Niederschlesische Informationen 1 / 2022

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Niederschlesische Informationen

Zeitschrift der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Breslau ISSN: 2299-2510, Nr. 1/2022

Foto: DSKG

Foto: DSKG

n Mitgliederversammlung im Zeiche 5 S. des Frauentags

Foto: DSKG

Karnevalsball für Kinder

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Foto: DSKG

Stadtrallye – Auf der Suche nach deutschen Spuren in Breslau S. 11

Basteln und lernen zu Ostern

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Viel Freude, Musik und Jubiläen – endlich wieder zusammen! S. 12

Foto: DSKG

Die „Stimme Schlesiens“ ist wieder zu hören

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Foto: DSKG

es ist bedauerlich für mich, dass ich fast seit Beginn meiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzende der DSKG meine Aufgaben in einer äußerst schwierigen Zeit wahrnehmen muss. Durch die Covid-19-Pandemie ist unser Leben auf vielen Ebenen völlig durcheinandergeraten. Es gab eine Phase der Beunruhigung, dann der Angst und schließlich der überwältigenden Traurigkeit. Wir haben Ihnen in den NI von 2019, 2020, 2021 beschrieben, wie wir manchmal sogar verzweifelt alle Maßnahmen ergriffen haben, um einen Zusammenbruch oder das Gefühl der Apathie nicht zuzulassen. Und wir waren so glücklich, in den letzten Monaten, dass es Anzeichen für die Abschwächung der Bedrohung für das Leben und die Gesundheit und die Rückkehr zum früheren Leben aus der Zeit vor der Coronavirus-Pandemie, die immer noch nicht beendet ist, gegeben hat. Die Pandemie war und ist, wie gesagt, noch gar nicht beendet, schon kam eine neue, andere, tragische, schreckliche Bedrohung auf uns zu, deren Folgen für uns alle noch nicht absehbar sind – der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Unsere tiefe Sorge um die unmittelbare und ferne Zukunft von uns selbst, unseren Lieben und der Menschheit darf angesichts der allgemein bekannten Fakten nicht unterschätzt werden. Wir können Trost und Hoffnung in der Weisheit und dem Mut derjenigen suchen, die einen wirklichen Einfluss auf die Situation haben, und in unserem persönlichen Glauben an den Sieg des Guten und der Gerechtigkeit. In diesem Bulletin unserer Gesellschaft wollen wir Ihnen erneut berichten, wie unsere Mitglieder im vergangenen halben Jahr gelebt und sich engagiert haben, was wir erreicht haben und was uns – trotz allem – Freude am Zusammensein bereitet hat.

Foto: privat

Liebe Leserinnen und Leser, sehr geehrte Mitglieder der DSKG,

Krystyna Kadlewicz, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft

Der Sitz der DSKG in Breslau

Besonders bemerkenswert ist die große Zahl der Anträge auf Mitgliedschaft bei unserer Gesellschaft, die uns zuletzt erreicht haben. Das Bewusstsein, dass die deutsche Minderheit einen Sitz in der Stadt Breslau hat, dass sie in vielen Bereichen aktiv und kontaktfreudig ist sowie die Umsetzung von persönlichen Ideen in ihrem Rahmen fördert, sind die stärksten Motivationsfaktoren bei der Entscheidung über dem Beitritt zur DSKG. Mit jedem Kandidaten führt der der Vorstand ein Vorstellungsgespräch. Bewegt muss ich zugeben, dass ein Teil der Geschichten über das Schicksal vieler Familien mit schweren und schmerzhaften Erlebnissen dermaßen berührt, dass man sofort den Wunsch verspürt, diese aufschreiben, um sie vor dem Vergessen zu bewahren, und um ein Zeugnis der menschlichen Schicksale in aus verschiedenen Gründen schwierigen Zeiten zu abzulegen. Als wir die Äußerung eines Kandidaten hörten, der sagte, dass „obwohl meine Großeltern und Eltern schon lange nicht mehr leben, fühle ich das Bedürfnis, meine nationale

Identität stärker zu betonen, unter anderen durch die Mitgliedschaft bei der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft“, hatten wir sofort dieselbe Euphorie, Freude und Energie vor den Augen, mit der wir in den neunziger Jahren in einer langen Schlange standen, um nach der offiziellen Registrierung 1991 bei der DSKG Mitglied zu werden. Dieses Jahr, beim alljährlichen Frühlingstreffen, haben wir das 65. Jubiläum der Gründung der Organisation der Deutschen Minderheit in Waldenburg und ihrer Zweigstelle in Breslau sowie das 30. Jubiläum der Gesangsgruppe „Heimatsänger“ gefeiert. Wir haben diese Gelegenheit als ideal empfunden, um den neuen DSKG-Mitgliedern ihre Ausweise feierlich und festlich zu überreichen. Mit den wärmsten Wünschen für uns alle für eine schöne Zeit ohne Krieg und Pandemien Ich verbleibe in der Hoffnung, dass diese Wünsche in Erfüllung gehen werden. Ihre Krystyna Kadlewicz Vorstandsvorsitzende der DSKG


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Neujahrstreffen 2022

Die Mitglieder kamen zusammen und begrüßten das Neue Jahr. Auch unsere Gesangsgruppe trug zum Programm bei.

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ür die festliche Stimmung sorgte die talentierte Künstlerin Andrea Rischka, die mit ihrer Stimme nicht nur das Publikum begeisterte, sondern auch zum Mitsingen einlud! Auch die Mitglieder unseres Heimatsänger-Gruppe traten auf und

Fotos: DSKG

Am 15.01.2022 fand im Rahmen des Projekts „Künstlerischer Abend mit Musik und Literatur für die Mitglieder der DSKG“ ein außergewöhnliches Konzert in unserem Haus statt, bei dem die Mitglieder unserer Gesellschaft die Gelegenheit hatten, das neue Jahr gemeinsam mit Freude zu begrüßen! Die Mitglieder erhielten Weihnachtspakete. Krystyna Kadlewicz stellte den Mitgliedern die Sängerin Andrea Rischka vor.

präsentierten ein speziell für diesen Anlass vorbereitetes fröhliches Lied. Die Teilnehmer waren mit der Veranstaltung sehr zufrieden und plan-

ten bei Kaffee und Kuchen bereits die nächsten Treffen! Dieses Projekt wurde gefördert mit Mitteln des Konsulats der Bundesrepublik Deutschland in Oppeln. Krystyna Kadlewicz

Ein kleines Weihnachtsbäumchen bereicherte die Dekoration im Sitz der DSKG.

