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Rudolf Lenz Danziger

himself thoroughly in the study of people’s habits and usages, their games, story-telling, songs and oral tradition. His concern for this field of studies took him to found in 1909 –along with other intellectuals of his time- the “Chilean Society for the Folklore” as well as the editing of a periodical with the same denomination, in which he would publish the research made by his colleagues on riddles, short stories, proverbs, romance collection and ten-line stanzas.

Wurde am 10. September 1863 in Halle/Deutschland geboren. Er studierte in Berlin und Bonn, wo ihm 1886 der Doktor der Philologie in der Fachrichtung Romanistik verliehen wurden. Drei Jahre später nahm ihn das damalige chilenische Bildungsministerium Ministerio de Instrucción Pública de Chile als Lehrkraft für Französisch und Spanisch am Instituto Pedagógico unter Vertrag. Im Januar 1890 reiste er zusammen mit seiner Ehefrau Johanna Talaszus nach Chile und begann in diesem Land ein neues Leben. Zusätzlich zu seiner pädagogischen Arbeit führte Lenz Forschungen in verschiedenen Bereichen der Linguistik und Folklore durch. Als Linguist interessierte er sich für das Studium der Sprache der Chilenen, sowie für ihre Grammatik und Rechtschreibung. Bei seiner Ankunft im Land stellte er fest, dass sich das dort gesprochene Spanisch von dem in Europa gelehrten Spanisch unterschied, weshalb er eine Reihe von phonetischen und ethnographischen Untersuchungen über die Sprache der Mapuche, eines der größten indigenen Völker in Chile, durchführte. Sein Interesse an Traditionen führte ihn dazu, dass er viele Forschungen auf der Suche nach dem anstellte, was er „die Volksseele“ nannte; er untersuchte die Sitten und Gebräuche der Menschen, ihre Spiele, Erzählungen, ihren Gesang und ihre Legenden. Dieses Interesse motivierte ihn, zusammen mit anderen Intellektuellen seiner Epoche die Gesellschaft für chilenische Folklore Sociedad de Folklore Chileno zu gründen und eine gleichnamige Zeitschrift herauszugeben, in der die Forschungsergebnisse seiner Mitstreiter über Sitte, Gebräuche, Legenden und in Dezimen gehaltene Gedichte sowie andere Themen aus diesem Bereich veröffentlicht wurden. 1931 wurde Lenz Dozent an der Fakultät für Philologie und Erziehungswissenschaften. 1935 verlieh ihm die chilenische Regierung die Staatsbürgerschaft als Anerkennung seiner für das Land so wichtigen Arbeit. Lenz verstarb am 07. September 1938 in Santiago de Chile.

Lenz und die Lira Popular

Einige Monate nach seiner Ankunft in Chile erwarb Lenz auf einem Markt ein Heft mit volkstümlicher Dichtkunst und auch später sammelte er einzelne Blätter, die von volkstümlichen Dichtern veröffentlicht wurden. Über vier Jahre hinweg vertiefte er sich in das Studium „einer kuriosen Manifestation des intellektuellen Lebens des einfachen Volkes Chiles“. Er lernte den Dichter und Sänger Aniceto Pozo kennen, der ihn in die Kunst des guitarrón (chilenische Gitarre mit 25 Saiten) und des volkstümlichen Gesangs einführte. Der Dichter José Hipólito Casas Cordero erzählte ihm von den losen gedruckten Blättern mit Gedichten. 1894 veröffentlichte Lenz das Buch “Über die gedruckte Volkspoesie von Santiago de Chile. Ein Beitrag zur chilenischen Volkskunde” in deutscher Sprache. In diesem Buch analysierte er die Metrik der Gedichte, charakterisierte die Illustrationen und studierte die Thematik der Dichter, wobei er sich auf die Klassifizierung bezog, die diese selbst vornahmen. Zudem ging er auf die literarischen und historischen Veröffentlichungen ein, die die Dichter für das Ersinnen ihrer Verse nutzten. Dieser Text stellt die erste systematische und auf Primärquellen beruhende Untersuchung über die volkstümliche chilenische Dichtkunst dar. Sie wurde im Jahr 1919 unter dem Titel “Sobre la Poesía Popular Impresa en Santiago de Chile. Contribución al Folklore Chileno” sowie in den Annalen der Universidad de Chile und in der Zeitschrift Revista de Folklore Chileno veröf-

In 1931, Lenz was made a member of the Faculty of Philosophy and Educational Sciences, and in 1935 the Chilean government granted him the nationality in recognition for his invaluable work for the country. He passed away on September 7, 1938, in Santiago de Chile.

