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red queer

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3. Jahrgang Mai 2008

. 10 r N e b a hau sg c u a a D s d m n u en u in Südbayern h Jubilä c n ü M in undestref fen r e e u q 6. B DKP Am Vorabend des 6. Bundestreffens von DKP queer fand in den Räumen der DKP Südbayern eine Informationsveranstaltung der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) in München zum Thema »Schwule Kommunisten«“ statt. Eigentlich eine etwas irrefürende Bezeichnung, denn geladen waren als Referenten Marcel de Jong und Thomas Knecht von DKP queer. Als Unterüberschrift hatte die Veranstaltung dann allerdings auch stehen »Warum kommunistische SLBT-Politik? (SLBT: Schwul, Lesbisch, Bisexuell und Transgeschlechtlich)«

Wie kam es zu dieser Veranstaltung? Im Normalfall macht DKP queer einmal im Quartal ein Bundestreffen. Auf dem ersten Bundestreffen wurde beschlossen, diese Treffen wechselnd in der ganzen BRD zu machen. Bis jetzt mussten wir immer suchen, wo könnten wir das nächste machen? In München war das anders. Vor einem guten halben Jahr hatten wir eine e-Mail der SDAJ Gruppe München im Postfach, mit dem Wunsch das wir eins von unseren Bundestreffen in München machen sollen. Mit der zweiten Bitte, uns und unsere Arbeit auf einem Gruppenabend der SDAJ München vorzustellen. Aus diesem Gruppenabend wurde eine öffentliche Veranstaltung zu der 600 Flyer verteilt wurden. Insgesamt konnten dann auch

25 Teilnehmer begrüßt werden. Eröffnet wurde der Abend von Kerem von der SDAJ München. Nach ihm überbrachte Walter Listl noch die Grüße der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) in München. Thomas hatte zwar eine ausgearbeitete Vorlage dabei, diese nahm er allerdings nur als Stichwortgeber für sein Referat.

Strukturierung von DKP queer Woher kommen wir? Warum DKP queer? Aktivitäten, Bundestreffen, Kommission des PV, Forderungen, Planungen, Kontakte. Im Komplex „Forderungen“ kam Thomas auf eines seiner Lieblingsthemen zu sprechen, die Ehe. Er zitierte aus dem Material „Grundsätze und Forderungen Fortsetzung auf Seite 2


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Aus dem Inhalt... Seite 3 Kuba: Transvestiten m Kampf gegen AIDS

Seite 4 Leander Sukov: „Jean Genet: der Mann und die Zofen“

Seite 8 „Mein Coming-Out“, Mark berichtet von den Problemen mit seiner Homosexualität in der Schule

Fortsetzung von Seite 1 on mit Marcel und Thomas über die angesprochenen Themen. Der Abend war sowohl für die der DKP gegen die Diskriminie- SDAJ München als auch für DKP rung von SLBT“ das dem PV der queer eine Bereicherung. DKP vom 18. Parteitag als Arbeitsmaterial übergeben wurde. Eine weitere Neuerung

der Bundestreffen „Ob Menschen in einer Ehe oder in einer eheähnlichen Gemeinschaft zusammenleben ist gleichgültig. DKP-queer lehnt die Ehe als Überbleibsel der bürgerlichen, kapitalistischen Ordnung ab; spricht aber niemandem ab, eine Ehe oder ähnliches eingehen zu wollen. Das Zusammenleben von Menschen darf zu keinerlei Begünstigung oder Benachteiligung von anderen Beziehungen führen.“ Darüber kam es genau so wie zum Thema „rechtslastigkeit des LSVD (Lesben und Schwulen Verband Deutschlands)“ zu einer kleinen Diskussion. Nach der Vorstellung kam es zur Diskussi-

