Issuu on Google+

Erfolgsfaktor Energieeffizienz. Vom Mittelstand f端r den Mittelstand.

1 www.bvmw.de


Inhalt Vorwort: Erfolgsfaktor Energieeffizienz. Rezept 1: Energetische Sanierung Gebhardt Stahl GmbH, Werl

Rezept 2: Schulung

Wohn-Center Spilger GmbH & Co. KG, Obernburg ACD Systemtechnik GmbH, Neustadt (Orla)

Rezept 3: Eigenverbrauch

Querbeet GmbH, Reichelsheim CBV Blechbearbeitung GmbH, Laasdorf

Rezept 4: Wärmepumpen & Wärmerückgewinnung Frettlöh GmbH, Hagen Reha-Zentrum Lübben

Rezept 5: Lastgangmessung & Lastmanagement Robert Kunzmann GmbH & Co. KG, Aschaffenburg

Rezept 6: Gebäudeautomation TETRA ® GmbH, Wachtberg

Rezept 7: Beleuchtung

ebm GmbH & Co. KG, Osnabrück

Rezept 8: Contracting

Ardesia Therme Bad Lobenstein

Rezept 9: Umweltmanagementsysteme und Zertifizierung Werner & Mertz GmbH, Mainz

Rezept 10: Synergien nutzen

3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Wertbau GmbH & Co. KG, Langenwetzendorf Viessmann Werke GmbH & Co. KG, Allendorf (Eder) Wetterauer Druckerei und Verlag, Friedberg

16 17 18

Energieeffizienz in Unternehmen – Eine Bilanz

19

Stand: Januar 2013 Disclaimer: Die Inhalte dieser Broschüre beruhen auf Informationen der dargestellten Unternehmen. Der BVMW übernimmt für deren Richtigkeit keine Haftung. Titelfoto: Nicolas Loran/®istock Layout / Satz: Frithjof Siebert


Erfolgsfaktor Energieeffizienz. Im Mittelstand ist das Thema Energieeffizienz längst angekommen. Mehr als 65 Prozent der Klein- und Mittelbetriebe haben laut einer aktuellen BVMW-Unternehmerbefragung bereits Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten ergriffen – Tendenz steigend. Denn vor allem in Zeiten explodierender Energiepreise gilt: Energie, die nicht verbraucht wird, muss nicht bezahlt werden. Ein Blick auf die Zahlen bestätigt diesen Grundsatz: So sind allein innerhalb der letzten zwei Jahre die Stromkosten für mittelständische Unternehmen um über 15 Prozent gestiegen. Hinzu kommen Preissprünge bei Fernwärme, Heizöl, Gas und Benzin. Energieeffizienzmaßnahmen bieten einen Ausweg aus der Kostenspirale und sichern dauerhaft den Erfolg in kleinen und mittleren Unternehmen. Energieeffizienz meint sowohl eine effiziente Energieerzeugung als auch eine effiziente Energieverwendung. Darüber hinaus ist Energieeffizienz ein wichtiger Baustein, um nachhaltiges und CO2-armes Wirtschaften zu ermöglichen. Diese Broschüre zeigt anhand von konkreten Beispielen, wie Mittelständler viele neue oder zusätzliche Einsparpotenziale erschließen können. Die Unternehmerbeispiele machen deutlich, dass immer ein Maßnahmenpaket unterschiedlicher Instrumente gewählt wurde. Auch die eingesetzten Methoden sind vielfältig, von intelligenter Gebäudetechnik und Energiemanagementsystemen über Wärmerückgewinnungsanlagen bis hin zum Energiecontracting – unterschiedliche Techniken, die sich alle im Mittelstand erfolgreich bewährt haben. Mit dieser Broschüre werden neue Wege und Verfahren für Unternehmen aufgezeigt, die das Thema Energieeffizienz noch nicht vollständig für sich entdeckt haben. Der BVMW unterstützt so als wichtigstes Mittelstandsnetzwerk in Deutschland den Erfahrungsaustausch.

Mario Ohoven ist Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW); er steht zugleich an der Spitze des europäischen Mittelstandsdachverbands (CEA-PME) in Brüssel.

Erfolg heißt sich ändern. Ich lade Sie deshalb ein, sich ein Bild von den innovativen Produkten und Dienstleistungen mittelständischer Unternehmen auf dem Gebiet der Energieeffizienz zu machen. Energieeffizienz bedeutet Erfolg und muss Chefsache sein. Ihr Mario Ohoven

3


Rezept 1: Energetische Sanierung Durch die Modernisierung eines Gebäudes kann der Energieverbrauch für Heizung, Warmwasser und Lüftung gesenkt werden.

Gebhardt Stahl GmbH, Werl Das Werler Unternehmen GEBHARDT-STAHL setzt auf die Kostenreduktion durch energetische Maßnahmen. Im Frühjahr hat der Stahlprofilierer seine 4.200 Quadratmeter große Werkshalle mit einer Wärmedämmung des Daches sowie mit der Installation moderner Gas-Brennwerttechnik energetisch saniert. Allein durch diese Maßnahmen konnte das Unternehmen seine Energiekosten zuletzt um 25 Prozent reduzieren.

