Mach deine KulTour @ Eifel leben & erleben 2022/01

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Entdecke eine faszinierende Region

Mach deine

KulTour EiFEL-VERLAG

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Vorrübergehend kostenlos!



Editorial Liebe Leserinnen und Leser, den Musikerinnen und Musikern, Künstlerinnen und Künstlern geht es darum, ihre Themen zu erzählen – die Eifel ist dabei als prägendes Moment immer präsent, mal mehr, mal weniger subtil. Und darum geht es mir: Geschichten aus der Eifel zu erzählen. Diese sind nun „vorübergehend kostenlos“. Die Künstlerinnen und Künstler, Musikerinnen und Musiker allerdings sind auf Gagen angewiesen. Deshalb: Gehen Sie hin, schauen Sie zu, hören Sie zu! Ich möchte auch weiterhin von dieser Landschaft und den Menschen erzählen. Von den Brettern, die die (Eifel-) Welt bedeuten, zum Beispiel. Geschichten über Bühne und Film sind es - wie ich finde- wert, in einer späteren, eigenen Ausgabe erzählt zu werden.

Foto: Tanja Evers

Mit herzlichen Grüßen

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Holsthum bei Bitburg im Naturpark Südeifel

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Inhalt Karte / Impressum Freunde, die wie Götter schunkeln Jupp Hammerschmidts Kolumne

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Für einen starken Auftritt Unterwegs mit Produktionsleiter André Lehner

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Yvonne Drautzburg Künstlerin mit Herz und Verstand

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Inside Heimbach Liebeserklärung an eine Akademie

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Wenn ein Greis stirbt, brennt eine Bibliothek Dietrich Schubert, Fotograf und Filmemacher

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Ein Leben für die Künste Christiane Hamann, Künstlersiedlung Weißenseifen

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Wibbelstetz Musikalische Botschafter der Eifel

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Ein Licht – Eine Farbe – Ein Pinsel MAF Räderscheidt in Schleiden

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Lieder auf Eifeler Platt Sylvia Nels

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Agatha Christie lässt grüßen Klassische Krimis aus der Eifel

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Musik im Blut – die Eifel im Herzen KERK und BAEND

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25 © Thomas Römer, Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Impressum Eifel-Verlag Schüller Straße 4 • 54584 Jünkerath www.eifel-verlag.de Eifel-Verlag ist ein Imprint im Gaasterland-Verlag Herausgeber und Redaktion Ralph Sondermann Wiesenstraße 13 • 53940 Hellenthal rs@eifelleben.online www.eifelleben.online

Redaktionelle Mitarbeit Wassilis Aswestopoulos, Elli Brandt, Katja Franke, Jupp Hammerschmidt, Julia Kunze, Sabine Krösser, Oliver Scheel, Claudia Träger Fotografie (so weit nicht anders markiert): Ralph Sondermann Korrektorat Barbara Schröder Satz Judith Maur Logo Anja Keul, Judith Maur

Herstellung Eifel-Verlag Anzeigen Ralph Sondermann Eifel leben & erleben erscheint 2x jährlich. Die nächste Ausgabe kommt im Herbst 2022. Redaktions- und Anzeigenschluss auf Anfrage Alle Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt.

Haftungsausschluss: Herausgeber und Verlag haften nicht für die Inhalte von Webseiten, auf die in diesem Magazin verwiesen wird. Wir machen uns diese Inhalte nicht zu eigen.

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Jupp Hammerschmidt

FREUNDE, DIE WIE GÖTTER SCHUNKELN Es kann nicht verwundern, dass in so einer sagenhaften Region wie der Eifel auch zahlreiche Sagen entstanden sind. Johann Wolfgang von Goethe hat ja bereits einen dieser Sagenstoffe in seiner berühmten Ballade „Dr Perlköneck“ verarbeitet. Im 18.und 19. Jahrhundert gab es zwischen Mützenich und Kalterherberg eine Künstlerkolonie, wo viele prominente Künstler den Sommer verbrachten. Da war es nicht so heiß wie anderswo – und da konnten dann Leute wie Franz Schubert, Friedrich Schiller, Ludwig van Beethoven undundund entspannt arbeiten und sich von der Landschaft inspirieren lassen. Theodor Fontane hat dort seine ebenfalls sehr berühmte Ballade rund um den Birnbaum „Herr von Zwieback zu Zwieback emm Eifellank“ zu Papier gebracht – oder nehmen Sie Giuseppe Verdi (Verdis Jupp), der im Ferienhäuschen nebenan den „Gefangenenchor der Kalmucken“ geschrieben hat („In der Eifel scheint selten die Sonne“), Schubert hat dort viel Zeit verbracht – und eben auch Goethe, der nach ein paar Jahren perfekt Eifeler Platt sprach – die Urfassung des „Perlkönecks“ hat er eben auch in Eifeler Platt geschrieben. Es geht ja um den König der 8

Kalmucken, das muss ein egozentrisch-grausamer Typ gewesen sein, der Tag für Tag, und sogar auch nachts, Kinder in den Perlbach schickte, damit sie dort die Perlen für ihn aus dem Wasser holen sollten. Selbst im Herbst und im Winter zwang er die Kinder ins kalte Wasser, viele sind krank geworden – und manche auch gestorben, alles nur, damit der Kalterherberger Perlkönig an seine Perlen kam. Und noch Jahrhunderte nach dem Tod des Perlkönigs soll sein Geist durch den Kalterherberger Wald gegeistert sein – immer auf der Jagd nach Kindern. Und das genau ist der Inhalt von Goethes Ballade. In der Sekundärliteratur ist sogar die Rede von sexuellem Missbrauch – und Goethes Text legt das auch nahe. Wie gesagt: In der Eifeler Künstlerkolonie in einem der zahlreichen Holzhäuschen verfasst. In Eifeler Platt. Nur in dieser Version ist das Werk authentisch. Nebenbei gesagt: Die Eifeler hatten ja immer schon eine besondere Affinität zur Kunst. In jedem Dorf gab es früher drei, vier Bewohner, die „de Konnst“ konnten („Dä oder die ka de Konnst“). Da ging es allerdings um Heil-Kunst. Meine Mutter zum Beispiel war zuständig fürs Blutstil-


len, Möller-Max für Brandwunden, Foote Paul für umgeknickte Knöchel und ausgerenkte Schultern. Jedenfalls: Kunst in allen Variationen war allgegenwärtig in der Eifel. Und nach Goethes Tod hat dann irgendein Blödmann seine Ballade ins Hochdeutsche übertragen. Dadurch hat sie nicht nur gewaltig an Authentizität verloren, der Idiot hat sich auch noch einen massiven Übertragungsfehler geleistet – und das „P“ aus dem Titel verschwinden lassen. Und so wurde aus dem authentischen „Perlköneck“ der hochdeutsche „Erlkönig“, mit dem wir in der Schule bis zum Gehtnichtmehr gequält wurden. Gibt ja überhaupt keinen Sinn – oder haben Sie schon mal eine Prinzessin oder gar Königin mit einer „Erlenkette“ um den Hals gesehen? Was bleibt: In der Künstlerkolonie zwischen Mützenich und Kalterherberg sind zahlreiche Kunstwerke entstanden, die dann aus der Eifel ihren Siegeszug in die Welt angetreten haben – zum Beispiel die berühmte Kalterherberger KirmesHymne, die Schiller und Beethoven zusammen verfasst haben. Und das kam so: Beide saßen auf der Veranda vor Schillers Ferienhäuschen in Kalterherberg – und ihnen war kotzlangweilig. Und Schiller sagte: „Heute ist doch in Kalterherberg Kirmes, lass uns da hin gehen. Da ist bestimmt der Bär los.“

vom Deckel spielen. Erst tat sich nicht viel, aber die „Seckohmesse“ spielten die Hymne immer und immer wieder, mit zunehmendem Enthusiasmus. Die ersten Kirmesgäste stimmten dann bald zaghaft mit ein, Schiller und Beethoven grölten sich an der Theke die Kehle aus dem Hals, immer mehr Kalterherberger sangen mit – und auf einmal war eine Mega-Stimmung in der Hütte. Und heute ist das ja die international bekannteste Kirmes-Hymne der Welt, die zum Beispiel immer beim Neujahrskonzert in Wien mit Bravour gespielt und gesungen wird:

Freunde, die wie Götter schunkeln, grölen im Delirium. Wir betreten sturzbetrunken unser Kirmesheiligtum. Und wir hüpfen auf und nieder, Stimmung sich ins Rund ergießt. Alle Eifler werden Brüder, wo das Bier in Strömen fließt.

Und schon saßen sie im Kalterherberger Kirmessaal an der Theke – und Beethoven meinte: „Lieber Fritz (er nannte Schiller grundsätzlich „Fritz“), alles was recht ist, aber selbst wenn ich was hören würde, besonders viel los scheint mir hier auch nicht zu sein. Lass uns doch schnell ne Kirmes-Hymne schreiben, vielleicht kriegen wir damit Stimmung in die Bude.“ Gesagt, getan: Schiller kritzelte den Text auf ´nen Bierdeckel, Beethoven die Noten – und acht Bier und drei Els später waren sie fertig. Sie überreichten die zwei Deckel der KirmesBand – das waren wie immer in Kalterherberg die „Happy Seckohmesse“ – für die war das absolut kein Problem, als Profis konnten die ja auf Anhieb 9


Fotos: Christian Rosenthal


A RKEN Auftritt


Damit Künstlerinnen und Künstler sich gut in Szene setzen können, braucht es Menschen, die ihnen die Bühne dafür bereiten. André Lehner aus Marmagen macht das als Produktionsund Tourleiter mit aller Energie und von ganzem Herzen. Pfingstmontag 2022. André Lehner ist gerade von Rock am Ring - #RAR2022 - zurück gekommen. Nach zwei Jahren ohne das legendäre Rock-Festival am Nürburgring in der Eifel endlich wieder Party für rund 90.000 Musik-Fans! Sie bejubelten drei Tage und Nächte lang circa 70 Bands und feierten das Festival-Comeback nach Corona. „Es war anstrengend und etwas ganz Besonderes“, sagt André Lehner nach seiner Rückkehr in das

beschauliche Nettersheim-Marmagen. „Als die Tore zum Infield geöffnet wurden und die Fans hereinströmten, ohne Maske, ohne Abstand, das waren schon irgendwie skurrile Bilder nach den Event-mageren zweieinhalb Corona-Jahren“. André Lehner war nicht zu seinem persönlichem Vergnügen am Nürburgring, sondern um das Vergnügen der 90.000 Festival-Besucherinnen und -Besucher zu gewährleisten. Als Produktionsleiter an einer der drei RAR-Bühnen hat er dafür gesorgt, dass organisatorisch und technisch alles glatt lief. Unsichtbar im Backstage-Bereich, ausgerüstet mit Handy und Funkgerät. Abgeschnitten vom Bühnengeschehen, wo sich die ganz Großen und die noch Kleinen der Rock-Szene präsentierten: Greenday, The Offspring, Muse, Bush - sie müssen nicht mehr vorgestellt werden. The Linda Lindas, Spiritbox oder The Faim schon eher. André Lehner ist es egal, ob da echte Stars oder der Rock-Nachwuchs auf der Bühne stehen. Funktionieren müssen Ton, Licht und Video gleichermaßen.


Und auch die Sicherheit muss hier wie dort sichergestellt sein.

Mischpult, die Tontechnik und die Veranstaltungen aufzubauen“, erzählt André Lehner.

Zum ersten Mal wurde der Solo-Selbstständige André Lehner im Jahr 2015, als das Kult-Festival nach Querelen mit den Nürburgring-Betreibern nach Mendig ausgelagert war, vom Veranstalter angefragt, um die Produktionsleitung an einer Bühne zu übernehmen. Ein bisschen Stolz schwingt mit, wenn er sagt: „Rock am Ring ist schon `ne Hausnummer. Ein Teil davon zu sein, davon habe ich früher noch nicht einmal geträumt. Ich wollte einfach in der Veranstaltungsund Musikbranche tätig sein.“ Mit 15, 16 Jahren wusste der in Schleiden-Olef aufgewachsene heute 39-Jährige das schon, machte aber erstmal das Abitur am Clara-Fey-Gymnasium in Schleiden. Früh übt sich: Zu jener Zeit organisierte er das Mini-Festival „Rock an der Olef“, das immerhin am Ende 2.000 Musik-Fans zusammenbrachte. „Ich habe zwar selbst Schlagzeug gespielt, in der Coverband Splendid. Aber mein Ding waren das

Zielstrebig verfolgte er seinen Weg. Ein Glück für ihn: Die Big Band der Bundeswehr, gegründet 1971 auf Initiative des damaligen Bundesverteidigungsministers Helmut Schmidt, ist in Euskirchen stationiert. Nach der Grundausbildung tourte André Lehner mit dem professionellen Show-Orchester durch die Republik und ins Ausland, beispielsweise auch durch die USA. Die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik absolvierte er später in Düsseldorf. In Düsseldorf ? Oh, oh, wenn das die kölschen Kasalla-Jungs wüssten… . Später kam dann noch der Meisterbrief dazu. Die wachsende Professionalität hat allerdings auch eine Schattenseite, die André Lehner ein wenig bedauert: „Das Hobby, das ich zum Beruf gemacht habe, hat mich auch weiter von diesen Wurzeln entfernt. Die Musik und Konzert-Atmosphäre zu genießen, dazu bleibt im Job kaum noch Zeit.“ Ob Rock am Ring oder Jahreshauptversammlung 13




»Ich habe zwar selbst Schlagzeug gespielt, in der Coverband Splendid. Aber mein Ding waren das Mischpult, die Tontechnik und die Veranstaltungen aufzubauen«.