Wir haben vor geraumer Zeit beschlossen, das wir uns auf Bundestreffen auch Bilden wollen. Nun konnte dies auch umgesetzt werden. In der Dauerausstellung der KZ Gedenkstätte Dachau wird auch über die Verfolgung Homosexueller im deutschen Faschismus berichtet. Zu einem geführten Rundgang kam es am Morgen des 19. April. Albert Knoll, Historiker und Mitarbeiter der Gedenkstätte führte uns durch die Ausstellung. Mit der sehr professionellen Führung durch das Museum wurde uns die Verfolgung der Schwulen unter dem deutschen Faschismus vermittelt. Vor allem durch das ein-

flechten von Einzelbeispielen. Aber auch die Mitschuld an der Verfolgung der rund 700 Männer mit dem rosa Winkel in Dachau, die schon vor 1933 begann. Denn rosa Listen wurden von der Polizei schon vor 1933 angelegt. Die Winkel an der Brust der Gefangenen im KZ wurden ja auch je nach „Grund“ gemischt. Rot/ Gelb z.B. für politische, jüdische Häftlinge. Was es nicht gab, zumindest ist es nicht bekannt, das es Insassen mit der Kombination rot/rosa gegeben hätte, diese Info war auch neu für uns. Bei unserem siebten Bundestreffen wird es im Bereich Bildung um das Thema „Schwule Nazis“ gehen. Es findet statt vom 4. Juli bis 7. Juli. Dieses Mal treffen wir uns in Gera. Mehr Infos unter:

www.dkp-queer.de info@dkp-queer.de


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Kuba: Gesundheitsarbeiter auf Stöckelschuhen

Transvestiten im Einsatz gegen AIDS Der Kampf gegen Aids hat in Kuba Transvestiten und Crossdresser – Männer und Frauen, die die Kleidung des anderen Geschlechts tragen – in einem Projekt vereint. Sie bringen das Thema Aids weg vom bloßen Aufklärungsunterricht hinein in die Welt der Kultur und verschaffen sich zugleich gesellschaftliche Anerkennung. „Die Zeit ist reif, uns ernst zu nehmen“, sagt ein kubanischer Transvestit, der sich den Künstlernamen der mexikanischen Schauspielerin und Sängerin Ninel Conde gegeben hat. „Wir verlangen unseren Platz in der Gesellschaft, wollen zur Verhinderung von Aids durch die Kunst beitragen und für unsere Fähigkeiten und unser Wissen respektiert werden.“ Conde sagt, sie habe sich nie so selbstsicher gefühlt wie heute. In Männerkleidung sei sie nur mit gesenktem Kopf herumgelaufen. „Seit ich hochhackige Schuhe trage, bin ich stolz auf mich“, sagt sie. Conde arbeitet als Freiwillige in einer staatlichen Einrichtung zur Prävention von Aids und sexuell übertragbaren Krankheiten in Pinar del Río, rund 160 Kilometer von der kubanischen Hauptstadt Havanna entfernt. Jüngst gewann sie einen Preis beim Kulturfestival ‚Transarte‘. An der Gala nahmen 14 Crossdresser

und Transvestiten zusammen mit einigen der bekanntesten Sänger der westkubanischen Stadt teil. Beim Festival wurden die ersten Männer der Stadt gewürdigt, die es wagten, öffentlich Frauenkleider zu tragen.

ausbilden lassen. Laut Geidy Díaz vom örtlichen Zentrum zur Aidsprävention sind homosexuelle Männer in Pinar del Río der Welt der Transvestiten eng verbunden. Daher seien sie ideale Lehrer für die Aidsprävention.

„Eine Kunst, die den Menschen verantwortliche Sexualität beibringen will und gleichzeitig ästhetisch ist, ist wichtig und zeitgemäß“, sagt Nelson Simón aus Pinar del Río, einer der bedeutendsten kubanischen Dichter mit homoerotischen Themen. Die schwule Welt finde in Kuba immer noch zu wenig Orte. Jetzt habe das Festival im altehrwürdigen Teatro Milanés das Thema vom Rand der Gesellschaft ins Zentrum gerückt. Damit sei der Raum für die Teilhabe in einem Land geöffnet, „das von einer integrierenden Gesellschaft werden muss und zunehmen wird“.

Teil des Projekts ist auch, Jobs und Fortbildungen für Transvestiten zu finden, die wegen sozialer Ausgrenzung Schulen, Universitäten und Arbeitsstellen verlassen haben. Viele enden in der Prostitution und stecken sich letztlich mit HIV an.