Dirk Thörner, Prokurist bei GEBHARDT-STAHL: „Wir haben rund 400.000 Euro in diese Maßnahmen investiert. Weil man von weiter steigenden Energiepreisen ausgehen muss, wird sich diese Investition aber schnell rentiert haben.“ So spart allein die moderne Heizanlage in den kommenden zehn Jahren über 175 Tonnen CO2 ein. Die energetischen Maßnahmen in Summe führen zu einer jährlichen Kosteneinsparung von rund 20.000 Euro für den Stahlprofil-Spezialisten aus Werl. Neben der Dachsanierung und der neuen Heizung steuert ein Lux-Messer jetzt auch automatisch die Beleuchtung im Betrieb. „Allein diese Investition amortisiert sich innerhalb eines Jahres“, so Thörner. Auch die Kompressoranlage ist mit einer Wochenendschaltung neu programmiert und damit auf Energieeffizienz getrimmt worden. Dass GEBHARDT-STAHL Energieeffizienz am Herzen liegt, wird beim Blick auf das Produktsortiment des Unternehmens sichtbar. Für die Produktion von Luftkanalprofilen der höchsten Dichtheitsklasse sowie von thermisch getrennten Profilen für Kunststofffenster, die dem Passivhausstandard genügen, ist das Werler Unternehmen bereits vor zwei Jahren mit dem Qualitätssiegel „Energieeffizienz – Made in Germany“ ausgezeichnet worden. Ebenso hat die Stadt Werl GEBHARDT-STAHL für sein thermisch getrenntes Profil im Mai den Innovationspreis verliehen.

4


Rezept 2: Schulung Durch Schulungen kann ein bewussteres Nutzungsverhalten gefördert werden. Mitarbeiter können so helfen, Energie einzusparen.

Mit einem Jahresverbrauch von rund 5,7 GW Strom und Gas sowie 48.500 Litern Heizöl fallen in unserem Unternehmen jährlich Kosten in Höhe von rund 700.000 Euro an. Um die Energiekosten zu reduzieren, verfolgen wir insgesamt drei Ziele.

Wohn-Center Spilger GmbH & Co. KG, Obernburg Die Firmengruppe Wohn-Center Spilger GmbH & Co. KG hat ihre Standorte in Obernburg und Großwallstadt gewählt. In den zwei Möbelhäusern vertreibt sie Einrichtungsgegenstände sowohl im Service- und Lieferbereich als auch im Mitnahmeund Abholbereich.

An erster Stelle steht die Senkung des Verbrauchs. Allein durch die Installation einer „Stromreduktionsanlage“ in Form eines Transformators können wir jährlich rund 41.000 Euro einsparen. Durch den Trafo wird die Stromspannung konstant auf 210 Volt geregelt. Dadurch lassen sich Netzschwankungen ausgleichen und die nachgefragte Leistung reduzieren. Zusätzlich finden in unserem Unternehmen gezielt Schulungen statt, um Mitarbeiter zu sensibilisieren und auf kostenlose Energieeinsparmaßnahmen aufmerksam zu machen. Um einen kostengünstigen Stromeinkauf zu gewährleisten, lassen wir mit Unterstützung eines Energieberaters unsere Versorgungsverträge alle zwei Jahre öffentlich ausschreiben. Ein weiteres Ziel unserer Energiepolitik ist der Eigenverbrauch von selbsterzeugtem Strom. An beiden Standorten haben wir Photovoltaikanlagen installiert, mit einer Leistung von jeweils 475 kW und 790 kW. In der Anschaffung kosteten die 5.400 PV-Module rund 2,3 Millionen Euro. In Obernburg liegt der Anteil des selbst erzeugten und verbrauchten Stroms bei rund 20 Prozent. Unser Standort in Großwallstadt kann sich mit der Anlage theoretisch autark versorgen. Leider ist es uns vom Gesetzgeber bislang nicht gestattet, die Anlagen mit rund 790 kW zur Eigenstromerzeugung zu nutzen. Unser drittes Ziel ist die effiziente Energieverwendung. Mithilfe einer intelligenten Gebäudeleittechnik lässt sich der Betrieb von Lüftung, Heizung, Kühlung und Beleuchtung programmieren und steuern. So konnten wir unseren Energieverbrauch in den letzten Jahren um rund 16 Prozent reduzieren.

5


ACD Systemtechnik GmbH, Neustadt (Orla) Die ACD-Gruppe versteht sich als innovativer Partner von Industrie, Handel und Gewerbe in den Bereichen Automation, Computertechnik und Datentechnik. Durch Investitionen in Millionenhöhe wurde der hochtechnologische Standard an den Standorten in Baden-Württemberg und Thüringen im letzten Jahr weiter ausgebaut. Diesem anspruchsvollen Level folgend, setzt das Unternehmen auch im Energiemanagement auf Innovation und Nachhaltigkeit. So wurde am Standort Achstetten eine Photovoltaikanlage installiert. Über vier Dächer liefert die Anlage eine Leistung von 181 kWp. Eine Investition, die sich dadurch amortisiert, dass der Sonnenstrom zum großen Teil als Eigenverbrauch genutzt und der Rest an Energieversorger weitergeleitet wird. Im thüringischen Neustadt (Orla) sorgt eine High-End-Dampfphasenlötanlage für eine reine Energieersparnis von bis zu 70 Prozent. Diese werden unter anderem durch ein Sonderprogramm erreicht, welches beim Umrüsten der Maschine für ein optimales Temperaturmanagement sorgt. Unterstützt wird dieser energieeffiziente Ansatz durch den Einsatz eines speziellen Mediums, welches zusätzlich für den optimalen Wärmetransport eingesetzt wird. Parallel zu diesen Maßnahmen fand eine Schulung zum EnergieBeauftragten statt, um die effiziente und permanente Suche nach Energiesparmaßnahmen im täglichen Produktionsalltag zu leben.

6


Rezept 3: Eigenverbrauch Querbeet GmbH, Reichelsheim

Die Energiekosten sinken deutlich, wenn Unternehmen den selbsterzeugten Strom und die selbsterzeugte Wärme für ihren Eigenbedarf nutzen.

Querbeet ist der führende BIO Direktvermarkter im Rhein-Main-Gebiet. Unternehmenssitz ist der Pappelhof, auf dem sich neben Querbeet ein landwirtschaftlicher Erzeugerbetrieb mit Gemüsebau, ein Obstbaubetrieb sowie eine Töpferei, der Hofladen und die privaten Haushalte der rund 20 Bewohner des Hofes befinden.

