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SPORTBAUTEN

Freizeit und Bewegung im urbanen Raum

Edition ∂


4 Sportkultur im Alltag Sandra Hofmeister 12 Tendenzen beim Bau von Sporthallen Roland Pawlitschko 20 Die aktive Stadt Jakob Schoof

MISCHNUTZUNG 28 Sporthalle mit Wohnungen in Kopenhagen, DK Dorte Mandrup 40 Sozialwohnungen mit Sporthalle in Paris, FR AAVP Architecture 50 Mensa mit Fitnessräumen in Gif-sur-Yvette, FR Studio Muoto OUTDOOR 60 Spiel- und Sportplatz in Kopenhagen, DK JAJA Architects 68 Mehrzweckgebäude der Escola Gavina in Valencia, ES Carmel Gradoli, Arturo Sanz, Carmen Martinez Arquitectos LICHT 80 Sporthalle in Es Puig d’en Valls, ES MCEA Arquitectura 94 Campuserweiterung in Madrid, ES Estudio Arquitectura Campo Baeza


106 Turnhalle in Chelles, FR LAN Architecture 116 Sporthalle in Villach, AT Dietger Wissounig Architekten 128 Sporthalle in Bietigheim-Bissingen, DE Auer Weber KONSTRUKTION 140 Schulsporthalle in Zürich, CH Christian Kerez 150 Sportzentrum in Sargans, CH Hildebrand & Ruprecht Architekten 162 Sportausbildungszentrum Mülimatt in Brugg / Windisch, CH Studio Vacchini Architetti 176 Energetische Sanierung einer Turnhalle in Berlin, DE ludloff + ludloff Architekten 190 Sporthalle in Calais, FR Bureau faceB

APPENDIX 202 Autoren Bildnachweis 203 Projektbeteiligte 208 Impressum


Sportkultur im Alltag

Wohnen, Arbeiten, Erholung und Verkehr: Die Charta von Athen (1933) gliederte die Stadt in separate funktionale Einheiten. Einzelne Stadtviertel sollten diesen Funktionen Rechnung tragen und durch Verkehrsachsen miteinander verbunden werden. Als Manifest für den Städtebau der Moderne, maßgeblich von Le Corbusier formuliert, wurden mit der Charta von Athen Leitlinien aufgestellt, die nach dem Zweiten Weltkrieg vielerorts Beachtung fanden. Auch heute noch prägt die Planung der Nachkriegsmoderne mit funktional getrennten Quartieren viele Städte, wobei die negativen Folgen offensichtlich sind. Reine Schlaf- und Büroviertel, die tagsüber oder abends verlassen sind, zählen ebenso zu den Konsequenzen des funktionalen Stadtkonzepts wie die lauten Verkehrsschneisen der autogerechten Stadt. Da auch Freizeit und Sport als separate urbane Funktionseinheiten galten, wurden große Sportanlagen oder Freizeitparks oft abseits von Wohnund Bürovierteln in separaten Arealen angesiedelt. 4

Sandra Hofmeister

WORK-LIFE-BALANCE Zwar bieten diese großen Sportpaläste oder Freizeitkomplexe aus den 1960erund 1970er-Jahren meistens ein vielfältiges Angebot. Doch aus heutiger Sicht ist dies nur schwer in den Alltag in der Stadt integrierbar, da die Wege zu den entsprechenden Sportstätten weit sind. Trotzdem hat der Sport im 21. Jahrhundert einen zunehmenden Stellenwert in der Gesellschaft. Dazu trägt nicht nur die Medialisierung von Großereignissen wie den Olympischen Spielen oder der Fußballweltmeisterschaft bei, sondern auch und vor allem das gewachsene

Gesundheitsbewusstsein im Sinne einer Work-Life-Balance. Sport ist allgegenwärtig, er durchdringt den Alltag der Menschen in der Stadt. Dies gilt für alle Altersklassen und gesellschaftlichen Schichten. Die Vereinbarkeit mit dem meist streng regulierten Tagesablauf spielt dabei allerdings eine entscheidende Rolle: Sicher ist es von Vorteil, wenn das Yogastudio um die Ecke vom Büro in der Mittagspause aufgesucht werden kann, der Park zum Nordic Walken nach Feierabend direkt vor der Wohnungstür liegt und auch lokale Sportvereine die Turnhallen der Quartiersschulen in der unmittelbaren Nachbarschaft nutzen dürfen. Statt räumlich und funktional separierter Zonen für den Sport ist heute seine räumliche Anbindung und Integration in den Alltag der Menschen wichtig. Fitnessstudios, Rückentraining oder Tanzkurse werden umso eher angenommen, je näher sie am Wohn- oder


Kultur- und Sportzentrum Wangari Maathai in Paris: Nach dem Konzept von Bruther sind die Nutzungen des Neubaus vertikal übereinander gestapelt. Trotz der urbanen Dichte im Saint-Blaise-Viertel bleibt so noch Raum für Sportplätze im Freien.

