Diskurs 05 - Jugendkulturen

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Themenschwerpunkt „Jugendkulturen“ Zwischen Engagement und Konsum. Zwischen Authentizität und Originalität. Zwischen Emanzipation und Adaption.


Autorinnen / Autoren Klaus Farin Fachautor, Dozent und Leiter vom Berliner Archiv der Jugendkulturen e.V. Seite 04-10

Mag. Bernhard Heinzlmaier Geschäftsführer der tfactory GmbH Deutschland, Vorstandsvorsitzender von jugendkultur.at in Wien Seite 24-25

Franziska Zaugg Historikerin, Mitarbeiterin bei Infoclick.ch, Vortragstätigkeiten zum Thema „Jugendkulturen in der Schweiz“ Seite 12-13

Gabriele Rohmann pädagogisch-wissenschaftliche Leiterin des Archiv-der-KulturenProjekts »Migrantenjugendliche und Jugendkulturen – Culture on the Road« Seite 26-28

Impressum Medieninhaber, Herausgeber: koje - Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit und Entwicklung, Bregenz und aha - Tipps & Infos für junge Leute, Dornbirn | Redaktionsleitung: Sabine Liebentritt | Redaktionsteam: Margit Diem, Roland Marent, Michael Rauch, Barbara Marte - redaktion@jugend-diskurs.at | Lektorat: Margit Diem | Gestaltung & Illustrationen: chilidesign.at | Druck: Hugo Mayer GmbH, Dornbirn Finanzierung: Land Vorarlberg - Jugend Diskurs kostenlos bestellen: abo@jugend-diskurs.at

Im Diskurs haben Menschen als AutorInnen Gelegenheit, ihre Interpretationen von Zahlen und Fakten sowie persönliche Meinungen und Haltungen als redaktionellen Beitrag darzustellen. Hinweis: Allgemeine männliche Bezeichnungen im Diskurs inkludieren die weibliche Form.


Jugendkulturen

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jung sein ...

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Zwischen Abgrenzung, Sinn-Findung und Ausdruck der eigenen Individualität Interviews mit jungen Menschen

Drei Fragen – drei Antworten – eine Person Jugendkulturförderung in Vorarlberg

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Heidi oder Heavy Metal

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Archiv der Jugendkulturen

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Jugendkulturen in der Schweiz „Wer sich auf die Realität einlässt, muss die beruhigende Eindeutigkeit aufgeben.“

Inhalt Kommentare

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Diskurs stellt Fragen zur Diskussion

18-19

„Wir zeigen euch, wer wir wirklich sind“

20-21

Eine Veranstaltung – drei Tage – fünf Länder – fünf Statements

22-23

Grenzerfahrung: zwischen Kultur und Kommerz

24-25

Ein Spiegel unserer Gesellschaft

26-28

Aus der Jugendarbeit

29-30

von Mag.a Cornelia Hummer, Lucas Geiler und Mag.a Sabine Liebentritt Statements von André Pilz und Jörn Ranisch

Ein Workshop von Jugendlichen für Erwachsene entwickelt für die KOJE-Fachtagung „Jugendkulturen“

Im Gespräch mit Mag. Bernhard Heinzlmaier im Rahmen der 5-Länder Fachtagung zum Thema „Jugendkulturen“ Mädchen in Jugendkulturen

Kurzfilme gesucht, Mini-Symposium, Neue Bestimmungen im Jugendgesetz

Jugendzeitungen stellen sich vor Jugendzeitung „Hardline“

Die ersten Worte Von einem „Früher hätte es das nicht gegeben!“ bis hin zum „Und das soll unsere Zukunft sein?“ – wer hat solche oder ähnliche Aussagen nicht schon gehört, vielleicht selber gedacht oder auch bereits laut ausgesprochen? Eindrücke, die Jugendliche bei Erwachsenen hinterlassen. Dabei geht es weniger um das „Jugendlich-Sein“ an sich, sondern vielmehr um die erwachsene Reaktion auf das Verhalten, den Ausdruck und die Präsentation, die vielfach als Provokation verstanden werden. Doch dass in einer Welt, die Individualität in den Vordergrund stellt und Selbstverwirklichung eine tatsächlich anerkannte Lebensaufgabe ist – sofern man die übrigen Verpflichtungen als produktives Mitglied der Gesellschaft nicht vernachlässigt – auch Jugendliche sich selber finden und stets neu erfinden wollen, ist die logisches Konsequenz unserer gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Jugendkulturen als unmittelbare Lebenswelt der Jugendlichen bilden den Rahmen dieser Diskurs-Ausgabe und wir lassen uns ein auf eine Welt, die den Jugendlichen gehört und wo Erwachsene lediglich BesucherInnen sein können. Sabine Liebentritt, Margit Diem,

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Roland Marent, Michael Rauch und Barbara Marte


Jugendkulturen

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Zwischen Abgrenzung, Sinn-Findung und Ausdruck der eigenen Individualität


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du wissen willst, was sich wirklich hinter dem bunten oder auch schwarzen Outfit verbirgt, musst Du schlicht mit dem Objekt der Begierde reden!

Eine neue Form von Freiheit Die Zahl und Vielfalt der Szenen stieg in dem Moment explosionsartig an, in dem der Prozess der „Individualisierung” einen ersten Höhepunkt erreichte. Soziale Milieus und andere

OJAD

„Die Jugend” hat sich in den letzten 25 Jahren in eine unüberschaubare Artenvielfalt oft widersprüchlichster Kulturen ausdifferenziert. Inmitten eines zahlenmäßig nach wie vor dominanten jugendlichen Mainstreams entstanden unzählige subkulturelle Szenen und Cliquen mit jeweils eigenem Outfit und eigener Musik, eigener Sprache und eigenen Ritualen, mit zum Teil fließenden Übergängen und gleichzeitig scharf bewachten Grenzlinien, die für Außenstehende oft nicht einmal erkennbar sind. So gibt es in jeder großen Jugendkultur Dutzende Stilvariationen und Untergruppen, deren Vertreter zudem nicht immer unsere visuellen Erwartungen und Vorurteile erfüllen: Da ist der Popper mit dem Silberköfferchen in Wirklichkeit ein subversiver Computerhacker, der schrille Punk mit dem A im Kreis auf der abgewetzten Jacke kein nihilistischer Anarchist, sondern ein fundamentalistisch frömmelnder Jesus-Freak und der rassistische Neonazi kommt mit Che-Guevara-TShirt daher. Die zentrale Botschaft heutiger Jugendkulturen scheint zu sein: Wenn du glaubst, mich mit einem Blick einschätzen zu können, täuschst du dich gewaltig. Oder andersherum: Wenn

einst verbindliche Grenzen zwischen Klassen und Ethnien, Religionen und Regionen erodierten, traditionelle Familienstrukturen verloren ihre Monopolstellung. Mit der Flexibilisierung der Lebensverhältnisse und -anschauungen reduzierte sich zwar nicht die Moral oder der individuelle Werte-Haushalt als solches, wohl aber der von Staat und Mehrheitsgesellschaft vorgegebene und für alle Bürger zumindest moralisch verpflichtende Wertekanon auf ein notwendiges Minimum. Zahlreiche Entscheidungen des Lebensalltags blieben fortan dem Individuum überlassen.


Da die herkömmlichen „Agenturen” mit ihren traditionellen Verbindlichkeitsansprüchen und Gesellungsformen dieser komplexen Realität nicht mehr gerecht werden, begibt sich der Einzelne notgedrungen selbst auf die Suche nach temporären Sinn-Gemeinschaften – und nicht wenige Jugendliche werden nicht mehr in Kirchen, Parteien, Schützenvereinen oder traditionellen Jugendverbänden fündig, sondern in Jugendkulturen. Diese befriedigen ihr Bedürfnis nach Sinn und Spaß, bringen Ordnung und Orientierung in die überbordende Flut neuer Erlebniswelten, füllen als Sozialisationsinstanzen das Vakuum an Normen, Regeln und Moralvorräten aus, das die zunehmend unverbindlichere, entgrenzte Gesamtgesellschaft hinterlässt. Jugendkulturen sind Beziehungsnetzwerke, Solidargemeinschaften, deren Angehörige einander häufig bereits am Äußeren erkennen. Outfit und Körpersprache ermöglichen es einem Skinhead, Punk oder Angehörigen der Schwarzen Szene, einen anderen Angehörigen der eigenen (und auch der gegnerischen) Kultur selbst beim Erstkontakt in einer völlig fremden Umgebung sofort zu erkennen und darüber hinaus häufig sogar differenziert als Mitläufer oder Insider einzuschätzen. Menschen, die sich weder mit Namen kennen noch sich je zuvor begegnet sind, können von einem Tag zum anderen durch den Anschluss an ein Zeichenensemble, eine Veränderung ihrer Haare, eine in den Kniekehlen hängen-

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Temporäre Sinn-Gemeinschaften

de Hose eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe erreichen. Das geschieht wortlos, bedarf keiner Zustimmung, findet täglich tausendfach statt und funktioniert.

Zugehörigkeit durch Engagement Den „Mitgliedsausweis“ für eine der modernen Jugendkulturen bekommt man jedoch nicht im nächsten Supermarkt. Geld und die richtige Kleidung garantieren noch lange keine Anerkennung. Wer wirklich dazugehören will, muss zunächst eine Menge Zeit investieren, die kostbarste Währung in dieser schnelllebigen Welt. Denn die Stile der Jugendkulturen basieren auf einem hochgradig ausdifferenzierten System von Regeln, die nirgendwo schriftlich fixiert sind und doch befolgt werden müssen und nur durch aktive Teilnahme erfahren werden können – durch Engagement!

Fähigkeiten – Fertigkeiten – Talente Ein Skateboarder erwirbt sich im Laufe der Zeit ein erstaunliches körperliches Geschick, das manchen Fußballbundesligaprofi vor Neid erblassen ließe. Nur wenige universitär ausgebildete Designer erreichen die künstlerische Ausdrucksstärke eines talentierten Graffiti-Sprayers, der seinen Stil im jahrelangen Training auf der Straße entwickelt hat. Und nicht zuletzt verfügt jede Jugendkultur über eine eigene „Fachsprache”, die die angeblich immer „sprachloser” werdenden Jugendlichen, die nicht einmal „einfachste Sätze verstehen oder formulieren”


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können, so klagen zumindest viele Lehrer, perfekt beherrschen, während Außenstehende, vor allem Erwachsene, nur Bahnhof verstehen: „Lieber einen coolen Freeze beim Breaken als einen verkrampften Powermove ohne Flow ...”