Energieeffizienz und -ersparnis sowie Ressourcenschonung sind grundlegende Werte für das Unternehmen. Entsprechend umfangreich und kontinuierlich realisiert Querbeet zusammen mit dem Pappelhof Maßnahmen zur Energieeinsparung sowie zur Erzeugung und dem Eigenverbrauch nachhaltiger Energie. Im Jahr 2011 lag der Gesamtverbrauch an Strom bei 154.800 kWh, der Anteil von Querbeet daran bei etwa 36 Prozent. Die Stromerzeugung erfolgt über drei Photovoltaikanlagen (130.500 kWh), ein Blockheizkraftwerk (16.000 kWh) und die Beteiligung an drei Windkraftanlagen (zirka 50.000 kWh/a). Besonders vorteilhaft ist die lokale Kombination aus Photovoltaik und Kühlanlagen, da viel Strom erzeugt wird, wenn viel benötigt wird. Zudem entfällt der Transport des Stroms, da er direkt dort entsteht, wo er zum Einsatz kommt. Die jüngste Photovoltaikanlage hat im Jahr 2011 rund 31.000 kWh erzeugt, von denen nur rund 6.000 kWh den Hof verlassen haben. Zur Wärmeerzeugung betreibt der Pappelhof ein mit Heizöl betriebenes Blockheizkraftwerk (32.000 kWh/a), einen Holzscheitkessel mit einem Verbrauch von 60 m3 Holz für 76.000 kWh Wärme sowie eine thermische Solaranlage (etwa 1.500 kWh). Die Wärmeverteilung erfolgt über ein Nahwärmenetz. Querbeet benötigt jährlich rund 22.500 kWh, die restliche Wärme geht in die Wohnhäuser. In Spitzen- und Übergangszeiten unterstützt ein Ölkessel die Wärmeerzeugung. Energieeffizienz und Ressourcenschonung sind wesentliche Aspekte des von Querbeet gelebten Nachhaltigkeitsgedankens. Ein gutes Beispiel dafür ist die jüngste Stromsparinvestition in Höhe von 3.000 Euro: Die Kältemaschinen für zwei große Kühlräume werden mit Steuer- und Regelungstechnik ausgerüstet. Dadurch können die BIO Waren bei der Ernte schnell gekühlt werden. Später laufen die Kältemaschinen dann langsamer, da nur noch weniger Kälte benötigt wird.

7


Die Energiekosten in unserem Unternehmen stellen eine erhebliche betriebswirtschaftliche Belastung dar. Rund 400.000 kWh an Strom benötigen wir jährlich. Dies verursacht monatlich Kosten in Höhe von rund 8.500 Euro. Zur Sicherung unserer Wettbewerbsfähigkeit haben wir daher verschiedene Maßnahmen ergriffen, um unseren Stromverbrauch und die Kosten zu reduzieren: Im November 2011 begannen wir mit dem Austausch aller in unserem Unternehmen verwendeten Leuchtstoffröhren gegen energiesparende LED-Leuchten. Die Anschaffungskosten in Höhe von rund 20.000 Euro amortisierten sich bereits in den ersten zehn Monaten. Allein durch diese Maßnahme konnten unsere Stromspitzen von 164 kW auf 126 kW gesenkt werden. Durch die Investition von rund einer Million Euro in neue Technik, unter anderem eine neue Laserschneidanlage, konnten wir unseren Energieverbrauch weiter reduzieren. Die neue Anlage verbraucht heute nur halb so viel Strom wie die alte Maschine und benötigt für die maßgerechte Fertigung von Blechteilen nur noch ein Drittel der Zeit. Im Rahmen eines Gebäudeumbaus errichteten wir auf dem Dach unserer Werksstätte eine Dünnschicht-Photovoltaik-Anlage. Die Kosten beliefen sich auf rund 285.000 Euro. Der Vorteil der DünnschichtAnlage liegt vor allem darin, dass bereits bei gedämmten Lichtverhältnissen Strom erzeugt wird. Mit einer Gesamtleistung von bis zu 150 kW dient unsere Anlage vor allem dem Eigenverbrauch. Rund 70 Prozent der verbrauchten Energie stammen von der PhotovoltaikAnlage. Infolgedessen sind unsere monatlichen Stromkosten um gut zwei Drittel gesunken. Zurzeit planen wir die Einrichtung einer Wärmerückgewinnungsanlage, um auch im Heizungsbereich Energieeinsparungen zu erzielen. Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass sich unsere Maßnahmen zügig amortisiert haben. Eine Erhöhung unserer Produkt- und Fertigungspreise konnten wir verhindern. Darüber hinaus sparen wir nun im Jahr rund 1.000 Tonnen an CO2-Emmissionen ein und leisten so einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.

8

CBV Blechbearbeitung GmbH, Laasdorf Das Produktionsspektrum der CBV Blechbearbeitung umfasst neben der klassischen Metallverarbeitung hauptsächlich die computergesteuerte Bearbeitung wie Laserschneiden, Stanzen, Nibbeln, Umformen, Kanten und natürlich die Programmierung.


Rezept 4: Wärmepumpen & Wärmerückgewinnung Frettlöh GmbH, Hagen Der erste Green-Building-Supermarkt in NRW von Kaufpark (Konzipiert von REWE Dortmund)

Wärmepumpen nutzen für die Gebäudebeheizung Energie aus dem Erdreich, dem Grundwasser sowie der Außenluft. Durch Wärmerückgewinnungsanlagen wird die Abwärme wieder in Heizungswärme umgewandelt. So entsteht ein energieeffizientes und kostengünstiges Heizungssystem.

