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K U N D E N M AG A Z I N Gotteswinter und Aumaier GmbH


ICH DEN C HER WORTE E TATNN WIRFT


LIEBE WELN GE OLDI-E S I NEN A VORUS UND IMMER NOCH MEHR HÄLT, ALS ER VERSPRICHT: DENN ER WILL SEINEN UNTERGANG.

NIETZSCHE, ZARATHUSTRA


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Helmut Gahse Geschäftsführer Gotteswinter und Aumaier GmbH 

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VOM RICH TIGEN MASS

Editorial

Verehrte Kunden, verehrte Leser, in unserem Präzisionsberuf geht es beständig um Maße und ums Messen. Zur perfekten Justierung unserer Maschinen brauchen wir exakte Angaben im Millimeterbereich. Auch bei der Auswahl des Papiers zählt jedes Milligramm, denn ein Milligramm bedeutet im Druckbereich eine Welt. Das richtige Maß ist Grundlage unseres Handwerks und bietet uns Sicherheit, dem Zufall und dem Unvorhersehbaren so viel als möglich entgegenzusetzen. So war es wohl von Anfang an: Durch das Messen und Rechnen wollte der Mensch Sicherheit gewinnen und Erklärungen für das, was sonst einfach nur geschieht. In diesem Sinne machen wir uns in diesem Magazin auf den Weg zurück zur Entstehung der Welt, die von Anfang an eine Welt des Messens war.


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Inhalt Kundenmagazin Gotteswerk – Edition 2018.2019 der Gotteswinter und Aumaier GmbH

Heft

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Inhalt

Editorial: Vom richtigen Maß Intro: Im Zeitalter des Würfels Fotostrecke: Die Zeit Interview: Abt Johannes Geschichte: Fragment oder: Völlig andere Geschichte Fachbeitrag IPM: Living PSO IMPRESSUM Notizheft mit Illustrationen von M. Wiethaus [ P. 04 – 05 ]

[ P. 10 – 21 ]

02

[ P.24 – 41 ]

[ P. 04 – 21 ]

[ P. 24 – 29 ]

[ P. 32 – 37 ]

03

[ P.40 – 41 ]


WA M C DU NIH WIE R U

B R R BAEE N A E


WI ST T SEIN ICH — EIN T UNER L L

EIN VOGEL UNTER VÖGELN

NIETZSCHE, ZARATHUSTRA


ZWEI SEITEN EINER MEDAILLE. ODER: WIR LEBEN IM ZEITALTER DES WUERFELS


In unserer vierten Ausgabe mit dem Titel „Vom Wesentlichen und Eigentlichen“ haben wir damit begonnen, das Spiel ernst zu nehmen. Die einzelnen Schritte der Umsetzung Ihres Projektes haben wir einem Theaterstück gleich in Szene gesetzt: Vom ersten Austausch bis zum Versand des fertigen Produktes: Ein Stück in sechs Akten. Gleich bleiben die Akte und die Bühne, Schauspieler und Schauspiel sind jedes Mal neu. 1. „Zwei Seiten einer Medaille“ ist der Titel des ersten Aktes und er bestimmte inhaltlich das fünfte Gotteswerk: Der Dialog mit Ihnen als Kunden, den wir als Austausch auf Augenhöhe führen, steht für uns an erster Stelle. Nur durch ihn gewinnen wir ein Gefühl für Ihre Wünsche, ein Verständnis für Ihr Produkt und einen Eindruck von Ihrem Unternehmen. Diese Ausgabe war die Einladung mit uns „ins Gespräch“ zu kommen – Nice to meet you! 2. „Spektrum an Variationen“ Die sechste Ausgabe stand im Zeichen des zweiten Aktes und illustrierte unter dem Motto „Spektrum an Variationen“ die Vielfalt an Möglichkeiten, aus denen wir in der Projektplanung schöpfen können. Wir haben Ihnen zahlreiche Druckverfahren vorgestellt und Ihnen gezeigt, welche unterschiedlichen Arten von Aufmerksamkeit Sie damit jeweils erreichen können. Die Spannbreite von haptisch-subtil zu optisch-markant ist unendlich! An dieser Stelle im Arbeitsprozess muss aber auch verständlich erklärt werden, welche Prozesse zu welchen Ergebnissen führen und mit welchen Kosten Sie jeweils zu rechnen haben. Sicher ist unser hoher Anspruch an Qualität und unserer Zuverlässigkeit bei der Realisierung Ihres Projektes. 3. „Versuch und Irrtum“ Das Gotteswerk des letzten Jahres beschrieb den dritten Akt, den wir mit „Versuch und Irrtum“ überschrieben haben. In dieser Phase geht es also ans Experimentieren, an das Schaffen neuer Wirklichkeiten. Wir versuchen und verwerfen, probieren etwas Anderes und finden so meist auch „das“ Neue, von dem wir zu Beginn noch nichts wissen konnten. Damit in diesem Akt nichts aus dem Ruder läuft, haben wir, wie Sie aus den Gotteswerken #5 und #6 wissen, bereits die Vorarbeit geleistet, denn die zeitlichen und finanziellen Eckdaten sind abgestimmt. 4. „Das richtige Maß finden“ Das aktuelle Gotteswerk inszeniert nun den vierten Akt: Das richtige Maß finden. In unserem Beruf ist Präzision von allergrößter Bedeutung, denn so mächtig unsere Maschinen auch von außen sind, in ihrem Innern zählen Millimeter. Das richtige Maß für Ihr Produkt zu finden, ist eine besonders spannende Aufgabe. Es umfasst die Größe ebenso wie die Auflage, berücksichtig Ihre Position ebenso wie Ihre Vision. Wir nehmen es eben genau mit Ihren Wünschen!

„No, thank's for your opinion“, spuckt die Frau fast ärgerlich aus und wendet sich nach links zum Gehen. Um diese Szene verstehen zu können, brauchen wir einiges mehr als nur die Bedeutung der einzelnen Worte. Wo wurde dieser Satz gesprochen? Von wem und wann? Und an wen war er gerichtet, als Reaktion worauf ? Dieser Satz weist sehr viele Leerstellen auf und sie stehen paradigmatisch für die Stellung des Menschen in der Welt: Zwischen uns und der Welt liegt eine Distanz, die wir beständig überbrücken müssen. Zwischen uns und den anderen Menschen liegt ein Unterschied, den wir überwinden müssen. Zwischen uns und dem „ganz Anderen“ liegt ein Graben, den wir nur überspringen können. Wollen wir Zugang finden zu dem, was außer uns liegt, dann brauchen wir Mittel und Wege der Aneignung. Wir müssen begreifen, was außer uns ist, wir müssen begreifbar machen, was uns umgibt. Aber wie? Wir fangen an einzuteilen, wir fangen an, zu messen. Und dann behaupten die einen: Das waren die Götter! Sie gaben uns die Mittel zu messen! Dann antworten die anderen: Nein, das war Gott! Er gab uns das Maß für die Dinge! Jetzt revidieren die einen: Das war der Mensch! Er maß Gott! Die anderen kontern: Es ist der „Andere“! Er trägt uns auf, zuallererst uns zu ermessen. Was auch immer es ist oder war, woher auch immer es kommt:

UNSER MASS IST UNSER ZUGANG ZUR WELT.

Im Buch der Weisheit ist es formuliert: DE SAP 11, 21: OMNIA IN MENSURA ET NUMERO ET PONDERE DISPOSUISTI. „Du aber hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht eingrichtet.“ Es ist also kein Zufall, dass wir uns auf diesem Weg der Welt und Gott nähern, sondern Notwendigkeit, wenn wir wirklich verstehen wollen.

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Mit der Eins fangen wir an. Sie ist der Ursprung allen Ursprungs, die Einheit, das Ungeteilte und damit Ausdruck für das Göttliche.

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Mit der Zwei verdoppelt und teilt sich das Vorhandene in gleiche Teile, die Dualität entsteht.  ffenbarung 11,3: Und ich werde meinen zwei Zeugen Kraft geben, und sie werden 1260 Tage O

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weissagen, mit Sacktuch bekleidet. Diese sind die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter, die vor dem Herrn der Erde stehen.

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Die Drei nun ist Symbol für den dreieinigen Gott (den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist) und sie bezeichnet die wirkliche Einheit, wie sie sich in Anfang-Mitte-Ende, in ObenMitte-Unten darstellt. Nicht zuletzt ist sie damit die Zahl der Erfüllung und Vollendung. Und auch von den göttlichen Tugenden gibt es drei: Glaube, Liebe und Hoffnung.

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Von Gott zu den Menschen: Mit der Vier ist allem voran beschrieben, was zur Welt und zum Menschen gehört: Die Himmelsrichtungen, die Jahreszeiten und die Grundelemente. Der Mensch hat vier Temperamente, vier Tugenden (Gerechtigkeit, Mäßigung, Tapferkeit, Weisheit). Demgemäß ist es auch kein Zufall, dass es vier große Propheten und vier Evangelien gibt und das Kreuz vier Arme hat. Sie ist die Zahl des Gleichklangs und der Gerechtigkeit.

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Hesekiel 1,5-8: Und aus seiner Mitte hervor erschien die Gestalt von vier lebendigen Wesen; und dies war ihr Aussehen: Sie hatten die Gestalt eines Menschen. Und jedes hatte vier Angesichter, und jedes von ihnen hatte vier Flügel. Und ihre Füße waren gerade Füße, und ihre Fußsohlen wie die Fußsohle eines Kalbes; und sie funkelten wie der Anblick von leuchtendem Kupfer. Und Menschenhände waren unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten; und die vier hatten ihre Angesichter und ihre Flügel.

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Mit der Fünf ist die Unvollkommenheit des Menschen bezeichnet und oftmals die Schwachheit.

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 ohannes 6,9: Es ist ein kleiner Knabe hier, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische hat; aber was ist J dies unter so viele?

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Nach dieser relativ unspektakulären Fünf erreichen wir mit der Sechs den bisherigen Höhepunkt der Zahlensymbolik. Die Sechs ist nämlich die arithmetisch vollkommene Zahl, die numerus perfectus: Eine vollkommene Zahl n ist eine Zahl, die halb so groß ist wie die Summe aller ihrer positiven Teiler (sie selbst eingeschlossen), d. h. ð (n) = 2n. D  ie Zahl Sechs ist also die kleinste vollkommene Zahl, weil die Summe ihrer möglichen Teiler (1, 2 und 3) mit der Zahl übereinstimmt. Neben den vollkommenen Zahlen gibt es auch noch untervollkommene Zahlen (die Summe der Teiler ist kleiner als die Zahl, z.B. 8) und übervollkommene Zahlen (die Teilersumme ist größer als die Zahl, z.B. 12). Aus diesen drei Zahlenarten leitet der spätantike Philosoph und Theologie Boethius ein moralisierendes Verständnis ab: Die unter- und übervollkommenen Zahlen gleichen den menschlichen Lastern, weil sie sehr verbreitet sind und sich keiner bestimmten Ordnung unterwerfen. Die perfekten Zahlen hingegen bewahren das rechte Maß, die Mitte zwischen Übermaß und Mangel und entsprechen damit den menschlichen Tugenden. Augustinus widmet sich den vollkommenen Zahlen zur Bestätigung des Wortes der Weisheit: „Du aber hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht eingerichtet.“