Schon seit Jahren besteht zwischen der DSKG Breslau und dem örtlichen Liceum Nr. IV ein reger Kontakt. Kurz vor dem Weihnachtsfest brachten

Fotos: DSKG

Weihnachtsgrüße vom Breslauer Liceum Nr. IV

Schüler des Liceums Nr. IV brachten eine Überraschung.

Schülerinnen und Schüler ein schönes Tannenbäumchen und eine hübsche Weihnachtskarte zum Sitz der DSKG. Wir bedanken uns ganz herzlich bei

allen Lernenden und Lehrenden der Schule für die gelungene Überraschung und die nette Unterhaltung. Beata Berger


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Weihnachts-Workshop bei der DSKG

Aleksandra Rozum (r.) zeigte den Kindern viel Neues.

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m Dezember fand bei der DSKG ein weihnachtlicher Workshop für Kinder mit unserer Deutschlehrerin Aleksandra Rozum statt. Dabei entdeckten die jungen Teilnehmenden in zwei Gruppen viele neue Vokabeln, die mit dem Weihnachtsfest verbunden sind, lernten mehr über weihnachtliche Traditionen in Deutschland, san-

gen zusammen Weihnachtslieder und schmückten gemeinsam den DSKGWeihnachtsbaum. Am Ende kam sogar noch der Weihnachtsmann persönlich vorbei! Bestens vorbereitet und in festlicher Stimmung konnten die Teilnehmenden nun den Heiligen Abend und die Feiertage kaum erwarten. Aleksandra Rozum

Fotos: DSKG

Die Teilnehmenden lernten spielend etwas über weihnachtliche Traditionen in Deutschland.

Die Kinder schmückten den Christbaum.

m 02. Februar war es soweit: Die Autorin Roswitha Schieb nahm uns bei der Lesung aus dem Literarischen Reiseführer Breslau mit auf sieben Spaziergänge durch die Stadt. Anlässlich des Erscheinens der dritten, überarbeiteten und aktualisierten Auflage des Buches wurde vor der Lesung auch das Projekt „Breslau rezitiert“ präsentiert, das vom ifa-Kulturmanager Julian Schorr initiiert worden war. Dabei wurden Texte aus dem Buch von Roswitha Schieb, die von ehemaligen Studierenden der fast 300 Jahre alten Universität verfasst wurden (z. B. Edith Stein, Günther Anders, Hoffmann von Fallersleben oder Max Born), von aktuellen Studierenden an den noch existierenden Originalschauplätzen rezitiert bzw. vorgelesen. Moderiert wurde die Veranstaltung, die wegen der Corona-Pandemie on-

Fotos: DSKG

Online-Lesung und Projekt „Breslau rezitiert“ A Das Projekt wurde von ifa-Kulturmanager Julian Schorr (l.) organisiert. Aleksandra Jaworska (m.) rezitierte Günther Anders, Rafał Bocianowksi (r.) Max Born.

line auf Zoom stattfinden musste, von der Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Monika Wolting von der Universität Wrocław. Im Namen des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa), der DSKG Breslau, der Universität Wrocław und des Deutschen Kulturforum östliches

Europa möchten wir uns ganz herzlich bei den zahlreichen Interessenten bedanken. Das Projekt wurde unterstützt vom Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Breslau. Julian Schorr

Auf der Webseite der DSKG Breslau kann man inzwischen auch den Link zu einem Video auf der Plattform Youtube finden, wo man sich die Beiträge der Studierenden noch einmal ansehen kann.


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Mitgliederversammlung im Zeichen des Frauentags Am 11. März lud der Vorstand der DSKG Breslau zur monatlichen Mitgliederversammlung ein. Die Mitglieder erschienen zahlreich und nutzten die Gelegenheiten für Gespräche und Diskussionen. Die Vorsitzende Krystyna Kadlewicz erinnerte anlässlich des Internationalen Frauentags am 08. März an verstorbene Frauen, die zu Lebzeiten wichtige Beiträge zur Tätigkeit der DSKG Breslau geleistet haben. ach einer kurzen Pause mit Kaffee und leckerem Kuchen hielt ifa-Kulturmanager Julian Schorr einen Vortrag über vier bedeutende Frauen in der deutschen Geschichte. Dabei sollte es bewusst nicht um eine geradlinige Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland gehen. Auch eine Auswahl der vier bedeutendsten Frauen in der Geschichte Deutschlands konnte im Rahmen einer solchen Veranstaltung nicht vorgenommen werden und wäre – objektiv betrachtet – gar nicht möglich gewesen. Vielmehr sollte eine subjektive Auswahl des Vortragenden präsentiert werden, wobei ein gewisser Unterhaltungsfaktor auch eine Rolle spielte. Unbedingt dabei sein musste jedoch Edith Stein, denn der Breslauer Stadtrat hat 2022 zum Edith-Stein-Jahr ausgerufen. Aus den Bereichen Kultur, Sport und Unterhaltung lernten die Mitglieder so mehr

Mit Kaffee und Kuchen war für das leibliche Wohl der Mitglieder gesorgt.

Fotos: DSKG

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ifa-Kulturmanager Julian Schorr stellte – ganz subjektiv ausgewählt – vier bedeutende Frauen in der deutschen Geschichte vor.