Kühlen - Beleuchten - Heizen. Bei den drei größten Positionen der Energiebilanz eines Supermarktes lassen sich mit Hilfe intelligenter Verfahren und Technologien deutliche Einsparungen erzielen. Für die Grundversorgung der Heizung und Kühlung wurden eine Kaltwassersatzund eine Wärmepumpe installiert. Eine Wärmerückgewinnung aus der Kälteerzeugung für die Kühlmöbel sorgt für eine effiziente Warmwasserbereitung und wird zusätzlich zur Unterstützung der Wärmepumpe im Heizbetrieb genutzt. Zusätzlich dient ein Pufferspeicher mit 2.000 Litern Inhalt zur Speicherung überschüssiger Wärme. Die Wärme- und Kälteverteilung erfolgt über hocheffiziente Umwälzpumpen an die Umluft- und Lüftungsgeräte sowie der Heizkörper. Diese sind auf ein minimales Temperaturniveau ausgelegt und sichern mit einer maximalen Vorlauftemperatur von 40 °C die Beheizung im Winter. Alle Antriebe wurden als energiesparende EC-Motoren ausgeführt. Die Steuerung und Regelung erfolgt über eine DDC-Anlage (Direct Digital Control – Gebäudeautomation). Die datengestützte Erfassung der Betriebszustände ermöglicht bei der Feststellung von Fehlfunktionen einen gezielten und effizienten Serviceeinsatz. Eine Datenfernübertragung ist nicht nur für die visuelle Darstellung verschiedener Betriebszustände zuständig. Sie bietet außerdem jederzeit die Möglichkeit der Optimierung von Sollwerten und sorgt zudem für die sofortige Erfassung von Betriebsund Störmeldungen. Für die komplette Beleuchtung wird LED-Technik verwendet. Zusätzlich kann im Markt über Dachhauben und Lichtbänder Tageslicht genutzt werden. Helligkeitssensoren sorgen dafür, dass nur so viel künstliches Licht zugeschaltet wird wie notwendig. Zur Klimatisierung und zur Kühlung der Frischeprodukte und der Tiefkühlsortimente werden nur natürliche Kältemittel genutzt. Verglaste Tiefkühlmöbel reduzieren den Kälteverlust und sparen Energie. Im Vergleich zu einem Standardbau verringerte sich der Energieverbrauch so um fast 50 Prozent.

9


Reha-Zentrum Lübben Das Reha-Zentrum Lübben ist eine junge, hochmoderne Einrichtung im Land Brandenburg. Sie wurde 1996 gegründet und bietet Raum für 220 Patienten.

Der Gedanke der Ganzheitlichkeit hat von Beginn an die Gestaltung des Reha-Zentrums bestimmt und wird im täglichen Betriebsablauf fortgeführt. Aufgrund des hohen Energieverbrauchs (elektrische Energie: 1,5 GWh/a; Wärmeverbrauch 3,5 GWh/a) wurden eine Reihe an Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz durchgeführt. So erfolgte beispielsweise eine hydraulische Anlagenoptimierung, um die Abwärme der Kältemaschinen zur Trinkwassererwärmung zu nutzen. Versorgungspumpen wurden durch Hocheffizienzpumpen ersetzt. Jede ermöglicht eine Verringerung des Strombedarfs um rund zwei Drittel. Des Weiteren erfolgt mit einem entsprechenden Rückkühlsystem die Nutzung der Prozessabwärme zur Badwassererwärmung. Für eine optimale Ausleuchtung des Gebäudes sorgt eine automatische Lichtsteuerung. Sie sorgt für eine nutzungsbedingte und tageslichtabhängige Beleuchtung. Während einer erforderlichen Modernisierung der Aufzugsanlagen wurde die Motorensteuerung von konventioneller SternDreieck-Umschaltung auf Frequenzsteuerung umgerüstet. Diese Maßnahme erbrachte eine Reduzierung der Stromkosten von jährlich rund 2.000 Euro. Da in unserem Haus die Möglichkeiten zur direkten technischen Optimierung weitestgehend ausgeschöpft sind, haben wir uns dazu entschlossen einen Schritt weiterzugehen. Durch den Einbau von zwei Blockheizkraftwerken war es möglich, die gesamte Energiebilanz nochmal deutlich zu verbessern. Den Anschaffungskosten von 120.428 Euro steht eine jährliche Kostenersparnis von rund 23.000 Euro gegenüber. Dies führt zu einer relativ kurzen Amortisationszeit von etwa fünf Jahren. Die Kraft-Wärme-Kopplung ermöglicht es uns, thermische sowie elektrische Energie herzustellen. Der Gasbezug wird durch die Anlage deutlich geglättet. Parallel dazu wird kontinuierlich Strom im Umfang von rund 40 Prozent des Grundlastbedarfs hergestellt und selbst verbraucht.

10


Robert Kunzmann GmbH & Co. KG, Aschaffenburg Das Unternehmen blickt auf eine langjährige Tradition zurück. Bereits seit 1935 verkauft, kauft und repariert das Autohaus Kunzmann Pkw und Nutzfahrzeuge der Marke MercedesBenz. Heute istd as Unternehmen mit rund 600 Mitarbeitern an insgesamt neun Standorten in und um Aschaffenburg sowie dem Rhein-Main-Gebiet präsent. Um die Kosten im Strom- und Wärmebereich zu reduzieren, wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen.

Rezept 5: Lastgangmessung & Lastmanagement Lastgangmessungen analysieren, zu welchen Zeiten im Unternehmen ein hoher Stromverbrauch auftritt. Anschließend dient das Lastmanagement dazu, den Stromverbrauch kostengünstig über den Tag zu verteilen.

