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Deutsches

Handwerksblatt

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WIR LASSEN FAKTEN SPRECHEN.


editorial DHB 08|11

«wir werden am bundesweiten Tag des Handwerks verdeutlichen, dass das moderne Leben ohne die täglichen Dienstleistungen und Produkte des Handwerks unmöglich wäre.» Uwe Heiseler Vizepräsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern

Das Handwerk wird das Thema Nummer eins sein Das Handwerk hat es in den vergangenen rund eineinhalb Jahren geschafft, dass mit der bundesweiten Imagekampagne die Vielfalt und Leistungskraft dieses Wirtschaftsbereiches in der Öffentlichkeit verstärkt wahrgenommen werden. Dies bestätigen die Ergebnisse einer aktuellen forsa-Studie. Damit ist der Grundstein gelegt, auf den es in den nächsten Jahren aufzubauen gilt. Ist „Die Wirtschaftsmacht. Von Nebenan.“ vor allem über die Handwerksorganisation sichtbar, müssen jetzt auch die einzelnen Handwerksbetriebe verstärkt diese Kampagne durch Fahrzeugund Außenwerbung unterstützen, um auf sich als Handwerksunternehmen aufmerksam zu machen, zielt diese doch vor allem auch auf die Sicherung von Fachkräften. Diese Herausforderung müssen wir mittel- und langfristig alle gemeinsam meistern. Deshalb werden wir am bundesweiten Tag des Handwerks am 3. September verdeutlichen, dass das moderne Leben ohne die täglichen Dienstleistungen und Produkte des Handwerks unmöglich wäre. Wir werden insbesondere den Jugendlichen praxisnah die Berufschancen im handwerklichen Mittelstand offerieren. Anzeigen, Plakate, Fernseh- und Radiospots rücken das Handwerk in den Fokus. So wird der Newsticker des Nachrichtensenders n-tv am 3. September Neuigkeiten aus dem Handwerk melden. Je mehr Handwerksunternehmen am Tag des Handwerks mit kreativen Ideen mitmachen und die positiven Botschaften wie Vielseitigkeit, Einsatz moderner Techniken und Technologien und wirtschaftliche Kraft vermitteln, desto größer ist die Chance, dass die Öffentlichkeit, die Medien und die Politiker in ganz Deutschland über das Handwerk sprechen. Machen Sie deshalb mit! Sie werden davon profitieren. U w e H e i s e l e r

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Machen Sie mit! Haben Sie Ihren Firmenwagen schon beklebt? Wo sind die Poster in Ihrem Schaufenster? Schließlich machen schon Tausende Handwerker in Deutschland bei der großen Imagekampagne des Handwerks mit. Sie können die Materialien für eine moderne und innovative Darstellung des Handwerks im Internet bestellen. Nähere Informationen finden Sie auf www.handwerk.de!


Unter energetischer Sanierung leidet oft der Charakter alter Gebäude. Behutsame, aber Wirkungsvolle Maßnahmen verlangen viel Einsatz. Seite 6

Für Ernst Hinsken ist eine gut funktionierende Wirtschaft der Dreh- und Angelpunkt der Gesellschaft. Seite 12

Bei strahlendem Sonnenschein feierte das Handwerk in den Kammerbezirken den ersten „Tag des Handwerks“ Seite 16

INHALT 09|11 POLITIK + WIRTSCHAFT 6 Titel: Die lösbare Zwickmühle – Energetische Denkmalsanierung kann gelingen 12 Interview: Ernst Hinsken, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Deutschen Bundestag 14 Nachrichten 16 Tag des Handwerks 18 Meisterpflicht bestätigt

Steuerexperte Harald Elster weiß, wie Selbstständige ganz legal Steuern sparen können. Seite 44

16. September 2011

LAND BRANDENBURG 20 Konkurrenz durch Kommunen 21 Neue Vorgaben bei der Vergabe 23 Steuern: Optimistische Prognosen 24 Nachrichten

K AMMER COT TBUS 26 Neue Azubis begrüßt 27 Kandidaten der Vollversammlung vorgestellt 30 Bekanntmachung des Wahlleiters 33 Impressum 34 Lebensversicherung für Handwerksunternehmer 36 Wir gratulieren 37 Betriebsbörse 38 Bildungsangebote

BETRIEB + TECHNIK 40 Mediator hilft bei Kreditklemme 42 Das rollende Werbeplakat 44 Serie Teil 2: Legale Steuertricks 46 Personalführung: Die gleiche Sprache sprechen 48 Arbeitsschutz: Zuverlässige Beschützer für die Füße 54 Schaufenster


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escheidenheit ist eine Tugend. Gerade auch im Handwerk; dabei ist sie gar nicht immer angebracht. Besonders in Sachen Public Relations (PR) sollten auch Handwerksunternehmen nicht schüchtern sein und ruhig mal mit ihren Meisterleistungen angeben. Aber wie richtet ein Handwerker den Blick der Öffentlichkeit auf seinen Betrieb und seine Leistungen? Und was genau versteht man eigentlich unter Öffentlichkeitsarbeit? Wichtig ist zunächst: Öffentlichkeitsarbeit ist nicht gleich Werbung. Sie dient nicht direkt dem Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen. „PR ist ein reines Informationsangebot, das von Redaktionen dann aufgegriffen wird, wenn der Inhalt als berichtenswert erachtet wird“, erklärt PR-Berater Frank Beushausen. Nachteil: Garantien für eine Veröffentlichung gibt es hier nicht – anders als bei gebuchter Werbung. Vorteil: Im Vergleich ist PR meistens deutlich kostengünstiger.

„Ein gutes Image braucht eben auch Zeit und ein gutes Fundament. Da ist PR ein wesentlicher Bestandteil, den Werbung nicht ersetzen kann.“

Langfristige Öffentlichkeitsarbeit Im Vergleich mit Werbung wirke PR nachhaltiger, meint der Handwerksunternehmer und Präsident der Kammer Cottbus, Peter Dreißig. Ein redaktioneller Beitrag wirke auf die Empfänger viel glaubwürdiger als Werbung zum gleichen Thema. „Gute PR und Berichterstattung sind wichtig für unsere Außenwirkung. Das merken wir auch beim Kontakt mit Kunden und deren Motivation, ihre Backwaren bei uns zu kaufen“, so der Bäckermeister. Öffentlichkeitsarbeit ist also eher ein langfristiges Instrument. Ist sie gut und kontinuierlich gemacht, lassen sich damit die Akzeptanz und das Image eines Unternehmens nachhaltig positiv beeinflussen. „Ein gutes Image braucht eben auch Zeit und ein gutes Fundament. Da ist PR ein wesentlicher Bestandteil, den Werbung nicht ersetzen kann.“ Gerade weil Dreißig um die Wirkung von guter PR weiß, ist er mit seinem Betrieb in dem Bereich sehr aktiv. Angesprochen

Peter Dreißig, Bäckermeister und Präsident der Handwerkskammer Cottbus

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werden verschiedene Medien: „Das Spektrum reicht von Tages- und Wochenzeitungen über Radio und TV bis zu Nachrichtenagenturen und Wirtschaftsmagazinen.“ Der Fokus liege auf Medien aus dem Einzugsgebiet der Bäckerei in Guben. „Und andererseits bedienen wir dann noch die wichtigen Verlage der Backbranche.“ Seine Erfahrung dabei: Je besser die PR vorbereitet und auf das jeweilige Medium zugeschnitten ist, desto mehr Erfolg erzielt die Bäckerei damit, sprich sie taucht öfter in der Berichterstattung auf. Nutzwert für den Leser „Entscheidend für den Erfolg ist meistens der Nutzwert für den Leser“, weiß Beushausen. Hier spielen Fragen eine Rolle wie: Welchen Neuigkeitswert hat die Meldung für den Nutzer? Was lernt er daraus, und wie kann ihm diese Information weiterhelfen? Außerdem komme es auf die Aktualität an. Laut dem Inhaber der Agentur Perfect Sound PR eignen sich Beispiele für Aktionen von Handwerkern, die in Zusammenhang mit außergewöhnlichen Projekten oder bekannten Persönlichkeiten stehen, besonders gut für einen redaktionellen Text. „Wer einen wichtigen Beitrag zu einem überregional bekannten Projekt erbracht hat, sollte unbedingt darauf hinweisen. Schließlich ist nichts so überzeugend wie ein zufriedener Kunde, der die Qualität der Handwerksleistung bestätigt.“ Auf lokaler Ebene können aber auch Geschäftserweiterungen, Firmenjubiläen, Wohltätigkeits-Aktionen, Verlosungen, Tage der offenen Tür oder auch besondere Serviceleistungen ein interessantes Thema sein. Zielgruppe treffen Genau solche Anlässe der Bäckerei Dreißig wurden redaktionell in verschiedenen Medien verwertet. „Das sind gerade in diesem Jahr Ereignisse rund um unser 100. Firmenjubiläum. Wir haben

Tipps für bessere Pressetexte - Schreiben Sie einfach und verständlich in kurzen Sätzen. - Länge und Stil des Textes sollten Sie an das betreffende Medium anpassen. - Denken Sie beim Schreiben an Ihre Zielgruppe und richten Sie den Text darauf aus. - Beginnen Sie mit der wichtigsten Botschaft, klären Sie die Fragen: Wer, was, wo und wann? - Verzichten Sie auf Eigenlob und werbliche Aussagen und konzentrieren Sie sich auf nachprüfbare Fakten.

