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N°1


Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen. Hannah Arendt

Die Collagen im Heft stammen von Waldemar Strempler. Der Künstler lebt und arbeitet in Potsdam. „Strempler begreift das Unvorhergesehene, Unvollkommene als der Kreation und der Kunst immanent. Fundstücke und Materialien aller Art, zufällig entstandene Strukturen und Farbverläufe sowie Alterungsprozesse und Zerstörung bezieht er in sein Schaffen ein. Viele Werke unterzieht er zudem einer fortwährenden Überarbeitung. Mit inhaltlichen Brüchen und überraschenden Kompositionen befragt, spiegelt, interpretiert und konterkariert er Aspekte des menschlichen Daseins.“ Dr. Britta Grigull


ANDERS ARTIG Jedes Kind kennt die Aufforderung, artig zu sein, sich an Regeln zu halten. Nicht zu laut, nicht zu fordernd, nicht zu anders zu sein. Was passiert, wenn wir nicht tun, was erwartet wird – oder tun, was niemand erwartet hätte? Oder was ist, wenn wir einfach nicht der Norm entsprechen? Und wer bestimmt, was normal ist? Wer ist unartig, andersartig, abartig? Oder: Was könnte Artigsein 2020 / 21 bedeuten – folgsam, ritterlich oder respektvoll und empathisch? #leavenoonebehind Wir alle waren verständig, haben auf Politik und Wissenschaft gehört: Die Jüngeren müssen sich für die Älteren zurückhalten und auf Freiheiten verzichten. #stayathome Doch wer verzichtet für unsere Zukunft? Jetzt ist es Zeit für die Erwachsenen, endlich artig den Generationsdeal einzulösen. #weareinthistogether In dieser Spielzeit sucht das Junge DT nach einer andersartigen Artigkeit. Still und genügsam aber wird das nicht sein. #speakoutloud Birigt Lengers, Lasse Scheiba, Maura Meyer, Peter Kolb und Nora Josif

Aktuelle Informationen zu Projekten, Angeboten und Theater & Schule findet ihr auf der Webseite jungesdt.de und in der Fortsetzung des Spielzeithefts No 2.


MIROLOI von Karen Köhler „So eine wie ich ist hier eigentlich nicht vorgesehen.“ Eine Insel. Endloses Wasser, Felsen, ein Dorf, ein Kloster. Es gibt keinen Strom, nur den Mond, die Sonne und tausend Augen. Es gibt den ewigen Rhythmus der Natur, ein Glaubensbuch und den Pfahl für die Ungehorsamen. Die Männer haben das Sagen. Hier wächst ein Mädchen auf, ein Findelkind, ohne Mutter, ohne Namen. Anders als die anderen. Sie darf nicht lesen, nicht schwimmen, denn sie ist ein Mädchen. Sie kennt nur diese Insel. Sie beginnt zu singen. Sie singt ihr Miroloi in 128 Strophen. Ein Lied über den Mut aufzubegehren. Und sie findet dabei ihre Stimme und ihren eigenen Weg. Die große niederländische Regisseurin und FAUST-Preisträgerin Liesbeth Coltof bringt die Uraufführung der aufregenden und poetischen Emanzipationsgeschichte mit jugendlichen Spieler_innen auf die Kammerspielbühne und erzählt, „wann der Moment erreicht ist, in Opposition zur eigenen Umgebung zu treten, und wie hoch der Preis dafür dann ist“ (Sandra Kegel, FAZ). Regie: Liesbeth Coltof Bühne: Guus van Geffen Kostüm: Carly Everaert Choreografie: Ronni Marciel Dramaturgie: Birgit Lengers Infotreffen: 24. September 2020, 18.00 Uhr, Saal Auswahlworkshop: 25. – 27. September 2020 Probenbeginn: 4. Dezember 2020, ganztägig in den Winterferien Für alle zwischen 12 und 22 Jahren