„Respekt“ – mehr als nur ein Wort Respekt ist ein Schlüsselwort fast aller Jugendkulturen. – Respekt, Anerkennung ist das, was Jugendliche am meisten im Alltag vermissen, vor allem von Seiten der Erwachsenen. Viele Erwachsene, klagen Jugendliche, sehen Respekt offenbar als Einbahnstraße an. Sie verlangen von Jugendlichen, was sie selbst nicht zu gewähren bereit sind, bzw. sie beharren eisern auf ihre Definitionsho-

heit, was anerkennungswürdig sei und was nicht: Gute Leistungen in der Schule werden belohnt, dass der eigene Sohn aber auch ein exzellenter Hardcore-Gitarrist ist, die Tochter eine vielbesuchte Gothic-Homepage gestaltet interessiert zumeist nicht – es sei denn, um es zu problematisieren: Bleibt da eigentlich noch genug Zeit für die Schule? Musst du immer so extrem herumlaufen, deine Lehrer finden das bestimmt nicht gut ... – Wer sich mit Jugendkulturen beschäftigt, lernt nicht nur viel über Jugendliche, sondern ebenso Einiges über sich und die Mehrheitsgesellschaft. Diese fordert zwar immer den „engagierten Bürger“, nimmt aber das enorme Engagement vieler Jugendlicher (zum Beispiel gegen Gewalt, Rassismus und Intoleranz) schlicht nicht zur Kenntnis. Gerade die „bunten“ Szenen der Punks, Skateboarder und „(Links)Alternativen“ haben es vielerorts schwieriger als rechtsorientierte Jugendcliquen. Und dabei geht es nicht um Geld und teure Jugendklubs, sondern um Freiräume und Toleranz. Und vielleicht ein wenig Neugierde und Interesse. Klaus Farin Kontakt: klaus.farin@jugendkulturen.de

www.jugendkulturen.de

Literatur: Farin, Klaus/Neubauer, Hendrik (Hrsg.): Artificial Tribes. Jugendliche Stammeskulturen in Deutschland. Tilsner, Bad Tölz/Berlin 2001 [www.jugendkulturen.de]. Farin, Klaus: Jugendkulturen in Deutschland, Band 1: 1950-1989. Band 2: 1990 – 2005. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006 [www.bpb.de].


koje

jung sein ... Interviews mit jungen Menschen

Manuel, Schüler, 18 Jahre Für mich ist Rockabilly mehr ein Lebensgefühl als eine Jugendkultur, da man doch Leute aus mehreren Altersgruppen darunter findet. Das mich die Leute manchmal komisch anschauen, ist mir egal. Für viele ist der Style oder die

Elvis-Frisur einfach neu. An meinem Lebensstiel gefallen mir am meisten die Musik und das Aussehen. Ich kann mich so darstellen, wie es mir gefällt.

Bahar, Arbeiter, 20 Jahre Gothic ist, meiner Meinung nach, eine pazifistische Lebenseinstellung. Die Gothicszene ist wie eine große Familie, die zusammenhält, in der jede/r akzeptiert wird und einfach die selben Interessen hat, wie z.B. Ro-

mantik, Gedichte, gute philosophische Gespräche und natürlich auch Musik. Gothic hat nichts mit Satanismus gemeinsam! Wenn mich eine/r blöd anquatscht oder mich beleidigt, denke ich mir nichts dabei, weil die meisten Menschen gar nicht wissen, was Gothic bedeutet, denn durch viele Pseudos wird die Szene geradezu in den Dreck gezogen und in Verbindung mit Drogen und Alkohol gebracht. Ich lebe meine Lebenseinstellung, egal, was andere von mir denken!


09 Patrizia, Arbeiterin, 17 Jahre Ich bin noch nicht so lange in der Szene vertreten, doch für mich drückt Gothic einfach Gemeinschaft und Interesse am Gleichen aus. Als Neuling wirst du natürlich erst ein wenig „beschnuppert“ und man hält ein wenig Abstand zu dir, weil sich in letzter Zeit so viele Mode-Goths herumtreiben. Jedoch wirst du auch bald einmal akzeptiert und lernst einige nette Leute kennen. Mich hat schon immer Romantik und Melancholie total angesprochen und vor allem

auch die Musik. Ich befasse mich auch gerne mit Okkultismus und dergleichen, obwohl das nicht viel mit Gothic zu tun hat. Für jeden Goth ist eigentlich romantische Musik ein Muss. Am Anfang war es total komisch, dass mich jede/r blöd angestarrt hat, doch mit der Zeit fällt einem das nicht mehr auf.

Asim, Metallarbeiter, 18 Jahre Beim Sport habe ich Spaß. Ich kann hier meine Aggressionen und den Stress abbauen. Fußball ist mein Leben. Das

Team ist das wichtigste beim Spielen und ich kann meinen KollegenInnen vertrauen. Gemeinsam sind wir stark.

Fabian, Schüler, 18 Jahre Ich höre Goa schon seit mehreren Jahren und wurde oft mit Vorurteilen gegenüber uns „Goanern“ konfrontiert. Goa hat jedoch wesentlich mehr mit Lebenseinstellung, Lebensführung und Kultur als mit Drogen zu tun. Ich schätze besonders die Offenheit und Toleranz, die in der Goa-Szene Tatsache ist. Jede/r kann tanzen sowie sich anziehen wie er/sie will. Man wird nicht ausgelacht, ausgemacht oder dumm angeschaut – egal wie man sich bewegt oder welche Kleidung man trägt. Goa verbindet seit seiner Entstehung in den späten 80er Jahren mehrere Musikstile und lässt Aspekte aus vielen Kulturen mit einfließen. Egal ob Schwarzer, Weißer

– Skater, Punk, Rocker oder „Normalo“, jede/r ist in der Szene willkommen und wird akzeptiert. Außerdem ist Goa äußerst vielfältig und basiert nicht – wie von vielen angenommen – auf simplen Beats und Breaks, sondern steht für gemeinschaftliches Feiern und Tanzen zu abwechslungsreichen Tracks. Dabei spielt auch die Natur eine große Rolle, was besonders auf großen Outdoor-Events klar wird, wo viel Rücksicht auf die umliegende Flora und Fauna genommen wird.


Stefanie, Schülerin 18 Jahre Ich möchte nicht so Aussehen wie alle anderen! Ich kleide mich gern punkig und flippig, so wie es mir gefällt und vor allem, so wie ich mich wohlfühle. Ich bewege mich nicht nur in einer Szene, ich bin eher ein vielseitiger Mensch, mir gefällt Skate,

Punk, Rock und auch Reggae. Je nach Laune ziehe ich mich dafür an oder höre die entsprechende Musik.

Miki, Schüler, 14 Jahre Meine Welt ist HipHop, ich tanze und trainiere dreimal in der Woche und nehme auch bei diversen Underground HipHopDance-Battles teil. Ich bin total gegen Gewalt und Drogen und finde es zum Kotzen, dass die HipHop-Szene oft unter dem Vorurteil leidet. Fette Markenklamotten sind sehr wich-

tig, um dazuzugehören. Ich werde auch oft beim Einkaufen oder im Bus von Erwachsenen und anderen Szenen blöd angeschaut, doch das lässt mich kalt, denn das ist mein Leben.

Clara, Schülerin, 16 Jahre Ich bin einfach so, wie ich bin. Ich bin kein Punk, kein Hippie und auch kein Emo. Ich bin einfach ich!! Ich liebe Gerechtigkeit und wünsche mir Gleichberechtigung für alle Menschen und vor allem Gleichberechtigung für die

Frauen! Ich stöbere gern durch Weltläden, und wenn es meine Geldbörse erlaubt, kaufe ich gerne Fairtrade Produkte. Ich interessiere mich sehr für andere Kulturen. Das Reisen nach Brasilien und der African Dance Kurs im Factor Y haben mir mehr Einblicke in deren Kultur gegeben. Ich liebe Kreatives Arbeiten: Töpfern, Filzen, Emaillieren… wo ich mich richtig austoben kann.


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Drei Fragen – drei Antworten

– eine Person

Jugendkulturförderung in Vorarlberg

Herr Dr. Grabher, wenn Sie an Jugendkulturen denken, welche Bilder und Gedanken assoziieren Sie mit dem Begriff und den damit einhergehenden Ausdrucksformen, Facetten und Bandbreiten? Natürlich denkt man spontan an all die bekannten Erscheinungsformen aus dem Umfeld der Musik- und Sportszene. Meine Wahrnehmung reicht demnach von den Beatniks der sechziger Jahre bis zum HipHop samt den heutigen Subkulturen – vielfach in Verbindung mit gewissen Musikgruppen. Im Gespräch mit meiner fünfzehnjährigen Tochter stellt sich aber immer wieder heraus, dass ich dabei als Oldie meist ziemlich neben der Sache stehe. Wo sehen Sie die Schnittstellen und Verknüpfungen zwischen Jugendarbeit und Kulturarbeit? Die Schnittstelle definiert sich wie in allen Kulturfragen über den jeweiligen Grad an künstlerischem Potential einer Szene. Ich mag eigentlich das Wort „Jugendkultur“ nicht so besonders. Besser finde ich den umfassenderen Begriff „Jugendliche Lebenswelten“.

Und sobald es Jugendlichen gelingt, diese Lebenswelten kreativ zu artikulieren, sind sie für die Kulturabteilung interessant und damit auch ein kulturpolitisches Thema. Als Leiter der Kulturabteilung des Landes Vorarlberg, wo sehen Sie die Verantwortung des Landes im Bereich der Förderung von Jugendkulturarbeit – insbesondere unter dem Spannungsbogen von einem sehr anspruchsvollem Kulturverständnis bis hin zu einer sehr niederschwelligen Jugendkulturarbeit? Nach meiner Erfahrung braucht die Jugend eigentlich keine inhaltlichen Zurufe von uns Erwachsenen, wenn es um ihre kulturelle Identifi-

kation geht. Sehr wohl aber müssen wir – nicht nur im Bereich der Ausbildung – unseren gesellschaftspolitischen Auftrag ernst nehmen, indem wir geeignete Rahmenbedingungen schaffen, unter denen sich junge Menschen zwanglos kreativ verwirklichen können. Viele Dank für Ihre Antworten. Name: Dr. Werner Grabher Funktion: Vorstand der Abteilung Kultur im Amt der Vorarlberger Landesregierung Alter: Jenseits von Gut und Böse… Motto/Spruch oder Ähnliches: Arbeitsmotto: Alles für die Kunst! Aber auch Rechenschaft gegenüber den Steuer zahlenden Menschen – und am Morgen noch aufrecht in den Spiegel schauen können.