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- Vergessen Sie nicht, den Ansprechpartner mit den Kontaktdaten zu nennen.

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unsere Aktivitäten zur ‚Jahrhundertfeier‘ im Frühjahr auf einer großen Pressekonferenz vorgestellt“, erklärt Dreißig. Dazu gehörten etwa ein Gewinnspiel, die Veröffentlichung eines Buches zur Familiengeschichte oder ein besonderes „Jahrhundertbrot“. Um ein Medium auszuwählen, in dem ein Beitrag erscheinen soll, sollten Handwerker sich fragen, wer ihre Kunden sind und wen sie als Kunden gewinnen möchten, etwa Privat- oder Firmenkunden. Entscheidend ist nun, wo sich diese Zielgruppe informiert: „Hieraus ergibt sich schnell das passende Medium – zumindest für einen Profi, der die Medien kennt. Im Zweifelsfall sollten Handwerker einen PRBerater ansprechen.“ Die Bäckerei Dreißig arbeitet mit einem solchen PR-Profi zusammen und profitiert laut Dreißig von dessen „Kontaktpotenzial in die Redaktionen und seinem Wissen, welche Themen sich wie und wo platzieren lassen“. PR muss nicht teuer sein Öffentlichkeitsarbeit ist auch für sehr kleine Betriebe machbar und muss nicht viel kosten. „Auch und gerade Kleinbetriebe sollten unbedingt die Möglichkeiten der PR nutzen, selbst wenn der Rahmen bescheidener ist.“ Wie viel Geld ein Handwerker für PR investieren muss, lasse sich nicht generell sagen. Tipp vom Profi: „Wenn Sie mit einem PR-Berater zusammenarbeiten, vereinbaren Sie mit ihm eine Pauschale für eine Aktion wie etwa eine Pressemitteilung. Lassen Sie sich vorher detailliert beschreiben, was der Berater für sie tut und welches Ergebnis erwartet wird. Ziel und Umsetzung werden so vergleichbar und Sie können den Wert der Aktion besser einschätzen.“ Zwingend notwendig sei die Zusammenarbeit mit einem PR-Berater jedoch nicht. „Wer sich an einige wenige Grundregeln hält, kann aus eigener Kraft einer Redaktion den passenden Impuls geben.“ Aber es ist auch nicht immer nötig, Pressemitteilungen zu verschicken. Die örtliche Tageszeitung oder das Anzeigenblatt könne einen Handwerker auch einfach telefonisch kontaktieren und einen Pressetext bei Bedarf nachliefern. L ars Otten

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Einzeln stark gemeinsam stärker Empfehlungsmarketing: Mit einem Engagement in einem Netzwerk können Unternehmer neue Kontakte knüpfen und sich nebenbei Aufträge sichern.

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ffentlichkeitsarbeit ist nicht nur für große Unternehmen sinnvoll. Auch Handwerksbetriebe können damit ihr Image aufpolieren. Zu Public Relations (PR) gehören nicht nur der Kontakt zu Redaktionen und eine eventuelle Veröffentlichungen von etwa Pressemitteilungen. Der eigene Internetauftritt, Imagebroschüren oder ein Engagement in einem Netzwerk – auch das ist PR. Viele verbinden mit dem Stichwort Netzwerk vor allem einschlägige Online-Gemeinschaften wie Xing, Facebook oder Twitter. Aber das ist nicht alles – es gibt viel mehr Möglichkeiten, Verbindungen mit Menschen einzugehen. Internetplattformen seien zu unpersönlich – oft bleibe es bei einem oberflächlichen Kontakt, sagt Unternehmensberater Stefan Hagen. „Netzwerken hat immer etwas damit zu tun, die Leute auch persönlich zu kennen.“ Das Kennenlernen und persönliche Treffen könnten Online-Kon-


TiTel

takte auf keinen Fall ersetzen. „Sehen und gesehen werden“, nennt das Josef Brenner, Inhaber der Tischlerei „mobili ART Innenausbau Brenner“ in Klein Schwaß. Er ist in verschiedenen Netzwerken aktiv. Entscheidend für erfolgreiches Netzwerken seien vielmehr Vereine oder Verbände wie beispielsweise der örtliche Sport- oder Karnevalsverein oder auch eine Innung. Hier bieten sich laut Hagen viel bessere Chancen. Handwerker könnten aus solchen Gemeinschaften durchaus einen Wert ziehen. Josef Brenner kann das nur bestätigen. Er engagiert sich zum Beispiel als Sponsor beim Landesturnverband Mecklenburg-Vorpommern, bei der lokalen Feuerwehr oder beim Wasserspringerclub, in dem sein Sohn Mitglied ist. „Durch die Kontakte, die dabei entstehen, gewinnen wir auf jeden Fall auch Kunden.“

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Stefan Hagen stefan Hagen ... hilft ihrem unternehmen auf die sprünge 24,90 Euro

Stärken einbringen Bei der Wahl eines Netzwerks solle man sich zunächst die Frage stellen: Warum Netzwerk? Und wieso gerade dieses? Wichtig sei, dass eine Gemeinschaft, in der man sich engagiert, zu den eigenen Interessen passt. Es empfiehlt sich daher, berufl iche und private Netzwerke zu testen. „Das Ganze muss auch Spaß machen“, sagt der Unternehmensberater. Besonders wichtig: Um in einer Gemeinschaft aufzufallen, müsse man etwas beisteuern, Kontakte knüpfen, Smalltalk halten, die eigenen Stärken einbringen. „Sie müssen etwas für das Netzwerk tun, sich Zeit dafür nehmen.“ Das sei keine einseitige Sache – es gehe um ein Nehmen und Geben. Wer etwa von den Kontakten anderer profitieren möchte, sollte bei Gelegenheit auch anderen helfen, Verbindungen zu flechten – Hagen nennt das Empfehlungsmarketing. Potenziellen Kunden sollte der Handwerker am besten eine angenehme Atmosphäre bieten, damit er am Ende auch Geld für eine bestimmte Leistung bezahlt. „Gibt man jemandem Geld, ist das, als wenn man zum Zahnarzt geht – es verursacht Schmerzen“, erklärt der Unternehmensberater. „Lindern Sie diesen Schmerz, indem Sie mehr bieten, als der Kunde erwartet.“ Ein Anruf bei Kunden einen Monat nach einem erledigten Auftrag und die Frage, ob alles in Ordnung sei, bewirke da mitunter Wunder. Josef Brenner wurde zusammen mit anderen Betrieben Mitglied in einem Netzwerk mit dem Namen „Creative Partner“ – davon profitieren schlussendlich auch seine Kunden. Das ist ein Unternehmensverbund, in dem sich Innenausbauer, Laden- und Fensterbauer aus ganz Deutschland zusammengeschlossen haben. Ziel ist es zunächst, durch Erfahrungs- und Informationsaustausch das Know-how jedes Partnerbetriebs zu erweitern. „Einzeln stark – gemeinsam stärker“, heißt es auf den Internetsei-

