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POZUZO Aktuell Mitteilungsblatt des

„FREUNDESKREISES FÜR POZUZO“ Interressensgemeinschaft der Partnergemeinden SILZ und Haiming sowie des Vereins „FREUNDESKREIS FÜR POZUZO“

Nr. 29 / Dezember 2016

Vorwort Aus dem Vereinsleben in Tirol

www.pozuzo.at

2 3 - 11

Berichte aus Pozuzo

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Portraits von hier und dort

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Wir gratulieren und gedenken

20 - 22

Wir danken / Allfälliges

23 - 24 Österreichische Post AG Info.Mail Entgeld bezahlt

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VORWORT

Liebe Vereinsmitglieder, Freunde und Förderer Pozuzos!

Wiederum stehen wir vor dem Ende eines arbeitsreichen Vereinsjahres.

Wir dürfen heuer auf ein schönes und wichtiges Jubiläum für Pozuzo blicken. Seit 20 Jahren betreiben wir das Projekt „Deutschunterricht in Pozuzo“. Es begann im Jahre 1996 mit der Entsendung der 1. Lehrerin aus Tirol, Barbara Wurnig, die Tochter unseres Ehren-Obmannes OSR Franz Wurnig. Es begann eine Erfolgsgeschichte für unseren Verein und für Pozuzo. In den Folgejahren wurden Lehrer und Lehrerinnen aus Tirol für jeweils 1 Jahr nach Pozuzo entsandt. Ab dem Jahre 2003 unterrichten ausnahmslos Lehrerinnen aus Pozuzo, deren Lehrergehälter vom Verein bezahlt werden. Aus- und Weiterbildung erfolgt dank großem Entgegenkommen am Goethe-Institut in Lima.

Höhepunkt des heurigen Jahres war sicherlich die Präsentation unseres Buches „POZUZO- Auswanderer aus Tirol und Deutschland am Rande Amazoniens in Peru“. Dr. Wilfried Schabus, der Autor des Buches und große Kenner Pozuzos stellte das Buch im schönen Ambiente des Bernardisaales im Stift Stams vor einem auserlesenen Publikum vor. Im Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck, Institut für Geographie unter der Leitung von Prof. Dr. Ernst Steinicke wurde auf Initiative von Mag. Hugo Tinzl das Projekt „Bestandsaufnahme der traditionellen Pozuciner Hauslandschaft“ gestartet. David Mittelholz, Geologie-Student an der Uni-Innsbruck, war begeistert von dieser Idee und verbrachte den ganzen September in Pozuzo, um diese alte Pozuciner Bausubstanz zu bewerten und aufzuzeichnen. Zum bevorstehenden Jahresende danken wir noch allen Förderern, Gönnern und Mitgliedern, die uns bei unserer Arbeit immer unterstützen, sowie dem Vorstand des Vereines, für die Arbeit zum Wohle von Pozuzo. So dürfen wir zuversichtlich dem Neuen Jahr 2017 optimistisch entgegenblicken und Euch bitten, auch in diesem Jahr wieder für unser „Projekt“ Pozuzo zu arbeiten. Ich wünsche Euch allen Gesundheit, Freude und viel Glück für 2017.

Rudi Heinz Obmann

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AUS DEM VEREINSLEBEN IN TIROL „POZUZO-Auswanderer aus Tirol und Deutschland am Rande Amazoniens in Peru“ von Dr. Wilfried Schabus, Universitätsverlag Wagner, Innsbruck, 2016 Buchpräsentation am 15. 07. 2016 im Bernardisaal im Stift Stams Nach Jahren der Vorbereitung, Studienreisen nach Peru und Zusammenarbeit mit dem Universitätsverlag Wagner war es am Freitag, 15.07.2016 soweit, dass der Freundeskreis von Pozuzo und Wilfried Schabus das neue Buch „POZUZO – Auswanderer aus Tirol und Deutschland am Rande Amazoniens in Peru vorstellen konnten. Frau Dr. Mercedes Blaas schrieb dazu: „Seitens des Universitätsverlags Wagner freuen wir uns sehr über dieses geglückte Buch, das unser Tirolensien-Verlagsprogramm auf wertvolle Weise bereichert. Herr Professor Schabus hat ein großartiges Werk geschaffen, das dem Fachmann ebenso wie dem interessierten Laien die Geschichte von Pozuzo auf dem neuesten Forschungsstand darlegt.“ Viele interessierte Gäste waren gekommen und im feierlichen Rahmen stellte der Autor Wilfried Schabus sein Werk vor. Laudatorin Eva Lunger würdigte den Autor und stellte sein reiches wissenschaftliches Leben vor. „Tiroler in Südamerika“ war der überseeische Forschungsschwerpunkt von ihm und so ist er unter anderem tief in die Geschichte von Pozuzo einge-

drungen. Er hat die Vorgeschichte der Auswanderung im 19. Jahrhundert durchleuchtet. Er ist den mühsamen Weg von der Pazifikküste bis an den Ostabhang der Anden nachgegangen, hat in Archiven geforscht und lässt Nachkommen der Kolonisten aus ihrem Leben erzählen. So können wir Erinnerungskultur und Geschichte in diesem Werk erleben und im Glossar als Abschluss des Buches werden die im Text vorkommenden Dialektwörter übersetzt und erklärt. Der namhafte Salzburger Geograph Heinz Slupetzky über das Buch: „Ich bin beeindruckt von der nicht zu überbietenden Vollständigkeit und Genauigkeit Ihrer in dem Buch ausführlich niedergelegten Fakten und nachvollziehbaren Schlussfolgerungen.“ Es war eine gelungene Feier, Obmann Rudi Heinz konnte unter den vielen Gästen Abt German und Landtagspräsident Herwig van Staa willkommen heißen, welche auch Grußworte sprachen. Er bedankte sich beim Universitätsverlag Wagner für die großartige Zusammenarbeit, besonders bei Frau Dr. Mercedes Blaas, welche

als Programmleiterin und Lektorin das Werk mit „großer Kompetenz und Freundlichkeit“, wie Wilfried Schabus es ausdrückte, betreute. Sein Dank galt allen Förderern und Sponsoren, die durch ihre Unterstützung den Druck des Buches ermöglicht haben. Der Autor bedankte sich bei Mag. Hugo Tinzl vom Freundeskreis für Pozuzo, der dieses Projekt von Beginn an betreut und unterstützt hat und bei Frau Dr. Sonja Ortner, die einen Beitrag für das Buch über die deutschsprachigen Volkslieder in Pozuzo geschrieben hat. Der Männerchor Silz und der Ötztaler Dreiklang „Jung und frisch“ umrahmten die Feier und viele Freunde und Interessierte an Pozuzo und Mitglieder des Freundeskreises, die von ganz Tirol gekommen waren, nahmen ein Buch mit nach Hause, um sich immer wieder in diese „Tiroler Geschichte der Auswanderung“ vertiefen zu können. Eva Lunger

Impressionen des Abends

Autor Dr. Wilfried Schabus mit Obmann Rudi Heinz

Musikalische Umrahmung durch den Männerchor Silz

Musikalische Feinheiten durch den Ötztaler Dreiklang „Jung und Frisch“

Hausherr Abt Germann Erd im Gespräch vertieft mit Ehrenmitglied LP DDr. Herwig van Staa

Dr. Mercedes Blaas, Lektorin des Buches vom Universitätsverlag Wagner

Obmann Rudi Heinz überreicht Blumen an Laudatorin Eva Lunger

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AUS DEM VEREINSLEBEN IN TIROL

Obmann-Stvtr. Mag. Hugo Tinzl mit Gattin Caroline

Autor Dr. Wilfried Schaus , Eva Lunger, Rudi Heinz

Einen Blumenstrauß an die Gattin unseres Autors

Christine Kohel aus Pozuzo zwischen Traudi Feichtinger und ihrem Enkel Adriano aus Portugal

In fröhliche Runde v.l. Erich Haslwanter, Vbgm. Gde. Stams Gerhard Wallner, Abt German Erd, Bgm. Gde.Silz Ing. Helmut Dablander

v.l. Hackl Werner, Hackl Edith, Vbgm.Gde. Silz Daniela Holaus, Reinhard Holaus, Josef Tabernig, Traudi Feichtinger

Über den Autor des Buches „POZUZO-Auswanderer aus Tirol und Deutschland am Rande Amazoniens in Peru: Kultur- und Sprachforscher: Prof. Dr. Wilfried Schabus Von Karl Brunner

„Der von den älteren Einheimischen gesprochene Dialekt hat mich schon in meiner Kindheit interessiert“, erinnert sich Wilfried Schabus. Schabus ist Kultur- und Sprachforscher und lebt vorwiegend in Wien. Eine unglaubliche Fülle von Publikationen zeigt die Produktivität und Vielseitigkeit dieses weitgereisten Feldforschers und Dialektologen auf. Schabus kam 1943 in Lübeck, wo seine Mutter lebte, zur Welt. Als er vier Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach Rattendorf im Gailtal, den Heimatort seines Vaters. Das 1958 in Hermagor erbaute Haus seiner Eltern ist ihm inzwischen zu einem wichtigen Rückzugsort geworden. Eigentlich wollte Schabus ursprünglich wie sein Vater Automechaniker und später dann auch einmal Mediziner werden. Es kam anders: Schabus wurde Lehrer, was er aber nur kurzzeitig ausübte, studierte dann Germanistik und Anglistik in Wien. In seiner Dissertation (1971) widmete er sich der „Dialektgeographie des Lesachtals“, gleichzeitig wirkte er als Autor am „Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich“ unter der Leitung von Prof. Eberhard Kranzmayer mit. Hauptberuflich arbeitete er danach

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am Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Bis 2012 war er außerdem als habilitierter Honorarprofessor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Uni Wien tätig. Auf Exkursionen mit seiner Lehrerin Prof. Maria Hornung zu altösterreichischen Minderheiten in Oberitalien wie z.B. Pladen/Sappada oder Zahre/ Sauris - lernte er schon früh die Faszination kontaktlinguistischen Forschens in einem fremdsprachigen Umfeld kennen, einschließlich der kulturellen Interaktion mit der jeweiligen Mehrheitsbevölkerung. Dies ließ ihn bald seine „eigenen“ Projekte verfolgen, die ihn schließlich bis nach Übersee oder nach Sibirien führten. Besonderes Augenmerk legt Schabus auch auf die historischen Hintergründe, die Menschen einst zum Verlassen der Heimat veranlasst und somit zur Entstehung von „Sprachinseln“ geführt haben, seien es wirtschaftliche Not oder brutale konfessionspolitische Verfolgung. Von Letzterer waren im 18. Jahrhundert viele Kärntner betroffen, die wegen ihrer Konfession nach Siebenbürgen (Rumänien) „transmigriert“ wurden. Doch nicht alle nach Siebenbürgen verschleppten Kärnt-

Prof. Wilfried Schabus: Vielseitiger Sprach- und Kulturforscher

Prof. Schabus unterwegs im Bezirk Pozuzo

ner sind zu protestantischen „Landlern“ geworden, etliche haben sich dort den täuferischen Hutterern angeschlossen. Das waren ursprünglich

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AUS DEM VEREINSLEBEN IN TIROL Tiroler, die wegen ihrer seit dem 16. Jahrhundert als „Wiedertäufer“ erlittenen Verfolgung zu einer Art Wandersprachinsel geworden waren. Damals lebten sie gerade in Siebenbürgen, später dann am Schwarzen Meer, heute mehrheitlich in Kanada, wo Schabus drei Monate bei ihnen verbringen durfte. Noch im 19. Jahrhundert mussten viele Österreicher, vor allem aus Tirol, ihre Heimat verlassen und erreichten oft erst nach unvorstellbaren Odysseen und großen Opfern ihre neuen überseeischen Bestimmungsorte, wo sie enorme Pionierleistungen zu bewältigen hatten, so etwa im „Dorf Tirol“ in Brasilien oder am See Llanquihue im südlichen Chile. Bei Ersteren war es die damalige wirtschaftliche Not in Teilen Tirols, bei Letzteren die noch im Jahre 1837 erfolgte konfessionsbedingte Vertreibung aus dem Zillertal, die sie zur Auswanderung zwang. Dabei handelte es sich um die sogenannten Zillertaler Inklinanten, die zunächst im preußischen Hirschberg /Jelenia Gora

(Schlesien, heute polnisch) eine neue Heimat fanden, bevor etliche von ihnen in den 1850er Jahren dem Ruf des damals einwanderungsbedürftigen Chile folgten. Nicht aufgrund einer Zwangssituation, sondern durch obrigkeitliche Versprechungen auf wirtschaftlichen Aufstieg ließen sich 1775 katholische Forstarbeiter aus dem Salzkammergut nach Transkarpatien (damals Ungarn, heute Ukraine) anwerben. Als Schabus erfuhr, dass 1946 zahlreiche „Salzkammergütler“ von dort nach Sibirien deportiert wurden, machte er sich auf in den kleinen russischen Ort Paljánowo. Tatsächlich traf er dort, 2.000 km östlich von Moskau, noch drei ältere Frauen an, die zu jenen gehörten, die einst als junge Verbannte dieses kleine Dorf in der westsibirischen Taiga aufbauen mussten. In Südamerika hat sich Schabus seit 1988 besonders intensiv der Tiroler Enklave Pozuzo zugewandt, dem wohl spektakulärsten Beispiel europäischer Migrationsgeschichte. Kürzlich

erschien das 448 Seiten starke Buch „Pozuzo. Auswanderer aus Tirol und Deutschland am Rande Amazoniens in Peru“ (Universitätsverlag Wagner, Innsbruck). Ein großartiges, sehr gut verständliches Werk auf dem allerletzten Stand der Forschung. In diesem Buch, das am 15. Juli 2016 im Stift Stams feierlich vorgestellt wurde, berichtet der Autor auch von den terroristischen Aktivitäten des „Leuchtenden Pfades“, die drei seiner bisher acht Peru-Aufenthalte überschatteten. Derzeit ist Wilfried Schabus mit dialektologischen Erhebungen in Osttirol beschäftigt und arbeitet an einer internationalen Publikation über „Varieties of German Worldwide“ mit. Außerdem plant er auch bald wieder eine Reise nach Peru. Karl Brunner stammt aus dem Kärntner Lesachtal und ist ein großer Tirol-Fan, der immer wieder über seine Heimat-Region, dem Bezirk Hermagor schreibt.

