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Am 30. Juni 2014 endete die Übergangsfrist zur Einführung der werkseigenen Produktionskontrolle und der damit zusammenhängenden Zertifizierung für stahl- und aluminiumverarbeitende Unternehmen. Ab sofort dürfen aus Metall gefertigte Tragwerke ohne CE-Kennzeichnung nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Das vorliegende technische Fachbuch stammt direkt aus der Praxis und wurde so aufgebaut, dass auch vielbeschäftigte Kleinunternehmer schnell und einfach einen Durchblick im unübersichtlichen Normendschungel erhalten und dadurch die für die bevorstehende Zertifizierung gemäß EN ISO 3834 und EN 1090 relevanten Punkte Schritt für Schritt abarbeiten und im eigenen Betrieb umsetzen können. Es ist uns ein besonderes Anliegen, Kleinbetrieben unter die Arme zu greifen und aufzuzeigen, dass durch bestimmte Eigenleistungen die Kosten für die Umsetzung der EN 1090 überschaubar bleiben können. Wenn Sie dieses Fachbuch gelesen haben, werden Sie nicht mehr alles glauben, was externe Berater Ihnen verkaufen wollen. Sie werden die Ihnen angebotenen Leistungen hinterfragen und vor allem werden Sie Vieles selbst umsetzen können. Wir geben Ihnen auf den folgenden Seiten immer wieder Tipps und Anleitungen, wie Sie sich und Ihren Betrieb am Besten auf die bevorstehende Zertifizierung vorbereiten. Das Leitbild unseres Unternehmens fußt auf Ehrlichkeit und Fairness und so handhaben wir es auch mit unseren Beratungsleistungen rund um die Einführung der werkseigenen Produktionskontrolle. Mehr zu unseren Leistungen erfahren Sie im Laufe der Lektüre dieses Fachbuchs sowie auf unserer Website www.getworx.at.

Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Ulrich Maurer absolvierte die Höhere Technische Lehranstalt für Maschinenbau und Automatisierungstechnik in Wolfsberg/Ktn., Österreich. Seine ersten beruflichen Erfahrungen sammelte er als Monteur im Maschinen- und Anlagenbau auf Baustellen in ganz Europa. Im Jahr 2005 wechselte er dann in die Projektabteilung eines renommierten österreichischen Industrieanlagenbauers, wo er Projekte in der Petrochemie von der Angebotslegung bis hin zur Abrechnung abwickelte. 2008 begann er die Ausbildung zum internationalen Schweißfachingenieur (IWE) und war anschließend bei oben genanntem Unternehmen für die Qualitätssicherung und Schweißtechnik bei Projekten im In- und Ausland verantwortlich. Während dieser beruflichen Herausforderung absolvierte Ulrich Maurer berufsbegleitend ein postgraduales Wirtschaftsingenieurstudium an der Hochschule im deutschen Mittweida, welches er im Jahr 2010 mit dem Diplom abgeschlossen hat. 2012 folgte dann die Ausbildung zum zerstörungsfreien Prüfer VT, PT und MT, Stufe 2. In dieser Zeit begann er auch mit dem Schreiben an dem hier vorliegenden Leitfaden, mit dem er ein ganz konkretes Ziel verfolgte: Es war für ihn von vornherein wichtig, dass dieses Buch direkt aus der Praxis kommt. Es sollte leicht verständlich und auch für einen Laien nachvollziehbar geschrieben und aufbereitet sein.


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Informationen zum Verlag und weitere Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf unserer Website www. getworx.at oder auf www.1090handbuch.at. Dort können Sie sich auch über unser restliches Verlagsprogramm sowie unsere anderen Geschäftsbereiche erkundigen. Dieses Buch wurde gesetzt aus der Myriad Pro (10,5 pt) in Adobe InDesign CS6. Der Umschlag wurde auf chlorfrei gebleichtem Bilderdruckpapier (350 g/m²) gedruckt, der Kern auf chlorfrei gebleichtem Volumenpapier (120 g/m²). Bildnachweis: Die Fotografien in diesem Buch stammen aus dem Privatarchiv von Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Ulrich Maurer. Die Skizzen und Zeichnungen wurden mit der Software Solid Edge 2D Drafting von Siemens gemäß den entsprechenden Normen erstellt.

ISBN 978-3-9503-0043-7 2., aktualisierte Auflage 2014 © GETWORX, St. Gertraud, 2013 Printed in Austria Konzeption, Idee, Herstellung & Produktion: GETWORX GmbH, Buch- und Kunstverlag Lektorat, Korrektorat: Mag.a (FH) Nicole Fritzl

Das vorliegende Werk ist in all seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das Recht der Übersetzung, des Vortrags, der Reproduktion, der Vervielfältigung auf fotomechanischen oder anderen Wegen und der Speicherung in elektronischen Medien. Das in diesem Fachbuch enthaltene Musterhandbuch inklusive aller Texte darf vom Käufer einmalig für den eigenen Betrieb adaptiert und ungeachtet der oben genannten Rechte in all seinen Teilen verwendet werden. Ungeachtet der Sorgfalt, die auf die Erstellung von Text, Abbildungen und Tabellen verwendet wurde, können weder Verlag noch Autor für mögliche Fehler und deren Folgen juristische Verantwortung oder irgendeine Haftung übernehmen. Im Sinne einer besseren Lesbarkeit der Texte haben wir vorrangig die männliche Form von personenbezogenen Hauptwörtern gewählt. Diese Vorgangsweise bedeutet allerdings keinesfalls eine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts. Die in diesem Werk wiedergegebenen Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. können auch ohne besondere Kennzeichnung Marken sein und als solche den gesetzlichen Bestimmungen unterliegen.


Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Ulrich Maurer

LEITFADEN zur Erstellung einer werkseigenen Produktionskontrolle inklusive Musterhandbuch gemäß EN ISO 3834 und EN 1090

Technisches Fachbuch


Werte Leserin, werter Leser, Die Arbeit an dem hier vorliegenden Fachbuch war eine sehr spannende und lehrreiche Erfahrung für alle Beteiligten, vor allem für mich als Geschäftsführer der GETWORX GmbH. Seit Mitte 2013 bieten wir ein umfassendes Paket an Dienstleistungen an, unter anderem auch einen Buch- und Kunstverlag. Und ich bin stolz darauf, dass unser erstes Verlagswerk eine nahezu 100%ige Eigenproduktion ist. Neben dem Autor selbst, meinem Geschäftspartner und Mitgründer Ulrich Maurer, konnten wir während der letzten Wochen und Monate dank der Kooperation mit unserer Druckerei sowie Freunden und Bekannten das komplette Buch vom Erstentwurf über die Layoutgestaltung, das Lektorat und Korrektorat sowie die begleitenden Werbe- und Marketingmaßnahmen in Eigenregie gestalten. Wie Sie auf den folgenden Seiten sehen werden, haben wir besonderen Wert darauf gelegt, dass die oft schwer lesbaren, umständlich beschriebenen Normen einfach und leicht verständlich werden. Durch ein anschauliches Layoutdesign sowie viele Grafiken, Abbildungen und Tabellen denken wir, dass sich dieses technische Handbuch von vielen anderen unterscheidet und Ihnen auf dem Weg zu einer erfolgreichen Zertifizierung nach EN ISO 3834 und EN 1090 mehr als hilfreich ist. Für mich als Laien auf dem Gebiet der Schweißtechnik war die Produktion dieses Buchs in jedem Fall eine Herausforderung. So war mir lange Zeit nicht bewusst, welch wichtige Rolle diese CE-Kennzeichnung, um die es schlussendlich bei dieser Zertifizierung geht, für Hersteller von Metallprodukten künftig spielen wird. Es wird nämlich über kurz oder lang so sein, dass Betriebe, die keine Berechtigung zu besagter Auszeichnung ihrer Produkte besitzen, schlicht und ergreifend keinerlei Chancen haben werden, ihre Produkte weiterhin am Markt anzubieten. Und dies gilt nicht nur für Österreich sondern für ganz Europa, und früher oder später sogar weltweit. Doch anstatt diesen Zertifizierungsprozess als Fluch anzusehen, sollten Sie, liebe(r) Leser(in) diesen als Segen betrachten, vor allem im Hinblick auf ihren Betrieb, den Sie durch Ihre Arbeit aufgebaut haben bzw. entscheidend prägen und für die Zukunft rüsten. Vermutlich werden Sie erstmals Ihre Arbeitsprozesse durchleuchten, Ihre Mitarbeiter schulen und womöglich Schwächen herausarbeiten und/oder Stärken finden, von deren Existenz Sie bisher noch nichts gewusst haben. Der Weg bis zur erfolgreichen Zertifizierung und die Möglichkeit, Produkte mit der CE-Kennzeichnung auszuzeichnen, erfordert von Ihnen Ausdauer, Willenskraft und vor allem Gewissenhaftigkeit. Je früher Sie mit den Vorbereitungen beginnen, desto eher können Sie sich vom Mitbewerb abheben und mit Ihrem Betrieb höherwertigere Produkte fertigen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Vergnügen mit diesem Leitfaden und viel Erfolg bei der Erstellung Ihres betriebsinternen Qualitätshandbuchs! Ihr Thomas Stocker Geschäftsführer GETWORX GmbH www.getworx.at GETWORX GmbH  ♦  Zellach 7b/3  ♦  9413 St. Getraud  ♦  AUSTRIA


TEIL A LEITFADEN


Inhalt

Inhalt Tabellenverzeichnis  ...........................................................................................................................................................................  A9 Abbildungsverzeichnis  .....................................................................................................................................................................  A9 Abkürzungsverzeichnis  .................................................................................................................................................................. A10 Einleitung  ............................................................................................................................................................................................ A11

1 Qualitätssicherung 1.1 Begriffserklärungen ........................................................................................................................ A12 1.1.1 Normen  .................................................................................................................................................................................. A12 1.1.2 Gesetze  ................................................................................................................................................................................... A14 1.1.3 Technische Vorschriften  ................................................................................................................................................... A14 1.1.4 EU-Verordnungen  ............................................................................................................................................................... A14 1.1.5 EU-Richtlinien  ....................................................................................................................................................................... A14 1.2

Relevante Normen und Vorschriften  .............................................................................................. A15

1.2.1 EN 1090  .................................................................................................................................................................................. A15 1.2.2 EN ISO 3834  ........................................................................................................................................................................... A21 1.2.3 EU-Bauprodukteverordnung  .......................................................................................................................................... A22 1.2.4 EN ISO 9001  ........................................................................................................................................................................... A22 1.2.5 SCC-Sicherheitsmanagementsystem  .......................................................................................................................... A23 1.3

