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Number 3 Dezember 2011

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Spicing Up Vocational Training

Spicing Up Vocational

Training

Das Jahr 2011 ist zu Ende und wir freuen uns auf 2012, wo der SUVOT Kochkurs starten wird! Viele spannende Dinge kommen auf uns zu, und auch in diesem Jahr wollen wir Sie daran teilhaben lassen. In diesem Rundbrief wird es um die Ausbildungschancen von Menschen mit Behinderung gehen – wie immer aus spanischer, slowenischer, deutscher und polnischer Perspektive. Schnell wird klar, dass der Kochkurs eine gute und notwendige Möglichkeit ist, daran zu arbeiten. Außerdem finden Sie hier Informationen über das Partnertreffen in Slowenien und eine Zusammenfassung der Arbeit, die wir 2011 geleistet haben. Viel Spaß beim Lesen!

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Ausbildung psychisch kranker oder beeinträchtigter Menschen: Ihre Möglichkeiten in den Partnerländern.

SITUATION IN SPANIEN Wie Sie vielleicht in unserem letzten Rundbrief gelesen haben, ist für Menschen mit Beeinträchtigung Integration ins Arbeitsleben der erste Schritt zur Integration in die Gesellschaft. Das ist leider sehr kompliziert. Um die Beschäftigung unserer Zielgruppe zu erleichtern benötigen wir hochqualifizierte Ausbildung. Leider gibt es in Spanien wenige Dienste und Programme, die speziell auf die entsprechenden Bedürfnisse ausgerichtet sind. Wir verfügen über private Initiativen wie Werkstätten, Trainingskurse, Unterstützungsprogramme, die auf Anstellung abzielen und das PCPI (Initiatives Ausbildungsprogramm), das einzige öffentliche Angebot. Ein Beweis für die geringen Möglichkeiten an spezifische Trainings zu kommen ist der Mangel an Statistiken bezüglich Ausbildung und Anstellung von Menschen mit (psychischer) Beeinträchtigung. Im privaten Sektor gibt es Organisationen wie FEAFES, FSC Inserta oder ONCE Foundatio, die die Ausbildung von Menschen mit Beeinträchtigung vorantreiben. 2010 haben über 500 Menschen an diesen Angeboten teilgenommen und 67 haben eine Stelle gefunden. Im öffentlichen Bereich möchten wir die Wichtigkeit des bereits erwähnten Programms (PCPI) betonen. Es ist der offizielle Weg, wie die Regierung das Erreichen der Hauptschulbildung für sozial gefährdete Jugendliche (zum Beispiel aufgrund einer psychischen Beeinträchtigung) erleichtert. Zur gleichen Zeit erhalten die Betroffenen eine professionelle Qualifikation, die der Zielgruppe den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert. Fundación INTRAS ist eine der Instanzen, die diese Art von Ausbildung in der Region Castilla y León umsetzen. Das PCPI Programm, das durch INTRAS angeboten wird, ist an Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren gerichtet, die eine psychische Beeinträchtigung, Verhaltensstörung oder Lernbehinderung haben und keiner konventionellen Ausbildung folgen können. Das Programm, das in Valladolid von INTRAS durchgeführt wird bereitet Schüler auf die Ausbildung zum Verwaltungsassistenten vor. Es ist in Module gegliedert, die sich beispielsweise mit technischen Grundlagen oder allgemeinen Inhalten – aber auch mit der Stärkung sozialer Fähigkeiten - befassen. Letztere gewährleisten bessere Chancen auf eine Stelle und Integration in die Gesellschaft.

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SITUATION IN SLOWENIEN Es gibt viele Faktoren, die ein Arbeitgeber bei der Einstellung eines Menschen mit psychischer Beeinträchtigung in Erwägung ziehen muss. In der momentanen wirtschaftlichen Situation denken die Unternehmer in erster Linie pragmatisch daran, die größtmögliche Effizienz im Geschäft zu erzielen. Schon die Tatsache, als “psychisch krank” abgestempelt zu sein bedeutet einen Unterschied in jedem Detail des Lebens einer Person. Auch die Position auf dem Arbeitsmarkt verändert sich. Die Wirtschaftskrise wird an uns vorüberziehen, die Etikette aber wird ein Leben lang bleiben. Das ist eine der schlimmsten Seiten dieser Beeinträchtigung; und sie wird immer wieder manifestiert - in erfolglosen Versuchen eine Stelle zu finden. Dieser Fakt mindert das ohnehin geringe Selbstwertgefühl und verleiht Zukunftsplänen einen bitteren Beigeschmack. Die slowenische Gesetzgebung, die diesen Bereich reguliert überschneidet sich an der Stelle mit der Gesundheitspolitik und dementsprechend auch mit der Betreuung dieses Klientels. Die Gesetzgebung befasst sich hauptsächlich mit Folgendem: • Struktur des Gesundheitswesen und der sozialen Betreuung im Bereich mentale Gesundheit. • Festlegung der Akteure im Gesundheits – und Betreuungsbereich und Rechte während eines Krankenhausaufenthalts bei spezieller Beobachtung, • Behandlung in einer geschützten Einheit einer Wohlfahrtsinstitution und in kontrolliertem Maß, • Methoden der Zulassung: • Spezielle Kontrolleinheiten in Psychiatrien, • Geschützte Einheiten in Wohlfahrtseinrichtungen, • Kontrollierte Behandlung, • Öffentliche Betreuung. Im Bereich der sozialen Wohlfahrt gibt es drei wichtige Neuheiten für psychisch beeinträchtigte Menschen: • • •