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Die Arithmetik liegt für die Bibelexegese deshalb so nah, weil das selbe lateinische Wort für die Vollendung der Schöpfung benutzt wird, mit dem auch die Vollkommenheit der Sechszahl beschrieben wird: consummare. In seinem Kommentar „De genesi ad litteram“ 1 macht sich Augustinus ausführlichst Gedanken zur Verbindung der Zahl Sechs mit der Schöpfungsgeschichte und beschränkt sich dabei natürlich nicht auf die Tatsache, dass Gott dafür eben sechs Tage gebraucht hat, sondern weist nach, dass auch die „innere Ordnung“, also die Gleichheit der Teilersumme mit der Zahl innerhalb des Sechs-Tage -Werks nachgewiesen werden kann. Und jetzt stellt sich die spannende Frage: Hat Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen, weil die Sechs numerus perfectus ist? Oder ist die Sechs numerus perfectus, weil Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat?  er erste Schöpfungstag mit der Erschaffung des Lichts, der für Augustinus zugleich die ErschafD fung der himmlischen Intelligenzen impliziert, steht als ein Tag für sich allein. Auf ihn folgen zwei zusammengehörige Tage, an denen das Weltgebäude, die „fabrica mundi“ geschaffen wurde: und zwar am zweiten Schöpfungstag zunächst der „oberen Bereich“, das Firmament des Himmels, und am dritten Schöpfungstag der „ unteren Bereich “, das trockene Land und das Meer. Die letzten drei Schöpfungstage fasst Augustinus dann in der Weise zusammen, dass an ihnen diejenigen Geschöpfe geschaffen wurden, die sich in dieser „fabrica mundi“ bewegen und sie bevölkern und schmücken sollten: am vierten Schöpfungstag zunächst wieder im oberen Bereich die Himmelskörper, Sonne, Mond und Sterne, am fünften Schöpfungstag dann im „unteren Bereich“ die Tiere des Wassers und der Luft, und am sechsten Schöpfungstag schließlich die Tiere des Landes und als vollkommenstes Werk zuletzt der Mensch. 2

1. Augustinus: De genesi ad litteram. www.augustinus.it/latino/genesi_lettera/index2.htm 2. www.lieberknecht.de/~diss/papers/p_vz_txt.htm

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Die Sechs wird zwar von der Sieben nicht in ihrer arithmetischen Vollkommenheit überholt, aber als Symbolzahl ist sie die Zahl der Bibel und der Kirche schlechthin. Sie steht für die Erfüllung, Vollkommenheit und Ganzheit, denn erst am siebten Tag ist die Schöpfung vollendet. Als größte einstellige Primzahl und Summe von 3 und 4 steht sie für die Verbindung des Göttlichen mit dem Menschlichen. Den drei göttlichen Tugenden zusammen mit den vier weltlichen Tugenden stehen die sieben Hauptsünden gegenüber. Die Woche hat sieben Tage, die katholische Kirche sieben Sakramente. Das neue Testament hat die Sieben als Symbolzahl und die Offenbarung des Johannes, die Apokalypse ist quasi im Zeichen der Sieben angelegt:

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Offenbarung 13,1: Und ich, sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, das zehn Hörner und sieben Köpfe hatte, und auf seinen Hörnern zehn Diademe, und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung.

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SO MESSEN SICH DIE MENSCHEN DURCH DIE JAHRTAUSENDE

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So messen sich die Menschen durch die Jahrtausende. Begleitet nicht nur von der Zahlensymbolik, sondern noch viel länger vom Satz des Pythagoras: „Homo mensura est – Der Mensch ist das Maß aller Dinge.“ Die Deutung ist umstritten, bis heute: Ist der Mensch das Maß aller Dinge? Ist es der einzelne Mensch, der zählt? Oder die Bescheidenheit, sich seiner Menschlichkeit bewusst zu sein und nicht so vermessen, sich mit Gott zu vergleichen? Das Maß bestimmt unsere Abhängigkeit ebenso wie unsere Freiheit. Mit ihm legen wir fest, was wir überhaupt in den Blick nehmen können und was wir übersehen wollen. Das Maß erschafft das Zentrum, dem wir uns annähern oder von dem wir uns entfernen. Zunächst ist tatsächlich der Mensch das Maß aller Dinge: Unser Körper. Durch ihn und mit ihm ermessen wir die Welt: Eine Elle, ein Fuß, ein Tagwerk, so wird die Welt eingeteilt. Diese Großzügigkeit wird bald zurückgedrängt, indem nun Maschinen und Messgeräte für Genauigkeit und objektive Vergleichbarkeit sorgen. Gott rückt bei all dem immer weiter aus dem Blickfeld und der homo faber bleibt lieber unter sich. Es spricht allerdings nicht viel dafür, dies im Sinne der Bescheidenheit des Homo-Mesura-Satzes zu interpretieren. Gleichzeitig wird in der Kunst die Berechenbarkeit aufgegeben. Dem streng normierten Gedicht des Mittelalters wird das Fragment entgegengesetzt, dem festen Dramenschema das offene Drama und der Roman erfindet sich und den Menschen völlig neu. Aber all diese Neuerungen bewahren in sich doch die Ordnung und Form, wenn auch im Spiel mit ihrer Umkehrung bzw. Aufgabe. Mit dem Zugewinn an Individualität und Freiheit verliert auch das rechte Maß seine feste Bestimmung. Als Mitte zwischen zwei Extremen wird es nun verhandelbar, weil die Extreme ihren Grenzcharakter verlieren: Immer mehr wird möglich, immer neues wird wirklich. Unsere Mäßigung ist schon wieder ein Extrem: So wird aus Diät eine Essstörung, erwachsen aus Überfluss und Wohlstand. Gleichzeitig zu dieser Entwicklung geschieht leise und fast unbemerkt auch etwas anderes. Der Mensch, der sich eben noch als Gestalter seiner Umwelt, als Ermesser und Berechner der Welt betrachtete, wird nun durch die Ausbildung der Humanwissenschaften selbst zum Gegenstand seiner Betrachtung und ahnt vielleicht, dass sich an seiner Zentralstellung auch (wieder) etwas ändern könnte: Dass er unter bestimmten Umständen verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand. So zumindest lautet die Vermutung von Michel Foucault.3 Andererseits könnte man bis zur Zeit dahin Überlegungen anstellen, ob das rechte Maß, die Mitte zwischen den Extremen, immer noch gefunden werden kann? In der Suche nach dem eigenen Sinn, dem eigenen Potential und seinen Grenzen zum Beispiel? In seinem Stück „Herkules und der Stall des Augias“ lässt Friedrich Dürrenmatt dies Augias im Gespräch mit seinem Sohn Phyleus so formulieren: Aus Mist ist Erde geworden. Gute Erde. Siehst du, mein Sohn, an diesem Garten habe ich ein Leben lang im geheimen gearbeitet, und so schön er ist, er ist ein etwas trauriger Garten. Ich bin kein Herkules, und wenn nicht einmal er der Welt seinen Willen aufzuzwingen vermag, wie wenig erst vermag ich es. So ist dies der Garten meiner Entsagung. Ich bin Politiker, mein Sohn, kein Held, und die Politik schafft keine Wunder. Sie ist so schwach wie die Menschen selbst, nicht stärker, ein Bild nur ihrer Zerbrechlichkeit. Sie schafft nie das Gute, wenn wir selbst nicht das Gute tun. Und so tat ich denn das Gute. Ich verwandelte den Mist in Humus. Es ist eine schwere Zeit, in der man nur so wenig für die Welt zu tun vermag, aber dieses Wenige sollen wir wenigstens tun: Das Eigene. Die Gnade, daß unsere Welt sich erhelle, kannst Du nicht erzwingen, doch die Voraussetzungen in dir kannst du schaffen, daß die Gnade – wenn sie kommt – in dir einen reinen Spiegel finde für ihr Licht. Du hast eine Frau geliebt und verloren. Sie war nicht für uns geschaffen. Zu finster ist es noch. So sei denn dieser Garten dein. Wenig gebe ich dir, ich weiß, doch sei nun wie er: Verwandelte Ungestalt. Trage du nun Früchte. Ersetze mit dir selbst das Verlorene. Wage jetzt zu leben und hier zu leben, mitten in diesem gestaltlosen, wüstlosen Land: Die Heldentaten, die ich dir nun auferlege, Sohn, die Herkulesarbeit, die ich auf deine Schultern wälze.4 3. Michel Focault: Die Ordnung der Dinge, S. 462 4. Friedrich Dürrenmatt: Herkules und der Stall des Augias, S. 226f.

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DIE IST N UD BIST VON STALT


ZEIT E BOSE DU C SHOEN GE DIE PAULUS-AKTEN


Nun, diese „Kontraktion“, wie ich die Verbindung zweier Bruchstücke aus Erinnerungsoder Assoziationsketten nenne, zur „Illusionsmalerei eines dritten Ohres“ hat durchaus ein Überraschungsmoment, sogar für mich (kenne ich doch sehr genau jeden Weg, aber nicht alle möglichen Abkürzungen, um es mal so zu formulieren und damit die Freiheitsillusion noch mindestens heute Nacht zu erhalten). Meine Fachtermini kommen durchaus eher aus dem technischen Bereich, ich habe eben noch klassisch Sargschreiner gelernt und Onomatopoesie war zugegebenermaßen nicht das zweite Fremdwort, das ich beherrschte. Weil ich aber mein letztes Praktikum in der Jesus-Esel-Senor-Fabrik in Jucuapa, El Salvador, absolvierte, bediene ich mich mitunter auch noch der spanischen Fachsprache (puta madre etc.). Jucuapa war reine Akkordarbeit und ungefähr genauso deprimierend – obwohl andersherum – wie im Jahr vor den Passionsspielen in Oberammergau mit der Friseurausbildung zu beginnen. Zu meiner Zeit in eine Schreinerfamilie hineingeboren zu sein, bedeutet, dass einem der Sarg bereits in die Wiege gelegt wird. Meinen Umgang gefunden habe ich damit, dass ich mich jeder technischen Neuerung so gut widersetze als nur irgend möglich und weiterhin – wie immer schon – ausschließlich handverzinkte Särge anfertige. Für den Fall, dass sich Ihnen die immanente Bedeutung dieser Arbeitsweise nicht wie von selbst erschließt, lassen Sie mich bitte erklären: Gezinkte Dinge sind für die Ewigkeit gemacht und deren Herstellung dauert entsprechend seine Zeit. Im verwendeten Werkzeug achte ich auf sinnvolle Namensgebung, wobei ich mich da nicht dogmatisch allem Neuen verschließe, wenn es um die Qualität geht (vgl. meinen Beitrag im „Holzwerkerblog“: „Vor allem die Lie Nielsen Zinkensäge hat sich wirklich bewährt. Es sägt sich damit viel besser, als mit den Veritas Zinkensägen. Das heißt jetzt nicht, dass die Veritas Sägen schlecht sind, aber die Lie Nielsen ist einfach um Längen besser.“ Auch hier entschuldige ich mich für den Ton. Das Internet!). Beim Material verwende ich astfreie Herzbretter, weil diese sich nicht verziehen, geschnitten am liebsten aus Raminhölzern aus Sarawak, Malaysia. Ramin ist überhaupt nicht wetterfest und extrem anfällig für Pilzbefall und damit ideal für die schnelle Verwesung als widerstandslose Hingabe an das alte Versprechen: „Denn Staub bist du, und zum Staub kehrst du zurück.“ Nur darum geht es mir und nicht etwa um die Verkürzung der Ruhezeiten auf Friedhöfen. Von der Bestellung bis zur Ausfertigung (ich fertige nur Unikate und ausschließlich zum Selbstkostenpreis) ist mit mindestens sechs Wochen zu rechnen (mein Brotberuf, die Auftragslage), weshalb es sinnvoll ist, sich bei Zeiten seinen Sarg zu bestellen, damit man dann, im Fall der Fälle, nicht wochenlang im Kühlkeller des Bestattungsinstituts gefangen ist. Im Grunde rate ich jedem Erwachsenen, seinem Sarg bereits frühzeitig einen Platz in seinem Leben einzuräumen, ihn durchaus ins Leben zu integrieren. Vielleicht sogar eine Zwischennutzung für ihn zu finden, die Gedanken sind auch in dieser Richtung völlig frei. Sie möchten jetzt einwenden, „schön und gut, aber so eine Urne ist doch platzsparender, und auch für die Zwischennutzung liegen deutlich mehr Möglichkeiten auf der Hand (Zierkugel im Garten, So-tun-als-wäre-es-eine-Vase-und-auf-irgendeinem-Schrank-deponieren etc.)“ und da kann ich Ihnen einerseits nur aufrichtig zustimmen, um Ihnen anderseits ebenso heftig zu widersprechen und das Ganze in nur einer Frage verpackt: Ja worum geht es denn hier eigentlich?