Mit der energetischen Sanierung unserer Hauptfiliale in Aschaffenburg konnten wir den Fernwärmebedarf um rund 38 Prozent reduzieren. Hierfür wurde die PfostenRiegel-Fassade vollständig saniert sowie das Flachdach doppelisoliert und begrünt. Dank der Zweifachdämmung unseres Gebäudes sowie der Dreifachverglasung konnte die Wärmeleitfähigkeit deutlich verbessert werden. Zusätzlich haben wir in insgesamt drei Filialen unser Lichtkonzept geändert. Im Schauraum unserer Hauptfiliale sind wir vollständig auf LED-Beleuchtung umgestiegen. Der Vorteil der LED-Leuchten liegt im geringeren Stromverbrauch sowie der längeren Laufzeit. Mithilfe eines eingebauten Lux-Messgeräts wird die Beleuchtung in unserem Autohaus reguliert. Im Ergebnis führten diese Maßnahmen in unserer Hauptfiliale zu einer Stromersparnis von rund 60 Prozent. Darüber hinaus wurde mithilfe einer Lastgangmessung an allen Standorten der Stromverbrauch überprüft, um einen Überblick über die Höhe und den Verlauf des Verbrauchs zu erhalten. Anschließend konzentrierten wir uns darauf, die Stromspitzen zu reduzieren. Denn auch wenn diese nur einmalig und kurzzeitig auftreten, können sie unter Umständen die Höhe des Leistungspreises für das gesamte Jahr bestimmen und so die Stromkosten deutlich erhöhen. Um unsere Stromspitzen zu entzerren, lassen wir beispielsweise unsere Lackierkammern eine halbe Stunde vor dem Schichtbeginn aufheizen.

11


Rezept 6: Gebäudeautomation Die Versorgung mit Wärme, Frischluft, Kälte, Wasser und Strom kann mithilfe einer Gebäudeautomation gesteuert werden. Alle Anlagen im Unternehmen werden dadurch effizient betrieben.

TETRA ® GmbH, Wachtberg Arbeiten in einem Plusenergie-Gebäude mit Gebäude­ automation - eine Bilanz nach drei Jahren

Die TETRA GmbH aus Wachtberg bei Bonn entwickelt ERP-Software für Unternehmen. Schon seit der Gründung der GmbH 1989 sind Effizienz und Nachhaltigkeit, neben ganzheitlichem Denken und Mut zu Innovationen, Bestandteil der Firmenphilosophie. Diese Grundsätze sollten sich auch im neuen Bürogebäude widerspiegeln. Der Geschäftsführer, Claus Baumeister, war daher Hauptverantwortlicher für die Gebäudeplanung und die technische Ausstattung. Im Jahr 2009 bezogen wir unser neues und im Passivhaus-Standard gebautes Bürogebäude. Mit Hilfe einer integrierten Gebäudeautomation kann die gesamte Haustechnik bedarfsgerecht gesteuert und so der Arbeitsalltag vereinfacht werden. Der Energieverbrauch konnte bei gleichbleibender Mitarbeiterzahl und Bürofläche durch eine Vielzahl an Maßnahmen gesenkt werden, obwohl das neue Bürogebäude völlig frei steht und nicht wie das alte Büro durch die Beheizung der benachbarten Gebäude profitiert. Neben der Gebäudesteuerung protokolliert die eingesetzte Gebäudeautomation „TESS“ den gesamten Energieverbrauch sowie die Energieerzeugung durch die unternehmenseigene Photovoltaikanlage. Das Ergebnis der letzten drei Jahre ist eindeutig – das Gebäude erzeugt über 10 Prozent mehr Strom als es verbraucht. Bereich

Ergriffene Maßnahmen

Einsparung

Beheizung

beispielsweise: - extrem wärmegedämmte und dichte Gebäudehülle - kontrollierte Gebäudelüftung mit minimierten Lüftungsverlusten

75 %

Beleuchtung

- ausschließlich LED-Beleuchtung

70 %

Ausstattung

- energieoptimierte IT-Ausstattung

80 %

Verbrauch

- intelligente Steuerung durch Gebäudeautomation

30 %

Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass die erzielten Einspareffekte deutlich die Kapitalisierungskosten für die neue Gebäudehülle und den Mehraufwand für die technische Ausstattung übertreffen. Der neue Komfortzuwachs kommt ebenfalls hinzu.

12


ebm GmbH & Co. KG, Osnabrück Die ebm GmbH & Co. KG ist ein mittelständisches Unternehmen des Elektrohandwerks. Im Jahr 1975 mit Stammsitz in Osnabrück gegründet, ist die ebm heute zu einem Unternehmen mit mehr als 180 Mitarbeitern an drei Standorten und einem zusätzlichen Tochterunternehmen in Frankreich gewachsen. In Zeiten steigender Energiekosten und zunehmend knapper werdender Ressourcen wird das Thema Energieersparnis immer wichtiger. Natürlich geht man als verantwortungsbewusstes Elektrounternehmen das Thema Energieverbrauch und Umweltmanagement erst einmal im eigenen Haus an.

Rezept 7: Beleuchtung Energieeffiziente Beleuchtung spart Kosten, schützt die Umwelt und kann dazu beitragen, die Arbeitsqualität der Mitarbeiter zu verbessern. Eine automatische Lichtsteuerung über Lichtsensoren ist energiesparend und ermöglicht zu jeder Zeit die optimale Ausleuchtung der Räume.