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Zu bestellen im VH-buchshop bei Bianca Pietrowski Tel.: 0211/390 98-28 oder per E-Mail: pietrowski@verlagsanstalthandwerk.de

ten des Verbunds. Und was für das Know-how von Brenners Unternehmen gut ist, kann für den Kunden nicht schlecht sein. Außerdem arbeiten die Partner intensiv im Bereich Einkauf und Marketing zusammen. Er selber gründete das regionale Netzwerk „Creativeteam“. „Wir treffen uns einmal im Monat. Unsere Regel lautet dabei ‚Teamarbeit geht vor‘. Das funktioniert nur, wenn man vernünftige Partner hat“, meint Brenner. So kann er seine Kunden für Arbeiten, die er nicht anbietet, an kompetente Mitglieder des Netzwerks verweisen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Der Kunde hat weniger Arbeit mit der Suche nach passenden Betrieben und Brenner kann hoffen, seinerseits von Partnerunternehmen empfohlen zu werden – ein Geben und Nehmen eben. Durch Öffentlichkeitsarbeit lasse sich das Empfehlungsmarketing, das Handwerker in verschiedensten Netzwerken betreiben können, noch mal deutlich steigern. „Weniger Werbung – mehr PR“, rät Hagen. Besonders effektiv sei hier die Zusammenarbeit mit einem PR-Berater. Der könne nämlich wiederum auf sein Netzwerk von Journalistenkontakten zurückgreifen. So könnten Handwerker auch die Netzwerke anderer anzapfen und davon profitieren. l ars oT Ten


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Mitmachen ist besser als nur da Imagek ampagne: Das Handwerk rückt immer mehr in das Bewusstsein der Menschen — dank der groSSen PR-Aktion. Auch einzelne betriebe können sich engagieren und so günstige und originelle Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache betreiben, auch zum Tag des Handwerks.

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as beste Beispiel für umfassende Public Relations (PR) ist die große Imagekampagne des deutschen Handwerks. Sie soll das Ansehen des Handwerks kräftig aufpolieren. Ob im Kino, im Fernsehen, in Zeitungen, auf Plakaten oder im Internet – geworben wird auf fast allen relevanten Kanälen. Mit Erfolg. Eine repräsentative Befragung des forsa-Instituts ergab nun, 15 Monate nach Kampagnenstart: Mehr Menschen ist nun das Handwerk und seine wirtschaftliche Bedeutung bewusst. Bei einigen kritischen Punkten und Defiziten, die eine Umfrage des Instituts aus dem Jahr 2008 aufdeckte, sind nun Fortschritte zu verzeichnen – dazu gehören etwa die Sichtbarkeit oder die seinerzeit als niedrig eingestufte Modernität und Innovationskraft des Handwerks. Bei jungen Menschen gibt es allerdings weiterhin Vorbehalte. Sie empfinden das Handwerk immer noch als altmodisch. „In den Köpfen der jugendlichen Zielgruppe wurden Fortschritte gemacht, ihre Herzen wurden aber noch

nicht erreicht“, heißt es in der aktuellen forsa-Trendmessung. Trotz der noch auszubauenden Bereiche zeigt die Studie: Öffentlichkeitsarbeit wirkt. Und das nicht nur auf der übergreifenden Ebene. Einzelne Betriebe können mit eigenen Aktionen auf den Kampagnenzug aufspringen und damit auch einen konkreten Nutzen für das eigene Unternehmen erzielen. Dorothee Elias macht mit. Aufklärung über das, was Handwerker alles leisten und können, tue not, meint die Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin. Deshalb zeigt sie mit ihrem Betrieb Sperber Naturstein Flagge. Dort weht die Fahne der Kampagne im Wind, auf den Firmenwagen kleben die Aufkleber und der „Werkzeugkoffer 2.0“ ist bei allen Terminen dabei. Im Rahmen der Imagekampagne ist der 3. September ein besonderes Datum. Dann feiert die Wirtschaftsmacht von nebenan zum ersten Mal den Tag des Handwerks – und zwar bundesweit. Auch hier haben Betriebe die Chance, günstige und originelle PR zu betreiben. Denn der Tag

Hilfsmittel Passende Werbemittel zur Imagekampagne finden Sie hier: shop-handwerk.de Einen Online-Werkzeugkasten und einen Leitfaden für Betriebe zum Thema Imagekampagne finden Sie auf den Internetseiten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks: zdh.de

ist nicht nur eine zentrale PR-Aktion, auch das persönliche Engagement aller Handwerksunternehmen ist gefragt. Das heißt, die Aktion lebt von Veranstaltungen der Handwerkskammern (siehe Infokasten), Kreishandwerkerschaften oder Innungen. Nicht weniger wichtig sind aber die Ideen einzelner Betriebe. „Ich finde die Idee einfach toll. Wie und wo kann man besser auf sich aufmerksam machen?“ schwärmt Bärbel Bolten von Bodo Bolten GmbH. „Das kann man doch als Handwerksunternehmen nur aufgreifen und sofort mitmachen.“ Der Heizungs-, Klima-, Sanitär- und Solarbetrieb

Der Tag des Handwerks bei den Kammern Cottbus Berufsstartertag im Staatstheater Im Kammerbezirk Cottbus steht an diesem Tag der Berufsstartertag für alle Neueinsteiger im Handwerk auf dem Programm. Alle Jugendlichen von Guben bis Schönefeld, die einen Lehrvertrag für das Ausbildungsjahr 2011/12 abgeschlossen haben, sind in das Cottbuser Staatstheater eingeladen. Gleichzeitig erhalten die polnischen Jugendlichen, die seit Mai einen viermonatigen Sprachkurs absolviert hatten, ihre Lehrverträge, um ihre Berufsausbildung in den Betrieben zu starten. Ehrengast ist die Brandenburger Bildungsministerin Dr. Martina Münch.

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bei zu sein

bewirbt seine Produkte und Leistungen unter Bezug auf den Tag des Handwerks und seinem Motto. Außerdem macht er seit einiger Zeit intensiven Gebrauch von den Werbemitteln der Imagekampagne. Auch Britta Faust will diese Chance nutzen. Die Hörgeräteakustikerin will am 3. September auf das 20-jährige Bestehen ihres Unternehmens aufmerksam machen. Dazu hat sie das „Hörmobil“ der „Fördergemeinschaft Gutes Hören“ gebucht. In der Fußgängerzone bietet sie Infos rund um Hörgeräte, kostenlose Hörtests und ein Hör-Memory. Zudem können Besucher die Lautstärke ihrer MP3-Player messen lassen. „Was mache ich, wenn das Fahrzeug eine Reifenpanne hat?“ Diese Frage will das Renault-Autohaus Hillebrand & Huge am Tag des Handwerks beantworten. Und zwar nicht theoretisch, sondern ganz konkret. Fachkräfte des Betriebs zeigen Interessierten, wie sie etwa Reifendichtmittel richtig anwenden. Aber auch der Reifenwechsel kann unter fachkundiger Anleitung trainiert werden. L ars Otten

Frankfurt (Oder) — Region Ostbrandenburg

Ostmecklenburg-Vorpommern

Potsdam

Offene Türen am Tag des Handwerks

Das Handwerk zieht an

15 Jahre Zentrum für

Die Kammer öffnet für alle am Handwerk Interes-

Die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpom-

Gewerbeförderung Götz

sierten die Türen der Bildungsstätte in Hennicken-

mern wird am Tag des Handwerks gemeinsam

Das Zentrum für Gewerbeförde-

dorf (9 bis 14 Uhr) und des Bildungszentrums in

mit den Innungen und Handwerksunternehmen

rung in Götz feiert im September

Frankfurt (Oder), (10 bis 15 Uhr). Dort können Sie

die Vielfalt und Leistungskraft des Handwerks

2011 sein 15-jähriges Bestehen.

sich zu Weiterbildung und Möglichkeiten der För-

zeigen: So wird sich das Handwerk auf dem längs-

Die Handwerkskammer Potsdam

derung beraten lassen. Um 9.30 Uhr wird Kammer-

ten City-Mode-Laufsteg in Mecklenburg-Vorpom-

lädt aus diesem Anlass zum Tag

präsident Wolf-Harald Krüger in Hennickendorf

mern, dem XXL-Laufsteg in Neubrandenburg,

der offenen Tür am 3. September

das neue Meisterlehrjahr für 75 Gesellen eröffnen.

vor zahlreichen Besuchern präsentieren. In der

2011 in der Zeit von 10 bis 16 Uhr

Um 13 Uhr findet in Frankfurt (Oder) die Gesellen-

Rostocker Innenstadt werden verschiedene Hand-

ein.

freisprechung für junge Handwerker statt, die er-

werksberufe „zum Anfassen“ und eine Moden-

folgreich die Lehre bestanden haben.

schau Besuchermagnet sein.