Übersicht diverser Ausbildungen für Mitarbeiter  ......................................................................... A24

1.3.1 Schweißaufsicht  .................................................................................................................................................................. A24 1.3.2 ZfP-Prüfer  ............................................................................................................................................................................... A25 1.3.3 Schweißer  .............................................................................................................................................................................. A27 1.3.4 Weiterbildung im Bereich der Sicherheit  ................................................................................................................... A28 1.4

Schematischer Ablauf einer Zertifizierung nach EN ISO 3834 und EN 1090  ............................... A29

2 Schweißtechnik 2.1 Schweißverfahren ............................................................................................................................ A30 2.1.1 Elektro-Lichtbogenhandschweißen (E-Hand)  .......................................................................................................... A31 2.1.2 Wolfram-Inertgasschweißen (WIG bzw. TIG)  ............................................................................................................ A35 2.1.3 Metall-Aktivgasschweißen (MAG)  ................................................................................................................................. A39 2.1.4 Persönliche Schutzausrüstung (PSA) beim Schweißen  ........................................................................................ A42 2.2

Übersicht Schweißpositionen  ......................................................................................................... A43

2.2.1 Übersicht der Hauptschweißpositionen  .................................................................................................................... A43

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TEIL A  LEITFADEN 2.3

Qualifizierung von Schweißverfahren (WPQR)  ............................................................................. A46

2.3.1 Qualifizierungsverfahren  ................................................................................................................................................. A46 2.3.2 Unterlagen für die Qualifizierung des Schweißverfahrens gemäß EN ISO 15614-1  ................................... A48 2.3.3 Ablauf für die Entwicklung und Qualifizierung einer Schweißanweisung (WPS)  ....................................... A49 2.3.4 Normverweise  ...................................................................................................................................................................... A50 2.4

Qualifizierung von Schweißern  ...................................................................................................... A51

2.4.1 Wer darf eine Prüfung durchführen?  ........................................................................................................................... A51 2.4.2 Das Prüfstück  ........................................................................................................................................................................ A51 2.5

Bezeichnung von Werkstoffen  ........................................................................................................ A54

2.5.1 Gruppeneinteilung der Werkstoffe gemäß CEN ISO/TR 15608  .......................................................................... A56 2.5.2 Erklärung der Materialbezeichnung  ............................................................................................................................ A57 2.5.3 Erklärung des Werkstoffnummernsystems  ............................................................................................................... A59 2.5.4 Materialzeugnis bzw. Materialattest  ............................................................................................................................ A60 2.6

Übersicht der Schweißnahtprüfung  ............................................................................................... A61

2.6.1 Zerstörungsfreie Prüfverfahren für Schweißverbindungen  ................................................................................ A62 2.6.2 Zerstörende Prüfverfahren für Schweißverbindungen  .......................................................................................... A78 2.7

Darstellung und Ausführung von Schweißverbindungen  ........................................................... A80

Index  ..................................................................................................................................................................................................... A82

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Inhalt

Tabellenverzeichnis ▲  Tabelle 01 | EN 1090-Anforderungen bezogen auf die Ausführungsklassen EN ISO 3834  ............................................................ A20 ▲  Tabelle 02 | Anforderungen der einzelnen Qualifizierungsstufen (EN ISO 3834-1)  .......................................................................... A21 ▲  Tabelle 03 | Qualifikationsstufen der Schweißaufsicht  ............................................................................................................................... A25 ▲  Tabelle 04 | Zerstörungsfreie Prüfverfahren gemäß EN ISO 9712  ........................................................................................................... A26 ▲  Tabelle 05 | Qualifizierung von Schweißern  ................................................................................................................................................... A27 ▲  Tabelle 06 | Ordnungsnummern häufig verwendeter Schweißprozesse (EN ISO 4063)  ................................................................ A31 ▲  Tabelle 07 | Typische Schweißnahtfehler beim E-Handschweißen  ........................................................................................................ A32 ▲  Tabelle 08 | Erklärung der Normbezeichnung einer Stabelektrode (EN ISO 2560)  .......................................................................... A34 ▲  Tabelle 09 | Typische Schweißnahtfehler beim WIG-Schweißen  ............................................................................................................. A36 ▲  Tabelle 10 | Erklärung der Normbezeichnung eines WIG-Schweißstabs (EN ISO 14343)  ................................................................ A36 ▲  Tabelle 11 | Kennzeichnung von Wolframelektroden (Auszug aus EN ISO 6848)  ............................................................................. A37 ▲  Tabelle 12 | Bereich der Stromstärke für Elektroden (Auszug aus EN ISO 6848)  ................................................................................ A38 ▲  Tabelle 13 | Typische Schweißnahtfehler beim MAG-Schweißen  ........................................................................................................... A40 ▲  Tabelle 14 | Erklärung der Normbezeichnung von MAG-Massivdraht (EN ISO 14341)  ................................................................... A41 ▲  Tabelle 15 | Hauptschweißpositionen bei Blechen   ..................................................................................................................................... A44 ▲  Tabelle 16 | Hauptschweißpositionen bei Rohren   ....................................................................................................................................... A45 ▲  Tabelle 17 | Übersicht über Qualifizierungsmethoden von Schweißverfahren  ................................................................................. A47 ▲  Tabelle 18 | Einteilung der Werkstoffgruppen gemäß CEN ISO/TR 15608  ........................................................................................... A56 ▲  Tabelle 19 | Erklärung und Einteilung der Werkstoffgruppen 1 und 8  .................................................................................................. A57 ▲  Tabelle 20 | Erklärung des Kurznamens der Stähle mit Beschreibung der mech./physikalischen Eigenschaften  ................ A58 ▲  Tabelle 21 | Erklärung des Kurznamens der Stähle mit Beschreibung der chemischen Zusammensetzung  ......................... A59 ▲  Tabelle 22 | Vorgeschriebene Materialprüfbescheinigungen gemäß EN 1090-2  .............................................................................. A61 ▲  Tabelle 23 | Techniken und typischer Aufbau der Durchschallungstechnik  ....................................................................................... A71 ▲  Tabelle 24 | Symbole von Schweißnahtarten gem. EN 22553 und Schweißnahtvorbereitung gem. EN ISO 9692-1  ........... A81 ▲  Tabelle 25 | Darstellung der Schweißnahtsymbole gemäß EN 22553  ................................................................................................... A81

Abbildungsverzeichnis ▲  Abbildung 01 | Hauptschweißpositionen  ....................................................................................................................................................... A43 ▲  Abbildung 02 | Darstellung der Schweiß­position H-L045  ......................................................................................................................... A43 ▲  Abbildung 03 | Darstellung der Schweiß­position J-L060  .......................................................................................................................... A43 ▲  Abbildung 04 | Flussdiagramm des korrekten Weges zur Schweißanweisung für die Fertigung/Montage  ........................... A49 ▲  Abbildung 05 | Maße Prüfstück Stumpfnaht am Blech  .............................................................................................................................. A52 ▲  Abbildung 06 | Maße Prüfstück Kehlnaht am Blech  .................................................................................................................................... A52 ▲  Abbildung 07 | Maße Prüfstück Stumpfnaht am Rohr  ................................................................................................................................ A52 ▲  Abbildung 08 | Maße Prüfstück Kehlnaht am Rohr  ...................................................................................................................................... A52 ▲  Abbildung 09 | Zugänglichkeit für die direkte Sichtprüfung  ................................................................................................................... A64 ▲  Abbildung 10 | Beispiel Farbein­dringprüfung ohne Anzeige  .................................................................................................................. A67 ▲  Abbildung 11 | Beispiel 1 Farbeindringprüfung mit Anzeige  .................................................................................................................. A67 ▲  Abbildung 12 | Beispiel 2 Farbeindringprüfung mit Anzeige  .................................................................................................................. A67 ▲  Abbildung 13 | Beispiel Prüfung mit einem Handmagneten  ................................................................................................................... A68 ▲  Abbildung 14 | Beispiel Prüfung mittels Aufsatzelektrode  ....................................................................................................................... A68 ▲  Abbildung 15 | Beispiel Prüfung mittels Spulentechnik  ............................................................................................................................ A68 ▲  Abbildung 16 | Beispiel anliegender Leiter (Außenleiter)  ......................................................................................................................... A68 ▲  Abbildung 17 | Beispiel Prüfschritte bei einer Kehlnahtprüfung mit einem Handmagneten  ...................................................... A69 ▲  Abbildung 18 | Beispiel Prüfschritte bei einer Stumpfnaht mit einem Handmagneten  ................................................................ A69 ▲  Abbildung 19 | Beispiel einer Anzeige bei der Magnetpulverprüfung (Risse im Bauteil)  .............................................................. A70 ◄  Abbildung 20 | Beispiel Ultraschallprüfung  .................................................................................................................................................... A73 ▲  Abbildung 21 | Beispiel für das zu erfassende Prüfvolumen bei der Prüfung auf Anzeigen in Längsrichtung  ..................... A74 ▲  Abbildung 22 | Skizze Aufbau Röntgenprüfung von Stumpfnähten am Blech  ................................................................................. A75

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TEIL A  LEITFADEN

Abkürzungsverzeichnis Abk.  ������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������ Abkürzung bzw.  ����������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  beziehungsweise ca.  ���������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  zirka d. h.  ����������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������   das heißt engl.  ����������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  Englisch etc.  ������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������   et cetera gem.  ������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� gemäß i. O.  �������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  in Ordnung lx  ������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������   Lux (Lichtstärke) mm  ��������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  Millimeter n. a.  �������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  nicht anwendbar NA  ���������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  nicht anwendbar Pkt.  �����������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  Punkt Rev.  �����������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  Revision u. a.  �����������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  unter anderem usw.  �������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  und so weiter Vgl.  �������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� Vergleiche pWPS  ��������������������������������������������������������������������������������������������������������  preliminary Welding Procedure Specification PWHT  ���������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������   Post weld heat treatment WPQR  ����������������������������������������������������������������������������������������������������������������  Welding Procedure Qualification Record WPS  �����������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  Welding Procedure Specification z. B.  ����������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  zum Beispiel ZfP  ����������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  Zerstörungsfreie Prüfung zw.  �����������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������  zwischen

