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TONI ERDMANN Maren Ade

DEUTSCHE DREHBĂœCHER Herausgegeben von der Deutschen Filmakademie


Toni Erdmann Drehbuch zu einem Kinospielfilm von Maren Ade

Version: 20.05.2014

Komplizen Film GmbH Hagelberger Str. 57, 10965 Berlin, t: +49 (0)30 788 9334-0 www.komplizenfilm.de Š Maren Ade / Komplizen Film


1 Haus Winfried / Eingang A/T Ein Haus mit einem wilden Garten in einer beschaulichen Vorortstraße. Das Haus liegt ruhig da, nur hinter einem Fenster scheint sich etwas zu bewegen. Wir hören einen Lieferwagen kommen. Eine Schiebetür wird aufgemacht und wieder geschlossen. Ein KURIERFAHRER kommt mit einem Paket ins Bild und sucht nach der Klingel. Zwischen Efeu findet er einen Knopf und klingelt. Ein Mann (WINFRIED), Mitte 60 mit grauen, welligen Haaren, einem unordentlichen Bart und einer bunten Lesebrille, öffnet die Tür. KURIERFAHRER. Morgen, Päckchen. Der Kurierfahrer beginnt etwas in ein modernes Registriergerät zu tippen. WINFRIED Einen Moment... ich weiß nicht, was mein Bruder da wieder bestellt hat. Er läuft ein paar Meter ins Haus und ruft jemanden. Der Kurierfahrer wartet professionell ab. WINFRIED (off) Toni?! Hast du was bestellt? Er kommt zum Kurierfahrer zurück. WINFRIED (leise) Mein Bruder ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden. Er macht, was er will. KURIERFAHRER Oh je. WINFRIED Saß wegen Paketbomben. Gestern hat er einfach eine Dose Hundefutter gegessen. Ja, kleinen Moment bitte. Winfried verschwindet wieder und lässt den Kurier stehen. Der Kurierfahrer hält weiter tapfer das Paket. WINFRIED (off / schreit plötzlich) Toni, du bewegst deinen Arsch jetzt sofort aus der Hängematte!!

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TONI (off) Ich frühstücke noch. WINFRIED (off) Ich schmeiße dich raus, wenn das so weitergeht. Hast du wieder bei Orion bestellt? TONI (off) Nein, habe ich nicht. Sei nicht so gemein zu mir. Ein Mann erscheint, der Winfried bis auf ein paar auffällige Zähne verblüffend ähnlich sieht. Er trägt einen schwarzen Bademantel und eine dunkle Sonnenbrille. Seine Stimme ist verändert und er nuschelt beim Sprechen. Der Kurierfahrer gibt ihm schnell das Paket. TONI Was mein Bruder über mich sagt, stimmt nicht. Ich habe noch nie etwas Erotisches bestellt. Der Kurierfahrer streckt ihm das Gerät zum Unterschreiben entgegen. KURIERFAHRER Mir ist egal, was drin ist. TONI Das ist gut so. Toni unterschreibt in Großbuchstaben; an seinem Handgelenk baumelt eine Handschelle, welche der Kurierfahrer irritiert bemerkt. Er legt kurz sein Ohr auf das Päckchen. TONI Danke, ich freue mich jetzt unheimlich, die zu entschärfen. Im Hintergrund taucht am Gartenzaun ein blasser Teenager (16) mit engen schwarzen Jeans und hängenden Schultern auf. Winfried nimmt schnell seine Sonnenbrille ab, holt ein Scherzgebiss aus seinem Mund und lässt es in der Tasche verschwinden. Er muss lachen. WINFRIED Hey Lukas... Winfried sieht den Kurierfahrer an, der ebenfalls irritiert lacht. Es ist unklar, ob der Fahrer es nicht doch einen Moment lang geglaubt hat. Lukas bleibt in einiger Entfernung stehen, unsicher, ob er näher kommen darf.

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WINFRIED (zum Kurier) Nichts für ungut. War beides ich. Klar oder? Winfried kramt einen Fünf-Euro-Schein hervor und klopft ihm kurz auf die Schulter. Ein elektrisches Piepsen, das von Winfrieds Körper kommt, ertönt. WINFRIED Keine Sorge, das ist nur mein Blutdruckmessgerät. Winfried nimmt dem Kurierfahrer nun endlich das Päckchen ab. WINFRIED So mutig wie Sie war aber noch keiner. (zu Lukas) Ich komme gleich... Der Kurierfahrer geht und Winfried verschwindet ebenfalls. 2 Haus Winfried / Wohnzimmer / Garten I/T Im Wohnzimmer zieht Winfried eilig seinen Bademantel aus, an seinem Körper sind mehrere Plastikteile und Kabel befestigt, die wie ein Sprengstoffsatz aussehen. Er knöpft sein Hemd zu und stellt das Paket ab. Das Gerät an seinem Körper piepst noch immer. Ein alter Hund (Willi) rafft sich vom Boden auf und legt sich in sichere Entfernung. Der Hund atmet schwer und das Wasser rasselt in seiner Lunge. WINFRIED Komm´ rein... Lukas betritt das Wohnzimmer. Winfried öffnet das Paket und zieht eine neue Gardena-Pistole hervor. WINFRIED Stunde ist doch morgen. LUKAS Ja, nur ich, ich wollte mit ihnen sprechen. Ich muss leider ganz aufhören mit dem Unterricht. Sie schweigen einen Moment. WINFRIED Okay.

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LUKAS Ich habe einfach zu viel Stress. WINFRIED Das hat sich schon angebahnt oder? LUKAS Ja. WINFRIED Und was mache ich jetzt mit dem Klavier? Das habe ich mir extra wegen dir gekauft. Lukas erstarrt einen Moment. WINFRIED War Flachs. Das sagst aber du deiner Mutter, nicht ich. Lukas nickt. Aus dem Garten kommt ein röchelndes Geräusch des Hundes. WINFRIED Das ist nur der Hund. Winfried läuft in den Garten, um sein Bier zu holen. Er bückt sich nochmal zu Willi und stellt ihm vom Tisch schnell einen Teller mit Wurst hin. Willi wendet den Kopf ab. Winfried greift nach seinem Bier und läuft zurück zu Lukas. WINFRIED Trinkst du schon Bier? LUKAS Äh, ja klar. WINFRIED Mein Internet spinnt wieder. Da war dieser Ball. Lukas beugt sich über den Laptop. LUKAS Ja, der hat sich aufgehängt. 3 Haus Winfried / Wohnzimmer I/T Winfried und Lukas sitzen im Wohnzimmer vor einem Computer und teilen sich ein Bier. Winfried trägt weiße Schminke im Gesicht und hat dunkle Augenringe, die in Zacken

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auslaufen. Faschingsfarbe liegt auf dem Tisch. Auf dem Monitor sehen wir Bilder von Menschen, die wie der Tod geschminkt sind. LUKAS Ich würde da noch Blut machen. WINFRIED Okay. Winfried sieht in einen kleinen Handspiegel und macht sich noch etwas Blut in den Mundwinkel. LUKAS So sieht es cool aus. Wie der Joker. Winfried sieht in einen kleinen Handspiegel. 4 Vor Haus Winfried A/T Lukas läuft aus Winfrieds Haus. Er trägt eine Einkaufstasche und ein Hundekörbchen. Winfried folgt ihm mit Willi auf dem Arm, sein Gesicht bemalt wie ein Zombie – mit schwarzen Augenringen und etwas falschem Blut im Mundwinkel. Willis Atmung geht immer noch schwer. Winfried trägt ihn zum Auto. Ein älteres Ehepaar kommt ihnen aus der Ferne entgegen und sieht Winfried irritiert an. 5 Haus Annegret / Garten / Terrasse A/T Winfried läuft durch einen angelegten Garten. Er zieht Willi langsam eine Treppe hoch und schleppt das Körbchen und Einkaufstaschen. Eine SEHR ALTE FRAU sitzt in ihrem Wohnzimmer vor dem Fernseher. Winfried klopft warnend gegen die Verandaglastüre und hält sich dabei die Zeitschrift „Frau im Spiegel“ vor das Gesicht, auf deren Titel Thomas Gottschalk abgebildet ist. Langsam lässt er die Zeitschrift sinken. Seine Mutter (Annegret) erschrickt nicht im Geringsten, als sie sein geschminktes Gesicht sieht. Sie schiebt langsam ihren Rollator zur Tür. 6 Haus Annegret / Wohnzimmer I/T Annegret begrüßt Willi, der sich schwerfällig hineinschleppt und auf einem Perserteppich ablegt. ANNEGRET Warum schläferst du ihn nicht ein? Der quält sich doch nur. WINFRIED Ich schläfere dich ja auch nicht einfach ein. Sie ignoriert seine Verkleidung bewusst. Herrisch beginnt sie, die Einkäufe zu begutachten und mit ihrem Zettel zu vergleichen. Sie braucht sehr lange für alles, will sich aber nicht helfen lassen. Wir hören ein Radiogeräusch aus dem Schlafzimmer.

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WINFRIED Ist Frau Radica noch da? Annegret antwortet nicht. Mürrisch betrachtet sie ein paar Fertigflammkuchen. WINFRIED Ich habe dir mal so Flammkuchen mitgebracht. Die schmecken echt gut. Die musst du nur warm machen. ANNEGRET Isst du das? WINFRIED Manchmal. ANNEGRET Dann nimm die wieder mit. Winfrieds Blick fällt auf den Tisch, den sie schon für zwei gedeckt hat. ANNEGRET Jetzt setz´ dich mal. WINFRIED Ich muss gleich los. Winfried setzt sich schnell auf die Kante der Eckbank und legt sich eine Scheibe Wurst auf ein Brot. ANNEGRET Dombrechts lassen deine Hecke morgen schneiden. Du nimmst denen die ganze Sonne. Winfried muss seinen Ärger unterdrücken. WINFRIED Das ist gut, meine neue Gardena-Pistole hat eine Reichweite von 30 Metern, dann kann ich direkt bei denen ins Wohnzimmer schießen. ANNEGRET Du brauchst dich nicht lustig machen. Winfrieds Blutdruckmesser piepst leise und bläst sich an seinem Oberarm auf. Beide schweigen etwas feindselig.

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WINFRIED Gut, dass das jetzt misst. Das stellt nämlich fest, welche Themen mich am meisten aufregen. Dann kann der Dombrowski genau sagen, wer oder was aus meinem Leben entfernt werden soll. ANNEGRET Mich bist du bald los. Winfried beißt noch mal in sein Brot und sieht sie an. WINFRIED Vielleicht komme ich morgen mit Ines, die ist wohl auf der Durchreise. ANNEGRET Oh, ist sie da... Das Gesicht der Mutter hellt sich aufgrund der versöhnlichen Botschaft kurz auf. WINFRIED Ja. Ich muss los. Sie zuckt die Schultern. Winfried schält sich aus der Eckbank. Er läuft ins hintere Zimmer, vorbei an dem Bad, in dem FRAU RADICA, die osteuropäisch aussehende Haushaltshilfe, putzt. WINFRIED Nicht erschrecken... FRAU RADICA Oh je... Frau Radica lacht. Winfried gibt ihr freundlich die Hand. Annegret kommt ihm mit dem Rollator kontrollierend hinterher. Winfried nimmt einen Hut von der Garderobe. WINFRIED Kann ich den ausleihen? Sie zuckt zustimmend die Schultern. ANNEGRET Und was soll der Aufzug? WINFRIED Interessiert dich also doch. Ich fange heute im

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Theresienstift an. Ich kriege 50 Euro pro Exitus. Naja, die meisten werden sich kaum wehren. Annegret schüttelt den Kopf. Winfried beugt sich zu Willi, der sich ihm hinterhergeschleppt hat. WINFRIED Danke, dass du ihn nimmst. Ich hole ihn einfach später raus... 7 Schule / Aula I/T Winfried wartet mit einer großen Gruppe von UNTERSTUFENSCHÜLERN im Eingangsbereich einer Schule. Sie stehen vor einer Tür, die zur Aula führt. Die Kinder sind alle als Tod geschminkt und versuchen still zu stehen. Winfried hat eine Gitarre umhängen. Eine KOLLEGIN betreut die Kinder mit ihm zusammen. Sie lacht leise. KOLLEGIN Schon etwas makaber. WINFRIED Jetzt können wir es nicht mehr ändern... Aus der Aula hört man undeutlich das Ende einer Rede und dann das Klatschen eines vollen Saals. Die Schüler schieben sich zu früh nach vorne in einen dunklen Hinterraum der Bühne. Ein paar von ihnen tragen Instrumente. Sie kollidieren mit der Kunst-AG, die gerade mit einem riesigen, langen Kunstwerk, das von mehreren Schülern getragen werden muss, abtritt. Es entsteht ein Gedränge. Ein „kleiner Tod“ wird umgestoßen und wehrt sich. WINFRIED Langsam, langsam... Arne, steh wieder auf. Von draußen hört man, dass die Musik-AG angekündigt wird. WINFRIED So, jetzt konzentriert euch. Alle traurig... Die Schüler lassen ihre Schultern hängen und schlappen ganz traurig auf die Bühne. Winfried passt auf, dass auch jeder rauskommt. Ein paar Leute im Publikum lachen auf. Winfried betritt als Letzter die Bühne. Auf ein Kommando von Winfried machen sie einen vodooartigen Lärm und rufen dann aus... SCHÜLERGRUPPE (im Chor) Wir sind todtraurig, dass Sie gehen Herr Dudinger!

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In der vollen Aula gibt es irritiertes Gelächter. Ein MANN in der ersten Reihe, der offensichtlich derjenige ist, der verabschiedet wird, weiß nicht genau, wie er das finden soll. Winfried gibt erneut ein Kommando und beginnt auf der Gitarre ein Lied zu spielen. Ein paar Schüler stimmen ebenfalls mit ihren Instrumenten ein. Die Schüler beginnen eine freie Version von „Heute hier, morgen dort“ von Hannes Wader zu singen. Wir sehen in ihre konzentrierten Gesichter. 8 Schule / Gang Winfried läuft eilig durch die leere Gesamtschule, in der Hand seinen Schulschlüssel.

I/N

9 Auto Winfried / Straße vor Haus Renate I/A/N Winfried hat seinen VW-Passat vor einem schicken Neubau in Hanglage geparkt. Er wirft einen Blick in den Spiegel, sucht nach einem Taschentuch, findet aber keines. Er setzt seinen Hut auf und steigt aus. 10 Haus Renate / Eingang / Wohnbereich A/I/N Winfried kramt eine Flasche Rotwein aus einem Stoffbeutel. Mit der bunten Lesebrille, die er umhängen hat, ist er nur noch ein halber Tod. Vor der Tür zieht er seine Hose hoch und atmet ein. Er überwindet sich und klingelt. RENATE (60) öffnet die Tür. RENATE Oh Gott... was ist das denn? WINFRIED Entschuldigung. Ich habe mir den Magen verdorben. Sie lässt ihn rein. GERHARD erscheint alarmiert im Hintergrund, weil er den Schrei gehört hat. GERHARD Was hast denn du vor? Ich dachte schon, ich muss meine Waffe holen. WINFRIED Hast du eine Waffe? GERHARD Klar habe ich eine Waffe. RENATE Kommst du so aus der Schule? WINFRIED Nein, ich habe einen

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Nebenjob im Theresienstift. GERHARD Interessant. Winfried begrüßt die restlichen Gäste – OLIVER, Mitte 30, ganz offensichtlich Gerhards Sohn, und seine schwangere FREUNDIN Babette, die Winfried noch nicht kennt und BÄRBEL, eine alte Freundin von Renate. Winfried macht blitzschnell das Gebiss aus seiner Jackentasche in den Mund. WINFRIED Hallo Bärbel. Bärbel lacht. OLIVER Winfried, grüße dich... Er lässt das Gebiss wieder verschwinden. WINFRIED Gratulation, freue mich, dass ihr Eltern werdet. Wann ist es soweit? BABETTE Erst im Oktober. WINFRIED (murmelt) Gut zusammenhalten. GERHARD Rot oder Weiß oder Bier ? WINFRIED Was ihr trinkt... Ist sie noch nicht da? Winfried sieht sich suchend nach Ines um. RENATE Telefoniert noch. Winfried setzt sich provisorisch auf einen Stuhl. WINFRIED (zu Renate) Flug war gut?

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RENATE Ja, sie war müde. Renate verschwindet, um einen frischen Teller zu holen. GERHARD War aber wohl sehr erfolgreich in Shanghai. WINFRIED Ist sie nicht mehr in Bukarest? GERHARD Doch, aber sie hat da Gespräche geführt. Da will sie doch als nächstes hin. WINFRIED Ach so... GERHARD Ja, ja, das lief wohl sehr gut. Die machen da eine Zweigstelle auf. Und jetzt hat sie da Manager von Siemens getroffen, neue Kunden und auch Vorstände. Renate kommt zurück und stellt den Teller vor Winfried. WINFRIED Ah ja. GERHARD Schon Wahnsinn, mit was für Schwergewichten sie da im Ring steht. Sein Blick fällt auf ein paar Geschenke auf dem Tisch. WINFRIED Wer hat denn Geburtstag? RENATE ...wir haben doch vorgefeiert. WINFRIED Mensch Leute, ihr müsst mich ein bisschen informieren.

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Eine Frau (INES) kommt telefonierend an die Verandascheibe gelaufen und rollt entschuldigend mit den Augen wegen des Telefonats. Sie trägt hohe Absatzschuhe, enge Jeans und ein Hemd. Winfried greift kurz in Richtung Gerhards Hals und tut so, als würde er ihn würgen. Ines lächelt. BÄRBEL (zu Gerhard) Und in Bukarest – was... was macht sie da? GERHARD Da ist sie im Öl-Business. Bärbel nickt wissend und traut sich nicht weiter zu fragen. OLIVER Sie berät nur eine Ölfirma. Sie ist immer noch Unternehmensberaterin. BÄRBEL Ach so. WINFRIED Das muss ich mir jetzt auch mal aufschreiben. Ines hat aufgelegt und kommt rein. Sie kommt zu Winfried, um ihn zu begrüßen. INES Was wird hier gefachsimpelt. Hallo, Papa... Sie umarmen sich komisch wegen der Schminke. Winfried greift ihr in den Nacken. WINFRIED Hallo... Spaghetti. Wie geht`s? INES Sehr gut, eigentlich. WINFRIED ...ich wusste nicht, dass ihr vorfeiert. Ich habe nächste Woche einen Termin in Bukarest, da bringe ich dir dein Geschenk dann vorbei. INES Ja, das kannst du gerne machen. Jederzeit.

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Klingel einfach... WINFRIED Ja, vielleicht wunderst du dich mal. Sie setzen sich. RENATE (zu Ines) Alles geklärt? INES Ja, nichts Besonderes. RENATE (zu Ines) Dein Jackett ist ganz verschmiert da hinten. Winfried sieht auf seine Hand. Er hat weiße Farbe daran gehabt, als er ihr in den Nacken griff. WINFRIED Oh nein... RENATE Zieh es gleich aus... das kann man noch rauskriegen! BÄRBEL Gallseife. Renate macht den Ansatz, Ines das Jackett auszuziehen. INES Mama, lass’ das. Ich habe einen ganzen Koffer voll mit Zeug. WINFRIED Das tut mir jetzt leid. INES Das ist ein ganz kleiner Fleck. Winfrieds Blutdruckmessgerät beginnt sich aufzublasen. INES Was ist das?

WINFRIED Nur ein Langzeitblutdruck.

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INES Was hast du denn? WINFRIED Nichts. Routine. INES Und muss man dein Outfit irgendwie verstehen? WINFRIED Wir haben nur einen Quatsch gemacht mit der Schulband. Unser Rektor wurde verabschiedet. INES Das erklärt jetzt zwar nichts, aber egal. WINFRIED Ich wasche mir das Zeug jetzt mal runter. Winfried geht ab. 11 Haus Renate / Gäste-WC / Flur / Wohnbereich I/T Winfried kommt abgeschminkt aus der Toilette. Er legt gerade sein Telefon auf. Er sieht jedoch nun krank aus, weil er die Schminke nicht ganz wegbekommen hat. Er entdeckt Renate in der Küche und läuft zu ihr. 12 Haus Renate / Küche Winfried lehnt sich neben Renate an die Küchenzeile.

I/T

WINFRIED Ich muss leider schon bald. Willi ist bei meiner Mutter. RENATE Und wie geht’s ihm? WINFRIED Ganz gut. Schläft viel. Er holt seine Zahnspangenschachtel aus der Jackentasche, zieht das Scherzgebiss heraus und zeigt es ihr. WINFRIED Das bricht wieder fast hier. Kannst du das

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noch mal machen mit diesem Profikleber? RENATE Klar, du bist Privatpatient, da mache ich alles. WINFRIED Ja, ich traue mich gar nicht mehr zum Arzt. Jeder will mich sofort behandeln. RENATE Das Ding nervt so beim Schlafen. Wir hatten das auch schon. Hast du was Konkretes? WINFRIED Vorhofflimmern. Ich kriege jetzt so Blutverdünner. RENATE Gerhard auch. Sie deutet auf eine hübsche Schachtel, in der man Tabletten für jeden Tag portionieren kann. RENATE Unterhaltet euch doch mal. Winfried macht das Scherzgebiss in den Mund. WINFRIED Könntest du mir die auch fest reinmachen? Ich finde meine Kronen so eintönig. Renate lacht. Sie schaut in den dunklen Garten, wo Ines schemenhaft zu erkennen ist. RENATE Sie telefoniert nur. WINFRIED Irgendwas haben wir da falsch gemacht.

13 Haus Renate / Garten A/T Winfried läuft suchend durch den Garten. Er hat seine Jacke wieder an. Der Garten ist leer.

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14 Haus Renate / Vor dem Haus A/T Er läuft um das Haus und findet Ines neben den Garagen. Es wirkt einen Moment so, als ob sie sich vor ihrer Familie versteckt. Ihre Schultern sind hochgezogen, sie raucht. In der Hand hält sie ihr Blackberry. Winfried ist nur ein paar Meter entfernt, als Renate ihn vom Haus aus ruft. RENATE (undeutlich aus der Ferne) Komm noch mal rein! INES Ich telefoniere noch! Ines glaubt, sie sei gemeint. Erst dann sieht sie Winfried neben sich stehen. Reflexartig nimmt sie das Telefon hoch, und nun, da sie es am Ohr hat, spielt sie weiter. INES (telefoniert) Ja, gut. / Und was hat er sonst noch gesagt? / O.k., das ist doch nicht schlecht. (leise zu Winfried) Ich bin gleich fertig, Papa. Winfried wartet ab. Ines spielt das Telefonat so gut, dass er sich plötzlich nicht mehr sicher ist, ob sie nicht doch mit jemandem spricht. INES Ich würde mich allerdings gerne morgen noch mal zurückmelden. / Aber gut, dass wir gesprochen haben. Ja, dir auch einen schönen Abend. Sie legt auf. WINFRIED Alles klar? INES Bisschen Stress... Gehst du schon? WINFRIED Ich muss leider schon. Willst du morgen zur Oma zum Frühstück kommen? INES Ich fliege schon um zehn. Hast du ihr gesagt, dass ich da bin? Winfried schüttelt den Kopf.

