__MAIN_TEXT__

Page 1

Nr. 33 / Juni 2019

www.pozuzo.at

POZUZOMAGAZIN Mitteilungsblatt des „FREUNDESKREISES FÜR POZUZO“

Auf dem Auswandererpfad Foto: Richard Bachnetzer

Das neue Touristenabenteuer

Pozuzo

Tirol

V

E

or 160 Jahren, am 28. Februar 1859. Das Leid schien endlos, fast am Ziel mussten die Auswanderer noch die Katastrophe von Santa Cruz erleben. Sechs Silzer fanden in der großen Mure ihren Tod und wieder standen sie alle vor dem Nichts.

ine Überraschung bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung des „Freundeskreises für Pozuzo“: Der große Einsatz für das Deutschprojekt von Waltraud Feichtinger wurde mit der Ehrenmitgliedschaft gewürdigt.

Aktuell

A

uf nach Pozuzo, zum 160. Gründungsjubiläum im Juli 2019! 29 TeilnehmerInnen nehmen an der heurigen Jubiläumsreise teil. Diesmal liegt der Fokus auf dem Kennenlernen von weiter entlegenen Weilern und Höfen der Sprachinsel Pozuzo.


Vorwort Liebe Vereinsmitglieder, Freunde und Förderer Pozuzos! Jubiläum 2019 – Gründung von Pozuzo vor 160 Jahren In Pozuzo wird heuer mit großer Begeisterung das 160-Jahr-Jubiläum gefeiert. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Mein Obmann-Stellvertreter Emanuel Bachnetzer hat bereits letztes Jahr begonnen, eine Reisegruppe aus Tirol zu organisieren, um dieses Jubiläum zu besuchen. Eine 30-köpfige Reisegruppe wird vom 18. Juli bis 7. August die Heimat der Auswanderer besuchen. Eine Bereicherung in dieser Reisegruppe ist die Teilnahme von 10 jungen Musikanten aus Rietz. Der Plan, zum Jubiläum eine Reisegruppe des Oberinntaler Schützenregimentes zu organisieren, musste leider wegen geringem Interesse abgesagt werden. Musik, Kultur und Tradition haben in Pozuzo einen hohen Stellenwert. Kulturvereine im Centro von Pozuzo, in Prusia und Santa Rosa pflegen den Volkstanz, bewahren alte Traditionen und kümmern sich ums Museumswesen. Ein großartiges Museum steht im Centro, gepflegt und betreut mit Herzblut von Eva Solleder. Eine Musikkapelle in Pozuzo wäre ein sehnlicher Wunsch. Unsere neue Projektleiterin des Deutschprojektes, Vanessa Kuen, hat sich bereits stark in das Deutschprojekt eingebracht. Eine Lehrerin und ein Lehrer aus Pozuzo absolvierten einen 2-monatigen Aufenthalt in Tirol in Rietz und belegten 2 Deutschlehrgänge am BFI in Innsbruck. Sie sind bereits wieder in Pozuzo und im Deutschunterricht tätig. Ich danke allen Mitgliedern, Freunden, Förderern und Gönnern Pozuzos für die großzügige Unterstützung und Mitarbeit. Ich wünsche Euch allen im Namen unseres Vereines geruhsame Urlaubstage. En nombre de la provincia de Tirol, los municipios asociados de Silz, Haiming, el municipio de Zams y nuestra asociación, felicitamos al pueblo de Pozuzo por la fundación de su hermoso pueblo hace 160 años. Has creado una perla en el Perú con grandes privaciones, trabajo duro y gran diligencia. Les deseamos mucha felicidad, gozo y la bendición de Dios para el futuro. Rudi Heinz, Obmann

Seite 2


Tirol

Viele Bausteine der Freundschaft Ein Bericht von Eva Lunger.

J

edes Jahr treffen sich am 16. März, dem Jahrestag der Auswanderung nach Pozuzo von 1857, die Mitglieder des Vereins „Freundeskreis für Pozuzo“ zur Jahreshauptversammlung in Silz. Der Obmann Rudi Heinz bedankt sich für das zahlreiche Kommen vieler Mitglieder des Vereins und vieler Ehrengäste zur 36. Vollversammlung. Nach dem Gedenken an verstorbene Mitglieder im Jahr 2018 erinnert der Obmann an die Katastrophe am Berg Santa Cruz, die in der kollektiven Erinnerung der Pozuciner bis heute lebendig geblieben ist.

Ehrenmitglied „Geschätzte Waltraud Feichtinger! Ich möchte mich bei dir im Namen des Freundeskreises für Pozuzo herzlichst für deine Arbeit, die Projektleitung zum Deutschunterricht für Pozuzo, mit diesem Kunstwerk von Karg Patricia bedanken. Der Titel des Bildwerkes ist „Erntedank“. Es zeigt ein Einwirken von Energie auf eine horizontale Linie. Wie Licht und Regen auf die Erde fällt, so werden die Felder durch unser Einwirken bestellt. Im unteren Bereich des Bildes verwandeln sich diese Felder dadurch zu Edlem und Wertvollem, eine goldene Ernte bietet sich dar. Ähnlich unserer Arbeit wirkt jeder und bestellt sein Lebensfeld. Ich danke dir sehr, denn auch du hast unseren Gedanken zum Miteinander in wertvoller Weise gestärkt.“ Herzlich – Rudi Heinz

Im GH Löwen. Foto: Agnes Dorn.

Bericht des Obmanns Der Verein „Freundeskreis für Pozuzo“ hat derzeit 408 Mitglieder im Inland und 26 im Ausland. Im vergangenen Jahr fanden 4 Vorstands- und Beiratssitzungen statt sowie viele Einzelbesprechungen im kleinen Vorstand. Obmann Rudi Heinz berichtet über weitere Aktivitäten und Vorhaben für das Jahr 2019 und bedankt sich bei allen Personen, die dazu beitragen, dass der Freundeskreis für Pozuzo sehr aktiv und engagiert in vielen Bereichen tätig sein kann. Der Dank geht auch an Konrad Heinz, der sehr genau und gewissenhaft die Buchhaltung durchführt, an alle Unterstützer, Gönner, Sponsoren und Partner, an alle Mitglieder und an die Partnergemeinden Silz und Haiming und die Gemeinde Zams.

Deutschunterricht in Pozuzo Eine große Aufgabe und Herausforderung stellt das Projekt Deutschunterricht in Pozuzo dar. Wie im letzten Pozuzo-Magazin ausführlich besprochen, hat sich die Projektleiterin Traudi Feichtinger in den „Pozuzo-Ruhestand“ begeben und so hat der Vorstand beschlossen, ihr die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Leider ist Traudi überraschend erkrankt, sodass sie an der Ehrung nicht teilnehmen konnte und ihr Mann Eugen Feichtinger hat die Ehrung entgegengenommen. Mit einem Blumenstrauß, einer Urkunde und einem schönen Bild der Künstlerin Patricia Karg hat sich der Obmann Rudi Heinz bei Frau Waltraud Feichtinger mit sehr berührenden Worten bedankt:

Bildmitte: Ehrenmitglied Traudi Feichtinger.

Vanessa Kuen berichtet Die Nachfolgerin von Waltraud Feichtinger, Vanessa Kuen, war in den ersten Monaten ihrer Tätigkeit schon sehr aktiv: Um den Lehrermangel in Pozuzo zu beheben, wurde ein Pilotprojekt ins Leben gerufen. Zwei Pozuciner kamen nach Tirol, wo sie für 2 Monate in Innsbruck beim BFI selber die Schulbank drückten und eine kurze Ausbildung absolvieren konnten. Ein Erlebnis für sie war nicht nur der Unterricht, sondern auch die gastfreundliche Aufnahme in Tirol.

Hugo Tinzl berichtet Bekanntlich wurde im Jahre 2009 der Unterstützungsfonds mit dem Ziel eingerichtet, die schulische Ausbildung bedürftiger Jugendlicher in Pozuzo zu fördern und ihnen einen schulischen Abschluss der Secundaria als Basis für eine berufliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. Unser Projekt läuft nun bereits das 10. Jahr erfolgreich. Jeder ausgewählte Schüler wird mit rund 380,00 € pro Jahr unterstützt. Im abgelaufenen Schuljahr 2018 konnten wieder 17 Schüler (7 aus der Túpac Amaru Schule, 6 aus der Alexander von Humboldt Schule und 4 aus Santa Rosa) gefördert werden. Eine im Jahr 2015/16 vom Institut für Geographie der Universität Innsbruck durchgeführte „Evaluierung

der „Entwicklungshilfe“ für die Sprachinsel Pozuzo in Peru“ bestätigt unsere Unterstützungsarbeit und eine widmungsgemäße Verwendung der finanziellen Mittel. Es ermutigt uns auch, das Projekt in dem bisher abgewickelten Umfang weiterzuführen.

Emanuel Bachnetzer berichtet Das Programm der Jubiläumsreise 2019 wird gemeinsam mit dem Freundeskreis für Tirol in Pozuzo organisiert und wir freuen uns über 29 TeilnehmerInnen. Unter den Mitreisenden befinden sich auch junge MusikantInnen aus Rietz, die die Gelegenheit beim Schopf packen und für die Pozuciner ihre Musikkünste zum Besten geben werden. Für 2020 planen wir bereits eine Reise der Musikkapelle Silz, die am überregional bekannten Oktoberfest von Pozuzo teilnehmen könnte. Im Juli 2019 werden erstmals in der Vereinsgeschichte unsere weiblichen Reiseteilnehmer bei der Wahl zur Miss Pozuzo Tyrol teilnehmen. Im letzten Jahr durften wir wieder viele junge Pozuciner bei uns in Tirol Willkommen heißen. Ob Tomas Polinar, Rita Heidinger, Vixzhala Köhel, Sheyla Schuler, Elvis Giraldo oder Mariana Schmidt. Im Zeitalter des Internets reißt die Verbundhenheit mit Tirol nicht ab und wir erfreuen uns stets wachsender Freundschaften!

Eva Lunger berichtet Eva Lunger bedankt sich beim Redaktionsteam des Pozuzo Magazins für die gute Zusammenarbeit und bei allen AutorInnen für ihre Artikel und Beiträge für die Dezember-Ausgabe 2018. Großes Lob und Dank gebühren auch Emanuel Bachnetzer für die Gestaltung, die wieder sehr gelungen war. Im Archiv wurden die Unterlagen nach Themen geordnet. Artikel und Berichte über die Ereignisse und Aktivitäten des Freundeskreises für Pozuzo in den verschiedensten Zeitschriften wurden bereits in einer Datenbank archiviert. Heuer werden die in unserem Archiv befindlichen Bücher und Diplomarbeiten erfasst. So können wir jederzeit über frühere und aktuelle Veröffentlichungen über Pozuuzo Auskunft geben. Unter dem Motto von Ernst Hemingway „Das Merkwürdige an der Zukunft ist wohl die Vorstellung, dass man unsere Zeit einmal die gute, alte Zeit nennen wird.“ haben Schülerinnen und Schüler des Franziskanergymnasiums in Hall i.T. unter der Leitung und Betreuung von Frau Prof. Mag. Andrea Kronberger, Mag. Eva Widmann und Mag. David Hasenauer sich mit dem „Projekt Pozuzo“ und „Migration heute“ auseinandergesetzt. Seite 3


Tirol

Die Katastrophe von Santa Cruz Einleitung von Eva Lunger, Bericht von Wilfried Schabus.

D

ieses Ereignis vor nunmehr 160 Jahren ist in der kollektiven Erinnerung der Pozuciner bis heute lebendig geblieben. Am 28. Februar 1859 ereignete sich bei den Auswanderern ein Unglück, das in ganz Peru Aufsehen erregt hatte: Infolge der in jenem Jahr ganz besonders schweren Regenzeit sind vom Berg Santa Cruz große Geröllmassen abgegangen und haben den Fluss blockiert, worauf sich das schmale Tal rasend schnell mit Wassermassen füllte, die binnen weniger Minuten die Hütten der Auswanderer überschwemmten und fast alle Vorräte vernichteten. Sechs Personen wurden mitgerissen, vier von ihnen hat man nie gefunden. Alle Opfer, vier Kinder und zwei Erwachsene, stammten aus Silz im oberen Inntal. Aber lesen Sie mehr dazu im Buch von Wilfried Schabus „POZUZO – Auswanderer aus Tirol und Deutschland am Rande Amazoniens in Peru“, Universitätsverlag Wagner, 6020 Innsbruck, S.116 ff. Der Autor machte sich mit einem peruanischen Begleiter 1996 auf den Weg über die Anden und folgte den Spuren der Auswanderer, er wollte den Weg von Acobamba nach Pozuzo erkunden, und so kamen sie auch auf die Pampa Hermosa, wo sich das folgenschwere Unglück ereignet hatte. Lassen wir den Autor nun zu Wort kommen:

schaft steil hinunter. Nach etwa einer Stunde erreichten wir eine ebene Lichtung, auf der wir im Nebel schemenhaft die Reste von verfallenen Gebäuden erkannten. Sollte dies vielleicht das Acobamba unserer Auswanderer gewesen sein?

Gedenkmesse am Friedhof nahe Santa Cruz Für uns ging es dann wieder sehr steil hinunter bis auf etwa 2.330 m Seehöhe, wo ein Steg den Rio Huarichaca überquerte. Dieser Bach mit dem Quechua-Namen ist einer der Quellflüsse des Pozuzo. Weiter draußen trägt derselbe Bach heute den spanischen Namen Rio Santa Cruz (früher: Marcán). Pozuzo heißt der Wasserlauf heute erst in den tieferen Lagen ab dem Zusammenlauf mit dem Rio Huancabamba.

Pferd aber immer langsamer wurde. Unweit der Brücke über den Rio Huayros fanden wir nach Einbruch der Dunkelheit Unterschlupf im Schuppen eines kleinen Bauernhofs, der von einem jungen indianischen Geschwisterpaar bewirtschaftet wurde. Am nächsten Morgen, es war inzwischen Donnerstag geworden, wollten wir entlang des Rio Huayros und durch das Tal des Rio Santa Cruz hinaus bis nach Buena Vista gelangen. Der Streckenabschnitt bis zu dem auf etwa 1.460 m gelegenen Dörfchen Cañachacra war landschaftlich sehr schön, der Saumpfad war jedoch stellenweise ausgesetzt und erforderte auch bei trockener Witterung ein Mindestmaß an Schwindelfreiheit und Trittsicherheit. Unweit von Cañachacra trafen wir auf einen nicht ganz nüchternen Indianer, der mich, den Fremden, listig fragte: Pago o Religión? Das sollte so viel heißen wie: „Bist du ein Heide oder ein Christ?“ Sicherheitshalber antwortete ich mit „Religión!“, und er ließ zufrieden wieder von mir ab.

Blick auf den Rio Santa Cruz.

Pampa Hermosa – Schönfeld

Der Autor auf dem Weg zum Rio Huayros.

Endloses Auf und Ab

A

m Tage nach der Pachamanca traten wir mit einem jungen Burschen, der den Weg nach Pozuzo kannte, und mit einem neuen Tragtier unseren Weiterweg an. Nach einem kurzen Aufstieg führte uns ein schmaler und tief eingeschnittener Pfad durch eine nebelverhangene, kärglich bewaldete BerglandSeite 4

Bei der Brücke folgten wir nicht dem Lauf des Huarichaca, sondern dem heutigen Saumpfad, der uns bei großer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit in steilen Windungen wieder auf fast 3.000 Meter Höhe hinaufführte, von wo wir dann sanft bergabsteigend zu der weiten Streusiedlung Carampayo gelangten. Ein Mann, dem wir hier begegneten, erklärt uns, dass die Einwanderer damals wohl eher dem Lauf des Huarichaca gefolgt sein werden. Dort gab es aber keinen Weg (mehr), weshalb wir unsere Tour in endlosem Auf und Ab auf etwa 2.800 Metern Höhe fortsetzten. Schließlich sahen wir tief unter uns die Täler der Flüsse Huarichaca und Carampayo, die sich zum Tal des Rio Santa Cruz vereinen. Für uns ging es bald wieder 1.000 Höhenmeter steil hinunter, wobei unser

Von der kleinen Hangterrasse Lucmapata ging es steil hinunter zu einem Bach mit dem Namen Vaca Yacu, das bedeutet „Viehtränke“. Da unser Pferd immer stärker lahmte, sollten wir an diesem Tage nicht mehr viel weiterkommen. Auf einer von einer einzigen Hütte bestandenen kleinen Verebnung auf der anderen Seite des Grabens war für uns vorläufig Endstation, wir waren auf der Pampa Hermosa angekommen, dem „Schönfeld“. Victor Espirit, der uns auf seinem Grundstück campieren ließ, gab jedem von uns eine Stange Zuckerrohr, die wir nach und nach, jeder seinen eigenen Gedanken nachhängend, auskauten.