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Einleitung

Einleitung Auf den nachfolgenden 70 Seiten geben wir Ihnen einen Überblick über wichtige und relevante Punkte, die für Sie im Rahmen der Zertifizierung gemäß EN ISO 3834 und EN 1090 eine Rolle spielen. Wir haben diesen Leitfaden leicht und verständlich aufgebaut, um Ihnen den Umgang mit den erforderlichen Normen, Regelungen und Vorschriften zu erleichtern. Für eine bessere Übersicht sorgt eine Vielzahl von Tabellen und Grafiken, die wir allesamt für ein besseres Verständnis dieses Fachbuchs erstellt haben. Außerdem befinden sich nahezu auf jeder Seite Infokästen, die Ihnen weitere Hilfestellungen oder Erklärungen liefern. Im ersten Kapitel »Qualitätssicherung« bringen wir Ihnen Begriffe, Normen und Vorschriften sowie eine Übersicht diverser Ausbildungen für Ihre Mitarbeiter näher. Zu guter Letzt haben wir Ihnen den schematischen Ablauf bis zur erfolgreichen Zertifizierung detailliert aufgelistet, um eine eindeutigere Standortbestimmung für Ihren Betrieb zu ermöglichen. So sind Sie in der Lage, genau abzustecken, welche Leistungen Sie intern bewältigen können und welche Sie extern auslagern müssen. Das zweite Kapitel »Schweißtechnik« beleuchtet dann die für die Zertifizierung so wichtigen Qualifizierungsarten von Schweißern und erklärt Ihnen, was z. B. eine WPQR oder WPS ist. Mit übersichtlichen Tabellen zu typischen Schweißnahtfehlern und deren Abhilfemaßnahmen halten Sie ein wertvolles Nachschlagewerk in Ihren Händen, das Sie während Ihrer Arbeit unterstützt. Nach der Lektüre unseres Leitfadens werden Sie auch das nachfolgende Musterhandbuch sowie die für die Zertifizierung wichtigen Maßnahmen, Regelungen und Vorschriften besser verstehen. Außerdem werden Sie darin geschult, die Angebote von externen Beratern besser lesen zu können und nur das extern zuzukaufen, was Sie auch wirklich benötigen. Wenn Sie dieses Fachbuch käuflich erworben haben, können Sie auch jederzeit unter Angabe Ihrer Rechnungsnummer eine 15-minütige, kostenlose telefonische Beratung durch Herrn Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Ulrich Maurer in Anspruch nehmen und für Sie relevante Fragen stellen.

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TEIL A  LEITFADEN

1 Qualitätssicherung Die Qualitätssicherung nimmt einen immer höheren Stellenwert in der freien Marktwirtschaft ein. Sie dient zur Vermeidung von Produkt- und Herstellerfehlern. Mit der Einführung der Normenreihe EN 1090 ist nun auch im Stahl- und Aluminiumbau ein europaweiter, einheitlicher Qualitätsstandard am Markt.

1.1 Begriffserklärungen HINWEIS  ►

1.1.1 Normen

Metalltechnikbetriebe, die Mitglieder der Wirtschaftskammer Kärnten/AT sind, haben die Möglichkeit, kostenlos 30 Normen freier Wahl aus dem Internet herunterzuladen. Es wäre wünschenswert, wenn weitere Landesinnungen diesem Beispiel folgen würden. (Nähere Information dazu findet man unter www.wko.at.)

Eine Norm kann als ein Dokument angesehen werden, welches den Stand der Technik, der in festgelegten Prozessen innerhalb einer Normungsorganisation entstanden ist, widerspiegelt. In Normen werden allgemeine und wiederkehrende Anwendungen festgelegt, die die Herstellung von Gegenständen sowie Verfahrensabläufe regeln.1

Kostenpflichtig können die Normen beim österreichischen Normungsinstitut (Austrian Standard Institute) unter www.austrian-standards.at erworben werden. Für deutsche Normen wenden Sie sich an www.din.de und für Schweizer Normen ist die Schweizer Normenvereinigung SNV unter www.snv.ch zuständig.

HINWEIS  ► Vor der Anwendung einer Norm ist immer ihre Gültigkeit zu überprüfen.

Eine Norm ist eine technische Beschreibung oder ein anderes Dokument, das für jedermann zugänglich ist und unter Mitarbeit und im Einvernehmen oder mit allgemeiner Zustimmung aller interessierten Kreise erstellt wurde. Sie beruht auf abgestimmten Ergebnissen von Wissenschaft, Technik und Praxis, und ist von einer auf nationaler (z. B. in Österreich die ÖNORM, in Deutschland die DIN-Norm), regionaler (z. B. in Europa die EN-Norm) oder internationaler (international/weltweit die ISO-Norm) Ebene anerkannten Normungsorganisation gebilligt worden. Aufgrund des Inhaltes einer Norm kann sie zu einer oder mehreren Arten von Normen wie Dienstleistungsnormen, Liefernormen, Planungsnormen oder Verfahrensnormen zugeteilt werden. Normen haben für sich allein genommen keinerlei Gesetzeskraft. Sie können als Empfehlungen angesehen werden, deren Anwendung auf Freiwilligkeit beruht. Sie sind erst dann verbindlich anzuwenden, wenn z. B. Gesetze und Verordnungen oder Verträge auf sie Bezug nehmen. Bei Rechtsstreitigkeiten werden im Allgemeinen keine Schadenersatzansprüche schlagend, sofern man die einschlägigen technischen Normen eingehalten hat.2

Was ist eine harmonisierte Norm? Oft kommt in technischen Dokumenten der Begriff »harmonisierte Norm« vor. Eine harmonisierte Norm ist nichts anderes als eine speziell erarbeitete, technische Spezifikation, die zwar nicht verbindlich ist, aber 1 Vgl. http://www.din.de/cmd?level=tpl-rubrik&cmsrubid=47513; 22. 07. 13 2 Vgl. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/norm.html; 22. 07. 13

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1 Qualitätssicherung bei Nichteinhaltung rechtliche Konsequenzen haben kann. Die Normenreihe EN 1090 ist solch eine harmonisierte Norm, die bereits angewendet werden sollte, da sie bei einem Schadensfall als Referenz zum Stand der Technik im Stahlbau herangezogen wird.

Bedeutung wichtiger Abkürzungen von Normen Nationale Norm Nationale Normen werden durch länderspezifische Kürzel dargestellt. In Deutschland z.B. als DIN3, in Österreich als ÖNORM4, in der Schweiz durch SN, etc.

◄ HINWEIS Oft haben Lieferant und Kunde verschiedene Ansichten über die Produktqualität und nicht selten kommt es bei Abnahmen von Produkten zu Streitigkeiten, die vor Gericht landen. Wenn im Vorfeld die Anforderungen durch Normen klar festgelegt werden, sind die Qualitätsanforderungen für die Abnahme geregelt und somit können diverse Diskrepanzen bei der Produktübernahme vermieden werden.

Neben den nationalen Normen können diese Länderkürzel auch einer EN- oder einer EN ISO-Norm vorangestellt werden. EN (Europäische Norm) Europäische Normen werden in den technischen Gremien des Europäischen Komitees für Normung (CEN) entwickelt.5 ISO (International Organization for Standardization) Die ISO ist eine weltweit unabhängige Vereinigung der offiziellen Normungsinstitute aus insgesamt 162 Ländern, die internationale Normen (Standards) entwickelt.6 [Länderkürzel] EN Jeweilige Länderausgabe einer europäischen Norm, die unverändert übernommen werden muss. Es können zusätzlich länderspezifische Anforderungen in einem nationalen Vorwort festgelegt sein.7 (z. B. ÖNORM EN, DIN EN, etc.) [Länderkürzel] EN ISO Wie bei den EN-Normen ist die Übernahme der internationalen Normen als nationale Norm Pflicht.8 (z. B. ÖNORM EN ISO, DIN EN ISO, etc.) EUROCODES Eurocodes sind eine Gruppe von europäischen Normen für das Bauwesen.9 3 Vgl. http://www.din.de/cmd?level=tpl-rubrik&cmsrubid=47513; 22. 07. 13 4 Vgl. https://www.austrian-standards.at/infopedia-themencenter/infopedia-artikel/oenorm/; 23. 07. 13 5 Vgl. https://www.austrian-standards.at/infopedia-themencenter/infopedia-artikel/europaeische-normen-en/; 23. 07. 13 6 Vgl. https://www.austrian-standards.at/infopedia-themencenter/infopedia-artikel/iso/ 7 Vgl. http://www.din.de/cmd?level=tpl-rubrik&cmsrubid=47513; 22. 07. 13 8 Vgl. http://www.din.de/cmd?level=tpl-rubrik&cmsrubid=47513; 22. 07. 13 9 Vgl. https://www.austrian-standards.at/de/infopedia-themencenter/infopedia-artikel/eurocodes/#c1075; 23. 07. 13

◄ HINWEIS Für länderspezifische Regeln der einzelnen Normungsinstitute gibt es wieder andere Bezeichnungen. In Österreich werden Regeln z. B. als ON-Regel oder ONR bezeichnet.

◄ BEGRIFF Derzeit existieren 10 Eurocodes mit einer Numerierung von 0 bis 9. Der Eurocode 3 behandelt z. B. die Tragfähigkeit, Gebrauchstauglichkeit, Dauerhaftigkeit und den Feuerwiderstand von Stahlbauwerken und gilt u. a. in Verbindung mit den Regelwerken EN 1990, EN 1991, EN 1090-1 und EN 1090-2. Der Eurocode 9 hingegen behandelt die Bemessung und Berechnung von Aluminiumkonstruktionen.

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TEIL A  LEITFADEN 1.1.2 Gesetze Ein Gesetz ist eine vom Gesetzgeber (z. B. Staat, Bundesland) festgesetzte, rechtlich bindende Vorschrift. In einem Gesetz können viele einzelne Rechtsnormen oder nur wenige zusammengefasst werden. Sie können neu erlassen bzw. vorhandene Gesetze geändert werden.10

1.1.3 Technische Vorschriften Die technische Vorschrift ist ein Dokument, in dem Merkmale des Produkts, wie z. B. Qualitätsstufen, Gebrauchstauglichkeit, Sicherheit, Prüfungen und Prüfverfahren, festgelegt sind, die bei der Vermarktung oder Verwendung des Produkts in den Mitgliedstaaten, in denen die technische Vorschrift angewandt wird, verbindlich einzuhalten sind. Ausgenommen sind technische Vorschriften, die von lokalen Behörden festgelegt werden.11 HINWEIS  ►

1.1.4 EU-Verordnungen

Nähere Informationen über EU-Verordnungen findet man unter www.eur-lex.europa.eu.