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SPORTKULTUR IM ALLTAG


Arbeitsort stattfinden. Für die Architektur und Stadtplanung bedeutet dies, dass kleinere Sportbauten über das gesamte Stadtgebiet verstreut sein sollten. Besonders in dicht bebauten Großstädten ist dies jedoch eine planerische Herausforderung: Im Zuge der Nachverdichtung müssen auch Flächen für den Sport ausfindig gemacht und entsprechende Räume realisiert werden. Gewerbeflächen können für sportliche Aktivitäten umgenutzt oder bereits vorhandene Hallen von städtischen Einrichtungen umgebaut werden, sodass sie verschiedene Träger für verschiedene Sportarten nutzen können. Ebenso vielfältig wie die Räume für den Sport sind jedoch auch die architektonischen und planerischen Anforderungen, die je nach Sportart und Standort variieren. Architekten und Architektinnen, die diese Bauten konzipieren und umsetzen, müssen sich deshalb mit den jeweils spezifischen Erfordernissen und Bedürfnissen befassen. Letztlich geht es darum, die neuen Sportbauten in den Kontext zu integrieren und mit Qualitäten wie etwa Tageslicht und Raumatmosphäre auszustatten sowie akustisch wirksame Maßnahmen zu treffen. Denn auch Sportler genießen ihre Freizeit umso mehr, je angenehmer die Atmosphäre der Räume ist, in denen sie sich für den Sport aufhalten. MISCHNUTZUNG Sporthallen und Bibliotheksräume, Tanzsäle und ein Schwimmbad unter freiem Himmel auf dem Dach: Das neue Sesc 24 de Maio in São Paulo wurde 2017 fertiggestellt und stapelt sein reichhaltiges Angebot an Kultur, Sport und medizinischen Einrichtungen auf insgesamt 14 Geschossen. Das Gebäude nach dem Entwurf des brasilianischen Pritzkerpreisträgers Paolo Mendes da Rocha und MMBB Arquitetos steht im dichten und lebendigen Geschäftsviertel des historischen Zentrums der Millionenmetropole. Bis zu 5000 Besucher kommen täglich in die Non-Profit-Einrichtung des Serviço 6

Social do Comércio (Sesc), die sich mit ihrem Angebot an sozial benachteiligte Familien richtet. Junge und alte Menschen lesen Zeitung und Bücher in der Bibliothek, sie trainieren in den zahlreichen Sportkursen im achten oder neunten Obergeschoss oder besuchen abends die Theatervorstellung. Für die gelungene Mischnutzung stand Lina Bo Bardis Umbau der ehemaligen Fassfabrik Sesc Pompéia (1986) Pate. Eine rückwärtige Rampe erschließt alle Stockwerke des Gebäudes, die mit den einzelnen Funktionen belegt sind. Statt eines reinen Sporttempels entstand hier ein lebendiges und vielschichtiges Sport- und Kulturzentrum, das auf die konkreten Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet ist – bis hin zum kostenlosen Zahnarztbesuch. Mischnutzungskonzepte wie diese werden angenommen, weil sie den Sport und die Freizeit im unmittelbaren Lebensumfeld und im Alltag der Nutzer integrieren. Aktuelle Gebäude mit ähnlich komplexen Nutzungskonzepten, die derzeit vielerorts entstehen, sind Modellbauten einer neuen Typologie mit Zukunftspotenzial. In Kopenhagen errichtete die dänische Architektin Dorte Mandrup mit ihrem Entwurf für Sundbyøster Hall einen Hybrid aus Supermarkt, Sportflächen und Wohnungen. Die drei unterschiedlichen Nutzungen des Neubaus sind an der differenzierten Fassadengestaltung ablesbar (S. 28ff.). Dieses Beispiel macht deutlich, dass der Sport im urbanen Umfeld neben Einzelhandel, Wohnungen oder auch Büros zu einer gleichberechtigten Nutzungsform wird. OUTDOOR-RÄUME Sport im Freien ist auch in der Stadt möglich. In vielen Metropolen sind die Voraussetzungen dazu seit Langem etabliert. Beachvolleyballer prägen das Bild des breiten Sandstrands der Copacabana in Rio de Janeiro. Und an der berühmten Strandpromenade, der Roberto Burle Marx mit Bodenmustern aus ornamentalen Wellen ein unverwech-

