Diskurs 01 - Jugendliche heute

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Erstausgabe mit dem Themenschwerpunkt „Jugendliche heute - Zwischen den Welten und mittendrin im Leben“


Autorinnen / Autoren Mag.a Sabine Liebentritt koje - Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit und Entwicklung Seite 04-07, Seite20-23

Dr. Heinz Schoibl Helix - Forschung und Beratung Seite 12-13

Michael Rauch Kinder- und Jugendanwalt Seite 08-09

Impressum Medieninhaber, Herausgeber: koje - Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit und Entwicklung, Bregenz und ”aha” - Tipps und Infos für Junge Leute, Dornbirn | Redaktionsleitung: Sabine Liebentritt | Redaktionsteam: Monika Paterno, Barbara Marte, Barbara Österle, Roland Marent - redaktion@jugend-diskurs.at | Fotos: machwerk, koje, ”aha”, Offene Jugendarbeit Dornbirn | Lektorat: Claudia Peter, Veronika Drexel | Gestaltung & Illustrationen: chilidesign.at | Druck: Hugo Mayer GmbH, Dornbirn | Finanzierung: Land Vorarlberg - Jugend Diskurs kostenlos bestellen: abo@jugend-diskurs.at


Die ersten Worte

Inhalt

Erwachsen-Werden heute – ein harter Job 04-07 „Jugendliche verdienen Respekt“

08-09

Diskurs stellt Fragen zur Diskussion

10-11

Der Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt beantwortet Fragen Elisabeth Ziegler, Alexandra Cangelosi und Bernhard Amann geben Statements ab

Willkommensräume für die Wälder Jugend 12-13 Ein Projekt mit Bregenzerwälder Jugendlichen

Kommentare

von Dr. Greti Schmid, Monika Paterno und Mag.a Sabine Liebentritt

jung sein ...

Interviews mit jungen Menschen

Diskurs sucht Autorinnen und Autoren

14-15

16-18 19

Kein Kind (mehr) und (noch) nicht erwachsen

20-23

Aus der Jugendarbeit

24-26

Zwischen den Welten und mittendrin im Leben „2 get here“, Jugend in Aktion, m5, „Kinder in die Mitte“, Landesjugendbeirat

Jugendzeitungen stellen sich vor

„Brüll mit!“ – Lustenaus junge Zeitungszunft gibt kräftige Statements von sich!

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Hurra, es ist ein Magazin! Es erblickte am 15. Dezember 2006 das Licht der Welt und ist 28 Seiten schwer. Sein Name ist Diskurs. Die stolzen Eltern, koje – Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit und Entwicklung und ”aha” – Tipps und Infos für Junge Leute, freuen sich, hiermit die erste Ausgabe zu präsentieren. Mit Diskurs halten Sie das erste Vorarlberger Fachmagazin für Erwachsene rund um das Thema „Jugend“ in Ihren Händen. Diskurs beinhaltet interessante Fachbeiträge zum Jugendalter, es zeigt Hintergründe und Zusammenhänge auf und kann Ihnen neue Perspektiven und Zugänge eröffnen. Es lädt Sie ein, sich mit Jugend „auseinander zu setzen“. Zukünftig sind vier Ausgaben pro Jahr geplant. Jede Ausgabe steht unter einem bestimmten Themenschwerpunkt. Für diese Premiere entschieden wir uns für einen allgemeinen Überblick zum Thema „Jugendliche heute – Zwischen den Welten und mittendrin im Leben“. Wir wünschen Ihnen nun viel Spaß beim „Sich-Einlassen“ auf das Thema Jugend. Sabine Liebentritt, koje Monika Paterno, ”aha”


Erwachsen-Werden heute – ein harter Job


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Das Jugendalter ist nicht nur eine Phase, es ist ein eigener Lebensabschnitt. Dennoch gibt es sie nicht: die einheitliche Jugend. Jugend bedeutet Experimentieren und inkludiert Suche und Forderung nach Entwicklungs-Freiräumen. Jugendkulturen bieten jungen Menschen den notwendigen Freiraum für das Erwachsen-Werden.

Jugendkulturen verstehen – Jugendliche besser verstehen Jugendkulturen stellen eine Art Alltags- und Leitkultur der Jugendlichen dar. Sie sind Sozialisations- und Orientierungssysteme für heranwachsende, junge Menschen, und als soziale Heimat von Jugendlichen formieren sie sich um bestimmte, für Jugendliche attraktive Themen, allen voran Musik, Medien und Sport. Jugendkulturen beziehen sich auf das Freizeitverhalten/die Freizeitwelt des Jugendlichen und fordern Einlass in die Komplexität seiner gesamten jugendlichen Lebenswelt. Somit strukturieren und füllen Jugendkulturen den Alltag von Jugendlichen. Dabei geht es primär nicht

um passiven Konsum sondern um Aktivität. Jugendkulturen fordern den Jugendlichen auf, aktiv zu sein und die eigene Lebenswelt engagiert mitzugestalten.

Individualität und Authentizität Beim Versuch das Jugendalter zu charakterisieren, dominieren zwei Schlagworte: Individualität und Authentizität. Um nun diese Individualität und Authentizität zu zeigen und zu leben, bedienen sich Jugendliche der vielfältigen Ausdrucksformen, die die einzelnen Jugendkulturen prägen. Die Zugehörigkeit zu

einer gewissen Jugendkultur dient also dazu, sich mit einer selbst gewählten Ideologie zu identifizieren und sich deutlich abzugrenzen, sowohl von anderen Jugendkulturen als auch von Erwachsenen.

Jugend in den Medien Um die Lebenswelt von Jugendlichen zu zeigen und nachzuvollziehen, gibt es zwei Herangehensweisen: Einerseits die objektiv skizzierende und die Vielfältigkeit beschreibende Sichtweise unter Berücksichtigung von mannigfaltigen Faktoren und andererseits den subjektiv orientierten Ausschnitt einer jugendlichen Lebensrealität ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder vertiefendes Aufzeigen von Zusammenhängen. Die Art und Weise der Berichterstattung in den Medien stellt ein passendes Beispiel für eine solch einseitige und eindimensionale Erläuterung von JugendlichSein dar. Diese lädt vielfach zu Interpretationen, Spekulationen, Erklärungen und schlussendlich auch zu Vorurteilen ein und kann dem Jugendalter mit all seinen Themen und Herausforderungen nicht gerecht werden.


Opfer oder Täter? Die Berichterstattung über Jugendliche kann global in zwei Kategorien unterteilt werden: •Jugendliche sind Opfer, zum Beispiel von Gewalttaten, von politischen Entscheidungen •Jugendliche sind Täterinnen und Täter, meist in Zusammenhang mit Gewaltdelikten Der große Unterschied liegt in der Aufbereitung der Medienberichte und daraus resultierend in der menschlichen Wahrnehmung dieser: Berichte über Jugendliche in der Opferrolle werden abstrahiert und auf einer Art „Metaebene“ diskutiert. Aus diesen Diskussionen entstehen unmittelbar gesellschaftspolitische Lösungsvorschläge. Es geht dann nicht mehr nur um das jugendliche Opfer, um das damit verbundene Einzelschicksal, sondern um etwas „Größeres“, um etwas „Wichtigeres“. Zunächst wird die Sensationsgier des Publikums befriedigt und anschließend wird „politisiert“. Berichterstattungen über Jugendliche als Täterinnen und Täter bedienen meist die gängigen Klischees, schüren Ängste und produzieren und rechtfertigen Vorurteile. Nur in seltenen Fällen wachsen daraus konstruktive und realisierbare Lösungsvorschläge. Der jugendliche Täter bzw. die jugendliche Täterin bleibt meist unverrückbar als Täter bzw. Täterin an den Pranger gestellt. Hingegen wird das jugendliche Opfer schnell in das Abseits eines allgemeinen, gesellschaftlichen Problems gedrängt.

Zwischen Kindheit und Erwachsenenalter Doch JUGEND bedeutet mehr als ein bloßes Reduzieren auf Medienberichterstattungen. Die meisten Menschen durchleben die Jugend als einen Lebensabschnitt, in dem sich die eigene Identität wie ein Puzzle immer wieder auflöst und neu formiert. Experimentierfreudigkeit und Unsicherheit gehen mit sprudelnder Energie und Offenheit Hand in Hand. Es ist eine Zeit des Umbruchs, der inneren und internalisierten Herausforderungen. Assoziationen mit diesem Lebensabschnitt sind beispielsweise alles missverstehende Eltern, laute Musik, bunte Kleidung und Auflehnung ausdrückende Verhaltensweisen. Dieser Extrovertiertheit steht eine Gesellschaft gegenüber, die jugendliche Freiräume auf legalisierte, (video)überwachte, kontrollierbare und klar definierte Örtlichkeiten reduziert. Zwischen diesen gegensätzlichen Polen steht die einfache Frage: Wer bin ich und was will ich?