Lenz and the “Sheets of the Lyre”

Die Welt der Dezime: Populäre Dichtkunst und das Vermächtnis von Rodolfo Lenz The World in ten-Line Stanzas: The Lira Popular and Rodofo Lenz’ Legacy

http://archivodeliteraturaoral.salasvirtuales.cl www.dirac.gob.cl

fentlicht. Am 15. Mai 1933 schenkte Lenz seine Während des laufenden Jahres wird eine PräsenSammlung von 327 Blättern der als lira popu- tation ausgearbeitet werden, um die volkstümliche lar bezeichneten Dichtkunst der chilenischen Dichtkunst lira popular dem internationalen KomiStaatsbibliothek Biblioteca Nacional de Chile. tee von Memory of the World vorzustellen. Die Biblioteca Nacional hofft, dieses Kulturerbe in der ganDas Vermächtnis von Rodolfo zen Welt bekannt machen zu können und beginnt damit in Deutschland, der Wiege von Rodolfo Lenz. Lenz

Derzeit gibt es drei Sammlungen dieser seltenen und wertvollen Blätter: die Sammlung von Rodolfo Lenz, die Sammlung des Bücherliebhabers Alamiro de Ávila -beide in der Biblioteca Nacional de Chile-, sowie die Sammlung von Raúl Amunátegui im Zentralarchiv Archivo Central Andrés Bello der Universidad de Chile. Beide Institutionen kümmern sich um den Erhalt, die Diffusion sowie den gleichberechtigten und allgemeinen Zugang zu diesem dokumentierten Kulturgut anhand von Ausstellungen, Forschungsarbeiten, Büchern und Internetpräsenzen. Dank der Arbeit des Pioniers Rodolfo Lenz, der Biblioteca Nacional sowie der Universidad de Chile konnte die populäre Dichtkunst viele Studierte aus den unterschiedlichsten Bereichen faszinieren und zu einem Symbol der chilenischen Kultur werden. Aus diesem Grund hat das Regionalkomitee Lateinamerika/Karibik des UNESCO-Programms “Memory of the World” (MOWLAC) wegen des großen Wertes für das Weltkulturerbe die Sammlungen der populären Dichtkunst im Jahr 2010 in das entsprechende Regionalregister eingetragen.

Rudolf Lenz Danziger

Born in September 10, 1863, in Halle, Germany, Rudolf Lenz studied in Berlin and Bonn where he obtained, in 1886, a Phd in Philosophy with a specialization in Romance philology. Three years later he was engaged by Chile’s Ministry of Educaction to teach French and English at the “Instituto Pedagógico” in Santiago. In January 1890 he travelled to Chile with his wife, Johanna Talazus, starting thenceforth a new professional life.

Apart from teaching languages, Lenz made plenty of research in areas related to linguistics and folklore. As a linguist, he was appealed by Chilean Spanish, its grammar and spelling, since he quickly realized the differences with the version spoken in the Iberian peninsula. He made then wide phonetic and ethnographic analysis regarding the mapuche language, one of the main amerindian tribes of Chile.

His deep interest in popular culture took him to carry out many a research, investigating what he would call “the national soul”. He involved

La Lira Popular (1866-1930) In Chile bezeichnen wir als lira popular jene Literatur auf losen Blättern, auf denen volkstümliche Dichter ihre Ansichten über das Menschliche und das Göttliche niederschrieben -dies geschah fast immer in Dezimen -, um sie später auf Plätzen und Märkten kundzutun. Diese Form der traditionellen Literatur wurde zumeist mit Drucken abgebildet, deren Urheber oftmals anonym blieben. Sie illustrierten die von den Dichtern beschriebenen Ereignisse vor allem dann, wenn es sich um tragische oder gewalttätige Erzählungen, Verbrechen oder Erschießungen handelte.