Galaabend des Freundeskreises für Pozuzo Der Freundeskreis von Pozuzo erhielt auch heuer wieder im Rahmen des traditionellen Galaabends, im Prälatenkeller in der Orangerie im Stift Stams, einen stattlichen finanziellen Beitrag zur Unterstützung des Tiroler Auswandererdorfes in Peru. Der Galaabend des Freundeskreises für Pozuzo feierte am 14. Oktober sein fünftes Jubiläum. Im Rahmen dieses eleganten wie geselligen Abends, mit 82 Gästen, wurde der stattliche Betrag von Euro 1.500,- zur Unterstützung des Deutschunterrichts im Tiroler Auswandererdorf Pozuzo in Peru dem Verein zur Verfügung gestellt. Die „Pflege“ der Geselligkeit ist ein wichtiger Punkt in den Statuten des Freundeskreises für Pozuzo. Neben gemeinsam besuchten kulturellen Veranstaltungen ist der Galaabend der gesellschaftliche Höhepunkt der wohltätigen Aktivitäten des Vereins. Er dient dem besseren Kennenlernen aller Mitglieder und Förderer und jener, die es noch werden wollen. Das Deutschprojekt feiert heuer sein 20-jähriges Bestehen und wurde im Jahre 1996 mit der ersten Deutschlehrerin aus Tirol, Barbara Wurnig, gestar-

tet. Bis zum Jahre 2002 unterrichteten Lehrer und Lehrerinnen aus Tirol. Seit 2002 unterrichten sechs Lehrerinnen aus Pozuzo über 800 Kinder in der deutschen Sprache. Ein besonderer Dank gilt heuer dem Pächterehepaar der Orangerie im Stift Stams, Hannes und Michi Neurauter, das diesen Abend mit feiner Tiroler Küche kulinarisch vollendete und dem Verein damit diese großzügige finanzielle Unterstützung zukommen ließ. Im Rahmen des Galaabends wurde zudem das Buch von Dr. Wilfried Schabus „POZUZO - Auswanderer aus Tirol und Deutschland am Rande Amazoniens in Peru“, beworben. Das im Juli 2016 erschienene Buch erzählt die Geschichte der Auswanderung von Tiroler und deutschen Familien nach Peru: Vor rund 150 Jahren mussten aus den heute als Einwanderungsziele so begehrten Ländern Österreich und Deutschland viele Menschen aus wirtschaftlicher Not auswandern. Dieses Buch erzählt von kinderreichen Familien aus Tirol und dem Rheinland, die 1859 nach einer zwei Jahre langen,

verlustreichen Irrfahrt schließlich in der Isolation des peruanischen Regenwaldes als Siedlungspioniere ein neues Leben begannen, und wie sich das Leben ihrer Nachkommen bis heute entwickelt hat. Mag. Verena Karimi geb. Wurnig

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag: 10-22 Uhr Sonntag: 10-18 Uhr Dienstag: Ruhetag Betriebsurlaub: 27. Dez 2016 bis 4. Feb. 2017

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AUS DEM VEREINSLEBEN IN TIROL Schnappschüsse des Abends

Die Pozuzo Fahne begrüßt unsere Pozuzo Freunde

v.l. O-Stvtr. Mag. Hugo Tinzl, Mag. Verena Karimi, OSR Franz Wurnig, Irmgard Tinzl, Med.R. Dr. Karl Tinzl

v.l. Rudolf Neurauter sen. mit Gattin Margit, Rudolf Neurauter jun.

v.l. Helmut Wolf, Erwin Mattes, Dr. Gerlinde Keuschnig, Ilse Wolf

In fröhlicher Runde O-Stvtr. DI Eugen Feichtinger mit Abt German Erd

Was bespricht unser KR Jörgl Marberger (l) mit dem Bgm. von Stams Franz Gallop?

Unsere Freunde aus dem Unterinntal v.l. Maria Valentini, Mag. Priska Mair-Valentini, Stefan Gasser

Familie Ali und Barbara Götsch

Das Pächterehepaar der Orangerie Michi und Hannes Neurauter

Abt German Erd mit Mag. Verena Kamini

Emanuel Bachnetzer, Helene Zoller-Hirn,

Carloline Heinz

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AUS DEM VEREINSLEBEN IN TIROL Bestandsaufnahme der traditionellen Pozuziner Hauslandschaft Im Rahmen meiner Masterarbeit zur Erforschung der Veränderung und Anpassung der Hofarchitektur und Hauslandschaft in Pozuzo im Vergleich zur Tiroler Hauslandschaft im 19. Jahrhundert bin ich im September 2016 nach Pozuzo gereist, um dort eine Bestandsaufnahme und Kartierung der noch bestehenden traditionellen Pozuciner Höfe vorzunehmen. Durch meine Erhebungen konnte ich dabei 25 bekannte und teilweise weniger bekannte, weil weiter entfernte Höfe, finden und aufnehmen. Neben meinem Motorrad waren mir dabei die Bewohner Pozuzos eine große Hilfe, die mir trotz meiner eingeschränkten Sprachkenntnisse immer wieder Tipps geben konnten, wo noch weitere Objekte zu finden seien. Mein Suchgebiet erstreckte sich dabei im Norden bis über die Grenze der Provinz Pasco und in der anderen Richtung bis etwa 15 km südlich von Pozuzo Centro und war dabei nicht immer leicht zugänglich und mit teilweise langen Wanderungen durch unwegsames Gelände verbunden. In Pozuzo Centro selber sind nur noch zwei traditionelle Häuser im alten Stil zu finden, die beide vor etwa 100 Jahren gebaut worden sind. Die erhobenen Häuser können in zwei Kategorien unterteilt werden. Einmal die wirklich alten Häuser, die an die 100 Jahre oder älter sind und die jüngeren Häuser, meist 50 bis 60 Jahre alt, die aber nach dem alten Stil und oft aus dem Holz älterer Häuser gebaut worden sind. Viele der 100-jährigen Häuser sind in Delfin zu finden. Sie werden heute allerdings, abgesehen vom Stadlerhaus, meist nur noch als Lager, Werkstätten, Garagen und Schlafplatz für Arbeiter genutzt. Das Stadlerhaus hingegen wurde für Touristen hergerichtet und dient als Übernachtungsherberge. Des Weiteren gibt es auch die Möglichkeit, in Toropampa in der Albuerge Fueistier zu übernachten oder das „Casa Tipica“ Museo Vogt zu besuchen. Marianna Schaus und Maria Egg werden ihre derzeit jeweils leerstehenden Häuser nahe Santa Rosa/ Palmatambo zu Herbergen für Touristen ausbauen. Bewohnte Häuser sind nicht mehr so

viele zu finden, da sich die meisten Bewohner direkt nebenan ein neueres, moderneres Haus gebaut haben. Daher wurde meist auch der nicht mehr benötigte Küchenanbau abgerissen und das untere Stockwerk mit Brettern oder Mauerwerk verschlossen. Allerdings wurde mir auch mehrfach versichert, dass besonders die herausragende Qualität des alten Holzes geschätzt wird, welches auch nach 100 Jahren weder schimmelt noch durch Holzwürmer oder Termiten angefallen wird und somit keinerlei Absichten bestehen, die Häuser abzureißen. Es gibt auch noch immer einige abgelegene Chakras, leicht umgebaute Häuser, oder das 100 Jahre alte Köhel-Haus kurz hinter Pozuzo Centro, welche immer noch bewohnt sind. Genauere Details zu meinen Erhebungen und den Häusern Pozuzos gibt es in meiner Masterarbeit, die bis März 2017 fertiggestellt sein wird. Ich möchte mich hier auch noch mal besonders bei Frau Helga Willhelm bedanken, in deren Bunga-low ich einen wunderschönen Monat verbringen durfte und die mich auch zu manchem Gehöft begleitet hat und mir als Dolmetscher zur Verfügung gestanden ist. Ebenso ein großes Dankeschön an Carlos Gstir, der zwar leider die meiste Zeit in Lima war, aber mir in dem Monat sein Motorrad überlassen hat, wodurch ich mich jederzeit frei bewegen und auch die weit entfernten Gehöfte aufsuchen konnte. Auch ein großes Dankeschön an Jakob Kussinger, den derzeitigen Freiwilligen in Pozuzo, der mir mit seinen exzellenten Spanischkenntnissen sehr weitergeholfen hat, außerdem hat man in seiner Küche immer etwas Gutes zum Essen gefunden. Zum Schluss ein großer Dank an den Freundeskreis für Pozuzo, besonders Rudi Heinz und Mag. Hugo Tinzl, ohne die dieses Projekt wohl nie zustande gekommen wäre und ohne deren Unterstützung ich auch nicht so schnell wieder ins schöne Pozuzo gekommen wäre.

Besprechung vor der Abreise nach Pozuzo. v.l. Mag. Hugo Tinzl, David Mittelholz, Rudi Heinz

Haus in Pozuzo Centro

Aguero Vogt Haus in Delfin (60 Jahre), bewohnt

Chacra Schuler Stadler ca. 15 km südlich von Prusia (62 Jahre), bewohnt

Stadlerhaus in Delfin (100 Jahre), Touristenherberge

David Mittelholz

Albuerge Fueistier, Toropampa (100 Jahre), Touristenherberge

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AUS DEM VEREINSLEBEN IN TIROL Premiere von „DER SCHEIN TRÜGT“ auf der Geierwally-Freilichtbühne in Elbigenalp. Am 9. Juli 2016 war es wieder soweit. 42 Pozuzofreunde beteiligten sich an der Premieren-Fahrt nach Elbigenalp, die traditionellerweise seit 2010 immer wieder stattfindet. Die Komödie „Der Schein trügt“ stand auf dem Programm. „Schlafende Hunde soll man nicht wecken - dasselbe gilt auch für verschlafene kleine Alpendörfer. In der kleinsten Gemeinde Österreichs reißt ein Lottogewinn die heimische Bevölkerung aus ihrem Dornröschenschlummer und veranlasst sie zum Coup gegen die Delegierten der Österreichischen Lotto-Gesellschaft. Die Gewinnerin ist verstorben und der Millionengewinn bald wieder Staatseigentum - so die Befürchtung. Nun versuchen die listigen Dörfler mit vereinten Kräften und göttlichem Segen den Schein zu wahren. Moralische Bedenken werden sofort über Bord geworfen und es stellt sich schon bald nur noch die Frage nach der Durchführbarkeit des Schwindels.“ Die Verpflegung im Gasthaus „Geierwally“ bei Familie Guido Degasperi sowie die souveräne Fahrt und Betreuung durch die Firma Auderer aus Imst waren wieder ausgezeichnet.