Ein zunehmend bedeutender Lebensabschnitt „Jugendliche decken eine Altersschicht ab, die sich laut Statistik zwischen 14 und 25 Jahren bewegt. Dieses Jugendalter beginnt immer früher und dauert immer länger. Die Grenzen, welche die Jugendlichen einerseits von der Kindheit trennen, die sich durch materielle und gefühlsmäßige Abhängigkeit gegenüber den Eltern auszeichnet, und andererseits vom Erwachsenenalter, das gleichbedeutend mit Autonomie und Verantwortungsbewusstsein ist, verschwimmen immer mehr. Die Verlängerung der Studienzeit und die Tatsache, dass der Start ins Berufsleben immer schwieriger wird und immer später erfolgt, zögern ihre Emanzipation hinaus.“ (Quelle: www.diplomatie.gouv. fr/label_France/51/de/dossier.html - Stand 17. 11. 2006)


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Die Jugendphase verläuft heute also vielschichtig und mehrdimensional. Jugendliche müssen Antworten auf wichtige Fragen finden: • Lehre oder Schule? • Will ich eine Familie? • Welche Werte sind mir wichtig? • Was ist meine Sexualität und wie kann und will ich sie ausleben? Jugend bedeutet, sich der eigenen Fragen bewusst zu werden, sich auf die Suche nach Antworten zu begeben, und als Kernelement in der Mitte ruht das Experimentieren. Um experimentieren zu können, brauchen und fordern Jugendliche ideelle und reale (Frei)Räume. Und die Art ihres Forderns ist teilweise bereits eine Form des jugendlichen Experimentierens.

Und die Verantwortung der Erwachsenen? Die Verantwortung der Erwachsenen liegt vor allem darin zu akzeptieren, dass Jugendliche diese Freiräume brauchen. Darüber hinaus lassen sich die Aufgaben der Erwachsenen (nicht ausschließlich Eltern) im Kontext von Jugend mit folgenden Worten umreißen:

• Zuhören und wahrnehmen: Den Jugendlichen ernsthaft zuhören und die Individualität jedes einzelnen Jugendlichen zum Anlass nehmen, gängige Klischees und Vorurteile rund um das Thema „Jugend“ zu hinterfragen und gegebenenfalls zu korrigieren. Offen sein für die Bedürfnisse der heranwachsenden Menschen, diese bewusst wahrnehmen, auch wenn das bedeuten kann, Jugendliche ganz einfach in Ruhe zu lassen. • Loslassen und loslösen: Die eigenen Erwartungshaltungen und fürsorglichen „Ich weiß, was gut für dich ist“ - Pauschalisierungen loslassen und sich von vorgefertigten, angeblich übertragbaren Lebenskonzepten und Lebensprinzipien und von stigmatisierenden Bewertungen wie „gut“ und „schlecht“ loslösen. • Gewähren lassen und anbieten: Werte anbieten – JA, Bewertungen nach dem

Gut-Böse-Prinzip – NEIN. Jugendliche brauchen Freiräume, wo sie einfach einmal in Ruhe gelassen werden, und sie haben das Recht auf Angebote, die sie selbstständig und eigenverantwortlich annehmen, ablehnen oder nach ihren Vorstellungen weiterentwickeln können. • Respektieren und ernst nehmen: Basis und Begleitung aller erwachsener Handlungen und Haltungen im Umgang mit Jugendlichen und dem Thema „Jugend“ muss RESPEKT sein. Jugendliche respektieren und jeden Jugendlichen in seiner einzigartigen Persönlichkeit ernst nehmen, das sind die wesentlichsten Kriterien für einen gleichberechtigten und nicht-hierarchischen Umgang mit Menschen, die gerade ihren individuellen Weg in Richtung ErwachsenSein suchen. Mag.a Sabine Liebentritt


„Jugendliche verdienen Respekt“ Was zeichnet Erwachsen-Werden aus? Der Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt beantwortet Fragen rund ums Thema „Jugendliche heute“. Das Gespräch führte Sabine Liebentritt. Michael,was ist ein Kinder- und Jugendanwalt und welche deiner Aufgaben und Angebote stehen in direktem Zusammenhang mit Personen, die der Alterskategorie „Jugend“ zugeordnet werden können? Ein Kinder- und Jugendanwalt bietet Information, Hilfe und Unterstützung insbesondere für Kinder und Jugendliche. Er vertritt parteilich als Sprachrohr Interessen von Kindern und Jugendlichen sowohl in der Einzelfallarbeit als auch bei Themen, die Kinder und Jugendliche allgemein betreffen. Basis meiner Arbeit ist die Kinderrechtskonvention der UNO. Darin sind die Rechte der 0 – 18-Jährigen niedergeschrieben. Schwerpunkte der Arbeit sind der Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Gewalt1 und der Einsatz für Mitsprachemöglichkeiten in allen sie betreffenden Angelegenheiten. In direkten Gesprächen mit Jugendlichen an Schulen, in Jugendorganisationen und an anderen Orten, wo sich

Jugendliche aufhalten, nehme ich die Anliegen der Jugendlichen als Auftrag an. Wie nimmst du die Jugendlichen in deiner alltäglichen Arbeit wahr? Was charakterisiert für dich die jungen Menschen von heute? Den jungen Menschen sind vor allem Familie, Freundschaft und Beziehung sehr wichtig. Bei genauerer Betrachtung gibt es für bildungsnahe und „privilegierte“ Jugendliche vor allem auch mit Bezug zur EU und Internationalisierung viele Chancen und Entwicklungspotentiale, wie z.B. durch EU-Austauschprogramme. Für Jugendliche, die weniger Bildungschancen haben und in wenig vorteilhaften Rahmenbedingungen leben, entsteht in unserer Gesellschaft insgesamt ein großer Druck, den Anforderungen gerecht zu werden. Das betrifft besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund. Nichtsdestotrotz erlebe ich bei ALLEN Jugendlichen eine hohe Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren und die eigenen Potentiale konstruktiv einzusetzen. Welche Herausforderungen und veränderten Rahmenbedingungen müssen Jugendliche heute auf ihrem Weg zum Erwachsen-Sein meistern? Ausbildung und Qualifikationsanforderungen für den Arbeits-


09 markt sind nach wie vor steigend. Lebenslanges Lernen und Flexibilität, als die wichtigsten Schlagworte angeführt, sind sehr anstrengend und energieaufwändig. Die Umwandlung von traditionellen Familienformen in neue Formen des familiären Zusammenlebens stellt Jugendliche vor große Herausforderungen. Trennungen, Scheidungen und der Verlust von Beziehungen sind schmerzhaft und für Jugendliche über eine lange Zeit eine starke emotionale Belastung. Auch die Zusammensetzung von Stieffamilien ist oft voller Konflikte und mit „Risiken und Nebenwirkungen“ für alle Beteiligten verbunden. Was ist für dich die größte Leistung im Prozess des Erwachsen-Werdens und wo liegen die größten Stolpersteine? Die größte Leistung liegt sicher darin, dass Jugendliche sich ihren Optimismus bewahren und ins Erwachsenen-Leben retten. In Zeiten von Pensionsdebatten, Irakkrieg, Terrorgefahr und Klimawandel bedeutet diese Haltung eine große Leistung. Stolpersteine sind mangelndes Verständnis und mangelnde Unterstützung von Erwachsenen. Abwertung und Vorenthaltung von Lern- und Erfahrungsfreiräumen im Kontext von Schule, Arbeit und Freizeit sind ebenfalls nicht förderlich. Jugendliche haben heute vielfach ein schlechtes Image. Was möchtest du Menschen sagen, die die Meinung vertreten, dass die Jugendlichen von heute „schlecht“ sind, dass sie gewaltbereit, unvernünftig, ohne Werte, unhöflich, kriminell oder einfach nur an Drogen oder Sex interessiert sind? Nichts rechtfertigt grundsätzlich, alle Jugendlichen über einen Kamm zu scheren. Jeder Erwachsene ist eingeladen, aus der

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Gemeint sind alle Formen von Gewalt: strukturell, physisch, psychisch, sexuell

