Skizzenbuch zwei

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Skizzenbuch zwei Florian Hugger und Thomas Rampp Zeichnungen aus den Jahren 2010 bis 2019 Erschienen im Franz Schiermeier Verlag MĂźnchen


Danke und Entschuldigung Vielen Dank allen Freunden und Spendern ­ des Kalenders. Vielen Dank unseren vielen lieben Kolleginnen und Kollegen, die Zeichnungen scannen, verwalten, mit uns am Kalender arbeiten. Vielen Dank Franz Schiermeier und Robert Lehner für das Verlegen des Buches, den Kalenderdruck und die Produktion. Vielen Dank liebe Juli und liebe Astrid für die ­Gestaltung, das Layout und die Texte. Trotz Eures redlichen Bemühens sind wir hart ­geblieben und haben die Zeichnungen ungeordnet – wie in ein Skizzenbuch – gesetzt. Vielen Dank unseren lieben Eltern und Lehrern, die uns so schöne Dinge nahe gebracht haben. Vielen Dank allen Lieben, die auf uns warten, damit schnell noch eine Skizze geht.

November 2020 Florian Hugger und Thomas Rampp Franz Schiermeier Verlag München franz-schiermeier-verlag.de Texte: Astrid Schön Gestaltung, Satz: Juli Eberle Mai Juni und ich mit ediundsepp Gestaltunggesellschaft mbH Druck: ABColor Druck Lehner, München Papier: Juwel Offset 150g/m2, 1,2 V Bindung: Buchbinderei Neumann, München Florian Hugger (*1973) und Thomas Rampp (*1974) studierten beide an der Technischen Universität in München Architektur. Nach ihrer Assistenzzeit begannen sie 2001 ihre gemeinsame selbständige Tätigkeit und gründeten 2006 das Architekturbüro Lang Hugger Rampp und das Gestaltungsbüro ­ediundsepp. Beide leben und arbeiten in München. Das Skizzenbuch Band 1 ist 2009 ebenfalls im Franz Schiermeier Verlag ­erschienen.

ISBN 978-3-943866-94-0


Skizzenbuch zwei Florian Hugger und Thomas Rampp Zeichnungen aus den Jahren 2010 bis 2019 Erschienen im Franz Schiermeier Verlag MĂźnchen


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„Glückwunsch, meine Herren, Sie haben sich das Diplom im wahrsten Sinne erzeichnet.“ Ein großes Lob für Florian Hugger und Thomas Rampp nach ihrer Diplompräsentation 1999. Und tatsächlich haben die beiden sich das Zeichnen früh im Selbststudium erarbeitet, ihre Kunstfertigkeit an der TU München vertieft und als wissenschaftliche Assistenten lange Jahre selbst unterrichtet. Vor diesem Hintergrund ­markiert das Zeichnen den Anfang ihrer Freundschaft – und ihrer langjährigen Partnerschaft im gemeinsamen Architekturund Designbüro. Über die Jahre hat ihre Leidenschaft fürs Zeichnen unzählige Skizzenbücher gefüllt. Aus den ersten Skizzen ist vor über 20 Jahren auch der erste Kalender als Weihnachtsgeschenk für Familie und Freunde entstanden: Im Sparformat DIN A3 über die Längsseite geteilt haben sie die Kalenderblätter im Copy-Shop kopiert und mit Klammern zusammengehalten. Dieser Kalender erscheint inzwischen in einer jährlichen Auflage von 650 Stück; sein Markenzeichen sind noch immer Format und Klammer. In ihrem ersten kleinen Büro haben die beiden Berufsanfänger­ abends nach der Arbeit am Lehrstuhl zeichnerisch ihre Entwurfsgedanken entwickelt und gemeinsam Gestal­tungen ­vorangetrieben. Von den Honoraren wurden in ritueller ­Regelmäßigkeit Architektur- und Designbücher gekauft –­weil Thomas Rampp und Florian Hugger Bücher lieben. Über die Jahre ist daraus eine stattliche Bibliothek erwachsen, die noch heute im Mittelpunkt des gemeinsamen Büros steht. Beides, die Kalendertradition und die Liebe zu guten Fach­ büchern, illustriert den Wunsch, die eigenen Zeichnungen in ­einem Skizzenbuch zu veröffentlichen. Seit dem ersten Band sind zehn Jahre vergangen und zehn neue Kalender entstanden. Aus diesen zehn Jahren stammen auch die Skizzen in diesem Buch.