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WINFRIED Macht nichts, ich rufe die Inge an. Ich habe jetzt sowieso jemanden engagiert als Ersatztochter. INES Aha. Und was macht die so? WINFRIED Unterschiedlich. Manchmal will ich nur, dass sie einen Kuchen backt. Manchmal hilft sie mir, die Fußnägel zu schneiden. Was Töchter normalerweise so machen. INES Dann ruft die dich auch zum Geburtstag an und so. Dann mache ich mir da keinen Stress mehr. WINFRIED Das war doch nur ein Scherz. Renate kommt zu den beiden, mit einem eingepackten Kuchen und dem Hut, den Winfried vergessen hat. Winfried fasst Ines zum Abschied nur fest an der Hand. WINFRIED Ich weiß nicht, ob ich noch irgendwo Schminke habe. INES Schade, dass es nur so kurz war. Wir sprechen mal ganz lange über Skype die Tage. Ihr Tonfall ist besonders liebevoll und sie redet ein bisschen wie mit einem kleinen Kind. WINFRIED Ja, klar. Mein Skype geht jetzt wieder. RENATE Ja, sie soll nicht so viel arbeiten. Renate knautscht Ines’ Wange. WINFRIED Macht sie doch alles spitze.

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15 Haus Winfried / Garten A/N Winfried läuft in den Garten. Er hat eine Decke geholt und eine Schale mit Eiswürfeln. Willi liegt im Garten im Gras. Dem Hund geht es schlecht. Winfried legt sich dicht neben ihn auf die Sitzeinlage eines Stuhls. Die Nacht ist hell und windig. Er zieht sich die Decke über und rückt noch näher an seinen Hund, der fast nur noch ausatmet. WINFRIED Mein Willi, musst du keine Angst haben. Musst keine Angst haben. Bist du mein lieber Willi. So ein lieber Willi. Während er redet, lässt er ihn an zwei Eiswürfeln lecken, die leise klirren. Willi versucht aufzustehen und kippt zur Seite. Winfried rückt wieder näher an ihn heran. 16 Haus Winfried / Garten A/DÄ Es dämmert, als Winfried auf dem Boden aufwacht. Willi liegt nicht mehr neben ihm. Er setzt sich auf. Unter einem Busch, in ein paar Metern Entfernung, entdeckt er ihn. Winfried kniet sich neben ihn und berührt ihn. Der Hund ist tot. 17 Haus Winfried / Küche oder Wohnzimmer I/T Winfried ist in sein Haus gegangen. Er steht einen Moment in der Küche. Er greift nach den Kaffeefiltern. Er sieht durch das Fenster nach draußen zu seinem Hund, als würde er abwarten, ob dieser nicht wieder aufsteht. Doch das Fell unter dem Busch ist so regungslos, dass es plötzlich unecht wirkt. Nur der Busch darüber bewegt sich. 18 Bürogebäude Bukarest / Lobby I/A/T Winfried sitzt im modernen Empfangsbereich eines Bürogebäudes. Er trägt eine Sonnenbrille und hält eine Zeitung in der Hand. Er schielt zur Eingangstür. Immer wieder betreten Geschäftsleute die Lobby und Mitarbeiter verlassen die Firma. Winfried nimmt die Zeitung hoch, weil sich die Fahrstuhltür gegenüber öffnet. Ein fremder Mann im Anzug steigt aus, Winfried lässt die Zeitung wieder sinken. Er beginnt ein kleines Loch in seine Zeitung zu reißen. Er sieht zu einem modern beleuchteten Tresen, hinter dem zwei EMPFANGSFRAUEN mit hohen Steckfrisuren über ihn zu sprechen scheinen. Eine von ihnen kommt auf hohen Absätzen zu ihm herüber. EMPFANGSFRAU Are you sure you don’t want us to call someone? Sie spricht Englisch mit osteuropäischem Akzent. WINFRIED No, thank you.

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Sie nickt und läuft wieder hinter den Tresen zurück und flüstert mit ihrer Kollegin. Es wird klar, dass Winfried schon eine Weile hier sitzt und den Frauen suspekt ist. Winfried faltet seine Zeitung zusammen. Eine Gruppe Geschäftsleute (u.a. HENNEBERG, DASCALU, ANCA) betritt in dem Moment das Gebäude. Winfried entdeckt Ines. Blitzschnell macht er sein Scherzgebiss rein, nimmt die Zeitung hoch und läuft auffällig unauffällig neben der Gruppe her. Ines sieht klar in seine Richtung und einen Moment scheint sie zu erstarren, dann läuft sie aber weiter und spricht mit einem Kollegen, der sich zu ihr umdreht. Winfried sieht ihr hinterher und die Gruppe verschwindet hinter einer Absperrung für Mitarbeiter im Fahrstuhl. Winfried läuft weiter nach draußen. Vor dem Gebäude nimmt er das Gebiss heraus und die Sonnenbrille ab. Einen Moment steht er ratlos herum, unsicher, ob sie ihn gesehen hat. 19 Vor Bürogebäude Bukarest A/T Winfried läuft nach draußen auf die Straße. Neue moderne Glasgebäude bilden einen Kontrast zu heruntergekommenen Blockbauten aus Ceausescus Zeiten. Er sieht sich um und will weitergehen, als plötzlich eine junge Rumänin im Businessdress ihn aufhält. ANCA Excuse me, I am sorry... Are you Mr. Conradi? WINFRIED Ja. Yes. ANCA Hello, Anca Pavelescu. I am the assistant of Ms.Conradi. One minute please... Anca nimmt ihr Telefon hoch und spricht mit jemandem. ANCA Yes, I got him. Sie gibt Winfried das Telefon. WINFRIED Hallo. Tut mir leid. / Nur eine kleine Stippvisite Ich wollte dich halt drankriegen, weil wir da geredet haben. Nein, das ist doch klar. / Nein, du musst nicht kommen. Ich nehme mir irgendwo ein Hotel. / Ja, nichts, nein. / Nein, ist wirklich nichts passiert. Er hört zu und gibt nach. WINFRIED Okay... gut. Ja, okay.

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Bis später. Er gibt Anca das Telefon. WINFRIED I shall follow you. Sie sieht ihn überrascht an.

20 Dachterrasse Bürokomplex A/T Winfried sitzt mit ANCA auf der modernen Dachterrasse des Bürokomplexes. Sie hat einige Broschüren sowie einen Stadtplan dabei, auf dem sie Kreuze macht. ANCA And here is the Radisson, also one of the five-star hotels in town. The restaurant is excellent. And there is also a nice cigar lounge for business meetings... or drinks in the evening. WINFRIED I am only the father. Just holidays. Ich sehe nicht ganz so aus.

Ancas Telefon klingelt. Sie hört konzentriert zu. Winfried sieht sich auf der Terrasse um, auf der ein paar Anzugträger sitzen und rauchen. ANCA She asks, whether you would like to accompany her to a reception of the American Embassy this evening? WINFRIED Was that she? ANCA Ja, sie ist noch im Meeting. WINFRIED O.k., wenn sie will... Einen Moment wissen sie nicht, was sie miteinander sprechen sollen. WINFRIED Und wie ist meine Tochter so als Chefin? As your chief?

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Anca ist unsicher, wie sie darauf antworten soll. ANCA Ja, sie ist sehr ehrlich und sie gibt mir sehr viel Feedback …about my Performance. WINFRIED Performance means... describes your job? ANCA Performance ist meine Arbeit im Allgemeinen… in Meetings, im Team, im Kontakt mit dem Klienten. WINFRIED Und was ist das Wichtigste im Kontakt mit den Klienten? ANCA Kein Konzept macht Sinn, wenn der Klient es nicht will. Die Kunst ist, dem Klient zu erklären, was er eigentlich will. WINFRIED Das kann meine Tochter bestimmt gut. 21 Straße vor Eingang Hotel A/T Winfried fährt auf der Rückbank eines großzügigen Autos auf den Eingang eines Hotels zu. Der Fahrer BOGDAN telefoniert mit einem Freisprecher im Ohr. BOGDAN (telefonierend) We are here. (zu Winfried) She is coming. WINFRIED Thank you. Er klopft Bogdan auf die Schulter. Ines kommt eilig aus dem Hotel und steigt zu ihm auf die Rückbank. Sie küsst ihn rechts und links. INES Oh Mann, das war aber ein langer Tag jetzt. WINFRIED Das ist doch klar, du musst doch arbeiten. Ich habe dich ja auch ganz schön überfallen.

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INES Wie lange hast du da eigentlich gesessen? WINFRIED Drei Stunden. Ich war mir gar nicht sicher, ob du mich erkannt hast. INES Ja habe ich, aber das war der gesamte rumänische Vorstand von Dacoil. Wie war es mit Anca? WINFRIED Die waren alle saunett. Winfried nickt in Bogdans Richtung. WINFRIED Der Fahrer auch. INES Also hör zu: Das ist ein Wirtschaftsempfang, der amerikanische Botschafter lädt ein. Da gibt`s ein paar Reden, Häppchen, Small Talk – das war`s. WINFRIED Toll. Geht das überhaupt so? Er trägt eine dunkle Jeans, ein Hemd und Outdoorschuhe. Ines versucht das Problem zu überspielen. INES Ja, das ist schon o.k. WINFRIED Heute kommt auch ein tolles Länderspiel. Wenn der Bogdan mich irgendwo absetzt... trinke ich ein Bier. INES Aber jetzt habe ich das extra organisiert. Winfried nimmt schnell das Gebiss aus seiner Jackentasche und steckt es in den Mund. WINFRIED Ich wusste jetzt nur nicht, ob dir das unrecht ist. Oder dem Botschafter vielleicht...

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INES Aber interessiert dich das jetzt oder nicht? Er nimmt das Gebiss wieder heraus. Sie sieht zum Eingang, durch den bereits Leute laufen. WINFRIED Ja, klar. Ich finde ja Wahnsinn, dass du mich da mitnimmst. Ich war noch nie in einer Botschaft. INES Das ist hier in dem Hotel. WINFRIED Ach so. INES Die einzige Bitte, die ich habe – sollte sich die Gelegenheit ergeben mit Henneberg, also dem Vorstand, unserem Kunden, nachher noch was trinken zu gehen, dann muss ich das alleine machen. Ich kämpfe da gerade um unsere Auftragsverlängerung. WINFRIED Ja, klar. Kein Konzept macht Sinn ohne den Kunden. INES Du kannst schon sagen, dass du mein Vater bist: Nur vielleicht dass du müde bist, weil du schon so viel Kulturprogramm gemacht hast, oder so. WINFRIED Mir würde es aber auch nichts ausmachen, wenn du sagst, dass ich deine Oma bin. Ines und Winfried steigen aus. 22 Hotel Eingangsbereich / Lobby mit Treppe I/DÄ Ines und Winfried betreten die Lobby eines großen Hotels aus kommunistischen Zeiten. Winfried sieht sich interessiert um. Ines läuft zielsicher zu einem Stand, an dem die Gästeliste ist und organisiert zwei Bändchen. Gäste eilen die Treppe hoch. Ihr wird klar, dass die Reden schon angefangen haben. Sie sieht schnell auf ihr Telefon. Dann laufen die beiden eine Prachttreppe aus kommunistischen Zeiten hoch und auf einen Raum zu, in dem bereits eine Rede gehalten wird.

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23 Saal Hotel I/N Ines und Winfried schleichen sich in den gut gefüllten Saal. Stehtische sind in den Nationalfarben Amerikas beleuchtet. Es wird gerade geklatscht und Ines klatscht mit, ohne verstanden zu haben, worum es gerade ging. AMERIKANISCHER BOTSCHAFTER But this is still not the answer to this simple and serious question: Why Romania? And as an ambassador in this country one must have a good answer to that. And I have one: Romania offers significant opportunities to American businesses with products, services or technologies that either meet growing private demand or contribute to the country’s development priorities. Ines sieht sich unauffällig um und klatscht wieder abgelenkt mit. Die meisten Gäste sind Businessleute unterschiedlicher Nationen. Der Botschafter spricht ein paar Sätze auf rumänisch und beendet dann die Rede. AMERIKANISCHER BOTSCHAFTER Ladies and Gentleman the buffet is open! 24 Saal Hotel I/N Die Rede ist vorbei und die Gäste bewegen sich in Richtung des Buffets. Ines sieht sich um und lugt zu einer Gruppe Geschäftsleute. Winfried sieht zu einem Mann, den er zu erkennen glaubt. WINFRIED Du, der sieht aus wie der Tiriac. Ines sieht halbherzig hin. INES Ja, kann sein. Holst du uns was am Buffet? WINFRIED O.k. Ines sieht ihm hinterher wie er zum Buffet läuft. Sie ist froh, dass er beschäftigt ist. Sie schiebt sich in die Nähe der Geschäftsleute (VERMILLARD, DASCALU). Geschickt wartet sie ab, bis sich eine Gelegenheit ergibt und steuert einen Mann (HENNEBERG) um die 60 an, dem sie die Hand gibt. INES Heute zum dritten Mal... nun endlich Guten Abend. HENNEBERG Richtig. Guten Abend.

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INES War ganz spannend die Rede... HENNEBERG Ja, wir sind noch nicht da, wo wir hin wollen. Aber Rumänien hat in der Verarbeitung der Krise wirklich große wirtschaftliche Stärke bewiesen. Er schielt zu anderen Leuten, die bei ihm Schlange stehen. INES Ich habe mir unseren Business Case noch mal angesehen. Und ich bin optimistisch, dass wir am Montag eine fundierte Aussage treffen können. Ohne richtig zugehört zu haben, wendet Henneberg sich ab und winkt eine hübsche, russisch aussehende Frau (NATALJA) um die 40 heran. HENNEBERG Natalja, here is your specialist. I am sure Ms. Conradi can help you. NATALJA So nice to meet you. Ines weiß zwar nicht, worum es geht, ist jedoch froh, so einfach einbezogen zu werden. HENNEBERG She needs to do some shopping tomorrow. (zu Natalja) Ms. Conradi, works in Bucharest for... how long? INES It`s been almost a year now. You keep me busy. HENNEBERG So I guess you can ask her any shopping question. Die beiden Frauen geben sich die Hand. Henneberg wendet sich einem neuen, wesentlich interessanteren Gesprächspartner zu – ein Amerikaner, MR. MEYERS.

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NATALJA I am sorry for this. I am sure you are busy, but... INES No, it`s okay. NATALJA ...we have this wedding in Moscow this weekend. And I still need some presents. Ines lugt weiter zu Henneberg, der mittlerweile erneut von DASCALU umgeben ist. INES I don’t do too much shopping here myself, but there are several big malls. Plus there is an area with exclusive shops... depends on what you need. NATALJA ...the mall is o.k. I have only two hours tomorrow. I also need children’s stuff, cosmetics... Im Hintergrund taucht Winfried auf mit zwei vollen Tellern, die er auf einem Stehtisch neben Henneberg abstellt. INES Why don`t you give me your number and I’ll scout for the best place and text you? Die beiden Frauen beginnen, ihre Nummern auszutauschen. Die Gesprächspartner verabschieden sich vom Vorstand. Henneberg, der gewohnt ist, dass die Leute bei ihm Schlange stehen, dreht sich zu Winfried um, in der Annahme, dieser sei der nächste, der mit ihm sprechen wolle. HENNEBERG Guten Abend. WINFRIED Guten Abend. Ich bin nur der Vater. Winfried nickt in Ines’ Richtung. HENNEBERG Verstehe. Die beiden Frauen unterhalten sich weiter.

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INES (zu Natalja) I have been to Moscow only once, but I really loved it. I was so impressed by the Bolschoi Theatre. NATALJA Oh yes, it is a remarkable place. Ines hat ihren Vater im Blick, während sie Natalja weiter zuhört. HENNEBERG (zu Winfried) Sind Sie zu Besuch? WINFRIED Ja, eine ganz spontane Entscheidung. Ich war noch nie in Rumänien. HENNEBERG Dann haben Sie eben eine gute Einführung des Botschafters bekommen. Das Gespräch gerät freundlich ins Stocken. WINFRIED Ich bin eigentlich hier, um mit ihr zu verhandeln. Sie ist ja kaum noch zu Hause und deshalb habe ich jemanden als Ersatztochter engagiert. Eine ganz nette junge Frau. Und das kostet einiges... und ich finde, das sollte sie bezahlen. Henneberg muss lachen. Ines hört angespannt mit einem Ohr zu, was ihr Vater so erzählt. Sie versucht sich weiter höflich auf Natalja zu konzentrieren. HENNEBERG Das ist eine moderne Lösung. Und ist die andere Tochter besser als sie? WINFRIED Die Kuchen sind besser und sie schneidet meine Fußnägel. Der Konzernvorstand muss erneut lachen. Winfried deutet in Richtung Natalja. WINFRIED Aber Sie sind nicht der Vater von ihr? Ines erstarrt. Es ist klar, dass es als Witz gemeint war. Der Konzernvorstand schüttelt grinsend den Kopf, verabschiedet sich dann aber bestimmt und wendet sich jemand anderem zu.

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Natalja schließt sich ihm an. Winfried und Ines bleiben alleine zurück. Winfried gibt Ines ihren Teller, der vollgepackt ist mit kleinen Leckereien. Ines schweigt und wirkt einen Moment niedergeschlagen. INES Papa, das ist ein sehr wichtiger Kontakt für mich. WINFRIED O.k., Kritik akzeptiert. (über das Essen) Ich wusste nicht, was du magst. Eine Frau (TATJANA) unterbricht Ines von hinten, sie ist gerade am Vorbeigehen und hat es eilig, einer Gruppe Chinesen hinterherzukommen. TATJANA I am freaking out with these Chinese wannabe investors. Are you coming on Monday? INES Yes, but text me where... TATJANA Da Vinci. 9 p.m. (leise) I don’t know what to talk about. INES Just talk about food – this always works. TATJANA Like: what’s your favourite wantan? I know nothing about Chinese food. Ines nickt. Tatjana schüttelt den Kopf und wackelt den Chinesen hinterher. Ines wendet sich wieder Winfried zu. INES (zu Winfried) Tatjana ist bei Colliers, sie macht Real Estate. Also Immobilien. Das ist mal richtig hart. WINFRIED Was ist „da Vinci“? INES Ein Restaurant am See. Nicht deine Pizzeria.

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Sie nimmt nun endlich einen Happen von ihrem Teller.

25 Lobby Hotel I/N Der Empfang leert sich gerade. Winfried kommt mit den Jacken. Ines lugt immer noch zu der Gruppe um Henneberg (Vermillard, Dascalu, Myers), die sich bereits zum Ausgang schiebt. Sie laufen ebenfalls zum Ausgang. Plötzlich ist Henneberg hinter ihnen und spricht Winfried an. HENNEBERG Want to join us for a drink? Er korrigiert sich auf Deutsch. HENNEBERG Wir gehen noch auf einen Drink, falls Sie Lust haben. Wie war Ihr Name noch mal? WINFRIED Winfried. Er sieht auch Ines an, aber noch mehr scheint er Winfried zu meinen. Natalja kommt dazu und es scheint in ihrem Sinne zu sein, dass auch Ines mitkommt. WINFRIED Danke, das ist sehr nett, aber ich bin zu müde. Zu viel Programm. Kulturprogramm heute. INES But I’d love to grab a drink. Where are you going? Da es eine internationale Runde ist, hat sie ins Englische gewechselt. HENNEBERG Ich denke, Ihr Vater würde sich freuen, wenn Sie ihn begleiten. Henneberg hat das so deutlich gesagt, dass es einer Ausladung gleichkommt. INES (zu Winfried) Komm, noch ein Drink.

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Es entsteht eine Unsicherheit, die Gruppe wartet. WINFRIED No, no, I have to sleep. I walked through the whole... Ceausescu palace today. DASCALU (rumän. Akzent) Is it open again to public? Ines begrüßt Dascalu, einen rumänischen Manager um die 50, mit Handschlag. Die Gruppe wendet sich wieder zum Gehen. INES Komm doch mit. WINFRIED (leise) Ach so, ich soll mitkommen? Ines nickt unauffällig. 26 Restaurant am See / da Vinci A/N Ein gediegenes Restaurant, wo ausländische Geschäftsleute sich treffen und die rumänische Upperclass ihr Geld zeigt. Die Gruppe sitzt auf der Terrasse in der Nähe eines Pools. Die Gruppe um den Vorstand ist erlesen, neben Natalja, Winfried und Ines sind nur drei weitere Geschäftsleute dabei – Mr. Vermillard, Mr. Myers und Dascalu. Alle scheinen in irgendeiner Weise Manager oder Geschäftspartner von Dacoil zu sein. Winfried hat ein großes Bier vor sich stehen. Die anderen trinken gepflegt Wein oder Champagner. HENNEBERG Bring your wife next time... and spend a weekend. The sea is very close, there are good French private schools. Romania is a lot better than its reputation. You can have a good life here. Er spricht in Richtung des französischen Geschäftsmanns Vermillard, der bald einen festen Posten in Bukarest besetzen wird. VERMILLARD I saw some houses today. I am already convinced. Natalja sitzt neben Ines. INES (zu Natalja) Where do you live?

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NATALJA I live mostly in Frankfurt and France. INES How nice... NATALJA I really like Frankfurt. I like countries with a middle class, they are relaxing me. INES Das kann ich sehr gut verstehen. Ines nimmt sich etwas vom Oktopuscarpaccio und will Winfried etwas abgeben, aber er wehrt ab. INES Sei doch mal neugierig. WINFRIED Du kennst mich doch. Ines konzentriert sich auf das Gespräch. MYERS But the crazy times are over. HENNEBERG There is still a lot of potential. I just told Van Rompuy, letting Romania in was one of the rare EU decisions that was actually good. You just have to change the corporate culture. VERMILLARD (zu Henneberg und Dascalu) Tell me a bit about the young romanian manager generation? Dascalu möchte sich gerade äußern, als Henneberg sich an Ines wendet. HENNEBERG She is the specialist. She has all the insights. Ines ist einen Moment überrascht, dass er ihr die Antwort einer so relevanten Frage zuschiebt. INES So, when I started here I was really surprised.

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Almost everyone did a Master`s degree abroad, speaks several languages. They are all very dedicated. I would even say most of them have a very international way of thinking. Which is great. Ines’ Englisch ist so perfekt, dass man denken könnte, sie sei Amerikanerin. Die Art, wie sie spricht, ist selbstbewusst und auf den Punkt. Dascalu, der rumänische Manager, fällt ihr ins Wort. DASCALU But they don’t understand Romania anymore. They are faster than the rest of the country, they don’t want to stay here. I don’t believe very much in an international perspective. INES I was just trying to say that knowledge is international. I totally agree with that, too. DASCALU Romanian knowledge runs deep. Take a look at our oilfields. Es ist unklar, wie ironisch er das meint. Ines lacht ihn zur Sicherheit an. Winfried hört abgelenkt einem mittelmäßigen Pianospieler zu. VERMILLARD (zu Ines) What exactly are you doing in Dacoil? INES I am a consultant at Morrissons. We are working for Dacoil – evaluating if it will pay off to outsource some services. Dascalu runzelt kurz die Stirn, was Henneberg nicht entgeht. HENNEBERG Interessant, wie Sie ihren Job beschreiben. Sein Tonfall war scharf. INES Entschuldigung, bitte sagen Sie es mit Ihren Worten. HENNEBERG She is evaluating a way to improve our maintenance service. We see

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outsourcing as the last option of many. INES I’m sorry, this is what I tried to say. Einen Moment lang herrscht Schweigen. HENNEBERG But her father had a great business idea for Romania. He hired another girl at home to be his daughter. Because this one is never there and he needs somebody to cut his toenails. Alle lachen ein wenig, auch Ines lacht tapfer mit. Henneberg sieht auf die Uhr. Winfried steckt das Scherzgebiss in den Mund und sagt leise nuschelnd zu Henneberg: WINFRIED Trauen sie sich ja nicht, meine Idee zu klauen. Er lässt das Gebiss blitzschnell wieder verschwinden. WINFRIED Sorry, I like to make jokes. Henneberg lacht nachsichtig zurück, aber man merkt, dass er Winfried nun als kompletten Spinner abtut. WINFRIED Nein, also wir sind unheimlich stolz auf sie. Was sie so macht hier… und alles. Ines versucht, lächelnd über der Sache zu stehen. Henneberg winkt dem KELLNER, damit er die Rechnung fertig macht. Henneberg steht auf und gibt allen die Hand und verschwindet eilig. Nachdem Henneberg weg ist, löst sich der Rest der Runde sofort auf. Dascalu folgt Henneberg. Der Belgier und der Franzose unterhalten sich noch einen Moment. Der Kellner bringt Winfried noch ein Bier. 27 Restaurant am See / da Vinci A/N Winfried und Ines sitzen an dem leeren Tisch vor Winfrieds Bier. Ines sieht kurz auf ihr Blackberry und steckt es dann weg. INES Warum machst du so was, obwohl ich dich extra gebeten habe? WINFRIED Irgendwie musste ich ja erklären, dass das Flachs war.