Jahrhunderte alten Tradition Jugendliche herabzusetzen und schlecht zu machen, auszusteigen. Jugendliche sind nicht schlechter oder besser als Erwachsene und verdienen Respekt, Wertschätzung und Unterstützung. Wo siehst du die Verantwortung der Erwachsenen-Gesellschaft, die die Macht hat, die Rahmenbedingungen für Jugendliche zu verbessern? Eine ganz große Verantwortung der Erwachsenen liegt darin verantwortungsbewusst mit Ressourcen umzugehen. Besonderes Augenmerk richte ich dabei auf das Thema „Leben auf Kosten von kommenden Generationen“. Weiters gilt es, den Respekt vor Jugendlichen, die Akzeptanz der Meinung von Jugendlichen und die Mitentscheidungsmöglichkei-

ten von jungen Menschen sicherzustellen. Es geht um ein seriös gemeintes „Ernst nehmen“. Eine besondere Verpflichtung für uns Erwachsene liegt darin, Jugendliche zu unterstützen, die aus verschiedenen Gründen Schwierigkeiten haben: es geht um Chancen für Jugendliche mit Behinderung oder für Jugendliche mit weniger guten schulischen Bildungsqualifikationen oder für straffällig gewordene Jugendliche. Jedenfalls schadet es nie bei Diskussionen über Jugendliche an die EIGENE JUGEND zu denken, das relativiert sicher einiges. Michael, vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt und weitere Infos zum Kinder- und Jugendanwalt unter www.kija.at


Diskurs stellt Fragen zur Diskussion

Elisabeth Ziegler:

Ausgewählte Personen geben Statements zu spezifischen Fragestellungen ab Diskurs hat den Anspruch konkrete Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven heraus zu beleuchten. Diese Fragen und Antworten laden Sie als Leserin bzw. Leser dazu ein, sich Ihre eigene Meinung zu bilden und diese auch in Form eines Leserbriefes zu veröffentlichen. Hier ist Ihr Standpunkt gefragt: Welche Position und Haltung haben Sie bei diesen Fragen? Teilen Sie Diskurs Ihre persönliche Sichtweise mit unter redaktion@jugend-diskurs.at

Leiterin der Abteilung Jugendpolitik im Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz. Kontakt: Elisabeth.Ziegler@bmsg.gv.at

1. Chancen für Jugendliche in Österreich – Welche Jugendlichen fallen durch das Netz und warum?

1. Die Chancen für Jugendliche in Österreich sehe ich prin-

2. Stichwort Überalterung der Gesellschaft – Wie kann garantiert werden, dass den Bedürfnissen der Jugendlichen Rechnung getragen werden kann?

2. Prinzipiell ändern sich die Bedürfnisse der Jugendlichen

3. Wie effizient und schnell kann die österreichische Jugendpolitik den sich rasch verändernden Lebenswelten von Jugendlichen gerecht werden? Welche Mankos werden in diesem Zusammenhang deutlich?

3. Von der Schnelllebigkeit unserer Zeit sind ganz besonders

zipiell sehr gut – vor allem in den Bereichen Ausbildungsmöglichkeiten, Mobilität und Mitbestimmung. Das Ausmaß, wie diese Chancen genutzt werden können, hängt allerdings vom Informationsstand des/der jeweiligen Jugendlichen ab. Deshalb haben wir das nationale Jugendinformationsportal www.jugendinfo.at eingerichtet. Wie in jeder Gesellschaft gibt es auch bei uns Menschen, die benachteiligt sind: Die Jugendlichen, die nicht das Glück haben, in Jugendorganisationen und Jugendprojekten eingebunden zu sein, die kein Jugendzentrum in der Nähe haben und die auch nicht auf ein funktionierendes soziales Netz zurückgreifen können, haben es sehr schwer, sich aktiv und konstruktiv im Sinne der Jugendmitbestimmung in die Gesellschaft einzubringen. nicht wesentlich: Freunde und Familie, Ausbildung, Arbeit und entsprechende Freizeit waren auch in meiner Jugendzeit wichtig. Es liegt in der Verantwortung der Politik danach zu trachten, dass junge Menschen nicht dafür büßen müssen, dass sie zahlenmäßig eine Minderheit sind. Der wachsende Anteil der älteren Menschen in Österreich bietet auch eine Chance generationsübergreifend zusammenzuarbeiten, von einander zu lernen, gegenseitig mehr Verständnis zu entwickeln und Vorurteile abzubauen. Gute Jugendarbeit ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft und sollte von allen – auch von den Medien – als solcher wahrgenommen und als Investment gesehen werden. Jugendliche betroffen. U.a. wirtschaftliche und technologische Entwicklungen verändern die Chancen und Risken junger Menschen. Längere Ausbildungszeiten, unsichere Arbeitsverhältnisse (keine festen Anstellungen) und Jugendarbeitslosigkeit sind nur einige der gesellschaftlichen Folgen. Traditionelle Jugendpolitik hat bisher nur reagiert – deshalb kommt der Jugendforschung und Jugendkulturforschung eine ganz besondere Bedeutung zu: Mehr Wissen über das Verhalten und dessen Ursachen sowie um die Bedürfnisse der Jugendlichen und Kenntnisse über Jugendkulturszenen sind die Grundvoraussetzung, um mit den Jugendlichen eine für sie gerechte und zeitgemäße Jugendpolitik zu entwickeln.


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Alexandra Cangelosi: Geschäftsführerin von Jugendinfo.cc Kontakt: info@jugendinfo.cc

1. Die heutige (so genannte) Wissensgesellschaft bietet theo-

retisch eine Vielzahl von Möglichkeiten für jede/n Einzelne/n. Dabei wird aber oft übersehen, dass diese immer größer werdende Anzahl von Optionen – sei es bei der Berufswahl, beim Ausbildungsweg oder beim grundsätzlichen Lebensentwurf – gerade für junge Menschen auch zu Orientierungslosigkeit führen kann. Wer eine unüberschaubare Auswahl aber nicht die richtigen Instrumente zur Entscheidungsfindung hat, ist verunsichert und überfordert. Auch beobachten wir oft, dass Jugendliche sich dann z.B. in der Berufswahl an „Altbekanntem“ orientieren und die Alternativen gar nicht kennen oder für sich selbst nicht in Betracht ziehen. Wer also – sei es in der Familie, in der Schule oder Ausbildung oder in der außerschulischen Jugendarbeit – die notwendigen Kompetenzen zum Finden, Filtern und Bewerten von Information vermittelt bekommen hat, dem stehen schon mal einige Türen offen, wer diesen Vorteil nicht hat, der stößt schnell an Grenzen.

2. Die sich abzeichnende Überalterung der Gesellschaft legt

natürlich die Befürchtung nahe, dass die Interessen einer immer größer werdenden Gruppe von älteren Menschen die Interessen der Jungen verdrängen. Daher ist es wichtig, dass die Bedürfnisse der Jugendlichen nicht mehr als gesondertes Aufgabengebiet von Politik und Gesellschaft behandelt werden, sondern sehr bewusst als Querschnittsmaterie in allen Politikbereichen Eingang finden. Hierfür ist ein koordiniertes Vorgehen der EntscheidungsträgerInnen auf allen Ebenen notwendig. Generation Mainstreaming wird uns in den kommenden Jahren und Jahrzehnten beschäftigen. Die Tatsache, dass es hier bereits erste Ansätze gibt und Jugend immer mehr zu einer „seltenen Ressource“ wird, gibt hier Hoffnung.

3. Die österreichische Jugendpolitik muss flexibel und rasch

im Sinne der Jugendlichen handeln, darf dabei aber nicht nur reagieren, sondern muss auch pro-aktiv ein strategisches Ziel verfolgen. Dafür sind koordinierte Zusammenarbeit auf allen Ebenen (lokal/regional/national/EU, Fachstellen/Verwaltung/ Politik, Jugendpolitik/andere Politikbereiche) und ein ständiger Dialog Grundvoraussetzungen. Jugendpolitik als Querschnittsmaterie ist ein Ansatz, der nun in Österreich verfolgt wird und in den nächsten Jahren zu einer selbstverständlichen Arbeitshaltung aller Beteiligten werden sollte.

Bernhard Amann: Obmann des österreichweiten Vereins ARGE JUZE Kontakt: bernhard.amann@aon.at

1. Österreich war noch nie so reich wie heute. Nur ist der

Reichtum falsch organisiert. Von Armut betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche aus größeren Familien, alleinerziehenden Familien und MigrantInnen. Weiters haben wir festgestellt, dass das derzeitige Bildungssystem völlig ungeeignet ist, diese jungen Menschen aus ihrer Betroffenheit zu befreien. Notwendige individuelle Förderungen sind – wenn überhaupt – nur marginal vorhanden. Wer einmal in die Armutsfalle geraten ist, hat keine Möglichkeit, dieser wieder zu entrinnen. Daher ist es höchste Zeit, dass neben den Eltern auch die Gemeinschaft endlich Verantwortung übernimmt. Stattdessen üben sich die politischen Mandatsträger-Innen in rhetorischen Placebos.