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einer Aktiengesellschaft: „Es bedarf Teamwork, damit alles klappt. Ich bringe als Verknüpfungsstelle Location-Betreiber, Veranstalter, Catering und Security zusammen“, beschreibt er seine Aufgabe als Produktions- und Tourleiter. Zwischen den Auftritten muss der Vater von zwei Töchtern entsprechend viel telefonieren, E-mails lesen und schreiben, argumentieren, abwägen, überzeugen, verhandeln. Spektakulärer hören sich da die Namen der Künstlerinnen und Künstler an, für die er das alles macht. Natürlich nicht für sie persönlich, sondern für Veranstalter, die die Stars nach Deutschland holen. Robbie Williams, Pink, Elton John und Kylie Minogue sind nur einige der Weltstars, deren Auftritte er schon begleitet hat. Auch Engagements für die großen Fernsehformate „TV Total“ und „Schlag den Raab“ kann der Eifeler schon verbuchen. Ganz besonders liegt André Lehner aber ein weiteres Musik-Projekt am Herzen: die Kölschrock-Band Kasalla. „Bei „Rock an der Olef“ habe ich Flo Peil und Sebastian Wagner, damals noch als Peilomat unterwegs, kennengelernt und wir haben uns angefreundet“, erinnert er sich. „Als Ton- und LichtMann bin ich mit ihnen mitgefahren und als sie das Projekt Kasalla auf die Beine stellten, war ich gleich mit dabei. Wir sind zusammen gewachsen und zusammengewachsen. Deswegen ist die Zusammenarbeit mit Kasalla mehr als ein Job - es ist auch, mit Freunden unterwegs zu sein.“ Und so bleibt André Lehner nach Rock am Ring gleich in Spannung: Das bereits für 2020 geplante und wegen der Pandemie vertagte Kasalla-Stadion-Konzert in Köln steht kurz bevor. 40.000 Fans wollen die angesagte kölsche Musik hören. Im RheinEnergie-Stadion reihen sie sich ein in eine Konzert-Serie mit Bands wie die Toten Hosen, die Ärzte, die Fantastischen Vier, Iron Maiden und die Red Hot Chili Peppers. „Die Größenordnung ist schon ungewöhnlich. Ich bin nicht aufgeregt, aber angespannt“, sagt André Lehner und hört sich dabei durchaus gelassen an. Die Band Kasalla und er haben schließlich eine gewisse Routine. „Rund 2500 Auftritte dürften in den letzten elf Jahren hinter uns liegen. Das ist auch 2500-mal „Pirate“ sagt André Lehner

lachend. Dazu zählen allerdings auch die Gigs vor doch recht überschaubarem Publikum bei Karnevalsveranstaltungen. In der Kölner Lanxess-Arena kamen aber im Jahr 2016 immerhin über 25.000 Kasalla-Fans zusammen. Die kölsche Musik verbindet. Das stellt André Lehner auch fest, wenn er mit Kasalla auf Deutschlandtour durch alle großen Städte unterwegs ist: „Die Leute mit rheinischen Wurzeln sind oft richtig selig, ihre Heimat zu hören und zu spüren.“ Das kann ja nun auch - erst einmal - alles wieder stattfinden. Zum Glück für die Veranstaltungsbranche. Die Corona-Pandemie hatte natürlich auch André Lehner extrem ausgebremst. „In der Zeit habe ich mich für den Aufbau einer Solidarischen Landwirtschaft, dem Kollektiv Wolkenborn, und der Gründung als Genossenschaft engagiert. Die Zusammenarbeit mit den Gleichgesinnten für das sinnvolle Ziel hat mich in dieser Zeit wirklich getragen.“ Denn wenn plötzlich der Beruf, der auch Berufung ist, wegfällt, kann das schon einiges in Frage stellen. „Ich wollte immer nur das machen, was ich jetzt mache. Ich bin mir bewusst, dass das ein Geschenk ist. Noch nie bin ich aufgewacht und hatte das Gefühl ‚Och nee, keinen Bock jetzt aufzustehen und zu arbeiten‘. Trotz Stress und manchmal wenig Schlaf: Die Arbeit gibt mir mehr Energie, als sie verbraucht.“ Deswegen hat er auch nur einen Tipp für seine und andere Kinder bei der Berufswahl: »Ich wünsche mir für die Eifel, dass sie auf der

»MACH DAS, WAS DIR WIRKLICH SPASS MACHT!«





Nordeifel

einen Seite bleibt wie sie ist, mit unberührter Natur, kernig und ehrlich, und sie sich auf der anderen Seite stetig weiterentwickelt und mit ein paar tollen Innovationen und Impulsen für die Zukunft ein sicheres und lebenswertes Stückchen Erde bleibt.«

„Die Eifel bedeutet für mich

„Der Produktions- und Tourleiter liebt die Ruhe und Einsamkeit in der Eifel, wenn er von einer Veranstaltung mit tausenden Menschen nachts nach Hause kommt, im Garten sitzt und keinen Ton mehr hört oder zwei Stunden im Wald spazieren geht und niemanden trifft.“

Autorin Claudia Träger claudia.traeger@eifelleben.online

mehr wissen, mehr erleben lit.eifel 2022, August bis November, Nordeifel Gemalte Sehnsucht, bis 16. Oktober, Zülpich Veranstaltungskalender Aachen online mehr wissen

nach Hause zu kommen, in eine wundervolle Gegend mit viel Natur, frischer Luft, Ruhe und Weitblick, Familie, Freunde und vielen tollen Erinnerungen und Erlebnissen, die mich geprägt haben.“

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Fotos: Tanja Evers

YVONNE DRAUTZBURG eine Künstlerin mit Herz & Verstand



„Ich bin Mensch, Frau, Ehefrau, Mutter, Kreative, Visionärin, Künstlerin, KreativMotivator…“, so beschreibt sich die engagierte Powerfrau selbst auf ihrer Website. Wenn man sie in ihrem wunderschönen Zuhause trifft, steht eine kleine, zierliche, unheimlich viel Kraft und Energie ausstrahlende Frau im besten Alter vor einem. Man weiß zunächst gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll auf dem Weg in die gemütliche Küche – auf die dynamische Künstlerin oder die Dinge, die einem sonst noch so ins Auge fallen, und davon gibt’s reichlich zu entdecken im Hause Drautzburg… Es entstehen eine Magie des Anhaltens in einer schnelllebigen Zeit – genau wie von Yvonne Drautzburg gewünscht, und ein kurzer Moment der Stille, um erstaunt und neugierig vor den Objekten zu verweilen und in Kommunikation mit ihnen und schließlich mit der gebürtigen Triererin zu gehen. „Meine Vision ist ein Ideal im Sinne einer positiven, optimistischen Vorstellung, das Bestreben, die Distanz zum Betrachter zu verringern, die Schwelle von Kunst und Leben zu überbrücken, die Wahrnehmung zu erweitern. Uns vertraute und alltägliche, zumeist als wertlos erachtete Dinge, werden als neue, kunstwürdige Materialien entdeckt. Der einfachste und unbeachtetste Gegenstand wird in ein bedeutungsvolles Element verwandelt“, erklärt mir die diplomierte Kommunikationsdesignerin (FH Trier) und seit 2011 mit zwei Schweißerlehrgängen der Handwerkskammer Trier ausgestattete Künstlerin im Gespräch.

Yvonne Drautzburg – steht für Unikate aus Stahl „KUNST FÜHLEN STATT ZU DENKEN - sprachlos vor einer Plastik …Herzklopfen von der berührenden Bewegung …Gänsehaut von der massiven Ausstrahlung …gefesselt vom Ausdruck …“ - in mir hat die dynamische Kreative alle diese Gefühlsregungen ausgelöst, die sie sich im allgemeinen von den Betrachtern ihrer Werke wünscht. Eine Punktlandung sozusa-


gen! Auch mich hat ein augenblickliches Gefühl

von Leidenschaft gepackt. Dazu stellt Künstlerin Drautzburg schmunzelnd fest: „Diese Größe, diese Liebe, diese Intensität, das ist der intuitive Zugang zur Kunst, wenn man sich einfach fallen lässt und berührt wird.“ Gleich nach dem Espresso bringt sie mir einen ihrer Engel und eine Wächterfigur zum Staunen und Anfassen. Denn so filigran die Figuren auch auf den ersten Blick aussehen mögen, soviel Gewicht haben sie überraschenderweise doch. Dazu die „durch und durch Künstlerin“ – wie sie sich selbst nennt: „Ich schweiße Unikate aus Stahl. Ich arbeite nicht mit dem Rohmaterial Metall, sondern mit Fundstücken, die bereits ein Leben hatten. Allein die Oberfläche zeigt schon eine Geschichte. Durch Bündelung

meiner Fantasie, Energie und Vorstellungskraft entsteht neue Magie.“ EisenArtig – so nennt sie ihr Atelier – in dem sie u.a. auch „Wächter und Engel“ mit zwei Metern Größe fertigt. „Metall reizt mich einfach“, und auch die Reaktion mancher Kunstliebhaber, wenn sie staunend feststellen „Was, Sie machen solche Sachen, das glaube ich jetzt gar nicht“, gibt sie lachend zu. Mindestens eine ganze Woche werkelt das Lions Club Trier-Basilika-Mitglied durchschnittlich an ihren nicht ungefährlich (wegen der Schweißarbeiten) herzustellenden Objekten, so dass ihre größeren Figuren im Schnitt zwischen 800 und 1.000 Euro kosten, wenn man sie erstehen möchte. Um an ihr Material zu gelangen, geht Drautzburg selbstverständlich auf Schrottplätze der Region und lässt 27




sich von den Vorarbeitern beraten. Schon auf dem Schrottplatz und vor den gesammelten Stücken entsteht vor Drautzburgs geistigem Auge das nächste Projekt. Im heimischen Atelier säubert sie die Teile, entfernt den Rost und beginnt mit dem Verschweißen – immer darauf aufpassend, dass ihr trotz Schutzbrille kein Funke oder Metallteil ins Auge oder auf die Kleidung fliegt. Die Folgen sind fatal, wie sie aus schmerzhaften Erfahrungen weiß. Gleich zu Beginn der Arbeiten – vor allem bei den großen Werken, die sie um Längen überragen – beginnt sie die Statikfragen zu bedenken, damit zum Beispiel beim Engel die Flügel nicht fehlen… Sie möchte mehr Achtsamkeit bei den Menschen erzielen, die in unserer rasenden Zeit immer öfter auf der Strecke bleibt. Sie freut sich, wenn die Leute ihre Kunst kaufen, was in den beiden hinter uns liegenden Coronajahren seltener der Fall war. Um diese Zeit als Künstlerin mit eigenen Tiefs und Ängsten zu überleben, entsann sie sich ihrer Erfahrungen als Grafikerin – schließlich war sie nicht umsonst einige Jahre mit einer Werbeagentur selbstständig tätig. So entstand 30

beispielsweise ihr neuestes Projekt mit Hilfe der Förderung 2021 IM FOKUS – 6 Punkte für die Kultur - ein „Kartendeck“ bestehend aus 33 + 1 „Kraftkarten“, die für 44 EUR mit Begleitbuch direkt bei ihr erhältlich sind (siehe: http://yvonne-drautzburg.de/category/ projekte/). Über Themen wie Ahnen, Anima, Leuchttürme etc. sollen Rezipienten ihr Inneres erkennen und das Bewusste verstehen lernen. „Alles, was Du brauchst, ist ein offener Geist und die Neugier eines Kindes“, wünscht sich Drautzburg, die sich seit Jahren – auch ehrenamtlich – für Kinder der Region engagiert. Sie möchte diese für Materialien und Formen interessieren, damit sie einen Zugang zur Kunst bekommen. Sie wünscht sich deshalb auch von Eltern, dass sie sonntags mit ihren Kindern in die Museen gehen und sie darin bestärken, Kunst zu sehen und anzufassen. Drautzburg, die selbst bereits erfolgreich in New York, Zürich und Prag ausgestellt hat, erklärt den Kids in zahlreichen Gesprächen auch immer gerne wieder, warum sie Künstlerin geworden ist, und was es bedeutet, Künstlerin zu sein. In ihren


eigenen Geschichten nimmt sie die Kinder mit auf eine Zeitreise, indem sie ihnen vermittelt, was die „brotlose Kunst“ früher und heute bedeutet, und dass es Frauen auch 2022 immer noch schwerer haben, sich als Künstlerin am Markt zu etablieren und zu halten. „Offene, neugierige Kinder machen so Spaß“, versichert sie mir mit leuchtenden Augen im Gespräch, während sie mir ihr „Kartendeck“ präsentiert. „Der äußeren Welt ein bisschen zu entfliehen kann auch etwas absolut Positives sein, wenn diese Art des Reisens in unser Innerstes führt. Meinem Kartendeck liegt ein fotografisches Konzept zugrunde, welches in mystischen Bildern endet. Ein Dialog zwischen Fotografie und Malerei und gleichzeitig zwischen Realität und Traum. Alle Elemente jedes einzelnen Bildes haben eine Bedeutung und transportieren eine Botschaft. Das Leben vieler Menschen ist im Umbruch. Sie spüren Energien, Schwingungen, die sie oft nicht zuordnen können“, erläutert sie ihre faszinierende Bilderwelt.

Neue Projekte der Yvonne Drautzburg Derzeit hat sie unter dem Titel „KunstGUT“ – einen bunten, großen Kunstmarkt in D-54338 Longen an der Mosel in der Mache. Unter dem Label der Regionalinitiative „Faszination Mosel“ (siehe: https:// www.faszinationmosel.info/events/auf-zur-kunstam-fluss-ein-event-der-regionalinitiative-faszination-mosel/) werden am Samstag, 16. Juli in der Zeit von 11 bis 17 Uhr und am Sonntag, 17. Juli in der Zeit von 11:00 bis 18:00 Uhr zehn KünstlerInnen aus der Region, aber auch aus Köln und Düsseldorf, einzigartige Kunstwerke aus faszinierenden Materialien präsentieren.