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Was ist denn ein Outsourcing nochmal genau?

INES Eine Auslagerung, an ein Fremdunternehmen. Er will die Instandhaltung der Ölanlagen auslagern. WINFRIED Und was war jetzt falsch? INES Es hätte mir nur nicht rausrutschen dürfen... Er will genau das bewiesen haben, will es sich aber nicht ausgedacht haben, damit er uns im Zweifelsfall verantwortlich machen kann. WINFRIED Und... wofür bist du dann verantwortlich? INES Papa, das sind Vorgänge, da werden hunderte Mitarbeiter übertragen und irgendwann auch entlassen. Das sind unbeliebte Entscheidungen, für die braucht er jemanden, den er verantwortlich machen kann. Dann kannst du wieder in der Zeitung lesen, dass eine Unternehmensberatung irgendwas ruiniert hat. WINFRIED Wahnsinn, an was für Entscheidungen du da beteiligt bist. INES Nochmal: ich entscheide da nichts. Ich rechne das nur aus. Das weißt du doch. WINFRIED Ich kritisiere dich ja nicht. Ich will es halt nur mal verstehen. Worum die Projekte so gehen... INES Wie lange willst du eigentlich bleiben? WINFRIED Ich habe mir einen Monat freigenommen. Ines erstarrt für den Bruchteil einer Sekunde.

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WINFRIED Das war jetzt echte Angst. 28 Wohnung Ines / Gästezimmer I/N Winfried sitzt auf einer frisch bezogenen Schlafcouch und kramt in seinem Koffer. Er schluckt ein paar Tabletten aus seinem neuen Tablettenriegel. Das Zimmer ist unpersönlich eingerichtet. Ines tritt in die Türöffnung und beobachtet, wie Winfried eine Tüte aus seinem Koffer zieht und versucht, ein zerknittertes Geschenk glatt zu streichen. An dem Geschenk hängt ein Foto von Willi, das er schnell abnimmt. 29 Wohnung Ines / Wohnzimmer I/N Im Wohnzimmer stellt Winfried Wurst von seinem Metzger, eine Flasche Riesling und ein Paket Aachener Printen auf den Tisch. Ines wirft schnell noch einen Blick auf ihren Laptop, der auf dem Tisch steht. Das Wohnzimmer mündet in eine große Dachterrasse. Alles wirkt steril, ein wenig amerikanisch. Jene Art von Luxus, den es überall auf der Welt gibt. Nur ein paar wenige Gegenstände muten osteuropäisch an. INES Ich habe morgen nur einen Massagetermin. Dann zeige ich dir was von Bukarest. WINFRIED Okay, aber nur, wenn es passt. So, hier ist dein Geschenk. Wenn es nichts ist, schmeißt du es weg. INES Danke... warum bist du nicht erst an meinem Geburtstag gekommen? WINFRIED Ich weiß ja nicht, was du da vorhast. Ines packt aus und zieht eine teure Designkäsereibe hervor. INES Oh wow... WINFRIED Das ist eine richtig gute Käsereibe. Französische, aus dem Designo. Sie stellt die Käsereibe zur Seite und faltet das Geschenkpapier.

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WINFRIED Da bin ich nur dran vorbeigelaufen. Mich nervt das immer, wenn der Parmesan so hart ist. In der kleinen Rolle ist noch was drin. Kaufst du dir ein Jackett oder was anderes... INES Du musst mir doch kein Geld schenken. Danke... Sie öffnet die Rolle nicht. INES Und bei wem ist Willi? WINFRIED Ja, Willi... Willi ist leider gestorben. INES Was? Wann denn? WINFRIED Vor ein paar Tagen. INES Und was hatte er? WINFRIED Wasser in der Lunge. Das ging ja schon länger. Sie läuft zu ihm und will ihn umarmen, aber er entzieht sich. INES Und warum rufst du mich dann nicht mal an?

WINFRIED Weil ich auch manchmal nicht dazu komme. Winfried steht auf, läuft in die Küche, um die Lebensmittel im Kühlschrank zu verstauen. Sie sieht ihm hinterher. WINFRIED Willst du ein bisschen Wurst? INES Für mich nicht...

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Winfried möchte die Wurst aufschneiden und sucht nach einem Messer. Die Küche ist kaum eingerichtet.

30 Poolbereich Hotel I/T Winfried wartet im schicken Poolbereich eines Hotels auf einer Liege. Er hat sein Hemd ausgezogen und seine Jeans umgekrempelt. Ines kommt in einem Bademantel zu ihm und lässt sich auf die Liege neben ihm fallen. INES Mann, war das schlecht. Ich habe das abgebrochen. Ich zahle doch nicht 100 Euro dafür, dass mich jemand streichelt. Der MANAGER des Spa-Bereichs des Hotels kommt. MANAGER SPA We are sorry for the inconvenience. Who was the girl? INES A blond, skinny woman. MANAGER SPA Mariella. I am sure she is sorry. There is a time slot in 30 minutes with another masseur – Dragos. INES Just bring someone who beats me up... MANAGER SPA Can I bring you something to drink? INES At your expense? MANAGER SPA Yes. INES Oh, great, we’ll have two glasses of champagne, two freshly squeezed orange juices and two club sandwiches.

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Der Manager schluckt über die Menge, sagt aber nichts. Der Manager geht. WINFRIED War das jetzt nicht ein bisschen viel? INES Das ist schon o.k., meine Firma gibt so viel Geld hier aus... Das zahlt er ja nicht selbst. WINFRIED Deine Mutter hat gesagt du bist verliebt. Stellt der Herr sich nochmal bei mir vor? INES Ach, das habe ich nur gesagt, weil sie so oft gefragt hat. Sie schweigen einen Moment. Ines sieht auf ihr Handy. WINFRIED Und bist du eigentlich auch ein bisschen glücklich hier? INES Was meinst du denn mit Glück? Glück ist ein sehr starkes Wort. WINFRIED Ob du halt auch ein bisschen zum Leben kommst? INES ...mal ins Kino gehen oder so. WINFRIED Halt auch mal was machen, was dir so Spaß macht. INES Jetzt schwirren aber viele Begriffe herum: Spaß, Glück und Leben. Da sollten wir mal ausdünnen. Plötzlich sieht sie ihn ernst an. INES Was findest du denn lebenswert? Wenn du schon die großen Themen hochbringst. WINFRIED Das kann ich jetzt spontan so nicht sagen. Ich wollte eigentlich nur wissen, wie es dir geht?

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INES Das ist mir schon klar. Aber dann solltest du auch eine Antwort haben. Winfried überlegt und kann sich zu keiner Antwort durchringen. INES Ich erkläre dir mal bei Gelegenheit, wie man Fragen stellen muss, um bei jemandem etwas herauszufinden. Die beiden Champagner kommen. Sie stoßen kurz an. Winfried macht das Gebiss in den Mund, lässt sich in die Liege fallen und trinkt genießerisch aus seinem Glas. Ines ignoriert seinen Scherz. INES Erzähl’ doch mal was von dir. Wie geht es denn der Oma? WINFRIED Das ist schon mal ein gutes Zeichen. Ich war mir gar nicht sicher, ob Sie wissen, dass Ihre Oma noch lebt. INES Papa, ich habe keine Lust mehr auf deine Scherze. WINFRIED Warum? INES Weil ich es nicht lustig finde. Ines sieht auf das Display und steht auf, als sie sieht, wer der Anrufer ist. Sie entfernt sich. Der KELLNER bringt die Club-Sandwiches. Ines legt auf und kommt zu ihm. INES Ich muss Natalja, Hennebergs Frau, treffen. Die ist in dieser Mall. Das ist leider wichtig. Sie beginnt ihre Tasche zu packen. Winfried beißt noch einmal in das Sandwich. INES Das ist eigentlich viel interessanter und rumänischer als der Ceausescu-Palast. Die größte Mall in Europa und keiner hat Geld, um was zu kaufen. Das dauert nicht lange. Danach zeige ich dir was.

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31 Einkaufszentrum / Empore I/T Winfried sitzt auf einem Hocker an einem Stehtisch und sieht von einer Empore auf eine Eislaufbahn. Eine kleine Gruppe von Kindern versucht mit Hilfe von Plastikpinguinen Schlittschuh zu laufen. Dazwischen ein paar junge Profis, die elegant über das Eis gleiten. Eine BEDIENUNG bringt die Rechnung. Winfried trinkt den letzten Schluck seines Kaffees und nimmt seine abgegriffene Zeitung. Er steht auf. Das Einkaufszentrum ist ein Konsumtempel, wie man ihn selbst in Amerika nicht findet – Wasserfälle über Plastikfelsen, eine Eislaufbahn, Spielautomaten und Geschäfte vereinen sich zu einem futuristisch-kapitalistischen Feuerwerk. Winfried läuft weiter, vorbei an riesigen Softeisbehältern, neben denen eine Frau gelangweilt ein Buch liest. 32 Einkaufszentrum I/T Winfried läuft suchend durch eine weite lange Passage mit Geschäften. Er entdeckt Ines, die sich vor einem Schuhgeschäft noch mit Natalja unterhält. Diese entdeckt ihn als erstes. Ines folgt ihrem Blick und dreht sich um. NATALJA I am so sorry, Mr. Conradi. This is such an awful place... INES Du Armer, jetzt hast du so lange warten müssen. Ines hakt sich kurz bei ihm ein. Ein Mann, Nataljas FAHRER, taucht stumm neben den beiden auf. NATALJA I have to hurry... Thank you Ines, you saved my life. INES No, I really enjoyed it. Sie hält zum Beweis eine Tasche hoch mit den Dingen, die sie selbst gekauft hat. Natalja küsst Ines rechts und links und verschwindet. INES Mann, war es arg schlimm? WINFRIED Bist du eigentlich ein Mensch? (Pause) Nein, es war toll hier. Ich habe wunderbares Eislaufen gesehen, ich war bei Lidl...

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INES Willst du noch was machen? Zum Palast. WINFRIED Oder nach Hause. 33 Wohnung Ines / offene Küche I/N Zurück in der Wohnung. Winfried steht in der Küche und hat begonnen, Spaghetti zu kochen. Er schneidet eine Zwiebel. Er sieht zu Ines, die auf der Dachterrasse telefoniert. Sie kommt zurück und setzt sich an ihren Computer. Winfried stellt ein Glas Rotwein neben ihren Computer. INES Danke. WINFRIED Hast du schon Hunger? Alles klar, Spaghetti. Winfried greift ihr in den Nacken. INES Nein, noch nicht... WINFRIED Entschuldigung für meinen blöden Spruch vorhin. INES Welchen Spruch? WINFRIED Ob du ein Mensch bist. INES Schon o.k... das lag wohl nahe für dich. Ich lege mich nochmal kurz hin. Ich muss später vielleicht noch den Hennebergs einen neuen Club zeigen. Aber erst so gegen zwölf. Sie verschwindet im Schlafzimmer. 34 Wohnung Ines / offene Küche / Dachterrasse Winfried steht in der Küche von Ines’ Wohnung und kocht. Er deckt den Tisch auf der Terrasse, die sonst nicht benutzt wird, und stellt den Salat und die Spaghetti dazu.

I/A/N

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35 Wohnung Ines / Schlafzimmer I/N Winfried öffnet die Tür zu ihrem Schlafzimmer. Ines schläft tief. Er ruft sie, aber sie reagiert nicht. Er kniet neben ihr und berührt sie an der Schulter, aber sie schläft tief und fest. Er betrachtet ihre wenigen Sachen. Neben ihr im Bett liegt ein abgewetztes kleines Cordkissen. Er schließt die Tür wieder. 36 Wohnung Ines / Dachterrasse / Wohnbereich I/A/N Winfried steht auf der Dachterrasse. Er nimmt seinen Fotoapparat und macht ein Foto vom Ceausescu-Palast, der in der Ferne zu sehen ist. Danach fotografiert er Teile von Ines’ Wohnung. Er sieht sich einen Stapel Bücher an. Er nimmt ein Buch, das obenauf liegt – ein Bestseller-Ratgeber über Charisma. Dann geht er wieder auf die Terrasse, setzt sich und beginnt, alleine zu essen und in dem Buch zu blättern. 37 Wohnung Ines / Schlafzimmer I/T Am nächsten Morgen. Winfried betritt in einer Schlafanzugshose Ines’ Zimmer. Er weckt sie vorsichtig. WINFRIED So, jetzt wird mal aufgestanden hier. Ines richtet sich auf. WINFRIED Ich dachte schon, du lebst nicht mehr. INES Wie spät ist es denn? WINFRIED Halb zehn. Du hast ewig geschlafen. Ines greift hastig nach ihrem Blackberry. INES Was? Wieso hast du mich nicht geweckt? WINFRIED Du hast so fest geschlafen. INES Ich dachte, du weckst mich zum Essen. WINFRIED Habe ich ja versucht. INES Scheiße!

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Ines läuft an ihm vorbei und aus dem Zimmer. 38 Wohnung Ines / Küche / Dachterrasse Ines zieht ihr Handy aus der Steckdose. Winfried läuft ihr unsicher hinterher.

I/A/T

INES Ich habe vier Anrufe von denen bekommen! Du hast doch gesagt, du machst was zu essen. WINFRIED Ich dachte, du brauchst den Schlaf. Oder stellst dir einen Wecker. INES Weißt du, was das für mich bedeuten kann? Ich halte vor dem am Montag eine Präsentation, auf die habe ich Wochen hingearbeitet... Ich mache das nicht zum Spaß. Ich kann mir nicht leisten so jemand einfach zu versetzen. Ines reißt ihm den Charismaführer aus der Hand und legt ihn weg. Verzweifelt sieht sie auf ihr Handy. Winfried setzt sich an den Frühstückstisch, den er liebevoll gedeckt hat. WINFRIED Ich weiß halt auch nicht, ob es dir immer so gut geht, wie du sagst. INES Papa, das hört sich jetzt hart an, aber... selbst wenn ich hier aus dem Fenster springen wollen würde, dann sind du und die Käsereibe nicht die Kombination, die mich daran hindert. WINFRIED Ja klar. INES Hast du in deinem Leben noch irgendwas vor außer irgendwem ein Furzkissen unterzuschieben? WINFRIED (leise) Ich habe gar kein Furzkissen. INES Ich kenne Männer in deinem Alter, die

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wollen noch was. Aber egal.

Ines setzt sich langsam an den Tisch und Winfried schenkt ihr Kaffee ein. Sie haben sich nichts mehr zu sagen. 39 Wohnung Ines / Gästezimmer I/T Winfried steht in seinem Zimmer und packt seinen Koffer. Ines kommt zu ihm und gibt ihm sein Shampoo, das er im Bad vergessen hat. WINFRIED (murmelt) War doch jetzt trotzdem schön. Jetzt weiß ich mal, was du hier so machst. INES Ja, und das nächste Mal verabreden wir uns. Dann habe ich auch Zeit. Ines wendet sich ab, um die Schlafcouch zuzuklappen. Sie rüttelt an der Couch, die nicht zuklappen will. Plötzlich schreit sie vor Schmerz auf und reißt die Couch hoch. Sie hat sich den Fußzeh eingeklemmt. Der Schmerz ist extrem. Sie betrachtet geschockt ihren Zeh. Der Fußnagel ist sofort blutunterlaufen. Winfried untersucht den Fuß. WINFRIED Ist aber ganz sicher nicht gebrochen. Es klingelt. WINFRIED Ich könnte es aufstechen, um den Druck zu nehmen. INES Nein, ich warte erst mal... Sie steht auf und unterdrückt den Schmerz. Sie will auf jeden Fall, dass Winfried fährt. 40 Wohnung Ines / Flur / Fahrstuhl I/T Sie begleitet ihn humpelnd zur Tür, wo bereits Winfrieds Koffer steht. Er hängt sich einen Brustbeutel um, in dem sein Flugticket steckt. Ines drückt auf den Fahrstuhl. WINFRIED Aber so kann ich dich doch jetzt nicht hier lassen. INES So schlimm ist es nicht. Also, dann...Tschüss.

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Sie nehmen sich kurz in den Arm. INES Ruf an, wenn was ist. Winfried nickt. Der Fahrstuhl kommt und Winfried verschwindet darin. Ines sackt zusammen. 41 Wohnung Ines / Flur / Dachterrasse I/A/T Ines humpelt auf ihre Terrasse und sieht nach unten. Das Haus ist hoch, und ihr Vater ist nur noch ganz klein zu sehen. Er schaut nach oben und entdeckt sie. Er bleibt einen Moment stehen, als hätte er etwas vergessen. Dann winkt er ihr zu. Sie winkt zurück. Plötzlich beginnen Tränen über ihre Wangen zu laufen. Ines beginnt zu schluchzen und sieht weinend zu, wie das Taxi um die Ecke biegt. 42 Wohnung Ines / Wohnzimmer / offene Küche I/N Es ist mittlerweile dunkel geworden. Sie trägt einen Schlafanzug und trinkt Wein. Konzentriert wie eine Schauspielerin übt und verändert sie ihre Präsentation. Ihre „Performance“ steht in großem Kontrast zu dem Bild, das sie im Schlafanzug abgibt. Sie feilt an einzelnen Wörtern und man merkt, dass sie Betonungen verschärft. Während sie halblaut weiter über EUAuflagen und Rentabilität spricht, läuft sie zum Kühlschrank. Den schmerzenden Fuß versucht sie zu ignorieren. Sie entdeckt die restlichen Spaghetti, die ihr Vater sorgfältig mit einer Plastikfolie überzogen hat. Daneben liegt die Käsereibe. Sie nimmt ein Stück Parmesan, läuft zurück zum Laptop und beginnt den Käse auf die Spaghetti zu reiben. Sie dreht die Spaghetti nachlässig auf die Gabel und isst hungrig, während sie im Netz surft. 43 Straße vor Haus Ines A/T Ines wartet vor dem Apartmentkomplex in dem sie wohnt. Sie trägt einen Anzug und tippt etwas in ihr Blackberry und wir hören das Geräusch von E-Mails, die sie verschickt. Sie zieht ihren Schuh aus und setzt den Fuß auf den Asphalt. Eine FRAU sitzt gegenüber auf der Straße und versucht, zwei Blumensträuße zu verkaufen. Ein KIND kommt zu ihr und bietet ihr eine Packung Tempotaschentücher an. Sie gibt dem Kind einen Schein und erklärt ihm, dass sie ihm nicht jeden Tag was geben wird. Es hupt. Sie schlüpft in ihren Schuh, läuft humpelnd auf die dunkle Limousine zu und steigt auf die Rückbank. 44 Limousine Ines / Fahrt Haus Ines - Dacoil I/A/T GERALD, Ende 40, Ines’ Chef und TIM, Ende 20, ein sportlicher junger Berater, sitzen bereits im Auto. Ines setzt sich neben Gerald. GERALD Bucuresti... Tim dreht sich zu Ines um und lächelt ihr zu.

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INES Guten Morgen. Hattet ihr den gleichen Flieger? GERALD Nein, ich war in Zürich. Und wie war es mit Henneberg? INES Ein bisschen nervig, weil ich drei Stunden mit seiner Frau shoppen gehen musste. Aber wir waren essen und ich habe ein bisschen vorgefühlt. Also, mein Eindruck ist, dass er vorsichtiger geworden ist was ein Outsourcing angeht oder neue Gegner hat... der Begriff hat definitiv zu Anspannung geführt. GERALD O.k., bin ich überrascht. INES Ich habe mich deshalb noch mal an die Präsentation gesetzt und denke man muss unbedingt... TIM ...sanfter rangehen. Tim will mitreden, um bei Gerald zu punkten. Ines macht eine Pause und lächelt ihn an. INES Darf ich den Gedanken zu Ende führen? Tim beißt sich auf die Zunge. INES Ich denke, man muss noch offensiver rangehen. Ich glaube, er hofft, dass wir ihm die Entscheidung abnehmen, dass wir es massiv verordnen. Ich glaube, er kann kein aktiver Fürsprecher sein. Ich würde deshalb gerne doch drei Optionen präsentieren. Ein Full-Outsourcing in all assets, also quasi ein Kahlschlag, in der Mitte unsere Variante die dagegen realisierbar, fast harmlos wirken wird und eine Minimallösung in nur einem Pilot Asset, die kaum Veränderung bringt. GERALD O.k., bin ich überrascht.

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Erstmal finde ich schwierig, eine Strategie so kurz vor dem Termin zu ändern. GERALD Wo wart ihr Essen? INES Da Vinci. GERALD Spontan bin ich nicht überzeugt... INES Argument zwei ist Illiescu: Aus meiner Sicht müssen wir heute thematisieren, dass er blockiert. Alles, was an Zahlen aus Buzau kommt, ist letztlich unvollständig. Für einen eindeutigen Business Case bräuchten wir viel mehr von Illiescu. Jede zweite Tabelle hat da Schwachstellen. (zu Tim) Keine Kritik an dir, aber wir kriegen sowieso keine klare Aussage hin. Auch deshalb drei Varianten. TIM Okay. GERALD Illiescu ist kein Thema für das Steering Committee. Das legen wir in eine „comfort zone“. Die drei Varianten sind okay, wenn du ein sicheres Gefühl hast. INES Absolut. Letzter Punkt ist Dascalu: Es bleibt schwierig mit ihm. Ich denke, wir sollten ihn mehr einbeziehen. Auch wegen Illiescu. Er hat den besten Draht zu ihm. Er wird garantiert einer unserer Gegner sein. GERALD Ist diese kleine Anca da eigentlich auch dabei heute? INES Ja, die drückt dann den Power Point.

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45 Straße vor Dacoil Der Wagen hält in der Nähe des Bürogebäudes von Dacoil. Gerald steigt aus.