2. Das Ausspielen der Generationen gegeneinander, wie es

derzeit praktiziert wird, ist auf jeden Fall der falsche Ansatz. Unter anderem kann ich mir eine Entlastung durch die ersatzlose Abschaffung des Bundesheeres, eine höhere Vermögenssowie Erbschaftsbesteuerung, die Besteuerung von Spekulationsgewinnen und die Senkung der indirekten Steuern für den täglichen Grundbedarf vorstellen. Auch die Besteuerung der Transferleistungen wie Familienbeihilfe für hohe Einkommen und staatliche Erträge aus dem Glücksspiel wären Alternativen. Um den Bedürfnissen der Jugendlichen Rechnung zu tragen, soll ein Fördersystem implementiert werden, welches schnell und unbürokratisch auf Begehrlichkeiten positiv reagiert.

3. Da die Jugendpolitik auf Bundesebene überhaupt nicht

existent ist, wird seit Jahrzehnten nicht auf gesellschaftliche Entwicklungen reagiert. Unverschämt und verantwortungslos dabei ist die Tatsache, dass der Großteil der Förderungen jenen Jugendorganisationen zugeschoben wird, deren Parteien im Parlament sitzen, obwohl Österreich bei den Parteienförderungen weltweit hinter Japan an zweiter Stelle liegt. Beim Auftauchen von jugendlichen Phänomenen ist die Antwort „Mehr Überwachung und Ausbau der Polizeibefugnisse“, dekoriert vielleicht noch mit JugendsozialarbeiterInnen, und damit ist der Tisch gedeckt. Die Halbierung der Parteienfinanzierung zugunsten der Jugendarbeit und der BürgerInneninitiativen könnte massiv zur Perspektivenbildung beitragen.


Willkommensräume für die Wälder Jugend

Aktuelle Ergebnisse eines Projekts zum Thema „Wie geht es Jugendlichen heute im ländlichen Raum und was brauchen sie zum Erwachsen-Werden?“ Aus Anlass des 10. Jahrestages der Offenen Jugendarbeit im Bregenzerwald hat die OJB ein breites Beteiligungsprojekt eingeleitet und die Wälder Jugendlichen gebeten, in kritischer Auseinandersetzung die bisherige Entwicklung sowie den aktuellen Entwicklungsstand der jugendspezifischen Infrastruktur/der offenen Jugendarbeit zu reflektieren. Auf Grundlage der Vorschläge und Wünsche der Jugendlichen 1, die an diesem Projekt beteiligt waren, wurden Maßnahmenvorschläge und Leitlinien für die Weiterentwicklung der Jugendarbeit und der jugendspezifischen Angebote in der Region Bregenzerwald erarbeitet.

Bekenntnis zur demokratischen Beteiligung und Anerkennung Die Wälder Jugendlichen

bekennen sich eindrücklich zur demokratischen Beteiligung und zur aktiven Mitwirkung und fordern unmissverständlich Aufmerksamkeit für ihre Meinungen, Wünsche und Argumente. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass es für Jugendliche nicht einfach ist, in ländlichen Gemeinden und abseits größerer Städte zu leben. Ihre Wünsche für und ihre Ansprüche an die Infrastruktur sowie an die Angebotsvielfalt in den Gemeinden bzw. in der Region sind groß. Ausgesprochen kritisch bewerten sie dabei ihre Möglichkeiten, ihr Leben in den Wälder Gemeinden aktiv mitzugestalten. Viele Jugendliche sind der Meinung, dass sie in den Gemeinden


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An insgesamt 21 offenen Veranstaltungen für die örtliche Jugend sowie neun regional gestreuten Treffen für Lehrlinge nahmen insgesamt etwa 500 Jugendliche teil. Workshops mit ehrenamtlicher Unterstützung in den örtlichen Jugendteams sowie im Rahmen des ersten Wälder Jugendtages und eine Fragebogenerhebung in den Wälder Schulen (über 1.000 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 13 und 17 Jahren) ergänzten dieses Beteiligungsangebot. 1

kein gutes Image haben, und sie vermissen entsprechende Angebote für Mitsprache und Mitwirkung.

Hohe Identifikation mit der Region, aber… Wälder Jugendliche identifizieren sich stark mit ihrer Heimatregion: Das Wälderische bezeichnen einige als ihre eigentliche Muttersprache. Andere betonen, dass sie gerne Wälderin und Wälder sind. Dennoch laufen die Gemeinden Gefahr, ihre jungen Bürgerinnen und Bürger zu verlieren. In dieser Hinsicht haben Wälder Gemeinden großen Handlungsbedarf, dem sie wohl nur in systematischer und gemeindeübergreifender Zusammenarbeit gerecht werden können.

Ein Leitbild für die Jugendarbeit und jugendspezifische Angebote Die Ergebnisse des Beteiligungsprojekts werden in einem Maßnahmenkatalog und in einem Leitbild für die Jugendpolitik/Jugendarbeit der nächsten Jahre aufgenommen. Danach wird den Gemeinden eindrücklich empfohlen, verstärkt auf die

Ich bin Wälder/in, also bin ich: weltoffen 41 % vielfältig interessiert 39 % offen für Kultur 22 % anders und zwar: gerne! Als Wälder/in bin ich leider von vielen Angeboten abgeschnitten, und zwar: Film 45 % Kultur 15 % Jugendkultur 14 % Information 12 % Bildung 9% Weiterentwicklung der jugendspezifischen Infrastruktur unter aktiver Beteiligung der Wälder Jugendlichen und auf den gezielten Ausbau der Angebote der offenen Jugendarbeit zu setzen.

Weil ich Wälder/in bin, lege ich großen Wert auf aktive Förderung. Insbesonders wünsche ich mir: Aktionen 54 % öffentliche Präsenz 17 % Beteiligungsangebote 11 % Service- und Hilfeangebote 11 %

„Willkommensräume“ zum Wohlfühlen Als weiteres, wesentliches Thema kristallisierte sich heraus, dass Wälder Jugendliche Freiräume und Treffpunkte im öffentlichen Raum – in diesem Zusammenhang fiel auch der wunderschöne Begriff „Willkommensräume“ – benötigen und sie keinesfalls in zu kleine Jugendräume und/oder in Nischen für jugendkulturelle Betätigung abgeschoben werden wollen und dürfen. Bei allen Maßnahmen und Angeboten, die für und mit Jugendlichen gestaltet werden, ist auf die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Bedürfnisse von einzelnen Teilgruppen (Mädchen und Burschen, Schülerinnen und Schüler, Lehrlinge, Inländerinnen und Inländer, Migrantinnen und Migranten, Alter der Jugendlichen) zu achten. Die Beteiligungsangebote sind also zielgruppenspezifisch zu gestalten. Die Jugendlichen verstehen sich als Teil der Wälder Öffentlichkeit und fühlen sich dennoch in mancher Hinsicht missachtet und vernachlässigt. Diesbezüglich ein Gleichgewicht im Sinne der Jugendlichen (wieder)herzustellen, erscheint (aufgrund der pointierten Zusammenführung der Ergebnisse) als die zentrale Herausforderung der nahen Zukunft. Dr. Heinz Schoibl, Helix – Forschung und Beratung, Salzburg / www.helixaustria.com

Download von Ergebnis und Leitbild der Wälder Jugendarbeit unter: www.ojb.at/index.php?id=129


Unterstützen – Begleiten – Fördern In Vorarlberg leben rund 53.000 Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren. Das sind knapp 15 % der gesamten Bevölkerung des Landes. Die außerschulische Jugendarbeit bietet den Jugendlichen Anregungen und Impulse, die eigene Persönlichkeit zu entwickeln, vielfältige Lebenserfahrungen zu sammeln und gemeinsam mit anderen soziales Verhalten einzuüben. Zentraler Ansatz ist dabei, die Jugendlichen ihren Fähigkeiten und Talenten entsprechend zu fördern, um ihnen Perspektiven für ihre Zukunft zu eröffnen. Aufgabe des Jugendreferates der Lan-

desregierung ist die finanzielle und ideelle Förderung von Organisationen im außerschulischen Bereich. D.h. das Jugendreferat ist nicht nur Geldgeber, es ist eine Service- und Koordinationsstelle für alle jugendpolitischen Belange in Vorarlberg. Wir nehmen die Anliegen der Jugendlichen ernst und müssen und wollen unsere Kinder und Jugendlichen in allen sie betreffenden Angelegenheiten hören und sie mitgestalten lassen. Dies geschieht einerseits durch eine enge Zusammenarbeit mit allen AkteurInnen im außerschulischen Jugendbereich und andererseits durch das Initiieren eigener Projekte. Ohne die große Zahl von Jugendlichen und Erwachsenen, die haupt-, nebenund ehrenamtlich im außerschulischen Jugendbereich ein hohes Maß an Verantwortung übernehmen, wären alle Fördermaßnahmen wirkungslos. Ich sehe Investitionen in die Jugend als Investitionen in die Zukunft Landesrätin Dr. Greti Schmid