Die Vorsitzende Krystyna Kadlewicz erinnerte an wichtige Frauen in der DSKG Breslau.

über die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, die erfolgreiche Eiskunstläuferin Katarina Witt und die Sängerin Helene Fischer, die alle drei auf ihre Weise Deutschland ihren Stempel aufgedrückt haben.

Dieses Projekt wurde mit Mitteln des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat der Bundesrepublik Deutschland, durch Vermittlung des VdG, gefördert. Julian Schorr

m 23.03. trafen sich die DSKGMitglieder zur monatlichen Versammlung. Im Anschluss folgte der zweite Teil des bereits am 11. März begonnenen Vortrags von Krystyna Kadlewicz über eine ganz besondere Pflanze: die Amaryllis. Unsere Vorsitzende hatte zur besseren Veranschaulichung auch gleich einige Exemplare mitgebracht. Dabei ging es neben einigen praktischen Tipps auch um die Geschichte der Pflanze, die der Botaniker Carl von Linne entdeckt hatte. Beata Berger

Fotos: DSKG

Monatsversammlung und Amaryllis-Vortrag A

Die Mitglieder lauschten gespannt dem Vortrag und bestaunten die Pflanzen.


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Karnevalsball für Kinder

Ganz im Sinne des Karnevals war der Sitz der DSKG bunt geschmückt worden und die Teilnehmenden waren verkleidet erschienen.

Am Samstag, den 26. Februar, fand in der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft ein großes Ereignis statt – ein Karnevalsball für Kinder. Die Veranstaltung wurde von Kindern besucht, die an den von der DSKG organisierten Sprachkursen teilnehmen, sowie von Kindern der Mitglieder von der DSKG. Die Deutschlehrerinnen Aleksandra und Marzena haben diese Veranstaltung geleitet.

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er Ball begann mit der Ankunft von den Kindern, die in schönen Kostümen angekleidet waren. Wie Sie auf den beigefügten Fotos sehen können, waren unsere jungen Schüler großartig! Die Kinder haben viele neue Wörter gelernt, erfahren, woher die Tradition des Karnevals kam, welche andere Begriffe für diesen Feiertag gebraucht sind und wie er in verschiedenen Regionen Deutschlands gefeiert wird. Im Rahmen der Veranstaltung nahmen die Kinder an einer Reihe von lustigen Aktivitäten teil, z. B. wie an einem Stuhlspiel, einem Ballon- und Zeitungstanz sowie Tep-

Spielerisch lernten die Teilnehmenden neuen deutschen Wortschatz.

pichrennen. Außerdem haben sie interessante Choreografie für das Lied „Tschu Tschu Wa“ getanzt. Eine der größten Attraktionen war die Piñata, die die Kinder zerbrechen sollten, um leckere Süßigkeiten von dort aus zu bekommen. Wir bedanken uns bei allen für die Teilnahme an einer so tollen Veran-

staltung, die uns so viel Freude bereitet hat. Gleichzeitig wollen wir andere Kinder ermutigen, an Sprachkursen der DSKG teilzunehmen. Nur dann hätten sie die Möglichkeit, die Sprache sowie die deutsche Kultur kennenzulernen, sondern auch an solchen interessanten Veranstaltungen teilzunehmen!


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Fotos: DSKG

So bunt die Kostüme waren, so vielfältig war auch das Programm der Veranstaltung.

In der Piñata waren Süßigkeiten versteckt.

Bal karnawałowy dla dzieci

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sobotę, 26 lutego, w Niemieckim Towarzystwie Kulturalno-Społecznym, odbyło się wspaniałe wydarzenie – bal karnawałowy dla dzieci. Uczestniczyły w nim dzieci uczęszczające na kurs j. niemieckiego w Towarzystwie, a także dzieci członków naszej Organizacji. Prowadzącymi to wydarzenie były nauczycielki języka niemieckiego, p. Aleksandra i p. Marzena. Bal karnawałowy rozpoczął się przywitaniem dzieci, które ubrane w przepiękne kostiumy przedstawia-

Auf die Teilnehmenden warteten einige Überraschungen.

ły się, a także opisywały za kogo się przebrały. Jak widać na załączonych zdjęciach, nasi najmłodsi kursanci prezentowali się wspaniale! Dzieci poznawały nowe słowa niemieckie, dowiedziały się skąd pochodzi tradycja świętowania karnawału, jakie są inne określenia na to święto, a także jak świętuje się je w różnych regionach Niemiec. W trakcje imprezy dzieci wzięły udział w licznych zabawach tj. zabawa w krzesła, taniec na gazecie i z balonem oraz wyścigi na dywanach. Oprócz tego uczestnicy zatańczyli ciekawy układ do utworu „Tschu Tschu Wa”. Niewątpliwie jedną z naj-

większych atrakcji okazała się piñata, którą dzieci miały za zadanie rozbić aby dostać się do znajdujących się tam cukierków. Serdecznie dziękujemy wszystkim uczestnikom za wzięcie udziału w tak wspaniałej imprezie, która przyniosła nam wiele radości. Jednocześnie zachęcamy dzieci do uczestnictwa w kursach językowych organizowanych przez Niemieckie Towarzystwo Kulturalno-Społeczne, podczas których mają okazję nie tylko uczyć się języka i poznawać niemiecką kulturę, lecz także brać udział w tak interesujących wydarzeniach! Aleksandra Rozum


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Basteln und lernen zu Ostern

Fotos: DSKG

So farbenfroh waren die Ergebnisse der Arbeit der Teilnehmenden des Workshops.

Die Teilnehmenden entwarfen ein Plakat.

Beim Memory lernten die Teilnehmenden spielend neue Vokabeln.