A/T

TIM Wollt ihr mich dabei haben? INES Ich glaube es ist besser, wenn ich es alleine mache. Lass uns das gleich nochmal besprechen…. TIM O.k. Beim Auftreten schmerzt Ines’ Fuß extrem. INES Alles okay. Ines nickt. Sie laufen auf ein Bürogebäude zu und rücken ihre Anzüge zurecht, ein kleiner Moment von Auftritt. Ines bemüht sich normal zu gehen, obwohl der Fuß sehr schmerzt. 46 Büro / Toilette I/T Ines kniet am Boden einer Toilette, vor ihr ein offener Erste-Hilfe-Kasten. Sie nimmt eine Spritze und durchsticht dann aggressiv ihren Fußnagel mit der Nadel. Eine Fontäne Blut schießt mit Druck aus dem winzigen Loch. Das Blut spritzt ihr ins Gesicht und auf ihre helle Bluse. Ines richtet sich auf und braucht einen Moment, um ihre Übelkeit zu überwinden. Sie greift nach dem Klopapier und wischt sich das Blut aus dem Gesicht, dann greift sie nach ihrem Telefon und wählt. 47 Büro / Toilette I/T Ines kommt aus der Toilette. Ines trägt nun eine seltsame Bluse mit kurzen Ärmeln und Blumen. Sie zieht das Jackett drüber und betrachtet sich im Spiegel. Anca kommt aus der Toilette. Sie trägt nun Ines’ blutbespritzte Bluse. ANCA Is it okay? INES Yes. Thank you. ANCA I am sorry. It`s not my best. INES No, it`s just because of the presentation.

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Der Farbton ist ungewohnt. Ines wirft einen Blick auf die blutbefleckte Bluse, die Anca nun trägt. ANCA I’ll just put my hair over it. Ines sieht ungeduldig auf die Uhr. Es scheint als würden sie warten. ANCA She is coming. (Pause) Ich wollte dich fragen, bist du eigentlich mit meiner Arbeit zufrieden? INES Absolut, du hast dich wirklich verbessert. Ich finde nur, du solltest dich überwinden, mehr Deutsch zu sprechen. ANCA Ich weiß, aber es reicht mir nicht im Alltag... INES Und eine Kleinigkeit, die ist echt albern, aber ich mag diese Smileys nicht in den E-Mails. Ich weiß auch so, wie es gemeint ist. ANCA I know, I am a little bit addicted. Sie schweigen einen Moment. ANCA Why don`t we go out, like all together... The whole team. In a club or for dinner. INES Okay. ANCA It could be nice, just for the team. Ines sieht ungeduldig auf die Uhr.

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INES Thank you. I will think about it. Die Türe geht auf und FLORA, eine jüngere Beraterin in sehr hohen Schuhen und Kostüm, betritt die Toilette. Sie scheint gerannt zu sein. Sie zieht ihr Jackett aus und zeigt Ines ihre Bluse, welche sehr verspielt und am Rücken frei ist. INES No, this one is better. 48 Büro / Chefetage I/T Ines läuft hinter INGRID durch eine gediegene Chefetage. Sie verschwinden in einem Konferenzraum, in dem bereits Gerald und Dascalu warten. Sie begrüßt die beiden. 49 Büro / Konferenzraum I/T Ein moderner Konferenzraum. Henneberg sitzt neben Gerald, Dascalu und zwei weiteren RUMÄNISCHEN VORSTÄNDEN in Ledersesseln. Ines steht vor einer PowerpointPräsentation. Die Tabellen werfen Muster in ihr Gesicht. Sie hat wachsam jeden im Blick, vor allem Henneberg. Ingrid sitzt stumm am Rechner und spielt Ines eine Folie ein. INES For option 1 we assume that it will take one year for the implementation. The implementation cost, internal and external, will be around 5-6 m Euros. The advantage of a full outsourcing are the contractor rates. We will have a strong competition resulting in lower rates. That`s why we will end with a 10% cost reduction in the first year. DASCALU I doubt very much that we will have such strong cost reduction so quickly. It takes years to transfer all our knowledge to the contractors. Gerald nickt zustimmend in Dascalus Richtung, was ein taktischer Zug zu sein scheint. Henneberg hört sehr konzentriert zu, lässt aber die anderen reden. INES I totally agree with you. We surely need to go further into the details of each scenario. (zu Ingrid) Ingrid, geh doch mal zu der nächsten Folie. Ingrid spielt erneut eine Folie ein. INES Option 2 will take about 10 months with significantly higher

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contractor rates. Option 3 takes 8 months with even higher contractor rates. DASCALU There is no way in which you can outsource any maintenance services in only 10 months. This is impossible. This is more than... (wendet sich an einen Vorstand auf Rumänisch) How many employees? What do you think? RUM. VORSTAND Approximately 200 workers. DASCALU Plus, you have to consider high costs for supervision and training from our side too. I don`t see them there. INES What I also think what we should put into account is that Dacoil didn`t even realize international HSSR standards in all assets. So we don´t have a business case yet. But a very strong trend. You all agreed that the implementation of any option will not be done faster than one year; which is also in line with HR. So we know that the main driver is the contractor rates and I know them. HENNEBERG This is my experience, too. GERALD Absolutely. INES So, as soon as I have realistic figures of the personnel we can guarantee a positive business case for option 2 and even for option 1. Dascalu schüttelt leicht den Kopf. DASCALU Option 1 is not possible. GERALD Okay, I absolutely agree with Mr. Dascalu that there are many open questions. There is a lot that needs to be

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analyzed in more detail. But I would like to support Ms. Conradi. From my point of view at least option 2 is necessary. The big picture will not change and is absolutely in line with my experiences from other countries. Thank you, Ines. (wendet sich an Henneberg) So now we need directions, Titus. HENNEBERG Gents, we really need a waterproof and positive business case before we can start anything. What you are proposing, speaking of option 1, would be a heavy change for our operations. Option 2 seems more realistic to me at the moment. That also needs to be verified legally. We all know how difficult this process will be regarding the unions. Dascalu nickt. GERALD Absolutely. Titus. HENNEBERG We have to think carefully and we need to go into more details. But it is a very interesting proposal. GERALD (zu Henneberg) At the end of this month we should have all calculations done. INES Sorry, but I think we cannot promise anything as long as the cooperation with Buzau will not work better. Gerald ist kurz irritiert von Ines’ ehrlicher Antwort. Ines sieht zu Dascalu. INES I would like to sit down with you, Mr. Dascalu, to discuss how we can work more closely together with Mr. Illiescu. Dascalu schweigt einen Moment zu lange. DASCALU I will see what I can do.

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HENNEBERG Please, gents – get this solved. I think we are done. Thanks a lot. Henneberg steht auf und verabschiedet sich knapp. Er saß ohnehin auf heißen Kohlen. Gerald und Ines bleiben zurück, Ingrid ist ebenfalls noch im Raum. Der Powerpointer zeigt ein Logo der Firma an mit dem Slogan: performance delivered.

INES Und? GERALD Ich finde nicht gut, dass du die Absprache nicht einhältst. Das war nicht gerade elegant mit Illiescu. Die nächsten Schritte sind klar. Nur informiere mich bitte, wenn es nochmal Probleme gibt. INES Mache ich. GERALD Aber sonst gut gemacht. Du bist ein Tier, Ines. INES Danke. INGRID Kann ich die Leinwand hochfahren? INES Ja, klar. 50 Büro / Küche I/T Ines läuft durch das volle Großraumbüro der Ölfirma zu einer Ecke mit einem Kaffeeautomat. Tim fummelt an der Kaffeemaschine herum. Ines lehnt sich neben ihn. INES Komm, jetzt sei nicht beleidigt. Sei froh, dass du nicht dabei warst. TIM Ich bin nicht beleidigt.

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INES Das ist alles im Preis mit drin. Um jetzt mal Gerald zu zitieren. TIM Ja, aber Gerald hat andere Preise als ich. Was machst du heute Abend? INES Ich treffe Steph de Boer und Tatjana. TIM Frauenstammtisch? INES Ja, genau. Wir sprechen über Frauenquote, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, solche Themen. 51 Büro / Toilette I/T Ines betritt erneut die Firmentoilette und schließt die Tür hinter sich. Sie setzt sich auf die Toilette und pinkelt. Eine Weile starrt sie erschöpft vor sich hin. Sie kramt in ihrer Handtasche, die vor ihr am Boden liegt, nimmt ihr Handy heraus und wählt. INES Hallo ich bin’s. Ich wollte hören, ob du gut angekommen bist. Ruf doch nochmal an. Ich hoffe, der Flug war gut. Du hast meinen Schlüssel noch. Aber das ist nicht so schlimm. Kuss. Sie legt auf, schlüpft aus ihrem Schuh und betrachtet ihren blutverkrusteten Zeh. 52 Parkplatz vor Restaurant am See / da Vinci A/N Ines steigt aus einem Taxi und läuft durch einen angelegten Garten auf ein beleuchtetes Restaurant zu. Auf dem Privatparkplatz drängen sich teure Autos. Gäste kommen und gehen. Das Restaurant scheint angesagt zu sein. Ines hat sich stärker geschminkt und trägt hohe Schuhe. 53 Restaurant am See / da Vinci I/N Ines betritt den Innenbereich des Restaurants am See, wo sie bereits mit Henneberg essen war. Sie wird von zwei Empfangsdamen nach ihrer Reservierung gefragt. Die Dekoration des Restaurants legt es sehr darauf an, ein Gefühl von Luxus zu verbreiten. Reiche Rumänen im Poloshirt mit Goldkette und ihre dünnen Freundinnen auf Plateau High Heels warten neben ausländischen Geschäftsleuten an der vollen Bar auf ihre Plätze. Ines entdeckt zwei Frauen,

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die bereits Barhocker ergattert haben – Tatjana (38), die Holländerin, die wir bereits kennengelernt haben und STEPH (45), eine Amerikanerin. INES Sorry, I’m late, but I had to get changed after work. TATJANA You look great... INES Thank you. STEPH You work too much, Ines. INES I know, but it`s really busy at the moment. I had a big thing today... TATJANA Wow. How did it go? INES I made a last minute strategy change but it went okay. STEPH Did you check out the caterers? I gave her Dariu’s number... INES (zu Tatjana) I’m hosting a small party for my birthday. Next Saturday. Are you free? TATJANA How nice... STEPH Dariu is the best. INES (zu Tatjana) How was the night with the Chinese?

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TATJANA (zu Steph) After 30 minutes they were drunk and I sat there for five hours, listening to Mandarin. But I sold one flat. At least. STEPH We were just fighting who had the most horrible weekend. INES Oh, how was Naples? STEPH Short version: Naples is even dirtier than Bucharest and you can find much better Italian food here in town. Even the kids were dying to get back. TATJANA They should bring us a drink. INES Actually your weekend sounds fun to me. I had the most horrible weekend of my entire life. Ines senkt dramatisch die Stimme. INES My father visited me spontaneously without any warning. Out of nowhere, he was there – waiting in my office. Pretending he wanted to bring me my birthday present. But actually he was having a crisis because his dog died. Steph macht ein zerknautschtes Gesicht. INES And Henneberg was there and wanted me to go out with him and his wife the whole time. STEPH Is Henneberg still in town? I should invite him to our relaunch. Ines nickt.

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INES And my father was sitting around making spaghetti and trying to talk with me about the meaning of life. TATJANA That`s why I like mondays. Steph hat ebenso aufgehört sich für die Geschichte zu interessieren. STEPH How is the new wife? INES Very Russian, very skinny, very blond. Ines sieht sich um, um sicher zu gehen, dass niemand sie hört. STEPH Better be careful. Ein älterer Mann neben Tatjana hat einen Kübel Champagner neben sich stehen, den er zurechtrückt. Er nimmt die tropfende Champagnerflasche aus dem Kübel und spricht die Frauen an. TONI Can I offer the ladies a glass of champagne? Ines erstarrt, als sie ihn erkennt. Er hat lange, dunkle Haare und trägt das Gebiss fest eingeklebt. Er stößt nur beim Sprechen leicht mit der Zunge an. Tatjana sieht ihre Freundinnen fragend an. TATJANA Do we want champagne? Tatjana sieht zu Steph und Ines. TONI Please, I can’t drink all this alone. TATJANA Sure, why not... Toni winkt den KELLNER heran und bestellt drei Gläser. Ines, die etwas schräg hinter ihm steht, hat aufgehört zu atmen. Er trägt ein dunkelblau changierendes Jackett und ein gestreiftes Einstecktuch, welches vorher sein Taschentuch war. Toni sieht auf die Uhr und

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schüttelt den Kopf. Die Zähne geben ihm eine befremdlich wilde Note. Es ist eindeutig, dass etwas an ihm nicht ganz echt ist, aber im Gesamten stimmt sein Outfit irgendwie. TONI I’m waiting for Mr. Tiriac for two hours now. TATJANA Ion Tiriac? TONI Yes. I’m Toni, Toni Erdmann.

TATJANA Tatjana... nice to meet you Toni. Er gibt den Frauen die Hand. Zum ersten Mal sieht er Ines direkt in die Augen. Toni setzt sich auf den Stuhl neben Tatjana. Der Kellner bringt die Gläser mit Champagner. TATJANA Do you work here in Bucharest? TONI Yes and no, I came more because of a famous dentist. He made all new. My teeth were too small. And I always wanted something more wild, more dangerous. Man merkt, dass er sich das meiste spontan ausdenkt. Er lächelt und die beiden Frauen wissen nicht, ob sie die Sache ernst nehmen sollen. STEPH Who is this crazy dentist? TONI The International Dental Design Clinic. STEPH Okay. TONI The doctor is Italian. Not a dentist. More an Italian architect.

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TATJANA So you are just friends with Tiriac? TONI We played tennis together in Germany. TATJANA Interesting. Er sieht auf sein Handy, auf das er hinten seine eigene Nummer geklebt hat.

TONI But he not answers the phone. He has a crisis because his... his Schildkröte died. Er sieht Ines an. Sie versteht, dass er gehört hat, was sie über ihn gesagt hat. STEPH What’s a schillgröde? INES (leise) A turtle. TONI He is crying the whole day. The turtle was very old. They spent 45 years together. And then Herzinfarkt. TATJANA I am sorry to hear that. TONI For me, it’s just a turtle. STEPH May I ask what your profession is? TONI My what? INES Dein... Ihr Beruf.

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TONI I am a businessman, consultant and coach. TATJANA What`s your focus? If you say you’re into coaching. TONI My focus is life and style. Der Kellner kommt und spricht Toni an. Er deutet auf einen Einzeltisch in der Nähe, auf dem ein Teller mit einem großen Hummer steht. An der Stuhllehne hängt Winfrieds Leinenbeutel. KELLNER Do you want to finish it? TONI Oh yes... my Hummer is waiting. KELLNER (in die Runde) Or do you want to sit together? INES (schnell) Oh no, thank you. Der Kellner deutet auf einen freien Tisch. KELLNER So, your table is free. Die Frauen verabschieden sich von Toni. STEPH Thanks for the Champagne. TATJANA So nice meeting you...Toni. Sie laufen zu ihrem Tisch. Sobald sie außer Hörweite sind, geht bei Tatjana und Steph das Augenrollen los. TATJANA What was that? STEPH These teeth...

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TATJANA ...and the thing with the turtle. Ines zuckt die Schultern. STEPH Yeah, but some turtles can get really old. Sie setzen sich an den Tisch und greifen nach den Speisekarten. Ines sieht abgelenkt zu Toni, der mit seiner Lesebrille den Hummer inspiziert. Ihre Blicke kreuzen sich. Er hebt kurz sein Bier. TATJANA (zu Steph) So who is coming to your relaunch? STEPH It’s going to be a bizzare mix of guests. Gabriel really invited everybody. New clients, possible clients. Friends, supporters, all the people from our charity work... he even wanted all the drivers to be there. TATJANA That`s nice. STEPH I hope they don`t feel uncomfortable. INES So you rented the whole Players Club? Steph nickt. Sie sieht ebenfalls zu Toni, der nun versucht, mit seinen Zähnen ein Hummerbein auszusaugen. STEPH Oh my God... this is really disgusting. INES What’s disgusting? STEPH Just the way he eats. He is definitely not waiting for Tiriac. Einen Moment scheint Ines sich darüber zu ärgern, wie Tatjana über „ihren Vater“ spricht.

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INES A lot of managers have strange gurus. STEPH Yeah maybe... TATJANA You never know... Steph beginnt etwas in ihr Handy zu tippen. Eine Restunsicherheit, ob Toni nicht doch wichtig ist, bleibt. Ines beobachtet wie ein FREMDER MANN im Anzug mit Fliege zu Toni an den Tisch kommt. Toni sieht auf die Uhr und bietet ihm an sich zu setzen, aber der Mann möchte gehen. Toni kämpft noch einen Moment weiter mit dem Hummer und winkt dann dem Kellner, um zu bezahlen. Ines und Tatjana werden nun die Vorspeisen gebracht. Toni steht auf und klopft kurz auf den Tisch. TONI Ich muss... my Limousine waits. Hat mich gefreut, sie kennenzulernen. Er sieht dabei besonders Ines an. Blitzschnell zieht Steph ihre Visitenkarte hervor und gibt sie Toni professionell lässig. STEPH My husband runs a headhunting company. If there is anything we can do for you or Mr. Tiriac, we would be happy to. Toni nimmt die Karte dankend an. Steph wartet auf seine Karte, aber nichts kommt. Toni geht. Tatjana lacht über Steph. TATJANA You are really a pro... INES Excuse me. Ines steht auf und nimmt ihre Handtasche, als würde sie zur Toilette gehen. 54 Restaurant am See / Ausgangsbereich / Parkplatz I/A/N Ines läuft zum vollen Ausgang des Lokals und bleibt zögerlich im Eingangsbereich stehen. Eine weiße Stretchlimousine hat auf dem Parkplatz geparkt. Toni steht unentschlossen davor herum. Ines zieht sich hinter eine Glaswand zurück und beobachtet, wie ihr Vater zum Lokal blickt. Dann klopft er dem Fahrer auf die Schulter und steigt wirklich in den Wagen. Sie tritt aus dem Lokal und sieht hinter ihm her.

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55 Restaurant am See / da Vinci I/N Ines läuft zu ihrem Platz zurück. Der Kellner kommt und bringt Ines einen schweren Schokoladenkuchen, auf dem angezündete Wunderkerzen stecken. Sie wehrt ab, weil sie nichts bestellt hat. KELLNER It’s from the man who just left. He told me to send his dessert to you. TATJANA Ooohh... it seems like you have an admirer, Ines. Auch wenn sie das ironisch meint, so scheint es sie doch zu ärgern, dass der Nachtisch nur für Ines sein soll. Steph bekommt eine SMS. STEPH Shit, he didn’t give me his card. Gabriel just texted. (liest vor) „Tiriac! Cool!“ He wanted to invite him to the party. Ines beginnt plötzlich gierig den Schokoladenkuchen zu essen. 56 Wohnung Ines I/N Ines schließt vorsichtig ihre Wohnungstür auf, als könnte jemand zu Hause sein. Sie sieht in alle Räume. Unruhig läuft sie umher. Sie wählt erneut die Handynummer ihres Vaters, aber er nimmt nicht ab. Vorsichtig öffnet sie einen Kleiderschrank. Die Wohnung ist leer. 57 Büro / Arbeitsraum I/T Es ist früher Morgen. Ines hat sich in einen gläsernen Besprechungsraum zurückgezogen und spricht mit einem Mann mittleren Alters per Skype, der so eine Art COACH zu sein scheint. Er sitzt beim Frühstück auf irgendeiner Hotelterrasse an einem See. INES Das Sprechen hat gut funktioniert. Ich denke, da habe ich keinen Bedarf mehr. Ich konnte mir den Raum gut nehmen. Ich habe mich diesmal auch vorher im Raum aufgehalten. COACH Und die Atemtechnik? INES Habe ich diesmal nicht gebraucht. Aber ich würde gerne noch an der Körpersprache arbeiten. Das entgleitet mir manchmal... Eine Frau wischt durch das Bild, der Coach murmelt ihr kurz zu, dass er gleich zu ihr kommt.

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COACH Hast du ein Beispiel? INES Eher in Momenten des Zuhörens. COACH Ich vermute, dass du dann wirklich zuhörst. Das ist natürlich lobenswert, aber vielleicht musst du noch mehr bei deiner Aussage bleiben. Hat dich etwas überrascht? INES Inhaltlich nicht... aber vielleicht die Schärfe... Dascalu hat sehr aggressiv argumentiert. COACH Hat es dich persönlich getroffen? INES Eventuell. COACH Vielleicht ist da was aus der Balance, was die Identifikation angeht. Du bist nur gut, wenn du dich identifizierst. Identifikation ist also ein wichtiges Tool für dich. Aber ein Tool, das du aus der Hand legen können musst. Gerald klopft an die Glastür. Er macht ein Zeichen, dass er es eilig hat und kommt herein. Er kennt den Mann auf Skype und winkt kurz in den Bildschirm. GERALD Kann ich dich mal kurz entführen. 58 Bürokomplex / Dachterrasse A/T Gerald und Ines laufen auf die weitläufige Dachterrasse der Firma, vorbei an einem Sitzbereich in einen kleinen, künstlich angelegten Garten. GERALD Ich habe das Gefühl, das Team steht nicht mehr so geschlossen da. Das war auch Tims Eindruck. Lass dir mal was einfallen für den Teamspirit... damit da kein Graben entsteht zwischen den Rumänen und uns. Irgendwie haben die

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moralisch abgebaut. INES Ja, dachte ich auch. Das deckt sich mit meinem Gefühl. Ich mache sowieso einen Brunch zu meinem Geburtstag, da werde ich alle einladen. GERALD Sehr schön, was Persönliches, gut. Gerald entfernt sich weiter vom Bürogebäude, als suche er gezielt einen ruhigen Ort. GERALD Wir werden mit den Zahlen rechnen, die wir haben und werden da jetzt keine Welle machen. INES Wieso? GERALD Dein Ansatz, über Dascalu Druck aufzubauen, ging nach hinten los. Zwischen ihm und Illiescu wird unser Projekt kein Topic sein. INES Okay. Wieso? GERALD Dascalu vertraut Illiescu und sieht keinen Handlungsbedarf. Und Henneberg will Dascalu raushalten, damit er die Gewerkschaftsgespräche machen kann. Plötzlich sieht Ines, wie ihr Vater, besser gesagt Toni, in einiger Entfernung auftaucht und mit einem Kaffeebecher und einer Zeitung in ihre Richtung läuft. INES Und auf welcher Grundlage soll ich weiterarbeiten? Bei den Angaben zum Transport stimmt nichts. Da arbeiten viel mehr Leute. Du kannst hier gar nicht genug Personal reduzieren. GERALD Da sind alle bei dir. Die gute Nachricht ist: Henneberg will, dass du den Kahlschlag ausrechnest.

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INES Aber das hatte doch noch gar kein Fundament. Du hast doch gemerkt, dass das alles an der Grenze zur Behauptung war. Vor allem brauche ich erst recht genaue Daten, wenn ich einen so großen Umbau verkaufe. GERALD Das wird jetzt die Feministin in dir ärgern. Aber der O-Ton war: Frau Conradi hat genügend Charme, das mit Illiescu alleine hinzukriegen. INES Ich bin keine Feministin, Gerald. Sonst würde ich es mit Typen wie dir gar nicht aushalten. GERALD Ich nehme das mal als Kompliment. Angespannt beobachtet Ines, wie Toni näher kommt. Das Telefon am Ohr. Er trägt dasselbe changierende Jackett. TONI (leise am Telefon) Mama, ich bin hier am Arbeiten. Ich kann nicht ständig mit dir telefonieren. Ja, ich nehme meine Tabletten. / Obst auch. / Ja, Tschüss. Er legt eine Zeitung auf eine Bank gegenüber und versteckt etwas darunter. Toni setzt sich nun scheinbar zufällig auf die Zeitung. Nichts passiert. Gerald sieht irritiert in seine Richtung, redet dann aber weiter. GERALD Henneberg will dich übrigens hier behalten. Er ist echt überzeugt von dir. INES Und was hast du gesagt? GERALD Dass ich mit dir spreche. Aber, dass ich denke, dass du das Projekt zu Ende machst. INES Und unsere Abmachung?