selbares Gesicht gegeben hat, sind in regelmäßigen Abständen Reckstangen und andere Fitnessgeräte installiert. Wer hier seine Bizeps bei Klimmzügen zur Schau stellt, hat jedoch meistens schon vorab intensiv trainiert. In vielen Städten werden Wiesen oder andere Freiräume wie sandige Häuserlücken ad hoc von Freizeitkickern genutzt – als temporäre Bolzplätze für die Dauer eines Fußballspiels. Junge Sportarten wie Parkour oder Skateboarden vereinnahmen ebenfalls die Freiräume und vorhandene Architektur, um waghalsige Kunststücke auf Plätzen, Rampen oder Treppenanlagen zu testen, manchmal sehr zum Ärger der Eigentümer. Als Reaktion auf diese Trendsportarten werden in vielen Städten spezielle Räume für den Sport im Freien geplant. Die Dächer von Gebäuden bieten oft Raum für Skateparks mit sogenannten Ramps, Halfpipes oder Grinds. Volleyballfelder und Basketballkörbe lassen sich ähnlich wie früher Spielplätze in urbane Grünanlagen integrieren. Und selbst ein glitzerndes Bürogebäude wie das vollverglaste Salewa-Hauptquartier in Bozen nach dem Entwurf der Mailänder Architekten Park Associati wartet mit einer öffentlichen Kletterwand an der Fassade auf. Hier können sich Hobbykletterer und Profis in 8 Spitlinien und 22 Routen üben. KONSTRUKTIONSARTEN Trotz der neuen Trendsportarten decken die klassischen Sporthallen immer noch einen Großteil des Sportangebots ab. Oft sind sie als eigene Anbauten an vorhandene historische Schulgebäude oder als separate Sportzentren im Stadtbild sichtbar, viele davon sind jedoch bereits in die Jahre gekommen. Andere dieser Gebäude wurden als architektonisch bescheidene Kisten konzipiert, auch mit Blick auf das Raumerlebnis, das sie im Inneren bieten. Neue Konstruktionsarten hingegen setzen anspruchsvolle Architektur für den Sport um, die sich auch mit Bedacht auf die Kosten und die


Der Skate Park in Mérida wird auch nachts genutzt. José Selgas und Lucía Cano konzipierten das Jugendzentrum Factoriá Joven als Ensemble aus Pavillons und Freiflächen.

Die Vertical Gym von Urban-Think Tank stapelt verschiedene Nutzungen für Sport und Kultur auf vier Geschossen. Das Gebäude wurde kostengünstig aus vorgefertigten Elementen gebaut und steht in einem dicht besiedelten Armenviertel von Caracas.

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SPORTKULTUR IM ALLTAG


Sporthalle mit Wohnungen in Kopenhagen

Wohnen, einkaufen und Sport treiben unter einem Dach – die Sundbyøster Hall 2 im Stadtviertel Amager kombiniert diese drei Funktionen auf unkonventionelle Art und Weise. Supermarkt, Sporthalle und Penthouse-Wohnungen sind übereinandergestapelt und zu einem großen, differenziert gestalteten Hybrid gefügt. Die unterschiedlichen Nutzungen bleiben dabei klar ablesbar: der Supermarkt im aufgeglasten Erdgeschoss, darüber die Sporthalle, deren rote Fassadenelemente die Farbe der benachbarten Ziegelbauten aufnehmen, und zuoberst die zwölf aluminiumverkleideten Penthouses, die über die gesamte Gebäudebreite spannen. Die Sporthalle ist das Herzstück der Anlage und erweitert das Sport- und Freizeitangebot für die Kinder der benachbarten Sundbyøster-Schule sowie nachmittags und abends für Vereine. Halle und Wohnungen verfügen über einen gemeinsamen, an der Ostseite platzierten Eingangsbereich. Treppen und Sitzstufen führen durch den lichtdurchfluteten Raum nach oben zu Umkleiden, Halle und Tribüne. Letztere liegt an der Stirnseite, da das Spielfeld fast die gesamte Grundstücksbreite einnimmt. Über den Umkleiden befindet sich der zweiseitig raumhoch verglaste Gymnastiksaal, zu dem man über die Tribüne gelangt. Die Sporthalle ist mit ihren Maßen von 20 × 40 × 7,50 m ein lichterfüllter Raum, der über eine große Eckverglasung zudem visuell mit dem Straßenleben verbunden wird. Damit das Tageslicht möglichst blendfrei einfallen kann, sind die Fassadenelemente abgeschrägt: An ihren Innenseiten reflektieren 28