Koordinatoren in der Gemeinschaft, Rechtliche Vertreter der Menschen mit psychischer Beeinträchtigung und Multidisziplinäre Teams, die dem Einzelfall entsprechend von Zentren der Sozialen Arbeit zusammengestellt werden.

Der Bereich der Beschäftigung von Menschen mit psychischer Beeinträchtigung ist nicht von der Gesetzgebung geregelt und beeinflusst nicht die Aneignung des Status´ einer Person mit Behinderung.

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Die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung ist in der Arbeitsmarktregelung als Gesetz verankert. Das Recht auf berufliche Rehabilitation und Beschäftigung der Menschen mit Behinderung steht als spezifisches Gesetz fest. Diese beiden Gesetze – zusammen mit Programmen zur aktiven Teilhabe an der Beschäftigungspolitik, die von der Republik Slowenien ausgeführt werden - verbinden berufliche Bildung und Beschäftigung miteinander. Zusätzlich zu den erwähnten Gesetzen wird das Feld der Beschäftigung und Ausbildung von Menschen mit Behinderung auch im Renten-, Berufsunfähigkeits- und im Arbeitsgesetz reguliert. Letzteres schreibt vor, unter welchen Bedingungen Menschen mit Behinderung als Gruppe unter besonderem Schutz beschäftigt bzw. ausgebildet werden. Inhalt ist beispielsweise, dass ein Arbeitsverhältnis nur unter ganz bestimmten, gesetzlich vorgeschriebenen Richtlinien, beendet werden kann. Das Parlament der Republik Slowenien hat 2008 ein Gesetz verabschiedet, das die UN Richtlinie zu den Rechten von Menschen mit Behinderung bestätigt. Darauf beruhend wurde 2010 ein weiteres Gesetz verabschiedet, das Chancengleichheit gewährleisten und Diskriminierung von Menschen mit Behinderung ausschließen soll. Zusammen mit einigen anderen spezialisierten Gesetzen repräsentiert es einen ganzheitlichen und systematischen Ansatz, um der Diskriminierung von Menschen mit Behinderung gegen zu wirken und vor zu beugen.

SITUATION IN DEUTSCHLAND Unabhängig davon, ob man eine Behinderung hat oder nicht - das deutsche Gesetz gewährt allen Menschen die gleichen Rechte. Zwei der wichtigsten sind wohl das Recht auf Selbstbestimmung und das Recht auf Teilhabe am öffentlichen Leben. Für Menschen mit Behinderung bedeutet das Unterstützung durch den Staat. Im Sozialgesetzbuch gibt es ein ganzes Buch (SBG IX), das sich ausschließlich auf Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderung bezieht. Hier findet man die verantwortlichen Dienstleister und Stellen, die Menschen mit Behinderung unterstützen. Das könnte beispielsweise ein Jugend – oder Arbeitsamt sein. Um sicher zu stellen, dass Menschen mit Behinderung das Recht auf Teilhabe tatsächlich umsetzen können, gibt es sogenannte Berufsbildungswerke, in denen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen ausgebildet werden. Berufsbildungswerke gehen speziell auf die Bedürfnisse der Auszubildenden ein. Es bestehen mehr Angebote als in allgemeinen Berufsschulen oder Ausbildungsbetrieben.

