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EINSAMKEIT UND SEX UND MITLEID Lars Montag und Helmut Krausser

DEUTSCHE DREHBÃœCHER Herausgegeben von der Deutschen Filmakademie


EINSAMKEIT SEX MITLEID und

und

nach dem gleichnamigen Roman von Helmut Krausser:

Drehbuch zu einen Kinofilm von Helmut Krausser Lars Montag

Drehfassung vom 08. April 2016

herzfeld productions gefรถrdert von

HUMMELN IM BAUCH

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CHARAKTERE:

Thomas Stern (45) Jan Hendrik Stahlberg Carla (34) Friederike Kempter Swentja Pfennig (14) Lilly Wiedemann Robert Pfennig (53) Rainer Bock Maschjonka Pfennig (48) Maria Hofstätter Sonja Pfennig (5) Taliha Iman Celik Johnny (14) Aaron Hilmer Mahmud (16) Hussein Eliraqui Faisal (8) Yamen Massoud Ekkehardt Nölten (57) Bernhard Schütz Uwe König (40) Peter Schneider Julia König (35) Eva Löbau Janine (39) Katja Bürkle Vivien (21) Lara Mandoki Vincent (25) Eugen Bauder

Johnnys Mutter / Angestellte (3-D-Scanner) – Lisa Adler Junge im Zug – Malachai Mayombo Mutter im Zug / Leiterin Aufstellungsgruppe – Barbara Philipp Krankenschwester – Gisa Flake Vorsitzender der Gemeinde-Kommission – Leopold v. Verschuer 1 Beisitzer der Gemeinde-Kommission –Christian Clauß 2 Beisitzer der Gemeinde-Kommission – Gode Benedix Gebietsleiter – Knud Riepen Spray-Tan Asiate – Thao Vu Spinning-Trainerin– Buenaventura Braunstein Verkäuferin im Supermarkt – Karla Trippel Polizist 1 – Mathis Reinhardt

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BILD 1

TITELSEQUENZ

NEUTRAL

(Motiv Angerroom. Dreh 2nd Unit am Abend des ersten Drehtags. High Speed, 1000 Bilder)

Hightspeedaufnahmen von einem Baseballschläger, der eine Vase (mit Vogelschwarm-Motiv) zertrümmert. Ein Vorschlaghammer drischt auf einen Drucker ein. Ein Golfschläger zerfetzt ein Oberbett, die Federn tanzen in Zeitlupe. KINDERSTIMME (FAISAL- OFF - FLÜSTERNDE VO) Der Mensch ist eine Kohlenstoffeinheit, die auf einer unbedeutenden Felskugel lebt, die sich um einen unwichtigen Stern dreht, am äußeren Rand einer der kleinen Galaxien. Aber wir unbedeutenden Kreaturen haben in unserem Schädel einen neurologischen Mechanismus, der fähig ist, uns selber ins Zentrum dieses sich immer weiter ausdehnenden Universums zu setzen. Und alles zu uns selbst in Bezug.

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BILD 2

ZUGSTRECKE / LANDSCHAFT

AUSSEN / MORGEN

( - BEGINN Spieltag 1 - Donnerstag ) (Dreh 2nd Unit ! Eine Hochstrecke, die auf Stelzen über ein Tal/Flusslauf führt!)

Eine recht flache, ausdrucklose, deutsche Landschaft. Eine Bahntrasse mit Oberleitungen führt diagonal durchs Bild. Darüber tanzt eine Wolke aus Singvögeln eine zauberhafte Choreographie. (VFX) Mit einem lauten Zischen schießt ein ICE ins Bild, und der Vogelschwarm teilt sich kunstvoll.

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BILD 3

ICE – GROSSRAUMABTEIL

INNEN / MORGEN

Thomas Stern (43), Schnurrbart, krawattenloser Anzugträger, braungebrannt, in einem Großraumabteil eines ICE, Fensterplatz, mit seinem Smartphone versucht er durchs Zugfenster den Vogelschwarm zu filmen. Vor ihm, auf dem Boden, steht ein Paar weiße Cowboystiefel. Stern, in Socken, kratzt mir dem einen Fuß den anderen. (Hier noch nicht Sterns Gesicht zeigen!)

BILD 1 T: Ein Möbelstück wird in Zeitlupe kunstvoll zertrümmert.

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BILD 4

WALDWEG

AUSSEN / MORGEN

(Handy im Hochformat. Halterung weit unten. Display aussen. Bluetoothauslöser! Motiv: Halle neben Tram-Wendeschleife) Zu sehen ist das bewegte Bild

einer Handykamera. Darin eine Frau, JANINE (40), die offenbar von ihrem Partner aufgenommen wird, während sie an seiner Hand verliebt um ihn tanzt und dabei in die Kamera blickt. Hin und wieder klickt der Auslöser, es werden eine Reihe von Bildern gemacht. (Auch wenn hier der Fakearm noch nicht verraten werden soll. Zur Sicherheit den einen Außenschuß mitdrehen!)

BILD 1 T: Ein Radio (Plattenspieler), das den Maffaysong spielt. In extremer Zeitlupe wird dieses von der Wucht eines Baseballschlägers zerlegt. Ruhe.

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BILD 5

ZUG / GROSSRAUMABTEIL

INNEN / MORGEN

Auf der Seite des Gangs, weiter hinten, an einem Vierertisch, sitzt eine Frau um die dreißig, Typ Ökomutter, und beobachtet ebenfalls durchs Fenster den Vogelschwarm. Ein sechsjähriger Junge rennt den Mittelgang auf und ab. Das Abteil ist relativ leer. (8 Reisende)

DURCHSAGE (OFF) ..... allen dort aussteigenden Gästen wünschen wir einen schönen und erfolgreichen Tag. Vielen Dank, dass sie die Deutsche Bahn gewählt haben. Die Ansage wird auf schlechtem Englisch wiederholt. Thomas Stern steckt sein Telefon weg. Räkelt sich, greift nach seinem Koffer, sieht nach unten, die Kamera wandert mit seinem Blick wir sehen, er sucht seine Schuhe. Er sieht sich irritiert um. Seine Schuhe sind weg. Sein Blick zurrt sich an dem ausländisch aussehenden Fünfjährigen fest. Als der an ihm vorbeikommt, hält Stern ihm lässig eine Hand vor den Bauch, zwingt ihn zum Stehenbleiben. JUNGE Häää? (Der Junge tut sehr erstaunt, sogar beleidigt.) STERN Los! Rück die Schuhe raus! Verstehst du mich? Kannst du deutsch? JUNGE Ich hab Ihre Schuhe nich... STERN Ach? Aber du weißt, dass es um meine Schuhe geht? JUNGE Häää? MUTTER (TRITT HINTER IHREN SOHN) Hallo? Darf ich fragen, warum Sie mein Kind anfassen. Geht’s Ihnen noch gut? STERN Nein, denn meine Schuhe sind weg. Und falls das hier wirklich ihr Kind sein sollte, hat es sie versteckt, was sicher sehr lustig ist, aber bald nicht mehr, da muss ich nämlich aussteigen. Achso, es waren echte Mezcaleros. MUTTER Was? STERN Cowboystiefel aus Pferdeleder. MUTTER (ZUM SOHN) Flo, hast du die teuren Schuhe des Herrn hier versteckt? JUNGE Nein, hab ich niiich... HUMMELN IM BAUCH

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STERN Er lügt. MUTTER Sie können es vielleicht nicht wissen, aber: Mein Kind lügt nicht! STERN Ach, dass es stiehlt, halten Sie aber für möglich? Die Mutter sieht ihn verunsichert an, braucht eine Weile, bis sie die Frage versteht. STERN (SCHNAPPT SICH DEN KLEINEN) So, jetzt sagst du, wo die Schuhe sind, sonst rappelt es aber im Karton. Und zwar gewaltig. MUTTER Wagen Sie, meinen Sohn noch einmal anzufassen! Der Junge entwischt ihm. Stern kramt aus der Gepäkablage sein Handy hervor und ruft in Socken da stehend Carla an. STERN (INS TELEFON) Hey, nicht im Dienst? ... Ich bin´s. Thomas. .... Thomas Stern? ... Achso! Darf ich dich vielleicht um was bitten? Könntest du mich bitte am Bahnhof abholen? Entschuldige, ist mir ein bisschen peinlich. Aber - Mir sind die Schuhe geklaut worden, von so´nem Kind, das wohl zu viele Gene von seinem BimboVater mitbekommen hat. MUTTER (TRITT INS BILD) Haben Sie da gerade etwa....? STERN Wer redet denn mit Ihnen? (ins Telefon) Nein, ich meine nicht dich, Carla, ich glaub, jetzt werd ich auch noch bedroht. Ja, im Ernst. Vor mir steht die mit der Erziehung ihres debilen Jungen überforderte Ökomutti und .... Au! (Die Mutter zieht ihm eins mit ihrer Tasche über. Stern hält ihre Handtasche fest und spricht weiter ins Telefon:) 45. Größe 45. Ok, Tschüss. Stern beendet das Telefonat. Die Mutter und er duellieren sich mit Blicken. STERN (RUHIG ZUR MUTTER) Stellen sie sich mal vor, der Mann da vor ihnen, der hat etwas dabei, womit er ihnen sehr, sehr weh tuen könnte. So, dass sie ihren kleinen Bastard vielleicht nie wiedersehen würden. Und das genau so etwas nicht passiert, dafür sollten sie sich bedanken. Bei ihrem Schöpfer oder besser gleich bei mir, denn im Moment bin ich für sie beides. Der Zug fährt in den Bahnsteig, Stern eilt Richtung Ausstieg, im Durchgang zweier Wagons sitzt auf seiner Sporttasche aus denen Schlittschuhe ragen, ein junger Mann, VINCENT.

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Stern sieht ihn an, Vincent guckt frech zurück, direkt auf die Socken, in denen Stern da steht. Stern blickt aus dem Fenster. Der Zug fährt in einen Tunnel. Wegen unterirdischem Bahnhof! (Auf welchem Teilstück drehen?) CARLA (OFF - FLÜSTERNDE VOICE OVER) (Hier noch Infos über Stern. Noch nicht verraten, da er Bulle ist!) Für alle Menschen und für Thomas Stern im Besonderen, gibt es zwei Wege unglücklich zu werden. Nicht zu bekommen was man will, oder zu bekommen was man will. Wollen ist Leiden. Es gibt kein Ziel, dessen Erreichen Zufriedenheit schenkt. Der Wille wird entweder enttäuscht und unglücklich, oder befriedigt und gelangweilt. Die Türen öffnen sich, Stern entsteigt dem Zug. (Am Bahnhof Hamburg, oder Leipzig drehen)

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BILD 6

KAUFHAUS – LEBENSMITTELABTEILUNG

INNEN / TAG

Eine große, neondurchflutete Lebensmittelabteilung. Der Kunde Eckehard Nölten, genannt ECKI (55), mit etwas ungepflegtem 5-TageBart, betrachtet angewidert die neue, sehr stylische, rundumlaufende Käse/Wurstabteilung. Etliche Kunden, hinter der Theke zwei Verkäuferinnen. Ecki lässt den Blick über die Theke wandern auf der Suche nach Abschnitten, wird nicht fündig. Er schüttelt ungläubig den Kopf. (Motiv: „Real“-Markt)

ECKI Entschuldigen Sie, gibt es keine VERKÄUFERIN Keine? ECKI Ach, nichts. (geht schnell weg)

Bild 6 T: Die Wurstabschnitte werden in den Müll geworfen.

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BAHNHOF – BAHNSTEIG

INNEN / AUSSEN / TAG

(Motiv: S-BHF Wilhelm-Leuschner-Platz / auf Bahnsteig & Rolltreppe )

Stern sitzt noch auf einer Treppe auf dem Bahnsteig, seine Füße (in Socken) hat er auf seine Tasche gestellt. Plötzlich huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Er erblickt Carla, eine sportliche Frau, 34, blond, mit Pferdeschwanz, die über den Bahnsteig auf ihn zukommt. STERN (SPRINGT IN SOCKEN AUF) Hey .... Sie begrüßen sich etwas ungelenk. Stern setzt zu einer Umarmung an, während Carla ihm ein paar neue Billig-Sneekers entgegenstreckt. STERN Cool, danke. CARLA Oh Mann, dir passieren immer Sachen... STERN Unglaublich, oder? Hey, das ist echt lieb von dir... CARLA Kein Ding, hatte ja gerade Zeit. STER (HAT DIE SCHUHE ANGEZOGEN) Heute wieder Spätschicht? Calra nickt. STERN Wieder allein, als einzige Frau? CARLA (NICKT) Ich muss los. STERN Hey, das ist alles andere als selbstverständlich mit den Schuhen! Ich würde mich gerne revanchieren. Mit nem Essen, irgendwann? CARLA (WINKT AB) Ach, gern geschehen. Stern merkt Carla an, dass sie wieder los will. Stern geht mit Carla die Treppe zum Ausgang hinauf. STERN Nein, wirklich. Das war total nett. Ich hätte gar nicht gewusst, wen ich anrufen soll, wenn... also. Was isst du gerne? CARLA: Ach, im Moment ist mir nicht nach - Essen und so. HUMMELN IM BAUCH

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STERN Verstehe. Klar. Hör mal, also - Ich will nur das du weißt, ich stehe jederzeit parat, wenn du wieder ... CARLA Thomas, ganz ehrlich; ich – bin drüber weg. Alles gut. Ich schaff das jetzt alleine. Danke. Stern bleibt stehen. STERN(UNVERMITTELT) Alleine? Ach ja? Soweit bist du schon? Ja? Das alles allein zu schaffen? Stern schaut sich auf dem Teppenabsatz um und entdeckt einen jungen Araber, der ihm die Treppe hinunter entgegenkommt. MAHMUD 16, im Trainingsanzug. Er hat ein Bluetooth-Headset im Ohr und chattet auf seinem Smartphone. Stern hält ihn auf. STERN (ZU MAHMUD) Junger Mann, kommen sie mal bitte, wir brauchen kurz ihre Hilfe. Stern zieht Mahmud direkt vor Carla. MAHMUD Ok, Alter, ganz ruhig. STERN (ZU CARLA) Dann zeig mir, wie du das alleine schaffst. Guck ihn dir an, den hier! So ein potentieller, hirntoter IS-Kanake, der dich nur als Loch mit was drumherum ansieht. Überwinde deine Angst! Hör auf, zu Boden zu gucken. Zeig der Arschgeige, dass du keine Angst vor ihm hast! Und zeig mir, dass Du mich nicht mehr brauchst! Carla schweigt. MAHMUD Was soll der Scheiß? STERN Nee, kein Scheiß: Willkommen in einem Land, indem jeder laut und deutlich seine Meinung sagen kann, auch wenn es solchen Proleten wie dir nicht passt. (zu Carla) Es sei denn man hat Angst! MAHMUD Hä? Was bist du denn für en Spast? Willste den starken markieren, vor der Fotze da? Isses das? Carla schüttelt mit dem Kopf. CARLA (SCHNELL) Ach ja? Warum bin ich eine Fotze, hä? Weil ich blond bin? Weil ich deutsch bin? Weil du deshalb denkst, das du mich ficken kannst? HUMMELN IM BAUCH

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STERN Sehr gut, weiter! Tief einatmen. Das focusiert, Carla. CARLA Ich trag keine Burka! Ich lasse mich nicht beschneiden oder von dir einsperren, du kranker Wichser! MAHMUD (GEHT AUF CARLA LOS) Ey Alter, wer hat euch denn ins Hirn geschissen? Ich knall dir ein paar, du Bitch. Mahmud greift nach Carla, als Stern von hinten mit dem Elektroschocker Mahmud niederstreckt. Er erstarrt kurz und fällt dann ein paar Stufen die Treppe runter. STERN Lasst unsere Frauen in Ruhe! Stern zieht Carla weiter. Schweigend gehen beide die Treppe hinauf. Nach einer Weile. CARLA (ZU STERN) Fisch. Ich esse am liebsten Fisch.

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BILD 8

KAUFHAUS – LEBENSMITTELABTEILUNG

INNEN / TAG

Ecki Nölten steht vor dem Chips-Regal. Lässt seinen Blick über die Chips wandern, fängt dann an, immer entnervter zu kramen, die vorderen Chipstüten wegzunehmen, um die hinteren zu sehen. Am Regal nebenan räumt eine sehr junge Aushilfskraft im Kittel Teeschachteln ein. Ecki geht, immer noch sichtbar wütend, zu ihr. (Motiv: „Real“-Markt)

EKKEHARD Holen Sie mir doch bitte mal den Geschäftsführer. ANGESTELLTE Ja, Moment. Mach ich ... Nach kürzester Zeit, baut sich Uwe König (38) vor Ecki auf. Dieser schaut direkt ins Gesicht des, trotz Bart, jungenhaft wirkenden Geschäftsführers. Am Revers trägt dieser ein Namensschildchen: „Uwe König - Filialleiter“. EKKEHARD Darf ich Sie was fragen? UWE (PROFILÄCHELN) Sehr gern. Womit kann ich dienen? EKKEHARD Sie sind der Geschäftsführer von diesem Laden? UWE Bin ich. EKKEHARD Und Sie legen auch fest, welches Sortiment bestellt wird? Uwe König blickt auf sein Handy und drückt einen Anruf weg. UWE Worum geht´s denn? EKKEHARD Warum bitte – sehen Sie, ich war vor zwei Monaten in London...,also ich war selber dort.... ja? UWE Aha! EKKEHARD (SICH IN RAGE REDEND) Ich war in London! Dort gab es die neuen Kethle-Chips-Sorten Yoghurt & Coriander und Caribbean Spices bereits in jedem Laden – Warum?; Sagen Sie es mir – es waren die besten Chips, die ich je gegessen habe – warum komme ich heute zu Ihnen, und Ihr ärmliches Sortiment in Ihrer sinnloserweise neu gestalteten Feinkostabteilung hat die beiden Sorten immer noch nicht in den Regalen? Sagen Sie mir das! UWE (PROFESSIONELLES BEDAUERN) Royal-Kethle bringt diese Sorten wohl zuerst nur in England auf den Markt. Da müssen Sie sich vermutlich noch ein paar Wochen gedulden. HUMMELN IM BAUCH

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Uwe nimmt den erneuten Anruf auf seinem Handy engegen. ("Komme sofort, bin geade noch im Kundengespräch") EKKEHARD (MIT ERHOBENER STIMME) Ach so ist das? Aber drüben beim Kaufhof, Herr ... (er liest das Namensschild) ... König, da liegen sie schon, die neuen Sorten, da hab ich sie gesehen, gestern! UWE Und warum, wenn ich fragen darf, haben Sie sie dann nicht gekauft, im Kaufhof? EKKEHARD Weil ich meine Chips lieber hier kaufe, Sie Idiot, aus Lokalpatriotismus! Nein, natürlich weil die völlig aufgerüschte und überteuerte Feinkostabteilung der „Galleria“ Kaufhof immer noch siebzig Cent pro Tüte draufschlägt. Haben Sie das hören wollen, ja? Dass siebzig Cent für mich eine Rolle spielen? Ja? UWE Ich kann Ihnen Folgendes anbieten; hinterlassen Sie mir Ihre Adresse und ich informiere Sie persönlich per Mail, sobald die neuen Sorten auch bei uns eingetroffen sind. EKKEHARD Schicken Sie mir lieber einen Brief, Mensch! Ich habe überhaupt keine Mail-Adresse! Wollten Sie das hören? Dass ich quasi virtuell obdachlos bin? Mailunzustellungsfähig? Geht es Ihnen jetzt besser, Herr König? UWE Ich glaube, Ihr Problem liegt tiefer, Herr... EKKEHARD Nölten. So heiß ich. Ich hab einen Namen. Gönnen Sie mir wenigstens das? UWE Wir bedauern es sehr, wenn wir Ihren Wünschen nicht hundertprozentig entsprechen können. EKKEHARD Ach, tust du das? Benutzt du jetzt den Pluralis Majestatis? Dann hört mal her, Ihr tausende Arschlöcher! Ich sage euch, wenn hier nächste Woche keine Yoghurt&Coriander-Chips zum Verzehr gegen Bezahlung angeboten werden... (cont.) Uwe König wendet sich während der letzten Sätze ab, gibt einem näherkommenden Kollegen einen Wink, der Kollege macht kehrt.

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EKKEHARD (cont.) ... dann kauf ich mir eine Knarre und schieb sie dir in den Mund, du Lutscher. Ich werd dich abknallen, und alle blöden Zahnarztgattinnenkotzfotzen, die bei dir einkaufen, du kleiner Ladenhüter. Uwe hält Ausschau nach Hilfe. EKKEHARD Der einzige Sinn deines beschissenen Lebens ist es, die neuen Kethle-Chips vorrätig zu haben, dafür bist du vom großzügigen Kosmos an diesen Platz beraumt worden! Du Scheiß-König! Der Kollege kommt eilig mit zwei stämmigen Männern vom Sicherheitsdienst wieder. SICHERHEITSMANN 1 Dürfen wir Sie nach draußen bitten? Ecki brüllt und tobt, was weniger angsterregend Sicherheitsmänner packen ihn links und rechts.

als

lächerlich

wirkt.

Die

beiden

EKKEHARD Faschistenpack! Fasst mich nicht an, ihr Hackfressen! Ecki wird durch die Gänge gezerrt, vorbei an JOHNNY (15), orangene Allwetterjacke, der einen Cellokoffer auf dem Rücken trägt, gerade eine große Packung Klopapier aus dem Regal nimmt und die Szenerie ängstlich beobachtet. Johnny blickt sich um, und erblickt zwei Frauen mit Kinderwägen. Johnny geht relativ zügig durch die Leute, sein Blick bleibt jedoch an einem Kinderwagen hängen. VIVIAN (OFF - FLÜSTERNDE VOICE OVER) Für Johnny waren Begegnungen mit Frauen immer eine besondere Herausforderung. Auch die muss, vor nicht allzu langer Zeit, Geschlechtsverkehr gehabt haben, dachte er sich. Wenn er selbst mal Geschlechtsverkehr haben sollte, möchte er nicht, dass jemand davon was mitbekommt. Am besten wär’s, wenn sogar die Frau davon nichts mitbekommt. Sie soll schöne Träume haben - und erst aufwachen, wenn es vorbei ist. (cont.) Johnny nimmt eine Flasche Orangensaft aus dem Regal. Sein Blick bleibt an dem Ettikett haften. Darauf eine Latino-Schönheit im Bikini, die Orangen pflückt. VIVIAN (OFF - FLÜSTERNDE VOICE OVER) (cont.) Letzten Monat war Johnny zum ersten Mal etwas betrunken – weil er keine Ahnung hatte, was Cai Pirinha ist, und wie das wirkt! Da hat er Swentja doch tatsächlich mal unten rum angefasst. Er hat dann natürlich sofort Jesus davon erzählt. Dabei wollte er doch nur mal ihr Haar da unten fühlen. Aber da kam und kam keines. (cont.)

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BILD 9

AMBULANZ – KRANKENHAUS / FLUR

INNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv II – Bundeswehrkrankenhaus – 8 Patienten, 5 Personal)

VIVIAN (OFF - FLÜSTERNDE VOICE OVER) (cont.) Immer noch keine Schambehaarung? Mit fast fünfzehn? Vor der Ambulanz sitzt ein Mädchen mit Gipsarm SWENTJA (14), auf der Wartebank in der Flurmitte und überlegt............. MAHMUD (OFF) Wird es heut noch was? Neben ihr sitzt MAHMUD. Er presst sich ein Taschentuch gegen seine Platzwunde und sieht mitgenommen aus, von der Auseinandersetzung mit Stern und Carla. Er wartet offenbar auf eine Antwort, ist bei diesem Gespräch schnodderig und unsicher zugleich. SWENTJA (BLICKT AUF) Man wird ja noch mal überlegen dürfen. MAHMUD Haste Lust, Rapunzel, oder nich? SWENTJA Warum gerade ich? Kannste mir das mal sagen? KRANKENSCHWESTER 1 (OFF) Herr Al-Saiud! Mahmud ist an der Reihe und wird ins Behandlungszimmer gerufen. Schnell schreibt er Swentja eine Telefonnummer auf den Gipsarm zwischen die Mangazeichnungen und malt einen großen Smiley daneben, der die Zunge ausstreckt. MAHMUD ... bis heute Abend. Sonst schau ich mich weiter um. Ok? Mahmud zwinkert Swentja zu und verschwindet in den Behandlungsraum. SWENTJA Gute Besserung! Swentja zückt ihr Telefon und telefoniert. Swentja spricht so lautstark in ihr Handy, das einige Umsitzende ihr aufmerksam zuhören, grinsen oder betreten zu Boden gucken. SWENTJA (INS TELEFON) Du hast keinen Plan, was mir grad eben passiert ist! Ich hab´n Angebot bekommen von so´nem Typen, der mich ne Stunde lang lecken will, für nen Hunni. (Sie lauscht in den Hörer) Pikierte Gesichter unter den wartenden Verletzten, die krampfhaft woanders hinsehen. SWENTJA (INS TELEFON) Weißt du, ich fühl mich grad enorm gut, wenns auch´n Arab ist. (sie hört kurz zu) Johnny? Der würd natürlich tot umfallen! HUMMELN IM BAUCH

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BILD 10

STRASSE / BAMBUSWAND

AUSSEN / TAG

(Motiv: Parkhauswand am Zoo Leipzig – Topshot von Oben! Zugang Dach!)

Johnny geht mit seinem Cellokoffer auf dem Rücken und den Einkäufen an einer wellenförmigen Wand entlang. Im Top-Shot sehen wir, dass er -immer an der Wand entlangden einzelnen Kurven der Wellenform folgt.

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BILD 11

AMBULANZ – KRANKENHAUS – BEHANDLUNGSRAUM 1

INNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv II - Bundeswehrkrankenhaus)

Eine Ärztin, JULIA KÖNIG (41), zieht gerade zwei Röntgenbilder von Swentjas Arm von der Leuchtwand. Swentja steht noch in ihrem Röntgenbleimantel (gibt es im Motiv!) daneben und starrt auf Mahmuds Telefonnummer samt Smiley auf ihrem Gipsarm. JULIA KÖNIG (INS DIKTAFON) Colles-Fraktur des linken Speiche, Einheilung nach Fixation von 5 Wochen positiv, aber noch knapp unzureichend. Julia König nimmt Swentja den Bleimantel ab, während diese auf ihrem Telefon herumtippt. JULIA KÖNIG Anfang nächster Woche kommt der Gips ab. Sicher! Ok? Noch Fragen? Damit ist sie schon durch die Tür. Swentja nickt abwesend. Sie tippt die Nummer von ihrem Gips in ihr Telefon ein und telefoniert mit Mahmud, dessen Stimme man aus dem Telefon hört. SWENTJA Hi, hier ist Swentja. MAHMUD (AUS TELEFON) Swentja? SWENTJA Wie stellste dir das genau vor? MAHMUD (AUS TELEFON) Wie stell ich mir was vor? SWENTJA Na, wenn ich auf dein Angebot eingeh. Haste überhaupt hundert Euro? BILD 11 A: Gegenschnitt BEHANDLUNGSRAUM 2 - Der verletzte Mahmud sitzt mit bloßem Oberkörper auf einer Liege, eine Krankenschwester klebt seine Platzwunde. Er telefoniert mit dem Bluetooth-Headset im Ohr. MAHMUD Rapunzel, du bist das? Ich soll dich also lecken, ja? SWENTJA (AUS HEADSET) Nö. Du darfst mich lecken. Vielleicht. MAHMUD Treffen uns um Mitternacht irgendwo draußen? Du hockst dich auf ne Parkbank, und ich leck dich. Hinterher gibt’s Kohle. Mahmud zwinkert dabei der Krankenschwester zu. SWENTJA (AUS HEADSET) Nee, vorher. kenn dich ja nich. HUMMELN IM BAUCH

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MAHMUD Krichst die Hälfte vorher. Weiter BILD 11 – Swentja ist mit ihrer Jacke auf dem Flur des Krankenhauses und blickt durch die Scheiben in den Behandlungsraum mit Mahmud. Der erwiedert ihren Blick. SWENTJA Hast kein Zuhause? MAHMUD (AUS TELEFON) Ey, ich kann nach Heim keine Deutsche vorbeibringen. SWENTJA Ist doch arschkalt und wahrscheinlich warten da dann deine Arab-Kumpels, und ihr vergewaltigt mich. Bessere Idee! MAHMUD (AUS TELEFON) Hmmm ... höchstens im Aquarium. Kennste? Voll romantisch. Ich kann an nen Schlüssel kommen, weil mein Alter da putzt. SWENTJA Aquarium? Leck mich doch gleich im Fischgeschäft, du Wichser. MAHMUD Na, dann vergiss es! Soll ich mich wegen dir nen Hotelzimmer nehmen oder was? SWENTJA Das wär stilvoll. MAHMUD So dringend isses dann auch nich. Klicken in der Leitung. Mahmud winkt Swentja durch die Scheiben zum Abschied überlegen zu. SWENTJA (IRRITIERT) Hallo? Arschloch? Hallo? Swentja geht den Flur entlang Richtung Ausgang und macht Wahlwiederholung. MAHMUD (AUS TELEFON) Ja? SWENTJA Ich noch mal. Pass auf! Du kannst heut Abend zu mir, meine Eltern sind beide unterwegs. Du kommst um acht und gehst um neun. Adresse texte ich dir rüber. MAHMUD (AUS TELEFON) Geht klar. Swentja legt auf. Die Aussicht erregt sie. Sie geht den Flur entlang.