Nach einem Erfassen der Ist-Situation wurden durch einen freiwilligen Arbeitskreis mittels Pflichtenheft klare Sparziele zum Thema Verminderung der Abfälle sowie des Papier-, Wasser- und elektrischen Energieverbrauchs gemacht. Das ausgemachte Sparziel für den Strombereich betrug 35 Prozent. Die Umsetzung bestand aus einer kompletten Neugestaltung der internen Beleuchtung. Jeder Mitarbeiter konnte sein Büro individuell gestalten. Betriebskostenintensive Beleuchtungsanlagen mussten moderner, spar­samer LED-Beleuchtung mit tageslicht- und bewegungsabhängiger Steuerung weichen. Automatisch ändernde Lichtfarben über den Tagesverlauf erhöhen nicht nur die Konzentration, sondern auch das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Die Beleuchtung der Lagerräume wird mit innovativen Beleuchtungsreglern betrieben, wobei die intelligente Steuerung bis zu 35 Prozent Ersparnis bietet. Klimageräte werden im Hause der ebm ausschließlich mit Fensterkontakten betrieben; die Geräte schalten sich beim Öffnen der Fenster automatisch ab. Durch die beschriebenen Maßnahmen und die von den Mitarbeitern „gelebte“ Zertifizierung zum Gütesiegel Ökoprofit 2010/2011 ist unserer Energiesparziel ein voller Erfolg geworden. Um den stetig steigenden Benzinkosten entgegen­ zuwirken, wurde das hausinterne Fahrsicherheitstraining um Schulungen zu dem Thema „Energiesparendes Fahren“ ergänzt. Neben der Fahrsicherheit sollten unsere Mitarbeiter auch ein Gefühl für ökonomisches Fahren bekommen. Wir versprechen uns eine Reduzierung von 15 Prozent der Energie­kosten und der Umweltbelastung bei nahezu gleicher Fahrzeit.

13


Rezept 8: Contracting Contracting gilt als eine bewährte Finanzierungsmöglichkeit für Maßnahmen im Energiebereich. Unternehmen profitieren durch die Einbindung von externem Know-how und müssen keine eigenen Investitionen tätigen.

Ardesia Therme Bad Lobenstein Bei ihrer Einweihung im November 2002 entsprach die Ardesia-Therme, das Kurmittelhaus des Moorbades Bad Lobenstein, dem damaligen Stand der Technik. Doch durch die Entwicklung der letzten Jahre wurde es erforderlich, ein neues, innovatives und nachhaltiges Energiekonzept für die Therme aufzustellen.

Ziele waren die Senkung des CO2-Ausstoßes, eine bessere Nutzung vorhandener Ressourcen sowie eine Senkung der Kosten für Strom und Gas. Allerdings sollten die Kosten für die erforderlichen Investitionen weder den Betreiber noch den Gesellschafter belasten. In unserem regionalen Energieversorger fanden wir den Partner, der das notwendige Know-how hatte und mittels eines Contractingvertrags auch den Kostenfaktor günstig gestalten konnte.

Im ersten Schritt setzen wir auf umweltschonende Wärmerückgewinnung. Ziel war es, vorhandene Ressourcen zu nutzen und damit den CO2-Ausstoß entscheidend zu verringern. Dazu wurde die Wärmerückgewinnung aus dem Rückspülwasser des Badebeckens und der Fortluft der Belüftungsanlage verwirklicht. Ca. 30-60m³ Rückspülwasser am Tag geben ihre Wärme an die Wärmetauscher ab, bevor sie abfließen. Die zweite Wärmequelle stellt die Fortluft dar, die trotz eines vorhandenen Wärmetauschers noch nutzbare Energie enthält. Zwei Wärmepumpen entziehen den Wärmequellen die Energie und geben die entstandene Wärme an die Thermalbecken ab. Als dritte Wärmequelle wird die Abgaskühlung eines Erdgaskessels von 75° auf 30° genutzt. Im Ergebnis konnte der Erdgasverbrauch um etwa 40 Prozent verringert werden. Es ergab sich eine Kostensenkung, trotz Ablösung der Investition durch Zahlung einer Wärmepauschale, in Höhe von 20.000 Euro. Zusätzlich konnten wir unseren CO2Ausstoß um 150 t reduzieren. Der nächste Schritt wird der Einbau eines Blockheizkraftwerks sein, welcher ebenfalls über ein Contractingmodell finanziert wird. Insgesamt wird die Ardesia-Therme nach Abschluss der Maßnahme ihren Gasbezug auf Null gesenkt haben. Sie wird vom Vertragspartner Strom und Wärme zu günstigen Preisen beziehen und eine jährliche Einsparung von ca. 50.000 Euro verzeichnen können. Mit diesem Modell ist es uns gelungen, eine notwendige Investition über eine Finanzierungslösung abzubilden und dabei noch Kosten zu senken und ein umweltschonendes Modell zu stricken.

14


Rezept 9: Umweltmanagementsysteme und Zertifizierung Umweltmanagementsysteme (UMS) helfen, den betrieblichen Umweltschutz zu verbessern und zu dokumentieren. Umweltrelevante Schwachstellen (wie Abfälle, Emissionsausstoß oder Ressourceneinsatz) können gezielt aufgedeckt und beseitigt werden.

Werner & Mertz GmbH, Mainz Die Pflege aller guten Dinge ist das Credo von Werner & Mertz – und das seit über 140 Jahren! Das Unternehmen verknüpft handwerkliche Tradition und Erfahrung mit kreativen Innovationen. Werner & Mertz verfügt über ein umfangreiches Produktportfolio für die Reinigung und Pflege im Haushalt und bietet auch professionellen Großverbrauchern Produkte und Dienstleistungen. Starke Marken, hoch qualifizierte und motivierte Mitarbeiter und die äußerst konsequent vorangetriebene Umweltausrichtung des gesamten Unternehmens sichern die Zukunft von Werner & Mertz.