Uraufführung: 9. Februar 2021, Kammerspiele


LIEBE JELENA SERGEJEWNA von Ljudmila Rasumowskaja Drei Schüler und eine Schülerin besuchen ihre Lehrerin Jelena Sergejewna zum Geburtstag. Mit dabei: Geschenke, Blumen, Sekt und ganz andere Absichten. Die vier wollen an den Schlüssel für den Schultresor gelangen, denn dort befinden sich die verhauenen Matheklausuren. Ohne gute Zensuren keine Zukunftschancen. Ein erbitterter Kampf entbrennt: Unvereinbar steht jugendlicher Selbstoptimierungstrieb dem Glauben der Lehrerin gegenüber, dass wir rechtmäßig handeln müssen – immer, bedingungslos. In seiner Inszenierung stellt Regisseur Jan Friedrich den Konflikt zwischen gesellschaftlichem Leistungsdruck und humanistischen Idealen ins Zentrum. Ensemblemitglied Judith Hofmann und vier Spieler_innen des Jungen DT entwickeln ein klaustrophobisches Kammerspiel, in dessen schwarz-weiße Szenografie langsam und unaufhaltsam das Chaos eindringt. Am Schluss fallen die Masken und es steht die Frage im Raum: Wie weit geht die Jugend, um ihre Zukunft zu sichern? Mit: Stephanie Amarell, Judith Hofmann, Emil Kollmann, Henry Schlage, Laurids Schürmann Regie und Bühne: Jan Friedrich Kostüm: Mira Phumdorkmai Musik: Felix Rösch Dramaturgie: Sima Djabar Zadegan, Lasse Scheiba Premiere: 7. Mai 2021, Box


DIE PROJEKTE – CLUBS UND CAMPS Ihr eigenes Theater entwickeln junge Menschen zwischen 12 und 22 Jahren unter Anleitung professioneller Künstler_innen in Jugendclubs und im geplanten Frühlingscamp. Es sind keine Vor­kenntnisse nötig. Was ihr mitbringen solltet sind Zeit, Lust auf Theater und die Neugier aufeinander. In dieser Spielzeit geht es in den Projekten um das Ander­sartige: Wo befinden wir uns zwischen anders und artig? Wann wollen wir uns anpassen? Wo wird es unbequem? Wer gehört (nicht) dazu? Nähere Informationen zu den Projekten gibt es auf jungesdt.de und in No 2 des Spiel­zeit­heftes. Auf der Webseite findet ihr in der „Mediathek der Formate“ auch anschauliche Videobeispiele aller Angebote.

Bereits im siebten Jahr entwickeln Jugendliche von LesArt und dem Jungen DT gemeinsam eine szenische Lesung. Im September bringen sie „Keine halben Sachen” von Antje Herden auf den Vorplatz des DT (Künstlerische Leitung: Sofie Hüsler und Kristina Stang). Der Roman wurde 2020 für den Jugendliteratur­preis nominiert und ist laut der Jury „ein literarischer Trip, verstörend und faszinierend zugleich.“ Drogen, Partys und Gier nach Zugehörigkeit – als der 15jährige Robin seinen neuen Freund Leo kennenlernt, verfliegen Einsamkeit und Langeweile. Eine Begegnung, die ihn komplett aus der Bahn wirft. Premiere: 9. September 2020 um 18.00 Uhr, Vorplatz Ein Kooperationsprojekt von LesArt – Berliner Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur. Wir danken dem Verlag Beltz & Gelberg für die freundliche Unterstützung.