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weiter BILD 11 A: BEHANDLUNGSRAUM 2 – Auch Mahmud sitzt lächelnd auf seiner Liege. Er beendet den Anruf, indem auf sein Headset drückt. Aus dem Nachbarraum beobachten Julia und die Krankenschwester 1 den jungen Türken. JULIA KÖNIG Halten sie sich ran. Vielleicht doch noch nen Medizinstudium darnhängem und solche Jungs sind mal drin. Auch für Sie. KRANKENSCHWESTER 1 Echt? So jung? JULIA KÖNIG Escort. KRANKENSCHWESTER 1 Ist doch ewig teuer. JULIA KÖNIG Ja, für sie. Meine Scheidng, ist teuerer, glauben sie´s. Los, der nächste! Die Krankenschwester ist etwas irritiert und grinst.

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BILD 12

TOWNHOUSE PFENNIG / GARTEN

AUSSEN / INNEN / TAG

(Motiv: Originalmotiv, Leipzig) Weißer

Nebel, der sich langsam lichtet. Ein Mann in einem weißen Overall, unter einem großen Imkerhut schwenkt ein Räuchergerät über die Terrasse eines nüchternen Townhouses, auf dem er seinen Bienenstock hat. Es ist ROBERT PFENNIG. Vorsichtig entnimmt er ein Wabenrähmchen und stellt es in die Schleuder. Während des Schleudervorgangs schlägt er das Netz vorm Gesicht zurück und reibt sich die Augen. Es scheint, als würde er bitterlich weinen.

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BILD 13

TOWNHOUSE PFENNIG / KÜCHE

AUSSEN / INNEN / TAG

(Motiv: Originalmotiv, Halle / Innen alles GELB)

BILD 13 A – VORM HAUS: Swentja geht auf das Haus ihrer Eltern zu. Vor der Haustür steht eine Mulde mit Möbeln und Müll. (Steadycam Swentja von hinten geht aufs Haus -22- zu)

Im Inneren der Wohnung Pfennig herrscht chaotische Leere. Bilder sind abgehängt, das Bücherregal ist leer, Umzigskartons stehen herum, eine Stehlampe ist schon Luftbläschenfolie eingepackt. Von der Folie steht eine große Rolle im Wohnzimmer. Offenbar zieht die Familie gerade aus den Räumlichkeiten aus. In der Küche (die erst zum Teil verpackt ist) ist MASCHJONKA PFENNIG dabei gerade eine Nasenspühlung vorzunehmen. Draussen ist ihr Mann Robert bei seinen Bienen zu sehen. In der Ecke liegt der Mopshund der Familie. Auf dem Fussboden des Wohnzimmers liegt die kleine Tochter SONJA (5) und schaut auf einem Smartphone, das auf einem Glastisch liegt, einen Zeichentrickfilm der gerade zu Ende geht. Im Arm hat sie eine gelbe Stoffkrake. Maschjonka beendet ihre Spühlung mit einem Schnäutzen kommt zu Sonja und schaltet das Telefon aus. MASCHJONKA Schluss damit. Jetzt ist gut. SONJA Die Kleine (d. Stoffkrake) will aber noch zu ende gucken. Oder Kleine? (Die Kleine antwortet mit einer Mickymausstimme...?) SWENTJA (OFF) Dann zeig der Kleinen doch dein Puppenhaus. Ich glaub, da gab´s grade ein Erdbeben... Die ältere Tochter SWENTJA kommt hinzu. Sonja, mit der „Kleinen“ auf dem Arm rennt schreiend in ihr Zimmer. MASCHKONKA (BLICKT AUF DEN GIPSARM) Immer noch ....? Swentja nickt, Maschjonka geht zum Kühlschrank und holt einen Topf mit einer Paste heraus. Sie gibt ihr einen Löffel ihrer Paste zum probieren. SONJA (RUFT IM OFF) Das is gemein!!!! MASCHKONKA (ZU SWENTJA) Rat mal, was das ist? HUMMELN IM BAUCH

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Swentja zuckt mit den Schultern. MASCHJONKA Fast wie richtiger Käse, oder? Eigentlich sogar besser, finde ich. Unsere Yoga-Lehrer leben alle konsequent vegan, und sehen dabei super aus, glaub mir. SWENTJA (DEUTET NACH DRAUSSEN) Was sagt Pappilein dazu? MASCHJONKA Ist traurig. Swentja bekommt einen Anruf auf ihrem Mobiltelefon, schaut drauf und drückt ihn weg. SWENTJA Wieso? MASCHJONKA Na wegen seinem Honig. Ist ja auch von Tieren gemacht. Die Bienen werden total ausgenutzt, der mühsam gesammelte Proviant wird ihnen weggenommen. Und die Königinnen werden qualvoll künstlich befruchtet. Ich bin heilfroh, dass in der neuen Wohnung noch nicht mal nen Balkon ist. Ha. SWENTJA (WECHSELT DAS THEMA) Ab wann seit ihr denn noch mal weg später? Ich frage nur wegen Sonja. Swentjas Telefon klingelt schon wieder, sie stellt es auf vibrieren und lässt es klingeln. MASCHJONKA Meine Schicht startet um sieben und Papa muss kurz vor acht los, glaube ich. Der geht heute doch zu dieser ... (Frau die ihn) ROBERT (OFF) Nö. Ich hab´s mir überlegt. Robert ist gerade in voller Imkermontur von der Terasse hereingetreten. ROBERT (NIMMT DEN IMKERHUT AB) Ich hab solche Kopfschmerzen. Ich habe außendem keine Ahnung, was die genau von mir will. MASCHJONKA Kein Wunder, wenn du die ganze Zeit in diesem Rauch stehst, und Tiere quälst. SWENTJA (ERSCHROCKEN) Soll ich dir ne Aspirin holen? Maschjonka saugt gerade ein paar Krümel mit einem Tischstaubsauger weg. MASCHJONKA (VORWURFSVOLL) Na klar! Chemie!

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Swentja versucht, ihre Aufregung zu verbergen, ihre Augen wandern zwischen den Eltern hin und her. Robert gibt Swentja einen neckischen Klaps auf den Hintern. ROBERT (ZWINKERT SWENTJA ZU) Na klar! Chemie! (zu Swentja) Danke. Swentja flitzt los die Kopfschmerztablette holen. Robert stellt zwei Gläser Honig auf den Küchentisch, und schmiert sich Honig auf Brot. MASCHJONKA Runter mit dem widerlichen Zeugs. ROBERT Beruhig dich, das wird der Letzte sein. MASCHJONKA (ZU ROBERT) Ich wünschte mir, du könntest einmal die Welt mit meinen Augen sehen. Mach doch mal was Vernünftiges. Sport zum Beispiel. Swentja steht im Türrahmen der Küche und wirft eine Kopfschmerztablette in ein Wasserglas, während ihr Telefon schon wieder vibriert. (+ Hier die kleine Sequenz von Robert und Swentja, die die Tablette und das Wasser im Glas synchronisieren.)

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BILD 14

ZIMMER JOHNNY

INNEN / ABEND

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt)

Ein Jugendzimmer. Viel Holz. Die Dachschräge zieren Plakate mit Bibelzitaten und Friedenstauben. Johnny sitzt nur mit einer Badehose bekleidet, auf seinem schmalen Bett, Tränen laufen seine Wangen herab. Er nimmt das Telefon von seinem Ohr und legt es zur Seite. Er kann Swentja einfach nicht erreichen. Lustlos zupft er ein paar Saiten des Cellos, das vor ihm liegt. Zu den Akkorden summt er eine Melodie. („Du“ von Peter Maffay) SWENTJA (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) Wie das genau mit Johnny losgegangen ist, weiß ich nicht mehr. Er hat mich auf Händen getragen. So hofiert wurde ich noch nie. War schon toll. Aber mittlerweile weiß ich, er ist verklemmt und nervt! Und nur weil ich jetzt gerade mal ein paar Stunden nicht ans Telefon gehe, laufen bei dem schon wieder die Horrorfilme ab. (cont.) Johnny legt das Cello beiseite, weint bitterlich, und krampft sich auf dem Bett zusammen. Ein Flash aus mehreren Standbildern läuft ab (BILD 14A) Völlig zerstörtes Autowrack mit blutüberströmter Swentja. (14B) Swentja in einem siffigen Club. Sie hat die Nadel im Arm und vor Ihr liegt das Spritzbesteck. (14C) Swentja als Vergewaltigungsopfer. Alles Visionen dessen, was Swentja zugestoßen sein könnte. SWENTJA (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) (cont.) Ich meine, wer sein Leben in Gottes Hände legt, der braucht sich doch nicht wundern, dass er nix mehr geregelt kriegt. Johnny krümmt sich auf dem Bett, als die Tür aufgeht. Darin seine Mutter im Bademantel, sie kommt ins Zimmer und holt ein paar frische Handtücher aus dem Schrank in Johnnys Zimmer. MUTTER JOHNNY Noch Hunger, mein Spatz? (sie zögert kurz) Alles ok? JOHNNY (RICHTET SICH SCHNELL AUF) Ich bete gerade. Johnny wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Die Mutter legt Johnny etwas Geld auf den Tisch. MUTTER Gut. Hier, für Euren Ausflug morgen! Wohin geht’s noch mal? JOHNNY Museum ... Irgendwas Antikes.... MUTTER Schön, schön...... Die Mutter verschwindet, und Johnny greift noch einmal nach seinem Handy.

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BILD 15

TOWNHOUSE PFENNIG / ZIMMER SWENTJA / EINGANG

INNEN / ABEND

(Motiv: Originalmotiv, Halle – Innen Hausnummer 20, die Eintellungen auf Mahmud vor der Tür in Haus 26, ggf. noch seitliche Totale vor Haus 22 - tiefstehende warme Sonne)

Swentjas sitzt in ihrem Zimmer auf dem Bett, sie spricht mit verstellter Stimme in ein Mikrofon, das an ihr Laptop angeschlossen. (Sie dubed einen kurzen Anime, eine Liebesszene) Swentjas Telefon klingelt. Sie lässt es klingeln. Der Gipsarm juckt, das Handy verstummt, aber jetzt klingelt der Festanschluss im Flur. Swentja lässt auch dieses Telefon klingeln. Plötzlich zuckt sie zusammen beim Schrillen der Türklingel. Swentja springt auf, rennt zur Tür, bremst vorher ab, öffnet gezwungen langsam, man sieht Mahmud, auf dessen Stirn ein Hundert-Euro-Schein klebt, mit verarzteter Wunde im Gesicht. Er züngelt anzüglich und tänzelt dabei vorfreudig vor sich hin. Der Hund Madonna kommt angelaufen und bellt. Mahmud und Swentja an der Türschwelle, voller Erwartungen starren sie sich an. SONJA (RUFT AUS OFF) Wer isn´ das? Sonja steht oben an der Treppe und deutet hinunter auf Mahmud, der eben die Wohnung betreten will. SWENTJA (WÜTEND) Sonja! Warum schläfst du’n nicht? SONJA Kann nich! Wer is´n das? SWENTJA Geht dich nix an. Geh pennen! (zum Hund) Madonna! Aus! Ist gut! SONJA Das sag ich! SWENTJA Gar nix sagste. SONJA Doch, die Kleine hats auch gesehen, oder? (Die Kleine antortet mit Mickeymausstimme) MAHMUD Was isn jetzt? Swentja überlegt – sie muss schnell eine Entscheidung treffen SWENTJA (GESPREIZT) Tja, wir sind leider nicht interessiert. MAHMUD Hä? Sie macht dabei die Haustür zu, doch Mahmud hat einen Fuss in der Tür, so dass sie einen Spalt offen bleibt. HUMMELN IM BAUCH

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SWENTJA Wir abonnieren keine Zeitungen! Schon gar nicht an der Haustür. SONJA Wer is das? MAHMUD (OFF) Und was ist jetzt hiermit? Mahmud hat seine linke Hand durch den Türschlitz gestreckt. Auf der Innenfläche seiner Hand hat er eine Zeichnung gemacht. Ein Mann, der eine Frau leckt. Wenn er seinen kleinen Finger bewegt, versinkt das Gesicht des Mannes im Unterleib der Frau. Er zappelt vor Swentja rhythmisch mit dem kleinen Finger. Swentja muss breit grinsen. SWENTJA (FLÜSTERT DURCH TÜRSCHLITZ) Tut mir echt leid! MAHMUD Soll ich später noch mal? SWENTJA Heute nicht! (flüstert) Wir holen das nach, versprochen. MAHMUD Ok, aber dann zahl ich dir nur noch 80. Zeit ist Geld. Swentja schließt die Tür mit einem festen Ruck. SWENTJA (LAUT) Tut mir leid! (zu Sonja) War nurn Zeitungsjunge. Wollte uns nur was verkaufen. SONJA Warum hatte der'n Geld am Kopf? SWENTJA War so´n Lockangebot. Gute Nacht ihr Beiden. SONJA (MIT DER STIMME DER KLEINEN) Gute Nacht.

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BILD 17

ATELIER / LASTENAUFZUG

INNEN / NACHT

(Motiv: Wohnung/Atelier/Lastenaufzug - original in Alter Baumwollspinnerei)

Robert Pfennig (in schicker Garderobe) steht in einem eher verdreckten Lastenaufzug, auf dem Weg nach oben. Die Wände zwischen den Stockwerken, zieren Graffitis von Penisse und Brüsten. Dazwischen die GraffitiSchrift: "BE WITH SOMEONE, WHO MAKES YOU HAPPY !" Unruhig trippelt er von einem Fuß auf den anderen. Laut und ruckelnd hält das Ungetüm und er öffnet zögerlich die große Stahltür. In ihrem Atelier sitzt JANINE (40, Künstlerin, wir kennen sie aus Bild 4) vor ihrem großen Desktoprechner. Sie ist gerade dabei eins der Bilder (in Bild 4 geschossen) zu retouchieren. Unreinheiten und Pickel verschwinden, die Augen bekommen auch noch einen Extraglanz.

Schnitt 17T: Robert geht durch den Flur, vorbei an der Aktklasse. (Er fragt nach Atelier von Janine!) Schnitt: Janine arbeitet weiter an der Bildretouche. Robert kommt ins Atelier. Janine kommt sie freudestrahlend auf Robert zugelaufen. Sie ist ziemlich mit Farbe beschmiert, wie auch der ganze Rest ihres Ateliers. JANINE Hallo.... ROBERT Hallo. Also ehrlich gesagt, ich hab so etwas noch nie gemacht ... also ... ich bin etwas .... Keine Ahnung, ob ich dafür überhaupt der Richtige bin. JANINE Keine Sorge, sonst hätte ich dich ja nicht angesprochen. Da liefen noch genug andere rum. (Sie gibt Robert einen hellgrauen Pyjama.) Hier. Umziehen kannste dich im Bad. Ratsch! Sie zeigt Robert das improvisierte Badezimmer und geht in eine Ecke des geräumigen Ateliers, in dem ein Winkel einer grob bemalten Holzkulisse steht. Darin steht ein ebenfalls grob bemalter, alter Sessel. Janine startet an ihrem Rechner etwas Musik und lädt das bearbeitete Foto schnell noch bei einem Datingportal hoch während sie wartet, bis Robert aus dem Bad kommt. Robert schaut sich um. Sein blick fällt auf eine Plastikhand, die aus einem Regal ragt. Er nimmt sie und fördert einen künstlichen Arm zu Tage, an dessen Ende eine Handyhalterung angepracht ist. (Damit hat Janine die Aufnahmen gemacht.) HUMMELN IM BAUCH

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BILD 16

(ALS 18 A EINGESCHNITTEN) ANGER ROOM

INNEN / DÄMMERUNG

Ein angedeutetes Wohnzimmer aus 3 Wänden. Auf der Hinterseite ist ein Fenster samt Vorhängen aufgedruckt. Die Seitenwände sind tapeziert, aber auch extrem stark strapaziert. Die meisten Möbel sind zerstört. ECKI Nölten ist dabei in aller Ruhe Glassplitter und eine zerbrochenen Vase zusammen zu fegen. SONJA (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) Der Tag löste sich für viele beinahe in Wohlgefallen auf. Ecki aber war, wie immer, nicht zufrieden. Sein dauerhaftes Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, nagte ihm an der Seele. (cont.) Ecki räumt das zertrümmerte Holz der Möbel beiseite. SONJA (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) (cont.) Seit seiner erzwungenen Frühpensionierung verbrachte er die meiste Zeit damit, die Verantwortung für seine Misere überall, nur nicht bei sich selbst zu sehen.

BILD 18 ENTFÄLLT !!!!!!!!!!!!!

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BILD 19

ATELIER

INNEN / NACHT

(Motiv: Wohnung/Ateleier original in Alter Baumwollspinnerei)

Eine bemalte Hand, die aussieht wie ein Gemälde, hält eine Zigarette. Nur der Zigarettenrauch verrät, dass es sich nicht um ein zweidimensionales Bild handelt. Robert sitzt in dem bemalten Stuhl, in der bemalten Ecke. Seine Schuhe und Hose sind mittlerweile ebenfalls mit groben Pinselstrichen bedeckt. Janine bemalt gerade Roberts linken Arm, der auf der Stuhllehne ruht, während Robert mit der anderen Hand genüsslich raucht. ROBERT Quatscht du eigenlich alle deine Modelle einfach so im Baumarkt an, Janine? JANINE Überall. Ganz ehrlich, du bist mir aufgefallen, weil du so traurig mit Deinen Farbeimern durch die Gänge gelaufen bist. Was war´n los? ROBERT Nichts besonderes. Meine Frau wirft mir immer vor, dass ich keine Struktur mehr habe. Keine Struktur... Hab vorher im Ausland gearbeitet. Bauleiter. Immerhin ne gute Abfindung gekriegt. Ich hab drei Frauen im Haus, aber außer meinen Bienen braucht mich grad niemand. Und das ist jetzt vorbei. Und bei dir? JANINE (LACHT) Bin allein. Zum Glück. Echt gern allein. Schweigen. Janine malt konzentriert weiter. JANINE Wie läuft es sonst so mit deiner Frau? Robert grimassiert. JANINE Ok, verstehe. Wie lang schon nicht mehr? Robert schweigt. Grimassiert. JANINE (BETRACHTET ROBERT) Lass mich raten ... Drei Jahre? Robert schweigt. Sie beginnt nun Hals und Gesicht zu bepinseln. Sie malt ihm traurige Mundwinkel, die nach unten zeigen. Robert ist wie erstarrt. Janine nimmt die Zigarettenkippe aus seiner Hand, und wirft sie außerhalb der Deko. Schweigend wird weitergearbeitet. Roberts Fuß, der ungeduldig und rhythmisch auf den Boden klopft, ist das einzige Geräusch. Passend zu diesem Rhythmus beginnt jetzt der Gesang eines glockenhellen Mädchenchors.

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BILD 20

MONTAGE (I)

DIVERSE / NACHT

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt- 7 Sänger, Chorleiter: Leopold v. Verschuer, KeyboardspielerIN))

Ein Dirigent lässt seine Arme und Finger durch die Luft tanzen. Es singt ein Mädchenchor. Johnny begleitet den Chor auf dem Cello. Ebenso ein anderer Jugendlicher auf dem Epiano. Dazu die folgende Montage. 1. Bist Du bereit, fürs Paradies? Und alle Freuden, die Gott uns verhieß, sie sind viel mehr, als Träumerei; ein Leben glücklich in Frieden und frei. Vom Bösen keine Spur zu sehn, durch Gottes Herrschaft wird dies geschehn. Das wahre Leben dann jeder genießt. In Taten der Lobpreis aus unserm Leben fließt. 2. Wir sind schon jetzt, im Paradies weil alles wahr wird, was man uns verhieß. Kein Zweifel mehr, der uns entsetzt, kein Dämon der uns in Angst versetzt. Und schau auch du, du bist bestellt, kein Kummer mehr in der neuen Welt. Wenn alle die hörn den Ruf, werden wach. So steigt auf die Freude und Jubel hundertfach. 3. Drum richt dich ein, im Paradies genieß die Zeit, die der Schöpfer dir ließ, aus gutem Grund, mach dich bereit; für die Erlösung aus Trübsal und Leid. Es liegt doch ganz in deiner Hand, zu sehen wer alle Leben verband. Das Paradies braucht kein Ziel keinen Raum, wenn du beginnst frei zu leben deinen Traum.

BILD 20 A: Maschjonka an ihrem Arbeitsplatz. Sie baded in einem Altenheim gerade gelassen und freundlich einen sehr alten Herrn in einer medizinisch anmutenden High-Tech-Badewanne. (Motiv: Kombimotiv II – Bundeswehrkrankenhaus)

BILD 20 B: (Jump Cuts) Julia schraubt in ihrem fast leeren Appartement alleine ein Ikea Bett zusammen. Dann nimmt sie einen Roboterstaubsauger aus seiner Verpackung, betrachtet ihn, setzt ihn in die Ladestation. BILD 20 C: In einem Flüchtlingsheim sitzt Carla als zivile Beamtin einer Verwaltungsbehörde ängstlich an einem Tapeziertisch und bearbeitet mit Gummihandschuhen die Anmeldungen der ausschließlich männlichen Flüchtlinge, die vor ihr und ihren Kollegen in langen Schlangen stehen. (Motiv: Kombimotiv II – Bundeswehrkrankenhaus – 32 Flüchtende, 2 Beamte) BILD 20 D: Mahmud und sein jüngerer Bruder Faisal (8) auf Gebetsteppichen beim Abendgebet, das Faisal auf arabischer Sprache spricht.(Motiv: Kombimotiv I – Kirche/Wohntrakt) ARABISCH ! BILD 20 E: Ecki sitzt in seinem Wohnzimmer und verfüttert ein paar Kartoffel-Chips an seinen Papageien, der ihm auf der Schulter herumläuft. BILD 20 F: Thomas Stern sitzt vor seinem Rechner klickt ein Fischrezept an und liest es!!!! (mit einem Bild, worauf der Fisch klar zu erkennen ist!) BILD 18 G: Janine macht zufrieden das Foto, vom fertig bemalten Robert. ( - ENDE Spieltag 1 - ) HUMMELN IM BAUCH

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BILD 21

HALLENBAD

INNEN / TAG

( - BEGINN Spieltag 2 - Freitag ) (Motiv in Halle – 17 Kinder, 1 Lehrer- UNTERWASSERCASE!) Ein steriles Hallenbad. Aus einem der Umkleidekabine tritt der blasse Johnny, der sich in seiner Badehose sehr geniert. Er sieht im Wasser einen dicken Jungen, der sein Smartphone in eine wasserdichte Hülle gesteckt hat und eine SMS schreibt. Dann fällt Johnnys Blick auf eine Gruppe Mädchen. Vor Johnny taucht Swentja aus dem Wasser auf. Sie hat eine Plastiktüte um ihren Gipsarm gewickelt. Johnny ächzt und fällt am Beckenrand auf die Knie. JOHNNY Gott im Himmel, ich danke dir!! Swentja ist peinlich berührt, will am liebsten weg, aber um noch Peinlicheres zu vermeiden, wendet sie sich Johnny zu. SWENTJA Was willst du? JOHNNY Ich dachte, du bist tot, Swentja. Ich versuche die ganze Zeit Dich anzurufen. Aber du lebst! SWENTJA Ich denke du darfst beim gemischten Schwimmunterricht nicht mehr mitmachen. Kannst du bitte mal aufstehen? Johnny erhebt sich. Swentja klettert aus dem Wasser. SWENTJA Es ist aus zwischen uns. JOHNNY Was? SWENTJA Ja, was? Weiß ich auch nicht, was das war. Egal. Jetzt ists vorbei. Du bremst. Siehs ein. Johnny begreift nicht. Ihre Worte treffen ihn wie Faustschläge. Er weigert sich zu akzeptieren, was sie da sagt. JOHNNY Ich ... ich ... liebe dich! Sehr! Jesus liebt dich auch! SWENTJA Und? Will der’n Dreier machen? Dein Jesus? Johnny ist perplex. JOHNNY Hey Swentja, was hab ich denn falsch gemacht. Sagt. Bitte!

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SWENTJA Du .... bist ... Du! (Pause) Und außerdem hab ich’n Neuen. JOHNNY Wen? Swentja überlegt. Ihr fällt nichts ein. Swentja dreht sich um und springt ins Wasser und taucht davon. Johnny sieht ihr stumm hinterher. Dann blickt er an sich herunter und verschwindet ebenfalls schnell.

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BILD 33 (EINGESCHNITTEN ALS 21 A) FITNESSSTUDIO / SPINNINGRAUM

INNEN / TAG

(18 Spinner , 1 TrainerIn)

Ein großer Raum mit Spinning-Fahrrädern. Alle strampeln sich ab, schwitzen. Laute Musik. In der hinteren Reihe strampelt sich Julia König auf einem Rad ab. Zwei Reihen davor trainiert Thomas Stern neben Carla, die ausdauernd und konzentriert in die Pedale tritt. Vorne, auf einem Podest sitzt die Spinningtrainerin und gibt die Kommandos auf englisch in ihr Headset. Stern tritt begeistert in die Pedale und redet auf Carla ein. STERN Sollten wir öfter machen, oder? Carla nickt. STERN Bewegung ist einer der wichtigsten Hebel gegen die Angst. (Er feuert Carla an) Yes! Go! Go! Go! Go! Die Trainerin schaut zu Stern und Carla rüber, brüllt aber routiniert auf englisch das nächste Kommando in ihr Headset. STERN Fühlt sich das gut an? CARLA (GEGEN DIE MUSIK) Ja! STERN (LAUTER) Fühlt sich das richtig gut an? CARLA (LAUTER) Ja! SPINNINGTRAINERIN (INS HEADSET) Shut the Fuck up! Idiots. Stern bemerkt das er, bzw Carla gemeint war. STERN Was war das? Die Trainerin dreht die Musik lauter und gibt weitere harsche Anweisungen in ihr Headset. Stern steigt vom Rad und geht nach vorne? STERN (BRÜLLT GEGEN DIE MUSIK) WAS WAR DAS? Die Trainerin fährt ungerührt weiter. Stern fackelt nicht lange und zieht ein Kabel aus der Anlage. Plötzlich ist es schlagartig still. HUMMELN IM BAUCH

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STERN Pass gut auf, Drill Seargent: Mir egal, dass du offenbar der deutschen Sprache nicht mächtig bist, aber ich möchte nicht, dass du hier meine Freundin vor versammelter Mannschaft anmachst, ist das klar? Kann ja sein, dass das bei euch in Puertorico anders ist – aber hier reden wir mit Frauen auf Augenhöhe. (geht ab, zu den anderen) Ja, so isses. Leben hier auf Stütze und beleidigen meine Freundin! Wir sind Vollzahler! Ohne uns gäbs kein Willkommensgeld, ihr Arschgeigen! Vergiss das nie! Stern macht sich auf dem Rückweg zu seinem Fahrrad. JULIA KÖNIG (ENTRÜSTET FÄHRT ABER WEITER) Wie können sie so mit ihr reden. (zur Trainerin) Sorry! You are welcome, Rebecca. (wieder zu Stern) Ich bin auch Vollzahlerin, und eine Sache habe ich ganz sicher nicht gebucht, nähmlich so ein Rassistenarschloch wie sie, das hier mein ganzes Training verkackt. STERN (IN RAGE ZU JULIA) Klar, sobald es mal jemand wagt, Klartext mit den Flüchtenden dieser Welt zu sprechen... JULIA KÖNIG Wegen Leuten wie ihnen und ihrer Freundin, wird mir manchmal schlecht, wenn ich an Deutsch... STERN Lass meine Freundin aus dem Spiel, du Biofotze! Du ungefickte, einsame Bio.... (Stern merkt, dass er zuweit gegangen ist) ...scheide. Die Trainerin hat die Verbindung wieder hergestellt und die Musik wummert wieder weiter. Auch das Headset funktioniert und die neuen Komandos kommen. Stern fordert Carla mit einem Winken zum gehen auf. Sie verlassen den Raum. Julia König verausgabt sich weiter auf ihrem Spinningrad.

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BILD 36 (EINGESCHNITTEN ALS 21 B)

FITNESSSTUDIO / DAMPFBAD

INNEN / TAG

Stern und Carla sitzen im schummrigen Licht im Dampfbad auf einer schwarzen Steinbank. Stern hat ein Handtuch um die Hüften, Carla auch um den Oberkörper. Sie schweigen. VOICE OVER (VON WEM?) Voice over über Carla, ihre Angst vor Fremden. Text wird noch geschrieben......... (aber hier einen längeren Teil für die VO einplanen. Bild Carla von hinten!) STERN Entschuldige bitte, ich glaube da bin ich eben etwas zu weit gegangen. Sorry. CARLA Kann sein. Aber ganz ehrlich, "ungefickt" trifft es ganz gut..... Die Alte war echt nervig. Stern lacht Carla an. CARLA Weißt du, ich bewundere Menschen, die so mutig und angsfrei sind, wie du. Die sich sowas einfach mal trauen. Echt. STERN Naja, angstfrei. das ist echt ein großes Wort. Ich meine .... wer ist das schon wirklich.... CARLA Gab es denn mal einen Moment, in dem du Angst hattest? Stern guckt konsterniert Carla an. Offensichtlich ja. Er schüttelt mit dem Kopf. STERN Nein, ich denke nicht...also nein, nicht wirklich. CARLA Das meine ich...ich sehne mich so nach dieser Freiheit. Nicht mehr darüber nachzudenken, was passieren könnte... ich – also mit dir zusammen klappt das schon mal. STERN Nach all dem, ist es geradezu selbstverständlich, dass du allein noch nicht so weit bist. Warum soll man überhaupt immer alles allein schaffen? Mach dir keinen Druck, Wir haben alle Zeit der Welt – ich helfe dir dabei. Versprochen. Carla ist in Gedanken. Ihr Blick ist auf einen arabischen Mann gerichtet, der auf einer anderen Bank nackt und breitbeinig auf seinem Handtuch sitzt. CARLA. Ich kriege gerade wieder ein bisschen Appetit...aufs Leben. Sie lächelt. Stern auch.