Eine Zeit lang Text: Monika Obermeier

Fotos Jan Schünke


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Das ist die Bescheidenheit des Bayern. Wenn er oder sie Zeitlang hat, dann ist jemand oder etwas, das er / sie gerne in der Nähe hat, nicht da. An dieser Stelle, wo das Hochdeutsche von Sehnsucht, Vermissen vielleicht auch Heimweh spricht, beschränkt sich das Bairische auf die Beschreibung dessen, was zweifellos der Fall ist: Wenn jemand oder etwas fehlt, dann wird einem die Zeit bis zur Wiedererlangung der Vollständigkeit lang. Weil der Bayer aber auch sehr genau weiß, was der Unterschied ist zwischen der langen Zeit (siehe auch „Die lange Zeit“) und einer Zeit lang (siehe auch „Eine Zeit lang“), aus der möglicherweise – aber nicht zwingend – Zeitlang entsteht, drückt er damit auch aus, dass es vorbei gehen wird, dass es gut ausgehen wird, wenn man es eben „dawarten“ kann. Das weiß man bei der Sehnsucht und beim Vermissen ja nie so genau: Lässt sich die Sehnsucht jemals einholen, das Vermissen wirklich beenden? Die Romantiker hatten ein ambitioniertes Programm in diese Richtung hin angelegt und wollten in der Transzendentalpoesie als Poesie und gleichzeitg Poesie der Poesie eine beständige Bestimmung des Verhältnisses von Realem und Idealem. Und wenn man sich das jetzt einmal genau überlegt, dann drückt doch die Zeitlang, die der Bayer und die Bayerin empfindet, im Grunde genau das äußerst ungleiche Verhältnis aus zwischen dem Realen – der Zeit, die jetzt vergehen muss, bevor eintreten kann, was eintreten soll – und dem Idealen, also dem Zustand der Vereinigung, am besten verbunden mit einer gewissen Zeitlosigkeit. Im Grunde ist es dann die Zeit und die Zeit der Zeit, über die hier geschwiegen wird. Die Zeitlang, die man hat, übt sich also einerseits in Bescheidenheit und ist andererseits ambitioniert genug, von ihrer Erfüllung geradezu auszugehen. Eine dieser Ambivalenzen, von denen das Bairische voll ist. Und die Bayern erst!

Zeitlang Text: Monika Obermeier

Fotos Jan Schünke


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Eine Zeit lang – Zeit innerhalb der Zeit, die hinter einer andern und vor einer wieder andern liegt. Und dann noch was ganz Anderes: „Allenthalben“ schreiben und allenthalben meinen, sind halt immer noch zwei paar Stiefel. Aber vielleicht ist einem das auch irgendwann wurscht, weil man ja durchaus frustriert sein kann darüber, dass keiner mehr sagt, was er meint oder meint, was er sagt, was beileibe nicht ein und dasselbe ist. Der, der was sagt, was er aber gar nicht meint, also der, der was anderes sagt, als was er meint, den halten wir zwar für hinterfotzig, trauen ihm aber doch eine ganze Menge zu, wenn nicht sogar mehr. Der, der nicht meint, was er sagt, weil er nämlich gar nicht weiß, was er mit dem, was er sagt, meint, der steht erst sauber da und alle schau‘n ihn an mit gespitzten Ohrwascheln, bis dann einer mal fragt: „Du sag einmal, was meinst Du denn, wenn Du sagst „allenthalben“ (also jetzt nur zum Bleistift. Ja, dann kommt meist nicht viel, und dann dreh’n sich alle doch lieber wieder dem andern zu, der zwar nicht sagt, was er meint, aber wohl zumindest irgendwas meint, was er uns halt nur nicht sagen will. Und da sind wir vielleicht auch selbst schuld, und darauf lässt sich aufbauen.  Aber wahrscheinlich tut mir die Arbeit in meiner kleinen Detektei am Rande der Stadt einfach nicht gut. Auch quält mich immer noch die Frage: „Wie macht man Werbung für verdeckte Ermittlung?“ Da musst Du als Dienstleister ein ausg’fuxter Hund sein, und v.a. in Sachen Kostüm 1 A präpariert. Wir Bayern sind da natürlich ein bisschen im Vorteil, weil wir Wolpertinger ja noch von früher her kennen, und das gibt einem kostümtechnisch natürlich schon viele Inspirationen. Das Tragen einer Kombination verschiedenster Stoffe und Accessoires, gern auch in den Farben der letzten Herbstkollektion, führt nämlich zu einer Art Mimikry in reverse, die vom gemeinen Beobachteten genauso unbemerkt bleibt, wie die beste Imitation einer Litfaßsäule, mit dem nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass man damit auch Straßen überqueren kann. Und so ähnelt mein Vorgehen meistens dem, was ich mir aus irgendwelchen Detektivserien abschaue. Detektiv ist schließlich kein Ausbildungsberuf. Und da ich auch nicht aus einer Detektivfamilie stamme, gibt es weder tradiertes Wissen noch Berufsethos. So dauert es in der Regel eine Zeit lang, bis ein neuer Auftrag reinkommt. Wie gesagt, das Problem mit der Werbung. Mit Mundpropaganda ist auch nicht viel in meinem Metier, weil die Seite, die mich beauftragt hat, steckt in der Regel nicht kontinuierlich in Schwierigkeiten, und die andere Seite weiß ja nichts von mir. Und in dieser Zeit innerhalb der Zeit, die hinter einer andern und vor einer wieder andern liegt, paart sich dann eine unerfreuliche Bedeutungslosigkeit mit einer noch unerfreulicheren Habelosigkeit. Und da sind wir jetzt wieder bei den Fernsehdetektiven, denn es ist ja kein dramaturgischer Zufall, dass die immer als völlig zerzauste Zausel aufgetreten lassen werden, sondern dies ist natürlich ein sehr realistischer Blick auf die Welt, wie sie nun einmal ist, mit der großen Einschränkung, dass dargestellt wird, was nicht dargestellt werden kann. Will sagen: zerzauster Zausel ja, sichtbarer zerzauster Zausel niemals! Ach, vor einigen Jahren hätte ich noch stundenlang über diese déformation professionelle, die auch mein Leben vollständig zerstört hat, geredet. Heute fehlt mir dafür einfach der Alkohol.

Eine Zeit lang Text: Monika Obermeier

Fotos Jan Schünke


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WEG H IM !

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EIN ZAU R BEER MIT P. 43

DIE PAULUS-AKTEN


NICHT N SUEDE RE A E SMK I T GEN M HIMEL


EURE — EU E GCNUEG SHREIT EUER GEIZ SELBST IN EURER SÜNDE SCHREIT GEN HIMMEL.

NIETZSCHE, ZARATHUSTRA


Was sucht Ihr? Das ist für mich die spannendste Frage überhaupt, denn das bedeutet, offen zu sein für eine große Sehnsucht.

Interview Abt Johannes Eckert

Fotos Maximilian Prechtl

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Interview

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Abt Johannes des Klosters Sankt Bonifaz

„Stat crux dum volvitur orbis“ (Das Kreuz steht fest, während die Welt sich dreht) Welche Bedeutung hat dieser Satz für Sie in der heutigen Zeit?

Dieser Spruch der Kartäuser (spätes 16. Jhd.) drückt eine starke Bewegung aus, die sich konsequent aus dem Geschehen der Welt herauszieht und den Weg Jesu geht. Das zentrale Thema ist Jesus (Tod und Auferstehung) und durchbricht daher die Zeit. Für St. Bonifaz ist dieser Vers nicht so entscheidend. Alles, was vergeht und das Eindringen Gottes in die Zeit durch seinen Sohn bedeutet für uns das maßgebliche Geschehen. B

Ist das der Sinn des Lebens, das Eindringen in die Zeit? Ist das dann für alle Menschen gleich?

Ich tue mir da etwas schwer. Natürlich bin ich Christ, aber ich setze da an, wo auch Benedikt das tut: Wenn jemand neu zu uns ins Kloster kommt, sollen wir prüfen, ob er Gott sucht und nicht, ob er ihn gefunden hat. Das erste Wort also auch aus dem Johannes Evangelium, das da heißt: Was sucht Ihr? Und das ist in meinen Augen die entscheidende Frage unserer Zeit, insbesondere hinsichtlich der Wertedebatte. Und nicht nur: Was suche ich? Sondern: Was suchen wir, was sucht Ihr, was suchen wir gemeinsam? Was sind Werte an denen es sich auszurichten gilt? Das ist für mich ein offener und spannender Ansatz. Denn das bedeutet, offen zu sein für eine große Sehnsucht. Hat er noch nicht alles gefunden, so ist er noch auf der Suche nach der Fülle des Lebens und hat nicht schon alle Antworten. Deshalb tue ich mir auch mit dem Satz „Das Kreuz steht fest, während die Welt sich dreht“ schwer, da das so eine starke Antwort ist. Ich sehe unsere Aufgabe, auch als Mönche, in der heutigen, fragwürdigen Zeit, eher darin, diese Fragen zu stellen. C

Das zeigt ja auch etwas die Debatte um das Kreuz generell, soll es hängen, etc. eine Diskussion und ein Anspruch, der vielleicht falsch bewertet wurde?

Diese Diskussion zeigt ganz deutlich: Wir hängen Kreuze auf, aber wir müssen doch fragen, für welche Werte diese Symbole stehen. Und hier würde ich auch gerne die Staatsregierung hören, wie sie sich in der Flüchtlingsdebatte erklärt. Für was steht ein Gekreuzigter überhaupt? Ist er ein Symbol für einen Verbrecher, der hingerichtet wird und öffentlich zur Schau gestellt wird? Das ist der Gekreuzigte, der Mensch am Ende. Derjenige, der keine Lobby hat und das sind auch z.B. die Menschen, die auf der Flucht sind und zu uns kommen. Was soll mit einer Aktion, Kreuze aufzuhängen erreicht werden und welche Werte stehen dahinter? Die Erklärung des Ministerpräsidenten, es wäre kein religiöses Symbol, ist natürlich höchst peinlich.

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Was bedeutet Zeit für Sie persönlich? Ein Kloster, indem hat man Zeit – Ja oder Nein? Wie lang ist die Ewigkeit?