Auf dem Festival gab es einen deutlichen Aufruf an Männer, die Sex mit anderen Männern haben, sich vor HIV zu schützen. Denn in Kuba betrifft Aids vor allem Männer. Nach offiziellen Angaben waren dort Ende 2007 über 9.000 Menschen HIV-positiv – 81 Prozent von ihnen Männer und die große Mehrheit homosexuell.

Seit 2005 verfolgt das staatliche Nationale Zentrum für sexuelle Erziehung (CENESEX) eine landesweite Strategie zur besseren Integration von Transvestiten und Transsexuellen. Das Festival ist Teil seiner Initiative. Eine Gruppe von Transsexuellen und Transvestiten übernahm beim letzten kubanischen Kongress für sexuelle Aufklärung, Orientierung und Therapie sogar die Mitschriften und hielt Vorträge. Das hatte es vorher noch nicht gegeben.

„Das war ein Höhepunkt für mich“, sagt ein Crossdresser aus Pinar del Río mit dem Bühnennamen Siarah Morel. Eine lokale Legende, seit sie 1976 mit 18 Jahren als Frau gekleidet zu KarSeit dem ersten Transarte-Festi- neval erschien – als Repräsenval im vergangenen Jahr haben tantin der Fischereiindustrie. sich 18 Transvestiten und Crossdresser als Gesundheitsarbeiter Quelle: IPS / Dalia Acosta


Jean Genet: Der Mann und die Zofen von Leander Sukov

Foto: Atelier Vladi

Jean Genet war: schwul, notwendig und nicht notwendig kriminell, Homosexueller, Linker und Schriftsteller. Und in allem ging er über das Mittelmaß hinaus. Als Schwuler liebte er so häufig hoffnungslose Lieben, dass man ihm eine gewisse Akribie zum Erreichen von Traurigkeit unterstellen mag. Als Krimineller war er, nach zahllosen Kleindelikten, die der Kriegszeit, dem Hunger, seiner Jugend und der Armut geschuldet waren, kurz davor in Sicherheitsverwahrung

genommen zu werden, als Linker stand er dem linksradikalen Terror von RAF nicht ablehnend gegenüber, war zu gleich aber ein Gegner des individuellen Terrors – ein Spagat der für ihn typisch ist und als Schriftsteller schrieb er wortgewaltig, in ausladenden Szenarien Prosa und Dramen, die über die Zeiten bestand haben. In den Jahren um 1936 war Genet als Deserteur auf der Flucht. Er wanderte, sich seinen Lebensunterhalt als Prostituierte

verdienend durch Europa, wurde hier und dort wegen Landstreicherei und Prostitution inhaftiert. In Deutschland lernte er während der Flucht unter anderem Wilhelm Leischner kennen. Zurück in Paris wurde er zwischen 1937 und 1943 zu elf Haftstrafen verurteilt. Glücklicher Weise hatte der Richter bei der letzten Verurteilung ein Einsehen. Wäre die Haftdauer höher angesetzt worden: Jean Genet wäre lebenslänglich im Gefängnis gelandet.


red&queer Nr. 10  Seite 5 Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er im September 1942. Sein, selbstfinanziertes und auf 100 Exemplare limitierte Gedicht „Der zum Tode Verurteilte“ hatte also eine ganz unübliche und dazu noch geringe Verbreitung. Eines der Exemplare erreichte allerdings Jean Cocteau, der sich begeistert zeigte. Seinem Einfluß in den französischen Literaturbetrieb hatte Cocteau den nun folgenden Aufstieg zu verdanken.

ihres eigenen Objekts, der Obrigkeit, nicht entledigen kann, weil sie gerade diese braucht um sich selbst zu erhalten. Wenn die „gnädige Frau“ das Haus verläßt, beginnt ihr Spiel: Abwechselnd und mit aller Brutalität sind sie „gnädige Frau“ und Dienstmädchen, verlieren sich im Abbild der eigenen Wirklichkeit und kommen deshalb nicht dazu, ihren Plan, die „gnädige Frau“ zu ermorden um sich Reichtum und Mann zu nehmen in die Tat umzusetzen. Immer wieder werden sie gestört und sie lassen sich stören. Denn töteten sie die gnädige Frau, so zerstörten sie sich das Spiel, welches jedoch schon so sehr Teil ihres Lebens ist, dass seine Fortnahme durch die Wirklichkeit auch sie in ihren Rollen, Funktionen und Träumen töten würde.