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STERN Ich weiß nicht wie es dir geht? Aber der leckerste Fisch ist für mich der, den man selber kocht. Ich mache am liebsten Loup de Mer. Magst du den? CARLA Ich krieg gerade sogar richtig Hunger. Carla steht auf und stellt sich vor den Mann, der breitbeinig da sitzt. CARLA Hallo, junger osmanischer Mann. Toll das sie so gut gebaut und bestückt sind, herzlichen Glückwunsch. Hm. Lecker. Ja, das mag ich sehr. Ich liebe Männer, die breitbeinig und selbstverliebt in der Sauna sitzen. Ich liebe ihre Blicke auf meinen Titten. Ich denke den ganzen Tag nur an sowas! Der Araber guckt überrascht. CARLA So, und jetzt sag ich dir mal was, du Affe: du kannst mich nicht beeindrucken. Du kannst mir keine Angst machen. Nee, das kannst du nicht! Und weißt du auch warum? Ich lasse es einfach nicht mehr zu, dass ihr Kanaken mich einschüchtert, ist dir das klar?! Ich bin weiß aber frei! Und jetzt guck nicht so treuherzig doof, du! Wichser! Damit verlässt Carla wutentbrannt, aber auch erleichtert das Dampfbad und knallt die Tür hinter sich zu. Der Mann schaut Stern entgeistert an. ARABISCHER MANN Sag mal, gehört die zu Dir? STERN (STOLZ) Ja. JA! Hinter der Glasscheibe des Dampfbades, steht Mahmud mit einem Handtuch um die Hüfte. Er beobachtet Stern, der gelassen aufsteht und aus dem Dampfbad geht.

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BILD 23

SEMINARRAUM

INNEN / NACHT

im Kombimotiv II - Bundeswehrkrankenhaus) Eine Gruppe die unter Anleitung Familienaufstellungen durchführt. Ca 20 Frauen und wenige Männer sitzen in einem Stuhlkreis. Alle tragen Hausschuhe. Die Leiterin beobachtet aufmerksam, was sich in der Mitte des Kreises ereignet. Dort steht ECKI einer jungen Frau gegenüber und mustert sie. (Motiv:

ECKI Ich kann das nicht. Genau wie damals... boahhh ... wie die schon guckt. (lauter) Da könnte ich gleich durch die Decke gehen. GRUPPENLEITERIN Nicht reden, geht einfach mit eurer Bewegung. Ecki fackelt nicht lange, schnappt sich die junge Frau und beginnt sie zu schütteln. ECKI (SCHREIT) Du hast mein Leben ruiniert, ist dir das eigentlich klar? Ich war dein Lehrer, checkst du das, du verlogenes Miststück? Ecki holt aus um der jungen Frau eine zu knallen. GRUPPENLEITERIN STOPP! Sofort aufhören. Eckehard, komm mal her, bitte. Die Gruppenleiterin deutet auf den leeren Stuhl neben ihr. Ecki nimmt dort Platz. GRUPPENLEITERIN So dann geht mal bitte ein Stellvertreter für den Eckehard rein. Ein junger Mann meldet sich und geht in die Mitte des Stuhlkreises. GRUPPENLEITERIN (ZU ECKI) So, du beruhigst dich jetzt mal. Wenn du dir das von hier aus ausschaust, was fehlt da noch? Schau mal hin. ECKI Na die Eltern. Damit hat´s ja angefangen. Die haben die Anklage erst durchgesetzt. GRUPPENLEITERIN (IN DIE RUNDE) Zwei Stellvertreter für Vater und Mutter der Schülerin von Eckehard bitte. ECKI Die Tochter, die hätte keiner ernst genommen. Den Vater kenn ich nicht, der war im Ausland damals, aber die Mutter. Die ist mir von Anfang an ... GRUPPENLEITERIN (ZU ECKI) Das reicht, danke. HUMMELN IM BAUCH

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BILD 24

PANOMETER – SILENTPARTY / PROJEKTION

INNEN / NACHT

(Motiv: PANOMETER, Leipzig (60 Personen, incl. DJ und Personal!))

Uwe König steht am Strand vor einer rauschenden Meeresbrandung. Er blickt auf sein Telefon und wartet. Er trägt einen spießigen Businessanzug und eine Krawatte mit einem lustigen Unterwassermotiv. Nach einer Weile tritt Janine hinzu und spricht ihn an. Der Strand und das Meer entpuppen sich als eine Projektion im Hintergrund. JANINE (FRAGEND) Brandbeschleuniger XL? UWE (NICKT) Nixe74? Er streckt die Hand aus. JANINE (SCHÜTTELT DIE HAND) Ich bin... Janine UWE Janine, du siehst entzückend aus! Uwe. Ich dachte bei deinem Nickname passt das hier ganz gut, als erstes Date. JANINE Na dann..... geh´n wir rein.....

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BILD 25

SEMINARRAUM

INNEN / NACHT

(Motiv: im Kombimotiv II - Bundeswehrkrankenhaus)

Mittlerweile stehen mehrere Personen innerhalb des Stuhlkreises. Im Zentrum immer noch die Stellvertreterin der Schülerin und der Stellvertreter von Ecki. GRUPPENLEITERIN (ZU ECKI) Und? Eckehard, fällt dir was auf, wenn du das so siehtst? ECKI Na ja, die kleine Zicke da, die steht zwischen meinem Stellvertreter und dem Beruf. GRUPPENLEITERIN Wie geht es denn dem Berauf da hinten? (Reaktion) Hmmm. Und wie geht´s der Anerkennung, da? Der Stellvertreter für die „Anerkennung“ hat sich quasi hinter dem „Beruf“ versteckt. STELLVERTRETER ANERKENNUNG Also ich traue mich hier nicht raus. Ich fühle mich da drüben nicht willkommen. GRUPPENLEITERIN (ZU ECKI) Was glaubst du, warum hat die Anerkennung eher Angst vor Dir? ECKI Weil das ein schwerer Vorwurf war und total ungerecht. Sexuelle Belästigung. Da musste sich der Rektor doch von mir, also .... unter diesen Umständen ... mussten die sich von mir trennen an der Schule. „Es ist ja sicher auch in Ihrem Interesse, diese Geschichte nicht weiter zu verfolgen.“ Hat der gesagt. Natürlich war es verdammt noch mal nicht in meinem Interesse! Die Wahrheit wäre in meinem Interesse gewesen. Aber die da konnte in aller Seelenruhe sonen Kack behaupten und kam damit durch. Und ihre Eltern, die haben auch noch alles geglaubt. GRUPPENLEITERIN Ecki, soweit waren wir doch schon. ECKI Ja, ich weiß. Und das alles, weil sie einmal durchgerasselt ist. Sie war schlecht. Und faul. Was sollte ich machen, die fünf war total gerechtfertigt. GRUPPENLEITERIN Da drehst Du dich mal wieder im Kreis. (zum Stellvertreter von Ecki) Wie geht’s dem Stellvertreter von Ecki? STELLVERTRETER ECKI Weiß nicht. Ich hab die ganze Zeit nur die im Blick. HUMMELN IM BAUCH

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GRUPPENLEITERIN Du warst ..... STELLVERTRETERIN SCHULD Die Schuld. GRUPPENLEITERIN Ach ja. Wie geht es den Eltern? (Rea) Wie der Schülerin? STELLVERTRETERIN SCHÜLERIN (sie zuckt mit den Schultern) Keine Ahnung. Das da drüben geht mir aber am Arsch vorbei. ECKI (DRUCKVOLL) Da hört ihr es. Ihr geht’s am Arsch vorbei. Bei mir ist einfach die Grenze der Toleranz erreicht. Ich kann mir doch nicht alles gefallen lassen. GRUPPENLEITERIN (BETONT RUHIG) Ok, dann noch einen Stellvertreter für die Toleranz bitte. (Eine Teilnehmerin springt gleich auf) Ok, Barbara, dann du! Ecki springt von seinem Stuhl und tritt aufgebracht zwischen die Aufgestellten. Er schubst, seinen Stellvertreter, die Eltern, die Toleranz, den Beruf und die Aufmerksamkeit beiseite. Zeigt auf die Stellvertreterin der Schülerin. ECKI (LAUT) Hier ist das Problem. Die da! Die hat mich fertig gemacht. Und ihre Eltern haben mitgemacht bei dem Scheiß-Spiel. (wendet sich der Stellvertreterin der Schülerin zu) Aber pass auf du. Wart ab. Ecki stößt die Stellvertreterin der Schülerin zur Seite und verlässt den Raum. GRUPPENLEITERIN Nehmt Platz, kommt gut wieder zu Euch. Wer hat das nächste Anliegen?

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BILD 26

PANOMETER - SILENTPARTY

INNEN / NACHT

(Motiv: PANOMETER, Leipzig (60 Personen, incl. DJ und Personal! – STROBO-Lichteffekte))

In einem alten Gasometer ist ein riesiges Panoramabild des Great Barrier Reefs aufgehängt. In der Mitte steht ein Metallturm mit 4 Stockwerken. Darauf findet eine dieser „Silentpartys“ statt. Das heißt, zum Tanzen bekommt jeder einen drahtlosen Funk-Kopfhörer, in dem die Musik läuft. Alle, die sich lieber unterhalten wollen, können dies bei normaler Lautstärke tun. Es wird in dem recht stillen Unterwasser-Raum wild getanzt. An einem Tisch, auf dem obersten Deck des Turms sitzen Uwe König und Janine, beide haben leuchtendete Kopfhörer um den Hals. JANINE Du sahst auf deinen Profilbildern irgendwie ... anders aus. UWE Enttäuscht? Janine lächelt etwas. UWE ... also ... ok ... ich erzähl dir was...... JANINE Lass mich raten: bipolar, oder laktoseintollerant? UWE Quatsch, die Bilder, also die ... sind vielleicht nicht ganz aktuell, dass kann schon sein. Aber hier! (er zieht sein Jackett hoch, so dass ein kleiner elektronischer Stick am Hosenbund zu sehen ist) Jeder Schritt wird gezählt. 11.000 sind mein Tagessoll. Also fast 8 Kilometer. Bin top in Form. JANINE Super. Hauptsache das XL stimmt. UWE Wär mir ein Vergnügen, dich erstmal zu nem Drink einzuladen – wenn du nichts dagegen hast. JANINE Das Vergnügen gönn ich dir.

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BILD 27

SEMINARRAUM / SPINDRAUM

INNEN / NACHT

(Motiv: im Kombimotiv II – Bundeswehrkrankenhaus / Raum mit gelben Spinden)

Ecki ist ganz alleine im Raum mit den Spinden. Er nimmt seine Schuhe aus einem der Schränke und zieht sie an.

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BILD 28

PANOMETER - SILENTPARTY

INNEN / NACHT

Auf beiden Decks wird wild (und lautlos) getanzt, während der DJ sein bestes gibt. Oben sitzen Janine und Uwe vor zwei vollen Longdrinkgläsern und zwei drahtlosen Kopfhörern, die vor ihnen liegen. UWE Gin ist nicht gleich Gin. Ich habe zu Hause acht extrem verschiedene Sorten. Von floral bis extrem würzig. Dazu drei, manchmal vier verschiedene Tonic-Water. Die Kombination macht´s, weißt du..... Uwe lacht. Eine kurze, unangenehme Pause entsteht. Sie stoßen mit den Gläsern an. UWE Und für was interessierst du dich so? JANINE Für alles, für´s Leben. UWE Du bist Künstlerin? JANINE Ja. Naja. Ich male. Fotografiere. UWE Interessant. Erzähl doch mal ... JANINE Und du? UWE Marktleiter. Verkauf. Also, Lebensmittel. Eine längere Pause. Schweigen. Zeitschnitt BILD 28 T: Wildes Getanze, der DJ zappelt rum. Die Longdrinkgläser bei Uwe und Janine sind wieder voll. UWE ... das jetzt heißt „1742“ und zwar aus gutem Grund. Weißt Du warum? Ich werde es dir sagen. Die Botanicals für dieses Tonic werden in den Anden auf 1742 Metern Höhe handgepflückt. Gebraut mit reinstem patagonischen Gletscherwasser. JANINE (TRINKT GERADE) Lecker. UWE Über 100.000 Jahre alt. JANINE Dein Leben ist eher langweilig, oder? HUMMELN IM BAUCH

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UWE (VEHEMENT) Wie bitte? Wenn man ständig mit Menschen zusammentrifft, wird es nie langweilig. JANINE Stimmt. UWE Gerade gestern zum Beispiel, da ist Einer richtig auf mich losgegangen, weil eine Geschmackssorte irgendwelcher Chips, nicht vorrätig war. Ich hab ihn vor die Tür setzen ... lassen müssen. Leider. Und das verrückteste: die Geschmackssorte gibt es nicht. Die hatte er völlig frei erfunden! Das ist doch Crazy. JANINE Was für eine Geschmackssorte denn? UWE (ABWINKEND) Darum geht´s doch gar nicht. Der Mensch, der dahintersteckt hat mich interessiert. Ich hab mich bei meinen ... Mitarbeitern erkundigt und weißt du was? (eine kurze Pause entsteht) Die kannten den. Der hat immer nur abgepackte Wurstabschnitte gekauft. Die gibt es bei uns jetzt aber nicht mehr. Daher wohl die Wut. Mir ist die Verzweiflung von diesem Typen ans Herz gegangen und ich hab nicht lange gefackelt. JANINE Aha! UWE Ja! Jeder hat’s in der Hand, etwas zu verändern, zu helfen. Ich pfeif auf die scheiß Vorschriften. ZACK, BUMM – Jetzt gibt es sie wieder. JANINE Wen? UWE Na, die Wurstabschnitte. Zwischenschnitt BILD 28 A – SUPERMARKTTHEKE: Ein Tabeltt mit Wurstabschnitte wird hingestellt. Ein kleines Schild mit der Aufschrift „Wurtabschnitte auf Anfrage verfügbar!“ wird in die Theke gestellt. Auf der Party. Schweigen zwischen Uwe und Janine. Janine greift nach einem der drahtlosen Kopfhörer und mischt sich unter die Tanzenden. Uwe schaut ihr kurz hinterher. Dann nimmt er ebenfalls die Kopfhörer und eilt ihr nach. Wir sehen, wie sie tanzen, und der DJ wild gestikuliert. Uwe ist ein toller Tänzer. Ein anderer Tänzer trägt Schuhe mit leuchtenden Sohlen.

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BILD 29

ZIMMER FAISAL / MAHMUD

INNEN / NACHT

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt – ABGEHÄNGT!)

Ein Kinderzimmer mit zwei Betten, Schreibtisch, an der Wand eine libanesische Flagge. Sein kleiner Bruder FAISAL (8) liegt auf dem Bett und liest. Mahmud sitzt auf dem Drehstuhl am Laptop, dem Bildschirm (der Mahmuds Gesicht erhellt) halb abgewandt. MAHMUD Hey Faisal, ich hab mal ne Frage: (weiter arabisch!) wieso hat Allah eigentlich so viele Ungläubige erschaffen, die man erst töten muss. Da hätte sich Allah ja ´n Arbeitsschritt ersparen können, wenn er gleich nur Gläubige in die Welt gesetzt hätte. FAISAL (DOZIEREND) Wer will denn Ungläubige töten? Hä? Du willst mich provozieren. Du bist echt nicht reif genug, das innere Wesen des Islam zu verstehen. Allah geht nie den einfachen Weg, er will die Menschen prüfen. (Faisal ist aufgestanden, hat zwei Telefonbücher unter dem Waschbecken im Zimmer hervorgezogen, steht drauf und pinkelt ins Waschbecken, während er doziert) Und vor Entscheidungen stellen. Allah will aber keine Schafe. Allah will, dass du handelst. Dein Leben in die Hand nimmst. Dich entscheidest und dich ganz bewusst abgrenzt von allem Übel. Mahmud hat schon länger aufgehört zuzuhören, er tippt während Faisals Vortrag bei Facebook eine Nachricht an Swentja. CHAT MAHMUD und? CHAT SWENTJA ? CHAT MAHMUD Noch interesse, Rapunzel? CHAT SWENTJA ka ... wie heißt du überhaupt?

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BILD 30

TOWNHOUSE PFENNIG – ZIMMER SWENTJA

INNEN / NACHT

Auch Swentjas Zimmer ist schon teilweise abgebaut .Sie liegt auf dem Bauch auf ihrem Bett, schaut auf ihr Handy, liest und tippt mit der linken, nicht eingegipsten, Hand. (ABGEHÄNGT! Stadium wie in Bild 15, Vorhänge zugezogen)

CHAT MAHMUD wie hast mich denn gespeichert? CHAT SWENTJA LECK-ARAB :-) Die Tür von Swentjas Zimmer öffnet sich, ihre Mutter Maschjonka kommt herein. CHAT MAHMUD mahmud hier SWENTJA (ZUR MUTTER) Man! Anklopfen! MASCHJONKA Tut mir leid. Wir müssen was bereden. SWENTJA (BLICKT AUFS LAPTOP) Bin beschäftigt. Maschjonka setzt sich ans Bettende. Swentja dreht ihr Handy so, dass ihre Mutter nicht auf den Bildschirm blicken kann. CHAT MAHMUD Noch da? MASCHJONKA Ist wichtig, pass auf – fällt Dir eigenlich was was auf, zwischen deinem Papa und mir? (Pause) Du merkst es ja sicher auch, ... also ... das da etwas die Luft raus ist. SWENTJA Und? CHAT SWENTJA sorry meine mum macht stress MASCHJONKA Ich hab ne Idee und wollt dich fragen, ob du hilfst. SWENTJA Womit? MASCHJONKA Der muss mal wieder in Schwung kommen. Darum dachte ich, etwas Eifersucht könnte helfen. Der muss was für sich tun, das Rauchen aufhören, Sport machen ..... HUMMELN IM BAUCH

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CHAT MAHMUD jetzt zick nich rum.... es gibt auch noch hübschere Mädchen als dich. SWENTJA Was hab ich damit zu tun? MASCHJONKA Dir vertraut er. Du müsstest ihm nur mal stecken, dass Du glaubst, dass ich einen Lover hab. CHAT MAHMUD Wie alt bist du eigendlich? SWENTJA Ernsthaft? Maschjonka schaut ihre Tochter erwartungsfroh an. Die tippt ins Telefon. CHAT SWENTJA 14 CHAT MAHMUD :-) morgen? MASCHJONKA Danke. Sie knufft ihre Tochter durch die Bettdecke am Fuß und steht auf. CHAT SWENTJA nach der schule 14? Maschjonka verlässt Zimmer. MASCHJONKA Mach da nicht mehr so lang und vergiss nicht deine Bücher auszusortieren, und einzupacken ok? CHAT MAHMUD perfekt J SWENTJA (GEDANKENVERLOREN) Nacht! (sie tippt) MASCHJONKA Wir haben da nicht mehr so viel Platz, da müssen wir uns alle einschränken. Auch du, Fräulein! Gute Nacht. CHAT SWENTJA Wo? (tippt) ? (tippt) ?? (tippt) ??? (tippt) ????? Abwartend blickt sie auf den Bildschirm. Eindeutig sexuelles Gestöhne ist zu hören. HUMMELN IM BAUCH

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BILD 31

TOILETTE

INNEN / NACHT

(Motiv: PANOMETER – Behindertentoilette und Frauenklo – Blaue wabernde Lichteffekte soßen das Motiv ein coole Unterwassersounds) STEADYCAM

Uwe und Janine sind gerade beim Schlussakkord ihres Sex, den sie in einer abschließbaren Behindertentoilette absolvieren. Beide haben noch ihre Kopfhörer um den Hals. Kaum fertig zieht Janine sich die Hosen hoch. UWE War das jetzt Mitleid oder Lust? JANINE (KÜSST UWE AUF DEN MUND) War doch nett. Janine will die Toilettentür öffnen, da fällt ihr Blick auf ein Schild an der Innenseite. JANINE (LIEST) „Wir bitte sie, diesen Ort so zu verlassen, wie sie ihn vorgefunden haben!“ (überlegt kurz) Gilt das auch für Menschen? UWE Was? JANINE Ob du so verlassen werden willst, wie ich dich vorgefunden habe? UWE (ETWAS ÜBERFORDERT) Ne.... also.... Ne JANINE Bis dann. UWE Du meinst: Auf Wiedersehen? JANINE (LACHT) Ja? Janine schließt die Toilettentür auf und schlüpft hinaus. Draußen warten einige vor der Toilette. Kaum ist Janine draußen, schießt Uwe die Tür wieder ab. Noch immer mit heruntergelassener Hose, setzt er sich auf den Toilettendeckel und checkt mit seinem Armband/Schrittzähler den aktuellen Status. (Auf seinem Handy als Kurve dargestellet?) Von draußen wird vehement an die Tür geklopft. Janine tritt vor die große Spiegelfront mit den Waschbecken. JULIA (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) Wir alle erzählen uns unablässig eine Geschichte, davon, wer wir glauben zu sein. Janine allerdings brauchte für ihre Geschichte am meisten Material. Echte Menschen, die sie nach dem Mitleidsprinzip aussucht, um sie dann zu übermalen. (cont.) HUMMELN IM BAUCH

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Janine ist an den Airblade-Handtrockner getreten und streckt ihre Hände in den starken, gut fokussierten Luftstrahl. Sie beobachtet die Hautfalten, die sich beim auf- und abbewegen der Hände bilden und über ihre Hände laufen. JULIA (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) (cont.) Ein armseliger Weg um das Gefühl der Überlegenheit zu erlangen. Doch in seltenen Momenten wie diesen, konnte auch sie das Gefühl älter zu werden und vergänglich zu sein, nicht erfolgreich verdrängen. Die Hautfalten laufen über ihre Finger, als sie die Hände aus dem Trockner zieht. ( - ENDE Spieltag 2 - )

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BILD 32

ZELTLADEN

INNEN / TAG

( - BEGINN Spieltag 3 - Samstag ) Mitten in einer Zeltausstellung steht Swentja mit suchendem Blick. Als sie aus einem der Zelte einen kurzen Pfiff vernimmt. Langsam geht sie in eine Richtung.... MAHMUD (OFF) Wärmer, wärmer...... Heiß!!!! Sie findet Mahmud, der aus einem Zelt verdruckst hervorgrinst. SWENTJA Ich müsste eigendlich sauer sein auf dich! MAHMUD Du? Auf mich? Wieso? SWENTJA Hast geschrieben, es gibt hübschere Mädchen als mich. MAHMUD Und du hast mich als „Leck Arab“ eingespeichert! Swentja setzt sich zu Mahmud ins Zelt. SWENTJA Hast ja recht, es gibt hübschere Mädchen als mich. MAHMUD Weil, sind viele Mädchen auf der Welt, so meint ich das. Sehr viele. SWENTJA Was mich interessiert – warum hast du dann ausgerechnet mich gefragt? MAHMUD Bei dir hab ich den Mut gehabt, zu fragen. SWENTJA Du meinst, weil ich hässlich bin? MAHMUD Nee, bist nicht hässlich. Aber was soll´s, will dich nur lecken, nicht heiraten. (sie wird rot, aber Mahmuds lockerer Ton gefällt ihr) SWENTJA Bis eben war ich mit’m Typen zusammen, der wollte mich heiraten. Frag nicht. MAHMUD (UNGEDULDIG) Egal, jetzt bin ich ja da. Wollen wir loslegen?

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VERKÄUFER Kann ich helfen? MAHMUD Ne danke. SWENTJA Wir überlegen noch. VERKÄUFER (GEHT WIEDER) Lassen sie sich Zeit. SWENTJA Hast du das Geld? MAHMUD Ich hab Geld. Aber nicht so viel Geld. Du willst es doch auch, oder? SWENTJA Wie kommst du darauf? MAHMUD Das spür ich doch. SWENTJA Ich hab´s aber nie gesagt. Swentja runzelt nun ebenfalls die Stirn und verfällt ins Grübeln. Es geht jetzt ums Prinzip. SWENTJA Ich mein, du hast ja eh schon nen Sonderpreis bekommen. Mahmud schweigt. Schaut sie nur an. SWENTJA Wieviel hast du denn? MAHMUD (LÄCHELT SIE AN) Nen Zwanni. SWENTJA Nee, echt. Dann lassen wir´s. MAHMUD (GENERVT) Okay. Er wirft die Hände in die Luft, und geht. Mahmud blickt zur Seite, als erwartet er, jeden Moment zurückgerufen zu werden. Dann dreht er sich noch mal um und ruft ..... MAHMUD (RUFT LAUT) Geldgeile Fotze! Im Zelt sitzt alleine die weinende Swentja. SWENTJA (LEISE MURMELND) Notgeiles Arschloch! HUMMELN IM BAUCH

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BILD 22

(EINGESCHNITTEN ALS 32 A) SPARY-TAN-SONNENSTUDIO

INNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv II – Bundeswehrkrankenhaus, mit Tageslichteinfall erzählen.)

Carla steht unschlüssig in einem noch undefinierbaren, nüchternen Raum. Stern ist dabei sich auszuziehen und legt seine Kleidung über einen Stuhl. An der Wand ist ein Spender für Einmalslips aus Papier. CARLA Im Dampfbad, das hat mir so richtig gut getan, Ich fühle mich seitdem wirklich anders....irgendwie hat mich das total befreit. STERN Du, ich war doch dabei! Ich will dir das auch nicht ausreden... CARLA Kannst du auch nicht! STERN Ich weiß, also meine ich ja. Ich war stolz auf dich! CARLA Ich – also... ich brauche niemanden, der stolz auf mich ist. Ich hab es für mich getan. Und das hier – sorry... STERN Lass dich drauf ein... CARLA Thomas! – ich brauch das hier gar nicht mehr. STERN Etwas vorschnell. Aber gut. Der Begriff Angst kommt ja aus dem indogermanischen, von "anghu" was soviel wie "beengend" "Enge" bedeutet. Darum geht es hier. Sich frei zu machen davon. CARLA Du willst mich jetzt auch nur nackt sehen, oder was? STERN (MITTLERWEILE NACKT) Das meine ich. Verstehst du das denn nicht?! Das ist dann mal wieder deine Angst, und nicht meine. Weshalb sind wir wohl hier? Sei nackt und du bist angreifbar aber nichts wird dir passieren. Du musst wieder Vertrauen haben, ins Leben! CARLA Aber du guckst? STERN Is ja lächerlich. Natürlich nicht. Es geht hier um Wichtigeres. Es geht um dein Trauma! HUMMELN IM BAUCH

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Ein offenbar homosexueller junger Asiate kommt herein und grüßt Stern freundlich. ANGESTELLTER Hallo. Wie immer? Stern nickt jovial und stellt sich in einen Verschlag in der Ecke des Raumes, die für den Zuschauer auch erst jetzt sichtbar wird. CARLA Trauma! Das hast du so genannt... STERN Das nennt man so... Der Angestellte justiert etwas an einer Art Spühpistole, und beginnt Stern von unten nach oben einzusprühen. CARLA Wer ist denn jetzt wieder „man“... STERN Die Polizei ... CARLA (ATMET GENERVT DURCH) Ok, was mir im Heim da passiert ist – ähm, natürlich war das nicht gerade angenehm aber vielleicht hätte der Typ gar nichts weiter gemacht ... STERN Hätte, hätte – Auto weg, da fährt der Lette Klar natürlich. Der Typ suchte vielleicht auch nur den Streichelzoo, weil er selber traumatisiert ist! CARLA Du wirst immer so polemisch... STERN Der Mann im Heim hat versucht dich zu vergewaltigen. Ob dir das passt oder nicht. Ich bin einfach objektiv! CARLA Na ja, die Berührung könnte auch zufällig passiert sein. STERN Genau. Deswegen war er ja auch nackt! CARLA Der stand vor der Kabine und hat sich nur umgezogen. STERN Vorm Frauenklo? CARLA Die haben wenig Möglichkeiten mal unestör.... STERN Wer nach der Dose greift, der will sie auch aufreißen, oder? HUMMELN IM BAUCH

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CARLA Hat er aber nicht! STERN Weil du Glück hattest! Du redest wie das klassische Opfer! Verzeih, aber du bagatellisierst einen schrecklichen Sachverhalt. ANGESTELLTER Mund zu! Auge zu! STERN Ich als Bulle, hab damit jeden Tag zu tun. Der Asiate besprüht Stern Hals und Gesicht. Stern tritt aus der Kabine und bleibt routiniert mit abgespreizten Armen und geschlossenen Augen zum Trocknen im Raum stehen. Der asiatische Angestellte hält Carla eine Farbtafel hin. ANGESTELLTER Welhe Fabe wüsch? STERN (MIT GESCHLOSSENEN AUGEN) Ich hab ihn erst auch nicht verstanden. Zeig einfach drauf. Carla schaut immer noch unentschlossen auf die Farbpalette. ZEITSCHNITT: Carla, nackt bis auf einen papierenen Einwegslip (den sie auf Bikiniformat eingerollt hat), steht in der Kabine. ANGESTELLTER Mund zu! Auge zu! In diesem Moment macht Stern (der immer noch zum Trocknen da steht) die Augen auf und blickt kurz zu Carla rüber. Die wenig später aus der Kabine tritt. ASIATE Ach Minute trocke, dann anzieh. Der Angestellte geht aus dem Raum. Stern steht seelig mit abgespreitzen Armen. Carla hinter ihm macht einen eher unglücklichen Eindruck. (Weint sie?) STERN (MIT GESCHLOSSENEN AUGEN) Ich bin so froh. Für dich! Ich kann dir die Tür nur aufmachen. durchgehen musst du selbst. Carla und Stern stehen beide mit abgespreizten Armen im Raum. Wie zwei stumme Pinguine. BILD 34 ENTFÄLLT !!!!!!!!!

