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19. November –31. Dezember 2020

Jean-Luc Godard 5th Arab Film Festival Zurich


LAURA DERN DEZEMBER 2020 Filmstill: Rambling Rose (1985)

Geschenke fürs ganze Jahr – ein Abonnement oder ein Plakat! Erhältlich an der Kinokasse


01 Editorial

Filmfeste und Abschiedsfeiern Am 4. Oktober ist das 16. ZFF zu Ende gegangen. Unter der neuen künstle­ rischen Leitung von Christian Jungen hatte das europäische, allen voran das französische und Schweizer Filmschaffen einen besonderen Rang, und die zahlreichen daran beteiligten Gäste machten die Corona-bedingte Zurückhal­ tung der Stars aus Übersee wett. Dank der Breitenwirkung des ZFF haben viele Besucherinnen und Besucher nicht nur den Weg ins Kino wiedergefun­ den, sondern dabei die Erfahrung machen können, dass das Maskentragen im Saal eine selbstverständliche Geste mitmenschlicher Rücksichtnahme ist, um die kein Aufhebens gemacht werden muss. Für diese Sensibilisierung des Publikums – und die guten Filme! – danken wir dem ZFF herzlich. Unser eigenes Festival, das Arab Film Festival Zurich, das wir zusam­ men mit dem Verein International Arab Film Festival Zurich organisieren, ­feiert heuer seine 5. Ausgabe. Das biennale Festival präsentiert vom 19. bis 29. November die Vielfalt des engagierten Filmschaffens aus dem arabischen Kulturraum. Diesmal sind Marokko und Tunesien die Schwerpunktländer, aus denen auch Klassiker gezeigt werden und über deren aktuelles Filmschaffen mit Fachleuten diskutiert wird. Ob die zum Festival eingeladenen Filmschaf­ fenden tatsächlich anreisen dürfen, um ihre Werke persönlich vorzustellen, wird sich erst kurzfristig entscheiden; gegebenenfalls werden wir auf Skype-­ Gespräche ausweichen. Bitte beachten Sie dazu unsere Website. Zu Ende geht mit diesem Programm die knapp zehnjährige Filmreihe «Das erste Jahrhundert des Films», wohl die längste, die das Filmpodium je gezeigt hat. Von meinem damaligen Kollegen Andreas Furler als «genuines Langzeitprojekt» konzipiert, hat die Reihe seit Februar 2011 in nach Jahrgän­ gen gruppierten Programmblöcken rund 500 herausragende Filme von 1900 bis 1999 präsentiert. Da innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre Wechsel im Leitungsduo des Filmpodiums anstehen, ist das Folgeprogramm nicht wie­ der auf eine Dekade ausgelegt. Die nächste Form der enzyklopädischen Prä­ sentation der Filmgeschichte stellen wir im Januar/Februar-Programm vor. Ebenfalls zu Ende geht eine noch längere Ära: Ende September wurde Hans X. Hagen, der 18 Jahre für das Filmpodium gearbeitet und dabei als Vorführer auch immer «seine» Gäste empfangen hat, pensioniert. Er hat die vielen Entwicklungen in der Kinobranche seit 2002 nicht nur miterlebt, ­sondern als Cheftechniker im Filmpodium auch aktiv und kompetent umge­ setzt. Wir danken ihm an dieser Stelle ganz herzlich für seinen Einsatz für das Filmpodium! Corinne Siegrist-Oboussier Titelbild: Jean-Luc Godard (Bild: Philippe Doumic)


02 INHALT

JLG 90 neuf zéro

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Wir feiern Jean-Luc Godard. Im De­ zember wird er 90 Jahre alt und noch immer werkelt der unablässig Zigar­ ren schmauchende Philosoph, Revo­ lutionär und Cineast am Genfersee an weiteren Bild- und Tonkompositio­ nen. Von Anfang an waren seine Filme eine Herausforderung und immer wieder auch eine Neuerfindung des Kinos. Während andere stets am sel­ ben Film weiterarbeiten, arbeitet sich Godard am Kino selbst ab. Aus seinen über 150 Filmen zeigen wir viel und erweitern gar bis in den Januar, doch fehlt einiges. Dafür sind Raritäten da­ bei, diverse Kurzfilme, sein King Lear oder (im Januar) sein Destillat des Opus magnum Histoire(s) du cinéma. Tauchen wir ein und freuen wir uns auf ein fröhliches und gemeinsames Wieder- und Neuentdecken! Bild: Le mépris

5th Arab Film Festival Zurich

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Das 5th Arab Film Festival Zurich zeigt 36 Lang- und Kurzfilme aus ara­ bischen Ländern, fast alle als Schwei­ zer Premiere oder Erstaufführung im deutschsprachigen Raum. Die Filme handeln von eigenwilligen und kämp­ ferischen Frauen, von Liebe und Ver­ rat, von Familie, Tradition und dem Versuch, damit klarzukommen, von der Aufarbeitung der Vergangenheit, von persönlicher Integrität und der Suche nach Glück in einem korrup­ ten, kaputten System, von den ver­ schiedenen Facetten der islamischen Religion, vom Krieg und seinen Aus­ wirkungen auf das Leben der Einzel­ nen. Erstmals gibt es am Festival auch einen Wettbewerb, bei dem zwei Prei­ ­se verliehen werden. Schwerpunkte gel­ ten den Filmländern Marokko und Tunesien, denen auch Podiumsdiskus­ sionen gewidmet werden. Bild: All This Victory


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Das 1. Jh. des Films: 1990

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Goodfellas ist Martin Scorseses nüch­ terne Antwort auf Coppolas God-­ father-Saga; David Lynch legt mit Wild at Heart seinen barocksten (und brutalsten) Film vor. Nicht weniger stilvoll, aber dezenter widmet sich Wong Kar-wai in Days of Being Wild der Liebe. In An Angel at My Table findet Jane Campion grossartige Bil­ der für Seelenzustände. Abbas Kia­ rostami vermischt in Close-Up Wirk­ lichkeit und Fiktion, während Xavier Koller in Reise der Hoffnung ein rea­ les Flüchtlingsdrama nachinszeniert.

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Dass ein streng durchgetakteter All­ tag keine Zeit zum Träumen lässt, müssen auch schon Kinder ehrgeizi­ ger Eltern erfahren. Aber was wirk­ lich zählt im Leben, erlebt unsere ­Heldin dank Saint-Exupérys kleinem Prinzen, zu dessen Welt sie auf- und ausbricht. Bild: Der kleine Prinz

Reedition: French Cancan

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Jean Renoirs bunte Hommage ans Moulin Rouge, mit Jean Gabin.

Bild: Wild at Heart

Zum 30. Todestag von  Friedrich Dürrenmatt

Filmpodium für Kinder: Der kleine Prinz

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Zwei Dokumentarfilme über Dürren­ matt, aus unterschiedlichen (weibli­ chen) Perspektiven.

Einzelvorstellungen Silvesterfilm: Strange Days Sélection Lumière:  Cadaveri eccellenti

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JLG 90 neuf zéro Filmkritiker, Filmemacher und Filmforscher; Bild-, Wort- und Multi­ mediakünstler; Monteur, Tüftler und Handwerker; Stratege, Manipulator und Trickster: Jean-Luc Godard, das neugierige, nimmermüde, un­berechenbare Enfant terrible des Kinos feiert am 3. Dezember seinen 90. Geburtstag. Mit seiner bürgerlichen Familie hat der im Schweizer Städtchen Nyon aufge­ wachsene Jean-Luc Godard einst gebrochen. Im Kino hat er sie wiedergefun­ den. Für die einen ist er mit seinen (heraus)fordernden Werken der Übervater des Kinos, für die anderen dessen störrisches schwarzes Schaf. Der runde Ge­ burtstag ist guter Grund, sein rund 70 Jahre umfassendes Filmschaffen mit frischem Blick zu würdigen. Dazu gehören selbstverständlich seine schnell produzierten Nouvelle-Vague-Klassiker der 60er, die die Liebe zum Kino und zur Stadt Paris feierten, mit etablierten Kinokonventionen brachen, von ju­ gendlichem Mut und Übermut nur so strotzten und sofort Kultstatus erreich­ ten. À bout de souffle (1959) – so der berühmte Titel des ersten Hits. Ausser Atem? Das Gegenteil sollte Programm werden. Denn bis heute erforscht ­Godard das Kino, seine Möglichkeiten, ja seine Aufgaben und findet dabei immer wieder neue Formen, Kompositionen und Spielarten. Inzwischen (de-) montiert er Filme zurückgezogen am Genfersee und mit der Unterstützung seiner Partnerin Anne-Marie Miéville. Der gemeinsame Hund Roxy hat ­übrigens – wie sein Herrchen selbst mehrmals – auch schon eine Hauptrolle in e­ inem Godard-Film gespielt. 2 ou 3 choses Er sei frech wie kein anderer und könne es mit allen Regiegrössen aufnehmen, rühmte Truffaut seinen Freund Godard bei der Begründung, weshalb er dessen 2 ou 3 choses que je sais d’elle (1967) koproduziere. Seine kino­ethische Verant­ wortung formulierte der französisch-schweizerische Cineast im Vorfeld ­dieses 13. Spielfilms, in dem er erstmals explizit Kritik an der gaullistischen Regierung übte. Das Off-Geflüster Godards lässt uns scheinbar gleichzeitig dem Makingof dieses filmischen Forschungsprojekts beiwohnen. Es stellt den Versuch dar, anhand der Situierung der Recherche in einem «grand ensemble» (Grosswohn­ siedlung) die «grossen Zusammenhänge» zu erfassen, die die damalige franzö­

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Arbeit und Liebe: Passion > Unsterblich sterben: À bout de souffle Wo beginnen? Was beginnen? 2 ou 3 choses que je sais d'elle


06 sische Gesellschaft prägten. Der Film bildet ein Scharnier von ­Godards soge­ nannter ersten zur politischen Phase. Im Mai 68 demonstrierte er mit seinen Kollegen auf den Pariser Strassen, sorgte für den Abbruch des Festivals von Cannes, übte mit stummen 16-mm-Kurzfilmen, den Cinétracts, politischen ­Widerstand und zog sich von der Kinoindustrie und als Autor vorerst zurück, um im Kollektiv «Groupe Dziga Vertov» militante Filme zu produzieren. Der Abschied von Paris nach Grenoble 1973 war sein «fin de 68». Wichtiger Grund für diesen Um- und Rückzug war der Erfinder Jean-Pierre Beauviala. Dessen Videokameras und Apparaturen dienten Godard und ­Miéville beim Aufbau ihres autonomen Filmstudios samt Produktionsfirma dazu, alle Varianten der Videotechnik zu erkunden. Ici et ailleurs (1976) ist mit seinen «rapprochements» (Annäherungen) von Bildern, Schriften und Tonspuren bis heute wesentliche Grundlage für die kritische und anspruchs­ volle, vielschichtige und assoziative, ja exzessive und immerzu lustvolle Kino­ arbeit, der Godard seit 1977 im waadtländischen Rolle nachgeht. Die Rückkehr in die alte Heimat brachte mit Sauve qui peut (la vie) (1979) auch die Rückkehr zum Kino und eine verstärkte Auseinandersetzung mit der eigenen wie der grossen Geschichte. Das achtteilige Opus magnum Histoire(s) du cinéma (1988–98) aus etwa 700 Filmen und Tausenden von Zi­ taten aus Literatur, Kunst, Philosophie und Musik handelt von der und den Geschichte(n) des Kinos, des Fernsehens und des 20. Jahrhunderts genauso wie von der Bedeutung historischer Filme als Dokumente und von den Mög­ lichkeiten audiovisueller Historiografie. Parallel dazu erschuf Godard Werke, die biblische, mythologische oder literarische Figuren und Stoffe in die ihn umgebende Landschaft und ins Heute holten. Die Geschichte, das Gedächtnis und der aktuelle Zustand Europas und der arabischen Welt und damit Kriege und Gewaltdarstellungen ziehen sich seit 20 Jahren als roter Faden durch sein Schaffen. que je sais Godards vielschichtiges Schaffen zeichnet sich durch eine enorme, von gros­ ser Hartnäckigkeit getragene Kontinuität aus. Ob er das Kino immer wieder neu erfunden habe? Nein. Er habe bloss gezeigt, was möglich sei. Auch im ho­ hen Alter erkundet er neue Aufnahme- und Montagetechniken von Digitalbis Handykameras, 3D inklusive. Doch Godard wäre nicht Godard, würde er mit Adieu au langage (2014) nicht die Möglichkeiten jenseits einer effektvol­ len Verräumlichung des Bildes zeigen, indem seine manipulierte 3D-Technik die Zuschauerinnen und Zuschauer den Film durch ihr Augenzwinkern buch­ stäblich montieren lässt. All die entlarvenden Impulse rütteln nicht nur nach­ haltig an den Regeln und Massgaben des Erzählkinos, sondern an den Grund­ festen der Institution Kino, von der Produktion über die Distribution bis zur Rezeption. Davon zeugt aktuell Le livre d’image (2018), dem die Kinoinfra­


07 struktur nicht mehr gewachsen ist. Stattdessen entfaltet sich das Werk als Rauminstallation und geht auf Tour. Der weiterhin aktive Multimediakünstler hat bis dato fast 200 Filme geschaffen; die nicht realisierten nicht eingerechnet. Es sind Werke, die ver­ schiedenste Formate erproben, Kunstgattungen und Zitate spielerisch und collageartig einander annähern. Es sind Kürzest-, Mittel- bis Ultralangfilme, die die Unterschiede zwischen Dokumentation und Fiktion aufheben und ein Drehbuch oder ein Selbstporträt durchaus filmisch vermitteln können. Zu Godards Arbeiten zählen zudem diverse Auftragswerke für Kino, Fernsehen, Werbung, Museen und Ausstellungen. Er hielt Vortragsreihen, gestaltete Bü­ cher und die Cahiers-du-cinéma-Ausgabe 300 (1979), die seine Szenarios als Collagen präsentiert, gab VHS-Kassetten und CDs heraus, kreierte Ausstel­ lungen im Centre Pompidou (2006) und jüngst im Château de Nyon. Sein kurzer Erstling Opération «Béton» (1954) – über die Betonarbeiten für den Grande-Dixence-Bau – und dessen weitere Karriere als historischer und rezy­ klierter Imagefilm in der Staumauer zeugen retrospektiv vom Unternehmen und der Infrastruktur, die sich Godard aufgebaut hat, um seine Kinoarbeit zu starten und weiterzuführen. de lui Auf die gängige Kritik, man verstehe seine Filme nicht, erwidert er gewitzt, dass man diese immer dreimal sehen müsse: einmal nur das Bild, einmal nur den Ton und einmal Bild und Ton zusammen. Oder anders gesagt: Er ermög­ licht uns, ein Werk immer wieder anders und neu zu sehen. Und ja, wir dür­ fen uns seinen Filmen auch einfach hingeben, die Bilder, Farben, Klänge, ­Dialoge, Rhythmen, Überraschungen auf uns wirken lassen und geniessen. Wenn in 2 ou 3 choses que je sais d’elle, das «elle» gleichzeitig für die Protagonistin, die Schauspielerin und «la Région Parisienne» steht, deren ­gewaltige städtebauliche Mutation Godard mit jener der Gesellschaft gleich­ setzt, so kann unser «lui» für ihn und «le cinéma», stehen, das er seit je be­ harrlich seziert und neu montiert. Godard ist in seinem Schaffen unersättlich. Genauso macht sein Kino nicht satt. Im Gegenteil: Umso genussvoller wird es, je mehr wir davon zu se­ hen bekommen. Es ist jedes Mal ein Fest, das wir ja nicht verpassen sollten! Jacqueline Maurer

Jacqueline Maurer ist Kunst- und Filmwissenschaftlerin sowie -vermittlerin. Sie promoviert am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich zu Jean-Luc Godard und Verschränkungen zwischen Film-, Architektur- und Städtebauforschung.


> Alphaville.

> Le petit soldat.

> La chinoise.

> Tout va bien.

> Vivre sa vie.


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JEAN-LUC GODARD: 1954–58 Godards erste Kurzfilme, die er vor seinem ersten Langfilm À bout de souffle realisiert hat.

OPÉRATION «BÉTON» Schweiz 1954 Sein erstes Geld verdiente der junge Godard als Telefonist auf der Baustelle der Staumauer von Grande Dixence. Damit realisierte er auch seinen ersten Film, eine Kurzdokumentation über deren Erstellung, insbesondere die Phase des Betonierens. Godard konnte den Film an die Betreiberfirma des berühmten Bauwerks verkaufen, was ihm erlaubte, sich für die nächste Zeit aufs Filmemachen zu konzentrieren.

UNE FEMME COQUETTE Frankreich 1955 Eine junge Frau betrügt «ohne Absicht» ihren Mann, weil sie sich als Prostituierte ausgibt. Godards erster fiktionaler Kurzfilm, den er innert zwei Tagen mit einer geliehenen 16-mmKamera in Genf realisierte. Er zeichnete als Regisseur mit dem Pseudonym Hans Lucas, unter dem er auch Kritiken für die Cahiers du cinéma verfasste. Der Film wurde nach wenigen Vorstellungen nicht mehr gezeigt und galt lange als verschollen.

CHARLOTTE ET VÉRONIQUE, OU TOUS LES GARÇONS S’APPELLENT PATRICK Frankreich 1957 Patrick flirtet mal mit Charlotte, mal mit Véronique. Die beiden sind neugierig auf den neuen Patrick der besten Freundin und treffen ihn in den Armen einer Dritten. Godards erster in Paris realisierter Kurzfilm; das Drehbuch schrieb, unverkennbar, Éric Rohmer.

UNE HISTOIRE D’EAU Frankreich 1958 Wegen einer Überschwemmung stehen die Strassen unter Wasser. Eine junge Frau versucht aus einem Vorort von Paris in die Stadt zu gelangen. Ein junger Mann bietet ihr an, sie mitzunehmen. Während einer realen Flut machte François Truffaut Aufnahmen für ein Filmprojekt, das er dann aber wegen der Realisierung seines Spiel-

filmdebüts Les quatre cents coups aufgab. Godard übernahm das gedrehte Material und komponierte daraus einen eigenen Film.

CHARLOTTE ET SON JULES Frankreich 1958 Charlotte taucht bei ihrem Ex auf, worauf dieser sie mit einem endlosen Monolog zutextet. Gedreht im damaligen Hotelzimmer Godards in Paris. Belmondo hatte wegen seines Militärdienstes in Algerien keine Zeit, seinen Part nachzuvertonen, weshalb Godard selbst den Monolog einsprach. OPÉRATION «BÉTON» 16 Min / sw / DCP / F // REGIE UND SCHNITT Jean-Luc ­Godard // DREHBUCH Jean-Luc Godard, Jean-Pierre Laubscher // KAMERA Adrien Porchet.

UNE FEMME COQUETTE 10 Min / sw / DCP / F // REGIE, KAMERA, SCHNITT Jean-Luc Godard (als Hans Lucas) // DREHBUCH Hans Lucas ­(=Godard), nach «Le Signe» von Guy de Maupassant // MIT Maria ­Lysandre (die Frau), Roland Tolmatchoff (der Mann).