Dr. Ernst Steinicke, Institut für Geographie, Universität Innsbruck Evaluierung der „Entwicklungshilfe“ für die Tiroler Sprachinsel Pozuzo in Peru durch die Universität Innsbruck Im Rahmen seines Masterstudienprogramms hat das Innsbrucker Universitätsinstitut für Geographie wieder eine Evaluierung der Entwicklungszusammenarbeit angeboten. Nach Kenya stand diesmal Peru im Mittelpunkt. Die Kursleiter Ernst Steinicke und Martina Neuburger schlugen den Themenkreis Evaluierung der Förderprojekte für die Tiroler Sprachinsel Pozuzo an der peruanischen Andenostabdachung vor, was 13 Masterstudierende gerne aufnahmen. Voraus ging ein Gespräch mit den Verantwortlichen der Tiroler Unterstützungsvereine, die zusagten, das Vorhaben uneingeschränkt zu fördern. In ausführlichen Diskussionen

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formulierten die Studierenden zunächst das Ziel der Untersuchung sowie wichtige Fragestellungen dazu. Es galt herauszufinden, inwieweit die v.a. von Tiroler Seite geführten Unterstützungsaktionen erfolgreich waren. Um die Thematik möglichst vielperspektivisch anzugehen, fand, einer allgemein vertiefenden wissenschaftlich-geographischen Ausbildung folgend, im zweiten Semester - nach einer kritischen Auseinandersetzung mit Publikationen betreffend Pozuzo - ein Seminar über demographische, sozioökonomische und historisch-politische Aspekte zur peruanischen Landeskunde statt. Im Zuge weiterer Lehrveran-

staltungen kamen auch Grundprobleme, Theorien und Strategien der Entwicklungsforschung sowie kritische Post-Development-Gedanken zur Sprache. Nach dieser einführenden Phase begannen die konkreten empirischen Erhebungen. Diese bestanden aus Erhebungen in Tirol und anschließend aus Vor-Ort-Untersuchungen in Peru. Im Herbst wurde dann der Evaluierungsbericht (siehe Foto) herausgegeben. Ziel der Forschungen in Tirol war es, Informationen und Daten zu besorgen, die das Vorwissen stärkten und für die eigentliche Forschungstätigkeit in Pozuzo von Vorteil waren (z.B. Analyse

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AUS DEM VEREINSLEBEN IN TIROL der Webseiten der unterstützenden Tiroler Vereine, Bestandsaufnahme sowie Analyse der „Pozuzo aktuell“-Hefte oder auch eine Online-Mitgliederbefragung). In Pozuzo selbst sollten innerhalb einer knappen Woche folgende Projekte, die aus Tirol unterschiedliche Formen der Förderung erhielten, in den Evaluierungsprozess einbezogen werden: Deutschkurse, Stipendien für Schüler, Aufenthalte von Pozucinos in Tirol (Saisonarbeitskräfte), Kulturvereinshaus, Lehrwerkstätte, Krankenhaus San Camilo. Insgesamt war im Rahmen des Praktikums keine allumfassende Evaluierung möglich, zumal von vornherein nur eine begrenzte Aufenthaltsdauer zur Verfügung stand. Die Studierenden hatten die Reisekosten ja selbst aufzubringen. Neben dem zeitlichen Druck bestand noch eine weitere Einschränkung: Da wenige unter den Studierenden Spanisch sprachen, konnten vorwiegend nur deutsch-sprachige Interviewpartner befragt werden, oder die Studierenden mussten immer wieder auf einheimische Übersetzer zurückgreifen. Der Kursleitung war schon im Vorfeld klar, dass die solcherart durchzuführenden Eigenerhebungen in Pozuzo für eine echte Evaluierung Defizite in sich bergen. Dennoch ließen sich im Bericht konkrete Aussagen formulieren. Aus Platzgründen kann hier nur eine Zusammenfassung der Erhebungen in Pozuzo wiedergegeben werden. Die für die Projekte gesetzten Ziele ließen sich insgesamt weitestgehend erfüllen. Dies gilt insbesondere für den im Jahr 2014 offiziell beendeten Bau der Krankenstation San Camilo - des finanziell größten Entwicklungsprojekts in Pozuzo. Auch die Sachspenden, die Maschinen aller Art (Handwerksmaschinen, Stahlschneider, Tischlerei- und Fleischereimaschinen) sowie Ausstattungen für das Krankenhaus umfassten, wurden fair verteilt und kommen dadurch dem Allgemeinwohl zugute. Viele Arbeiten in den Tischlereibetrieben und im EDE-Gebäude wären ohne diese Maschinen nicht möglich gewesen bzw. hätten einen viel höheren Zeitaufwand erfordert. Auch die Errichtung der Stiftung im Jahr 2009 zur finanziellen Unterstützung lernwilliger und bedürftiger Jugendlicher aus Pozuzo mit dem Ziel, ihnen eine schulische Ausbildung zu ermöglichen, wurde höchst positiv evaluiert. Was den geförderten Deutschunterricht in den Schulen von Pozuzo-Centro und Prusia betrifft, so waren die Ergebnisse eher ernüchternd.

v.r.: Univ.-Prof. Dr. Ernst Steinicke mit HR Dr. Fritz Staudigl, Vorstand der Abteilung Südtirol, Europaregion und Aussenbeziehungen des Amtes der Tiroler Landesregierung

Zwar fand man heraus, dass der Großteil der befragten Schüler und Eltern den Unterricht begrüßten, doch war es schwierig, hier signifikante Erfolge zu erkennen. Verbesserungen der Sprachkenntnisse bietet wiederum das „Saisonarbeiterprogramm“, das im Zuge der Entwicklungszusammenarbeit über den Pozuciner „Circulo Amigos del Tirol“ (Freundeskreis für Tirol) organisiert wird. Die Studierenden bewerteten diese Aktion sehr gut, zumal jungen Pozucinern die Möglichkeit eingeräumt wird, Erfahrungen in Tirol zu sammeln, sei es sprachlicher, kultureller oder touristischer Natur – und dies ohne einen Kostenaufwand für die ARGE-Pozuzo. Kleinere Bedenken betrafen lediglich das Procedere bei der Auswahl der Saisonarbeiter. Ein weiteres Projekt, das durch die Entwicklungszusammenarbeit ermöglicht wurde, ist die Errichtung des Kulturvereinshauses, welches lt. Meinung der Studierenden bei der Bewahrung und Aufrechterhaltung der Tiroler Kultur einen wichtigen Beitrag leistet. Die erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit bestätigt auch die Umfrage unter den Mitgliedern des „Circulo Amigos del Tirol“. Als konstruktive Kritik formulierten die Studierenden, dass eine feinere Abstimmung zwischen den einzelnen Projekten erstrebenswert sei. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Lehrwerkstätte Pozuzo“, welches v.a. initiiert wurde, um die Instandhaltung der Krankenstation kostengünstig und auf lange Sicht zu gewährleisten. Dabei wurde jedoch übersehen, dass viele der Geräte schlicht zu kompliziert aufgebaut sind, um sie nach einer „einfachen“ Elektrotechnikausbil¬dung zu warten. Abschließend lässt sich feststellen, dass die „Tiroler Entwicklungshilfe in Pozuzo/ Peru“ von „normalen“ Unterstützungsprojekten deutlich abweicht. Es geht in erster Linie nicht um das Bestreben, einen wünschenswerten demogra-

Vorstellung des Kulturvereinshauses in Pozuzo durch Stefanie Neusser

phischen wie sozioökonomischen Zustand mit Hilfe ideeller und materieller Ressourcen herbeizuführen, sondern vielmehr darum, kulturelle Verfallsund Verdünnungsprozesse zu verzögern. Wie sonst könnte man kulturelle Hilfe für eine winzige Tiroler Minderheit von einigen 100 Personen inmitten eines 30 Millionen Volkes rechtfertigen? Dennoch kann diese Förderung auch unschätzbare und langlebige ökonomische Vorteile für Pozuzo bedeuten: Den Bewohnern wird ihre ethno-linguistische und kulturelle Sonderstellung in Peru nahegebracht. Damit entsteht auch eine neue Verbindung mit der einzigartigen von den Tiroler Auswanderern geprägten Kulturlandschaft. Diese Besonderheit von Pozuzo wird damit nicht nur den Nachkommen der Auswanderer, sondern auch der dort lebenden und die weitaus große Mehrheit bildenden indigenen Gemeinschaften bewusst. Eine neue Identität lässt sich damit in Zusammenhang bringen, von der die Wirtschaft dauerhaft profitieren kann: in einem Ethno-Tourismus, von dem sich nicht nur Europäer angesprochen fühlen, sondern in erster Linie Peruaner. Also nachhaltige Entwicklung durch kulturelle Förderung?

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Jubiläumsreise 1857 – 2017 160 Jahre Auswanderung nach Pozuzo

Alle 10 Jahre gedenken wir der Auswanderung nach Pozuzo mit einer Jubiläumsfahrt nach Peru und Pozuzo. Im nächsten Jahr ist es wieder so weit. Wir schränken unsere Reisegruppe auf 20 Personen ein, d.h. Interessenten sollen sich so früh als möglich verbindlich anmelden, spätestens jedoch bis 28. Feber 2017. Ende Feber ist damit auch eine Anzahlung in Höhe von 20 % fällig. Die Jubiläums-Reise wird wieder von Hannes Gwiggner „Reisedienst Alpbachtal“ organisiert. Interessierte Mitglieder und Angehörige ersuchen wir, sich beim Obmann des Vereines „Freundeskreis für Pozuzo“ Rudi Heinz anzumelden (Tel. 0676-3797610 - rudolf.heinz@generali.com) oder direkt bei Hannes Gwiggner (Tel. 05337/63905-15 – hannes@reisedienst-alpbachtal.at). Für die Jubiläumsreise nach Pozuzo ist folgender Reiseverlauf geplant: 1.Tag, MI 19.07.2017 Bustransfer zum Flughafen München, am Abend Flug München-Madrid-Lima 2.Tag, DO 20.07.2017 Transfer ins Hotel in Miraflores, Tag zur freien Verfügung. Übernachtung in Lima 3.Tag, FR 21.07.2017 City-Tour in Lima, Mittagessen, Möglichkeit zu einem Museumsbesuch, Übernachtung in Lima. 4.Tag, SA 22.07.2017 Fahrt mit dem Linienbus nach Oxapampa, dort Abendessen und Übernachtung. 5.Tag, SO 23.07.2017 Weiterfahrt nach Pozuzo, herzlicher Empfang. 6.Tag, MO 24.07.2017 Pozuzo 7.Tag, DI 25.07.2017 Pozuzo – Kolonisten Tag 8.Tag, MI 26.07.2017 Pozuzo 9.Tag, DO 27.07.2017

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Pozuzo 10.Tag, FR 28.07.2017 Pozuzo – Nationalfeiertag Peru 11.Tag, SA 29.07.2017 Pozuzo - Abschiedsabend 12.Tag, SO 30.07.2017 Rückreise nach Lima. Ankunft dort am Abend, Übernachtung in Miraflores. 13.Tag, MO 31.07.2017 Vormittag steht noch zur freien Verfügung für letzte Einkäufe – am Nachmittag Transfer zum Flughafen und Rückflug Lima-Madrid München. 14.Tag, DI 01.08.2017 Ankunft abends in München, Transfer nach Tirol. Preis für Transfer zum Flughafen München und zurück, Flug inkl. aller Taxen und Gebühren, 3 Übernachtungen im 3-Sterne-Hotel in Miraflores am Beginn und Ende der Tour inkl. sofortigem Zimmerbezug am Ankunftstag, alle Transfers in Lima (Flughafen-Hotel und zurück, Hotel-Busstation und zurück), halbtägige City-Tour mit anschl. Mittagessen. Weiters inkludiert sind die Fahrten Lima Oxapampa – Pozuzo und zurück, 1 Übernachtung in Oxapampa mit Abendessen, 7 Übernachtungen in Pozuzo inkl. Vollpension und Besichtigungsprogramm. € 2.475,-- p.P. im Doppelzimmer Einzelzimmerzuschlag € 170,-- (nur für Lima – in Oxapampa und Pozuzo auf Anfrage) (Mindestteilnehmerzahl 12 Personen) VERLÄNGERUNGSPROGRAMM „HÖHPUNKTE SÜD-PERUS“ 13.Tag, MO 31.07.2017 Nach dem Frühstück Transfer zum Flughafen und Flug nach Cuzco. Busfahrt ins Hl. Tal mit Besichtigungen und Mittagesse, Inkafestung von Ollantaytambo, Übernachtung im Hl. Tal. 14.Tag, DI 01.08.2017 Fahrt mit dem Zug nach Machu Picchu. Shuttle – ein Höhepunkt dieser Reise! Späteres Mittagessen in Aguas Calientes,

Rückfahrt nach Ollantaytambo, Übernachtung im Hl. Tal. 15.Tag, MI 02.08.2017 Frühstück und kurzer Besuch vom Markt von Pisac, nach dem Mittagessen steht die Besichtigung der umliegenden Ruinen von Cuzco auf dem Programm, Übernachtung in Cuzco. 16.Tag, DO 03.08.2017 Ehemaligen Inkahauptstadt Cuczo, am Vormittag City-Tour mit Kathedrale und Sonnentempel, anschl. Mittagessen. Der Nachmittag zur freien Verfügung. Übernachtung in Cuzco. 17.Tag, FR 04.08.2017 Fahrt mit dem Touristenlinienbus zum Titicacasee. Unterwegs werden Stopps in Raqchi und Andahuaylillas (Besichtigungen) gemacht. Unterwegs Mittagessen, Übernachtung in Puno. 18.Tag, SA 05.08.2017 Erlebnis Titicacasee! Fahrt zu den Inseln der Uros und zur Insel Taquile mitten im See, wo strickende Männer anzutreffen sind, dort auch Mittagesssen. 19.Tag, SO 06.08.2017 Transfer zum Flughafen Juliaca und Flug nach Lima. Von dort Rückflug nach Madrid und München Preis für das Verlängerungsprogramm: Flüge Lima-Cuzco / Juliaca-Lima, Rundreise mit vielen Besichtigungen und Eintritten wie im Programm angeführt, 6 x Übernachtung in Mittelklassehotel, Bahnfahrt Machu Picchu, 6 Hauptmahlzeiten wie angegeben € 1.370,-- p.P. im Doppelzimmer – Zuschlag im Einzelzimmer € 155,-(Mindestteilnehmerzahl 8 Personen)

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AUS DEM VEREINSLEBEN IN TIROL

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In der Heimat von Pfarrer Franz Schafferer Am 25. Oktober 2016 fuhr eine kleine Delegation des Vereins „Freundeskreis für Pozuzo“ nach Gschnitz, um sich auf die Spuren von Pf. Franz Schafferer zu begeben. Im Gasthof Alpenrose wurden wir sehr herzlich vom Wirt Helmut Schafferer, Großneffe des vor 81 Jahren verstorbenen Kolonistenpfarrers, und seiner Frau Nina empfangen. Mit den Vorstandsmitgliedern des Freundeskreises, Obmann Rudi Heinz, Mag. Hugo Tinzl und Eva Lunger trafen sich auch noch der Urgroßneffe von Pf. Schafferer, Dr. Artur Prem, und die Großnichte Barbara König mit ihrem Mann Peter König.