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Heidi oder Heavy Metal Jugendkulturen in der Schweiz

Historisch gesehen wurde das Thema „Jugendkulturen in der Schweiz“ bis heute stiefmütterlich behandelt. Es gibt bis jetzt keine umfassende Publikation, die den Zeitraum der letzten fünfzig bis hundert Jahre beleuchtet. Obwohl dies auch im Sinne einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen Forschungsrichtungen wichtig wäre. Der Sammelband „Walk on the wild Side“1, ein Ausstellungskatalog aus dem Jahre 1997, beleuchtet denn auch nur Teilaspekte jugendkultureller Strömungen in der Schweiz. In letzter Zeit sind zwar einige schöne Bildbände erschienen,2 allerdings nur über einzelne Szenen, was die Zusammenhänge zwischen den Szenen – und das ist für die Schweiz ausserordentlich wichtig – ganz

außer Acht lässt. Wir hinken also unseren Nachbarländern in Sachen Jugendkulturforschung hinterher.

Jugendkultur und Widerstand Jugendkultur wird gemeinhin als Gegenkultur zur bestehenden und allgemein anerkannten Kultur einer Gesellschaft verstanden: Protest allerdings zeigt sich in verschiedensten Formen. Während die einen ihren Protest in Kleidung und verbaler oder physischer Auflehnung gegen außen tragen, politisch agieren und diskutieren wollen, ziehen sich die anderen in eine Traumwelt, in eine konstruierte Welt zurück. Die als Speerspitze neuer kultureller Errungenschaften gefeierte Jugendbewegung, die sich in verschiedensten Formen seit der Nachkriegszeit gebildet hat, scheint allerdings heute überholt. Neues zu erfinden, Neues zu erleben und Neues selber zu organisieren ist schwierig geworden. Was bleibt, ist oft der Konsum von bereits bestehenden Angeboten oder das Nachleben vergangener Jugendkulturen. Diese Entwicklung lässt sich auch an der Musik-, Mode- und Filmindustrie able-


Glarner, Hans Ulrich (Hsg.): A Walk on the wild Side, Jugendszenen in der Schweiz von den 30er Jahren bis heute, Zürich 1997 2 Etwa folgende Titel: Grand, Lurker u.a.: Hot Love, Swiss Punk and Wave, 1976 – 1980, Zürich 2006 Horat, Heinz, u.a.: Ausser Rand und Band, Die Luzerner Szene 1950-1980, Luzern 2006 Wottreng, Willi: Tino, König des Untergrunds: Die wilden Jahre des Halbstarken 1

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und Rocker, Zürich 2002 Nigg, Heinz: Wir wollen alles, und zwar subito!, Die Achtziger Jugendunruhen in der Schweiz und ihre Folgen, Zürich 2001 3 Glarner, Hans Ulrich (Hsg.): A Walk on the wild Side, Jugendszenen in der Schweiz von den 30er Jahren bis heute, Zürich 1997, S.5 4 Hausbesetzerszene 5 Kälin, Urs: Leben heißt kämpfen, Bilder zur Geschichte der sozialistischen Arbeiterjugend Zürich 1926-1940, Zürich 2001

sen. Trotzdem gibt es – auch in der Schweiz – viele Jugendliche, die mitgestalten und aktiv sein möchten.

Trends aus dem Ausland – Ausgestaltung vor Ort

Franziska Zaugg

Die Geschichte der Schweizer Jugendszenen, so Hans Ulrich Glarner, sei eine Rezeptionsgeschichte.3 Die wesentlichen Impulse erhielten die Jugendlichen aus dem Ausland, aus Großbritannien und den USA. Dennoch wurde die Ausgestaltung der unterschiedlichen Jugendszenen in der Schweiz starken regionalen Unterschieden unterzogen. So erlebte etwa die Squatter-Szene4 in der französischen Schweiz eine viel intensivere und länger anhaltende Blütezeit, die in Städten wie Genf oder Lausanne bis heute nachwirkt.

Zwischen Damals und Heute Wie waren frühere Jugendbewegungen und wo stehen die Jugendlichen heute? Die Jugendkulturbandbreite reicht von jugendpolitischen Strömungen der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts, wie etwa der SAJ, der sozialistischen Arbeiterjugend5, bis zu den TechnoanhängerInnen der neunziger Jahre, die bis heute alljährlich zur Streetparade nach Zürich fahren. Grob lässt sich die Schweizer Jugendkulturlandschaft in sechs Schwerpunkte unterteilen: Die jugendpolitischen Bewegungen der Zwischenkriegszeit, sowohl rechte als auch links Strömungen sind hier im öffentlichen Raum aktiv. Die Halbstarkenbewegung in der Nachkriegszeit bis in die sechziger Jahre hin-

ein. Die Jugendbewegungen rund um die Globuskrawalle in Zürich 1968. Das breite linkspolitische Spektrum aus allen möglichen Jugendkulturen in den achtziger Jahren, dessen Errungenschaften sich in Form von Kulturzentren bis heute manifestieren. Der Aufschwung rechter Strömungen in den neunziger Jahren und stark individualisierte Jugendkulturen am Anfang des neuen Jahrtausends wie etwa die Gamer-Szene. Bei dieser abwechslungsreichen Entwicklung dürfen wir auf das Morgen gespannt sein. Franziska Zaugg,

www.infoclick.ch

Momentan ist die Seite www.jugendkulturen.ch im Aufbau. Sie wird über die einzelnen Jugendkulturen der Schweiz Auskunft geben und im Frühling 2008 aufgeschaltet.


culture on the road

Archiv der Jugendkulturen „Wer sich auf die Realität einlässt, muss die beruhigende Eindeutigkeit aufgeben.“ Das Berliner Archiv der Jugendkulturen e.V. stellt den Klischees und Vorurteilen über Jugendkulturen differenziertes Wissen gegenüber. Als bisher einzige Einrichtung dieser Art in Europa sammelt es Materialien jugendlicher Kulturen und stellt diese in seiner kostenfrei zugänglichen Präsenzbibliothek allen Interessierten zur Verfügung. Mit dem Journal der Jugendkulturen veröffentlicht das Archiv Zum Nachlesen Erscheinungen des Verlags des Archivs der Jugendkulturen Klaus Farin „Jugendkulturen zwischen Kommerz und Politik“ (Archiv der Jugendkulturen ISBN 978-3-940213006) André Pilz „No llores, mi querida – Weine nicht, mein Schatz. Ein Skinhead-Roman“ (Archiv der Jugendkulturen ISBN: 3865460313)

Jörn Ranisch „le petit mort. Sex & Drugs & Mukoviszidose. Die Geschichte eines Grufties“ (Archiv der Jugendkulturen ISBN 978-3-94021-338-9) Gabriele Rohmann (Hrsg.) „Krasse Töchter – Mädchen in Jugendkulturen“ (Archiv der Jugendkulturen ISBN 978-3-94021-337-2)

eine eigene Fachzeitschrift, die aktuelle Szene-Porträts, Essays zu Themen und Entwicklungen in der Jugendforschung, einen ausführlichen Rezensionsteil u.v.m. enthält. Die Ergebnisse seiner eigenen Forschung, aber auch autobiographische Texte von Szene-Angehörigen, Romane, Dissertationen, Diplomarbeiten und andere herausragende wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht das Archiv der Jugendkulturen in seiner archiveigenen Buchreihe.

Culture on the Road ... ... ist ein Projekt des Archiv der Jugendkulturen e.V. gegen Gewalt, Rassismus und Rechtsextremismus, für Tole-

ranz, Weltoffenheit und jugendkulturelle Vernetzung. Jugendkulturen sind aufregend, kreativ und in der Regel bunt, nicht braun, auch wenn immer häufiger in den verschiedensten Jugendkul-


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Mobile Projekttage Culture on the Road ist das Konzept für einen oder mehrere „mobile“ Projekttage, die in Schulen und Jugendhäusern durchgeführt werden können. Politische Bildung über Rechtsextremismus, Rassismus und andere men-

schenverachtende und intolerante Einstellungen wird mit Informationen über die Geschichte und Wurzeln der Jugendkulturen verbunden. Szene-Angehörige vermitteln lebensnah Ideen und Hintergründe, Stile und Ausdrucksformen ihrer Jugendkulturen. Die SchülerInnen haben in zahlreichen Workshops die Gelegenheit, selbst Ausdrucksformen der verschiedenen Jugendszenen auszuprobieren. Ziel ist es, jugendkulturelle Vielfalt fundiert und authentisch zu vermitteln, das Bewusstsein für politische Themen zu schärfen, tolerante Haltungen zu unterstützen und einen Beitrag zur Gewalt- und Rechtsextremismusprävention zu leisten.

Jugendkulturen und politische Bildung Das Culture-on-the-Road-Team setzt sich aus Fachleuten der politischen Bildung und VertreterInnen unterschiedlicher Jugendszenen zusammen: HipHop, Reggae/Dancehall, Skaten, Techno, Gothic, Punk, Hardcore, Heavy Metal, Streetdance, Skinheads. Die fortlaufend weiterqualifizierten Szene-Angehörigen verfügen über ein profundes Wissen zu ihrer eigenen und anderen relevanten Jugendkulturen sowie zum Themenkomplex Rechtsextremismus/Rassismus. Als authentische Vorbilder stehen sie außerdem für Toleranz, Gewaltfreiheit und Gleichberechtigung. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind ein bedeutender Teil des Teams. Culture on the Road richtet sich an Jugendliche ab 14 Jahren und erwachsene MultiplikatorInnen.

culture on the road

turen rechtsextreme und rassistische Einsprengsel sichtbar werden. In diesem Spannungsfeld bewegt sich das Projekt „Culture on the Road“. Es setzt bei dem an, was Jugendliche interessiert – Musik, Mode, die Freizeitwelt. Es lässt sie für einige Stunden an der Faszination der Szenen teilhaben und das eigene kreative Potential austesten, thematisiert aber auch die Schattenseiten der jugendkulturellen Lebenswelten.