Kommentare


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Kein Kommentar

Blick in den Spiegel

Mein Beitrag ist kein Kommentar, mehr ein Wunsch oder eine Liste von Wünschen - passt ja auch gut in die Vorweihnachtszeit. Ich wünsche jungen Menschen in erster Linie Neugier. Neugier im Sinne von wissen wollen, was um sie herum passiert, wie und warum Dinge und Strukturen funktionieren oder eben nicht funktionieren. Ich wünsche ihnen ausreichend Motivation, um immer wieder Fragen zu stellen. Genügend Interesse am täglichen Geschehen, um die öffentliche und veröffentlichte Meinung zu hinterfragen. Eine Neugier, die Vorurteile als solche erkennt, und genug Selbstvertrauen, sich eine eigene Meinung zu bilden, auch wenn diese nicht in herkömmliche Denkmuster passt. Den Scharfblick, die Intention von Werbeslogans und Schlagzeilen zu durchschauen, und die Ausdauer, in der täglichen Flut von Banalitäten das Wesentliche zu entdecken. Die Distanz, Realität und Inszenierung auseinander halten zu können.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer sind die wahrhaft Jungen in diesem Land? Sind es jene Erwachsenen, die verzweifelt jung sein möchten? Oder sind es die Jugendlichen, die endlich das verheißene Königreich des Erwachsen-Seins für sich beanspruchen wollen?

Neugier, die auch immer wieder verführt, die eigenen Grenzen zu suchen, und Lernfelder, die diese Grenzsuche zulassen - in der schulischen und außerschulischen Jugendarbeit, in der Familie und in der Gemeinwesenarbeit. Diese Neugier - oder vielleicht etwas schöner ausgedrückt: Wissbegierde, die damit verbundene Suche nach Information und die Fähigkeit sie auszuwerten sind für mich Grundlagen der Demokratie. Sie ist gepaart mit Kreativität sicher auch eine Möglichkeit Herausforderungen zu erkennen und sie anzunehmen.

Träume sind jung und Visionen auch. Vielleicht ist das die Brücke zwischen den Generationen: die eigene Möglichkeit wirklich jung sein zu können, misst sich analog dem Verhältnis der eigenen Fähigkeit Träume und Visionen kraftvoll und voller Tatendrang umsetzen zu wollen zu der Gewissheit auch die innere Stärke zu haben, diese umsetzen zu können.

Monika Paterno

Mag.a Sabine Liebentritt

Ein Blick in das Kaleidoskop der subjektiven Realitäten lässt gewahr werden: Den tatsächlichen Anspruch auf das Label „Jugendlichkeit“ haben nicht diejenigen, die neidvoll und missgünstig der eigenen Vergangenheit mitsamt allen verpassten Möglichkeiten hinterher eilen, sondern diejenigen, die nicht lediglich an der Oberfläche jung sind, sei es in Bezug auf Kleidung, Sprache, Aussehen oder Freizeitverhalten. Wahrlich jung sind diejenigen, die die Erwachsenen-Jugend-Scheinwelt mit einem authentischen, alles wollenden, alles ablehnenden, alles in Frage stellenden, gesellschaftskritischen und politischen Bewusstsein Lügen strafen und zugleich zum Diskurs herausfordern.

Und was bleibt: Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben die realisierten Träume als Hüterinnen der Jugendlichkeit weiter.


jung sein ... Interviews mit jungen Menschen

Gülsüm Kahraman 20 Jahre Studentin in Innsbruck Was bedeutet Jugend? Jugend bedeutet für mich Elan, Neugier, Frische, Veränderung und Bewegung. Man knüpft Freundschaften, lernt langsam Verantwortung zu übernehmen und trifft die ersten wichtigen Entscheidungen bezüglich Beruf usw. Die Pubertät ist die Abgrenzung zum Kind-Sein Man wird automatisch viel kritischer, entwickelt neue Interessen und spürt den Ernst des Lebens.

Erwachsen-Sein und Verantwortung übernehmen Erwachsen bin ich dann, wenn ich reif genug bin zu begreifen, dass nur ich die Verantwortung für mein Handeln übernehmen kann und nur ich die Konsequenzen trage. Dieses Gefühl kann ich schon mit 17 haben oder aber auch mit 31 noch nicht so weit sein. Leben ist Veränderung Das merkt man, glaube ich, am besten, wenn man noch jung ist. Überhaupt ist der Begriff „Jung-Sein“ subjektiv. Für einen 70-Jährigen ist ein 50-Jähriger noch jung und für ein Kind ein 18-Jähriger ziemlich alt. Vieles ist unbekannt Wenn man jung ist, hat man bestimmte Erfahrungen noch nicht gemacht und vieles ist neu, unbekannt. Wie immer flößt das Unbekannte einem Angst ein. Schön ist es, dass jeder Tag ein Neubeginn ist. Wir können lernen miteinander zu leben und nicht nebeneinander zu ve-

getieren, jeden Tag Toleranz zu üben und sich selbst immer wieder an der Nase zu nehmen und bewusst positiv zu denken. Zuerst ist der Gedanke, dann sind die Worte und schließlich sind die Taten da. Wenn der Anfang negativ ist, kann der Schluss nicht positiv sein. Visionen, Träume, Hoffnungen und Wünsche Im Moment wünsche ich mir nur, dass ich weiterhin gesund bin und dass es mir uni-mäßig gut geht, auf jeden Fall möchte ich hier auch Menschenkenntnisse


17 sammeln und fürs Leben lernen. Weiters ist mir wichtig, dass ich die Veränderung lebe, welche ich mir für meine Nächsten wünsche, die Änderung bezüglich gelebter Toleranz oder zumindest Akzeptanz! Carpe diem!

Martin Amann 20 Jahre Zivildiener Schritt für Schritt zum Erwachsenen Jeder Mensch entwickelt sich anders. In der Pubertät spielt die Frage, ab wann man kein Kind mehr ist, sicherlich auch eine Rolle, jedoch ist dies alleine nicht ausschlaggebend. In Wirklichkeit ist es auch kein Sprung vom Kind zum Jugendlichen. So lässt sich nicht sagen: „So, ab jetzt bin ich kein Kind mehr.“ Das Ganze vollzieht sich langsam und Schritt für Schritt.

Erwachsen – ab wann? Manche werden behaupten, dass sie Leute kennen, die nie erwachsen werden. Ich glaube, dass man erwachsen ist, sobald man eine gewisse Verantwortung zu tragen hat. Diese Verantwortung hat man einerseits sich selbst gegenüber, andererseits der Gesellschaft gegenüber. Was einen Erwachsenen auszeichnet, ist vor allem die Reife, mit der er die Dinge angeht. Diese Reife kann sich, wie gesagt, früh oder auch spät entwickeln. Am Jung-Sein gibt es viele wunderbare Dinge Die Unbekümmertheit, mit der die Dinge angegangen werden, die großen und kleinen Krisen, die man tagtäglich erlebt, das Gefühl, immer selbständiger zu werden sind nur wenige Beispiele, die mich faszinieren. Die ganzen Erlebnisse und Erfahrungen, die jeder einzelne Mensch gemacht hat, wird er oder sie sicher nie vergessen. Als Jugendlicher kann so ziemlich alles schwierig sein ... Jeder Mensch hat zwar seine ganz eigene Art, mit Krisen und Schwierigkeiten fertig zu werden. Doch oft scheint diese (jugendliche) Art der Problembewältigung in den Augen anderer (Erwachsener) nicht die richtige zu sein. Das bedeutet noch mehr Schwierigkeiten.

Meine Zukunft ist im Moment noch relativ unklar. Sei es in schulischer bzw. beruflicher oder privater Hinsicht. Im Moment kann so ziemlich alles passieren. Wichtig für mich ist, dass ich glücklich, zufrieden und gesund bin. Wie ich dies anstelle, steht in den Sternen. Die Interviews mit Martin und Gülsüm führten Annemarie Felder und Katharina Kohler, JugendInitiativ, Entwicklung und

Werte und Haltungen charakterisieren einen Menschen Mögen Menschen auf den ersten Blick zwar sympathisch und freundlich wirken, so kann dieser Eindruck jedoch total täuschen. Lernt man einen Menschen dann besser kennen, so weiß man, wer er oder sie wirklich ist. Ich denke, dass sich Menschen Freunde und Freundinnen suchen, die ihre eigenen Werte und Haltungen teilen.