Wie jeden Sommer, findet auch Drautzburgs Workshop „Kreativspuren“ in der außergewöhnlichen Gartenlandschaft ihres Privatdomizils statt. Alle Termine

gibt’s auf ihrer Homepage. Im Oktober 2022 agiert sie bei Werkform Trier (www. werkform-trier.de) und im November 2022 plant sie am Markt der Künste in der EKA Trier (www.eka-trier.de) teilzunehmen. Möglichkeiten gibt’s also genug, um sich in die phantastische Welt der Künstlerin von Welt entführen zu lassen…



Es entsteht eine Magie des Anhaltens in einer schnelllebigen Zeit


Will man der Kultur helfen, dann geht man einfach wieder in Konzerte, Aufführungen und Ausstellungen. Foto: Herbert Thiel

Interview mit Kulturdezernent Markus Nöhl

Eifelleben-Autorin Sabine Krösser hat den engagierten Kommunalpolitiker zur aktuellen Situation in der Kulturszene der Region Trier interviewt.

Markus Nöhl (SPD) ist seit 1. Oktober 2021 neuer Kulturdezernent der Stadt Trier. Neben der Kultur verantwortet der 43-Jährige auch die Geschäftsbereiche Tourismus und Weiterbildung. Gewählt wurde er Mitte Juli 2021 vom Stadtrat – OB Wolfram Leibe ernannte und vereidigte ihn in der Ratssitzung vom 27. September 2021. Nöhl, 1979 in Trier geboren und in Bitburg-Masholder aufgewachsen, studierte Geschichte und Politikwissenschaft in Trier und London. Nach seinem Studienabschluss arbeitete er an der Universität Trier, zuletzt im Forschungszentrum Europa. 2011 wechselte er als Regierungsangestellter in die Landesregierung in Mainz. Zuletzt war er Pressesprecher im rheinland-pfälzischen Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, seit Mai 2021 im Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit.

Wie beurteilen Sie als Kulturdezernent die Kulturszene in Trier - nach Corona? Leider ist die Pandemie noch nicht zu Ende. Aktuell gelten zwar fast keine Schutzauflagen, doch merken wir, dass die Gäste nur zögerlich zu den Kulturveranstaltungen zurückkehren. Das macht allen Veranstaltern, aber insbesondere den Festival-Betreibern, zu schaffen. Das Beste ist: Will man der Kultur helfen, dann geht man einfach wieder in Konzerte, Aufführungen und Ausstellungen. Gibt‘s derzeit Projektförderungen und/oder Ausschreibungen seitens der Stadt oder des Landes, von denen KünstlerInnen der Region nach Corona profitieren könnten? Sowohl der Bund über „Neustart Kultur“ als auch das Land über „Fokus Kultur“ haben wei-


terhin Unterstützungsprogramme laufen, die den Künstlerinnen und Künstlern helfen können. Wir als Stadt Trier haben zusätzliche Räume und Bühnen erschlossen, die der Kultur mehr Auftrittsmöglichkeiten bieten. So zum Beispiel die Reaktivierung der „Grünen Rakete“ im Palais Walderdorff, den KulturFrühling im Kasino Kornmarkt oder den Gropius Pavillon auf dem Domfreihof.

Autorin Sabine Krösser sabine.kroesser@eifelleben.online

Welche Highlights stehen auf dem Sommer-/ Herbstprogramm in Trier, auf die sich unsere LeserInnen freuen dürfen? Besonderes Highlight ist natürlich die große Landesausstellung zum Untergang des römischen Reiches in den drei Trierer Museen (red. Anmerkung - siehe: https://untergang-rom-ausstellung.de vom 25. Juni bis 27. November). Dazu gibt es ein großes Begleitund Kulturprogramm, das die Thematik von vielerlei Seiten beleuchten wird. Spannend wird auch das erste Trierer Fringe-Festival, das internationales Straßentheater mit den Bühnen der Stadt zusammenbringt und die Trierer Innenstadt voller Kunst und Kultur füllen wird.

mehr wissen, mehr erleben Veranstaltungskalender Trier Veranstaltungskalender Echternach

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Yvonne Drautzburg – Atelier EisenArtig Wallenbachstrasse 31 D-54293 Trier Telefon +490)651 1701733 kontakt@yvonne-drautzburg.de www.instagram.com/yvonnedrautzburg www.facebook.com/EisenArtig www.yvonne-drautzburg.de

Wanderung auf dem Achtsamskeit-Pfad Kleine Kyll, Bis 18. Dezember, Manderscheid Das historische Bad Bertrich, bis 29. Oktober online mehr wissen

Südeifel

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Design: www.marikelotz.de | Foto: Ralph Sondermann

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INSIDE HEIMBACH –

Fotos: Wassilis Aswestopoulos

LIEBESERKLÄRUNG AN EINE AKADEMIE „Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben“ sagte einst Pablo Picasso. Kaum eine Bildungsstätte in der Eifel ist so geeignet, die künstlerischen Kinder in allen zu erwecken, wie die Internationale Kunstakademie Heimbach. Ein halber Tag in der Akademie reicht, um festzustellen , es ist Liebe auf den ersten Blick. „Neue Kunst in alten Gemäuern“, lautet ein Motto der Akademie. Der Direktor, Professor Dr. Frank Günter Zehnder, ist, er möge diesen Vergleich verzeihen, die Reinkarnation dieses (An)spruchs. Ein sehr jugendliches, kindlich und keineswegs kindisches Wesen funkelt aus Zehnders vierundachtzigjährigen Augen, wenn er über Kunst, Kunstausbildung und „seine“ Akademie spricht. Seine Hände zeigen im Gespräch lebhaft und 38

plastisch die Reise des jungen Pennälers, der vom Onkel in Köln mit Kirchenkünstlern vertraut gemacht wurde und dann sein gesamtes Leben der Kunsthistorik verschrieb. Zehnder, der sich selbst nicht als Künstler sehen möchte, weil es ihm, wie er meint, an Talent fehle, hat Künstler*innen aller Disziplinen aus aller Welt inspiriert, nach Heimbach zu kommen. Skulptur und Bildhauerei werden ebenso gelehrt wie Malerei, neue Medien und Performance. Es gibt Kurse für interessierte Laien, Schüler*innen und Kinder. Die Akademie bietet aber auch ein Abschlusszertifikat, ein Diplom für Meisterschüler*innen und Profis, an. Inklusion ist auch im Kunstunterricht für die Akademie mehr als nur ein Schlagwort. Besucher sehen direkt im Empfangsraum an exponierter Stelle das Gemeinschaftswerk körperlich und geis-


tig behinderter Schüler. Zehnder erklärt geduldig, wie und mit welchen Maltechniken die Schüler in die Lage versetzt wurden, das imposante Gemälde zu erstellen.Wieder blinzelt schelmisch ein Kind aus seinen begeisterten Augen. Nach seiner Pensionierung startete er 2008 zusammen mit seinen Mitstreitern, wie zum Beispiel dem Künstler Otmar Alt, mit Unterstützung der Gemeinde Heimbach das Projekt der Kunstakademie. Der brachliegenden, im 11. Jahrhundert erbauten Burg Hengebach, einem der ältesten Bauwerke der Eifel, wurde mit Plänen des Heimbacher Architekten Peter Holdenried neuer Geist eingehaucht. Im einstigen „Spukschloss“ entstanden so Ateliers, Ausstellungsräume und Begegnungsstätten. Die historische Relevanz in Ehrfurcht zu erhalten und gleichzeitig modernes Leben und schier endlose Kreativität zu gestatten - die Kunstakademie Heimbach demonstriert eindrucksvoll, warum dies kein Widerspruch ist. Allein um dies zu sehen, lohnt sich der Ausflug nach Heimbach schon. Der Luftkurort ist die kleinste Stadt Nordrhein-Westfalens und perfekt auch per Bahn erreichbar. Heimbach ist ein Wallfahrtsort zwischen den Seenplatten der Eifel, bietet Wanderwege, Wiesen, Berge, Wasser und den bleibenden Eindruck von idyllischer Schönheit, die gerade in der heutigen Zeit wie aus einer anderen Welt wirkt. So echt und real, aber doch gleichzeitig so kunstvoll und farbintensiv wie ein Gemälde von Diego Velázquez. Am Fuß von Burg Hengebach stehen im Hof des Verwaltungsgebäudes ausgediente Telefonzellen, die von Künstlern aus verschiedenen Kontinenten, 9 Stachel, Nate Anspaugh, Viorel wie Wieslawa Chirea, Michael Koch und Antonio Nunez, zusammen mit von ihnen betreuten Schülergruppen zu farbenfrohen Bücherschränken recyclet wurden. Die heißbegehrten kleinen Bibliotheken werden im Rahmen des Lit.Eifel 2022 Literatursommers die Orte Blankenheim, Hellenthal, Monschau – Kalterherberg, Simmerath – Lammersdorf, Mechernich und Schleiden zieren. Die Relikte der Kommunikationstechnik aus vergangenen Zeiten wurden unter Eifelgemeinden verlost. So sind in Heimbach Nachhaltigkeit und Effizienz nicht


Foto: Ralph Sondermann

nur Schlagworte unserer modernen Zeit, sondern kreativ mit Leben gefüllte Kunstwerke.

biniert so ihre Malerei und ihre Kunstfellarbeiten mit dem Gebäude.

Zehnder rechnet vor, dass für Schülergruppen eine Wochenendreise in diese Welt zusammen mit einem Kunstkurs für nur 90 Euro pro Person möglich sind. Schulklassen aus der näheren Umgebung nutzen diese Gelegenheit bereits jetzt für Klassenfahrten. Aus ferneren Städten wie Köln, Bonn und Aachen könnten es durchaus mehr sein, denn die Kapazität dafür ist vorhanden.

Dem Direktor ist das recht. Solange Künstler*innen nach einer Ausstellung die Räume wieder in den Ursprungszustand versetzen, können sie ohne jede Einschränkung machen, was sie wollen.

In den Ausstellungsräumen der Akademie bereitet Anica Hauswald, Gewinnerin des Kunstpreises des Kreises Düren 2021, ihre Ausstellung vor. Der Kunstpreis beinhaltete das Sponsoring einer Ausstellung. Die Meisterschülerin von Herbert Brandl durfte als Preisträgerin ihren Ausstellungsort frei wählen. In Heimbach ändert sie mit Hilfe ihrer Eltern die Wandfarbe der altehrwürdigen Gemäuer von weiß auf schwarz. Breathing Colour, atmende Farbe, heißt ihr Ausstellungsprojekt, bei dem die schwarzen Wände, auf welche die Besucher treffen werden, den Kontrapunkt setzen. Hauswald kom40

In einem Atelier hoch oben auf der Burg werkeln Frauen an Tonskulpturen. Oder ist es der Ton, der in den Händen der Frauen zu Leben erweckt wird? Die Augenblicke der Schöpfung kleinster Details an den Skulpturen, haben etwas Magisches und sind dennoch real. Die im größten Atelierraum der Burg auf Maler wartenden Staffeleien sind bereits jetzt schon so schön, dass auch sie zum Blickfang werden. Das von Kindern bemalte Banner, im Gang des unteren Gebäudes der Akademie, sollte es nicht wie ein Mural fest mit dem Gebäude verbunden werden? Die liebevoll verpackten Bilder der vergangenen Ausstellung von Otmar Alt, in einem Atelierraum wartend, stellen doch auch schon Kunst dar, oder?


Fragen und Eindrücke, laute geistige „Aha“-Rufe, und auch ein Schuss Nostalgie in der perfekt ausgestatteten Dunkelkammer für die Fotografiekurse - es gibt keine Ecke in der Akademie, die langweilig oder phantasielos ist. Und es gibt viel Hoffnung. In buchstäblich jede*r Mitarbeiter*in der Akademie steckt ein „Zehnder“, ein künstlerisches Kind im Sinne Picassos. Die Kunstakademie Heimbach ist eine andere Welt, jenseits von Kriegen, Pandemien, Krisen und Sorgen. Und sie ist wunderschön.

Autor Wassilis Aswestopoulos foto@aswestopoulos.de

Nordeifel

Foto: Ralph Sondermann

mehr wissen, mehr erleben Klassik Festival Momentum, 20. bis 23- September 2022, Aachen, Stolberg

Klosterführung Abtei Mariawald, Bis 17. August, Heimbach

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Eifel-Kulturtage, bis Januar 2023, verschiedene Orte

online

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»WENN EIN GREIS STIRBT, BRENNT EINE BIBLIOTHEK«



Anfang 80 ist der Mann, der mir in seinem Arbeitszimmer gegenübersitzt. Seine Augen aber sind die eines 20-jährigen. Wache, neugierige, forschende Augen, die durch die Linse seiner Kamera blicken, wenn Dietrich Schubert in der Eifel unterwegs ist und die Menschen in ihrer Umgebung ablichtet – vorzugsweise schwarz-weiß. „Jeder sagt, schwarz-weiß sei viel schöner als ein Farbbild“, verrät er mir. Wie er sich das erkläre, möchte ich von ihm wissen. „Weil es nicht der Realismus ist. Es hat eine Abstraktion und damit eine gewisse Künstlichkeit und einen künstlerischen Ausdruck.“ An den Wänden hängen unterschiedlichste Kunstwerke und Fotografien, u.a. von dem Haus, das er mit seiner Frau Katharina, ebenfalls Künstlerin, seit über 40 Jahren bewohnt. Die Bilder dokumentieren die einzelnen Umbauphasen des ehemaligen Bahnhofs von Kronenburg. Ein Haus mit nicht immer ruhmvoller Vergangenheit. „Hier

ist schon ein Herr in Galauniform ausgestiegen“, erzählt er „und dann die Straße hochgelaufen zur Einweihung der Hermann Göring Meisterschule für Malerei in Kronenburg.“ Das war am 9. Juni 1938 und der Mann war der nationalsozialistische Politiker selbst. „Geschichte begegnet dir hier laufend!“ Schubert kommt jetzt richtig in Fahrt. „Vor einigen Jahren klingelte hier ein älteres Ehepaar. Niederländer. Der Mann erzählte, dass er als 17-jähriger mit weiteren 50 jungen Niederländern im ehemaligen Warteraum als Zwangsarbeiter untergebracht war. Sie haben oben am Westwall Schanzarbeiten machen müssen. Da ist Geschichte plötzlich ganz nah.“ Heute passieren Radfahrer die alte Station. Die stillgelegte Trasse der Vennquerbahn wurde 2015 zum Radwanderweg Kylltall-Radweg umgebaut. Schubert ist ein Meister darin, Geschichte(n) mittels Fotografien und Filmen zu erzählen.