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m Samstag, den 16. April, fand im Sitz der DSKG ein Osterworkshop statt, der von der Deutschen SozialKulturellen Gesellschaft organisiert sowie von Ewa Bugajska und Aleksandra Rozum geleitet wurde. Die Teilnehmenden haben die deutschen Ostertraditionen und neues Vokabular zum Thema Ostern kennengelernt. Gemeinsam wurde Bingo gespielt, ein Plakat erstellt und Osterpalmen gebastelt. All dies wurde durch warmen Tee und Leckereien ergänzt. Dieses

wunderbare Treffen war nicht nur die Gelegenheit, unsere Deutschkenntnisse zu vertiefen, sondern auch einen schönen Vormittag gemeinsam zu verbringen. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern für ihr Engagement und wünschen ihnen weitere kreative Ideen. Warsztaty wielkanocne W sobotę 16 kwietnia w siedzibie Niemieckiego Towarzystwa Kultural-

no-Społecznego odbyły się poprowadzone przez p. Ewa Bugajską i p. Aleksandra Rozum warsztaty Wielkanocne. Uczestnicy warsztatów zapoznali się z niemiecką tradycją wielkanocną a także słownictwem z obszaru Wielkanocy. Wspólnie graliśmy w Bingo, stworzyliśmy plakat a także palmy wielkanocne. Całość dopełniła ciepła herbatka i smakołyki. To wspaniałe spotkanie było okazją nie tylko do poszerzenia znajomości języka niemieckiego, lecz również możliwością przyjemnego spędzenia przedpołudnia. Wszystkim uczestnikom warsztatów dziękujemy za przybycie i życzymy kolejnych kreatywnych pomysłów. Aleksandra Rozum


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Ich heiße Ewa Bugajska, komme aus Breslau und wohne auch hier. Seit März bin ich bei der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft tätig. Ich begann mich für diese Einrichtung zu interessieren, als mir eine Kollegin davon erzählte.

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ein deutschsprachiges Abenteuer begann im Gymnasium. Ich habe mir die Sprache sehr schnell und ohne Schwierigkeiten angeeignet. So kam ich in der Oberschule zu dem Schluss, dass ich meine Zukunft mit Deutsch verbinden möchte. In meinem späteren Bildungsweg habe ich mich für ein Studium an der Universität Breslau im Fach Germanistik entschieden. Ganz besonders interessieren ich mich für die Sprachwissenschaft. Ich erweitere ständig meine Kompetenzen in der Übersetzung und arbeite

auch in einem Übersetzungsbüro, wo ich Übersetzungen in verschiedenen Bereichen anfertige. Seit Beginn meines Studiums bemühe ich mich, mein Wissen mit Jüngeren und Älteren zu teilen. Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen. Es macht mir große Freude, wenn andere sich auf das Erlernen der deutschen Sprache einlassen und es mir gelingt, ihre Kenntnisse in verschiedenen Sprachbereichen zu erweitern. Neben Beruf und Universität liebe ich das Reisen und möchte mir in Zukunft viele Orte ansehen. Auf meiner Karte der noch zu besuchenden Orte stehen natürlich auch deutschsprachige Länder. Ich strebe danach, die deutsche Kultur aus unmittelbarer Nähe kennenzulernen und ständigen Kontakt mit deutschen Muttersprachlern zu haben. Ich nehme gerne neue Herausforderungen an, weil es mir

Foto: privat

Unsere neue Deutschlehrerin stellt sich vor

Ewa im Englischen Garten in München.

wichtig ist, in unterschiedlichen Bereichen Erfahrungen zu sammeln und mich ständig weiterzuentwickeln. n

Deutschunterricht bei der DSKG ie Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft legt besonderen Wert auf Deutschunterricht, der als eine der Hauptaufgaben in unserer Satzung festgelegt ist. Fast seit ihrer Gründung hat die DSKG ihren Mitgliedern ermöglicht, die Deutsch zu lernen und bestehende Deutschkenntnisse zu verbessern. Diese Tätigkeit war besonders wichtig in der Zeit, als das polnische Bildungssystem dies nicht sicherstellte und die Grenzen für uns geschlossen waren. Die Treffen beim Deutschunterricht stellten darüber hinaus stets einen wichtigen Integrationsfaktor dar. Die Situation vor dem Jahr 1991 und heute ist natürlich nicht zu vergleichen, dennoch bleibt unsere Organisation bis heute ein sehr wichtiger Ort für viele Deutschlernende. Im Schuljahr 2021/2022 gab es Kurse in fünf Gruppen sowie eine Konversationsgruppe. Unter den Teilnehmenden waren Kinder, und Erwachsene. Die Deutschlehrerinnen sind Absolven-

Fotos: DSKG

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Die Konverstationsgruppe mit Frau Bernadetta Szyszka (rechts, sitzend)

Beim Unterricht kommen vielerlei Methoden und Materialien zum Einsatz.

tinnen des Studiengangs Germanistik und verfügen bereits über einige Lehrererfahrung. Aleksandra Rozum beteiligt sich zudem mit Artikeln an den Ausgaben der Niederschlesischen Informationen, ihre neue Kollegin Ewa Bugajska stellt sich in dieser Ausgabe vor. Besonders hervorheben möchte ich die Tätigkeit von Frau Bernadetta Szyszka, eine erfahrene Deutschlehrerin und langjähriges DSKG-Mitglied, Autorin von zahlreichen Artikeln bei den NI und ehrenamtliche Leiterin der Konversationsgruppe. Das verstärkte

Engagement der Kursteilnehmenden bei den Aktivitäten unserer Gesellschaft ist in den letzten zwei Jahren zu spüren gewesen und für unsere Gesellschaft von besonderer Wichtigkeit. Viele Beispiele dafür können Sie regelmäßig auf unserer Website und auf Facebook sehen. Ich wünsche allen unseren Kursteilnehmenden schöne Ferien, und ich lade Sie herzlich zum folgenden Semester ein. Krystyna Kadlewicz Vorstandsvorsitzende der DSKG


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Stadtrallye – Auf der Suche nach Die Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft Breslau hat bereits einige Projekte mit dem Fokus auf die multikulturelle Geschichte Breslaus und Niederschlesiens realisiert. In letzter Zeit interessieren sich auch Jugendliche vermehrt für die Geschichte ihrer Stadt. Nun wurde in Zusammenarbeit mit dem Bund der Jugend der Deutschen Minderheit in Polen (BJDM) in der Stadt das Projekt der Stadtrallye, das bereits erfolgreich in Oppeln und in Gleiwitz durchgeführt wurde, organisiert. Dabei begeben sich Schülerinnen und Schüler mit Karten und Fragen auf die Suche nach deutschen Spuren in ihrer alltäglichen Umgebung.