Begleitung von Jugendprojekten,

www.jugendinitiativ.at


Adrian Haim 15 Jahre Schüler, spielt Schlagzeug in einer Band Frei sein, sich austoben dürfen Sich entwickeln und nicht so viele Pflichten wie Erwachsene haben, das heißt für mich jung sein, mehr oder weniger frei sein. Wenn du beispielsweise als Jugendlicher eine Beziehung hast, ist es meistens nicht so ernst. Hingegen ist es als Erwachsener viel fixer, es muss mehr Verantwortung übernommen werden. Wenn man jung ist, darf man noch „Sch… bauen“. Druck lässt die Träume sterben Viele Menschen haben in jungen Jahren bestimmte Vorstellungen für ihre Zukunft, was sie einmal werden wollen oder was sie machen wollen. Dann kommt es, dass sie eben zu arbeiten anfangen und dann in einem gewissen Trott sind. Oft müssen sie dann für ihre Familie arbeiten, sie haben die Verantwortung, ihre Kinder zu ernähren. Die Möglichkeiten werden dadurch selbstverständlich eingeschränkt und dieser Druck lässt die Träume gewissermaßen sterben.

neu… und es gibt noch viele Dinge, die man erreichen möchte, die man ausprobieren und lernen will, zum Beispiel Moped fahren. Seit ich zehn bin, möchte ich wissen, wie es ist, Moped zu fahren. Man freut sich darauf, ist gespannt, wie es sein wird, und dann stolz, dass man „so alt“ ist und Moped fahren darf. Aber ich denke, dass es so ab 20 dann nichts mehr gibt, was man noch nicht darf, dass es nichts Besonderes mehr gibt, auf das man sich so freut wie in jungen Jahren. Hobby zum Beruf machen Ich hoffe, dass es mir gelingt, mein Hobby Musik (ich spiele Schlagzeug in einer Band) zum Beruf zu machen. Ich möchte das machen, was mich erfüllt, im Sinne von Selbstverwirklichung. Wenn ich daran denke, dass ich (wie viele andere auch) vielleicht später nur arbeite, um Geld zu verdienen und als Pflichterfüllung, dann tut mir das weh. Ich habe bereits einen Ferienjob gemacht, bei dem ich einfach so stumpfsinnig vor mich hinarbeiten musste. Das fand ich schlimm und ich könnte das nie ein Leben lang machen. Das Interview mit Adrian führte Susanne Flatz von “aha“ – Tipps und Infos für Junge Leute.

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Neues entdecken Als Jugendlicher kann man vieles entdecken, viel ist


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• Du schreibst gerne? • Es gibt Themenfelder rund um Jugend, zu denen du vertiefende Einblicke an interessierte Fachpersonen weitergeben kannst und willst? • Du bist an einem Aufwandshonorar interessiert? Dann schick uns ein Mail an redaktion@jugend-diskurs.at mit folgenden Angaben: • Name • Zu diesem Thema möchte ich gerne einen Fachbeitrag schreiben • So bin ich zu erreichen Ist eine Ausgabe zu deinem „Wunschthema“ geplant, freuen wir uns auf deinen redaktionellen Beitrag.

Doch Mitmachen geht auch anders … ��������� ����� ��

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Du willst vielleicht keinen Artikel für Diskurs schreiben, hast aber deine eigene Meinung zu einem Beitrag oder zum Magazin als solches? Wir freuen uns auf deinen Leserbrief, deinen Kommentar oder deinen Themenvorschlag für eine Ausgabe von Diskurs. Schreib einfach ein Mail an redaktion@jugend-diskurs.at


Kein Kind (mehr) und (noch) nicht erwachsen Zwischen den Welten und mittendrin im Leben


21 Bunt, abwechslungsreich, voller Herausforderungen und Veränderungen, so lässt es sich beschreiben: das Jugendalter. Doch was steckt dahinter? Hier finden Sie als kleinen persönlichen Überblick ein paar Antworten auf ausgewählte Fragen rund ums Jugendalter.

Was sind die wesentlichsten Merkmale des Jugendalters? „Im psychologischen Alltagsverständis gibt es hauptsächlich zwei Merkmalsbereiche, die den Jugendlichen/die Jugendliche kennzeichnen. Der eine bezieht sich auf die drastische und dramatische körperliche Veränderung, die das Kind äußerlich innerhalb von wenigen Jahren zum Erwachsenen verwandelt. Der andere Bereich umfasst die auffälligen eigenwilligen Einstellungen, Gefühle und Verhaltensweisen der Jugendlichen (emotionale Veränderungen). So sieht man das Jugendalter als Zeit des „Sturm und Drang“, der extremen Gefühlsschwankungen und der Rebellion gegenüber Sitte und Moral der Erwachsenen.“ (Oerter & Montada, Seite 265)

Was sind Besonderheiten der Lebensphase JUGEND? Jugendliche haben keine Pflicht, Geld zu erwerben und sich oder Angehörige selbständig zu versorgen. Das Jugendalter ist eine freigestellte Zeit für Ausbildung und für das Reifen zum Erwachsen-Werden. Es ist vom Recht auf Ausbildung und Unterhalt gekennzeichnet. Mädchen und Jungen im Jugendalter müssen aber auch Einschränkungen in Kauf nehmen, wie beispielsweise die beschränkte Mündigkeit bezüglich Strafrecht und bezüglich bürgerlicher Rech-

te, wie Wahlrecht, Vertragsrecht, sowie Einschränkungen in Bezug auf den Jugendschutz, der Ausgehzeiten, Zugang zu Medien und Alkoholkonsum festlegt.

Wie ist das Jugendalter als eigenständige Lebensphase entstanden? Jugend ist historisch gesehen ein junges Phänomen, eine Erfindung des Bürgertums, die letztlich auf das späte 19. bzw. frühe 20. Jahrhundert datiert werden kann. Anfangs war die Lebensphase Jugend, das Freigestellt-Sein von reproduktiven Verpflichtungen, zahlenmäßig stark begrenzt und räumlich auf einige wenige Städte/Regionen, in denen sich größere Schulzentren befanden, beschränkt. In diesen Städten/Regionen kam es dann allein zahlenmäßig zum Phänomen einer auffälligen Ansammlung von jungen Personen, deren Lebensstatus sich im Sinne ihres Standes als Auszubildende an Schulen und Universitäten beschreiben ließ. Diese eher kleine Gruppe „freigestellter“ junger Menschen war nicht in der Lage, sich als gesellschaftliche Subgruppe zu konstituieren und spezifische Gesellungs- und Kulturformen zu entwickeln. Erst ab der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzt sich soziale Mobilität soweit durch, dass auch für Kinder aus Bauernund Arbeiterfamilien die Option auf ausgedehntere Ausbildungszeiten/Bildungskarrieren möglich wurde. Damit kann


erst seit dieser Zeit ernsthaft davon gesprochen werden, dass sich zwischen die klar unterscheidbaren Lebensphasen der Kindheit und des Erwachsen-Seins eine neue Lebensphase schiebt und sich als Jugendalter konstituiert.

Welche Werte sind für Jugendliche bedeutsam und welche Einstellungen haben junge Menschen? In unserer Gesellschaft existieren materielle Werte (Wohlstand, Wachstum, Stabilität, Ordnung, Tradition) neben so genannten postmateriellen Werten (Friede, Freundschaft, Freiheit, Partizipation, familiäre Sicherheit). Jugendliche haben neben Angst vor Krieg oder Krankheit vermehrt auch Angst vor Arbeitslosigkeit, davor, keine Lehrstelle zu finden und vor der Konfrontation mit Drogen. Der Optimismus, der die persönliche Zukunft betrifft, ebenso die optimistische Einschätzung der gesellschaftlichen Zukunft sind als schwindend einzuschätzen. Die Ablehnung von Politik richtet sich vor allem gegen die institutionelle Politik (Parteien, Verhandlungen, Regierung, Parlament). Das politische Wissen wiederum ist größer als früher, vor allem das Interesse an politischen Entscheidungen, welche das

Umfeld von Jugendlichen betreffen. Interesse ist allerdings nicht gleichbedeutend mit Engagement und Partizipation, welche als geringer eingestuft werden müssen. Die Familie ist weiterhin eine wichtige Sozialisationsinstanz, sie ist zwar nicht die einzige, aber neben Freunden, Schule, Betreuungs- und Freizeiteinrichtungen dominierend. Familie, Partnerschaft, Sexualität werden zunehmend als private Bereiche und Rückzugsräume angesehen. Religion wird, ähnlich wie die Politik, in institutionalisierter Form abgelehnt, als Lebens- und Orientierungshilfe sowie zur Unterstützung des subjektiven Wohlbefindens wird Religion bzw. Spiritualität als wichtig angesehen.