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GERALD Weiß ich, klar. Aber wir reden hier von einem Jahr maximal. Dann kannst du auf einem ganz anderen Level in Shanghai oder woanders einsteigen. INES Das habe ich schon ein paar Mal gehört. Ich kann Bukarest genauso von Shanghai aus betreuen. GERALD Das ist nicht realistisch. Das ist dein Partner Case. Dann suchst du dir aus, wo du hingehst. INES Können wir das Gespräch an anderer Stelle fortsetzen? GERALD Die Alternative wäre, an Tim zu übergeben. INES Genau. Im Hintergrund setzt Toni sich erneut auf die dubiose Zeitung, ein unnatürlich langer Furz ertönt. Unzufrieden steht Toni auf und nimmt etwas unter der Zeitung hervor. TONI (murmelt) Das war aber nicht lustig. INES Ich denke darüber nach. Ich würde jetzt nur gerne einen Kaffee trinken. Können wir vielleicht vorgehen? Ines will gerade gehen, als Toni sie anspricht. TONI (zu Ines) Jetzt habe ich gerade überlegt, woher ich Sie kenne. Was machen Sie denn hier? Da Gerald dabei ist, bleibt ihr nichts anderes übrig, als zu antworten. INES Ich arbeite hier. Wir besprechen gerade etwas. Wir haben gleich ein Meeting.

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Ines läuft in Richtung des Gebäudes. Toni läuft noch ein Stück neben ihnen her. TONI Ich muss auch rein. Ich habe gleich eine Supervision mit Herrn Henneberg. Vor dem Eingang kommen sie wieder zum Stehen. TONI (zu Ines) Hoffentlich ist er nicht wieder so bockig heute. Er hat unheimlich viel Angst vor den Rumänen und dass seine Frau zu viel Geld ausgibt. Ines bemüht sich zu lachen. Gerald sieht zu Ines in Erwartung, dass sie ihn vorstellt, was sie aber nicht macht. GERALD Marburger. TONI Erdmann. Erdmann. Benutzen sie Handcreme? Gerald schüttelt irritiert den Kopf. TONI Dann bin das wahrscheinlich ich. Ines ist Gerald eine Erklärung schuldig, wer der Typ ist. INES Herr Erdmann ist... freiberuflicher Coach. Gerald ist zwar immer noch irritiert, aber es scheint eine Erklärung zu sein. INES Ich würde mich dann später nochmal bei Ihnen wegen des... Workshops melden. TONI O.k. GERALD (zu Ines) Workshop für uns?

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INES Es gibt die Überlegung, ja. Es stand die Idee im Raum... TONI We see. If you willing? GERALD Pardon? TONI Willing. You are willing? Ach lassen wir das mit dem Englisch. Das läuft heute doch nicht so gut. Ines versucht weiter die Situation in den Griff zu bekommen. INES Das kam von Dacoil. Das gilt noch abzusprechen. TONI Yes, I invented a program together with Lothar Matthäus. Title: „Gürtel und Schuh müssen zusammenpassen.“ Ines gibt Toni fest und entschlossen die Hand. INES Auf Wiedersehen. 59 Bürokomplex / Innen Nähe Dachterrasse / vor Fahrstuhl I/T Ines läuft so zackig zum Aufzug, dass Gerald sich beeilen muss, ihr hinterher zu kommen. GERALD Was ist denn das für ein Freak? INES Erzähle ich dir mal in Ruhe. Der Fahrstuhl kommt und Gerald steigt ein. Ines dreht sich um und zieht ihr Telefon aus der Tasche, als würde es klingeln. INES Ich komme gleich nach.

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60 Bürokomplex / Dachterrasse Ines rennt zurück und wirft einen Blick auf die Dachterrasse. Toni ist nicht mehr da.

A/T

61 Bürokomplex / Innen Nähe Dachterrasse / vor Fahrstuhl I/T Ines rennt suchend durch ein Gangsystem. Angestellte der Firma kommen ihr entgegen. Sie entdeckt Toni, stoppt ihn kurz vor dem Aufzug und drängt ihn in eine Ecke. Winfried nimmt sofort wieder Toni-Haltung an und macht blitzschnell sein Gebiss rein. INES Sag mal, spinnst du? Willst du mich irgendwie fertig machen? Papa, ich rede mit dir. Toni sieht nach unten und einen Moment scheint es, als würde er aufgeben, dann kramt er eine Visitenkarte aus seinem Jackett hervor. Er setzt seine Sonnenbrille auf. TONI Also, wenn es um Ihren Vater geht, dann bin ich nicht der Richtige, aber wenn Sie Ihr Charisma ausbauen wollen, oder merken, dass Sie anfangen zu telefonieren, obwohl gar keiner dran ist, können Sie mich jederzeit kontaktieren. Bevor sie etwas sagen kann, dreht er sich um und deutet auf einen MANN im Anzug, der gerade in den Fahrstuhl einsteigt. TONI Oh, da ist mein Mann. Er spricht ihn an und klopft ihm auf die Schulter. An der Reaktion des Mannes ist jedoch zu erkennen, dass er ihn nicht im Geringsten kennt. Die Fahrstuhltür schließt sich. Ines sieht auf die handgemalte Visitenkarte, auf der nur T.E. – Toni Erdmann und seine Handynummer steht. Mitarbeiter laufen an ihr vorbei. Ines dreht sich um und läuft zurück ins Großraumbüro. 62 Marriott Hotel / Treppe I/T Ines läuft die Treppe des Marriott Hotels hoch. Sie trägt ein enges Kleid und hat die Haare hochgesteckt. 63 Marriott Hotel / Flur und Hotelzimmertür I/T Sie läuft weiter durch einen breiten, mit rotem Teppich ausgelegten Flur. Im Laufen zieht sie ihren Lippenstift nach. Sie bleibt vor einer Tür stehen, richtet sich müde auf und klopft an die Tür – Tim öffnet ihr telefonierend und mit freiem Oberkörper.

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64 Marriott Hotel / Zimmer I/T Ines läuft ins Zimmer und legt ihre Tasche ab. Tim kommt zu ihr, küsst sie und macht ihr ein stummes Kompliment, während er weiter am Telefon zuhört. TIM Aber ein Zweimaster ist echt Arbeit. Das mache ich nicht zu fünft. Daniel kannst du abziehen. Einer muss die Cocktails mixen. Ja, schick mal Pics. Er beendet das Gespräch, stellt auf lautlos und kommt zu Ines, die sich auf die Couch des großzügigen Hotelzimmers hat fallen lassen. TIM Das wird so ein schwachsinniger Segeltörn. Ludwig will jetzt einen Zweimaster nehmen. Er zieht einen ihrer High Heels aus und beginnt ihren Fuß zu massieren. Nach kurzer Zeit führt er ihn zwischen seine Beine. INES Ach, das Zimmermädchen war heute noch nicht da? TIM Nein. Only Timidri... Romanian lover für you. Ines lacht. Er küsst sie und wenn es nach ihm gehen würde, dann würde er sie direkt ausziehen. Es klopft an der Tür und jemand murmelt: „Room service“. Tim geht zur Tür und öffnet. Ein Hotelangestellter bringt eine Etagere und eine Flasche Weißwein. Tim stellt die Etagere vor ihr auf den Boden und entkorkt den Wein. INES Wow... TIM Gerald hat es übrigens geschnallt mit uns. INES Ja und? TIM Er hat gesagt, ich soll nicht so oft mit dir vögeln, damit du nicht deinen Biss verlierst. INES Aha.

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TIM Ich habe ihm gesagt, das ist der Grund, warum ich dich vögel. Und ich werde heute in jeder Ecke von diesem Zimmer mit dir schlafen. Tim kommt zu ihr und versucht, sie auszuziehen. Sie küssen sich, aber Ines hat plötzlich wenig Lust. TIM Was ist los? INES Ich schaue dir erst mal nur zu... ich versuche noch aufzuholen. TIM Dann beeile dich mal. Tim öffnet seine Hose und will Ines ausziehen. Sie lässt sich wieder in die Couch zurückfallen und nimmt einen Schluck von ihrem Weißwein. INES Ich will meinen Biss nicht verlieren. TIM Oh komm, sei nicht so humorlos. Ich vögel dich ganz stark. Mein Sperma hat Wunderkräfte. Ines muss lächeln über den Quatsch, den er redet. INES Nein, mein Biss ist mir wichtiger. Ich schaue dir lieber nur zu. Tim nimmt ihren Fuß, massiert sich damit zwischen den Beinen. Sie zieht ihn zurück. Er fasst ihr an die Brüste, küsst sie und versucht zu ignorieren, dass sie nicht mitmacht. INES Ich will, dass du versuchst, die Petits Fours zu treffen. Ich esse sie dann später. Ines muss lachen. Tim ist genervt, aber zu erregt, um die Sache abzubrechen. Er kommt wieder zu ihr und küsst sie, aber sie bleibt hart und lässt sich nicht ausziehen. TIM Du meinst es ernst? Ja, okay.

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Er beginnt sich selbst zu befriedigen. TIM Und welches genau? O.k., dann komme ich jetzt. Er geht vor ihr auf die Knie, bekommt wirklich einen Orgasmus über der Etagere und lässt sich nach hinten fallen. TIM Du bist bescheuert. Ines nimmt eins der tropfenden Petits Fours und beißt hinein. Tim sieht sie angeekelt an und zieht seine Hose hoch. Er steht auf und verschwindet im Bad. Ines bleibt nachdenklich zurück, kramt ihr Handy aus der Handtasche und wählt eine Nummer. INES Hello Steph, it’s Ines. Sorry to disturb you, but I’ve got the number of the Tiriac coach. Yeah, I met him again. / It’s up to you... but why not? Yes! I am already getting dressed. I will text you, see you later. Tim kommt zurück und setzt sich mit dem Laptop auf das Hotelbett und hat angefangen auf Facebook zu lesen. Ines lässt sich neben ihn fallen. TIM Schau mal Geralds Ische. Das ist ja eine Mutti. Kein Wunder vögelt der sich hier durch. Ist der bescheuert, da so Fotos von sich am Grill reinzustellen? Tim klickt ein Foto an, auf dem Gerald mit seiner Frau und seinen beiden Kindern zu sehen ist. Ein Familiengrillfest vor einem Neubau, ein gedeckter Tisch, ein Hund, Kinderspielzeug im Garten verteilt. INES Männer können echt viel Spaß haben. TIM Wieso? Du vögelst doch auch rum. INES Ja, aber ich habe keine Frau, die irgendwo auf

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mich wartet... die diese Salate kauft, meine Kinder anzieht und mit unserem Hund zum Arzt geht. Tim sieht sich das Foto genauer an und entdeckt auch den Hund darauf, der eine Pfote verbunden hat. INES Der hat einfach irgendwo dieses Haus, in das er immer kann. Schau mal genau... Hast du den schon mal so hier gesehen? TIM Ich finde, der sieht frustriert aus. Geralds Gesichtszüge sind wie die der Mona Lisa. Es ist schwer zu sagen, ob er ernst aussieht oder lächelt. INES Lass uns mal los... 65 Club / Außenbereich I/A/N Der Außenbereich eines Clubs. Ein kitschig beleuchteter Pool umsäumt von geschwungenen Sitzecken, künstlichen Palmen und pseudo-griechischen Fresken. Der Empfang ist bereits gut gefüllt. Ein Aperitif wird gereicht. Die Headhuntingfirma von Tatjanas Mann scheint Geld abzuwerfen. Ines und Tim begrüßen Tatjana und ein paar Leute, die wir nicht kennen. Im Hintergrund lassen sich gerade die Gastgeber vor einer gebogenen Fotowand mit ihren Gästen fotografieren. Ines sieht sich um. Plötzlich entdeckt sie ihren Vater, besser gesagt Toni. Er nimmt sich ein Bier von einem Tablett und sieht sich ebenfalls um. Als er sie entdeckt, prostet er ihr aus der Ferne zu. An einem Stehtisch nimmt er eine Schale mit Nüssen und leert diese in seine Jackentasche. Ines gibt sich einen Ruck und läuft auf ihn zu. INES Hallo, Herr Erdmann. TONI Guten Abend. Beide verstummen plötzlich. Er gibt ihr ein paar Erdnüsse aus seiner Jackentasche, welche sie annimmt. TONI Und, haben Sie sich ein bisschen beruhigt? INES Kommt Tiriac noch? TONI Ja, hat er gesagt. Allerdings war heute

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die Beerdigung... von Angelina. INES Seiner Schildkröte. TONI Genau. Tim sieht in ihre Richtung. TONI Soll ich eigentlich was Bestimmtes machen? INES Ich wollte Ihnen mal ein größeres Parkett bieten... Tim kommt mit einem Drink für Ines zu ihnen rüber geschlendert. Er hat offensichtlich das Gefühl, Ines vor ihrem Gesprächspartner retten zu müssen. TONI (zu Ines) Machen wir es so, wenn Sie Rocky sagen, schlage ich zu. Toni gibt Tim die Hand. TONI Erdmann, freut mich. Toni zieht seine Hand zurück, als würde sie schmerzen. TIM Alles klar? Tim lacht und Toni klopft ihm auf die Schulter. TONI Freunde, oder? Er bietet Tim ein paar Nüsse aus seiner Jackentasche an, die dieser auch annimmt. Durch die Art, wie Tim sich neben Ines platziert und kurz seine Hand auf ihren Rücken legt, versteht Toni, dass die beiden ein Verhältnis haben. TONI Und was machen die Eltern beruflich? TIM Wir haben ein Autohaus.

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Eine BMW-Vertretung. TONI Und rufen Sie ab und zu Zuhause an? TIM Äh, ja. TONI Das ist gut. Da gibt es noch eine Nuss. Nur eine, die andere brauche ich noch für Herrn Marburger. Toni deutet in Richtung Gerald, der mit zwei Frauen im Hintergrund aufgetaucht ist. Ines’ Rücken drückt sich durch. Eine der Frauen ist die REZEPTIONISTIN aus der Lobby. Tim nimmt irritiert eine zweite Nuss aus Tonis Hand. TONI Von seinen Eltern kann man nämlich viel lernen. Ich habe zum Beispiel von meinem Vater gelernt, wie man eine Käsereibe benutzt. Das wird bei uns seit einigen Generationen weitergegeben. TIM Eine spezielle Käsereibe? Tim, der im Small-Talk geübt ist, versucht sein Gegenüber ernst zu nehmen. TONI Nein, nein, eine ganz normale kleine Käsereibe. Wie hält man den Käse, in welchem Tempo reibt man. Tim muss lachen. TONI Dann glauben Sie es halt nicht. TONI (zu Ines) Reiben Sie gerne Käse? INES Fehlt mir leider die Zeit. TONI Ja, man muss unheimlich locker sein, um mit so einer Reibe umgehen zu können.

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Verspannte Menschen haben oft Probleme. Er macht eine verspannte Hand vor. INES (zu Tim) Herr Erdmann ist freier Coach. Wir kennen uns von seiner Arbeit mit Henneberg. TIM Okay. Gerald kommt mit zwei rumänischen jungen Frauen zu ihnen geschlendert und begrüßt Tim und Ines. GERALD Na, das ist mal eine Ansage hier... TIM Hier wird nicht gespart. Toni begrüßt Gerald, als würden sie sich kennen, was Tim wiederum beäugt. Ines lässt die Situation weiterlaufen. Toni tippt Gerald auf seinen Krawattenknoten. Plötzlich entdeckt Ines Natalja. Sie wendet sich schnell an Gerald. INES Ist Henneberg noch da? GERALD Ja, ja. Wir waren gerade essen. Im selben Moment entdeckt sie Henneberg, der sich, begleitet von Steph, in ihre Richtung bewegt und ein paar Gästen die Hand schüttelt. Toni folgt ihrem Blick, und einen Moment schrumpft auch er auf Winfriedgröße. TONI (murmelt) Hoffentlich trinkt er nicht so viel heute. Dann geht er los, läuft bewusst auf Henneberg zu und klopft ihm im Vorbeigehen auf die Schulter. Der Konzernvorstand erkennt Winfried im ersten Moment gar nicht. Toni murmelt ihm zu. TONI Ich bin heute inkognito hier. Henneberg ist irritiert.

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HENNEBERG Ach so. TONI ...wir reden dann morgen. Er greift Henneberg in den Nacken, was von Gerald und Tim genau beobachtet wird. Steph sagt im Vorbeigehen zu Toni: STEPH You have to meet my husband. TONI Yes, I just have to call my mother. Ines nimmt sich ein weiteres Glas von einer BEIDIENUNG und dreht sich weg, um Natalja und Henneberg aus dem Weg zu gehen. Toni läuft weiter und landet bei zwei Frauen (ANA und FLAVIA), die gerade damit kämpfen, ihre Sektgläser zu halten und von ihren Tellern zu essen. Ines beobachtet wie Toni den Frauen spontan die Teller abnimmt, um sie für sie zu halten. Die Frauen lachen und wollen ihre Teller zurück haben. Tim wippt in Partylaune vor Ines herum. Tatjana kommt zu den beiden. TATJANA Carparty? TIM Absolutely... INES Ich weiß nicht. Ich komme nach. I will join you in a minute... Ines läuft zu Toni, der immer noch die Teller der Frauen hält. Er deutet empfehlend auf einen Rest Salat. TONI (zu Ines) Ich habe gerade ein bisschen was über rumänische Traditionen erfahren. INES Herr Erdmann, wir gehen rüber in den Club und würden uns freuen, wenn Sie uns begleiten. FLAVIA And which embassy do you work at?

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TONI (zu Ines) Übersetzung bitte. INES (irritiert) In welcher Botschaft du arbeitest? TONI In der deutschen... in the German. TONI I am Ambassador Erdmann... this is Ms. Schnuck, my secretary. FLAVIA I work in the parliament. I am something like a secretary, too. TONI Romania has a parliament? I didn`t know that. FLAVIA Sometimes it feels like this. Ines sieht zu Tatjana und Tim, die den Club verlassen. Toni stellt die leeren Teller der beiden Frauen zusammen. TONI Je voudrais... excusé. Er hat das wie ein „ich muss los“ ausgesprochen. Flavia und ihre Freundin Ana nicken. Toni gibt ihnen eine seiner Visitenkarten und bekommt eine von Flavia zurück. Ines ist schon ein paar Meter weiter gegangen. Steph läuft an Ines vorbei und berührt sie in Gastgebermanier kurz an der Schulter. TONI On telephone a causa des oeufs! INES Du hast gerade gesagt, du rufst wegen der Eier an. TONI Das ist auch genau richtig so. 66 Vor Club A/N Toni und Ines verlassen den Poolbereich und laufen eine Treppe herunter, in Richtung eines Parkplatzes mitten in der Natur. Toni läuft etwas hinter Ines. Ines sieht sich suchend um und

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Toni folgt ihr, ohne zu wissen, wohin es geht. Sie laufen auf einen SUV zu, der am Rande eines Wäldchens parkt, wo Tatjana und Tim warten. 67 Parkplatz vor Club A/N Entfernte Bässe wummern gegen die zirpenden Grillen an. Der Club ist wie ein Ufo, das in einem Brachland gelandet ist. Direkt neben dem Parkplatz beginnt dichte Vegetation. Tatjana hat ihren dunklen SUV mit hellen Sitzen geöffnet und einen Moment steht die Frage im Raum, was nun passiert. TIM (leise zu Ines) Was willst du mit dem Typen? INES (leise) Ist doch lustig. Toni setzt sich auf den hinteren Sitz in die offene Tür. Tatjana deutet Ines stumm eine Frage an. Ines nickt und Tatjana beginnt auf einem Stadtplan Koks anzurichten. Tatjana zieht eine Line und reicht den Stadtplan dann zu Tim. Nachdem Tim gezogen hat, ist Ines dran, aber diese lässt Toni den Vortritt. Er lehnt ab. TONI Danke, mein Herz... Ines zieht schnell ihre Line. Toni beobachtet die Szenerie. Alle stehen kurz herum, rümpfen ihre kitzelnden Nasen und warten auf die Wirkung. Tatjana beginnt sich zu schminken. Toni deutet auf einen Rest Kokain, den sie vergessen hat. Als sie den Rest nicht aufkratzen will, tippt er selbst kurz mit dem Finger hinein und reibt sich das Kokain in sein Gebiss. INES (zu Tim) Ich habe ihm gesagt, du suchst einen Coach. TIM Ich habe so viele Probleme mit meiner Chefin und ich würde gerne erfolgreicher werden bei Frauen. TONI Das können sie gar nicht bezahlen. Toni deutet auf einen imaginären Fleck auf Tims Hemd. Er sieht nach unten und im selben Moment tippt Toni ihm auf die Nase. TIM Haha.

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Einen Moment später macht er dasselbe und Tim muss nur noch halb so viel lachen. Ines hat auch angefangen sich zu schminken. Toni greift in seine Jackentasche, zieht eine kleine neue Käsereibe und ein Stück Parmesan hervor und reibt sich kurz ein wenig Käse über den Kopf. Er schüttelt sich. Tim lacht irritiert. TONI So jetzt mal rein, ihr Schminkmäuse! Ich bin Beamter, ich will hier nicht noch verhaftet werden. Als Toni an ihm vorbeiläuft, tippt er ihm erneut auf das Hemd und dann auf die Nase, was nun eher einem Angriff gleichkommt. TIM Ist gut jetzt! 68 Vor Club Die Gruppe läuft zurück in Richtung des Clubs. Toni läuft neben Tim.