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war wohnen nicht alle Schülerinnen und Schüler der dritten Klasse des Breslauer Liceums Nr. 4 direkt in der Stadt, einige kommen jeden Morgen aus den Dörfern und Städtchen um Breslau herum in die Schule. Die Lage des Liceums in der Nähe des Hauptbahnhofes ist dafür prädestiniert. Doch kennen sie Breslau nach eigener Einschätzung ziemlich gut. Deutsche Spuren in der Stadt hatten die insgesamt 25 Jugendlichen aber noch nicht gesehen. Und so waren sie sehr gespannt, was die Rallye zu Tage fördern würde. Los ging es aber erstmal im Verbindungsbüro des Freistaates Sachsen, dessen Leiter Thomas Guddat die Gruppe begrüßte. Nach einem kurzen Überblick über die Aktivitäten der Einrichtung, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feierte, erklärte Dominik Duda, ifa-Kulturmanager beim BJDM, den Verlauf und die Regeln der Stadtrallye. Außerdem wurden die Gruppen eingeteilt sowie die Karten und die Aufgabenblätter – mitsamt etwas Proviant – ausgegeben. Dann ging es los zur ersten Station auf dem Rynek, allerdings zunächst noch gemeinsam. Mitten auf dem Marktplatz befindet sich ein alter Hydrant, auf dem noch der Name des Herstellers und der Sitz der Firma auf Deutsch

Ein Teil der Rallye war auch ein Besuch im Sitz der DSKG Breslau.

geschrieben sind. Nachdem die dazugehörige Frage gemeinsam beantwortet wurde, machten sich die Gruppen getrennt auf den Weg, denn für jede Gruppe war eine andere Route ausgearbeitet worden. Auf dem Weg zu den verschiedenen Stationen der Rallye, die sich sowohl in der Innenstadt als auch im Stadtteil Nadodrze (früher Odertor) befanden, legten die Teilnehmenden ein erstaunliches Tempo vor. Der Ehrgeiz, möglichst alle Fragen richtig zu beantworten und dabei auch noch die schnellste Gruppe zu sein, war durchaus zu spüren. Hilfsmittel wie Google Maps waren erlaubt und wurden von den technikaffinen Schülerinnen und Schülern gekonnt eingesetzt. Da viele Beschriftungen an den Häusern nicht mehr gut zu lesen sind, wurde untereinander beratschlagt, welches Wort denn passen würde und welcher Buchstabe an der Stelle fehlen könnte. Zusammen wurde das Puzzle dann in vielen Fällen richtig zusammengesetzt, auch wenn das nicht immer gleich klapp-

te. Einige nicht ganz erst gemeinte Beschwerden an die Betreuer, die ifa-Kulturmanager Dominik Duda und Julian Schorr sowie die beiden Lehrerinnen Aleksandra Gurgul und Barbara Konduła, dass etwa die Füße bereits schmerzen oder dass bereits Kopfschmerz wegen zu viel Deutsch eingesetzt habe, täuschten nicht darüber hinweg, dass alle Beteiligten mit Feuer und Begeisterung dabei waren. Seinen Anteil daran hatte sicherlich auch das Wetter, das sich mit angenehmen Temperaturen und Sonnenschein von seiner besten Seite zeigte. Zum Ende der Rallye trafen sich die Gruppen schließlich an der Haltestelle Dubois, von wo es mit der Straßenbahn zum Sitz der Deutschen SozialKulturellen Gesellschaft Breslau ging. Dort wurden die Teilnehmenden und die Betreuer von der Vorsitzenden Krystyna Kadlewicz begrüßt, außerdem gab es eine kleine Stärkung in Form von Keksen sowie Kaffee und Tee. Frau Kadlewicz informierte die Schülerinnen und Schüler über die


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deutschen Spuren in Breslau

Die Teilnehmenden entdeckten, was sich in den alten Häusern einst befand.

Fotos: DSKG

Bei manchen alten Beschriftungen sind nur noch Fragmente lesbar.

An manchen Gebäuden ist die Farbe neu, die alte Beschriftung blieb jedoch erhalten.

Jeder Teilnehmende bekam eine Urkunde überreicht.

Aktivitäten der DSKG Breslau. Außerdem erzählte sie von der Geschichte der Region Niederschlesien und der besonderen Atmosphäre der Stadt Breslau, in der Menschen mit verschiedenen religiösen und ethnischen

Hintergründen lange friedlich zusammenlebten. In der Zwischenzeit wurden die Fragebögen der Stadtrallye ausgewertet. Im Anschluss berichtete Dominik Duda über die Jugendprojekte des BJDM und verlieh der gan-

zen Gruppe Preise. Zudem erhielten alle Jugendlichen eine Urkunde, die ihre Teilnahme bestätigte. Das Projekt wurde durch das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) finanziert. n


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Viel Freude, Musik und Jubiläen

Jana Orlowski vom Generalkonsulat in Breslau übergab Steffi Wróbel die Dankurkunde der Deutschen Botschaft.

Am Samstag, den 21. Mai, veranstaltete die Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft Breslau den alljährlich stattfindenden „Maikranz“. Die Mitglieder und ihre Gäste kamen im Garten des Sitzes der DSKG zusammen, um gemeinsam den Frühling zu begrüßen. Außerdem standen wichtige Jubiläen sowie musikalische Leckerbissen auf dem Programm.