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Das Handwerk muss eine interview: Ostdeutschl ands dienstältester Handwerksk ammerpräsident Joachim Dirschk a tritt von der groSSen Bühne ab – Im DHB-Interview erinnert sich der k ämpferische Sachse an den Aufbau der Handwerks­organisation in den neuen L ändern und ermuntert seine Nachfolger zur Geschlossenheit. Nach 21 Jahren an der Spitze der Leipziger Kammer geht Joachim Dirschka in den Ruhestand. Gegenüber dem Handwerksblatt zieht der Multifunktionär Resümee. DHB: Herr Präsident, mit welchen Gefühlen verlassen Sie Ihre Ämter im Handwerk? Dirschka: Mit Dankbarkeit dafür, dass mir über 12.000 Betriebe über mehr als 20 Jahre das Vertrauen ausgesprochen haben. Mit Zufriedenheit, dazu beigetragen zu haben, dass die Handwerkskammer zu Leipzig sich zu einer deutschlandweit anerkannten Kammer entwickelt hat. DHB: Was erfüllt Sie mit größtem Stolz? Dirschka: Unser Bildungs- und Technologiezentrum (BTZ). Da waren wir sehr weitsichtig, die Vollversammlung hat schon 1990 die Weichen auf Zukunft gestellt. Das vier Hektar große Areal wurde uns von der Treuhand kostenlos überlassen. Ohne eitel sein zu wollen, daran hatte ich einen großen persönlichen Anteil. Seit 1996 bilden sich jetzt in einem hochmodernen Bildungszentrum nicht nur Leipziger Handwerker weiter. Jedes Mal, wenn ich vor Ort bin, erfüllt mich das mit Freude. Nach 21 Jahren als Handwerkskammerpräsident gibt es natürlich vieles, was mich stolz macht. Die Liste wäre sehr lang. Ganz obenan steht unser Haus des Handwerks, der Sitz der Kammer seit 1996. Auch hier gingen wir neue Wege, ein altes, traditionsreiches, unter Denkmalschutz stehendes Druckereigebäude wurde zu einem modernen Bürogebäude mit Charakter. DHB: Mit welchen Personen in Handwerk und Politik haben Sie besonders gerne und effektiv zusammengearbeitet? Dirschka: Eine besonders schwere Frage, wen soll man da herausheben. In der Bundespolitik gehört der Wirtschaftsminister Werner Müller dazu, in der Landespolitik Wirtschaftsminister Kajo Schommer

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Politik und Wirtschaft

Joachim Dirschka, scheidender Kammerpräsident der Hwk zu Leipzig

Die Zukunftsfähigkeit des handwerks wird sich daran messen, ob es gelingt mit einer starken Stimme die Inte­ ressen des Handwerks zu vertreten.

sowie Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, zu dem ich auch heute noch einen engen Draht habe. Und natürlich Stanislaw Tillich, mit dem ich seit 1990 eine freundschaftliche Zusammenarbeit pflege. Für die Handwerksorganisationen möchte ich den ehemaligen ZDH-Präsidenten Heribert Späth und den Generalsekretär Hanns Eberhard Schleyer nennen. Ebenso den Präsidenten Hansheinz Hauser sowie die Hauptgeschäftsführer Gerd Wienecke und Thomas Köster der Handwerkskammer Düsseldorf, sie waren unsere Partner beim Aufbau des BTZs. Nicht zuletzt waren es die Kreishandwerksmeister unseres Kammerbezirks, mit denen mich stets eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verband. DHB: Welchen Beitrag haben die Partnerkammern in Westdeutschland nach der Wiedervereinigung für das Handwerk und für die Kammer Leipzig im Speziellen geleistet? Dirschka: Von unserer Partnerkammer Düsseldorf haben wir sehr viel profitiert, materiell aber vor allem vom Know-how. Man hat uns nicht nur als Lernende, sondern stets als Partner gesehen, gab uns Hilfe zur Selbsthilfe. Dafür bin ich noch heute dankbar. Aufbauhilfe gab es auch vom Zentralverband, wir bekamen nicht nur unsere ersten Telefone und Computer, sondern Unterstützung beim Aufbau einer demokratischen Selbstverwaltung. DHB: Was würden Sie – im Rückblick auf Ihre politische Entwicklung – heute anders machen? Dirschka: Gar nichts! Vielleicht wäre ich manchmal besser ein wenig mehr Realist gewesen. Aber eigentlich war es genau so, wie es war, gut. DHB: Sie haben die DDR und das wiedervereinigte Deutschland, aber auch die praktische Arbeit der Handwerksorganisation in Ost und West kennengelernt. Wie betrachten Sie heute die jeweiligen Zeitabschnitte? Dirschka: Beide Zeiten sind nicht zu vergleichen. Der Stellenwert des Handwerks ist grundsätzlich ein an-


politik und wirtschaft

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Einheit bilden derer und auch die Aufgaben der Handwerkskammer. Vor 1990 arbeitete die Kammer eher im Interesse des Staates, heute für die Handwerker und ihre Unternehmen. Aus meiner langjährigen Ehrenamttätigkeit als Kammerpräsident, Präsident des sächsischen Handwerkstages und Mitglied des Präsidiums des ZDH kann ich aber sagen, einfach ist auch Demokratie nicht immer. DHB: Sie waren immer ein engagierter Kenner der Steuerpolitik. Wie bewerten Sie es, dass es auch 20 Jahre nach der Wende kein einfaches Steuersystem gibt? Dirschka: Ich war in den 20 Jahren immer nur ein Lernender, der es nie verstanden hat, dass die Politik das Thema Steuervereinfachung nie wirklich angegangen ist.

Foto: Bodo Tiedemann

DHB: Wo liegen die großen Herausforderungen für das Handwerk und den Mittelstand in den nächsten zehn Jahren? Dirschka: Für das Handwerk sicher darin, dass sich alle Handwerksorganisationen als Einheit begreifen, in der jede ihren Platz hat. Die Zukunftsfähigkeit wird sich daran messen, ob es gelingt, mit einer starken Stimme die Interessen des Handwerks zu vertreten.

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Politik und Wirtschaft

Von der Politik wünsche ich mir, dass sie die Belange des Mittelstands über eine ganze Legislaturperiode im Blick behält und die Sorgen und Nöte ernst nimmt. Glaubwürdigkeit und Planungssicherheit brauchen Handwerk und Mittelstand, das beinhaltet beispielsweise auch Kontinuität in Förderpolitik und gesetzlichen Regelungen. Aktuell denke ich da an die Energiewende. Sie ist für die Handwerker eine große Chance und eine Herausforderung. DHB: Was haben Sie nach der Präsidentschaft persönlich vor? Weitere Ehrenämter? Dirschka: Über zwei Jahrzehnte war das Handwerk und seine Organisationen für mich nie nur Arbeit, sondern auch Hobby und Familie. Schrittweise habe ich ja schon einen Teil meiner Aufgaben abgegeben. Jetzt möchte ich mir erst einmal Zeit nehmen für mich, für mein Enkelkind. Natürlich gibt es schon verschiedentlich Anfragen, manche Ehrenämter fortzuführen oder neue zu übernehmen. Aber ich möchte mir im Augenblick für meine Zukunftsplanung etwas Zeit geben, die Prioritäten werde ich auf jeden Fall nun anders setzen. Familie und Freizeit rücken auf der Liste weit nach oben.  Die Fr agen stellte Rüdiger Got tschalk

Joachim Dirschka (l.) besuchte im Rahmen der Woche des offenen Unternehmens in Sachsen das Backhaus Hennig in Rüssen-Kleinstorkwitz


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Der letzte Retter in der Not Interview: kleine Betriebe müssen oft um einen neuen Kredit mit ihrer Hausbank k ämpfen. Kreditmediator Hans-Joachim Metternich hilft bei Problemen. Auch wenn man ihn spät ruft: Der Kreditmediator versucht Betrieben zu helfen, die keinen Kredit bekommen

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Buchtipp Reinhard Horre: Überleben in Zeiten der Finanzkrise. Gut aufgestellt fürs Kreditgespräch

ehr als 1.180 Unternehmen haben Kreditmediator Hans-Joachim Metternich und sein Team in den vergangenen 14 Monaten zur Hilfe gerufen, weil sie bei Gesprächen mit ihrer Bank Schwierigkeiten hatten. Über 900 von ihnen bekamen Hilfe, darunter etwa 180 Handwerksbetriebe. DHB: Herr Metternich, mit welchen Problemen kämpfen Handwerksbetriebe am häufigsten? Metternich: Wenn die Kreditvergabe stockt, liegt es meist an einem dieser drei Problemfelder: fehlende Sicherheiten, unzureichende Rentabilität oder zu wenig Eigenkapital.