Dorte Mandrup

und streuen sie das Licht durch die raumhohen Glasschlitze zwischen den Elementen in die Halle. Sporthalle und Supermarkt waren im Raumprogramm vorgegeben, weitere Funktionen optional, allerdings durch das knappe Grundstück und die maximale Gebäudehöhe begrenzt. Die Kopenhagener Architektin Dorte Mandrup, die für das Public-Private-Partnership-Projekt diese Nutzungskombination in Zusammenarbeit mit einem Investor entwickelte, konnte das Wohngeschoss nur realisieren, indem sie die Hallenträger in die Penthouse-Ebene integrierte. So bilden die 2,80 m hohen und 20 cm starken Ortbetonträger mit ihrer Spannweite von 24 m Schotten und Wohnungstrennwände zugleich. Die dabei entstehenden 24 m langen und nur 5 m breiten Wohnungen werden von einem Laubengang entlang der Südfassade erschlossen. Kleine holzverschalte Kuben bilden hier semiprivate Eingangsbereiche. Die mittig in die Penthouses eingeschnittenen Innenhöfe holen Tageslicht in den tiefen, schmalen Grundriss. Der zweigeschossige Ess- und Wohnbereich wird zusätzlich durch hochliegende raumbreite Fensterbänder belichtet. Galerie und südorientierte Dachterrasse erweitern die Wohnfläche zudem um eine zweite Ebene. Um die hohen Schallschutzwerte des Wohnungsbaus einzuhalten, musste die Sporthalle akustisch entkoppelt werden. Entstanden ist auf diese Weise ein vielfältiger, belebter Stadtbaustein, der Synergien fördert, ohne dass sich die Nutzungen gegenseitig stören. MISCHNUTZUNG


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SPORTHALLE MIT WOHNUNGEN IN KOPENHAGEN, DK


Standort Kopenhagen, DK Fertigstellung 2015 Bauzeit 18 Monate

Raumprogramm / Funktionen EG: Läden / Supermarkt 1. OG: Sporthalle, Gymnastiksaal 2. OG: Wohnungen

Maße der Sporthalle (L × B × H) 62 × 27 × 8,3 m

Konstruktion Die 2800 mm hohen und 200 mm breiten Ortbetonträger sind monolithisch mit einer 180 mm starken Ortbetondecke über der Sporthalle verbunden und dienen zugleich als Wohnungstrennwände. Um Übertragung von Schall und Geräuschen zu reduzieren, wurden der Boden der Wohnungen als schwimmender Estrich auf einer Dämmschicht von 25 mm ausgeführt und durch Dämmstreifen von den Wänden entkoppelt.

Nutzung der Sporthalle Die Sporthalle erstreckt sich über zwei Geschosse und kann für Veranstaltungen unterschiedlicher Größenordnung und Sportarten wie etwa Badminton, Tennis, Basketball, Football oder Fußball genutzt werden. Zuschauertribüne mit ca. 100 Sitzen

Belichtungskonzept Natürlicher Lichteinfall und Kunstlicht für den Sportbereich Belüftungssystem Zentrales Lüftungssystem für den Ladenbereich und die Sporthalle; dezentrales System für jede Wohneinheit; Wärmerückgewinnung für alle Einheiten

Lageplan Maßstab 1:6000 1 2 3 4

Sundbyøster Hall 2 Sundbyøster-Schule Sporthalle Bestand Sundbyøster-Platz 1 2

3 4

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MISCHNUTZUNG


Schnitte Grundrisse Maßstab 1:750 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

Supermarkt Stellplätze Bewohner Zugang Sporthalle und Wohnungen Sporthalle Technik Sitzstufen Lager Umkleide Luftraum Gymnastiksaal Laubengang Schlafzimmer Koch-/Essbereich Innenhof Wohnbereich Galerie