Genets erster Roman – NotreDame-des-Fleurs – entstand fast zeitgleich mit dem Gedicht. Dieses Werk war in einer Weise freizügig homosexuell, dass es selbst Cocteau schwer fiel für ihn einen Verlag zu finden. Und erst 1945 kam das Buch in den freien Verkauf. Zwei Jahre später erschienen „Querelle“ und „Die Zofen“. Insgesamt schrieb Genet sechs Romane, sieben Bühnenstücke, mehrere Großgedichte In diesem ständigen Wechselund Essays. Er starb 1986 im Al- spiel zwischen genauer gesellter von 75 Jahren. schaftlicher Beobachtung und der Darstellung von AbhängigDas Drama „Die Zofen“ ist ein keitsverhältnissen in der kleinen Stück von hoher Ambivalenz. Es Macht der persönlichen Bezieist sowohl die Betrachtung ei- hung, hat Jean Genet ein Stück ner konfliktreichen in sich dre- geschaffen, dass sowohl für jene henden Dreierbeziehung, also unter uns, die mit ebensolchen etwas, was man Foucaults „klei- Machtverhältnissen spielen von nen Mächten“ zuordnen könnte, Interesse ist, als auch für all die, als auch die Abbildung von Ge- welche in dem Stück vordergrünsellschaft. Es ist ein Stück mit dig ein Drama über gesellschaftpolitischer, sexueller und dabei liche Herrschaftsbedingungen insbesondere homosexueller sehen. Falls die Zofen – ein nicht und sadomasochistischer Kon- wenig, wenn auch nicht übernotation, als auch der Versuch mäßig oft gespieltes Stück – bei die Unschlüssigkeit einer Art von Euch im Theater laufen, dann Rebellion darzustellen, die sich geht hin. Es lohnt sich.

Feldfrüchte Sinnend geh ich durch den Garten, still gedeiht er hinterm Haus; Suppenkräuter, hundert Arten, Bauernblumen, bunter Strauß Petersilie und Tomaten, eine Bohnengalerie Ganz besonders ist geraten der beliebte Sellerie Ja, und hier - ? Ein kleines Wieschen? Da wächst in der Erde leis das bescheidene Radieschen: außen rot und innen weiß Sinnend geh ich durch den Garten unsrer deutschen Politik; Suppenkohl in allen Arten im Kompost der Republik Bonzen, Brillen, Gehberockte, Parlamentsroutinendreh Ja, und hier - ? Die ganz verbockte liebe, gute S P D Hermann Müller, Hilferlieschen blühn so harmlos, doof und leis wie bescheidene Radieschen: außen rot und innen weiß Kurt Tucholsky


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Mein Coming-Out Diese Art von kleinem Protest hilft sicher mehr als jede Großdemonstration durch Berlin!

von Mark

1. Mai 2008 Nur wer kämpft, kann gewinnen

„Als ich mich in meiner Klasse outete, hatte ich auch ein Problem mit einem einzelnen Mitschüler, hatte aber das Glück, das meine Freunde alle hinter mir standen und wir dann zusammen diese Person einfach ignoriert haben.

bot machen uns zu mailen oder einen Brief zu schreiben.

Selbstverständlich wird dies vertraulich behandelt und wir werden versuchen dir zu helfen. Dabei ist es uns absolut egal, ob du der SDAJ, der DKP oder einer Und prompt machten alle mit. anderen Organisation angehörst Protest ist nämlich nur sinnvoll, oder überhaupt nicht organiwenn der Angegriffene den An- siert bist. griff auch wirklich spürt. Und nach nur 4 Tagen war das Problem gelöst. Der besagte Schüler akzeptiert meine Lebensweise zwar nicht, das kann ich aber auch nicht ändern, aber er toleriert mich. Es ist toll, wie sehr du hinter deinen Freunden stehst!