Wir haben genauso viel Zeit wie Sie, aber es geht um den Umgang mit der Zeit. Es gibt in der griechischen Mythologie zwei Begriffe für Zeit: Der eine ist Chronos, die Chronologie, die Zeit, die vergeht. Getaktet und in Kalendern festgehalten beispielsweise. Und dann gibt es den zweiten Begriff: Kairos – der rechte Augenblick. Meiner Meinung nach müssen wir sehr aufpassen, dass wir in der Chronologie nicht die Kairologie verlernen. Das ist auch hier im Kloster eine Aufgabe, zu der es gehört, immer wieder die Zeit zu durchbrechen. Mit Zeiten des Gebetes, der Ref lexion, des Schweigens, der Stille, damit wir sensibel bleiben für den rechten Augenblick. Wenn es im Evangelium heißt, die Zeit ist erfüllt, heißt das nicht, Tempos ist erfüllt, sondern Kairos ist da. Um das zu erkennen, bedarf es äußerster Sensibilität. Wie gehe ich mit der Zeit maßvoll um? In unserer Gesellschaft ist es etwas extrem, habe ich das Gefühl. Es gibt viele Menschen, die gar keine Zeit haben oder das sagen, denn solange wir leben, haben wir Zeit, es ist ja nur die Frage, was wir mit der Zeit anstellen. Die Aussage „Ich habe keine Zeit“ stimmt einfach nicht. Wenn Sie hier in unseren Hof schauen, sehen Sie Obdachlose oder auch alte Menschen und Rentner, die haben offenbar viel Zeit. Von Montag bis Freitag sind die meisten Menschen getaktet, am Wochenende haben sie dagegen viel Zeit. In der gegenwärtigen Zeit stelle ich die Frage nach dem großen Ganzen. Wo setzen wir uns Grenzen, so dass wir im besten Falle den Eindruck haben, Zeit zu haben? In diesem Zusammenhang stellt sich z.B. auch die Frage nach der Erreichbarkeit. Muss ich wirklich noch bis spät nachts E-Mails abrufen oder Nachrichten verschicken? Es war schon immer die Herausforderung des Menschen, Grenzen zu bestimmen, Grenzen zu setzen und Grenzen einzuhalten. Im Kloster haben wir das gelernt. E

Ich habe ein Buch gelesen von Amseln Grün, da ging es genau darum, dass die Zeit im Kloster anders strukturiert ist, mit klaren Abläufen belegt und man nicht von A nach B hechelt, rund um die Uhr, wie so viele von uns.

Es ist eine ganz andere Wahrnehmung. Als ich ins Kloster eingetreten bin, war das Schwerste für mich, die Ordnung einzuhalten, den Rhythmus. Als Student konnte man sagen „oh das Wetter ist schön, ich schwänze mal die Vorlesung und wir bleiben so lange am Starnberger See, wie es uns gefällt“. Zunächst empfand ich den Ablauf im Kloster als stark eingrenzend, aber je älter ich werde, desto freier fühle ich mich mit diesem Ablauf und ich kenne keine andere Lebensform, die so viel Freiheit schenkt. F

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Warum wissen Sie, dass diese Lebensform die richtige ist (im Gegensatz zu all den anderen Lebensformen, die existieren), insbesondere in Hinblick auf die Ewigkeit?

Gehen wir wieder von dieser Frage „was sucht Ihr?“ aus. Hier ist es die Frage, die Lebensform zu finden, die für mich stimmt, die mir entspricht. Theologisch gesprochen: Für was bin ich ins Leben gerufen und was soll aus meinem Leben werden, was ist meine Berufung? Das muss am Ende eines langen Lebens auch nicht die eine Form sein, da gibt es viele Formen, die in unterschiedlichen Phasen passen können. Ich habe gespürt, dass ich von dieser Lebensform und der Frage nach Gott einfach nicht loskomme. Dass ich dieser Frage mein Leben widmen muss. Das heißt aber nicht, dass ich damit immer glücklich bin, das bedeutet oft Ringen und Zweifeln, Durststrecken und Krisen, das ist unbedingt nötig, um weiter


zu kommen. Es ist auch wichtig, dass es Menschen gibt, die die Gottesfrage leben. Wenn jemand Gott begriffen hat, dann hat er ihn nicht begriffen, denn Gott übersteigt unsere Wahrnehmung und wir können ihn nur zeitweise erspüren und in diesem Moment tritt die Ewigkeit in die Zeit ein, in Momenten des Glücks, des Staunens, aber das ist noch lange kein Beweis. Aber es hilft uns zu glauben. Glaube ist ein Protest des Vertrauens, das ist das Spannende. G

Gilt diese Sichtweise für alle Brüder oder gibt es da gravierende Unterschiede?

Nein, da gibt es natürlich Brüder, die sagen, ich habe Gott gefunden und er weist mich an, das und das zu tun. Ich bin da vorsichtiger, weil für mich das Mönchstum bedeutet, auf die Suche zu gehen, sich auf einen oft diffus erscheinenden Weg zu begeben. Als Christ stellt sich hier die Frage, kann ich darauf vertrauen, dass in Jesus, der sagt, er ist Gottes Sohn und von ihm gesandt, ansatzweise sichtbar wird, wie Gott ist, also dass er „ganz der Papa“ ist. Kann ich darauf vertrauen, wenn Gott die Liebe ist, dass er sich ganz auf eine neue Lebensform einlässt? H

Wieso ist das Maß, das Maß-Halten für Sie eine so wichtige Kategorie? Welche Maßstäbe werden angelegt und woher kommen sie?

Das Maß ist die Mutter aller Tugenden, so Benedikt. Er hatte dies erlebt, indem er durch das Bestreiten vieler Extreme zur Mitte gefunden hat. Das ist ein normaler Reifungsprozess. Ein junger Mensch, der voll ist von Idealen und mit diesen seinen Lebensweg beschreiten will, der ist mit Mitte zwanzig vielleicht noch einmal ganz anders in den Extremen als jemand, der in der Mitte oder im Herbst des Lebens steht und ins Lot gekommen sein sollte. Das richtige Maß ist eine Lebensaufgabe und das richtige Maß heißt ja auch, sich aus der Mitte heraus zu bewegen. Balance finden ist das zentrale Thema. Zum Thema Maßstäbe setzen, gibt es von George Bernard Shaw den schönen Satz: „Der einzige vernünftige Mensch in meinem Leben ist mein Schneider. Er nimmt immer wieder neu Maß, während die anderen Denken, alte Maßstäbe gelten noch.“ Das Maß muss immer wieder bestimmt werden. Selbst wenn ich weiß, Pater XY ist so oder so und sich daraus Maßstäbe ergeben, kann er sich ja weiterentwickeln und dann muss ich nachjustieren. Das bedeutet Führungsverantwortung und man muss mit der nötigen Klugheit – das Maß ist eine der vier Kardinaltugenden – und Sensibilität sehen, was sich verändert hat, lebensgeschichtlich z.B. und prüfen, ob der Maßstab noch passt. I

Der Mensch hat das Streben nach mehr. Wir sollten doch aber auch sehen, wo (unsere) Grenzen sind, oder? Es ist interessant, dass es in Zusammenhang mit dem Maß

zwei Pole gibt: Zum Einen die Maßlosigkeit, zum anderen die Anmaßung. Hier ist die Kunst, mit der richtigen Sensibilität in sich zu horchen oder auch der Außenwelt Gehör zu schenken und herauszustellen, was eigentlich (wirklich) zu mir passt und was angebracht ist. Oder bringen manche Dinge bzw. Statussymbole etwas zum Ausdruck, das ich gar nicht bin? Aus manchen gesellschaftlichen Zwängen werden wir nicht herauskommen, wie z.B. aus einer gewisse Kleiderordnung.

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Wie sehen Sie das mit der Maß auf Andechs?

Benedikt sagt, dass der Mönch eigentlich keinen Wein trinken sollte, da der Genuss wegführt vom Weg. Er geht


aber auf den Wunsch der Mönche ein, weil er sagt, in den heutigen Zeiten (5. Jhd.) ist dieses Verbot schwer einzuhalten. Er plädiert daher für das gesunde Maß, bei viel Arbeit darf es etwas mehr sein, aber nie zur Trunkenheit führen. Wo kein Wein wächst darf man nicht traurig sein, sondern sollte Gott danken. Auch hier versucht er alles klug auszuloten. K

Darf der Mensch das richtige Maß bestimmen oder nur Gott?

Für viele Menschen wird das richtige Maß durch Gott vorgegeben, wie in den zehn Gebote, aus denen das Handeln abgeleitet wird. Wo fängt menschliches Leben überhaupt an und wo hört es auf? Das ist eine Debatte, die das Gebot „Du darfst nicht töten“ kontrovers diskutiert. In einer global gewordenen Gesellschaft mit unterschiedlichen Glaubenseinwirkungen wird es schwer, eine Antwort zu geben, da ich Normen hier nicht nur durch göttliche Regeln herbeiführen kann. Hier brauche ich alle und jeder sollte mitwirken bei dieser Debatte. Das Maß durch alle finden, wie bei den Menschenrechten, als vorgegebene Norm, an der wir nicht vorbei gehen und die auch nicht zur Disposition gestellt wird. Eine aktuelles Thema in diesem Zusammenhang ist „Asyl“: Wo fängt Asyl an und wo hört es auf? Ist es ein Menschenrecht, das nicht diskutiert werden darf? Was, wenn es schon sprachliche Entgleisungen gibt wie „Asyltourismus“? Für mich ist das ganz einfach: Die Flüchtlingsproblematik ist die andere Seite der Globalisierung und wenn die Welt enger zusammenrückt, dann gehört das auch dazu. Die Tatsache, dass 2/3 unserer Obdachlosen Osteuropäer sind, lässt sich auf die EU Erweiterung zurückführen. Dieselbe Herausforderung gab es im 10. Jhd. mit der Landf lucht in Bayern, nach der Wende kamen Menschen aus Sachsen und Brandenburg in andere Bundesländer. Damit muss man sich auseinandersetzen, weil wir nicht nur die Vorteile der Globalisierung nutzen können, sondern auch die anderen Aspekte und unsere Verantwortung sehen müssen. L

Die Kirche im Wandel – Ist Kirche weiblich?

Die Kirche ist sowohl weiblich wie männlich, eine Gemeinschaft derer, die an den Herrn glauben. Natürlich ist die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche ganz stark männlich geprägt aus der Historie heraus, welche sie nicht aufgeben oder verändern will. Ob das gut oder schlecht ist, sei einmal dahin gestellt, ich würde mir hier mehr Veränderung wünschen! Es kommt auch ein Buch von mir heraus, in dem ich mich mit den namenlosen Frauen im Markus Evangelium beschäftige. Hier könnten wir viel lernen von den Kirchen, die aus der Reformation entstanden sind. Gerade im Ordensbereich haben wir ganz große weibliche Persönlichkeiten, die die Kirche geprägt haben und aktuell prägen und warum können diese nicht auch noch in anderer Form Verantwortung übernehmen? Von daher ist Kirche beides. Interessant ist es, wenn man es spirituell betrachtet: Man kann, wenn wir vom Geist Gottes sprechen, vom heiligen Geist, eine stark weibliche Komponente in diesem sehr maskulin bestimmten Begriff der Dreifaltigkeit entdecken. Der Vater, der Sohn, der heilige Geist. Im Hebräischen ist der Geist weiblich. Damit wird die mütterliche Kraft Gottes beschrieben.

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Wie sehen Sie die Verbindung bzw. Trennung von Glauben und Kirche als Institution? Kann man wirklich religiös sein ohne Institution oder sogar nur dann?

Es ist wichtig, beides zu haben. Religion ist dem Menschen gegeben. Die Fragen nach Gott, dem Sinn des Lebens, nach dem Weiterleben nach dem Tod usw. sind den Menschen irgendwie ins Herz geschrieben. Von daher braucht es die Institution zunächst nicht. Aber die Institution steht für die Erfahrung der Menschheitsgeschichte. Gotteserfahrung und Mythen wurden aufgeschrieben und helfen uns nun dabei, die eigene Erfahrung, die ja oftmals ins Diffuse geht, zu spiegeln. Wir dürfen Charisma und Institution nicht gegeneinander ausspielen. Charisma braucht immer wieder auch das Antlitz der Institution zur Spiegelung, aber die Institution darf nicht zur Verwaltung werden. Die Kirchengeschichte zeigt, dass immer wieder neue Ordensrichtungen entstanden sind, mit denen sich die bestehenden Gemeinschaften zunächst sehr schwergetan haben. Im Rahmen der Auseinandersetzung kam es schließlich zur Akzeptanz und beide Seiten haben profitiert. Ich sehe heute viele religiös Suchende und das sehe ich als sehr positiv, auch wenn es weit entfernt und außerhalb der Institution Kirche geschieht.