Kontakt: Archiv der Jugendkulturen e.V. Fidicinstr. 3, D - 10965 Berlin T: (0049)30/694 29 34 E: archiv@jugendkulturen.de www.jugendkulturen.de; www.culture-on-the-road.de

… und noch eine Website – empfohlen von Jörn Ranisch www.schwarzes-glück.de Auf dieser Kontaktbörse sind ca. 30.000 junge Menschen angemeldet, die für sich in Anspruch nehmen, der „schwarzen Szene“ zugehörig zu sein. Die Kontakte gehen über Deutschland, Österreich und der Schweiz weit hinaus. Das Besondere daran sind einerseits die Userprofile an sich – diese sind extrem umfangreich, geben intensiv Auskunft über szenerelevante Codes (von der banalen Frage nach der Haarfarbe über die Religionszugehörigkeit bis hin zu kreativem Freitext – das Weitere ist, dass fast unzensiert die Szene selbst redet. Wenn man also in Kontakt mit SzenegängerInnen kommen möchte, kann man hier auf virtuellem Wege unerschöpflich viel Informationen direkt von der Basis bekommen, das hat den Vorteil, dass eben keine subjektive Sichtweise oder eine wissenschaftliche Abhandlung über „die Grufties“ berichtet. Zusätzlich gibt es noch eine umfangreiche Linksammlung zu weiterführenden Seiten.


Inhalt ist mehr als nur das Ausfüllen eines Rahmens

JUGENDKULTUR – KULTUR DER JUGEND? Wenn du Geld hast, kannst du Jugendkultur konsumieren. Die Mode- und Meinungsmacher servieren sie dir vorgefertigt auf einem Tablett. Du musst nur dafür bezahlen und dann darfst auch du Teil einer Jugendkultur sein. Ausserdem solltest du besitzen: Ein Handy, einen Computer, eine Playstation, einen Internetzugang, einen i -pod, Mode, ...

Die Möglichkeiten, die Kulturarbeit für Jugendliche und junge Erwachsene bietet, sind sehr vielfältig. Ob Musik, Theater, Sport, Tanz, Literatur oder die Verbindung von allem – der Fantasie sind nicht die geringsten Grenzen gesetzt. Voraussetzung, einen Rahmen zu füllen, ist allerdings der Rahmen selbst: Die Institutionen, Jugendkulturzentren und Offenen Jugendzentren, die jungen Menschen eine Möglichkeit bieten, sich selbst zu verwirklichen, Verantwortung zu übernehmen und Teil eines Teams zu sein.

Ich stell es mir schwer vor, heute jung zu sein. Es gibt so viele Erwartungen an euch junge Menschen. Es gibt so viel, was ihr „haben“ sollt, um „sein“ zu dürfen. Eine eigene Kultur zu entwickeln scheint mir schwierig neben all dem Angebot, aus dem es auszuwählen gilt, aus dem man einfach auswählen kann und das uns von allen Seiten überrollt. Um zur eigenen Kultur zurückzufinden braucht es auch mal Ruhe, Zeit und vor allem „Nichts“. Eine Rückführung zum Ich, zum Innersten sozusagen. Ein „geliebt werden“ ohne all diese materiellen Anhäufungen. Ein „Sich – Selbst – Bewusstsein“. Freundschaft und Geborgenheit. Das sollten auch wir Erwachsene jungen Menschen anbieten. Mag.a Cornelia Hummer Proton – das freie Radio

www.radioproton.at

Proton – das freie Radio ist ein freies, nicht kommerzielles Lokalradio. Bei Proton – das freie Radio arbeiten Menschen ehrenamtlich aus verschiedenen Generationen und Kulturen – auch Jugendkultur kann bei uns gelebt werden.

Eine Spielwiese zum Erproben, ein Raum zum Sein, um sich selbst zu Entfalten und sein kreatives Potenzial zu entdecken und zu fördern. Jugendkulturarbeit dient nicht der reinen Unterhaltung, noch ist sie auf den Konsum vorbereiteter Angebote ausgerichtet. Sie soll die Partizipation, die Kompetenzen und das Selbstbewusstsein Jugendlicher fördern. „Meister fallen nicht vom Himmel“ – An den hauptamtlichen JugendkulturarbeiterInnen liegt es letztendlich, den Weg der jungen KünstlerInnen so gut es geht zu begleiten. Vielleicht wird er/ sie ja in Zukunft seinen/ihren Lebensunterhalt damit bestreiten … ?! Learning by doing! Lucas Geiler Jugendkulturcafé PROPOLIS Innsbruck

www.kulturcafepropolis.com


17 Das Recht auf Revolution

Kommentare

Jugendlichkeit ist die Triebfeder dessen, was unsere Gesellschaft in ihrer Dynamik prägt und den Bogen spannt zwischen dem Gestern und dem Morgen. Jugendszenen bzw. Jugendkulturen sind facettenreiche Ausdrucksmöglichkeiten dafür und der Spiegel dessen, was junge Menschen in unserer Gesellschaft bewegt – eine Art Manifestation jugendlicher Reaktionen auf das Heute. Jugendkulturen sind etwas, das Jugendlichen gehört, von ihnen gelebt und durch sie auch erlebbar gemacht wird, in der Synthese von Jungendlichkeit und Jung sein im sozialen Kontext betreffen Jugendkulturen aber alle Menschen. Jugendszenen können Aufschluss darüber geben, wie es jungen Menschen in ihrem realen persönlichen Leben mit all seinen Rahmenbedingungen geht, wie sie ihr Leben, das Leben an sich und alles drum herum wahrnehmen, wogegen sie sich wehren, wo sie Unterstützung brauchen, wo sie einfach in Ruhe gelassen werden wollen. Jugendszenen sind also Freiräume, die von Jugendlichen kreiert werden, um unsere Gesellschaft ein Stück weit mitzuerfinden, mitzugestalten und um Einfluss zu nehmen. Durcheinanderbringen und in Frage stellen gehen Hand in Hand, um über diese Unordnung, um über dieses Auflösen der angeblich unverrückbaren Gegebenheiten eine neue zeitgemäße, für sie passende Wahrnehmung und Ordnung der Dinge zu ermöglichen. Und das ist nicht nur ihr demokratisches Recht, sondern sogar ihre Pflicht im Sinne einer aktiven gesellschaftspolitischen Teilhabe mit dem Fokus, einen eigenen Zugang zu sozialer Verantwortung, Individualität und Gruppenbildung zu finden. Mag.a Sabine Liebentritt


Diskurs stellt Fragen zur Diskussion

Statements von Fachpersonen zu ausgewählten Fragestellungen

Doris Doppler

Hier ist auch Ihr Standpunkt gefragt: Welche Position und Haltung haben Sie bei diesen Fragen? Teilen Sie Diskurs Ihre persönliche Sichtweise mit unter redaktion@jugend-diskurs.at

1. Kreative Inszenierung versus Provokation: Ist das Aus- und Erleben einer Jugendkultur nur eine Phase, eine Lebenseinstellung oder Ausdruck der Persönlichkeit? André Pilz, 35, Schriftsteller Die wilde Musik, der gefährliche Ruf der Skins und deren Outfit haben mich als stinknormalen, braven Jugendlichen ungeheuer fasziniert. Aber erst als ich erfahren habe, dass es auch eine breite anti-rassistische Szene gibt und nicht jeder Skinhead ein brutaler Schläger ist, war das mein Ding. Egal, welcher Richtung man angehört – der rechten, linken, unpolitischen – wer Skin wird, begeht zumeist einen radikalen Bruch mit der Welt. Skinheadwerden ist eine Art Kriegserklärung an die Eltern, an die Lehrer, an die Gesellschaft, ja, im Grunde an die ganze Welt.

Jörn Ranisch

Jörn Ranisch, 38, alias „Pfeffi“, seit 20 Jahren in der Ostdeutschen bzw. Berliner Gothicszene aktiv: Als ich mit ca. 17 Jahren meine ersten Freunde im Szenemilieu fand, war ich sehr beeindruckt von dem scheinbaren Widerspruch zwischen einerseits morbidem bis martialischem Lifestyle und den andererseits sehr sensiblen Umgangsformen der Grufties untereinander. Bis heute noch fasziniert mich der Wille zur Gesellschaftsabgrenzung und der Versuch, offenere Umgangsformen zu pflegen, die Lust am Leben bei gleichzeitiger Sehnsucht nach spiritueller Auseinandersetzung mit dem Tod oder okkultistischen Betätigungen, die Sinnsuche im Allgemeinen.

1. Gerade in der Skinszene gibt es viele Leute, die sind da für eine halbe Fußballsaison, dann sind sie wieder weg, und dann gibt es Leute, die waren das mit 15 und sind das noch mit 45. Länger bleiben meist die, die sich wirklich mit dem Kult befassen, also mit der traditionellen Musik, den Klamotten usw., die ihren Freundeskreis in der Szene haben, vielleicht selber in Bands spielen, und bei rechtsextremen Glatzen natürlich auch die, die ihre rassistische Weltanschauung offensiv und aggressiv zum Ausdruck bringen wollen. Bei dieser Subkultur sollte man auch bedenken, dass eine Zugehörigkeit zur Szene mit enormen Nachteilen im Berufsleben verbunden sein kann. Ich persönlich weigere mich schon lange, die Frage nach der Szenezugehörigkeit zu beantworten, da der Fragesteller meist den Begriff Skinhead völlig anders definiert als ich und er gar nicht an meiner Definition interessiert ist.

1. Ich bin der Meinung, dass zumeist die provokante, kriti-

sche Auseinandersetzung mit der „Erwachsenenwelt“ die gewollte, sichtbare Abgrenzung zu dieser das Schlüsselerlebnis darstellt. Wenn dann im Laufe der Zeit Fragen, welche Kids ans Leben haben, durch die Jugendkultur und dem Erleben geklärt werden, dann kommt es sicher dazu, dass Kids weit über Phasen hinaus Protagonisten, Szeneangehörige werden. Es werden automatisch Szeneverhaltensweisen, Codes zu Lebenseinstellungen und diese werden dann als Ausdruck einer Persönlichkeit erlebt und angenommen.