Wir wurden sehr herzlich empfangen und beim gemütlichen Beisammensitzen wurde die Zeit zurückgedreht, Erinnerungen und Erzählungen wurden ausgetauscht, Fragen nach der Geschichte ergaben sich, Antworten wurden gesucht und gefunden. So entstand ein Bild der Familie des Pfarrers Franz Schafferer, geboren am 14. Jänner 1868 in Gschnitz und gestorben am 27. November 1935 in Pozuzo, der im Jahre 1895 zur Unterstützung von Pfarrer Josef Egg den weiten Schritt nach Pozuzo wagte. Wir besuchten gemeinsam den Friedhof und das Elternhaus von Franz

Schafferer, in dem noch die Frau des verstorbenen Großneffen Konrad lebt. Barbara Königs Vorschlag, dass Pf. Schafferer, dieser besondere Sohn der Gemeinde Gschnitz, eine Würdigung verdienen würde, wurde von uns aufgenommen und nach einem Treffen mit dem bekannten Pfarrer Alfons Senfter fanden wir einen Weg, dies in die Tat umzusetzen. Doch davon mehr in der nächsten Ausgabe, in der auch wieder über das Leben und Wirken des Kolonistenpfarrers in Pozuzo, Franz Schafferer, berichtet wird. Eva Lunger

Erfreuliche und nicht erfreuliche Kurznachrichten von Carlos Gstir Schaus im Original: Wie Ihr wisst, haben wir jetzt eine Festwoche verbracht mit dem Jahrestag von Pozuzo und den Nationalfeiertagen. Wir hatten ziemlich viele Gaeste, hauptsaechlich aus Lima, obwohl es, meiner Meinung nach , nicht ganz so viele waren wie im letzten Jahr. Die Festlichkeiten begannen wie immer mit der Misswahl und am 25. der Jahrestag von Pozuzo, an dem wir an die

Ankunft der Kolonisten, die vor 156 Jahren ankamen, dachten. Beim Programm am Nachmittag ( Volkstaenze etc.) habe ich die Gruesse von Euch an alle Anwesenden uebermittelt. Nun zu einem anderen Thema. Die Tochter von Enrique Mueller, Jubitza, hat nun bekundet, dass sie am Ende dieses Jahres nach Tirol zum Arbeiten kommt. Ich bedanke mich herzlichst

bei Martina. Leider sind in diesem Jahr 2 schwere Unfaelle auf dem Weg von Oxapampa nach Pozuzo passiert: Zwei PKWs sind abgestuerzt und in den Huancabambafluss gestuerzt. Es gab insgesamt 4 Tote und mehrere Verletzte und das hat die Freude doch getruebt.

„POZUZO- HISTORIA Y SU GENTE“

Nach mehreren Unannehmlichkeiten und mit Verspaetung kann das Buch, das Herr Wilfredo Laura Contreras, ehemaliger Direktor der Tupac Amaru Schule, in Kuerze praesentiert werden. Das Buch hat den Titel: „Pozuzo - Historia y su Gente (Pozuzo – Geschichte und seine Leute)“. Dieses Buch soll alle Einzelheiten und Geschehnisse vor der Kolonisierung und das Interessanteste waehrend des Prozesses der Kolonisierung und all die Jahre als oesterreichisch – deutsche Kolonie aufzeigen. Wir Mitglieder des Vereins Circulo de Pozucinos Amigos de Tirol sind mit der Erscheinung dieses Buches sehr gluecklich, denn wir sind Teil des Projektes und haben die Initiative ergriffen und Herrn Lau-

ra bei der Realisierung dieses lange erwarteten Projektes untestuetzt. Wir sind sicher, dass dieses Buch den Jugendlichen und Erwachsenen und auch den Touristen das noetige Wissen ueber die Vergangenheit und Gegenwart Pozuzos vermittelt und hiermit das Interesse, unsere Kultur und religioesen Gebraeuche zu erhalten, weckt und verstaerkt. Das genannte Buch hat den Umfang von 485 Seiten, aufgeteilt in zwoelf Kapitel, worin auch viele Fotos abgebildet sind. Dieses Buch wird gerade gedruckt und voraussichtlich am 9. Dezember diesen Jahres im Kulturhaus praesentiert. Natuerlich werden wir bei Gelegen-

heit ein Exemplar an den Freundeskreis in Tirol senden, damit man auch in Tirol das Buch kennen lernt. Mit Hilfe der Gemeindefuehrung wird das Buch an alle Schulen verteilt, mit der Absicht, dass unsere Jungen und auch Fremden nicht mehr ueber die Geschehnisse Pozuzos spekulieren, sondern Tatsachen erfahren. Fuer die Herausgabe des genannten Buches bedanken wir uns bei den Gemeindefuehrungen von Pozuzo, Oxapampa und Puerto Inca, den Botschaftern von Oesterreich und Deutschland und den Insitutionen und Personen, die sich beteiligt haben. Carlos Gstir Schaus, Obman des Vereins „Circulo de Pozucinos Amigos de Tirol“

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BERICHTE AUS POZUZO

Carlos Gstir Schaus mit dem Titelbild des erscheinenden Buches

Die neuen Werbeträger für Pozuzo

NUEVO TURISMO in Pozuzo von Tomas Polinar Montesinos Die neuen Werbeträger für Pozuzo SAISONIERS AUS POZUZO IN TIROL Zwei junge Pozucinerinnen werden heuer wieder Arbeit in Tourismusbetrieben in Tirol aufnehmen. Marianna Schmidt Aguero, die bereits 2 Jahre im Hotel Silzerhof in Kühtai gearbeitet hat, verschlägt es heuer zum Mooserwirt nach St. Anton. Yuvitzka Niddia Müller Schuler, das erste Mal in Tirol, hat die Möglichkeit, im Alpenresort Schwarz in Mieming zu arbeiten. Wir freuen uns für die jungen Mädchen, dass sie die Möglichkeit haben, in tollen Gast- und Hotelbetrieben zu arbeiten und wünschen Ihnen viel Freude und Einsatz bei ihren Arbeitsstätten. Wir danken den Arbeitgebern, dass sie jungen Pozucinerinnen die Möglichkeit geben, in ihren Betrieben zu arbeiten und lernen und gleichzeitig die deutsche Sprache zu verbessern.

Rezepte aus Pozuzo zum Ausprobieren In dieser Ausgabe stellt die Sozialanthropologin Dr. Ruth Haselmair-Gosch die Priala de gallina von Rebeca Vogt vor. Dieser Schmortopf mit Hüh-

Zutaten

nerfleisch kann bei uns ganz einfach nachgekocht werden. Nur die in Pozuzo übliche Beilage Maniok ist in Österreich kaum erhältlich, kann aber

durch Erdäpfel einfach ersetzt werden.

Priala de gallina - Hennapriala Ein Rezept von Rebeca Vogt Villaizan aus Pozuzo

1Landhenne (ohne Weichteile und Leber) 2 Zehen Knoblauch 4 kleine Tomaten 1 Handvoll Jungzwiebel 1 Prise Pfeffer 1 Prise Salz

Zubereitung

Die gereinigten Hühnerstücke einsalzen und 15 Minuten in einer Pfanne auf beiden Seiten frittieren. Die frittierten Stücke aus dem Fett nehmen und in einen Kochtopf geben. Die geschnittenen Tomaten, den durchgepressten Knoblauch und die Jungzwiebeln etwas anbraten und anschließend in den Topf mit dem Fleisch geben. Mit etwas Wasser eine halbe Stunde gar kochen. Die Priala wird in Pozuzo üblicherweise mit gekochtem Maniok, Reis - und falls vorhanden - auch mit Salat serviert.

Wissenswertes

Der typische Pozuziner Schmortopf gehört zu den Speisen die zwar sehr häufig zubereitet werden aber interessanterweise - vermutlich aufgrund ihrer Alltäglichkeit - selten Erwähnung finden. Im Pozuziner Dialekt wird er als „Priia“ oder „Priala“ bezeichnet. Diese „Brühe“ ist allerdings wie Wilfried Schabus in seinem Buch Pozuzo (2016) schreibt, „keine Suppe, sondern gebratenes Fleisch mit viel Soße.“ In Pozuzo wird der spanische Name Guiso als Übersetzung für die Priala verwendet, denn das Guiso bezeichnet im spanischen einen Schmortopf aus Fleisch und/oder Gemüse. Laut einiger Pozuziner Köche und Köchinnen mit österreichisch-deutschen Wurzeln besteht zwar zwischen Guiso und Priala kein Unterschied in der Zubereitung, wohl aber in der Zusammensetzung und den Zutaten der Sauce. In Pozuzo werden vor allem Jungzwiebel, Knoblauch und Tomaten, manchmal auch Pfeffer und Chilli für die Sauce verwendet, während für das peruanische Guiso mehr und anderes Gemüse verwendet wird.

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Die Köchin

Rebeca Vogt Villaizan, die Witwe von Augustin Egg, ist in einigen Projekten tätig, die sich der Weitergabe von Wissen über Pozuziner Essen widmen. Sie teilte u.a. ihr beachtliches Wissen über Comida tirolesa bei Kochkursen mit Schülerinnen und Schülern der Schule Tupac Amaru oder mit Indigenen aus anderen Regionen Perus mit ähnlichem Klima.

Die Autorin

Dr. Ruth Haselmair-Gosch forschte für ihre Dissertation „Weitergabe und Tradierung von Wissen über Kulinarik in der österreichisch-deutschen Siedlung Pozuzo in Peru“ in Pozuzo für jeweils 4 Monate in den Jahren 2008 und 2009. Das vorliegende Rezept wurde neben vielen anderen Rezepten von ihr im Rahmen des Forschungsprojekts P19705-G14 gesammelt und vom Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung - Austrian Science Fund (FWF) gefördert. Rebeca Vogt Villaizan

20 Jahre „PROJEKT DEUTSCHUNTERRICHT“ in Pozuzo. Alt-Bürgermeister und Präsident des „Circulo de Pozucinos Amigos de Tirol“, Carlos Gstir-Schaus, über die Entstehung dieses Erfolgsprojektes. Vor 20 Jahren fing das Projekt Deutschunterricht in Pozuzo an. Dank der Initiative des Freundeskreises in Tirol, der uns immer bei vielen Projekten hilft, konnten und können die Schüler in Pozuzo Deutsch lernen. Nach so langer Zeit hat der Freundeskreis in Tirol Ausdauer gezeigt, das Projekt weiterzuführen, obwohl es nicht immer einfach und erfolgreich war und es wurde nicht immer das

erreicht, was man erwartet hat. Trotzdem müssen wir die Ausdauer und den Elan der Freunde in Tirol akzeptieren und bewundern, dass wir das Projekt bis jetzt fortsetzen konnten. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn die Kinder und Jugendlichen es besser zu schätzen gewusst hätten, was es bedeutet, eine neue Sprache, die Sprache ihrer Vorfahren, zu lernen und einen zusätzlichen Kurs im Heimatland ihrer Vorfahren (Österreich oder Deutschland) zu belegen. Nur wenige haben das genutzt. Trotz allem können wir stolz darauf

sein, dass einige junge Leute Deutsch unterrichten können in allen Kindergärten, Primarstufen und Sekundarstufen. Auch einige Schüler und Eltern haben die Bedeutung der deutschen Sprache erkannt und tragen dazu bei, dass ihre Identität nicht verloren geht und somit auch die Gebräuche und Sitten. Im Namen des Freundeskreises hier in Pozuzo möchte ich allen Freunden in Tirol für ihre ständige Hilfe danken, die uns das Gefühl gibt, ein kleiner Teil von Tirol zu sein.