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BILD 35

WOHNUNG JOHNNY / ZIMMER / FLUR / KÜCHE

INNEN / ABEND

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt – TIEFSTEHENDE SONNE)

Die Wohnung, in der Johnny mit seiner Mutter wohnt. Johnny macht in seinem Zimmer Übungen für die Bauchmuskulatur, hat Ohrstöpsel in den Ohren und hört Musik aus seinem Handy. Peter Maffay: „Du“. Stumm singt er den Text ausdruckstark mit. DU bist alles, was ich habe auf der Welt, DU bist alles, was ich will! DU, DU allein kannst mich versteh'n. DU, DU darfst nie mehr von mir geh'n. Seit wir uns kennen, ist mein Leben bunt und schön, und es ist schön nur durch DICH. Was auch gescheh'n mag, ich bleibe bei DIR, ich lass' DICH niemals im Stich. DU bist alles was ich habe auf der Welt, DU bist alles, was ich will, yeah, DU, DU allein kannst mich versteh'n. DU, DU darfst nie mehr von mir geh'n!

Leise ist seine Mutter zu hören, die durch die offene Tür zu ihm herüber ruft. MUTTER (OFF) Nicht traurig sein! Kommst Du noch? Johnny nimmt sich schnell die Stöpsel aus den Ohren. JOHANNES (RUFT) Was? MUTTER (OFF) Wie schreibt Petrus in seinem zweiten Brief: »Der Hund ist zum eigenen Gespei zurückgekehrt und die gebadete Sau zum Wälzen im Schlamm.« JOHNNY (RUFT) Du hast keine Ahnung! Ich brauche sie. MUTTER (OFF) Was ich weiß ist, dass du wegen diesem ordinären Luder morgen vors Komitee geladen wirst. Ich hoffe, deine Reue wirkt überzeugend. Komm Spatz, essen. Johnny legt gerade sein Handy zur Seite und zieht sich ein kindliches Pyjama-Oberteil über. JOHNNY (RUFT) Ich liebe sie! Immer noch. MUTTER (OFF) Das geht nicht. Du weißt, was dann passiert. Johnny hat mittlerweile im Pyjama sein Zimmer verlassen, und ist durch den Flur ins Wohnzimmer gegangen. Wir sehen den leeren Flur. MUTTER Komm, Herr Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns bescheret hast. (gemeinsam) Amen. Nur langsam nähert sich die Kamera der offenen Wohnzimmertür. HUMMELN IM BAUCH

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Schweigen. Langes Schweigen. Die Kamera eröffnet einen weitwinkligen Blick ins Wohnzimmer. Im Sessel sitzt Johnnys Mutter. Vor ihr kniet (mit dem Rücken zu uns) ihr Sohn und trinkt genüsslich an ihrer Brust. JOHNNY (HÖRT KURZ AUF ZU TRINKEN) Wann ist das denn morgen? MUTTER Direkt vorm Cello. Wir gehen da zusammen hin, ok? Johnny will noch was anmerken ...... MUTTER Nicht beim Essen! Sanft drückt sie den Kopf ihres Sohnes wieder an die Quelle.

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BILD 37

APPARTEMENT JULIA

(Motiv: Originalmotiv in Leipzig)

INNEN / AUSSEN / NACHT

Ein verglaster, moderner Neubau. Die Kamera nähert sich einem

erleuchteten Fenster. STERN (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) Mehrere Besonderheiten zeichnen dieses frisch fertig gestellte Haus in der Akazienstrasse 214 aus. Zum einen hatte der gutbezahlte, Architekt Teile des Hauses, mit verhängnisvollen Glasflächen versehen. Die Refexionen es Himmels in den Scheiben der oberen Stockwerke bescherten bereits jetzt hunderten Vogelleben ein abruptes Ende. Zum anderen sind sämtliche Appartements eher klein geschnitten und mit überteuerten Mieten auf dem Markt. Das führt dazu, das hier fast ausschließlich frisch getrennte Singles einziehen, die dringend eine Bleibe brauchen. Alle glauben am Anfang eine einfache und kurze Zwischenlösung gefunden zu haben, und werden doch länger bleiben. Viel länger. Die Kamera fährt näher an das Fenster heran. STERN (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) Julia König, hat sich vor einem halben Jahr von ihrem Mann Uwe getrennt. Jetzt lebt sie auch hier. Julia steht am Fenster und schaut auf die gegenüberliegenden Häuser. Dort sind erst wenige Wohnungen bezogen. In einer anderen Wohnung brennt Licht. Dort tanzt ein junger Mann vor der Webcam seines Laptops einen extrem ausdruckvollen, expresiven Tanz. (Die Webcam mitdrehen, für Bild 41!!!) Julias Wohnung ist recht leer. Umzugskartons stehen herum. Der Staubsaugerroboter zieht in aller Ruhe alleine seine Kreise. Wo die Küche hingehört, ragen nur die Anschlüsse aus der gefliesten Wand. Julia wischt jetzt auf ihrem Ipad durch den Onlinekatalog einer Escort-Agentur. Bilder von durchtrainierten solariums-gebräunten Männern grinsen von den Seiten, darunter Namen wie Fred, Mark, Ansgar. Julia greift zum Telefon, wählt. (Während des Telefonates steht Julia auf und geht ins Bad. Hier hat sie sich im Waschbecken ein paar Wienerwürstchen warmgemacht. Sie nimmt eins und beißt hinein. Telefonieren mit weißem Freisprechkabel! Im Bad Zahnputzbecher und eine Dose Wienerwürstchen. + Spiegel noch in Folie) JULIA Nabend, hier Julia König. Ja genau. Finde ich auch. (offensichtlich nicht das erste Mal, dass sie hier anruft, kennt die Telefonistin schon, kurzer Smalltalk) Sagen Sie, gibt es denn nicht mal was Alternatives? Ich brauch mal was anderes. Wie immer, keine Dildos, kein Schnickschnack. Beschnitten und so dick wies geht. (sie horcht) Nicht der Typ, sein Penis. (sie horcht) Ja, weiß ich doch nicht, wann Sie Witze machen. Dienstleister sollten grundsätzlich keine Witze machen. Alter ist egal, Hauptsache unter 30 und athletisch. Ende der Szene im Bad, vorm Waschbecken. ( - ENDE Spieltag 3 - )

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BILD 38

WOHNUNG UWE KÖNIG / SCHLAFZIMMER

INNEN / MORGEN

( - BEGINN Spieltag 4 - Sonntag ) (Motiv: im Kombimotiv II - Bundeswehrkrankenhaus)

Ein Schlafzimmer mit einer Fototapete (Motiv „Wolkenhimmel“) an der Wand. Ein Wecker klingelt. Wobei „klingelt“ nicht ganz richtig ist. Vielmehr ist ein Vogelzwitschern zu hören, das immer lauter wird. Uwe König wühlt sich aus seinen Kissen und stoppt die Weckapp auf seinem Telefon. Uwe trägt ein Stirnband mit Sensoren. Er drückt auf dem Dispaly und auf es erscheint eine Grafik von Uwes Schlafphasen. Uwe greift nach einem Diktiergerät, das neben dem Handy liegt. UWE (INS DIKTIERGERÄT) Traumphase: 73 Minuten, Tiefschlaf: 120 Minuten 5 mal aufgewacht. Qualitätsquotient auf 4,2 gesteigert Zufrieden, nimmt er sein Stirnband ab und steht beschwingt auf.

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BILD 39

ATELIER / LOFT

INNEN / MORGEN

(Motiv: Wohnung/Atelier/Lastenaufzug - original in Alter Baumwollspinnerei) Anfang mit Tür-Auf, Janine mustert jemanden oim OFF

Jemand hämmert an die Tür von Janines Atelier. Beschwingt geht Janine die Tür öffnen. Davor steht VIVIAN, in einem krassen White-Grufti-Look, kaugummikauend, ziemlich müde. VIVIAN Hi, Vivian. Ich war für neun Uhr bestellt. Normalerweise ist das echt nicht meine Zeit ... JANINE (STRAHLT SIE AN) Super, genau so hatte ich Sie mir vorgestellt. VIVIAN Prima, kannst „Du“ sagen. Darf ich reinkommen. JANINE Klar, klar. Entschuldigung. Vivian tritt ein und blickt sich um. VIVIAN Normalerweise rufen mich nie Frauen an. JANINE Darf ich dir ne Frage stellen? VIVIEN Klar. Alles. JANINE Weißt du, was ... also ... "Wurstabschnitte" sind? VIVIEN Wurstabschnitte? JANINE Ja. VIVIEN Ja, das sind die Enden von Würsten, die vom Metzger weggeschnitten werden, weil sie kacke aussehen. Warum? JANINE Nur so. VIVIEN Noch nen bischen Quatschen, oder willste mich langsam mal auspacken?

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BILD 40

WAXINGSTUDIO

INNEN / MORGEN

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt)

Ein attraktiver junger Mann (VINCENT - wir kennen ihn schon aus dem Zug in Bild 5), kniet mit heruntergelassener Hose auf einer Liege in einem Waxingstudio. Er stützt sich auf seine Ellenbogen und Knie, steckt dabei seinen Hintern hervor, dessen Innenseiten von einer älteren Brasilianerin mit Heißwachs bestrichen werden, als sein Telefon klingelt. VINCENT (IN DEN HÖRER) Pronto! Vincent lauscht seinem Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung, während die Brasilianerin weiter ihrer Arbeit nachgeht und die Textilstreifen auf das Wachs auflegt. VINCENT (IN DEN HÖRER) Klar, und wie. Geb mein Bestes. (lässig) ......geht in Ordnung. Danke. Die Brasilianerin reißt die Streifen mit einem Ruck ab, und Vincents Gesicht verkrampft sich augenblicklich schmerzhaft.

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BILD 41

ATELIER / LOFT

INNEN / MORGEN

(Motiv: Wohnung/Atelier/Lastenaufzug - original in Alter Baumwollspinnerei)

Vivian steht vorm gemalten Hintergrund in Atelier und wird von Janine bemalt. Dabei daddelt sie mit ihrem Smartphone rum. (Sie schaut das Video des Extremtänzers –in Bild 37 aufgenommen-) JANINE Und? Wie lange machste das schon? VIVIAN Was? Eistanz ? JANINE Ne, ich meine hier so als .... VIVIAN Fast 3 Jahre. Hab schon viel erlebt, aber das noch nie. Mein Freund wird´s mir nicht glauben. JANINE Ach, hast nen Freund? VIVIAN Ja. JANINE Und weiß der davon? VIVIAN (LACHT) Logo. JEANINE Und was sagt der dazu? VIVIAN Nichts. Der macht das gleiche. In unseren Körpern steckt so viel Zeit, Kohle und Mühe, das glaubst du nicht. Liegt doch auf der Hand, dass wir damit auch mal was verdienen wollen, oder? Wir trainieren fünf Mal die Woche. JANINE Wahnsinn! VIVIAN Ne, Synergie. Das macht es für uns total entspannt. Diese ganzen Besitzansprüche auf den Körper des Partners, das ist doch Quatsch. Liebe, und ich meine echt LIEBE, die findet auf ner total anderen Ebene statt. JANINE (NEUGIERIG) Und arbeitet dein Freund..... also..... ich meine ..... schläft der mit Frauen, oder mit Männern...... HUMMELN IM BAUCH

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VIVIAN Mit Frauen! Ist echt süß, willst ma sehen? (sie tippt au ihrem Samrtphone rum) JANINE (KONZENTRIERT AM MALEN) Gerade nicht. Schweigen. Janine malt, Vivian tippt auf ihrem Telefon herum. Darauf läuft eine Stoppuhr, die 58:33 anzeigt, und kontinuierlich hochzählt. VIVIAN Und? Wie läuft das bei dir? Gut? So als Künstlerin? Mein Stief-Ex-Opa hat auch so Kunst gemacht, mit Metall. War eh ’n krasser Typ, hatte sich extra auf die Brust tätowieren lassen „Bitte nicht wiederbeleben!“. JANINE Stillhalten! VIVIAN Und was ist passiert? JANINE Keine Ahnung. Vivian schaut Janine erwartungsvoll an. Doch Janine malt weiter, zuckt nur kurz mit den Schultern. VIVIAN Hatte nen Unfall in Thailand, die konnten das nicht lesen, haben ihn zurückgeholt, und jetzt hängt er da unten als Frikadelle im Wachkoma rum. (Sie blickt noch mal auf die Handystoppuhr) Wie lange dauert das hier noch? Hundert sind eigentlich für ne Stunde. Haste ja auf meiner Site gelesen. Ob Sex, Quatschen, oder ... so Kunst, ist egal. JANINE Kein Ding, ich zahle Dir gerne auch ne halbe Stunde mehr. Brauch noch nen Moment. Aber das Bild machen, geht dann ganz schnell. VIVIAN Was fürn Bild? JANINE Na ja, das eigentliche Werk ist am Ende das Foto. VIVIAN (ERSCHRICKT) Davon hast du nichts gesagt. Das geht nicht. Ich hab mit meinem Freund die Verabredung, dass wir uns bei den Jobs nie aufnehmen lassen. Nie. Ist Gesetz. JANINE Ok, also dass du dich nicht fotografieren lassen willst, wenn du mit irgend nem ekligen Typen fickst, der das dann auch noch als Wichsvorlage nimmt, das versteh ich ja. Aber darum geht´s ja hier nicht, das ist doch komplett was anderes. HUMMELN IM BAUCH

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VIVIAN (SPRINGT AUF) Ach ja? Findest Du? Hältst du dich für was Besseres, zu Fotze? Janine ist von dem plötzlichen Umschwung überfordert. Schnell greift sie nach der Kamera, und versucht ein Bild von der fast fertig bemalten Vivian zu machen. VIVIAN (RUFT) Nein. Eben nicht. Kein Bild! Die Zeit ist um. Bye. Bemalt von Kopf bis Fuß, wie sie ist, schnappt sie ihre Sachen und eilt zum Ausgang. Janine versucht sie abzuknipsen. Doch Vivian hat schon die Ateliertür hinter sich zugeknallt. Janine bleibt zurück und blickt auf ihre leere, bemalte Hintergrundwand, ohne Bildinhalt.

BILD 41 T – ENTFÄLLT !!!

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BILD 42

S-BAHNSTEIG

INNEN / TAG

(Motiv: S-Bahn & S-Bahnhof „Markt“ STEADYCAM ?? , 20 Passanten, )

Auf dem Bahnsteig steht Johnny, Cellokoffer auf dem Rücken, trinkt einen Milchshake, mit seiner Mutter. Johnny ist heute besonders rausgeputzt. Er trägt einen Anzug und Krawatte. Seine Mutter versucht mit den Händen seinen Scheitel zu sortieren. JOHNNY Lass das. MUTTER Das Äußere spiegelt deine Achtung vor Gott. Auf einer Art Empore steht Ecki und lässt seinen Blick über den Bahnhof schweifen. Er sieht, wie Johnny und seine Mutter in die Bahn steigen. Dann fällt sein Blick auf eine seltsame Erscheinung auf der Rolltreppe. Dort drehen sich etliche Menschen nach der bemalten Vivien um, die wie ein bewegtes Gemälde auf der Rolltreppe steht. Sie trägt ihre weißen Lederklamotten in der Hand. Ecki blikt hinab auf die Szenerie, als ihm ein bärtiger (schwul anmutender!) Mann auf die Schulter tippt. Sie umarmen sich kurz und verschwinden von ihrem Treffpunkt.

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BILD 43

ZIMMER FAISAL / MAHMUD

INNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt)

Mahmud und sein kleiner Bruder Faisal hocken in ihrem gemeinsamen Kinderzimmer. Mahmud ist nachdenklich, Faisal schiebt sich gerade sein Smartphone in eine Virtual-Reality-Brille aus Pappe und schaut sich damit um. (daraus Achterbahnsounds) MAHMUD Ich bin in ein jüngeres Mädchen verliebt, Was soll ich jetzt tun? FAISAL Besser, du bist überhaupt nicht verliebt, (weiter auf Arabisch) das gibt immer nur Ärger. Da ist Verzicht angesagt, verstehst du? Aber wenn du deine Unschuld unbedingt verlieren musst, wenn es gar nicht anders mehr geht, bitte sehr - dazu sind Nutten erfunden worden. MAHMUD Ich soll zu ner Hure gehen? FAISAL Das sag ich dir eher als dein Bruder, nicht als Muslim. MAHMUD Ich hab nem deutschen Mädchen Geld geboten, wenn sie´s sich von mir machen lässt. Faisal nimmt demonstrativ dei Pappbrille ab, und blickt seinen Bruder eindringlich an. FAISAL Mach keinen Scheiß, Mahmud! MAHMUD Was führst du dich so auf? Du hast grad eben selbst gesagt, ich soll zu einer Hure gehen. Wenn das Mädchen mein Geld nimmt, ist sie doch eine. FAISAL Das wäre Sünde, Mahmud! Ich meinte, du sollst zu einer echten Nutte gehen. Zu einer gefallenen Frau. Einmal. Dann hast Du es hinter dir. Dafür zeigt Allah Verständnis. MAHMUD (weiter auf deutsch) Woher weißt du das, kleiner Bruder? FAISAL Allah weiß um die Nöte der Männer. Er ist großzügig, glaub mir, Bruder. Faisal setzt die Brille wieder auf und seine virtuelle Achterbahnfahrt fort.

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BILD 44

WARTEBEREICH / NÜCHTERNER RAUM

INNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt)

(Hier ggf. ein graphisches Bild des Kommitees, das stumm in die Kamera schaut, voran schneiden!) TEIL 1: Ein funktionaler Raum, der den Charme eines zu Tode geputzten Gemeindezentrums versprüht. Auf einer Stuhlreihe sitzt der gestriegelte Johnny neben seiner Mutter und wibbelt mir dem Fuß. Auf dem Boden steht der Cellokoffer. Schweigen. STIMME AUS LAUTSPRECHER Johannes, bitte! Johnny steht auf und geht aus dem Raum. Zurück bleibt seine Mutter, die jetzt ihre Nervosität nicht mehr unerdrücken kann. Sie wartet. TEIL 2: Johnny ist nah zu sehen, wie er auf einem Stuhl sitzt und nach vorne starrt. JOHNNY Ich... VORSITZENDER (OFF - BETET) Allmächtiger, ewiger Gott, in Stunden wie diesen, lehre uns Demut und erinnere uns an die eigenen Grenzen. Dein Wille geschehe, auch hier in unserer Mitte. Amen. Schweigen. Johnny sitzt ganz still da. Erst jetzt sehen wir, wie riesig der Raum ist, und die drei Ältesten, die das Rechtskommitee der Glaubensgemeinde bilden, hinter einem langen Tisch Johnny gegenüber sitzen. Auf dem Tisch vor dem Kommitee steht ein angekabeltes Schwanenhalsmikrofon.

BEISITZER 1 (LIEST) Das Wort Gottes sagt: Menschen, die ihre Verfehlungen verheimlichen, haben keinen Erfolg im Leben; aber alle, die ihr Unrecht bekennen und aufgeben, finden Gottes Erbarmen. VORSITZENDER Lieber Bruder, uns ist zu Ohren gekommen, dass dir ein Verhalten zügellosen Wandels unterlaufen ist. JOHNNY (ZÖGERLICH) Ich liebe ein Mädchen, aus meiner Klasse. Vor ungefähr zwei Wochen, waren wir gemeinsam auf einer Feier, auf der es auch Alkohol gab. Noch nie habe ich vorher Alkohol getrunken, ich ...

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BEISITZER 2 In Sprüche 23 lehrt das heilige Wort uns: Schau den Wein nicht an, wenn er sich rot zeigt, wenn er im Becher funkelt, wenn er leicht hinuntergleitet. Am Ende beißt er so wie eine Schlange und er sondert Gift ab so wie eine Viper. Deine eigenen Augen werden fremdartige Dinge sehen, und dein eigenes Herz wird verkehrte Dinge reden. VORSITZENDER Ist bei deinen Mitschülern Rauschtrinken üblich? JOHNNY Nein, also ... manchmal. VORSITZENDER Hat man dich unter Druck gesetzt mitzutrinken? JOHNNY Nein! Nur hatte mir niemand gesagt, dass in diesem Getränk Alkohol drin war. BEISITZER 1 Nicht rechtfertigen! Bereuen! VORSITZENDER Und dann? JOHNNY Dann, als es später wurde, habe ich Swentja ... also ... habe ich ... sie ... angefasst. VORSITZENDER Wo genau? JOHNNY (ZEIGT AUF SEINEN INTIMBEREICH) Na ja, also so hier ... BEISITZER 1 Hast du dabei ihren Geburtsweg berührt? Johnny nickt. VORSITZENDER Was hast du dabei empfunden? JOHNNY Ich habe mich übergeben müssen. Unten. BEISITZER 2 Die Sexualität ist vom Schöpfer dafür gedacht, dass ein Mann mit seiner angeheirateten Frau zeugen kann. Und weil Gott wollte, dass jedes Kind sowohl einen Vater als auch eine Mutter haben sollte, die die volle Verantwortung dafür übernehmen und es auch wirklich aufziehen, sind Geschlechtsbeziehungen den verheirateten und somit von Gott gesegneten Paaren vorbehalten. HUMMELN IM BAUCH

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VORSITZENDER Das, was du dort rauschtrunken vollzogen hast, ist eine mit Gier verübte Unreinheit. Der Weg, den du da eingeschlagen hast Johannes, der führt nirgendwo hin. Schweigen. VORSITZENDER Der muss ein Ende haben. Kannst du das auch so sehen? JOHNNY Wieso Gier? Ich liebe sie, über alles. Was sollte Gott dagegen haben? BEISITZER 1 Vergebung kann nur erlangen, wer wirklich bereut. Schweigen. Johnny laufen Tränen über die Wangen. Langsam schüttel er den Kopf. JOHNNY Ich will, ... ich will den Weg weiter... zu Ende gehen, und nicht umkehren. Es tut mir leid.

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BILD 45

WARTEBEREICH

INNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt)

Draußen wartet seine Mutter und wibbelt mit dem Fuß. Johnnys orangene Allwetterjacke hängt alleine über dem leeren Wartestuhl, der Cellokoffer liegt daneben. Die Mutter atmet tief, schaut auf die Uhr, als die Tür auffliegt und Johnny herausgestürmt kommt. MUTTER Und? Johnny nickt.... MUTTER Also gut gelaufen? VORSITZENDER (AUS LAUTSPRECHER) Frau Benthage? Sie gibt ihrem Sohn einen schnellen Kuss auf die Stirn und eilt in den Raum. MUTTER (ZU JOHNNY) Bis gleich. Kaum ist die Mutter im Raum verschwunden, schnappt sich Johnny sein Cello und rennt fort.

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BILD 46

AUFZUG / TREPPENHAUS / APPARTEMENT JULIA

INNEN / TAG

(Anfangen mit Schuß im Aufzug, Stiefel im VG, Tür öffnet sich.)

Ein Paar weiße Cowboystifel stehen im Vordergrund im Bild (Die, die Stern vorne im Zug geklaut wurden!). Dahinter öffnet sich eine Aufzugstür. In ein schlichtes weißes Treppenhaus tritt Vincent. Er bleibt stehen, schluckt er eine Levitra und checkt seine Frisur mittels Kamera auf dem Telefondisplay. Er blickt sich um, eine der Wohnungstüren steht offen. Vorsichtig tritt er ein. VINCENT Hallo. Ich bin Vincent. JULIA (IN BEQUEMEN KLAMOTTEN) Guten Tag. VINCENT (ZUM LOCKERN) Coole Wohnung. Toller Blick. JULIA (NICKT) Auflockern ist nicht nötig. Was zu trinken? VINCENT Nicht nötig. JULIA Wie Sie wollen. Hat Ihnen die Agentur gesagt, was ich bevorzuge? VINCENT Nicht genau. JULIA Naja. Ich habe auch keine besonders ausgefallenen Wünsche. Beschnitten? VINCENT Ja. JULIA Darf ich mal sehen? Prima. Also, Ich möchte zuerst geleckt werden. Sobald ich gekommen bin, tun Sie so, als hielten Sie es nicht mehr aus und ficken mich, egal, was ich sage. Beim Sex sage ich nämlich gern mal Nein, Nein, Nein, dass bedeutet in dem Fall mal nicht Nein, verstehen Sie? VINCENT Verstehe. JULIA Sie nehmen mich, von vorne bitte, bis ich erneut gekommen bin und dann, bevor Sie selbst kommen, ziehen Sie ihn raus und schieben ihn mir in den Mund. Und dort lassen Sie ihn, bis zum Schluss. Alles klar? HUMMELN IM BAUCH

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VINCENT Ist mir eine Ehre. Eventuell ein wenig Dirty Talk erwünscht? JULIA Sicher nicht! Duzen Sie mich bitte, auf keinen Fall, das kann ich nicht leiden. Sie können in Maßen Macht ausüben über mich, so als würden Sie mich vergewaltigen, aber wenn ich Scheiße sage, das ist das Codewort, lassen Sie von mir ab, sofort, ist das eindeutig? Vincent nickt.

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BILD 47

TOWNHOUSE PFENNIG – FLUR 1. OG

INNEN / TAG

(oberer Flur noch Gelb!)

Im Flur liegt die fünfjährige Sonja mit dem Rücken auf einem noch nicht entfalteten Umzugskarton, auf das sie unter anderem eine Krone gemalt hat. Überall liegen Filzstifte in sämtlichen Farben. Sie betrachtet sich in einem Handspiegel in dem es aussieht, als würde sie die Krone auf dem Kopf tragen. Hund Madonna kommt, und schmust sich an die kleine Sonja an. Sonja nimmt einen dicken Filzstift in die Hand und betrachtet Madonna ...

BILD 47 A: Hier auch unbedingt mitdrehen, wie Sonja auf dem Hund herummalt!!!!!! (Womit?) Zum später einschneiden!!!!!! (mit was für Stiften/Farben?)

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BILD 48

TOWNHOUSE PFENNIG – WOHNZIMMER

INNEN / TAG

(Bilder 48/50 wg. Streicherei unbedingt mit 2 Kameras drehen!)

Maschjonka hat einen weißen Maleroverall an und streicht im Wohnzimmer der Pfennigs die Wände auf weiß zurück. Robert schraubt in der Mitte des Raumes derweil das Bücherregal auseinander. Maschjonka deutet auf die Striche an der Tapete, an der regelmäßig die Größe der beiden Töchten eingezeichnet wurden. MASCHJONKA Verrückt, oder? ROBERT Wahnsinn - wie die Zeit vergeht. Maschjonka rollt mit weißer Farbe über die Skalen. MASCHJONKA Ja, Wahnsinn! (nach einer Pause) Besonders wenn man bedenkt wie lange Du schon als eierloser, rauchender Fleischfresser tatenlos vor dich hin vegetierst. Du muss echt mal raus. Dampf ablassen. Mach mal Sport, verausgab dich mal. Schwitzhütte, oder sowas. Dann geh´s dir besser, glaub mir. ROBERT Meinst Du mir gefällt das? MASCHJONKA Was? ROBERT Umzuziehen, die Bienen weggeben zu müssen. Alles hier. MASCHJONKA Selbst schuld. Es ist deine Lethargie die uns hier aus dem Haus treibt. Ich schaff das nicht mehr. Die Arbeit in Altenheim, wird auch immer schwerer. ROBERT Könnte es sein, dass du meiner Tochter aufgetragen hast, mir so eine Scheiße zu erzählen, von wegen du hättest ne Affäre? MASCHJONKA Wie bitte?. ROBERT Und? Hast du? MASCHJONKA Wer keinen Sex mehr will, braucht wohl kaum eifersüchtig sein. Maschjonka rollt weiter weiße Farbe über Backsteintapete der Wohnhöhle. HUMMELN IM BAUCH

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BILD 49

APPARTEMENT JULIA

INNEN / TAG

Bei Julia und Vincent läuft alles nach Plan. Ausdauernder Sex. („Doggy Style“ Wie später in der Maschine) Vinzent hält Julia im festen Griff und stößt heftig zu, Julia erlebt ihren zweiten Höhepunkt. Dann Stellungswechsel. Vincent zieht sich gekonnt das Kondom ab, lehnt sich mit dem Rücken an die große Scheibe und Julia beginnt an ihm rumzulutschen.