Welche „Entwicklungsaufgaben“ haben Jugendliche während des Übergangs zum Erwachsenenalter zu bewältigen? Für jede Lebensperiode sind spezifische Aufgaben vorgesehen, deren Bewältigung (Weiter)Entwicklung erfordert. Diese Aufgaben nennen Psychologinnen und Psychologen „Entwicklungsaufgaben“. Havighurst (1972) nennt für das Jugendalter folgende Entwicklungsaufgaben: • Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung und effektive Nutzung des Körpers • Erwerb der männlichen und weiblichen Rolle: Der/die Jugendliche muss seine/ihre individuelle Lösung für sein/ihr Geschlechterverhalten finden • Erwerb neuer Beziehungen zu Altersgenossen beiderlei Geschlechts: Peer-Group gewinnt an Bedeutung • Gewinnen emotionaler Unabhängigkeit von Eltern und von anderen Erwachsenen


23 • Vorbereitung auf die berufliche Karriere • Vorbereitung auf Heirat, partnerschaftliche Beziehungen und Familienleben • Gewinnen eines sozial verantwortungsvollen Verhaltens: sich für das Gemeinwohl engagieren und sich mit der eigenen politischen und gesellschaftlichen Verantwortung als Bürgerin, als Bürger auseinandersetzen • Aufbau eines Wertesystems und eines ethischen Bewusstseins als Richtschnur für das eigene Verhalten (Oerter & Montada, Seite 276) Die nachfolgende Abbildung zeigt, welche Veränderungen den Menschen im Jugendalter erwarten und in welchem Zusammenhang diese mit dem Erwachsenenalter stehen: Jugend als Lebensabschnitt schulische (Grund-)Ausbildung

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Berufswahl und berufliche Ausbildung

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Was bedeuten die Worte „Peer-Group“ und „Clique“? Peer-Group: „Peer Group bedeutet „Gruppe von Gleichaltrigen“ oder „Gruppe von Gleichgestellten“. Der Begriff fasst die Beobachtungen zusammen, dass besonders im Kinder- und Jugendalter die Orientierung der Individuen an Gruppenstandards stärker an Menschen ähnlichen Alters als an den eigenen Eltern stattfindet und dass auch später die Ansichten eines Menschen häufig von den Menschen der unmittelbaren Umgebung geprägt werden. Als Peer-Group gelten Gruppen mit Mitgliedern ähnlichen Alters, meist auch mit ähnlicher sozialer Herkunft und gleichen Geschlechts.“ (Textquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Peer_group) Clique: „Clique bedeutet ein Kreis von Gleichaltrigen und Gleichgesinnten im Jugendalter, der sich regelmäßig trifft und sich zusammengehörig fühlt. „Cliquengebundene setzten sich am meisten von den Leistungsnormen der Erwachsenengesellschaft ab.“ (Zitat nach Fend, 1998), d.h. Jugendliche in Cliquen sind kontaktfreudiger, zeigen ein höheres Selbstbewusstsein und ein positives soziales Welt der Erwachsenen Selbstbild.“ (Textquelle: www. stangl.eu/psychologie/definition/Clique.shtml) ökonomische Selbständigkeit

Weshalb ist die PeerGroup für Jugendliche so wichtig?

Einstieg ins Erwerbsleben

Persönlichkeitsentwicklung und –bildung

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Kindheit

psycho-sexuelle Entwicklung / Geschlechtsrollenentwicklung

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Lebensgemeinschaft eigene Familie und Kinder

Geschlechtsreife und PartnerInnenwahl

Kulturation und Aneignung von Kulturtechniken

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Hobbys, Moden, Jugendkulturen, Peers & Cliquen (Freundeskreis)

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Verselbständigung & soziale / gesellschaftliche Teilhabe

Ablöse von Eltern; eigene Wohnung (allein oder mit FreundInnen) Individuation / Ich- und Identitätsentwicklung

Integration als eigenständige Persönlichkeit

• Die Peer-Group kann zur Orientierung und Stabilisierung beitragen und emotionale Geborgenheit gewähren. • Sie bietet sozialen Freiraum für die Erprobung neuer Möglichkeiten im Sozialverhalten und lässt Formen von sozialen Aktivitäten zu, die außerhalb der Gruppe zu riskant wären. • Die Peer-Group ist wichtig für die Ablösung von den

Eltern und bietet Unterstützung durch die normierende Wirkung einer Mehrheit, z.B. Ausgehen am Abend: „Die anderen dürfen auch so lange wegbleiben.“ • Die Peer-Group kann zur Identitätsfindung beitragen, indem sie Identifikationsmöglichkeiten und Lebensstile bietet und Selbstdarstellungen bestätigt. (Oerter & Montada, Seite 318) Maga. Sabine Liebentritt fasste aus einem Vortragsmanuskript von Dr. Heinz Schoibl (Helix – Forschung und Beratung) und aus dem Buch „Entwicklungspsychologie“ von Oerter & Montada (2. Auflage erschienen in PsychologieVerlagsUnion) die Antworten auf die Fragen zusammen.


Aus der Jugendarbeit „2 get here“ Ein Best-Practice-Fachbuch zum Thema „Interkulturelle Jugendarbeit in Vorarlberg“

rung und Integration freuen sich auf einen erlebnisreichen Abend.

Am 18. Jänner 2007 ist es soweit: Im Pförtnerhaus in Feldkirch findet um 18.30 Uhr der Präsentationsabend des Fachbuchs „2 get here – Interkulturelle Jugendarbeit in Vorarlberg“ statt. Die Gastgeber koje – Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit und Entwicklung und okay.zusammen leben – Projektstelle für Zuwande-

Was ist „2 get here“? Jugendarbeit ist vielfältig, bunt, kreativ und erreicht mit unkonventionellen Ideen und Projekten Jugendliche mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen und Wünschen – auch Jugendliche mit Migrationsgeschichte. Das Buch „2 get here“ präsentiert 22 ausgewählte Beispiele aus der Interkul-

Jugend in Aktion – Das neue EU-Jugendprogramm Am 1.1.2007 startet mit einer Laufzeit von sieben Jahren das EU-Programm JUGEND IN AKTION. Mit diesem Programm unterstützt die EU internationale Jugendbegegnungen, lokale Jugendinitiativen, Partizipationsprojekte, Freiwilligeneinsätze sowie die Ausbildung und Vernetzung von in der Jugendarbeit Tätigen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Projekten zu den Themen European Citizenship, Jugendpartizipation, kulturelle Vielfalt und Einbeziehung von Jugendlichen mit begrenzten Möglichkeiten. Förderfähige Länder sind die EUMitgliedsländer, die EFTA-Länder Island, Liechtenstein und Norwegen sowie die assoziierten Länder Bulgarien, Rumänien und Türkei. Teilweise sind auch Projekte mit den so genannten Partnerländern in Ost- und Südosteuropa sowie im südlichen und östlichen Mittelmeerraum möglich.

turellen Jugendarbeit Vorarlbergs. Die Projektbeschreibungen und Analysen vermitteln die zentralen Erfolgsindikatoren, wie z.B. Zielgruppen-, Ressourcen- und Prozessorientierung, in anschaulicher Weise und dienen somit als authentischer und praxisorientierter Leitfaden für Konzeption, Planung und Umsetzung weiterer Projekte im Bereich der Interkulturellen Jugendarbeit und angrenzender Handlungsfelder. Die Projektidee stammt von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe INTERKULTURELL der koje.

„2 get here“ als Prozess „2 get here“ verweist auf den Prozess und zugleich das Ziel, im Einwanderungsland anzukommen und sich hier zu Hause zu fühlen. Die einzelnen Projekte handeln von der Suche nach Heimat, Anerkennung, Identität und Orientierung und tragen damit zum „2 get here“, zum wahrhaften Ankommen, bei. Das Fachbuch „2 get here“ erscheint im Jänner 2007 und ist über die koje erhältlich. Weitere Infos: www.koje.at und office@koje.at

Vorarlberger Finanzführerschein Autofahren kann man lernen, Sparen und Geldausgeben auch. Der Finanzführerschein soll Kindern und Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld vermitteln. Von mehreren Vorarlberger Institutionen werden Kurseinheiten rund um das Thema Schuldenprävention angeboten. Die unterschiedlichen Module, die im Rahmen des Finanzführerscheins absolviert werden können, sind für eine Gruppengröße von ca. 20 Personen konzipiert. Auch das ”aha” informiert in einem Workshop.