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Zeichengespräch Florian Hugger: Wir zeichnen beide schon so lange. Was bedeutet das Zeichnen eigentlich für Dich? Thomas Rampp: Zeichnen bedeutet für mich pure Freude.­ Aller­dings muss ich, wenn ich etwas abzeichne, manchmal viel Energie­ aufwenden, um damit anzufangen. Wenn ich aber zeichne, um als Architekt zu entwerfen, mir also zeichnerisch erarbeite, was in meinem Kopf ist, gibt es d­ iese Art der Überwindung nicht. hu: Warum ich zeichne, kann ich gar nicht so genau sagen. Das ist bei mir eher wie ein Automatismus, eine schöne Gewohnheit. Es ist toll, einen Stift in der Hand zu haben. Wahrscheinlich weil es etwas mit Denken zu tun hat: Beim Denken zeichne ich etwas auf. Und oft löst auch das Zeichnen bei mir das Denken aus. tr: Für mich ist die Zeichensprache auch eine Denksprache. In unserer täglichen Arbeit sind Gebäude unsere gedankliche Welt und das Zeichnen ist unsere Sprache. „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“, sagt Ludwig Wittgenstein. Das Training und die Pflege der Zeichensprache erweitert das Portfolio. Wer virtuos zeichnet, erschafft virtuose Gedanken, die sich in virtuose Gebäude übertragen. Das Schöne am Zeichnen ist der Erkenntnisgewinn. Es gibt ein Aha-­ Erlebnis, wenn man beim Zeichnen etwas über das Bauwerk lernt. ­Die Skizze des verzweigten Ast­werks der Kellerei in Tramin ­(Seite 105) von Werner Tscholl zum Beispiel ist nur eine Ansicht, keine komplexe Perspektive geworden. Weil es für mich an Bedeutung ­verloren hat, eine möglichst schwierige Zeichnung, möglichst gut zu erstellen. Die Ansicht hat in diesem Fall aber ausgereicht, um zu verstehen, dass das Gebäude auf großartige Weise mit der umgebenden Landschaft korrespondiert. Ich dachte früher immer, das Weinreben-artig verzweigte Tragwerk wäre etwas übertrieben, aber die zeichnerische Auseinandersetzung hat ein komplett anderes Bild des Gebäudes bei mir erzeugt: Es ist fantastisch. Wenn ich heute daran vorbeifahre, macht es mir umso mehr Freude. hu: Hans Döllgast, einer der Gründer der Münchner Zeichenschule, hat gesagt: „Was man nicht gezeichnet hat, hat man nicht gesehen.“ tr: Dieser Satz stammt aber aus einer Zeit, die zwei­dimensionaler und viel sortierter war als die heutige. Die Qualität des Zeichnens ist über jeden Zweifel erhaben, ja. Aber daraus darf man keinen Allgemein­gültigkeitsanspruch ableiten. hu: Dann wäre also die Aussage „Was man gezeichnet hat, hat man verstanden“ passender? Wenn man ein Gebäude in seiner Systematik­ nachvollzogen hat, wenn man versucht hat, es r­ äumlich zu erfassen,­