Eifeler Geschichten, die schönen, die rührenden, die tragischen und bitteren, hat Schubert in seinen langen Eifeljahren in zahlreichen Dokumentarfilmen festgehalten. Sie erzählen von der Landschaft, den Menschen und ihren Geschichten und tragen so klingende Titel wie „Ein blindes Pferd darf man nicht belügen“, „Ein trefflich rauh Land“, „Verzeihen ja, vergessen nie“, „Das Dampfross kommt“ oder „Nicht verzeichnete Fluchtbewegungen“.

Schlesisch-bayerischer Rheinländer Dietrich Schubert bezeichnet sich selbst als schlesisch bayerischen Rheinländer. Geboren in Görlitz, flüchtete er als 4-jähriger 1945 mit seiner Großmutter, Mutter und der Schwester, die damals noch ein Säugling war, aus Schlesien. Die Familie fand im Allgäu eine Unterkunft. Heute

fühlt er sich an diese Zeit erinnert, wenn er Bilder von ukrainischen Flüchtlingen im Fernsehen sieht. Als 16, 17-jähriger fuhr er zwei Jahre lang zur See bei der Handelsmarine im nautischen Decksdienst, entlang der Westküste Südamerikas bis nach Chile, durch den Panamakanal, nach Nordamerika, Kanada und durch das Mittelmeer und Rote Meer. Damals wollte er Kapitän werden. Ein Abenteurer und Geschichtenerzähler war Schubert schon als junger Mann: „Die meisten Kollegen auf dem Schiff sind abends in die Hafenkneipen gegangen und haben sich vollgesoffen. Niemand von denen wäre auf die Idee gekommen, sich einen freien Tag zu nehmen, um in‘s Land reinzugehen, wie ich es tat. Mein Interesse, mehr als nur den Hafen zu sehen, war ganz einfach da. Ich habe Fotos von meinen Touren gemacht und nach meiner Seefahrtzeit habe ich mein Geld damit verdient, Dia-Lichtbildvorträge an Schulen über diese Reisen zu halten.“

Bei Kunstschmied Norbert Trösch


Vom Allgäu zog die Familie dann nach Köln. Schubert machte eine Fotografenlehre, die ihm als Grundlage diente, Filme zu machen. Schon als junger Mann leitete er den Jugendfilmclub in Leverkusen und organisierte Filmvorführungen mit Diskussionsrunden. Er arbeitete als Kameraund Regieassistent und ist seit 1968 freier Autor und Regisseur. Seine Filme liefen im Kino, im Fernsehen und auf Festivals. Viele entstanden in Zusammenarbeit mit seiner Frau Katharina, einer ausgebildeten Dramaturgin und erfolgreichen Buchautorin. 1981 erhielt er den Adolf-Grimme-Preis und den Preis der deutschen Filmkritik. Weitere Auszeichnungen folgten.

Zum Duschen nach Stadtkyll ins Schwimmbad gefahren 46

Dass Schubert in der Eifel gelandet ist, war Zufall. Seine Mutter habe in einer Zeitschrift gelesen, dass die Bundesbahn leerstehende Bahnhöfe verkaufe. Er entschied sich für Kronenburg, weil ihm die Umgebung gefiel. Der Stausee war damals noch leer, aber der Damm stand bereits. 1976 erwarb er den alten Bahnhof als zweiten Wohnsitz und ließ ihn nach und nach an den Wochenenden ausbauen: „Das Gebäude hatte vier Jahre leer gestanden, da waren keine Scheiben mehr drin. Es gab keinen Wasseranschluss und keinen Strom. Katharina und ich sind zum Duschen ins Schwimmbad nach Stadtkyll gefahren“, lacht er. „Bei der Dorfjugend waren wir nicht gerade beliebt. Die haben die ersten Fensterscheiben, die wir hatten, eingeschlagen. Das Haus und das Gelände waren schließlich ihr Hauptspielplatz gewesen und nun wollten da Leute, auch noch Fremde aus der Stadt, drin wohnen. Wir haben dann Fensterläden angebracht, so wie man das im Allgäu überall hat. Merkwürdigerweise kennt man


Seit zehn Jahren ist der Bahnhof der Hauptwohnsitz der Schuberts. Durch die Filmarbeit sind zahlreiche, auch enge, Kontakte mit den Eifelern entstanden.

Jeder kann das Gesicht aufsetzen, das er gerne auf dem Bild haben möchte

Ihnen mit Respekt zu begegnen, ist Schubert sehr wichtig. Im Juli 2021 war auch Kronenburg von der Flut betroffen. „Die tiefergelegenen Bewohner wurden evakuiert, aus Sorge, dass der Staudamm bricht. Ich bin aber ganz bewusst nicht herumgefahren, ich wollte das Leid der Bewohner mit meiner Kamera nicht einfangen.“ Später hat er es bereut. „Ich hätte meine Großformatkamera nehmen müssen, wo du wirklich noch unter das schwarze Tuch kriechst, wo du keine Schnappschüsse machst, sondern ganz gezielte Aufnahmen in schwarz-weiß. Das wäre die Art gewesen, mit der ich hätte umgehen können.“

Aktuell ist er in der Eifel mit seiner analogen Mittelformatkamera unterwegs. Inspiriert hat ihn Therese Pützer, die in seinem Film „Ein blindes Pferd darf man nicht belügen“ von einem Foto erzählt, auf dem drei Leute vor einem Leiterwagen abgebildet sind. „Früher sind in der Eifel Wanderfotografen durchgezogen, die die Bevölkerung für wenig Geld ablichteten. Und zwar so, wie sie sind und bei ihrer Tätigkeit, die sie gerade verrichten an Ort und Stelle. Später konnte man das Foto dann für 1 DM kaufen.“ Dieser alten Tradition folgend fährt er mit seiner Kamera durch die Lande und lichtet die Menschen

das in der Eifel nicht. Dabei gab es hier in der Eifel früher noch Winter von minus 20 Grad!“

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DIE EIFELER SIND… … erst einmal skeptisch. Ich habe auch Filme im Ruhrgebiet gemacht. Wenn Du da angeklopft hast, dann warst du sehr schnell in der Küche. Bei den Eifelern bist du erst ein bisschen vor der Tür. Wenn du dann aber ein wenig länger mit ihnen Kontakt hast, dann wirst du absolut aufgenommen. Es war immer so einfach, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Was die Eifeler von dir erwarten, und das zu Recht, ist, dass du zuhörst. Es sind so tolle Geschichten dabei rausgekommen.

ICH WÜNSCHE MIR FÜR DIE EIFEL… … dass sie so bleibt, wie sie ist.

HEIMAT BEDEUTET… … viele Leute zu kennen. Neulich beim Einkauf mit Maske sagt jemand: „Tach, wir kennen uns doch.“ Ich sag: „Entschuldigung, ich komme jetzt gerade nicht drauf.“ „Ja, von den Filmvorführungen. Da haben wir uns doch mal getroffen.“ Das zeigt, dass du irgendwo hier zuhause bist, dass dich die Leute kennen, dass du die Leute kennst und auch die Geschichte von Orten, das macht für mich Eifel und Heimat aus.

DER EIFELER DIALEKT… … ändert sich von Tal zu Tal. Aber die Großeltern von heute müssen mit den Enkeln hochdeutsch sprechen, damit sie verstanden werden. Ich glaube, dass er verschwinden wird.


ab. „Wer mir begegnet und irgendwie interessant erscheint, wird fotografiert. Ich mache aber keine Schnappschüsse. Ich will keine gestohlenen Bilder. Die Menschen haben die Möglichkeit, sich in Positur zu stellen. Jeder kann das Gesicht aufsetzen, das er gerne auf dem Bild haben möchte.“ Farbbilder macht er digital. Analog fotografiert er grundsätzlich schwarz-weiß. „Ich habe bereits die ersten Fotos mit meinen Eifelern gemacht. Die drucke ich dann auf DIN A4 aus, klebe die schön in ein Passepartout ein und bringe sie den Portraitierten. Die Wanderfotografen haben eine Mark dafür genommen, ich mache das umsonst. Das macht so viel Spaß, wie die Leute sich darüber freuen! Das ist dann der Lohn für die Arbeit, die man macht.“ Warum er so gerne die Menschen fotografiere, frage ich ihn. Die Antwort folgt prompt: „Gesichter, die Menschen der Umgebung, sind spannender als die Eifellandschaft.“

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Siebzig Filme gehen auf das Konto Dietrich Schuberts. Viele Dokumentationen sind als DVD erhältlich. 18 davon drehte er in und über die Eifel. Auch den Nationalsozialismus und Faschismus in der Region ließ er nicht aus. „Die Eifel ist eine Grenzregion“, erläutert er. „Hier war das riesige Aufmarschgebiet für die Ardennenoffensive gegen Ende des zweiten Weltkriegs. Man kann mit einem Reiseführer die Geschichte der Eifel erwandern.“ 1991 entstand „Nicht verzeichnete Fluchtbewegungen oder Wie die Juden in der Westeifel in Freiheit kamen“. Dieser Film, erzählt er, war für seinen Freund, den Kaller Autoren Norbert Scheuer, Grundlage für dessen Roman „Winterbienen“. Die beiden Künstler arbeiten gerne zusammen, sie organisieren Lesungen, verbunden mit Filmvorführungen und der Gelegenheit zum Gedankenaustausch.


Tradition, die über Generationen fortbestand, die gibt es heute nicht mehr.“ Ich verabschiede mich von „meinem“ Geschichtenerzähler. Von seiner Zeit in der Wüste, aus der er beinahe nicht mehr lebend herausgekommen wäre, hätte er mir noch gerne berichtet. Dabei weist er auf Bilder und Zeitungsausschnitte an der Wand seines Arbeitszimmers. Ich komme wieder. Gerne! Auf einen Kaffee. Und auf weitere spannende Anekdoten eines begnadeten Erzählers. Nicht nur im Film und auf Fotografien. Infos unter www.schubertfilm.de

Nordeifel

Das Filme machen, sagt Schubert, habe er jedoch abgeschlossen. Er ist zur Fotografie zurückgekehrt. „Das Schöne ist, dass du das allein stemmen kannst, was beim Film ja nicht der Fall ist. Vielleicht wird ja ein Buch aus meinen Projekten.“ Schuberts Veranstaltungen werden in erster Linie von älteren Leuten besucht. Die Zeitzeugen sterben weg. Und damit auch diejenigen, die sich für seinen Stoff interessieren. „Es werden deutlich weniger Gäste von Jahr zu Jahr. Nicht nur wegen Corona.“ Ob er das bedauere, möchte ich von ihm wissen. Schubert wird nachdenklich. „Die Zeit kann man nicht aufhalten. Das Fernsehen und die Medien haben den Platz des Selbsterlebten eingenommen. Ein afrikanischer Schriftsteller hat mal gesagt „Wenn ein Greis stirbt, brennt eine Bibliothek“. Das gilt nicht nur für Afrika. Hier wurde oft Geschichte durch Geschichten vermittelt, die weitererzählt wurden. Früher war in der Eifeler Stube im Winter die Ofentür offen. Es war die einzige Beleuchtung im Zimmer. Und dann saß man zusammen und es wurden alte Geschichten erzählt. Und diese

Autorin Katia Franke katia-franke.de

mehr wissen, mehr erleben STUNK unplugged, 25. September Hellenthal Eva Eiselt Kabarett 30. Juli, Bad Münstereifel

Kreative Sommerwerkstatt, Alter Schlachthof Eupen 1. bis 26. August

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Veranstaltungskalender St. Vith

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Mechernich – Kultur am Fuße des Nationalpark Eifel

Nicht nur bei schlechtem Wetter lockt das Besucherbergwerk Grube Günnersdorf mit Führungen über- und untertage. Die Besucher „fahren“ unter fachkundiger Begleitung in die Stollen ein und entdecken die über 2000 Jahre alte Geschichte des Bleierzabbaus.

Mechernich in der Nordeifel trumpft mit Natur, Kultur, Geschichte und vielen Höhepunkten für Groß und Klein. Mechernich – Wer sich für die Kombination aus Kultur, Geschichte, Natur und Erlebnis interessiert, ist in Mechernich genau richtig: Mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten, den vielen Freizeiteinrichtungen und Kulturveranstaltungen hat Mechernich für jedes Alter etwas zu bieten. Mechernich ist der ideale Ausgangspunkt für erlebnisreiche Tage in der Eifel. Eine Zeitreise der besonderen Art erleben Sie im LVR Freilichtmuseum Kommern: Duftendes Brot, das in einem mit Holz befeuerten Ofen gebacken wurde, Funkenschlag und Hämmern in der Schmiede. Im Museum kann man mit allen Sinnen erleben, wie früher im Rheinland gelebt und gearbeitet wurde. Der Historische Ortskern Kommern mit einem der größten geschlossenen Fachwerkensembles des Rheinlandes ist regelmäßig Veranstaltungsort für überregional bekannte Märkte, wie z. B. der Historische Handwerkermarkt.