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Was würden Sie dazu sagen, dass nur noch diejenigen die Feiertage als arbeitsfreie Tage „nutzen“ können, die entweder noch in der Kirche sind, oder sich zumindest als (christlich-) religiös bezeichnen?

Das wäre eine Frage der Macht. Feiertage sind ein Geschenk an die Gesellschaft, miteinander Zeit zu verbringen oder zur Ruhe zu kommen. Klar sind die Feiertage katholisch geprägt, aber das ist doch schön. Es wurde auch schon einmal angestoßen, einen muslimischen Feiertag einzuführen. Als Kind habe ich die evangelischen Feiertage immer sehr genossen, für mich kann es auch weitere geben, aber in erster Linie sollten wir sie als Geschenk wie den Sonntag sehen.

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Heute scheinen Fragen nach dem Sein, dem Sinn, der Herkunft und der Weiterentwicklung der Persönlichkeit wichtiger denn je. Welche Antworten hat die Kirche auf diese Fragen? Welchen Raum haben diese Aspekte des menschlichen Lebens innerhalb der Kirche? Oh je, das ist ein sehr komplexes Thema. Zunächst geht das

Christentum von einem starken Individuum, von der Person aus. Jeder Einzelne ist so wie er ist von Gott geschaffen, angenommen und geliebt. Diese hohe Wertschätzung und der besondere Stellenwert des Individuums wie wir es in der heutigen Gesellschaft haben, basiert eigentlich auf dem Christentum, ist dort entstanden. Manchmal muss ich schmunzeln, wenn von Seiten der Kirche so über die Individualisierung geschimpft wird. Natürlich sind das Judentum und das Christentum auch soziale Religionen, aber von einem so starken Individuum ausgehend, ist unsere Religion absolut individualistisch. Das zeigen auch die Fragen nach meiner Berufung, meinen Gaben, Talenten und Fähigkeiten, die ich vorhin angesprochen habe. Werde was Du bist. Hier finde ich es wichtig, dass die christliche Gemeinschaft beschützt und dem Menschen hilft, das zu finden, was er ist. Werde ich dem gerecht, was ich bin? Gerechtigkeit ist damit auch ein Thema der Gesellschaft, das sich in vielen Aspekten zeigt, wie z.B. kindergerechte Sprache, behindertengerechte Einrichtungen, etc. Dahinter steht immer die Frage: Wie werde ich dem Einzelnen gerecht?

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Wie groß ist die Angst der Kirche, durch „zu viel“ Wandel von ihrer Substanz zu verlieren? Oder ist die eigentliche Herausforderung, das Moment der „Wandlung“ im Glauben begreiflich zu machen? Den Moment, wo aus Nichts Alles wird und der Mensch die Gnade Gottes erfährt? Und wie stehen Sie in diesem Punkt zur ökumenischen Bewegung?

Ich kann nicht für die Kirche sprechen, denn Sie merken schon, wir Mönche sind ganz andere Existenzen der Kirche als zum Beispiel Kardinäle. Eine so stark institutionell geprägte Organisation wie die römisch-katholische Kirche ist natürlich ganz stark durch Traditionen geprägt. Sie wird nicht selten als Bollwerk gegen den Wandel betrachtet. Wenn man sich die Kirchengeschichte genauer ansieht, war die Kirche immer sehr erfinderisch, auf die Veränderungen der Zeit einzugehen. Ich habe gar keine Angst vor dem Wandel. Was sich bei uns im Kloster alles gewandelt hat, als Leben, ist gut und ich stehe dem ganz offen entgegen. Die Gnade Gottes, die Sie angesprochen hatten, sofern es den Gott gibt, den wir verkünden, kann man oft in dem entdecken, was wir uns nicht so wünschen. Wenn ich die biblische Geschichte ansehe, dann kommt Gott immer in völlig suspekten Lebenssituationen zum Vorschein. Das ist spannend. Die Leute sind sensibilisiert, wir leben in einer Zeit eines wahnsinnigen Umbruchs. Nach der Wende hat man gedacht, dass die Welt auf eine große Einigung zugeht, aber aktuell sind es ja nur Kräfte, die auseinanderziehen, was viele Menschen verunsichert. Was steht dahinter, ist das vielleicht ein Weckruf Gottes? Haben wir die Jahre davor im Schlafwagen verbracht und jetzt geht der Schaffner durch und sagt „aufwachen“? Ich weiß nicht, wo es hinführt, aber es ist spannend in der Zeit der Postmoderne zu leben, eine neue Zeit, deren Namen wir noch nicht kennen. Es ist ebenso ein Sprung der Epochen wie von der Antike ins Mittelalter, in die Zeit, in der Benedikt gelebt hat. Im römischen Reich ist die Ordnung und Zivilisation auch zusammengebrochen, wenn man an die Völkerwanderungen denkt, da gibt es einige Parallelen. Gerade in so einer Zeit gilt es nach den stabilen Größen zu fragen. Für uns kommt da das Gelübde des Bleibens zum Tragen. Die Menschen können zu uns kommen, wir bleiben, wir sind da. Das Bleiben ist für mich wahnsinnig schwer, das gebe ich offen zu, aber es ist auch ein wichtiges Charisma für mich und stellt einen hohen Wert dar. Wir sind alle auf der Suche, dranbleiben ist wichtig. Dabei hilft es, in den Fragen zu bleiben, denn das öffnet so viele Türen. Ich hatte eine tolle Begegnung auf einem Empfang der Staatsregierung, obwohl ich so Empfänge eigentlich gar nicht mag, denn die sind so ein Schaulaufen, man kommt sich schnell selbst wichtig vor. Jedenfalls traf ich ein junges Ehepaar und als die Frau ihren Mann so streng ansah, rutschte mir heraus: „Schauen Sie doch Ihren Mann nicht so streng an, der kann doch auch nichts dafür, dass er da sein muss.“ Und so kamen wir ins Gespräch und sie sagten mir, dass sie ein Problem hätten: Beide seien aus Überzeugung aus der Kirche ausgetreten, da Gott nicht existent sei und die Kirche für sie eine absolut fragwürdige Institution darstelle, obwohl sie durch ihr Elternhaus sehr religiös geprägt wurden. Sie haben zwei Kinder und diese glauben an Gott und die Geschichten von Jesus aus Nazareth seien für sie existent und wahr. Hier entsteht über das Kind ein spannender Prozess. Mein Glaube wird durch das Kind in Frage gestellt und so tastet sich die gesamte Familie Schritt für Schritt an die Fragen des Lebens und Glaubens heran. Es gibt so viele Gruppen, die auf alles eine Antwort haben, gerade in Glaubensfragen, hier tue ich mir so schwer und


ich denke mir, meine Güte, wie klein wird hier Gott gedacht und gemacht. Und plötzlich erlebt man, dass durch Kinder etwas angestoßen wird, wo wir als Erwachsene eigentlich dachten, wir hätten die Fragen geklärt. So etwas finde ich absolut reizvoll. Wir befinden uns nun in einem offenen Prozess und das bringt so viel, sich offen auf die Suche zu begeben. Das ist die Freiheit, die wir Mönche haben, welche von der Kirche immer noch als etwas verrückt gesehen wird. Wir können uns das als ältester Orden unter Benedikt leisten, da er selbst schreibt, wir sollen Gottsucher sein. Also steht uns alles offen, trotz des Rahmens, der uns umgibt. Q

Braucht die moderne Kirche Marketing?

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Warum wirbt die Kirche nicht für sich in Zeichen von Social Media? Gutes tun und darüber sprechen, würde doch bedeuten, sich zu öffnen?

Ganz bestimmt, ich glaube, sie hat es auch, denn der jetzige Papst bedient dies ganz stark. Franziskus steht für etwas und er ist ja schon fast selbst eine Marke. Genauso wie Johannes Paul der Zweite, ob das dann meines ist, wofür er steht, ist die nächste Frage. Kirche betreibt eigentlich immer schon Marketing, aber wir tun uns schwer, das auch so zu nennen. Es sind ja auch immer Christen ausgezogen, unsere Botschaft zu verkünden.

Wir haben einen anderen Stil. Wir tun nichts Gutes, um damit in der Öffentlichkeit zu punkten, wir tun es für die Sache. Wir wollen für unsere Obdachlosenhilfe nicht auf den Andechser Etiketten oder auf der Webseite werben. Wir möchten, dass die Menschen, die auf der Straße leben einen Ort haben, wo sie hinkönnen, eine Bleibe und das dürfen wir nicht zweckentfremden. Ich verstehe auch Ihr Anliegen, es ist ein Gradmesser. Das Christliche darf nicht verloren gehen und das Kloster ist eben auch ein Zufluchtsort. Auch hier gilt es, das richtige Maß zu finden, denn die Obdachlosenhilfe ist hier in München schon sehr bekannt und es wäre fatal, das aus PR Gründen auszubauen. Für mich ist wichtig, dass ich ein Teil der Kirche bin, aber ich kann nicht für sie sprechen und auch nicht für deren Entwicklungsprozesse.

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Abtei Sankt Bonifaz 1850 vom bayerischen König Ludwig I. gestiftet, wuchs die Abtei Sankt Bonifaz in der Münchner Maxvorstadt schnell zu einem geistlichen, kulturellen, wissenschaftlichen und sozialen Zentrum heran. Wie in der Architektur von Kloster und Kirche angelegt, wollte König Ludwig I. auch in den Aufgaben der Benediktiner von Sankt Bonifaz den Dreiklang von Kirche, Wissenschaft und Kunst realisiert sehen, der seiner Vorstellung von Religion als Quelle aller Kunst und Wissenschaft entsprach. In diesen drei Bereichen  –  und in der Leitung der klösterlichen Wirtschaftsbetriebe  –  sind die Mönche daher bis heute engagiert. Die Abtei finanziert dabei den Bildungs- und Wissenschaftsbereich, sowie die Obdachlosenarbeit mit Hilfe von Spendern, Zuschussgebern und einem großen Anteil an eigenen Finanzmitteln, die die Betriebe, allen voran die Klosterbrauerei Andechs, erwirtschaften. Heute leben neun Mönche in Sankt Bonifaz und sechs im Kloster Andechs, dem ältesten Wallfahrtsort Bayerns und Wirtschaftsgut der Abtei.