Mit einer EU-Verordnung wird eine Form von europäischem Sekundärrecht bezeichnet, das von Gemeinschaftsorganen erlassen wird und die Normadressaten unmittelbar bindet. Eine Verordnung hat im Gegensatz zur EU-Richtlinie allgemeine Wirkung und ist verbindlich.12 Für den Stahlbau beispielsweise findet die Bauprodukteverordnung (EU-Verordnung Nr. 305/2011) ihre Anwendung. Diese Verordnung gilt nicht nur für Stahlbaukonstruktionen, sondern für alle hergestellten Bauprodukte, die in Europa vermarktet werden. Durch das Anbringen einer CE-Kennzeichnung am Bauprodukt durch den Hersteller bestätigt dieser, dass alle Anforderungen dieser Verordnung erfüllt wurden.13

HINWEIS  ►

1.1.5 EU-Richtlinien

Die EU-Richtlinie 97/23/EG für Druckgeräte legt z. B. die Anforderungen für das Inverkehrbringen von Druckgeräten innerhalb der EU fest und wurde im Mai 1997 den EU-Mitgliedstaaten zur Umsetzung vorgelegt. In Österreich wurde die EU-Richtlinie 97/23/EG erst im November 1999 durch die Druckgeräteverordnung (DGVO) mit dem BGBl. II Nr. 426/1999 eingeführt. Die Umsetzung und somit die verbindliche Einhaltung für alle Unternehmen, die im Bereich der Druckgeräte tätig sind, hat folglich in Österreich knapp 2,5 Jahre gedauert.

EU-Richtlinien wirken im Gegensatz zu den EU-Verordnungen nicht unmittelbar, sondern erst nachdem sie in ein nationales Recht umgesetzt werden. Das heißt, dass die vom Rat der Europäischen Union erlassene Richtlinie erst durch eine Übernahme in das österreichische Recht verbindlich wird.14

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10 Vgl. http://www.rechtslexikon.net/d/gesetz/gesetz.htm; 06. 08. 13 11 Vgl. http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10011971; 06. 08. 13 12 Vgl. http://www.lexexakt.de/glossar/euverordnung.php; 22. 07. 13 13 Vgl. Verordnung (EU) Nr. 305/2011 des europäischen Parlamentes und des Rates vom 09. 03. 11 14 Vgl. http://www.juraforum.de/lexikon/eu-richtlinie; 06. 08. 13


1.2 Relevante Normen und Vorschriften

1.2 Relevante Normen und Vorschriften 1.2.1 EN 1090 Die Normenreihe EN 1090 legt die Anforderungen an den Konformitätsnachweis sowie an die Qualität für die Ausführung bzw. Herstellung von Stahl- und Aluminiumbauteilen fest. Sie ist in 3 Teile aufgesplittet: EN 1090-1 Ausführung von Stahl- und Aluminiumtragwerken – Teil 1 Konformitätsnachweisverfahren für tragende Bauteile EN 1090-2 Ausführung von Stahl- und Aluminiumtragwerken – Teil 2 Technische Regeln für die Ausführung von Stahltragwerken EN 1090-3 Ausführung von Stahl- und Aluminiumtragwerken – Teil 3 Technische Regeln für die Ausführung von Aluminiumtragwerken Ab 1. Juli 2014 müssen sämtliche Betriebe, die Stahl- und Aluminiumtragwerke fertigen, nach EN 1090 zertifiziert sein, da am 30. Juni 2014 die Übergangsfrist, die im Jahre 2008 begann und dazu diente, die Betriebe langsam an die neue Richtlinie heranzuführen, endet. Bei der Zertifizierung wird die werkseigene Produktionskontrolle (WPK) eines Betriebes durch eine akkreditierte Stelle überprüft. Bei positivem Bescheid wird ein EG-Zertifikat ausgestellt, in welchem der Geltungsbereich über die Inverkehrbringung von Stahl- und/oder Aluminiumtragwerken festgelegt ist. Durch dieses Zertifikat ist ein Betrieb berechtigt, die ab 1. Juli 2014 zwingend vorgeschriebene CE-Kennzeichnung am hergestellten Produkt vorzunehmen.

Die werkseigene Produktionskontrolle (WPK) Wie oben erwähnt, wird beim Zertifizierungsaudit die werkseigene Produktionskontrolle von einer akkreditierten Stelle überprüft. Die werkseigene Produktionskontrolle dient zur Sicherstellung, dass die hergestellten und in Verkehr gebrachten Stahlbau- bzw. Aluminiumbauprodukte den Anforderungen der EN1090 Teil 2 und 3 entsprechen. Bei der WPK müssen regelmäßig interne Kontrollen bei der Herstellung des Produkts nach einem festgelegten System durchgeführt und dokumentiert werden. Dieses festgelegte System ist zumeist in einem Qualitätshandbuch zusammengefasst, das für das ganze Unternehmen – vom Einkauf bis zur Endmontage – verbindlich einzuhalten ist.

◄ BEGRIFF Ein Konformitätsnachweis ist eine Bestätigung der Übereinstimmung von Bauprodukten mit harmonisierten und anerkannten Normen oder europäischen technischen Zulassungen. Die Konformitätskennzeichnung erfolgt durch das CE-Zeichen und wird geregelt durch das Bauproduktegesetz.

◄ BEGRIFF Akkreditierung im hier gemeinten Sinne ist gemäß ISO/IEC 17011:2004 die Bestätigung durch eine dritte Stelle, die formal darlegt, dass eine Konformitätsbewertungsstelle die Kompetenz besitzt, bestimmte Konformitätsbewertungsaufgaben durchzuführen. Quelle: Wikipedia Beispiele akkreditierter Stellen: Österreich TÜV Austria Service GmbH TÜV SÜD SZA Österreich GmbH Quality Austria GmbH SystemCERT Zertifizierungs Ges.m.b.H.

Deutschland TÜV Nord Systems GmbH & Co. KG Germanischer Lloyd SE TÜV Rheinland LGA Bautechnik GmbH

Schweiz SVS Schweizer Verein für Schweißtechnik

A15


TEIL A  LEITFADEN In der WPK müssen unter anderem folgende Punkte festgelegt sein:15 ◆◆

Verantwortung, Befugnis bzw. Qualifikation des Personals

◆◆

Durchführung der Planung und Bemessung von Stahl- bzw. Aluminiumbauprodukten

◆◆

Einsatz von richtigen Konstruktionswerkstoffen

◆◆

Vorgehensweise bei Abweichungen

◆◆

Prüfungsdurchführung von Produkten

HINWEIS  ►

Einteilung in Ausführungsklassen

Als Leitfaden für die Wahl von Ausführungsklassen von Bauwerken, Tragwerken und Bauteilen bei Stahl- und Aluminiumtragwerken dient die technische Regel ONR 21090. Diese können Sie im Webshop des österreichischen Normungsinstituts unter www.austrian-standards.at beziehen.

Je nach dem, welche Produkte ein Metallbearbeitungsbetrieb herstellt, wird eine der vier möglichen Ausführungsklassen (EXC) für die Zertifizierung festgelegt. Je höher die Ausführungsklasse ist, desto höher sind auch die zu erfüllenden Anforderungen an den Betrieb: ◆◆

EXC1 ► GERINGE Anforderungen gemäß EN1090-2/3

◆◆

EXC2 ► MITTLERE Anforderungen gemäß EN1090-2/3

◆◆

EXC3 ► HOHE Anforderungen gemäß EN1090-2/3

◆◆

EXC4 ► SEHR HOHE Anforderungen gemäß EN1090-2/3

Die Ausführungsklassen unterscheiden sich unter anderem durch:

BEGRIFF  ► ZfP bedeutet zerstörungsfreie Prüfung (► siehe dazu Pkt. 1.3.2 ZfP-Prüfer und 2.6.1 Zerstörungsfreie Prüfverfahren für Schweißverbindungen)

◆◆

Anforderungen an das Konstruktionsmaterial

◆◆

Qualifikationsanforderung der Schweißaufsicht

◆◆

Qualifizierung von Schweißverfahren

◆◆

ZfP-Prüfumfang und ZfP-Abnahmekriterien bei Schweißnähten

◆◆

Umfang der Herstellerdokumentation

◆◆

Qualitätsanforderungen von mechanischen Bearbeitungsmechanismen (wie z. B. Stanzen, Schneiden mit Autogenschneidbrennanlage, etc.)

◆◆

Anforderungen an Schraubverbindungen

◆◆

Fertigungstoleranzen

HINWEIS  ►

Anforderungen bezogen auf die Ausführungsklassen

Die einzelnen Teile von Normen können entweder durch einen Bindestrich, gefolgt von einer Ziffer oder durch die Auszeichnung mit »Teil« und Ziffer erfolgen. In nebenstehendem Fall wird mit Teil 2 auf die EN 1090-2 verwiesen. Ein Verweis auf die Norm EN 1090-1 würde demnach den 1. Teil dieser Norm bezeichnen. (► siehe Seite A15)

In der nachfolgenden Tabelle sind die spezifischen Anforderungen der einzelnen Ausführungsklassen kurz zusammengefasst. In der ersten Spalte wird auf die einzelnen Abschnitte der EN 1090 Teil 2 (► Ausführung von Stahltragwerken) verwiesen, in welchen die detailliert beschriebenen Anforderungen der Norm zu finden sind.

A16

15 Vgl. EN 1090-1:2009; S. 18 ff


1.2 Relevante Normen und Vorschriften

Pkt.