CHARLOTTE ET VÉRONIQUE, OU TOUS LES ­GARÇONS S’APPELLENT PATRICK 21 Min / sw / DCP / F/d // REGIE Jean-Luc Godard // ­DREHBUCH Éric Rohmer // KAMERA Michel Latouche // SCHNITT Cécile Decugis // MIT Nicole Berger (Véronique), Anne Colette (Charlotte), Jean-Claude Brialy (Patrick).

UNE HISTOIRE D’EAU 13 Min / sw / DCP / F/e // REGIE UND SCHNITT Jean-Luc ­Godard // DREHBUCH François Truffaut, Jean-Luc Godard // KAMERA Michel Latouche // MIT Caroline Dim (Frau), ­Jean-Claude Brialy (Mann).

CHARLOTTE ET SON JULES 14 Min / sw / DCP / F/d // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT JeanLuc Godard // KAMERA Michel Latouche // MUSIK Pierre Monsigny // MIT Anne Colette (Charlotte), Jean-Paul ­Belmondo (Jean), Gérard Blain (Charlottes neuer Freund).

À BOUT DE SOUFFLE Frankreich 1960 Der Ganove Michel will mit einem gestohlenen Auto nach Italien fahren, doch nachdem er einen Polizisten ermordet hat, muss er in Paris untertauchen. Dort belagert er eine amerikanische Studentin, die er von früher kennt. Godards fulminantes Langfilm-Debüt, das die Nouvelle Vague schlagartig weltbekannt machte und dessen Folgen für die Filmgeschichte hinlänglich bekannt sein dürften.


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JLG 90 neuf zéro «Quelle est votre plus grande ambition dans la vie? – Devenir immortel et puis mourir.» 89 Min / sw / 35 mm / F/d // REGIE Jean-Luc Godard // DREHBUCH Jean-Luc Godard, nach einer Story von François Truffaut // KAMERA Raoul Coutard // MUSIK Martial Solal // SCHNITT Cécile Decugis // MIT Jean Seberg (Patricia Franchini), JeanPaul Belmondo (Michel Poiccard), Van Doude (Journalist), Liliane David (Liliane), Claude Mansard (Gebrauchtwagenhändler), Henri-Jacques Huet (Antonio Berruti), Daniel Boulanger (Polizeiinspektor Vidal), Jean-Pierre Melville (Parvulesco, Schriftsteller), Michel Fabre (Polizist), Richard Balducci (Tolmatchoff), Jean-Luc Godard (Denunziant).

Darunter ein wunderbares längeres Gespräch mit dem Philosophen Brice Parain. «Godards erster Versuch, die übliche Filmerzählung durch einen Filmessay zu ersetzen. Die häufige Diskrepanz zwischen Bild und Ton sowie das scheinbar willkürliche Nebeneinander gegensätzlicher Stilmittel (starre und bewegliche Kamera, Montage- und Plansequenzen, Abblende und Schnitt) hält den Zuschauer auf Distanz und zwingt ihn, mitzudenken statt mitzufühlen. Indem Godard sozusagen Brechts Theorie des epischen Theaters auf den Film anwendet, vollzieht er den bis dahin (1962!) radikalsten Bruch mit dem klassischen Erzählkino.» (Lexikon des int. Films)

LE PETIT SOLDAT

84 Min / sw / DCP / F/d // REGIE Jean-Luc Godard // DREH-

Frankreich 1960

BUCH Jean-Luc Godard, Marcel Sacotte // KAMERA Raoul Coutard // MUSIK Michel Legrand // SCHNITT Jean-Luc

Vor dem Hintergrund des Algerienkriegs setzt sich Bruno Forestier nach Genf ab, um dem Militärdienst zu entgehen. Dort lernt er das dänische Fotomodell Veronika Dreyer kennen. Er wird vom französischen Geheimdienst gestellt und gedrängt, einen Mittelsmann der algerischen Befreiungsfront, der sich ebenfalls im Genf der neutralen Schweiz versteckt, zu töten. Er zögert und wird von einer arabischen Gruppe entführt und gefoltert. Nach der gelungenen Flucht schlägt er den Franzosen vor, den Auftrag anzunehmen im Austausch für Pässe und Visa nach Brasilien für ihn und Veronika. Godard drehte seinen zweiten Langspielfilm und den ersten mit Anna Karina direkt nach dem Abschluss der Arbeiten an À bout de souffle, da er fürchtete, ein Misserfolg seines Erstlings würde seine Filmkarriere beenden. Wegen des politischen Inhalts wurde Le petit soldat von der französischen Zensur verboten und konnte erst drei Jahre später uraufgeführt werden. «La photographie c’est la vérité. Et le cinéma c’est vingt-quatre fois la vérité par seconde.» 88 Min / sw / 35 mm / F/d // DREHBUCH UND REGIE JeanLuc Godard // KAMERA Raoul Coutard // MUSIK Maurice Leroux // SCHNITT Lila Herman, Agnès Guillemot, Nadine Trintignant // MIT Michel Subor (Bruno Forestier), Anna Karina (Veronika Dreyer), Henri-Jacques Huet (Jacques), ­ Paul Beauvais (Paul), László Szabó (Laszlo), Jean-Luc ­Godard (Mann am Bahnhof).

VIVRE SA VIE Frankreich 1962 In zwölf mit Zwischentiteln voneinander getrennten Kapiteln wird die Geschichte der jungen Nana erzählt, die wegen Geldnot in die Prostitution gerät. Die zwölf Tableaux sind meist Dialoge mit verschiedenen Menschen, denen Nana begegnet.

­Godard, Agnès Guillemot // MIT Anna Karina (Nana), Sady Rebbot (Raoul), André S. Labarthe (Paul), Guylaine Schlumberger (Yvette), Gérard Hoffman (der Koch), Monique Messine (Elisabeth), Paul Pavel (Journalist), Dimitri Dineff (Dimitri), Peter Kassovitz (der junge Mann), Eric Schlumberger (Luigi), Brice Parain (der Philosoph), Henri Attal (Arthur), László ­Szabó (Verwundeter), Jean-Luc Godard (Stimme).

LE MÉPRIS Frankreich/Italien 1963 «Die junge Camille empfindet für ihren Ehemann Paul zunehmend Verachtung, als dieser sich, von Geldsorgen getrieben, einem amerikanischen Produzenten als Script-Doctor andient und Fritz Langs «Odyssee»-Film erfolgsträchtig umschreiben soll. Ja, auch sie findet das Geld nützlich; nein, sie denkt nicht, dass er sich und seine kreativen Ideen verkauft; stets aber ist diese Verachtung da, die sie ihm nicht zu erklären vermag.» (Filmpodium, Juli/Aug. 2013) Der Film ist Godards erster grosser Studiofilm und keine gute Erfahrung für ihn. Der amerikanische Produzent Joe Levine bestand darauf, für sein Geld Nacktszenen von Brigitte Bardot zu bekommen. Nach grossen Streitereien drehte Godard zusätzliche Szenen zum bereits fertigen Film. So entstand u. a. der heute berühmte Anfangsdialog zwischen Bardot und Piccoli, mit dem Godard das Verlangte einlöst, aber es gleichzeitig reflektiert und so seine Integrität bewahrt. «J’aime beaucoup le cinémascope. – Ce n’est pas fait pour des hommes. C’est fait pour des serpents ou les enterrements.» 103 Min / Farbe / DCP / F/d // REGIE Jean-Luc Godard // DREHBUCH Jean-Luc Godard, nach dem Roman von Alberto Moravia // KAMERA Raoul Coutard // MUSIK Georges ­Delerue // SCHNITT Agnès Guillemot, Lila Lakshmanan // MIT Brigitte Bardot (Camille Javal), Michel Piccoli (Paul ­Javal,


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JLG 90 neuf zéro der Schriftsteller), Jack Palance (Jeremy Prokosch, der Produzent), Giorgia Moll (Francesca Vanini), Fritz Lang (Regisseur), Jean-Luc Godard (Langs Regieassistent/Erzähler), Raoul Coutard (Kameramann), Linda Veras (Sirene).

ALPHAVILLE, UNE ÉTRANGE AVENTURE DE LEMMY CAUTION Frankreich/Italien 1965 «Der Geheimagent Lemmy Caution – dank Eddie Constantine nicht nur in Frankreich eine Kultfigur des trivialen Detektiv- und Agentenfilms – gerät in eine entmenschlichte, computergesteuerte utopische Stadt, in der traditionelle Werte wie Liebe und Trauer gewaltsam ausgemerzt werden. Godard mischt auf ebenso intelligente wie anspruchsvolle Weise Science-Fiction- und Filmnoir-Motive. Er siedelt sie unverkennbar im Paris des Jahres 1965 an und macht damit klar, dass nicht die Zukunft, sondern bereits die Gegenwart voller Schrecken ist, da Zeichen und Maschinen den Menschen immer mehr zurückdrängen. Eine formal wie gedanklich eindrucksvolle filmische Reflexion, die in eine mögliche Befreiung durch die Poesie und die Liebe mündet.» (Lexikon des int. Films) 98 Min / sw / DCP / F/d // DREHBUCH UND REGIE Jean-Luc Godard // KAMERA Raoul Coutard // MUSIK Paul Misraki // SCHNITT Agnès Guillemot // MIT Eddie Constantine (Lemmy Caution), Anna Karina (Natascha von Braun), Akim Tamiroff (Henri Dickson), László Szabó (Chefingenieur, ungenannt), Howard Vernon (Prof. von Braun, ungenannt), Michel Delahaye (von Brauns Assistent, ungenannt), Jean-André Fieschi (Prof. Heckell, ungenannt), Jean-Louis Comolli (Prof. Jeckell, ungenannt), Jean-Pierre Léaud (Kellner, ungenannt).

2 OU 3 CHOSES QUE JE SAIS D’ELLE Frankreich 1967 «Sie, das ist Marina Vlady, die Hauptdarstellerin. Sie, das ist Juliette Jeanson, die Protagonistin. Sie, das ist die Region Paris. Sie, das ist die Welt, in der wir leben, eine Welt, die mit herkömmlichen erzählerischen Mitteln nicht mehr zu erfassen, verstehen, beschreiben ist. Jean-Luc Godard verlegt sich auf die soziologische Collage, füllt ein phänomenologisches Sammelalbum, geht auf Forschungsreise durch eine Gegenwart, (...) (er)findet das Universum in einer Espressotasse. 24 Stunden aus dem Alltag einer Hausfrau und Mutter – die wie viele ihrer Standesgenossinnen nachmittags anschaffen geht, um die Fami­ lienkasse aufzubessern – bilden die Referenz­ fläche für Beobachtungen von (lebendigen) Dingen und (toten) Menschen, für Gedanken zu Sprache und Wahrheit, für Betrachtungen über

Liebe und ­ Kapitalismus. Zu Raoul Coutards hyper­ästhetisch-analytischen Techniscope-Einstellungen reflektiert, spekuliert, schwadroniert, doziert, philosophiert Godard aus dem Off mit gepresster Flüsterstimme, als gäbe er wohlgehütete Geheimnisse preis, unter anderem über die Unbewohnbarkeit der Städte, über das Leben als Comicstrip, über den Krieg in Vietnam, über die Gestapo der Strukturen, über die Welt als Bordell.» (Sebastian, KinoTageBuch, 12.1.2020) 90 Min / Farbe / DCP / F/d // DREHBUCH UND REGIE Jean-Luc Godard // KAMERA Raoul Coutard // SCHNITT Françoise Collin, Chantal Delattre // MIT Marina Vlady ­(Juliette Jeanson), Anny Duperey (Marianne), Roger Mont­ soret (Robert Jeanson), Raoul Lévy (John Bogus, der Amerikaner), Jean Narboni (Roger), Jean-Luc Godard (Erzähler).

LA CHINOISE Frankreich 1967 «In Godards geistreicher dialektischer Farce, die so tief beunruhigend ist wie schrill-lustig, diskutieren fünf Studenten – alle Mitglieder einer maoistischen Zelle – die Bedeutung der chinesischen Kulturrevolution und die Möglichkeiten, mit Terrorismus im Westen einen ähnlichen Umbruch zu bewirken. Verwirrend schön gemacht ist das, als Collage von Slogans und Plakatbildern – doch der Film wurde seinerzeit wegen seines spielerischen Umgangs mit der Politik weitherum angegriffen. Godard indes war sich sehr wohl bewusst, was er tat, als er diese ‹Robinson Crusoes mit dem Marxismus als ihrem Freitag› erschuf. Sein Film erwies sich als prophetische und bemerkenswert scharfsinnige Analyse der Triebkräfte hinter den Ereignissen vom Mai 1968 in ihrer verzweifelten Aufrichtigkeit und unmöglichen Naivität.» (Tom Milne, Time Out Film Guide) «Il faut confronter les idées vagues avec des images claires.» 99 Min / Farbe / DCP / F/d // DREHBUCH UND REGIE Jean-Luc Godard // KAMERA Raoul Coutard // MUSIK Karlheinz Stockhausen // SCHNITT Delphine Desfons, Agnès Guillemot // MIT Anne Wiazemsky (Véronique), Jean-Pierre Léaud (Guillaume), Michel Séméniako (Henri), Lex De Bruijn (Kirilov), Juliet Berto (Yvonne), Omar Diop (Genosse X), ­Blandine Jeanson (Blandine).

WEEK END Frankreich/Italien 1967 «Week-end est un film d’ethnologue sur un monde imaginaire.» (JLG, 1967) «Der Wochenendausflug eines jungen Paares aus Paris wird unvermittelt zu einer allegorischen


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JLG 90 neuf zéro Reise durch Zeiten und Kultur, auf der die zerstörerischen Kräfte ans Licht treten, die unter der Oberfläche der bürgerlichen Wohlstandsgesellschaft schlummern. Godard zeigt eine Welt am Rande des Abgrunds und beendet den Film folgerichtig mit dem Schlusstitel: «Ende der Geschichte, Ende des Kinos». Man kann über die Richtigkeit der Diagnose streiten, nicht aber über Godards Virtuosität als Regisseur. Die fast zehnminütige Kamerafahrt entlang einer Autokolonne auf einer Landstrasse, untermalt von einer ohrenbetäubenden Geräuschkulisse, gehört zu den unvergesslichen Sequenzen der Filmgeschichte. Ein ungeheuer aggressiver Film, der seine Kritik in eine intellektuelle Form giesst und durch seine formale Virtuosität besticht.» (Filmpodium, Dez. 2000) «Godard hat immer behauptet, dass er durchaus auf den revolutionären Bruch von 1968 vor­ bereitet gewesen sei, und Week End bestätigt dies. Er ist eindeutig von jemandem gemacht, der eine Haltung des totalen Ekels und der Ablehnung seiner eigenen Gesellschaft gegenüber erreicht hat.» (Colin MacCabe)

MUSIK Paul Beuscher // SCHNITT Kenout Peltier, Claudine

104 Min / Farbe / DCP / F/d // DREHBUCH UND REGIE

«Montagefilm über die Wirklichkeit ‹anderswo›, die man ‹hier› über mediale Bilder wahrnimmt. ‹Hier›: eine französische Familie, ein Fernseher, ein Junge, der davorsitzt, bevor er seine Haus­ aufgaben macht. ‹Anderswo›: Bilder von der palästinensischen Revolution, von einer Gruppe ­Fedajin, die kritisieren, wie sie unter israelischem Maschinengewehrfeuer einen Fluss überqueren mussten. Ein Appell, ‹hier› zu sehen, um ‹anderswo› zu verstehen – und eine Reflexion des ­Regisseurs über seine Arbeit.» (Filmpodium, Dez. 2000)

Jean-Luc Godard // KAMERA Raoul Coutard // MUSIK Antoine Duhamel, Wolfgang Amadeus Mozart // SCHNITT ­Agnès Guillemot // MIT Mireille Darc (Corinne), Jean Yanne (Roland), Jean-Pierre Kalfon (Chef der Befreiungsfront), Jean-Pierre Léaud (Saint Just, der kleine Sänger), Valérie Lagrange (Frau des Chefs), Yves Alfonso (der Däumling), Daniel Pommereule (Joseph Balsamo), Blandine Jeanson (Emily Brontë, eine Melomanin), Ernest Menzer (Koch), Yves Beneyton (Mitglied der Befreiungsfront), Paul Gegauff (Pianist), ­Juliet Berto (Mädchen).

TOUT VA BIEN Frankreich/Italien 1972

Merlin // MIT Jane Fonda (Sie, Susan), Yves Montand (Er, Jacques), Vittorio Caprioli (Fabrikbesitzer), Jean Pignol ­ (CGT-Delegierter), Pierre Oudry (Fréderic), Elizabeth Chauvin (Geneviève), Eric Chartier (Lucien), Anne Wiazemsky (Linke), Yves Gabrielli (Léon), Louis Bugette (Bugette), Castel Casti (Jacques).

CAMÉRA-ŒIL Frankreich 1967 Godards Beitrag zu Loin du Vietnam, einer Sammlung kurzer Dokumentarfilme rund um den Vietnamkrieg. Caméra-œil problematisiert die Rolle des Künstlers im politischen Kampf und hinterfragt die Möglichkeiten eines wirksamen Engagements. Der Kurzfilm kann auch als Kommentar zu La chinoise gelesen werden.

ICI ET AILLEURS Frankreich 1976

CAMÉRA-ŒIL 11 Min / Farbe / Digital SD / F/e // DREHBUCH, REGIE UND SCHNITT Jean-Luc Godard // KAMERA Kieu Tham // MIT

Während eines Streiks in einer Wurstfabrik wird der Filmemacher Jacques, dessen Ideale gerade erst durch die 68er-Bewegung erschüttert worden sind, zusammen mit seiner Geliebten Susan, einer amerikanischen Journalistin, und dem Fabrikbesitzer zu Gefangenen der Streikenden. «Jacques und Susan verkörpern das intellektuelle Kleinbürgertum, und sie verkörpern eine Funktion im Produktionszusammenhang: die Medien. Er bearbeitet oder verwaltet eher die Bilder, sie die Töne. Ihre private Geschichte spiegelt die Problematik der Medien. Tout va bien ist die Reinschrift aller Überlegungen und Erkenntnisse, die Godard und Gorin von 1968 bis 1972 gewonnen hatten.» (Arsenal Berlin, Juli 2008) 95 Min / Farbe / 35 mm / F/d // DREHBUCH UND REGIE JeanLuc Godard, Jean-Pierre Gorin // KAMERA Armand Marco //

Jean-Luc Godard.

ICI ET AILLEURS 60 Min / Farbe / DCP / F/e // DREHBUCH UND REGIE Jean-Luc Godard, Anne-Marie Miéville // KAMERA William Lubtchansky // MUSIK Jean Schwarz // SCHNITT Anne-Marie Miéville // MIT Jean-Luc Godard (Erzähler).