C

B

A cc

bb

aa

12 15 14 13 16 12 11 3. Obergeschoss

Galeriegeschoss

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9

6

6

6 7

9

5 1. Obergeschoss

2. Obergeschoss b

a

2 1 c

c 3 a

b

Erdgeschoss

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SPORTHALLE MIT WOHNUNGEN IN KOPENHAGEN, DK


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OUTDOOR


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MEHRZWECKGEBÄUDE DER ESCOLA GAVINA IN VALENCIA, ES


Campuserweiterung in Madrid

Ein großer Komplex ergänzt die in den 1990er-Jahren gegründete Privatuniversität Francisco de Vitoria in Pozuelo de Alarcón am westlichen Stadtrand von Madrid. Das pure, weiß strahlende Gebäude, entworfen vom Madrider Architekten Alberto Campo Baeza, ist in zwei Baukörper gegliedert, die sowohl in ihrer Größe als auch in der Fassadengestaltung klar differenziert sind. So ist die Sporthalle ein lichterfülltes, sich mit großen Glasflächen nach außen öffnendes Volumen, der flankierende zweigeschossige Riegel mit Seminarräumen und Büros ein eher introvertierter Kubus mit Lochfassade. Beide Bauten sind über einen eingeschossigen Mitteltrakt verbunden, der Eingänge, Foyer und ein Café aufnimmt; sein Flachdach fungiert als Terrasse und ist von den Seminarräumen und der Zuschauertribüne aus zugänglich. Von außen nicht erkennbar, befinden sich im Untergeschoss Mehrzweckräume, Fitnessstudio, Umkleiden und zwei Schwimmbecken. Die Fassaden der 50 m langen, 38 m breiten und 12 m hohen Sporthalle sind so konzipiert, dass sie den Innenraum optimal mit Tageslicht versorgen, zugleich aber auch auf die klimatischen Verhältnisse Zentralspaniens reagieren. So bestehen die Nord- und Ostseiten zum größten Teil aus transluzenter Isolierverglasung, die blendfreies Streulicht in die Halle bringen. Die Südfassade ist dagegen vollständig mit weißen, nur 10 mm starken, glasfaserverstärkten Betontafeln verkleidet. Auch die zur Nachmittagssonne orientierte Westseite ist 94

Estudio Arquitectura Campo Baeza

überwiegend geschlossen. Im unteren Bereich bietet hier allerdings eine durchlaufende Verglasung, die sich über die Gebäudeecken erstreckt, den direkten Blickkontakt zwischen innen und außen, zwischen dem Geschehen in der Halle und auf dem zentralen Platz des Campus; auch drei große Eingangstüren sind in das Glasband integriert und direkt zum Platz orientiert. Damit korrespondiert an der gegenüberliegenden Fassade zur Dachterrasse eine gebäudelange Verglasung, sodass der visuelle Kontakt nach beiden Seiten möglich ist. Die Sporthalle ist in Stahlbauweise errichtet. 3,10 m hohe Stahlfachwerkträger überspannen die Hallenbreite von 37,80 m. Das Tragwerk und sämtliche Oberflächen des Innenraums sind in Weiß gehalten – die Akustikplatten an Wänden und Decke ebenso wie der Keramikbelag der Tribüne. Die monochromen hellen Flächen streuen einerseits das einfallende Licht, andererseits verleihen sie dem Raum eine überraschende Leichtigkeit. Die Beschränkung auf wenige ausgewählte Materialien und die farblich homogene Gestaltung unterstreichen seine fast abstrakte Wirkung. Am Abend strahlt der pavillonartige Bau von innen heraus wie ein Leuchtkörper, was den immateriellen, schwebenden Eindruck noch verstärkt. Über die reine Nutzung als Sporthalle hinaus bietet er zudem auch einen ansprechenden Rahmen für Konferenzen und universitäre Veranstaltungen. LICHT


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CAMPUSERWEITERUNG IN MADRID, ES


Standort Pozuelo de Alarcón, Madrid, ES Fertigstellung 2016 Bauzeit 13 Monate

Raumprogramm / Funktionen Sporthalle (3300 m2); Turnhalle (1300 m2); Schwimmbad (1100 m2) Schule mit Klassenzimmern (800 m2), Kantine, Physiotherapie Konstruktion Sportpavilion: Stahltragwerk Seminar- und Bürotrakt: Stahlbeton