Beschreibung

Anforderungen EXC1

Anforderungen EXC2

Anforderungen EXC3

Anforderungen EXC4

4.2.1 + Anhang C

Qualitätsdokumentation

keine Anforderungen

Ja, Inhalt der Dokumentation: ◆◆ Projektorganigramm, angewendete Arbeitsprozesse, Verfahren und Arbeitsanweisungen ◆◆ Prüfplan der Stahlkonstruktion ◆◆ Vorgehensweise bei Abweichungen und Abänderungen, Nichtkonformität, Reklamationen, Streitigkeiten hinsichtlich der Qualität ◆◆ Prüfungen und Abnahmen des Bauteils ◆◆ Qualitätsmanagementplan ► siehe EN 1090-2 Anhang C

wie EXC2

wie EXC2

5.2

Materialatteste Pkt. 5.2 Tabelle 1

Prüfbescheinigung gemäß EN 10204 ◆◆ Baustahl ► 2.2 ◆◆ Niro-Stahl ► 3.1 ◆◆ Schweißzusätze ► 2.2 ◆◆ Schraubengarnituren ► 2.1

Prüfbescheinigung gemäß EN 10204 ◆◆ Baustahl < S355 ► 2.2 ◆◆ Baustahl ≥ S355 ► 3.1 ◆◆ Niro-Stahl ► 3.1 ◆◆ Schweißzusätze ► 2.2 ◆◆ Schraubengarnituren ► 2.1

wie EXC2

wie EXC2

5.2

Rückverfolgbarkeit

Keine Anforderungen

Ja (eingeschränkt) Zuordnung der Materialatteste nur auf das Projekt und nicht auf die einzelnen Bauteile

Ja (vollständig) Rückverfolgbarkeit von Lieferung bis zum Einbau ►bauteilbezogen

wie EXC3

5.2 + 6.2

Kennzeichnung

Keine Anforderungen

wie EXC3 Ja Ja ◆◆ Prüfbescheinigungen müssen den Kennzeichnung bei unterschiedlieinzelnen Bauteilen zuordenbar chen Stahlsorten bzw. Güte­gruppen sein. (Details ► siehe EN 1090-2 (z. B. bei Verwendung von S235 und Pkt. 6.2 Zuordnung durch HartstemS355 in einem Projekt ► z. B. mittels pel, Formgebung, etc.) Farbcodes) ◆◆ Anwendung Chargen auf Zeichnungen bzw. Stücklisten eintragen

5.3.2

Grenzabmessungen der Dicke für Flach­erzeugnisse bei Baustahl

Klasse A (Toleranzen – Grenzabmessung der Dicke) Auszug aus Norm EN 10029: s ≥ 3 < 5    ► - 0,4 mm / + 0,8 mm s ≥ 5 < 8    ► - 0,4 mm / + 1,1 mm s ≥ 8 < 15   ► - 0,5 mm / + 1,2 mm s ≥ 15 < 25 ► - 0,6 mm / + 1,3 mm s ≥ 25 < 40 ► - 0,8 mm / + 1,4 mm

wie EXC1

wie EXC1

Klasse B (Toleranzen – Grenzabmessung der Dicke) Auszug aus Norm EN 10029: s ≥ 3 < 5    ► - 0,3 mm / + 0,9 mm s ≥ 5 < 8    ► - 0,3 mm / + 1,2 mm s ≥ 8 < 15   ► - 0,3 mm / + 1,4 mm s ≥ 15 < 25 ► - 0,3 mm / + 1,6 mm s ≥ 25 < 40 ► - 0,3 mm / + 1,9 mm

5.3.3

Oberflächen­ beschaffenheit

Flacherzeugnisse ► Klasse A2 (► siehe EN 10163-2) ◆◆ Maximale Tiefen der Oberflächenfehler: •  s ≥ 3 < 8    ► 0,4 mm •  s ≥ 8 < 25   ► 0,5 mm •  s ≥ 25 < 40 ► 0,6 mm •  s ≥ 40 < 80 ► 0,8 mm ◆◆ Ausbesserung durch Schweißen und Verschleifen möglich

wie EXC1

Erhöhte Anforderungen, falls festgelegt, sonst gelten Anforderungen wie bei EXC1

wie EXC3

Keine Anforderungen

wie EXC3 Qualitätsklasse S1 für innere Inhomogenität bei geschweißten Kreuzstößen (Qualitätsklasse S1 legt die Grenze der zulässigen »Fehler« bei der Ultraschallprüfung fest ► siehe EN 10160)

Langerzeugnisse ► Klasse C1 (► siehe EN 10163-3) 5.3.4

Besondere Eigenschaften

Keine Anforderungen

Zusätzliche Prüfung muss vom Planer/Statiker auf Plänen festlegt werden

6.2

Identifizierung

Keine Anforderungen

Keine Anforderungen

Fertiggestellte Bauteile/ Prüfbescheinigungen:

wie EXC3

◆◆ Es muss zu jedem Bauteil die Prüfbescheinigung (Materialzeugnis) zugeordnet werden können, Bauteile müssen gekennzeichnet sein. ◆◆ Hartstempelung ist nur bis S355 erlaubt. ◆◆ Niro-Stähle sowie Material höherwertiger als S355 dürfen nicht gestempelt werden.

A17


TEIL A  LEITFADEN

2 Schweißtechnik Die Schweißtechnik ist bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ein oft vernachlässigter Bereich. Unter dem Motto »Schweiß das schnell mal zusammen!« oder »Ach, das wird schon halten!« wurden in der Vergangenheit oft Stahlkonstruktionen gefertigt bzw. montiert. Da durch diese Vorgehensweise teilweise große Schäden entstanden sind, will man durch die Einführung der Normenreihe EN 1090 einen allgemein gültigen Standard für Konstruktionen im Stahl- und Aluminiumbau erreichen. In diesen Normen sind grundlegende Bestimmungen festgehalten, wie beispielsweise »Wer, was, unter welcher Aufsicht schweißen darf!« Zusätzlich sind die Betriebe dazu angehalten, die intern praktizierten Schweißverfahren zu qualifizieren, d. h. der Betrieb benötigt eine Bestätigung, dass dieser das geforderte Schweißverfahren beherrscht und anwenden darf. Nachstehend wird auf einige Themengebiete in der Schweißtechnik eingegangen, die kleineren bzw. mittleren Metallbearbeitungsbetrieben meist zwar »irgendwie« bekannt sind, aber mit denen sich bis dato kaum jemand näher beschäftigt hat.

2.1 Schweißverfahren

BEGRIFF  ► Im englischen Sprachraum wird aus WIG die Abkürzung TIG für Tungsten Inert-Gaswelding.

A30

Nr.

Schweißverfahren

111

Elektro-Lichtbogenhandschweißen (E-Hand)

114

Metall-Lichtbogenschweißen mit Fülldrahtelektrode ohne Schutzgas

121

Unterpulverschweißen mit Massivdrahtelektrode

125

Unterpulverschweißen mit Fülldrahtelektrode

131

Metall-Inertgasschweißen (MIG-Schweißen) mit Massivdrahtelektrode

135

Metall-Aktivgasschweißen (MAG-Schweißen) mit Massivdrahtelektrode

136

Metall-Aktivgasschweißen (MAG-Schweißen) mit schweißpulvergefüllter Drahtelektrode

138

Metall-Aktivgasschweißen (MAG-Schweißen) mit metallpulvergefüllter Drahtelektrode

141

Wolfram-Inertgasschweißen (WIG-Schweißen) mit Massivdraht- oder Massivstabzusatz

142

Wolfram-Inertgasschweißen (WIG-Schweißen) ohne Schweißzusatz


2.1 Schweißverfahren

Nr.

Schweißverfahren

143

Wolfram-Inertgasschweißen (WIG-Schweißen) mit Fülldraht- oder Füllstabzusatz

145

Wolfram-Schutzgasschweißen mit reduzierten Gasanteilen im ansonsten inerten Schutzgas und Massivdraht- oder Massivstabzusatz

15

Plasmaschweißen

21

Widerstandspunktschweißen

311 Gasschweißen mit Sauerstoff-Acetylen-Flamme ▲  Tabelle 06 | Ordnungsnummern häufig verwendeter Schweißprozesse (EN ISO 4063)

Nachstehend werden jene drei Schweißprozesse kurz beschrieben, die in der Metallbaubranche bei kleinen und mittelständischen Betrieben am häufigsten durchgeführt werden. Die Grundlagenerklärung des Schweißprozesses wird dabei außer Acht gelassen, da davon ausgegangen werden kann, dass der Leser dieses Buches ein geübter Praktiker ist. Dafür wird auf häufige Schweißnahtfehler, Schweißzusätze und auf die empfohlene persönliche Schutzausrüstung (PSA) eingegangen.

2.1.1 Elektro-Lichtbogenhandschweißen (E-Hand) Das Elektro-Lichtbogenhandschweißen, oft auch E-Handschweißen bzw. Elektrodenschweißen genannt, wird auf Baustellen hauptsächlich für Montagenähte eingesetzt. Gegenüber dem Schutzgasschweißen hat das E-Handschweißen den Vorteil, dass der Vorbereitungsaufwand für das Schweißen geringer ist (z. B. muss ein umfangreiches Abschirmen des Schweißbereiches gegen Wind nicht erfolgen) und dass die Schweißmaschine einfacher zu handhaben ist (z.B. keine Gasflasche, leichtere Schweißmaschine).

◄ HINWEIS Neben einschlägigen Fachbüchern bietet die Firma Fronius auf ihrer Website www.fronius. com Grundlageninformationen zum Thema Schweißen an. Wenn Sie sich näher mit dem Thema Schweißzusätze beschäftigen möchten, so empfehlen wir Ihnen den Welding Guide von Böhler, der unter dem Link www.boehler-welding.com/german/files/Weldingguide_GER. pdf als Download zur Verfügung steht.

Typische Schweißnahtfehler Es gibt natürlich eine Vielzahl von Fehlern, die durch falsche Handhabung des Schweißprozesses und des Zusatzstoffes bzw. Grundwerkstoffes entstehen können. In der nachfolgenden Tabelle 7 werden einige Beispiele typischer Schweißnahtfehler, die beim E-Handschweißen auftreten können, erklärt.