 “Lira Popular” in Chile means off-stream literature, loose sheets where folk poets would reflect their work related with “the human and the divine “- in ten-line stanzas most frequently- in order to call out them in markets and public spaces .This form of traditional literature would be accompanied with anonym engravings, alluding to the work of each poet, particularly in poems related with tragic or violent events, murders or executions.

A few months after his arrival to Chile, Lenz acquired a brochure on folk poetry in a market in Santiago and went on gathering and collecting loose sheets edited by folk poets. During four years, he pursued the study of what he called “a curious display of intellectual life of Chilean lower classes”. He then met the poet and singer Aniceto Pozo, who introduced him to the knowledge of the “guitarrón” and folk song, and also José Hipólito Casas Cordero, who kept him informed on popular poetry sheets. In 1894 he published a research work in German on folk poetry entitled “Uber die gedruckte Volkpoesie von Santiago de Chile” in which he analyzed poetry metrics, characterized the illustrations and studied subject matters chosen by poets. For this purpose he studied the classification made by the poets themselves as well as the literary and historical sources and references considered for the creation of their poems. The abovementioned work was the first systematic and first hand study undertaken on folk Chilean poetry. It was edited in Spanish in 1919 under the title of “On Folk Poetry printed in Santiago de Chile. Contribution to Chilean Folklore” and published in the University of Chile Annual as well as the Chilean Folklore Magazine. In May 15 1933, Lenz presented his collection of 327 sheets on Lira Popular to the National Library.

Lenz’ Legacy

Three collections of these valuable sheets have been preserved: Those gathered and donated by Rodolfo Lenz himself, a set that belonged to the bibliophile Alamiro de Avila at the National Library and those presented by Raúl Amunátegui, at the Andrés Bello Central Archive of the Universidad de Chile. Both institutions have taken proper steps to promote the protection, as well as the diffusion and the universal democratic access to the integrality of this heritage through exhibitions, research, publications and web sites. Thanks to Rodolfo Lenz’s pioneering work and the diffusion undertaken both by the National Library and the University of Chile, The Lira Popular has captivated the interest of scholars from various fields and has become an icon of Chilean culture. For this reason as well as its great significance for the Chilean heritage, the Lira Popular Collection has been inscribed in 2010 at the Register for Latin America and the Carribean for The World Memory of UNESCO (MOWLAC). This year a special document on the Lira Popular will be submitted to the World Memory Committee(MOW) in order to uplift this matter from the regional to the universal dimension. The National Library thus hopes to spread this fascinating heritage to the whole world, starting with Germany, birthplace of Rodolfo Lenz.


Lira Popular-Sammlung Rudolf Lenz, Archiv der M端ndlichen Literatur und der Volkst端mlichen Traditionen der Chilenischen Nationalbibliothek Rudolf Lenz Lira Popular Collection, Oral Literature and Folk Traditions Archive, National Library, Chile


Lira Popular-Sammlung Rudolf Lenz, Archiv der M端ndlichen Literatur und der Volkst端mlichen Traditionen der Chilenischen Nationalbibliothek Rudolf Lenz Lira Popular Collection, Oral Literature and Folk Traditions Archive, National Library, Chile


Lira Popular-Sammlung Rudolf Lenz, Archiv der M端ndlichen Literatur und der Volkst端mlichen Traditionen der Chilenischen Nationalbibliothek Rudolf Lenz Lira Popular Collection, Oral Literature and Folk Traditions Archive, National Library, Chile


Lira Popular-Sammlung Rudolf Lenz, Archiv der M端ndlichen Literatur und der Volkst端mlichen Traditionen der Chilenischen Nationalbibliothek Rudolf Lenz Lira Popular Collection, Oral Literature and Folk Traditions Archive, National Library, Chile


Lira Popular