SCÉNARIO DE «SAUVE QUI PEUT (LA VIE)» Schweiz 1979 Godards Abneigung gegen Drehbücher führte dazu, dass er Video-Szenarios erstellte, um Geldgeber für seine Projekte zu finden.


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JLG 90 neuf zéro

SAUVE QUI PEUT (LA VIE) Frankreich/Schweiz 1980 «Denise will ihr Leben ändern. Sie kündigt den Job, verlässt ihren Freund Paul und zieht aufs Land. Paul würde auch sein Leben ändern, aber er hat nicht Denises Mut. Stattdessen sucht er Trost und Nähe bei der Prostituierten Isabelle. Sie zieht in Denises leere Wohnung, aber am liebsten würde sie auch raus aus der Stadt und weg von den prügelnden Zuhältern. Mit seinen drei lose verknüpften Geschichten kehrt Godard zum ‹grossen› Kino zurück. Er nennt Sauve qui peut (la vie) seinen ‹zweiten ersten Film›. Nach über einem Jahrzehnt politischer Traktatsfilme und Videodokumentationen erzählt Godard wieder echte Filmgeschichten: immer noch ungestüm und rätselhaft.» (zweitausendeins.de)

Rembrandt und El Greco nach (atemberaubend beleuchtet und von Coutard gerahmt), aber die Geldgeber beschweren sich wegen der fehlenden Geschichte. Draussen und im Hotel gibt es zwar viele Geschichten, aber keine darf im Mittelpunkt stehen (...). Godard verlangt, dass man überall gleichzeitig hinschaut, und bietet Klänge und Bilder, die die Sinne in Erstaunen versetzen und den Geist kitzeln. Es ist ein Film, den man mehrmals sehen muss – und will.» (Time Out Film Guide) UNE BONNE À TOUT FAIRE 8 Min / Farbe / DCP / E/Russ/F // DREHBUCH, REGIE UND SCHNITT Jean-Luc Godard // MIT Andreï Kontschalowski, Vittorio Storaro.

PASSION 87 Min / Farbe / 35 mm / F/d/i // DREHBUCH, REGIE UND SCHNITT Jean-Luc Godard // KAMERA Raoul Coutard // MIT

SCÉNARIO DE «SAUVE QUI PEUT (LA VIE)»

Isabelle Huppert (Isabelle), Jerzy Radziwiłowicz (Jerzy),

21 Min / Farbe / Digital HD / F/e // REGIE UND SCHNITT Jean-

Hanna Schygulla (Hanna), Michel Piccoli (Michel), László

Luc Godard.

Szabó (László), Jean-François Stévenin (Jean-François), Myriem Roussel (Taubstumme).

SAUVE QUI PEUT (LA VIE) 87 Min / Farbe / 35 mm / F/d // REGIE Jean-Luc Godard // DREHBUCH Jean-Luc Godard, Anne-Marie Miéville, JeanClaude Carrière // KAMERA William Lubtchansky, Renato Berta, Jean-Bernard Menoud // MUSIK Gabriel Yared //

MEETIN’ WA

SCHNITT Anne-Marie Miéville, Jean-Luc Godard // MIT

Frankreich 1986

­Isabelle Huppert (Isabelle Rivière), Jacques Dutronc (Paul Godard), Nathalie Baye (Denise Rimbaud), Roland Amstutz (Kunde Nr. 2), Anne Baldaccini (Isabelles Schwester), Paule

Godard befragt Woody Allen über das Kino und die Bedeutung von Fernsehen. Subversiv und witzig.

Muret (Pauls Ex-Frau).

KING LEAR USA/Bahamas/Frankreich/Schweiz 1987

UNE BONNE À TOUT FAIRE Frankreich 1981 Gedreht während eines Besuchs in Francis Ford Coppolas Zoetrope Studios am Set von dessen One from the Heart. Ein fulminantes kleines Kinostück.

PASSION Frankreich/Schweiz 1982 «Nach 16 Jahren wieder vereinigt mit dem Kameramann Raoul Coutard und mit einem Trio grosser Schauspieler (Huppert, Schygulla, Piccoli), orchestriert Godard seine persönlichen Leidenschaften für klassische Musik, romantische Malerei und das Filmgeschäft rund um sein Lieblingsthema, die Beziehung zwischen Leben und Liebe. In einem Filmstudio stellt ein polnischer Regisseur in Tableaux vivants eine Reihe von berühmten Gemälden von Goya, Ingres, Delacroix,

Bei einem Essen in Cannes kam es zur Vertragsunterzeichnung zwischen Godard und dem Cannon-Group-Produzenten Menahem Golan über eine «King Lear»-Adaption – auf einer Stoffserviette. Was folgte, ist noch kurioser. Godard versammelte in Nyon seinen Cast, bestehend aus Peter Sellars, Molly Ringwald, Leos Carax, Julie Delpy u. a., und Norman Mailer sollte das Drehbuch schreiben. Er und seine Tochter waren aber kurz nach Beginn auch schon wieder weg. Irgendwie entstand dann doch eine Art «King Lear»-Studie, frech und fröhlich an den Ufern des Genfersees in schönen Bildern festgehalten. Natürlich war der zahlende Produzent unglücklich und bezichtigte den Künstler des Vertragsbruchs. Ein selten gezeigtes Meisterwerk. MEETIN’ WA 26 Min / Farbe / Digital SD / E // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT Jean-Luc Godard // KAMERA Pierre Binggeli // MIT Woody Allen, Jean-Luc Godard.


> Sauve qui peut (la vie).

> Allemagne 90 neuf zéro.

> Film socialisme.

> King Lear.

> JLG/JLG – autoportrait de décembre.


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JLG 90 neuf zéro KING LEAR 90 Min / Farbe / 35 mm / E // REGIE UND SCHNITT Jean-Luc

LETTRE À FREDDY BUACHE. À PROPOS D’UN COURT-MÉTRAGE SUR LA VILLE DE LAUSANNE

Godard // DREHBUCH Jean-Luc Godard, Norman Mailer, Pe-

11 Min / Farbe / Digital SD / F // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT

ter Sellars, Tom Luddy, frei nach William Shakespeare // KA-

Jean-Luc Godard // KAMERA Pierre Binggeli, Jean-Bernard

MERA Sophie Maintigneux // MIT Peter Sellars (William

Menoud.

Shakespeare Jr. V.), Burgess Meredith (Don Learo), Molly Ringwald (Cordelia), Leos Carax (Edgar), Julie Delpy (Virginia),

UNE CATASTROPHE

Freddy Buache (Grigori Kozintsev, «Prof. Quentin»), Jean-Luc

1 Min / Farbe + sw / Digital SD / OV // DREHBUCH, REGIE,

Godard (Professor Pluggy), Woody Allen (Mr. Alien), Norman

SCHNITT Jean-Luc Godard.

Mailer (er selbst), Kate Mailer (sie selbst), Menahem Golan (er selbst, Stimme), Tom Luddy (er selbst, Stimme).

PARISIENNE PEOPLE 1 Min / Farbe / Digital SD / F // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT Jean-Luc Godard, Anne-Marie Miéville.

LETTRE À FREDDY BUACHE. À PROPOS D’UN COURT-MÉTRAGE SUR LA VILLE DE LAUSANNE Schweiz 1984

ALLEMAGNE 90 NEUF ZÉRO 62 Min / Farbe / 35 mm / F/D // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT Jean-Luc Godard // KAMERA Christophe Pollock, Andreas Erben, Stepan Benda // MIT Eddie Constantine (Lemmy ­Caution), Hanns Zischler (Graf Zelten), Claudia Michelsen

Die Stadt Lausanne gab bei Godard einen Werbefilm in Auftrag. Das Ergebnis wurde ein audio-­ visueller Brief an seinen Freund Freddy Buache. Die Auftraggeber waren nicht überzeugt, dass der Film der Stadt Ansehen und Touristen einbringen würde. Freddy Buache verstarb am 28. Mai 2019. Er leitete von 1951 bis 1996 die Cinémathèque suisse und war von 1966 bis 1970 zusammen mit Sandro Bianconi Co-Leiter des Locarno Film Festival.

UNE CATASTROPHE Österreich 2008 Festival-Trailer für die Viennale 2008.

PARISIENNE PEOPLE Schweiz 1992

(Charlotte Kestner/Dora), André S. Labarthe (Erzähler), ­Robert Wittmers (Don Quichotte).

JLG/JLG – AUTOPORTRAIT DE DÉCEMBRE Frankreich 1995 «Im Dezember 1994 entstand an Godards Wohnort Rolle am Genfersee dieses Selbstporträt, das vor allem ein Versuch der eigenen künstlerischen Standortbestimmung ist. Oszillierend zwischen Selbstreflexion, philosophischem Exkurs und der Selbstbespiegelung eines künstlerischen Egozentrikers gibt Godard ein Bild seiner Existenz, das ihn als leidenschaftlichen, wenn auch desillusionierten Kulturkritiker zeigt. Ein Regisseur, der dem, was er in den Medien präsentiert bekommt, nie glaubt und sich dennoch der Macht der Bilder immer bewusst ist.» (prisma.de)

Werbespot einer Schweizer Zigarettenmarke.

ALLEMAGNE 90 NEUF ZÉRO Frankreich 1991

«Lemmy Caution, der Geheimagent aus Godards dystopischem Klassiker Alphaville, schlendert kurz nach dem Fall der Mauer durch Berlin und erinnert sich an Ereignisse der deutschen und ­europäischen Geschichte, die zu ihrem Bau führten. (...) Ein visuelles Essay, basierend auf Found Footage und einem losen Narrativ. Godards persönliche Interpretation vom Ende des Kalten Krieges vermittelt eher das emotionale Durch­ einander des Augenblicks als eine politische Botschaft.» (Filmfestival goEast, 2020)

LIBERTÉ ET PATRIE Schweiz 2002 «Eine Hommage an Ramuz’ fiktiven Romanhelden, den Maler Aimé Pache, der zwischen dem Waadtland und Paris hin- und herreist. Erzählt wird eine fiktive Biografie in einer Abfolge von Landschaftsaufnahmen und Landschaftsmalerei, philosophischen und poetischen Überlegungen und Ideen. Ein versöhnlicher, ruhiger und ironischer Film.» (Vega-Film)


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JLG 90 neuf zéro

REMERCIEMENTS DE JEAN-LUC GODARD À SON PRIX D’HONNEUR DU CINÉMA SUISSE

­Kramer (Ramos Garcia), Simon Eine (Botschafter), JeanChristophe Bouvet (C. Maillard), Georges Aguilar (Indianer), Leticia Gutierrez (Indianerin).

Schweiz 2015 2015 wurde Jean-Luc Godard der Ehrenpreis des Schweizer Films verliehen. Er konnte an der Zeremonie nicht teilnehmen und bedankte sich mit einem Kurzfilm. «Il est très étrange de donner un prix de cinéma suisse, puisqu’il n’y a pas de cinéma suisse.» (JLG, 2015) JLG/JLG – AUTOPORTRAIT DE DÉCEMBRE 62 Min / Farbe / 35 mm / F/d // DREHBUCH UND REGIE JeanLuc Godard // KAMERA Yves Pouliquen, Christian Jacquenod // SCHNITT Jean-Luc Godard, Catherine Cormon // MIT Jean-Luc Godard, Bernard Eisenschitz (Jacques Murat), André S. Labarthe (Erzähler), Geneviève Pasquier, Denis Jadot, Brigitte Bastien, Elisabeth Kaza, Louis Séguin, Nathalie Aguillar.

LIBERTÉ ET PATRIE 22 Min / Farbe / DCP / F/e // DREHBUCH UND REGIE JeanLuc Godard, Anne-Marie Miéville // SCHNITT Jean-Luc ­Godard // MIT Jean-Pierre Gos (Stimme), Geneviève Pasquier (Stimme).

REMERCIEMENTS DE JEAN-LUC GODARD À SON PRIX D’HONNEUR DU CINÉMA SUISSE 5 Min / Farbe / DCP / F // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT JeanLuc Godard // MIT Jean-Luc Godard.

FILM SOCIALISME Schweiz/Frankreich 2010 «Film Socialisme besteht aus drei relativ autonomen, untergründig aber miteinander kommunizierenden Teilen und mehreren Dutzend Splittern, deren Rekonstruktion kein Ganzes ergibt. (...) Godard durchstreift mit seiner multimedialen, vielsprachigen Collage die 2000-jährige Geschichte des Mittelmeerraumes, zitiert Bilder aus Filmen (...), lässt Derrida und Hannah Arendt zu Wort kommen, setzt dann noch mal an und erzählt die Geschichte des 20. Jahrhunderts – und ist in seiner Fixierung auf den Mittelmeerraum dann doch plötzlich sehr aktuell, wenn man an den Arabischen Frühling und die GriechenlandKrise denkt. (...) Man kann das alles (...) unerträglich manieriert und berechenbar und auch in seiner Beharrlichkeit stur finden, aber kann sich auch sehr gut treiben lassen vom Fluss. Letztlich muss man sich darauf verständigen, was Film ist und/oder hätte sein können. Und was man damit anfangen will. Godard, so viel steht fest, könnte ewig so weitermachen.» (Ulrich Kriest, filmgazette.de, 10.7.2017) 102 Min / Farbe / 35 mm / OV/d // DREHBUCH UND REGIE Jean-Luc Godard // KAMERA Fabrice Aragno, Paul Grivas //

NOTRE MUSIQUE

MIT Jean-Marc Stehlé (Otto), Agatha Couture (Alissa).

Frankreich/Schweiz 2004 «Es ist der Versuch, die Spuren der Geschichte, die Trümmer der Zerstörung zu sichten und zu bezeichnen wie die Steinblöcke der zerbombten Brücke von Mostar, die Godard uns zeigt wie Grabsteine eines vergessenen Krieges. Europa hat zugesehen bei der Zerstörung, und Godard sieht Europa beim Wiederaufbau zu. (...) Trotz der hochkulturellen Bögen und allgegenwärtigen Diskursbereitschaft besitzt Notre musique einen leisen Humor, der den grossen Themen die Schwere nimmt. Der Film fingiert ein Kolloquium, bei dem Godard, der Guru, zum wohl hundertsten Mal die Frage beantworten soll, ob die digitale Technik das Kino auf Dauer zerstöre. Der Meister schweigt und verdreht die Augen.» (Katja Nicodemus, Viennale 2004) 80 Min / Farbe / 35 mm / F/d // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT Jean-Luc Godard // KAMERA Julien Hirsch // MIT Sarah Adler (Judith Lerner), Nade Dieu (Olga Brodsky), Rony ­

TRAVAUX PRÉPARATOIRES Schweiz 2012 Vorbereitende 3D-Tests zu Adieu au langage.

3X3D: LES TROIS DÉSASTRES Portugal/Frankreich 2013 «Jean-Luc Godard fügt mit Les trois désastres ­seinen Histoire(s) du cinéma ein 3D-Kapitel hinzu. Im Schatten seiner Höhle, getreu seinem kalei­ doskopischen Zugang zur 7. Kunst, sammelt die Sphinx von Rolle Fragmente eines kollektiven, vom Vergessen bedrohten Gedächtnisses. Er spielt mit unseren Augäpfeln Billard, indem er die zweite Linse bewegt, die dem Bild seine Dreidimensionalität verleiht. Er grüsst Raoul Walsh und John Ford, die einäugigen Männer aus Hollywood, die sich nicht um 3D scherten. (…) Er stig-


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JLG 90 neuf zéro matisiert die Erfindung der Perspektive, ‹die Erbsünde der westlichen Malerei›. Er verkündet feierliche Gräuel: ‹Schreiben war eine Notwendigkeit, Drucken mehr als ein Vergnügen, das Digitale wird eine Diktatur sein.›» (Antoine Duplan, Le Temps, 30.3.2014)

ADIEU AU LANGAGE (3D) Schweiz/Frankreich 2014 «Eine Dreiecksgeschichte in 3D am Genfersee: Eine Frau geht fremd, ihr Mann dreht durch, ein Hund schwänzelt dem Ufer entlang, und weil’s so schön ist, erzählt uns Godard das Ganze gleich noch einmal. (…): Das intellektuelle Pathos des ewig Unverstandenen wirkt – wie im Titel angedeutet – weniger grimmig als auch schon und wird aufgelockert durch frivoles visuelles Experimentieren. (...) Warum, zum Beispiel, soll man immer beiden Augen dasselbe zeigen, wenn man dank 3D-Brille eine Schuss-Gegenschuss-Sequenz elegant übereinanderlegen kann? Je nachdem, welches Auge man öffnet, kann man selbst entscheiden, aus welcher Perspektive man die Szene verfolgen will. Gespielt wird freilich nicht nur um des Spielens willen. Es geht um nicht weniger als die Befreiung der dritten Dimension vom rigiden Korsett des Realismus, dem sie im kommerziellen Kino unterworfen ist. (…) Gleichzeitig überrascht er durch eine konsequente Reduktion der Mittel auf ein absolutes Minimum: Der Film hat mit siebzig Minuten nicht nur eine ideale Länge, gedreht haben Godard und sein Kameramann Fabrice Aragno meist zu zweit und fast ausschliesslich in und um des Meisters Haus am Genfersee.» (Xenix, März 2015) TRAVAUX PRÉPARATOIRES 15 Min / Farbe / DCP 3D / F // DREHBUCH UND REGIE JeanLuc Godard, Fabrice Aragno // KAMERA Fabrice Aragno // SCHNITT Jean-Luc Godard.

3X3D: LES TROIS DÉSASTRES 17 Min / Farbe + sw / DCP 3D / F // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT Jean-Luc Godard // KAMERA Fabrice Aragno.

ADIEU AU LANGAGE (3D) 70 Min / Farbe / DCP 3D / F/d // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT Jean-Luc Godard // KAMERA Fabrice Aragno // MIT Héloïse Godet (Josette), Kamel Abdelli (Gédéon), Richard Chevallier (Marcus), Zoé Bruneau (Ivitch), Christian Gregori (Davidson),

SANG TITRE Schweiz 2019 Eine düstere Beschwörung der letzten Minuten von ... Gedanken, Liebe und Film. Eine neu erstellte Version für Zuschauerinnen und Zuschauer in Ramallah und im Gazastreifen von Dans le noir du temps aus dem Episodenfilm Ten Minutes Older: The Cello (2002).

BILDBUCH (Le livre d’image) Schweiz/Frankreich 2018 Jean-Luc Godard hat von seinem bisher jüngsten Film eine Fassung erstellt, die er höchstpersönlich auf Deutsch eingesprochen hat. «Fünfzig Jahre nach der Rebellion der Kinobilderstürmer in Cannes gibt sich der ewige Revolutionär so kompromisslos wie (fast) eh und je. ‹Ich werde immer auf der Seite der Bombenleger sein›, erklärt seine doch mittlerweile etwas brüchig gewordene Autoritätsstimme sinngemäss im Verlauf seiner jüngsten Bild- und Ton-Kaskade. (...) Montiert ist das wie am Küchentisch, vielleicht gar am Computer. Abrupt, gezielt amateurhaft, mit den gleichen Musikzitaten, Explosionen und Vignetten, die er seit vielen Jahren einsetzt. Seine Stimme schnarrt über mehrere Tonkanäle, mal von links, dann von rechts und dann wieder, mitten im Satz, von vorne. Godard macht sich lustig mit/über dem/den Surround-Sound. Wer sein Werk und seine Biografie kennt, wird sich selten langweilen in diesem Bildbuch. Wenn man nicht damit beschäftigt ist, die Filmausschnitte zu identifizieren, folgt man Godards Gedankenketten, versucht, sie zu verknüpfen und zu organisieren. Auch darüber mokiert sich dieser Film.» (Michael Sennhauser, sennhausersfilmblog.ch, 12.5.2018) SANG TITRE 10 Min / Farbe / DCP / F/d // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT Jean-Luc Godard.