THEATER & SCHULE Die Schule und das Deutsche Theater Berlin sind Komplizen, die gemeinsam die Welt des Theaters in die Schule und jugendliche Perspektiven ins Theater bringen! Bei unseren Inszenierungen suchen wir Brücken zur Lebenswelt der Schüler_innen, und nicht nur bei Schillers „Maria Stuart” (Regie: Anne Lenk, Premiere: 30. Oktober 2020) finden wir Verknüpfungen zum Rahmenlehrplan. Im U21-Spielplan auf unserer Webseite finden Sie dazu weitere Informationen. Zum Theaterbesuch bieten wir zahlreiche Formate der Vor- und Nachbereitung an, wie Workshops, Kulturwandertage, Führungen und Gespräche – im DT oder in Ihrer Schule. Wenn nötig, auch so modifiziert, dass sie mit Abstand oder digital durchgeführt werden können. Fortbildungen für Lehrer_innen verbinden Inszenierungen mit aktuellen gesellschaftlichen Themen und geben Werkzeuge an die Hand, das Erfahrene lebendig an die Schüler_innen weiterzugeben. Mit dem Lehrendenbeirat haben wir das Ohr ganz nah an den Lehrerzimmern dieser Stadt und eröffnen einen gemeinsamen Denkraum, der Lehrende mit ihrer Expertise noch enger einbindet. Wir setzen unsere Kooperation mit den Willkommensklassen des OSZ Bekleidung und Mode fort und freuen uns auf die neue Zusammenarbeit im Rahmen von TUSCH – Theater & Schule mit der Willy-Brandt-Teamschule in Berlin-Mitte. Seien Sie immer informiert und abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter für Theater & Schule unter jungesdt.de.


THEATER IM KLASSENZIMMER CORPUS DELICTI

nach dem Roman von Juli Zeh Was wäre, wenn ein ungesundes Leben strafbar wäre? Wenn wir nicht mehr entscheiden könnten, wie wir mit unseren Körpern umgehen wollen? Was noch vor einigen Monaten wie eine Dystopie klang, ist heute gar nicht mehr so fern von Erlebnissen, die wir alle teilen. Als medial-theatrale Reise bringen wir einen der wichtigsten Romane der Gegenwart in das Klassenzimmer. Neben der Aufführung erhalten Sie eine umfangreiche Materialmappe mit Videos und interaktiven Aufgaben für Ihre Schüler_innen. Ohne die sprichwörtliche vierte Wand verwandelt sich der Klassenraum und Theater wird ganz unmittelbar erfahrbar. Mit: Javeh Asefdjah und Laura Eichten Regie: Robert Lehniger Ausstattung: Linda Spörl Dramaturgie: Lasse Scheiba Premiere: 15. September 2020, Heinz-Berggruen-Gymnasium Außerdem im Klassenzimmer: „Rage” (ab Klasse 8) Zwei Ermittler_innen suchen nach der jugendlichen Aktivistin E. Ein lustiger Polit-Thriller über den geplatzten Generationenvertrag. „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter” (Klasse 5-10, für DaZ-Kurse sowie Willkommensklassen) Der einsame und unbeliebte Leon trifft den Außerirdischen Walter, der ihm die extraterrestrische Kraft gibt, seine Probleme anzupacken. Anmeldung und weitere Informationen per E-Mail: klassenzimmer@deutschestheater.de


Alle Informationen über unsere Inszenierungen, Projekte und Angebote für junge Menschen und Schulklassen: jungesdt.de Kontakt info@jungesdt.de 030.28441-220 facebook.com / jungesdt instagram.com / jungesdt twitter.com / DT_Berlin youtube.com / DTPresse soundcloud.com / deutschestheaterberlin Theater und Schule Maura Meyer m.meyer@deutschestheater.de 030.28441-312 Klassenzimmerstücke klassenzimmer@deutschestheater.de Deutsches Theater Berlin Junges DT Schumannstraße 13a 10117 Berlin Impressum Herausgeber: Deutsches Theater Berlin Intendant: Ulrich Khuon Geschäftsführender Direktor: Klaus Steppat Redaktion: Birgit Lengers, Maura Meyer, Lasse Scheiba Gestaltung: Julia Kuon, Sabine Meyer; Collagen: Waldemar Strempler Druck und Herstellung: Elbe-Druckerei Wittenberg GmbH Redaktionsschluss: 25.6.2020;w 138. Spielzeit 2020 / 21

20/21 jungesdt.de

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Junges DT Spielzeitheft 2020/21, N°1  

Erste Teilausgabe des Spielzeitheftes des Jungen DT der Spielzeit 2020/21. Impressum Herausgeber: Deutsches Theater Berlin Intendant: Ulri...

Junges DT Spielzeitheft 2020/21, N°1  

Erste Teilausgabe des Spielzeitheftes des Jungen DT der Spielzeit 2020/21. Impressum Herausgeber: Deutsches Theater Berlin Intendant: Ulri...

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