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dann kann man die Erkenntnisse daraus auch auf andere Themen­ übertragen.­Die Kirche Santa Maria della Salute in Venedig zum ­Bei­spiel versteht man beim ersten Blick von außen nicht. Und man versteht sie auch von innen nicht. Aber man versteht sie, wenn man beides gezeichnet hat. Wenn ich die Innenraumperspektive einer Kirche habe und die Fassade davorsetze (Seite 204), erschließt sich, warum die Fassade aussieht, wie sie aussieht. tr: Die gemeinsame Abbildung des Innen und des Außen ist ein wiederkehrender Inhalt Deiner Zeichnungen. hu: Stimmt. Ich habe Freude daran, Zeichenobjekte zu verstehen. Vor diesem Hintergrund ist Santa Maria della Salute wie eine jahrzehntelange Fortbildung für mich. Ich bin immer wieder da und durch die erneute Beschäftigung mit dem Gebäude vertieft sich meine Erkenntnis­ebene. Für diejenigen, die mich begleiten, ist­ das manchmal ein bisschen Pein, weil ich selten ganz zufrieden bin und es noch mal und noch mal machen muss. Aber so erweitere ich sozusagen meinen zeichnerischen Wortschatz, um mich räumlich gut ausdrücken zu können. tr: Woher kommt Deine Vorliebe dafür, historische Gebäude zu zeichnen? hu: Es gibt tatsächlich eine Sehnsucht, die alte Objekte bei mir wecken. Ich glaube, das hat mit meiner Erziehung und mit meiner Historie zu tun. Ich war mit meinen Eltern früher viel in Frank­ reich, wo wir durch Orte mit alten Gebäuden flaniert sind. Im Leistungskurs Kunst habe ich mich dann erstmals mit Architektur­ geschich­te befasst. Und als ich mit Kumpels im V ­ W-Bus an der spanischen Mittelmeerküste unterwegs war, bin ich allein nach Barcelona, hab mir Stift und Block gekauft und die Häuser der Altstadt gezeichnet. Damals dachte ich, das mit dem Architekturstudium macht gar keinen Sinn, weil alle schönen Sachen schon gebaut sind. tr: Stimmt nicht. Für uns als Architekten gibt es noch viele schöne­­ Sachen zu bauen. Das Zeichnen ist dabei ein sehr wichtiger Teil ­unserer Arbeit. Wir tauschen uns zeichnerisch über Entwurfs­ konzepte und Gestaltungen aus. Ein Leben ohne das Zeichnen wäre schwierig für mich. hu: Du hast Deinen Lebenstraum zum Beruf gemacht. tr: Und Du auch. Bei diesem Beruf kommen wir viel rum und sehen viele Dinge. Du hattest zum Beispiel auch in Berlin zu tun. Du warst allein unterwegs und hast gezeichnet.

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hu: Unser Partner Werner Lang nennt das die Magie­­der Geschäftsreise. Statt nur in Meetings zu sitzen oder im Hotel, macht man noch etwas Sinnstiftendes für sich. Und Berlin ist eine coole Stadt. Sie animiert aufgrund ihrer Schlampigkeit und Kunstsinnigkeit dazu, selbst etwas Kreatives zu tun. tr: Ja, unsere Leidenschaft ist immer mit im Gepäck. Wir zeichnen­ dort, wo wir arbeiten und wo wir Urlaub machen. Ich finde ­inte­ressant, dass man auf Landschaftsskizzen von Dir immer sofort­ erkennt, ob das in Frankreich, Griechenland oder Südtirol ist. ­Wie machst Du das? hu: Ist das so? Das passiert völlig unbewusst. Wahrscheinlich gibt es so etwas wie grafisch darstellbare Kulturunterschiede, die gelernt und erkennbar sind. tr: Damit sind wir wieder beim Zeichner als Zeichen­geber für den Adressaten. Über ihr Werteverständnis und das Wahrnehmungsprinzip der Relevanz finden sie eine gemeinsame Sprachebene, auf der sie sich verstehen. Die aufeinanderfolgenden Sinneseindrücke und Gedanken – die Wahrnehmung, das Verständnis und die Inter­pretation – beweisen, dass Zeichnen ein Sprachinstrumentarium­ ist. Unser Sprachmittel ist die Linie. Mit ihr können wir Tradiertes­ aufnehmen, weiterführen, neu denken und anwenden. Das Eigen­ tüm­liche an der Linie ist allerdings, dass sie am wahren drei­ dimensionalen Objekt gar nicht vorkommt. Gebäude sind dreidi­ men­sionale Körper, wo sich Flächen, die im unterschiedlichen Verhältnis zueinander und zum Licht stehen, an Kanten treffen. Insofern sehen wir Flächen und keine Linien. Die Linie ist lediglich ein Hilfsmittel zur Beschreibung der Kante. Interessant wird es, wenn wir mit den Flächen arbeiten. hu: In Deinen Zeichnungen arbeitest Du neuerdings häufiger mit Betonungen. Wichtiges wird vier Mal gezeichnet und erscheint tiefschwarz. Es gibt Schatten, die dort schraffiert sind, wo sie relevant sind. Mir scheint, das ist ein Teil Deiner Auseinandersetzung mit Flächen. Mir ist wichtig, dass eine Skizze eine ganz spezifische Stärke hat: ­Sie zeigt das genau, was genau sein muss, und das, was nicht genau sein muss, eben nicht. Da gibt es auch einen emotionalen Aspekt. Erstens weil jeder Betrachter eine Skizze mit seinen persönlichen Emotionen überlagert und sie so positiv für sich besetzt. Und zweitens, weil wir als Zeichner uns auf die Aussage fokussieren können, die uns wichtig ist. tr: Ja. Allerdings sind wir Zeichner eine ausster­bende Spezies. ­Die jungen Architekten haben andere Studieninhalte und andere Werkzeuge.