BILDBUCH 84 Min / Farbe + sw / DCP / D/OV/d // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT Jean-Luc Godard // KAMERA Fabrice Aragno, JeanLuc Godard, Jean-Paul Battaggia.

Jessica Erickson (Mary Shelley), Roxy Miéville (der Hund), Jean-Luc Godard (Erzähler).

Kurztexte, wo nicht anders vermerkt: Primo ­Mazzoni


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5th Arab Film Festival Zurich Seit 2012 bietet das Arab Film Festival Zurich alle zwei Jahre die ­Gelegenheit zu interkulturellen Begegnungen zwischen dem hiesigen Publikum und dem vielfältigen arabischen Filmschaffen sowie seinen Vertreterinnen und Vertretern. In der 5. Ausgabe soll das nicht anders sein – nur eben unter Einhaltung der Covid-19-Schutzmassnahmen. «Schau dich doch um, die Welt verändert sich gerade», fordert Lena ihre Cou­ sine in Sofia (2018) auf, einem der 36 Festivalfilme des 5th Arab Film Festi­ val Zurich. Lenas Blick auf die Gegenwart ist stellvertretend für eine junge Generation arabischer Filmschaffender, die sich einmischt in der Hoffnung auf politische Teilhabe, gesellschaftliche Reformen und friedliche Verände­ rung, das heisst auch in der Hoffnung auf eine Zukunft in ihrer arabischen Heimat. Doch die Welt ändert sich nicht so schnell: Tradierte Geschlechter­ verhältnisse, veraltete Gesetze und ein korrupter Staatsapparat sind nur einige der Hindernisse, mit denen viele der Filmfiguren zu kämpfen haben – mal be­ rührend, oft verzweifelt, aber auch humorvoll schlitzohrig. Die bunte Mi­ schung der Festivalfilme kann sinnbildlich stehen für die arabische Welt, die ausgesprochen facettenreich ist und die sich kennenzulernen lohnt. Ägypten, Algerien, Irak, Libanon, Marokko, Palästina, Saudi-Arabien, Syrien und ­Tunesien – aus diesen unterschiedlichen arabischen Ländern präsentiert das Filmpodium in Zusammenarbeit mit dem Verein International Arab Film Fes­ tival Zurich IAFFZ eine breite Palette verschiedenster Genres, von Dokumen­ tationen über Spielfilme und experimentierfreudige Kurzfilme bis zu Klassi­ kern der Filmgeschichte, die auf der grossen Leinwand nur mehr selten zu sehen sind. Tunesien: Zwischen Tradition und Aufbruch Podiumsdiskussionen sind auch in dieser fünften Ausgabe des Festivals fester Bestandteil des Programms. Filmschaffende und Fachleute diskutieren über das arabische Kino und dessen spezifische Bedingungen in Tunesien und ­Marokko, den beiden diesjährigen Länderschwerpunkten. Beide Länder kön­ nen zurückblicken auf eine spannende Filmgeschichte, die zwar geprägt ist von der Übermacht der ägyptischen Filmindustrie, aber gleichzeitig auch die eigenen künstlerischen Autonomiebewegungen spiegelt.

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Der Blick aus der Diaspora auf die Heimat: Regarde-moi > Der syrische Bürgerkrieg als buchstäblicher Bruderzwist: Between Two Brothers Realitätsflucht als Ausweg: Tlamess


20 Das Filmschaffen Tunesiens wird am Festival mit Filmen präsentiert, die Schlaglichter auf das gesellschaftliche Klima des nord­afrikanischen Staates werfen, der zwischen Tradition und Aufbruch schwankt. Die Werke stehen beispielhaft für ein neues tunesisches Kino, das sich mit einigen Jahren Ab­ stand die Frage stellt, was eigentlich von den Errungenschaften des Arabi­ schen Frühlings geblieben ist. Die Familie, Sinnbild der repressiven Struktu­ ren innerhalb der Gesellschaft, wird gleichzeitig zur Allegorie des Wider­ stands, etwa in Fatma Riahis Dokumentarfilm A Haunted Past (2019), der die Geschichte einer zerrissenen Familie erzählt. Die Kamera ist stets nah bei den Hauptfiguren und begleitet sie in ihrem Alltag bei der Olivenernte oder der täglichen Hausarbeit. Die puzzleartige Dokumentation setzt die Einzel­ teile einer Odyssee zusammen und wirft Fragen nach Schuld und Sühne auf anhand dieser Familie, die in die Mühlen der Politik geraten und zerbrochen ist. Regarde-moi (Look at Me; 2018) von Néjib Belkadhi kreist ebenfalls um den Nukleus Familie und handelt vordergründig von einem schwierigen Vater-Sohn-Verhältnis, stellt damit aber sehr subtil die Frage, wie tief die ­eigenen Wurzeln reichen, wenn man sich für die Diaspora entschieden hat. Die grosse poetische Erzähltradition Tunesiens wird zudem in der Auf­ führung zweier Klassiker deutlich: Nacer Khemir schuf 1991 mit Le collier perdu de la colombe eine betörend schöne Version märchenhafter Fabeln über die Liebe. Basierend auf dem mittelalterlichen Buch von Ibn Hazm, ist der Film nicht nur ein Lehrstück arabischer Erzählkunst, sondern auch eine filmische Form der Kalligrafie. Mit La saison des hommes (2000) der Regis­ seurin Moufida Tlatli zeigt das Festival einen modernen Klassiker, der die ­Leben von Frauen aus drei Generationen ineinander verwebt. Die Kraft des Kinos lässt sich hier in einem Film mit einer ganz eigenen Erzählzeit erleben. Marokko: Filmland mit verkannter Eigenproduktion Obwohl sich in Marokko rund um die Wüstenstädte Ouarzazate und AïtBen-Haddou eine grosse Filmindustrie angesiedelt hat, die das internationale Filmschaffen bedient, werden Produktionen aus dem afrikanischen Land vom Rest der Welt oft übersehen. Zu Unrecht, wie die Auswahl an Kurz- und Langfilmen für den zweiten Länderschwerpunkt des Arab Film Festival Zu­ rich beweist. Die Präsenz ausländischer Filmstudios und der nachhaltige Auf­ bau von Filmschulen haben eine Generation von Filmschaffenden heranreifen lassen, die sich kreativ mit dem Wandel Marokkos vom einstigen Spielball der Kolonialmächte hin zu einem unabhängigen Land mit wachsendem Industrieund Dienstleistungssektor befasst. So setzt der Dokumentarfilmer und Videokünstler Ali Essafi in Before the Dying of the Light aka Our Dark 70s (2019) an einem zentralen Punkt der postkolonialen marokkanischen Geschichte an, indem er das erste Aufbe­ gehren von Kunstschaffenden in den 1970er-Jahren thematisiert. Brüche zwi­


21 schen Tradition und Moderne, Mystik und Magie spielen für das Kino Ma­ rokkos eine grosse Rolle, oft verweben die Geschichten archetypische Figuren wie in Mohamed Zineddaines Spielfilm The Healer (2018) oder fragen nach einer marokkanischen Identität und der Rolle der Frau. Meryem Benm’BarekAloïsi zeigt dies in ihrem preisgekrönten Erstling Sofia eindrücklich und schliesst damit nahtlos an Farida Benlyazids Klassiker Une porte sur le ciel von 1989 an, den das Festival ebenfalls zeigt. Benlyazid wird in den Ge­ schichtsbüchern als erste Regisseurin Marokkos aufgeführt; ihre Filme haben dem Land grosse internationale Beachtung eingebracht und, wie die jüngeren starken Frauenperspektiven des Festivals zeigen, auch als Wegweiser für die nächste Generation von Filmerinnen gedient. Auftakt mit wehmütiger Rückschau Ungeahnte Aktualität erfährt der libanesische Film Good Morning von Bahij Hojeij, der das Festival am 19. November eröffnen wird. 2018 gedreht, zeigt er die belebten Strassen Beiruts, die von zwei älteren Herren – einem 78-jäh­ rigen ehemaligen General und seinem 81-jährigen Freund, der als Militärarzt diente – bei ihrem täglichen Treffen vom Fenster eines belebten Cafés aus be­ obachtet werden. Die Rückschau auf das Leben der beiden Freunde und ihre in bezaubernden Miniaturen festgehaltenen Gegenwartsanalysen sind nach dem tragischen Explosionsunglück am Beiruter Hafen auch ein wehmütiger Blick auf eine Stadt, die es so nicht mehr gibt. 15 Langfilme der letzten zwei Jahre (sowohl Spiel- als auch Dokumen­ tarfilme), drei Klassiker und 18 Kurzfilme können während des Festivals ent­ deckt werden. Zum ersten Mal werden die neuen Langfilme im Rahmen eines Wettbewerbs gezeigt. Eine dreiköpfige Jury – bestehend aus der Kuratorin Rasha Salti, der Filmjournalistin Catherine Silberschmidt und der Filme­ macherin Yasmine Chouikh – wird am 29. November die Preisträgerinnen und Preisträger in den Kategorien «Bester Film» und «Beste Regie» mit einer eigens dafür geschaffenen Trophäe küren. Der starke Jahrgang des 5th Arab Film Festival Zurich dürfte dem Gremium die Entscheidung nicht einfach ­machen. Evelyn Echle

Evelyn Echle ist seit 2019 Professorin für Kultur- und Medientheorie an der Hochschule ­Pforzheim. Während ihrer Promotions- und Lehrzeit in Zürich (UZH und ETH) war sie bei mehreren Ausgaben des Arab Film Festival Zurich für die Podiumsdiskussionen und das medienpädagogische Begleitprogramm verantwortlich.


> Une porte sur le ciel.

> Screwdriver.

> Le collier perdu de la colombe.

> Good Morning.

> Diamond Dust.

> A Haunted Past.


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5th Arab Film Festival Kurztexte, wo nicht anders vermerkt: Michel ­Bodmer

UNE PORTE SUR LE CIEL (Bab al-sama maftuh) Marokko 1989 Nadia, eine urbane, punkig gestylte junge Frau, kehrt nach Jahren aus Paris zurück in ihre Heimatstadt Fez, wo ihr Vater im Sterben liegt. Auch ihre Geschwister haben sich eingefunden. Doch während sich ihr Bruder Driss ganz als Franzose versteht, fühlt sich Nadia unversehens von ihrem marokkanischen Erbe angezogen. Erinnerungen an Ba Sassi, einen Freund der Familie, der in ihrer Kindheit eine Art Mentor war, und Ratschläge des klugen alten Kindermädchens führen Nadia zu einer Wandlung und einer Annäherung an den Islam. Nach dem Tod ihres Vaters beschliesst sie, dessen Haus in ein Refugium für Frauen umzugestalten, die vor der Gewalt der Männer fliehen müssen. Farida Benlyazid konfrontiert die weltlich-europäische Diaspora sowohl mit einer mystischen Vorstellung des Islam als auch mit den harten Realitäten der in einer islamischen Männergesellschaft unterdrückten Frauen. 107 Min / Farbe / DCP / Arab+F/e // DREHBUCH UND REGIE Farida Benlyazid // KAMERA Georges Barsky // MUSIK Anouar Brahem // SCHNITT Moufida Tlatli // MIT Zakia Tahiri (Nadia), Chaabia Adraoui (Kirana), Eva Saint-Paul (Leila), ­Ahmed Bouanani (Vater), Lati Amor (Mutter), Bachir Skirej (der Mann der Schwester), Jean Loup Wolf (der Liebhaber aus Paris), Mourad Gamra (der Geliebte in Marokko), Abderrahim Bayga (Ba Sassi).

HABIB Ägypten 2019 Der greise Friseur Habib und seine Frau Nadia sind sich in stürmischer Hassliebe verbunden. In einem lichten Moment schlägt sie vor, ihr altes, steifes Hochzeitsfoto durch ein neues, lebendiges zu ersetzen. Habib ist begeistert und setzt für diese Idee Himmel und Hölle in Bewegung. Dabei bleiben seine Kunden buchstäblich sitzen und drehen allmählich durch. Schlitzohrige kleine Romantic Comedy.

LE COLLIER PERDU DE LA COLOMBE (Das verlorene Halsband der Taube/ Tawk al hamama al mafkoud) Tunesien/Frankreich/Italien 1991 In wunderschönen Bildern und frei nach dem mittelalterlichen Buch «Das Halsband der Taube.

Von der Liebe und den Liebenden» erzählt der ­tunesische Regisseur Nacer Khemir anhand der Geschichte des angehenden Kalligrafen Hassan Episoden über die verschiedenen Facetten der Liebe. Die märchenhaften Fabeln, in denen Dschinns und Visionen zur Realität gehören, erinnern an «1001 Nacht»; die malerischen Schauplätze sind Zeugnisse der andalusisch-arabischen Hochkultur. «Der schönste Film der Berlinale (...) Hassan möchte wissen, was Liebe alles heissen kann, und bekommt von seinem Meister mit auf den Weg, dass ein Leben allein nicht genüge, all ihre Dimensionen zu erfahren. Khemirs Film lebt von der strengen Leichtigkeit der arabischen Kalligrafie.» (Walter Ruggle, Tages-Anzeiger) HABIB 23 Min / Farbe / DCP / Arab/e // DREHBUCH UND REGIE Shady Fouad // KAMERA Joseph Karam // MUSIK Ahmed El Sawy // SCHNITT Mohamed Eid // MIT Sayed Ragab (Habib), Salwa Mohamed Ali (Nadia).

LE COLLIER PERDU DE LA COLOMBE 88 Min / Farbe / DCP / Arab/d/f // REGIE Nacer Khemir // DREHBUCH Nacer Khemir, nach dem Buch von Ibn Hazm // KAMERA Georges Barsky // MUSIK Jean-Claude Petit // SCHNITT Kahena Allia, Denise de Casabianca // MIT Navin Chowdhry (Hassan), Walid Arakji (Zin), Ninar Esber (Aziz/ Prinzessin Moghole), Nureddin Kasbaui (Kalligraf). Der Kurzfilm Habib läuft im Rahmen des 5th Arab Film Festival vor Le collier perdu de la colombe und vor der 2. Vorstellung von Good Morning. Le collier perdu de la colombe wird im Laufe des Dezembers als Reedition noch viermal gespielt (ohne Vorfilm).

LA SAISON DES HOMMES (Maussim al-riyal) Tunesien/Frankreich 2000 Aïcha wächst auf der Insel Djerba auf und wird jung an Said verheiratet. Dass ihre ersten zwei Kinder Mädchen sind, enttäuscht sowohl ihren Gatten als auch dessen dominierende Mutter. Auf Djerba sind die Frauen elf Monate im Jahr allein in ihren Häusern, während die Männer in Tunis arbeiten. Die «saison des hommes» dauert nur einen Monat und setzt die Frauen unter enormen Erwartungsdruck. Aïcha würde lieber mit Said nach Tunis ziehen. Das darf sie aber erst, wenn sie einen Sohn gebärt. «Tlatli porträtiert liebevoll und mit grossem Respekt die verschiedenen Bewohnerinnen des Hauses: Frauen jeglichen Alters, von einer sinnlichen Körperlichkeit, wie sie nur selten im Kino zu sehen ist. Trotz Kritik am patriarchalen System sind die Männerfiguren nicht einseitig porträtiert.


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5th Arab Film Festival Sie sind selber Opfer der hierarchischen Gesellschaftsstrukturen, die eine partnerschaftliche Be­ ziehung zwischen Mann und Frau verhindern.» (Daliah Kohn, Film 5/2001) 124 Min / Farbe / 35 mm / Arab+F/d/f // REGIE Moufida Tlatli // DREHBUCH Nouri Bouzid, Moufida Tlatli // KAMERA ­Youssef Ben Youssef // MUSIK Anouar Brahem // SCHNITT Isabelle Devinck u. a. // MIT Rabia Ben Abdallah (Aïcha), ­Sabah Bouzouita (Zeineb), Ghalia Benali (Meriem), Hind Sabri (Emna), Ezzedine Gannoun (Said).

DIAMOND DUST (Turab el mass) Ägypten 2018 Hussein, der Vater des jungen Apothekers Taha, wird ermordet. Taha beginnt selbst nachzuforschen und entdeckt, dass Hussein im Laufe der Jahre diverse unliebsame Zeitgenossen aus der Welt geschafft hat, indem er ihnen heimlich Diamantenstaub in ein Getränk mixte. Mit dieser Selbstjustiz, die das Versagen des ägyptischen Rechtsstaats wettmachen sollte, hat sich Hussein allerdings Feinde geschaffen, und diese nehmen nun Taha aufs Korn. Der spannende Krimi nutzt seine epische Länge geschickt, um viel über Ägyptens (Leidens-)Geschichte seit der Unabhängigkeit zu erzählen. Dabei werden neben den Vertretern der autoritären Machtstrukturen auch die Vorkämpfer des Volkes nicht geschont. 162 Min / Farbe + sw / DCP / Arab/d // REGIE Marwan Hamed // DREHBUCH Ahmed Mourad // KAMERA Ahmad Al Morsy // MUSIK Hesham Nazih // SCHNITT Ahmed Hafez // MIT Asser Yassin (Taha), Menna Shalabi (Sarah), Maged El Kedwany (Waled Soultan), Mohamed Mamdouh (El Service), Eyad ­Nassar (Sherif Mourad), Ahmed Kamal (Hussein El Zahar).

A SPICY FISH (Samaka horra) Syrien 2019 Tayma heiratet Jamel. Sie ist bekannt für ein Gericht, pikanten Fisch, das ihr Vater auch nach ihrer Heirat nicht missen will. Ein paar Jahre später ist Jamel tot, und Tayma und ihre kleine Tochter Nay leben wieder bei ihren Eltern. Als Jamels Vater hört, sie wolle Yaser heiraten, will er seine Enkelin Nay zu sich nehmen. Und das Restaurant, das keinen Gewinn abwirft, soll in einen HandyShop umgemodelt werden. Tayma setzt sich zur Wehr. Prägnantes Drama über den Status der Frau in der traditionellen syrischen Familie.