Die Katastrophe Mein Nachsinnen galt dabei einmal mehr unseren Tiroler Auswanderern, die genau hier ihre wohl schwerste Prüfung zu bestehen hatten. Und dies ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als das Departement Junin einen neuen Präfekten bekommen hatte, der jetzt endlich den Bau des Weges energisch unter-


Tirol

Pampa Hermosa. stützte und dabei „die Indianer mit aller Strenge zwang, Wegarbeit und Transportdienst zu leisten.“(1) Denn hier befanden wir uns direkt gegenüber der von Muren zerfressenen Flanke des Berges Santa Cruz. Genau dort unten am Fluss, von dem wir unser Trinkwasser heraufholen mussten, war es, wo sich während der Regenzeit am 28. Februar 1859 die Katastrophe ereignete, die in ganz Peru viel Aufsehen erregt hat. Am 10. März berichtete Bernardo Bermudes, der neue Präfekt von Junin, an den damaligen Innenminister über dieses Ereignis. Demnach sind infolge von schweren Regenfällen vom Berg Santa Cruz große Geröllmassen abgegangen und haben den Fluss blockiert. Es war Nacht, und der Fluss führte in jener ganz besonders starken Regenzeit viel mehr Wasser als gewöhnlich. Nach diesem Bericht muss sich das schmale Tal rasend schnell mit Wasser gefüllt haben, das binnen weniger Minuten die Hütten der Auswanderer überschwemmte. Dabei sind sieben Menschen ertrunken, berichtet der Präfekt, und alle Lebensmittelvorräte verloren gegangen. Deshalb habe er den Subpräfekten von Huánuco angewiesen, den Kolonisten in der Pampa Hermosa zu helfen und sie mit allem Notwendigen zu versorgen. Nach den Vorstellungen des Präfekten sollten die Einwanderer am Ende der Regenzeit in der Lage sein, von der Pampa Hermosa wegzuziehen. Entweder zum Pozuzo, oder zu einem ganz anderen Ort, falls die Regierung das für notwendig erachten sollte. In diesem Zusammenhang weist der Präfekt auf die zum wiederholten Mal zerstörten Brücken und Wege hin und auf die Schwierigkeiten der Regierung, die

Gedenktafel im „Deutschen Friedhof“ Kommunikation mit der entlegenen Kolonie aufrecht zu erhalten. Offenbar ging der Präfekt davon aus, dass die flächenmäßig viel zu kleine Pampa Hermosa für die Einwanderer schon das Ziel darstellte und nicht nur eine Zwischenstation. Dies war vorübergehend ja auch die Ansicht von Damian von Schütz gewesen, (2) der mit der Ankunft der Kolonisten in der Pampa Hermosa seine Aufgabe als erfüllt ansah und deshalb, wie wir aus einem Brief erfahren, von der Regierung rehabilitiert werden wollte: „Baron v. Schütz schrieb seinen hiesigen Verwandten, er verlange von der peruanischen Regierung von Peru eine offizielle, ihn rechtfertigende Erklärung; die Kolonie sei jetzt fest gegründet“, heißt es in diesem Brief, wobei das „fest“ durch Unterstreichung nachdrücklich hervorgehoben wird. (3) Dass die Kolonie zu jenem Zeitpunkt alles andere als „fest gegründet“ war, wissen wir zur Genüge. Angesichts der äußerst prekären Lage, in der sich die Kolonisten in der Pampa Hermosa befanden, leistete Schütz sich hier eine Dreistigkeit der Extraklasse.

Fotos: Dr. Wilfried Schabus, Tomas Polinar Nach dem auf Spanisch verfassten Bericht der verstorbenen Lehrerin Carolina Egg Johann aus Pozuzo hat sich das Unglück von Santa Cruz schon ein Jahr früher zugetragen, was aber sicherlich nicht den historischen Tatsachen entspricht. Mit diesen deckt sich ihr Bericht aber, was die Anzahl der Opfer betrifft, denn es waren sechs und nicht sieben, wie der Präfekt berichtet hat. Auch zeigt ihre Schilderung eindrucksvoll, wie sehr jenes Ereignis im überlieferten Geschichtsbewusstsein der Kolonisten bis heute lebendig geblieben ist.

Cementerio alemán Von der Tragödie unserer Auswanderer zeugt heute noch der kleine einsame Friedhof unten am Fluss. Man nennt ihn den Cementerio alemán, also den deutschen Friedhof. Er wird wohl anlässlich der Katastrophe damals von den Tirolern und Rheinländern angelegt worden sein. Heute begraben die wenigen Bewohner dieser einsamen Gegend hier ihre Toten. Die schiefen, verwitterten Holzkreuze und die verfallende Einfriedung aus lose übereinandergeschichteten Steinen verleihen dem stillen Ort die melancholische Würde einer längst verwaisten Gedenkstätte. (1) Vgl. Tiroler Schützenzeitung vom 25.2.1859 / 4.11.1859. (2) S. die Kapitel „Die Hundeesser von Acobamba“ und „Generaldirektor Schütz wird abgesetzt“. (3) Brief von Dr. Moritz Lieber an Pater August Scherer vom 17.1.1858 (Stiftsarchiv Fiecht). Seite 5


Tirol

Bericht Deutschprojekt Ein Bericht von Vanessa Kuen. Seit November bin ich nun die die Betreuerin des Deutschprojektes in Pozuzo und es ist dank der guten Zusammenarbeit innerhalb des Vereins bereits Einiges passiert.

LehrerInnenausbildung NEU Sofort nach der Übernahme wurde der Punkt „LehrerInnenausbildung NEU“ in Angriff genommen. Dazu wurde auf der Homepage von Emanuel Bachnetzer eine Online Bewerbungsmöglichkeit eingerichtet und es dauerte nicht lange bis wir die ersten Bewerbungen auf dem Tisch liegen hatten. Nach Rücksprache mit allen Beteiligten wurden Franchesco Villar König und Mily Witting Gstir ausgewählt. Mariana Schmidt, die zu diesem Zeitpunkt bereits in Tirol war, war uns dabei eine große Hilfe, da sie alle BewerberInnen gute kannte. Franchesco und Mily reisten am 14. Jänner an und wurden bei der Fam. Egger in Rietz untergebracht. Der zweimonatige Deutschkurs startete am 16. Jänner am BFI Innsbruck und fand täglich von Montag bis Donnerstag statt. An drei Freitagen besuchten sie zwei Volksschulen und eine Neue Mittelschule und hospitierten dabei mehrere Stunden. Die restliche Aufenthaltszeit war geprägt von Unternehmungen, Ausflügen u.a.

auch nach Wien und Einladungen z.B. bei der Fam. Feichtinger. Die Rückmeldung der beiden war sehr positiv. Sie gaben an, in der kurzen Zeit hier mehr gelernt zu haben als in einem Jahr Deutschkurs in Lima. In ihrer Unterkunft fühlten sie sich von Anfang an wohl. Die Tatsache, dass in dem Haus auch Studenten aus Deutschland wohnten, war für sie sehr hilfreich, um noch mehr mit der deutschen Sprache in Kontakt zu kommen. Für beide war der Aufenthalt der erste längere außerhalb von Peru und es gefiel ihnen besonders, das Leben in Tirol näher kennenzulernen. Am letzten Tag teilten sie mir mit, dass sie, wenn die Möglichkeit besteht, sofort wieder am Projekt teilnehmen würden, um ihre Deutschkenntnisse weiterhin zu verbessern und noch mehr von Tirol bzw. Österreich kennenzulernen. Mein Eindruck der neuen LehrerInnenausbildung ist ebenfalls sehr positiv und ich bin guter Dinge, dass wir das Projekt auch nächstes Jahr fortführen können. Die Organisation rund um den Aufenthalt gestaltete sich sehr unkompliziert. Die Zusammenarbeit mit Rudi und Emanuel funktionierte reibungslos und Rudi ist immer ein verlässlicher Ansprechpartner. Ein großes Danke an dieser Stelle für die großzügige Unterstützung.

Schuljahr 2019/20 Nach anfänglichen Schwierigkeiten seitens der Schulleitung der Schule Tupac Amaru im Zentrum konnte der Deutschunterricht dank des Einsatzes des neuen Bürgermeisters sowie Carlos Gstir und Yeraldine Martinez Kroll, wie gehabt im März fortgeführt werden. Auf mein

Bitten hin wurden die Lehrpersonen von Yeri den Schulen zugeteilt und auch unsere beiden neuen Lehrpersonen Franchesco und Mily durften nach ihrer Rückkehr nach Pozuzo sofort mit ihrer neuen Aufgabe starten. Somit unterrichten in diesem Jahr folgende Personen: Yeraldine Martinez Kroll, Alejandrina Martinez Kroll, Rosa Müller, Maribel Gstir Cruz, Melina Villar Schmidt, Mily Witting Gstir und Franchesco Villar König. Der diesjährige Ausfall von Cecilia Schmidt konnte dank des Einsatzes der restlichen Lehrpersonen ausgeglichen werden.

Und wie geht’s weiter? Ein weiteres großes Ziel ist es, jedes Jahr mindestens eine freiwillige Person nach Pozuzo zu senden, um die Lehrpersonen dort zu unterstützen. Dazu wird das Projekt nun bei Freiwilligenorganisationen sowie Universitäten und Pädagogischen Hochschulen vorgestellt. Auch eine Zusammenarbeit mit der Organisation Ecoselva ist nicht ausgeschlossen. In weiterer Folge wird das Gespräch mit dem neuen Bürgermeister gesucht, um mehr (finanzielle) Unterstützung von Seiten der Gemeinde Pozuzo für das Projekt zu erreichen. Dies ist schon lange ein großes Anliegen des Vereins und wir sind zuversichtlich mit Nilton Ballesteros den richtigen Ansprechpartner für eine künftige Zusammenarbeit gefunden zu haben. Ein letzter großer Wunsch meinerseits ist eine großzügige Überarbeitung der Unterrichtsorganisation für die künftigen Schuljahre. Dazu wird allerdings die eben genannte finanzielle Unterstützung der Gemeinde Pozuzo vorausgesetzt.

Neue Zusammenarbeit mit Ecoselva Ein Bericht von Emanuel Bachnetzer. er deutsche Verein Ecoselva schickt bereits seit einigen Jahren Freiwillige nach Pozuzo und 2019 werden die ersten Freiwilligen aus Pozuzo für ein Jahr in Deutschland empfangen.

In Zukunft wollen wir verstärkt mit Ecoselva zusammenarbeiten, vor allem im Bereich Deutschunterricht, Praktikaorganisation, Umweltprojekten und Tourismusentwicklung. Gemeinsam mit Ecoselva Obmann Heiner Stienhans tauschten wir uns über zukünftige Projekte in Pozuzo aus.

Die aktuellen Aufgaben der deutschen Freiwilligen in Pozuzo (derzeit 2 Personen) sind die Unterstützung im Schulbetrieb, im Tourismusverband sowie bei landwirtschaftlichen Betrieben. Im Herbst wird Patrick Ballesteros als erster Freiwillige aus Pozuzo für ein Jahr nach Deutschland eingeladen, um dort in den verschiedensten Betrieben Einblicke in nachhaltigen Tourismus und Umweltkunde zu erhalten.

Foto: Richard Bachnetzer

D

Neu-Lehrer Franchesco Villar König. Seite 6


Tirol

Die Hutterer - Vortrag in Stams Wiedertäufer tirolischen Ursprungs in Nordamerika. Referent: Dr. Wilfried Schabus, Wien geladen vom Freundeskreis für Pozuzo am Freitag, dem 17. Mai 2019, im Bernardisaal von Stift Stams.

D

ie Hutterer sind eine große deutschsprachige Täufer-Gemeinde in Nordamerika. Ihr Gründer und Namenspatron war der um 1500 bei Bruneck im Pustertal geborene Hutmacher Jakob Hutter. Als Anhänger einer radikalen reformatorischen Richtung war Jakob Hutter von der Sinnhaftigkeit der Erwachsenentaufe überzeugt und gewann mit dieser Glaubenslehre viele Gefolgs-

Bildmitte: Dr. Wilfried Schabus

leute. Als sogenannter „Wiedertäufer“ wurde er um 1536 in Innsbruck vor dem Goldenen Dachl lebendig verbrannt. Dementsprechend intensiv sind die Tiroler Wurzeln im historischen Bewusstsein der Hutterer bis heute verankert: Sie sprechen „Tirolisch“, und von der verlorenen Tiroler Heimat handelt auch das einzige weltliche Lied in ihrem ansonsten geistlichen Gesangs-Repertoire.

Reges Interesse im Bernardisaal Stams. später dann weiter über die rumänische Walachei in die Ukraine fast bis ans Schwarze Meer. 1874 erfolgte von dort der Exodus in die Neue Welt. Bericht: Dr. Wilfried Schabus

B Die Hutterer leben in Gütergemeinschaft auf Bruderhöfen ohne Privateigentum. Ihre Geschichte ist eine Geschichte von religionspolitischer Verfolgung und Märtyrertum. Ihre Route führte ab 1528 vom Pustertal nach Mähren. 1621 mussten sie nach Siebenbürgen fliehen,

ei dem sehr gut besuchten Vortrag im Bernardisaal im Stift Stams verstand es der Referent, die sehr interessierten Besucher mit seinen Informationen und Fotos und Musikbeispielen zu begeistern. Es gelang ihm, das historische und sprachwissenschaftlich aufbereitete Thema der Hutterer und ihren Tirolbezug in einem lebendigen und kurzweiligen Vortrag zu erzählen. Bericht: Eva Lunger Fotos: R. Bachnetzer / W. Schabus

Grußworte des Botschafters Briefauszug des öster. Botschafters Mag. Dr. Gerhard Zettl, Lima.

erfüllt. Mit großer Freude habe ich im Jänner 2019 meinen neuen Posten als österreichischer Botschafter für Peru und Bolivien in Lima angetreten. Aus Pozuzo stammende oder Pozuzo besonders verbundene Menschen zählten zu den ersten, die mich nach meiner Ankunft in Lima aufsuchten und mir ihre Unterstützung, Zusammenarbeit und Freundschaft anboten.

Thema „Migration“

L

ateinamerika erweckte schon in meiner Zeit als Student der Geschichte und Völkerkunde mein besonderes Interesse. Eine meiner ersten größeren Reisen führte mich damals nach Peru und Bolivien. Auch wenn ich mich später im Laufe meiner Karriere im diplomatischen Dienst vorwiegend zu einem Spezialisten für EU-Angelegenheiten entwickelte und an europäischen Destinationen in Luxemburg, Spanien, den Niederlanden und Griechenland tätig war, blieb doch der Wunsch stets wach, einmal als Vertreter der Republik Österreich in einem lateinamerikanischen Land fungieren zu können. Dieser Wunsch hat sich nun

Peru besticht vor allem durch seine geographische und kulturelle Vielfalt. Pozuzo verkörpert Österreichs Beitrag dazu. Der Ort erinnert uns daran, dass Migration kein neues Phänomen ist und dass einst auch Österreicher den europäischen Kontinent auf der Suche nach einem besseren Leben verließen und in der Folge viele schwierige Herausforderungen bewältigen mussten, um sich ein neues Leben aufbauen zu können. Pozuzo führt uns vor Augen, welche Bereicherungen MigrantInnen zur Entwicklung ihrer Aufnahmegesellschaften vollbringen können und dass Integration in die Aufnahmegesellschaft und bleibende Verbundenheit mit der alten Heimat einander nicht ausschließen müssen. Rückhalt aus der alten Heimat muss die Integration in die neue Heimat nicht gefährden, sondern kann den Beitrag, den die Ein-

wanderer zur Entwicklung ihrer neuen Heimat leisten, noch vermehren.

Freundeskreis für Pozuzo Die heutigen Nachkommen der Tiroler Einwanderer in Pozuzo sind überzeugte Peruaner, die stolz auf ihre Herkunft aus Österreich sind und die Bewahrung ihrer Traditionen für die Entwicklung ihrer Gemeinde und ihres Landes zu nutzen trachten. Der Beitrag Pozuzos zur Erschließung des Landes und zur Verdeutlichung von dessen kultureller Vielfalt wird heute in Peru hoch geschätzt. Insbesondere dem treuen und engagierten Tiroler Freundeskreis ist es zu verdanken, dass Pozuzo auch in Österreich nicht in Vergessenheit geraten ist.