A/N

TONI (leiser) Wie ist Ihr Stuhlgang so zurzeit? TIM Was geht Sie das an? TONI Ich arbeite viel mit dem Stuhlgang. Wie Kaffeesatzlesen. TIM Cremig. TONI Das ist gut. Meiner hat heute Morgen geglitzert wie Gold. Er klopft Tim auf die Schulter. Sie laufen eine Treppe mit einem roten Teppich hoch, lauter werdende Bässe weisen ihnen den Weg in den Club, den inneren Teil der Location. Es wird klar, dass der Poolbereich, in dem die Veranstaltung stattfand, nur der Außenbereich war. 69 Club / Discobereich I/N Der Clubraum, der sich nun eröffnet, ist um ein vielfaches größer. Aggressive Lichtshow, Tänzerinnen, kitschiges Dekor – ein Club, wie es ihn nur in Osteuropa gibt. Sie werden zu einer plüschigen Sitzlounge neben einem Laufsteg geführt. Ein größerer VIP-Bereich, in den es auch ein paar andere Gäste des Empfangs gezogen hat. Tim nimmt eine Wodkaflasche aus einem Eiskübel und beginnt einzuschenken. Die Dance-Version von Bob Marleys „No

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Woman, No Cry“ bricht aus den Lautsprechern. Die Lichtshow wird dramatisch, es wird stockdunkel, bis auf wenige Laserstrahlen, die sich aggressiv ihren Weg bahnen. Tatjana kreischt auf und Ines pfeift cool durch ihre Finger. Sie scheinen zu wissen, was gleich passiert. Aus einer überdimensionalen Torte steigt ein kleinwüchsiger Mann, der einen übergroßen Lolli auf der Schulter trägt. Ihm folgen eine Reihe Tänzerinnen, deren Beine durch die Anwesenheit des Kleinwüchsigen noch länger wirken. Tim zückt sein iPhone und beginnt zu filmen. Der Kleinwüchsige heizt die Menge an und die neuen Mädchen fangen an zu tanzen. Die bisherigen Tänzerinnen verschwinden in der Torte. Ines schenkt Toni herausfordernd Wodka ein. INES Alles klar? Toni zuckt mit den Schultern und versucht sich unbeeindruckt zu geben. Gerald kommt wieder mit der Rezeptionistin und einer anderen Frau in die VIP-Lounge und macht ein Partyzeichen in Richtung Ines, welches sie erwidert. Ihre Bewegungen sind selbstbewusst. Toni beobachtet sie von der Seite. Sie ist ihm fremd. Tim filmt Ines, sie rückt einen Moment näher an Toni und macht ein Victoryzeichen. Toni macht das Zeichen ebenfalls nach. Ines lacht in die Kamera, als würde sie sich mit einem lustigen Tier fotografieren lassen. Alle beginnen zu tanzen. Ines sieht ihn siegessicher an, während sie tanzt. Sie weiß, dass sie ihrem Vater hier etwas zeigt, das er nicht kennt. Toni beginnt sich zu bewegen. Einen Moment wirkt er jung und agil. Er macht die Bewegungen der anderen nach, doch die Ironie verpufft im allgemeinen Überfluss. 70 Club / Discobereich I/N In der VIP-Lounge ist es enger geworden. Tatjana, Tim und Ines wippen immer noch um den Sektkübel herum. Die Tänzerinnen an der Stange geben sich akrobatisch, die Show ist opulenter geworden. Der KELLNER kommt mit einer neuen Flasche Champagner. TONI Das geht auf mich. Der Kellner zieht ein Kartenlesegerät hervor und Toni kruschtelt seine Kreditkarte aus einem abgewetzten Ledergeldbeutel. Tim beginnt Servietten aus einem Spender zu reißen und in die Luft zu werfen. Tatjana fordert von Tim, sein Hemd weiter aufzuknöpfen. TATJANA It’s unfair. Only women and a lilliputian. Tim wehrt sich kurz, hat dann aber doch Spaß, seinen Waschbrettbauch zu zeigen. Ein neues Lied beginnt. Toni setzt sich in eines der Sofas und wischt sich mit seinem Einstecktuch den Schweiß von der Stirn. Er beobachtet seine Tochter. Sie ist ihm fremd. Tim hat sich die Champagnerflasche geschnappt, hält sie sich zwischen die Beine und tanzt von Glas zu Glas. Tim kommt zu Toni und auch dieser lässt sich von ihm ins Glas „pinkeln“. Tim beobachtet wie Toni das Gebiss wieder einsetzt und aufsteht. Toni zieht seine Käsereibe hevor und macht den Ansatz, Tim dabei zu assistieren, indem er ihr Käse über den Champagner raspelt.

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Tatjana reißt ihr Glas weg. Ines kippt taumelnd in eines der Plüschsofas. Erst jetzt merken wir, wie betrunken sie ist – die Wirkung des Kokains hat nachgelassen. Tim tanzt weiter zu Ines, die plötzlich sehr jenseits wirkt. Toni raspelt ihr etwas Käse über das Haar. Tim kommt zu ihr und tanzt mit der Flasche vor ihrem Mund herum. Ines kramt in ihrer Handtasche und nimmt zwei Tabletten heraus. Tim will, dass sie den Mund aufmacht und von dem Champagner trinkt, um die Tabletten runterzuspülen. Sie schiebt den Flaschenhals weg. Tim macht weiter, weil sein Witz so gut ankommt und macht den Ansatz, einen Orgasmus zu spielen. TIM Das ist ein ganz teurer Jahrgang. Toni reißt ihm die Flasche aus der Hand. TONI Jetzt ist aber mal gut. Ines steht auf und schwankt dabei. Sie nimmt ihre Handtasche und küsst Tim rechts und links. INES (zu Tim) Ich gehe. Ich muss morgen nach Buzau. TIM (leise) Ach komm, bleib doch noch. War doch nur ein Witz. Soll ich mitkommen? Sie hebt matt ihre Hand zum Abschied und verschwindet dann zügig in der Menge. Toni realisiert erst nach ein paar Momenten, dass sie gegangen ist. 71 Vor Club A/N Toni läuft eilig aus dem Club, vor dem mehrere Taxis warten. Immer noch kommen und gehen Partygäste. Er sieht gerade noch, wie Ines in ein Taxi steigt. Der Taxifahrer hält ihr die Türe auf. Sie schwankt als sie einsteigt. Toni läuft in ihre Richtung, aber das Taxi fährt davon. Toni beeilt sich ebenfalls ein Taxi zu bekommen. Er kramt aus seinem Geldbeutel einen kleinen Zettel, den er dem Taxifahrer gibt. 72 Taxi Bukarest I/N Das Taxi fährt in hohem Tempo durch das nächtliche Bukarest. Leere breite Alleen, imposante sozialistische Bauten, auf denen riesige Leuchtreklamen vor sich hinblinken. Toni sitzt auf der Rückbank und sieht nach draußen. 73 Straße vor Hotel Winfried / Taxi I/A/DÄ Das Taxi hält an einer großen Straße vor einem Hotel. Es wird bereits hell. Er steigt aus und läuft auf das Gebäude zu. Die ersten Menschen gehen bereits zur Arbeit. Er nimmt das Gebiss heraus und steckt es in die Tasche.

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74 Hotel Winfried / Zimmer I/T Winfried steht in einem kleinen Hotelzimmer. Seine Sachen liegen auf der unbenutzten Seite des Doppelbetts. Ratlos steht er einen Moment im Zimmer, dann verlässt er das Hotel wieder. 75 Straßen Bukarest A/T Winfried läuft durch das morgendliche Bukarest. Er scheint unschlüssig darüber, was er machen soll. Er nimmt sein Handy aus der Tasche und wählt. Niemand nimmt ab. Er beobachtet, wie Leute auf dem Weg zur Arbeit in Busse steigen. 76 Straße vor Bäckerei IA/T Winfried bleibt an einer Bäckerei stehen, an der durch eine Glasscheibe Gebäck verkauft wird. Er stellt sich an und deutet auf ein paar Brezeln. Dann setzt er sich in einen Hauseingang und isst davon. Er nimmt sein Handy erneut aus der Tasche und wählt. Niemand nimmt ab. Eine ältere Frau kommt vorbei und bettelt ihn an. Schnell steht Winfried auf. 77 Straße vor Haus Ines Winfried biegt in die Straße von Ines’ Haus ein.

A/T

78 Treppenhaus vor Wohnung Ines I/T Winfried steht als halber Toni mit einer Tüte vom Bäcker im dunklen Treppenhaus vor Ines’ Tür. Er klingelt zögerlich. Sie öffnet nicht. Er klingelt erneut und lauscht. Er zieht Ines’ Wohnungsschlüssel aus seiner Tasche und schließt die Türe auf. 79 Wohnung Ines I/T In der Wohnung ist es still. Er wirft einen Blick in ihr Schlafzimmer – das Bett ist leer. Plötzlich hört er ein Geräusch aus dem Badezimmer. Er öffnet die Tür eines großen Einbauschrankes im Flur und quetscht sich hinein, die Tüte vom Bäcker noch in der Hand. Ines kommt aus dem Bad. Sie trägt wieder Arbeitskleidung. Sie läuft am Schrank vorbei, bemerkt, dass die Tür ein wenig offen steht und will sie schließen. Etwas blockiert. Sie öffnet den Schrank und schreit, als ginge es um ihr Leben, als sie merkt, dass es ein Mensch ist. Toni schält sich aus dem Schrank. Er hat die Zähne drin und ist wieder ein vollständiger Toni. TONI Tut mir leid, ich wollte nur nach dir sehen. Ines ringt nach Luft, ihr fehlen die Worte. Sie geht auf ihn los und haut ihn mit voller Wucht. Er lässt es kurz über sich ergehen und flüchtet dann ins Wohnzimmer. Toni versucht sie gespielt, wie in einem Ringkampf, auf Abstand zu halten, was Ines nur aggressiver macht. Ines ist jetzt auf hundertachtzig. Sie greift nach ihrem Rollkoffer und schleudert ihn in Tonis Richtung. Toni wirft die Tüte vom Bäcker beiseite, reißt eine Decke vom Sofa und wirft sie über Ines, als müsse er ein wildes Tier fangen. Er packt sie und es wird plötzlich klar, dass er der Stärkere ist. Sie schreit und strampelt wie eine Verrückte. Er lässt sie los. Sie sehen sich an. Ines läuft in die Küche. Toni läuft ihr hinterher. Sie greift in einen Topf und wirft die restlichen alten

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Spaghetti auf ihn. Plötzlich schnellt Toni nach vorne, greift ihr Handgelenk und macht eine Handschelle fest. TONI Frau Conradi, Sie sind verhaftet. Sie sind nun aneinander gekettet. Ines zerrt und reißt an ihrer Hand, dann, ganz plötzlich, schwenkt sie um. INES Mach’ das auf bitte. Ich habe einen Termin. Ich werde gleich abgeholt. TONI Das ist mir zu riskant. Toni nimmt sein Taschentuch aus der Hose und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Er setzt sich auf einen Stuhl und Ines muss mit ihm gehen. Er zögert es noch ein wenig hinaus, dann greift er in seine Tasche, um den Schlüssel rauszuholen. Er sucht und findet ihn nicht. Er kramt weiter in seinen Taschen. TONI Ich habe keinen Schlüssel. Sie starrt ihn an. Er sieht sich die Handschelle an und stellt fest, dass sie wirklich eingerastet ist. INES Mach das sofort auf. TONI Ich finde ihn wirklich nicht mehr. Sie sieht an sich herunter. Sie ist nicht fertig angezogen und hat nasse Haare. Sie läuft los und zieht an der Handschelle. Toni muss sich beeilen, hinter ihr herzukommen und wirkt plötzlich wie ihr Gefangener. 81 Straße vor Haus Ines A/T Ines und Toni laufen aneinander gekettet aus dem Haus. Bogdan, der Fahrer, wartet auf sie. INES Bogdan, my father made a stupid joke. We have to solve this problem. Bogdan sieht sich die Handschellen an und nickt dann. Ines steigt in den Wagen ein. Toni sperrt sich.

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TONI I am not her father, but o.k. Where are you bringing me? 82 Limousine Ines / Straßen Bukarest nähe Markt I/A/T Toni und Ines sitzen auf dem Rücksitz der komfortablen S-Klasse und werden aus der Stadt gefahren. Ines versucht Toni zu ignorieren. Die Auswirkungen der Nacht sind beiden noch anzumerken. Obwohl ihre Hände so nah nebeneinander liegen, sind sie bemüht, sich nicht zu berühren. Der Verkehr schiebt sich dicht an heruntergekommenen Blockbauten vorbei. 83 Markt Bukarest I/T Ines und Toni laufen hinter Bogdan her, durch die dunklen Hallen eines unübersichtlichen Marktes. Toni sieht sich um, wird aber von Ines zur Eile gedrängt. An einem Stand mit Haushaltswaren hilft ihnen ein junger RUMÄNE in Kapuzenpullover. Diskret und mit souveräner Bewegung trennt er die Handschellen. Toni schreit auf. Der Rumäne lacht. Bogdan gibt ihm Geld. 84 Limousine Ines / Autobahn I/A/T Ines klebt sich die Handschelle mit Tape aus dem Verbandskasten fest, so dass man sie unter ihrem Jackett nicht sieht. Toni sieht aus dem Fenster. Das Auto rauscht eine Autobahn entlang. Die Landschaft ist flach und leer. Ein Industriegebiet in der Ferne, Rinder stehen unter Werbetafeln für deutsche Firmen. Ines schließt die Augen. 85 Limousine Ines / Ländliche Gegend I/A/T Die Landschaft hat sich verändert. Ines schläft. Eine ärmliche, ländliche Gegend. Sie fahren über eine Brücke und überholen einen Pferdewagen, dem Toni hinterhersieht. Der Wagen biegt auf eine unbefestigte Straße ab. Bogdan wendet sich nach hinten. BOGDAN (zu Toni) Please wake her up... Ines wacht sofort auf und beginnt sich zu schminken. 86 Limousine Ines / vor Büro Ölfeld I/A/T Das Auto passiert eine Sicherheitskontrolle und fährt auf ein abgesperrtes Gelände. Sie halten vor dem Hauptgebäude einer Ölanlage. Ines steigt aus. Toni reckt sich und will am Wagen warten. Ines sieht angespannt zum Gebäude. INES Komm mit. Zieh das mal ab... Toni steckt die Perücke in seine Tasche und folgt ihr.

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87 Ölfeld / Vorzimmer und Büro Illiescu I/T Ines und Toni betreten das Vorzimmer eines Büros. Ines begrüßt eine SEKRETÄRIN. INES Good morning. Conradi from Morrissons... SEKRETÄRIN Please wait a minute... Die Sekretärin verschwindet und einen Moment später öffnet sie die Tür zu einem größeren Büro. Ines lässt Toni den Vortritt. 88 Ölfeld / Büro Illiescu I/T Das Büro ist großzügig und es wurde einiges getan, um zu verbergen, dass man hier in der Provinz ist. Toni bleibt nichts anderes übrig, als Ines zu folgen. ILLIESCU, ein rumänischer Manager um die 50, begrüßt Ines. Er ist überrascht, dass Ines in Begleitung kommt. Ines stellt die beiden vor. INES Mr. Illiescu, Mr. Erdmann. Die beiden Männer geben sich die Hand. INES I am sorry for not getting in touch with you earlier. Mr. Erdmann just joined NWG and as he is on a visit together with Mr. Henneberg he wanted to get a personal impression of our project... Ines sieht zu Toni, dem nichts anderes übrig bleibt, als zu nicken. Die Sekretärin stellt ein paar Cola-Dosen auf den Tisch. Illiescu wirkt in seinem kurzärmeligen Hemd eher wie ein Gewerkschaftstyp. Ein schwer einschätzbarer Gegner, da er nicht aus ihrer Welt kommt. INES Mr. Erdmann implemented a similar project in one of the major Russian oil companies... Toni nickt Illiescu zu und beginnt sich in seine Rolle hineinzuspüren. Er lehnt sich zurück. ILLIESCU So, please have a seat. How can I help you?

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INES He just wants to listen... get a feeling for how we work together on this project... Ines zieht einige Papiere heraus und legt sie Illiescu vor. INES So first of all: I am looking forward that the project is going to continue... ILLIESCU So am I, so am I... INES ...and that we will work together much closer than we have so far. ILLIESCU Which is a pleasure... INES As you know, I presented your figures in our last steering committee. Unfortunately a lot of questions came up about some of the data you provided. Sie sieht um Zustimmung heischend zu Toni, der nickt. INES I defended your work since I know that the things we ask you to deliver are complicated, considering the fact that you are a very busy man. ILLIESCU I am surprised to hear that there are problems. Mr. Tamaric is in Bucharest today. Illiescu hat immer wieder Toni im Blick, den er ebenfalls nicht einschätzen kann, und auch Ines’ geschliffenes Auftreten ist nichts, womit er jeden Tag zu tun hat. Toni spürt, dass Illiescu unter Druck gerät, und je mehr er die Situation erfasst, umso unangenehmer wird es auch für ihn. INES It doesn’t matter. I wanted to talk to you personally. It’s a complicated business case. Because of that we have to decide if you have the capacity to work closer

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with us. Or, if you prefer, we can send some of our consultants to work here in your office. ILLIESCU No, I don’t think that is necessary. Ines wendet sich an Toni. INES I’d also prefer to try it this way, Mr. Erdmann. Mr. Illiescu and I have known each other for some time now and I think we will find a very good solution. Sie tut so, als ob Toni derjenige wäre, der den Druck aufgebaut hat und sie nun diejenige ist, welche die Zusammenarbeit mit Illiescu verteidigt. Eine Pause entsteht... TONI O.k., wenn Sie das sagen. ILLIESCU Just tell me what you need. Er sieht sich die Liste genauer an. INES We particularly need the monthly personnel costs in logistics by the end of next week. Plus, we should think about doing a new future manpower plan. ILLIESCU I have to check... I don’t know why you don’t have that already. I will take care of it personally. INES Thank you so much. ILLIESCU (zu Toni) Anything more you want to know or see? TONI A little bit of everything would be good. INES Maybe Mr. Erdmann could get a personal impression of the production...

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89 Auto Illiescu / Dorfstraße / Fahrt zum Ölfeld I/A/T Toni sitzt neben Illiescu in seinem geräumigen SUV-Firmenwagen. Der Wagen fährt durch ein Dorf, biegt ab auf eine unbefestigte Straße und kämpft sich langsam den Hang hoch. Die Landschaft wird karger. Häuser, ein Friedhof und eine alte orthodoxe Kirche, dahinter tauchen Öltürme auf. Das Ölfeld reicht direkt an das Dorf heran. 90 Auto Illiescu / Fahrt über Ölfeld zur Bohrstelle I/A/T Der Wagen fährt langsam über das unwegsame Gelände. Ziegen laufen zwischen den Türmen herum. Toni sieht aus dem Fenster. TONI Same like in Russia. In chaotischer Anordnung Öltürme, so weit man sehen kann. Die Förderung wirkt wie ein Befall in der ansonsten schönen, hügeligen Landschaft. Illiescu dreht eine Extrarunde mit dem Auto an einer neuen Ölpumpe vorbei. ILLIESCU This is one of our newest pumps. Toni nickt. Illiescu hält an einer kleinen Hütte. Verdreckte Hunde liegen im Schatten. Zwei sonnenverbrannte SICHERHEITSLEUTE kommen nach draußen. Illiescu lässt die Scheibe herunter und gibt ihnen die Hand. ILLIESCU (Rumänisch/keine UT) Alo, alo! Avem nevoie de căşti. Avem ceva musafiri de la Bucureşti. Hello. We need helmets. We have guests from Bucharest. Sie bekommen Helme in das Auto gereicht und Illiescu fährt weiter auf eine Bohrung zu. ILLIESCU This is a part of our maintenance crew. We are closing this drilling site... 91 Ölfeld / Bohrstelle A/T Eine GRUPPE ARBEITER ist gerade dabei, etwas an einer Bohrung Instand zu halten. Sie steigen aus. Ein paar der Arbeiter kommen zu ihnen, neugierig auf den Besuch. Sie scheinen sich über Abwechslung zu freuen. Illiescu stellt Toni einen ARBEITER vor, der offensichtlich die Sache leitet. Wieder fällt das Wort „Bucharest“. Toni gibt dem Mann souverän die Hand und rückt seinen Helm zurecht. ILLIESCU It’s the last of the drill holes that we will close... We use an artificial lift system and hope to finish it by the end of the week.

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Illiescu scheint die Gelegenheit zu ergreifen, Ines zu demonstrieren, wie gut hier im Bereich Wartung gearbeitet wird. Toni sieht sich um und läuft näher an die Bohrung heran. Er betrachtet kurz scherzhaft ein altes Rohr, das irgendwo herumliegt, und versucht dann wieder einen professionellen Eindruck zu machen. Illiescu ist Toni hinterhergegangen, weil er sehen möchte, wofür dieser sich so ausführlich interessiert. Ein ARBEITER ist gerade dabei, mit bloßen Händen etwas zu reparieren. Seine Unterarme sind komplett mit Öl verschmiert. Toni schüttelt den Kopf und deutet auf den Arbeiter. TONI But this is not good. Illiescu nimmt das sofort auf und schnauzt den Arbeiter scharf auf Rumänisch an. ILLIESCU (Rumänisch/keine UT) Unde-ţi sunt mănuşile de protecţie?! Asta nu e reparaţie auto, ce faci tu aci. Where are your protective gloves?! You are not repairing your car. ARBEITER (Rumänisch/keine UT) Nu pot lucra altfel. Ich kann das nicht anders reparieren. ILLIESCU (Rumänisch/keine UT) Atunci să facă altul, care poate. Dann lass es jemanden machen, der es kann. Der Arbeiter verteidigt sich, Toni versteht nicht was sie sagen. TONI (zu Illiescu) Please don’t fire him. ILLIESCU I will, I will. TONI I said, don’t fire him. ILLIESCU But I will. (zum Arbeiter auf Rumänisch/keine UT) Îţi rişti locu’ de muncă. M-ai înţeles? You are risking your job. You understand me?

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Toni wendet sich an Ines. TONI (leise) Bitte, kannst du ihm mal sagen, dass er den Mann da jetzt nicht irgendwie entlässt oder so. INES Das muss er schon selbst wissen. Je mehr er entlässt, umso weniger muss ich entlassen. (Pause) Komm, das war schon lustig. Sie sehen sich an. TONI (zu Illiescu) Please, it was just a joke. ILLIESCU But you are right. He knows our security standards. Illiescu läuft zu dem CHEF DER ARBEITER und diskutiert weiter im Hintergrund mit ihm. ILLISECU (Rumänisch/keine UT) E răspunderea ta. It’s your responsibility. CHEFARBEITER (Rumänisch/keine UT) Numai acuma nu şi le-a pus. Totdeauna îşi pune mănuşi. Am eu grijă… It’s just for this job. He always wears gloves. I will take care of it... Ines sieht Toni hinterher, wie er in Richtung Auto läuft. 92 Ölfeld / Garten / vor Haus A/T Toni ist neben dem Auto stehengeblieben. Die Müdigkeit ist ihm anzusehen. In einiger Entfernung ein wackeliger Gartenzaun. Er sieht zu Ines und Illiescu, die in einiger Entfernung an der Bohrung stehen. Er läuft durch ein kaputtes Tor auf der Suche nach einer Gelegenheit, zu pinkeln. Das Grundstück ist in diesem Teil zugewachsen. Eine plötzliche Ruhe kehrt ein. Grillen zirpen. Als er gerade seine Hose aufmachen will, hört eine Stimme und dreht sich um. Ein ÄLTERER MANN kommt zu ihm und begrüßt ihn. Toni hebt entschuldigend die Arme. Ein JUNGE im Teenageralter taucht auf. Der Mann deutet ihm an, ruhig zu pinkeln. Winfried wehrt ab. MANN (Rumänisch/keine UT) Haideţi cu mine... Sunteţi de la Dacoil? Come with me... are you from Dacoil?