Start des Projektes und Entsendung von Lehrpersonen aus Tirol: 1996: 1997: 1998: 1999: 2000: 2001: 2002:

Wurnig Barbara aus Innsbruck Clemens Pedarnig aus Osttirol Heidi Bacher aus Steinach a.Br. Clemens Pedarnig Dagmar Bergmann aus Hall i.T. Dagmar Bergmann Martin Ragger aus Innsbruck

Eine Erfahrung, die mir niemand mehr nehmen kann! Von Barbara Pitzer geb. Wurnig, 1. Lehrerin in Pozuzo „Ein Jahr im Ausland ist eine Erfahrung, die dir niemand mehr nehmen kann.“ Diesen Satz im Ohr komme ich an einem regnerischen Nachmittag Anfang März 1996 in Pozuzo an und denke mir: „Darauf könnte ich im Moment gerne verzichten, ich will wieder heim.“ Aber das Gefühl, alleine in der Fremde zu sein, hält nicht lange an. Sehr rasch lerne ich die Pozucinerinnen und Pozuciner kennen und darf mit ihrer Hilfe und Unterstützung meine Arbeit beginnen und viele Projekte in Angriff nehmen. Augustin Egg führt mich in die Geschichte Pozuzos ein und zeigt mir auf seinem Hof sei-

ne Innovationen und Ideen. Josefa Egg, Maria Schmid, Rosina Gstir, meine besonders ins Herz geschlossene Wally Schmid, Ida Schaus, Ruby, Delfine Randolf, Nora Müller und viele andere werden zu Freundinnen, mit denen ich in Deutschkursen arbeite, Kochkurse organisiere und beginne, verlorene Traditionen, wie Ostereier suchen, das Martinsfest zu feiern oder den Nikolaus nach Pozuzo zu bringen, wiederaufleben zu lassen. Wir haben viel Spaß und Freude miteinander und ich bin sehr rasch Teil dieser Gemeinschaft. In den Schulen wird kurzerhand das

Fach Deutsch eingeführt und ich unterrichte alle Kinder der Primaria. Die SchülerInnen der Sekundaria können sich zum Freigegenstand Deutsch melden und hier sind es zwei Gruppen, mit denen ich in der extra dafür eingerichteten Bibliothek lerne. Aber ich arbeite auch intensiv mit der Kindergruppe des Kulturvereins und im Laufe des Jahres werden wir mit unseren Liedern und Tänzen ein nicht mehr wegzudenkender Teil von Festen, Jubiläen und Feiern. Bürgermeister Josef Müller, Andres Egg, Johann Gstir, Ferdinand Witting, Carlos Gstir und Professor Lau-

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BERICHTE AUS POZUZO ra sind wichtige Ansprechpersonen für mich, die mich in allen Belangen großartig unterstützen und vielleicht da und dort die zunehmend erstarkende, selbstbewusste Frauenarbeit kritisch beobachten. Aber wenn es dann Bananenkrapfen, Tiroler Gröstel, Karbonadln, Schnitzel, Cuy (Meerschweinchen), Apfelstrudel, Yucca, Bananenchips, Gulasch und Gugelhupf gibt, greifen sie herzhaft zu und finden, dass wir schon gute Arbeit machen. Besonders interessant und immer wieder lustig ist es, in das „Tiroles“ Sprachbad einzutauchen, wenn meine Frauen, die diesen alten Tiroler Dialekt noch beherrschen, sich mit mir unter-

halten. Da reden wir dann „freblig“ (fröhlich) darüber, dass die Nachbarin ihre „Schinken“ (Hüfte) operieren und in der Zeit ihr Kind irgendwo „einstellen“ (unterbringen) muss. Oder dass das Unglück letzte Woche, bei dem ein „Karrn verrumpelt“ (ein Auto abgestürzt) ist, einen jungen Mensch „verrecken“ (sterben) ließ und dass das alles ein „schlechtes Glück“ (Unglück) sei. Wir befinden über den „Gliabten“ (Verlobten) einer Freundin und hoffen, dass er kein „Verfaulter“ (Nichtsnutz) ist und wir uns nicht „bekümmern“ (sorgen) müssen. Wir schauen ab und zu zum „alten Krampen“ (alte Frau) im Nebenzimmer, die dort am „Strick ziacht“ (Rosenkranz

betet) und vergewissern uns, dass es ihr gut geht. Dabei füllen wir unsere „Wampe“ (Bauch) mit Pozuciner Köstlichkeiten, bejammern, dass wir alle „a Massa fett werden“ (viel zunehmen) und beschließen, auch noch Ida um ihr „Bananenstrukkala-Rezept“ (Bananenstrudel) zu fragen. Ich verlasse nach einem Jahr Pozuzo und weiß jetzt, dass mir diese Erfahrungen niemand mehr nehmen kann.

Ab dem Jahre 2002 sind Lehrerinnen aus Pozuzo im Einsatz. Projektleiterinnen in Pozuzo ab dem Jahre 2002, 2003-2006: Wilhelm Helga aus Pozuzo Ab 2007 bis jetzt: Yeraldine Kroll Martinez sollte mit unserer ausgebildeten Lehre-

rin Leni Nössig Schuler als Projektleiterinnen eingesetzt werden. Leni Nössig Schuler war auf der Fahrt nach Tirol zur weiteren Verfeinerung der deutschen Sprache und wurde auf der Fahrt zum

Flughafen nach Lima von einer Mure erfasst, verschüttet und tödlich verletzt. Cecilia Schmidt Schaus wurde an ihrer Stelle eingesetzt.

Unsere damalige Projektleiterin Helga Wilhelm in Pozuzo über ihre Arbeit: Zu Beginn des Jahres 2002 habe ich das Deutschprojekt übernommen und begann mit der sprachlichen und methodisch – didaktischen Ausbildung einiger Pozucinerinnen und Pozuciner. Wir begannen mit dem Deutschunterricht im Kindergarten, bald auch mit dem Unterricht in der Primaria. Deutschlehrerinnen waren: Maria Schmidt, Leni Nössig, Kathy García und Cecilia Schmidt. Bald kamen weitere nach: Betty Gstir, Rosa Mueller, Theófilo León, Yeraldina Martinez, später auch aushilfsweise Eva Solleder, so dass wir schnell auch in allen Klassen der Sekundarstufe und in den Schulen von Santa Rosa Deutschunterricht geben konnten. Die deutsche Humboldtschule und das Goethe-Institut in Lima, in dem ich jahrelang als Deutschlehrerin und Lehrerausbilderin gearbeitet habe, unterstützten uns mit Fortbildungsveranstaltungen und Sprachkursen. Ich habe das Deutschprojekt 5 Jahre, bis Ende 2007, geleitet und dann aus persönlichen Gründen die Projektleitung Yeraldina Martinez und Cecilia Schmidt übergeben.

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Auszüge aus unseren Rundschreiben: August 1994: Innerhalb von nur einer Generation, im Grunde seit Herstellung der ersten Straßenverbindung zur Außenwelt und seit der ersten Elektrizitätszuleitung (Radio, Fernsehen), wurde die deutsche Sprache zurückgedrängt, mehr als in 100 Jahren zuvor. Mit der Sprache geraten die alten Bräuche in Vergessenheit. Nur noch die pensionierte Lehrerin Delfine Randolf bemüht sich, die Kinder in Sprache, Musik und Volkstanzkursen „bei der Stange zu halten“. Juni 1995: Die Vertreter der Öffentlichkeit in Pozuzo sollten ihre Bereitschaft und ihr Interesse zur Erhaltung der deutschen Sprache kundtun, sodass weitere Aktivitäten des Freundeskreises für die Partnergemeinde gerechtfertigt erscheinen. Ostern 1996: Die Aktion Deutschunterricht ist gestartet. Mit dem Engagement der Lehrerin Barbara Wurnig, ein Jahr Deutsch-Unterricht in Pozuzo zu erteilen, ist dem Freundeskreis ein wichtiger Schritt ge-

lungen. Sie stößt mit dieser Absicht sowohl in Tirol, in Österreich als auch in Peru auf großes Interesse. Juni 2003: Aus den Erfahrungen und Berichten unserer Lehrer und Lehrerinnen ergaben sich Briefwechsel mit Bgm. Alfredo Witting, Prof. Wilfredo Laura, den Schulleitern und Elternvertretern, die schließlich auf Vorschlag der Pozuciner zur Erkenntnis führten, dass die bisherige Form der Lehrerentsendung nicht weiter notwendig erscheint. In Zukunft soll der Unterricht von geeigneten Personen in Pozuzo durchgeführt werden. Juli 2004: Projektleiterin Helga Wilhelm: „Hilfe zur Selbsthilfe“ war erfolgreich. Das erste Jahr des neuen Deutschunterrichtes ist erfolgreich zu Ende gegangen. Juli 2008: In diesem Jahr beginnt für das „Deutschprojekt“ insofern ein neuer Abschnitt, als Frau Helga Wilhelm aus Pozuzo fortgezogen ist. Nunmehr liegt die Leitung des Projektes vor Ort in den Händen der Lehrerinnen Yeraldine Martinez Kroll und Cecilia Schmidt Schaus.

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BERICHTE AUS POZUZO DEUTSCHUNTERRICHT ------ AKTUELL Aus der Entwicklung der letzten 20 Jahre kann man ersehen, dass der Freundeskreis für Pozuzo immer wieder Anstrengungen unternommen hat, den Deutschunterricht zu verbessern. Zur gegenwärtigen Situation ist zu sagen, dass die unterrichtenden Lehrerinnen mit viel Liebe zu den Kindern, äußerster Sorgfaltspflicht und Verlässlichkeit arbeiten. Pünktlich, jeden Monat, kommt ein Lehrstoffbericht, sowie am Anfang des Schuljahres eine Jahresstoffplanung. So bin ich immer am laufenden, was unterrichtstechnisch läuft. Die Lehrerinnen sind alle 2 Jahre zu einer Fortbildung verpflichtet, welche sie in Lima im Goethe-Institut und in Deutschland/ bzw. Österreich absolvieren können. An dieser Stelle sei Frau Marianne Binder vom Goethe-Institut in Lima herzlichst gedankt, die immer wieder Gratisstipendien ermöglicht hat. Frau Binder geht heuer in Pension und wir wünschen ihr das Allerbeste! Möge sie den verdienten Ruhestand genießen. Gesundheit, sowie Glück und viel Freude sollen ihre Begleiter sein. Sie hat dem Freundeskreis und den jungen Lehrerinnen unschätzbare

Dienste erwiesen. Dafür nochmals vielen Dank! Da wir im Laufe der Jahre verschiedene Möglichkeiten der Darbietung des Deutschunterrichts ausprobiert haben, sind wir zu der Auffassung gelangt, dass der Unterricht im Rahmen des regulären Unterrichts, also einbezogen in den Stundenplan, am zweckmäßigsten ist. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass auf freiwilliger Basis zwar am Anfang des Schuljahres viele Interessenten sind, aber am Ende nur einige wenige den Unterricht besuchten. Derzeit werden alle Kindergärten und Schultypen, also Primaria und Sekundaria, bedient. Leider haben wir seitens der peruanischen Schulbehörde nur 2 Wochenstunden für Deutsch bekommen. Das liegt daran, dass 6 Wochenstunden als Projektstunden vorgesehen sind und nur 2 für Deutsch genehmigt wurden. Die übrigen 4 Wochenstunden sind für zusätzliche Stunden in Mathematik und Physik vorgesehen. Da ich selbst Fremdsprachenlehrerin bin, weiß ich nur zu gut, dass 2 Wochenstunden zu wenig sind, um eine Sprache perfekt zu erlernen. Und dennoch sind wir dankbar, dass wir zumindest

ein Basiswissen vermitteln können. In diesem Zusammenhang ist es auch erwähnenswert, dass in Englisch bereichsweise auch nur 2 Wochenstunden unterrichtet werden. Positiv zu bewerten sind aber folgende Aspekte des langjährigen Deutschunterrichts, dass sich viele junge Leute näher mit ihrer Auswanderergeschichte befasst haben, die Deutschkenntnisse weiter verbessert haben und nicht zuletzt durch Besuche in Tirol und durch Arbeit im Wintertourismus in ihrer alten Heimat diese Kenntnisse perfektioniert haben. So gesehen ist unser Programm ein hervorragender Beitrag zur Entwicklung und Förderung; zur Erhaltung der Kultur und Förderung der deutschen Sprache gemäß dem Auftrag des Freundeskreises.

Waltraud Feichtinger Vorstandsmitglied und Projektleiterin „Deutschunterricht“

Jahresbericht Deutschunterricht 2016

Von unserer Projektleiterin in Pozuzo Yeraldine Martinez Kroll Liebe Freunde in Tirol, Ich freue mich, dass der Freundeskreis für Pozuzo schon 20 Jahren dem Deutschprojekt Deutschunterricht in Pozuzo finanziell unterstützt hat. Rund 750 Schüler/innen lernen in unseren 3 Schulen in Pozuzo im Jahr Deutsch und lernen auch die Landeskunde von Osterreich und Deutschland. Dadurch werden nicht nur sprachliche Brücken für den Einzelnen geschaffen, sondern die Kultur von Pozuzo sowie die typischen Lieder auf Deustch gesungen. Denn wir sind der Meinug, dass die Deutsche Sprache für Pozuzo eine wichtige Rolle spielt, dass wir die Sprache, die unserer Vorfahrer nach Pozuzo mitgebracht haben, erhalten und dass möchten wir auch in Zukunft immer machen. Wenn die Deustche Spra-

che von Pozuzo mit der Zeit verloren geht, dann wird die Seele von Pozuzo und unsere Kulturidentität auch sterben. Dieses Jahr waren 5 Lehrpersonen in den Schulen tätig, Cecilia Schmidt Schaus in Prusia, Maribel Gstir Cruz in Zentrum, Rosangela Witting Poma in Kindergarten in Zentrum und Monte Funer, Rosa Müller Garcia in Santa Rosa und Yeraldina Martinez Kroll in Zentrum. Wie jedes Jahr feiern wir die traditionellen Feste : Osterhasenfest, Sankt Martin und Sankt Nikolaus, die Kinder fragen immer, ob es noch möglich wäre, andere deutsche und österreichische Feste zu feiern, denn es macht sehr viel Spass an den Festen teilzunehmen.

Für diese Feste möchte ich mich bedanken: Zunächst bei den Deutschlehrerinnen und bei den Kulturvereinen die uns bei der Organisation helfen. Wir wünschen euch ein frohes Weihnachtsfest , Glück und Erfolg im Neuen Jahr 2017.