160 Jahre - Gründungsfeier 160 Jahre nach seiner Gründung kann Pozuzo von Österreich und Peru gemeinsam als eine Erfolgsgeschichte für Migration, Integration, kulturelle Pluralität und nachhaltige Entwicklung gewürdigt werden. Ich freue ich mich daher schon sehr darauf, im Juli dieses Jahres eine Delegation des Tiroler Freundeskreises in Peru willkommen heißen zu dürfen, mit der ich gemeinsam an den Gründungsfeierlichkeiten in Pozuzo teilnehmen darf. Seite 7


Tirol

1976 - Meine erste Reise nach Peru Ein Bericht von Traude Feichtinger.

E

ines Tages klingelte bei mir zu Hause das Telefon und mein Vater fragte mich in seiner – ach so unnachahmlichen Art: „Willst du mit mir nach Peru fahren?“ Ich war damals 30 Jahre alt, hatte 2 kleine Kinder zu versorgen, arbeitete an der Schule in St. Anton und hatte nicht viel Geld um mir so eine Reise leisten zu können.

„Ich zahle dir die Reise“ Ich hatte gerade Sommerferien, es war August, und ich teilte meinem Vater auch mit, dass ich so eine Reise finanziell nicht machen könne. Er antwortete sehr direkt: „Ich zahle dir die Reise“ und die Mutti versorgt die Kinder während wir weg sind!“ Natürlich freute ich mich einerseits und andrerseits hatte ich so meine Bedenken und Ängste. Ich war noch nie so weit geflogen und was würden meine Kinder dazu sagen? Doch das war einfacher als ich gedacht hatte. Sie fanden die Idee bei meiner Mutter zu bleiben sehr gut. Meine Mutter war ja auch eine Seele von Mensch, äußerst gutmütig und friedfertig, bei jedermann beliebt. Wir sollten mit „SATA“, einer Schweizer Chartergesellschaft fliegen, doch ein paar Tage später nach dem Anruf stellte sich heraus, dass wir keine Tickets mehr bekommen können. So flogen wir erst Weihnachten 1976. Ich kann mich noch gut erinnern, es war eiskalt bei uns, aber als wir in Lima aus dem Flieger stiegen, brach eine enorme Hitze über uns herein. Ich muss zugeben, ich hatte schon ein wenig Angst beim Fliegen, ganz schlimm wurde es aber, als wir über dem Amazonas Tiefland durch ein heftiges Gewitter flogen. Ich krallte mich am Arm meines Vaters fest, worauf dieser lakonisch meinte: „Wenn wir jetzt herunterkrachen – um dich wär`s ja schade – aber ich bin schon alt.“ Er war damals 71 Jahre alt und ich bewunderte seinen Mut und die Kraft so eine beschwerliche Reise auf sich zu nehmen.

Traudi beim Fahne hissen, Pozuzo 2014. Seite 8

In Lima angekommen In Lima angekommen (Callao) machten wir uns auf die Suche nach einem Taxi. Auf der Fahrt ins Zentrum von Lima versuchte mein Vater so was Ähnliches wie eine Konversation mit dem „Taxler“ zu führen, zumal er ja nur ein paar wenige Ausdrücke im Spanischen kannte: „Mucho trafico, señor“! „Si….“, und der Taxifahrer redete drauflos. Ich konnte damals kein Spanisch, doch das sollte sich viele Jahre später ändern und zwar wurde der Entschluss gefasst und zwar in Caracas, dieser Horrorstadt, wo ich wieder einmal auf dem Weg nach Peru hängen geblieben war. Wir erreichten das Hotel „Ucayali“ im Zentrum, eine fürchterlich alte „Burg“. Die Einrichtung stammte sicherlich aus der Jahrhundertwende. Die Zimmer waren okay, jedoch der Blick auf den Monte San Cristobal war erschütternd. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde ich konfrontiert mit der „3. Welt“, einem der vielen Slums von Lima. Die Elendshütten ohne Strom und Wasser zogen sich diesen Wüstenhügel hinauf und wie zum Hohn prangte oben auf der Kuppel dieses Hügels ein riesiges elektrisch erleuchtetes Kreuz. Trat man auf die Straße im Zentrum war man mit der Armut pur konfrontiert. Nicht nur einmal stiegen wir über Menschen, die am Gehsteig lagen, dort schliefen oder krank waren, hinweg. Es ging an die psychische Belastbarkeit so viel Elend zu sehen. So empfand ich damals. Heute, nach so vielen Reisen in alle Teile der Welt, bin ich leider schon etwas abgebrühter. Und dennoch ließ mich die Idee, einmal etwas Soziales zu leisten, mein ganzes Leben nicht mehr los. Doch dazu gibt es eine andere Geschichte. Nun muss man wissen, dass mein Vater sehr sparsam war, doch für Reisen hatte er schon immer viel übrig; deshalb bezahlte er auch meine Reise, damit er nicht alleine unterwegs sein musste.Am ersten Abend in Lima meinte er, wir gehen etwas Gutes essen! Wir suchten und fanden auch ein Restaurant nach seinem

Geschmack – wer zahlt schafft an – der Ober brachte die Speisekarte und natürlich war diese auf Spanisch. Da meinte mein Vater, wir wollen ja etwas typisch Peruanisches und Gutes essen; daher nehmen wir das Teuerste auf der Speisekarte. Und was erschien da vor unseren Augen? „Wiener Schnitzel !!!!!! – na typisch Peruanisch!!! Das war der Auftakt zu einer Reihe von Kuriositäten, die sich auf dieser Reise ereigneten. Nächsten Tag hatte mein Vater die grandiose Idee seinem Freund Herbert Mick ein Telegramm zu schicken, dass wir demnächst im Chanchamayotal eintreffen werden und ihn besuchen kommen.

Traudi mit ihrem Vater.

Jugendfreund des Vaters Nun muss ich zurückgehen in das Jahr 1936 und kurz den Grund dieser Reiseidee meines Vaters erklären. Er hatte im Sudetenland, wo meine Eltern herstammen, einen Jugendfreund, eben diesen Herbert Mick, der später nach Südamerika auswanderte und nach vielen Irrwegen schließlich im Chanchamayotal, Region Junín, eine Kaffeeplantage anlegte, die heute von seinen Enkeln geführt wird. Cedropampa – in der Nähe von Villa Rica, einem idealen Gebiet für Kaffeeanbau. Mein Vater hatte seinem Freund damals Geld für die Auswanderung geliehen, ich weiß allerdings nicht wieviel. Diesen Jugendfreund wollte mein Vater in seinem Leben noch unbedingt einmal sehen und deshalb Peru! Nach dem „typisch peruanischen Abendessen“ erkundigte sich mein Vater an der Rezeption des Hotels, wie man am besten ins Chanchamayotal gelangt und dabei stellte sich heraus, dass auch der Mann an der Rezeption nicht viel Ahnung hatte wo dieses Tal ist. Aber er gab uns den Tipp am Flughafen in Callao nachzufragen, was wir auch taten. Am nächsten Tag machten wir uns auf und versuchten eine Auskunft zu bekommen. Man sagte uns, dass ein Kleinflugzeug von Lima


Tirol nach San Ramon im Chanchomayotal fliegt. Wir buchten und nun begann das große Warten, denn der Flieger flog erst, wenn er voll war. So verstrichen 2 Tage, aber am 3. Tag hatten wir Glück und landeten in San Ramon. Als wir in Lima das Flugzeug bestiegen, hingen lange Plastikschläuche von der Decke und ich wunderte mich was das war. Die Passagiere begannen sich diese in je ein Nasenloch zu stecken (sehr appetitlich!) – und wir auch! Es war die Sauerstoffzufuhr, da das Flugzeug auf eine Höhe von 6000 bis 7000 m stieg. Da aber ein junger fescher Mann neben mir saß, konzentrierte ich mich auf diesen und versuchte meine Nervosität auf diese Weise in den Griff zu kriegen. Ich war noch nie in so einem kleinen Flieger geflogen und erst recht nicht vertraut mit „Sichtflügen“. Der Pilot hatte eine Vollmaske übergestreift, er war ein Indogener, und wie sich herausstellte erfahren in seinem Metier. Da nach wenigen Flugminuten die Anden unter uns auftauchten war es atemberaubend schön. Man hatte das Gefühl als könnte man die Gipfel anfassen, so niedrig schwebte der Flieger über die Berge. Was für ein Erlebnis! Naiv wie ich damals war erwartete ich eine Landung auf einem Flughafen, doch dem war nicht so. Als der Pilot in den Sinkflug ging, sah ich ringsum Felder und Wiesen. Wir landeten mitten auf einem Feld. Es war der „Flughafen“ von San Ramon. Noch heute, nach über 40 Jahren, wenn ich an der Stelle mit dem Auto vorbeikomme, trinke ich einen Kaffee und erinnere mich an diese erste besondere Reise mit meinem Vater.

Cedropampa Nun stellte sich die Frage: wie kommen wir vom Flughafenfeld weiter? Der Pilot gab uns einen wichtigen Hinweis. Am besten fragt man einen vorbeikommenden Lastwagenfahrer ob er uns mitnehmen kann nach La Merced, in die nächste Stadt. Wir taten, wie uns geheißen. In La Merced, am Plaza de Armas standen wir nun und überlegten, wie wir nach Cedropam-

Kaffeewaschanlage. pa kommen würden. Da bot sich ein weiterer LKW-Fahrer an, der in Richtung Villa Rica unterwegs war. Der Fahrer war sehr nett. Aber es war selbstverständlich, dass mein Vater zu ihm ins Führerhaus stieg und ich auf die Ladefläche musste. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich konfrontiert mit den lädierten Straßenverhältnissen an den Abhängen der Anden. Und noch heute, wenn ich von Oxapampa nach Pozuzo reise, ist es teilweise so. Wir rumpelten also auf der „sogenannten“ Straße dahin. Nach 2,5 Stunden, nachdem die Straße uns bergwärts geführt hatte, blieb der Fahrer urplötzlich stehen, sozusagen „in the middle of nowhere“ und forderte uns auf auszusteigen. Er rief immer „visitar, visitar!“ oder so was Ähnliches. Heute, da ich Spanisch einigermaßen verstehe, verstehe ich, dass er unseren Besuch angemeldet hat. Aber damals sahen wir außer haushohen Bäumen und grü-

Dipl. Ing. Karl Böhm auf der Quinta der Familie Mick.

nen Büschen nichts --- keine Menschenseele! Ich war verwirrt, besorgt und wusste nicht wie mir geschieht. Aber, da trat aus den grünen Büschen (Kaffee) eine blonde Frau heraus und begrüßte uns freundlich. Mein Vater, mit seiner Aktentasche in der Hand und mit Krawatte bekleidet, gewohnt an seine Beamtenmentalität, sagte: „Grüß Gott, ich bin der Ingenieur Böhm aus Landeck in Tirol!“ Und die sympathische blonde Frau antwortete ihm: „Jawohl, ich kenne Sie! Ich kenne Sie von den Fotos meines Vaters!“ Nach einem kurzen Gespräch folgten wir Ilse, der Tochter des Jugendfreundes Herbert Mick, auf einem schmalen Pfad zum Haus ihrer Kaffeeplantage. Mein Vater war überglücklich endlich am Ziel zu sein. Aber wir erlebten eine neue Überraschung. Mein Vater fragte ungeduldig: „Wo ist Herbert, mein Jugendfreund?“ Und Ilse, seine Tochter starrte ihm ins Gesicht und erwiderte: „Ja, wissen Sie denn das nicht? Mein Vater lebt schon seit 2 Jahren in Memmingen im Allgäu!!!“ In diesem Moment erlebte ich meinen Vater das erste Mal sprachlos. Wir waren 13.000 km unterwegs um seinen Freund zu finden und dann sowas! Wie war das möglich? Leider hatten mein Vater und Herbert Mick nur sporadischen Briefkontakt und die Post ins Chanchamayotal dauerte Monate. Und erst recht ein Telegramm. Damals gab es kein Telefon, nur Funkkontakt zwischen Lima und Cedropampa. Auch keine Busverbindung, nichts! Heute ist das anders. Die moderne Telekommunikation hat Einzug gehalten und es ist kein Problem mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sprich Bus, nach Cedropampa, Villa Rica, Oxapampa und Pozuzo zu kommen. Aber damals war es so. Seite 9


Tirol nung, welche Wirkung Pisco haben kann. Auf jeden Fall lernte ich Karli näher kennen, fand ihn sehr nett und es sollte sich eine Freundschaft entwickeln die viele Jahre dauerte. Karli war der einzige Sohn von Herbert Mick, dem Jugendfreund meines Vaters. Und was es für Zufälle gibt! Bei dem gemütlichen Plausch stellte sich heraus, dass Karli auf derselben Maschine zurück nach Europa gebucht war wie wir. Da reisen wir in den Dschungel von Peru und stellen fest, dass wir mit Herbert Mick`s Sohn nach Europa zurückkehren würden. Am 5. Jänner 1977 flogen wir alle nach Europa und Karli war einige Tage unser Gast. Ein paar Tage später fuhr mein Vater mit Karli nach Memmingen im Allgäu und es wurde ein freu-

Gauchos auf der Ranch. Wir verbrachten wunderbare Tage in Cedropampa und ich lernte alles über die Kaffeeproduktion. Vom Anbau bis zur Ernte und Verwertung, sprich Vermarktung. Die Familie Mick konnte ganz Deutschland 5 Wochen mit einer einzigen Kaffeeernte versorgen. Solche Dimensionen! Heute wird der Kaffee hauptsächlich in die USA exportiert und „Starbucks Coffee“ kennt jeder. Der Kaffeestrauch ist ein wunderschöner Strauch mit dunkelgrünen Blättern und weißen Blüten. Die Früchte spielen die Farben von hellgrün bis dunkelrot, sind kirschenförmig und zur Erntezeit findet man hunderte Indios, die die begehrten Kaffeebohnen von den Büschen nehmen. Sie kauen Coca Blätter zur Steigerung ihrer Arbeitskraft. Der Saft, der bei der Einspeichelung entsteht hat eine aktivierende, arbeitssteigernde Wirkung, die aber nichts mit Kokain zu tun hat. Um Kokain herzustellen muss man diese Blättermischung mit Kalk versetzen. Natürlich ist heute das Problem in dieser Region wo der Coca Strauch wächst groß. Leider ist heute die Strecke Codo del Pozuzo – Oxapampa die Drogenstraße. Ich wurde selbst einmal auf der Straße von der Drogenpolizei kontrolliert. Mein Schützling Franklin Schuler Gstir, der mein Chauffeur war, musste diese Prozedur auch über sich ergehen lassen.

Heliconias, diese einzigartigen Pflanzen, die ich auch mit nach Hause nahm und die 2 Monate in der Vase ihre Schönheit behielt. Ich habe die Liebe zu den tropischen Blumen seither in meinem Herzen. Mein Vater hat schon immer gesagt in den Tropen sieht man was die Natur kann. Nach all den Jahren denke ich daran, denn er hat mir die Liebe zur Natur und zum Reisen ins Herz gesenkt. Den ganzen Tag stand eine kleine Karaffe mit schwarzem Kaffeeextrakt auf dem Küchentisch und immer wenn man Lust auf eine Tasse Kaffee hatte, goss man sich Kaffeeextrakt und kochend heißes Wasser in eine Tasse. Ich genoss diese einfache Art der Kaffeezubereitung. Eines Tages sagte Ilse, dass wir zu einem Besuch zu ihrem Bruder Karli auf die Nachbarplantage fahren würden. Mit dem Auto war es nur ein paar Minuten. Es wurde ein Treffen der besonderen Art. Erst bewunderte ich das wunderschöne Haus mit seinem tropischen Garten. Natürlich zog mich auch der Hund, ein deutscher Schäferhund in seinen Bann, denn ich liebe Hunde sehr. Nur, als ich ihn fütterte, biss er mich in den Finger, da er nicht gewohnt war einen Happen außertourlich zu bekommen. Aber ich verzieh ihm schnell und wir hatten unseren Spaß. Ich trank „Pisco“. Damals hatte ich keine Ah-

Lagerung Rohkaffee in Säcken. diges Widersehen mit seinem langgesuchten Freund Herbert Mick.

„die Tiroler, hinten im Urwald“ Am besagten Abend auf Karli`s Kaffeeplantage erfuhr ich von der Existenz der Tiroler „dort hinten im Urwald“. Das wollte ich erst nicht glauben und beschloss 2 Jahre später auf meiner zweiten Peru Reise mich von dieser Tatsache selbst zu überzeugen. Auf dem Weg nach Pozuzo………! Fortsetzung folgt! Fotos: Familie Feichtinger, R.Bachnetzer

Die Kaffeeplantage Zurück in das Jahr 1976 auf die Kaffeeplantage der Familie Mick. Ilse Mick war verheiratet mit Herbert Noche, der leider all zu früh an Gelbsucht verstarb. Seine und ihre Kinder Dieter und Ingo Noche leiten die Kaffeeplantage heute und das sehr erfolgreich. Dabei wurde Dieter vom „Sendero Luminoso“, einer maoistischen Terrorbande, 2 Monate entführt, in eine Kiste gesperrt und die Familie musste sehr viel Lösegeld zahlen. Wir, mein Vater und ich verbrachten wunderbare Tage auf der Plantage. Ich bewunderte Seite 10

Späteres Wiedersehen mit Familie Mick.