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BILD 50

TOWNHOUSE PFENNIG – WOHNZIMMER

INNEN / TAG

Mascha streicht, Robert baut weiter die Möbel auseinander. ROBERT (RUFT) SWENTJA? SWENTJA (OFF) Was? ROBERT Komm mal bitte. MASCHJONKA Weißt du, was das Einzigartige an Buddha war? Er hat sein ganzes Leben wirklich nur versucht, einen einzigen Menschen glücklich zu machen. Und weißt du wen? Sich selbst. Swentja erscheint in der Tür. SWENTJA (IN DER TÜR) Was ist? MASCHJONKA Na endlich. Hier! Maschjonka drückt ihrer Tochter eine zweite Farbrolle in die Hand. Swentja rollt mit den Augen und hilft lieber ihrem Vater beim Auseinanderbauen der Möbel. ROBERT (ZU SEINER TOCHTER) Sag mal Schatz, hat..... MASCHJONKA (SCHNELL) Dein Vater hat mal wieder eine abstruse Verschwörungstheorie. Er glaubt, dass ich dich beauftragt hätte, ihm irgendwas von .... SWENTJA (GENERVT ÜBER DEN ZWIST) Ich wollte euch immer schon mal was fragen.... ROBERT / MASCHJONKA Ja? SWENTJA Wie war das eigentlich, also ich meine, wie haben so zwei wie ihr sich eigentlich kennengelernt? ROBERT Das war lustig. Wir waren am Frankfurter Flughafen auf die gleiche Maschine gebucht. MASCHJONKA Nach Goa!

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ROBERT Das ist in .....? SWENTJA Indien? ROBERT Korrekt. Also ich musste da arbeiten. Hab da mein erstes Kraftwerk hochgezogen. MASCHJONKA Als Projektleiter „Fassade“. Na ja, der Flug wurde annulliert. Ich kam aus Wien, wollte nur umsteigen, dann so was. Der nächste Flug ging erst 11 Stunden später. Ich war völlig durch den Wind, dachte ich komm da nie an. Robert und Swentja schrauben weiter gemeinsam am Regal herum. Beide bilden eine vertraute Einheit. ROBERT Sie war stoned. MASCHJONKA Aber Robert, also dein Vater, hat mir gezeigt, das man die Zeit doch noch sinnvoll nutze kann. (lacht) Schweigen. SWENTJA Wann war das denn? ROBERT (SEIN BLICK FÄLLT AUF SWENTJA) Na ja, vor gut 14 Jahren. Maschjonkas Blick fällt auf etwas und weitet sich. Hund Madonna kommt ins Wohnzimmer gelaufen. Sein ganzer Rumpf ist bunt bemalt. ROBERT Sonja! Spinnst Du? MASCHJONKA Die ist wohl nicht ausgelastet, sag ich doch. Swentja! Gehst du mit ihr auf den Spielplatz bitte? ROBERT Was kann Swentja denn dafür? Lass sie bitte in Ruhe. MASCHJONKA Ihr beiden wieder. SWENTJA Kein Ding, kann ne Pause gebrauchen. Geh schon. Das Bücherregal, an dem Robert und swentja gerade herumschraubten fällt in zwei Teile. HUMMELN IM BAUCH

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APPARTEMENT JULIA

INNEN / TAG

(Anfang ggf. von aussen!) Vincent lehnt immer noch an dem bodentiefen Fenster. Julia lutzscht noch immer eifrig an Vincent herum, der versucht, sich abzulenken. JULIA Scheiße, was ist los? VINCENT Verzeihung? JULIA Mach ich es nicht gut, oder was? VINCENT Sie machen das ganz hervorragend! JULIA (LUTSCHT WEITER) Na also! Warum spritzt du nicht ab? VINCENT Entschuldigung? JULIA Komm in meinen Mund, Mann! VINCENT Madame, das war nicht vereinbart. JULIA Wie - nicht vereinbart? (Vincent schüttelt den Kopf) Was? Was ist denn das für eine Scheiße? VINCENT Ich spritze nie ab. Sorry. JULIA (LÄSST VOM GENITAL AB) Willst du mich auf den Arm nehmen? VINCENT Meine Aufgabe bei diesem Job ist es, immer zu können. Und ich kann immer, weil ich dabei nicht komme. Ich will sogar dabei nicht kommen. Das hab ich meiner Freundin versprochen. JULIA (UNGLÄUBIG) Wie bitte? VINCENT Ich weiß, meine Kollegen handhaben das mehrheitlich anders. Aber die meisten Damen waren bisher auch so zufrieden. JULIA Ich aber nicht. HUMMELN IM BAUCH

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VINCENT Tut mir sehr leid. Ein lauter Knall an der Fensterscheibe. Ein Singvogel hat sich an der verglasten Fassade den Schädel gebrochen. Vincent zuckt zusammen. Julia sucht nach Worten. JULIA Das ist ... Betrug. Genauer gesagt, Vertragsbruch! VINCENT Das war so nicht besprochen. Pardon. JULIA (UNGEHALTEN) Ich habe gesagt „bis zum Schluss“, muss ich da das Abspritzen noch extra erwähnen? Vincent schweigt. JULIA Deine Freundin muss es nicht erfahren. Vincent schweigt. Julia fühlt sich um das Finale ihrer Choreographie betrogen. Ein weiterer Knall am Fenster. JULIA Bitte! Julia geht nackt auf den Balkon und wirft die zwei toten Vögel hinunter. VINCENT (NACH EINER PAUSE) Also gut, ich werde der Agentur sagen, dass ein Missverständnis vorliegt. Ihr Geld können Sie behalten. Offengestanden ich hätte nichts dagegen, unter normalen Umständen, in Sie zu kommen, oder egal wohin Sie es wollen. Aber meine Freundin vertraut mir und ich möchte die Vereinbarungen, die zwischen uns existieren, nicht brechen. JULIA Ach? Welche Vereinbarungen gibt es denn noch? VINCENT Im Job spritze ich nicht und sie schluckt nicht. Und keine Fotos. Das war´s schon. Julia kommt herrein, putzt die Hände ab. Sie ist zornig, beleidigt, aber doch auch beeindruckt. JULIA Was, wenn ich Ihnen das doppelte Honorar zahle? VINCENT Glauben Sie wirklich, das ist nur eine Frage des Geldes? JULIA Klar! Wenn ich Ihnen tausend Euro auf den Tisch lege, machen Sie doch, was ich will.

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VINCENT Sie haben teilweise Recht. Wenn Sie mir zum Beispiel ... eine Million, ... oder auch nur eine halbe Million auf den Tisch legen würden, täte ich sofort, was Sie verlangen. Ich würde meiner Freundin die besonderen Umstände schildern, würde sie um Verzeihung bitten, sie würde mir auch sicher verzeihen und verstehen, dass ich nur in unserem Sinn gehandelt habe. JULIA Weißt Du was? Ich komme auf dein Angebot zurück. Storno! Ich behalte mein Geld, und Du ziehst Dich bitte jetzt schnell wieder an. Danke. Vincent stellt sich noch einmal perfekt in Pose. VINCENT War ich soo schlecht? Ich meine, 80% des Programms haben wir doch ... JULIA Was denkst du, wie ich mich jetzt fühle? He? Vincent beginnt sich schweigend anzuziehen. JULIA Hau bloß ab! Vincent verschwindet im Flur. Julia bleibt einfach nackt auf der Auslegeware liegen. Sie zieht sich die Bettdecke herüber, schließt die Augen und hört, wie Vincent sich weiter anzieht und geht.

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BILD 52

TOWNHOUSE PFENNIG / TERASSE / GARAGE / STRASSE

AUSSEN / TAG

(SPLIT !!!!!! Haus 20 ( Blick durch Garage in Garten) und Haus 22 (Garage auf Anschluss, Blick auf Strasse mit Johnny))

Anfang auf Hund! Auf der Terasse des Townhouses schwenkt Robert Pfennig ein ringförmiges Gebilde (Woof-Wash). Damit braust er den bunt bemalten Hund Madonna ab. Er rubbelt dessen Fell und flucht leise dabei. Plötzlich hält Robert inne, lauscht. Stellt das Wasser ab. Er hört etwas von der Straße. Durch die Garagentür blickt er auf die Strasse. Dort steht Johnny und ruft herzzerreißend nach Swentja. Und zwar Songtexte von Peter Maffay: „Du“ JOHNNY Swentja, du bist alles, was ich habe auf der Welt. Glaub mir, du bist alles, was ich will! Hörst du? ROBERT (RUFT) Gröhl woanders rum! Johnny stoppt seinen Gesang. JOHNNY Was? ROBERT Swentja ist auf´m Spielplatz. JOHNNY Danke. Johnny läuft mit seinem Cellokoffer weiter, Richtung Spielplatz.

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BILD 53

SPIELPLATZ

AUSSEN / TAG

(4 Skater, 2 Frauen mit Kinderwagen, 4 Kinder, 8 Erwachsene/Fahrradfahrer)

Ein standardisierter Kinderspielplatz. Nichts Besonderes, nur das Nötigste ist vorhanden. Ein paar Kinder turnen im Netz, drei Kinder im Sandkasten bauen Sandburgen für Playmobilfiguren. Über dem Spielplatz fliegt ein riesiger Staren-Schwarm unglaubliche Formationen und Manöver. Sonja trägt eine süße gelbe Mütze mit Augen und angenähten Mäuseohren und rennt zu einer Steinbank. Swentja setzt sich auf eine Bank und beobachtet die Vögel und macht ein Photo mit ihrem Handy. ROBERT (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) Jedes mal, wenn meine kleine Swentja einen Tierschwarm beobachtete, hatte sie den gleichen, immer wiederkehrenden Gedanken. Egal ob es sich um Vögel, oder Fische handelte. Wieso fliegt oder schwimmt ein Tier freiwillig am Rand? Dort sind sie doch die Ersten, die von Angreifern attackiert werden. Nur das Innere des Schwarms verspricht Sicherheit. Außen, am Rand, dass waren für meine ehrgeizige Tochter die Bauernopfer, die Loser. STIMME JOHNNY (OFF)
 Swentja? 
Johnny, in Anzug, Hemd, Krawatte und mit Cellokoffer auf dem Rücken, steht vor ihr und friert. JOHNNY Kann ich dich sprechen? SWENTJA (UNWILLIG) 
Was willste? 
JOHNNY Ich muss mit dir reden. Jetzt! Mir ist nun alles klar. 
SWENTJA (MUSTERT IHN – IRONISCH) Aha. 
JOHNNY Ich weiß jetzt, dass ich schwierig war, also, dass es mit mir schwierig war. Sein kann. Ich kann jetzt sehen, dass ich das Problem war, nicht du. Das tut mir leid. Sie gibt Johnny einen kumpelhaften Schlag auf die Schulter.

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BILD 54

VOR TOWNHOUSE PFENNIG

INNEN / AUSSEN / TAG

(Ohne Split, nur vor Haus 22)

Haustür Wohnung Pfennigs. Mahmud (mit Headset im Ohr) klingelt. Man hört Roberts erhobene Stimme hinter der Tür näher kommen. ROBERT (LAUTSTARK AUS DEM OFF) ... jaaaa! Ich mach jetzt was. Und sei es nur um dich für ein paar Stunden los zu sein. Währenddessen sieht man die Tür aufgehen, dahinter Robert in einer Jacke. Er verlässt das Haus. MAHMUD (SEHR HÖFLICH) Guten Tag, Herr Pfennig. Ich bin Mahmud. Kann Swentja für einen Moment rauskommen? ROBERT (KURZ ANGEBUNDEN) Ne. Sie ist auf dem Spielplatz. Und Pfoten weg! MAHMUD Ich danke sehr. Mahmud blickt Robert hinterher, der aufgebracht an ihm vorbeieilt und in der Mulde zu wühlen beginnt. Robert zieht eine alte Kinderwiege (die von Sonja –gelb-) heraus und stapft davon.

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BILD 55

SPIELPLATZ

AUSSEN / TAG

Johnny sitzt neben Swentja auf der Schaukel. Im Hintergrund liegt Sonja bäuchlings auf der Steinbank und spielt mit ihrem Handy. Sie ist in ihrer knallgelben Hose und der Mäusemütze gut zu erkennen. Swentja schaut anderen Jungs nach, die auch dort herumhängen. (Skater) SWENTJA Krasse Nummer. JOHNNY Ja, wenn ich Pech habe, darf meine eigene Mutter mich nun nicht mehr grüßen. SWENTJA Im Ernst? JOHNNY Ist mir aber egal. Ich konnte einfach nicht bereuen was ich getan hatte. Swentja wird ungeduldig, sie schaut auf ihr Telefon. JOHNNY Kannst Du mich bitte mal anschauen? SWENTJA Wieso? Swentja sieht demonstrativ zu den Vögeln am Himmel. JOHNNY (ATMET TIEF) Weil ich dir sagen will, dass ich dich liebe. (Pause) Hier bin ich und ich liebe Dich. Von ganzen Herzen. (atmet durch) Ich liebe dich! Ich liebe dich! Ich ... SWENTJA (GANZ EINFÜHLSAM) Pass mal auf, das kannste so oft wiederholen, wie du willst, Johnny. Mir geht’s deswegen umgekehrt nicht genauso. JOHNNY Ok. (Pause) Ich wird mich ändern. (er greift nach ihr) Du wirst mich nicht mehr wiedererkennen. MAHMUD (OFF) Belästigt dich der Typ? Mahmud (mit Headset im Ohr) steht vor ihr. Swentja, verdutzt und erfreut, antwortet mit einem Achselzucken, dem ein Lächeln folgt. Sie genießt es, im Mittelpunkt zu stehen. Swentja schlägt die Beine übereinander, um den Dingen ihren Lauf zu lassen.

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JOHNNY (ÜBERRASCHT) Hau ab. (zu Swentja) Gib uns noch etwas Zeit. Bitte! MAHMUD Die ist mein Mädchen! JOHNNY (ZU SWENTJA) Das ist dein Neuer? Swentja macht einen Seitenblick auf die Steinbank. Sie ist leer, das Handy von Sonja liegt auf der Erde. Swentja springt auf, sieht sich auf dem ganzen Spielplatz um. Kein Gelb - Keine Sonja. JOHNNY Du ..... Hackfresse! Swentjas besorgtes Gesicht mit suchenden Blicken. Sie hebt eine Hand, um die Augen zu beschirmen. Im Hintergrund sieht man Mahmud Johnny in den Schwitzkasten nehmen und ihm die Faust in die Nieren schlagen, bis Johnny vor Schmerz schreit. Dann haut Mahmud Johnny einmal kräftig ins Gesicht. Johnny liegt am Boden. SWENTJA Hört auf, ihr beiden! (zu Johnny) Mach dich nützlich! Such meine Schwester! Na los! Swentja läuft zum Sandkasten, dabei nach Sonja rufend. Keines der Kinder dort ist Sonja. Swentja gerät in Panik. Mahmud und Johnny registrieren langsam, was los ist. Beide rennen los, in entgegengesetzte Richtungen, um Sonja zu suchen. Vor allem, um bei Swentja zu punkten.

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BILD 56

APPARTEMENT JULIA

INNEN / TAG

(Kamera superlow, ggf. über Spiegel vor Optik)

Julia liegt, nackt in ihre Bettdecke gerollt, auf dem Boden ihres halb-eingerichteten Appartements. Sie scheint eingeschlafen zu sein. Ein leichtes Sausen ist zu hören. Hinter einer Ecke kommt der gelbe Roboterstaubsauger zum Vorschein, der seine Runden auf dem Parkett dreht.

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BILD 57

WOHNUNG VIVIEN

INNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt)

Eine moderne Wohnung. Komplett im anonymen Ikea-Stil eingerichtet. Alles in Weiß. An der Wand hängen Bilder von einem strahlenden Eistänzerpaar. Im Regal etliche Pokale. Vincent sitzt auf einem Sessel, Vivien auf dem Schoß haltend. Sie streichelt seine Haare, er krault zurück. Liebevoll, nicht erotisch. Vivian und Vincent lesen sich wechselseitig aus einer Illustrierten vor. (Die Inhalte, die sie liest, werden von einer weißen Strich-animation, die über dem Bild liegt, bebildert!) VIVIAN (LIEST) Januar letzten Jahres sterben drei junge Inder, die sich mit ihrem Sefie-Stick so dicht wie möglich vor einem herannahenden Zug ablichten wollten. Zwei Wochen später drängen sich sieben Ägypter für ein Selfie auf die eine Seite ihres kleinen Bootes; das Schiff kentert, alle ertrinken. Im Mai nimmt im Yellowstone-Park ein Bison eine 43jährige Frau auf die Hörner, als sie ihm den Rücken zudreht und vor ihm ins Smartphone lächelt. Am gleichen Tag stirbt in Wales ein Wanderer in einem Gewitter. Sein Selfie-Stick hat wie ein Blitzableiter gewirkt. Im Juni gelingt einem 36jährigen bei San Diego, das Selfie mit einer Klapperschlange. Sekunden bevor sie zubeißt. er stirbt. Im September kletterte ein rumänischer Teenager mit seinem Selfie-Stick auf das Dach eines Bahnwagons. Leider kam er der Oberletung zu nahe. Auf den Stufen des Taj Mahals solperte eine Woche später ein japanischer Tourist mit seiner Selfie-Stange in den Tod. Im November versuchte ein 40jähriger Besucher in einem New Yorker Museum, sich vor einem Van Gogh zu fotografieren. Dabei stach er mit seinem Selfie-Stick einer anderen Museeumsbesucherin ins linke Auge. In ihrer Sehkraft beeinträchtigt, lief diese 20 Minuten später vor ein Auto. Somit starben im letzen Jahr erstmalig mehr Leute durch den Selfie-Stick als durch Haiangriffe. VINCENT Tja, das Leben ist kurz. Die beiden lachen und küssen sich leidenschaftlich.

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BILD 58

ANGER ROOM

INNEN / TAG

(Anmerkung: Angerrooms/Wuträume/Crashrooms gibt es mittlerweile 16x in Deutschland. Der erste eröffnete in Halle unter dem Namen „Schlag dich Fit“. Hier können die Kunden sich gegen Bezahlung abreagieren, indem sie auf Mobiliar und Gegenstände eindreschen.)

BILD 58 T AUSSEN VOR ANGER ROOM: Vor einer alten Lagenhalle kommt Robert ins Bild, der immer noch die Kinderwiege trägt. Er zögert kurz, geht dann aber auf den Eingang der Halle zu. BILD 58: Innen sind in dreiseitigen Holzboxen drei Interiors aufgebaut. Büro, Wohnzimmer und Schlafzimmer. Ecki ist gerade dabei einen Drucker von einem Rollwagen auf den „Schreibtisch“ des "Büros" zu stellen, als Robert mit seiner Liege das Geschäft betritt. ECKI Tag. ROBERT Hallo. Ich wollte einmal fragen, wie das überhaupt so vonstatten geht, hier? ECKI Kein Problem. Sie haben sie Wahl zwischen 20 oder 40 Minuten, und diesen Instrumenten. Ecki deutet auf einen Ständer, in dem Baseballschläger, ein Vorschlaghammer und ein Golfschläger stehen. Ecki eilt hinter seinen Tresen. ECKI Die meisten sind allerdings nach 20 Minuten schon reltiv fertig. Musik können sie sich aussuchen, und auf Wunsch bekommen sie ein Video der ganzen Aktion. (er greift unter den Tresen und holt einen eingepackten Maleroverall und eine tranparente Schutzbrille hervor) Schutzkleidung inclusive! (er deutet auf die Interiors) Am beliebtesten ist unsere Bürowelt. Viele bringen ihren eigenen Drucker mit, aber sie haben ja etwas anderes dabei. ROBERT 20 Minuten, ohne Video und Musik. Was kosten die? ECKI Hundertfünfzehn. Umziehen können sie sich dort. Ecki deutet auf eine Ecke mit alten Sofa, Spind und Paravent vorm Schaufenster. Robert stellt sich vor die drei Boxen und betrachtet sie. Dann blickt er auf die Schlaginstrumente und die Kinderwiege. Ecki mustert Robert von hinten, er scheint an ihm interessiert. Ein Schrei zerreißt diesen zauberhaften Moment.

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BILD 59

APPARTEMENT JULIA

INNEN / TAG

(Handkamera)

Es ist Julia, die in ihrem Appartement markerschütternd schreit. Der Roboterstaubsauger hat sich in ihren Kopf-Haaren festgefressen, die auf dem Boden lagen, während sie schlief. Julia zerrt an dem Elektrogerät, welches sich dabei immer fester an ihren Kopf heranarbeitet. Das Sauggebläse läuft noch und die Walze des Saugers wickelt weitere Harre auf. Panisch dreht Julia schnell ihren Kopf schreiend hin und her und schleudert den Roboterstaubsauger mehrfach gegen ihre neue Schrankwand, so dass er langsam aber sicher kaputt geht.

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BILD 60

ANGER ROOM

INNEN / TAG

(hier wird was Gelbes zerschlagen!)

Im Angerroom setzt sich die Geräuschkulisse und die Zerstörung fort. Robert Pfennig, im weißen Maleroverall und mit Helm und Schutzbrille, steht im „Schlafzimmerambiente“ und schlägt mit einem Baseball-schläger die gelbe Kinderwiege zu Brei. Ecki beobachtet ihn dabei. Als Robert mit der Wiege fertig ist, nimmt er sich das Ehebett samt Oberbett vor. Die Federn fliegen. Dann kommt er erschöpft aber glücklich auf Ecki zu. Ecki blickt auf die Uhr. ECKI Sie haben noch 12 Minuten. ROBERT (AUSSER ATEM) Danke. Das reicht. Robert nimmt Helm und Brille ab. Ecki lächelt ihn an. ECKI Und? Wie geht´s? ROBERT Gut. Sehr gut. Danke. ECKI Sie hatten nur 8 Minuten und der Schrank und die Nachtische sind auch noch heil. Sie bekommen einen sogenannten "Wutschein" von mir. 30% Ermäßigung beim nächsten Besuch. ROBERT (LACHT) Ne dass nenne ich Kundenbindung! ECKI Sowas ist mir egal. Ich arbeite hier ja nur. Ich bin eigendlich Lehrer. Sogar ’n Guter! Deutsch, Physik, Informatik. Robert steht verschwitzt und leicht schwankend vorm Tresen. Er stellt den Baseballschläger in den Ständer zurück. Ecki geht zu einem verglasten Getränkekühlschrank, der im Laden steht. Er nimmt zwei Bierflaschen heraus öffnet sie. ECKI Durst, oder? Robert nimmt eine der Flaschen. ROBERT Robert! ECKI Ecki! Die beiden stoßen an. HUMMELN IM BAUCH

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BILD 61

TOWNHOUSE PFENNIG / WOHNZIMMER

INNEN / TAG

(Handkamera, alles komplett weiß gestrichen)

Zwei Polizeibeamte geben Maschjonka ein Foto von Sonja zurück. Swentja steht im Hintergrund und beobachtet das Ganze. Farbeimer und auseinandergebaute Möbel stehen herum. POLIZIST Es tut uns leid. Niemand hat Ihre Tochter gesehen. Maschjonka erleidet einen Nervenzusammenbruch, schreit und heult. Zwischen den Beinen der Polizisten läuft der Hund Madonna umher. SWENTJA (VORSICHTIG) Wo ist denn Papa? MASCHJONKA (SWENTJA ANSCHREIEND) Warum hast du auf deine kleine Schwester nicht besser aufgepasst!! SWENTJA Soll ich den mal anrufen? POLIZIST (ZU SWENTJA) Sagen Sie, junge Dame; Frage: Wann haben Sie die Vermisste denn zuletzt gesehen? SWENTJA (DRUCKST) Naja, da auf dem Spielplatz. Da waren zwei ... äh ... Freunde von mir... Mahmud und Johnny, da war ich etwas abgelenkt... ich weiß nicht genau ... POLIZIST Frage: Wo genau auf dem Spielplatz standen.... MASCHJONKA (ÜBERSCHNAPPEND) Kannst nie genug bekommen, oder? Was bist du? Mit 14? Eine Nutte? Sie holt zu einer Ohrfeige aus, besinnt sich der Anwesenheit der Polizisten, lässt die Hand wieder sinken. Swentja läuft empört aus dem Zimmer, und knallt die Tür. MASCHJONKA (ZUM POLIZISTEN) Und? Was passiert jetzt? POLIZIST Sämtliche Kollegen kennen das Bild und halten ab jetzt die Augen offen. Es tut mir sehr leid. Maschjonka greift fassungslos nach ihrem Mantel und geht, Sonja auf eigene Fause zu suchen. Sexgestöne ist zu hören.

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8. Fassung vom 08.April 2016

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BILD 62

ZIMMER JOHNNY

INNEN / NACHT

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt - 1. OG)

Es ist groß ein Pull-down-Menü auf einem Computerbildschirm zu sehen. Die Entscheidung ist die zwischen "big tits" / "groupaction" / "barely legal" / und "anal". Auf den Laptop-Bildschirm starrt ein gebannter Johnny. Sein Blick geht zur seiner Zimmertür. Unter die Türklinke hat er von innen einen Stuhl und einen Wäschekorb geklemmt. Johnny klickt auf "barely legal" und ist schon von der Auswahl der Porno-Vorschaubilder völlig überwältigt. Er startet einen der Filme, versucht sich so lange es geht zu beherrschen, und beginnt dann zögerlich sich selber zu befriedigen..... Als es heftig an seiner Tür rüttelt, wo seine Mutter nach ihm ruft. Schnell klappt er den Laptop zu und stolpert zur Tür, während er seine Hose schließt. Vor der Tür seht seine Mutter. Johnny dreht sich so, dass sie sein blaues Auge (der Rangelei mit Mahmud) nicht sehen kann. MUTTER (RUHIG) Wieso? Wieso hast du deiner Mutter das angetan, Johannes? JOHNNY Tut mir leid, Mami. Ich musste meinen Weg zu Ende gehen. Es ging nicht anders. MUTTER „Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn. Wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten!“ So steht´s in der Bibel, ich hab das nicht erfunden! Nachdem dein Vater es vorgezogen hat abzuhauen, bist du herzlich eingeladen, das nun alleine zu erledigen. Die Mutter nimmt ihren Gürtel ab und wirft ihn zu Johnny ins Zimmer. Sie geht, dreht sich aber noch einmal um. MUTTER Ich habe noch lange geredet. Du bekommst noch keinen Gemeinschaftsentzug, wenn du 120 Stunden Predigtdienst zusammen bekommst. Und bereust. JOHNNY Danke. MUTTER Und bereust. Komm essen. Johnny schüttelt den Kopf. MUTTER (SACHLICH) Gute Nacht, Johannes. Mach das Gerät bitte bald aus. JOHNNY Gute Nacht, Mama. Sie schließt die Tür. Johnny blickt auf den Gürtel der vor ihm liegt, und dann auf das Bild eines leidenden Christus am Kreuz, das an der Wand seines Zimmers hängt.

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BILD 63

TOWNHOUSE PFENNIG / WOHNZIMMER

INNEN / NACHT

(ABGEHÄNGT !!!! größerer Kastenbau!! - Regen gegen Scheibe für Schuß von Aussen)

Robert Pfennig trägt einen Pyjama, er kann nicht schlafen und sitzt im dunklen Wohnzimmer in dem tiefen Sessel. Neben ihm das Telefon. (Wie im Bild von Janine!). Er raucht. Eine vom Regen völlig durchnässte Maschjonka kommt zur Haustür hinein und zieht ihre Regenjacke aus. MASCHJONKA Irgendwo da draußen ist mein Kind - in der Hand eines perversen Verbrechers. Ich dreh durch! ROBERT Mascha... bitte... MASCHJONKA Für andere Erklärungen ist es jetzt zu spät. Sonja ist alt genug, um ihren Namen und Wohnort jederzeit herunterzubeten, schüchtern ist sie auch nicht. Das bedeutet, jemand hat Sonja in seine Gewalt gebracht, während du mal wieder nicht bei uns warst. Immer wenn was Schreckliches passiert, bist du ja weg! ROBERT Es war nun wirklich nicht meine.... MASCHJONKA Und noch viel schlimmer, dieser Jemand stellt jetzt wahrscheinlich entsetzliche Dinge mit ihr an. Maschjonka beginnt hysterisch zu weinen. Robert stützt seine Wangen in die Hände, bedeckt dabei mit den Fingern die Ohren. Weiterspielen für den Ton von Bid 64!