BETWEEN TWO BROTHERS (Najmat al-sabah) Syrien 2019

Syriens Hinterland, mitten im Bürgerkrieg. Khaldoun, ein Automechaniker, ist verliebt in die junge Nesmeh. Khaldouns Bruder Aref wurde einst als Verräter aus der Gemeinschaft verstossen und so übel zugerichtet, dass er eine Niere verlor. Nun kehrt er mit einer islamistischen Truppe zurück und beschiesst sein Heimatdorf. Dabei wird Nesmehs Zwillingsschwester Nejmeh getötet. Um nicht Arefs Rache an Khaldoun zum Opfer zu fallen, gibt sich Nesmeh als ihre Schwester aus. Symbolisch überhöhte Parabel über den Bruderkrieg, die sich auf die Folgen der Gewalt für die Bevölkerung konzentriert. A SPICY FISH 14 Min / Farbe / DCP / Arab/e // DREHBUCH UND REGIE Majd Zaghir // KAMERA Hassan Nour El Dean // MUSIK Mahmoud Mohammad // SCHNITT Hassan Nour El Dean // MIT Jafraa Younes (Tayma), Jihad Al Zoughbi (Taymas Vater).

BETWEEN TWO BROTHERS 100 Min / Farbe / DCP / Arab/e // REGIE Joud Said // DREHBUCH Samah Kattal, Joud Said // KAMERA Oukba Ezzeddine // MUSIK Samir Kwefati // SCHNITT Raouf Zaza // MIT ­Mohammed Al-Ahmad (Khaldoun), Lujain Ismael (Aref), ­Husain Abbas (Yaseen), Nadia Sedki (Nejmeh), Sara Sedki (Nesmeh), Nisrine Fendi (Labna).

GOOD MORNING Libanon/Frankreich 2018 Zwei Greise, ein ehemaliger General der Inneren Sicherheit und ein pensionierter Arzt, treffen sich Tag für Tag im selben Café, um gemeinsam Kaffee zu trinken und Kreuzworträtsel zu lösen als ­Abwehr gegen die Demenz. Durch die Fenster sehen sie den Alltag von Beirut vorbeiziehen, mit seinen Strassenhändlern, feinen Damen, zerlumpten Bettlern und syrischen Flüchtlingen; ein Fernseher bringt ihnen Nachrichten von Terroranschlägen in aller Welt. Ein charmanter Film, der die Schrecken der Gegenwart keineswegs verleugnet, dessen Protagonisten aber mit der Gelassenheit des Alters versuchen, in jeder Hinsicht nicht den Verstand zu verlieren. 87 Min / Farbe / DCP / Arab/e // REGIE Bahij Hojeij // DREHBUCH Rachid Daif, Bahij Hojeij // KAMERA Milad Tauk // ­MUSIK Wissam Hojeij // SCHNITT Hussein Youniss // MIT Adel Chahine (General Mahroumi), Gabriel Yammine (Arzt), ­Rodrigue Sleiman (Salim, der Journalist).


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5th Arab Film Festival

GIVE UP THE GHOST (Salam) Jordanien/Deutschland/Schweden 2019 Salams Traum, Mutter zu werden, zerbricht, als sie erfährt, dass sie mit ihrem Mann keine Kinder bekommen kann. Die Vorstellungen und Überzeugungen ihres ganzen Lebens werden auf die Probe gestellt, als ihr klar wird, dass sie eine Entscheidung treffen muss. Lakonisches Drama um die Würde der Frauen – und Männer.

REGARDE-MOI

(Look at Me) Tunesien/Frankreich/Katar 2018 Der Tunesier Lotfi treibt in Marseille Geschäfte und geniesst das Leben mit seiner französischen Freundin Sophie. Diese ahnt nicht, dass Lotfi vor Jahren in der Heimat eine Frau, Sarrah, und einen autistischen Sohn, Youssef, zurückgelassen hat. Als Sarrah nach einem Schlaganfall ins Koma sinkt, teilt ihre Schwester Khadija Lotfi mit, sie übernehme das Sorgerecht für Youssef. Lotfi reist nach Tunesien und versucht, den Jungen für sich zu gewinnen. Das erweist sich als äusserst schwierig. Néjib Belkadhi inszeniert ein realistisches, ungeschöntes Drama um die Bemühungen eines Vaters, eine Beziehung zu seinem autistischen Sohn aufzubauen, und zugleich eine Parabel über die Araber in der Diaspora, die von ihrer Heimat nichts mehr wissen wollen. GIVE UP THE GHOST

ren. Bilal versteht seine Arbeit als Dokumentation von Übergriffen, die er möglichst weit verbreiten will. Beeindruckende Hommage an einen unbeugsamen Zeitzeugen.

SCREWDRIVER

(Mafak) Palästina/USA/Katar 2018 Als der palästinensische Teenager Ramzi nachts von einem Heckenschützen getötet wird, dürsten seine drei Freunde nach Rache: Auf einer Spritzfahrt schiesst «Octopus» einen mutmasslichen israelischen Siedler nieder, doch für die Bluttat verurteilt wird sein Kumpel Ziad. Nach 15 Jahren kommt dieser aus der Haft und wird als Märtyrer gefeiert; der Wiedereinstieg in die Gesellschaft ist aber schwierig. Eine TV-Journalistin will Ziad als Exempel porträtieren, was ihn zu unangenehmen Erkenntnissen zwingt. Einfühlsame, mutige Studie über die ethischen, sozialen und psychologischen Grauzonen im vermeintlich schwarzweissen Konflikt zwischen Palästina und der israelischen Besatzungsmacht. I INSIST TO KEEP ON FILMING 10 Min / Farbe / DCP / E+Arab+Hebr/e // DREHBUCH UND ­REGIE Anne Paq, Haidi Motola // SCHNITT Haidi Motola // MIT Bilal Tamimi.

SCREWDRIVER 108 Min / Farbe / DCP / Arab+Hebr/d // DREHBUCH UND ­REGIE Bassam Ali Jarbawi // KAMERA David McFarland // MUSIK Jon Natchez // SCHNITT Bassam Ali Jarbawi, Christopher Radcliff // MIT Ziad Bakri (Ziad), Jameel Khoury (Octo-

15 Min / Farbe / DCP / Arab/d // DREHBUCH UND REGIE Zain

pus), Areen Omari (Ziads Mutter), Yasmine Qaddumi (Mina),

Duraie // KAMERA Benoît Chamaillard // MUSIK Akher Za-

Mariam Basha (Nawal), Maya Omaia Keesh (Salma), Ahmad

pheer // SCHNITT Abdallah Saada // MIT Maria Zreik (Salam),

Gouabeh (Mo-Mo), Amir Khoury (Ziad als Teenager).

Ziad Bakri (Ammar), Nibal Al Awadi (Schwiegermutter), Amin Safi (Schwiegervater).

SOCIAL MOLDS MANUAL

REGARDE-MOI 96 Min / Farbe / DCP / Arab+F/d // DREHBUCH UND REGIE

Saudi-Arabien 2018

Néjib Belkadhi // KAMERA Hazem Berrabah // MUSIK Sadrumet // SCHNITT Malek Chatta, Ghalya Lacroix // MIT Nidhal (Khadija), Aziz El Gebaly (Selim), Mouna Nourredine (Nejla).

Aufmüpfige schwarzweisse animierte Kurzsatire über die gesellschaftlichen Schablonen, in die man Menschen hineinpresst.

I INSIST TO KEEP ON FILMING

Marokko/Frankreich 2017

Saadi (Lotfi), Idryss Kharroubi (Youssef), Saoussen Maalej

Palästina 2019 Der Palästinenser Bilal Tamimi filmt in seinem Dorf Nabi Saleh mit seiner Videokamera seit 2009 die regelmässigen Demonstrationen gegen die israelischen Besatzer, die auch nachts Razzien durchführen und mitunter Bilals Söhne inhaftie-

AYAM

Oma, Mutter und Tochter bereiten das Opferfest Eid ul-Adha vor und tauschen Anekdoten aus. Hübsche animierte Hommage an die Mutter und Grossmutter der Filmemacherin, mit leisem Emanzipations-Touch und witzigen Spielereien mit arabischen Schriftzeichen.


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5th Arab Film Festival

SOFIA

Frankreich/Katar/Belgien/Marokko 2018 Zu Besuch bei Verwandten in Casablanca stellt die Medizinstudentin Lena fest, dass ihre ledige Cousine Sofia hochschwanger ist, was niemand weiss. Ausserehelicher Geschlechtsverkehr ist in Marokko mit Gefängnis strafbar. Lena versucht, Sofia heimlich zu einer sicheren Geburt zu verhelfen und zu erfahren, wie sie zu diesem Kind gekommen ist. Die nächtliche Odyssee der beiden jungen Frauen endet nicht mit der Entbindung des Kindes; nun muss auch noch ein Vater her. Anhand der Erfahrungen der zwei gegensätzlichen Cousinen, die durch Sofias Schicksal zusammengeführt werden, beleuchtet Meryem Benm’Barek-Aloïsi die Stellung der Frau in Marokko aus verschiedenen Blickwinkeln. Ein starkes, mehrfach preisgekröntes Regiedebüt.

nen teils heftige und gegensätzliche Reaktionen aus: Sie identifizieren sich aufgrund ihrer Erfahrungen mit unterschiedlichen Figuren und ergänzen die Handlung des Stücks mit ihren eigenen Erzählungen. Manche sind traumatisiert, Einzelne so unterdrückt, dass sie nicht im Bild erscheinen dürfen und ihre Aussagen mit Animationssequenzen unterlegt werden. Doch der Bürgerkrieg hat den Frauen nicht nur vieles genommen; er hat auch neue Freiräume geschaffen. SHE WAS NOT ALONE 8 Min / Farbe / DCP / Arab/e // DREHBUCH, KAMERA, REGIE, SCHNITT Hussein Al-asadi // MUSIK Khaled Al-kammari // MIT Fatima Al-asadi.

WE ARE NOT PRINCESSES 75 Min / Farbe / DCP / Arab/d // REGIE UND KAMERA Bridgette Auger, Itab Azzam // MUSIK Kaveh Vares // SCHNITT Sara Maamouri.

SOCIAL MOLDS MANUAL 3 Min / sw / DCP / Arab/e // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT Raghad Albarqi // MUSIK Namous Haman.

ALL COME FROM DUST Tunesien 2019

AYAM 4 Min / Farbe / DCP / Arab+F/f // DREHBUCH, KAMERA, REGIE, SCHNITT Sofia El Khyari // MUSIK Abdelhak Tikerouine // MIT Amina Rachid (Stimme der Grossmutter), Nadia Boulal (Stimme der Mutter), Sarah Addouh (Stimme der Tochter).

SOFIA 80 Min / Farbe / DCP / Arab+F/d // DREHBUCH UND REGIE Meryem Benm’Barek-Aloïsi // KAMERA Son Doan // SCHNITT Céline Perreard // MIT Maha Alemi (Sofia), Lubna Azabal (Leila), Sarah Perles (Lena), Faouzi Bensaïdi (Faouzi), Hamza Khafif (Omar), Raouia (Zohra), Nadia Niazi (Zineb).

«Situiert in einer dramatischen Umgebung und begleitet von einer imposanten Klanglandschaft, beobachtet Younes Ben Slimane die Manipulation der Natur durch den Menschen. Der Regisseur erkundet die Grenzen zwischen Kunst, Architektur, Fotografie und Kino. Er verwendet persönliche Bilder und hält mit atemberaubender Bildsprache die Schönheit seines Heimatlandes in jeder Einstellung fest.» (Locarno Film Festival 2019)

A HAUNTED PAST SHE WAS NOT ALONE Irak 2019 Fatima, 50, lebt ledig und allein im irakischen Sumpfland und hat Büffel, Hühner, ein Kätzchen und anderes Getier. Sie schildert ihr einsames und oft hartes Leben, möchte aber niemals in die Stadt ziehen, da sie dort wie ein Fisch auf dem Trockenen verenden würde. Bildstarkes Porträt einer stolzen Einzelgängerin.

WE ARE NOT PRINCESSES GB/USA/Syrien/Dänemark 2018

In Beirut werden syrische Frauen aus Flüchtlingslagern eingeladen, bei einem Theaterprojekt mitzuwirken. Gespielt wird «Antigone», und die Auseinandersetzung mit diesem Stück über Krieg, Verrat, eine zerrissene Familie, die Würde der Toten und Gerechtigkeit löst bei den Syrerin-

Tunesien/Katar 2018

Fatma Riahi erinnert sich, dass sie in ihrer Jugend drei Pflegeschwestern hatte, die samt der Mutter bei ihrer Familie Aufnahme fanden. Nun forscht sie nach, was aus den Mädchen geworden ist. Emena, Yamina und Khadija sind inzwischen halbwüchsig und bewirtschaften mit ihrem Vater ­Tawfik ein kleines Landgut. Riahi schält behutsam Tawfiks Geschichte heraus: Er war einst als Dschihadist für Bosnien in den Balkankrieg ge­ zogen, verliebte sich in die Bosnierin Marcida, zog mit ihr nach Luxemburg, zeugte die drei Mädchen und wurde dann als angeblicher Terrorist nach Tunesien ausgeliefert und dort eingekerkert. Die Konflikte innerhalb der zerrissenen Familie werden zum Spiegelbild der Werte, die in Tunesien auf dem Spiel stehen, und Riahis Anwesenheit konfrontiert den Patriarchen Tawfik mit der Notwendigkeit, sich seinen Töchtern zuliebe zu verändern.


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5th Arab Film Festival ALL COME FROM DUST 9 Min / Farbe / DCP / ohne Dialog // DREHBUCH, KAMERA,

MR. PURPLE

REGIE, SCHNITT Younes Ben Slimane // MUSIK Dawan,

Ägypten 2019

Hamza Nasraoui.

A HAUNTED PAST 90 Min / Farbe / DCP / Arab/e // DREHBUCH UND REGIE Fatma Riahi // KAMERA Hatem Nachi // SCHNITT Najwa Khechemi.

QU’IMPORTE SI LES BÊTES MEURENT Frankreich/Marokko 2019 Abdellah, der erwachsene, gottgläubige Sohn eines Berber-Hirten, reitet auf dem Esel ins Dorf, um Futter für die hungernden Ziegen zu besorgen. Das Dorf aber ist verlassen; ein Spinner ist noch da und erklärt ihm, welches Ereignis dafür verantwortlich ist. Abdellahs Weltbild wird schwer erschüttert. «Close Encounters of the Moroccan Kind», schön und geheimnisvoll in Szene gesetzt und in Sundance preisgekrönt.

THE HEALER Marokko 2018

«Am Rande einer marokkanischen Bergbaustadt will der 16-jährige Abdou seine Würde wiedererlangen, indem er lesen und schreiben lernt. Seine Adoptivmutter Mbarka, die Heilerin des Viertels, bewahrt ihren privilegierten Status, indem sie ihre Gabe des Obskurantismus geschickt einsetzt. Der 30-jährige Ch’aayba wiederum ist ein exzentrischer, unbelehrbarer Taschendieb, der an einer Hauterkrankung leidet. Als Abdou den äusserst zynischen Ch’aayba dazu überredet, Mbarka zu besuchen, damit sie ihn von seiner Krankheit heilt, verschränken sich die Schicksale der drei, die sich auf einem Karussell von Illusionen im Kreis drehen. Mit The Healer konstruiert der Regisseur Mohamed Zineddaine eine fesselnde Geschichte, die in einer Gesellschaft spielt, die in ein Tauziehen zwischen Tradition und Moderne verstrickt ist.» (Katalog Marrakesch Film Festival 2018)

In einer farblosen Welt giesst Mr. Purple seine lila Blumen auf dem Balkon und steckt eine davon in die Brusttasche. Plötzlich verhaften ihn schwarze Schergen und bald schon jagen weisse Schergen Mr. Purple seinen Häschern ab. Das letzte Wort aber hat die Farbe. Hübsche politische Allegorie.

NEFTA FOOTBALL CLUB

Frankreich/Tunesien/Algerien 2018 Im Bergland an der Grenze zwischen Algerien und Tunesien finden zwei Jungen einen umherirrenden Esel mit Kopfhörern. Dieser trägt eine ganz besondere Fracht und ist durch den «Programmierfehler» eines Schmugglers vom Weg abgekommen. Aber das passt den Jungen gerade gut in den Kram. Oscarnominiertes Comedy-Kleinod.

A CITY AND THE LOST ART OF HAPPINESS Ägypten 2019

Kairo – wörtlich: «die Eroberin» – ist eine vielfältige und einzigartige Stadt, die ihrer Bevölkerung allerdings viel abverlangt. Materielle Not, religiöse Gebote und politische Einschränkungen machen das Streben nach persönlichem Glück für die meisten zu einer echten Herausforderung. Nada Ibrahim spürt in ihrem Dokumentarfilm den Möglichkeiten nach, die einzelne Bewohnerinnen und Bewohner des Molochs am Nil gefunden haben, um neben Stress und Existenzängsten doch immer wieder Momente des Glücks zu geniessen. MR. PURPLE 10 Min / Farbe + sw / DCP / ohne Dialog // KAMERA UND

QU’IMPORTE SI LES BÊTES MEURENT

­REGIE Osama Abouzaid // DREHBUCH Ahmed Abdel Reheem

23 Min / Farbe / DCP / Berber+Arab+E/e // DREHBUCH UND

// MUSIK Hany Shenoda // SCHNITT Maha Roshdy.

REGIE Sofia Alaoui // KAMERA Noé Bach // MUSIK Amine Bouhafa // SCHNITT Héloïse Pelloquet // MIT Fouad Oughaou

NEFTA FOOTBALL CLUB

(Abdellah), Moha Oughaou (Abdellahs Vater), Oumaïma Oug-

17 Min / Farbe / DCP / Arab/e // DREHBUCH UND REGIE Yves

haou (Itto), Saïd Ouabi (Dorfidiot).

Piat // KAMERA Valentin Vignet // MUSIK Jérôme Rossi // SCHNITT Jérôme Bréau // MIT Eltayef Dhaoui (Mohamed),

THE HEALER

Mohamed Ali Ayari (Abdallah), Lyès Salem (Salim), Hichem

102 Min / Farbe / DCP / Arab/e // REGIE Mohamed Zineddaine

Mesbah (Ali), Skander Afif, Lazher Dguachi (Mechaniker).

// DREHBUCH Mohamed Zineddaine, Olivier Bombarda // ­KAMERA Luca Coassin // SCHNITT Elena Cabria // MIT

A CITY AND THE LOST ART OF HAPPINESS

­Fatima Attif (Mbarka), Mehdi El Arroubi (Ch’aayba), Ahmed El

70 Min / Farbe / DCP / Arab/e // DREHBUCH, KAMERA, ­REGIE,

Moustafid (Abdou), Hanane El Kabani (Naima).

SCHNITT Nada Ibrahim // MUSIK Karim Baggili.


> The Healer.

> Haifa Street.

> We Are Not Princesses.

> A City and the Lost Art of Happiness.

> Sofia.


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5th Arab Film Festival

ANOTHER POINT OF VIEW Palästina 2019 Fadel denkt zu viel und seine Schwester Najeeba hilft ihm beim Spintisieren, was ihre Mutter verrückt macht und seinen Therapeuten ratlos. Die andern im Dorf lachen über ihn, aber Wahnsinn und Fantasie machen ihn frei. Verspieltes Plädoyer für einen Hauch von Verrücktheit und die Chance, aus den festgefahrenen Denkmustern in Palästina (und anderswo) auszubrechen.