Tirol

Auswanderer Anton Gritsch Ein Bericht von Manfred Wegleiter.

W

ir schreiben das Jahr 1857. Am 21. Oktober kommt in Wolfsgruben oberhalb von Silz Anton Gritsch zur Welt. Er ist das zweite Kind von Gabriel Gritsch aus Silz und Elisabeth Schmid aus Stufenreich bei Oetz. Es war eine entbehrungsreiche Zeit damals, Gevatter Tod war allgegenwärtig. So starb auch die ältere Schwester von Anton im Kindesalter, ein weiterer schwerer Schicksalsschlag traf die Familie, als drei Monate nach Anton’s Geburt auch der Vater starb. Die junge Witwe heiratete am 8. Februar 1859 in Haiming den Witwer und Tischlermeister Johann Paul Nagele, mit dem sie sieben Kinder hatte. Anton verbrachte seine Kinder- und Jugendzeit im Haushalt der Familie Nagele in Haiming-Dorf Nr. 18. Dieses Haus ist heute noch im Familienbesitz und wird von der Familie Kranebitter bewohnt – DI Katrin Kranebitter ist eine Ur-UrEnkelin des Johann Paul Nagele.

Auf in die Neue Welt Anton diente als junger Mann in der k.k. Armee, er war aber bekannt dafür, dass er den Militärdienst ablehnte. So entschied er sich, wie viele andere junge Männer der damaligen Zeit, sein Glück in Amerika zu finden und so segelte er im Oktober 1881 an Bord der „Tonnau“ von Bremen aus in die Neue Welt. Anfang 1882 betrat er in New City festen Boden und reiste sofort zu den großen deutschen und österreichischen Gemeinden in Cincinnati, Ohio, Chicago, Illinois und dann nach Minneapolis in Minnesota weiter. „Toni“, wie ihn seine Freunde nannten, war von Beruf ein Steinmetz und wurde von der Northern Pacific Railroad eingestellt, die die erste große transkontinentale Eisenbahnstrecke im Norden der Vereinigten Staaten baute. Er war beim Bau zahlreicher Brücken, Tunnel und anderer Gebäude beteiligt, insbesondere bei der Überquerung der rauen Gebirgspässe im Nordwesten. Am 2. Juni 1884 heiratete er in Minneapolis Johanna Schuler, die einige Monate zuvor mit ihrer Familie aus Steeg im Lechtal zugezogen war. Schon bald kam er zu etwas staatlichen Land und kaufte weiteres von den ehemaligen indianischen Gebieten. 1887 zog er mit seiner jungen Familie (Sohn und die hochschwangere Johanna) in das neue Land im Washington Territory. Anton war in jungen Jahren bekannt für seine Liebe zu langen Wanderungen, auch über die steilen Gebirgspässe, die ihn wohl an das Land seiner Geburt erinnert haben müssen. Das Leben an der Grenze war anfangs hart, aber Anton lernte schnell, welche Böden am fruchtbarsten und wertvollsten und welche Pflanzen am ertragreichsten waren.

Anton und Johanna hatten insgesamt zehn Kinder, darunter eine Tochter, die im Alter von 3 Jahren bei einem Hausbrand ums Leben kam. Die anderen neun, acht Söhne und eine Tochter, erreichten alle ein hohes Alter.

Ein guter Geschäftsmann Anton war ein harter Arbeiter und ein guter Geschäftsmann. Er wurde durch die Farm ein wohlhabender Mann. Im Jahr 1910 besaßen er und seine Söhne über 800 Hektar an Ländereien, auf denen Weizen angebaut wurde. Diese lieferten riesige Erträge aus feinstem Weizen, von dem ein Großteil in andere Länder exportiert wurde. In den Tagen als es noch keine Traktoren oder andere große landwirtschaftlichen Geräten gab, erforderte ein landwirtschaftlicher Betrieb eine große Anzahl von Tieren, insbesondere kraftvolle Zugpferde. So verfügte Anton über einen Stall von über fünfzig Percheron-Pferden, einschließlich einer Anzahl von preisgekrönten Zuchttieren, durch welche er ein gutes Einkommen erzielte. Sein größter Mähdrescher für die Ernte wurde von vierzig großen Zugpferden gezogen, die jeweils etwa eine Tonne wogen. Zudem waren fünf Männer notwendig, um ihn zu bedienen. Er züchtete auch Bullen, Kühe und Schweine und konnte auch mit diesen Tieren große Zuchterfolge feiern. Ein Teil der landwirtschaftlichen Flächen diente zur Aufzucht von Futter für die Tiere. Dazu hatte er auch einen großen Gemüsegarten, der gesunde Beigaben für den Mittagstisch der Großfamilie bot. Anton Gritsch wurde 1897 amerikanischer Staatsbürger und war danach ein stolzer Wahlgänger. Das Gehöft und die Höfe befanden sich nördlich von Waterville in Washington. 1912 kaufte er ein Grundstück und baute ein Haus nördlich von Seattle, ebenfalls in Washington, um sich dort in das mildere Klima zurückzuziehen. Er und Johanna wechselten zwischen ihren Häusern, bis sie sich 1917 nach Seattle zurückzogen, die Söhne blieben zurück, um die Farmen zu leiten. Anton war ein guter US-Bürger und unterstützte sein neues Land im Ersten Weltkrieg, obwohl seine Heimat auf der anderen Seite stand. Jeder seiner Söhne, mit Ausnahme jener, die damals noch zu jung waren, diente während dieses Krieges bei der US-Armee. Im Zweiten Weltkrieg dienten dann auch die jüngeren Söhne bei der US-Armee, der Jüngste (Vincenz) befand sich in einer Einheit, die ganz am Ende des Krieges nach Tirol kam. Er nützte die Gelegenheit und stattete den Haiminger Angehörigen einen Besuch ab. Unmittelbar nach Kriegsende 1945 erfuhr Anton, dass es seinen Brüdern und Schwestern und ihren Familien wirtschaftlich sehr schlecht ging. Er begann, viele Pakete mit Lebensmitteln, Kleidern, Tabak und was auch immer er geben konnte nach Tirol zu senden.

Wiedersehen in Haiming 1950 reiste er im Alter von 92 Jahren zu einem freudigen Wiedersehen mit den Geschwistern, die er seit siebzig Jahren nicht mehr gesehen hatte, nach Haiming. Er wohnte bei seinem Halbbruder Johann Nagele „Honseles“, mit dem er lange Gespräche führte. Von diesem besonderen Ereignis wurde auch in amerikanischen Zeitungen berichtet. Am 5. Januar 1947, am ihrem 83. Geburtstag, starb seine Frau Johanna nach mehr als 62 Jahren Ehe. Anton war 89 Jahre alt und zog mit seiner Tochter Elizabeth zusammen, bei der er bis zu seinem Tod am 15. Januar 1956 lebte, er wurde 98 Jahre alt. Anton und Johanna hatten 21 Enkelkinder (neun von Tochter Elizabeth) und eine große Anzahl Urenkel und spätere Nachkommen. Die meisten davon leben heute in Washington, Kalifornien und Oregon. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei Herrn Kevin Fraley (Urenkel von Anton Gritsch) für die hilfreichen Informationen und bei DI Katrin Kranebitter für die Übersetzung. * Repros: Familie Marlene Kranebitter

Bei einem Spaziergang durch das Dorf (im Hintergrund das „Oetzer Haus“): Aloisia und Johann Nagele mit Anton Gritsch.

Die Großfamilie des Johann Nagele.

Das Wohnhaus der Familie Anton Gritsch, in Stein gebaut. Seite 11


Tirol

Der lange Weg – 160 Jahre Pozuzo Ein Bericht von Mag. Andrea Kronberger. Eröffnung und Besuch der Pozuzo-Ausstellung 2019

A

m 16.1.2019 wurde die mit Spannung erwartete Pozuzo-Ausstellung der 6aKlasse in Anwesenheit des Verstandes des Tiroler Vereins „Freundeskreis für Pozuzo“ eröffnet. Die Schüler_innen der 6a-Klasse freuten sich über die wertschätzenden Worte durch HR Dir. Mag. Gerhard Sailer. Entsprechend der Bitte des Tiroler Vereins „Freundeskreis für Pozuzo“ die für die 150-JahrFeier 2007 konzipierte Ausstellung über die einzige deutsch-österreichische Kolonie Pozuzo am Franziskanergymnasium vorzustellen, ist die von den 6. Klassen adaptierte Ausstellung nach langer Vorbereitungszeit feierlich einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt worden. Im Rahmen des Projekts „Pozuzo – Migration im 19. Jh. und in der Gegenwart“ haben sich die Schüler_innen der 6. Klassen im Geschichtsunterrichts (6a/Andrea Kronberger; 6b/David Hasenauer) in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema Migration auseinandergesetzt; die Inhalte der bereits fertigen Ausstellung bearbeitet, intensive Quellenstudien zur Auswanderung im 19. Jahrhundert betrieben, Interviews mit Zeitzeugen wie Maria Egg aus Pozuzo vorbereitet und ihre Erfahrungen in einem Workshop kreativ verarbeitet. Für die aktualisierte Pozuzo-Ausstellung wurde zu den bestehenden Bildtafeln und den eigenen kreativen Arbeiten der Schüler_innnen ein Präsentationskonzept inklusive einer Geräuschinstallation entwickelt und als künstlerisches Gesamtkonzept verwirklicht.

lien sowie einigen wenigen Auswanderern aus Bayern gegründet worden ist, hat natürlich viele Gemeinsamkeiten mit unserer Tiroler Kultur; verständlicherweise aber haben die Migranten aus Tirol und dem Rheinland in Übersee auch gewisse Teile der einheimischen, peruanischen Kultur übernommen, da im Verlauf der letzten 160 Jahre Kontakte mit den dort lebenden Einheimischen geknüpft und kulturelle Eigenheiten ausgetauscht worden sind. Interessant war für uns beispielsweise, dass beliebte Tiroler Speisen den klimatischen Verhältnissen in Südamerika angepasst werden mussten, sodass aus dem Tiroler Apfelstrudel schließlich ein Bananenstrudel geworden ist. Der Ausgangspunkt unseres beschriebenen Projektes war das Thema Auswandern generell,

deshalb haben wir uns nicht nur mit der damaligen beschwerlichen Auswanderung von Tiroler Familie nach Peru beschäftigt, sondern uns auch mit der heutigen Migration und ihren Tausenden Flüchtlingen, die nach Europa unterwegs sind,

auseinandergesetzt. Wir erhielten sogar die Möglichkeit Maria Egg, eine Nachfahrin der Gründer von Pozuzo, Fragen zu stellen, und bekamen dadurch einen noch viel besseren Einblick in das Leben des kleinen Dorfes in den Anden. Darüber hinaus entwickelten wir aber auch Verständnis für die Situation der verschiedenen Migranten heute, die auf der Flucht vor Hunger, Armut und Krieg wie die Vorfahren der Pozuciner vor 160 Jahren auf der Suche nach einem lebenswerten Ort für sich und ihre Nachkommen sind. Alle Informationen, die wir über das Jahr gesammelt haben, haben wir am Ende in die von uns neu arrangierte Ausstellung einfließen lassen und luden anschließend den Tiroler Verein „Freundeskreis für Pozuzo“, unsere Eltern und Lehrkräfte sowie die Schüler_innen der anderen Klassen zu einem bunten südamerikanischen Informationsabend ein. Die ersten Besucher_innen der Ausstellung, die bis nach Ostern 2019 im Ausstellungsraum des Franziskanergymnasiums besichtigt werden konnte, waren die sehr interessierten Schüler_innen der 1c-Klasse. Die erste Klasse hat sich nicht nur im Deutschunterricht mit den Auswanderungsgeschichten der Pozuciner vor 160 Jahren beschäftigt, sondern der 6a-Klasse vor allem bei der künstlerischen Ausgestaltung der Ausstellung unterstützt. Indem die Schüler_innen der 1c mit viel Fleiß und Kreativität unzählige „Wegstücke“ für die Ausstellung gezeichnet und gemalt haben, die symbolisch für den langen Weg der Auswanderer im 19. Jahrhundert stehen, haben sie entscheidend zum Erfolg der Ausstellung beigetragen.

Besucherstimmen Im Rahmen des Deutschunterrichts besuchte die Klasse 3d im Februar die schuleigene Pozu-

Hugo Tinzl, Andrea Kronberger, Gerhard Sailer, Rudi Heinz und Eva Lunger

Eine Tiroler Kolonie in Peru? Sophie Kirchmair, Schülerin der 6a-Klasse, berichtet von ihren Projekterfahrungen: Über ein Jahr haben wir – die 6a-Klasse – an diesem Projekt gearbeitet, in dem es darum ging, das Dorf, seine einzigartige Kultur und seine Geschichte kennen zu lernen. Pozuzo, das im 19. Jahrhundert von Tiroler und Rheinländer FamiSeite 12

Rudi Heinz mit SchülerInnen des Franziskanergymnasiums Hall in Tirol.


Tirol

Lukas Hofmann mit Kollege zo-Ausstellung. Die Aufgabe der Schüler_innen bestand zunächst darin, sich einen Überblick über die Ausstellung zu verschaffen. Ihr erster Eindruck sollte mit einer Zeichnung kurz festgehalten werden. Im weiteren Verlauf des Ausstellungsbesuchs wurden Gründe für die Auswanderung von Österreichern und Deutschen nach Pozuzo gesammelt. Anschließend sollten sie sich überlegen, welche Gründe es heute für Auswanderung geben könnte und was für bzw. gegen den Umzug in ein fremdes Land spricht. Nachdem sich die Schüler_innen ausführlich mit den Inhalten der Ausstellung befasst hatten, wartete der letzte Arbeitsauftrag: „Schau dir die Berichte der Betroffenen an und versetze dich in ihre Lage!“ Wie würde es dir in dieser Situation gehen? Stell dir vor, du wärst auch zur Auswanderung gezwungen worden und lebst nun seit einigen Wochen in Pozuzo! Schreibe nun einen Brief an einen Freund/eine Freundin aus deiner Heimat und erzähle von deinen ersten Eindrücken und Gefühlen.“ Den Schüler_innen ist es gelungen, sehr emotionale und berührende Texte zu verfassen. (Mag. Johanna Stadler):

SchülerInnenprojekte Mein liebes Tagebuch! 13.4.1859: Viele Tiroler entschieden sich, Tirol zu verlassen und auszuwandern. Einer von ihnen war ich. Wir entschlossen uns, nach Pozuzo zu gehen. Meine Antwort auf die Frage, warum ich auswandere, wäre: „Weil wir es nimmer der-

packn!“ Als wir losgingen, waren wir alle sehr erwartungsvoll. Später fuhren wir auf hoher See nach Südamerika. Es war sehr gefährlich und angsteinflößend, aber weil wir mutig waren, schafften wir es wieder aufs Land. Dann wartete noch ein weiter Weg auf uns. Es war sehr anstrengend und alles war noch so fremd für uns. Als wir endlich ankamen, waren wir glücklich und erleichtert. Wir fühlten uns frei. Das Land hier ist ein völliges Paradies! (Katharina Juretic, 3a) Tagebucheintrag Heute ist der 14.6.1857. Ich sitze mit meinen Eltern unter Deck und versuche zu schlafen. Meine Uhr zeigt mir 8 Uhr. Eigentlich müsste es noch hell sein, doch im Zwischendeck ist es eigentlich immer dunkel. Es ist feucht und es stinkt. Vielleicht liegt es daran, dass ich im Zwischendeck mit 50 anderen Leuten liege. […] Hoffentlich schaffe ich es heute, nicht so wie die letzten Tage, einzuschlafen. Gott stehe mir bei! (Elias Pargger, 3a) Brief in die Heimat Liebe Carmen, es tut mir leid, dass ich dir nicht früher schreiben konnte. Ich kann nicht sagen, dass die Auswanderung eine schöne Zeit war. Ich kann mich noch genau an deinen traurigen Gesichtsausdruck erinnern, als wir uns das letzte Mal beim Abschiedsgottesdienst gesehen haben. Es brach mir das Herz, dich zurück lassen zu müssen. Nun, du fragst dich sicher, wie alles war und wie es jetzt in Pozuzo ist… Wie du weißt, ging es am 16. März los. Als wir von Silz losgefahren sind, waren alle ganz aufgeregt. Ich natürlich auch. Viele waren glücklich, andere traurig, wiederum andere hatten Angst. Doch was uns alle verband, war die Hoffnung. Sie war wie ein Anker für mich, an dem ich mich festhalten konnte. Sicher gab es auch Momente, wo ich dachte, es gibt keine Hoffnung mehr. Wir fuhren oft mit Eisenbahnen und Schiffen. 20.000 km auf dem Schiff. Es war der Horror! Ich war auf engstem Raum mit allen anderen Menschen. Du weißt ja, dass ich Platzangst habe.

