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In England konnte diese Musik erst spät Fuß fassen. Hier orientierte man sich an der alten Vokalpolyphonie und an traditionellen höfischen Tänzen. Diese beiden Stilbereiche wurden vielfach auch auf Tasteninstrumente übertragen, die sich höchster Beliebtheit erfreuten. Zu den herausragenden Figuren der englischen Musikgeschichte des elisabethanischen Zeitalters zählen William Byrd, John Bull und Orlando Gibbons, deren wichtigste Tastenwerke im Fitzwilliam Virginal Book versammelt sind. Der erste Teil der CD von Gustav Leonhardt präsentiert eine Auswahl ihrer Kompositionen (CD 18).

DEUTSCH

unerschöpflichen künstlerischen Reichtum, auf die Besucher aus dem Norden Europas in südlicheren Gefilden stießen. Selten fehlen auch bewundernde Mitteilungen über die betörende Schönheit der italienischen Musik, der man andernorts kaum etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen hatte. Ein englischer Reisender etwa erlebte beim Anhören einer Vespermusik im Markusdom zu Venedig eine verzückte Vision, in der er sich „mit dem Heiligen Paulus in den dritten Himmel versetzt sah“ und schwor, „ohne Bedenken jederzeit hundert Meilen zu Fuß“ zu gehen, „um noch einmal etwas Ähnliches zu hören“. Was die Zuhörer derart in den Bann der italienischen Musik zog, war ihre unvergleichliche sinnliche Qualität. Hatte das Ideal der Musik bis dahin in der satztechnisch kunstvollen Verknüpfung möglichst vieler Stimmen bestanden, so setzten die italienischen Meister des frühen 17. Jahrhunderts auf die reine, durch keinerlei kontrapunktische Raffinessen beeinträchtigte Wirkung der einzelnen Stimme, die lediglich von einem harmoniebestimmenden Basso continuo gestützt wurde und so den Affekt der gesungenen Worte ganz unmittelbar vermittelte. Der Pionier und unerreichte Meister dieser neuen Kompositionsweise war Claudio Monteverdi, der von 1613 bis zu seinem Tod im Jahr 1643 als Kapellmeister am Markusdom zu Venedig wirkte und in dieser Position das geistliche wie auch das weltliche Musikleben der Lagunenstadt nachhaltig prägte. Die musikalische Radikalität Monteverdis zeigt sich in nahezu jedem Werk der Anthologie I 7 Peccati Capitali, einer repräsentativen Zusammenstellung von Ausschnitten aus seinen Opern, Madrigalbüchern und Geistlichen Konzerten (CD 11).

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