Seit Jahren berichten wir in unseren Umwelterklärungen über den Vorsprung unseres Unternehmens – ökologisch verträglich – rohstoff- und energiesparend zu produzieren. Mit EMAS, der umfassendsten und anspruchsvollsten Umweltzertifizierung können wir belegen, wie konsequent unsere Nachhaltigkeitsphilosophie auch tatsächlich in unserem Unternehmen gelebt wird. Wir sehen als mittelständisches Unternehmen in EMAS die einzigartige Chance, unser echtes und dauerhaftes Umweltengagement sichtbar zu dokumentieren. An unserem Stammsitz in Mainz entstand von Mai 2009 bis zum Herbst 2010 eine neue Hauptverwaltung und wir haben in Bezug auf die Umweltorientierung mit diesem Neubau neue Maßstäbe in der Energieeffizienz gesetzt. Das Gebäude besticht durch ein einmaliges Energiekonzept: Mittels Windkraft, Photovoltaik und geothermischer Grundwassernutzung erzeugt der Neubau 20 Prozent mehr Energie, als er für den laufenden Betrieb benötigt. Dieses ökologisch vorbildliche Ergebnis schaffen wir durch ein ähnliches Vorgehen wie bei unserer Marke Frosch. Indem wir darauf achten, möglichst viele Bestandteile der Umweltorientierung voranzutreiben. Damit entsteht in der Summe ein herausragendes Gesamtresultat. Schon vor der offiziellen Einweihung wurde der Neubau mit dem renommierten rheinland-pfälzischen Umweltpreis im Juni 2010 ausgezeichnet. Im September 2012 erhielt Werner & Mertz mit LEED Platinum die anspruchsvollste Nachhaltigkeits-Zertifizierung für Gebäude und ist damit Deutschlands einzige Industrieverwaltung dieser Auszeichnungsklasse. An diesen Beispielen ist erkennbar, dass Maßnahmen zur Energieeffizienz bei uns eine Philosophie erlebbar machen! Sei ein Frosch, mach mit!

15


Rezept 10: Synergien nutzen Ein energetisches Gesamtkonzept zeichnet sich dadurch aus, dass alle betriebsspezifischen Abläufe miteinbezogen werden. Insbesondere die Kombination und das Zusammenwirken verschiedener Maßnahmen ermöglichen zusätzliche Einspareffekte gegenüber vielen unkoordinierten Einzelmaßnahmen.

Wertbau GmbH & Co. KG, Langenwetzendorf WERTBAU wurde im Jahr 1990 gegründet und hat sich kontinuierlich zu einem der führenden Fensterbauer in Deutschland entwickelt. Das Familienunternehmen fertigt mit rund 250 Mitarbeitern auf modernen ¬Maschinen und 32.000 m2 Produktionsfläche ausschließlich in Langenwetzendorf in Thüringen. Als Hersteller von Fenstern und Außentüren fertigt und liefert WERTBAU Produkte mit besten Wärmedämmwerten.

Energieeffizienz ist für WERTBAU sehr wichtig. Unser wesentliches Ziel ist es, Natur und Umwelt für die nachfolgenden Generationen zu erhalten; aber auch eine auf Dauerhaftigkeit angelegte Handlungsweise sowie die Vermeidung der Ausbeutung von Ressourcen muss darunter verstanden werden. Gemäß dem ökonomischen Prinzip sind nur die Vorgänge auf Dauer nachhaltig erfolgreich, bei denen jeder unnütze Verbrauch vermieden wird. Das gilt im Besonderen auch für die Energie. Im eigenen Unternehmen werden die anfallenden Holzabfälle und Holzspäne gesammelt, und in Heizenergie umgewandelt. Die Heizleistung für unsere Hallen konnte bislang komplett aus dieser Quelle versorgt werden. Eine Photovoltaikanlage sichert mit 454 Kilowatt Peak Leistung einen Teil der eigenen Stromversorgung ab. Dazu wurde das Dach der neuen Halle komplett mit Solarzellen bestückt. Die Dachkonstruktion der Haupthalle mit großzügigen Lichtbändern reduziert die benötigte künstliche Beleuchtung auch bei bedecktem Himmel auf ein Minimum. Wo es noch notwendig war, sind Energiesparlampen installiert worden. Bei WERTBAU geht das Energiesparen in den „Kleinigkeiten“ bei der Stromversorgung des IT-Systems weiter. Ein sogenannter Bladeserver wird mit deutlich weniger Netzteilen betrieben als mehrere Einzelgeräte und geht effizienter mit der benötigten Energie um. Noch viel mehr Details könnten angeführt werden, denn wie heißt es so schön: „Viele Einzelmaßnahmen geben irgendwann ein großes Ganzes.“ Die Kosten für all die vielfältigen Maßnahmen im Einzelnen aufzuzählen, ist schwierig. Nicht immer lassen sich Aufwand und Ertrag kurzfristig gegenüberstellen. Mehrere Millionen Euro sind inzwischen für energieeffiziente Maßnahmen investiert worden, welche zur Kostenreduzierung beitragen. Bei allem Rechnen sollte aber vor allem nicht vergessen werden, wirklich nachhaltige Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

16


Viessmann Werke GmbH & Co. KG, Allendorf (Eder) Als international führender Heiztechnikhersteller und Familienunternehmen in dritter Generation bekennt sich Viessmann seit jeher zum Prinzip der Nachhaltigkeit und zur Verantwortung für die Zukunftssicherheit kommender Generationen. Im Mittelpunkt seines Engagements steht ein strategisches Nachhaltigkeitsprojekt, das mit einem ganzheitlichen Konzept der Ressourceneffizienz, dem Klimaschutz und der Standortsicherung dient.

Strategisches Nachhaltigkeitsprojekt „Effizienz Plus“

Das Energiekonzept für den Standort Allendorf (Eder) folgt der energiepolitischen Doppelstrate­ gie aus Effizienzsteigerung und Substitution fossiler durch erneuerbare Energien. Neben dem Neubau einer Energiezentrale umfasst es Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs in der Produktion. Der Einsatz hocheffizienter Maschinen und Anlagen, die Rückgewinnung der bei den industriellen Prozessen entstehenden Abwärme, bedarfsangepasste Regelungen, eine verbesserte Anlagenhydraulik und die Dämmung der Gebäudehülle haben den Energieverbrauch um 9,6 GWh und die CO2-Emission um jährlich rund 3.000 Tonnen gemindert.