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8. Fassung vom 08.April 2016

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BILD 64

TOWNHOUSE PFENNIG / ZIMMER SWENTJA

INNEN / NACHT

(ABGEHÄNGT – Möbel in Zimmermitte, Fenster abgeklebt, Wand noch Gelb. Laptop beleuchtet das Gesicht.) Bild von Krake vorproduzieren.!!) In ihrem, zum Teil auch schon ausgeräumten, Kinderzimmer liegt

Swentja im Bett und verfolgt akustisch die Auseinandersetzung ihrer Eltern im Wohnzimmer. Dabei chattet sie auf ihrem Laptop mit Mahmud. CHAT MAHMUD ist deine sis wieder da? CHAT SWENTJA Ne :-( CHAT MAHMUD Soll ich dich trösten? CHAT SWENTJA Klar !!!!!! (Wird gelöscht) Wie meinst das? CHAT MAHMUD Na wie wohl. Mitten im Chat bekommt Swentja eine eine anonyme SMS auf ihr Handy. Ein Bild von Sonjas gelber Stoffkrake, die auf dem Boden liegt. Dazu der Text: „KONNTEST DU NICHT BESSER AUF MICH AUFPASSEN!!!!!!“ Swentja ist aufgewühlt. CHAT MAHMUD hallo? rapunzel? CHAT SWENTJA Ok, morgen früh vielleicht? CHAT MAHMUD keine schule? CHAT SWENTJA Arzt. der Gips kommt ab. CHAT MAHMUD Cool, da komm ich mit. Ja? CHAT SWENTJA 11 vor der Klinik. :-) CHAT MAHMUD (Smiley mit Zunge) Sie beendet den Chat mit Mahmud, und betrachtet nochmal das Bild der Krake, das ihr gesendet wurde. Dann löscht sie es. BILD 63 A: ZIMMER MAHMUD/FAISAL: Eine Einstellung von Mahmud beim Chatten. ( - ENDE Spieltag 4 - )

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8. Fassung vom 08.April 2016

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BILD 65

MONTAGE (II)

AUSSEN / INNEN / FRÜHER MORGEN

( - BEGINN Spieltag 5 - Montag ) Julia König verlässt ihren Glaspalast. In der Spiegelung der Fassade checkt sie ihre Frisur, und setzt sich eine Mütze auf, während auf dem Bürgersteig der Hausmeister mit einem Pieker drei tote Vögel einsammelt und sie in einen Müllbeutel wirft. BILD 65 A: Uwe König an einer Bushaltestelle. Während zwei ältere Damen auf der Bank sitzen und warten, geht Uwe ständig auf und ab. (liest Bienenbuch? 4 Passanten) BILD 65 B: Die Bienen aus dem Bienenstock auf der Terasse der Pfennigs schwärmen aus. (untersichtig gegen gelb und Himmel für VFX)

BILD 65 C: Carla rackert sich auf einem Geräte im Fitnessstudio ab. Stern steht daneben und erhöht die Gewichte. Beide sind immer noch deutlich brauner von ihrem Spray-Tan-StudioBesuch. Etwas entfernt, trainiert Mahmud an der Freihantelbank und beobachtet die beiden. (+ 5 Personen)

BILD 65 D: Janine hat in ihrem Atelier geschlafen. Leicht derangiert sitzt sie im Nachthemd an ihrem Tisch und blickt auf den Monitor mit den Fotos ihrer MalAktionen, die sie bisher machen konnte. Robert, Vivian – von der nur ein unscharfer Unterschenkel zu sehen ist - und ein drittes Foto von einem uns Unbekannten. BILD 65 E: Vincent und Vivian beim Eistanz-Training. Beide sind total verschwitzt und üben immer wieder eine Promenade für ihre Kür.

BILD 66 ENTFÄLLT !!!!!

BILD 67 ENTFÄLLT !!!!!

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BILD 69

(ALS 68 GESCHNITTEN) POLIZEIWACHE / EMPFANGSTRESEN

INNEN / TAG

(Motiv: auf Gelände von Kombimotiv II - Bundeswehrkrankenhaus - hat mit 68 den Platz getauscht!!!)

Ein ödes Polizeirevier. Vor dem vorderen Tresen steht der gut gebräunte Streifenpolizist Thomas Stern und blickt von seinem Handy auf, in das er gerade noch getippt hat. (Chat wird wieder visualisiert) STERN Was, ganz konkret, verlangen sie denn jetzt von uns? CHAT STERN In Salzkruste, oder gebraten? :-) Vorm Tresen steht Maschjonka Pfennig. MASCHJONKA Ich weiß aus dem Fernsehen, dass bei Kindesentführungen die ersten 72 Stunden die entscheidenden sind. Danach sinkt die Wahrscheinlichkeit, das Kind noch aufzufinden, rapide. Ist doch so, oder? CHAT CARLA Egal. Wann denn? STERN Aus dem Fernsehen ...Aha... MASCHJONKA Und fast 22 Stunden sind jetzt schon vergangen. Können sie sich vorstellen, wie das ist, als Mutter, die ganze Nacht auf sein kleines Kind zu warten? CHAT STERN Morgen nach dem Sport? STERN Es geht jetzt nicht um Vorstellungen sondern um Fakten. Ich sitze hier beruflich. CHAT CARLA Und wo? MASCHJONKA Mein Gott, sind sie unverschämt. Wer soll mir denn bitte helfen, wenn die Polizei nix tut? Machen sie doch was, oder bin ich ihnen völig egal. CHAT STERN Na bei mir, dachte ich ...... STERN (ABWESEND) Nein. CHAT CARLA Ok. HUMMELN IM BAUCH

GELBE SEITEN vom 17.April 2016

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MASCHJONKA (UNVERMITTELT) Mein Kind ist tot! Ich fühle es! (Pause, leiser) Sonja ist tot. CHAT CARLA Wenn Du mich danach heim fährst. STERN Das beste was sie für ihre Tochter, die sicher noch lebt, gerade tun können, ist zu Hause zu bleiben. Damit jemand da ist, wenn sie heimkommt. CHAT STERN ??????? (wird gelöscht, dann tippt er) Ich freu mich :-) MASCHJONKA (AUFGEBRACHT) Mein Mann ist zu Hause. Und wartet die ganze Zeit. Stern blickt auf sein Telefon, doch es kommt keine Antwort mehr... MASCHJONKA (AUSSER SICH) Hören sie mir überhaupt zu ? Oder was tippen sie da die ganze Zeit? Maschjonka trommelt mit beiden Fäusten auf den Tresen ein. STERN Verzeihen sie, sie sind nicht allein auf dieser Welt. Heute ist der Teufel los! MASCHJONKA (HYSTHERISCH) Und sie glauben nicht, was bei mir los ist. STERN (RUFT NACH HINTEN) Stefan, kannst Du mal bitte..... Ein weiterer Streifenkollege kommt an den Tresen. Doch Maschjonka ist schon auf dem Weg nach draussen.

+ BILD 69 A FLÜCHTLINGSHEIM INNEN / TAG - Carla bei Chatten zeigen!

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GELBE SEITEN vom 17.April 2016

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BILD 68

(ALS 69 GESCHNITTEN) KRANKENHAUS / BEHANDLUNGSRAUM / FLURINNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv II - Bundeswehrkrankenhaus - hat mit 69 den Patz getauscht!!!) im Flur: 3 Personal, 8 Patienten, 1 Putzfrau

Die Tür zum Behandlungsraum wird zugemacht. Drinnen wartet Swentja, mit ihrem Gipsarm, und Mahmud, der sie begleitet. MAHMUD Romantisch hier. Mahmud steckt sich eine Zigarette in den Mund. SWENTJA Rauchen is hier nicht! Mahmud zündet die Zigarette an. MAHMUD Was ist jetzt ... mit uns? SWENTJA Sag mal ganz ehrlich, liebst du mich oder willst du nur lecken? MAHMUD Wie kommste auf die Idee, dass ich dich ... (kurze Pause) ... nur lecken will? Wenn das so wär, würd ich doch nicht son Theater machen. Mahmud registriert überrascht, dass diese Schmeichelei einigermaßen glaubhaft klingt. Sogar in seinen eigenen Ohren! Er begreift, dass irgendetwas vorgeht mit ihm, das ihn unter Kontrolle hat, nicht andersherum. SWENTJA (GREIFT NACH DER ZIGARETTE) Darf ich auch mal? MAHMUD Du darfst noch nicht rauchen, Rapunzel. Ist ungesund. Swentja versucht nach Mahmuds Zigarette zu greifen, doch der streckt sie immer wieder weg. Swentja rückt dadurch immer näher an Mahmud heran. Plötzlich küsst sie ihn. Mahmud genießt den Kuss. Die Tür geht auf und ein junger arabischer Arzt kommt herein. Mahmud springt unvermittelt auf. MAHMUD Nutte! Der Arzt übergeht das ... ARZT Sofort die Zigarette aus. So, Frau Pfennig, dann wollen wir Sie mal befreien. Swentja ist aufgesprungen, faucht Mahmud an. HUMMELN IM BAUCH

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SWENTJA Hast du sie noch alle? Mahmud blickt Swentja böse an. Dann steht er auf und geht. Der Arzt beginnt mit einer großen Schere Swentjas Gipsverband aufzuscheiden. Noch bevor Mahmud die Tür erreicht, tut es ihm leid, er hatte plötzlich keine Ahnung mehr, welcher Teufel ihn eben geritten hat. Er hält kurz inne, sein Kopf zuckt, als ob er sich umdrehen und entschuldigen will, aber er blickt zum Arzt und sein Stolz lässt das nicht zu. Er knallt die Tür zu. Der Arzt schneidet die Telefonnummer und den Smiley von Machmud auf dem Gips durch. Swentja blickt auf den Gipsverband, der sich langsam von ihrem Arm löst. Sie muss die Tränen unterdrücken.

BILD 68 - T2: Swentja ist von ihrem Gips erlöst, und geht über den Krankenhausflur. In einiger Entfernung, sieht sie einen älteren Mann mit einem kleinen, gelbgekleideten Mädchen mit Mäusemütze an der Hand um die Ecke verschwinden. Sonja! Swentja rennt los, und schafft es nach einer kurzen Verfolgung die beiden zu finden. Sie ruft den Namen ihrer kleinen kleinen Schweter, und dreht das Mädchen um. Ein asiatisches Mädchen lächelt Swentja an. Der Papa des Mädchens ist weniger erfreut.

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BILD 70

SUSHI-RESTAURANT

INNEN / AUSSEN / TAG

(Motiv: Original – Sushi-NEM, 1 Kellner, 1 Koch, 10 Gäste. – Gespräch duch Suhi-Klappen! Und drüber)

Uwe König sitzt seiner noch-Frau Julia König (elegant gekleidet, in hohen Stiefeln, aber mit deutlich kürzeren Haaren) gegenüber. Beide, haben schon ein paar leergegessene Teller neben sich stehen. JULIA Ich höre! Uwe reicht Julia ein paar Zettel mit Abrechnungen herüber. UWE Es geht um Nebenkosten. Die Rechnung. Bis Mitte letzten Monats müssten wir die Kosten ja teilen. Ich hab das mal ausgerechnet und finde, dass ist ne faire Lösung so. Julia blickt auf die Zettel, Uwe öffnet eine Sushi-Klappen um sich einen weiteren Teller zu nehmen. Sein Blick verharrt dort..... Auf der anderen Seite des Bandes sitzt Janine und greift auch gerade nach einem Gericht. Sie blicken sich über da Sushiband an. Uwe zieht die Stirn in Falten, schüttelt leicht irritiert den Kopf. JANINE (DURCH DIE LUKE) Kennen wir uns nicht? UWE Jetzt, wo Sie es sagen. JANINE (DURCH DIE LUKE) Wir haben vor ein paar Tagen gevögelt, glaub ich. UWE Ich kann mich erinnern. JANINE Ich will nicht stören. Wo du ja schon Nachschub hast. Wobei Janine Julia blickmäßig komplett ignoriert. UWE Nachschub? JULIA Willst du uns nicht mal bekannt machen? UWE Sicher. Also, das ist meine Frau, Julia. Bald wird sie, leider, meine Ex-Frau sein. Und das ist ... JANINE (SCHNELL) Janine UWE Janine, eine Künstlerin. Wir kennen uns aus dem Internet. HUMMELN IM BAUCH

8. Fassung vom 08.April 2016

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Julia steht auf reicht Janine (die ebenfalls aufsteht) über dem Sushiband die Hand. JULIA (SETZT SICH WIEDER) Soso, du lernst „Künstlerinnen“ im Internet kennen! Uwe macht eine unbestimmte Geste. Janine bleibt stehen und schaut zu den beiden über das Sushiband. Julia nimmt einen Teller vom Band und macht ein Handyfoto davon, Uwe tippt die Nährwerte seines Gerichtes ins Smartphone. JULIA (ZU UWE) Und? Seid ihr jetzt zusammen? Uwe entweicht ein unbestimmtes Schnalzgeräusch. Uwe blickt zu Janine. JANINE Du, man wird sehen. Hab gerade viel zu tun, Endspurt. Übermorgen staret meine erste Einzelausstellung. Während des Gesprächs beobachtet Julia Janine mit überlegenem Lächeln. JANINE Sag mal, Brandbeschleuniger XL, sehen wir uns wieder? UWE Wir rufen uns einfach zusammen, klar. JANINE Gut, machen wir. Hier.... Janine zückt einen Kugelschreiber, findet aber nichts zu schreiben. Kurzerhand greift sie nach Uwes Hand, und schreibt ihre Telefonnummer drauf. Sie steckt den Stift in ihre Handtasche, und lässt das Essen, unberührt stehen. JANINE Entschuldigt mich, ich muss dann ... Steht auf, verlässt das Lokal. Julia sieht Uwe amüsiert an, er guckt weg. JULIA Du nennst Dich Brandbeschleuniger XL? UWE Die kurzen Haare stehen dir gut! JULIA Ach komm. UWE Manchmal denke ich, wir sollten uns vielleicht doch nicht scheiden lassen. JULIA Werd nicht sentimental. UWE Hast du inzwischen wen neuen?

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JULIA (SCHÜTTELT DEN KOPF) Keine Zeit. Und keine Nerven. UWE Auch keinen Sex mehr? JULIA Doch. Immer Sonntags. Uwes Blick, der „Hä?“ besagt. Julia nippt an ihrem grünen Tee und schweigt.

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BILD 71

TOWNHOUSE PFENNIG / SCHLAFZIMMER / ZI. SWENTJA

INNEN / TAG

(Farbeimer und Rollen stehen bei ihr im Zimmer! Noch Gelb an den Wänden. Bild von Sonja vorproduzieren!)

BILD 71 T1 – SWENTJAS ZIMMER: Swentja ist in ihrem Zimmer dabei, ihre Bücher und sonstigen Sachen in zwei Umzugskartons zu packen, als ein Tonsignal eine SMS auf ihrem Handy ankündigt. Swentja schaut nach. „WIESO HAST DU MICH ALLEINE LASSEN?“ schreibt ein anonymer Absender. Dazu ein Bild von Sonja unter ihrer Mäusemütze, die ängslich in die Kamera schaut. Im Hindergrund hört man ein Paar beim Sex. (Elternschlafzimmer: Bett ist abgebaut, Matratze liegt auf dem Boden – violettes Bettlaken vorm Fenster - bei VO Füße im VG scharf.)

BILD 71: Robert und Maschjonka haben ihr Schafzimmer abgedunkelt und sind im Endstadium von offensichtlich leicht hysterischen Sex. Maschjonka auf Robert, zuckt mehrfach heftig, stöhnt und quiekt eine Zeit lang, lässt sich dann zusammensinken und rollt von ihm runter. Beide liegen ein paar Momente erschöpft nebeneinander im Bett. JANINE (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) Den Trick mit den vorgetäuschten multiplen Orgasmen handhabte Maschjonka Pfennig schon seit einer Ewigkeit so. Und nicht nur sie. Diesen „Joker zur Steigerung des männlichen Selbstwertgefühls“ hatte sie von ihrer Mutter und diese wiederum von ihrer Mutter gelernt. Robert kannte das folgende Programm nur zu gut. Tat aber, wie immer, begeistert und überrascht. ROBERT (BEGEISTERT) Wow. MASCHJONKA (FLÜSTERT IHM INS OHR) Danke. Danke. Das war so, so gut..... Hammergut. ROBERT (ROLLT SICH AUF DIE SEITE) Wirklich? MASCHJONKA Jetzt bin ich wieder schwanger. Du weißt, ich kann das spüren. Im Flughafenhotel damals bei Swentja, war es genau so! ... Und bei Sonja auch. Robert steht langsam auf, und nimmt das Bettlaken vom Fenster. Der Raum wid taghell. Maschjonka schlägt die Hände vor die Augen, Robert faltet das Tuch akurat. JANINE (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) Das wiederum konnte nicht sein, denn auch Robert hütete ein kleines Geheimnis. Ungefähr als seine erste Tochter Swentja sechs wurde, hatte er sich während seiner Arbeit in Algerien sterilisieren lassen. Heimlich. Sein Vaterglück war vollkommen und er wollte weitere Diskussionen mit seiner Frau vermeiden. überraschter war er, als seine Maschjonka, Jahre später mit Sonja schwanger war. Robert blickt seine Frau an, die mit beiden Händen ihre Vagina hält und selig an die Decke strahlt.

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MASCHJONKA (LEISE) Ich spüre es. Robert geht nackt aus dem Schlafzimmer.

(Wohnzimmer: Mehr Möbel zerlegt, mehr Umzugskartons – eher Total, Robert weiß nicht, wohin mit sich)

BILD 71 T2 –WOHNZIMMER: Robert sitzt, immer noch nackt, im Wohnzimmer und raucht. Er überlegt und blickt sich um. Er sucht sein Handy und wählt. ROBERT (INS TELEFON) Ecki? Hallo, Robert hier. Der mit der Wiege. (....) Ja, ich freu mich auch.

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BILD 72

WOHNUNG VIVIEN

INNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt – EXTRAM STATISCH & HANDKAMERA)

Vivian macht sich gerade zurecht. Sie schlüpft in ihr weißes Lederoutfit. Vincent verstaut gerade ein bezogenes Oberbett in einem Schrank/Truhe im Wohnzimmer. VINCENT Mach bitte nicht so lange, wir wollten um sechs noch mal in die Halle. Vincent schüttelt die sofakissen auf, es klingelt an der Tür. VIVIAN Ey, ey, Sir. Vivian gibt Vincent einen Kuss und geht zur Wohnungstür. Vincent verschwindet mit seinem Laptop in der Küche. Vivien öffnet die Wohnungstür. Draußen steht ... JOHNNY (VERLEGEN STOTTERND) Hallo. VIVIEN Hi. Du hattest angerufen, richtig? Johnny nickt stumm. Vivien hat Erfahrung mit Jungs, denen es die Sprache verschlägt. Sie nimmt den weiterhin schweigenden Johnny am Arm und zieht ihn in die Wohnung. Mit seiner orangenen Jacke sieht Johnny in der weißen Wohnung aus, wie ein Leuchtturm in der Arktis. Er ist so aufgeregt, dass er am liebsten kehrtmachen würde, beruhigt sich aber langsam. VIVIEN Wie heißt du denn? JOHNNY (NOCH IMMER UNSICHER, LEISE) Johannes. VIVIEN Worauf stehst du? JOHNNY Weiß ich noch nicht. Vivien hat Johnny währenddessen in ihr Zimmer geschoben. VIVIEN Aber Geld hast du schon dabei? Johnny macht wortlos seine Hand auf. Und legt zerknitterte 100 Euro in kleinen Scheinen auf den Tisch. Vivian schiebt Johnny weiter ins Schlafzimer. VIVIEN Setz dich bitte! JOHNNY Aufs Bett? HUMMELN IM BAUCH

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Es gibt sonst keine Sitzmöglichkeit, doch Viv unterdrückt ein Lächeln, beantwortet die Frage sachlich, ohne sarkastischen Unterton. VIVIEN Ja, klar. Johnny setzt sich auf das Bett, und wie er da sitzt und wippt, während sein Puls rast und seine Knie zittern, bietet er ein berührendes Bild kaum kaschierter Schutzlosigkeit. Vivian zieht ihm vorsichtig die Jacke und das Shirt aus. Auf dem Rücken sind Striemen. (v. Gürtel und Schnalle) VIVIEN Hat du sowas schon mal gemacht? Johnny schüttelt verlegen den Kopf. Dann beginnt Vivian, auch ihr Oberteil auszuziehen. JOHNNY Bitte nein! Oben bitte alles anlassen. VIVIAN Möchtest du was Spezielles ausprobieren, oder soll ich einfach mal machen? Sie öffnet den Reißverschuß ihrer weißen Hose. Ein knallroter Slip wird langsam sichtbar. JOHNNY Also ... ich ... ich hab mal gesehen, dass ... (er tippt sich auf seine Lippen, und macht eine Handbewegung zwischen seinen Beinen) VIVIEN Ahh, da bist du bei mir genau richtig. Vivian greift nach Johnny Hosenschlitz... JOHNNY Entschuldigung, ich ... ich ... muss noch mal aufs Klo! VIVIEN Kein Problem.

BILD 72 A – TOILETTE: Johnny schließt die Toilettentür von innen ab und holt sich über der Klomuschel einen runter, es kommt ihm binnen zwanzig Sekunden. Er zögert, den Raum zu verlassen, wäscht sich das Gesicht, setzt sich hin. VIVIEN (VON DRAUSSEN, OFF) Johannes? Alles klar da drin? Johnny antwortet nicht.

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BILD 73

KAUFHAUS LEBENSMITTELABTEILUNG

INNEN / TAG

(Motiv: „REAL“ - Markt)

Uwe geht in seine Abteilung. Tritt dabei von einem Fuß auf den anderen. ECKI (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) Die Phänomen der Selbstoptimierer ist schon länger bekannt. Selbst Goethe hatte 35 Lebensjahre lang alles notiert. Mit wem er wann zum Essen, Tee oder Gespräch beisammen saß was verspeist wurde und welche Spaziergänge er zur Erholung machte. Selbst die Konsistenz seines Stoffwechsels brachte er regelmäßig zu Papier. Jedem Menschen ist es gegeben, die Welt zu verändern und vielleicht sogar zu verbessern. Wenn nicht in großem Maßstab wie Goethe, dann zumindest im Kleinen. Doch das Veränderte ist wiederum veränderlich. Unten angekommen, lächelt er freundlich seine Mitarbeiterin an, die nach hinten zeigt und dann seinem Blick ausweicht. Uwe geht in den Gang hinter der Wurst- und Fleischtheke.

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BILD 75

KAUFHAUS / GÄNGE DER METZGEREI

INNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv II – Bundeswehrkrankenhaus, ! Fleischfachverkäuferin, 1 Metzger.)

Uwe kommt in den Gängen der Metzerei an. Er blickt sich kurz um. GEBIETSLEITER (OFF) Herr König? Ein junger Mann Ende 20, im Anzug (blassrosa Polohemd!), kommt auf Uwe zu. UWE KÖNIG (SKEPTISCH) Ja? GEBIETSLEITER Wir kennen uns noch nicht. Wehrmann, ich bin der neue Gebietsleiter. UWE KÖNIG (SETZT EIN LÄCHELN AUF) Sehr angenehm. GEBIETSLEITER Leider nicht. Uwe ist irritiert der Gebietsleiter nimmt ihn mit durch die Gänge. GEBIETSLEITER Wie sie sicher wissen, haben wir seit Anfang des Jahres die obligatorische Überprüfung des Pfandautomaten au.... UWE KÖNIG (SCHNELL) .. auf drei Mal täglich erhöht. 10.30h, 14.00h und 17.30h. Der Gebietsleiter nickt verstehend und blickt auf Uwes Hand mit der Telefonnummer von Janine. Uwe bemerkt das und verdeckt den Handrücken. GEBIETSLEITER Sehr gut. Unsere Richtlinien sind Ihnen ja doch teilweise bekannt. UWE KÖNIG Sicher. Ganz genau sogar. GEBIETSLEITER Dennoch scheint es so, dass ein Verstoß gegen unsere mühsam erarbeitete Marktphilosophie von Ihnen persönlich angeordnet wurde. UWE KÖNIG Wie bitte ...? Der Gebietsleiter bleibt stehen, greift in seine Sackotasche und hält Uwe das Schild "Wurstabschnitte auf Anfrage" vor die Nase. GEBIETSLEITER Was steht denn da? HUMMELN IM BAUCH

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UWE KÖNIG Wurstabschnitte auf Anfrage. GEBIETSLEITER Herr König, Sie scheinen Ihren Namen wohl etwas zu erst zu nehmen. Der Verkauf von Abschnitten der Fleisch- und/oder Fischwarenkette an Endverbraucher ist nicht nur ein ästhetisch fragwürdiges Unterfangen, sondern auch in den LMKV´s unmissverständlich geregelt. Kommen sie. Der Gebietsleiter treibt Uwe nun vor sich durch die Gänge. UWE KÖNIG Ja! Aber es war ein ausdrücklicher Kundenwunsch. Diese Wurstabschnitte sind doch quasi Wurst, nur eben nicht so schön. GEBIETSLEITER Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass Sie sich persönlich der Nachhaltigkeit von Rohstoffen verpflichtet sehen.... Der Gebietsleiter ist an einer Kühkammer angekommen. Er öffnet die Tür und holt ein Tablett mit Wurstabschnitten heraus. GEBIETSLEITER ... aber wenn Sie künftig keinen Regeln mehr unterworfen sein wollen, müssen Sie sich vielleicht eine eher künstlerische Betätigung suchen, Herr König. Der Gebietsleiter streckt Uwe das Tablett entgegen, und deutet auf einen großen Müllcontainer. Uwe nimmt das Tablett und wirft die Abschnitte weg. Der Gebietsleiter geht davon, dabei: GEBIETSLEITER (LAUT) Das gibt eine Abmahnung, Hoheit. Haben wir einander verstanden? UWE KÖNIG (MURMELT) Ja ... Uwes Blick saugt sich an der Schrift auf seinem Unterarm fest. Janines Telefonnummer. GEBIETSLEITER (RUFT) Wirklich? Laut und deutlich? UWE KÖNIG (SCHREIT) Ja. LAUT UND DEUTLICH! Die Fleischfachverkäuferin schaut ihren Chef mitleidig an.

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BILD 74

APARTMENT VIVIAN / VINCENT – TOILETTE / FLUR

INNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv I–Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt)

Johnny sitzt auf dem Boden der Toilette. VIVIEN (VON DRAUSSEN, OFF) Johannes! Mach endlich auf! Was machst du da drinnen? Was soll das? Johnny gibt keine Antwort, hält sich die Ohren zu, fühlt sich einigermaßen sicher auf diesen drei Quadratmetern. VINCENT (VON DRAUSSEN, OFF) Freundchen, sperr die Tür auf! Johnny erschrickt vor der Männerstimme. VINCENT (VON DRAUSSEN, OFF) Mach auf, oder ich trete die Tür ein hole dich höchstpersönlich. Zögerlich schließt Johnny die Tür auf. (Sie wird nicht mehr eingetreten!) Er öffnet sie einen kleinen Spalt, behält die Klinke aber in der Hand. Vincent und Vivien blicken ihn durch den Türspalt an. VINCENT (OFF, IN BESORGTEM TON) Bist du nicht ganz richtig im Kopf? Vincent drückt die Tür auf, Johnny hockt auf der Erde Vincent und Vivien stehen direkt vor ihm und versperren somit den Ausgang. VIVIEN Alles ok? Johnny schweigt und zittert..... Nach einer Weile... JOHNNY Darf ich bitte gehen? Vincent blickt zu Vivien. Die nickt kurz. Vincent tritt zur Seite. Johnny rennt direkt an ihm vorbei und (mit bloßem Oberkörper) aus der gegenüberliegenden Wohnungstür. Vivien und Vincent sehen sich groß an. Schmunzeln. VIVIAN Gottes Tierreich ist groß! Aber irgendwie wird dieser Job immer krasser. VINCENT Gestern hat sone Tante darauf bestanden, dass ich ihr in den Mund komme. Wurde richtig militant. VIVIAN Und? Biste?

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VINCENT Natürlich nicht. VIVIEN Gut. Ich hab mich auch durchsetzen müssen, gegen sone Künstlerin, die mich unbedingt fotografieren wollte. VINCENT Die Bitch! VIVIEN Da draußen sind echt alle irre. Die beiden küssen sich, und beginnen sich wieder zu streicheln.

BILD 76

ENTFÄLLT !!!!!!!!!

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BILD 77

ANGER-ROOM / LAGER

INNEN / ABEND

(Tiefstehende Sonne)

Robert steht bei Ecki im Angerroom. Beide trinken Bier. Es läuft laute Musik (Das "Blumenduett" von Delibes) und im Hintergrund ist jemand in Overall und Brille dabei, das ausstaffierte „Büro“ mit einem Vorschlaghammer zu zerlegen. ECKI Tut mir leid, wär auch gerne was mit dir essen gegangen, aber solange Kunden da sind....... (er ruft zum Kunden!) HELM AUF !! Ecki geht ins benachbarte Lager, in dem regalweise kaputte Drucker und billige Vasen auf ihre Zerstörung warten. Dort stellt er einige Teile auf einen Rollwagen. Robert ist ihm gefolgt. ROBERT (SCHWUNGVOLL) Egal. Machen wir machen uns eben hier nen netten Abend, oder, Ecki? ECKI (STRAHLT) Gerne. Erzähl mal was von Dir? ROBERT Da gibt’s nicht viel. Hab Bienen. Noch. Zwei Völker Iberische Bienen. Magst Du Honig? Ecki nickt. ROBERT (LÄCHELT) Gut. Zwei Kinder. Mädchen. Kein Job. Ne neuerdings vegane Frau. Noch Fragen? ECKI Ganz ehrlich? (Robert nickt) Das musst du dir doch alles mal in Ruhe anschauen. Hast du es mal mit ner Familienaufstellung probiert? Kennste so was? Bei mir ist da der Groschen gefallen.