Auf der Suche nach Menschen, die suchen. Soziales Engagement ist selbstverständlich und deshalb kümmert sich der Orden Sankt Bonifaz nicht nur täglich um die Essensausgabe seiner Obdachlosen oder in Nöte geratene Brüder, sondern unterstützt auch ungewöhnliche Charity Aktionen wie diese: www.kronck.de/work/#8-biss Das Münchner Straßenmagazin BISS startete Anfang Oktober 2011, mit Unterstützung der Münchner Sozialreferentin Brigitte Meier, dem berühmten Barkeeper Charles Schumann, den „Sportfreunden Stiller“, den Tatort-Kommissaren Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl eine einzigartige Anwerbeaktion. Weil immer mehr Menschen in München von Armut bedroht sind, suchte BISS Mitarbeiter, die das monatlich erscheinende Straßenmagazin verkaufen. Mit der Aktion sollten mehr Bedürftige erfahren, welche Chance eine Anstellung bei BISS bietet. Für diese Aktion stellte die Klosterbrauerei Andechs 2.500 leere Pfandf laschen zur Verfügung. Seit Beginn der Aktion konnte BISS über zehn neuen Verkäuferinnen und Verkäufern eine Perspektive bieten. „Wir bieten unseren Verkäufern die Möglichkeit, wieder an der Arbeitswelt teilzuhaben und sich etwas Eigenes aufzubauen“ sagt Frau Denninger, Geschäftsführerin von BISS e.V. „Da die Zahl derer, die sich aktiv an uns wenden und genau so eine Chance suchen, gesunken ist, möchten wir auf sie zugehen und um sie werben. Denn wir bieten heute noch bessere Perspektiven für unsere Mitarbeiter, als wir es 1993 zum Start von BISS konnten.“ Dafür wurden Pfandflaschen mit speziellen Auf klebern versehen und im gesamten Stadtgebiet verteilt. Diese konnten dann von Flaschensammlern gegen das doppelte Pfand oder im Idealfall gegen eine baldige Festanstellung bei BISS eingetauscht werden. Etwa 5.000 beklebte Pfandf laschen wurden an diversen, öffentlichen Plätzen platziert.

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Ich habe gespürt, dass ich von dieser Lebensform und der Frage nach Gott einfach nicht loskomme und ihr mein Leben widmen muss. Das heißt aber nicht, dass ich damit immer glücklich bin.

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Pater Johannes Eckert mit bürgerlichem Namen Claudius Josef, (*1969 in Mosbach) studiert nach Abitur und Zivildienst ab 1990 katholische Theologie in München. 1993 tritt er in Sankt Bonifaz ein. In Andechs begleitet er seit 1995 die Exerzitien für Manager und macht sich auch als Berater im Bereich Ethikmanagement bei zahlreichen Unternehmen einen Namen. Seine feierliche Professur legt Pater Johannes 1998 ab. Ein Jahr später wird er mit einer Dissertation in Zusammenarbeit mit der BMW AG über das Thema: „Dienen statt Herrschen. Unternehmenskultur und Ordensspiritualität: Begegnungen – Herausforderungen – Anregungen“ zum Doktor der Theologie promoviert. 2003 – und erneut 2015 – wird Pater Johannes von seinen Mitbrüdern für eine Amtszeit von zwölf Jahren zum Abt gewählt. Der Wahlspruch für seinen äbtlichen Dienst lautet gemäß einem Vers aus der Benediktsregel „Diligere ex toto corde“ – aus ganzem Herzen lieben. Seine Aufgabe sieht Abt Johannes in der Festigung der klösterlichen Gemeinschaft. Gleichzeitig pflegt er, über die Grenzen von Konfessionen und Religionen hinweg, den offenen Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen, die mit dem Kloster in Beziehung stehen.

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JE T ICH DIE C SHEN ICH T Z

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LIEBET GOI-T MEN LIEBE C NIHT DER MENSCH IST MIR EINE ZU UNVOLLKOMMENE SACHE. LIEBE ZUM MENSCHEN WÜRDE MICH UMBRINGEN.

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FRAGMENT – ODER: VÖLLIG ANDERE GESCHICHTE Zur selben Zeit, nur ein bisschen früher, nämlich im Frühjahr 1890, hatte Alois Prenninger alle Hände voll zu tun. Der Bürgermeister von Oberammergau musste sich schließlich zusätzlich zu seinen Bürgermeisterpflichten um die Gesamtorganisation der 28. Passionsspiele kümmern. Zum ersten Mal übernahm der Stadler Robert die Spielleitung, nachdem der Bichler Hannes vor zwei Jahren im Wald ums Leben gekommen war. Der Prenninger hätte ihn wohl nicht ausgewählt, er erschien ihm zu jung für diese Aufgabe, auch manchmal zu forsch in seinem Auftreten, aber es war nicht am Prenninger, sich darum zu kümmern, da waren die Statuten klar. Der Spielleiter wählte jeweils bereits in seiner Amtszeit seinen Nachfolger aus und weil die Winter lang waren, die Arbeit hart und der Bader im Dorf meist nicht der gescheiteste, bestimmte er auch noch einen Nachfolger für seinen Nachfolger. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass es bei all diesen Widrigkeiten in dieser Zeit vielleicht gut gewesen wäre, auch für den Nachfolger des Nachfolgers noch einen Nachfolger zu bestimmen, oder gar noch einen Nachfolger für all die Nachfolger, zur Sicherheit. Aber auch da waren die Statuten klar, zwei Nachfolger werden bestimmt, keiner mehr und keiner weniger. Schließlich löste man mit diesem Spiel ein jahrhundertealtes Versprechen ein, wieso sollte also der Herrgott danach trachten, dass es dazu unter Umständen gar nicht käme? So wurde im Laufe der Jahre aus Demut eine Art pragmatische Arroganz, aber an der Inbrunst und Hingabe der Laien in ihrem Spiel gab es nichts zu bemängeln. Der Nusser Georg zum Beispiel spielte nun zum zweiten Mal den Archelaus und zwar mit einer Leidenschaft und Ehrlichkeit, dass sich alle einig gewesen wären, der habe den Archelaus aus einem früheren Leben gekannt, wenn sie denn an so etwas hätten glauben dürfen. Da der Mensch aber nur einmal geboren wird und einmal stirbt, muss die Zeit gut genutzt werden. Entgegen der Tradition, dass die Laien am Aschermittwoch im Jahr vorm Spiel damit anfingen, sich die Bärte wachsen zu lassen, hörte der Georg mit dem Rasieren dieses Mal bereits am Stefanietag auf. Sein schwacher Haarwuchs gefährdete nämlich vor zwanzig Jahren seinen ersten Auftritt. Während bei den anderen Männern schon im Juli ein stattlicher Bart vorhanden war, der vom Bader gepflegt werden musste und natürlich untereinander beständig kommentiert wurde, sah man beim Georg nur erste Ansätze und daran

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Die Passionsspiele, eine Inszenierung der Glaubensgeschichte: Seit dem Mittelalter sind Passionsspiele ein wesentliches Merkmal der reichen Tiroler Kulturlandschaft.Wir wissen aus alten Überlieferungen, dass bayerische Wallfahrer auf ihrem Weg nach Altötting im Jahr 1613 ein Osterspiel auf der Scheiben in Erl gesehen haben. Damit beginnt die Geschichte der Erler Passionsspiele. Sicher sind sie in jener Zeit der religiösen Begeisterung, die nach den Glaubenskämpfen des 16. Jahrhunderts in den wiedererstarkten katholischen Ländern um sich griff, in Dankbarkeit für Gottes Schutz vor Pest und Krieg aufgeführt worden. Die Wurzeln der Erler Passion gehen auf ein Osterspiel des Meistersingers Sebastian Wild aus Augsburg aus dem Jahre 1565 zurück. Die ältesten urkundlichen Aufzeichnungen sind bei den großen Bränden, von denen Erl in den Jahren 1703/04, 1743/44 und vor allem 1809 heimgesucht wurde, vernichtet worden, wobei auch die ersten Texte mitverbrannt sind. Durch all diese 400 Jahre ist den Erlern das Spiel vom Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus immer ein Anliegen geblieben, den Erlösungstod, als der wichtigsten Tatsache der Heilsgeschichte, dem Publikum nahe zu bringen.

DIE STIMME DER KIRCHE Christian Stückl ist in der Theaterwelt „Fachmann fürs Katholische“. Der Leiter der Passionsspiele Oberammergau und Intendant des Münchner Volkstheaters rief zusammen mit Matthias Lilienthal, dem Intendanten der Kammerspiele zur Teilnahme an der Demonstration „ausgehetzt“ auf, um sich gegen die Verrohung der Sprache und gegen Hetze zu wehren. „Es ist unsere Pflicht, uns klar zu positionierenu und gegen Geschichten aufzustehen, die uns nicht gefallen. Und das müssen wir auch laut tun und dazu den Mut haben.“ Diese klare Position nimmt Stückl auch in Bezug auf den „Kreuzerlass“ ein. Im Sonntagsstammtisch des BR findet er deutliche Worte gegen die Politik der CSU: „Seit 200 Jahren wissen wir, dass es eine Auseinandersetzung gibt zwischen den großen Religionen. Dass es wichtig ist, miteinander zu kommunizieren. Dass es wichtig ist, sich gegenseitig zu respektieren. Und von daher ist für mich das Kreuz in der Hand eines Landesvaters – das kann ein Generalsekretär machen, der für den Wahlkampf verantwortlich ist – mit dem ausgesagt wird: „Das sind unserer Werte!“ ein falsches Zeichen. Denn das heißt für die anderen: Wir gehören nicht ganz dazu. Und das soll signalisiert werden. Und das sind ganz klar Worte. Und ich sage, jeder kann unsere christlichen Werte verteidigen. Das ist doch wunderbar. Und ich werde jedem Flüchtlingsbuam, mit dem ich rede, meine Werte klar machen und der nimmt mir meinen Werte auch nicht weg. Aber das ist für mich als jemand, der in Bildern denkt, ein ganz klares Zeichen: Da san mia. Mia san mia. Mia san stärker wie die Stier. Und ihr gehört nicht dazu. Und diese Zeichen mag ich nicht, weil sie Zeichen der Ausgrenzung sind.“

änderten auch etliche Vaterunser, Haarwuchsmittel und anderes Weiberzeugs nichts. Aber der Bichler hatte ein gutes Auge und ein noch besseres Gespür, und so gab er dem Georg trotz vergleichsweise geringem Bart die Zusage. Zurecht, wie gesagt. Der Nussbauer, also der Prenninger, hatte zwar mit der Auswahl der Darsteller und der Aufführung an sich nichts zu tun, aber das ganze Drumrum blieb doch an ihm hängen. Bei den letzten Spielen war die Bühne nun endgültig zusammengekracht, Gott sei Dank erst beim Abbau, aber er musste nun für eine Neue sorgen. Das hieß vor allem Holz besorgen und obwohl es im Ort einige Großbauern gab, war es, wie es dann oft so ist, also wie soll man sagen? Die Freiwilligkeit bei der Spendenbereitschaft hätte halt größer sein können. Der Nussbauer hatte zwar auch einen Wald mit stattlichen Bäumen drin, aber so ganz sah er es nicht ein, dass er jetzt auch dafür noch verantwortlich sein sollte. Außerdem wusste der Prenninger inzwischen, wie er seine Leut zu nehmen hatte und so redete er mit ihnen über die Bedeutung, die die Spiele inzwischen über die Grenzen Oberammergaus hinaus hätten, und dass man da eine Verantwortung übernehmen müsse und stolz sein könne. Und er redete mit dem Pfarrer, der dann wieder mit den Leuten sprach, also ein bisschen verdeckt und von der Kanzel herab, und sie dabei daran erinnerte, welch großes Glück den Menschen im schönen Bayernland doch beschieden war, vor allem mit dem Reichtum ihrer Natur und, dass Gott den Menschen den Wald doch nicht nur zum Profitmachen gegeben habe. Es fanden sich dann auch zwei, die bereit waren, ein paar Bäume ihres Waldes zu stiften. Den einen hatte die Argumentation vom Prenninger überzeugt, insbesondere, als der ihn gemahnt hatte, dass er schließlich auch im „normalen“ Leben zeigen müsse, was er als Johannes darstelle. Der andere, der Söllner Joseph, der keine größere Rolle im Spiel innehatte, wurde eher von den Worten des Pfarrers überzeugt. Manche dachten halt eher ans Diesseits, die anderen an die lange Zeit danach. Das Problem waren auch gar nicht die Bäume an sich, also das Finanzielle, sondern mehr die Arbeit, die da drin steckte, die Bäume zu fällen und zu transportieren. Gerade im Frühjahr, wo man eh nicht wusste, wo anfangen, damit man überhaupt einmal fertig wird. Heute würde man natürlich schon auch sagen, dass das was Finanzielles ist, wegen Manpower und so, aber damals hat man so einfach nicht disputiert. Zwei Ross brauchte man, und früher aufstehen als sonst musste man auch. Um vier waren die Viecher zu füttern, die brauchten ihre Zeit zum Verdauen, damit man um sechs dann ins Holz konnte. Der Knecht musste natürlich auch mit und dass der nicht begeistert war, das kann man glauben. Im Grunde war das auch die Rede von der Nussbauer Wally, geborene Meierhofer, was die Frau vom Prenninger war, die dazu führte, dass der Prenninger von seiner eigenen Spendenbereitschaft absah. Sie hatte jetzt noch mehr Arbeit als sonst auf dem Hof, und das, obwohl sie sonst auch schon mehr zu tun hatte, als andere Bauersfrauen, sagt sie, weil ihr Mann ja der Bürgermeister war und mehr mit seinem Amt beschäftigt war, als mit was anderem. Sie hat ihm jedenfalls deutlich ausbuchstabiert, dass überhaupt keine Rede davon sein könne, dass er mit seinem „Engagement“ für noch mehr Arbeit sorgt. Sie war es ja schließlich, die die Rindviecher melken und füttern, den Saustall säubern, die Wäsche machen und fürs Essen sorgen musste, während er mit seinen Amtgeschäftern zu tun hatte. Und außerdem kamen jetzt noch die Gwander von den Darstellern dazu, wo sie flicken und kürzen und rauslassen musste.