Kleine und große Möchtegern-Ritter fühlen sich bei den Ritterspielen auf Burg Satzvey wohl. Konzerte mit herausragenden Künstlern, Grusel-Nächte zu Halloween oder der Blick in die Burg bei einer Führung werden ebenfalls angeboten. Fast wie in der Steinzeit kommt man sich vor bei einem Besuch der vorsteinzeitlichen Kakushöhle in Dreimühlen und einem Rundgang auf dem Gelände des verwunschen wirkenden Kartsteinfelsens. Hörens- und sehenswert sind auch die kleinen aber feinen Konzerte, die auf dem Höhlenvorplatz vor der


einzigartigen Kulisse der Felsformation der Höhle stattfinden. Ein vielseitiges kulturelles Angebot erwartet die Gäste in Mechernich. In der Galerie im Rathaus finden regelmäßig Wechselausstellungen statt. Die einheimischen KünstlerInnen Mechernich sind bereits über 40 Jahren kreativ – besonders in der Vorweihnachtszeit mit Outdoor Ausstellungen. Theater und Konzerte in Eifeler Mundart werden nicht nur gerne von einheimischen Gästen besucht. Das Brunnenfest wird in diesem Jahr mit zahlreichen kulturellen Höhepunkten gefeiert.

Eine besondere, stimmungsvolle Atmosphäre bietet die Kulturinitiative „Feykultur“ im Frühsommer unter freiem Himmel an der Wassermühle Falkenstein, im Ortsteil Eiserfey. Namhafte Eifel-Krimiautoren, wie z. B. Ralf Kramp verwöhnen ihre Zuhörer im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Nordeifel-Mordeifel“ mit Schauergeschichten, gepaart mit schwarzem Humor. Erleben Sie Gänsehaut während eines 3-Gängemenues oder an einem ungewöhnlichen Ort, der für das Publikum ansonsten verschlossen bleibt

Weitere Informationen unter: www.mechernich-eifel.de

rei f t rit 18! t n Ei nter u

www.kommern.lvr.de


Ein Leben für die

KÜNSTE Christiane Hamann von der Künstlersiedlung Weißenseifen


Christiane Hamann ist eine nahezu mystische Erscheinung. Schwebend bewegt sie sich über die Waldlichtung, auf der gigantische Steinskulpturen wie riesenhafte Fabelfiguren aufgestellt sind. Wie ein unwirklicher Ort wirkt die Künstlersiedlung Weißenseifen in der Nähe von Prüm. Kein Wunder, dass sich Hamann als junge Frau sofort in den Ort verliebte. Heute ist sie Dreh- und Angelpunkt bei allem, was die Künstlersiedlung betrifft. Sie leitet das Kulturwerk Weißenseifen, ein gemeinnütziger Verein, bei dem für jeden zugänglich Kurse, Vorführungen, Vorträge, Ausstellungen und Dokumentationen stattfinden. Und sie ist Beiratsmitglied im Förderkreis Symposion Weißenseifen, bei dem Künstler einmal im Jahr für mehrere Wochen frei in den Bereichen Bildhauerei, Malerei, Musik, Ton und vielem mehr arbeiten. Das jährliche Künstlertreffen war 1983 auch Hamanns erste Berührung mit dem Eifeler Örtchen. Gemeinsam mit einer Freundin trampte sie 1983 mit einer Freundin von Bremen nach Weißenseifen. Damals studierte sie Kunst und Kunsttherapie. Losgezogen waren die beiden Studentinnen, weil es in der Eifel beim Symposion die Möglichkeit gab, „am Stein“ zu arbeiten. Denn: „Im ganzen Studium machten wir immer etwas aus Ton oder mit Zeichnungen und Malen. Aber die Bildhauerei wurde nicht angeboten. Es hieß: „Das dauert zu lange.““ Die Künstler in Weißenseifen traten den Gegenbeweis an. Und das schon seit 1949/ 50, als eine Gruppe Studierender aus Düsseldorf rund um den Künstler Günther Mancke die Siedlung als Aussteigerort gründete. Bis dahin gab es auf der Lichtung nur ein kleines Ferienhäuschen aus den gleichen Steinen, aus denen heute die Figuren sind. Seit Anfang der 70er öffnet sich die Künstlersiedlung jährlich zum Symposion, bei der Interessierte bis zu einem Monat lang gemeinsam künstlerisch tätig werden können.

gründete und als Bildhauer und Zeichner tätig war. Nach Christianes Abreise hielten die beiden Kontakt und Hamann besuchte ihn in den darauffolgenden Jahren immer wieder zum sommerlichen Bildhauerworkshop, dem Symposion.

Und eben so kam auch Christiane Hamann zum ersten Mal in die Eifel. „Ich habe das als sehr schön empfunden, uns hat es hier sehr zugesagt“, schmunzelt sie. Sie verstand sich auf Anhieb gut mit dem Künstler Albrecht Klauer-Simonis, genannt AKS, der das Symposion

Nach ihrem Kunststudium zog es die Mitte 20-jährige Hamann für ein Jahr nach Berlin. „Da habe ich aber gemerkt: Ne, das ist es eigentlich nicht, in der Großstadt zu leben. Man hat zu sehr das große Konsumangebot, man kommt gar nicht dazu, selbst etwas zu tun.“ 55



n für die

NSTE




war es mit dem Essen eben nicht so üppig.“ Aber: „Ich hatte immer das Gefühl, der ist so lebendig. Auch bei seinem Unterricht. Und diese Lebendigkeit hat mich immer wieder fasziniert. Das war unabhängig vom Alter!“ War ihr der Ort nicht zu abgelegen? So mitten im Wald? Nein, sagt Christiane Hamann. Sie wollte den Rückzug von der Welt. Und genau darum ging es auch schon den Gründern Anfang der 1950er Jahre: Man wollte den Weg zur Natur wieder zurückfinden, vor allem nach den Gräueln des 2. Weltkriegs. Zu dieser Geisteshaltung passt auch die Verbundenheit mit den Ideen Rudolf Steiners, dem Begründer der Anthroposophie. „Es war etwas, was nach dem faschistischen Regime nach etwas ganz anderem aussah“, erklärt Christiane Hamann. „Und eine ganz andere Freiheit ermöglichte.“

Westeifel

Heute sieht Christiane Hamann es als ihre Aufgabe an, den Ort Weißenseifen mehr und mehr für die Öffentlichkeit zu öffnen. „Gerade zu Beginn habe ich eine starke Distanz zu den Eifelern gespürt“, sagt sie. Daher baute sie nach dem Tod ihres Mannes das Kulturwerk Weißenseifen auf. Die Idee: Gezielt Menschen aus der Umgebung anzusprechen und ihnen die Malerei und Bildhauerei näher zu bringen. Nach dem Todes ihres Mannes im Jahr 2002 veranstaltet Christiane Hamann regelmäßig Ausstellungen mit seinen Werken. „Die Kunst ist eben mein Leben“, sagt sie und begrüßt herzlich Künstler, die an diesem Wochenende im Weißenseifener Skulpturenwerk „Pi“ ausstellen.

Die auf Steiner basierenden Waldorf-Ideen sind in Weißenseifen noch heute spürbar, sei es in den organischen Formen der Gebäude oder - vor allemin der Pädagogik. Denn auch das „Haus Michael“, 1973 als Wohnstätte für autistische Kinder gegründet, agiert nach dem Konzept. Christiane Hamann arbeitet dort nebenbei in der Behindertenhilfe. Heute leben auf dem Gelände von Weißenseifen 24 Menschen mit autistischer Behinderung. Das passe, schmunzelt Hamann, da Autisten sich wie auch viele Künstler gerne in sich selbst zurückziehen.

Autorin Julia Kunze julia@eifelpodcast.de

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Offenes Buchbinde-Treffen, Bis 4. Januar, Prüm Veranstaltungskalender Prüm

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Albrecht Klauer-Simonis schlug vor, dass Christiane Hamann doch zu ihm in die Eifel ziehen solle, sie könne doch auch in Trier Kunstgeschichte studieren - und bei ihm wohnen. Gesagt, getan - und bald darauf waren die beiden ein Paar. Das war damals ganz schön gewagt, denn Christiane war Ende 20, der Künstler ganze 40 Jahre älter. Aber: „Der Altersunterschied war für mich gar nicht so existent“, sagt Hamann. Das ungewöhnliche Paar fiel zudem auch optisch auf: Sie war fast einen Kopf größer als ihr Mann. „Nach dem Krieg


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WIBBELSTETZ –

MUSIKALISCHE BOTSCHAFTER DER EIFEL

„WIBBELSTETZ“. Das bedeutet wörtlich übersetzt „WACKELSCHWANZ“ und bezeichnet im Rheinischen einen „ZAPPELPHILIPP“, ein unruhiges Kind. Und das ist Günter Hochgürtel bis heute geblieben.


Kaum, dass ich auf seiner Terrasse in der „Bundeshauptstadt des Naturschutzes“ Nettersheim Platz genommen habe, schnappt er sich seine Gitarre, um sein neuestes Werk zu präsentieren. Das ist, wie so viele seiner Songs, eine gesungene Geschichte. Das meiste ist selbsterlebt oder belauscht. „Neudeutsch“ würde man ihn als Singer Songwriter bezeichnen, was er doof findet. „Warum nicht Liedermacher? In bester Tradition? Wir müssen uns vor den Engländern oder Amerikanern doch nicht verstecken!“ Seine Finger gleiten routiniert über die Saiten, den Text hat er im Kopf. Mit Nachdruck besingt er auf Platt von der Sehnsucht eines jungen Eifelers, der Enge seiner Heimat zu entfliehen und zur See zu fahren. Dieses Gefühl ist Hochgürtel vertraut. Auch ihn zieht es regelmäßig in die Ferne. Aber es dauert nicht lange, dann ruft ihn sein Zuhause zurück: „Ich habe ja nirgendwo anders gelebt als hier“, begründet er diese Heimatverbundenheit. „Ich habe mich außerhalb der Eifel immer unwohl gefühlt.“ Günter Hochgürtel liebt die Menschen und ihre Mentalität: „Wir haben viele gute Eigenschaften: Herzlichkeit und Verlässlichkeit. Und wir haben eine unfassbar schöne Landschaft, davon träumen andere.“ Ein Riss durch die Landschaft ging im Juli 2021. Auch Nettersheim war von der Flut betroffen. Er erinnert sich: „Das Ausmaß der Zerstörung war schon sehr gespenstisch! Aber ich fand es bemerkenswert, wie die Leute hier zusammengehalten haben.“

ERSTE PLATTE IM STUDIO DER „BLÄCK FÖÖSS“ PRODUZIERT Schon als Teenager schrieb Hochgürtel eigene Lieder. Das Gitarrenspiel hat er sich im Wesentlichen selbst beigebracht. Seinen ersten Auftritt hatte er 1984 auf der Goldenen Hochzeit der Großeltern väterlicherseits in Mechernich. Damals schon nannte er sich „Wibbelstetz“. Mit 19 spielte und sang er in einer Eifeler Tanzkapelle. Dann dachte er sich, was die „Bläck Fööss“ in Köln können, das


Kalvarienberg


kann man in der Eifel auch: Lieder in Mundart singen. 1987 stellte er eine Band zusammen und schickte zwei Jahre später eine Kassette mit selbstkomponierten Songs an jene Kölsche Gruppe, die ihn inspirierte, es ebenfalls professionell als Dialektsänger zu probieren. Die „Bläck Fööss“ reagierten prompt, wie er nicht ohne Stolz berichtet: „Gefällt uns gut, lass‘ uns ´ne Single machen in unserem Studio, hat der Bömmel Lückerath gesagt, und die haben das dann mit uns gemacht. Unter anderem war „Nempt mich möt“ drauf. Und dieses Lied haben sie dann 1991 als Cover auf ihrer CD „Rheinhotel“ veröffentlicht.“ 1990 produzierten Wibbelstetz ihre erste CD im Studio der Bläck Fööss. Ihr Repertoire kann sich sehen lassen. Zehn Studioalben und rund 120 Lieder sind seit dieser Zeit entstanden. Mit einem Standbein im Karneval hat die Band, trotz Mundart, nie kokettiert. „Meine Songs sind zu anspruchsvoll für das Genre,“ sinniert Hochgürtel, „außerdem finde ich die Auftrittssituation der Karnevalsbands entsetzlich. Ich möchte mir nicht vorstellen, dass Männer mit Narrenkappen hinter mir stehen und bestimmen, wie lange ich auf einer Sitzung aufzutreten habe.“

ZWEI STANDBEINE „Wibbelstetz, das sind neben dem singenden Frontmann Günter (Akustikgitarre, Banjo, Mandoline und Mundharmonika) noch Linus Krämer (Akkordeon), Peter Kalff (Bass, Trompete), Michael Metzele (E-Gitarre) und Jürgen Schroeder (Schlagzeug). Ihr Wirkungskreis ist das Viereck Bonn, Aachen, Köln und Trier. Früher bespielte die Band Säle mit bis zu 300 Besuchern, heute kommen höchstens um die 150 Gäste zusammen. In ihren Glanzzeiten legten sie 50 Auftritte jährlich hin, mittlerweile sind es noch rund 20. Die Gründe liegen für Hochgürtel auf der Hand: „Ich liebe Mundart, aber das Problem in den letzten Jahren ist, dass immer weniger Leute sie verstehen. Die Jüngeren sprechen keinen Dialekt mehr. Deswegen haben wir an Publikum verloren.“