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DHB: Wie können Sie helfen?

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Metternich: Bei fehlenden Sicherheiten prüfen wir, ob es Ersatzsicherheiten wie beispielsweise Bürgschaften oder Haftungsfreistellungen gibt. Eine unzureichende Rentabilität kann durch zinsgünstige Darlehen von Förderbanken oder der KfW behoben werden. Diese Darlehen gibt es für viele Investitionsprojekte und Betriebsmittel. Auch Zuschüsse aus der Technologieförderung sowie der Regionalförderung sind denkbar.

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Betrieb und Technik

DHB: Und wenn das Eigenkapital nicht reicht? Metternich: Dann lohnt sich eine Nachfrage bei den Beteiligungsgesellschaften der Länder. Oder man versucht, Eigenkapital durch moderne Finanzierungsinstrumente wie Sale and Lease back (verkaufen und zurückleasen, Anm. d. R.) freizusetzen. DHB: Das muss man aber erst mal wissen. Metternich: Ja, vielfach entstehen die Probleme aus Unwissenheit und Unsicherheit. Und die Kreditinstitute helfen leider nicht immer weiter. Deshalb sind die Betriebsinhaber selbst gefordert, sich schlau zu machen und sich Hilfe von außen zu holen, beispielsweise von der Betriebsberatung ihrer Handwerkskammer. Und sie müssen, auch wenn‘s schwerfällt, regelmäßig das Gespräch mit ihrer Bank suchen. Je früher, umso besser. DHB: Was passiert, wenn die Bank trotzdem den Kredit verweigert? Metternich: Auch wenn man uns so spät ruft, setzen wir uns mit der Bank in Verbindung. Die Kreditme-


betrieb und technik

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Checkliste für den Kreditantrag Kreditmediator Hans-Joachim Metternich hat zehn Punkte aufgelistet, die Unternehmen helfen sollen, Ärger mit der Bank erst gar nicht aufkommen zu lassen. Seine Erkenntnisse stammen aus einer Befragung der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG, bei der besonders erfolgreiche Unternehmen nach ihrer Finanzkommunikation befragt wurden. 1. Signalisieren Sie Ihrem Kreditgeber Offenheit und die Bereitschaft, alle nötigen Informationen zur Verfügung zu stellen. 2. Stecken Sie Ihre drei wichtigsten Finanzziele wenigstens einmal im Jahr konkret ab: z. B. Höhe des Kontokorrentzinses, Umfang der notwendigen Sicherheiten, Volumen der Investitionskredite. 3.  Erfragen Sie regelmäßig die Informationswünsche Ihrer Kapitalgeber und richten

Sie Ihre Unterlagen danach aus. 4.  Die Besonderheiten, vielleicht sogar Alleinstellungsmerkmale Ihres Unterneh-

8.  Suchen Sie regelmäßig den persönlichen Austausch mit Ihren Kapitalgebern und

gute Auftragslage, sollten in Ihrem Kre-

setzen Sie dabei auch auf moderne Kom-

ditantrag deutlich werden.

munikationswege (z. B. Newsletter per

5.  Sichern Sie sich durch Fachwissen von außen ab, bitten Sie z. B. Experten von der

E-Mail). 9.  Liefern Sie Ihre Informationen zuverlässig

Handwerkskammer, Ihren Steuerberater

und pünktlich. Legen Sie für die Vorlage

oder einen Unternehmensberater um Un-

Ihrer Berichte bestimmte Zeitpunkte oder

terstützung. Kalkulieren Sie diese Kosten

-räume fest. Informieren Sie selbst früh-

in Ihrer Jahresplanung ein.

zeitig bei drohenden Problemen.

6. Ergänzen Sie die blanken Zahlen durch

10. Prüfen Sie jährlich in einem Soll-Ist-Ver-

zusätzliche Informationen über Ihren Be-

gleich, ob Sie Ihre Finanzziele erreicht

trieb, den Markt, die Branche. Entwickeln

haben und wenn nicht, woran es gelegen

Sie unterschiedliche Zukunftsszenarien.

hat. 

HT

Lassen Sie den Kreditgeber durch Ihre Unternehmensbrille schauen.

DHB: Kommt das oft vor?

die Betriebsinhaber sind selbst gefordert, sich schlau zu machen und sich Hilfe von auSSen zu holen, beispielsweise von der Betriebsberatung ihrer Handwerkskammer.

Metternich: In 278 Fällen hat man uns erst eingeschaltet, nachdem der Antrag schon abgelehnt war. 81-mal haben wir es dennoch geschafft, dass der Unternehmer noch einen Kredit bekam. Manchmal mussten dafür zwar bestimmte Auflagen erfüllt werden, aber es wurden insgesamt 110 Millionen Euro bewilligt und 5.851 Arbeitsplätze gerettet.

Metternich: Wenn kein positiver Geschäftsausblick mehr da ist und die Insolvenz droht, können wir nichts mehr machen, weil wir für solche Fälle weder den Auftrag noch das Personal haben. Aber dann gibt es immer noch die Möglichkeit, einen runden Tisch zu organisieren, um mit Hilfe der Handwerkskammer und der KfW eine Lösung zu suchen.

DHB: Glauben Sie, dass sich die Kreditsituation für Handwerksunternehmer 2013 durch Basel III verschärft? Metternich: Viele Geschäftsbanken verweisen auf diese Gefahr, weil sie selbst höhere Anforderungen an das Eigenkapital und die Einlagensicherung haben werden. Trotzdem glaube ich nicht an eine Schockreaktion, zumal der Wettbewerb unter den Banken wieder anzieht. Sicher wird es aber den einen oder anderen Unternehmer treffen, der kein gutes Rating hat. Umso mehr gilt es schon heute, sich um eine Verbesserung des eigenen Ratings zu bemühen. Wie das funktionieren kann, zeigt die Checkliste. DHB: Warum hören Sie am Ende des Jahres auf?

DHB: Wann können Sie nicht mehr helfen?

Betrieb und Technik

gut strukturiert und anschaulich auf.

mens, z. B. Wettbewerbsvorteile oder die

diation ist das erste Verfahren, bei dem die Banken Auskunft über die Gründe für ihre Entscheidung geben müssen. Dadurch haben wir die Möglichkeit, bei Schwachpunkten nachzuhaken, so dass die Kreditentscheidung möglicherweise revidiert wird.

Deutsches Handwerksblatt 09 | 11

7. Bereiten Sie Ihre Unterlagen übersichtlich,

Hans-Joachim Metternich

Metternich: Die Bundesregierung hat die Stelle des Kreditmediators während der Wirtschafts- und Finanzkrise eingerichtet, weil sie eine Kreditklemme befürchtete. Man ging aber schon damals davon aus, dass sich die deutsche Wirtschaft bis Ende 2011 erholt haben würde, so dass es für den Mittelstand dann keinen Finanzierungsengpass mehr geben sollte. kreditmediator-deutschland.de Das Gespr äch führte Heidi Tr abert


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BETRIEB UND TECHNIK

DHB 09|11

Zuverlässige Beschützer für die Füße FUSSSCHUTZ: SICHERHEITSSCHUHE KÖNNEN MEHR BIETEN ALS DEN STANDARDSCHUTZ. FÜR JEDE DER VERSCHIEDENEN ANFORDERUNGEN GIBT ES SPEZIELLE MODELLE.