ISLAM OF MY CHILDHOOD (L’Islam de mon enfance) Kanada/Algerien 2019

Nadia Zouaoui, vor vielen Jahren aus Algerien nach Montréal ausgewandert, kehrt in ihre Heimat zurück, weil die Berichte über den zunehmenden Islamismus im Maghreb sie beunruhigen; in ihrer Jugend erlebte sie den Islam als gemässigt und tolerant, Algerien als weltoffen. Sie spürt zum einen Vertreter der älteren Generation auf, die sich an jene Ausprägung ihrer Religion erinnern und das Aufkommen des Salafismus miterlebt haben, und interviewt zum anderen jüngere Algerierinnen und Algerier, die islamistisch erzogen wurden, aber dank Internet usw. nun eine kritische Einstellung zu dieser Indoktrination entwickelt haben. Die im Westen oft geforderte interne Diskussion über den Islam findet in diesem Film statt.

sich’s versieht, wird Ziad, der in Europa eine behütete Existenz aufgebaut hat, in den Irrsinn am Rande des syrischen Bürgerkriegs verstrickt. Kurzdrama über die Kluft zwischen dem Dasein in der Diaspora und der Krise in der Heimat.

ALL THIS VICTORY (Jeedar el sot) Libanon/Frankreich 2019 Marwan fährt während des Libanon-Kriegs zwischen Israel und der Hisbollah 2006 aus Beirut in den Süden, um seinen Vater aus der Kampfzone zu holen. Im Dorf findet er sein Elternhaus zertrümmert vor; nur zwei alte Nachbarn sind noch da. Marwans Auto wird gestohlen und plötzlich rückt ein Trupp israelischer Soldaten an, sodass sich die drei Männer und andere Versprengte in einem Haus verstecken müssen. Die nichts ahnenden Israelis besetzen das obere Stockwerk ... Beklemmendes Kammerspiel, das die Auswirkungen des Kriegs auf die Zivilbevölkerung fast körperlich spürbar macht. BRUSSELS-BEIRUT 30 Min / Farbe / DCP / Arab/e // REGIE Thibaut Wohlfahrt // DREHBUCH Thibaut Wohlfahrt, Samir Youssef // KAMERA ­Fiona Braillon // MUSIK Manuel Hermia // SCHNITT Virginie Messiaen // MIT Roda Fawaz (Ziad), Elie Njeim (Rami), Joseph Zaytouni (Charbel), Elie Keldany (Elie).

ALL THIS VICTORY 93 Min / Farbe / DCP / Arab+Hebr/e // REGIE Ahmad Ghossein // DREHBUCH Ahmad Ghossein, Abla Khoury, Syllas Tzoumerkas // KAMERA Shadi Chaaban // MUSIK Khyam Allami //

ANOTHER POINT OF VIEW

SCHNITT Yannis Chalkiadakis // MIT Karam Ghossein (Mar-

15 Min / Farbe / DCP / Arab/e // REGIE, KAMERA Bilal

wan), Adel Chahine (Kassem), Boutros Rouhana (Najeeb),

­Alkhatib // DREHBUCH Ahlam Bsharat // MUSIK Yousef

­Issam Bou Khaled (Mohammad), Flavia Juska Bechara (Rana).

Zayed, Waseem Qassis // SCHNITT Fadi Salman, Chris Bulata // MIT Ramzi Maqdisi (Fadel), Fidaa Zidan (Najeeba).

THE ISLAM OF MY CHILDHOOD 88 Min / Farbe / DCP / Arab+F+Tamazight/f/d // DREHBUCH UND REGIE Nadia Zouaoui // KAMERA Samy Zertal // MUSIK Nazih Borish // SCHNITT Emma Bertin.

BRUSSELS-BEIRUT (Bruxelles-Beyrouth) Frankreich/Belgien 2019 Nach Jahren in Belgien, wo er mit seiner Frau Charlotte lebt, kommt Ziad eines Tages allein in sein libanesisches Heimatdorf an der Grenze zu Syrien. Er verkündet seiner Mutter, dass sie bald Oma wird. Ziads Bruder Rami schiebt Wache an der Grenze; man hat Angst vor Terroristen. Ehe er

BAB SEBTA: CEUTA’S GATE Frankreich/Marokko 2019 Am Zoll der spanischen Enklave Ceuta treffen ehrbare Händlerinnen und Schmuggler, Migrantinnen und Beamte aufeinander. Zu choreografiert anmutenden, durch die Vogelperspektive beinahe abstrakten Bildern des Geschehens an dieser Schnittstelle zwischen Afrika und Europa lässt Randa Maroufi, die Tochter eines langjährigen Zollbeamten, diverse Exponentinnen und Vertreter der beteiligten Gruppen zu Wort kommen. Bab Sebta: Ceuta’s Gate hat viele Auszeichnungen gewonnen, darunter den Hauptpreis des Internationalen Wettbewerbs an den Kurzfilmtagen Winterthur 2019.


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5th Arab Film Festival

BEFORE THE DYING OF THE LIGHT AKA OUR DARK 70S Marokko 2019

Die Siebzigerjahre waren in Marokko die letzte Periode, in welcher man noch wirklich von Wandel träumte und darum kämpfte. Aufgrund der damit einhergehenden gewaltsamen Unterdrückung – auch als «bleierne Zeit» bekannt – war dies die künstlerisch und kulturell wichtigste Epoche, die die erste Generation postkolonialer marokkanischer Kunstschaffender prägte. Ali Essafi wählt in Before the Dying of the Light einen gesellschaftspolitischen Ansatz und fördert aus den Archiven Zeugnisse der grossen Kreativität zutage, die von jener Atmosphäre der Revolte freigesetzt worden war und die von der Zensur beschnitten oder marginalisiert wurde. Erzählungen von damals aus politischen Gründen verfolgten Filmschaffenden werden bebildert mit Ausschnitten aus avantgardistischen Filmen, der damals neuartigen Musik und anderen Aktionen.

Kommandanten Abu Muthana. Während Ahmed im Sterben liegt, kommen nach und nach politische und private Verstrickungen ans Licht, die erahnen lassen, weshalb Salam Ahmeds Tod will. Die packende Thriller-Situation dient als Triebfeder für eine Auseinandersetzung mit den politisch motivierten Untaten und persönlichen Traumata nach der US-Invasion im Irak. PRISONER AND JAILER 15 Min / Farbe / DCP / Arab/e // DREHBUCH UND REGIE Muhannad Lamin // KAMERA Ikbal Arafa // MUSIK Seifallah Kechrid // MIT Ali Elshol (Scheich), Eisa Abdolhafeez (Hadsch), Hamza Souii, Mohamed Soltani (Wärter).

HAIFA STREET 79 Min / Farbe / DCP / Arab/d // REGIE Mohanad Hayal // DREHBUCH Hala Al-Salman, Mohanad Hayal // KAMERA ­Salam Salman // MUSIK Raad Khalaf // SCHNITT Ali Raheem // MIT Ali Thamer (Salam), Asad Abdulmajed (Ahmed), Yumna Marwan (Dalal), Iman Abdulhassan (Suad), Rudhab Ahmed (Nadia), Ali Alkarkhi (Abu Muthana), Wissam Adnan (Asad).

BAB SEBTA: CEUTA’S GATE 20 Min / Farbe / DCP / Arab+Sp/e // DREHBUCH UND REGIE

BLACK LOOP

Randa Maroufi // KAMERA Luca Coassin // SCHNITT Ismaël

Ägypten 2019

Geoffroy Chandoutils.

BEFORE THE DYING OF THE LIGHT AKA OUR DARK 70S 80 Min / Farbe + sw / DCP / Arab+F/e // DREHBUCH UND

Religiöse Führer und militärische Kommandanten sind mal Komplizen, mal Konkurrenten. Das Volk allerdings sieht bei ihrem Machttanz immer nur schwarz.

­REGIE Ali Essafi.

TLAMESS

Tunesien/Frankreich 2019

PRISONER AND JAILER Libyen 2019 Ein ehemaliges Mitglied der Rebellion gegen Gaddafi ist nach der Revolution selbst Kommandant des neuen Regimes. Einer der Häftlinge ist sein ehemaliger Peiniger, der nur sprechen will, wenn seine Forderungen erfüllt werden. In Rückblenden sieht man die beiden in vertauschten Rollen, bevor es 1996 anlässlich einer Gefängnisrevolte zum «Abu Salim Prison Massacre» kommt. Kurz und heftig, stark gespielt und durchaus kritisch, was die Gegenwart angeht.

HAIFA STREET Irak 2019

Bagdad unter der amerikanischen Besetzung im Jahr 2006. Die Haifa Street wimmelt von Heckenschützen und Al-Kaida-Kämpfern. Dennoch wagt sich der aus den USA heimgekehrte Iraker Ahmed dorthin, weil er seine Geliebte Suad und deren Tochter Nadia abholen und ausser Landes bringen will. Vor ihrem Haus streckt ihn der Sniper Salam nieder, gegen den Willen des Al-Kaida-

«Der junge tunesische Soldat S ist abgestossen von der Brutalität der Armee und der Art, wie seine Einheit gezwungen ist, Terroristen aufzuspüren und zu töten. Er nutzt das Begräbnis seiner Mutter, um zu desertieren, und flieht in die Wälder. Ein paar Jahre später trifft er, in Lumpen und ausgerüstet mit primitiven Waffen, auf eine junge schwangere Frau. Auch sie ist geflohen – vor dem Luxusleben als Frau eines reichen Geschäftsmannes – und gerät in den rätselhaften Bann von S.» (Katalog Filmfest Hamburg 2019) Ein nahezu wortloser, surrealer Traumfilm mit Anspielungen auf Kubrick und andere und ebenso originellen wie beeindruckenden Bildern. BLACK LOOP 2 Min / sw / DCP / ohne Dialog // DREHBUCH, REGIE, MUSIK, SCHNITT Adel El Badrawy.

TLAMESS 120 Min / Farbe / DCP / Arab/d // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT Ala Eddine Slim // KAMERA Amine Messadi // ­MUSIK Oiseaux-Tempête // MIT Abdullah Miniawy (S), Souhir Ben Amara (F), Khaled Benaïssa (Fs Mann)


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5th Arab Film Festival

PODIUMSDISKUSSIONEN ZUM ARABISCHEN FILMSCHAFFEN Das 5th Arab Film Festival Zurich widmet den Filmländern Tunesien und Marokko Schwerpunkte. Dazu gehört je eine Podiumsdiskussion unter der Leitung von Monika Bolliger, der ehemaligen Nahostkorrespondentin der NZZ, eingestimmt mit einem Kurzfilm aus dem entsprechenden Land. Aufgrund der aktuellen Reiseeinschränkungen kann es sein, dass einzelne Teilnehmende via Internet zugeschaltet werden müssen. SAMSTAG, 21. NOVEMBER, 17.30 UHR PODIUMSDISKUSSION: FILMLAND TUNESIEN

SAMSTAG, 28. NOVEMBER, 17.30 UHR PODIUMSDISKUSSION: FILMLAND MAROKKO

Zur Diskussion sind folgende Gäste eingeladen: Ismahane Lahar, französisch-tunesische Regisseurin und Gründerin des Ausbildungs­ programms «Le cinema au féminin» // Fatma Riahi, tunesische Filmproduzentin und Regisseurin (A Haunted Past) // Amir Dziri, Islamforscher // Übersetzung: Urs Gösken

Zur Diskussion sind folgende Gäste eingeladen: Beat Stauffer, freischaffender Journalist und Buchautor mit Schwerpunkt Maghreb // Fyras Mawazini, zuständig für Entwicklungsprogramme der Drosos Stiftung in Marokko und Tunesien // Ali Essafi, marokkanischer Dokumentarfilmer und Videokünstler (Before the Dying of the Light aka Our Dark 70s) // Vincent ­Melilli, Leiter der Kunsthochschule ESAV Marrakesch // Übersetzung: Urs Gösken

BROTHERHOOD Tunesien/Kanada/Katar/Schweden 2018 Ein tunesischer Bauer ist entsetzt, als sein Sohn, der vor einem Jahr als Dschihadist nach Syrien gegangen ist, heimkehrt mit seiner hochschwangeren, voll verschleierten, minderjährigen syrischen Frau. Oscarnominierte Studie über Fanatismus und Engstirnigkeit.

PROFESSION: TUEUR Marokko 2017 Sami will eigentlich Journalist werden. Sein Vater aber schickt ihn los, an seiner Stelle dem Berufsmörder Abbas zu assistieren. Gesellschaftskritisch angehauchte Krimiparodie.

25 Min / Farbe / DCP / Arab/e // DREHBUCH UND REGIE M ­ eryam Joobeur // KAMERA Vincent Gonneville // MUSIK Peter Venne

23 Min / Farbe / DCP / Arab/f // DREHBUCH UND REGIE­

// SCHNITT Anouk Deschênes // MIT Mohamed Grayaa (Moha-

Walid Ayoub // KAMERA Rami Aloui // MUSIK Mehdi Djama //

med), Salha Nasraoui (Salha).

SCHNITT Pain Perdu // MIT Hassan Badida (Abbas), Oussama Oussous (Sami).

Organisatoren des 5th Arab Film Festival Zurich:

Mit Unterstützung von:

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Partnerfestivals:

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32 Das erste Jahrhundert des Films

1990 Als eines der prägendsten Ereignisse von 1990 gilt der Beitritt der DDR zur BRD und die damit vollzogene deutsche Einheit; auch deutet sich mit der Unabhängigkeitserklärung einiger Mitgliedsstaaten das Ende der Sowjet­ ­ union an, und in Südafrika wird die Rassentrennung abgeschafft. In der Film­ geschichte ist es ein Jahr der Gangster und ihrer Filme: Als Meilenstein des Mafiafilms gilt Goodfellas, in dem Martin Scorsese den Aufstieg und Absturz eines Mafioso über drei Jahrzehnte in epischer Breite inszeniert. Prägend für die 90er-Jahre sollte auch David Lynchs bildgewaltiges, surreales GangsterRoadmovie Wild at Heart werden – die bizarre Liebesgeschichte voller Ge­ walt und schwarzem Humor, voller Glanz und psychischer Abgründe wird mit der Goldenen Palme gekrönt und zum Kultklassiker. Um Liebe, Einsamkeit und die Zeit dreht sich Wong Kar-wais zweiter Spielfilm Days of Being Wild: Der Liebesreigen, in dem schon die themati­ schen und stilistischen Grundsteine von Wong Kar-wais späteren Werken er­ kennbar sind, begründet den Kultstatus des Hongkong-Regisseurs. Eine wei­ tere zweite Kinoregiearbeit ist An Angel at My Table, das eindrucksvolle Biopic, mit dem Jane Campion der Autorin Janet Frame ein Denkmal setzt; mit sieben Auszeichnungen in Venedig macht das Frauenporträt Furore und bringt einen kinematografischen Siegeszug Neuseelands ins Rollen. Im gleichen Jahr lotet Abbas Kiarostami in Close-Up die Beziehung zwischen Realität und Fiktion aus und vermischt die beiden Ebenen un­ entwirrbar: Das raffinierte Dokudrama wird zu einem der ersten grösseren in­ ternationalen Erfolge des iranischen Regisseurs. Und Xavier Koller setzt sich in Reise der Hoffnung kritisch mit der schweizerischen Asylpolitik auseinan­ der – das Drama um eine türkische Familie auf dem Weg in die Schweiz wird mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet und hat auch dreissig Jahre später nichts von seiner Aktualität eingebüsst.  Tanja Hanhart Das erste Jahrhundert des Films In der Dauerreihe «Das erste Jahrhundert des Films» zeigen wir im Lauf von zehn Jahren rund 500 w ­ egweisende Werke der Filmgeschichte. Die Auswahl jedes Programmblocks ist gruppiert nach Jahrgängen, woraus sich schliesslich 100 Momentaufnahmen des Weltkinos von 1900 bis 1999 ergeben. ­Referenzzahl ist jeweils der aktuelle Jahrgang, d. h. im Jahr 2020 sind Filme von 1920, 1930, 1940 usw. zu sehen. Weitere wichtige Filme von 1990: Awakenings Penny Marshall, USA Bullet in the Head (Dip huet gai tau) John Woo, HK Cyrano de Bergerac Jean-Paul Rappeneau, F Dances with Wolves Kevin Costner, USA Edward Scissorhands Tim Burton, USA Europa Europa Agnieszka Holland, D/F/Pol I Hired a Contract Killer Aki Kaurismäki, Finnl. u. a. Jacob’s Ladder Adrian Lyne, USA

Ju Dou Zhang Yimou, China/J Life Is Sweet Mike Leigh, GB Miller’s Crossing Joel & Ethan Coen, USA Misery Rob Reiner, USA Nikita Luc Besson, F Paris Is Burning Jennie Livingston, USA The Godfather: Part III Francis Ford Coppola, USA Total Recall Paul Verhoeven, USA Dreams (Yume) Akira Kurosawa, J


Das erste Jahrhundert des Films: 1990

REISE DER HOFFNUNG Schweiz/Italien/Deutschland 1990 September 1988: Eine türkische Familie hat Haus und Hof verkauft, um ihre Reise in die Schweiz finanzieren zu können. Von ihren sieben Kindern können die Eltern nur den siebenjährigen Sohn Mehmet Ali mitnehmen. Über Istanbul reisen sie auf einem Containerschiff nach Neapel, wo ihnen ein Schweizer LKW-Fahrer den Transport in die Schweiz verspricht, doch an der Grenze werden sie abgewiesen. Sie geraten in die Hände von Schleppern, die sie in die Berge fahren, damit sie – trotz Schneefall und Kälte – auf eigene Faust das Land ihrer Träume erreichen. Im Oktober 1988 las Xavier Koller die Kurzmeldung, dass am Splügenpass ein siebenjäh­ riger türkischer Junge, der mit seinen Eltern ­unterwegs in die Schweiz gewesen sei, an Erschöpfung und Unterkühlung gestorben sei. Kurz darauf drehte Koller Reise der Hoffnung: Der Film gewann in Locarno einen Bronzenen Leoparden und wurde überraschend mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet. «Ich habe den Film nach vielen Jahren erneut gesehen und war so erschüttert und berührt wie beim ersten Mal. (...) Koller erzählt die Odyssee der alawitischen Flüchtlingsfamilie nüchtern und schnörkellos. (...) Ein cineastischer Klassiker zeichnet sich dadurch aus, dass er gut altert. Kollers Meisterwerk ist gar nicht gealtert, es ist zeit-

los gültig und aktuell geblieben. (...) Es lohnt sich, Reise der Hoffnung (wieder) zu entdecken.» (Christian Jungen, NZZ am Sonntag, 25.8.2016) «Dokumentarische Präzision, gepaart mit kühler Musik und symbolstarken Bildern machen den Film zur Parabel über das Paradies Schweiz und seine Grenzen. Die Kurdenproblematik wird im Film nicht explizit angesprochen. Dennoch oder deswegen wirkt der oscargekrönte Film zeitlos aktuell.» (Michel Bodmer, filmo.ch) 110 Min / Farbe / DCP / Türk+Dialekt/d/f // REGIE Xavier ­Koller // DREHBUCH Xavier Koller, Feride Çiçekoglu // ­KAMERA Elemér Ragályi // MUSIK Jan Garbarek, Aril Andersen, Egberto Gismonti, Terje Rypdal // SCHNITT Daniel Gibel, Galip Iyitanir // MIT Necmettin Çobanoglu (Haydar, der Vater), Nur Sürer (Meryem, die Mutter), Emin Sivas (Mehmet Ali), Mathias Gnädinger (Ramser), Dietmar Schönherr (Bergführer Massimo), Andrea Zogg (Christen).