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PORTRAITS VON HIER UND DORT Ulla Mayerhofer oder „Pozuzo wird aus dem Dornröschenschlaf erweckt!“ Augustin Egg schreibt am 29. November 1984 einen Brief an Frau Ulla Mayerhofer in Jenbach und bedankt sich im Namen aller Pozuciner für die „geleisteten Hilfen und Unterstützungen, die wir seit 25 Jahren von Deutschland und Österreich bekommen haben.“ Er führt weiter aus: „ Im Jahre 1956 besuchte uns Herr Karl Schmid-Tannwald mit seiner Frau; sie mussten grosse Strapazen durchstehen, um über Cahumpata nach Pozuzo zu gelangen. Ihm verschulden wir grossen Dank, denn durch sein Buch „Pozuzo – Vergessen im Urwald“ machte er Pozuzo, das sich in einem Dornröschenschlaf befand, in aller Welt bekannt.“ 1 1959 war es dann endgültig soweit, dass der Dornröschenschlaf von Pozuzo beendet werde sollte. Die Tiroler Kordilleren-Expedition unter der Leitung von Hannes Gasser machte sich auf nach Peru, wo sie im Laufe eines halben Jahres sechs Erstbesteigungen in den Anden verzeichnen konnte. Die Expeditionsmitglieder waren: Hannes Gasser, Horst Pattis, Klaus Keplinger, Albert Zangerl und Ulla Staudacher. Ulla Staudacher, eine junge 20 jährige Frau, begeisterte Bergsteigerin in Tirol, erfuhr durch ihre Kameraden vom großen Vorhaben der Kordilleren-Expedition und setzte alle Hebel in Bewegung, um mit nach Süd-Amerika zu kommen. Einen so großen Traum verwirklichen zu können, war in der damaligen Zeit nicht selbstverständlich. Aber ihre Firmpatin finanzierte die Reise, die Eltern gaben die Erlaubnis und man kann sich die Freude und Aufregung kaum vorstellen. Es sollte nicht nur eine Bergsteig-Expedition in eine neue Welt werden, sondern auch eine Reise zurück in die Vergangenheit von Tirol, wohl 100 Jahre zurück. Aber wie sollte dies möglich sein? Lassen wir Ulla Staudacher, inzwischen verheiratete Mayerhofer, selber davon erzählen. Noch heute, fast 60 Jahre danach, blitzen ihre Augen, wenn sie von damals erzählt und viele Erinnerungen werden wach. Besonders ihr ist es zu verdanken, dass diese vergessenen Tiroler Auswanderer wieder in den Focus vieler Tiroler Familien und Institutionen rückten und damit viele Türen für Hilfsaktionen und Förderungen geöffnet werden konnten. Viele Fotos aus dem Archiv von Ulla Mayerhofer, aufgenommen von Hannes Gasser und Albert Zangerl, er-

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zählen von diesen Tagen. Als der damalige Landeshauptmann Dr. Tschiggfrey die Gruppe in Innsbruck verabschiedete, nahm er einen Brief von seinem Schreibtisch und sagte: „Da hat mir ein Pfarrer aus Pozuzo in Peru geschrieben, ob wir unsere Landsleute im Urwald ganz vergessen hätten! Fahrt’s hin und berichtet’s mir dann!“ Fünf Monate in den Anden, allein diese Erlebnisse könnten schon ein Buch füllen. Das Team landete am Ende der Expedition in Lima und von dort schrieb Albert Zangerl an seine Verwandten in Zams, dass die Schifffahrtsgesellschaft streikt und er so Zeit hätte, sich nach einer Lungenentzündung auszukurieren und dann wolle man mit der Buslinie „Los Andes“ nach Oxapampa fahren, um ein Tiroler Auswandererdorf am Ostabhang der Anden zu besuchen.

v.l. Ulla Mayerhofer, Susanne Schuler, Albert Zangerl

Das Abenteuer Pozuzo konnte beginnen! Von Lima ging die Fahrt über Tarna nach Oxapampa. Weiter ging es mit LKWs vom Straßenbau zum Lager Tunqui. Die Fotos zeigen den Weg nach Pozuzo und die Arbeiten an der damaligen Punta. Was würde die Expeditionsgruppe wohl erwarten? Noch waren es ausgelassene Tage am Rio Huancabamba, wo sich die jungen Leute mit Schwimmen, Fischen und Fotografieren die Zeit vertrieben, bis ihr Gepäck und ihre Ausrüstung eintrafen. Dann ging es zu Fuß weiter. Ulla schrieb 1960 in einem Bericht für ein Wiener Wochenblatt: „11 Stunden marschierten wir nun schon durch Schlamm und Dreck, überstiegen umgestürzte Bäume, umgingen Sümp-

fe und schwitzten. Die Freude über meine neuen Reitstiefel hatte sich in fürchterliche Wut verwandelt. Stellen Sie sich einmal vor, wie meine armen Füße auf das reagierten: 11 Stunden auf diesem Pfad, den die Pozuziner mit ihren Lasttieren vor einiger Zeit getreten hatten. Er verschwand nahezu im Dschungel. Horst schwang das Buschmesser, mit dem fallenden Gewächs rieselten Spinnen, Ameisen und Zecken auf uns nieder. Prost Mahlzeit! In meiner Verzweiflung trat plötzlich ein Mensch aus dem Wald auf uns zu, er schaute zwar nicht aus wie ein Tiroler, grüßte uns aber im Dialekt: „Griaß Gott, wia geahts? Wo geahts hin?“. Das war dann schon alles, er lachte von einem Ohr zum anderen, betrachtete mich mitleidig und versprach mir: „Senorita, dos Horas, no mas!“ Zwei Stunden, mein Fräulein, nicht mehr - Ja, das würde ich auch noch schaffen, aber es wurden dann doch vier Stunden, Zeit ist ein dehnbarer Begriff, vor allem in Peru! Der Wald lichtete sich, wir sahen die ersten Häuser und waren überrascht: „Das ist ja fast wie bei uns daheim!“ Mehrmals mussten wir durch richtige Tiroler Gatter gehen, Menschen, die uns begegneten, riefen uns „Griaß Gott!“ zu. Wir sahen einen kleinen Kirchturm aufragen, daneben stand breit und wuchtig der Konvent, wie wir später erfuhren, und zu einem schmucken, kleinen Haus zog es uns hin, zum Budweiser Gasthaus. „Ja, wer kimmt denn do daher, a mir wissens schon, von Lima hams ins gschrieben. Ös kemmts aus Tirol! Und dös kloane Dirndl isch zu Fuaß einer gangen!“. Die versammelte Gesellschaft war überrascht, erstaunt und erfreut über unseren Besuch. 2 Das war der Anfang einer langen Freundschaft. Zwei Wochen waren Ulla und ihre Expeditionspartner bei den Bauern im Urwald zu Gast. Es schien, als ob die Zeit stehengeblieben wäre. „Die Arbeitsweise, die Lebensart, die Lebensauffassung musste bei unseren Bergbauern vor 100 Jahren so gewesen sein“, überlegte sich Ulla. Die jungen Leute aus Tirol wurden überall herzlich aufgenommen, sie unternahmen Ausflüge zu entlegenen Chacras, lernten das Leben in Pozuzo kennen, man erzählte ihnen von

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PORTRAITS VON HIER UND DORT den Schicksalen der Nachkommen der Auswanderer und wie tief beeindruckt sie waren, spürten sie erst wieder in Tirol, wo Hannes Gasser und vor allem Ulla mit viel Einsatz „persönliche Entwicklungshilfe“ leisteten. Im Gästebuch der Pfarre von Pozuzo konnte man im Sommer 1959 lesen : Tiroler Kordilleren- Expedition 1959, bestehend aus Hannes Gasser, Horst Pattis, Klaus Keplinger, Albert Zangerl und Ulla Staudacher (alles A): Herzlichen Dank den Pozuzinern, herzlichen Dank ihrem Pfarrer Pater Pezzei. Sie alle haben es verstanden, uns hier im peruanischen Urwald ein kleines Stückchen unserer Heimat zu geben. Die Tiroler Knödel waren nur das äußere Zeichen! 3 Ulla wohnte im Konvent und freundete sich mit Susanne Schuler und Pater Johann Pezzei an. Pater Johann Pezzei war ein Missionar der Comboni Missionare vom Herzen Jesu, welche ab 1938 Teile in der Diözese Huanuco betreuten. Er wurde am 21.12.1948 feierlich empfangen und war ein unermüdlicher Helfer der Bewohner und Seelsorger bis 1965. Er war „der gute, sorgende Vater aus dem Pfarrhaus“, der sich wie schon Pfarrer Egg und Pfarrer Schafferer unermüdlich um die Belange seiner Pfarrkinder kümmerte. Er war Organisator, Architekt und Baumeister, Schuldirektor und Helfer in vielen Nöten. 1959 war das Jahr, wo man das 100jährige Bestehen der deutsch-österreichischen Kolonie in Peru feierte. So schrieb Dr. Harald Holtz: „1959 richtete P. Pezzei eine großangelegte 100 Jahr Feier aus, zu der erstmals Vertreter der Österreichischen Kolonie von Lima und der deutschen Botschaft nach Pozuzo kamen. Es setzte eine Entwicklung ein, die alle Erwartungen übertreffen sollte. Allenthalben und besonders in Tirol, wo der bekannte Bergführer Hannes Gasser und eine Ulla Staudacher (Ebenfalls Mitglied einer erfolgreichen „Tiroler Kordilleren-Expedition 1959“) erste Anstöße zu zeitgemäßer Entwicklungshilfe gaben, besann man sich der „im Urwald Vergessenen“ und ein von der Österreichvereinigung von Peru („Union Austria“, Lima) gemeinsam mit P. Pezzei erarbeitetes Aufbau-programm führte mit überwiegender Unterstützung aus Österreich schrittweise zur Verwirklichung einer Reihe von lokal wichtigen Projekten: Schulbau, Schüler-Internat, Elektrifizierung, Einrichtung

eines Sprechfunksystems im Dreieck Lima-Pozuzo-Oxapampa, Einsatz von Entwicklungshelfern, Aufbau einer Lehrwerkstätte, Bau und Dotierung einer sogenannten Arztstation. 4 Geld- und Sachspenden flossen nun von Familien ausgewanderter Tiroler, von der Tiroler Landesregierung, von Ministerien in Wien und Bonn, von kulturellen und karitativen Organisationen in Österreich und Deutschland nach Pozuzo und ermöglichten den großen Aufschwung. Ja, die große Dornröschenhecke des Vergessens wurde wirklich eingerissen und das war sicher mit ein Verdienst der zurückgekehrten Expeditionsteilnehmer Ulla Staudacher und Hannes Gasser. Ulla blieb in Kontakt mit Pozuzo. Es gab noch keine Mails, sondern man schrieb Briefe und wartete sehnsüchtig auf die Antwort. Susanne Schu-

Pater Johann Pezzei

ler, Köchin und Helferin im Konvent, schrieb immer wieder und berichtete von den Vorkommnissen im Dorf. Ihre Briefe beginnen immer mit „Gott zum Gruss!“ und erzählen von der Freude über die Verbindung mit einer „Freundin“ in Tirol und das harte Warten auf die Antworten. 1961 berichtete sie, dass vier Glocken für die neue Kirche eingetroffen sind, die am 16.7.1961 feierlich vom Bischof von Huanuco geweiht worden sind. 1962: „Neue Mädchenschule im Zentrum ist fertig, im Juli ist die Schule in Prusia abgebrannt, ist wieder aufgebaut worden, Lehrerin Caroline Egg. Bis 1963 soll auch die Bubenschule im Zentrum mit Ziegelsteinen neu gebaut werden.“ 1962: „Ich warte schon lange auf einen Brief von dir. Aber bis jetzt ist kei-

ner gekommen, ist etwa dir die Tintenflasche in den Inn gefallen?“ 1971: „Das 1. Mal in meinem Leben ein Paket bekommen, gerade am Geburtstag (50. Geburtstag am 3.1.1971) – drei wunderschöne Kopftücher, eins für mich, eins für Ermelinda und eins der Alten Zenze“. Die Freude war sehr groß. 1971: „Jetzt haben sie in Pozuzo elektrisches Licht, Telefon und viele andere Komoditeten und sind immer unzufriedener….“ Es hat sich Manches geändert in Pozuzo, es werden viel Neues eingeführt, dafür aber auch die guten Sachen verschwinden, die Gemütlichkeiten der Gastfreundlichkeit und der Hilfsbereitschaft vergeht alles in Pozuzo….“ 1974: „Das Neueste kann ich dir mitteilen, dass die Neue Autostrasse diese Tage im Zentrum bei der Neuen Kirche angekommen ist.“ Susanne Schuler, liebevoll Susi genannt, hatte, nachdem P. Pezzei 1965 versetzt wurde, keine Arbeit mehr und war froh über jeden Dollar, den sie für Medikamente von ihrer Tiroler Freundin bekam.

v.l. Hannes Gasser, Horst Pattis, Peruanerin, Ulla Mayerhofer, Klaus Kepplinger

Ulla blieb aber auch in Briefverbindung mit Dr. Harald Holtz von der Union Austria und unterstützte ihn bei Ansuchen um Subventionen für Pozuzo. Die Freundschaft mit P. Johann Pezzei blieb bis zu seinem Tod am 4.1.1990 aufrecht. Er wurde 1965 nach Spanien versetzt, kam einige Jahre später wieder nach Peru und bekam von Ulla, die inzwischen geheiratet hatte und jetzt Ulla Mayerhofer hieß, Medizin aus Tirol (Carmol-Tropfen waren sehr gefragt, auch die Tiroler Latschenkiefer-Creme), kleine Geschenke für seine Pfarrkinder, wie Swarovski-Kreuzchen, und immer wieder wurden Geschenke und Geldsendungen über den Atlantik geschickt. Aber auch P. Pezzei bekam dank Ullas Einsatz Gelder für seine Gemeinde Parroquia San