Maße der Sporthalle (L × B × H) 60 × 50 × 12 m Nutzung der Sporthalle Sport wie etwa Basketball, Indoor-Football, etc.; Schwimmbad (25 m) Nutzung als Mehrzweckhalle oder Versammlungssaal für eine Bandbreite an Aktivitäten der Universität Zuschauertribüne mit 198 Sitzen

Belichtungskonzept Die Sporthalle wurde als Leuchtkasten konzipiert. Durch die großflächig verglaste Nord- und Ostfassade fällt Tageslicht in die Sporthalle. Die weißen Oberflächen im Inneren verstärken die Helligkeit des Raums. Belüftungssystem Differenzierte und unabhängige Behandlung der Sportbereiche mit Bezug auf ihre Belegung. Belegung Sporthalle: Anlage für Temperaturregelung, Heizung, Kühlung, Belüftung.

Lageplan  Maßstab 1:12 500

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LICHT


Schnitte Grundrisse Maßstab 1:1000 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Gewichtheben Mehrzweckraum Fitnesstudio Warteraum Schwimmbecken Sporthalle Haupteingang Eingangshalle mit Café Küche Büro Shop Luftraum Zuschauertribüne Terrasse Seminarraum

aa

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14

15 15

1. Obergeschoss

7

9 a

a 10 6

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10 11

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Erdgeschoss

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2

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2

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Untergeschoss

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CAMPUSERWEITERUNG IN MADRID, ES


Vertikalschnitte Maßstab 1:50 1

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Rahmenstiel Betonfertigteil, selbstverdichtender Beton, vorgespannt 160–380 mm  Abdichtung, Kunststoffbeschichtung 2 mm Betonfertigteil selbstverdichtender Beton vorgespannt 160–380 mm Verbindungslasche Stahl, Aussparung vergossen Abdichtung OSB-Platte 18 mm Kanthölzer 180/80 mm, dazwischen Wärmedämmung Mineralfaser 180 mm OSB-Platte 22 mm Dampfsperre Akustikdecke Holzwolleplatte, zementgebunden 50 mm Pfosten-/Riegel-Fassade Stahlprofilrohr | 70/70/4 mm Isolierverglasung ESG 6 + SZR 14 + Float 6 + SZR 14 + VSG 12 mm Glashalteprofile Aluminium Beschichtung EPDM/PUR 5–8 mm Zementestrich bewehrt 95 mm PE-Folie 0,2 mm Trittschalldämmung 40 mm PE-Folie 0,2 mm Stahlbeton 300 mm

A

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KONSTRUKTION


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SPORTAUSBILDUNGSZENTRUM MÜLIMATT, CH


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KONSTRUKTION


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SPORTAUSBILDUNGSZENTRUM MÜLIMATT, CH


AUTOREN

BILDNACHWEISE

Sandra Hofmeister

Dorte Mandrup Cover Vorderseite Horizontalschnitt (Sporthalle mit Wohnungen in Kopenhagen) Javier Callejas Cover Rückseite (Campuserweiterung Madrid) Alexandra Timpau 5 Iwan Baan 7 unten, 16 Iwan Baan VG Bild-Kunst, Bonn 2019 7 oben, 22 oben Nelson Kon 8, 9 Bruno Klomfar 11 oben Alberto Cosi 11 unten Alex Maclean 13 oben Julienne Schaer 13 unten Velux / Patricia Weisskirchner 15 © A. Zahner Co. 17 Shigeo Ogawa 19 Rasmus Hjortshøj / Coast 21 oben, 61, 62, 64, 65, 66, 67 Public Domain 21 unten Mikkel Frost / Cebra 22 unten Walter Mair 25 oben, 146/147 Stef Declerc 25 unten Gibbon Slacklines (Bild wurde modifiziert) 26 Adam Mørk 29, 30, 32, 33, 35, 36/37, 38 Luc Boegly 41, 42, 44, 46, 47, 48 Pierre L’Excellent 49 Maxime Delvaux 51, 54, 191, 193, 194 / 195 Muoto 52 Myriam Tirler 55, 56, 57 Axel Schmidt / Flussbad Berlin e.V. (Bild wurde modifiziert) 58 Mariela Apollonio 69, 70, 72, 73, 75, 76, 77 Threthny/flickr (Bild wurde modifiziert) 78 David Frutos Fotografía de Arquitectura 81, 82, 84, 85, 86 / 87, 88, 89, 90, 92 / 93 Javier Callejas 95, 96, 98/99, 100, 101, 102, 104, 105 Julien Lanoo 107, 108, 110/111, 112, 114, 115 Paul Ott 117, 118, 121, 124 oben rechts und unten links, 126, 127 Jasmin Schuler 120, 122, 124 oben links Roland Halbe / artur 129, 132/133, 134 unten, 136, 137 Thomas Madlener 134 oben Chris Gloag (Bild wurde modifiziert) 138 Dario Pfamatter / Christian Kerez 141, 142, s148 Andreas Gabriel 144 Hannes Henz 149 Roman Keller 151, 154, 155, 156, 158, 159, 160/161 René Rötheli 163, 166/167, 168, 169, 171, 172/173 Jan Bitter 177, 179, 180, 181, 182/183, 184, 186 faceB 196, 197 unten Jonathan Alexandre 197 oben Delphine Lermite 199 Medios Publicos EP, CC BY-SA 4.0 (Bild wurde modifiziert) 200