A

bgehärtet gegen jedes Wetter, stehen sie fest wie ein Fels in der Brandung, bewehrt mit Schutzschilden aus Stahl – gute Sicherheitsschuhe sind echte Kämpfer, die den Gefahren des Arbeitsalltags furchtlos ins Auge sehen. In Sicherheitsklassen eingeteilt, sind sie mit unterschiedlichen Schutzfunktionen ausgestattet, von Zehenschutzkappen aus speziellen Hightech-Kunststoffen in Klasse S1 bis hin zu durchtrittsicheren Stahlzwischensohlen in Klasse S3. Welche Schutzklasse beim Fußschutz für welches Gewerk das Richtige ist, hängt von den Vorschriften und den einzelnen Gefahrenpotenzialen am Arbeitsplatz ab. Wenn handwerkliche Einsätze besondere Risiken bergen und mit extremen Belastungen für die Füße aufwarten, ist der Einsatz von Spezialisten gefragt: Sie trotzen Kälte und Hitze, und nehmen es mit Bakterien, Säuren und scharfen Spänen auf – und werden so zu wahren Beschützern für die Füße. Schlitterpartien die Stirn bieten Sicherheitsschuhe sollen rutschfest sein – diesen Anspruch hat jeder. Doch was ist, wenn nicht Wasser, Regen oder Eisfl ächen

die Gefahr sind, sondern mit Öl und Fetten verschmierte Fliesenböden? In der Arbeit mit Lebensmitteln gehört das oft zum Alltag. Der Fleischer kann sich kaum auf die Gummisohlen üblicher Sicherheitsschuhe verlassen – ein Spezialist muss her. Dank besonderer Materialmischungen bieten die Sohlen von S1-Sicherheitsschuhen für den Umgang mit Lebensmitteln auch in Küche und Kühlhaus einen guten Stand. Tritt der Fleischer oder Küchenchef auf heißes Öl, mindert er mit dem richtigen Fußschutz aber nicht nur die Rutschgefahr, sondern ebenso das Risiko von Verbrennungen. So ist beispielsweise die transparente Laufsohle des Sicherheitsschuhs Elba von HKS besonders hitzebeständig. Gefahr droht in Küche und Kühlhaus aber nicht nur dem Beschäftigten. Wo mit Lebensmitteln gearbeitet wird, muss die Sicherheitskleidung das Umfeld vor Verunreinigungen und Bakterien schützen. Weiße Obermaterialien erfüllen hier nur ein Minimum der Hygieneanforderungen. Sicherheitsschuh Elba setzt deshalb auf eine antimikrobielle und geruchsmindernde Schuhfütterung. Das bedeutet ein

deutliches Plus an Hygiene für Fuß und Umfeld – und auch ein Plus an Komfort. Den müssen Sicherheitsschuhe bei Extremeinsätzen bieten, damit der Fuß nach mehrstündigen Arbeiten nicht leidet. Spezielles für den Bau Gute Schuhe sind natürlich auch auf dem Bau gefragt, zumal die Arbeit dort auch bei bestem Wetter oft kein Zuckerschlecken ist. Matschige Böden belasten die Fußgelenke, Feuchtigkeit will in den Schuh dringen, Nägel und Holzsplitter fi nden nur allzu leicht ihr Ziel. Kommt dann die kalte Jahreszeit, verbergen sich viele Gefahren unter dem Schnee, unsichtbar für den Beschäftigten. Robuste Sohlenprofi le, ein hoher Schaft zum Schutz des Knöchels und wetterfeste Materialien sind hier hilfreiche Schutzmechanismen. Entscheidend für den richtigen Arbeitsschutz am Bau ist aber eine durchtrittsichere Zwischensohle, die Angriffe von unten abwehrt und Nägeln, Spänen oder Splittern keine Chance gibt, die Fußsohle zu verletzen. Sicherheitsschuhe wie das Modell „Airpower R3“ des Herstellers Haix bieten diesen Schutz: Das Sohlenprofi l ist speziell für

Dass der Komfort bei Sicherheitsschuhen nicht

werkssparten zum Einsatz kommen, sind da-

einfach eine Frage der Bequemlichkeit ist, zeigt

her nicht nur robust, sondern setzen gezielt

die Arbeitspraxis im Handwerk jeden Tag. Denn

auf einen sehr hohen Tragekomfort. Die Vertei-

Druckstellen oder vorzeitige Ermüdung der Füße

digungsstrategie des S3-Schuhs Renegade

sind häufig unterschätzte Gefahren: Wer auf mü-

lautet: Wer sich bequem und luftig in seinen

den oder schmerzenden Füßen steht, ist unkon-

Schuhen bewegen kann, arbeitet konzentriert

zentriert – und hat ein deutlich höheres Unfallri-

und hält die Augen offen. Arbeitsunfälle kön-

siko. Ein Hightech-Panzer für die Füße hat des-

nen so deutlich seltener eintreten. Und modisch

halb nicht nur eine starke Außenhülle, sondern ist

sind die Sicherheitsschuhe der Trendmarke

zugleich beweglich und bequem. Sicherheitsschu-

ebenfalls auf der Höhe der Zeit. Ein echter Be-

he von Lowa, die als Allrounder in vielen Hand-

schützer sieht auch gut aus.

Deutsches Handwerksblatt 09 | 11

Betrieb und Technik

Fotos: Elten, Lowa

KOMFORT


Foto: Elten

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Arbeiten auf dem Bau ausgelegt, das Material ist benzin- und ölresistent und sehr rutschsicher – auch bei Kälte. Extreme Temperaturen aushalten Nicht nur am Bau, wo es in den Wintermonaten darauf ankommt, der Kälte zu trotzen, ist Temperaturisolierung bei Sicherheitsschuhen ein wichtiges Thema. In anderen Bereichen herrschen ebenfalls extreme Temperaturen – etwa im Arbeitsalltag der Schweißer, der geprägt ist von großer Hitze. Neben dem Schutz vor Verletzungen durch spitze Gegenstände oder Quetschungen durch herunterfallende Teile müssen Sicherheitsschuhe hier auch vor gefährlichen Verbrennungen und Verätzungen bewahren. Temperaturen von 200 bis 300 Grad Celsius muss hier die Sohle aushalten – wie beim Modell Carl S3 HI des Herstellers Elten. Der Zusatz „HI“ steht dabei für „Heat Isolation“ und deutet auf besondere Eigenschaften hin: So ist Modell „Carl“ mit speziellen KevlarNähten gefertigt, die ideal für den Einsatz bei Hitze sind. Und auch gegen Säuren und Laugen, scharfkantige Gegenstände und hohen Abrieb ist der Schuh gerüstet. Selbst mit glühenden Funken und heißen Flüssigkeiten nimmt „Carl“ es auf: Eine besondere Funkenschutzmanschette schützt den Fuß wirksam ab – und kann dank eines einfachen Schnellverschlusses im Notfall binnen Sekunden geöffnet werden. Der Überblick zeigt: Sicherheitsschuhe sind wahre Multitalente, sie wehren thermische, biologische, chemische und mechanische Angriffe ab. Aber nur wer den richtigen Schuh für sein Gewerk trägt, kann bei der Arbeit wirklich sicher gehen. MARKUS BREMERS

Deutsches Handwerksblatt 09 | 11

Betrieb und Technik


Foto: Fotolia

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Wollen Sie Mitarbeiter auf Zeit einstellen? Arbeitsrecht: Die Befristung von Arbeitsverhältnissen ist ein praktikables Instrument für Arbeitgeber, um flexibel auf die schwankende Konjunktur zu reagieren. Aber es gibt ein paar Regeln zu beachten: So muss zum Beispiel ein sachlicher Grund für die Befristung vorliegen.

A

ls Chef weiß man das: Bei einem befristeten Arbeitsverhältnis geht der Arbeitgeber in aller Regel deutlich weniger Risiken ein als bei einem unbefristeten Arbeitsvertrag. Gibt es etwa Probleme mit dem Arbeitnehmer oder ist die Auftragslage gerade schlecht, braucht man sich nicht mit einem schwierigen Kündigungsschutzverfahren zu beschäftigen, sondern kann vergleichsweise einfach den Ablauf der Frist abwarten – und das Arbeitsverhältnis endet ohne große Sorgen. Gliedert sich der Arbeitnehmer hingegen erfolgreich in seinen Aufgabenbereich ein und fördert den Betrieb, kann man ihn – theoretisch – halten oder ihm auch einen neuen Vertrag anbieten. An sich eine prima Sache. Der Arbeitnehmer hat naturgemäß demgegenüber ein Interesse an einem unbefristeten Arbeitsverhältnis, weil er logischerweise Sicherheit für seine Le-