360-Winteraktion Mit der 360, der Vorarlberger Jugendkarte, genießen 14- bis 20-Jährige jede Menge Vorteile. Speziell für die kalte Jahreszeit hat die 360 gemeinsam mit ihren PartnerInnen und den Gemeinden auch heuer wieder ein tolles Winterpackage zusammengestellt. Infos unter www.360card.at Mehr Informationen bei: ”aha” – Tipps und Infos für Junge Leute bzw. 360 – Vorarlberger Jugendkarte Zollgasse 1, 6850 Dornbirn T: 05572/52212 E: aha@aha.or.at


25 m5 Beim Förderprogramm m5 werden Gemeinden bei der Umsetzung von Jugendbeteiligungsprojekten finanziell unterstützt. Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Förderung ist die Einhaltung der Kriterien, die für die Jugendbeteiligung vorgeschrieben sind. Das Förderangebot beinhaltet ein kostenloses Erstgespräch mit einer von invo – service für kinder- und

jugendbeteiligung beauftragten Person. Dabei wird zum Beispiel über Förderhöhe, Verfahrensablauf sowie über Methoden und Modelle der Jugendbeteiligung informiert. Weiters werden die Kosten der externen Moderation und der Begleitung, die in den nächsten Projektphasen anfallen, bis zu einem Höchstbetrag von € 2.500,vom Jugendreferat beim Amt der Vorarlberger Landesregierung zurückerstattet. m5 beinhaltet folgende Module: • m1: Erstgespräch mit Bür-

germeisterIn, GemeindejugendreferentInnen, Obmann bzw. Obfrau des Jugendausschusses und engagierten Erwachsenen, um Bedürfnisse und Erwartungen abzuklären. • m2: Projektvorbereitung mit Jugendlichen, um ihre Wünsche zu erfahren und eine geeignete Methode für die Erfüllung dieser zu finden. • m3: Moderation des Gesprächs zwischen GemeindevertreterInnen und Jugendlichen über Jugendanliegen. Unterstützung bei Konzeptentwicklung und gemeinsamer Entscheidungsfindung zur praktischen Umsetzung. • m4: Start und Durchführung konkreter Projekte (z.B. Jugendtreff) oder Modelle ( z.B. Jugendgemeinderat). • m5: Nachbereitung nach ca. einem halben Jahr. Anmeldung zum kostenlosen Erstgespräch: invo – service für kinder- und jugendbeteiligung E: elisabeth.seebald@vorarlberg.at, T: 0699-11465908

„Kinder in die Mitte“

unterstützt Engagement

Mit bis zu € 1.500,- unterstützt „Kinder in die Mitte“ Projekte, die sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern, Jugendlichen und Familien in Vorarlberg einsetzen. Einzelpersonen, Gruppen, Vereine und Organisationen können ihre Ideen und Projekte einreichen und um eine finanzielle Unterstützung ansuchen. Diese beträgt maximal 50 % der gesamten Projektkosten, gerechnet werden dürfen anfallende Aufwandskosten, jedoch kein

Personal. Ein engagiertes Projekt im Sozialsprengel Hard behandelt die Berührungsängste zwischen MigrantInnen und InländerInnen. Ein weiteres, bereits unterstütztes Projekt mit dem Titel „Kleine Erzähler ganz groß“ präsentierte ein Kinderbuchprojekt, bei dem sich Kindergartenkinder aus den Regionen Vorarlbergs Geschichten ausgedacht und selber gestaltet haben. So entstand ein Buch mit einer Geschichtensammlung, bei dem die Kinder von Anfang bis Ende an der Erstellung beteiligt waren. Kriterien für die finanzielle Unterstützung und Antragsformulare sind unter www.vorarlberg.at/kinderindiemitte zu finden. Weitere Informationen und Auskünfte über „Kinder in die Mitte“: Nina Kaufmann, T: 05574/511-24144, E: nina.kaufmann@vorarlberg.at


Landesjugendbeirat Das beratende Gremium der Vorarlberger Landesregierung Jugend und Jugendthemen sind Querschnittsmaterie und betreffen viele gesellschaftliche und politische Bereiche. Um den Anliegen und Interessen der Kinder und Jugendlichen authentisch gerecht zu werden, müssen Ansichten, Erkenntnisse und Empfehlungen von Menschen aus der Praxis als Grundlage für Entscheidungen und Maßnahmen berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund berät der Landesjugendbeirat die Vorarlberger Landesregierung in allen Angelegenheiten, die Kinder und Jugendliche betreffen.

Engagierte Mitglieder Im Vorarlberger Landesjugendbeirat engagieren sich Mitglieder aus der verbandlichen und offenen Jugendarbeit neben einer Reihe von kooptierten Mitgliedern aus der Jugendarbeit. Die ehrenamtlichen PraktikerInnen aus dem Bereich der verbandlichen Jugendarbeit sind AKS, Alpenvereinsjugend, Blas-

musikjugend, Feuerwehrjugend, Gewerkschaftsjugend, Jungbauernschaft, Junge ÖVP, Katholische Jugend, Kolpingjugend, Marianische Kongregation, Mittelschulkartellverband, Naturfreundejugend, Vorarlberger Pfadfinder und Pfadfinderinnen, Ring Freiheitlicher Jugend, Schülerunion, Sozialistische Jugend Vorarlberg und der Verband Vorarlberger Pennalien.

Interessensvertretung Die Aufgabe des Landesjugendbeirates besteht darin, Aktionen und Projekte im Interesse der Jugend zu erarbeiten und Information, Kommunikation und Zusammen-

arbeit unter den Mitgliedern und deren Organisationen zu fördern. Jugendinteressen und Anliegen des Jugendbeirates in der Öffentlichkeit zu vertreten und nationale und internationale Kontakte zu fördern sind ebenfalls wichtige Aufträge. In den letzten Jahren befasste sich der Landesjugendbeirat mit verschiedenen Themen und setzte verschiedene Projekte um: Dialog der Generationen – Gespräche zwischen Seniorenbeirat und Jugendbeirat, Jugendarbeitslosigkeit – Aktion „Jugend braucht Arbeit“, Junge Halle auf der Dornbirner Frühjahrsmesse 2006. Kontakt: Jugendreferat des Landes Vorarlberg roland.marent@vorarlberg.at


„Brüll mit!“ Lustenaus junge Zeitungszunft gibt kräftige Statements von sich!

Am Anfang war „Salt‘n peppa“, ein Jugendblatt, das das Gemeindeblatt als integrierter Bestandteil kräftig „würzte“. Leider erreichte es nur wenige Jugendliche und war darum Grund für eine Krise und für eine neue Idee zugleich: Zehn Kids gaben vor fast sechs Jahren den Startschuss für die „junge Zeitung mit Biss“, für das „Brüll mit!“. Nomen est Omen: Kids sollen ihre Meinung frei äußern. Sicher mit ein Grund, weshalb „Brüll mit!“ keine Nachwuchssorgen und keinen Mangel an Themen hat! Und das schon 30 (!) Ausgaben lang!

Vielfalt durch 100 junge Redakteurinnen und Redakteure

„Ich persönlich war von Anfang an dabei. Es hat mir immer Spaß gemacht, kritische Themen anzusprechen und dadurch Jugendliche und Erwachsene zum Nachdenken zu bewegen.“ Beki, 21 Jahre

Mehr als 100 junge Lustenauerinnen und Lustenauer schrieben in den letzten fünf Jahren über vielfältige Themen, über Jobs und das Problem, welche zu bekommen, über Drogen und die Schwierigkeiten, damit umzugehen, über Skins und Punks, über Rechtsextreme und Linksradikale. Beliebte Bereiche sind auch die lieben Eltern, deren Fürsorge einen mitunter fast erstickt, die Lehrer, ein

Kapitel für sich, Umweltverschmutzung, Armut, Ritzen, Diskriminierung und von wegen Integration. Aber in keiner Ausgabe von „Brüll mit!“ werden ausschließlich Probleme gewälzt. Mindestens so viel Raum nehmen stets auch die angenehmen Seiten des Lebens ein. Mode, Liebe und Freundschaft, Wetterkapriolen, Tussis, Computer, Graffiti und die ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht liefern genügend Stoff für erheiternde Artikel. Natürlich wird immer darüber informiert, was in Lustenau los ist und was Gemeinde und Land alles tun, damit

„offene Jugendarbeit“ kein Lippenbekenntnis bleibt!

Erfrischendes Lebenszeichen im Medieneinheitsbrei des Landes Das interessiert mich! Das stinkt mir! Das gehört gesagt. Darüber soll diskutiert werden. Das sind unsere Probleme. Im „Brüll mit! wird veröffentlicht, diskutiert, bewegt. Nichts wichtiger als das, denn die Jugendlichen von heute sind die Erwachsenen von morgen! In einem Land der konzentrierten Medien-Einfalt hätte nicht nur Lustenau eine junge Zeitung mit Biss nötig... Doris Bösch


Ausgabe 01 Dezember 2006

Sollten Sie keine Zusendung des Jugend-Fachmagazins Diskurs wünschen, melden Sie sich bitte unter abo@jugend-diskurs.at oder im ”aha” unter 05572/52212.

Im nächsten Diskurs...

... kommen unterschiedliche Meinungen, Haltungen und differenzierte Betrachtungen verschiedener Autorinnen und Autoren zu den Schlagworten „Bildungschancen, Berufschancen, Lebenschancen“ zum Ausdruck.

Auf den Punkt gebracht.


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