A31


TEIL A  LEITFADEN

Schweißnahtfehler

Risse im Schweißgut bzw. Schweißnaht­übergang

Einbrandkerben

Beispiele möglicher Ursachen 1. Falscher Schweißzusatz 2. Umhüllung der Stabelektrode feucht 3. Zu schwach ausgeführte Schweißnaht bei Unterbrechung der Schweißarbeiten 4. Zu hohe Schrumpfbehinderung 5. Abkühlgeschwindigkeit zu hoch

zu 1. Basische Elektrode verwenden zu 2. Elektrode rücktrocknen zu 3. Ausreichend Heften, Wurzel- und Fülllagenschweißen zu 4. Schweißfolge ändern zu 5. Abdecken oder Nachwärmen der fertigen Schweißnaht

1. Zu hohe Stromstärke

zu 1. Stromstärke anpassen oder reduzieren zu 2. Lichtbogenlänge anpassen zu 3. Elektrode rechtwinklig zur Werkstückoberfläche führen

2. Zu große Lichtbogenlänge 3. Einseitige Lichtbogenführung

1. Zwischenlagenreinigung unzureichend

Schlackeneinschlüsse

Beispiele für Abhilfemaßnahmen

2. Stromstärke zu gering 3. Umhüllung der Stabelektrode besitzt unzureichende Spülwirkung 4. Überwölbung der zuvor geschweißten Raupe zu groß

zu 1. Restschlacke in der Zwischenlage entfernen zu 2. Stromstärke erhöhen zu 3. Umhüllungstyp der Stabelektrode ändern zu 4. Überwölbung abschleifen

Bindefehler

1. Schlechte bzw. falsche Nahtvorbereitung 2. Zu geringe Stromstärke 3. Blaswirkung

zu 1. Nahtvorbereitung ändern zu 2. Schweißparameter ändern zu 3. Anschluss Massekabel ändern

Gaseinschlüsse (Poren)

1. Falsche Handhabung einer basischen Elektrode 2. Handhabungsfehler beim Lagenaufbau

zu 1. Handhabung verbessern

1. Unsachgemäßes Abziehen des Lichtbogens

zu 1. Verweilen am Ende der Raupe und Abziehen des Lichtbogens in Richtung der geschweißten Raupe

2. Überschweißen von offenen Endkraterlunkern 3. Unsachgemäße Arbeitstechnik beim Fortführen des Schweißens

zu 2. Offenen Endkrater vor dem Überschweißen beschleifen zu 3. Arbeitstechnik beim Fortführen des Schweißens ändern

1. Schweißgeschwindigkeit zu hoch 2. Luftspalt zu klein bzw. zu groß 3. Heftstellen nicht aufgeschmolzen

zu 1. Schweißgeschwindigkeit verringern zu 2. Nahtvorbereitung ändern zu 3. Heftstellen abschleifen

Offener Endkraterlunker (Offenes Schweißnahtende)

Wurzelfehler (z. B. Wurzelkerbe)

zu 2. Handhabung verbessern

▲  Tabelle 07 | Typische Schweißnahtfehler beim E-Handschweißen inklusive möglicher Ursachen und Abhilfemaßnahmen26

26 Vgl. Merkblatt DVS0703:2008; S. 3 ff

A32


2.1 Schweißverfahren Schweißzusatzwerkstoffe Es sollten nur Schweißzusätze verwendet werden, die in Übereinstimmung mit einer Europäischen Norm vertrieben werden. Die Lagerung und Handhabung sollte immer gemäß den Angaben des Herstellers erfolgen. Stabelektroden werden bei sämtlichen metallischen Werkstoffen eingesetzt und nehmen vor allem bei Montagen auf Baustellen einen hohen Stellenwert ein. In der Praxis findet man hauptsächlich folgende Umhüllungstypen: Basisch umhüllte Stabelektrode Vorteile

Nachteile

◆◆ Einsetzbar für alle Wanddicken ◆◆ Auch für das Schweißen höhergekohlter Stähle geeignet (C-Gehalt > 0,2 %)

◆◆ Schwierigere Handhabung für den Schweißer ◆◆ Teilweise nur mit Gleichstrom verschweißbar ◆◆ Ungünstige Schlackenentfernbarkeit sowie rauere Nahtoberfläche ◆◆ Empfindlichkeit bezüglich Feuchtigkeitsaufnahme (Rücktrocknen erforderlich)

Rutilumhüllte Stabelektrode Vorteile ◆◆ Leichtere Handhabung für den Schweißer ◆◆ Gleich- und Wechselstrom schweißbar ◆◆ Gute Zünd- und Wiederzünd‑ eigenschaften ◆◆ Geeignet für alle Schweißpositionen in Abhängigkeit der Umhüllungsart- und -dicke ◆◆ Leichte Schlackenentfernbarkeit ◆◆ Unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit (keine Rücktrocknung erforderlich)

Nachteile ◆◆ Nicht einsetzbar für dickwandige Bauteile (über 20–25 mm) ◆◆ Niedrige Kerbschlagzähigkeit bei Minustemperaturen ◆◆ Nicht verwendbar für höhergekohlte Stähle (C-Gehalt < 0,2 %)

◆◆ Hohe Schweißgeschwindigkeit ◆◆ Hohe Abschmelzleistung

Basische Umhüllungen bestehen aus Eisenoxiden, Eisenlegierungen, Kalziumkarbonaten und Magnesium. Besonders zu beachten ist bei basischen Elektroden, dass die Rücktrocknung vor dem Gebrauch eingehalten wird. Für die Rücktrocknung von Elektroden gibt es spezielle elektrische Öfen, die eine maximale Temperatur von ca. 400 °C erreichen. Die Rücktrocknungsdauer (mind. 2 Stunden) sowie die Rücktrocknungstemperatur (zwischen 120 –350 °C) ist abhängig vom Elektrodentyp.

◄ HINWEIS Rutil ist mit einem Metallgehalt von etwa 60 % nach Ilmenit das bedeutendste Titan-Mineral. Rutil ist säureunlöslich und vor dem Lötrohr unschmelzbar. Quelle: Wikipedia

◄ HINWEIS

Zellulose umhüllte Stabelektrode Vorteile

◄ HINWEIS

Nachteile ◆◆ Nur für das Fallnahtschweißen einsetzbar ◆◆ Begrenztes Einsatzgebiet

Zellulose Umhüllungen bestehen aus einem hohen Zelluloseanteil mit Ferrolegierungen. Diese Kombination sorgt dafür, dass die Umhüllung beim Schweißen fast rückstandslos verbrennt und somit weniger Schlacken bildet. Zum Einsatz gelangen zellulose umhüllte Stabelektroden hauptsächlich beim Fallnahtschweißen im Pipelinebau.

A33


TEIL A  LEITFADEN ◆◆

Werkstückdicke von ? bis ?

◆◆

Rohrdurchmesser? ► optional

◆◆

Schweißung einlagig oder mehrlagig?

◆◆

Schweißpositionen

Erst nachdem all diese Faktoren bekannt sind, kann ein Prüfstück festgelegt werden. Beispiel: Prüfstückabmessungen aus EN 287-1 Es sind immer die Mindestprüfstückgrößen (Länge und Breite) einzuhalten. Die Werkstoffdicke und der Rohrdurchmesser sind vom festgelegten Prüfstück abhängig. LEGENDE  ► t   ...Prüfstückdicke D ...Rohraußendurchmesser l1 ...Länge des Prüfstücks

▲  Abbildung 05 | Maße Prüfstück Stumpfnaht am Blech

▲  Abbildung 06 | Maße Prüfstück Kehlnaht am Blech

▲  Abbildung 07 | Maße Prüfstück Stumpfnaht am Rohr

▲  Abbildung 08 | Maße Prüfstück Kehlnaht am Rohr

Chronologischer Ablauf einer Schweißerprüfung

A52

◆◆

Erstellung der Schweißanweisung (WPS)

◆◆

Legitimation des Prüflings (z.B. Führerschein, Reisepass)

◆◆

Kennzeichnung der Prüfstücke durch den Prüfer (Kurzzeichen des Prüfers und des Schweißers)

◆◆

Schweißen des Prüfstücks unter Aufsicht des Prüfers bzw. der Prüfstelle

◆◆

Fachkundeüberprüfung des Schweißers

◆◆

Untersuchung und Prüfung des Prüfstücks

◆◆

Beurteilung der Untersuchung und Prüfung

◆◆

Ausstellung einer Prüfbescheinigung nach EN 287-1 durch den Prüfer bzw. die Prüfstelle


2.4 Qualifizierung von Schweißern Bezeichnungsbeispiele der Schweißerprüfung Bei einer Schweißerbescheinigung (Schweißerzertifikat) ist immer die Kurzbezeichnung der Prüfstückschweißung angegeben. Um diese lesen zu können, muss man die Abkürzungen kennen. Nachstehend wird anhand von Beispielen die Bedeutung dieser Bezeichnungen erklärt. EN 287-1 135 P FW 1.1 S t10 PB ml Erklärung

Geltungs-/Einsatzbereich für den Schweißer

EN 287-1

Prüfungsnorm

NA

135

Schweißprozess (MAG-Schweißen)

Schweißprozesse 135 und 138

P

Blech als Prüfstück

Schweißen von Blechen und Rohren D ≥ 150 mm

FW

Kehlnaht

Nur für Kehlnähte

1.1

Werkstoffgruppe des Prüfstücks nach CEN ISO/TR 15608 (zur Werkstoffgruppe 1.1 zählt z. B. der Baustahl S235)

Alle Werkstoffe der Werkstoffgruppen 1.1, 1.2 und 1.4

S

Massivdraht als Schweißzusatz (z. B. Böhler EMK6)

Verschweißen von Massivdraht (S) und Metallpulverdraht (M)

t10

Prüfstückdicke von 10 mm

Alle Bauteile mit einer Werkstoffdicke ≥ 3 mm

PB

Schweißposition horizontal-vertikale Position

Schweißpositionen PA und PB

ml

Mehrlagige Schweißnaht

Einlagiges und mehrlagiges Schweißen

◄  BEISPIEL 1 MAG-Schweißen

A53


TEIL A  LEITFADEN

BEISPIEL 2  ►

EN 287-1 141 T BW 8 S t3,6 D60 H-L045 ss nb

WIG-Schweißen

Erklärung

Geltungs-/Einsatzbereich für den Schweißer

EN 287-1

Prüfungsnorm

NA

141

Schweißprozess (WIG-Schweißen)

Schweißprozesse 141, 142, 143 und 145

T

Rohr als Prüfstück

Schweißen von Blechen und Rohren

BW

Stumpfnaht

Nur für Stumpfnähte

8

Werkstoffgruppe des Prüfstücks nach CEN ISO/TR 15608 (zur Werkstoffgruppe 8 zählt z. B. der nichtrostende Stahl 1.4301)

Alle Werkstoffe der Werkstoffgruppen 8, 9.2, 9.3 und 10

S

Massivdraht als Schweißzusatz (z.B. Böhler SAS2-IG)

Wurzel: mit Massivdraht (S) Fülllagen: kein Zusatzwerkstoff oder Metallpulverdraht (M) zusätzlich zu Massivdraht (S) möglich

t3,6

Rohrwanddicke des Prüfstücks von 3,6 mm

Alle Bauteile mit einer Werkstoffdicke von 3–7,2 mm

D60

Rohrdurchmesser des Prüfstücks von 60 mm

Rohrdurchmesser ≥ 30 mm

H-L045

Schweißposition steigend und Prüfstück unter einer Neigung von 45 ° eingespannt

Schweißpositionen PA, PB, PC, PD, PE, PF, PH und H-L045

ss

Einseitiges Schweißen

Einseitiges (ss) oder beidseitiges (bs) Schweißen

nb

Schweißen ohne Schweißbadsicherung

Schweißen mit Schweißbadsicherung (mb) oder ohne Schweißbadsicherung (nb)