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Ein Team von Ausbildern, Lehrern, Pädagogen und Psychologen begleitet und unterstützt jeden Auszubildenden individuell im Rehabilitationsprozess. Abhängig von der Art der Beeinträchtigung kann der Auszubildende 24 Stunden am Tag 7 Tage in der Woche betreut werden. Es gibt die Möglichkeit, in einem Internat zu wohnen oder von zuhause aus zur Arbeit zu pendeln. Im CJD in Frechen gibt es 15 Arbeitsfelder, zum Beispiel Garten – und Landschaftsbau, Hauswirtschaft, Hochbauer, Verkäufer, Frisör,…etc. Ca. 300 junge Menschen sind derzeit in Frechen in der Ausbildung. In ganz Deutschland gibt es 52 Berufsbildungswerke, wo Menschen mit Behinderung eine Ausbildung angeboten wird. (Überblick unter http://www. bagbbw.de/) Nach ihrer Zeit im Berufsbildungswerk haben die Auszubildenden eine Prüfung vor der entsprechenden Kammer und eine dementsprechend anerkannte Ausbildung. Die Chancen für junge Menschen mit Behinderung, die hier eine Ausbildung absolviert haben, ins Arbeitsleben einsteigen zu können, stehen recht gut. Meist wird diese durch die Agentur für Arbeit finanziert. SITUATION IN POLEN Einer nationalen Zählung entsprechend gibt es in Polen 5,4 Millionen Menschen mit Behinderung, das sind 16% der Bevölkerung. 2,5 Millionen von Ihnen sind im arbeitsfähigen Alter, aber über 80% davon arbeiten nicht. Das ist die Folge der Barrieren im Bildungssystem. Fast 36% der Menschen mit Behinderung in Polen verfügen nur über Grundschulbildung – die Zahl derer, die einen höheren Abschluss erreicht haben beträgt nur ein paar Prozent. Zu oft wird gesonderter Unterricht angeordnet, was dazu führt, dass Kinder mit Behinderung von ihrem Freundeskreis isoliert werden und Bildungslücken entstehen. Daraus folgen später Schwierigkeiten, den Zugang zu einer Hochschule zu finden oder eine Ausbildungsstelle zu bekommen und diese zu bewältigen. In Polen gibt es kein allgemeines System, das individuelle Wege der Entwicklung in der Ausbildung mit einbezieht, das hält viele Menschen mit Behinderung davon ab, Qualifikationen zu erhalten. Gesamt – und Berufsschulen haben noch keine Bildungsmethoden entwickelt, die auf Menschen mit Behinderung zugeschnitten sind. Dazu kommt, dass viele Schulgebäude nicht den Bedürfnissen vieler Menschen mit Behinderung angepasst sind… Trotzdem sollte an dieser Stelle auch bemerkt sein, dass unter den Menschen mit Behinderung, die einen höheren Bildungsabschluss abgeschlossen haben, eine wesentlich geringere Arbeitslosenquote vorherrscht: nur ca. 5,4%! Daraus schließen wir, dass Unterstützung von Menschen mit

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Behinderung in deren Streben nach Bildung und Qualifikationen sehr vielversprechend für deren Zukunft und beruflichen Erfolg sein kann.

Projekttreffen in Slowenien Vom 18. – 20. Oktober 2011 hat sich das Projektteam in Slowenien getroffen, um das erste Projektjahr zu reflektieren. Wir haben Aufgaben für 2012 festgelegt und uns speziell über den Trainingskurs unterhalten, der im Frühling 2012 für Lehrende des Kochkurses in Deutschland stattfinden soll. Und natürlich freuen wir uns darauf, im Mai das Training in Slowenien, Spanien und Deutschland zu beginnen! Die Lehrmaterialien hierfür haben wir gemeinsam gesichtet und werden sie dann im Pilotkurs testen. Besonders schön war auch die Möglichkeit, einige Lokalitäten der slowenischen Partnerorganisation Ozara in Prekmurje und Maribor zu besuchen. Mit dabei waren eine Tagesgruppe und eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Diese wertvolle Erfahrung nehmen wir als Partner mit und nutzen sie, um Arbeit mit Menschen mit Behinderung in einem anderen Land kennenzulernen und in unsere Länder zu tragen.

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Rückblick: Was haben wir bereits geleistet?

2011 war ein arbeitsreiches Jahr. Das Team hat alle didaktischen Materialien, die wir für einen gut strukturierten Kurs benötigen, erarbeitet. Die praktischen und theoretischen Lehrinhalte des Kochkurses wurden in Einheiten strukturiert und das Teamtraining, das unter Betreuung eines Psychologen stattfinden soll, darauf abgestimmt. Wir haben das Training für die durchführenden Mitarbeiter geplant und auch die logistischen Möglichkeiten, die wir in diesem Jahr benötigen werden abgewogen. Das SUVOT Team hat bei der Veröffentlichung des Projekts auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene große Erfolge verbucht und wird weiterhin daran arbeiten, SUVOT bekannt zu machen. Besuchen Sie unsere Webseite unter http://suvot. intras.es Hier finden Sie Informationen über das Projekt und die aktuellen Themen und internationale Rezepte, die sie leicht nachkochen können, um einen Geschmack von SUVOT zu bekommen. Enes unserer Hauptziele ist es, dem sozialen Stigma, das auf Menschen mit Behinderung lastet, gegen zu wirken und wir sind sicher, dass SUVOT seinen Teil dazu beitragen wird.

Kontakt Informationen finden Sie unter http://suvot.intras.es Und auf unserer Facebookseite unter http://es-es.facebook.com/pages/SuvotProject/166486543372824

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung (Mitteilung) trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

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Suvot Newsletter Nº 3 (german version)