54. Nikolaus Lauer 55 . Johann Lauth 56. Konrad Lauth 57 . Nikolaus Lenhardt 58 . Johann Lichtfuß 59. Jakob Mann 60. Johann Mann 61. Peter Mann (9) 62 . Peter Mann (101) 63. Mathias Mann 64. Konrad Maurer 65. Nikolaus Mirsch 66. Adam Mumper 67. JakobMumper 68 . Nikolaus Mumper 69. Nikolaus Müller 70. Nikolaus Neiß 71. Heinrich Neumann 72. Johann Neumann 73 . Peter Nierenberger 74. Konrad Nikola 75. Franz Petrovits 76. Johann Pilli 77. Josef Pischak 78. Jakob Plenert 79. Michael Portschell er 80. Nikolaus Quinkert 81. Johann Rademacher 82. Johann Ramacher
83 . Georg Reiche! 84. Johann Reiter 85 . Peter Rieder 86 . Michael Rosani 87. Peter Rugel 88 . Peter Rugel 89. Wilhelm Rugel 90. Adam Sehi 91. Johann Seibert 92. Johann Slawik 93. Johann Schackmann 94. Johann Schiller 95. Jakob Schneider (201) 96. Jakob Schneider (254) 97 . Jakob Schneider (562) 98. Mathias Schneider 99. Peter Schneider 100. Wilhelm Schneider 101. Michael Schmidt 102. Michael Schortje 103. Johann Schulz 104. Wilhelm Schwarz 105. Mathias Stadtfeld 106. Adam Steiner 107. Johann Stein er (58) 108. Johann Steiner (320) 109. Nikolaus Steiner 110. Wend! Steiner 111. Nikolaus Steuer 112. Josef Stubrich 113. Nikolaus Tipre 114. Peter Tobias 115 . Adam Thöreß 116. Nikolaus Thöreß 117. Jakob Weiter 118. Johann Weiter 119. JosefWeiter 120. Nikolaus Weiter 121. Jakob Wendel 122. Peter Wendel 123. Nikolaus Wilhelm
Bei den Doppelnamen beigesetzten Zahlen handelt es sich um die Hausnummer der betreffenden Personen. Die Namen wurden in dieser Reihenfolge vom Kriegerdenkmal abgeschrieben . 293
Das Kriegerdenkmal für die Kriegsopfer im Ersten Weltkrieg 1914-1918 Vor der Kirche in Billed steht auf einem Naturstein das aus schwarzem Marmor geschaffene Denkmal für die Toten des Ersten Weltkrieges. Auf drei Seiten sind die 123 Namen der Toten eingemeißelt und darunter stehen die Worte: " Unseren Helden zur Ehre ." Über diesem Gedenkstein hält ein Adler ewige Wache. Bei der Einweihung dieses Gedenksteines, im Jahre 1925 , waren alle Einwohner von Billed mit dabei und lauschten innerlich bewegt den Worten ihres Pfarrers, Josef Unterreiner, die er zum Gedenken der lieben Toten sprach : ... Mit der Enthüllung dieses Denkmals soll in tiefster Ergriffenheit nicht nur den Helden unserer Heimatgemeinde gedacht werden sondern allden vielen Toten die vom edelsten Opfermut geleitet, im Kampfe fürs Vaterland fielen. Wir wollen ihnen aber auch versprechen das herbe Weh ihrer Witwen und Waisen nach besten Möglichkeiten zu lindern. In seiner Festrede drückte der Obmann des Kriegervereines die Verdienste der Gefallenen und Vermißten an den verschiedensten Fronten aus und sagte u. a.: .. . Sie stürmten mit den ungarischen, rumänischen und anderen Kameraden gemeinsam durch Friaul und waren Teilnehmer an der Durchbruchsschlacht in den Julisehen Alpen am /sonzo. In Rußland, Serbien, Italien, in den Karpathen, an der /sonzofront, bei Görz und an der Drina sind die Gräber der Gefallenen des Infanterieregimentes Nr. 61 und der bewährten Honvedtruppen zu finden , in denen unsere Kameraden kämpften und fielen. Sie waren die Säulen der kämpfenden Scharen und nun ruhen sie fern der Heimat in fremder Erde ... Nach der Enthüllung des Denkmals durch den späteren Bischof Augustin Pacha erklang das Lied vom guten Kameraden. Johann Mann [475], heute lebt er in Frankreich , trug ein Gedicht vor, daß mit den folgenden Worten begann: Daß kein fremder Fuß betrete den heimischen Grund, Starb ein Bruder am Isonzo, liegt einer in Serbien wund, Alle schützten sie deiner Grenze heiliger Saum . Ihr blühendes Leben für deinen dürstenden Baum, Vaterland! Abschließend ersuchte Bürgermeister Johann Mann alle Anwesenden , auch jener zu gedenken, die krank und schwerstbehindert aus dem Kriege heimgekehrt sind und erst in der Heimat, an den Folgen der im Kriege zugezogenen Krankheiten und Verwundungen , verstorben sind . Ihre Namen sind in keinem Gedenkstein verewigt. Nach dem Klang der Glocken sang der Billeder Sängerbund die Staatshymne und die Banater Hymne: Heil dir mein Heimatland.
Einweihung des Kriegerdenkmals im Jahre 1925. 294
Kriegerdenkmal 1914-1918