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BILD 78

ZIMMER FAISAL / MAHMUD

INNEN / ABEND

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt – tiefstehende Sonne durch rotes Netz)

Mahmud und Faisal, beide im Schlafanzug, sitzen auf ihren Gebetsteppichen. Mahmud trägt einen Hut der sich langsam hebt. Denn er hat sich ein Kondom über den Kopf gezogen, das es mit der Nase aufbläst, so dass sein Hut sich in die Höhe hebt. (Das sollte Hussein bitte vorher mal üben!) Mahmud versucht vom bevorstehenden Abendgebet abzulenken. Faisal beobachtet das ganze eher fassungslos. FAISAL Was ist los, Bruder? Mahmud zieht sich das Kondom vom Kopf. MAHMUD Was? FAISAL Von was willst Du ablenken. Immer noch das Mädchen? MAHMUD Nein ... Ja! Schon. Die geht mir nicht aus dem Kopf. Aber gerade ist was anderes. FAISAL Was is jetzt? MAHMUD Pass auf: (ab hier weiter Arabisch) Das mit der Wunde hier, das war kein Unfall. Son Nazi-Aggro-Pärchen hatte es voll auf mich abgesehen. Mahmud in seinem Schlafanzug sieht gerade recht kindlich aus. FAISAL Warum erzählst du erst jetzt davon? MAHMUD Weil ich die zufällig nochmal getroffen hab. FAISAL (ZITIERT LEISE) „Die Erlaubnis zum Kampf ist all denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen ja Unrecht getan wurde.“ Faisal springt auf und wühlt in seinem Schrank. FAISAL (DABEI) Würdest du die nochmal wiederfinden? MAHMUD (ab hier deutsch) Klar. Wir gehen ins gleiche Studio. FAISAL Gut. (Arabisch) Die Rache ist eine Suppe, die man lieber kalt auslöffelt Faisal dreht sich um und hält einen falschen Bart in die Höhe Mahmud versteht noch nicht ganz. Faisal grinst ihn an. HUMMELN IM BAUCH

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BILD 79

ANGER-ROOM

INNEN / ABEND

(Tiefstehende Sonne)

Ecki nippt an seinem Bier. ECKI ... genau das ist aber die Scheiße. Entweder, du bist jung, hipp, trainiert und vögelst höher, schneller, weiter, ... oder ... du bist alt und alleine. ROBERT Ach, ich dachte, bei euch ist immer was los. Weil unter Männern ist das doch wahrscheinlich unkomplizierter, oder? ECKI Je nach dem. Auch da gibt es ja verschiedene Ausprägungen. Robert macht es Spaß, mal wieder über Sex zu reden. ROBERT (WIE SELBSTVERSTÄNDLICH) Wie meinste? Die, die sich ficken lassen, und die, die..... ECKI (SCHMUNZELT UND NICKT) Genau. Und im Alter werden aber alle fauler. Liegen lieber auf dem Bauch und lassen machen. Ich glaub manchmal in meinem Alter gibt´s nur noch Typen die gerne hinhalten. ROBERT (SCHMUNZELT) So wie du, also? Ecki blickt kurz auf, trinkt dann einen Schluck Bier. KUNDIN (RUFT AUS OFF) Fertig! Ecki stoppt die Musik. Von hinten nähert sich die Kundin, die die letzten Minuten mit dem Vorschlaghammer Schwerstarbeit geleistet hat. Als sie die Brille abnimmt, erkennen wir Julia König darunter. ECKI (ZUR KUNDIN) Alles in Ordnung? Den Overall und die Brille einfach.... (...in den Korb.) JULIA KÖNIG Wie immer. Danke. ROBERT Mit dem Alter ist es eh schwierig, ne? ECKI Wie meinste? (er streicht sich über den Kopf) Hier oben wächst nix mehr, die meisten Haare die man hat, sind die auf denen man sitzt. HUMMELN IM BAUCH

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ROBERT Ist doch egal. ECKI Mir nicht. Typen mit sonem Gestrüpp untenrum sind nicht "my piece od cake". Wer will schon Haare zwischen den Zähnen. Die beiden müssen lachen. Ecki will damit beginnen, das Chaos in der Büroecke zu beseitigen. Doch Robert fasst sofort mit an. ROBERT Wart, ich helf dir. Die beiden beginnen die Reste von dem, was Julia König übriggelassen hat beiseite zu räumen un in den Rollcontainer für den müll zu schmeißen.

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BILD 80

ATELIER

INNEN / NACHT

(Motiv: Wohnung/Atelier/Lastenaufzug - original in Alter Baumwollspinnerei)

Janine im Schlafshirt isst von einem Teller Pasta in ihrer Kochecke. Die wischt sich die Hände ab und zieht die erste von mehreren großen Rollen aus der Schutzfolie. Als ihr Telefon klingelt. JANINE (INS TELEFON) Ja? UWE (AUS HÖRER) Ich bin´s. XL. JANINE Oh! Hätte nicht gedacht, das Du dich so schnell meldest. BILD 80 A SCHLAFZIMMER UWE : Uwe telefoniert im ON. (Motiv: im Kombimotiv II - Bundeswehrkrankenhaus)

UWE Kannst Du morgen? Hätte eine Überraschung für dich. Egal wann. JANINE So um Drei? UWE Top. Den Treffpunkt schicke ich Dir rüber. Bis morgen. Ich freu mich. JANINE Top. Janine legt auf und entrollt das erste sehr Großformatige Bild. Es ist das von Robert. ( - ENDE Spieltag 5 - )

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BILD 81

TRAMBAHN / TRAMBAHNHOF

INNEN / TAG

( - BEGINN Spieltag 6 - Dienstag) (Motiv: Trambahn Halle, Haltestelle „Schwimmbad“- 26 Fahrgäste + Team)

In der Bahn sitzt Janine auf dem Weg zu ihrem Überraschungs-Date mit Uwe. Auf den Platz gegenüber von ihr, sitzt breitbeinig ein junger Araber mit Headset im Ohr. Mahmud. Vor ihm steht eine schwarze Sporttasche. Mahmud chattet. CHAT MAHMUD Sorry wegen gestern! CHAT SWENTJA Du hast mich Nutte genannt. Vergiss es. Der Puff is zu. Bye. Janine kann es nicht lassen, und imitiert Mahmuds breitbeinige Sitzhaltung. Dieser blickt enttäuscht von seinem Chat auf und merkt das. Mahmud blickt Janine herausvordernd an und schlägt die Beine übereinander. Auch das wird sofort von Janine imitiert. Mahmud hustet kurz in die Faust vor seinem Mund. Janine spiegelt das. Beide blicken sich in die Augen müssen lachen. Ein kleiner Wettkampf entflammt. Mahmud spring in der Hocke auf den Sitz. Janine tut es ihm gleich. Die ersten Passagiere in der S-Bahn schauen pikiert. Mahmud streckt Janine spielerisch die Zunge raus. Sie ihm ebenso. Jetzt lässt Mahmud freudig seine Hände über kreuz an seinem Oberkörper nach unten gleiten. Janine imitiert auch diese Bewegung. Jetzt greift Mahmud sein T-Shirt und zieht es mit einem Ruck aus, so dass er mit bloßem Oberkörper in der Bahn sitzt. Janine lächelt, aber an dieser Stelle ist für sie Schluss. Mahmud setzt sein Gewinnerlächeln auf. Janine muss aussteigen. Mahmuds Blick folgt ihr bis zur Tür, bleibt dann aber an Johnny hängen, der mit einem Blumenstrauß (für Swentja) in der Bahn steht, und versucht, sich vor Mahmud zu verstecken. Der junge Araber springt auf und stellt sich vor Johnny auf. MAHMUD Na Jesus, für wen sind die denn? Swentja? JOHNNY Ne... also ... MAHMUD Kein Stress, Kleiner. Mit mir hat sie auch Schluß gemacht. Mahmud zieht sein T-Shirt wieder an und blickt zu Johnny. JOHNNY Nich noch mal schlagen, bitte. MAHMUD Ok, wenn du mir hilfst. Hab was vor. JOHNNY Was denn? HUMMELN IM BAUCH

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MAHMUD Und auf nen Drink einlädst. JOHNNY Ok, du trinkst kein Bier, oder? MAHMUD Nee. JOHNNY Gut. Ich auch nicht. MAHMUD Quatsch, natürlich trink ich Bier! Denkst du, nur weil ich Moslem bin, trink ich kein Bier? JOHNNY Sorry. MAHMUD Swentja hat über dich abgelästert. Sie meinte, du wärst in soner geisteskranken Sekte, und dass du sie erst heiraten müsstest, bevor du ihn reinstecken darfst. JOHNNY Das war mal. Gestern war ich bei ner echten Prostituierten. MAHMUD (VERBITTERT) Komisch. Ich auch. JOHNNY Wie war’s? Ich meine ... ? MAHMUD Bin wieder gegangen. JOHNNY Ich auch. Die Bahn fährt in einen Bahnhof ein. Mahmud packt Johnny an der Schulter. MAHMUD Lass uns aussteigen. Yalla! Hab Durst. Du hast Geld, ja? Gerade will Mahmud aussteigen da fällt ihm seine schwarze Sporttasche ein. Schnell springt er zurück und holt sie noch. Johnny wartet vor der sich schließenden Tür, durch die es Mahmud gerade noch schafft. Er lächelt Johnny breit an. (Dicke Walker im Partnerlook steigen ein.)

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BILD 82

STRASSE / LADENLOKAL

INNEN / TAG

TEIL 1 - Strasse: Janine geht um eine Häuserecke. Durch die Menge der Gothik-Passanten, kann sie schon Uwe erkennen, der am vereinbarten Treffpunkt auf sie wartet. Als sie sich treffen, geben sie sich ein Begrüßungsküsschen. JANINE Jetzt bin aber mal gespannt. UWE Das kannst du sein, hab ne Hammeridee, gerade auch weil Du ja Künstlerin bist und so. Er nimmt sie an die Hand und ......

TEIL 2 - Ladenlokal (Blick von innen auf durch die runden Ausschnitte in der grünen Folie): ... führt sie zu eine Geschäft, in dem eine riesige begehbare Rotunde aufgestellt ist. Es ist ein 3D-Scanner, der dann Miniaturkopien der eingescannten Figuren herstellt. UWE Wir lassen eine Figur von uns beiden machen. Das muss doch festgehalten werden. In 3D und Farbe! JANINE Zusammen? UWE Na klar. JANINE Meinst du, du kriegst heute noch einen hoch? UWE (VERSTEHT NOCH NICHT GANZ) Wieso...? Die beiden betreten da Geschäft. Da kommt die Angestellte des Geschäfts von der Seite mit einem Kaffeebecher in der Hand. Es ist die Mutter von Johnny.... ANGESTELLTE / JOHNNYS MUTTER Kann ich Ihnen helfen? Janine strahlt die Angestellte an.

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BILD 83

VOR ROLLTREPPE / KIOSK / CENTER

INNEN / AUSSEN / TAG

( 35 Passanten incl. Goth!! + Team)! FISCHBRÖTCHEN???) Mahmud und Johnny stehen an einem Kiosk (oder sonst wo!) Von dort kann Mahmud den Eingang eines Fitnessstudios beobachten. Vor ihnen zwei leere Dosen mit Alkopops. Mahmud reißt gerade zwei weitere auf und stellt Johnny eine der Dosen hin. JOHNNY Aber ich muss nicht mitmachen, ja? MAHMUD Nein! Nur filmen. Mahmud schiebt Johnny sein Smartphone hinüber. Suchend blickt er sich um, als würde er auf was oder wen warten. Er blickt auf die Uhr, dann öffnet Mahmud die schwarze Sporttasche und holt einen künstlichen Bart mit Gummiband und eine Art Kaftan heraus. JOHNNY Darf ich dich mal was fragen? MAHMUD Was´n? JOHNNY Ich meine, Du bist doch auch religiös, oder? Mahmud streift sich den Kaftan über und stopft seine Jacke in die Tasche. Er blickt zum Eingang eines Fitnessstudios. MAHMUD Lass mich in Ruhe mit dem Scheiß. JOHNNY Wieso das? MAHMUD Na ja, es gibt gute Menschen, die Gutes tun, und böse Menschen, die Böses tun. Soweit klar, oder? Aber dass gute Menschen Böses tun, das schafft nur die Religion! Also, pass echt auf, bei was du da mitmachst. Mahmud hat sich gerade den falschen Vollbart umgehängt. An ihnen schleppt JULIA KÖNIG gerade zwei große Einkaufspakete vorbei. Irritiert blickt sie auf den bärtigen Mahmud, geht aber weiter. MAHMUD Ich glaube an nix mehr. Meine Eltern und mein Bruder schon. Ich nicht. Aber halt heimlich. JOHNNY Wie heimlich? MAHMUD Na ich glaube heimlich an nix! (er blickt hoch zum Eingang des Fitnessstudios) So langsam müssten sie kommen. HUMMELN IM BAUCH

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BILD 84

LADENLOKAL

INNEN / TAG

(Topshot in Scanner!)

Die Angestellte im Geschäft mit dem 3-D-Scanner, steht an einem Terminal und gibt ein paar Daten ein. Aus dem Scanner sind die Stimmen von Janine und Uwe zu hören. UWE / JANINE (OFF) Meinst du so? Ne, eher so was. Oder so könnte es auch super aussehen. Als die Angestellte fertig ist, wirft sie noch einen Blick ins Innere des Scanners. ANGESTELLTE So, jetzt kann es losgehen. Sie müssten einfach..... Die Angestellte bleibt wie angewurzelt stehen. Uwe und Janine haben sich komplett entkleidet, und probieren verschiedene Sexposen für den Scan aus. ANGESTELLTE Also ... Stopp ... ich meine ... so etwas ist nicht ... also ist nicht erlaubt. JANINE Ach ja? Wo steht das? Sie machen ja auch Figuren von Hunden und sonst allen Scheiß. ANGESTELLTE Aber das ist doch nicht ... normal. JANINE So Fräulein, Sie haben unser Geld genommen, also drücken Sie mal schön auf den Auslöser. Die Angestellte verschwindet und zieht den Vorhang zu. Die beiden nehmen wieder eine Sexstellung ein und verharren. Auf den Auslösemoment wartend. Schweigen. UWE (ZÖGERLICH) Was willst du eigentlich von mir? Also ich meine, wir beide haben uns getroffen, um Sex zu haben, wir hatten Sex, unsere Wege haben sich getrennt. Du triffst mich, gibst mir deine Nummer. Was willst du nun? Mehr Sex? JANINE Ja! was willst Du denn? UWE Dich kennenlernen? Hab Dir ja auch von mir erzählt. JANINE Ich weiß. Von Gin und Tonic und diesen scheiß Wurstdingern. HUMMELN IM BAUCH

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UWE Keine Witze, dafür hab ich echt meinen Job ristkiert. (nach einer Pause) Wo kommst du denn her? Was machen deine Eltern? Janine wird es zu viel. Sie springt von Uwe herunter und schupst ihn unsanft nach hinten. In diesem Moment lösen die unzähligen Blitze um die beiden herum aus. Genervt sammelt Janine ihre Klamotten ein, und zieht Teile davon an. Uwe steht da wie paralysiert. UWE KÖNIG (ZÖGERLICH) Was ist denn mit deiner Arbeit? Wo ist denn deine Ausstellung? JANINE (PLATZT DER KRAGEN - LAUT) Die Ausstellung ist in der Halle 14, ich komme aus Bielefeld, meine Eltern sind Studianräte und ich wollte dich einfach nur ficken! Sonst noch was? Uwe ist still. Janine springt aus der Kabine und lässt Uwe zurück.

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BILD 85

CENTER / VOR UND AUF ROLLTREPPE

INNEN / TAG

Johnny ist erkennbar angetrunken. Er steht hinter einer Ecke und blickt auf das Display des Smartphones von Mahmud. Mahmud (in Kaftan und mit Vollbart) hält seine Sporttasche fest umklammert. Er blickt auf den Eingang des Sportstudios, eine Etage höher. Dort verlassen Thomas Stern und Carla gerade das Studio. Stern hat den Arm um Carla gelegt als sie auf die Rolltreppe nach oben steigen. Auch hier sind viele Gothic-Typen unterwegs. Mahmud gibt Johnny das Zeichen zum Auslösen der Aufnahme. Als Stern und Carla fast am oberen Ende der Rolltreppe ankommen, kommt Mahmud im Kaftan angelaufen und schleudert ihnen die Sporttasche vor die Füße. Spitze Schreie. Stern hat die größte Panik. Er rempelt Carla um, die hinter ihm steht und rennt die Rolltreppe gegen die Fahrtrichtiung hinunter, wobei er etliche Passanten wegstößt. Er ist von Panik ergriffen. Carla nimmt geistesgegenwärtig die Tasche und wirft sie neben der Rolltreppe in die Tiefe. (Handyvideo so drehen, das man Stern gut erkennen kann - für Bild 89!!) Johnny filmt alles. Allerdings so auffällig, das Stern ihn kurz dabei beobachten kann. Als es wieder ruhiger wird, stoppt Johnny die Aufnahme. Mahmud kommt angelaufen. MAHMUD (ZU JOHNNY) Und? Alles drauf? War geil oder? Die beiden gehen rasch um zwei Ecken (WO?), dabei holt Mahmud aus seinem Kaftan zwei weitere Dosen, öffnet sie und stößt mit Johnny an. Dann nimmt er Johnny das Telefon aus der Hand. MAHMUD Das machen wir noch ein paar Mal. Zeig her! Du holst die Tasche wieder! Johny verschwindet mit der Getränkedose in der Hand. Mahmud spielt die Videoaufnahme ab und schaut sie begeistert an. Darauf ist gut besuchte Rolltreppe zu sehen. Passanten eilen hin und her. Dann kommt plötzlich von rechts Mahmud (mit Kaftan und Bart) ins Bild und schaut sich um. Dann schleudert er unvermittelt seine schwarze Sporttasche ans Ende der Rolltreppe gerade als Stern im Bild auftaucht.

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BILD 86

CENTER / VOR UND IN GLASAUFZUG

INNEN / TAG

Oben im Center. Stern wird noch heftig von seiner Panikatacke geschüttelt. Er stützt sich an die Tür des Glasaufzugs, Carla gibt ihm zu trinken aus ihrer Wasserflasche. Die Aufzugstür öffnet sich. Stern wankt hinein, und setzt sich auf den Boden. Carla hockt sich daneben. CARLA Thomas? Geht´s denn wieder? Stern zittert noch am ganzen Leib. Tränen laufen seine Wangen hinuter. STERN Oh Gott...ich weiß nicht – ... CARLA Ganz ruhig...du – du hattest einfach einen Aussetzer... STERN Nein... nein... ich – ich hatte Angst. Carla guckt ihn betroffen an. Dann wird sie wütend. CARLA Quatsch. Ganz sicher nicht.... STERN Doch, ich – ich hatte Todes... CARLA Ich will das nicht von dir hören! Hast du das verstanden? Stern guckt sie blöd an. Er kann noch immer nicht regelmäßig atmen. CARLA Ich will dieses Wort nie mehr hören, und gerade nicht aus deinem Mund, Thomas Stern! Alles ist gut, tief einatmen. Das focussiert, Thomas. STERN (HÖRT NULL ZU) Ja, ja, ja ... siehst du – ich habe auch Angst. Und gerade deshalb fühle ich mich dir so nah... (klammert sich an Carla) CARLA Lass mich los, Thomas. Ich möchte das nicht. STERN Komm schon,bitte! (er blickt zu ihr auf) Und lass uns bitte endlich diesen verdammten Fisch essen, ich liebe dich. CARLA Wenn ich daran denke...dann muss ich leider nur noch kotzen. Verzeih mir, Thomas. Carla ist die gesamte Situation mehr als unangenehm. Kaum ist der Aufzug unten angekommen, verlässt sie ihn rasch. Das Thomas Stern ihr verzweifelt nachruft scheint sie zu überhören. Die Aufzugstüren schließen sich, und dämpfen die Rufe. HUMMELN IM BAUCH

GELBE SEITEN vom 17.April 2016

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BILD 87 A HAUS ECKI / VIVIAN (NEU!!!)

AUSSEN / ABEND

Establisher-Dreh ohne Schauspieler (Motiv: GEORG-SCHUMANN-STRASSE Ecke SPRINGERSTRASSE)

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BILD 87

WOHNUNG ECKI / HAUSFLUR

INNEN / ABEND

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt – SUSPENCE DURCH GELBE MÜTZE!!!)

Eckis Wohnung ist sehr klein. Bücher stapeln sich an der Wand bis zur Decke. Eine wohnliche Höhle aus Büchern, Zeitschriften und wenigen Möbeln. Ecki sitzt vor einem Vogelkäfig. Darauf sitzt oben ein, in die Jahre gekommener, Gelbhaubenkakadu. Ecki flötet dem Vogel etwas vor, doch dieser antwortet nicht. Es klingelt. Ecki geht zur Tür, davor steht Robert. Ecki macht die Tür auch auf Roberts Anblick hin nicht wesentlich weiter auf, nur so weit, dass er gerade in der Öffnung steht. ECKI Was willst du denn? ROBERT Na hör mal, ich dachte, du freust dich! Hier! TEIL IN FLUR: Robert reicht ein Glas Honig durch den Türschlitz. Aus der gegenüberliegenden Tür kommt Vivien in ihrem weißen Arbeitsoutfit. Sie ruft eine freundliche Verabschiedung in die Wohnung und geht die Treppe herunter. ECKI Lass mal. Mir ist nicht so gut. Geh auch gleich ins Bett. Ecki wirkt in der Tat abgespannt, leidend, mit viel tieferen Augenringen als sonst. ROBERT Was hast du denn? ECKI Nichts. Morgen geht´s sicher wieder. Ecki will seine Wohnungstür schließen, Robert kommt das merkwürdig vor. Warum will er ihn so schnell abfertigen? Aus der Wohnung hört man ein schwer definierbares Geräusch, ein bisschen so, als würde jemand gegen etwas getreten haben. ROBERT (NEUGIERIG) Hast du Besuch? Ist schon wer da? Sag das doch. Man hört ein zweites Geräusch, eher ein Laut. ECKI Hab keinen Besuch, ist der Fernseher. Entschuldige bitte, wir sehen uns ganz bald. Versprochen. Tschüss Robert. Und danke. Mit diesen Worten schiebt Ecki die Tür vor Robert zu, sehr ungalant, als fühle er sich belästigt. Robert staunt, dann zuckte er mit den Schultern, dreht sich um und geht.

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Ecki geht zurück ins Wohnzimmer, schließt die Tür des winzigen Vogelkäfigs hinter dem Kakadu. Er setzt sich die Kaputze seines Hoodies auf, zieht sie zu, nimmt sich eine Taschenlampe und geht Richtung Küche. ECKI (FLÜSTERT) Sonja? Hörst du mich? In der Küche ist es fast dunkel, man kann nur den Umriss einer Gestalt erkennen. Auf dem Küchentisch steht ein Rechner mit Webcam. SONJA (MIT MICKEYMAUSSTIMME) Sonja will aber kein Foto mehr machen, Sonja will zu Mama... ECKI (OFF, BESTIMMT) Jetzt mach es mir nicht schwer. In der engen Küche sitzt Sonja auf einem Stuhl und spielt mit ihrer gelben Stoffkrake. SONJA (MIT MICKEYMAUSSTIMME) Tut mir leid, tut mir leid, jetzt ist leider Schluß damit. ECKI Setz die Mütze auf, Sonja. Eine Hand schiebt sich ins Bild, hält ihr die wollene Mmäudemütze hin. Der grelle Kegel der Taschenlampe leuchtet ihr ins Gesicht. SONJA Aua! Sonja zieht die Mütze übers Gesicht, bis unters Kinn. ECKI Versprichst du, sie aufzubehalten? Du weißt, sonst muss ich dir wehtun. Wir sehen jetzt das Strickgewebe von innen, durch welches das Licht von der Taschenlampe fällt. Mehr ist nicht zu erkennen. SONJA Ja. ECKI (OFF) Und vergiss nie, wer dir das hier alles eingebrockt hat: Es war deine Schwester und ihre Lügerei. SONJA Ja. (Pause) Aber warum haben Sie dann mich ... ECKI (OFF) Ruhe jetzt! Wir machen einen Spaziergang, wir beide! Man hört, wie ein Schloss aufgesperrt wird. ECKI (OFF) Schluck das! Los! Mach mich nicht fertig. HUMMELN IM BAUCH

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Man sieht im Kegel der Taschenlampe eine Hand, die eine Pille an Sonjas Lippen drückt. Sie nimmt die Pille in den Mund. In ihre rechte Hand wird ein Pappbecher mit Wasser geschoben. ECKI (OFF) Schluck die Pille. Na los! Dann spürst du nichts! Sonja gehorcht. Die gelbe Plüschkrake gleitet ihr aus der Kinderhand. Die ohnehin sehr dunkle Szenerie wird schwarz.

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BILD 88 A KANAL

AUSSEN / SPĂ„TER ABEND

(Zum Unterschneiden des Bildes 87!)

Die Sonne steht tief am Horizont. Johnny torkelt einen Abwasserkanal entlang, er trinkt die letzte Dose leer. Im Wasser liegt ein Einkaufswagen und ein altes Fahrrad. Er tritt gegen einen rostigen Kanister, der scheppernd durch die Gegend fliegt.

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BILD 88

LEERE KIRCHE / DAVOR

AUSSEN / INNEN / DÄMMERUNG

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt, TAUBEN)

Johnny steht immer noch sehr unter dem Einfluss des Alkohols. Er wankt orientierungslos eine Strasse entlang als sein Blick auf das Portal einer Kirche fällt. Schutzsuchend öffnet er die Tür. Die Kirche steht offenbar leer. Überall stehen Eimer und Schüsseln, die das das Wasser, was durch die Decke tropft auffangen. Tauben flattern auf, als Johnny die Kirche betritt.

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BILD 89

APPARTEMENT JULIA

INNEN / NACHT

An den großen Fensterfronten kleben mkttlerweile schwarze Vogelshilloutten um weitere Zusammenstöße zu vermeiden. Julia König ist dabei in ihrem Appartement die Pakete auszupacken, die sie in Bild 83 eingekauft hat. Schwarze Stangen und eine seltsame Apparatur werden ausgepackt. Seltsame Orgelklänge begleiten das Auspacken des kuriosen Gerätes.

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BILD 90

LEERE KIRCHE

INNEN / NACHT

Johnnys Rausch scheint gerade am Höhepunkt angekommen zu sein. Er sitzt in der leerstehenden Kirche an der Orgel und spielt sich, nahe der Erschöüfungsgrenze, seine Seele aus dem Leib. (eventuell zusätzlich mit Stock an Orgelpfeifen klöppeln)

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BILD 91

TOWNHOUSE PFENNIG / BADEZIMMER

INNEN / NACHT

(ABGHร„NGT !! Mit Kasten??)

Das Orgelsausen ist noch weiter zu hรถren. Das Badezimmer der Pfennigs voller Wasserdampf. In der Badewanne steht Robert in einer sehr verrenkten Haltung. Er versucht gerade recht akrobatisch, mit dem Nassrasierer seiner Frau, sich der Haarpracht zwischen den Beinen und den Pobacken zu entledigen. Die Orgel verstummt.

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BILD 92

LEERE KIRCHE

INNEN / NACHT

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt)

Die Tür zur leerstehenden Kirche öffnet sich. Herein kommt Ecki, auf den Armen trägt er die schlafende Sonja. Als er die ersten Kirchenbänke erreicht, seufzte er, halb erleichtert, halb traurig. Er legt den wie leblos schlafenden Körper auf einer der Kirchenbänke ab. Breitet knisternd eine goldenen Rettungsdecke über das Kind. Er küsst sie auf die Stirn, wischt die Stirn danach sorgfältig mit einem Feuchttuch ab und setzt Sonja vorsichtig wieder ihre Mäusemütze auf. Ecki hat Tränen in den Augen, als er sich umdreht und, erst im Laufschritt, dann gemächlich duch die Tür gehend. ( - ENDE Spieltag 6 - )

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BILD 93

SCHLAFZIMMER - VINCENT UND VIVIAN

INNEN / FRÜHER MORGEN

( - BEGINN Spieltag 7 - Mittwoch ) (Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt)

Am frühen Morgen sitzen Vincent und Vivian gemeinsam im Eislaufdress auf der Bettkante. Sie schminken sich mit größeren Handspiegeln für ihren großen Auftritt. (White-Gothic-Look mit krassen Kontaktlinsen!) CARLA (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) Am Tag ihres großen Wettkampfes sind Vincent und Vivian in eine Art meditative Stille verfallen. Eistanz ist eine Sportart mit besonders klaren und strikten Regeln. ... (cont.) Vincent beginnt Vivian bei dem letzten Schliff zu helfen. CARLA (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) (cont.) ... Die beiden Partner auf dem Eis dürfen sich nicht loslassen, mit Ausnahme von Haltungswechseln. Diese kurzen Trennungen während des Tanzes dürfen räumlich nicht mehr als zwei Armlängen auseinander sein und zeitlich nicht länger als drei Sekunden dauern.