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hu: Nicht ganz. Die Handskizze erlebt im Grafik- und Kommuni­ kationsdesign gerade eine Renaissance. Man schätzt Handarbeit wieder mehr, weil sie uns mehr rührt als maschinell Gefertigtes. tr: Du hast recht. Trotz der immer wichtiger werden­den digitalen­ und 3D-Techniken wird das Zeichnen als Kommunikations­ werkzeug unersetzbar bleiben. Ich bin den neuen Technologien gegenüber sehr aufgeschlossen­und hoffe, bald auch mit ihnen ebenso interaktiv und schöpferisch umgehen zu dürfen, wie mir das mein Zei­chenhandwerk erlaubt. Denn bis dato sind die Eingabe­masken unserer Softwareprodukte zuweilen noch sehr numerisch und wenig schöpferisch visuell ausgelegt. hu: Ich habe auch einen Wunsch. Ich würde gerne mit einem riesigen Skizzenblock oder einer Staffelei vor einem der großen gotischen Meisterwerke in Reims oder Köln stehen und sie in ihrer ganzen Vielschichtigkeit erfassen. Die Komplexität gotischer Architektur ist sehr schwer zu abstrahieren. Dafür braucht man sehr viel Zeit und Muße. Eine solche Aufgabe würde ich gern angehen und meistern. tr: Vielleicht ist es dieses Meistern, das unsere Freude am Zeichnen ausmacht. Und das hängt wahrscheinlich auch mit der anfangs erwähnten Überwindungskraft zusammen. Sie setzt eine besondere Energie frei, die ich persönlich als reine Freude empfinde – und zwar ab dem zweiten Strich. Der erste Strich gelingt nämlich nie. Der ist immer krumm. Das als Trost für alle, die mit dem Z ­ eichnen anfangen möchten. ■

Therme Emilia-Romagna . tr ’19

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Hafensommer, Gasse in Hamburg . hu ’14


Lorenzkirche, Nßrnberg . hu ’14

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James-Simon-Galerie, Berlin . tr ’19


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Dorfner in Gschnon, Südtirol . hu ’15


St. Martin, Landshut . hu ’15

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Atriumhaus . tr ’12


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Buckingham Palace Ticket Office, London . tr ’19

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Île de Sein, Bretagne . hu ’17

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Stadl in Disentis im Val Lumnezia, Graubünden . tr ’11


Stadl im Val Lumnezia, Graubünden . tr ’11

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Hafenstraße Pothia auf Kalymnos, Südliche Ägäis . hu ’11


Nur aufgrund von Linien, die unterschiedlich gerichtet sind, ergeben sich Raum, Struktur und Aussage.

Kos, Südliche Ägäis . hu ’11

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Ungarischer Saustall, Puszta . hu ’13


Piazza del Duomo, San Gimignano, Toskana . hu ’13

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Säulenmonument, Rom . tr ’16

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Bergdorf Zia, Kos, Südliche Ägäis . hu ’16


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Bauernhaus, Provence . tr ’15


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Palazzo Municipale, Ferrara . tr ’11


Palazzo Gonzaga in Mantua, Lombardei . tr ’13

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Stattlicher Bauernhof im Sarntal, Sßdtirol . tr ’14


Flimser Architekturtraum, Graubßnden . tr ’15

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Île de Sein, Bretagne . hu ’17

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Maximilianeum, München . tr ’13


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Chur, Graubünden . tr ’12


Chur, Graubünden . tr ’12

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Moschee in Smolicë, Kosovo . tr ’17


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Bei Lambesc, Provence . hu ’12

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Rovinj, Istrien . hu ’14

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Sheikh Zayed Center in Lahore, Pakistan . tr ’18

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Verzascatal, Tessin . hu ’18

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Blick auf Nisyros bei Kos, Südliche Ägäis . hu ’16


Wenn man beim Zeichnen in den Fluss kommt, ergibt sich ein an­ genehmer konzentrierter Zustand zwischen Wahrnehmen und Notieren­– ähnlich dem Mitschreiben. Nur dass man nicht Inhalte, sondern Volumetrie, Licht, Schatten, Struktur und Dimensionen ­mitschreibt.