g n i m o c out hilfe

Denn es ist in so einer Situation das wohl wichtigste, zu merken, dass es nicht nur intolerante Menschen gibt. Denn: Jeder, wirklich jeder, homophobe Angriff auf mich tut weh, auch wenn ich es in den wenigsten Fällen zeige, weil man es mit der Zeit zu überhören lernt.“ Wenn du, wie wir alle einmal, in der Phase steckst, wo du dich eigentlich outen möchtest, dich aber noch nicht traust, da du mit Problemen rechnest, egal ob mit deinen Eltern, Freunden, Mitschülern, Kollegen oder anderen, möchten wir dir das Ange-

Kontakt / Infomaterial: info@dkp-queer.de DKP queer Postfach 1344 61283 Bad Homburg


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In eigener Sache Leserbrief zum jW-Interview »Seit September anerkannt als politische Kommission« Im allgemeinen bin ich mit dem Telefoninterview mit mir schon zufrieden. Ein paar kleine Sachen habe ich aber zu bemängeln.

hen. Die Veranstaltung der SDAJ München am Freitag zum Thema war mit 25 Leuten nach meiner Meinung sehr gut besucht. Nach einem Grußwort des Genossen Walter Listl von der DKP Südbayern und der Eröffnung durch den SDAJ Genossen Kerem, hatte ich die Möglichkeit unsere Arbeit vorzustellen. Bei der folgenden Frage und Antwort Runde brachte sich auch der zweite Referent Marcel de Jong kräftig mit ein. Viele Fragen wurden gestellt und auch beantwortet.

In der Überschrift steht „Seit September anerkannt als politische Kommission“ Jede Kommission des Parteivorstand der DKP ist eine politische Kommission wozu muss das gerade auch noch in der Überschrift groß herausgestellt werden. Und in der Unter-Überschrift steht „Anfeindungen kommen vorwiegend aus der christlichen „Mitte“. Das Am Samstag trafen wir uns dann wurde – vermute ich – missver- um 9.00 Uhr am KommTreff und fuhren in die KZ Gedenkstätte standen. Dachau wo wir eine sehr gute Ich habe gesagt, das wir sowohl Führung zum Thema „Rosa Winaus der neofaschistischen Ecke, kel“ bekommen haben. Albert der konservativen Ecke und von Knoll, Historiker und Mitarbeifundamentalistischen Christen ter der Gedenkstätte führte uns Briefe, e-Mails etc. bekommen. durch die Ausstellung. Zum Thema Fundamentalisten zählte ich dann noch ein Paar Auf dem Bundestreffen wurde Gruppen auf, darunter die vor später vor allem das Jahr 2007 kurzem Aufgelöste „The Call“ und das erste Quartal 2008 ausaber auch die „Christliche Mitte“ gewertet und die Planung bis die sich als Partei versteht. Aus Dezember 2008 beschlossen. der christlichen Mitte, also von Wer Interesse hat zu erfahren, ganz normalen Christen haben was wir alles machen wollen, wir noch nie eine Reaktion geha- kann mich gerne anmailen: thomas@dkp-queer.de ist meibt. Zumindest ich nicht. ne e-Mail Adresse. Ich möchte auch gerne noch auf die Ergebnisse des 6. Bundes- Noch einmal kurz zum Interview treffens von DKP queer einge- zurück, ich bin darin auch nach

dem LSVD gefragt worden und seine nach unserer Meinung nach Rechtslastigkeit. Am Tag als der „Schwarz-Grüne“ Senat beschlossen wurde gingen direkt Glückwünsche an ihn hinaus. Sagt ja auch wieder eine Menge dazu aus. Bei mir gingen da gerade wieder Bilder aus dem Kosovo durch den Kopf, wo ja die Oliv-Grünen federführend mit dabei waren. Und jetzt damit sich der Kreis in meinem Kopf wieder schließt aus Grüne – Überfall auf Jugoslawien – Kosovo Unabhängigkeit – Schwulenverfolgung. In Jugoslawien war Homosexualität legal. Die UCK Terroristen haben viele Schwule umgebracht, eben weil sie schwul waren. Und im „Unabhängigen Staat Kosovo“ das nach meiner Meinung ein Marionettenstaat der NATO und vor allem der BRD ist, und einen Terroristen als Ministerpräsident hat, ist Homosexualität, wie sollte es auch anders sein, illegal.