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Betrieb und Technik

bensplanung haben will. Bei einem befristeten Arbeitsvertrag kann er dies nicht bekommen, da er in der Ungewissheit leben muss, was nach dem Ende der Frist passiert. Das deutsche Arbeitsrecht hat daher die Befristung von Arbeitsverhältnissen in einem separaten Gesetz ausdrücklich geregelt, nämlich im „Teilzeitbefristungsgesetz“ (TzBfG). Demnach gilt es, für die Arbeitgeber bei der Befristung von Arbeitsverhältnissen auf Folgendes zu achten: Nach Meinung des Gesetzgebers soll das unbefristete Arbeitsverhältnis die Regel sein, die Befristung bleibt die Ausnahme. Beliebig oft und beliebig lange Deshalb sind Befristungen nur unter besonderen Umständen zulässig: Zunächst einmal muss gemäß Paragraf 14 Absatz 4 TzBfG die Schriftform beachtet werden, wobei diese in der Regel nicht den Grund

der Befristung umfasst, sondern nur den Zeitablauf an sich. Dann aber wird es interessant: Da die Befristung eines Arbeitsvertrages eine spätere Kündigung – wie oben gesehen – entbehrlich macht und dem Arbeitnehmer auf diese Weise beachtliche Schutzmechanismen nimmt, muss der Arbeitgeber für die Befristung einen „sachlichen Grund“ haben. Diese Gründe sind im Gesetz ausdrücklich benannt: Am häufigsten genutzt werden in Deutschland der „vorübergehende Bedarf an der Arbeitsleistung“ (also die typischen Saisonbeschäftigungen), die „Erprobungsphase für den Arbeitnehmer“, wenn „Arbeitnehmer aus Haushaltsmitteln beschäftigt werden“ (kommt vor im wissenschaftlichen Bereich) sowie die „Vertretung für einen anderen Arbeitnehmer“ (klassisch: die Schwangerenvertretung). Liegt ein solcher Grund vor, darf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis befristen, übrigens


Bei Befristungen genau hinsehen! Fazit: Befristungen mit sachlichem Grund (z. B. Schwangerenvertretung, Saisonarbeit oder zur Erprobung des Arbeitnehmers) sind ohne Probleme zulässig, beliebig oft und beliebig lange. Ohne sachlichen Grund muss man aufpassen: Solange man einen Zeitraum von zwei Jahren nicht überschreitet, darf man demselben Arbeitnehmer insgesamt vier befristete Verträge anbieten bzw. mit ihm abschließen. Achten sollte man dann indessen darauf, dass der Arbeitnehmer in den davorliegenden drei Jahren nicht schon im Betrieb tätig war. Und ein Letztes noch: Wer die gerade genannten Regeln nicht beachtet, hat mit dem Arbeitnehmer, auch wenn er das vermutlich gerade nicht wollte, einen unbefristeten Vertrag geschlossen, denn: Eine unzulässige Befristung wandelt sich gemäß Paragraf 16 TzBfG automatisch in einen unbefristeten Vertrag um. Es lohnt sich also, bei den Befristungen sehr genau hinzusehen.  Winfried Schwabe  Der Autor ist Rechtsanwalt in Köln

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Betrieb und Technik

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Handwerker haftet für schlechte Arbeit jahrelang Recht: Tritt l ange nach einer fehlerhaften Sanitärinstallation ein Wasserschaden auf, muss der Unternehmer dafür geradestehen. Das sagt ein Urteil des Oberl andesgerichts Hamm. Foto: Fotolia

beliebig oft und lange. Das Gesetz gestattet freilich auch Befristungen ohne Sachgrund, allerdings zeitlich nur sehr begrenzt: Gemäß Paragraf 14 Absatz 2 des TzBfG darf innerhalb eines Zeitraums von insgesamt zwei Jahren ein befristetes Arbeitsverhältnis ohne sachlichen Grund geschlossen und maximal dreimal mit demselben Arbeitnehmer verlängert werden. Überschreitet man den Zeitraum von zwei Jahren also nicht, sind theoretisch mit dem gleichen Arbeitnehmer vier befristete Arbeitsverträge möglich (man darf einen einmal geschlossenen Vertrag ja „dreimal“ verlängern!). Möglich wären somit beispielsweise vier Verträge mit einem Zeitraum von jeweils sechs Monaten. An einer Stelle ist dann schließlich noch Vorsicht geboten: Die gerade geschilderte sogenannte „Kettenbefristung“ ist nur zulässig, wenn der betreffende Arbeitnehmer nicht schon innerhalb der letzten drei Jahre im Betrieb beschäftigt war. Dann wäre eine weitere befristete Einstellung grundsätzlich unzulässig (BAG vom 6. April 2011 – Az. 7 AZR 716/09).

betrieb und technik

Das Oberlandesgericht Hamm entschied jetzt, das der Fehler eines SHKHandwerkers erst nach 30 Jahren verjährt

B

ei Installationsarbeiten im Bad eines neuen Hauses wurde ein Abzweig an der Duschtasse nicht richtig angeschlossen. Das wurde erst sieben Jahre später mithilfe einer Infrarotkamera entdeckt – nachdem jahrelang immer wieder Feuchtigkeitsschäden aufgetreten waren. Der Installateur reparierte den Anschluss, doch der Kunde verlangte Schadenersatz für die Beseitigung der Wasserschäden in Decken und Wänden. Der Sanitärhandwerker weigerte sich: Diese Schäden seien nicht unbedingt die Folge seines Fehlers. Auch das Magnetventil des Whirlpools sei defekt gewesen. Doch das Oberlandesgericht Hamm entschied, dass der Installateur für die Folgeschäden haften muss. Mit mangelhafter Arbeit habe er schuldhaft den Werkvertrag verletzt. Verjährungsfrist: 30 Jahre.

(Anmerkung der Redaktion: Dieses Urteil bezieht sich noch auf das alte Recht, seit 2002 gilt für Fälle wie diese in der Regel eine Verjährungsfrist von zwei bzw. bei wesentlichen Bauwerksteilen fünf Jahren, Paragraf 634 a BGB.) Der ebenfalls fehlerhafte Whirlpool entlaste den Handwerker nicht: Der Defekt habe die Schäden nur vertieft, nicht verursacht. Doch selbst wenn das zuträfe, müsste der Handwerker haften. Alle Sanierungsmaßnahmen seien bereits durch die fehlerhafte Sanitärinstallation erforderlich geworden. Das hatte ein Bausachverständiger überzeugend dargelegt. Die Leckage an der Duschtasse „habe für sich allein ausgereicht, um den ganzen Schaden herbeizuführen“. Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 16. Dezember 2010, Az.:21 U 38/10


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„Eine Frauenquote ist nicht nötig“ Frauen im Handwerk: Im Kammerbezirk Cottbus beträgt der Anteil der Betriebe, die von Frauen geführt werden, zirka 20 Prozent. Karin Eder, Geschäftsführerin der Eder Fördertechnik GmbH, hat sich in einer von Männern dominierten Branche durchgesetzt. Von einer gesetzlich verordneten Frauenquote hält sie nichts.

E

igentlich hat Karin Eder mit Wettbewerben nicht viel am Hut. Doch über den dritten Platz beim Wettbewerb „Unternehmerin des Landes Brandenburg 2011“, den sie Ende Mai von Ministerpräsident Matthias Platzeck überreicht bekam, freute sie sich sehr. „Ich war völlig überrascht“, sagt sie. Damit hatte sie nicht gerechnet. Verdient ist der Preis allemal. Viel Skepsis am Anfang Seit dem Jahr 1993 ist die ausgebildete Elektrozeichnerin und Elektroingenieurin (FH) alleinige Inhaberin der Eder Fördertechnik GmbH in Kolkwitz (SpreeNeiße). Das Unternehmen baut mittlerweile auf eine mehr als 50-jährige Tradition als Multicar-Kfz-Werkstatt. Heute verkauft, vermietet und wartet der Betrieb Multicar-Fahrzeuge, Gabelstapler, Lagerhaustechnik und Kehrmaschinen. Etwa 70 Prozent der Kunden kommt aus dem öffentlichen Sektor.

Deutsches Handwerksblatt 08 | 11

www.hwk-cottbus.de

Als Frau war es für Karin Eder nicht immer leicht gewesen, sich in einer von Männern dominierten Branche durchzusetzen. Besonders in den Anfangsjahren wurde ihr viel Skepsis entgegengebracht. Sie musste erleben, dass einige Männer eine Frau als Geschäftspartnerin oder als Vorgesetzte nicht akzeptieren. Karin Eder hat sich davon jedoch nicht abschrecken lassen. „Aufgeben“ entspricht nicht ihrem Naturell. Die vielen 60-Stunden-Wochen und die Entbehrungen von der Familie mit Mann und zwei Kindern haben sich gelohnt. Der Betrieb mit seinen zwölf Mitarbeitern hat sich als zuverlässiger Partner für Kommunen, Handwerk und Industrie etabliert. Schub für Unternehmen Knapp 20 Prozent aller Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Cottbus werden – wie die Eder Fördertechnik GmbH – von Frauen geführt. Nach Ansicht der Politik ist der Anteil weiblicher Führungskräfte

in Unternehmen bundesweit stark ausbaufähig. „Dieses Thema lässt sich nicht mit einem Satz erklären“, sagt Karin Eder. „Nur soviel: Frauen in Führungspositionen sollten die gleichen Chancen bekommen wie Männer. In sehr vielen kleinen und mittelständischen Betrieben sind Führungspositionen von Frauen besetzt. Mit den Möglichkeiten der Ausbildung, die heute von Mädchen und jungen Frauen genutzt werden, sind die Chancen in Chefetagen zu gelangen viel besser geworden.“ Eine gesetzlich verordnete Frauenquote ist ihrer Meinung nach nicht die Lösung. „Von oben aufgesetzte Regelungen bringen meist nicht viel. Jede Frau sollte ständig an Ihrer Persönlichkeitsentwicklung arbeiten, Weiterbildungsmaßnahmen nutzen und ihre Ziele nicht aus den Augen verlieren.“ Führt dieser Weg in die Chefetage einer Firma, wäre das sehr gut. Wenn nicht, sei das auch in Ordnung, so die Unternehmerin.