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Grimaud, Provence . tr ’15


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Stadtmuseum, München . tr ’19


Stadtmuseum, München . tr ’19

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Vereiner Alm im Karwendelgebirge, Oberbayern . hu ’14

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Haus in der Loisachstraße, Garmisch, Oberbayern . hu ’16


Mohrenplatz in Garmisch, Oberbayern . hu ’18

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Palazzo del Quirinale, Rom . tr ’17


Nike-Tempel und Propyläen, Akropolis, Athen . tr ’18

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Saint-Tropez, Provence . tr ’15


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Bauernhof, Oberfranken . tr ’17


Gasse mit Profil, Oberfranken . tr ’17

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Bozen, Südtirol . hu ’12


Aix-en-Provence, Provence . hu ’12

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Grün und Architektur, Würzburg . tr ’17

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Blick vom Torre Grossa, San Gimignano, Toskana . hu ’13

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Fenster und Tür . tr ’10

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Torri del Benaco, Venezien . hu ’11


Palazzo Municipale, Ferrara . tr ’11

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Brücke über die Krena in Gjakovë, Kosovo . tr ’16


Brücke über die Bistrica in Prizren, Kosovo . tr ’16

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Le Mont-Saint-Michel, Normandie . hu ’17


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Aletshausen, Schwaben . hu ’12

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Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Berlin . hu ’19


Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin . hu ’19

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Pavillon Studie, Würzburg . tr ’16


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Rovinj, Istrien . hu ’14


Gasse in Bale, Istrien . hu ’14

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Abschied vom Tacheles, Berlin . hu ’19

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Hohe Domkirche Sankt Petrus, Köln . hu ’19


Hohe Domkirche Sankt Petrus, Köln . hu ’14

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Stadtturm, Toskana . tr ’18


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Rosengarten von der Tschafon aus gesehen, Sßdtirol . hu ’19


Auf der Bank der Tschafonhütte – Georg ­erklärt den Rosengarten. Zeichnen der Berge – nicht nur als Silhouette, sondern auch als ­Volumen mit Struktur. Dazu zwei Felsenkeller naturtrüb, Alpenglühen und im Rücken die ­rauhe Wand der Schutzhütte.

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Blick von der Schlininger Alm nach Süden, Südtirol . hu ’16


Cevedale, Zebrù und Ortler im Vinschgau, Südtirol . hu ’16

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Dorfplatz von Mals im Vinschgau, Südtirol . tr ’11


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Was man in der Skizze nicht sieht, ist, dass das Gebäude knallgrün ist. ­Hieran erkennt man die Dialektik zwischen Linie, Fläche, Farbe und Form.

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Kellerei Tramin, Sßdtirol . tr ’19

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Seefestung Suomenlinna vor Helsinki, Finnland . hu ’14

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Münchner Westen . tr ’15

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Blick auf Landshut . hu ’15

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Rovinj, Istrien . hu ’15


Museum St. Ulrich, Regensburg . hu ’16

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Rovinj, Istrien . hu ’15

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Pottenstein in der Fränkischen Schweiz, Oberfranken . hu ’15


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Das griechische Architekton­sagt ursprünglich in etwa „der Handwerker / Zimmer­mann, der ­etwas gut ge­macht hat, etwas beherrscht“. Beim Zeichnen geht es darum zu verstehen, wie ­etwas gemacht ist, wie etwas gefügt ist und darum, wie es sich ausdrückt.

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Leadenhall Building, London . tr ’19

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Fischerhäuser an der Moldau in Krumau, Südböhmen . hu ’16

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St. Veit in Krumau, Südböhmen . hu ’16


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Mals, Schlinig und Burgeis im Vinschgau, Sßdtirol . hu ’17

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Kos, Südliche Ägäis . hu ’16

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Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Mals im Vinschgau, Südtirol . nebeneinander hu ’11 tr ’11


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Dorfnerwirt in Truden, Südtirol . hu ’15


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Synagoge am St. Jakobsplatz, München . tr ’18

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Hohe Domkirche Sankt Petrus, Köln . hu ’12


Hohe Domkirche Sankt Petrus, Köln . hu ’11

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Santa Maria della Salute, Venedig . hu ’10


Santi Giovanni e Paolo, Venedig . hu ’10

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Santa Maria dei Miracoli, Venedig . tr ’10