Vรถllig andere Geschichte Text: Monika Obermeier

Fotos Thomas Degen


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Bei der vorletzten und der vorvorletzten Passion war die Wally noch die Maria Magdalena und ist in dieser Rolle auch aufgegangen. Auch da waren sich alle einig, nur meinten es die einen halt so und die anderen anders. Vielleicht hat einer hinter vorgehaltener Hand oder nach der sechsten Halbe einmal etwas in die Richtung verlauten lassen, dass ihre Besetzung darauf beruhe, dass sie damals die Frau vom Bürgermeister werden sollte, sie aber zu der selbigen Zeit mit dem Hargasser Heini pussiert hat und der Bürgermeister vielleicht doch ein bisserl protzen wollte, indem er ihr die Rolle zugeschustert hat. Weil das aber höchst komplizierte Gedankengänge nach einer sechsten Halbe sind, hat das eh niemand wirklich verstanden und so blieb es dabei, dass alle zufrieden waren mit der Wally als Maria Magdalena. Als dann vor elf Jahren plötzlich die Rede davon war, dass sie die Rolle nicht mehr übernehmen könnte, weil das nicht mehr „authentisch“ wäre – so hat´s der Bichler genannt – war die Wally arg beleidigt. Noch dazu, weil die neue Maria Magdalena, die Rosshauptner Vroni, in den Augen von der Wally ein Flitscherl war. Da musste erst der Ärger bei der Wally ein bisschen verfliegen, bevor der Bichler sie in die Rolle der 1. Gardarobiere hineinkomplimentieren konnte, und sie sich schließlich damit arrangiert hat, die erste „Gwandfrau“, wie sie sagte, abzugeben. Auch sie hatte, wie der Müllner, also der Söllner Joseph, die Frage nach dem Diesseits und dem Jenseits schließlich zugunsten des letzteren für sich beantwortet. Und so kümmerte sie sich jetzt um die Garderobe der Laien, weitete beim Rieger Franz das Hemd, lies für den neuen Judas ein bisschen Saum aus der Hose und nähte sogar für die Rosshauptner Vroni das Kleid ein bisschen enger. Denn wenn man die Wally in einer schwachen Stunde gefragt hätte, vielleicht abends in der Kuchl, nach einem langen und schweren Tag, wo sie dem Bauern noch die Socken stopfen musste, ob denn die Rolle der Maria Magdalena noch die passende für sie wäre, dann hätte die Wally mit ihrem Zentner 30, den müden Augen und den dünnen Haaren vielleicht zugegeben, dass irgendwann die Zeit kommt, wo eine andere dran ist. Die fünf Kinder sah man ihr vielleicht nicht an, aber drei bestimmt, vor allem, wo die so schnell hintereinander kamen. Aber so eine ruhige Stunde gab es jetzt halt nicht. Auf der schmalen Fensterbank in der Stube stapelten sich die ganzen Kostüme, die innerhalb der nächsten drei Wochen fertig werden mussten. Und so holte sie immer wieder ein paar davon rüber in die Kuchel und machte sich ans Flicken und Säumen. Gegen neun kam dann auch der Prenninger nach Hause, schenkte sich noch eine Halbe ein und erzählte besorgt von der wenigen Zeit, die noch bliebe, um die Bühne fertigzustellen. Der Söllner Joseph hatte zwar seine Bäume schon geliefert aber der Johannes, also der Huber Girgl, sollte morgen erst die letzten zwei Bäume schlagen.

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WAHR EIN ZGER IST MEN P. 30


LICH M UT SCH T SROM DER SCH MAN MUSS SCHON EIN MEER SEIN UM EINEN SCHMUTZIGEN STROM AUFNEHMEN ZU KÖNNEN, OHNE UNREIN ZU WERDEN.

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NIETZSCHE, ZARATHUSTRA


Hinter den Kulissen wird in der „Technik“ moderner Druckdienstleister kontinuierlich daran gearbeitet, das dem Kunden zugesagte Qualitätsversprechen in der täglichen Praxis auch einhalten und umsetzen zu können.

QUALITÄT – EIN FORTLAUFENDER PROZESS!


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Schon im Jahr 2014 wurde Gotteswinter und Aumaier nach dem Prozess Standard Offset (PSO) zertifiziert. Dieser Standard stellt sicher, dass in der gesamten Produktionskette nach vorgegebenen Standards und Toleranzen gearbeitet wird und diese mittels Kontrollelementen und -geräten auch nachprüfbar sind. Doch reicht ein „Standard“ wenn man Spitzenleistungen bringen möchte? Es reicht sicher nicht immer. Es genügt nicht, einmal im Jahr eine Prüfung abzulegen. Prozessoptimierung und Qualitätskontrolle müssen innerhalb des Unternehmens täglich gelebte Wirklichkeit sein, um einen spürbaren Nutzen für die Auftraggeber zu entfalten. Deshalb ist für Gotteswinter und Aumaier LIVING PSO / PSD! ® der nächste und folgerichtige Schritt zur Verbesserung der Produktqualität und Steigerung der Kundenzufriedenheit. Ein wichtiger Aspekt des Zertifikatprozesses ist dabei, dass nicht nur die Fachleute im Betrieb – Mediengestalter und Drucker – sondern das gesamte Unternehmen in die Prozesse eingebunden wird. Dadurch ist LIVING PSO / PSD! ® mehr als nur eine weitere Zertifizierung. LIVING PSO / PSD! ® sichert nicht nur Ihr Druckergebnis als solches, sondern eine ganze Produktionskette bis dorthin. Zum Qualitätsmanagement einer modernen Druckerei gehört – wie oben schon erwähnt – heutzutage sicherlich eine Zertifizierung nach PSO – aber nicht nur! Dazu aber später mehr. Dass sich eine Druckerei heute PSO-zertifizieren lässt, ist an sich ja nichts Außergewöhnliches mehr, auch wenn in Deutschland noch längst nicht alle Druckereien so weit sind. Aktuellen Umfragen nach, sind nur ca. 4% - 5% aller Druckereien überhaupt nach Prozess Standard Offsetdruck (ISO 12647-2:2013) zertifiziert bzw. standardisiert. Es gibt oft sehr unterschiedliche Gründe, warum Druckdienstleister in die Qualitätsentwicklung und Standardisierung Ihrer Prozesse investieren sollten. Auslöser müssen nicht immer teure Fehlproduktionen und unzufriedene Kunden sein, die man zu verlieren droht. Es reicht, wenn die Einsicht bei den zuständigen Personen da ist, dass Qualität sich weder automatisch einstellt noch gratis zu haben ist. Dabei ist das alles kein Selbstzweck, sondern muss immer auch einen spürbaren Nutzen bringen. Stichworte wären etwa mehr Prozesssicherheit durch die Überwachung der Produktion, klarere Produktionsabläufe, weniger interne Rückfragen durch bessere abteilungsübergreifende Kommunikation und ein ganzheitliches Verständnis der Prozesskette. Weitere Argumente für eine Standardisierung sind


beispielsweise Kunden, die Aufträge nur an zerti- Wer dann noch erfolgreich agieren will, kommt um ein prozessübergreifendes und fizierte Druckereien vergeben oder die sich so eine nachhaltig angelegtes Qualitätsmanagekonstantere und höhere Druckqualität versprement, verbunden mit Standardisierung und chen. Es kann aber auch durchaus sein, dass bei Optimierung auf jeder Ebene, nicht herum. einer Druckerei eine Reihe von Fehlproduktionen LIVING PSO / PSD! ® als branchen-spezifizur Einsicht geführt hat, dass endlich etwas untersches Qualitätsmanagement- und Prozessnommen werden muss. Dass das gar nicht so selten optimierungskonzept für den Offset- und ist, belegt eine Zahl aus der deutschen DruckinDigitaldruck bietet hierfür einen Weg. dustrie: Die durchschnittlichen Fehlerkosten betragen 3,5 % des erzielten Jahresumsatzes, entstanden durch teilweisen oder kompletten Neudruck, zusätzliche Weiterverarbeitungskosten, mehrfache Plattenbelichtungskosten, erhöhten Vorstufenaufwand und anderes. Doch solche Gründe waren für Gotteswinter und Aumaier weder vorhanden noch massgebend für die Investition in die Qualitätsentwicklung. Entscheidend war vielmehr, dem Prozess hin zu mehr Stabilität und Druckqualität weiteren Schub zu geben und die entsprechende Sensibilität bei den Mitarbeitern zu fördern. Gerade die Mitarbeiterschulung und -entwicklung ist ja ein wichtiger Teil eines „gelebten“ Qualitäts- und Prozessmanagementsystems, was erneut belegt, dass Qualität eben kein einmal erreichter Zustand ist, sondern ein Prozess der permanenten Erneuerung und Optimierung. Auch qualitativ hochmoderne und zertifizierte Druckereien sind nicht gefeit vor Fehlern und daraus resultierenden Streitfällen mit Kunden. Wer aber standardisiert produziert und die Produktion durchgehend überwacht, produziert einerseits weniger fehleranfällig, andererseits kann, falls doch mal etwas schiefgegangen ist, rasch und sicher herausgefunden werden, welcher Fehler wo und in welcher Häufigkeit (wieviel Drucke einer Gesamtauflage sind z.B. fehlerhaft) gemacht wurde. Kommt dazu, dass der mit solchen Vorkommnissen verbundene Lerneffekt zu einem höheren Qualitätsbewusstsein bei den Mitarbeitern und damit zu einer nachhaltigeren Qualitätsverbesserung insgesamt führt. Einmal Qualität reicht nicht! Hinter den Kulissen bei Gotteswinter und Aumaier passiert viel, um die vom Kunden gelieferten Daten und Vorstellungen in ein qualitativ hochwertiges Druckerzeugnis umzusetzen: Um wirklich dauerhaft und nachhaltig erfolgreich zu sein, müssen Themen wie Standardisierung, Prozessoptimierung, Qualitätskontrolle und die stetige Weiterbildung ihrer Mitarbeiter täglich gelebte Wirklichkeit im Unternehmen sein. Kaum eine Industrie ist so von externe Faktoren wie z.B Papier, Farbe, Lacke, Gummitücher, Druckplatten etc. abhängig und ständigen VeränderungsprozesP. 34 sen unterworfen, wie die Druckindustrie.