2.5 Bezeichnung von Werkstoffen Laut dem offiziellen Register Europäischer Stähle gibt es über 2 400 verschiedene Stahlsorten, die gemäß EN 10020 eingeteilt werden können. Dazu zählen: ◆◆

über 600 unlegierte und legierte Qualitätsstähle,

◆◆

über 500 nichtrostende Stähle, hitzebeständige und hochwarmfeste Werkstoffe,

◆◆

über 200 unlegierte Edelstähle und

◆◆

über 1 100 andere legierte Edelstähle.40

40 Vgl. http://www.stahldaten.de/de/inhalte/stahl-eisen-liste/; 30. 07. 13

A54


2.5 Bezeichnung von Werkstoffen Die Stähle werden nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt  –  einerseits nach der chemischen Zusammensetzung und andererseits nach den Hauptgüteklassen. Daraus ergeben sich dann die verschiedenen Bezeichnungen, wie z. B. unlegierte Stähle, nichtrostende Stähle und Qualitätsstähle.41 Einteilung nach der chemischen Zusammensetzung42

◄ HINWEIS

Bei dieser Einteilung werden die Stähle anhand der chemischen Analyse, die bei der Erzeugung durchgeführt wird, wie folgt unterschieden:

Chemische Abkürzungen

◆◆

Unlegierte Stähle: Unter diese fallen alle Stähle, die einen bestimmten Wert (Grenzwertetabelle ► siehe EN 10020) von festgelegten chemischen Elementen (z. B. Chrom ≤ 0,3 %, Molybdän ≤ 0,08 %) nicht überschreiten.

◆◆

Nichtrostende Stähle: Hierzu zählen alle Stähle mit einem Chrom­ anteil von ≥ 10,5 % und einem Kohlenstoffgehalt ≤ 1,2 %.

◆◆

Legierte Stähle: Alle Stähle, die die Grenzwerte der unlegierten Stähle überschreiten und nicht der Definition der nichtrostenden Stähle entsprechen.

Einteilung nach Hauptgüteklassen43 ◆◆

Unlegierte Qualitätsstähle: Stähle, an die höhere und zusätzliche Anforderungen als an legierte Stähle gestellt werden, wie z. B. an die Zähigkeit, Korngröße und/oder Umformbarkeit. Eingesetzt werden unlegierte Qualitätsstähle vor allem als Konstruktionswerkstoff im Stahlbau (z. B. S235J0) und im Maschinenbau (z. B. C60).

◆◆

Unlegierte Edelstähle: Stähle, mit einem höheren Reinheitsgrad als Qualitätsstähle. Außerdem müssen sie zusätzliche Anforderungen erfüllen.

◆◆

Nichtrostende Stähle: Definition ► siehe »chemische Einteilung«. Des Weiteren werden diese zusätzlich noch nach den Haupteigenschaften in korrosionsbeständige, hitzebeständige und warmfeste Stähle sowie nach dem Nickelgehalt (größer bzw. kleiner 2,5 %) eingeteilt.

◆◆

Legierte Qualitätsstähle: Alle Stähle, die nicht in den Bereich der unlegierten Qualitätsstähle fallen und gewisse Grenzwerte von Legierungsbestandteilen nicht überschreiten (z.B. Chrom ≤ 0,5 % und Molybdän ≤ 0,1 %). Zu den legierten Qualitätsstählen zählen mitunter schweißgeeignete Feinkornbaustähle und Stähle für Druckbehälter und Rohrleitungen.

C Cr Cu H Mn Mo N Nb Ni O P S Si Sn Ti V W

… … … … … … … … … … … … … … … … …

Kohlenstoff Chrom Kupfer Wasserstoff Mangan Molybdän Stickstoff Niob Nickel Sauerstoff Phosphor Schwefel Silicium Zinn Titan Vanadium Wolfram

41 Vgl. EN 10020:2006; S. 4 ff 42 Vgl. EN 10020:2006; S. 4 ff 43 Vgl. EN 10020:2007; S. 6 ff

A55


TEIL A  LEITFADEN

Index

G

A

Gaseinschlüsse A32, A77 Gas, oxidierend A41 Gas, reduzierend A41 Gefahren A42

Abfackeln A38 Abnahmeprüfzeugnis A61 Akkreditierung A15, A51 Ausführungsklassen A16, A20, A29, A61 Austenitisch A57, A65, A74 Austrian Standard Institute A12 AUVA A42

B Bauprodukteverordnung A14, A22 Böhler A31, A34, A36, A41, A53

C CE-Kennzeichnung A4, A14, A15, A22 CE-Zeichen A15 Chemische Abkürzungen A55

D DIN A13 Durchstrahlungsprüfung A26, A62, A70, A74, A76

E Einbrandkerben A19, A32 Eindringmittel A65, A66, A67 Eindringprüfung A26, A62, A65, A67, A68 EN A13 Endkraterlunker A32, A40 Endoskop A64 Eurocode A13 EXC  ► Siehe Ausführungsklassen

F Fachkundeprüfung A51 Farbeindringmittel  ► Siehe Eindringmittel Fertigungsüberwachung A24 Fluoreszierend A65, A66, A68, A70 Formiergas A38 Fronius A31

A82

H Haftung A27 Harmonisierte Norm A12, A13, A15, A22 H-L045 A43

I Inert A38 ISO A13

J Japan A56 J-L060 A43

K Kalibrierkörper A72 Kantenversatz A76 Kapillarwirkung A66 Kilonewton A28 Konformitätsnachweis A15 Koppelmittel A72 Kranführerausweis A28

L Lux A64

M Magnetpulverprüfung A26, A62, A68, A69 MT  ► Siehe Magnetpulverprüfung

N Normen A12


Index

O ÖNORM A13 ÖNORM EN A13 ÖNORM EN ISO A13 ONR A13, A16 ON-Regel  ► Siehe ONR

P Personalqualifikation A63 Persönliche Schutzausrüstung  ►Siehe PSA Porennest A77 Prüfanweisung A63 Prüfbericht A63 Prüfbescheinigung A51 Prüferautorisierung A63 Prüfkopf A71, A72, A73 PSA A31, A42 PT  ► Siehe Eindringprüfung pWPS  ► Siehe Vorläufige Schweißanweisung

Q Qualifizierungsstufen A21 Qualifizierung von Schweißverfahren A18, A46 Qualitätshandbuch A15 Querrisse A77

R Reflektor A72 Register Europäischer Stähle A54 Rohrleitungsbau A74 Röntgenfilm A74, A76 Röntgenprüfung  ► Siehe Durchstrahlungsprüfung Rot-Weiß-Prüfung A65 RT  ► Siehe Durchstrahlungsprüfung Rücktrocknung A33, A34 Rückwandecho A71

S SCC A23, A24, A28 Schlackeneinschlüsse A76 Schutzgas A38 Schwarz-Weiß-Prüfung A68 Schweißanweisung A19, A21, A46, A49, A52, A56 Schweißnahtfehler A31, A35, A39 Schweißsymbole A80 Schweißtechnische Zentralanstalt A25 Schweizer Normenvereinigung A12

SCP A23 SGU A23, A24 SGU-Plan A24 Sicherheitsausrüstung eines Schweißers A42 Sicherheitsfachkraft A28 Sicherheitsvertrauensperson A28 Sichtprüfung A26, A62, A63, A64 SNV  ► Siehe Schweizer Normenvereinigung Stabelektrode, basisch umhüllt A33 Stabelektrode, rutil umhüllt A33 Stabelektrode, zellulose umhüllt A33 SVP  ► Siehe Sicherheitsvertrauensperson

T TIG A30

U Ultraschallprüfung A26, A62, A70, A73, A75 Ungänze A71 USA A56 UT  ► Siehe Ultraschallprüfung

V Vergleichskörper A72 Vorläufige Schweißanweisung A46, A48 VT  ► Siehe Sichtprüfung

W Werksbescheinigung A61 Werkseigene Produktionskontrolle A15 Werkstoffgruppen A56 Werkszeugnis A61 Wolframeinschlüsse A77 Wolframelektrode A37 WPK  ► Siehe Werkseigene Produktionskontrolle WPQR  ► Siehe Qualifizierung von Schweißverfahren WPS  ► Siehe Schweißanweisung Wurzelfehler A32, A76

Z Zeichnungssymbole A81 Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung  ► Siehe ZfP ZfP A16, A19, A26, A48, A63 ZfP-Prüfer A25, A63

A83


TEIL B MUSTERHANDBUCH


Einleitung

Einleitung Das in diesem technischen Fachbuch enthaltene Musterhandbuch kann als Grundlage für eine erfolgreiche Zertifizierung nach EN ISO 3834-3 und der werkseigenen Produktionskontrolle nach EN 1090-1 für die Ausführung von Stahlbaukonstruktionen gemäß EN 1090-2 bis zur Ausführungsklasse 2 (EXC2) verwendet werden. Es richtet sich speziell an kleine und mittelgroße Schlossereien, die Stahlbaukonstruktionen fertigen und montieren. Im Musterhandbuch sind die Abwicklungsvorgaben und die Vorgehensweise zur Erfüllung der Anforderungen aus den Normen EN ISO 3834 Teil 3 und EN 1090 Teil 1 und Teil 2, niedergeschrieben. Ergänzend zum Musterhandbuch finden diverse Formblätter, Arbeitsanweisungen, Stellenbeschreibungen und weitere Dokumente ihre Anwendung, die ebenso Bestandteil diese Buches sind. Dieses Musterhandbuch kann nicht eins zu eins für einen Betrieb übernommen werden, sondern muss zwingend an die betrieblichen Gegebenheiten angepasst und eventuell um einzelne Punkte ergänzt werden. Grundlegend richtet sich das hier enthaltene Musterhandbuch an Betriebe mit nachfolgendem Profil: ◆◆

Schlosserei mit bis zu 20 Mitarbeitern

◆◆

Eigene Konstruktion und Planung ohne statische Berechnung

◆◆

Fertigung von Stahlbaukonstruktionen in der eigenen Werkstatt

◆◆

Baustellenmontage von Stahlbaukonstruktionen

◆◆

Konstruktionsmaterial: Baustahl (z. B. S235 bis S355), nichtrostender Stahl (z. B. 1.4301, 1.4571)