Santa Maria dei Miracoli, Venedig . hu bissl weiter rechts

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Einfahrt in den Canal Grande, Venedig . tr ’10

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Wüstenhotel, Oman . tr ’18

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Santa Maria della Salute, Venedig . tr ’13


San Marco, Venedig . tr ’13

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Glurns im Vinschgau vom Tartscher Bühel, Südtirol . nebeneinander hu ’12 tr ’12

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Im Ultental, Südtirol . tr ’12


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Pratenberg Wine Lodge in Meran, Sßdtirol . tr ’19


Weingut Manincor in Kaltern, Sßdtirol . tr ’19

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Architektenhaus, Schwaben . tr ’17

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Blicke ins obere Vinschgau, Südtirol . hu ’15

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Soglio im Bergell, Graubünden . tr ’10


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Scuola Grande di Marco und Santi Giovanni e Paolo, Venedig . tr ’10

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Schutzhaus Tschafon in den Dolomiten, Südtirol . hu ’19

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Schutzhaus Tschafon in den Dolomiten, Südtirol . hu ’18


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Helsingin tuomiokirkko, Helsinki, Finnland . hu ’15


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St. Kajetan am Odeonsplatz, München . hu ’13


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Blick über die Dächer von Glurns im Vinschgau zum Tartscher Bühel, Südtirol . hu ’11


Drei Kirchen: Léon, Linxe, Vielle-Saint-Girons, Landes . hu ’15

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Blick vom Garberhof, Mals im Vinschgau, Südtirol . hu ’18

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Blick von Norden auf den Lago Maggiore und den Lago d`Orta, Piemont . hu ’18

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Rovinj, Istrien . hu ’15

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Santa Maria della Salute, Venedig . hu ’18


Rainkirche Sankt Katharina in Bruneck, Sßdtirol . hu ’16

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Basilika Sankt Peter im Vatikan, Rom . tr ’10

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Innenstadt von Krumau an der Moldauschleife, Südböhmen . hu ’16


Durch das Zeichnen taucht man in Räume ein. Man kann ­Zusammenhänge ­entdecken und zeigen, die man beim bloßen ­Vorbeispazieren nicht wahrnehmen würde.

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Santa Maria della Salute, Venedig . hu ’17

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Hafen bei Ebbe in Douarnenez, Bretagne . hu ’17

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St. Veit in Krumau, Südböhmen . hu ’15


Sebalduskirche, Nßrnberg . hu ’18

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Lago Maggiore von Baveno nach Norden, Piemont . hu ’18

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Blick aus dem Café auf die Berliner Skyline . hu ’19

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Steinerne Brßcke und Altstadt, Regensburg . tr ’19

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Hellenistische Agora . tr ’02

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Römische Therme . tr ’14

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St. Girons-Plage, Landes . hu ’17

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Gasse zum Rio di San Agostin, Venedig . hu ’10

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Dom St. Peter, Regensburg . hu ’17


Kirchenfenster im Regen, Duomo di Santa Maria Nascente, Mailand . hu ’18

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Die Santa Maria della Salute bringt mich immer wieder an Schmerzstellen. An Stellen, wo es ­besonders schwer war, sie zu zeichnen. Das kommt­daher, dass man nie im richtigen Abstand zum Objekt sitzt – man müsste im Kanal sitzen können … aber das macht wohl den ­besonderen Reiz aus.

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Basilika di San Marco und Santa Maria della Salute, Venedig . hu ’20


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Es reizt mich, das Innen und das Außen eines Gebäudes ­zusammen zu zeichnen.

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Cattedrale di San Giovanni Battista, Turin . hu ’18


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St. Lorenz Kirche, Nßrnberg . hu ’17


Stadtpfarrkirche St. Nikolaus in Eggenfelden, Niederbayern . hu ’13

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Marktkirche St. Georgii et Jacobi, Hannover . hu ’19


Basilika Sankt Peter im Vatikan, Rom . tr ’12

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Sinan-Pascha-Moschee Prizren, Kosovo . tr ’16


Moschee in Junik, Kosovo . tr ’16

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Dom Maria Himmelfahrt in Bozen, Sßdtirol . tr ’12


Frauenkirche, Dresden . tr ’11

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Krumau, Südböhmen . hu ’15

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Baveno am Lago Maggiore, Piemont . hu ’18