Das bedauert auch Jürgen Schroeder: „Ich habe den Dialekt zuhause und natürlich als Jugendlicher im Dorf auf der Straße gelernt. Leider ist das heute nicht mehr so.“ Gleichwohl erlebt er das „Wibbelstetz“ Publikum als verlässlich: „Im Laufe der Zeit haben wir ja einige Generationswechsel miterlebt. Treu sind die meisten von ihnen, auch wenn viele nur noch hin und wieder zu Konzerten kommen. Aber man merkt schon an den überwiegend freundlichen Reaktionen der Leute, dass sie uns wohlgesonnen sind, wenn man sich mal zufällig irgendwo in der Stadt trifft oder so…“ Sich die Anerkennung als ernstzunehmende Mundartband zu verdienen, war in den Anfangsjahren nicht einfach, verrät Hochgürtel: „Es hat gedauert, bis wir hier als Band etabliert waren. Das Publikum hat sich in Richtung Köln orientiert. Früher hat man sich geschämt, aus der Eifel zu sein, die Menschen waren sehr arm. Das ist irgendwie nie ganz weggegangen.“ Bis zu seiner Pensionierung war Günter Hochgürtel im „ersten Leben“ als Journalist für den Eifeler Teil des Kölner Stadtanzeigers tätig. Seine Leidenschaft aber galt immer der Musik. Doch ein sicheres Standbein war ihm wichtig, wie er bekennt: „So hatte ich immer zwei Gehälter. Was mich vom Profimusiker abgehalten hat, ist das Herumreisen.“ Hochgürtel ist nicht nur Leadsänger der Band, sondern auch ihr Manager. Er trägt das Risiko, sollte es mal nicht so gut laufen. Auch die Produktion der CDs finanziert er. Doch die Zeiten, in denen sich Tonträger in Plattenläden gut verkaufen ließen, sind vorbei: „CDs gehen am besten nach den Konzerten, wenn das Publikum angefixt ist“. Die übrigen Mitglieder der Band arbeiten hauptberuflich ebenfalls in anderen Jobs. Dadurch können Auftritte auch zu einer Doppelbelastung werden. Für Jürgen Schroeder waren die fehlenden Gigs während der Corona Lockdowns eine völlig neue Erfahrung: „Da ich in den letzten gut 30 Jahren immer unterwegs war, habe ich die vergangenen zwei Jahre und den mit Corona verbundenen Müßiggang irgendwie genossen, muss ich zugeben. Weil die Musik nicht mein Broterwerb ist, kann ich gut damit umgehen. In der 66

Veranstaltungsbranche sieht die Welt da generell anders aus…“

BÜHNENANSAGEN LÄNGER ALS DIE SONGS Wer „Wibbelstetz“ live erlebt, bekommt nicht nur gute, handgemachte Musik im Country- und Rhythm-and-Blues Stil geboten, sondern auch Geschichten aus dem Leben. Von dem Bürgermeister, der bestechlich ist; von Treibjagden; von feuchtfröhlichen Begräbnissen; von der Himbeermarmelade mit einem kräftigen Schuss Alkohol. Sie spiegeln das Leben in der Eifel wider. Die Bühnenmoderationen des Frontmanns haben etwas von Stand-up Comedy. Die Konzertbesucher bezieht er gerne in seine Ansagen ein. Die Erläuterungen der Textinhalte sowie der Zusammenhang ihres Entstehens sind wohlkalkuliert: „Wenn ich irgendwo auftrete, und das Publikum kann dem Dialekt nicht folgen, dann muss ich denen ja erklären, worum es in dem Lied geht.“ Das kann sich dann so anhören: „Bei uns in der Eifel gibt es ja Probleme mit dem Nahverkehr. Es gibt keine U-Bahnen, keine Straßenbahnen und wenn man das Pech hat, z.B. in Hechelt geboren zu sein – kennt Ihr Hechelt? Das ist kein Zentrum für Hebammen, sondern ein kleines Dorf bei Hellenthal - wenn du von da aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Kreishaus nach Mechernich möchtest, musst du dir zwei Tage Urlaub nehmen. Für die Hinfahrt. Wir haben also ein veritables Problem, von A nach B zu gelangen.“ Jetzt kommt das „Ribbelchen“ ins Spiel, das Moped, mit dem bereits der minderjährige Eifeler mobil ist: „Damit wird der Eifeler erst zum Menschen. Auch als Erwachsener holt er sein Moped noch gerne aus dem „Schopp“, der Scheune. Schopp ist ein altes Eifeler Wort, das dann internationale Karriere gemacht hat! Von der Eifel ist das Wort rübergewandert nach Holland – kennt ja jeder, den Coffeeshop -und von da aus ist es über den Kanal nach England geraten. Und in diesen Shops verkaufen die Engländer alles“. Und so geht es weiter und weiter. Gag folgt auf



Gag. Manchmal sind die Erklärungen des Frontmanns, der sich selbst als „Rampensau“ bezeichnet, länger als der Song selbst.

LOKALMATADORE ZU BESUCH IN AMERIKA Bis in die USA haben es die Musiker geschafft. Im Jahr 2003 waren sie zwei Wochen nach Kutztown/ Pennsylvania auf das „German Heritage Festival“ eingeladen, einem Event für deutschstämmige Amerikaner. Hochgürtel hatte für das Freilichtmuseum Kommern den Song „Amerika, ich komme“ eigens für die Ausstellung „Schöne Neue Welt“ über rheinländische Auswanderer nach Amerika geschrieben. Von dem Ausflug über den großen Teich schwärmen die Musiker noch heute. „Ich habe meine Moderationen auf Englisch

Euskirchen CASINO

gemacht“, erzählt Günter Hochgürtel. „Die Leute lagen zwischen den Stühlen vor Lachen. Es fehlen dir ja schonmal die Wörter. Und da habe ich ins Publikum hineingerufen ‚Was heißt denn eigentlich Steuer hier? Ah, Duty, alles klar.‘ Da war eine permanente Verbindung zwischen Publikum und uns.“ „Wir sind nirgendwo auf diesem Globus so gefeiert worden wie in den USA!“, erinnert sich Jürgen Schroeder. Gewissermaßen eine heilige Stätte liegt für die Band aber in ihrer Eifelheimat. Es ist die Kakushöhle im Naturschutzgebiet des Kartsteins in Mechernich, einer bedeutenden prähistorischen Fundstätte Europas: “ Das ist, als würde man in einer Kirche musizieren.“ Auch solo tritt Hochgürtel auf, als „Eifel-Troubadour“. Neben eigenen Liedern in Hochdeutsch singt er Stücke u.a. von Hannes Wader oder Stephan Sulke und Songs und Chansons seiner


großen Vorbilder Bob Dylan, Georges Moustaki oder Gilbert Bécaud. Gemeinsam mit Manni Lang, Mundartautor, und Ralf Kramp, Krimischriftsteller, macht er zudem als kabarettistische „Eifel-Gäng“ die Säle der Umgebung unsicher. Das Trio präsentiert Lieder, Eifeler Platt und schwarzen Humor. Sonst noch was? Oh ja! Mit dem Landrat Markus Ramers hat er jüngst die Initiative zur Förderung und Erhaltung der Eifeler Mundart „Mir kalle Platt“ gegründet. Damit sollen alle Eifeler Mundartkünstler gefördert werden. „Dialekte sind ein Alleinstellungsmerkmal einer Region“, erläutert Schlagzeuger Jürgen. „Die Sprache hat sich über lange Zeit entwickelt und drückt die Identität der Menschen unserer Gegend aus. Es sollte Pflicht sein, sie als eigenständige Sprache neben Hochdeutsch zu erlernen. Sie prägt in gewisser Weise den Klang einer Region ein Stückchen mit.“ „Wibbelstetz“, soviel steht fest, prägen den Klang der Eifel jedenfalls als musikalische Botschafter der Region.

EIFELDIALEKT IST…

wie ein genetischer Fingerabdruck. Du kannst jemanden auf 20 km eingrenzen mit seiner Heimatsprache. Die Facetten der Mundart sind so unglaublich.

WIBBELSTETZ SOLLTE MAN UNBEDINGT SEHEN…

DIE EIFELER SIND….

… verlässlich. Wenn die sagen ‚wir treffen uns morgen um zwölf‘, dann kommen die auch. (Hochgürtel) … zunächst zurückhaltend, manchmal etwas schroff, aber sehr herzlich. Wenn man ihr Herz einmal erobert hat, hat man es für immer. (Schroeder)

ICH WÜNSCHE MIR FÜR DIE EIFEL… … dass sie endlich ihre Gastronomie auf die Reihe bekommt. An strategischen Punkten wie dem Eifelsteig müssen ordentliche Restaurants und Bettenhäuser entstehen, um sie noch ein Stück aufzuwerten. (Hochgürtel) … dass man nicht auf jeden Trend aufspringt und dass die Eifel ihren schroffen Charme und ihre einsamen Regionen zum Ausspannen behält. (Schroeder)

WARUM DER TOURIST DIE EIFEL BESUCHEN SOLL…

… wegen der Landschaft. Meine Lieblingsecke ist in Blankenheim das Wacholder-Naturschutzgebiet Lampertstal. (Hochgürtel) … wegen der unglaublich schönen Natur, den sehr herzlichen Menschen und den leckeren Eifeler Spezialitäten, selbstredend. (Schroeder)

HEIMAT IST FÜR MICH…

… zu den Menschen zurückzukommen, zu denen du gehörst. (Hochgürtel) … lebenswichtiger Ruhepol. Meine Frau, meine Familie, meine Freunde. (Schroeder)

Autorin Katia Franke katia-franke.de

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Günter Hochgürtel mit Wibbelstetz 6. August, Kommern

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… weil die Konzerte an Energie, Freude an der Musik, Witz und manchmal Traurigkeit der Eifeler Texte nicht zu überbieten sind. Und weil die Musiker immer ihr Herzblut geben. Und weil Günter ein begnadeter Texter ist. (Schroeder)

Nordeifel

… weil wir den meisten volkstümlichen Bands um Längen voraus sind. Musikalisch, vom Inhalt und vom Spaß her. Wir können uns neben Höhner, Brings und alle anderen stellen. (Hochgürtel)


EIN LICHT EINE FARBE

EIN PINSEL


MAF RÄDERSCHEIDT IN SCHLEIDEN


Es braucht so wenig, um sich auf das Abenteuer Malerei einzulassen. Eine Welt entstehen zu lassen, die den Zauber des Ungesagten und die Magie des Unbewussten trägt. Den Gedanken Gestalt zu geben, die sich von den Höhen des Geistes in die Abgründe der Seele stürzen, die loben, herzen, schmeicheln, um im nächsten Moment unnachgiebig zu verletzen. Dinge zu sagen, die nicht gesagt werden dürfen. Wege zu zeigen, die nie begangen wurden. Es gibt Menschen, die machen keine Kunst, die sind Kunst. Maf Räderscheidt ist so ein Mensch. Täglich geht sie in ihr Atelier, ob Regen, ob Sonne, ob Wochenende oder Feiertag und greift zum Pinsel, zum Stift oder auch zur Radiernadel. Das erfordert Kraft. Und Mut. Vor allem, wenn man bedenkt, welche Rückschläge sie in ihrem Leben wegstecken musste. Gerade ist sie in ihrem neuen Atelier im Schleiden, Am Markt 9, angekommen und hat die ersten Bilder an die Wand gehängt. Es ist der sechste Umzug in zehn Jahren, und nicht jeder davon war freiwillig. Besonders nicht der aus ihrem geliebten Laden „Die Küsse der Farben“ am Plan in Gemünd, bei dem sie fast ihr gesamtes Lebenswerk verlor. Denn bei der Hochwasserkatastrophe am 14./15. Juli 2021 wurde ihr Lager und Atelier wie mit der Drahtbürste durchgespült, die Bilder in Richtung Urftsee weggeschwemmt und zerstört. Was die Flut nicht mitnahm, vernichtete sie mit ihrer Mischung aus Chemikalien und Fäkalien. Hunderte Ölgemälde verschwanden in den Fluten, tausende Zeichnungen und Radierungen, Scherenschnitte und Collagen. Doch Maf Räderscheidt ließ sich nicht unterkriegen. Nur einige Tage während des folgenden Stromausfalls währte der lähmende Schock, dann begann sie, wie sie es seit 2008 tut, wieder täglich ein Bild in den Sozialen Medien zu posten. Seitdem ist ihre Schaffenskraft, die schon vor der Flut kaum zu bremsen war, einer wahren Besessenheit gewichen. „Ich werde nie eine Retrospektive haben, denn was ich gemacht habe, ist vernichtet worden. Jetzt muss ich von neuem ein Lebenswerk schaffen“, sagt sie. Was sie in die Hand nimmt, wird einzigartig, wird Kunst. Einen Schrank mit einem Exzenterschleifer 72




von der Farbe befreien? Stattdessen entsteht ein Paar, das durch die Nebel der englischen Moore tanzt. Ein Bild mit der Post versenden? Mitunter hängen die überraschten Adressaten die gerahmte Verpackung neben das neu erworbene Gemälde, so außergewöhnlich ist diese. Und das alles ist keine Attitüde, es ist echt, es ist authentisch, gelebte Realität im Alltag. Es ist Konsequenz in Stil und Wahrnehmung und hat nichts mit der so oft dramatisch beschworenen Kreativität zu tun. Es ist ihr Leben, jederzeit und immer. Es dürfte kaum ein künstlerisches Genre geben, in dem Maf Räderscheidt nicht ihre Klasse bewiesen hat – Radierungen, Videos, Performances, Skulpturen, Installationen, Aquarelle. Hier zeigt sie die gleiche Souveränität wie ein Musiker, der ohne jahrelange Übung jedes Instrument zu spielen vermag. In ihrer Vita weist sie eine Vielzahl von Einzel- und Gruppenausstellungen aus. Festlegen und in eine stilistische Schublade stecken lässt die Malerin sich nicht. Die Abstraktion ist ihr genauso vertraut wie die Figuration, die sie mit meisterlichem Handwerk zu verwenden weiß. Surreal nennt mancher das, was sie macht, für andere sind es politische Bilder, denn ein Werk ohne Haltung ist für Räderscheidt nicht vorstellbar. Vor allem aber liebt sie es, Geheimnisse in ihren Bildern zu verstecken, die sich erst beim hundertsten Hinsehen erschließen. „Eigentlich sind es Vexierbilder“, sagt sie schmunzelnd. Wohl wahr, denn beim Lichtwechsel erschließen sich dem Betrachter oft plötzlich Welten, die bisher unter einer Farbschicht verborgen waren und erst bei veränderter Beleuchtung zu Tage treten. Die Selbstverständlichkeit, mit der sich Maf Räderscheidt auf dem Feld der Bildenden Kunst bewegt, wurde ihr in die Wiege gelegt. Die Geschichte ihrer Großeltern, des Künstlerpaares Marta Hegemann und Anton Räderscheidt, ist oft beschrieben worden. Es waren die Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs; Dadaismus, Surrealismus und Neue Sachlichkeit veränderten die Sichtweise der durch die Kriegsschrecken traumatisierten Generation. Auch die politischen Auseinandersetzungen in den Zwanziger Jahren prägten die Bilder der jungen Künstler in Köln. Wilde Künstlerparties am Hildeboldplatz, die Armut und die Freiheit des Daseins in der Freien 75


Kunst lebten auf in den Erzählungen des Sohnes Johann, Mafs Vater. Eine solche Familiengeschichte ist Bürde und Geschenk gleichermaßen. Maf Räderscheidt nutzte sie als Starthilfe in ein Leben, in dem die Bildende Kunst und soziales wie politisches Engagement eine Einheit bilden. Auch dort verwischen sich die Grenzen, wie in ihren Bildern. Tierschutz, Flüchtlingshilfe, Umweltschutz, der Kampf um die Gleichberichtigung der Frauen und die Fürsorge für Behinderte, Senioren und Kinder haben einen gleichberechtigten Stellenwert für sie. Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen wecken ihren Kampfgeist.