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as Zusammensein und der hautnahe Austausch mit anderen Menschen sind zuletzt wegen der Covid-19-Pandemie zu kurz gekommen. Daher war es kaum verwunderlich, dass die DSKG-Mitglieder und ihre Gäste die Einladungen gerne annahmen und äußerst zahlreich erschienen. Im Rahmen der Veranstaltung fanden auch Feierlichkeiten anlässlich zweier Jubiläen statt: Zum einen besteht die Gesangsgruppe „Heimatsänger“ in diesem Jahr 30 Jahre, zum anderen kann die DSKG Breslau auf eine 65-jährige Geschichte zurückblicken. Einen Höhepunkt des „Maikranzes“ gab es bereits zu Beginn, als das langjährige DSKG-Mitglied und Gründerin der „Heimatsänger“ Steffi Wróbel für ihre Tätigkeit für die deutsche Minder-

Auch Leopold Stępowski (l.) und Janina Naskręt (r.) von der DSKG Waldenburg waren der Einladung nach Breslau gefolgt.

heit in Polen und ihre Bemühungen für die deutsch-polnische Verständigung im Namen der Deutschen Botschaft durch Jana Orlowski vom Generalkonsulat in Breslau geehrt wurde. In ihrer kurzen, aber bewegenden Rede erinnerte Steffi Wróbel an die Anfänge der Gesangsgruppe vor 30 Jahren im Jahr 1992. Anfangs hatten sie mit lediglich 17 Mitgliedern gesungen, ein Jahr später waren es schon über 30. Die Freude am Singen sei dabei das Wichtigste gewesen und Anderen davon etwas von der schlesischen Kultur weiterzugeben. Zwar seien die „Heimatsänger“ während der 30 Jahre durch Höhen und kleine Tiefen gegangen, das allwöchentliche Treffen hätte den Anwesenden aber stets Schwung gegeben. Dabei standen sie anfangs noch ohne Gesangsbüchlein da und konnten nur die alten Volkslieder singen, die sie noch in Erinnerung hatten. Begleitet wurde die Gruppe dabei stets auf dem Klavier durch Steffi Wróbels Tochter Jadwiga oder durch Steffi selbst auf ihrem alten Akkordeon. Erst mit der Zeit bekamen die Heimatsänger einige Gesangsbücher mit Noten. Seit 1992 war die Gruppe ein fester Bestandteil der Versammlungen der DSKG Breslau und begleitete auch an-

dere Treffen mit ihrem Gesang. Sogar nach Deutschland sind wurden die Heimatsänger eingeladen und konnten dort schlesische Volkslieder präsentieren. Vielen Anwesenden stand die Rührung durch die Worte von Frau Orlowski und im Besonderen von Steffi Wróbel ins Gesicht geschrieben. Anschließend blickten die DSKG Vorsitzende Krystyna Kadlewicz und der ehemalige Vorsitzende Friedrich Petrach auf 65 Jahre Geschichte der DSKG Breslau zurück. Auch unser Gast Leopold Stępowski von der DSKG Waldenburg informierte die Anwesenden über die Anfänge unseres Vereins im Jahr 1957, die eben dort – in Waldenburg – liegen. Mehr über den Beginn der Organisation der deutschen Minderheit in Breslau ist in einem gesonderten Artikel auf Seite X in diesem Heft zu finden. Zwischen den einzelnen Programmpunkten begeisterten drei junge Musikerinnen mit ihrer Geige das Publikum. Das Repertoire war dabei sehr vielfältig. Während Julia Garbera den Walzer von Johann Baptist Cramer spielte, zeigte Urszula Karch eine Interpretation einiger Stücke von Hans Zimmer aus den Filmen „Piraten der Karibik“. Dann präsentierte Karolina Świerczek zunächst das Gedicht „Wün-


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– endlich wieder zusammen!

Jung und alt hießen zusammen den Frühling willkommen.

Der Vorstand der DSKG begrüßte neue Mitglieder.

Kinder aus den Sprachkursen sorgten für gute Stimmung.

schelrute“ von Eichendorff und sorgte dann zusammen mit ihrem Vater Waldemar für ordentlich Stimmung. Die beiden waren extra aus Ratibor in Oberschlesien nach Breslau gekommen. Auch die Kinder aus dem Sprachunterricht sangen zusammen mit der Deutschlehrerin Aleksandra Rozum einige Lieder und sorgten für gute Laune. Da zudem für das leibliche Wohl der Mitglieder und Gäste gesorgt war, wurde bei sonnigem Wetter trotz einiger Windböen viel miteinander gesprochen und gelacht. Es war deutlich zu sehen, dass vielen Mitgliedern und Gästen eben dieses Miteinander zuletzt gefehlt hatte und sie glücklich darüber waren, sich endlich wieder persönlich gegenüber zu sitzen. Julian Schorr

Fotos: DSKG

Für das leibliche Wohl der Mitglieder und Gäste war gesorgt.

Waldemar und Karolina Świerczek aus Ratibor begeisterten das Publikum.


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Anlässlich der Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Registrierung der DSKG Breslau sind bereits Artikel über die Geschichte der Organisation in den letzten Ausgaben der Niederschlesischen Informationen (NI 1/2021 + 2/2021) erschienen. Der Fokus lag dabei allerdings vor allem auf den Aktivitäten des Vereins ab 1991. Daher soll an dieser Stelle – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – ein Blick auf die Anfänge der organisierten Tätigkeit der deutschen Minderheit in Breslau und Niederschlesien geworfen werden.