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2. Von Protest zu Potential – Politischer Anspruch von Jugendkulturen: Können, sollen und dürfen Jugendkulturen so etwas wie Selbstzweck sein oder sind Jugendkulturen als Reaktion und Konsequenz auf Störungen im gesellschaftspolitischen Kontext zu betrachten?

3. Jugendkulturen nicht ohne Jugend: In der Arbeit mit Jugendlichen zum Thema „Jugendkulturen“ ist ganz wichtig zu beachten….

2. Für mich ist das sehr wohl ein Indiz, dass etwas in der Gesellschaft falsch läuft, wenn wieder mal eine „Naziglatzenschwemme“ einsetzt. In Zeiten, da die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden und eine breite Schicht völlig den Anschluss verliert, muss man sich nicht wundern, wenn junge Menschen ihre Wut über ihre Perspektivlosigkeit gewalttätig entladen. Leider treten sie nicht den Verantwortlichen in den Arsch, sondern suchen sich Sündenbocke. Ich habe aber auch selten erlebt, dass ein 16-Jähriger Skin wird, wenn bei dem alles stimmt: Elternhaus, Schule/Job, Freundeskreis usw. Und wenn, dann hängt er sich bestimmt nicht das Eiserne Kreuz um und zieht los, um Ausländer aufzuklatschen, sondern interessierte sich für den ursprünglichen Kult.

3. … dass man erstmal Ahnung von dieser Jugendkultur hat. Es ist ja z.B. unglaublich, wie viele Journalisten keine Ahnung davon haben, dass eine anti-rassistische Skinheadszene überhaupt existiert! Kürzlich wurde mir auf einem Vortrag zum x-ten Mal erklärt, die Marke „Lonsdale“ sei eindeutiges Erkennungszeichen für Neonazis, und ich saß da mit meiner Lonsdalejacke. Also: Wer sich mit jugendlichen Skins auseinandersetzen will, der muss selbstverständlich die Hausaufgaben machen. Weiters – … dass man gründlich abwägt, was von dem (rechten) Gehabe nur Provokation ist und was bereits gefestigte Weltanschauung, damit man nicht zu früh die Akzeptanz verliert, aber auch nicht zu spät durchgreift. Ein „Sieg Heil!“ ist manchmal ja tatsächlich nur ein Schrei nach Liebe.

2. Hier denke ich kann man beides gelten lassen. Einerseits ist eine Jugendkultur, die politische Aspekte für sich in Anspruch nimmt, immer auch ein Indiz für gesellschaftliche Missstände. Anderseits – und das unterscheidet sie von der politischen Welt der Erwachsenen – macht politische Betätigung einen Teil der Spaßkultur aus, das Umsetzen politischer Inhalte, Forderungen und Ziele wird als Spaßfaktor erlebt und gestaltet. Politik in der Welt der Bürger ist eher eine ungeliebte Notwendigkeit, Politiker werden oft als „herrschende Betrüger“ verstanden, bei den Kids wird politisches Engagement als „cool“ bewertet, solange dies Bezug „zur Straße“ hat. Sobald jedoch jemand von Parteien vereinnahmt wird, verstößt er damit gegen die „Autonomität“ und begibt sich an den Rand der Glaubwürdigkeit und Akzeptanz. Nur äußerst selten gelingt großen Politikern das Ansehen von Popstars bei Jugendlichen (Mandela, Che Guevara, Mumia Abu-Jamal, Papst).

3. … dass man eine Jugendkultur nicht vorverurteilt, weil sie

dem persönlichen Empfinden des Jugendarbeiters widersprechen. Weiters finde ich es wichtig, die populären, großen Jugendkulturen der Zeit in ihren szenetypischen Codes zu kennen und unterscheiden zu können, um – und das ist wichtig (!) – vor den Kids Vergleiche vollziehen zu können. Die meisten Jugendkulturen haben gemeinsame Nenner, und diese sollten (mit den Jugendlichen) heraus gearbeitet werden. Nur so kann man meines Erachtens nach Toleranz und Vielfältigkeit erschaffen und erhalten. Nur das jeweilige Verstehen der anderen Jugendgruppe kann die Akzeptanz derer erzeugen. Erst wenn Kids wissen, die anderen sind auch „cool“, ohne dabei ihre Szenezugehörigkeit aufgeben zu müssen, werden andere Jugendkulturen als Freunde erlebt. Dies setzt voraus, dass der/die JugendarbeiterIn Jugendkulturen im Detail aufschlüsseln und vermitteln kann, sie selbst versteht und akzeptiert.


Culture Factor Y

„Wir zeigen euch,

wer wir wirklich sind“

Ein Workshop von Jugendlichen für Erwachsene entwickelt für die KOJE-Fachtagung „Jugendkulturen“ Die Jugendkulturen sind lebendig, aktiv, schillernd, bunt und voller Mythen. Seit Jahrzehnten prägen sie das Bild der Jugend, sehr faszinierend und für Außenstehende oft auch irritierend. Oft steht dieser Fixbestandteil der Jugendlichen im Brennstrahl der Kritik. Aber dass die Jugendkultur für die Jugendlichen eine fixe Alltagskultur ist, wird immer wieder übersehen. Sie fordert Jugendliche dazu auf, nicht passiv zu bleiben, sondern selbst etwas zu tun. Beim Workshop auf der internationalen Fachtagung „Jugendkulturen“ der KOJE im November 2007 in Dornbirn, ging es um die Wichtigkeit der Jugendkulturen aus der Sicht der ExpterInnen, nämlich den Jugendlichen. Es ging um einen Einblick in den Alltag von Jugendlichen

sowie um eine Beleuchtung der verschiedenen Szenen. Uns – das sind die JugendarbeiterInnen des Culture Factor Y – war es wichtig, Jugendliche von verschieden Szenen und Jugendkulturen aus dem Culture Factor Y zu vernetzen und sie dabei zu unterstützen, die Vorurteile gegenüber ihrer Alltagskultur bzw. Szene aufzuklären. Die Jugendlichen wollen Licht in das Dunkel der Klischees bringen, Klischees wie „Jugend und die oberflächliche Konsum- & Spaßgesellschaft“. Sie gewährten mit diesem Workshop authentische Einblicke und schafften eine Transparenz in Hinsicht auf ein buntes Gemisch aus Lebensauffassungen und Lebensstile jenseits einer „oberflächlichen“ Kultur, da in den Jugendszenen wirkliches, echtes, authentisches Engagement verlangt wird.

Jugendkultur geht von den Jugendlichen selbst aus Da die Jugendlichen im Culture Factor Y schon oft Impulse zur Klärung mancher Vorurteile gegenüber ihrer Szene zeigten, dauerte es nicht lange, bis wir die bunte Bande, bestehend aus je einer/m Metal-Head-, Skateboarder-, Punk-, Gothic- und Alternativ-Jugendlichen an einem Tisch hatten. Bereits in den


21 Statements von den workshopleitenden Jugendlichen

Vorbereitungssitzungen gab es regen Austausch sowie Diskussionen und gegenseitiges Interesse zwischen den Jugendszenen.

Dabei hat jede/r Einzelne mit großer Spontaneität spannende und lustige Szenen über dessen/deren Alltag und Einblicke in das Leben „der heutigen Jugend“ in Vorarlberg gefilmt, zusammengeschnitten und mit Lieblingssong untermauert. Anschließend wurde aus allen Kurzfilmen ein gesamter Tagesablauf zusammengefügt und präsentiert.

Drei aufeinander aufbauende Workshopelemente

2. Das Erleben

Die Jugendlichen hatten super Ideen, legten Eigeninitiative an den Tag und sprühten vor Kreativität – es war ihnen wichtig, IHREN Workshop „schillernd und bunt“ zu gestalten. Die Kids entwickelten drei Baussteine für den Workshop, um aufzuzeigen, was Jugendliche formt, inspiriert und bewegt.

Im zweiten Teil „Erleben“ war das Ziel der jungen WorkshopLeiterInnen, mehreren freiwilligen WorkshopteilnehmerInnen anhand eines Rollentausches das Gefühl der oberflächlichen Kritik, mit welcher sich viele Jugendszenen auseinander setzen müssen, zu vermitteln und den Erwachsenen ihre Kulturen näher zu bringen, um mehr Toleranz zu schaffen. So wurden vier Freiwillige in die jeweiligen vorgestellten Jugendszenen-Styles wie Skateboarder, Punk, Gothic und Alternativ gestylt und mit einer kleinen Performance präsentiert sowie mit Fragen über deren Gefühle und Meinungen von den Jugendlichen in der Position der Erwachsenen gelöchert.

1. Ein Film

3. Diskussion – Konfrontation – Verständnis schaffen

Im ersten Teil „Zeigen“ wurde nach einer Einleitung in die Jugendkultur sowie der persönlichen Vorstellung der Jugendlichen anhand eines selbst gedrehten Kurzfilms ein Einblick in den Alltag und die verschiedenen Jugendkulturszenen gezeigt.