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Toni versteht ihn nicht. Der Mann deutet ihm an, mitzukommen. Sie laufen einen kleinen Weg tiefer in einen schönen Garten. Blumen blühen. Eine sehr bescheidene Hütte taucht auf, Teile sind mit einer Plane bedeckt, Renovierungsarbeiten scheinen zum Erliegen gekommen zu sein. Er öffnet eine Tür und deutet Toni an, reinzukommen. Toni folgt ihm eine kleine Holztreppe hinauf. 93 Ölfeld / Haus Vorraum I/T Sie stehen in dem engen Vorraum, der voll ist mit Kleidern und Eimern, in denen Essen aufbewahrt wird. Toni möchte weitergehen, als der Mann auf eine Toilette deutet. Er gibt Toni eine Rolle Toilettenpapier und Toni versteht nun das Angebot des Mannes. Auf dem Toilettendeckel ist das Foto eines Tigers eingelassen. Toni deutet darauf und macht ein fauchendes Geräusch, als ob der Tiger ihn beißen würde. Der Mann lacht. Toni nickt dankend, und der Mann schließt die Tür hinter sich. Erschöpft sieht Toni im Halbdunkeln auf die Toilette, die zwar einen Sitz hat, aber eigentlich ein Plumpsklo ist. 94 Ölfeld / vor Haus / Garten A/T Toni läuft durch den Garten zurück zum Zaun, wo der Mann nun mit Illiescu und Ines steht. MANN (Rumänisch/keine UT) Germania? Deutschland? ILLIESCU (Rumänisch/keine UT) Da, au venit pentru o modernizare. Ja. Sie machen eine Modernisierung. (zu Ines und Toni) I said you are going to modernize everything. Der Mann nickt respektvoll in Richtung Ines und Toni. Toni zieht seinen Geldbeutel hervor und streckt dem Mann einen Zwanzig-Euro-Schein entgegen. WINFRIED Only Euros... Der Mann wehrt ab, er will das Geld nicht nehmen. Winfried bietet es dem Teenager an, der den Schein schnell wegsteckt. JUNGE Thank you. MANN (Rumänisch/keine UT) Adu-i nişte mere... Hol ihm ein paar Äpfel..

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Der Junge verschwindet. Illiescu wendet sich zum Gehen, aber der Mann beginnt mit ihm zu diskutieren. Er wendet sich auch an Toni, obwohl dieser nichts versteht. MANN (Rumänisch/keine UT) Ar trebui să plătiţi mai bine… ştiu cât îi daţi lui Popescu. You should pay much more... I know what you pay Popescu. ILLIESCU (Rumänisch/keine UT) Păi, pe terenul lui avem o sondă. Zi mersi că-ţi dăm cât îţi dăm. We have a drilling site on his land. Be happy that we pay so much. Illiescu versucht harsch die Diskussion zu beenden und wendet sich erneut zum Gehen. Der Junge kommt zurück mit einer zu vollen Tüte Äpfel und gibt sie Winfried. Ein Apfel fällt herunter und der Mann steckt ihn Winfried in die Jackentasche. Winfried lacht dankend und klopft dem Mann kurz freundlich auf die Schulter. TONI Don`t lose the Humor. Den Humor nicht verlieren. Der Mann sieht Illiescu fragend an. TONI Please Translate. ILLIESCU (auf Rumänisch/keine UT) Nu vă pierdeţi umorul… Den Humor nicht verlieren. (in Englisch) I translated. In der Wiederholung hört sich der Satz auf einmal nur leer an. Ines ist genervt von der Menschenfreundlichkeit ihres Vaters. Der Mann lacht und zeigt dabei kurz die wenigen Zähne, die er noch hat. Sie laufen zurück zum Auto. ILLIESCU We give him some money every month but he still complains. He wants a pump on his land. He doesn’t understand that we don’t need his ground. This area is mostly empty. Illiescu zuckt mit den Schultern, nicht ohne Bedauern.

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95 Limousine Ines / Ländliche Gegend / Übergang zu Autobahn Toni und Ines sitzen beide auf der Rückbank ihres Wagens. Der Wagen fährt durch ausgestorbene Dörfer. INES Den Humor nicht verlieren. Ich konnte gar nicht fassen, dass du zu denen sagst, die sollen ihren Humor nicht verlieren. Das ist echt bitter.

I/A/T

TONI (leise) Darum ging es nicht. Es war eine nette Begegnung.

INES Der hätte deine Zähne mal gut gebrauchen können. Ines öffnet die Mittelkonsole und nimmt sich ein Bier. Der Wagen biegt wieder auf die Autobahn Richtung Bukarest ab und beschleunigt sein Tempo. INES Vor allem – wie wollen wir das jetzt alles modernisieren? Wenn du dir schon bei dem Gedanken in die Hose machst, dass nur einer entlassen wird. INES Ich kann dir in jedem Schritt, den du machst, erklären, wie direkt deine ökonomische Verbindung zu diesen Leuten ist. Da hilft dir deine pseudo-grüne Gesinnung gar nichts. Ines trinkt aus ihrem Bier. Toni sieht stumm aus dem Fenster. TONI (leise) Kurze Pause, bitte. Er schließt die Augen und beginnt ganz ruhig zu atmen. Ines scheint plötzlich nicht mehr sicher mit dem, was sie eben gesagt hat. Sie reißt das Tape ab, mit dem sie die Handschelle unter ihrem Jackett versteckt hat, und lehnt sich nach hinten. Sie betrachtet ihren Vater, seine Hand, die, zu einer ruhigen Faust eingezogen, das Etui seiner Lesebrille umschließt, sie hat bereits einige Altersflecken. Ines sinkt in sich zusammen und kann die Augen nicht mehr aufhalten. 96 Limousine Ines / Fahrt zu Haus Flavia I/A/T Das Auto fährt durch einen Randbezirk Bukarests. Blockbauten wechseln sich mit Jugendstilhäusern ab. Das Auto biegt in eine dunkle Seitenstraße. Bogdan sieht suchend nach

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draußen. Er dreht sich zu Toni um, der ebenfalls wach aus dem Fenster sieht. Er trägt wieder die Perücke mit den langen Haaren. BOGDAN It’s here. TONI O.k., thank you. Er tastet nach seiner Lesebrille und sieht auf eine Visitenkarte. Ines schläft eingesunken auf dem Sitz neben ihm. BOGDAN Shall I drive her home? TONI Yes. 97 Straße vor Haus Flavia / Eingang I/A/T Toni steigt aus. Einen Moment zögert er, dann läuft er auf das Haus zu und sucht nach dem richtigen Namen. Ines taucht plötzlich neben ihm auf. INES Was ist hier? Toni klingelt. Bogdan kommt dazu und reicht Toni die Tüte mit den Äpfeln, die er vergessen hat. Eine Stimme fragt durch die Gegensprechanlage. STIMME (Rumänisch/keine UT) Da, alo? Ja, hallo? TONI Toni... Ambassador Erdmann. Es summt und Toni drückt die Tür auf. Ines sieht ihn müde an. Toni verschwindet in dem dunklen Hausflur. Kurz bevor die Tür ins Schloss fällt, hastet Ines darauf zu und läuft hinter ihm her. 98 Haus Flavia / Fahrstuhl I/T Toni bemerkt, dass Ines hinter ihm hergegangen ist. Sie zögert erneut vor dem Fahrstuhl. INES Lass uns mal aufhören, Papa.

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Sie steigt trotzdem zu ihm in den Fahrstuhl. Die Fahrstuhltür schließt sich und Toni drückt auf einen Knopf. Sie fahren nach oben. Erschöpft betrachten sich beide in einem kleinen Spiegel. 99 Haus Flavia / Hausflur / Flur I/T Die Tür zu einer Wohnung, aus der Geräusche dringen, steht offen. Ein KIND sieht aus der Tür, kurz darauf erscheint eine hübsche ÄLTERE FRAU mit roten Locken und einem dramatischen Outfit. DORINA (Rumänisch/keine UT) Bună... Hello... TONI Hello... Erdmann... Ms. Schnuck, my secretary. Die Frau bittet sie herein. Sie deutet auf eine Garderobe, aber Toni und Ines haben nichts zum Ablegen. Toni hält die Tüte mit den Äpfeln wie ein Gastgeschenk. DORINA Flavia! Die Frau verschwindet in einem langen Flur. Toni und Ines bleiben zurück. Geräusche eines Familienfestes dringen zu den beiden. INES Lass uns bitte gehen... Flavia, die Frau, deren Teller Toni auf der Party gehalten hat, erscheint am Ende des Ganges und läuft auf sie zu. Toni gibt Ines die Tüte mit den Äpfeln zum Halten. FLAVIA Oh, hello. You really came... Sie ist wirklich sehr überrascht über den Besuch. TONI Spontaneous decision... Only if we don’t make problems? FLAVIA No… Sorry for my sister. TONI Ms. Schnuck... you already know her. Some apples from the embassy’s garden.

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Toni deutet auf Ines, welche zwangsläufig die Äpfel überreichen muss. FLAVIA Thank you. Flavia sieht die beiden an und versucht herauszufinden, was mit ihnen los ist. FLAVIA Please come in... TONI I dreamed...I had diese Vision von einem Ei. Also wie ich mein Ei bemalen würde. Mein Osterei. Er wendet sich an Ines. TONI (zu Ines) Please translate. INES He had this vision of how he would paint an easter egg. FLAVIA Oh, I see. Please come in. Flavia muss Ines besonders auffordern. 100 Wohnung Flavia Wohnzimmer I/T Flavia führt die fremden Gäste in ein gut gefülltes Wohnzimmer. Eine Vielzahl an Familienmitgliedern lungert mit den Kindern in einer Sofaecke herum, sie essen und schauen fern. Es ist unklar, ob es sich um eine Familienfeier oder der Vorbereitung zu einer solchen handelt. Flavia winkt schnell Ana herüber. Die junge Frau, die neben ihr auf der Headhuntingparty gestanden hat. FLAVIA (zu Ana) You remember Mr. Erdmann from the party. ANA Yes, hello… Ana nickt überrascht und sieht Toni ein wenig misstrauisch an. Winfried ist es plötzlich unangenehm. Ines lächelt ihr höflich zu und unterdrückt erneut den Wunsch zu gehen.

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FLAVIA Do you want a coffee or a tea? TONI Oh yes, that would be great. INES Just a water. FLAVIA We didn`t paint Bukowina eggs. But we can show you some… TONI Okay. Flavia winkt Dorina, ihre Schwester, herüber, welche den beiden gerade die Haustüre geöffnet hat. FLAVIA (Rumänisch/keine UT) Dorina, dânsul este un amic care lucrează la Ambasada Germaniei, iar doamna Schnuck este secretara dânsului... vor şi ei să înveţe tehnica încondeierii. Le arăţi tu, te rog? Dorina, this is Mr. Erdmann. We met at the party of Anas Company. He works in the german embassy and wants to know something about Bukowina technique. DORINA (Rumänisch/keine UT) Okay… FLAVIA (zu Toni) My sister will explain to you. Flavia führt sie zu einem Tisch, auf dem einige Ostereier liegen, die von Kindern bemalt wurden. TONI Wow, this is very beautiful. ANA No, no, we just did it with the children. Flavia holt schnell eine Schachtel aus einem Regal und zieht ein paar Eier hervor. Ana macht einen kleinen komischen Ofen an. ANA The wax should be hot soon.

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Flavia kommt mit einer Schachtel herüber. Dorina hilft ihr und sie kramen ein paar sehr traditionell aussehende Eier hervor. So ganz scheint niemand zu wissen warum die fremden Gäste sich ausgerechnet für die Eier interessieren, aber sie beginnen mit Erklärungen. DORINA (Rumänisch) Im ersten Schritt wird das Ei mit einem Wachsmuster bemalt. Dann wir das Ei in ein Farbbad getaucht und eingefärbt. Unter dem Wachs bleibt es dann weiß. ANA(englisch) In the first step you paint a pattern with wax on the egg. After that the egg will be put in the colour bath. So under the wax it stays white. TONI Translation please, Ms. Schnuck. INES Im ersten Schritt wird das Ei mit einem Wachsmuster bemalt. Dann wir das Ei in ein Farbbad getaucht und eingefärbt. Unter dem Wachs bleibt es dann weiß. Flavia kommt mit zwei Schürzen zurück. TONI Shall I help in the kitchen? FLAVIA No, because of the colors. I thought you want to try... TONI Yes, gerne... Toni lässt sich die Schürze umbinden. Ines lehnt dankend ab. FLAVIA Please... sit down. Flavia deutet auf zwei Stühle. Dorina und Ana suchen zwischen den Kindereiern das letzte freie weiße Ei hervor.

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ANA There is only one left. Dorina kontrolliert den Ofen, der mittlerweile heiß ist. Ines muss ihre Ungeduld verbergen, hat aber keine Chance aus der Situation zu kommen, ohne unhöflich zu sein. FLAVIA I will bring the coffee. Toni setzt sich. Dorina macht vor, wie man mit dem spitzen Instrument etwas auf das Ei malt. DORINA Dieses Instrument wird in das Wachs getaucht und dann aufgetragen. Das ist wirklich schwer. Dorina gibt Toni das Instrument. ANA With this tool you put the wax on the egg. It`s complicated. TONI Frau Schnuck... INES Damit malst du jetzt was auf das Ei. Toni malt einen schrägen tropfenden Strich auf das Ei. Flavia kommt mit zwei Kaffee und Kuchen zurück. Toni reicht Ines das Ei weiter mit dem Instrument. Ines setzt sich widerwillig. TONI Ich fände gut, wenn sie ein bisschen mitschreiben würden. Er nimmt den Kuchen und wendet sich zu Flavia. TONI And Orthodox Easter is when? FLAVIA On friday… But we come together before. On Easter everybody is at their own home.

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TONI Thank you that we can be here… the cake is good. Flavia lacht und Ana beäugt weiter, was ihre Mutter mit dem Typen will. TONI (zu Flavia) We just came from the countryside. We visited an oilfield. FLAVIA Oh, really? Toni sieht zu Ines, die gerade dabei ist sich zeigen zu lassen, wie das Ei in ein Farbbad getaucht wird. Ines sitzt erschöpft zwischen den beiden Frauen und lässt nachdenklich rumänische Erklärungen über sich ergehen. Sie sieht zu ihrem Vater und Flavia, welche gerade einen kleinen Jungen ermahnt, der nervend auf einem Keyboard herumklimpert. Ruckartig steht sie auf. INES (zu Ana) I am sorry. I really have to leave now. It was very interesting. Ines läuft zu Toni und Flavia. INES Ich gehe jetzt. (zu Flavia) I have to go... I am so sorry. TONI Can we play a song for you, just to say thank you? We always do that. FLAVIA Okay why not... TONI Jetzt lass uns mal eine Sache höflich zu Ende bringen. Er setzt sich ans Keyboard und beginnt zu spielen. Er wiederholt ein Intro... TONI Mesdames et Messieurs

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Mon secretary and I want to play a song for you. Over 20 years ago she started to force me to play this song... over and over... Er sieht sie an. Ines schüttelt den Kopf. TONI ...please give an applause... to the fantastic Whitney Schnuck. Ein paar Leute klatschen. Toni spielt immer wieder den Einsatz ein, als würde er auf sie warten. Wir erkennen den Anfang von „The Greatest Love Of All“ von Whitney Houston. Die Leute sehen gespannt zu ihr. Der Druck steigt. Ines sieht zu Flavia, die ihr freundlich zulächelt. Sie überwindet sich und läuft nach vorne. Toni beginnt nochmal mit „The Greatest Love Of All“. Sie beginnt zu singen. INES I believe the children are our future, teach them well and let them lead the way Show them all the beauty they possess inside. Ines beginnt absichtlich ein bisschen zu viel zu trällern. INES Give them a sense of pride to make it easier Let the children's laughter remind us how we used to be... Das Publikum jedoch bleibt ernst und das Lied wird zu kompliziert, um es weiter zu ironisieren. Ines muss sich konzentrieren, die Tonlage zu halten und sich an den Text zu erinnern. Ihr Ehrgeiz ist zu groß, um schlecht zu singen. Zorn auf Toni packt sie und sie will ihm zeigen, dass sie das kann. INES Everybody's searching for a hero People need someone to look up to I never found anyone who fulfilled my needs A lonely place to be, and so I learned to depend on me. Ines sieht zu ihrem Vater, der ihr eine gute Begleitung geben will. INES I decided long ago never to walk in anyone’s shadow If I fail, if I succeed, at least I lived as I believed. No matter what they take from me, they can’t take away my dignity Because the greatest love of all is happening to me. I found the greatest love of all inside of me.

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Ein paar Familienmitglieder beginnen ermunternd auszurufen. Sie scheinen gut zu finden, dass hier was gegen den Plan passiert. INES The greatest love of all is easy to achieve, learning to love yourself, it is the greatest love of all Sie will das Lied beenden, aber Toni spielt weiter und sie steigt wieder ein und singt noch extremer als zuvor.

INES I believe the children are our future, teach them well and let them lead the way Show them all the beauty they possess inside. Give them a sense of pride to make it easier Let the children's laughter remind us how we used to be... Der Text wiederholt sich in einer schwierigeren Tonlage und das Tempo zieht an. INES I decided long ago never to walk in anyone’s shadow If I fail, if I succeed, at least I lived as I believed. No matter what they take from me, they can’t take away my dignity. Because the greatest love of all is happening to me. I found the greatest love of all inside of me. Sie kämpft mit dem schwierigen Lied, aber die Wut trägt sie durch. INES The greatest love of all is easy to achieve, learning to love yourself, it is the greatest love of all... And if by chance that special place that you have been dreaming of leads you to a lonley place...find your strength in love! Das Lied ist vorbei. Ines flüchtet aus dem Raum. Die fremde Familie klatscht. Toni steht auf und läuft ihr hinterher.

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101 Wohnung Flavia Flur / Hausflur

I/T

Im Hausflur ist Ines bereits die Treppe hinuntergelaufen. Toni überlegt, ob er ihr hinterherlaufen soll, aber er lässt die Chance verstreichen. Erschöpft setzt er sich auf die Treppe. Er nimmt das Gebiss raus. Viele Pflanzen stehen um ihn herum. Die Wohnung ist in den Flur hinausgewachsen. Er greift in seinen Stoffbeutel, zieht den Riegel mit den Tabletten, die er seit Tagen nicht genommen hat, heraus und lässt ihn dann wieder verschwinden. Eine Maske an der Wand fällt ihm auf. Ein großer schwarzer Fellkopf mit einem bunten Bommel. Flavia bringt ZWEI FREUNDINNEN zur Tür und entdeckt, wie er alleine im Flur steht. FLAVIA Everything o.k.? You can play very well.

TONI What is this? FLAVIA A mask from Bulgaria. Do you want to stay for dinner? Er sieht auf die Uhr. TONI Oh yes, why not. The embassy is sowieso closed now. Er zuckt mit den Schultern angesichts seines schlechten Witzes. Flavia setzt sich neben ihn. Sie sitzen ruhig nebeneinander. TONI You know, I am not the German ambassador. FLAVIA Yes… I know the German ambassador. Toni muss lachen. TONI I am so sorry. All this was fun. I am on holidays. Visiting Ms. Schnuck… she is my daughter. I came to see how it is here, how she lives, but it was very complicated. FLAVIA I know... family.

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Flavia deutet mit dem Kopf nach Innen. Sie sehen sich an.

102 Wohnung Ines / Hausflur / Wohnung I/DÄ Ines kommt vor ihrer Wohnungstür an. DREI LEUTE vom Partyservice haben alles vor die Wohnung getragen. Ines lässt sie rein, steht desorientiert in ihrer Wohnung und sieht zu, wie die beiden Männer und die junge Frau vom Partyservice einen runden Dinnertisch in ihrer Wohnung aufbauen, Blumendeko drapieren und routiniert den Kühlschrank beladen. Ines bemüht sich, zu entscheiden, wo alles hinkommt. FRAU PARTYSERVICE Please be careful with the flammable liquid, and we marked the wasabi sauce. It’s super spicy. INES Thank you so much. It looks incredibly good. FRAU PARTYSERVICE We will bring the rest tomorrow. And if you have any questions, this is our emergency hotline. Thank you for choosing Darius Catering. Die Frau gibt ihr eine Karte. 103 Wohnung Ines / Wohnzimmer I/N Ines liegt reglos im Dunkeln in ihrem Bett. Ihr Handy piepst und Geburtstagsgratulationen scheinen anzukommen. Sie hört einen Anruf ab und wir hören entfernt, wie ihre Mutter und Gerhard „Happy Birthday“ singen und ihr gratulieren. Sie legt auf, ohne die Nachricht ganz abzuhören. 104 Wohnung Ines / Küche Wohnzimmer I/T Ines läuft aus dem Schlafzimmer in ihre Küche. Sie hat ihre Haare geföhnt und hochgesteckt und trägt ein schickes, enges Kleid, das noch ein letztes Stück offen ist. Ratlos steht sie vor dem Buffet, dann rückt sie eilig ein paar Dinge zurecht. Sie tastet nach einem Schild, das noch in ihrem Kleid hängt, und reißt es ab. Sie holt eine Gabel heraus, fädelt sie in den Reißverschluss am Rücken ihres Kleides und zieht ihn zu. Sie nimmt eine Schüssel mit Obst aus dem Kühlschrank und läuft ins Wohnzimmer. Es ist bereits alles für eine lockere Party mit Buffet gerichtet. Das Buffet sieht teuer aus. Sie rückt eilig einige Dinge zurecht und läuft dann in den Flur zurück. Sie wirft einen Blick in den Spiegel in der Gästetoilette. Sie korrigiert ihre Haare. Das zu enge Kleid nervt sie.

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105 Wohnung Ines / Flur / Wohnzimmer / später Schlafzimmer I/T Aus dem Schrank im Flur nimmt sie ein paar Schuhe heraus und zieht sie an. Sie muss das enge Kleid nach oben reißen, um an die Schuhe zu kommen. Die Bändel lassen sich schwer einfädeln. Sie läuft zurück ins Schlafzimmer und sieht auf andere Kleider, die auf dem Bett liegen. Sie versucht das Kleid auszuziehen, was ihr nicht gelingt. Sie kommt nicht mehr an den Reißverschluss dran. Sie zieht das Kleid nach oben, was nur schrittweise funktioniert. Es klingelt an der Tür. Ines kämpft damit, das Kleid auszuziehen. Aggressiv reißt sie es nach oben und kämpft sich schrittweise aus dem Kleid, das sie wie eine Zwangsjacke umschließt. Es klingelt erneut. Sie läuft in den Flur und öffnet nach kurzem Zögern einfach die Tür. Bis auf eine hautfarbene Unterhose hat sie nichts an. Steph steht vor der Tür und sieht sie irritiert an. Ines richtet sich auf, überrascht über ihren eigenen Mut. STEPH Am I too early? INES No, no come in. Steph gibt Ines ein Geschenk, welches sie fahrig annimmt. INES Thank you. Steph läuft ins Wohnzimmer. Sie wundert sich über Ines Nacktheit, entscheidet sich aber sie zu ignorieren. Steph bemerkt das Buffet. STEPH Wow, this is really nice. INES Yes, I was very happy with Dariu. They were really nice. I mean it`s a super small event. STEPH Yes, he is the best. INES Willst du was… äh do you want to drink? What do you want to drink? Crémant or a Sancerre? STEPH Sancerre…

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Ines läuft angespannt zum Kühlschrank, holt den Sancerre und schenkt Steph ein. STEPH Who is coming? INES Basically my team from the office. STEPH Great. New people. Die Nacktheit wird Steph nun langsam unwohl. Ines nimmt das Geschenk von Steph und versucht es aufzumachen, was nicht funktioniert. Sie stellt es wieder weg. Steph nimmt das Geschenk und versucht es selbst aufzubekommen. Es klingelt. STEPH I am also a last minute girl. Shall I help you choose something. I bet your closet is bursting. INES No, thank you... Sie sieht aus dem Fenster. Es dauert einen Moment zu lange bis sie sich wieder umdreht. Es klingelt erneut. STEPH Okay I open the door, and you get dressed. INES No, it`s okay. Ines zieht ihre Unterhose aus und läuft zur Eingangstür. Als sie sieht, dass Ines wirklich öffnet, zieht sie sich schnell ins Wohnzimmer zurück. Gerald steht davor. Er nimmt erst in einem zweiten Schreckmoment wahr, dass Ines nackt ist. Er weicht zurück. Er hat eine Flasche Champagner in der Hand. INES Nichts Schlimmes, Gerald. Ich habe einfach nur nichts an. GERALD O.k.