Nordeifel

Ihr Studium an den Kölner Werkschulen in den Siebziger Jahren schloss Maf Räderscheidt mit dem Titel einer Meisterschülerin ab. Die ersten Ausstellungen waren kleinformatigen Radierungen gewidmet. Ihnen folgten großformatige Schwarz-Weiß-Zeichnungen, Arbeiten mit Pigmenten und, etwa seit der Jahrtausendwende, die altehrwürdige Ölmalerei. Wer allerdings ihr Œuvre über die Jahrzehnte verfolgt, wird eine überraschende Einheit in ihrer figurativen Bildsprache von der ersten Graphik über die Skulpturen hin bis zu den aktuellen Arbeiten entdecken.

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Doch sie lässt sich nicht auf die Bildende Kunst festlegen. Als bekennende Literaturliebhaberin hat sie immer geschrieben und bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Sie wäre nicht Maf Räderscheidt, wenn sie dabei nicht auch diesem Genre ihren unverwechselbaren Stempel aufdrücken würde. Mit tänzerischer Souveränität und Leichtigkeit malt sie mit Worten Sprachbilder, opulent und geheimnisvoll, genau so, wie sie ihre Leinwände gestaltet. Doch nicht nur sprachlich, auch thematisch sind die Werke „Die Küsse der Farben“ und „Die Nichtschwimmerin“ einzigartig. In „Die Küsse der Farben“ beschreibt sie intensiv und fesselnd, was in der Künstlerin vorgeht, wenn sie an die Leinwand tritt. „Die Nichtschwimmerin“, die Anfang 2022 erschienen ist, widmet sich dagegen der Rolle der Frau in der von Männern geprägten und dominierten Kunstszene. Natürlich kostet diese Unabhängigkeit ihren Preis. Doch für Maf Räderscheidt ist die Freiheit ein Wert ansich. Denn „Nichts als die Malerei“ ist für sie mehr als nur eine schicke Postkartenphrase.


Ausstellung in der Galerie Studio NOVO Artspace, Köln

Und so begibt sie sich auch nach 50 Jahren im Atelier immer noch tagtäglich mit nie endender Freude auf den Tanzboden ihres Kunstschaffens. Denn Malerei, so sagt sie und so lebt sie es, ist der Tanz des Pinsels mit dem Licht. Und Bange machen gibt’s nicht. Oder, wie es die Malerin, bildhaft wie immer, ausdrückt:

„Wer den Kopf in den Sand steckt, verbrennt sich den Arsch!“

mehr wissen, mehr erleben Leuchtende Gärten, Seepark Zülpich 23. September bis 9. Oktober Turmaufstieg und Panoramablick, Bis 30. Oktober, Vogelsang IP, Schleiden Veranstaltungskalender Eupen Veranstaltungskalender Düren

Autor Stephan Everling st.everling@t-online.de

SCHLEIDEN natürliechl Nationalparkhauptstadt Eif

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EIN WOCHENENDE MIT FAMILIEN UND FREUNDEN

vom 5. bis 7. August 2022 in Gemünd . Marienplatz

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05.08. ab 18 Uhr Eröffnung, Konzert des Frank Wiesen Duos und Open Air Kino 06.08. ab 11 Uhr Schnupperwaldbad ab 14 Uhr Familiennachmittag mit Rallye, Kinderschminken, Ballonmodellage, Kinderkonzert mit Uwe Reetz u.v.m. ab 18 Uhr Konzert mit Kontrollverlust 07.08. ab 8 Uhr Frühwanderung mit Frühstück, ab 11 Uhr Frühschoppen, Kaffeetafel, Musik & Comedy


SYLVIA NELS

LIEDER AUF EIFELER PLATT Sylvia Nels hat sich ganz dem Eifeler Platt verschrieben. Doch dass es dazu kam, war alles andere als vorherbestimmt - zuhause durfte mit der kleinen Sylvia nämlich kein Platt gesprochen werden. Fotos: Wassilis Aswestopoulos

Die blaue Gitarre am Eingang des Hauses von 1890 wiegt sich im Wind und zeigt schon von Weitem: Hier dreht sich alles um Musik. Strahlend öffnet Sylvia Nels die Haustür zum Interview, als würden wir uns schon ewig kennen und nicht gerade zum zweiten Mal treffen. Sylvia Nels ist Musiklehrerin, Sängerin und in der Eifel vor allem für ihre Mundarttitel bekannt. Die Jüngeren kennen sie vom Refrain des Raps „Eifelkinder“ („Komm mit und gönn dir mal ne Pause, die Eifel ist mein Zuhause“). Andere können das Lied über den Bulldog, mit dem wir an den Stausee fahren, mitträllern. Die Texte sind, das ist das Besondere, fast ausschließlich auf Eifeler Mundart, was in der Südeifel, wo Sylvia lebt, das Moselfränkische ist. Das ist eher mit dem Luxemburgischen verwandt. Quer durch die Eifel zieht sich eine Sprachbarriere - im Süden moselfränkisch und im Norden rheinländisch-ripuarisch. Letztere ähnelt eher dem „Kölschen“, beide 78

Sprachen haben kaum etwas miteinander zu tun. Das bedauert Sylvia Nels sehr: „Es macht mich traurig, dass die Inhalte meiner Texte nicht überall verstanden werden, für die Nordeifeler klingt das Moselfränkische so fremd wie Türkisch. Deswegen arbeite ich auf Konzerten mit Übersetzungstexten.“ Mit mir, der ausschließlich hochdeutsch-sprechenden Journalistin, spricht Nels netterweise „Pleutsch“, ein Mix aus Platt und Deutsch. Dass die Sängerin auf Mundart schwätzt, hatten ihre Eltern eigentlich verhindern wollen: Als jüngstes von sechs Kindern der Familie wollten sie beim Nesthäkchen „alles richtig machen“ – und verhängten mit ihr ein Hochdeutschsprech-Gebot. Alle Familienmitglieder sprachen Mundart miteinander, aber sollten mit der kleinen Sylvia ausschließlich Hochdeutsch sprechen. „Ich fand das so ausgrenzend und traurig! Die Eltern sprechen mit dir in einer anderen Sprache!“


Dabei war es gar nicht so einfach, ausreichend Lieder auf Platt zu finden, vieles ist verloren gegangen, so die Sängerin. Deswegen begann sie, eigene Lieder zu schreiben. Wie das Lied vom „Kniedelsdaach“ (Knödeltag), bei dem sie ihre eigenen Erinnerungen verarbeitete. „Es mussten immer so viele Knödel auf dem Tisch stehen, dass mein Vater mich hinter dem Berg nicht mehr sehen konnte“, grinst Nels. „Zu wenig Kniedeln war schlimmer als keine. Ich habe zuerst gedacht, das war nur bei uns so. Bis meine Hörer mir gesagt haben, dass sie das genau so empfunden haben

wie ich, und dass es mir eigentlich gelungen war, die Eifeler zu charakterisieren“, freut sie sich. „Da war ich richtig geflasht, meine Wahrheit hatte für so viele Bestand!“ Früher habe man eher versucht, die Mundart zu verstecken, nicht als „Hinterwäldler“ zu gelten. „Mittlerweile sind wir Eifeler ganz stolz auf unsere Herkunft, wir sagen nicht mehr , wir kommen aus der Nähe von Köln oder Trier.“ Trotzdem habe das Eifeler Platt ein ähnliches Schicksal wie viele Dialekte zu ertragen. Immer weniger Menschen wachsen mit der Sprache auf. Nels wünscht sich, dass sie mit ihrer Musik dagegensteuern kann. „Wenn meine Lieder dazu beitragen würden, das Geborgenheitsgefühl zu bewahren, wenn ein Kind in 50 Jahren die Lieder hört und sich damit beschäftigt, das würde mich sehr freuen.“ Ihr aktuelles Album „Da“ hat für die Künstlerin

Südeifel

Nels fühlte sich ausgeschlossen und begann mit den Freunden in ihrer Clique, denen es genau so ging, auf Platt zu reden. „Mer ham uns selber kaputtgelacht. Unser Ohr wusste, wie es klingen soll, aber unser Mund hatte es noch nicht so drauf.“ Später traten die jungen Leute zu Karneval mit Liedern auf Platt auf. „Und irgendwann habe ich mich gefragt, warum ich nicht ausschließlich auf Platt singe“, erinnert sich Sylvia Nels.

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eine ganz besondere Bedeutung: Es ist das erste Album nach ihrer Nierentransplantation 2016. Schon als Kind hatte sie einen Nierendefekt, der sich stetig verschlimmerte, bis sie schließlich an die Dialyse musste. „Ich konnte nicht mehr denken, mich nicht mehr konzentrieren, die Hände waren schwach und ich konnte nicht Gitarre spielen.“ Doch dann bot ihr Stiefvater ihr eine Niere an. „Ich dachte, wenn der liebe Gott mir so ein Geschenk macht, dann kann ich nicht ablehnen.“


Auf ihrem neuen Album hat sie diese Höhen und Tiefen verarbeitet, drei Lieder auf Hochdeutsch, der Rest auf Platt. „Ich bin einfach immer so ein Eifelkind gewesen“, lächelt sie. „Ich empfinde es jeden Tag als großes Glück, hier wohnen zu dürfen.“

Autorin Julia Kunze julia@eifelpodcast.de

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mehr wissen, mehr erleben 30.07. „Majusebetter“ Trier, Museum am Dom, Mundart-Führung, 18:30 Uhr 28.08. „Tant Tilda hut Geburtsdaach“ Revue, Premiere, Weitere Aufführungen zwischen dem 4. und 11. August Leitung Dirk und Michi Klinkhammer 10.08. Erdorf Laurentiuskirmes

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4.09. Prüm, „Eifelgefühl“ Sylvia Nels und Achim Weinzen 22.10. „Majusebetter“ Trier, Museum am Dom, Mundart-Führung, 18:30 Uhr

Foto: Adobe Stock / amenic181

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AGATHA CHRISTIE LÄSST GRÜßEN – KLASSISCHE KRIMIS AUS DER EIFEL




Blühende Hecken und ländliche Be-

schaulichkeit. Hier ist die

Welt noch in

Ordnung,

mag man denken, wenn man durch Dörfer in der Eifel fährt. Doch schon von Agatha Christie wissen wir: oft trügt die Idylle. Hinter manch einem blank geputzten Fenster verbirgt sich das Grauen – zumindest nach den Erfahrungen von Agatha Christie. Von ihrer Miss Marple hören wir nichts Neues. Umso mehr hören und lesen wir von einer pensionierten Kriminalkommissarin, von Frederike Suttner, die in ein kleines Dorf in der Eifel gezogen ist, um hier ein beschauliches Rentnerinnendasein zu führen. Von ihr erzählt die Autorin Andrea Revers in ihren Eifelkrimis. Zwei Krimis und etliche Kurzgeschichten hat sie bereits veröffentlicht. Im kommenden September soll der dritte Band ihrer Frederike-Suttner-Reihe erscheinen. Eine nachgemachte Miss Marple ist Andrea Revers‘ Protagonistin nicht. Frederike trägt weder Blümchenkleider noch ist sie eine betulich wirkende ältliche Dame mit britischer Liebenswürdigkeit. Frederike sagt unverblümt, was sie denkt. Sie kann ganz schön direkt und sogar ruppig sein. Beeindruckend ist ihr messerscharfer Verstand – geschärft in ihrem Berufsleben als Kriminalkommissarin. Immer wieder kommt ihr bitterschwarzer Humor durch. Und auch ihre Empathie,

Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit. Subtil geleitet die Autorin den Leser in die Atmosphäre eines kleinen Dorfes. Kreiert Bilder, schafft Szenen, die dem Leser das Dorf und die Menschen, die dort leben, vertraut machen. In ihrem ersten Eifelkrimi – „Schlaf schön“, erschienen im August 2020, lernt der Leser Frederikes Mitstreiter und Mitstreiterinnen kennen: ihre Nichte Angela, ihre Freundin Klara und ebenso ihren Kater, der Hannelore heißt. Auch immer dabei, im Hintergrund schwelend, das Grauen - bis Spürnase Frederike verdächtige Details erkennt und die Spur aufnimmt. Die Autorin lässt den Leser miträtseln. Vor allem soll er auf die kleinen, subtil eingestreuten Details achten. Und dennoch wird er immer wieder ganz unvermittelt überrascht. Manchmal darf der Leser auch laut auflachen, denn nicht nur Morde und Entführungen sind im kleinen Eifeldorf zuhause, sondern auch ein herrlich bitterer schwarzer Humor. Spannendes und Mörderisches ereignet sich im Eifeldorf oft bis ständig. Bereits weniger als ein Jahr nach ihrem Debütroman veröffentlichte Andrea Revers ihren zweiten Krimi, „Komm gut heim“. Auch hier lautet die Devise: den Leser mitnehmen an den Ort des Geschehens. Diesmal in das Schlafzimmer von Martha. Andrea Revers beschreibt das altmodische Bett der alten Dame und sogar den Inhalt der Schubladen. Martha, einst eine lebensfrohe alte Frau, liegt nun als Leiche im Bett. Die Beine der Leiche bedeckt eine Patchwork-Decke, von Hand mit roten Rosen bestickt. Marthas Freundin Greta, in karierter Kittelschürze, wuselt ums Totenbett. Praktisch, aber potthässlich befindet Frederike Gretas Kittelschürze. Der Leser mag sich fragen, was das soll. Es soll ein -leider fehlgeschlagener- Versuch sein, Greta abzulenken und ist ein schönes Beispiel für das psychologische Vorgehen der Protagonistin, das den Leser schmunzeln lässt. Martha ist tot. Alte Menschen sterben, und am liebsten sterben sie im Bett. Also dürfe die Leiche vom Leichenbestatter abgeholt werden, ordnet Hausarzt Hoffmann an. Nur Frederike wird zunehmend misstrauisch. Ein Sonnenstrahl, der auf die Augen der Leiche trifft, bestätigt ihren Verdacht. „Ich fresse einen Besen, wenn das ein natürlicher Tod ist“, sagt sie. Also schon wieder ein Mord. Und bald folgt der nächste. In ihrem neusten Roman, „Hab keine Furcht“, der 85


Siegeseiche Walsdorf



im September erscheinen soll, gerät Frederike selbst in eine lebensgefährliche Lage. Auf dem Buchcover prangt das Bild eines schwarzen Katers – kann ja nur Hannelore sein. Hannelore ist verschwunden, und nach ihm sucht das ganze Dorf. Immer mehr Kater und Katzen werden vermisst „Sind in der Eifel wieder einmal Katzenfänger unterwegs oder ist Hannelore möglicherweise überfahren worden?“ heißt es im Ankündigungstext. Und: „Unverhofft stolpert Frederike über mysteriöse Ereignisse, die noch Schrecklicheres erahnen lassen.“. Wir dürfen also gespannt sein. Die Mordermittlerin Frederike und die Autorin Andrea Revers haben zwei Dinge gemeinsam: beide hatten viele Jahre lang Düsseldorf als Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Und beide lieben die Eifel. Schon als Fünfjährige habe sie die Eifel kennengelernt, erzählt Andrea Revers. „Mit den Eltern, bei Sonntagsausflügen im Sommer und zum Spielen im Schnee im Winter. Hier wurde mein Keuch-

husten geheilt.“ Geboren wurde Andrea Revers 1961 im Rheinland, in Brühl. Sie studierte Psychologie, Publizistik und Kommunikationswissenschaften, machte eine Ausbildung zur Journalistin und Marketing-Beraterin. „Nach 22 Jahren freiberuflicher Tätigkeit als Psychologin, Trainerin und Coach habe ich 2019 die Weichen neu gestellt und konzentriere mich nun voll auf´s Schreiben“, sagt sie. Während ihrer Tätigkeit als Management-Trainerin schrieb sie Fach- und Sachbücher. Jetzt lässt sie ihrer Phantasie freien Lauf und schreibt Krimis. „Auch bei meinen Krimis geht es natürlich nicht ohne Psychologie“, sagt die Autorin. Denn auch hier spielen Motivlagen, Psychopathologie und Stressmuster eine Rolle. „Es geht um den ganz normalen Wahnsinn, gewürzt mit einer Prise Humor und Faszination über die Vielfalt des menschlichen und ganz speziell: des Eifeler Daseins“, so Andrea Revers. Immer wieder neue Inspirationen findet


sie in ihrem kleinen Dorf in der Vulkaneifel. Nach vielen Jahren Pendeln und Zerrissenheit zwischen einer Wohnung in Düsseldorf und einem Haus in der Eifel sei sie „endlich angekommen“, sagt Andrea Revers. „Die Eifel ist für mich meine Heimat. Ich bin Eifelerin. Die Heimat kann man sich wählen.“ Andrea Revers und ihr Ehemann leben in Üxheim-Leudersdorf in der Vulkaneifel, einemnicht mehr als ein 350 Seelen zählenden Dorf. Andrea Revers beschreibt das Leben im Dorf. „Sollte ich mal eine Autopanne haben – ich weiß wen ich anrufen kann. Alle haben eine dreistellige Telefonnummer. Leicht zu merken.“ Die freundliche Nachbarschaft, das gemeinsame Feiern – „das würde ich nicht missen wollen“, so Andrea Revers. „Auch nicht die wohlwollende Neugier der Nachbarn“, fügt sie an. „Mir war nicht klar, dass man ein so enges Verhältnis bekommen kann zu den Menschen hier, zu den unterschiedlichsten Typen von Menschen.“ Eines habe sie schnell gelernt: „Man kann hier nichts machen gegen den Willen der Leute. Man muss sich frühzeitig einbringen.“ Möglichkeiten, sich einzubringen, gebe es im Dorf reichlich, ob im Sportverein oder im Kirchenchor. Andrea Revers wünscht sich, dass mehr Menschen in die Eifel kommen. Menschen mit neuen Ideen, die neue Impulse mitbringen. Dass sich die Menschen in einem Eifeldorf sicher fühlen dürfen, dafür sorgt, hoffentlich noch lange, Kriminalkommissarin Frederike. Zum Glück ist Andrea Revers eine fleißige Schreiberin mit einem großen Schatz an Ideen und viel Phantasie. Mit mörderischen Kurzgeschichten hat sie ihre Karriere als Krimiautorin begonnen. Im Jahr 2011 wurde sie für den Deutschen Kurzkrimipreis nominiert. Kostproben mörderischer Geschichten gibt es in ihren Podcasts „Bitterböse Betthupferl“. Einen Link dazu findet man auf der Internetseite der Autorin:

www.andrearevers.de.

mehr wissen, mehr erleben Veranstaltungskalender Bad Neuenahr Tatort-Tour im Krimibus, Bis 29. Oktober, Hillesheim Tatort Eifel, Krimi-Festival, (Premierenlesung „Hab keine Furcht“ am 19. September) 16. bis 24. September, Landkreis Vulkaneifel Nordeifel - Mordeifel, 3. bis 11. September Veranstaltungskalender Koblenz

Veranstaltungskalender Bitburg Autorin Elli Brandt elli.brandt@yahoo.com

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Colbinger – Stimme, Songwriter, Lyriker, und Gitarrist online 29. Juli, Alte Krähe, Krälingen

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MUSIK IM BLUT – Kölsch-Rock aus der Eifel. Das klingt komisch, oder? Ist es aber eigentlich gar nicht, wenn wir etwas genauer auf die Geschichte von Oliver Kerk blicken, Sänger und Texter der Kölschrockformation KERK und BAEND. Die Eifel ist eine wichtige Inspirationsquelle des Liedermachers. Aktuell spielte die Band beim „Kölsche Musik Bänd Kontest“ mit – dort sind sie keine Unbekannten. Einmal reichte es schon 90


DIE EIFEL IM HERZEN für Platz zwei und in diesem Jahr gewannen die Musiker das Finale des beliebten Kölner Musikwettbewerbs. Ihre Musik kommt an, denn Kerk versteht es, das Publikum mitzunehmen auf eine musikalische Reise – und damit natürlich auch in die Eifel. Dort, in seiner Wahlheimat, entstehen die Lieder des Sängers und Songschreibers. 91


Kerk möchte mit seiner Musik berühren und berührt werden „Wir machen die Musik ja nicht für uns alleine“, sagt er. „Ich möchte die Leute mitnehmen, berühren. Eine gute Moderation und eine Portion Humor bei den Ansagen gehören dazu“. Seine Motivation, Lieder zu schreiben erklärt er so: „Wenn es an der Zeit ist, über Liebe zu schreiben, schreibe ich über Liebe. Und wenn es Zeit ist, über Heimat zu schreiben, dann tue ich das. Ich schreibe nicht mit Kalkül, et kütt wie et kütt, anders kann ich das nicht. Ich weiß nicht, woher die Lieder kommen“, sagt der Mann, der so einfühlsam texten kann. Auch wegen der Texte haben sich Kerk und seine vier Mitmusiker gegen eine Karriere im Karneval ausgesprochen. „Wir haben nichts gegen den Karneval, damit wir uns da nicht falsch verstehen.

Aber Karneval ist nicht unser Ding. Das muss man ja auch wollen. Mehrere Auftritte pro Abend mit je 20 Minuten. Das ist eben auch ein Geschäft und dazu passt unsere Musik nicht. Ich möchte in Ruhe mit dem Publikum in Kontakt treten können, selber einen schönen Abend haben und dem Publikum einen schönen Abend bereiten. Ich möchte berühren und berührt werden.“

»Kann in der Eifel mit meinen Gedanken spazieren gehen« Kerk ist ein eher feinsinniger, hintergründiger Mensch – trotz der manchmal lauten Rockmusik, die seiner Feder entstammt. Und die Eifel spielt eine enorm wichtige Rolle in seinem Leben, auch wenn er selbst aus Efferen, also aus der Kölner Vorstadt, stammt. „Mein Vater kam aus der Eifel. Ich war als Kind viel da, hatte den Kontrast zur


Stadt. Ich empfand das als große Freiheit, die wir als Kinder in der Natur hatten. Selbst in Efferen waren ja damals noch viel mehr unberührte Natur und freie Flächen als heute. In der Eifel habe ich die Verbindung zur Natur, die mir in der Stadt auf Dauer abhanden kommt. Ich bin hier verbunden, das ist ganz einfach“, sagt er über seine neue Heimat in dem kleinen Dörfchen Hecken, in dem er mit seiner Familie nun lebt. „Wir haben ein großes Grundstück, eine Ziege, einen Hund und Hühner. Ich bin hier Teil des Ganzen, das erdet mich. Ich

kann hier mit meinen Gedanken spazieren gehen.“ Mittlerweile spielt das Quintett auch viel in der Eifel, der Gesang aber ist stets kölsch und die Begründung dafür ist ganz einfach: „Ich kann kein Wort richtig Hochdeutsch. Das klingt immer nach Rheinland, egal wo ich bin und wie sehr ich mich bemühe. Ich kann auch nicht gut genug englisch. Wir sind alle mit der kölschen Musik aufgewachsen. Eines meiner ersten Konzerte, die ich erlebt habe, waren die Bläck Fööss, danach natürlich BAP. Ich habe eine Menge Musik gehört, Beatles, 93


Stones, Dire Straits, Deep Purple, und AC/DC, aber die Sprache und die Identität war immer kölsch.“

Kein Tag, ohne die Gitarre anzufassen Als die Band sich gründete, steckte da laut Oliver Kerk keine große Idee dahinter. „Wir haben uns reihum getroffen, es gab Kakao und dann wurde Musik gemacht.“ Erst 1994, im Alter von 24 Jahren,

fing der Frontmann an, selbst Musik zu schreiben. Auf kölsch. „Ich wusste gar nicht, dass ich das konnte.“ Das war die eigentliche Geburtsstunde der Musik, die KERK und BAEND heute spielt. Musik hatte schon immer einen großen Anteil im Leben von Oliver Kerk. „Mit 13 habe ich auf einem Zeltlager angefangen, Gitarre zu spielen. Davor habe ich mit der Bratsche auch ein klassisches Instrument gespielt. Später habe ich Schreiner gelernt und nebenbei auch Instrumente gebaut, Musik ist für mich ein Grundbedürfnis. Einen Tag, ohne die Gitarre angefasst zu haben, das gibt es


fast nicht.“ Dennoch ist der mehrfache Familienvater froh, dass er im Moment nicht von der Musik leben muss. Er hat als Sozialarbeiter auch einen Beruf abseits der Musik. „Es ist gerade in der aktuellen Situation ein großer Vorteil, ich habe mein Einkommen, ich weiß, dass meine Kinder krankenversichert sind. Und wenn ich krank bin, bekomme ich ebenfalls mein Geld.“ So könne er sich mit seiner Band dem Künstlerischen widmen.

Geld? „Wenn wir Geld dafür bekommen sind wir nicht abgeneigt!“ Apropos widmen: Die Musik, um die sich in Oliver Kerks Leben so viel dreht, ist auch ein echter Zeitfresser. „Vom Aufwand her ist das ein zweiter Beruf, zumindest in meiner Rolle, ich kümmere mich ja um fast alles. Ich komponiere, ich schreibe die Texte, bediene SocialMedia. Dazu noch Übe-



und Probezeiten. Es ist eine ziemlich ausufernde Sache“, sagt er stirnrunzelnd und fasst zusammen: „In Spitzenzeiten komme ich damit schon auf 30 Stunden in der Woche.“ Autor Oliver Scheel oliver.scheel@eifelleben.online

mehr wissen, mehr erleben Kerk & Baend 13. August, Piranha, Köln Eifeler Musikcafé Schmidtheim Veranstaltungskalender Monschau

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Und welche Ziele hat er noch mit „KERK und BAEND“? Auf diese Frage hat der Musiker viele Antworten. „Ich will natürlich, dass wir alle gesund und munter zusammen noch sehr lange Musik machen. Aber wir wollen auch bekannter werden, ich möchte gerne weitere Songs schreiben und ein weiteres Album aufnehmen“, sagt er und bringt es auf den Punkt: „Der Laden soll laufen. Je mehr Konzerte wir spielen, umso weniger müssen wir proben. Und wenn wir da Geld für bekommen, dann sind wir nicht abgeneigt“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Im September 2022 erscheint das aktuelle Album!

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