Im dritten und letzten Teil „Erwartungen & Fragen“ gab es, nach einer heißen Diskussion, eine gegenseitige Befragung und Ausarbeitung von den VertreterInnen der Jugend und der Erwachsenen. Unter anderem über Erwartungen, Verständnis, Zukunft, Oberflächlichkeit und Möglichkeiten, gegenseitige Vorurteile abzubauen. Am Ende des Workshops, den die Jugendlichen und das CFYTeam im Auftrag von invo, der Servicestelle für Partizipation erarbeitet haben, bekamen die Jugendlichen kräftigen Applaus und zahlreiche positive Feedbacks. Mehrere TeilnehmerInnen erklärten bei der Evaluation bzw. der Nachbesprechung der JugendkulturFachtagung den Workshop von und mit den Jugendlichen für eines der besten Angebote der Fachtagung.

koje

Steven Marx Infos zum Workshop unter

office@cfy.at

Ich habe bei den Jugendkulturtagen mit anderen Jugendlichen einen Workshop über Jugendkultur geleitet. Ich lernte neue Leute und ihre Jugendkulturen kennen. Man sollte solche Projekte aber nicht nur mit JugendarbeiterInnen sondern auch mit PolitikerInnen und LehrerInnen machen, denn diese haben genauso oft mit Jugendlichen zu tun. Der Workshop hat mir sehr viel Spaß gemacht, und ich würde gerne wieder einen leiten. Sebastian, Schüler, 16 Jahre

Ich wollte andere Jugendkulturen und ihre Meinungen kennen lernen. Während den Vorbereitungen und im Workshop selber habe ich auch vieles gelernt für mein Leben. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Anja, Schülerin, 15 Jahre

Es war ein sehr interessanter Tag, an dem ich nicht nur gelernt habe, vor Leuten zu sprechen und mich und die Jugendkultur (Punk) zu präsentieren, sondern an dem ich auch selbst sehr viel von einerseits meinen WorkshopkollegenInnen und andererseits vom Publikum mitnehmen konnte. Michaela, Schülerin, 18 Jahre

Ich machte bei diesem Workshop mit, weil ich den Leuten meine Musik und das, zu was ich stehe, präsentieren wollte. Ich wollte ihnen meine Jugendkultur Metal aus meinen Augen zeigen. Für mich war das eine gute Gelegenheit, Klischees und falsche Eindrücke von Metal zu beseitigen. Es ergab sich eine sehr amüsante und interessante Diskussion. Michael, Schüler 17 Jahre


Von 12. bis 14. November 2007 fand im Jugendzentrum Vismut in Dornbirn eine 5-Länder-Fachtagung zum Thema „Jugendkulturen“ statt. Die Tagung wurde durch das EU-Programm „Jugend in Aktion“ finanziert.

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Eine Veranstaltung

– drei Tage – fünf Länder – fünf Statements

Die Inhalte und Ergebnisse der Tagung waren Anlass für die Wahl des Schwerpunktthemas dieser Diskurs-Ausgabe. Menschen aus dem Kontext der Jugendarbeit aus der Schweiz, aus Liechtenstein, aus Deutschland, aus Südtirol und aus Österreich waren als TeilnehmerInnen und auch ExpertInnen bei dieser Tagung mit dabei. Diskurs hat stellvertretend sechs An-

wesende um ein Statement rund um das Thema „Jugendkulturen“ gebeten. Eine Gesamt-Dokumentation der Tagung ist unter www.koje.at zu finden.

Gabriele Rohman, Archiv der Jugendkulturen, Berlin, Deutschland Ich bin sehr begeistert von der 5-Länder-Fachtagung „Jugendkulturen“. Die Tagung war spannend und ist meiner Meinung nach sehr gelungen. Die ReferentInnen waren sehr gemischt besetzt, was eine Herangehensweise ans Thema von sehr verschiedenen Blickwinkeln ermöglichte. Auch die Mischung von TeilnehmerInnen aus der Jugendkulturarbeit und aus der Offenen Jugendarbeit machte einen interessanten Austausch möglich. Aufgefallen sind mir regionale und nationale Unterschiede der verschiedenen Länder im Bezug auf die Auswahl der vorhandenen Jugendkulturen. Die Offene Jugendarbeit Vorarlberg erlebe ich als sehr gut ausgestattet. Ich verbrachte einen Abend im Jugendtreff in&out in Hard und war überrascht, dass eine Gemeinde wie Hard gleich zwei Treffpunkte für Jugendliche betreibt. Ich bin eine Gegnerin der Pädagogisierung der Jugendkulturarbeit. Die Vermittlung der Vielfalt und Förderung von Toleranz ist wichtig, gelingt jedoch am besten durch SzenevertreterInnen. Ich sehe die pädagogische Arbeit in der Jugendkulturarbeit vor allem in der Vermittlung.


23 Manuela Preuß, Jugendkoordinatorin der Gemeinden Lauterach und Wolfurt Die Aufgabe der Offenen Jugendarbeit ist für mich auf jeden Fall, Jugendliche in ihrer Kultur zu fördern und sie dort abzuholen, wo sie stehen. Dabei ist es wichtig, der Thematik „Jugendkulturen“ ohne Vorurteile gegenüber zu treten und ein offenes Ohr für alle Kulturen und deren Anliegen zu haben. Jugendkultur trägt meiner Meinung nach sehr zur Identitätsfindung der Jugendlichen bei. In Lauterach und Wolfurt spricht die Offene Jugendarbeit hauptsächlich Jugendliche aus der HipHop-Szene an. Die Teilnahme an der Fachtagung war für mich als Koordinatorin sehr spannend. Mir wurde erneut klar, dass Angebote für weitere Kulturen bei uns fehlen. Mein Ziel ist es, Jugendliche dahingehend zu motivieren, durch das Einbringen ihres Engagements die Angebotspalette zu erweitern.

Markus Gander, Infoklick.ch, Kinder- und Jugendförderung Schweiz Meine Aufgabe ist es, mit Infoklick.ch Knotenpunkt für die Offene Jugendarbeit Schweiz zu sein. Für mich ist es immer spannend, sich mit Leuten über die Grenzen hinaus zu einem gemeinsamen Thema auszutauschen und Neues zu lernen und zurückzutragen. Das Thema „Jugendkulturen“ steht in der Offenen Jugendarbeit Schweiz nicht an erster Stelle, ist jedoch schon wichtig. Über das Thema „Jugendkulturen“ kommt man in der Arbeit zu vielen anderen Themen, die Jugendliche beschäftigen. Ein großer Teil der Fachtagung war dem Thema „Jugend und Politik“ gewidmet. Das Thema ist für meine Stelle Schwerpunktthema und aus meiner Sicht enorm wichtig für die Zukunft. Ich erlebe Jugendliche bei politischen Themen sehr engagiert und motiviert. Mich freut es, dass es immer mehr Initiativen – wie in Vorarlberg die Servicestelle invo – gibt, die sich diesem Thema annehmen.

Magnus Hassler, Jugendarbeit Schaan, Liechtenstein Bei Fachtagungen wie dieser sind für mich die Pausen meistens am ertragreichsten. Im Austausch mit den vielen TeilnehmerInnen kann ich mir viele Inputs und auch Bestätigung für meine Arbeit holen. Jugendkulturarbeit wird in Liechtenstein schon von professionalisierten, konsumorientierten AnbieterInnen übernommen. Für die Offene Jugendarbeit stellt sich die Frage nach dem Bedarf. Sollen wir auch Angebote machen? Welche Angebote fehlen? Jugendliche selber kommen sehr selten mit Anfragen und Wünschen auf uns zu. Ich bin der Meinung, dass Jugendkulturarbeit in der Arbeit mit Ju-

gendlichen immer mitspielt. Unsere TreffbesucherInnen ordnen sich teilweise schon Jugendkulturen zu. Bei uns geht es aber in der ersten Linie einfach um den Treffpunkt und ums Abhängen. Durch mehrere Räume versuchen wir, mehrere Jugendkulturen anzusprechen.

Walter Mutschlechner, Ufo, Bruneck, Südtirol Insgesamt fand ich die Fachtagung sehr spannend, aber auch sehr anstrengend. Die Informationen wurden sehr gebündelt und kompakt vermittelt. Das Jugendzentrum Ufo in Bruneck, wo ich tätig bin, ist Treffpunkt, Veranstaltungsort und Jugendcafé in einem. Es werden Veranstaltungen und Konzerte für ein breites Publikum angeboten – es ist für 12-Jährige genauso was dabei wie zum Beispiel für über 60-jährige Jazzfans. Trotzdem würde ich sagen, dass wenig Jugendkulturen sichtbar sind. Ich würde mir mehr aktive Jugendliche aus verschiedenen Jugendkulturen wünschen. Meine Einschätzung ist, dass die Jugendlichen sehr viel Druck bekommen (Zukunftsfragen, Beruf, Eltern ...) und sich darum gar nicht trauen, eine Jugendkultur wirklich auszuleben. Unsere Veranstaltungen werden schon recht gut angenommen. Trotzdem schätze ich die Jugendlichen als sehr medien- und konsumorientiert ein. Mein Eindruck wurde auch bei der Fachtagung bestätigt: Jede Jugendkultur hat ihre Konsumgesellschaft im Hintergrund.


shutterstock

Grenzerfahrung:

zwischen Kultur und Kommerz

Im Gespräch mit Mag. Bernhard Heinzlmaier im Rahmen der 5-Länder-Fachtagung zum Thema „Jugendkulturen“. Das Interview führte Manuela Steger, MSc. Welche Entwicklungen und Veränderungen sehen Sie aktuell in den Jugendszenen? In Österreich gibt es neben den bekannten, etablierten Szenen wie Punker, Skater, Gothics etc. ganz eindeutig eine Entwicklung in Richtung „ökologisch-alternative Bewegungen“. Diese Szene, die stark im Kommen ist, befasst sich mit Themen wie „Zusammenleben der Menschen“ oder „Mensch und Natur“ und ist weitgehend dem links-liberalen Spektrum zuzuordnen. In Deutschland macht diese Bewegung z.B. nur einen Bruchteil aus, dagegen setzt bei uns immerhin 1/5 der österreichischen Jugend damit ein Gegengewicht zur Spaß& Fun-Kultur. In Deutschland ist die HipHop-Szene viel größer und mehr verbreitet, bei uns geht es in Richtung Rock und Ökologie.

Ein weiteres stark besetztes Thema ist natürlich Computer bzw. Internet, wobei dieser Bereich eher jungenlastig ist und dann folgt schon der Bereich Sport und Körper. Generell ist ein auffallend starker Bezug der Jugendlichen zum eigenen Körper festzustellen – die Frage „Wie sehe ich aus?“ spielt eine zentrale Rolle und spiegelt sich in boomenden Angeboten wie Fitness, Boarden oder verschiedenen Funund Trendsportarten wider. Der Körper wird zunehmend wichtig für die eigene Identität nach dem Motto „Ich bin, was ich körperlich repräsentiere“. Nicht zu unterschätzen ist Gaming, wo gerade bei der Gruppe der unter-16-jährigen Jungs eine hohe Affinität zu beobachten ist. Hier ist auch die Jugendarbeit gefordert, sich mit Themen wie Medienkonsum, verändertem Kulturbegriff oder Körperkult zu befassen. Da stellen sich Fragen wie: „Was bedeutet eine Plattform wie youtube unter der Perspektive von Jugendszenen?“, „Welcher Fokus ist da zu setzen?“, „Wie kann der Umgang mit virtuellen Realitäten begleiten werden?“ Stichworte dazu sind Medien- und Kulturkompetenz auf beiden Seiten zu schaffen.