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enn man sich mit den Anfängen einer organisierten Aktivität der deutschen Minderheit in Niederschlesien auseinandersetzt, muss man als allererstes nicht auf Breslau, sondern auf Waldenburg blicken. Denn dort wurde 1957 die erste Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft in Niederschlesien gegründet. Warum Waldenburg? Der Grund liegt darin, dass dort auch nach den Zwangsausweisungen der deutschen Bevölkerung aus der Volksrepublik Polen zwischen 1946 und 1948 noch ca. 30.000 Deutsche verblieben waren. Sie wurden gebraucht, um den Betrieb in den Berg- und Industriewerken aufrechtzuerhalten. Alte und sogenannte „nicht produktive“ Deutsche wurden dagegen ausgewiesen. In den Fabriken durften die deutschen Arbeiter eigene Gewerkschaften bilden, die sich dafür einsetzten, die Verhältnisse für die deutsche Bevölkerung zu verbessern. Schon 1950, nach der Unterzeichnung des Grenzvertrages zwischen der Volksrepublik Polen und der DDR, nahmen in Niederschlesien Schulen mit Deutsch als Unterrichtssprache den Betrieb auf. Diese waren allerdings nur bis 1959 in Betrieb, nachdem zwischen 1956 und 1959 zahlreiche Deutsche aus Polen ausgereist waren. Mit der Eröffnung der ersten deutschen Schulen ging auch eine dynamischere Entwicklung auf kultureller Eben einher. Es entstanden Chöre, Theatergruppen und sogar Zeitungen.

Fotos: DSKG

65 Jahre DSKG – Erinnerungen zum Jubiläum

Unser Klavier hat bewegte Zeiten mitgemacht und ist stummer Zeuge der langen DSKG-Geschichte gewesen.

Als 1956 das politische Klima in Polen milder wurde, versuchten Mitglieder des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Waldenburg, eine Organisation der deutschen Minderheit zu legalisieren. Dieser Versuch war schließlich nach mehreren Treffen zwischen Vertretern der Deutschen sowie des polnischen Staats von Erfolg gekrönt und mündete in die Eintragung der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft mit Sitz in Waldenburg beim Gericht in Schweidnitz. Es war die erste und einzige Organisation der Deutschen Minderheit, die ganz offiziell in der Volksrepublik Polen zugelassen wurde. Erster Vorsitzender wurde Richard Riedel, eines der Mitglieder des Deutschen Gewerkschaftsbundes. In der Folge entstanden dann weitere regionale Ortsgruppen der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in anderen Orten Niederschlesiens, unter anderem auch in Breslau. Der langjährige Vorsitzende der DSKG Breslau Friedrich Petrach, der die Anfänge der Organisation der deutschen Minderheit miterlebt und mitgestaltet hat, weist darauf hin, dass in Niederschlesien eine andere, wesentlicher tolerantere Atmosphäre geherrscht habe als etwa in Oberschlesien, wo der polnische Staat repressiver gegen die deutsche Minderheit vorging. Die DSKG war jedoch in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Jede Versammlung musste vorher genehmigt, Texte der

Referate vorgelegt werden. Friedrich Petrach erinnert sich daran, dass bei Versammlungen der Ortgruppe in Breslau stets ein Vertreter der Partei und des Sicherheitsdienstes anwesend sein mussten. In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre konnten im Zuge von „Familienzusammenführungen“ vermehrt Deutsche aus der Volksrepublik in die DDR und in die Bundesrepublik ausreisen. Das war eine Erleichterung für viele deutsche Familien in Polen, bedeutete aber auch, dass die Anzahl der Deutschen in der Volksrepublik erheblich sank. Die Posten der nun ausgereisten Deutschen übernahmen meist polnische Bergarbeiter, die aus Frankreich und Belgien nach Polen zurückkehrten. Bis 1959 verließen hunderttausende Deutsche die ehemaligen Ostgebiete. Die Zahl der Mitglieder der 1957 registrierten Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft fiel innerhalb nur eines Jahres von 4000 auf 800 und sank danach stetig weiter. Auch die Vorsitzenden Riedel und Treiber reisten nach Deutschland aus. Ende der 50er Jahre mussten die meisten deutschen Schulen wegen Schülermangels schließen, die letzten 1961 in Breslau und Liegnitz. Viele deutsche Kulturgruppen lösten sich ebenfalls auf, ein Großteil der Mitglieder war schlicht nicht mehr da. Dennoch bestanden die Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft mit Sitz Waldenburg und die Ortsgruppen auch in den 60er und 70er Jahren weiter. Erst die Ausrufung des Kriegsrechts in der Volksrepublik Polen brachten Aktivitäten – zumindest zwischenzeitlich – zum Erliegen. Sämtlicher Besitz und Unterlagen wurden konfisziert und in den meisten Fällen auch nicht wieder herausgegeben. Daher gibt es bei der Dokumentation über die Tätigkeiten der DSKG und ihrer Ortsgruppen oft Lücken. Friedrich Petrach merkt an, dass einzig das Klavier schließlich den Weg zurück zur DSKG fand. Warum gerade das Klavier, das konnte er sich aber auch nicht erklären. Julian Schorr


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Die „Stimme Schlesiens“ ist wieder zu hören Am 27. Januar erklang in der Breslauer Elisabethkirche zum ersten Mal seit 46 Jahren wieder die legendäre Engler-Orgel. Das majestätische Instrument war durch einen Brand am 9. Juni 1976 vollständig zerstört worden, wurde aber im Auftrag der Stadt über viele Jahre rekonstruiert.

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Das majestätische Instrument wurde im Auftrag der Stadt jahrelang rekonstruiert.