Thomas Knecht Organisations-Verantwortlicher und Mitglied der Kollektiven Leitung von DKP queer


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Schwule Nazis Ein widersprüchliches Thema von Thomas Knecht Buchcover: Pahl-Rugenstein

In seinem ersten Buch versucht der Autor Markus Bernhardt das Verhältnis zwischen Neofaschismus und männlicher Homosexualität darzustellen und zu dokumentieren. Ein widersprüchliches wie auch heikles Thema. Schwule waren und sind Opfer, sie gehören zu den Opfergruppen des Faschismus und von Neofaschisten. Aber sie sind es nicht nur. Sowohl im historischen deutschen Faschismus, Stichwort Ernst Röhm, als auch in der gegenwär-

Das Buch bleibt nicht nur theoretisch, sondern portraitiert anhand von Beispielen offene Neonazis in der schwulen Szene und offene Schwule in der NeonaziSzene. Es kommen aber auch in Interviews Menschen zu Wort, die diesem Treiben entgegen treten. So z. B. der erste bekennende schwule Bundestagsabgeordnete Herbert Rusche (ehemals „Die Grünen“), auf den am 12. März 1984 bei einem Vortrag in München ein Anschlag verübt worden war. Auch enthält es ein Interview mit Gottfried Ensslin. Er war in den 1970er Jahren aktiv in der Frankfurter Gruppe „Rote Zelle Schwul“ (ROTZSCHWUL), einer der ersten Homogruppen der BRD. Dieser berichtet auch davon wie er im November 2006 grundlos von einem vertigen Neonazi-Szene finden sich mummten Sondereinsatzkomaktive Schwule, und der Hang mando der Berliner Polizei zuzum Fetisch „NS-Symbole“ in- sammengeschlagen wurde. nerhalb von Teilen der schwulen Szene scheint nicht immer „nur“ Ein weiteres sehr gutes Intersexuell motiviert zu sein. Das view gibt der Sprecher des Beralles findet nicht im luftleeren liner Vereins „Gays & Lesbians Raum statt. Auch innerhalb der aus der Türkei“ (GLADT) Koray schwulen Szene, insbesondere Yilmaz-Günay. Mit ihm spricht bei Medien und Verbandsfunkti- Markus Bernhardt sowohl über onären, ist nach der Phase der rassistische und homophobe Entpolitisierung nunmehr ein Übergriffe der Neofaschisten verstärkter Rechtsruck zu beo- als auch über das rassistische bachten, rassistische Vorurteile Verhalten von Teilen des LSVD und Minderheitenfeindlichkeit und der sich als Opferschutzorganisation darzustellenden sind auch hier zu finden.


red&queer Nr. 10  Seite 11 Vereins MANEO, der zwar jeden Überfall aufnimmt solange ein Opfer angibt, es könnte auch ein „Südländer“ gewesen sein, aber sofort nichts mehr macht, wenn das Opfer von Polizisten angegriffen wird wie im Fall Ensslin. Auch der bekannte schwule Filmemacher Rosa von Praunheim kommt in diesem Buch zu Wort, der 2005 den Film drehte „Männer, Helden und schwule Nazis“. Markus Bernhardt geht auch auf ein Thema ein, das in der schwulen Szene fast vergessen ist. Wer kennt sie noch die „Rosa Listen“ die von der Polizei angelegt wurden um Schwule effizienter nach § 175 verfolgen zu können? Im Mai 2005 deckte der „Verein lesbischer und schwuler Polizeibediensteter“ (VelsPol) auf, dass es solche Listen wieder gibt. Es wurde auch bekannt, dass ein damals noch ungeouteter junger Aktivist der antifaschistischen und antiimperialistischen Szene unter Androhung seines Outings von Polizeibeamten gegenüber seinem herzkranken Großvater dazu genötigt wurde eine Aus-