Begriff Kommerzialisierung – gibt es einen Ausweg oder …? Alle Jugendkulturen sind kommerziell und da gibt es keine Ausnahmen in der heutigen Zeit. Deshalb ist auch der Zugang dazu nur so zu finden – es ist ein Irrtum, wenn jemand glaubt, da außerhalb agieren zu können. Jugendliche sehen darin allerdings kein Problem, sie üben auch keine bis kaum Kritik, denn sie kennen diese Rahmenbedingungen nur zu gut – kritisch ist da die Haltung der Jugendarbeiter und Jugendarbeiterinnen. Klar ist dabei eines: „Wer arm ist, hat keinen Zugang zu Kultur“ und dies ist gerade für die Jugendlichen Realität. Hier hat die Politik Aufgaben, die aber von der Jugendarbeit übernommen werden. Ein Gegensteuern ist ein sinnloses Unterfangen, aber förderlich und wichtig ist es, die Jugendlichen im Umgang mit diesen Gegebenheiten zu stützen – beispielsweise im Umgang mit Geld, Werten und Wertigkeiten u.Ä. Der Markt bestimmt und erfasst alle, das heißt aber auch, dass er neue Perspektiven bieten kann, auch Jugendlichen. Neben der ganzen Problematik stellt der Markt auch einen „Möglichkeits-Raum“ dar. Jugendkultur – Erwachsenenkultur – Welche Zusammenhänge zeigen sich hier? Das ist eine spannende Frage, denn hier hat sich einiges verschoben – mittlerweile ist die Jugendkultur ein Vorbild für die Erwachsenenkultur geworden. Dies ist in Musik, Kleidung, Sport und Freizeitverhalten leicht zu verfolgen. Jugend hat sich zu einem Imagefaktor entwickelt. Jugendkulturelle Symbole, Zeichen oder Handlungsweisen sowie die Kommunikation prägen den Alltag für alle Beteiligten.

OJA Hard

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Die Jugendkultur entwickelt sich in hohem Maße zu einer BildKommunikation, die weniger mit rationalen Begründungen oder Argumentationen arbeitet als vielmehr mit Verstehen, Gefühl und Empfinden. Wenn also Jugendliche erreicht werden sollen, muss mit Bildern gearbeitet werden. Die Werbung hat das perfektioniert und schafft den Absatz der Produkte zielund zielgruppengenau. Jugendarbeit braucht diese neue Bild-KommunikationsKompetenz, nicht nur in der personellen Besetzung, sondern auch bei ihren medialen Angeboten wie Folder, Flyer, Zeitungen, Websites etc., um von den Jugendlichen angenommen zu werden. Das ist durch die Grundhaltung der Partizipation in der Jugendarbeit ein Stück weit gesichert. Erwachsene können von den Jugendlichen lernen, wie man

junge Menschen ansprechen und erreichen kann. In der Jugendarbeit ist also die Erreichbarkeit der Jugendlichen durch die Methode der Partizipation gewährleistet. Nicht Erwachsene versuchen Jugendliche zu erreichen, sondern bieten den Jugendlichen die Rahmenbedingungen, damit sie andere Jugendliche erreichen. Wenn man das Ganze nun in einem anderen Kontext sieht: Können Jugendliche beispielsweise in klassische politische Arbeit eingebunden werden? Ja, doch um realistisch mitarbeiten zu können, brauchen sie entsprechende Möglichkeiten zur konkreten Mitsprache und Machtteilhabe – dies erfordert ganz klar auch die Beteiligung an institutionellen Entscheidungswegen. Sonst läuft da nicht viel. Vielen Dank für das Gespräch.


koje

Ein Spiegel

unserer Gesellschaft Mädchen in Jugendkulturen

Die meisten Jugendkulturen sind auf den ersten Blick Jungenkulturen. Fragt mensch Jugendliche und Erwachsene nach bekannten Protagonistinnen und Protagonisten verschiedener Szenen, fallen fast ausnahmslos männliche Namen: die Rapper 50 Cent, Kanye West oder Bushido, Post-Britpop-Bands wie Franz Ferdinand oder Bloc Party, Elektronic-Beatz-DJs wie Burial oder Westbam, Gothic-Idole wie The Cure oder The Sis-

ters of Mercy, Skate-Profis wie Rodney Mullen. Abgesehen von Superstars wie Madonna, Gwen Stefanie oder Amy Winehouse fristen Mädchen und junge Frauen sowohl im Mainstream als auch in den so genannten Subkulturen augenscheinlich ein randständiges Dasein. Hochqualifizierte Musikerinnen wie Moe Tucker oder Bernadette La Hengst sind überwiegend in der Gender-Forschung Tätigen oder sonstigen Insiderinnen bekannt.

Ein Blick hinter die Kulissen Dabei lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen. Denn in allen

Szenen sind Mädchen und junge Frauen wesentlich aktiver, als in den meisten Medien und dem überwiegenden Teil der Jugendforschung wahrgenommen wird. Selbst in den maskulinen Szenen wie der Skinhead- oder der Metal-Szene sind Frauen im Kern der Szenen vertreten: als Fanzine-Schreiberinnen, Fotografinnen oder BandManagerinnen - neben der wachsenden Zahl der Konsumentinnen. Das stellt die Forscherin Sarah Chaker für die Death- und die Black-Metal-Szene fest. Jüngere Studien von Susanne El-Nawab über Skinheads und Rockabi-


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Martin Hagen – OJAD

llies, von Dunja Brill über die Gothics, von Marion Schulze über die Hardcore-Szene oder von Elke Josties über junge Frauen im HipHop zeigen, dass die Strategien von Doing- und Undoing-GenderProzessen in den verschiedenen Szenen vielfältig sind.

So wenig wie es die Mädchen und die jeweils eindeutigen Szenen gibt, so wenig lassen sich Mädchen in ihrem Verhalten, Verständnis und Umgang auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Im HipHop gibt es sehr aktive B-Girls wie die New Yorkerin Rockafella oder die Berlinerin Monica Hevelke, die New Yorker Writerin Lady Pink oder die in Rostock geborene Rapperin Pyranja. Fragt mensch diese Frauen nach der Männerdominanz in ihrer Szene, bringen sie ganz unterschiedliche Einstellungen zum Ausdruck: Monica meint, als B-Girl und damit aktive Szene-Gängerin habe sie sogar in der männerdominierten HipHop-Tanz-Szene gewisse Vorteile, weil sich die Jungs freuen, dass auch Mädchen mit ihrer aktiven Teilnahme die Szene weiterentwickeln.

OJA Hard

Keine Eindeutigkeit als gemeinsamer Nenner

Unausgewogene Geschlechterverhältnisse Ein Störfaktor sind für diese Frauen die Groupies, die mit ihrer passiven Konsumentinnenhaltung den Schnitt verderben und den Jungs vermitteln, toller als die Mädchen zu sein, beklagt Pyranja die Geschlechterverhältnisse im Rap. Die Wahrnehmung, passive Mädchen seien am dominanten Auftreten der Jungs Schuld, ist auch bei Skaterinnen oder SkinheadGirls verbreitet. Szene-Konsumentinnen gelten hier als „Bettys“ oder „Freundin von“. Auffällig ist, dass aktive junge Frauen die Verantwortung für das Ungleichgewicht der

Geschlechter den Frauen zuschreiben. Geschlechterkonstruktionen der jungen Männer bleiben unhinterfragt oder werden auf kulturelle Eigenschaften der jeweiligen Szene zurückgeführt. Wenn Frauen in diesen Szenen respektiert werden wollen, müssen sie sich behaupten. Oft bedeutet dies, maskulines Verhalten zu adaptieren. Deutlich wird das im Skinhead-Girl-Style, der eine Kopie des männlichen Pendants inklusive sexistischer Sprache ist.

Androgyne Männer und begehrte Weiblichkeit In der Gothic-Szene geht es etwas anders zu. Hier ist


Publikationen (Auswahl): Spaßkultur im Widerspruch. Skinheads in Berlin (1999) Entre Fronteras. Jugendkulturen in Mexiko (Hg. mit Manfred Liebel, 2006) Krasse Töchter. Mädchen in Jugendkulturen (Hg., 2007) Mehr Informationen unter: www.krasse-toechter.de gabi.rohmann@jugendkulturen.de

Ester Vonplon

Autorin Gabriele Rohmann Gemeinsam mit Klaus Farin Gründung und Aufbau des Archivs der Jugendkulturen e.V. in Berlin. Journalistin, Referentin in der politischen Jugendund Erwachsenenbildung. Seit Sommer 2007 pädagogischwissenschaftliche Leiterin des Archiv-der-Kulturen-Projekts »Migrantenjugendliche und Jugendkulturen - Culture on the Road«

das Geschlechterverhältnis ausgeglichen, viele Männer geben sich androgyn. Sie tragen Röcke und Schmuck und sind geschminkt. Trotzdem dominieren auch in dieser Szene letztlich die Männer: Frauen bevorzugen einen hyperfemininen Stil. Das Ideal-Bild der Gothic-Frau entspricht der allgemein manifestierten Vorstellung begehrenswerter Weiblickeit. Die Kulturwissenschaftlerin und Psychologin Dunja Brill spricht hier von Attraktivitätshierarchien in der Szene. Ganz oben stehen androgyne Männer, gefolgt von sehr schlanken Frauen mit ebenen Gesichtern und langen Haaren. Frauen, die diesem Style nicht entsprechen, haben es in der Szene schwer – es sei denn, sie sind als Fotografinnen, Managerinnen oder Fanzine-Schreiberinnen anerkannt. Musikerinnen sind in dieser Szene wie fast überall in der Minderheit. Ähnlich

geht es in der noch jungen Visual-kei-Szene zu, in der vor allem junge Mädchen den androgynen Style japanischer Bands, zum Beispiel von Dir en grey, kopieren.