In der neu errichteten Energiezentrale werden sowohl fossile als auch erneuerbare Energieträger eingesetzt – Öl und Gas genauso wie Biomasse, Sonnenenergie sowie Wärme aus der Luft und dem Erdreich. Für ihre hocheffiziente Nutzung sorgen innovative Technologien wie Brennwerttechnik und Kraft-Wärme-Kopplung. Bei den erneuerbaren Energien setzt Viessmann insbesondere auf Biomasse. Auf einer Fläche von 180 Hektar wurden dazu Pappeln und Weiden angepflanzt, die alle drei Jahre geerntet und in Form von Hackschnitzeln energetisch verwertet werden. Zusätzlich liefert eine Biogasanlage jährlich rund 2,7 MWh Strom und Wärme. Schon heute deckt Bioenergie aus eigener Erzeugung 80 Prozent des Wärmebedarfs am Standort Allendorf. Langfristiges Ziel ist die vollständige und nachhaltige Versorgung mit diesem klimaschonenden Energieträger. Im Ergebnis wurde der Verbrauch fossiler Energie am Unternehmensstammsitz Allendorf um zwei Drittel und der CO2-Ausstoß um mehr als 80 Prozent gesenkt. Damit zeigt Viessmann am eigenen Beispiel, dass die energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung für 2050 schon heute mit marktverfügbarer Technik erreicht werden können.

17


Wetterauer Druckerei und Verlag, Friedberg Die Wetterauer Druckerei und Verlag ist eine moderne Bogenoffsetdruckerei im Rhein-Main-Gebiet. Gegründet wurde sie im Jahr 1934, und das Unternehmen wird heute in der dritten Familiengeneration geführt. Das Umweltbewusstsein der Wetterauer Druckerei und Verlag ist in ihrer Firmenphilosophie verankert.

Klimaschutz ist eine unternehmerische Aufgabe und kein Modewort. Seit 2009 wird die komplette Jahresproduktion unserer Druckerzeugnisse klimaneutral gestellt, bzw. durch den Kauf von hochwertigen Gold-Standard Zertifikaten der CO2-Ausstoß kompensiert. Chemie- und wasserlose Druckplattenbelichtung, Wärmerückgewinnung, aufwändige Gebäudewärmeisolierung, das kostet erst einmal Geld, aber dadurch konnte der Verbrauch von fossilen Brennstoffen um 60 Prozent und der Wasserverbrauch um 90 Prozent reduziert werden. Der Stromverbrauch wird konstant überwacht. Die erste klimaneutral produzierte Heidelberger Druckmaschine in Deutschland steht in der Wetterauer Druckerei. Wir reduzieren, vermeiden und kompensieren jedes Jahr über 400 t CO2 . So übernehmen wir globale Verantwortung, damit künftige Generationen ebenfalls, wie wir heute, ihre Bedürfnisse befriedigen können. Rendite ist nicht alles!

18


Energieeffizienz in Unternehmen – Eine Bilanz Die in dieser Broschüre vorgestellten Beispiele veranschaulichen den Erfolg kleiner und mittlerer Unternehmen auf dem Gebiet der Energieeffizienz. Es zeigt sich: Intelligentes Energiemanagement bedeutet nicht nur niedrigere Beschaffungskosten, sondern es zeichnet sich durch Reduktion des Verbrauchs und Vermeidung von Lastspitzen aus. Die Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion sind vielfältig: Sie umfassen sowohl moderne Technik als auch das Wissen der Mitarbeiter. Durch Einsparung des Verbrauchs sind die Amortisationszeiten der Investitionen relativ kurz, wie einige unserer Beispiele anschaulich zeigen. Zusätzlich gibt es häufig die Möglichkeit, den selbsterzeugten Strom im eigenen Unternehmen zu verbrauchen. Die Abhängigkeit vom Energie­oligopol wird mittels Eigenverbrauch gemindert. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer kombinieren Maßnahmen, um ihre Einsparpotenziale bestmöglich auszuschöpfen. Einige Lösungen sind branchenindividuell, ein Großteil der Maßnahmen lässt sich branchenübergreifend realisieren. Unsere Best-Practice-Unternehmen besitzen Vorbildcharakter, von dem der gesamte Mittelstand profitieren kann. Doch nicht nur die langfristige Kostenersparnis ist ausschlaggebend für Investitionen in Energieeffizienz. Die mittelständischen Unternehmer betonen die Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen. Damit treibt ihr Engagement nicht nur innovative Technik voran, sondern legt auch den Grundstein für eine erfolgreiche Energiewende. Energieberatung spielt eine Schlüsselrolle und bietet Unternehmern die Möglichkeit, vom Wissen der Experten zu profitieren. So fördert die Kreditanstalt für Wiederaufbau mit ihrem Programm „Energieberatung Mittelstand“ eine Initialberatung mit einem Zuschuss von 80 Prozent der Beratungskosten, maximal mit 1.280 Euro. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert Beratungsgespräche von Energieeffizienz-Experten des RKW. Die regionalen Repräsentanten des BVMW vermitteln Ihnen gerne den Kontakt zu lokalen Energiespezialisten und Beratern. Nutzen Sie die Chance zur Senkung Ihrer Energiekosten und zum Schutz unserer Umwelt. Weitere Informationen unter: www.bvmw.de/energie oder per E-Mail an energie@bvmw.de.

19


Kontakt: BVMW – Bundesverband mittelständische Wirtschaft , Unternehmerverband Deutschlands e. V. Leipziger Platz 15 10117 Berlin Tel.: 030-533206-0 Fax: 030-533206-50 E-Mail: energie@bvmw.de

www.bvmw.de


Erfolgsfaktor Energieeffizienz. Vom Mittelstand für den Mittelstand.