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Das erste Jahrhundert des Films: 1990

WILD AT HEART USA 1990 Sailor und Lula sind unsterblich ineinander verliebt. Doch Lulas Mutter ist gegen ihre Liebe und beauftragt einen Messerstecher, Sailor zu beseitigen. Der weiss sich zu wehren, wandert dafür aber ins Gefängnis. Als er entlassen wird, wartet Lula in einem feuerroten Cabriolet auf ihn, und die beiden fliehen quer durch Amerika. Die Mutter hetzt ihnen daraufhin gleich zwei Männer hinterher, einen Privatdetektiv und einen Killer, die beide nichts voneinander ahnen. David Lynchs Wild at Heart ist eine Mischung aus Roadmovie, Thriller, Liebesgeschichte, Farce und Märchen, mit Anspielungen auf The Wizard of Oz und comicartig typisierten Figuren. In den USA sorgte der Film vor allem für Irritation, doch in Europa gewann er die Goldene Palme und zählt heute zu den wegweisenden Werken der Postmoderne. «Lynch beschwört eine surreale, unheimliche Welt herauf, die stark an seine früheren Arbeiten erinnert: blutiger Mord, brutale sexuelle Leidenschaft, verrückter Kitsch, freakige Figuren (...), abschweifende Metaphern, Symbole und kultische Anspielungen und bizarrer Humor, um den Albtraum aufzuhellen. (...) Der Film ist witzig, beängstigend und genial filmisch.» (timeout.com) «Wild at Heart ist ein fiebriger, surrealer Traum aus dem dunklen Herzen Amerikas, eine orgiasti-

sche Hymne auf die ‹Amour fou›, auf die Absurdität des Lebens und Liebens und doch ein Film voller Hoffnung, den man sich gar nicht oft genug anschauen kann. Definitiv ein Klassiker und einer der prägenden Filme der frühen Neunziger.» ­(Joachim Kurz, kino-zeit.de) 126 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE David Lynch // DREHBUCH David Lynch, nach dem Roman von Barry Gifford // ­KAMERA Frederick Elmes // MUSIK Angelo Badalamenti // SCHNITT Duwayne Dunham // MIT Nicolas Cage (Sailor Ripley), Laura Dern (Lula), Diane Ladd (Marietta Fortune, Lulas Mutter), Willem Dafoe (Bobby Peru), Isabella Rossellini (Perdita Durango), Harry Dean Stanton (Johnnie Farragut), Crispin Glover (Dell), Grace Zabriskie (Juana), J. E. Freeman (Santos), William Morgan Sheppard (Mr. Reindeer), John Lurie (Sparky).


Das erste Jahrhundert des Films: 1990

GOODFELLAS USA 1990 Henry Hill träumt schon als Junge von einem Leben als Gangster und arbeitet sich vom Laufburschen der Cosa Nostra zum gefürchteten Schuldeneintreiber hoch. Im Team mit dem eiskalten Jimmy und dem aufbrausenden Tommy bringt er es zu Wohlstand und sozialer Anerkennung im irisch-italienischen Milieu. Doch als er nach einer Haftstrafe in den Drogenhandel einsteigt, geht es mit seiner «Karriere» bergab. Brutal, elegant und energiegeladen: Martin Scorseses Goodfellas gilt als der definitive Mafiafilm. Joe Pesci gewann für seine Darstellung des psychopathischen Tommy einen Oscar. Die dreiminütige Plansequenz, der «Copa Shot», in der Michael Ballhaus’ Kamera Henry und dessen neue Freundin über die Hintertreppe, durch enge Gänge und die Küche mitten in den CopacabanaNachtclub und bis zum besten Tisch vor der Bühne verfolgt, zählt zu den schönsten Kamerafahrten überhaupt. «Goodfellas sollte wie ein Revolverschuss beginnen und dann immer schneller werden, wie ein zweieinhalbstündiger Trailer. Nur so kann man den rauschhaften Lebensstil spüren und verstehen, warum er auf viele Leute so anziehend wirkt.» (Martin Scorsese, zit. nach: arsenal-berlin.de, 12/2012)

«Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass es für den Mafiafilm ein Vor und ein Nach Goodfellas gibt. Martin Scorseses Schnellfeuer-Chronik vom Aufstieg und Fall Henry Hills (...) hat sich in ihrer Mischung aus düsterem Drama und inszenato­ rischem Lichtblitz als so einflussreich erwiesen, dass sie inzwischen zum Markenzeichen des ­Genres geworden ist. (...) Goodfellas ist eine Schau aller Tricks, die Scorsese je gelernt hat, und ein Kaleidoskop aus Technik, raffinierter Montage, Zeitsprüngen und heroischen Kamerafahrten, untermalt von umfangreichem Pop-Rock und dem Voice-over von Ray Liotta, der nie besser war als der immer verabscheuungswürdigere Hill.» (90 great films of the 1990s, bfi.org.uk, 28.5.2020) 148 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Martin Scorsese // DREHBUCH Nicholas Pileggi, Martin Scorsese, nach dem Buch «Wiseguy: Life in a Mafia Family» von Nicholas Pileggi // KAMERA Michael Ballhaus // MUSIK Tony Bennett, Aretha Franklin, The Who, The Rolling Stones, The Drifters u. a. // SCHNITT Thelma Schoonmaker // MIT Ray Liotta (Henry Hill), Robert De Niro (Jimmy Conway), Joe Pesci (Tommy De Vito), Lorraine Bracco (Karen Hill), Paul Sorvino (Paul Cicero), Frank Sivero (Frankie Carbone), Tony Darrow (Sonny Bunz), Mike Starr (Frenchy), Catherine Scorsese (Tommys Mutter), Charles Scorsese (Vinnie), Debi Mazar (Sandy), Frank Vincent (Billy Batts), Chuck Low (Morris Kessler).

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Das erste Jahrhundert des Films: 1990

AN ANGEL AT MY TABLE Neuseeland/Australien/GB 1990 Die dickliche, rothaarige Janet Frame wird von ­allen für etwas zurückgeblieben gehalten. Nach dem traumatisierenden Tod der geliebten Schwes­ ter diagnostiziert man bei der verträumten jungen Frau fälschlicherweise Schizophrenie, sie wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und mit Elektroschocks behandelt. Ihre Rettung ist das Schreiben. Mit An Angel at My Table brachte Jane Campion die erschütternde Autobiografie von Janet Frame auf die Leinwand. Das poetische Biopic war die erste neuseeländische Produktion, die es in den Wettbewerb des Filmfestivals von Venedig schaffte und dort sieben Preise einheimste (u. a. den Grossen Preis der Jury); sie zählt zu den meistprämierten neuseeländischen Filmen überhaupt und bescherte Janet Frame unerwarteten, späten Ruhm. «Wenn man diesen Film heute wiedersieht, fällt einem die wunderbare Fähigkeit der Regisseurin, inneres in äusseres Geschehen zu verwandeln, noch stärker auf als beim ersten Mal. Das Haus, das Buch, das Gras, das Meer, die Stelle im Wald: Innenwelten. Und dazu die Gesichter: Das pummelige Kind, die Schülerin, die Studentin, die junge Autorin Janet werden von vier verschiede-

nen Schauspielerinnen dargestellt, aber man spürt nicht den kleinsten Riss zwischen den Episoden, sie verschmelzen wahrhaftig zu ‹einem› Leben. Und immer wieder das Meer: Janets Lieblingsschwester und ihre Mutter ertrinken darin, übers Meer fährt die Stipendiatin Janet nach Europa, und auch ihre erste bittere Liebe erlebt sie am Meer.» (Andreas Kilb, zeit.de, 13.8.1993) «Der Film wird mit einer Klarheit und Einfachheit erzählt, leise, aber völlig überwältigend. Ja, er ist visuell schön, und ja, er ist gut gespielt, aber er lenkt die Aufmerksamkeit nicht darauf. Er erzählt seine Geschichte ruhig und mit grosser ­Aufmerksamkeit für menschliche Details – als ich ihn sah, fühlte ich mich mit einer seltenen Intensität hineingezogen.» (Roger Ebert, rogerebert. com, 21.6.1991) 158 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Jane Campion // DREHBUCH Laura Jones, nach der dreiteiligen Autobiografie von Janet Frame // KAMERA Stuart Dryburgh // MUSIK Don McGlashan // SCHNITT Veronica Jenet // MIT Kerry Fox (Janet Frame), Alexia Keogh (Janet als Jugendliche), Karen Fergusson (Janet als Kind), Jessie Mune (Janet als Kleinkind), Iris Churn (Mutter), Kevin J. Wilson (Vater), Mark Morrison (Bruddie als Kind), Christopher Lawrence (Bruddie als Jugendlicher), Sarah Llewellyn (June als Kind), Susan McGregor (June als Jugendliche), Melina Bernecker (Myrtle), Karla Smith ­(Sybil), Brenda Kendall (Miss Botting).


Das erste Jahrhundert des Films: 1990

CLOSE-UP (Nema-ye nazdik) Iran 1990 «In einer besseren Wohngegend Teherans wird Hossain Sabzian festgenommen. Der arbeitslose Kinoliebhaber hatte sich bei der wohlhabenden Familie Ahankhah als der berühmte Regisseur Mohsen Makhmalbaf ausgegeben. Unter dem Vorwand, einen Film mit ihnen drehen zu wollen, war er seit einigen Tagen bei ihnen ein und aus gegangen, hatte mit ihnen geprobt und sich von ihnen einladen lassen. Kurze Zeit nach diesem realen Ereignis besucht Abbas Kiarostami Sabzian im Gefängnis, um seine Geschichte zu verfilmen. Er erwirkt die Erlaubnis, im Gerichtssaal zu filmen, und montiert diese Passagen mit InterviewSequenzen und Spielszenen, in denen alle Be­ teiligten sich selbst spielen, zu einer höchst vergnüglichen und bewegenden Reflexion über Schein und Sein, Kino und Realität. Schliesslich bringt er auch den echten Mohsen Makhmalbaf ins Spiel und konfrontiert ihn in einer tragikomischen Schlusspointe mit seinem Doppelgänger und mit der betrogenen Familie.» (viennale.at) «Kiarostamis Meisterwerk ist ein reichhaltiger, vielschichtiger, aber wunderbar aufrichtiger Film. Kiarostami konstruiert eine komplexe (aber

nie komplizierte) Reihe von ineinander verwobenen Erzählungen, um die Beziehung von Fiktion und Dokumentation, Schein und Wirklichkeit, Wahrheit und Lüge zu untersuchen. Das ist enorm intelligenter Stoff, witzig, ergreifend und äusserst fesselnd, und alles endet in einer der schärfsten, lustigsten Dekonstruktionen der Erzählform Film, die je gedreht wurden. Absolut wunderbar.» (Geoff Andrew, timeout.com) 98 Min / Farbe / DCP / Farsi/e // DREHBUCH, REGIE, SCHNITT Abbas Kiarostami // KAMERA Ali Reza Zarrindast // MIT ­Hossain Sabzian (er selbst), Mohsen Makhmalbaf (er selbst), Abolfazl Ahankhah (er selbst), Mehrdad Ahankhah (er selbst), Mahrokh Ahankhah (sie selbst), Monoochehr Ahankhah (er selbst), Hossain Farazmand (Reporter), Hooshang Shamaei (Taxifahrer), Mohammad Ali Barrati (Soldat), Davood Goodarzi (Sergeant), Haj Ali Reza Ahmadi (Richter), Abbas Kiarostami (er selbst).

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Das erste Jahrhundert des Films: 1990

DAYS OF BEING WILD (Ah fei zing zyun) Hongkong 1990 Hongkong, 1960: Yuddy, ein verwöhnter, bei einer Prostituierten aufgewachsener Frauenheld, schlägt seine Zeit lustlos mit sexuellen Affären tot. Dabei lernt er die Verkäuferin Su Li-zhen kennen, die ihm verfällt und der ein verliebter Polizist erfolglos hinterherläuft. Als er erfährt, dass seine richtige Mutter in Manila lebt, macht er sich voller Hoffnung auf die Suche nach ihr. Für seinen zweiten Film, Days of Being Wild, versammelte Wong Kar-wai die besten Talente des Hongkong-Kinos jener Zeit; das Werk floppte bei seiner Veröffentlichung, wurde aber von der Kritik gefeiert und gilt heute als einer seiner besten Filme. Es ist Wong Kar-wais erste Zusammenarbeit mit dem Kameramann Christopher Doyle, der durch seine hochgradig stilisierten Bilder eine Generation von Filmemachern in Asien prägen sollte. «Alltagssplitter aus der Geschichte unmöglicher Lieben (...). Das besessene Leitmotiv: Einsamkeit. Ein sanfter Film über das Scheitern, Kino, das sich beim Sterben zusieht. (...) Days of Being Wild erträumt das Jahr 1960 in Hongkong. Der Film hält den Atem an, um zu spüren, wie lange ein Augenblick zu dauern vermag. Etwa:

der Augenblick ‹eine Minute vor drei›. Eine Obsession, die auch die des Protagonisten ist: Er sucht nach seiner Herkunft, als könnte er in ihr oder in den Sekunden vor drei Uhr den Sinn seiner todessehnsüchtigen Existenz finden. (...) Zeit und Raum lösen sich auf ins Ungewisse, und am Ende des Films wartet der Tod.» (Harry Tomicek, filmmuseum.at, 12/2013) «Days of Being Wild und As Tears Go By, die ersten Streifen von Wong Kar-wai, sind wunderschöne Zeit-Etüden. (...) Heute wirken sie so ­jugendlich und frisch, so modern wie nie zuvor. Filme zum Wieder-und-wieder-Sehen; sie scheinen aus einer fernen, fremden Welt zu kommen und lassen doch dichte Beziehungen erkennen zu den späten grossen Filmen In the Mood for Love und 2046.» (Fritz Göttler, sueddeutsche.de, 19.5.2010) 94 Min / Farbe / 35 mm / OV/d // DREHBUCH UND REGIE Wong Kar-wai // KAMERA Christopher Doyle, Peter Ngor Chi-kwan, Andrew Lau Wai-keung // MUSIK Chan Ming-diy, LeuronaLombardo Oflyne // SCHNITT Patrick Tam Kar-ming, Kai Kitwai // MIT Leslie Cheung Kwok-wing (Yuddy), Andy Lau Takwah (Tide, ein Polizist), Maggie Cheung Man-yuk (Su Li-zhen), Carina Lau Ka-ling (Fung-ying), Jacky Cheung Hok-yau (Sab, Yuddys Kumpel), Rebecca Pan Tik-hua (Rebecca), Tony Leung Chiu-wai (ein Spieler).


39 Filmpodium für Kinder

Der kleine prinz Eingepackt in eine zeitgenössische Handlung und mittels geschickt variierter verschiedener Animationsfilmtechniken gelingt Mark Osborne eine wunderbare Annäherung an den Klassiker von ­Antoine de Saint-Exupéry.

DER KLEINE PRINZ (The Little Prince) / Frankreich/Kanada/Italien/USA/China 2015 108 Min / Farbe / Digital HD / D / ab 6 // REGIE Mark Osborne // DREHBUCH Irena Brignull, Bob Persichetti, nach «Le Petit Prince» von Antoine de Saint-Exupéry // MUSIK Richard Harvey, Hans Zimmer // SCHNITT Carole Kravetz Aykanian, Matt Landon // MIT DEN DEUTSCHEN STIMMEN VON Sarah Kunze (kleines Mädchen), Joachim Tennstedt (Pilot), Ranja Bonalana (Mutter), Carlos Fanselow (der kleine Prinz), Til Schweiger (Herr Prinz), Matthias Schweighöfer (Fuchs), Lutz Mackensy (Lehrer), Axel Lutter (Geschäftsmann), Christian Gaul (der Eitle), Natascha Geisler (Rose), Torsten Michaelis (Schlange), Klaus-Dieter Klebsch (Akademieprüfer), Lutz Riedel (König), Michael Iwannek (Polizist), Erich Räuker (Radiosprecher).

Auf einer grossen Tafel hat die Mutter genau vorgeschrieben, wie jeder Tag und jede Stunde der nächsten Jahre zu verlaufen hat. (…) Schliesslich soll das Mädchen ja mal Karriere machen. Aber als die Mutter eines Tages bei der Ar­ beit ist, lernt das Mädchen den alten Nachbarn kennen. Einen Piloten, der in seinem verwilderten Garten an einem alten Flugzeug herumschraubt. Er gibt ihr Geschichten zu lesen, die von seiner Begegnung mit dem kleinen Prinzen erzählen. Aber das Mädchen ist nicht zufrieden mit dem Ende der Geschichte. Als der Pilot krank wird, macht es sich auf die Suche nach dem kleinen Prin­ zen.» (kinderfilmwelt.de) Kinderfilm-Workshop Im Anschluss an die Vorstellungen vom 5. und 12. Dezember bietet die Filmwissenschaftlerin Julia Breddermann einen Film-Workshop an (ca. 30 Min., gratis, keine Voranmeldung nötig). Die Kinder erleben eine Entdeckungsreise durch die Welt der Filmsprache und werden an einzelne Szenen und Themen des Films herangeführt.


40 Zum 30. Todestag von Friedrich Dürrenmatt

Portraits eines Planeten Portrait eines Planeten (1984) und Dürrenmatt – Eine Liebesgeschichte (2015) sind zwei Dokumentarfilme, die aus ganz unterschiedlichen ­Perspektiven auf den legendären Schweizer Autor und Maler Friedrich Dürrenmatt blicken, der am 14.12.1990 verstorben ist.

> Portrait eines Planeten.

Die beiden Filme bilden den Auftakt zu einer Reihe mit Verfilmungen von Stoffen Dürrenmatts im Januar/Februar-Programm zur Feier seines 100. Ge­ burtstags am 5.1.2021. Den ersten – eine ursprünglich vierstündige Fernseh­ dokumentation – realisierte die Schauspielerin, Regisseurin und Journalistin Charlotte Kerr im Jahr 1984. Sie zeigt den «grossen Geschichtenerzähler und Denker im Dialog mit den Geschöpfen seiner Fantasie, in der Auseinanderset­ zung mit Politik und Glauben, mit Kunst und Philosophie, mit Sein und Nicht­ sein» (Charlotte Kerr). Kurz danach wurde Kerr Dürrenmatts zweite Frau. Wir zeigen den gut dreistündigen Director’s Cut von 2006. Sabine Gisigers Film Dürrenmatt – Eine Liebesgeschichte untersucht – ausgehend vom tiefen Einschnitt durch den Tod seiner ersten Frau Lotti im Jahr 1983 – das Leben und Wirken Friedrich Dürrenmatts und kombiniert unzählige Film-, Radio- und Fernsehbeiträge über den Autor und Maler mit Gesprächen, die Gisiger mit seinen Kindern und seiner jüngeren Schwester Verena geführt hat. (cs)


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> Dürrenmatt – Eine Liebesgeschichte.