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BILD 94

LEERE KIRCHE

INNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt – Hier tolle Totale von oben.)

Es ist gleißend hell. Johnny erwacht mit dröhnendem Kopf zwischen den Registern der Orgelpfeifen. Auch hier tropft es durch die Decke. Johnny setzt sich auf und blickt nach oben. Eine braune, dickflüssige Flüssigkeit ist auf ihn, auf seine Hose getropft. Er zieht angeekelt die Hose über seine Schuhe aus. Er tritt aus dem Orgelregister auf die Empore und blickt in den Kirchenraum. Sein Blick fällt auf etwas Gelbes auf einer Kirchenbank. Es könnten die Beine eines Kindes sein, das dort liegt. Johnny springt wortlos auf und beim Näherkommen erkennt man Sonja, wie sie Ecki zurückgelassen hat. Johnny geht auf das Kind zu, stutzt. Er erkennt sie plötzlich. JOHNNY (ÜBERRASCHT) Sonja? (leiser) Sonja... Sonja schläft immer noch, wimmert ein wenig im Schlaf. JOHNNY (BLICKT ZUM ALTAR) Ehre sei Gott in der Höhe! Danke, Vater!! Er streicht ihr das Haar aus der Stirn, wiegt sie in den Armen. Dann steht er auf, und hebt Sonja hoch. Man sieht, das Kind zu tragen, fällt ihm schwer, aber er lächelt glücklich und trägt er das Kind mit Mäusemütze auf den Armen.

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BILD 95

STRASSE / GOTHIC-UMZUG

AUSSEN / TAG

(STEADYCAM - vor und hinter Johnny)

Inmitten eines großen Umzugs der ausschließlich aus den schwarzen Anhängern der GothicBewegung besteht, trägt Johnny (ohne Hose) die bewusstlose Sonja zügig voran. Die GothicAnhänger blicken hochachtungsvoll und lobend auf Johnnys irre „Verkleidung“.

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BILD 95 A (NEU!!!) APPARTEMENT JULIA

INNEN / TAG

(Video muss hinterher eingesetzt werden. Auf Ipad, Green mit Tracking-Punkten!!!)

Julia König schaut auf ihrem großen Tablet das Bombenprankvideo von Mahmud (die 3 zusätzlichen Situationen und die mit Stern). Amüsiert sich. Dabei holt die einen dildoähnlichen Gummipenis aus einer Verpackung, und montiert ihn auf ein bohrmaschinengroßes Gerät.

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BILD 96

TOWNHOUSE PFENNIG / TERASSE

INNEN / AUSSEN / FRÜHER MORGEN

BILD 96 T 1 - GARTEN: Robert Pfennig steht im Garten vor seinen beiden Bienenkisten. Mit Pappe und Klebeband verschließt er schweren Herzens die Ausfluglöcher. In einer großen Kiste sind bereits seine Imkerutensilien und die Geräte zusammengepackt. Liebevoll gleiten seine Hände über die Bienenkisten. (Topshot Easylift - graphish mit Pflanzen und Weg. + Shot auf Bienen innerhalb der Kiste!)

BILD 96 T 2 – VOR HAUS: Johnny, unten nur in Unterhose, trägt Sonja auf das Haus Pfennig zu. Er klingelt und geht durch die Garage nach hinten. (vor Haus 22 - STEADYCAM - Johnny kommt aus Tiefe der Strasse auf uns zu)

SCHLAFZIMMER: Im Schlafzimmer hat sich Maschjonka embryonal zusammengerollt und schläft unruhig in ihrem Bett. Die Türklingel wird mehrfach hektisch betätigt. Maschjonka schreckt hoch. MASCHJONKA Robert! Die Polizei! Sie haben Sonjas Leiche gefunden! Sie springt auf, schlingt sich das Bettlaken um,. FLUR: (ab hier HANDKAMERA!) Sie rennt die Treppe herunter will gerade die Tür öffnen, da klopft es heftig an der Terassentür. Maschjinka dreht sich um, und sieht draußen vor der Scheibe Johnny stehen, im Hemd und in Unterhose, der die wie tot aussehende Sonja in den Armen hält und gerade Robert übergibt, der hinter ihn getreten ist. JOHNNY (ZU ROBERT) Können Sie sie mir bitte abnehmen, sie wird mir langsam zu schwer. Im Wohnzimmer fällt Maschjonka in Ohnmacht und knallt auf die Erde. Robert sieht da und ist völig überfordert. Mit Sonja auf dem Arm öffnet er die Terassentür, und eilt ins Wohnzimmer. Johnny hinterher. Mascha kommt nach wenigen Sekunden wieder zu sich und sieht mit einem hasserfüllten Blick zu Johnny hoch. MASCHJONKA (ZU JOHNNY) DU hast sie die ganze Zeit gehabt? Sie starrt abwechselnd Johnny, Sonja und Robert an. Warum lächelt Johnny? Dann endlich begreift sie, dass Sonja lebt und nimmt das schlafende Mädchen entgegen. Johnny verwundert, er begreift nicht, sieht nur, dass er nicht die erwartete Dankbarkeit bekommt. Schüttelt leicht den Kopf. Maschjonka scheint verwirrt und weint und schreit vor Glück, presst das Kind an sich, herzt es, küsst es, immer noch am Boden sitzend Johnny wendet sich, um zu gehen. Seine Mission ist erfüllt. Robert packt ihn am Arm. ROBERT Schön dageblieben! Er zerrt Johnny in die Wohnung, dort dreht er ihm den Arm auf den Rücken und drückt Johnny zu Boden. Johnny ist zu gutmütig, um sich zu wehren. ROBERT (IN SEIN HANDY) Hallo Polizei. Pfennig hier, kommen Sie bitte sofort bei uns vorbei!

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BILD 97

GALERIE

INNEN / TAG

(Motiv: Halle 14 - original in Alter Baumwollspinnerei)

Janine ist dabei die letzten Vorbereitungen für ihre Vernissage zu treffen. Sektgläser werden auf Tabletts gestellt, Stehtische gerückt. Ein hängendes Großformat wird abgerollt.

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BILD 98

VOR TOWNHOUSE PFENNIG

AUSSEN / TAG

Swentja kommt schnellen Schrittes mit ihrer Schultasche die Strasse angelaufen. Kommissar Stern steht mit Robert am Streifenwagen vor dem Haus. (Motiv: Strasse vor Haus 22)

(Nummernschild nicht lesbar!)

ROBERT Da bist du ja! SWENTJA Wo ist sie? Papa? Robert schließt Swentja in seine Arme. STERN Ihre Schwester ist wohlbehalten gefunden worden. Ein Streifenbeamter bringt Johnny im Polizeigriff aus dem Haus. Gefolgt von Maschjoka. STERN Und ...... dieser junge Mann hier, hat sie offenbar entführt. JOHNNY Was soll der Scheiß? Swentja, sag doch mal selber, was da auf dem Spielplatz los..... SWENTJA (BLICKT ZU JOHNNY) Du bist und bleibst eine kranke Sau, Johnny. Echt! MASCHJONKA Du sollst verrecken und ich werde selbst dafür sorgen, wenn sich herausstellt, dass du Sonja angefasst hast. STERN (ZU SWENTJA) Ihr Freund behauptet, Sonja zufällig in einer Kirche gefunden zu haben. SWENTJA Son Scheiß! Der ist überhaupt nicht mehr mein Freund. Und dafür wollt er sich rächen. Hat davon rumgelabert. Ich trau dem alles zu. Und Kirche, das passt auch. JOHNNY (ZU SWENTJA) Stimmt nicht. Ich war doch bei dir, als sie verschwunden ist. Robert öffnet seine Arme und Swentja fällt hinein. UWE KÖNIG (OFF) Hallo? Herr Pfennig? Vor der Haustür steht Uwe König. Robert schaut auf. ROBERT Ja?

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UWE KÖNIG König, Uwe König. Wir hatten telefoniert. Ich bin der, der die Bienen gekauft hat. Alles ok hier? Robert weiß nicht, wie er antworten soll. Im Hintergrund setzt Stern gerade Johnny in den Streifenwagen. JOHNNY (BESTIMMT) Stopp! Fassen sie mich nicht an! Sie Feigling!

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BILD 99

TOWNHOUSE PFENNIG / WOHNZIMMER

INNEN / TAG

(Alles ist extrem trist. Umzugskartons sind im Flur gestapelt, das Wohnzimmer ist leer, bis auf das folierte Sofa und den folierten Sessel) SONJA FRÜH ABDREHEN dann DUMMY!!!!!!!.

Auf dem Sofa liegt Sonja, die immer noch schläft. Besorgt beobachtet von Maschjonka. Ein Notarzt packt gerade sein Stethoskop zusammen. Draussen im Garten übergibt Robert gerade seine Bienenkisten und sein Equipment an Uwe König. NOTARZT Man muss ihr ein starkes Betäubungsmittel gegeben haben. Ansonsten scheint sie völlig okay. MASCHJONKA Überall? NOTARZT Soweit ich auf Anhieb sehen kann, ja. Vorsichtig tritt Robert durch die Terassentür ein. Der Notarzt wendet sich zum Gehen. NOTARZT Sie haben meine Nummer. MASCHJONKA (NICKEND) Danke. Maschjonka kauert sich auf dem Boden. ROBERT Wieso Johnny da wohl gemacht hat? Irgendwas ist seltsam, findest Du nicht? MASCHJONKA Ganz ehrlich? (Pause) Bei Anschuldigungen ist deine Swentja schon immer ganz groß gewesen. Es waren immer die Anderen. Dabei hat sie einfach nicht gut auf ihre Schwester aufgepasst. Die ist verschlagen und verlogen. ROBERT Wie bitte? MASCHJONKA Ja! Wahrscheinlich hat sie damals als sie sitzengeblieben ist auch das Blaue vom Himmel fantasiert, bei der Sache mit ihrem Deutschlehrer. Der sie angeblich angegrapscht haben soll. ROBERT Aber ich dachte, dass .... MASCHJONKA Was dachtest du? Du hast es ja vorgezogen, in Ägypten zu weilen und dich um "Fassaden" zu kümmern. HUMMELN IM BAUCH

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ROBERT Algerien. Wir standen kurz vor Inbetriebnahme. (er braust auf) So, sie ist also verschlagen und verlogen? (er ruft laut) Swentja! Komm mal bitte.... Schweigen. Swentja tritt ein, blickt auf ihre sedierte, kleine Schwester Sonja. ROBERT (FÖRMLICH) Also, Johnny hat dir Rache angedroht, weil du ihn verlassen hast? Ja? SWENTJA (DRUCKST RUM) Also ... ganz direkt ... ich meine genau so ... ROBERT (SCHREIT) JA ODER NEIN??? SWENTJA (KLEINLAUT) Nein. ROBERT Und die Geschichte über Deinen Deutschlehrer damals? Stimmte das wirklich? SWENTJA (LEICHT HYSTERISCH) Was soll die Scheiße? Is das ’n Verhör? Habt ihr gerade keine anderen Sorgen? Sie läuft aus dem Zimmer. Aus der Terassentür nach draussen. Schweigen. ROBERT Von wem sie das bloß hat. MASCHJONKA Wie meinst du das denn? Uwe König kommt mit den Bienenkisten zur Terassentür herein, um sie vorne aus dem Haus zu tragen. Er versucht möglichst nicht zu stören. Robert betrachtet Uwe, der gerade das Haus mit der ersten Ladung seiner Beute das Haus verlässt, dann betrachtet er seine Frau und Sonja. Er überlegt und schmunzelt. ROBERT Denkst du nicht, dass eine Abtreibung das Vernünftigste wäre, jetzt, wo sie wieder glücklich zuhause ist? Ein Mobiltelefon klingelt. MASCHJONKA Bist du verrückt? Wir hätten beinahe unser Kind verloren. Und nur, weil wir es nun wiederhaben, willst du ein anderes dafür opfern? Was für eine Logik ist das? ROBERT Überleg´s Dir. Würde dir auch den Stress ersparen, noch schnell einen Erzeuger für dein neues Kuckucks-Kind HUMMELN IM BAUCH

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finden zu müssen. Oder steht noch derselbe zu Verfügung wie bei ihr? Er deutet auf Sonja, und kramt derweil nach seinem Telefon in einer Tasche. MASCHJONKA Was? Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Wovon sprichst du? Robert geht lächelnd raus auf die Terasse und beantwortet draussen das klingelnde Handy. ROBERT (INS TELEFON) Hallo? ... Hallo! MASCHJONKA Weißt du was? Niemand zwingt dich, mit uns in die neue Wohnung zu ziehen. Was meinst du? BILD 99 A – WOHNUNG ECKI: Eckis Teil des Telefonats im ON. Er hat in seiner winzigen Wohnung eine auffaltbare Dampfbadkabine aufgestellt. Sitzt darin und telefoniert. ECKI (AM TELEFON) Pardon wegen gestern. Jetzt bin ich wieder voll da. Und nur für den Fall, das es Dich interessiert .... Robert blickt durchs Fenster zu Maschjonka rein, ROBERT (INS TELEFON) Klar interessiert mich das. ECKI (INS TELEFON) Dein Honig ist übrigens der Hammer. Danke noch mal.... Aber gestern, was wolltest du da eigentlich wirklich? ROBERT (SACHLICH – INS TELEFON) Ach so, ich fürchte da kann ich ihnen gerade keine verbindliche Auskunft geben. Maschjonka taucht auf der Terasse auf. ECKI (AUS TELEFON) Ich merke schon, es passt gerade gar nicht. Hoffe wir sehen uns trotzdem ganz bald ein...... ROBERT (SCHNELL- INS TELEFON) Achtzehn Uhr? Ja, ich glaube das könnte ich einrichten. Er dreht sich zu Maschjonka um, die starr in die Gegend glotzt. ROBERT (INS TELEFON) Wo? ECKI (INS TELEFON) Bei mir? Ecki wartet die Antwort am Telefon ab, und legt zufrieden auf.

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BILD 100 VOR WOHNUNG MAHMUD UND FAISAL

INNEN / AUSSEN / TAG

(Motiv: verhängte Strasse –ohne Autos!-)

Eine Strasse mit verhängten Häuser, Swentja geht über die Strasse und sucht eine Hausnummer. Vor einem Eingang unter einem Baugerüst studiert sie das Klingelbrett des Mietshauses. Darauf ausschließlich fremde, meistens arabische Namen. Endlich hat sie den richtigen Knopf gefunden und drückt ihn. Aus der Sprechanlage ertönt eine kindliche Stimme. FAISAL (AUS GEGENSPRECHANLAGE) Hallo? SWENTJA Hallo! Ist Mahmud da? FAISAL (AUS GEGENSPRECHANLAGE) Was willst du denn von ihm? SWENTJA Hier ist Swentja. Ich habe gerade einen mega Stress und muss ihn unbedingt sprechen. BILD 100 A: Faisal steht an der Gegensprechanlage im Flur der Wohnung. (Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt)

FAISAL Bist du die Deutsche? SWENTJA (AUS GEGENSPRECHANLAGE) Ja! Faisal zögert, fühlt sich als Beschützer seines größeren Bruders. SWENTJA (AUS GEGENSPRECHANLAGE) Ich muss ihn sprechen. Kann ich hochkommen, oder er runter? Ich will was in Ordnung bringen. weiter Bild 100: vor der Haustür: Stille. Die Sprechanlage rauscht leise vor sich hin. Eine lange Zeit. Dann: MAHMUD (AUS GEGENSPRECHANLAGE) Was geht? Swentjas Gesichtszüge lockern sich auf. SWENTJA Hallo. MAHMUD (AUS GEGENSPRECHANLAGE) Wieso hast nicht geschrieben, oder angerufen? HUMMELN IM BAUCH

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SWENTJA Ist wichtig ... echt ... ich ... ich wollte dich lieber sehen ... verstehst du? Pause, die Anlage rauscht. BILD 100 A: Mahmud steht wie eingefrohren vor der Gegensprechanlage. Er schaut zu seinem kleinen Bruder. Faisal lächelt milde und öffent die Wohnungstür. FAISAL Yalla! weiter Bild 100: vor der Haustür: MAHMUD (AUS GEGENSPRECHANLAGE) Ich komm runter. SWENTJA (LÄCHELT) Super! Sie hört die Sprechanlage knacken. Erst einmal. Dann ein zweites Mal. (Faisal an Sprechanlage im ON mitdrehen!) FAISAL (AUS GEGENSPRECHANLAGE) Hallo? SWENTJA Ja? FAISAL (AUS GEGENSPRECHANLAGE) Versprich mir bitte, dass du ihn nicht ausnutzen wirst. Seine Seele ist frisch und zerbrechlich, weißt du? SWENTJA Versprochen! Mit einem Ruck öffnet sich die Haustür vor Swentja, und Mahmud tritt heraus. Beide stehen sich aufgeregt und schweigend gegenüber, lächeln sich verlegen an. SWENTJA (FORSCH) Und jetzt? Mit einem breiten Grinsen lässt Mahmud einen Schlüssel aus seiner Hand baumeln.

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BILD 101 WOHNUNG ECKI

INNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt)

Es klingelt an Eckis Wohnungstür. Er öffnet. Robert steht davor. Schnell schließt Ecki sämtliche Türen im engen Flur, lotst Ecki ihn in den engen Flur dann ins Wohnzimmer. Dort klettert der Papagei gerade auf dem Bücherregel herum. ECKI (ZUM VOGEL) Na Bibi komm, der Ibsen ist nichts für dich. (zu Robert) Setzt dich. (blickt zum Vogel) Und jetzt geht er auf den Tolstoi los, na prima. Robert lächelt freundlich. Der Vogel nagt an den Büchereinbänden im Regal. ECKI Rilke mag er besonders. ROBERT Ach ja? Ecki geht zum Schrank und versucht den Vogel von den Büchern zu scheuchen, doch das gelingt ihm nicht. Mit Roberts Hilfe bugsiert er den Papagei in seinen Käfig. Roberts Blick fällt dabei auf den Papierkorb neben Eckis Schreibtisch. Unter einem Stück Papier ragt Sonjas gelbe Stoffkrake hervor. Robert stutzt aber schweigt. Ecki öffnet die Tür zum Balkon. ECKI Erst mal frische Luft rein lassen!

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BILD 102 ATELIER

INNEN / TAG

(Motiv: Halle 14 - original in Alter Baumwollspinnerei)

Es sind ca. 30 Gäste zur Versissage gekommen. Sie tritt einen Schritt zurück und betrachtet ihre Werke mit Stolz. Die großformatigen Fotos der bemalten Menschen wirken jetzt wie echte Gemälde. Ihre Malecke ist immer noch vorhanden. Janine stellt Ihre Pinsel und Farben auf einen Tisch in die Malecke, und rollt einen Standspiegel davor. Im Spiegelbild bleibt ihr Blick bei einen Mann hängen, der mit einem Sektglas unter den Gästen steht und sie anstarrt. Sie dreht sich um. Es ist Uwe. Sie schauen sich kurz in die Augen. Doch dann wendet Janine sich unbeteiligt ab, und fährt damit fort, ihre Malutensilien zu sortieren. Als sie den Blick wieder in seine Richtung wendet, ist Uwe verschwunden.

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BILD 103 WOHNUNG ECKI / BALKON

INNEN / TAG

(Motiv: im Kombimotiv I – Gemeindezentrum/Kirche/Wohntrakt) 1 SCHERENLIFT für Licht, Kamera und Stunt

Robert steht auf dem Balkon, der ebenfalls total vollgeräumt ist. Planen und Netze halten den Unrat, der sich wie eine Pestbeule aus der hausfassade herauswölbt. Robert schaut nachdenklich durch einen Schlitz in der Plane nach draussen. Dort führt der Vogelschwarm den beeindruckenden Formationstanz auf. ECKI (TRITT HINZU) Im Grunde ist es so einfach. ROBERT Was? ECKI Das da oben. In so einem Schwarm halten sich alle Individuen an vier einfache Regeln. Erstens: Bewege dich auf das Zentrum der anderen zu. Zweitens: Bewege dich in dieselbe Richtung wie deine Nachbarn. Drittens: Bleibe immer in Bewegung (Er legt den Arm vorsichtig um Roberts Schultern.) Und viertens: Pass´ auf, dass dir niemand zu nahe kommt. Einfachste Regeln steuern ein hochkomplexes System. Robert dreht sich langsam zu Ecki um, nähert sich seinem Gesicht und ... fällt ihm in die Arme. Liebevoll und fest halten sich die beiden Männer mit geschlossenen Augen im Arm. Robert und Ecki setzen gerade zum ersten Kuss an. Sie wirken dabei eher wie Teenies, als wie erwachsene Männer. ROBERT (DRUCKST RUM) Darf ich dich was fragen? Ganz ehrlich? ECKI Klar. ROBERT In deinem Papierkorb, da... da... also diese Krake... ECKI Keine Angst. Ich habe keine Kinder. ROBERT Meine Sonja hat genau dieselbe. ECKI (HORCHT AUF) Ach? Erzähl mal von deinen Kindern. Zwei hast Du? ROBERT (STRAHLT) Ja. Zwei Mädchen. Sonja und Swentja. Die ältere, Swentja liebt mich. Ich bin ihr ein und alles. ECKI Swentja? Deine Töchter heißen Sonja und Swentja? HUMMELN IM BAUCH

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Robert strahlt Ecki an, doch dessen Gesichtszüge verändern sich besorgniserregend. Ecki greift zärtlich nach Roberts Schultern. Zieht ihn vorsichtig zu sich heran. Aber nicht um ihn zu Küssen, sondern ... um ihn mit einem kräftigen Schwung aus dem Fester des 2 Stocks zu stoßen. Ecki blickt hinunter, doch hört keinen Aufprall. Robert ist es gelungen sich noch an der Balkonbrüstung und dem Netz festzuhalten. Dort hängt er jetzt. Ecki nimmt, eine kleine Metallschüppe (od. Ä.) aus einem der Vogelkäfige die draußen runstehen, und sticht entschlossen auf Roberts Hände ein, die nach Halt suchen. ECKI Ihr ein und alles ..... Robert strürzt ab, und reißt noch eine offenen Packung Kafigstreu mit in den Abgrund. Ecki blickt dem Fallenden bedauernd hinterher. Das Kafigstreu rieselt langsam zu Boden. (Von unten auf Ecki gedreht!)

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BILD 104 AQUARIUM

AUSSEN / INNEN / ABEND

(Motiv OZEANEUM, Stralsund - STEADYCAM - Eingang Salzlager, Quarantäne - und Ausstellung)

Der kleine Personaleingang hinterm Aquariumwird gerade von Mahmud aufgeschlossen. Swentja ist mittlerweile etwas aufgeregt. SWENTJA Was, wenn die uns erwischen? MAHMUD Wird nicht passieren, Rapunzel. Keine Angst. SWENTJA Ach? Haste das schön öfter gemacht? Die Tür ist offen. Mahmud führt Swentja an einer Reihe leuchtender Aufzuchtbassins vorbei. MAHMUD Hab meinen Vater öfter mal begleitet. SWENTJA Lass uns ehrlich sein, ok? Mahmud gibt einen undefinierbaren Laut von sich. SWENTJA Du putzt hier, nicht dein Alter, richtig? (Pause) Also ... ich hätt kein Problem damit. MAHMUD (ZÖGERT) Korrekt. SWENTJA (BLICKT SICH UM) Cool. (Wo machen wir den Split zur Ausstellung?) Mahmud öffnet eine Stahltür, dahinter treten die beiden vor eine riesige Glascheibe. Dahinter ziehen Fischschwärme ihr Kreise. Swentja ist ziemlich überwältigt. Swentja nimmt Mahmuds Kopf in die Hand und küsst ihn. Die Kamera taucht in die Unterwasserwelt an, verliert sich in kleinen Schwebeteilchen im Wasser. Eine flüsternde Voice-Over setzt ein. Bestehend aus den chorischen Stimmen unseres Ensembles. ENSEMBLE (OFF-FLÜSTERT-VOICE OVER) Der Mensch ist eine Kohlenstoffeinheit, die auf einer unbedeutenden Felskugel lebt, die sich um einen unwichtigen Stern dreht, am äußeren Rand einer der kleinen Galaxien. Aber wir unbedeutenden Kreaturen haben in unserem Schädel einen neurologischen Mechanismus, der fähig ist, uns selber ins Zentrum dieses sich immer weiter ausdehnenden Universums zu setzen. Und alles zu uns selbst in Bezug. Ein tiefes Wummern ist zu hören.

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BILD 105 FINALE

INNEN / ABEND

(Alles gefahren, Entdeckungen. NICHT in Kamera schauen, eher vor sich hin singend.)

ECKI sitzt noch immer auf der Fensterbank, nicht unzufrieden blickt er auf die Strasse, wo Notarzt und Polizei eingetroffen sind. (1 RTW, 1 SW, 2 Sanitäter, 2 Polizisten) STIMME (OFF) Aufmachen! Polizei. An seiner Tür, ist das lautes Wummern zu hören. So, als würde die Polizei versuchen, die Tür aufzubrechen. Dieses Wummern wird zum konstanten Rhythmus. BILD 105 A: JOHNNY sitzt in seinem Zimmer, auf den Knien seine Cello. Zum rhythmischen Wummern streicht er ein paar Akkorde. Er beginnt zu singen ... (eine leichte Abwandlung des Maffay Liedes) In MEINEN Augen steht so vieles, was mir sagt, ICH fühl genau so wie ICH.

BILD 105 B: Im Flüchtlingsheim sitzt Carla in ihrer Uniform und registriert fröhlich und Angstfrei die Neuankömmlinge. (Mit Berührung?) Sie singt aus vollem Herzen. (das letzte „Mich“ wird vom Chor der Flüchtlinge mit eingestimmt!) ICH bin das Mädchen, das zu MIR gehört, ICH lebe nur noch für MICH.

BILD 105 C: In der Gelerie sitzt Janine vor einem Spiegel, und bemalt ihr eigenes Gesicht. Ein Besucher der Vernissage fotografiert sich dabei mit einem Selfiestick vor Ihr. Janine singt ... (Vor schwarz, oder Weiß? Malt sich weg!) ICH bin alles, was ICH habe auf der Welt, ICH bin alles, was ICH will!

Jetzt stimmen die großformatigen Bilder an der Wand mit ein (VP und VFX), und singen den Refrain im Chor..... ICH, ICH allein kann mich versteh'n. ICH, ICH darf nie mehr von mir geh'n.

BILD 105 D: Maschjonka und Sonja (samt Hund) schließen die Haustür ihres Townhouses von aussen ab. Sie geben dem Umzuswagen ein Zeichen, so das dieser in die Tiefe abfahren kann. Maschjonka hat noch einen letzten vollen Müllsack in der Hand, den sie in die Mulde wirft. Sonja schaut passend zum Text in die Kamera und zeigt mit dem Finger auf sich. (vor Haus 22) BILD 105 E: Eine Hand umklammert fest eine angekabelte Fernbedienung. JULIA KÖNIG steckt dabei in dem Gestell ihrer jüngst erstandenen und zusammengebauten Sexmaschine. Seit ich mich kenne, ist mein Leben bunt und schön, und es ist schön nur durch ....

An der passenden Textstelle schließt Julia die Augen und ihr entweicht ein .. ... MICH.

BILD 105 F: UWE KÖNIG bekommt ein Postpaket und beginnt es auszupacken. Darin ist die 3D-Figur von ihm und Janine. Zwei Nackte stehen such gegenüber und schauen sich skeptisch an. Sein Gemächt ist abgebrochen und liegt zu Füßen der beiden Figuren. Vorsichtig nimmt Uwe es auf. Was auch gescheh'n mag, ich bleibe bei MIR, ICH lass' MICH niemals im Stich.

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BILD 105 G: Im Aquarium wird SWENTJA, inmitten eines Fischschwarms, gerade leidenschaftlich geküsst. Sie reißt die geschlossenen Augen auf und singt: Wo ich auch bin, .....

Jetzt erhebt auch MAHMUD den Blick und singt: ... was ich auch tu,

BILD 105 H: Ecki wird rabiat von 2 Polizeibeamten abgeführt, während er inbrünstig singt: Ich hab' ein Ziel, und dieses Ziel ... bin ICH, bin ICH!

BILD 105 I: Während der Refrain nun von allen im Chor gesungen wird ..... ICH bin alles, was ich habe auf der Welt, ICH bin alles, was ich will, yeah-

Tanzen VIVIAN und VINCENT auf dem Eis ihre Kür passend zur Musik. BILD 105 J: Letzter ist THOMAS STERN. Er sitzt auf einer Bank inmitten einer Menge von Menschen und starrt auf sein Smartphone. Darauf läuft das Video des Vogelschwarms, dass er am Anfang im Zug aufgenommen hat. Im Hintergrund steht ein alter Mann, die sich selbst als Marionette spielt, und mit dieser die Tauben füttert. (Topshot, Easylift) ICH, ICH allein kann mich versteh'n. ICH, ICH werd nie mehr von mir geh'n.

ENDE

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EINSAMKEIT UND SEX UND MITLEID  

Ein Drehbuch von Lars Montag und Helmut Krausser in der Reihe Deutsche Drehbücher der Deutschen Filmakademie

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Ein Drehbuch von Lars Montag und Helmut Krausser in der Reihe Deutsche Drehbücher der Deutschen Filmakademie