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Coburger Hütte und Sesvennagruppe, Südtirol . hu ’18

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Wohnhaus, Graubünden . tr ’19


tr: Bleibt noch die Frage nach dem letzten Strich: ­Es gibt diesen Moment, in dem man merkt, dass man schon zu viele Striche gemacht hat. Rechtzeitig aufzuhören­– das ist wohl tatsächlich die schwierigste Kunst beim Zeichnen. hu: Das stimmt. Man vergisst sich dabei. Mir hilft es auf­zuhören, wenn die Wirklichkeit mich wachrüttelt – weil man nach mir ruft oder weil ich plötzlich merke, dass alle auf mich warten. tr: Es hat etwas Tranceartiges, ja – für mich der Vorhof zum Himmel! Bestimmt kennst Du auch die Situation, dass man auf ­einmal merkt, wie durchgefroren man ist vom langen Sitzen in der Kälte, wie man bibbert und zittert … hu: … und wenn man versucht aufzustehen, kippt man direkt um, weil ein Bein eingeschlafen ist.

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Gestaltung ist eine der Kernkompetenzen des Architekten. Diese Gestaltungskompetenz bedarf der intensiven Pflege und der ständigen Weiterentwicklung in Form der spezifischen Denk- und Ausdrucksmöglichkeiten des Architekten als Gestalter, als kreativen Schöpfer und Ideengeber. Das Gestalten muss zusammen mit der architektonischen Artikulation, der Zeichensprache also als Kommunikationsform in enger Kombination verstanden werden. Die Befähigung innerhalb des zeichnerischen Werks Reduktion, Abstraktion und Interpretation als Quelle der Kreativität, des Schöpferischen aufzuzeigen ist dabei von zentraler Bedeutung. Es geht weniger um die Fähigkeit anspruchsvolle Architektur­ darstellung als bloße technisch, handwerklich gestützte Verfeinerung zu beherrschen, sondern vielmehr darum, das Gestalten, das Handeln und Reagieren mit der Darstellung, also dem Kommunizieren über Architektur zu verbinden. Das Kommunizieren mittels der Fachsprache dient dazu, um Gestalten zu verstehen und dabei Denkimpulse zu erhalten, um neue Gestalten zu erschaffen. Alles Denken ist Reagieren auf vorangegangene Sinneseindrücke. Alle Denkimpulse kommen aus vorangegangenen Sinneswahrnehmungen und Erinnerungen. Zeichnen ist Sinneswahrnehmung und damit Denkimpuls. Bei der zeichnerischen Suche nach Sinn und Machart erfahren wir eine Vielfalt von Interpretationsmöglichkeiten. Durch die Freiheit spielerischer, ungenauer Betrachtung interpretieren wir mit unserer Relevanzgesteuerten Auswahl die Realität mit potentiell offenem Ausgang. Aus der Fülle des Wahrgenommenen beginnt unser darauf reagierendes Denken. Die offene, ungenaue, fragmentarische Zeichnung unterstützt uns dabei in unserer Einbildungskraft mit einer Art kreativer Kettenreaktion. Zeichnen ist die Sprache des Architekten, die Zeichensprache seine Denksprache. Vom Philosophen Ludwig Wittgenstein stammt der Satz: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ und von der Literatur-Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer: „Nicht der aufrechte Gang und Stock, um damit nach Nahrung zu graben oder zu kämpfen, machen den Menschen zum Menschen, sondern die Sprache“. Die Entwicklung der Sprache löste einen gewaltigen Kulturschub aus. Erst die Sprache erlaubte differenziertes Denken und nuanciertes Beschreiben dessen, was man dachte und fühlte, was man sah und wollte – schreibt Ulrich Wechsler und weiter: „Mit der Entwicklung der Sprache ist auch die Entwicklung des Intellekts verbunden, und es entstehen Fantasie, abstraktes Vorstellungsvermögen und die Fähigkeit innere Bilder zu formen. Wenn Kinder lernen aus ihrer Sicht Dinge selbst zu erzählen, dann gestalten sie die Welt nach ihren Eindrücken. Ohne die prägende Funktion der Sprache kann sich diese innere Welt kaum entwickeln und Gestalt erhalten“. Hierbei wir deutlich, wie wichtig die enge Verknüpfung von architektonischer Darstellung und Gestaltung ist, um die kreative Suche als unmittelbare Folge der Analyse und Interpretation auslösen zu können.