Doch wir haben es überstanden. Ich musste mit meiner Mutter über 400 km durch das zweitgrößte Gebirge der Welt stapfen. Sie hat es nicht geschafft. Ich kann es immer noch nicht richtig fassen. Durch das viele Gehen sind ihre Fußsohlen aufgerissen und sie bekam eine Blutvergiftung. Ich wollte sie tragen oder stützen, doch sie meinte, wir wären zu langsam und würden die Gruppe verlieren. Ich soll mit meinem Vater weitergehen. Ich weinte nächtelang und gab mir die Schuld dafür. Es tat so unglaublich weh, schlimmer als jeder physische Schmerz sein konnte. Seitdem wurde Vater ganz still. Er redet nur noch das Nötigste und ist immer in Gedanken versunken. Ich mache mir Sorgen um ihn. Aber es gibt auch Positives zu berichten. Nach zwei Jahren sind wir endlich angekommen. Es ist so, wie ich es mir erträumt habe. Ich habe auf der Schifffahrt einen neuen Freund kennengelernt. […] Trotzdem vermisse ich dich sehr. Dich kann auch niemand ersetzen. Ich hoffe, dir geht es gut und wir werden uns bald wiedersehen. Deine Johanna (Johanna Eisner, 3d)

Neuer Ausstellungstermin s

Freundeskrei für Pozuzo

POZUZO LER DORF

“EIN TIRO

IN PERU”

Wir danken unseren Förderern und Sponsoren.

An der Neuen Mittelschule in Haiming wird am 25. Oktober 2019 um 19:00 Uhr die Ausstellung „Alte Heimat - Neue Heimat“ eröffnet. Es handelt sich dabei um eine Gemeinschaftsausstellung des Freundeskreises für Pozuzo mit dem Kulturraum Haiming Ötztal und dem Ortschronisten Manfred Wegleiter, als Programmteil zu „750 Jahre Haiming“. Gezeigt werden die Wanderausstellung „Pozuzo – Ein Tiroler Dorf in Peru“ und Geschichten, die von Ein- und Auswanderern handeln. Ort: NMS Haiming Datum: 25.10.-08.11. (außer am 1.11.) Öffnungszeiten: 18:00 - 21:00

Pozuzo Gala 2019 Der letzte großartige Pozuzo-Gala-Abend in der Orangerie im Stift Stams am 19. Oktober 2018 verlangt nach einer Wiederholung. Das Pächterehepaar Michaela und Hannes Neurauter haben sich bereit erklärt, diesen heuer wieder zu veranstalten. Termin: 4. Oktober 2019 in der Orangerie Stams. Wir bitten um Vorreservierung! Seite 13


Tirol

Vier „K“ und null Toleranz Maria Anna Egg, geb. Schöpf, Teil 4 Beispielhaftes über die Mädchenerziehung im 19. Jahrhundert Mutter! Du am Ziel der Reise. Führe mich an Deiner Hand. Auf zu hohem Wirkungskreise. Bis ins´s bessere Heimatland. Spruch am Sterbebild von Maria Schöpf (1776-1872), der Mutter von Maria Anna Egg Erzählt von Johann Zauner.

A

ls im Juli 1888 in Pozuzo eine große Trauerfamilie von Maria Anna Egg, geb. Schöpf, für immer Abschied nehmen musste, fragten sich viele: „Woraus schöpfte diese Pionierin die Kraft, all die großen Wirrnisse und harten Schicksalsschläge des Lebens zu meistern?“ Diese Frage stellten/stellen sich natürlich auch nachfolgende Generationen.

Fleiß und Gottvertrauen Ihr Urenkel Augustin Egg-Schuler vermeinte im Mai 2006, das Erfolgsrezept für ihr gelungenes Leben sei in der Bündelung von Fleiß und Gottvertrauen und der daraus resultierenden Zuversicht zu suchen. Ja - es wird so gewesen sein, und deshalb folgen wir auch gerne seiner Anregung, das Umfeld, in dem die Mutter von sieben Kindern aufgewachsen ist, weiter zu erkunden. Die Welt, in die Maria Anna im Jahre 1816 hineingeboren wurde, ließ wenig Gutes erwarten. Wenn man bedenkt, dass die Persönlichkeitsentwicklung in konstanter Wechselwirkung mit der Umwelt stattfindet, muss beklagt werden, dass Mädchen im 19. Jahrhundert nur jene Fähigkeiten entwickeln durften, mit denen sie den Vorgaben der katholischen Kirche und des bäuerlichen Milieus entsprachen. Abweichungen von diesem Grundprinzip fanden keine Duldung.

Küche, Kinder, Kirche Allein schon manch erster Kommentar an eine neue Erdenbürgerin – wie: „Lei a Madle“ - dürfte richtungsweisend für den weiteren Lebensweg gewesen sein. Es war ein Weg, dessen wichtigsten Lebensbereiche jeweils mit einem „K“ ausgeschildert waren: Küche, Kinder, Kirche; als einzige Abzweigung bot sich mit einem Eintritt in ein Kloster ein weiteres K an. Und für alle, die danach trachteten, ein gottgefälliges Leben zu führen, war es eine heilige Pflicht, jedes „auferlegte“ Kreuz demütig zu tragen. Das Leben der Menschen war in aller und letzter Konsequenz auf die Ewigkeit ausgerichtet. Seite 14

Ebenso waren die irdischen Hierarchien klar definiert: In der allein-selig-machenden Kirche war der Papst das Oberhaupt, der Fürstbischof sein Vertreter in der Diözese; übers weltliche Reich herrschte „von Gotts Gnaden“ der Kaiser, vor Ort wies der Herr Pfarrer den Weg und „darhoam“ blieb dem Vater das letzte Wort. Von den Eltern wurde generell erwartet, dass die Kinder an Gehorsam und Ordnung gewöhnt werden und sie die Wahrnehmung und Einhaltung von Pflichten rechtzeitig erlernen. Konkret bedeutete dies: Mädchen wurden so früh wie möglich in Haus-, Hof- und Putzarbeiten eingebunden. Dafür galten folgende Richtlinien: A Madle darf nea lei umche hockn. Wenn sie eine gute Hausfrau werden soll, müsse sie frühzeitig lernen, keine Stunde unnütz verstreichen zu lassen, sondern jede Minute sinnvoll zu nützen. Unnötiger Aufwand, Zeitvergeudung, Zerstreuung oder gar Genuss waren verpönt.

„Nadelfleiß“ Als probates Mittel zur Disziplinierung der Mädchen galt im 19. Jahrhundert der „Nadelfleiß“. In sogenannten Hauslehrbüchern fand sich das so begründet: „Der Nadelfleiß ist ein Hauptbestandteil des weiblichen Lebens und muss deshalb nicht erst dem heranwachsenden Mädchen als eine besondere Wissenschaft gelehrt, sondern als die natürlichste, tägliche Tätigkeit schon dem Kind lieb und geläufig gemacht werden. Der Strickstrumpf gehört zum steten Gefährten des Mädchens“. In der Praxis bedeutete dies, dass sehr brave Madlen schon im Alter von 4 Jahren soweit Strümpfe stricken konnten, dass ihnen die Muater oder die Nale nur mehr beim Stricken der Ferse helfen musste.

Gute schulische Ausbildung In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erkannte man auch mehr und mehr den Wert einer guten schulischen Ausbildung der Mädchen. Knaben und Mädchen wurden getrennt unterrichtet, die Mädchenklassen zumeist von Nonnen geführt. Pionierarbeit auf diesem Gebiet leisteten die Dominikanerinnen in Lienz, die Tertianerinnen in Brixen, die Ursulinen in Innsbruck, die Kreuzschwestern von Hall und die Barmherzigen Schwestern aus den Mutterhäusern von Innsbruck und Zams. Ab 1870 mehrten sich seitens liberaler Kreise kritische Stimmen über die von Nonnenklöstern tradierten Erziehungsziele. Sozusagen im Gegenzug wehrten sich nahezu alle Landgemeinden des Silzer Gerichtsbezirkes gegen die Umsetzung des Reichsvolksschulgesetzes von 1869. Die liberale Neuordnung des elementaren Schulwesens verlief am Land konfliktträchtig. Als im März 1870 in Silz erstmals ein Schul-

inspektor die Schulen besichtigen wollte, erlebte er einen „ungestümen Weiberaufstand“, der ihm signalisierte, dass man dem (liberalen) Staat bei der Erziehung der Kinder keinen Spielraum lassen wolle. Weiterführende Schulen waren in der Regel nur für „höhere Töchter“ vorgesehen. Nach der Schulentlassung wurde den Mädchen natürlich noch ein Mehr an Arbeit zugemutet und sie waren bezüglich ihrer Sittlichkeit einer strengen Beobachtung und Kontrolle ausgesetzt. Organisiert waren die Mädchen im sogenannten Standesbündnis der Jungfrauen. Das Bündnis stand unter der Obhut des örtlichen Seelenhirten und hatte den Zweck, den Mitgliedern in ihrem Bemühen um das ewige Seelenheil beizustehen, sie anzueifern, als gutes Beispiel zur geistigen Förderung anderer beizutragen. Als wichtigste Standestugend und als schönste Zierde galt die heilige „Reinigkeit“, Auch wurde den Mädchen aufgetragen, täglich durch andächtiges Gebet den Beistand der Jungfrau Maria und des Schutzengels zu erflehen. Weiters waren sie angehalten, an allen kirchlichen Versammlungen teilzunehmen, regelmäßig die Sakramente zu empfangen, einen Beitrag zum Schmuck der Kirchen und Kapellen zu leisten sowie überall dort mitzuhelfen, wo Not war, z. B. in der Krankenpflege.

Harte Lebensschule Wenig Mitgefühl gab es für „illegitime“ Kinder und deren Mütter. Dies ist aus Gemeindeordnungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert noch deutlicher abzulesen als aus den Statuten des Jungfrauenbundes. Z um Beispiel in Östen, Gemeinde Umhausen, musste in einem solchen Fall der Kindsvater 12 fl (Gulden) und die Mutter 8 fl Strafe bezahlen. Kam der Vater aus einer anderen Gemeinde, betrug die Strafe 25 fl, „auswärtige“ Frauen hatten 20 fl an die Gemeindekasse abzuliefern. Falls beide Eltern des unehelichen Kindes nicht auf das „Heimatrecht“ verweisen konnten, so wurde das Paar samt ihrem Kind aus der Gemeinde ausgewiesen. Diese Vorgangsweise dürfte in manchen Fällen den Anstoß zu einer „KarrnerLaufbahn“ gegeben haben. Maria Anna Schöpf hat diese harte Lebensschule bestens gemeistert; ihr ist es aber offensichtlich gelungen, an Schwierigkeiten zu reifen. Verständlich wird aus dem vorhin Geschilderten, dass sie sich wünschte, ihre „Madlen“ sollen es einmal besser haben. Und dieser Wunsch war so stark, dass sie alle Strapazen, die eine Auswanderung nach Peru mit sich brachten, zuversichtlich in Kauf nahm ….


Tirol

Gemeindevorsteher Alois Dablander richtete im Jahre 1837 an das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Zams die Bitte, in Silz eine Filiale zu gründen. Die aus Silz stammende Generaloberin Sr. Michaela Knoflach unterstützte dieses Ansuchen und so trafen bereits am 19. Dezember 1837 zwei Schwestern ein. Sie wohnten vorerst im Haus des Josef Neurauter (Langes) und führten dort die zweiklassige Mädchenschule. Da die Schwestern mit großem Erfolg wirkten und den Erwartungen der geistlichen und weltlichen Behörde auf das Beste entsprachen, wurde auf Initiative des aus Tarrenz stammenden Hilfspriester Michael Lung ein „Klösterle“ erbaut und dank des effektiven Baumanagements des Meisters Benedikt Perwög im April 1844 besiedelt. Die Gemeinde war stolz auf ihre Mädchenschule und deren Zielsetzung, die im Altarbild der Hauskapelle verewigt wurde: „Vinzenz von Paul beauftragt eine Barmherzige Schwester mit der Unterweisung der Silzer Mädchen. (1844)“ - Künstler: Franz Stecher (1814-53).

Nicht jede Verlobung, nicht jeder Handschlag („Stroach“), der einer Verlobung gleichkam, führte zur Ehe. Sowie dies ruchbar wurde, setzten Brüche ein, die die Verlassene in den Fokus des Spottes setzen. Beispiele: Noch im 20. Jahrhundert wurden bei solchen Anlässen in Tarrenz Geigen an Haus-, Stall- oder Stadelwände geschmiert, meist mit einem Monogramm der Beteiligten, manchmal sogar mit dem vollen Namen. In Silz begnügte man sich, nach dem Scheitern einer Verlobung Sägemehl zu streuen, mancherorts wurde hiezu Kalk statt Sägemehl verwendet.

Das Leben der allerliebsten Mutter war von Gebet (marianischer Psalter) umkränzt und stand ganz unter dem Schutz der Unbefleckten Jungfrau Maria. Text am Sterbebild: Zur Erinnerung in Christo an Frau Maria Schöpf, geb. Holzknecht, freiresignierte Besitzerin von Freundsheim (Sigmundsfreud) bei Barwies in Tirol. Sie war geboren 1776 zu Niederthei im Oezthale, verehelichte sich 1815 mit Herrn Johann Schöpf von Längenfeld und starb am 1. Mai 1872 nach Empfang der hl. Sakramente zu Salzburg in den Armen ihres Sohnes.Ihre Leiche wurde am 2. Mai von Mitgliedern des katholischen Gesellenvereins zur Wimmasal-Gruft auf dem Gottesacker St. Sebastian (Salzburg) getragen und von ihrem Sohne eingesegnet. An dem fast unübersehbaren Leichenzuge beteiligten sich 45 Priester, den hochwürdigsten Herrn Weihbischof Dr. Mayr an der Spitze. In Salzburg, Guggenthal, Miemingen, Umhausen und Rüthi (Schweiz) wurden für die Ruhe ihrer Seele Trauergottesdienste gehalten. R.I.P.

Mitglieder des Jungfrauenbundes gelobten bei ihrer Aufnahme, nur dezente Kleidung zu tragen. Eine Ausnahme war ihnen aber trotzdem vergönnt. Bei Prozessionen waren sie in ihrer Bundestracht mit den prachtvollen weißen „Firtiglen“ (Schürzen) und den kunstvoll geflochtenen „Kranzlen“ aus Garten und Wiesenblumen zu bewundern. Natürlich musste jede Kranzl-Jungfrau über jeden Verdacht erhaben sein. Dafür sorgten schon die anderen Mitglieder des Bundes. Als in Längenfeld einmal ein Kooperator diesbezüglich eine Bemerkung fallen ließ, kam das sehr schlecht an; er wurde nämlich verdächtigt, das Beichtgeheimnis verletzt zu haben. Bild: Kranzl-Jungfrauen bei einer Prozession in Längenfeld Fotos: Sammlung Johann Zauner.

Kinderseelsorge P. Nivard Neurauter O.Cist, Stams Kinderseele, ein Diamant: Schleifen muss ihn die Elternhand.

Kinderseele – ein Tröpfchen Tau, lass ihn nur spiegeln des Himmels Blau!

Kinderseele – schneeweiße Blüte: Eltern bewacht das zarte Gemüte!

Kinderseele – ein Liebling der Engel, haltet ihm ferne Sünden und Mängel!

Kinderseele – ein Morgenstern, lass ihn leuchten nur Gott, dem Herrn!

Kinderseele – ein Himmelserbe, macht, dass die Hölle sie nicht verderbe! Seite 15


Tirol

Seppo Gstir mit seiner Beute. Seite 16

Foto: Richard Bachnetzer

POZUZO


POZUZO

Geschichte des Budweiser Hauses Erzählt von Therese Budweiser am 20.6.2004

I

m Jahre 1953 kam mein Bruder, Pater Michael, der damals Pfarrer in Pozuzo war, das erste Mal nach 15 Jahren auf Heimaturlaub. Er zeigte uns Bilder von Pozuzo und erzählte uns, dass Pozuzo einen tüchtigen Schreiner brauchen könnte. Da die Zeiten nach dem Krieg in Deutschland schlecht waren und mein Mann als Schreiner arbeitslos war, beschlossen wir mit unseren beiden Töchtern, Beate (6) und Jutta (3), nach Pozuzo in Peru auszuwandern. Unser 3. Kind Luis wurde 1956 in Pozuzo geboren. Wir fuhren wohl Anfang Februar 1954 mit dem Schiff „Marco Polo“ von Genua nach Callao. Mein Bruder holte uns dort ab und wir fuhren mit dem Zug nach Cerro de Pasco, von dort mit Bus über Huanuco nach Pnao, weiter mit Mulas über Chaglia nach Pozuzo.