sage zu machen. Vor allem aber geht es in dem Buch um eben die im Titel benannten schwulen Nazis. Seien es „Aussteiger“ wie Bernd Ewald Althans oder der verstorbene Neofaschist Michael Kühnen. Auch das Internet und da gerade das schwule Datingportal „Gayromeo“ wird unter die Lupe genommen. In diesem Portal haben sich auch Rechte in politischen Clubs zusammengefunden. Viele glauben ja heute noch, dass das sogenannte „antideutsche“ oder „antinationale“ Spektrum irgendwie „links“ einzuordnen sei. Auch diesem Märchen geht der Autor auf den Grund. Die „Antideutschen“ darunter auch die Gruppe „Queer for Israel“ unterstützen noch heute den USamerikanischen „Krieg gegen Terror“. „Eine der Hauptaktivitäten der sich stetig rassistischer gerierenden Ex-Linken besteht mitunter darin, ihre politischen Gegner mit abstrusen Antisemitismusvorwürfen zu belegen und sie so diskreditieren zu wollen.“ So der Autor.

Antisemitisch ist man z. B. dann, wenn man sagt: „Der Staat Israel ist ein kapitalistischer Staat, der einen anderen Staat besetzt hält. Ich unterstütze die politischen Bewegungen in Israel und Palästina, die für ein freies sozialistisches Israel und ein freies sozialistisches Palästina kämpfen.“ Soweit meine eigene Erfahrung mit diesem Personenkreis. Alles in allem muss man sagen, dass dieses Buch sehr flüssig geschrieben ist und sehr gut zu lesen ist. Ein einziger Punkt ist mir allerdings aufgestoßen, er hat vergessen im Anhang im „Adressund Serviceteil“ DKP queer zu nennen. Markus Bernhardt hat aber sonst eine erstklassige Recherche für dieses Buch betrieben. Er hat ein Buch geschrieben, dass man jedem nur empfehlen kann. Sei er/sie homosexuell, bisexuell, transgeschlechtlich oder heterosexuell.

Diskussionen: Die Zukunftskiller in Wirtschaft und Politik stoppen! Qualifizierte Ausbildung ! Und Übernahme im erlernten Job für Alle! • Bildungspolitik:

Weg mit Kopfnoten und dreigliedrigem Schulsystem •

Iran – Nächster Krieg ums Öl? •

Venezuela: Sozialismus oder Barbarei? • No Nazis: Strategien gegen NPD und Co.

• Widerstand

gegen Bundeswehr-PR in Schulen und Arbeitsämtern • Ausstellung: Neofaschismus in der BRD (VVN-BdA) • Musik: Chaoze One & Lotta C. | Microphone Mafia | Anarchist Academy | The Clerks | The Special Guests | Rotdorn | Achim Bigus | Soul Power Soundsystem u.v.a.m. Noch mehr Informationen im Internet.


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2008 Termine-Box 09.-12.05.2008, Köln Teilnahme und Infostand auf dem Festival der Jugend der SDAJ, Ort: Jugendpark Köln

20./21.06.2008, Berlin Teilnahme und Infostand auf dem Transgenialen CSD

04.-06.07.2008, Gera

Impressum

7. Bundestreffen von DKP queer, Schwerpunkt: „Schwule Nazis“

red&queer Zeitung von DKP queer

18.-20.07.2008, Frankfurt am Main

Herausgeber/Redaktion: DKP queer V.i.S.d.P. Thomas Knecht

23.08.2008, Siegen

Teilnahme und Infostand auf dem CSD Teilnahme und Infostand auf dem CSD

Layout: Roy Druck: Eigendruck Anschrift & Kontakt: DKP queer Postfach 13 44 61283 Bad Homburg info@dkp-queer.de www.dkp-queer.de

13.09.2008, Märkischer Kreis/Iserlohn Woche für Woche antifaschistisch!

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26.-28.09.2008, Leverkusen 8. Bundestreffen von DKP queer, Schwerpunkt: Die Homophobie der „Gruppe Neue Einheit“

28.-30.11.2008, Kiel Name Vorname Telefon

Alter

Straße

Redaktionsschluß: 29.04.2008

Teilnahme und Infostand auf dem CSD

PLZ / Ort

CommPress Verlag GmbH • Hoffnungstraße 1 • 45127 Essen Fax: 0201-24 86 484 • www.unsere-zeit.de

9. Bundestreffen von DKP queer, Schwerpunkt: Transgeschlechtliche

Herbst 2008, Hamburg Wochenendseminar: Queertheory und Marxismus


red&queer 10/2008