In Frage stellen erwünscht Einzig die Ladyfest-Szene, die aus der Riot-Grrrl-Bewegung der 1990er-Jahre hervorgegangen ist, stellt Geschlechterverhältnisse und -konstruktionen radikal in Frage. Hier debattieren, vor allem über das Internet und auf den weltweit stattfindenden mehrtägigen Ladyfesten, hauptsächlich Frauen, aber auch einige Männer, über die vielfältigen Gestaltungen von Menschen. Die Reichweite dieser Szene ist allerdings begrenzt. Beim Thema Mädchen in Jugendkulturen zeigt sich, wie auch generell beim Thema Jugendkulturen, dass diese nicht im gesellschaftsleeren Raum gedeihen, sondern denselben spiegeln. Wen wundert es, dass es hier wie dort noch viel Handlungsbedarf für einen selbstverständlich gleichberechtigten Umgang der Geschlechter gibt. Gabriele Rohmann


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Aus der Jugendarbeit Kurzfilme gesucht Lange Nacht des kurzen Films Für die vierte Lange Nacht des kurzen Films am Mittwoch, dem 16. April 2008 in der Kulturwerkstatt Kammgarn in Hard werden neue Kurzfilme mit einer maximalen Länge von zehn Minuten gesucht. Seit vielen Jahren sind Wolfgang Rainer und Philipp Horatschek an verschiedenen Filmprojekten in Vorarlberg beteiligt. Gemeinsam mit der Kulturwerkstatt Kamgarn haben Sie eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, mit der sie vor allem jungen FilmemacherInnen die Möglichkeit bieten wollen, ihre Werke ohne Wettbewerbsdruck einem interessierten Publikum vorzustellen. Gesucht werden Kurzfilme, egal ob AmateurIn

oder Profi, lustig oder skurril, simple oder abstrakt, nur die Länge ist mit maximal zehn Minuten vorgegeben und das Datenträgerformat sollte VHS, DVD oder Mini-DV ein. Weiters werden laufend kurze und längere Filme für die ACHNUS Filmplattform in Wolfurt gesucht.

Nähere Informationen unter www.achnus.com oder kurzfilmnacht@gmx.at. Wer Interesse hat, sein Filmprojekt vorzuführen, sollte sich bis spätestens 15. März 2008 beim Organisationsteam (Philipp T: 0650/3154610; Wolfgang T: 05574/71667) melden.

Mini-Symposium Verbandliche Jugendarbeit: Zwischen Coach, Idol und Führungskraft Das Landesjugendreferat Vorarlberg lädt zum zweiteiligen Mini-Symposium „Verbandliche Jugendarbeit: Zwischen Coach, Idol und Führungskraft“ ein. Die Veranstaltung soll ein Anstoß zur Reflexion, eine Hilfestellung für die eigene Arbeit mit den Jugendlichen und eine Plattform für den Erfahrungsaustausch der PraktikerInnen untereinander sein. Das Symposium wendet sich an alle, die in Vereinen, Verbänden, Organisationen – meist ehrenamtlich – mit Jugendlichen arbeiten. Veranstaltet wird das Mini-Symposium vom Jugendreferat des Landes in Kooperation mit dem Landesjugendbeirat.

Termine: Freitag, 29.02.08 und Donnerstag, 15.05.08 Beginn: jeweils 18 Uhr Ort: Hotel Martinspark, Dornbirn Eintritt: € 15,- inkl. Buffet, bezahlbar an der Abendkassa Bitte unbedingt anmelden: margarethe.knuenz@ vorarlberg.at oder unter T: 05574/511-24127, Abteilung IVa, Jugendreferat


Neue Bestimmungen im Jugendgesetz Der Landtag hat neue Bestimmungen im Jugendgesetz beschlossen. Diese gelten seit dem 18. Jänner 2008.

vernichten, wenn der Wert nicht mehr als € 10,- beträgt.

Alkohol

Strafen für Jugendliche

Neu ist, dass man nicht mehr alle alkoholischen Getränke ab 16 Jahren konsumieren, besitzen oder erwerben darf. So genannte „gebrannte alkoholische Getränke oder Mischgetränke, die gebrannten Alkohol enthalten“ sind verboten. Also Schnaps, Wodka, Tequila usw. sind verboten. Auch Alkopops, die gebrannten Alkohol enthalten, sind erst ab 18 Jahren erlaubt. Selbstverständlich gilt dies auch für Mischgetränke, die selbst hergestellt werden, z.B. Wodka-Red-Bull oder Cola-Rum.

Bei einem Verstoß gegen das Jugendgesetz ist nun neben der unentgeltlichen Leistung von „Arbeiten für das Gemeinwohl“ durch die Jugendlichen ein Informations- und Beratungsgespräch möglich. Ein solches Gespräch wird bei einer geeigneten Institution (wie z.B. SUPRO) stattfinden. Wie bisher kann es erst, wenn diese Maßnahmen z.B. vom Jugendlichen verweigert werden oder der gesetzliche Vertreter diesen Maßnahmen nicht zustimmt, zur Verhängung einer Geldstrafe kommen (maximal € 500,-). Wenn das Gespräch bzw. die Arbeiten für das Gemeinwohl vom Jugendlichen durchgeführt werden, muss das Verwaltungsstrafverfahren von der Behörde eingestellt werden.

Keine Abgabe an „offensichtlich alkoholisierte Jugendliche“ Nach der neuen Gesetzeslage darf an „offensichtlich alkoholisierte“ Jugendliche kein Alkohol mehr abgegeben werden.

Tabak Der Tabakkonsum ist – wie bisher – ab 16 Jahren erlaubt, für unter 16-Jährige ist der Konsum, der Besitz und Erwerb von Tabakwaren verboten. Jugendliche Testkäufer Jugendliche Testkäufer können die Einhaltung der Bestimmungen überprüfen. Alkohol/Tabak wegnehmen und vernichten Die Polizei darf verbotene Getränke und Tabakwaren abnehmen und auch sofort

Diese Änderungen des Jugendgesetzes hat Michael Rauch als Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt zusammengestellt.

Jugendgesetz-Falter: Eine Übersicht zu den Rechten und Pflichten von Jugendlichen ist im neuen Jugendgesetz-Falter nachzulesen, der kostenlos beim Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt und im aha erhältlich ist.

Kontakt: Michael Rauch, Kinderund Jugendanwalt für Vorarlberg Schießstätte 12 6800 Feldkirch T: 05522/84900 E: kija@vorarlberg.at www.kija.at aha – Tipps & Infos für junge Leute Poststraße 1 6850 Dornbirn, T: 05572/52212 E: aha@aha.or.at Belruptstraße 1 6900 Bregenz T: 05574/52212 E: aha.bregenz@aha.or.at Wichnerstraße 2 6700 Bludenz, T: 05552/33033 E: aha.bludenz@aha.or.at www.aha.or.at


Stadt Feldkirch

OJA Hard

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Hardline Das Magazin „Hardline“ der Offenen Jugendarbeit Hard erschien 2005 im Rahmen des Schwerpunktthemas „Sucht“ zum ersten Mal. Jugendliche aus den Jugendtreffs haben sich bei der Gestaltung des Magazins intensiv mit dem Thema „Sucht und Suchtentstehung“ auseinander gesetzt. Die Ergebnisse der Workshops und Aktionen wurden in einem

Hardline - Jugendmagazin der Offenen Jugendarbeit des Vereins Sozialsprengel Hard Die neue Ausgabe erscheint im Frühjahr 2008! Kontakt: Verein Sozialsprengel Hard DSAin Cornelia Reibnegger, Doris Lingner Ankergasse 24, 6971 Hard T: 05574/74544, 0650/8628687 E: cornelia.reibnegger@sprengel.at, doris.lingner@sprengel.at

eigenen Magazin veröffentlicht, welches noch heute in den Jugendtreffs gerne gelesen wird.

„Wanted respect!“ – Aktionsjahr für mehr Respekt! Unter diesem Titel fanden im Jahr 2007 zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen rund ums Thema „Gewalt“ statt. In Workshops wurde mit Gruppen das Thema vielseitig angegangen. In den Harder Jugendtreffs in&out und Underground wurden Projekträume mit vielen Infos errichtet. Die Jugendlichen nutzten diese Räume während des offenen Betriebs zum „Chillen“ und bekamen nebenbei viele Informationen, die zu Diskussionen anregten. Außerdem wurden Filmabende, die sehr gut ankamen, durchgeführt. Im Sommer fuhr eine Gruppe Mädchen nach Italien. Dort fand in Urlaubsatmosphäre eine Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt statt und eine Fotostory zum Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wurde erfunden und nachgestellt. Insgesamt entstanden fünf Fotostories, die im neuen Magazin veröffentlicht werden. Die kreative Arbeit des Kreierens einer eigenen Fotostory bot einen unbeschwerten Zugang zum Thema. Wieder gelang es, die Jugendlichen neugierig zu machen und sie holten sich Antworten auf viele Fragen bei Fachpersonen im Land.

Jugendkulturen In den Jugendtreffs fielen immer wieder Jugendlichen auf, die mit rechtsorientierten Sprüchen auf sich aufmerksam mach-

ten. Durch viele Diskussionen in den speziell eingerichteten Projekträumen, Aufklärungsarbeit und Stärkung der peergroups gelang es, die Argumentationen auf ein höheres Niveau zu lenken. Wichtig war dazu auch der Workshop mit Jörn Ranisch und Gabriele Rohmann vom Archiv der Jugendkulturen in Berlin. Im Workshop wurde über Jugendkulturen, im speziellen über die Skinheadkultur, aufgeklärt. Dieser Workshop war eine sehr gute Vorbereitung für die Gruppe von 15 Jugendlichen, die mit den JugendarbeiterInnen im November 2007 einen Ausflug nach Dachau unternahm und dort an einer dreistündigen Führung durch das Konzentrationslager teilnahm.


Ausgabe 05 Februar 2008

DVR 0662321

Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt

Sollten Sie keine Zusendung des Jugend-Fachmagazins Diskurs wünschen, melden Sie sich bitte unter abo@jugend-diskurs.at oder im aha unter 05572/52212.

Im nächsten Diskurs...

… lesen Sie Meinungen und Ansichten zum Thema „Jugend und Sport“.

Auf den Punkt gebracht.


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