Aufbau unseres Hauses Nach der Ankunft konnten wir zuerst in der alten Bethania (jetzt Museo Schafferer) wohnen. Wir waren glücklich von den Pozuzinern gut aufgenommen zu werden. Gegenüber unserem Quartier konnten wir einen Baugrund für das geplante Haus von der Pfarrei erwerben. Mein Mann zeichnete einen Plan, wie er sich die Konstruktion des Hauses vorstellte. Zuerst hob er einen Keller aus, was in Pozuzo bis dahin völlig unbekannt war, aber uns als kühles Lager für das von mir geplante Cafe-Restaurant dienen sollte. Die Leute von Pozuzo standen staunend davor und hielten es für ein Massengrab, bis ihnen mein Mann den Zweck erklärte. Für den Bau mussten wir viele Schubkarren Steine, Kies und Sand vom Huancabamba-Fluss holen. Das Haus bauten wir, wie es in Deutschland üblich ist, in Fachwerkbauweise aus besonders hartem, aber elastischem Palmenholz. Dies war wegen der Erdbebensicherheit besonders wichtig.Während das Haus noch nicht durch Verstrebungen versteift war, kam ein heftiger Sturm auf und die ganzen Balken standen schief. Da wir so nicht weiterbauen konnten, halfen uns die Pozuziner, die Balken wieder gerade zu bekommen.Der Raum zwischen den Balken musste mit Steinen und Mörtel ausgefüllt wer-

den, wozu wir Sand benötigten. Da ich in dieser Zeit sehr unter Malaria litt, wurde der Hausbau für mich immer beschwerlicher.

mit viel Phantasie gelang es mir, aus Yukka (da es damals keine Kartoffeln gab) Knödel zu machen.

Das erste Restaurant Pozuzos

In dieser Zeit arbeitete mein Mann am Ausbau des ersten Stockwerks, während ich in der Küche die letzten getrockneten Pilze in einem Topf auf dem Herd kochte. Plötzlich brach mein Mann durch ein noch nicht befestigtes Bodenbrett und stand mit einem Fuß in dem Kochtopf.Neben dem Getränkeausschank hatten wir auch ein altes Grammophon mit Kurbelantrieb, das mein Mann mit einer Hand bediente, während er mit der anderen Hand Bier einschenkte. Durch die Musik kamen viele junge Leute auch zum Tanz und lernten sich näher kennen. Manche Hochzeit und Taufe wurde danach bei uns gefeiert. Nachdem dafür mancher Kuchen sowie Torten zu backen waren, es aber zu dieser Zeit noch keinen Strom für Rührmaschinen gab, musste ich oft um vier Uhr in der Frühe aufstehen und mit beiden Händen je 50 Eier rühren so dass die feinen Kuchen am Vormittag nach der Messe fertig waren. Da mein Mann schöne Guitarren für unsere Töchter gebaut hatte (die Saiten ließ er sich aus Lima kommen) und ich den Kindern das Spielen auf der Mundharmonika beigebracht habe, gab es bei uns oft Hausmusik.

Nachdem der untere Teil des Hauses fertig war, konnten wir das erste Cafe-Restaurant in Pozuzo eröffnen, um Geld für den Weiterbau des Hauses zu verdienen. Einen Kamin hatten wir schon gebaut, so dass wir den aus Deutschland mitgebrachten Ofen anschliessen konnten. Im oberen Teil des Hauses hatten wir eine typische deutsche Räucherkammer eingebaut, wo wir Fleisch und Würste räuchern konnten. Neben dem Haus bauten wir einen Backofen um Brot und Kuchen für unser Restaurant zu backen. Dies war die Geburtsstunde für das erste deutsche Sauerteigbrot, das bis dahin in Pozuzo unbekannt war. Auf diese Weise entstand hier eine Begegnungsstätte, wo sich die Leute aus Pozuzo und Besucher aus aller Welt treffen konnten. Es kamen u.a. der Deutsche Botschafter aus Lima, der Abgeordnete aus Panao, eine bekannte österreichische Andenexpeditionsgruppe, Bischöfe und viele Missionare. Ich versuchte, unseren Gästen typisch bayerische Speisen anzubieten;

Eine kleine Anekdote:

Heimreise Im Jahr 1963 fuhren wir mit dem englischen Schiff „Reina del Mar“ wieder nach Deutschland zurück. Fotos: Museum Schafferer Pozuzo (Foto 1: Beate, Alois, Juta Budweiser) Seite 17


POZUZO

Jahresbericht Deutschunterricht schen Sprache und allfällige Hausaufgaben; aber auch für Smalltalk und ein gegenseitiges Kennenlernen ist genügend Zeit. Für die Eltern, die kein Deutsch sprechen, können wir kostenlose Informationen geben , wie sie ihren Kindern zu Hause beim Deutschlernen helfen könnnen und so können sie dabei etwas Neues lernen. Wir machen diesen Kurs gratis.

Pozuciner SchülerInnen bei einer Tanzvorführung Bericht von Yeraldine Martinez Kroll.

D

ieses Jahr haben folgende Lehrpersonen bei dem Deutschprojekt in Pozuzo gearbeitet: Cecilia Schmidt Schaus in Prusia, Maribel Gstir in der Túpac Amaru Schule und in zwei Klassen von der Grundschule in Zentrum. Rosa Müller war in Santa Rosa tätig. Rosangela Witing Poma in der Grundschule von Montefuner . Melina Villar Schmidt in allen Kindergärten und Yeraldina Martínez Kroll in der Grundschule José Egg in Zentrum. Als Lehrervertretungen waren Marianna Schmidt und Kimberling Ballesteros zur Verfügung da. Probleme in der Schule gab es dieses Jahr. Zuerst haben wir unter Lehrkräftenmangel gelitten, weil Maribel Gstir in Karenz gegangen ist und weil es zu wenige Lehrerinnen in Pozuzo gab. Vanessa Kuen musste aus Tirol nach Pozuzo fahren und hat selber unterrichtet und unsere Situation in der Schule gesehen und selber erlebt.

Neues Lehrwerk In Laufe des Jahres geht der Lernprozess des Lernens weiter. Dieses Jahr, während der Schulzeit, haben die Kinder ihre Fähigkeiten in Deutsch als Fremdsprache gefestigt und gleichzeitig entdeckt , und haben ihre Schwächen gestärkt. In dem Primarbereich haben wir zum Seite 18

Foto: Richard Bachnetzer

ersten Mal das neue Lehrwerk “Der grüne Max” benutzt und für die Kinder war das eine sehr hohe Motivation Deutsch damit zu lernen, weil alles neu und interessant war. In dem Sekundarbereich haben wir weiter mit dem Buch Planet gearbeitet.

Besuch in der Schule Der Direktor vom Goethe Institut in Lima, Herr Rüdiger Punzet, hat uns in Pozuzo mit einer Gruppe von Schülern besucht. Auch eine Delegation von Studenten aus der Universität von Tarapoto hat die Tupac Amaru Schule besucht. Unsere Schüler haben diese Gelegenheit benutzt sich auf Deutsch zu unterhalten.

Feste Im April haben wir Ostern mit den Kindern gefeiert, im November das Sankt Nikolausfest mit mehr als 130 Kindern, die alle eine schöne Laterne selber gebastelt haben. Und im Dezember sprachen alle Kinder über das Sankt Nikolausfest. Diese drei Feste sind sehr bei den Kindern geprägt und sie wissen schon, wann jedes Fest gefeiert wird und fragen immer danach.

Projekte für 2019 Wir sind auf die Idee gekommen, einmal wöchentlich einen offenen Dienstagkurs zu organisieren, für alle Kinder, Altersklassen willkommen. Wir sind bereit für Fragen bezüglich der deut-

Besuch von der Lehrerin Maria Schmidt Schuler in der Schule.

Dankeschön In erster Linie danken wir von Herzen Traudi Feichtinger, die das Deutschprojekt in Tirol für viele Jahre sehr gut organisiert hat. Sie hat uns öfters besucht und kennt schon die Realität vor Ort. Anschließend möchte ich mich bei allen bedanken, die in irgendeiner Form dazu beigetragen haben, dass auch das Schuljahr 2018 erfolgreich für unsere Schüler verlaufen ist. Ein Dankeschön gilt dem Freundeskreises für Pozuzo, der finanziell das Deutschprojekt seit mehr als 20 Jahren gefördert hat und an das Goethe Institut in Lima, die für unsere Schüler und unsere Lehrer aus Pozuzo kostenlose Sprachkurse zur Verfügung gegeben haben. Einen besonderen Dank verdient auch die Gemeinde von Pozuzo für die Büroartikel und die Deutsche Botschaft in Lima , die mehr als 100 Deutschbücher „Der grüne Max“ uns geschenkt hat. Wir wünschen Euch wunderschöne Sommertage und alles Glück auf Erden.


POZUZO

Neues vom Tourismus

Lacteos / Molkerei Schuler

Pozuzo Go

N

ach Abschluss meines Studiums in Mode-Marketing in Porto Alegre, Brasilien, lebte ich für einige Zeit in Alberta, Kanada. Es war jedoch mein Bedürfnis in das Dorf, in dem ich geboren und aufgewachsen bin, zurückzukehren – Pozuzo. Dabei wurde mir bewusst, dass die meisten touristischen Angebote aus einem einzigen Tag bestehen, wo doch so viele andere Abenteueraktivitäten angeboten werden könnten. Pozuzo bietet so viele wunderschöne Plätze wie den Yanachaga Chemilen Nationalpark, Preußen, La Colonia, Yanahuanca, Agua y Sal Tingo, Mal Paso, Trama, Santa Rosa oder den Rio Tigre. 2017 veröffentlichten wir die Zeitschrift „Recorriendo Pozuo“ mit dem Ziel, den Touristen diese faszinierenden Orte zu vermitteln. Pozuzo ist das Ergebnis eines unermüdlichen Kampfes der Kolonisten, die in den peruanischen Dschungel kamen, mit dem Traum, diesen Ort zu ihrer neuen Heimat mit neuen Möglichkeiten zu machen. Pozuzo Go möchte seinen Touristen einen direkten Kontakt zur Natur bieten. Wir wollen, dass die Touristen unsere Kultur verstehen. Wir wollen sie ermutigen, die Umwelt zu schützen und die Tiere zu respektieren. Unser Ziel ist es, ihnen spontane und einzigartige Erfahrungen zu vermitteln und wir bieten Aktivitäten wie Fischen, Lagerfeuer oder zauberhafte Spaziergänge. Es liegt sicher noch ein langer Weg als junges Unternehmen vor uns. Aber wir haben diesen Traum und uns entschlossen, ihn zu erreichen. Facebook: POZUZO GO Instagram: @pozuzogo Text/Foto: Karla Schuler Pomachagua

Ecotours Pozuzo

D

as neue Reisebüro von Tomas Polinar und seinem Team, dessen Ziel es ist, qualitativ hochwertige Dienstleistungen mit Effizienz den Gästen anzubieten. Tomas Polinar wandert fast täglich durch die Wälder von Pozuzo, um versteckte Naturjuwelen für den Tourismus nachhaltig aufzubereiten und so dem Tourismus einen positiven Impuls geben zu können. Das Motto: Die biologische Vielfalt schätzen und die Umwelt pflegen. Verantwortungsbewusst und respektvoll, gegenüber den Kulturen und Bräuchen der Gemeinschaft, die alle Gäste willkommen heißt. Von Pozuzo Zentrum über Trama bis hin nach San Salvador. Von Tiroler Auswandererbräuchen über gigantische Wasserfälle bis hin zu markante Gipfelwanderungen. Ecotours Pozuzo: Ökologischer und nachhaltiger Tourismus, zur Erhaltung, Wertschätzung und Pflege der natürlichen und kulturellen Umwelt in Pozuzo. Facebook: EcotoursPozuzo-PERU Text/Foto: Tomas Polinar

Nach demvon Studium BetriebswirtschaftsBericht Familieder Schuler. lehre beginnt Gerome Schuler an der Universität La Molina in Lima mit Kursen in der Herstellung Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehvon Fleischprodukten, dies seineLa re Milch beginntund Gerome Schuler an derdaUniversität Geschäftsvisionen prägt. Pozuzo istHerstellung bekannt für Molina in Lima mit Kursen in der von hervorragende Zucht von Rindern.da Daraus Milch und Fleischprodukten, dies möchte seine Geer schäftsvisionen etwas Inovativesprägt. entwickeln. 2018 für wird PozuzoIm istMai bekannt hermitvorragende dem Bau der MilchFleischfabrik Schuler er Zucht von und Rindern. Daraus möchte begonnen. Das Molkereiund Fleischunternehmen etwas Inovatives entwickeln. produziert Butter, weiße Im MaiKäse, 2018Joghurt, wird mit dem Bau derDelikatesMilch- und sen, Würstchen,Schuler sowie begonnen. Nektar und Marmeladen Fleischfabrik aus heimischen Früchten. Die Produkte werden Das Molkereiund Fleischunternehmen promitduziert größterKäse, Sorgfalt hergestellt, den Kunden Joghurt, Butter,umweiße Delikateshervorragende Qualitätsprodukte Region sen, Würstchen, sowie Nektar aus und der Marmeladen anzubieten. / Foto: Schuler aus heimischenText Früchten. DieFamilie Produkte werden mit größter Sorgfalt hergestellt, um den Kunden hervorragende Qualitätsprodukte aus der Region Neuer Torbogen

Top informiert, durch die Gemeinde Pozuzo auf Facebook

D

as Internet ist inzwischen auch in Pozuzo ein wichtiger Informationskanal. Die Gemeinde betreibt nun auch diverse SocialMedia Plattformen. Egal ob Verwandte in Lima oder Freunde in Tirol, alle können inzwischen problemlos kommunizieren - vor wenigen Jahren war dies noch eine große Herausforderung! Neuigkeiten aus Umwelt, Kultur, Bildung und Politik werden täglich gepostet! Sie wollen wissen, welches Wetter heute in Pozuzo ist? Ebenso ein tägliches Foto vom Balkon des Gemeindeamts bringt uns die Natur per Mausklick nach Europa. Bleiben Sie top informiert über Facebook: Municipalidad Distrital de Pozuzo

anzubieten. Der dritte Torbogen in den vergangenen 10 Jahren. Die Ortseinfahrt von Pozuzo (Prusia) liegt den Pozucinern besonders am Herzen. 2019 wird der neue Bogen (Grafik) eingeweiht. Doch warum schon wieder ein neues Werk? Ein LKW aus dem entfernten Pucallpa passte schlichtweg nicht durch das alte Tor. Dem Fahrer standen zwei Optionen offen: Stundenlanges Retourfahren oder „Augen zu und durch“. Er entschied sich für Variante 2. Die Folge: Pozuzo braucht wieder einen neuen Torbogen. Nach einem Architekturwettbewerb wird derzeit fleißig am neuen Bogen gearbeitet. Foto: Gemeinde Pozuzo Seite 19


POZUZO

Auf dem Auswandererpfad...

Altiplano von Pampahuasi und Nevado Huagurunch Bericht von Niko Fauter.

S

ervus, ich bin Niko Fauter, weltwärtsFreiwilliger bei der Camara de Turismo in Pozuzo. Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit zusammen mit Thomas Polinar eine Wanderung in der altoandinen Region Pozuzos zu machen. Ziel der Aktion war es eine Route zu finden, auf der man diese wunderschöne Gegend an der Grenze von Pasco und Huanuco Touristen anbieten kann. Ein erster Schritt um dort einen nachhaltigen Tourismus zu schaffen, durch den die Menschen dort von ihren Naturschätzen profitieren können ohne diese auszubeuten. In diesem Bericht sind die Ereignisse unserer Wanderung zusammengefasst.