Fotos: DSKG

er Bau der Orgel wurde 1750 von Michael Engler begonnen. Der Orgelbauer starb jedoch 1760, bevor er die Arbeit abschließen konnte. Erst sein Sohn Gottlieb Benjamin Engler und sein Schwiegersohn Gottlieb Ziegler stellten die Orgel 1761 fertig. Ihr Werk war das prachtvollste Musikinstrument in Schlesien zur damaligen Zeit, sowohl optisch als auch klanglich, mit 54 klingenden Stimmen und einem Register aus Glocken und Naturpauken ausgestattet. Besonders beeindruckend war die reich dekorierte Front: der vergoldete und farblich gefasste Prospekt, geschmückt mit Holzfiguren von Engeln und Propheten des Alten Testaments. Bis zu seiner Zerstörung im Jahre 1976 verfügte das Instrument über 91 Stimmen und nahm eine Fläche von etwa 115 m² im hinteren Teil des Kirchenschiffs ein. Eine entscheidende Rolle dabei, dass es überhaupt zur Rekonstruktion kam, spielte der inzwischen verstorbene Dirigent Kurt Masur, der in Brieg (heute Brzeg) in Niederschlesien geboren wurde. Masur überzeugte den damaligen Stadtpräsidenten Rafał Dutkiewicz davon, die aufwändige Rekonstruktion anzugehen. Er schenkte ihm auch eine CD mit dem originalen Ton der Engler-Orgel von vor 1976. Als kleiner Junge war Masur einmal aus seiner Geburtsstadt mit seiner Mutter zu einem Orgelkonzert in der Elisabethkirche gekommen. Dieses Konzert beeindruckte ihn so sehr, dass er von da an Musiker werden wollte. Die Rekonstruktion des monumentalen Barockinstruments entstand seit 2011 als polnisch-deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt, bei dem mehr als 200 Bildhauer, Maler und

Die Orgel befindet sich im hinteren Teil des Kirchenschiffs der Basilika St. Elisabeth.

Zimmerleute aus den drei Ländern zum Einsatz kamen. Verantwortlich für das eigentliche Instrument war ein Bonner Orgelbauunternehmen. Höchste Priorität für alle Beteiligten hatte, dass das Klangbild möglichst nahe an das Original heranreicht. Gerade zu Beginn glichen die Arbeiten jedoch einem Detektivspiel, weil Originalbaupläne fehlten und die

vorhandenen Fotos von eher schlechter Qualität waren. Dennoch gelang das Meisterstück: Die Spielelemente des Instruments wurden von Hand maßgefertigt. Die größte Pfeife der rekonstruierten Orgel ist zwölf Meter hoch, die kleinste sechs Millimeter. Die Kosten beliefen sich auf rund 20 Millionen Zloty. Am 27. Januar erklang die neue „Stimme Schlesiens“ im Rahmen einer feierlichen Liturgie zum ersten Mal. Der weltberühmte italienische Organist, Dirigent und Musikwissenschaftler Lorenzo Ghielmi spielte Werke von Nicolaus Bruhns, Dieterich Buxtehude und Johann Sebastian Bach. Das Konzert war jedoch eine geschlossene Veranstaltung für Personen, die direkt an der Restaurierung des Instruments beteiligt waren, Kirchengemeindemitglieder und Vertreter und der lokalen Behörden sowie der Armee. Warum Armeeangehörige? Die Elisabethkirche ist heute auch Garnisonskirche. Allerdings finden nun kontinuierlich Orgelkonzerte für Jedermann statt, so dass alle hören können, wenn die „Stimme Schlesiens“ in Breslau wieder erklingt. n


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Sonnige Grüße aus Breslau Liebe Leserinnen und Leser, der Vorstand und die Mitarbeiterinnen der Deutschen SozialKulturellen Gesellschaft in Breslau wünschen Ihnen einen Sommer mit vielen sonnerfüllten Tagen, freudigen Begegnungen und neuen Eindrücken, voller Gesundheit und Glück. Wir hoffen sehr, Sie schon bald wieder in unserer Gesellschaft begrüßen zu dürfen!

Kurzmitteilungen: Überraschender Fund in Glatz: Bei der Neuordnung der Bibliothek des DFK Glatz wurde ein altes Buch von Professor Joseph Wittig gefunden. Darin befanden sich private Briefe von ihm, seiner Frau Bianca und auch einige Zeitungsartikel. In dieser Angelegenheit konnte der Vorstand der DFK Glatz bereits ein Gespräch mit dem Direktor des Museums des Glatzer Landes führen. Die gefundenen Unterlagen werden nun zunächst restauriert bzw. konserviert und digitalisiert. Später werden Interessierte dann alles auf DVD beim DFK Glatz bestellen können. Neues Portal zur Förderung der deutschen Sprache: Die deutsche Minderheit in Polen hat im April eine neue Bildungsplattform ins Leben gerufen, auf der Informationen über die Möglichkeiten, Wege und rechtlichen Aspekte des Deutschunterrichts für Schüler, Eltern und Lehrer gleichermaßen diskutiert werden. Im Portal „Supereule.pl“, das von der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien und dem Verband Deutscher sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen ins Leben gerufen wurde, findet man sowohl Infos über die Organisation des Deutschunterrichts in Schulen als auch non-formale Bildungsaktivitäten

von Verbänden und Stiftungen der deutschen Minderheit. Es gibt eine breite Palette von Klassen, Workshops, Wettbewerben und Trainings für alle Altersgruppen. Außerdem wird dort über alle aktuellen Gesetze und Richtlinien der polnischen und europäischen Gesetzgebung zur Organisation der Minderheitenbildung informiert. Neuer Vorstand beim Verband der deutschen Gesellschaften (VdG): Nach vier Jahren wurde bei der Verbandsratssitzung am 28. Mai in Sankt Annaberg ein neuer Vorstand gewählt. Die Zusammensetzung hat sich nur leicht verändert, er ist aber deutlich jünger geworden. Denn die veränderte Satzung schreibt vor, dass der jeweils aktuelle Vorsitzende des BJDM automatisch dem Vorstand des VdG angehört. Außerdem sind aus Oppeln Rafał Bartek, Łukasz Jastrzembski und Sylwia Kus, aus der Woiwodschaft Schlesien Marcin Lippa und Waldemar Świerczek, aus Niederschlesien Damian Stefaniak sowie aus Ermland und Masuren Michał Schlueter Vorstandmitglieder. Noch während der Verbandsratssitzung trat der neue Vorstand zu einer ersten konstituierenden Sitzung zusammen und wählte Rafał Bartek zum Vorsitzenden. n

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