DIE VIER SCHRITTE VON LIVING PSO/PSD!® A

Schritt 1 – Technik-Check

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Schritt 2 – Zertifizierung nach Prozess Standard Offsetdruck (PSO; ISO 12647-2-2013)

Jede Druckerei verfügt über diverse Arbeits- und Messgeräte in der Vorstufe und im Druck, die oft von unterschiedlichen Lieferanten stammen und nicht in jedem Fall kompatibel sind. LIVING PSO /  PSD! ® stellt in einem ersten Schritt sicher, dass die eingesetzte Messtechnik funktioniert und die geforderten Messtoleranzen eingehalten werden können. Gleichzeitig werden die Ausgabegeräte im Bereich Vorstufe und Plattenbelichtung bezüglich einwandfreier Funktionalität und Reproduzierbarkeit überprüft und kalibriert. Die Schulung der betroffenen Mitarbeiter mittels Seminaren und Workshops ist ein entscheidender Teil dieses Prozesses. Wenn der Belichtungsprozess reproduzierbar arbeitet und die Druckplatten in gleicher Qualität produziert werden können, kann zum nächsten Schritt übergegangen werden. Um korrekte Belichtungskurven zu erhalten, wird zuerst eine unkalibrierte, aber linearisierte Platte angedruckt. Dabei ist das Ziel, mit den CMYK-Druckfarben möglichst nahe an die geforderten LAB-Werte zu gelangen. Die Messung erfolgt scannend mittels des zugehörigen Spektralfotometers, dabei wird direkt nacheinander zuerst spektral und danach densitometrisch gemessen. Dies definiert dann die prozessabhängig zu druckenden Dichten der Skalenfarben. Die Auswertung des Testbogens mittels der Software PrintProcessControl (PPC) erzeugt dann eine erste Druckkennlinie, die für den nächsten Testdruck verwendet wird. Dessen Auswertung wiederum optimiert die Druckkennlinie – meist ist nach spätestens dem dritten Durchgang die PSO-Zertifizierung mit ISO-konformen Werten erreicht. Neben der reinen PSO-Zertifizierung sind aber auch die Messung und die Optimierung der Graubalance und der Sekundärfarben Teil der Zertifizierung nach LIVING PSO / PSD! ®. Druckereien verfügen also nach der Zertifizierung über eine breite Palette an messtechnischen Überwachungs- und Kontrollmöglichkeiten.


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Schritt 3 – Mitarbeiterschulung

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Schritt 4 – Qualitätssicherung

Weitere Informationen zu IPM Müller und Resing GmbH: www.ipm-print.de

Damit der Zertifizierungsprozess die erwünschten Folgen zeigt, müssen die betroffenen Mitarbeiter entlang der gesamten Prozesskette geschult werden. Dazu stellt das Qualitäts- und Prozessmanagementkonzept ein umfassendes und massgeschneidertes Schulungsangebot zur Verfügung. Um das Qualitätsbewusstsein im ganzen Unternehmen zu verankern, werden bei Gotteswinter und Aumaier nicht nur die technischen Mitarbeiter, sondern auch der gesamte Vertrieb und alle Führungskräfte geschult – jeder soll verstehen, worum es geht, und soll es auch dem Kunden gegenüber erklären und vertreten können. Erfahrungsgemäss versprechen sich viele Kunden durch das Qualitätsengagement ihres Druckdienstleisters einiges an Qualitätssteigerung und sind oft sehr interessiert an Details. Daher ist es wichtig, dass auch die Vertriebsmitarbeiter wissen, wovon die Rede ist. Hauptinstrument der permanenten Qualitätssicherung ist die mit dem Innovationspreis der Deutschen Druckindustrie prämierte Software PrintProcessControl (PPC). Damit kann der gesamte Produktionsprozess bei Gotteswinter und Aumaier vom Proof über die Druckplatte bis zum Druck regelmäßig oder in vorgegebenen Zyklen überwacht und kontrolliert werden. Die hinterlegte SQL-Datenbank ermöglicht Auswertungen nach Wunsch, beispielsweise pro Auftrag, pro Kunde, pro Zeitraum usw. Es steht damit jederzeit ein Mittel zur Verfügung, um die Stabilität der verschiedenen Prozesse zu überprüfen. Es können auch Abweichungen dokumentiert werden, die etwa durch unterschiedliche Materiallieferungen (z.B. Farben, Drucktücher, Bedruckstoffe und Feuchtmitel) entstanden sind. Oder es kann in wenigen Schritten eine neue Druckkennlinie erzeugt werden, falls sich das durch den Einsatz von anderen Materialien, etwa speziellen Bedruckstoffen und Veredelungen, aufdrängen sollte. Mit der jährlichen LIVING PSO /  PSD! ® - Zertifiizierung definiert Gotteswinter und Aumaier einen hohen Druckstandard, welcher weit über den sonst „üblichen“ und „normalen“ Zertifizierungsansatz hinaus, auch langfristig die gestiegenen Qualitätsanspüche der Kunden und Zusagen an die Auftraggeber sichern will. IPM ist ein international führendes Dienstleistungs-, Software- und Beratungsunternehmen der Druck- und Medienindustrie. Seit 2003 unterstützt das Institut für Print Process Management (IPM) grafische Unternehmen bei der Einführung und Umsetzung standardisierter und industrieller Fertigungsprozesse entlang der gesamten Prozesskette von Proof über CTP bis zum Druck. Das von IPM entwickelte Konzept LIVING PSO /  PSD! ® verbindet Schulung, Beratung und prämierte Software zu einem bedarfsgerechten und praxisorientierten Konzept zur Fehlervermeidung, Kostensenkung, Produktivitätssteigerung und Qualitätssicherung.


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Foto: Thomas Degen


„DA SIE“— ER ZU NEM P. 38


STE N P SRACH SEI Z HEREN H E

„DA LACHEN SIE: SIE VERSTEHEN MICH NICHT, ICH BIN NICHT DER MUND FÜR DIESE OHREN“.

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NIETZSCHE, ZARATHUSTRA


[ P. 04 – 21 / Heft 2 ]

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Maximilian Prechtl

[ P. 24 – 41  / Heft 1 ]

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Jan Schünke

[ P. 26 – 29, 32, 37 / Heft 2 ]

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Thomas Degen

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Monika Obermeier

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Maximilian Prechtel, der in-, und von München aus lebt und arbeitet, hat sich der Schönheit des Lichts verschrieben. Diese fasst er für zahlreiche Kunden für PR- und Werbezwecke in Bilder. Er ist sich der Wirkung des Momentes bewusst, und liebt es vor allem Bewegung, auf authentisch, ästhetische Weise einzufangen. Somit fühlt er sich vor allem im Bereich Sport / Lifestyle sehr wohl. Für uns hat er sich mit Abt Johannes Eckert getroffen.

S

Der Fotograf Jan Schuenke, lebt und arbeite in München, wahlweise aber auch in New York City. Mit 14 hat er eine SLR Kamera von seinem Vater bekommen, seitdem ist die Fotografie sein Medium. Viel auf Reisen, ist er fasziniert von der Vielfalt der Natur und Kulturen. Diese beeinflussen und formen seine Perspektiven und Themen. Seine Arbeiten zeigen den Einfluss der Menschen auf die Natur und der Natur auf den Menschen. Sie wurden untern anderem in Frankfurt, Seoul oder Perth ausgestellt.

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Thomas Degen fotografiert seit er 1962 mit sieben Jahren eine Plastikkamera und einen Rollfilm für zwölf Schwarzweissbilder geschenkt bekam. Von 1980 bis 2003 arbeite er als Modefotograf in Europa und den USA. Seit 1997 lebt er im Isartal südlich von München. Die Fotos in diesem Heft stammen aus einem bisher unveröffentlichen Bildband über Oberbayern.

O

Monika Obermeier, Jahrgang 1980, studierte Philosophie, Germanistik sowie Politische Wissenschaft in Heidelberg. Bis heute arbeitet sie dort an der Universität und schreibt nebenher Texte, Geschichten, Hörspiele, Kinderbücher und Kurzbiographien.

[ P. 10 – 36 / Heft 1 ] [ P. 24 – 29  / Heft 2 ]


iF Award Gold 2 x Red Dot, Award Grand Prix 5 x Red Dot Award Bayerischer Printmedienpreis Berliner Type Award Gold Innovatiospreis der Deutschen Druckindustrie [ 2017 ]

[ 2016 / 12 ]

[ 2018 / 2017 / 2016 / 2015 ]

[ 2012 ]

[ 2017 / 2016 ]

[ 2007 ]

KONTAKT Gotteswinter und Aumaier GmbH Druck und Medien seit 1862 Joseph-Dollinger-Bogen 22 80807 München Telefon +49 (0)89 - 32 37 07 - 0 Telefax +49 (0)89 - 32 37 07 - 10 gotteswerk@gotteswinter.de www.gotteswinter.de

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AUSZEICHNUNGEN iF Award Gold, 2 x Red Dot Award Grand Prix, 5 x Red Dot Award, 2 x Berliner Type Award Gold, Gmund Naturpapierdrucker Award – 2. Platz, Art Directors Club – Bronzener Nagel, Druck + Medien Award – 3. Platz, Innovationspreis der Deutschen Druckindustrie – 1. Platz, 2. Platz, 3. Platz, Bayerischer Printmedienpreis, 2 x Die schönsten Bücher Deutschlands, 1 x Die schönsten Bücher Russlands, Printers Club Award – 2. Platz, Gold Printer of the year Award – 2. Platz, Architects’ Darling® Award – 1. Platz, EdelmeisterWettbewerb – 1. Platz

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NACHHALTIG 100% der Aluminiumdruckplatten und 100% der Papier- und Kartonabfälle werden recycelt, 100% mineralölfreie Druckfarben, 100% des Stromeinsatzes aus regenerativer Wasserkraft, 100% der Emmisionen werden ausgeglichen ZERTIFIKATE Prozess Standard Offsetdruck nach ISO 12647, LIVING PSO®, FSC® C018312, Klimaneutrales Unternehmen – Climate Partner ID 531161309-1001

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GOTTESWERK – EDITION 2018.2019 AUFLAGE 2.500 Exemplare PAPIER Umschlag – 270, 380 Gramm Antalis Curious Collection Skin, Innenteil – 130 Gramm Igepa Lessebo Rough VEREDELUNGEN Heißfolienprägung, Stanzung, gedoppelter Umschlag BINDUNG Rückendrahtheftung FARBE Pantone, Euroskala

D

DESIGN + KONZEPT  MILCH + HONIG designkultur www.milchundhonig-dk.de. Die Druckdaten wurden mit www.mycolorserver.de generiert FOTONACHWEIS Thomas Degen, Maximilian Prechtl, Jan Schünke TEXT Monika Obermeier


ZWEI TEN ME L DAI LE P. 42


SEI N EI E R P. 43


Illustration Michael Wiethaus

Instagram: @wiethausmichael www.wiethausmichael.de


Nur nicht hetzen, sonst gibt es häĂ&#x;liche Kinder.


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Egal wie groĂ&#x; d eine Rolex ist, mehr Zeit hast d u dadurch trotzdem nicht.


Illustration Michael Wiethaus

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Ich habe heute noch nichts vor und liege ganz gut in der Zeit.


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Und wenn die stille Zeit vorĂźber ist, wird es auch wieder ruhiger.


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