Der frühe Vogel... Donnerstag, 30.5., 5.00 Uhr. Eine Viertelstunde früher als gewöhnlich stehe ich auf. Ich kontrolliere noch einmal ob ich alles notwendige dabeihabe. Dann verlasse ich schon eilig die Wohnung. Schließlich war unser Auto das uns nach Santa Virginia bringe sollte schon für 5.30 bestellt. Wegen der „Hora peruana“ wird es dann doch viertel nach sechs. Um halb acht erreichen wir die Puente Matilde, bis hierher und nicht weiter bringt uns die Camionetta. So beginnen wir unseren Aufstieg in Richtung der Ortschaft Santa Virginia. Trotz der frühen Stunde brennt die Sonne bereits stark vom wolkenlosen Himmel. Zum Glück treffen wir bald auf die von Tommy bestellten Motorradchauffeure, die uns zunächst bis zum Dorf hochbringen, und nach einem schnellen Frühstück uns dorthin mitnehmen wo die Straße oberhalb von Santa Virgina endet. Mittlerweile ist auch unser Führer, Elmer Espinoza aus Lucmapata, zu uns gestoßen. Hier beginnt ein kräftezehrender Aufstieg, der uns sieben Stunden kostet. Dieser Weg wird häufig von Campesinos beSeite 20

nutzt, um ihre Produkte zwischen den beiden Regionen auszutauschen aber wir treffen auch auf einige Mineros, die ihr inoffizielles Lager am Wegrand aufgeschlagen haben. Leider lassen beide Gruppen viel von ihrem Müll auf dem Weg zurück, die Rastplätze gleichen Müllhalden. Zweimal sehen wir uns dazu gezwungen etwas Ordnung zu schaffen und sammeln an Rastplätzen allen Müll den wir finden zusammen. Leider können wir ihn selbst nicht mitnehmen, Tommy hat aber fest vor jemanden mit einem Maultier zu engagieren um zumindest diesen Teil dorthin zu schaffen, wo er hingehört. Landschaftlich ist dieser Weg trotzdem wunderschön. Durch den Nebelwald mit seinen Farnen, Moosen und mit Flechten und Epiphyten besetzten Bäumen steigen wir bis zur Punta Espe-

Fotos: Tomas Polinar Ecotours Pozuzo Peru ranza auf 3790 Meter auf. Dahinter liegt die Hochebene von Pampahuasi. Wir steigen wieder ein Stück ab und gelangen an eine Carretera. Langsam wird es bereits dunkel. Zum Glück treffen wir auf eine Frau, die vom Feld zurückkehrt. Tommy fragt wohin es denn nach Pampahuasi gehe, und ob sie denn Norma Vasquez kenne, sie sei eine Freundin von ihm die hier in der Gegend wohne. Die Frau stellt sich als die Mutter besagter Freundin heraus und nimmt uns mit zum Haus der Familie. Dort werden wir herzlich empfangen und uns werden Essen und eine Unterkunft angeboten, was wir beides gerne annehmen. Am nächsten Tag stehen wir früh auf um noch ein paar Fotos mit dem atemberaubenden Sonnenaufgang zu machen.

Auf dem Weg von Santa Virginia, Niko Fauter mit Tomas Polinar.


POZUZO

Tomas und Niko während dem Sonnenaufgang am Viaje a Pampahuasi Danach bringen uns die Söhne der Familie mit Motos ins Dorf. Hier organisieren wir noch Unterkunft und Transport für die Wanderung im Juli (Wir haben vor diese Route anlässlich des 160 Jahrestages von Pozuzo mit einer Gruppe aus Weltwärtsfreiwilligen, Pozucinern und Weiteren eine Wanderung in dieser Gegend zu unternehmen, um den Tourismus dort zu bewerben. Auch alle Mitglieder des Freundeskreises sind herzlich eingeladen. Weitere Infos gibt es bei Emanuel). Bevor wir mit einem Combi nach Atujhuaganan gebracht werden lässt Tommy noch seine Drohne fliegen. Von dort aus laufen wir nach Piruro, vorbei an Kartoffelfeldern, Mascarapunta, einem wie ein Gesicht geformten Hügel, und vor uns am Horizont der schneebedeckte Huagurucho. Piruro erreichen wir um 1 Uhr und verlassen es nach einer ausgiebigen Mittagspause um 3 Uhr. Ein steiler Abstieg von 1700 Höhenmetern steht uns bevor. Mit dem Einbruch der Dunkelheit um 6 erreichen wir Naranjal, von dem steilen Abstieg etwas geschafft. Nach einem kurzen Bad im Fluss fühlen wir uns alle wieder erfrischt und wie neue Menschen. Leicht legen wir die letzten Meter zum Dorf zurück. Hier kampieren wir diese Nacht, im Gegensatz zum Vortag im Zelt.

wo wir einen weiteren Wasserfall besichtigen. Wir staunen über die ertragreichen Kaffee und Granadillaplantagen und essen frischen Fisch aus dem Fluss, von dem Tommy behauptet, er sei der Beste ,den er in seinem Leben je gegessen habe. So gestärkt setzen wir unseren Weg nach Lucmapata fort, dass wir am späten Nachmittag erreichen. Hier endet unsere Wanderung dann. Am nächsten Tag geht es in einer Camionetta nach Pozuzo zurück.

Fazit Echt eine der schönsten, wenn nicht die schönste Wanderung, die ich bisher in Peru gemacht habe. Die Natur ist in weiten Teilen der Route noch nahezu unberührt. Dennoch merkt man an einigen Stellen die Bedrohung durch den Menschen, sei es durch Müll, illegale Minen oder Brandrodung. Ich denke, dies ist ein Bereich wo sich meine Organisation Ecoselva und eventuell auch der Freundeskreis in Zukunft einbringen könnte. Dort ein ökotouristisches Konzept zu etablieren wäre zum Beispiel sicher sinnvoll und wird eine Aufgabe für mich und meine Nachfolger werden.

Der nächste Morgen Am nächsten Tag setzen wir unseren Weg fort. Auf dieser Höhe sind schon längst keine Kartoffelfelder mehr zu finden, stattdessen kommen wir an Kaffeplantagen, Zitrusfrüchten, und sogar Mangobäumen vorbei. Auf der anderen Hangseite herrscht leider bereits Weideland vor, auch wenn an den steilen Grasflanken kein Vieh zu entdecken ist. Nach einer Stunde erreichen wir den Wasserfall von Narajal, einem der Gründe für die wir diese Route ausgewählt haben. Tommy lässt seine Drohne ein wenig fliegen um ihn in seiner ganzen Pracht aufzunehmen. Von dort geht es weiter nach Alto Cañachara, Seite 21


POZUZO

Eine Bank auf vier Hufen

„Baustelle“ Nummer 1 auf dem Weg nach Codo... Ein Bericht von Karin Zbinden und René Gysin

W

eihnachten in Pozuzo! Für uns ist das wie zwei – drei! – Mal Weihnachten! Wir haben Ferien, feiern Wiedersehen mit vielen Freundinnen und Freunden in Pozuzo und überall sitzen wir gemütlich zusammen rund um herrliche und lange Zeit vermisste Leckereien! Was es da nicht alles zu schauen und auszuprobieren gibt: Truthahn im Wein, Schwein aus dem Räucherfass, Papa a la Huancaina, Caldo und Aji de Gallina, Causa Rellena, Yuca Frita, Kartoffeln im Schmalz gebraten mit viel Knoblauch, Reis und verschiedene Salate. Dazu gibt’s Musik mit und ohne Karaoke-Beilage, Säfte (frisch und vergoren oder destilliert) und viel Schokolade. Alles da, nur ein grosser FesttagsProtagonist fehlt – der Panetón. Kaum möglich, werden die meisten Pozuzoreisenden denken. Ausgerechnet der Panetón! Da wartet man ein ganzes Jahr darauf, in Lima und La Merced sind alle Geschäfte voll, aber in Pozuzo soll er fehlen?

cher-Bier). Aber der Transport auf Männerrücken von leichten und voluminösen Panetones zahlt sich nicht aus. Eine Last kostet 10 Soles, und dieser Preis lässt sich kaum auf die paar Panetones schlagen, die von einem Träger durch den Dschungel auf die andere Seiter der Quebrada Honda getragen werden können. Wenn der Nachschub von ausserhalb unterbrochen ist, wird erst richtig sichtbar, was in Pozuzo selber produziert und konsumiert wird. Dank der vielfältigen Landwirtschaft werden so viele Lebensmittel im Eigenanbau – oder bei den NachbarInnen – hergestellt, dass man tatsächlich aus dem Vollen schöpfen kann. Voraussetzungen dafür sind Zugang zu gutem, fruchtbarem Land und das Wissen um die land- und viehwirtschaftlichen Arbeiten und Techniken. Und es braucht Arbeitskräfte, die unterstützend zur Stelle sind. Was sich als Praktiken in Pozuzo über lange Zeit eingespielt und den Bedingungen angepasst hat, sieht sich weiterhin mit ständigen Veränderungen konfrontiert. Hier einige Entwicklungen, die aktuell in Pozuzo zu denken und zu reden geben:

Murgänge drohen Schuld ist die Quebrada Honda. Schon fast den ganzen Dezember ist die Strasse bei diesem steilen Abschnitt zwischen Oxapampa und Pozuzo unterbrochen. Steinschlag und Murgänge drohen und das Strassenbett ist unterspült. Da die Bauarbeiter weit weg in den Weihnachtsferien bei ihren Familien sind, wird die Situation auch über die Festtage hinaus andauern. Zwar haben sich rasch Träger und ganze Familien mit Essensbuden und Regenunterständen an beiden Enden der unterbrochenen Strassen installiert und Bierkisten kommen nach Pozuzo (Cristal, Pilsen) oder verlassen Pozuzo (DörSeite 22

gesät und gepflegt werden muss, fällt auf den Weiden viel Arbeit an. Besonders streng ist es rund um Pozuzo und Prusia, einfacher auf den grossen Flächen in Codo de Pozuzo. Trotzdem laugt auch dort der Boden aus, auch wenn auf einer Hektare Fläche im Codo noch 1.4 Rinder gehalten werden können. Im «alten» Koloniegebiet um Pozuzo sind es noch 0.8 bis 1 Rind pro Hektare. «Pflege» bedeutet bei Weideflächen vor allem die Unkrautbekämpfung, sei dies mit der Machete, aber immer mehr auch mit Herbiziden. Dazu kommen Behandlungen der Tiere mit Antibiotika und anderen Medikamenten – ein Mix, der auch Enrique manchmal Bauchweh macht, wenn auch nur im übertragenen Sinn. Denn auch auf der Chachra, wo Yuca und Bergreis, Gemüse und Früchte wachsen, steigt der Chemie-Einsatz kontinuierlich. Er denkt, dass Pozucinos die belasteten Lebensmittel gewohnt sind, man die aber nicht mehr nach Lima verkaufen kann, sobald sie mit einem Gesundheitsrisiko in Verbindung gebracht würden. So machen sich immer mehr Pozucinerinnen und Pozuciner Gedanken über die Qualität der Lebensmittel, die sie produzieren und konsumieren.

Heimweh nach der Chacra

Die bäuerlich geprägte Landschaft bei Prusia, in Zentrumsnähe entstehen neue Häuser

Veränderung der Landwirtschaft Die Weideflächen für die Rinder werden seit jeher extensiv genutzt. Da Gras auf dem tropischen Boden nicht einfach wächst, sondern

Eine Einschränkung der Herbizide auf den Weiden wäre nur dann möglich, wenn das Unkraut und die sich ausbreitenden Stauden und Büsche vermehrt von Hand bekämpft werden könnten. Doch dem steht ein anderer Trend entgegen: es gibt immer weniger langjährige Mitarbeiter, die sich für die Weidepflege anstellen lassen. Diese Obreros (Arbeiter, früher Taglöhner genannt) leben idealerweise auf der Chacra, das heisst, auf dem meist entlegenen Hof in der Nähe der Rinderherden. Dort bauen sie Ackerfrüchte für den Eigenverzehr an,


POZUZO schauen zu Rindern und Weiden und erhalten vom Besitzer einen Lohn ausgezahlt. Schulpflichtige Kinder oder fehlender Internetzugang sind Gründe, weshalb Obreros und ihre Familien der Chacra den Rücken kehren und in die Zentren ziehen, wo sie eine andere Arbeit suchen. Einige sehen ihre Chance aber auch als selbständige Bauern und Bäuerinnen und kaufen sich entlegene Höfe um sich eine eigene Lebensgrundlage zu schaffen. Sie verzichten dabei auf den Luxus der Nähe zu Strassen und dem gesellschaftlichen Leben, während gerade ältere Pozuciner und Pozucinerinnen die bessere Erreichbarkeit verschiedenen Infrastrukturangeboten schätzen und suchen. Doch die Chacra bleibt wichtig: Beim ausgiebigen festtäglichen Zusammensitzen werden die Geschichten von den entlegenen Elternhäusern, vom Aufwachsen mit vielen Geschwistern, Arbeit und Freiheit in der Nature erzählt. Und vom quälenden Übergang ins Tal, wo sich die Schule befand und viele bei Verwandten oder Fremden in Pension lebten, mit einer für sie fremden Sprache (Spanisch) und mit viel Heimweh nach der Chacra…

«neue», rosarote, die zwar weniger Schmalz fürs Frittieren und Einmachen von Chicharrón liefern, dafür aber saftige Koteletts und Braten. Die neuen Rassen sind fein zum Essen – und selber ebenfalls Feinschmecker: damit sie gedeihen brauchen sie Spezialfutter. So kommen nicht mehr die Koteletts und Hühnchen aus Lima nach Pozuzo, sondern nur noch ihr Futter. Dass die Vermarktung fast immer direkt von Tür zu Tür geschieht macht die Produkte zugleich günstig und rentabel. Schweine- und Hühnchenfleisch erzieht dabei in Pozuzo jedoch einen besseren Preis als Rindfleisch.

Aber hoppla, da geht etwas anderes plötzlich nicht mehr auf: der Camion fährt mit den Rindern nur noch bis Oxapampa, der Mercado Central, von dem die meisten Produkte in den Geschäften von Pozuzo herantransportiert werden, bleibt in Lima. Das Ungleichgewicht – weniger Rinder gehen nach Lima und immer mehr Güter sollten von dort nach Pozuzo kommen – stellt die Transporteure und Geschäftsinhaber vor neue Herausforderungen. Auch das gibt zu reden und zu denken, während diesen Festtagen unter Pozucinerinnen und Pozucinern. Ja, und dann ist es erst recht gut, wenn man zwischendurch einfach auf die Lebensmittel von der Chacra auftischen kann!

Die Geschwister Schuler Doria: Miguel, Imelda, Carlos, Sophie und Conrado.

„Bank auf Hufen“

Köchinnen vom grossen Weihnachtsbuffet: Filomena, Rosalia, Imelda, Kali und Sophie - buen provecho!

Feinschmecker Doch dass nur die alten Zeiten besser sind gilt nicht für Pozuzo. Dem Wunsch nach Extensivierung oder sogar Aufforstung von wenig produktiven Weiden steht ein breit abgestützter Trend zur Intensivierung der land- und viehwirtschaftlichen Tätigkeit entgegen. Plötzlich staunt man über grosse Zahlen: Carlos zimmert für Conrado einen Stall für 500 Meerschweinchen! Karla und Gerome ziehen 100 Hühner gross, verkaufen sie über die Weihnachtszeit und planen bereits den Ausbau des Hühnergeheges für 500 Hühner! Conrados neuer Schweinestall wird ebenfalls mehr als 200 Sauen, Ferkel und Mastschweine beherbergen! Und einige Viehherden im Codo wachsen bereits auf über 1000 Tiere an… Möglich ist dies durch die Aufzucht von speziell entwickelten Rassen, die sich zum Mästen im grossen Stil eignen. Auch in Pozuzo essen zwar viele gern ein Caldo de Gallina, aber eben auch ein viel zarteres Pollo. Beides zwar von Hühnern, aber eben von ganz unterschiedlichen. Und so gibt es neben den «einheimischen» dunklen Schweinen auch

Die Rinderaufzucht bleiben das Kerngeschäft der Pozuciner Bauern und Bäuerinnen. Mit 200 Rindern kann eine Familie ein Auskommen erwirtschaften. Das heisst, trotz Unfällen und Krankheiten überleben genügend Rinder, damit der Verkaufserlös die Grundbedürfnisse der Familie deckt. Nebst den Produkten von der Chacra, claro! Kommen ausserordentliche Ausgaben auf die Familie zu – ein Kind studiert, jemand braucht Pflege – sind die Rinder eine «Bank auf Hufen»: sie können rasch und unkompliziert zu Geld gemacht werden. Und anschliessend kann man die Herde über die Jahre wieder aufstocken. Da Rinder nun bereits in Oxapampa geschlachtet und dann über eine durchgehende Kühlkette nach Lima gelangen, ist der Markt näher an Pozuzo gerückt. Der Transport lässt sich im Allgemeinen – trotz Quebrada Honda – zuverlässiger planen und durchführen und die Tiere verlieren weniger Gewicht als auf den langen, ungewissen Reisen zu den Schlachthöfen in Lima.

Heiliger Abend beim Tannenbaum von Silvia Pomachagua und Carlos Schuler.