◆◆

Produkte: statisch beanspruchte Stahlkonstruktionen wie z. B. Flugdächer, Lagerhallen, Geländer, Treppen

◆◆

Vergabe von folgenden Arbeiten an externe Zulieferer: >>

Konstruktion und Planung

>>

Bemessung von Stahlkonstruktionen (statische Berechnung)

>>

Korrosionsschutz wie z. B. Verzinken, Pulverbeschichten

>>

Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung

>>

Wärmebehandlung von Bauteilen

>>

Eventuell externe Schweißaufsicht

Natürlich kann das Musterhandbuch auch als Basis für eine Zertifizierung eines höheren Qualitätslevels verwendet werden, da die Ausgangsanforderungen dieselben sind. Es muss dann allerdings um die entsprechenden Punkte erweitert werden. Sollte eine Zertifizierung nach EN ISO 3834-2 für einen Betrieb notwendig sein, müsste das Musterhandbuch um folgende Punkte ergänzt werden: ◆◆

Arbeitsanweisung/Verfahrensanweisung für die Beschaffung neuer Fertigungseinrichtungen (wie z. B. Schweißmaschinen, Autogenschneidanlage)

◆◆

Arbeitsanweisung/Verfahrensanweisung für die Instandhaltung von Fertigungseinrichtungen III


TEIL B  MUSTERHANDBUCH ◆◆

Instandhaltungsplan für qualitätsrelevante Fertigungseinrichtungen

◆◆

Arbeitsanweisung/Verfahrensanweisung für die Erstellung und Kontrolle von qualitätsrelevanten Dokumenten

◆◆

Ergänzung der Arbeitsanweisung »Handhabung und Lagerung von Schweißzusätzen« um den Punkt »Kennzeichnung und Losprüfung von Schweißzusätzen«

◆◆

Ergänzung der Arbeitsanweisung »Handhabung und Lagerung von Konstruktionsmaterial« um den Punkt »Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von Grundwerkstoffen«

Bei einer Zertifizierung der werkseigenen Produktionskontrolle nach EN 1090-2 Ausführungsklasse 3 (EXC3) könnten zusätzlich zu den zuvor genannten Punkten noch folgende Punkte notwendig werden: ◆◆

Arbeitsanweisung/Verfahrensanweisung für die Durchführung von Arbeitsprüfungen

◆◆

Arbeitsanweisung/Verfahrensanweisung für Schraubenverbindung

◆◆

Arbeitsanweisung/Verfahrensanweisung für das Vermessen von geometrischen Lagen

◆◆

Anpassung der Bestellvorlagen um die erhöhten Anforderungen

◆◆

Besondere Anforderungen an das Konstruktionsmaterial bei z. B. Kreuzstößen

◆◆

Arbeitsanweisung/Verfahrensanweisung für das Flammrichten

◆◆

Arbeitsanweisung/Verfahrensanweisung für das Stanzen von Löchern

◆◆

Eingeschränkte Qualifizierungsmöglichkeiten von Schweißverfahren nur mehr nach EN ISO 15613 und EN ISO 15614-1 gestattet

◆◆

Anforderungsprofil der Schweißaufsicht abändern; höherer Qualifizierungsgrad der Schweißaufsicht (nur mehr IWT und IWE zugelassen)

◆◆

Arbeitsanweisung/Verfahrensanweisung für das Schweißen von Stumpfnähten

◆◆

Arbeitsanweisung/Verfahrensanweisung für die Handhabung von Futterblechen

IV


Einleitung Der Aufbau des betriebsinternen Qualitätshandbuchs Für das betriebseigene Qualitätshandbuch eignet sich am besten ein Ringbuchordner mit einer Füllhöhe von mindestens 40 mm. Beschriften Sie den Rücken sinngemäß anhand der von Ihrem Betrieb durchzuführenden Normen, z. B. wie folgt:

QUALITÄTSHANDBUCH gemäß EN ISO 3834-3, EN 1090-1 und EN 1090-2 EXC2 (je nach Anforderungsprofil)

Rev. Nr. XX

LOGO

Register Als Nächstes legen Sie sich ein Register mit ca. 10 Registereinlagen an, die Sie je nach Anforderungsprofil beschriften. Fürs Erste sollten Sie diese Beschriftung mit Bleistift vornehmen und erst nach der Fertigstellung des Handbuchs in eine Reinschrift übertragen. Beispiele für die Beschriftung der Registereinlagen: ◆◆

Qualitätshandbuch

◆◆

Formblätter

◆◆

Stellenbeschreibungen

◆◆

Arbeitsanweisungen

◆◆

Verfahrensprüfungen (WPQR)

◆◆

Schweißanweisungen (WPS)

◆◆

Schweißer

◆◆

Aktive Dokumente

◆◆

Sonstiges

◆◆

etc.

V


TEIL B  MUSTERHANDBUCH Textvorlagen Bevor Sie nun mit der Erstellung Ihres Handbuchs beginnen, müssen Sie zunächst Ihre Textvorlagen erstellen. Qualitätshandbücher und deren Dokumente müssen dabei genaue Vorgaben befolgen, um die Nachvollziehbarkeit der internen Dokumentation gewährleisten zu können. Hauptaugenmerk wird dabei überwiegend auf die Kopf- und Fußzeile gelegt:

VARIANTE 1  ▼

Kopfzeile:

QUALITÄTSHANDBUCH

LOGO

gemäß EN ISO 3834 und EN 1090 Fußzeile:

Seite 1 von 1

VARIANTE 2  ▼

Kopfzeile:

QUALITÄTSHANDBUCH

LOGO

gemäß EN ISO 3834 und EN 1090 Fußzeile: SEITE 1 VON 1

VARIANTE 3  ▼

Kopfzeile:

QUALITÄTSHANDBUCH

LOGO

gemäß EN ISO 3834 und EN 1090

Fußzeile: Seite 1 von 1

VI


Einleitung Für sämtliche Dokumente muss die Kopf- und/bzw. Fußzeile zusätzlich noch die aktuelle Revisionsnummer sowie die Dokumentennummer anführen. Auch hier haben wir wieder drei Beispiele für Sie vorbereitet, anhand derer Sie Ihre Textvorlage zusammenstellen können. Idealerweise stimmen Sie die Vorlagen für das Handbuch und jene der einzelnen Dokumente aufeinander ab, um dem akkreditierten Prüfer zu signalisieren, dass Sie sich auch Gedanken über das Aussehen und die Form gemacht haben:

  ▼  VARIANTE 1

Kopfzeile:

STELLENBESCHREIBUNG Projekttechniker Dok.-Nr.: DO-01

Rev.-Nr.: 0

LOGO

Fußzeile: Seite 1 von 1

  ▼  VARIANTE 2

Kopfzeile:

STELLENBESCHREIBUNG

LOGO

Projekttechniker Fußzeile: DOK.-NR.:  DO-01 REV.-NR.:  0 SEITE 1 VON 1

  ▼  VARIANTE 3

Kopfzeile:

LOGO

STELLENBESCHREIBUNG Projekttechniker Dok.-Nr.:  DO-01      Rev.-Nr.:  0

Fußzeile: Seite 1 von 1

VII


TEIL B  MUSTERHANDBUCH Die Arbeit mit dem nachfolgenden Musterhandbuch Beachten Sie bitte zunächst, dass das auf der nächsten Seite beginnende Musterhandbuch auf einen Musterbetrieb gemäß den Vorgaben, die wir zu Beginn dieser Einleitung angeführt haben, zugeschnitten wurde. Damit Sie sich in diesem Teil B leichter zurechtfinden, beginnt die offizielle Seitennummerierung bewusst erst mit dem nachfolgenden Deckblatt. Denken Sie bitte daran, auch Ihr Qualitätshandbuch zur besseren Übersicht mit einem Inhaltsverzeichnis und einer korrekten Seitennummerierung auszustatten. Zunächst gilt es jedoch, das Handbuch durchzuarbeiten und jene Stellen zu markieren, die für Ihren Betrieb nicht relevant sind. Sie sollten bereits beim Durchlesen ersehen, welche Textstellen Sie komplett, teilweise oder gar nicht korrigieren bzw. umarbeiten müssen. Überall dort, wo Firma MUSTERMANN steht, müssen Sie diese durch Ihr Unternehmen ersetzen. Es versteht sich von selbst, dass sämtliche angeführten Unternehmenskennzahlen sowie Auflistungen über Maschinen- und Fuhrpark ebenfalls auf Ihren Betrieb adaptiert werden müssen. Ab Seite B29 befinden sich sämtliche im Musterhandbuch aufgeführten Formblätter und Dokumente. Auch diese müssen von Ihnen zunächst auf deren Relevanz geprüft und dann an Ihren Betrieb angepasst werden. Legen Sie dabei besonderes Augenmerk auf die korrekte Nummerierung Ihrer Dokumente sowie darauf, dass nur Dokumente mit aktivem Status in Ihrem Betrieb in Kraft sind. Um dieses Dokument für Sie übersichtlicher zu gestalten, haben wir sämtliche mitgeltenden Unterlagen sowie Normverweise in Infokästen jeweils am Rand einer Seite dargestellt. Diese Infokästen sind nicht für das Qualitätshandbuch gedacht, sondern dienen lediglich als Hinweis bzw. Nachschlageoption.

NORMBEZUG

MITGELTENDE UNTERLAGEN

Abschließend möchten wir noch einmal auf die außerordentliche Wichtigkeit verweisen, dass Sie das Handbuch sowie auch die Formblätter und sämtliche andere Dokumente in einer einheitlichen Form aufbereiten. Legen Sie besonderen Wert darauf, dass die von Ihnen angeführten Prozesse und Arbeitsabläufe in Ihrem Betrieb umsetzbar sind und keinen unbewältigbaren Mehraufwand darstellen. Binden Sie Ihre Mitarbeitern in den Zertifizierungsprozess ein und versuchen Sie, gemeinsam einen Weg zu finden, der für Ihren Betrieb die unkomplizierte Durchführung aller relevanten Punkte gewährleistet.

Zu guter Letzt wünschen wir Ihnen nun viel Erfolg bei der Erstellung Ihres Qualitätshandbuchs und der Zertifizierung Ihres Betriebes!

VIII


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Leitfaden zur Erstellung einer werkseigenen Produktionskontrolle (Leseprobe)  

Am 30. Juni 2014 läuft die Übergangsfrist zur Einführung der werkseigenen Produktionskontrolle und der damit zusammenhängenden Zertifizierun...

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