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PORTRAITS VON HIER UND DORT Pio X, Unidad Vecinal de Mirones. Von Bischof Reinhold Stecher erhielt er aus der Aktion „Bruder in Not“ ca 7.000,00 Dollar und bedankte sich 1986 sehr herzlich für diese „Bausteine“ und Hilfe für die Armen und Notleidenden. Die Briefe von P. Johann Pezzei berichten aber auch über die politische und wirtschaftliche Lage in Peru, die Gefängnisrevolte 1984 in Lima und über gehäufte Überfälle der Terroristen. Das Leben in Peru war in dieser Zeit geprägt von Streiks, Verteuerung und Inflation, von Angst und Anarchie. Am 14. August 1964 finden wir im Gästebuch der Pfarre Pozuzo wieder eine Eintragung: Ulla Staudacher, Schwaz/ Tirol (A): Schon zum zweiten Mal weilte ich in Pozuzo auf Besuch. Es ist mir ein Bedürfnis, mehr als nur meinen Namen in dieses Buch zu schreiben. Aber ich müsste das Buch füllen, wollte ich alles schreiben, was ich möchte. So sage ich Pater Johann und allen Bewohnern des Konventes nur ein herzliches Tiroler „Vergelt’s Gott!“ Ich hoffe, dass es mir gelingt, die Menschen in der Heimat noch mehr auf Pozuzo auf-

merksam zu machen. Und ich hoffe, dass die Zeit meines nächsten Pozuzo-Besuches nicht in allzu weiter Ferne liegt. 5 Dieses Mal war Ulla mit der „Münchner-Anden-Gedächtnis-Expedition“ 3 Monate in Peru unterwegs und es war klar, dass sie auch wieder in Pozuzo zukehren wollte. Was für eine Freude, es war wie „heimkommen“. Pater Johann Pezzei und Bürgermeister Alfred Witting haben Ulla Staudacher beauftragt, im Namen der Tiroler Bauern im Urwald der Landesregierung, der Bevölkerung und allen Stellen in der Heimat, die gespendet hatten, danke zu sagen. Ohne diese Hilfe wäre es nicht möglich gewesen, in den 5 Jahren von 1959 bis 1964 so viel Großartiges zu schaffen wie der Bau der drei Schulgebäude, die Fertigstellung der neuen Kirche, den Umbau des ehemaligen Budweiser Gasthauses in ein Internat für die Schulkinder und der Bau des Kleinkraftwerkes im Frühjahr 1964. Ulla

Mayerhofer,

geborene

Stau-

dacher, hat mitgeholfen, dass in Tirol wieder an die Auswanderer von 1857 gedacht wurde und wird. Viele Hilfsmittel flossen in die kleine Kolonie in Peru, Freundschaften wurden geschlossen und auch in der Arbeit und im Engagement der Vereine „Freundeskreis für Pozuzo“ und „Gesundheit für Pozuzo“ wurde und wird vieles fortgesetzt, was damals 1959 seinen Anfang genommen hatte. Es sollten nochmals 20 Jahre vergehen, bis Frau Ulla Mayerhofer wieder nach Pozuzo fuhr. Im August 1984 schrieb sie in das Gästebuch: Nach 25 bzw. 20 Jahren Rückkehr nach Pozuzo. Vieles hat sich verändert. Das Pozuzo, das mich seinerzeit so beeindruckt und bezaubert hat, habe ich doch wieder gefunden. Alle guten Wünsche für die Zukunft für „Tirol im Urwald“ von der damaligen Tiroler Kordilleren-Expedition 1959. 6 Eva Lunger

1Brief

von Augustin Egg an Ulla Mayerhofer, Pozuzo, November 1984 Ulla, Manuskript für ein Wiener Wochenblatt, 1964 Bruno (2003) Pozuzo. Schicksal. Hoffnung. Heimat (Innsbruck): Berenkamp, S. 381 4Holtz, Dr., Harald, Pozuzo – Vorgeschichte, Gründung und Entwicklung einer bäuerlichen Kolonisation in Peru. Wien 1976, S. 4 5Habicher, Bruno (2003) Pozuzo. Schicksal. Hoffnung. Heimat (Innsbruck):Berenkamp, S. 383 6Habicher, Bruno (2003) Pozuzo. Schicksal. Hoffnung. Heimat (Innsbruck):Berenkamp, S. 392 2Mayerhofer, 3Habicher,

P. Augustin Scherer OSB (1818–1878) von P. Thomas Naupp OSB P. Augustin erblickte am 4. Dezember 1818 als Sohn des Bandfabrikanten Josef Scherer in Hötting bei Innsbruck das Licht der Welt und wurde auf den Namen Anton getauft. Nach Studien in Philosophie und Erziehungswissenschaften an der Universität Innsbruck (1835–1837) und nach dem Theologiestudium in Brixen (1837–1840) trat Anton Scherer ins Benediktinerstift Fiecht ein, wo er den Ordensnamen Augustin erhielt. Gleich nach der Priesterweihe am 26. Dezember 1842 kam er als Kooperator in die Stiftspfarre Achental (Achenkirch). Ab 1845 dozierte er an der theologischen Hauslehranstalt Dogmatik, Kirchenrecht, Katechetik und Homiletik und ab 1849 unterrichtete er an der Stiftskonviktschule die Gegenstände Italienisch, Erdkunde und Geschichte. Seine hervorragenden Kenntnisse in den Disziplinen Geographie und Geschichte legte er in zwei Lehrbüchern dar. P. Augustin war auch der erste, der im Jahr 1852 ein „Geschichte-

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und Geographiebüchlein von Tirol“, für den Unterricht an den Grundschulen gedacht, herausbrachte. Fast gleichzeitig erschien von ihm das Lehrbüchlein „Faßlicher Unterricht in der Geographie für Schulen und zur Selbsterziehung“. In dieser seiner „Erdbeschreibung“ war der Verfasser bestrebt, Wissenswertes weit über Tirol hinaus mitzuteilen, so auch über den Subkontinent Südamerika. Als P. Augustin 1851 aushilfsweise an der Basilika St. Bonifaz (Benediktinerabtei) in München als Kaplan wirkte, machte er Bekanntschaft mit der „deutschen Redezeichenkunst“, wie man die Stenographie nach seinem Erfinder Franz Xaver Gabelsberger dazumal nannte. Der dynamische Lehrer war fasziniert von dieser Kurzschrift, eignete sie sich zuerst selber im Nu an und brachte seine Kenntnisse mit in sein Heimatkloster St. Georgenberg-Fiecht. Das Land Tirol hat dem großen Sohn des hl. Benedikt die Einführung der Stenographie in den

Pater Augustin Scherer

Gymnasien zu verdanken. Sein achtbändiges homiletisches Handbuch, das unter dem Titel „Bibliothek für Prediger“ ab 1853 in Abständen erschien, zeugt nicht nur von

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PORTRAITS VON HIER UND DORT seiner umfassenden theologischen Bildung, sondern auch von seiner glänzenden Beredsamkeit. Nach seinem Tod kam noch das vierbändige „Exempel-Lexicon für Prediger und Katecheten“ heraus, worin an die 3500 Predigten und Ansprachen zusammengetragen sind. Beide umfangreichen Reihen waren durch viele Jahrzehnte hindurch ein unentbehrliches „Werkzeug“ eines jeden Tiroler Pfarrers. Von 1863 bis 1867 war P. Augustin Wallfahrtspriester auf St. Georgenberg, wo er den seit dem Brand von 1705 immer noch fehlenden Turm bei der Wallfahrtskirche aufbauen und das Kirchengewölbe mit Fresken des Nazarenerstils zieren ließ. Die letzte Station seines seelsorglichen Wirkens war die Pfarre Achental (1867–1878). Die Pfarrbevölkerung schätzte seine ihm eigene bescheidene Lebensweise, seine Herzensgüte und Aufrichtigkeit, und nicht zuletzt seine echt benediktinische Haltung in der Ausübung der Gastfreundschaft. In der Tat pflegte der Pfarrvikar an den Festzeiten „arme und krüppelhafte Leute“ in das Pfarrhaus zum Essen einzuladen, wobei keiner mit leeren Händen wieder heimgehen musste. Es ist verständlich, dass die Trauer der Pfarrbevölkerung über den Tod ihres Pfarrers groß war, als dieser am 18. September 1878 im Alter von nur 60 Jahren unerwartet von ihnen gegangen ist. „Die lauten Klagen seiner Seelsorgskinder“ – so heißt es im Nachruf

ihn zu einem Anhänger, ja Sprachrohr des Auswanderungsagenten Freiherrn Damian von Schütz-Holzhausen, von dessen Plänen er auch seinen ehemaligen Seminarkollegen Josef Egg überzeugen konnte, als Scherer in der Pfarre Stans (Pfarrvikar 1851–1863) mehrmals mit dem später von Schütz zum „Kolonieseelsorger“ ernannten Egg verhandeln konnte. P. Augustin erhielt die Vollmacht zur Anwerbung von Auswanderungswilligen in Tirol. Der vielseitige begabte Scherer,

Mutter Anna mit Maria

besorgte ihre Einkäufe, spendirte ihre Sendungen und stand mit dem dortigen Pfarrer Egg im beständigen Verkehr. Tagelang arbeitete, schrieb und packte er für sie“. Wir wundern uns zurecht, wenn wir sehen, dass dieser vielseitig begabte Ordenspriester P. Augustin neben seinen Arbeiten als Seelsorger, Schriftsteller und Bauherr noch Zeit finden konnte,

Hl. Josef mit Kind

Pater Josef Öfner

– „und reichliche Thränen, die selbst über die gebräunten Wangen der Männer herabrollten, geben lautes Zeugnis von der Liebe, mit welcher die ganze Gemeinde an ihm hieng ... sein Hinscheiden ist nicht nur ein schwerer Schlag für das Benediktinerstift Fiecht, sondern auch für die Tiroler Kolonie Pozuzo ein unersetzlicher Verlust“; denn: „... mit besonderer Liebe war sein Herz der Tiroler Kolonie von Pozuzo in Peru zugethan“, heißt es weiter, „und er

Hl. Jakobus d.Ä.

sich so stark für die Anliegen der Tiroler Kolonie in Pozuzo zu engagieren. Die unsägliche Armut vor allem der Kleinhäusler und die elendige Situation der vielen jungen Menschen, die in der Tiroler Heimat unmöglich eine Existenz aufbauen konnten, verstärkten sein an sich schon ausgeprägtes soziales Engagement und machten

der auch pharmazeutische Studien (Homäopathie) betrieb, war ein geschickter Koordinator und Organisator und bewies erstaunliche Kenntnisse im Geld- und Wechselwesen. Eigenschaften, die ihn zum Betreuer der Kolonie Pozuzo prädestinierten. Als dem Josef Egg in seiner Kolonie einmal die Arzneien seiner homäopathischen Apotheke ausgingen, erbat er sich brieflich von P. Scherer einen „ziemlichen Pack Arnica“ und auch Insekteneier, um an den „prächtig gedeihenden Maulbeer-bäumen Seidenwürmer züchten“ zu können. „Ob es nun um Insekteneier, Tabakpfeifen, Brillen, Taschenuhren, Stricknadeln für selbst gesponnene Baumwolle, ein Fernglas oder eine Doppelflinte für die Jagd ging: Finanziert wurden all diese Wünsche aus Erbschaftsansprüchen, welche einige wenige Ausgewanderte in der alten Heimat noch geltend machen konnten … Briefe waren drei Monate und

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PORTRAITS VON HIER UND DORT länger unterwegs, ein bei Scherer bestelltes Harmonium kam zwei Jahre später unversehrt in Pozuzo an“, schreibt W. Schabus (Schabus Wilfried, Pozuzo. Auswanderer aus Tirol und Deutschland am Rande Amazoniens und Peru, Innsbruck 2016, S. 305– 307). Wie lange die Altarbilder für die neu entstandene und dem hl.Josef

WIR GRATULIEREN geweihte Kirche in Pozuzo unterwegs waren, ist nicht bekannt. Bekannt ist allerdings, dass P. Augustins’ Mitbruder, P. Josef Öfner (1821–1895), ein überaus talentierter Nazarenermaler, Altarbilder für die Kolonie gefertigt hat. Aus dem Briefnachlass Scherer und J. Egg, der am 26. Juli 1859 mit 170 Tirolern in Pozuzo angekommen war,

geht hervor, dass Öfner zunächst 1859 zwei Ölbilder für die Kirche in Pozuzo geschaffen hat, u. z. das Ölgemälde „Hl.Josef mit Kind” für den Hochaltar und für einen Seitenaltar den „Hl. Jakobus d. Ä.” und schließlich, im Jahr 1878, das Bild „Mutter Anna mit Maria” nachlieferte.