Auch die junge Generation „Schulerines“ geniesst das grosse Familienfest.

Biographie Dr. Karin Zbinden Zusammen mit meinem Mann reisten wir bereits seit 1989 mehrmals nach Peru und verliebten uns in Berge, Leute und Kultur. Eigentlich Primarlehrerin, wurde ich dabei immer mehr inspiriert, Sozialanthropologie zu studieren. Durch Kollegen und Kolleginnen am Centro Internacional de la Papa (CIP) in Lima, dem internationalen Kartoffelforschungs-Zentrum, wo mein Mann studierte, wurden wir 2000 auf die Versuchsfelder für Knollenfrüchte in Oxapampa aufmerksam gemacht - und auf die „Leute wie ihr“, die dort wohnen.

Pozuzo 2003 haben wir erstmals Pozuzo besucht. Die Vielfalt der Lebensformen und Bezüge zu Peru und Europa haben mein Interesse angefacht, so dass ich für Diplomarbeit und Dissertation immer wieder nach Pozuzo zurückgekehrt bin. Mittlerweile arbeite ich in der Gruppe der internationalen Landwirtschaft an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Zollikofen bei Bern und genieße es, den privaten Austausch mit Leuten aus Pozuzo und Tirol weiter zu pflegen. Seite 23


POZUZO

Rezepte aus Pozuzo

Die Köchin

I

n dieser Ausgabe stellt die Sozialanthropologin Dr. Ruth Haselmair-Gosch das Maniok-Gröstl von María Egg Gstir vor. Diese Pozuziner Speise lässt auf gemeinsame Wurzeln mit dem Tiroler Gröstl schließen und wird gerne zum Mittagessen als Beilage, aber auch als Frühstück oder Abendessen kredenzt. Leider sind die Zutaten in Österreich kaum zu erhalten und damit das Nachkochen schwierig, dennoch lohnt sich ein Blick auf das Gericht.

Maniok-Gröstl Rezept von María Egg Gstir

Zutaten Zukiachelen (6Pers) 1 1/2 kg 1 Prise 1 Schuss ½ Tasse

Maniok Salz Wasser Schmalz

Zubereitung Maniok in kochendes Wasser mit Salz geben und weich kochen. Abseihen und kalt stellen. Den „Faden“ im Inneren der kalten Manioks entfernen und Manioks fein schneiden. Seite 24

Schriftsteller Friedrich Gerstäcker die Siedlung und schreibt vom Plan der Pozuziner*innen, in höheren Lagen Kartoffeln anzubauen, da sie in den tieferen Lagen nicht gedeihten. Es wuchsen bereits Kaffee, Mais, Reis, Bohnen, Bananen, Zuckerrohr, Koka, Tabak und Yuca, wie er in seinem Buch ausführt (Gerstäcker,1863). Der Kartoffelanbau ist im Klima des Regenwaldes bis heute nicht gelungen. Angesichts dessen und der langen Abgeschiedenheit (es vergingen über 100 Jahre bis zum Straßenbau) bildeten Mais, Reis, Bohnen, Bananen und Yuca fast ausschließlich die Grundlage für die Pozuziner Küche während dieser Zeit. So kam es, dass die Erdäfpel im Gröstl durch die ähnlich zu verarbeitende Yuca ersetzt wurden und damit ein typisch Pozuziner Gericht entstand, das gleichzeitig auf die Wurzeln in Tirol verweist, obwohl es dort nicht gekocht werden kann.

Schmalz in einer Pfanne zerlassen, Maniok hinzugeben, salzen und mit einem Schuss Wasser versetzen. Zugedeckt auf leichtem Feuer langsam goldbraun rösten. Deckel abnehmen, den Maniok etwas zerstoßen, umdrehen und wieder zudecken. Goldbraun rösten. Das Gröstl wird in Pozuzo wahlweise mit Zuckerrohrsirup oder Avocado als Frühstück wie auch Abendessen serviert oder als Beilage für Hauptgerichte kredenzt.

María Egg Gstir betreibt die Herberge „Frau María Egg“ (www.pozuzo.com) in Pozuzo, wo sie sich unter anderem auch um das kulinarische Wohlergehen ihrer Gäste kümmert. Seit einigen Jahren ist sie im Winter auch im Zillertal anzutreffen, wo sie auf einer Hütte arbeitet.

Wissenswertes Maniok (Manihot esculenta) wird in Pozuzo Yuca genannt und ist eines der wichtigsten Bestandteile der Pozuziner Küche. Im Amazonasgebiet ist Maniok - von dem es viele Varietäten gibt - weit verbreitet und wird bereits seit 3.000 Jahren verwendet. Der in Pozuzo verwendete Maniok gehört zum so genannten „süßen“ Maniok, der nur geringe Mengen an pflanzlichen Giftstoffen (Blausäure-Derivate) enthält, die durch Kochen bereits eliminiert werden und die Knollen somit genießbar machen. Neben Reis und Kochbananen ist Maniok eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel für den Eigenverbrauch in Pozuzo, das nach wie vor für die Selbstversorgung großflächig angebaut wird. Erst nach einem Jahr kommen die Pflanzen in Ertrag und werden dann regelmäßig - je nach Bedarf - geerntet, da die Wurzelknollen nur bis zu drei Tage nach der Ernte verwertet werden können. Es wird also nur geerntet, was unmittelbar gebraucht wird. Neben dem Reisknödel (Pozuzo aktuell Juli 2016) oder dem Bananenstrudel (Pozuzo aktuell Dezember 2015) ist das Yuca-Gröstl ein Hinweis auf die Anpassung der Kochgewohnheiten der Siedler*innen an die neue Umgebung im Urwald. Ein Jahr nach der Gründung der Kolonie (im Jahr 1860) besucht der deutsche

Köchin Maria Egg.

Die Autorin Dr. Ruth Haselmair-Gosch forschte für ihre Dissertation „Weitergabe und Tradierung von Wissen über Kulinarik in der österreichischdeutschen Siedlung Pozuzo in Peru“ in Pozuzo für jeweils 4 Monate in den Jahren 2008 und 2009. Das vorliegende Rezept wurde neben vielen anderen Rezepten von ihr im Rahmen des Forschungsprojekts P19705-G14 gesammelt und vom Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung - Austrian Science Fund (FWF) gefördert. Quellen: Gerstäcker, Friedrich (1863): Achtzehn Monate in Süd-Amerika und dessen deutschen Colonien. Leipzig: Costenoble.


POZUZO

Fortbildungen im Tourismussektor Ein Bericht von Tomas Polinar.

G

emeinsam mit Ecotours Pozuzo, den SchülerInnen des I.E. Tingo Mal Paso, Frewilligen und der Bevölkerung werden neue Strategien für die Zukunft des Tourismus in der Region entwickelt. Schulungen, Vorträge, Erfahrungen aus Europa und die Zusammenarbeit mit Ecoselva versprechen dem Projekt eine große Zukunft.

fen werden, im Einklang mit der Natur. Neue Reiseführer sollen Einblick in die Geschichte, Flora und Faune sowie in das ländliche Leben geben. Der Erhalt der biologischen

und kulturellen Vielfalt in Pozuzo, steht bei allen Projekten an vorderster Stelle, ganz nach dem Motto: Der Tourismus wächst, wenn wir alle wachsen!

Umwelt & Tourismus

Das Projektteam in der Natur von Tingomalpaso. Foto: Tomas Polinar

Schnappschüsse aus Pozuzo

Bürgermeister Nilton Ballesteros gibt Gas.

Kirchendach Prusia neu gestrichen.

Neue Bänke für Wartende.

Straßenreparaturen.

LehrerInnen im Restaurant Maldonado.

Notfallübung mit den Einsatzkräften.

Stipendiaten sagen Danke!

SchülerInnen aus Santa Rosa,

...der Tupac Amaru Schule,

...der Alexander von Humboldt Schule Prusia Seite 25

Fotos/Texte: Tomas Polinar, Emanuel Bachnetzer, Gemeinde Pozuzo

Der Tourismus nimmt einen immer größer werdenden Stellenwert in Pozuzo ein. Das Projektteam um Tomas Polinar nimmt sich im ersten Anlauf die Strecke zwischen Pozuzo Zentrum und Tingomalpaso zu Herzen. Hier sollen touristische Attraktionen geschaf-


Wir danken • dem Allgemeinen Deutschen Kulturverein, Wien • der Tiroler Landesregierung, Abteilung Südtirol, Europaregion und Außenbeziehungen, Innsbruck • den Partnergemeinden Silz und Haiming und der Gemeinde Zams • allen Sponsoren und Gönnern unseres Vereines • den Patenschaften unseres Deutschprojektes • allen Freunden, die uns wertvolle Beiträge in der heutigen Ausgabe geliefert haben • unseren Mitgliedern für ihre jährlichen Mitgliedsbeiträge und großzügigen Spenden • allen Vorstands- und Beiratsmitgliedern für ihre ehrenamtliche Tätigkeit

Förderer von Projekten in Pozuzo

Zentrale: 6235 Reith i.A., Dorf 25, 05337 63905 www.reisedienst-alpbachtal.at

Gregor Frötscher M 43 676 8256 2945 gregor.froetscher@generali.com

Wir gratulieren DDr. Herwig van Staa

DI. Dr. Alois Partl

D

U

er Obmann des „Freundeskreises für Pozuzo“, Rudi Heinz, und die Vorstandsmitglieder gratulieren DDr. Herwig van Staa zur Verleihung des Ehrenringes des Landes Tirol und bedanken sich für sein Interesse an Pozuzo und seine stete Unterstützung bei unserer Arbeit für Pozuzo. In einer feierlichen Festsitzung des Tiroler Landtags wurde Altlandeshauptmann und Landtagspräsident DDr. Herwig van Staa mit der höchsten Auszeichnung des Landes Tirol geehrt. Text: Eva Lunger; Foto: Land Tirol/Die Fotografen Seite 26

nser Ehrenmitglied und langjähriger Ehrenschutzträger für die Projekte des Vereins „Gesundheit für Pozuzo“ feierte am 13. Jänner 2019 seinen 90. Geburtstag. Dies ist ein freudiger Anlass, um uns bei ihm für die jahrzehntelange Unterstützung und Freundschaft zu bedanken und ihm alles Gute zu wünschen! 2004 wurde unserem Ehrenmitglied anlässlich der Einweihung der Krankenstation „San Camillo“ in Pozuzo die Ehrenbürgerschaft von Pozuzo verliehen. Text: Eva Lunger; Foto: TKB; Landesüblichen Empfang in Lans.


Wir gratulieren Pozucinerin Silvia Placido heiratet Lechtaler Stefan Bauer

W

ir freuen uns für das junge Brautpaar Silvia Placido Bauer aus Pozuzo und Stefan Bauer aus dem Lechtal! Silvia stammt aus der Region Pozuzo und wirkte im dortigen Tourismussektor, bevor sie zur Ausbildung und zum Arbeiten vorübergehend nach Lima zog. Stefan Bauer ist ein leidenschaftlicher Theaterspieler der Geierwallybühne Elbigenalp, der auch im Pozuzostück „Eine handvoll Heimat“ als Darsteller auf der Bühne stand. Stefan lernte Silvia bei seinen Pozuzoaufenthalten kennen, am 15. Juni 2019 haben sie sich im Lechtal das JA-Wort gegeben. Die Anden treffen auf das Lechtal; so lautete auch das Motto der Hochzeit. Auf dem Foto sehen wir Silvia in einem peruanisch-indigenen InkaPrinzessinnen-Kleid. Der Freundeskreis für Pozuzo gratuliert dem frischen Ehepaar herzlich und wünscht alles Gute für die gemeinsame Zukunft! Text: Emanuel Bachnetzer

Foto: Andreas Bauer

Wir trauern Felix Schmidt Gstir, ein „einfacher Mann, demütig im Dienst seines Volkes“

H

err Felix Schmidt Gstir, Ehrenbürger von Pozuzo, Vater unserer Lehrerin Cecilia Schmidt Schaus, ist im Alter von 92 Jahren am 29. April 2019 verstorben. Wir werden ihm und seiner Frau Sabina Schaus Frech, die am 15. November 2016 gestorben ist, stets ein dankbares Andenken schenken. Felix Schmidt Gstir, geboren am 23. Januar 1927 in deutscher Abstammung (Burglahr) von Vater und Österreicher (Zams) von Mutter, jeweils in dritter Generation, musste aufgrund des Fehlens seines Vaters eine sehr schwere Kindheit und Jugend erleben, der starb, bevor er geboren wurde. Zusammen mit seiner Mutter Rosalia Gstir Schuler, seiner Schwester Lidwina, der Unterstützung ihrer Verwandten und ihrem großen Glauben an Gott, übernahmen sie in jungen Jahren große Verantwortung für die Arbeit auf dem Bauernhof, ohne die moralische und religiöse Ausbildung mit großen Werten außer Acht zu lassen, von seiner Mutter eingeflößt. Bereits als Bürger nahm er an vielen Berufen und gemeinnützigen Tätigkeiten teil: Bau der Heiligen Jesus Kirche, Reitweg nach Cajumpata, Einsatz unter anderem für die Pfarrei. Im Alter von 27 Jahren heiratete er Ana Sabina Schaus Frech, mit der sie sieben Kinder hatten. Felix Schmidt als visionärer Mann, der sich auf die geordnete Entwicklung seines Volkes einließ, entschloss sich, Prusia zu urbanisieren und sich großzügig von weiten Landstrichen zu lösen. Die Bezirksgemeinde Pozuzo, das Prusia Entwicklungskomitee, der Kulturverein, der „Alexander von Humboldt“ Schule und die Bevölkerung von Prusia führten am 12. Juli 2014 ein Programm der Hommage und Dankbarkeit an Felix Schmidt und Frau Ana Sabina Schaus, Zärtlichkeit, Zuneigung und Dankbarkeit, die bis zu seinem Tod anwesend waren. 2009 erhielt er anlässlich des einhundertfünfzigjährigen Bestehens der Kolonialisierung die Medaille eines Ehrenbürgers von Pozuzo und seitens des Kongresses der Republik Peru ein Ehrendiplom als Anerkennung seines Beitrags zur Entwicklung von Pozuzo. Hervorzuheben und zu danken ist dem Freundeskreis für Pozuzo für die Unterstützung bei der Behandlung von Chemotherapie zur Überwindung eines Krebses, den er 2005 erlitten hat. Dank dieser Hilfe konnte er diese Krankheit bekämpfen. Am 29. April 2019 stirbt er im Alter von 92 Jahren mit einem sehr ruhigen Tod.

Empfangen der posthumen Ehrung am Tag seiner Beerdigung am 1. Mai im Park von Prusia, der seinen Namen trägt, durch den Bürgermeister von Pozuzo, den Präsidenten des Entwicklungskomitee von Prusia und andere Persönlichkeiten. Felix Schmidt Gstir ruht in Frieden! Text/Foto: Cecilia Schmidt Schaus Seite 27


Rätselspaß

1. Deutsche Übersetzung für „Lacteos“ 2. Wo wurde Maria Anna Egg geboren? 3. Wie hieß das erste Cafe-Restaurant in Pozuzo? 4. Wie lautet der Vorname des Bürgermeisters von Pozuzo? 5. An welchem Ort in Peru ereignete sich 1859 eine große Katastrophe unter Tiroler Auswanderern? 6. Das „Schönfeld“ hieß im Spanischen „ ......hermosa“ 7. Wie heißt die bekannte Glaubensgemeinschaft in Nordamerika, benannt nach einem Tiroler? 8. „Cementerio .....“ heißt der Friedhof, der an das Unglück von 1859 erinnert. 9. Wie heißt der traditionelle Weihnachtskuchen in Peru? 10. Villa Rica ist ein ideales Anbaugebiet für?

Impressum Herausgeber: FREUNDESKREIS für POZUZO Obmann: Rudolf Heinz rudolf.heinz@hotmail.com Redaktion: Eva Lunger eva.lunger@gmail.com Mitarbeit Pozuzo: Tomas Polinar tommyvideospozuzo@gmail.com Lektor: Peter Unterhuber p.unterhuber@tsn.at Gestaltung: Emanuel Bachnetzer e.bachnetzer@pozuzo.at Druck: Druckerei Pircher, 6430 Ötztal-Bahnhof Ökologisch gedruckt mit Bio-Pflanzenfarben www.pircherdruck.at Der Andenkondor.

POZUZOMAGAZIN

Foto: Richard Bachnetzer

Profile for Freundeskreis für Pozuzo

Pozuzo Magazin Juli 2019  

Aktuelles aus Pozuzo und vom Freundeskreis für Pozuzo

Pozuzo Magazin Juli 2019  

Aktuelles aus Pozuzo und vom Freundeskreis für Pozuzo

Advertisement