PORTRAIT EINES PLANETEN BRD 1984

DÜRRENMATT – EINE LIEBESGESCHICHTE Schweiz 2015

«Wenn er in einem aberwitzigen Gottesbeweis den Himmlischen aus dem Humor herleitet (oder umgekehrt), dann ist der Maler, Dramatiker und vor allem auch der Geschichtenerzähler Friedrich Dürrenmatt ganz bei sich – und wir mit ihm. Und dies, obwohl sich die Schauspielerin, Regisseurin und Journalistin Charlotte Kerr in ihrem Dokumentarfilm Portrait eines Planeten dem Multitalent mit kühl-sachlicher Distanz annähert (…). Kerr befragt den Dichter dabei aus dem Off zu verschiedenen Themen, literarischen Motiven und ihren Bezügen zu biografischen Ereignissen, und Dürrenmatt gibt bereitwillig Einblick in den oft etwas verschrobenen Kosmos seiner Seele und seines Werkes. Wir erfahren etwas über die Entstehungsprozesse sämtlicher Werke und deren philosophische Hintergründe; wir staunen über Dorferlebnisse aus der Kindheit und en passant auch über das eifersüchtige Haustier des Dichters, einen grünen Kakadu, der justament immer dann wild zu krähen beginnt, wenn Dürrenmatt über sein Sprachverständnis Auskunft geben soll.» (Alexandra Stäheli, NZZ, 8.3.2008)

«In seinem Malatelier mischt Dürrenmatt Farben, malt bedächtig an einem seiner grotesken Bilder und erzählt, wie gross die Leere nach dem Tod seiner ersten Frau Lotti sei, mit der er rund 40 Jahre gelebt und gearbeitet hatte, mit der er seine Kinder hatte. Dieser Filmanfang gibt die Tonart vor, in der dieser Film gemacht ist: kein Werk­ katalog, kein Nachzeichnen von Dürrenmatts Weg vom jungen Dramatiker bis zum weltberühmten Schriftsteller. Dürrenmatt – Eine Liebesgeschichte ist ein sehr intimes Porträt des Konolfinger Pfarrerssohns und der Beziehung zu seiner Frau Lotti. (…) Es ist schon etwas Besonderes, einmal den Sohn Peter und die eine Tochter, Ruth, und die Schwester Verena Dürrenmatt zu sehen und zu hören. Diese haben sich bis jetzt fast nie öffentlich über ihren Vater beziehungsweise den Bruder geäussert. (…) Dieser Film ist also nicht nur ihm, dem Grossen, dem Bedeutenden, dem Meteor und dem Richter aller Henker gewidmet, sondern auch ihr, seiner Geliebten, seiner Frau, seiner ersten Leserin und Mitdenkerin. (Brigitte Häring, sennhausersfilmblog.ch, 28.9.2015)

194 Min / Farbe + sw / Digital SD / D // DREHBUCH UND REGIE Charlotte Kerr // KAMERA Igor Luther // MUSIK Nikolas

76 Min / Farbe + sw / DCP / Dial+D/d // DREHBUCH UND

Economou (Pianist) // SCHNITT Clara Fabri // MIT Friedrich

­REGIE Sabine Gisiger // KAMERA Matthias Günter // MUSIK

Dürrenmatt.

Züri West, Ruth Dürrenmatt, Igor Strawinski // SCHNITT ­Andreas Winterstein // MIT Verena Dürrenmatt (Schwester), Peter Dürrenmatt (Sohn), Ruth Dürrenmatt (Tochter).


42 REEDITION

FRENCH CANCAN Nach 15-jähriger Abwesenheit von Frank-

­Cancan der von Dilettanten am meisten ge-

reich drehte Jean Renoir 1954 mit French

mochte, von Puristen jedoch am wenigsten

Cancan ein Backstage-Musical über die

geschätzte Film. «In dieser Rage von Mäd-

Gründung des Moulin Rouge und evozierte

chen und Wäsche sollten wir die triumphie-

in nostalgischen Studio-Dekors das Paris

rendste Hymne erkennen können, die das

zu Zeiten seines Vaters Auguste Renoir.

Kino je seiner Seele gebracht hat, der Bewegung, die die Linien schafft, indem sie sie

Französische Tänze seien out, heutzutage

verschiebt», so Rivette weiter (in: André

würden nur noch englische Namen zählen,

­Bazin: Jean Renoir, Fischer Cinema 1980).

meint eine gealterte Cancan-Tänzerin zäh-

In der Verbindung von Ausschweifung

neknirschend, und der Impresario Danglard,

und Präzision lässt sich der Bogen zu

brillant gespielt von Jean Gabin, beschliesst

­Renoirs poetisch-realistischem Erbe schla-

daraufhin pragmatisch, seine Tänzerinnen

gen, von dem dieses Werk vordergründig so

den «French Cancan» tanzen zu lassen.

stark abzuweichen scheint. In wenigen Wo-

Danglard, der sich immer am Rand des fi-

chen geschrieben und abgedreht, besticht

nanziellen Ruins bewegt, wirbt die Wäsche-

dieser Film noch heute mit seiner Liebe zum

rin Nini als Tänzerin an, die schon bald seine

Detail, dem gekonnten Einsatz von Techni-

Geliebte wird. Mithilfe eines Finanziers

color und seinem darstellerischen Schwung.

macht er sich an den Aufbau eines neuen

Und so verhält sich French Cancan wie der

Variétés, des «Moulin Rouge».

namengebende Tanz: Das Alte wird noch-

Über die Aufnahme des Films beim Pub-

mals präsentiert, aber wild, lebendig, neu.

likum resümierte Jacques Rivette, unter den neueren Filmen Renoirs sei French

Sarah Schwedes FRENCH CANCAN Frankreich/Italien 1954 104 Min / Farbe / DCP / F/d // REGIE Jean Renoir // DREHBUCH Jean ­Renoir, nach einer Idee von AndréPaul Antoine // KAMERA Michel Kelber // MUSIK Georges Van Parys // SCHNITT Boris Lewin // MIT Jean Gabin (Henri Danglard), María Félix (Lola De Castro, «La Belle Abesse»), Françoise Arnoul (Nini), Giani Esposito (Prinz Alexandre), Jean-Roger Caussimon (Baron Walter), Édith Piaf (Eugénie Buffet), Philippe Clay (Casimir), Dora Doll (La Génisse), Valentine Tessier (Mme Olympe), Hubert Deschamps (Isidore), Michel Piccoli (Kapitän Valorgueil), Jean Parédès (Coudrier).


43 SILVESTERFILM

DO, 31. DEZ. | 20.45 UHR

STRANGE DAYS Los Angeles, 24 Stunden vor der Wende ins

Mördern, die sie in das Chaos einer ekstati-

neue Jahrtausend: Das ist der Schauplatz

schen Millenniumsfeier führt. (…) Feiernde,

von Kathryn Bigelows ebenso beklemmen-

Weltuntergangsbeschwörer, Mörder und

dem wie beängstigend aktuellem Science-

ihre Verfolger begegnen sich in einem

Fiction-Film Strange Days (1995), in dem

Rausch der Töne, Lichter und Farben. Ein vi-

der heruntergekommene Ex-Polizist Lenny

suelles Feuerwerk und eines der ausserge-

erlebnishungrigen Video-Süchtigen dunkle

wöhnlichsten Film-Silvester der letzten

Fantasien verdealt.

Jahrzehnte.» (femundo.de, 27.12.2017)

«Die Clips halten fest, was eine Person wäh-

der virtuellen Realität nicht bloss zum An-

rend der Aufzeichnung hört, sieht und fühlt.

lass technischer Spielereien nimmt oder als

Das Replay speist Wahrnehmungen und

blossen Auslöser gewalttätiger Actionsze-

Emotionen direkt ins Gehirn ein, die Konsu-

nen benutzt, sondern der mit seiner Hilfe die

menten erleben eine täuschend echte vir­

fortschreitende Tendenz visueller Medien

tuelle Realität. (…) Eines Tages wird Lenny

zu aggressiver Stimulierung und Sensatio-

von der Prostituierten Iris ein Clip zuge-

nalisierung menschlicher Fantasien und

spielt. Es zeigt zwei weisse, rassistische

Gefühle formuliert.» (Franz Everschor,

­Polizisten, die den farbigen Rapper Jeriko

film-dienst, 26/1997)

«Es ist der erste Film, der das Phänomen

während ­ einer Polizeiaktion hinrichten. ­Wenige Tage später wird auch Iris umgebracht (…). Lenny und seine Freundin Mace begeben sich auf die gefährliche Suche nach den STRANGE DAYS / USA 1995 145 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Kathryn Bigelow // DREHBUCH James Cameron, Jay Cocks // KAMERA Matthew F. Leonetti // MUSIK Graeme Revell // SCHNITT Howard E. Smith // MIT Ralph Fiennes (Lenny Nero), Angela Bassett (Lornette «Mace» Mason), Juliette Lewis (Faith Justin), Tom Sizemore (Max Peltier), Michael Wincott (Philo Gant), Vincent D’Onofrio (Burton Steckler), Glenn Plummer (Jeriko One).


44 SÉLECTION LUMIÈRE

MI, 9. DEZ. | 18.00 UHR

CADAVERI ECCELLENTI

DI, 29. DEZ. | 18.00 UHR

Ein stoischer Lino Ventura bahnt sich sei-

heuerlichen Allianzen und einem machiavel-

nen Weg durch ein Dickicht von Intrigen in

listischen Sinn für G ­ erechtigkeit und Privile-

Francesco Rosis ebenso zeitkritischem wie

giertheit dient der Film als pointiertes,

zeitlos gültigem Politthriller Cadaveri ec-

zeitgemässes und ­relevantes Exposé der tief

cellenti (1976). Seinen schillerndsten Ge-

verwurzelten ­politischen Kultur der Korrup-

genspieler verkörpert der dieses Jahr ver-

tion, Arroganz, unsoliden Ideologie und täu-

storbene Max von Sydow.

schenden Rechtschaffenheit.» (Acquarello, filmref.com, 22.12.2017)

«Was als brillant inszenierter Kriminalfilm in elliptischem Stil beginnt, wird gleitend

✶ am Mittwoch, 9. Dez., 18.00 Uhr:

zur Beschreibung eines Klimas totaler Un­

Einführung von Martin Girod

sicherheit. Die Recherchen des Inspektors Rogas führen von einer Reihe von Mordfällen an Richtern ins Labyrinth politischer Korruption, ins Chaos der Macht, deren kompakte Oberfläche von gediegener, eleganter Glätte ist, um das Auge von den Abgründen und Umtrieben fernzuhalten. (…) Rosis Film ist in gleichem Mass albtraumhaftes Gleichnis und Analyse, barocker Irrgarten der Bilder und methodischer Diskurs: Versöhnung von Kritik und Fantasie, Aufklärung und Kinovergnügen.» (Harry Tomicek, NZZ, 1980) «Cadaveri eccellenti bringt jene labilen, oft inzestuösen Beziehungen zwischen der Regierung, dem organisierten Verbrechen, der politischen Opposition, den religiösen Behörden, den Radikalen, den Terroristen und den Medien auf den Punkt, die die undurchsichtige, turbulente Szenerie der italienischen Politik der 1970er-Jahre irreparabel geprägt haben, ein Klima von sich hinziehender Instabilität, das 1978 in der Entführung

CADAVERI ECCELLENTI / Italien/ Frankreich 1976 120 Min / Farbe / DCP 4K / I/e // REGIE Francesco Rosi // DREHBUCH Francesco Rosi, Tonino Guerra, Lino Januzzi, nach einem Roman von Leonardo Sciascia // KAMERA ­Pasqualino De Santis // MUSIK Piero Piccioni // SCHNITT Ruggero Mastroianni // MIT Lino Ventura (Inspektor Rogas),

und Ermordung des italienischen Premier-

Alain Cuny (Richter Rasto), Charles Vanel (Richter Varga),

ministers Aldo Moro durch die Roten Briga-

(Innenminister),

den (...) gipfeln sollte. In ­einer unerschrockenen Darstellung von Machtmissbrauch, schwerfälliger Regierungsführung, unge-

Max von Sydow (Gerichtspräsident Riches), Fernando Rey Renato

Salvatori

(Polizeikommissar),

Tino Carraro (Polizeipräsident), Paolo Bonacelli (Dr. Mixia), Marcel Bozzuffi (entlassener Sträfling), Maria Carta (Frau Cres), Tina Aumont (Prostituierte), Luigi Pistilli (Journalist Cusan).


45 IMPRESSUM

DAS FILMPODIUM IST EIN ANGEBOT DES PRÄSIDIALDEPARTEMENTS

in Zusammenarbeit mit der Cinémathèque suisse, Lausanne/Zürich LEITUNG Corinne Siegrist-Oboussier (cs), STV. LEITUNG Michel Bodmer (mb) WISSENSCHAFTLICHE MITARBEIT Tanja Hanhart (th), Primo Mazzoni (pm), Laura Walde PRAKTIKUM Sarah Schwedes // SEKRETARIAT Claudia Brändle BÜRO Postfach, 8022 Zürich, Telefon 044 412 31 28, Fax 044 412 31 25 WWW.FILMPODIUM.CH // E-MAIL info@filmpodium.ch // KINO Nüschelerstr. 11, 8001 Zürich, Tel. 044 415 33 66 UNSER DANK FÜR DAS ZUSTANDEKOMMEN DIESES PROGRAMMS GILT: Osama Abouzaid, Giseh; Actua Films, Genf; Alamode Film, München; Hussein Al-Asadi, Basra; Aljazeera Media Network, Doha; Bilal Alkhatib, Ramallah; Be For Films, Brüssel; ­Younes Ben Slimane, Tunis; Casa Azul Films, Lausanne; Celluloid Dreams, Paris; La Cinémathèque française – Musée du cinéma, Paris; DCM Film Distribution, Zürich; Ayda Diouri, Tanger; ECM Records, München; Effat University, Dschidda; Adel El Badrawy, Giseh; Envie de Tempête Productions, Paris; ESAV, Marrakesch; Ali Essafi, La Riche; Les Films du Jeudi, Paris; Frenetic Films, Zürich; Gaumont, Neuilly sur Seine; Impuls Pictures, Steinhausen; Charlotte Kerr Dürrenmatt-Stiftung, Bern; L'Atelier, Rolle; Les Valseurs Distribution, Paris; MAD Solutions, Kairo; Manifest Pictures, Paris; Mirage Media Productions, Cairo; MPM Premium, Paris; National Organization for Cinema, Damaskus; New Zealand Film Commission, Wellington; Open Art Foundation, London; Ouarzazate Films, Casablanca; Anne Paq, Paris; Park Circus, Glasgow; Pentacle Productions, Paris; Radiator IP Sales, Brüssel; Red Star Films, Kairo; Rimsh Film, Ramallah; Schweizerisches Literaturarchiv SLA, Bern; Shortcuts Distribution, Paris; Sister Distribution, Genf; Studiocanal, Berlin; Sudu Connexion, Pantin; Tamasa Distribution, Paris; Travelling Distribution, Trois-Rivières; trigon-film, Ennetbaden; Vega Film, Zürich; Visions Sud Est, Ennetbaden; Warner Bros. Entertainment Switzerland GmbH, Zürich; Majd Zaghir, Erbil; Nadia Zouaoui, Montreal. DATABASE PUBLISHING BitBee Solutions GmbH, Zürich // KONZEPTIONELLE BERATUNG Esther Schmid, Zürich GESTALTUNG TBS, Zürich // KORREKTORAT Nina Haueter, Daniel Däuber // DRUCK Ropress, Zürich // AUFLAGE 5000 ABONNEMENTE Filmpodium-Generalabonnement: CHF 400.– (freier Eintritt zu allen Vorstellungen; inkl. Abo Programmheft) // Filmpodium-Halbtaxabonnement: CHF 80.– (halber Eintrittspreis bei allen Vorstellungen; inkl. Abo Programmheft) // Jahrhundert-Abo: CHF 50.– (für alle in Ausbildung; freier Eintritt zu den Filmen der Reihe «Das erste Jahrhundert des Films») // Programm-Pass: CHF 60.– (freier Eintritt zu allen Vorstellungen einer Programmperiode) // Abonnement Programmheft: CHF 20.– // Anmeldung an der Kinokasse, über www.filmpodium.ch oder Tel. 044 412 31 28

VORSCHAU Stummfilmfestival 2021

Dürrenmatt im Kino

Das Stummfilmfestival 2021 präsentiert

Zum 100. Geburtstag Friedrich Dürrenmatts

Musketier-Action mit Douglas Fairbanks,

am 5.1.2021 zeigt das Filmpodium die bes-

Strassenkämpfe mit Marion Davies, einen

ten Verfilmungen seiner Stoffe. «Das Ver-

surrealistischen Spuk von René Clair, eine

sprechen» und «Der Besuch der alten

vertrackte Familiengeschichte von Ozu, ein

Dame» wurden mehrfach adaptiert, aber

sowjetisches Gefängnisdrama, ein selbst­

auch andere Novellen, Stücke und Romane

reflexives Kabinettstück von Buster Keaton,

inspirierten Filmschaffende in aller Welt.

eine nautische Romanze mit Greta Garbo, gruselige Parabeln mit Conrad Veidt, einen

Ulrike Ottinger

Serienmörderkrimi von Hitchcock und viele

Ulrike Ottinger, Preisträgerin des Pink

andere Entdeckungen. Die Vorführungen

Apple Festival Award 2020, wird im Filmpo-

werden mit Live-Musik begleitet.

dium mit einer Auswahl ihrer Filme geehrt.


FINDE DEIN GLÜCK DORT, WO DU ES NICHT ERWARTEST.

PAWO CHOYNING DORJI, BHUTAN

AB 10. DEZEMBER IM KINO

Verschenken Sie einzigartige Filme über filmingo.ch oder unseren DVD-Shop auf trigon-film.org.

Profile for Tanja Hanhart

Filmpodium Programmheft November/Dezember 2020 // Programme issue november/december 2020  

Jean-Luc Godard // 5th Arab Film Festival Zurich // Das erste Jahrhundert des Films: 1990 // Filmpodium für Kinder: DER KLEINE PRINZ // Reed...

Filmpodium Programmheft November/Dezember 2020 // Programme issue november/december 2020  

Jean-Luc Godard // 5th Arab Film Festival Zurich // Das erste Jahrhundert des Films: 1990 // Filmpodium für Kinder: DER KLEINE PRINZ // Reed...

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