ist Chefredakteurin von Detail. Nach dem Studium der Kunstgeschichte und Romanistik in Berlin und München promovierte sie an der Ludwig-Maximilians-Universität. Von 2012 bis 2015 war sie Chefredakteurin der deutschen Domus. Ihre Texte mit den Schwerpunkten Architektur und Design sind in internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern erschienen. Neben ihrer Tätigkeit als Redakteurin und Herausgeberin ist Sandra Hofmeister Lehrbeauftragte an der Architekturfakultät der Technischen Universität München. Roland Pawlitschko ist Architekt sowie freier Autor, Redakteur, Übersetzer und Architekturkritiker. Nach seinem Architekturstudium an der Technischen Hochschule Karlsruhe und an der Technischen Universität Wien war er in verschiedenen deutschen und österreichischen Architekturbüros tätig. Heute kuratiert er Ausstellungen rund um das Thema Architektur und Öffentlichkeit, organisiert Architekturexkursionen und veröffentlicht Artikel und Aufsätze in Büchern, Zeitschriften und Tageszeitungen. Seit 2007 arbeitet er mit der Detail-Redaktion zusammen. Dabei schreibt und gestaltet er Print- und Onlinebeiträge insbesondere für Detail structure. Jakob Schoof ist Redakteur von Detail und verantwortet dort insbesondere die Themenausgaben und -specials zu Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Nach dem Architekturstudium an der Universität Karlsruhe arbeitete er von 2000 bis 2009 bei der Architekturzeitschrift AIT, zunächst als Volontär und Redakteur und dann als Bereichsleiter Corporate Publishing. Neben der Redaktionstätigkeit hält er Vorträge und moderiert Veranstaltungen, vorzugsweise in den Bereichen nachhaltiges Bauen und Klimaschutz.

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Fotos, zu denen kein Fotograf genannt ist, sind Architektenaufnahmen, Werkfotos oder stammen aus dem Archiv DETAIL.


IMPRESSUM Herausgeberin Sandra Hofmeister Autoren Claudia Fuchs (Projekttexte), Sandra Hofmeister, Roland Pawlitschko, Jakob Schoof Projektleitung Michaela Busenkell Mitarbeiter Michaela Linder, Maria Remper, Lena Stiller Lektorat Jana Rackwitz Schlusskorrektur Sandra Leitte Gestaltung Wiegand von Hartmann GbR Sophie von Hartmann, Moritz Wiegand Zeichnungen Detail Business Information GmbH, München Herstellung Roswitha Siegler Reproduktion ludwig:media, Zell am See Druck und Bindung Kösel GmbH & Co. KG, Altusried-Krugzell

Die für dieses Buch verwendeten FSC-zertifizierten Papiere werden aus Fasern hergestellt, die nachweislich aus umweltund sozialverträglicher Herkunft stammen. © 2019, erste Auflage Detail Business Information GmbH, München detail.de detail-online.com ISBN 978-3-95553-484-4 (Print) ISBN 978-3-95553-485-1 (E-Book) Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Zeichnungen, der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung dieses Werks oder von Teilen dieses Werks ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes in der jeweils geltenden Fassung zulässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechts. Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über dnb.d-nb.de abrufbar.

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DETAIL Business Inform mat a ion GmbH, Mü München deta ail.de detail-o online.de 9 783 395 955 5 534 3484 84 44

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Sportbauten  

Freizeit und Bewegung im urbanen Raum. Mehr Informationen und bestellen: https://bit.ly/2Sb8xB6

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