Große Auszeichnung für unseren Obmann-Stellvertreter Mag. Hugo Tinzl

Am Hohen Frauentag, dem 15. August 2016, erhielt Mag. Hugo Tinzl aus den Händen unseres Landeshauptmannes Günther Platter und des Landeshauptmannes von Südtirol die Verdienstmedaille des Landes Tirol verliehen. Seine großartigen Leistungen im Verein wurden damit öffentlich gewürdigt und wir gratulieren ihm dazu aus ganzem Herzen. Bei einer gemeinsamen Reise nach Pozuzo im Jahre 2008 konnte er Pozuzo vor Ort erleben und kennenlernen. Aus dieser Sicht entstand im Jahre 2009 – 150jähriges Jubiläum der Gründung von Pozuzo – unter seiner fachmännischen Führung das Projekt „Unterstützungsfonds-Stipendien für die Jugend von Pozuzo“. Das Ziel ist die finanzielle Unterstützung lernwilliger und finanziell bedürftiger Jugendlicher, um ihnen einen schulischen Abschluss der Secundaria als Basis für eine berufliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. Die Voraussetzung für den Erhalt eines Stipendiums sind die finanzielle Bedürftigkeit, ständiger Wohnsitz im District Pozuzo, gute schulische Leistungen im Allgemeinen und guter Schulerfolg in Deutsch. Seit dieser Zeit werden jährlich 17 Jugendliche unterstützt. Die ganze Abwick-

lung und genaue Kontrolle verlaufen zur vollsten Zufriedenheit der Partnergemeinden Silz, Haiming und Pozuzo über unseren Mag. Hugo Tinzl. Bei der großartigen Ausstellung „POZUZO – EIN TIROLER DORF IN PERU“ im Oktober 2014 im Stift Stams, die von unserem Vorstandsmitglied Eva Lunger konzipiert und gestaltet wurde, war Mag. Hugo Tinzl ein kompetenter und hilfsbereiter Berater und Mitarbeiter. Diese Ausstellung wurde von allen öffentlichen Stellen in hohem Maß gewürdigt und stellt für die Tiroler Geschichte ein unverzichtbares Werk dar, das vor allem der Tiroler Jugend und den Schulen zur Verfügung steht. Am 15. Juli 2016 wurde im Bernardisaal des Stiftes Stams das großartige Buch des Autors Dr. Wilfried Schabus „POZUZO – Auswanderer aus Tirol und Deutschland am Rande Amazoniens in Peru“ der Öffentlichkeit präsentiert. Der Autor Dr. Wilfried Schabus über die Mitarbeit unseres Jubilars: „Ganz besonderen Dank schulde ich Herrn Mag. Hugo Tinzl, der mit seiner fachkundigen und digitalen Bearbeitung meiner oft weniger professionellen Fotos gute Ergebnisse erzielen konnte. Zusammen mit der Bereitstellung von Bildern aus seinem eigenen Archiv trägt er das Hauptverdienst an der ge-

lungenen Illustration dieses Buches.“ Mag. Hugo Tinzl ist in unserem Verein unverzichtbar und wertvoll. Wir danken ihm von ganzem Herzen für seinen unermüdlichen Einsatz zum Wohle von Pozuzo. Rudi Heinz

v.l.: Landeshauptmann von Tirol Günther Platter, Mag. Hugo Tinzl, Landeshauptmann von Südtirol Dr. Arno Kompatscher

Herzliche Gratulation an unser Vorstandsmitglied Mag. Gregor Marberger und seiner Gattin Stephanie zur Geburt ihres Sohnes Pius. Im Bild Mutter Stephanie mit ihren 2 Söhnen Johann Georg und Pius.

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WIR GRATULIEREN Wir gratulieren unserer „POZUZO-MAMA“ Traudi Feichtinger zum 70er

Heuer im Sommer, am 12.August, wurde unser Vorstandsmitglied Waltraud Feichtinger 70 Jahre alt. Kaum zu glauben bei der Aktivität, welche sie ihrer Umgebung vermittelt. So ist sie als Projektleiterin unseres Deutschprojektes in Pozuzo seit Jahren tätig und hat die vielfältigen Hürden und Schwierigkeiten gemeinsam mit unseren in Pozuzo tätigen Lehrerinnen immer hervorragend gemeistert. Aber auch das Saisoniersprojekt liegt Traudi sehr am Herzen. So waren in den letzten Jahren zahlreiche junge Frauen und Männer aus Pozuzo in den Wintermonaten in Tirol im Tourismus tätig und konnten so wertvolle Erfahrungen sammeln. Auf zahlreichen Reisen nach Pozuzo lernte Traude viele Familien dort kennen und es entstanden zahlreiche Freundschaften, welche auch in der Annahme der Patenkinder Leni, welche leider im Dezember 2006

tödlich verunglückte, und Maribel, die nun in Pozuzo verheiratet und dort als Deutschlehrerin tätig ist, mündeten. Traudis über Jahre gemeinsam mit ihrem Ehemann Eugen praktizierte Gastfreundschaft für alle nach Tirol kommenden Pozuciner ist schon legendär und hat ihr den respektvollen Titel „Pozuzo-Mama“ eingebracht. Die Verbindung zu Pozuzo ist bei Traudi ja nicht erst in den letzten Jahren

entstanden. Schon 1978 bereiste sie mit ihrem Bruder zum ersten Mal Pozuzo. Dieser frühe Besuch entstand aus der Suche ihres Vaters nach dem verlorenen Jugendfreund Herbert Migg, welcher in der Nähe von Villa Rica als Kaffeebauer sesshaft wurde. Wurden Traudis Eltern aus ihrer Heimat Mähren vertrieben, so mussten die Tiroler aus Not nach Pozuzo auswandern. Diese Schicksale verbinden und sind auch mit eine Ursache für Traudis Engagement für die Tiroler Kolonie und unseren Verein. Wir alle freuen uns, dass Traudi ihren runden Geburtstag nun wieder bei bester Gesundheit verbringen konnte und wünschen ihr natürlich für die Zukunft viel Gesundheit und Glück und uns, dass sie weiterhin in unserer Gemeinschaft für Pozuzo tätig ist.

Traudi Feichtinger mit unserer Lehrerin in Pozuzo Maribel Gstir de Egg

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WIR GRATULIEREN

WIR GEDENKEN

Neuer Konsul und Botschaftsrat an der Österreichischen Botschaft in Lima Ich bin seit 4 Monaten als Konsul und Botschaftsrat an der Österreichischen Botschaft in Lima tätig. Die Stadt gefällt mir, insbesondere jener Teil, der am Meer liegt. Auch die Leute sind freundlich. Vorher habe ich 4 Jahre im Außenministerium in Wien gearbeitet, wo ich mich mit dem Südkaukasus und Zentrealasien beschäftigt habe. Wie überhaupt mein Schwerpunkt bisher auf Asien, vor allem auf China, gelegen ist. In China habe ich mehr als 10 Jahre verbracht. In den 90er Jahren habe ich geholfen, das Generalkonsulat in Shanghai aufzubauen. In Peking war ich zweimal auf Posten, zuerst Ende der 80er Jahren bzw. Anfang der 90er Jahre, später (von 2005 bis 2008) als Leiter der Konsularabteilung. Dazu kommt, dass ich vor mehr als 30 Jahren in Shanghai studiert habe. Das war auch der Grund, warum ich ins Außenministerium eingetreten bin. Ich wollte meine Chinesisch-Kenntnisse anwenden.

Die Arbeit im Außenministerium erfordert auch ein hohes Maß an Flexibilität. Ich habe mich daher vor einem Jahr entschieden, etwas Neues auszuprobieren. Meine jetzige Tätigkeit an der österreichischen Botschaft in Lima stellt für mich eine große Herausforderung dar. Ich muss mich an eine neue Umgebung anpassen und lernen, die spanische Sprache besser zu beherrschen. Ich bin dankbar für die Gelegenheit, eine neue Kultur und ein neues Land mit interessanten Menschen kennenzulernen zu dürfen und freue mich auf 4 spannende Jahre in Peru. Dr. Martin Allgäuer Wir gratulieren zu dieser Bestellung, wünschen eine angenehme und freundschaftliche Zusammenarbeit zum Wohle von Pozuzo, die uns Konsul Dr. Martin Allgäuer auch versprochen hat. Der Vorgängerin, unserer sehr geschätzten Frau Gabriela Antl wünschen wir in ihrem neuen Aufga-

Dr. Martin Allgäuer

benbereich an der Österreichischen Botschaft in Oslo das Allerbeste und danken für die angenehme Zusammenarbeit in den letzten 4 Jahren.

Cons. Alt-Dekan Pfarrer Hubert Rietzler im Alter von 85 Jahren verstorben. Pfarrer i.R. Hubert Rietzler, der heuer in seinem Heimatdorf Fiss das diamantene Priesterjubiläum feierte, schloss für immer die Augen. Er war eine bekannte wie populäre Seelsorger-Persönlichkeit im Oberland. Unser Mitglied Pfarrer i.R. Hubert Rietzler war im Jahre 2009 Reiseteilnehmer unserer Jubiläumsfahrt nach Pozuzo zu den Feierlichkeiten „150 Jahre Gründung von Pozuzo“. Sein Humor, seine Teilnahme an den kirchlichen Feierlichkeiten in Pozuzo und Prusia sind uns noch in lebhafter Erinnerung. In seinem 2009 erschienenen spirituellen Buch „Der Lichtweg“ schreibt im Vorwort der damalige Bischof von In-

Beim Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche in Prusia anlässlich des 150-Jahr Jubiläums 2009 in Pozuzo

Beim Ausprobieren des guten Tabaks

nsbruck, Manfred Scheuer: Ich bin sehr dankbar für den „Lichtweg“, den Pfarrer Hubert Rietzler zu-

sammen mit Kindern und Künstlern erschließt. Das Licht ist ein zentrales Symbol für Jesus Christus, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt“. (Joh 8,12). Wir werden unserem verstorbenen Mitglied ein ehrendes Andenken bewahren.

Ana Sabina Schaus Frech ruht in Frieden. Die Mutter unserer Deutschlehrerin Cecilia Schmidt Schaus, Ana Sabina Schaus Frech, ist am 15. November an einem Krebsleiden verstorben. Familie Schmidt Schaus wird von allen Pozucinern wegen ihrer Einfachheit, Grosszuegigkeit und Uneigennuetzigkeit zugunsten Pozuzos sehr geschaetzt. Die Eltern Cecilias Herr Felix Schmidt und Ana Sabina Schaus haben Grundstuecke in Prusia fuer die Errichtung eines Parks und die Schule gestiftet und andere an die Gemeinde Pozuzos. Dafuer werden sie von Herzen geehrt und wir moechten, dass ihre

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Namen immer in Erinnerung bleiben. Felix Schmidt Gstir und Ana Sabina Schaus Frech, vielen Dank fuer Euren Beitrag zur Entwicklung Pozuzos Pozuzo, 17. November 2016 Carlos Gstir Schaus, Obmann des Vereins Circulo de Pozucinos Amigos de Tirol

Felix undAna bei der Einweihung ihrer Ehrentafle im Park von Prusia am 12. Juni 2014. Den Grund (2 ha) für Park und Mehrzwecksaal haben sie der Gemeinde Pozuzo geschenkt.

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ALLFÄLLIGES

Fördernde Betriebe:

Wir sagen „Vergelts Gott“:

www.zt-gstrein.at

Förderer von Projekten in Pozuzo Rudolf Heinz

Gregor Frötscher

M 43 676 8256 2905 rudolf.heinz@generali.com

M 43 676 8256 2945 gregor.froetscher@generali.com

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Wir danken F F F F

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Dem Bundesministerium für Bildung und Frauen, Wien Dem Allgemeinen Deutschen Kulturverein, Wien Der Tiroler Landesregierung, Abteilung Südtirol, Europaregion und Außenbeziehungen, Innsbruck Für die großartige finanzielle Unterstützung unseres Buchprojektes: der Tiroler Landesregierung, Abteilung Kultur der Südtiroler Landesregierung, Abteilung Kultur der Tiroler Wasserkraft AG. Den Partnergemeinden Silz und Haiming und der Gemeinde Zams Allen Sponsoren und Gönnern unseres Vereines Der Fa. Ing. Heinz Wüster, Imst für die großartige Unterstützung Der Druckerei Pircher GesmbH., Ötztal-Bahnhof für ihre großzügige Unterstützung Allen Freunden, die uns wertvolle Beiträge in der heutigen Ausgabe geliefert haben Unseren Mitgliedern Allen Vorstands- und Beiratsmitgliedern für ihre ehrenamtliche Tätigkeit

Fotonachweis: Dir. Gritsch Heinrich, Land Tirol, Hannes Valentini, Titelbild und Fotomontage Emanuel Bachnetzer, Archiv Ulla Mayerhofer (Fotografen Hannes Gasser und Albert Zangerl), Mag. Hugo Tinzl, Archiv Freundeskreis für Pozuzo, David Mittelholz, Pfandler Max, Karl Brunner, Tommy Polinar, Dr. Ruth Haselmair-Gosch, Pater T. Naupp OSB, Dr. Martin Allgäuer, Gwiggner Hannes – Reisedienst Alpbachtal, Anschrift:

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Impressum: Herausgeber:

FREUNDESKREIS-POZUZO

Redaktion:

Obmann Rudolf Heinz Dornachweg 23, 6424 Silz, T +43/676/3797610 rudolf.heinz@generali.com

Lektor:

Peter Unterhuber, Ulrichstraße 5/2, 6500 Landeck

Layout:

Werner Feichtinger, Kranewitterstraße 20, 6020 Innsbruck

Druck:

Druckerei Pircher, 6430 Ötztal-Bahnhof Ökologisch gedruckt mit Bio-Pflanzenfarben www.pircherdruck.at

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