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INES Das ist ein... ein Nackt-Empfang. Ines richtet sich auf. Es kostet sie Kraft, bei ihrer Behauptung zu bleiben. Gerald lacht unsicher und versucht einen Blick in die Wohnung zu erhaschen. GERALD Interessant. O.k. INES Das ist Teil des Teambuildings. Blöde Idee, aber mir ist spontan nichts Besseres eingefallen. GERALD (unsicher) Kenn´ sowas vom College. Bisschen Kindergarten, oder? INES Du musst ja nicht mitmachen. Klingel, falls du es dir anders überlegst. Sie greift hinter sich und gibt ihm eine Papiertüte für seine Kleider. Dann schließt sie die Tür und dreht sich um zu Steph, die hinter ihr im Flur erscheint. Ines läuft zurück ins Wohnzimmer und sieht Steph fragend an. Sie versucht zu verbergen, dass sie sich nicht ganz sicher ist, bleibt aber bei ihrer Behauptung. INES What are we doing with you now? STEPH I will definitely not undress here. INES I am sorry, but then you have to go. STEPH You are kidding? Ines schüttelt den Kopf. Steph stellt pikiert ihr Glas ab und läuft langsam zur Tür. Es scheint als würde sie doch überlegen. Ines läuft nackt hinter ihr her. Fast wirkt es, als wolle sie sie rauswerfen. Steph öffnet die Tür, in dem Moment kommt Tim aus dem Aufzug. Steph nimmt die Treppe und murmelt...

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STEPH Have fun you two. Tim ist im ersten Moment überrascht sie nackt zu sehen. Irritiert sieht er Steph hinterher. TIM Hey, bin ich zu früh? INES Nein, das ist eine Nacktparty. TIM Okay. INES Gerald kam mit der Idee, der kennt sowas vom College. Teamspirit stärken... TIM Haha. INES Ich meine es ernst. TIM Und wer ist schon da? INES Niemand. TIM Ja, ich weiß genau, dass die alle da sind und ich bin dann der Einzige, der nackt reinkommt. Ruf mich an, wenn der Witz vorbei ist. Sie sehen sich einen Moment zu lang an, dann geht Tim und Ines schließt die Tür. Sie läuft ins Schlafzimmer, wirft nochmal einen Blick auf ihre Kleider und lässt sich aufs Bett fallen. Ruhig bleibt sie eine Ewigkeit liegen. Nach einer Weile klingelt es an der Tür. Ines kann sich nicht durchringen, die Tür zu öffnen. Ihr Handy klingelt. Sie sieht wer der Anrufer ist (ANCA), geht aber nicht dran. Es klopft erneut an der Tür, diesmal dringlicher. Ines sieht durch den Spion und öffnet dann hastig die Tür.

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106 Wohnung Ines Anca, ihre Assistentin, steht ausgezogen davor und presst mit schüchternem Lächeln ihre Kleider an sich. INES Hallo... Schnell schlüpft sie in die Wohnung. ANCA Happy Birthday. Sie gibt Ines die Hand. ANCA (leise) But it`s not about sex? Ines schüttelt den Kopf und ist einen Moment wirklich überfordert mit ihrem nackten Gast. Sie ist dünn und hat eine mädchenhafte Figur. INES Nein, nein. ANCA O.k. So just as a challenge... Ines nickt schnell und wird sich bewusst, dass sie selbst ja noch den Bademantel an hat. Sie zieht ihn aus. Sie bittet Anca ins Wohnzimmer. ANCA Am I the first? INES Yes. Anca entspannt sich ein wenig, findet es aber seltsam dass niemand da ist. Sie zieht aus ihrer Tasche Ines Bluse hervor und ein Geschenk. ANCA Ist leider nicht ganz rausgegangen. INES Oh, danke. Das macht doch gar nichts. ANCA Hier dein Geschenk.

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Ines packt das Geschenk aus und zieht einen kleinen hübschen Taschenrechner hervor. ANCA Weil du immer nach meinem fragst. INES Danke. Einen Moment ist sie gerührt von dem Geschenk. ANCA Is everything okay? INES Yes. ANCA At the office you are always so stiff and now you come up with this. Obwohl sie mitmacht, findet sie die Aktion seltsam. Sie sieht sich im Apartment um. ANCA You like it here? INES Yes. ANCA That`s good. INES Why? ANCA Because I searched so long… INES Oh, I didn`t know. Es klingelt an der Tür. Anca richtet sich angespannt auf. Ines sieht sie an und muss nun wirklich ihre Nacktparty feiern. Sie läuft zur Tür.

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ANCA Where is the bathroom? Ines deutet auf die Gästetoilette im Flur. Anca verschwindet. Sie zögert einen Moment die Tür zu öffnen. Es klingelt erneut und sie macht auf. Sie erschrickt zu Tode. Ein dunkles, tierartiges Wesen steht vor der Tür. Alles an seinem Körper besteht aus langem, dunklem Fell und der Kopf ist wie ein langer, zotteliger Turm. In der Hand hält er einen herausgerissenen Blumenstock. Es ist schwer zu sagen, ob er unheimlich oder freundlich aussieht. Ines versteckt sich hinter der Tür. Das Tier zögert einen Moment, dann schiebt er sich umständlich in die Wohnung. Erst auf halber Strecke nimmt er wahr, dass Ines nackt ist. Er bleibt stehen und zögert. Er gibt ihr einen Blumenstock (Strauß Kunstblumen) und weiß nicht, ob er wieder gehen soll. Ines ist sich nicht sicher, wer darunter ist. Anca kommt vorsichtig aus der Gästetoilette in Erwartung eines Kollegen. Sie schreit auf und starrt den Kuker an. Der Kuker nimmt Anca überrascht wahr. Er ist nun von zwei nackten Frauen umzingelt. Der Kuker macht den Ansatz zu gehen. Ihm scheint die Situation suspekt zu sein. Er bewegt sich auf Anca zu, welche sich schnell in Sicherheit bringt. ANCA What is this? Who is under it? INES I don`t know. ANCA Aber nicht Gerald? INES Ich weiß es nicht. Wirklich. Anca glaubt Ines nicht wirklich, weil es noch Teil des Teambuildings sein könnte. INES Bist du Gerald? Der Kuker wackelt unsicher mit dem Kopf, als müsste er selbst überlegen, wer er ist. Auch Ines ist unsicher. Das dunkle Fell macht ihn unheimlich. Das Kostüm ist beeindruckend. Nichts deutet darauf hin, dass ein Mensch darunter ist. Anca versucht sich ein wenig mit ihrer Handtasche zu bedecken. Es klingelt erneut an der Tür. Anca versteckt sich hinter der Säule. Ines läuft wieder gezwungenermaßen zur Tür und öffnet. Gerald steht mit ernstem Gesicht davor. Er presst seine Kleider zwischen die Beine. Schuhe und Strümpfe hat er noch an. GERALD War noch ein Bier trinken.

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Er sieht Ines fragend an. GERALD Weitergehen? INES Äh, ja. Mit kleinen Schritten läuft er ins Wohnzimmer. Er nickt Anca grüßend zu, für die Geralds Nacktheit eine größere Herausforderung ist, als es ihre eigene ist. Mit den Kleidern verdeckt er immer noch sein Geschlecht. Der Kuker hat sich in eine Ecke direkt hinter Gerald verzogen, in der er regungslos verharrt. Gerald nimmt ihn nicht wahr. Er sieht zu Ines und wartet auf Anweisungen. GERALD (zu Ines) Und jetzt? Ganz weg? Oder was soll das? Ines nickt vage. Gerald legt, wie bei einer Mutprobe, seine Kleider weg und steht einen Moment einfach nur nackt da. Den Kuker hinter sich nimmt er noch immer nicht wahr. GERALD Happy Birthday. Plötzlich legt der Kuker von hinten seine Tatze auf Geralds Schulter. Gerald schreit auf und wehrt sich. Der Kuker würgt ihn kurz und lässt ihn dann los. GERALD Krass! Krass! Er dreht sich um und starrt das Monster an, das ihn angegriffen hat. Kumpelig klopft er dem Kuker auf den Rücken, als ob darunter irgendein Coach steckt. Die Sache war für ihn ganz klar verabredet. Anca hält lachend die Hand vor den Mund. GERALD Der ist ja geil... Wie bist du denn auf so einen Quatsch gekommen? Er läuft zum Kuker und befummelt ihn. Der Kuker greift ihm kurz launig in den Nacken. GERALD Der versteht keinen Spaß.

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Gerald läuft zu Anca und hält ihr seine offene Hand entgegen. Diese versteht erst nicht, klatscht dann aber mit ihm ab. Dann klatscht er mit Ines ab. GERALD Wo hast du den denn her? ANCA I think it’s Bulgarian. Something against the evil spirits. GERALD Good for the team. So ein Quatsch... geil. Gerald greift unsicher nach seiner Unterhose und zieht sich diese hektisch wieder an. Auch Anca verschwindet erleichtert im Bad. Gerald sieht zum Buffet. Der Kuker setzt sich einen Moment schwach auf den Rand des Sofas. Sein Kopf hängt schief und verleiht ihm einen traurigen Eindruck. Er rückt ihn mit seinen Tatzen zurecht. GERALD O.k., jetzt habe ich mir aber was verdient. Wow, da hast du ja richtig aufgefahren. Der Kuker steht schwerfällig auf und läuft taumelnd zur Tür. GERALD Jetzt geht der schon... Ines sieht ihm hinterher. Die Tür fällt ins Schloß. Ines sieht abgelenkt auf das Frühstück. Anca kommt angezogen aus der Toilette. INES Ja und... das ist Lachs mit einer Zitronenremoulade, Bedient euch einfach. INES Leute, ich muss den Typen noch kurz bezahlen. Ines greift einen Bademantel, läuft aus der Wohnung in den dunklen Hausflur und rennt die Treppe nach unten. CORNELIU und DARIU kommen ihr gerade entgegen. Ines entschuldigt sich und weist ihnen den Weg in die Wohnung.

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107 Straße vor Haus Ines / close to UNIRII A/T Ines sieht den Kuker um eine Ecke biegen und läuft ihm hinterher. Sie entdeckt ihn. Er hat immer noch das volle Kostüm an und läuft einfach so weiter. Ein paar Passanten drehen sich nach ihm um. Manche nehmen auch keine Notiz. Die Sonne steht tief und taucht die Straße in warmes Licht. Ines folgt ihm in ihrem Bademantel, in Erwartung, dass er den Kopf abnimmt. 108 Park / Piata Unirii A/DÄ Der Kuker läuft quer über einen großen Platz. Riesige Leuchtreklame taucht auf, wir sind mitten in der Stadt. Der Kuker bleibt vor einem Kiosk stehen. Er macht einen Ansatz, den Kopf abzunehmen, lässt es dann aber. Ines holt auf. Sie läuft weiter hinter ihm her ohne dass er sie sieht. Erschöpft setzt er sich einen Moment auf eine Bank. Zwei Teenager machen ein Foto von ihm, ein kleines Mädchen kommt zu ihm und streichelt sein Fell. Er fasst ihr kurz auf den Kopf. Dann steht er auf. Die Aufmerksamkeit ist ihm zu viel. Er läuft durch ein paar Büsche in das Innere des Parks. Das kleine Mädchen kann es nicht lassen und hüpft ihm noch einmal hinterher und zieht an seinem Fell. Der Kuker wehrt sie fast matt ab. Ines sieht ihm hinterher, wie er sich entfernt. Sie hält es nicht aus. Plötzlich rennt sie los. INES Papa! Er dreht sich um. Sie sinkt in sein borstiges Fell und scheint dabei zu schrumpfen. Der Kuker erwidert die Umarmung und Ines hält sich an ihm fest, als wolle sie ihn nie mehr loslassen. Der Kuker hält sie ebenso fest, und sein Kopf liegt schwer auf ihrer Schulter. Nach einer Weile löst er die Umarmung auf. Sie sehen sich kurz an. Ruckartig breitet er seine Arme aus. Ines schreit erschrocken auf. Er jagt sie ein paar Schritte, schlägt einen Haken und einen Moment wirkt er wild und dynamisch, sein Fell weht im Wind. Dann hebt er müde die Hand. Ines dreht sich um und läuft zurück. Der Kuker sieht ihr hinterher. Ihr Bademantel weht im Wind und ihr nackter Po leuchtet auf bevor sie verschwindet. Sobald sie verschwunden ist, wankt der Kuker hinter einen Busch. Er greift an seinen Kopf, schafft es aber nicht, ihn abzuziehen. Er beginnt zu taumeln und kippt langsam auf die Knie. Erneut greift er an den Kopf, dann bleibt er schwer atmend liegen. Er scheint es wirklich nicht zu schaffen, den Kopf abzusetzen. Eine ganze Weile bleibt er so liegen, dann setzt er sich mit scheinbar letzter Kraft wieder auf. 109 Straßen um Piata Unirii A/DÄ Der Kuker läuft über eine große Kreuzung. Zum ersten Mal sehen wir wirklich etwas von der Stadt. Es sind viele Leute unterwegs, jeder geht seiner Wege. Der Kuker wirkt wie ein einsamer Außerirdischer. 110 Straße vor Hotel Winfried A/N Er biegt in eine Seitenstraße hinein und verschwindet zwischen einem Exchange-Shop und einem offenen Blumenladen in einem kleinen, billigen Hotel mit dem Namen „Ambassador“.

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111 Hotel Winfried / Rezeption I/N Der Kuker betritt die Rezeption seines Hotels. Ein junger PORTIER sieht gerade abgelenkt ein Fußballspiel. Der Kuker deutet auf seinen Kopf und murmelt etwas Unverständliches. Der Portier versteht, beugt sich über den Tresen und nimmt dem Kuker mit viel Kraft den Kopf ab. Winfried ist blass. Seine Haare kleben durchnässt an seinem Kopf. Der Mann stellt den Kopf auf den Tresen und legt Winfried seinen Schlüssel daneben. Winfried atmet schwer. 112 Beerdigungsinstitut A/T Winfried steht vor einem alten Gebäude. Durch eine Hofeinfahrt sieht man auf eine normale deutsche Straße. Es ist ein klarer, etwas herbstlicher Spätsommertag. Er trägt einen schwarzen Anzug, sein Bart ist wieder länger. Ein Mann, Walter, in Winfrieds Alter, wartet neben seiner Frau, die ihm kurz an der Krawatte zurecht rückt. Irma, eine Frau in seinem Alter, unterhält sich im Hintergrund mit zwei Mitarbeitern des Bestattungsunternehmens. BESTATTER Sie sagen uns dann einfach wenn der private Teil vorbei ist. IRMA Dürften wir nachher zum Einladen ihren Parkplatz benutzen? BESTATTER Natürlich. IRMA Danke. Roberto nimmst du mal meine Tasche einen Moment. Sie gibt einem südländischen Mann ihre Handtasche und läuft auf eine gestylte Frau zu, die ihr gerade entgegen kommt. IRMA Winfried, das ist die Sängerin. Winfried nickt in Richtung der Sängerin und entfernt sich ein paar Meter. In der Einfahrt sehen wir ein Taxi vorfahren. Er beobachtet wie Ines und Renate aussteigen. Sie öffnet den Kofferraum und nimmt ein Blumengesteck heraus. Winfried läuft ihr entgegen. Ines läuft auf ihren Vater zu. Sie umarmen sich, so gut es das Blumengesteck zulässt. WINFRIED (murmelt) Ernster Anlass... INES Ja.

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WINFRIED Schön, dass du da bist. Winfried nimmt ihr das Blumengesteck ab. INES Wie geht es dir? WINFRIED Ganz gut eigentlich. Winfried und Ines beobachten sich kurz. Es ist klar, dass sie sich das erste Mal wieder sehen. Renate kommt dazu und umarmt Winfried kurz. RENATE Herzliches Beileid. Renate gibt Walter und seiner Frau kurz die Hand. Ines tut es ihr nach. WINFRIED Der Sarg ist noch offen. INES Ach so. RENATE Ich bleibe hier. Winfried nimmt Ines das Blumengesteck ab. Ines läuft überrascht ihrem Vater hinterher. 113 Beerdigungsinstitut / Kapelle I/T Eine bestuhlte Kapelle, die modern und nicht sehr groß ist. Irma erklärt der Sängerin gerade den Ablauf anhand eines Programmheftes. Winfried legt Ines Blumen ab. Er gibt der Sängerin die Hand und deutet Irma und ihr dann an, sie mal alleine zu lassen. Ines läuft zu dem Sarg in dem ihre Großmutter liegt. Irma dekoriert nun etwas am anderen Ende des Raumes, ohne stören zu wollen und tut es doch. Winfried hält sich einen Moment im Hintergrund und setzt sich dann neben Ines und sieht zu seiner Mutter. Sie sieht sehr viel kleiner und seltsam wächsern aus. INES Es tut mir leid, dass ich sie nicht mehr gesehen habe.

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WINFRIED Das hat sie, glaube ich, schon irgendwie verstanden. Sie sitzen still da. WINFRIED Du kannst sie ruhig anfassen. Ines beugt sich nach vorne und berührt die gefaltete Hand. Winfried sieht nach hinten zu Irma die drängelig zu ihnen sieht. WINFRIED Wir müssen. Die Schlange ist lang – die wollen alle noch Geld von ihr. Er steht auf und berührt kurz die Wange seiner Mutter. Irma wendet sich an die MITARBEITER des Bestatters. IRMA Sie können jetzt zu machen. Die Mitarbeiter laufen zum Sargdeckel, um den Sarg zu schließen. 114 Beerdigungsinstitut / Kapelle I/T Ines sitzt in der Kapelle neben ihrer Mutter in der ersten Reihe. Daneben seine Schwester Irma und ein Mann (WALTER) der Winfrieds Bruder zu sein scheint. Sie beobachtet ihren Vater, der neben ihr sitzt. Ein junger, engagierter PFARRER beendet gerade seine Rede, verneigt sich vor dem Sarg und tritt zur Seite. Ines sieht verstohlen zu ihrem Vater. Die SÄNGERIN und ein BEGLEITER mit Querflöte treten nach vorne. Sie beginnen mit einer freien, sehr theatralen Version von „Time to Say Goodbye“ von Sarah Brightman und Andrea Bocelli. Neben Winfried fängt Irma an zu schluchzen. Winfried hört regungslos zu. 115 Haus Annegret / Küche 1/ Wohnzimmer / Terrasse A/T Ines läuft durch das Haus der Großmutter. Sie schaut in die Küche, in der ein Teil der Verwandtschaft die Kuchenteller abspült. INES Kann ich euch was helfen? TABEA Ist gleich fertig, danke. Ines sieht nach draußen, durch die Verandascheibe, wo Winfried sich gerade mit Walter und Benjamin unterhält. Die Männer haben Bierflaschen in der Hand und ein paar Enkel turnen in der Hollywoodschaukel und werden von ihrer Mutter ermahnt. Irma steht vor einem offenen Sideboard.

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IRMA (zu Ines) Wenn du was hast, an dem du hier hängst, dann sage es uns. Benjamin macht eine Liste. INES Ja, ich überlege mal. Ines läuft nach draußen und stellt sich zu Winfried und Walter. WALTER Und wo bist du zur Zeit unterwegs? Budapest. Sie übergeht seinen Fehler. INES Bukarest, da habe ich aufgehört. Ich gehe jetzt für zwei Jahre nach Singapur. Sie sieht zu Winfried, für den die Information neu ist. WALTER Da gibt es die größte Whiskybar der Welt. Und wie heißen solche Firmen dann?

INES Die neue heißt McKinsey, sagt dir wahrscheinlich was. Vorher war ich bei Morrisons. Irma erscheint an der Verandatür. IRMA Winfried, kommst du mal. Winfried läuft zur Tür und wirft einen Blick ins Wohnzimmer. WINFRIED (off) Jetzt lass das doch einfach mal stehen. Ines sieht zu ihm, ihre Blicke treffen sich. Winfried deutet ihr mit dem Kopf an, dass sie ihm folgen soll und verschwindet. 116 Haus Annegret / Keller Ines läuft Winfried hinterher in den Keller.

I/T

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117 Haus Annegret / Keller / Garten I/T Ines folgt ihm, ohne zu verstehen, was er hier sucht. Er macht Licht, und wir sehen ein seit vielen Jahren unberührtes Chaos – eine verstaubte Werkbank, eine Sammlung Geweihe, alte Gewehre, Möbel und Teppiche. Winfried nimmt etwas in die Hand und legt es wieder hin. Er steht ratlos herum. Er setzt sich einen Moment. WINFRIED Dieses Lied, die Irma spinnt... die sollten eigentlich Harry Belafonte spielen, da dieses „Try To Remember“. Das hat sie ja gemocht, obwohl das Negermusik war... Er steht wieder auf und beginnt in dem Chaos zu wühlen und Schränke zu öffnen. Er holt alte Mäntel heraus und steckt sie wieder weg. Er zieht unter einer Trockenhaube für Haare einen Stahlhelm hervor. Ines beobachtet ihn. Er öffnet eine Tür, die zum Garten führt. WINFRIED So Zeug hat sie aufgehoben. Keine Ahnung, von wem der ist. Das ist alles echt. Er deutet in einen offenen Schrank. WINFRIED Alles nur Hüte. Er nimmt einen Koffer heraus, der wirklich voll ist mit unterschiedlichsten Hüten. Ines sieht sich die Hüte an. Die meisten sind unbenutzt, manche haben noch den Preis dran. Ines nimmt einen sommerlichen Hut mit Obstelementen. Sie sieht zu Winfried, als warte sie darauf, dass etwas von ihm kommt. Es ist das erste Mal, dass sie sich seit Bukarest alleine begegnen. Winfried zögert einen Moment, dann überwindet er sich etwas zu sagen. WINFRIED Wegen deiner Frage da in Bukarest, nach dem Leben. Das Problem ist, dass es so oft nur ums Abhaken geht. Dann muss man noch dies machen und das. Und währenddessen geht halt das Leben vorbei. Nur wie soll man Momente festhalten. Jetzt sitze ich halt manchmal da und erinnere mich, wie du Fahrradfahren gelernt hast oder ich dich irgendwo an einer Bushaltestelle eingesammelt habe. Aber das versteht man halt alles erst hinterher. In dem Moment selbst geht das gar nicht. Er sieht sie an, unsicher, wie sie das fand. Sie schweigen einen Moment, dann greift Ines kontrollierend in die Brusttasche seines Hemdes und zieht das Gebiss hervor. Sie macht es

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sich in den Mund. Winfried sieht sie fasziniert an. Ines setzt sich den Hut mit den Obstelementen auf. Sie sehen sich an. WINFRIED Warte mal, ich hole meinen Foto. Er läuft aus der Tür. Ines folgt ihm. Ines sieht, wie er um die Ecke des Hauses verschwindet. Kurz bevor er weg ist, dreht er sich noch einmal um. Ines wartet still an der Mauer. Ihr Blick wird ernst. Sie wartet. Es dauert zu lange. Er kommt nicht mehr zurück. the end

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TONI ERDMANN  

Ein Drehbuch von Maren Ade in der Reihe Deutsche Drehbücher der Deutschen Filmakademie

TONI ERDMANN  

Ein Drehbuch von Maren Ade in der Reihe Deutsche Drehbücher der Deutschen Filmakademie