Kammerbezirk Cottbus

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Freie Plätze für Meisteranwärter Meisterausbildung: im vergangenen Jahr haben 214 Gesellen in 18 Handwerksberufen aus Südbrandenburg ihren Meister erfolgreich bei der Handwerkskammer Cottbus abgelegt. Nach dem Sommer beginnen bei der HWK wieder mehrere Meistervorbereitungskurse, die noch freie Plätze zur Verfügung haben. Der Meisterbrief ist ein anerkanntes Gütesiegel und weist die geprüfte Qualifikation als Handwerker mit hohem fachlichem Know-how, als Unternehmer mit den erforderlichen betriebswirtschaftlichen Kenntnissen sowie der Befähigung zur Ausbildung des Fachkräftenachwuchses aus. Die Verän-

derungen des Arbeitsmarktes, der Einfluss neuer technischer und technologischer Anforderungen aber auch der mögliche beruf liche Aufstieg erfordern es, sich durch Fortbildung und durch Erlangung weiterer beruflicher Abschlüsse fit zu machen.

Was: Friseur Teil II und I

Was: Metallbauer Teil I und II

Was: Straßenbauer Teil I u. II

Was: Fleischer Teil II und I

Wie: Teilzeit Wann: 5. September 2011 bis 7. Juli 2012 Wo: Berufsbildungs- und Technologiezentrum in Cottbus-Gallinchen

Wie: Teilzeit Wann: 9. September 2011 bis 1. Juni 2013 Wo: Berufsbildungs- und Technologiezentrum in Cottbus-Gallinchen

Wie: Vollzeit Wann: 7. November 2011 bis 4. Mai 2012 Wo: Lehrbauhof in Großräschen

Wie: Teilzeit Wann: 9. September 2011 bis 2. November 2012 Wo: Berufsbildungs- und Technologiezentrum in Cottbus-Gallinchen

Was: Elektrotechniker Teil II und I

Was: Installateur und Heizungsbauer Teil I und II

Was: Maler und Lackierer Teil I und II

Was: Maurer und Betonbauer Teil II und Teil I

Wie: Vollzeit Wann: 10. Oktober 2011 bis 22. Juni 2012 Wo: Berufsbildungs- und Technologiezentrum in Cottbus-Gallinchen

Wie: Vollzeit Wann: 4. Oktober 2011 bis 15. Juni 2012 Wo: Berufsbildungs- und Technologiezentrum in Cottbus-Gallinchen und Pätz

Wie: Vollzeit Wann: 4. Oktober 2011 bis 20. April 2012 Wo: Lehrbauhof in Großräschen und in Pätz

Wie: Vollzeit Wann: 4. Oktober 2011 bis 27. April 2012 Wo: Lehrbauhof in Großräschen und in Pätz

Was: Dachdecker Teil I und II

Was: Tischler Teil II und I

Was: Zimmerer Teil II und I

Wie: Vollzeit Wann: 1. November 2011 bis 25. Mai 2012 Wo: Lehrbauhof in Großräschen

Wie: Vollzeit Wann: 1. November 2011 bis 4. Mai 2012 Wo: Lehrbauhof in Großräschen

Wie: Vollzeit Wann: 1. November 2011 bis 6. Juli 2012 Wo: Lehrbauhof in Großräschen

Deutsches Handwerksblatt 08 | 11

www.hwk-cottbus.de


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land brandenburg

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Lesenächte In den Schulen sollen interesse

neuer Betrugsmasche

für bücher wecken

Das Finanzministerium warnt Unternehmen, die am Austausch von Waren und Dienstleistungen innerhalb der Europäischen Union teilnehmen wollen, vor einer neuen Betrugsmasche. Die Kriminellen versuchen dabei, Geld für die Registrierung der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer zu kassieren. Sie ist für den Austausch von Waren und Dienstleistungen innerhalb der Europäischen Union notwendig. Das brandenburgische Finanzministerium wies angesichts dieser aufgetretenen Betrugsmasche darauf hin, dass die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer in Deutschland vom Bundeszentralamt für Steuern nach wie vor kostenfrei vergeben wird. Ungeachtet dieser Tatsache versuchen Betrüger die mögliche Unkenntnis von Unternehmen zu nutzen: Bei der Betrugsmasche versendet ein belgisches Unternehmen Schreiben, in denen der Eindruck erweckt wird, dass die Registrierung kostenpflichtig sei und – in den bisher bekannt gewordenen Fällen gegen Zahlung von 264 Euro – von diesem Unternehmen vorgenommen werden kann. In mindestens einem Fall ist auch bereits ein deutsches Unternehmen angeschrieben worden. Das Finanzministerium rät den Unternehmen daher zur Vorsicht. Weitere Auskünfte erteilen im Bedarfsfall die Finanzämter.  MauSS

Mehr Studierende durch

Foto: Fotolia

Wehrpflichtaussetzung

Foto: Fotolia

Finanzministerium warnt vor

Bildungsministerium und Bibliotheksverband haben eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, um die Lesekompetenz von Kindern zu stärken. Schulen und öffentliche Bibliotheken sollen zu „strategischen Partnern“ werden, sagte Bildungsministerin Martina Münch (SPD). In einem Ländervergleich vor einem Jahr zur Lesefähigkeit von 15-jährigen Schülern habe Brandenburg „relativ schlecht“ abgeschnitten, begründete sie die Initiative. Eine schon 2002 geschlossene Vereinbarung zwischen Ministerium und Bibliotheksverband werde daher „den aktuellen Anforderungen angepasst“, sagte Münch. „Kinder und Jugendliche sollen so vielfältig zum Lesen angeregt und beim Lesen unterstützt werden. Das Konzept solle im kommenden Schuljahr greifen. Es sieht unter anderem Klassenbesuche in Bibliotheken und auch das Organisieren von Leseveranstaltungen (Lesenächte) in Schulen vor. Ohne die ausgeprägte Fähigkeit des Lesens „ist es schwer, ein selbstbestimmtes Leben zu führen – egal ob in der Ausbildung, im Beruf, in der Freizeit oder in der Familie“, sagte Münch. Vor allem Kinder aus „bildungsfernen“ Haushalten würden um die Bibliotheken eher einen Bogen machen und zu Hause wenig oder keine Lese-Anregung durch die Eltern erfahren.  MauSS

Wachsendes Interesse Die Aussetzung der Wehrpflicht wird in den kommenden Jahren die Studierendenzahl an den brandenburgischen Hochschulen um mehr als 1.000 erhöhen. Allein im laufenden Jahr werden aus diesem Grunde über 600 Studierende zusätzlich erwartet, sagte Wissenschaftsministerin Sabine Kunst auf eine parlamentarische Anfrage. Dabei bezog sie sich auf eine Berechnung der Kultusministerkonferenz. Im Jahr 2012 sollen sich demnach 244 Studenten mehr an den Hochschulen einschreiben. Bis 2015 sinke diese Zahl auf 53. Grob könne geschlossen werden, dass die Zahl der Neueinschreibungen an den Hochschulen in den kommenden fünf Jahren konstant bleibt.  MauSS

Deutsches Handwerksblatt 08 | 11

Land Brandenburg

am Berufswahlpass Das Interesse am brandenburgischen Berufswahlpass ist laut Bildungsministerin Martina Münch (SPD) kontinuierlich gestiegen. Während im laufenden Jahr 19.320 Exemplare verkauft worden seien, waren es 2003 erst 770, sagte sie auf eine parlamentarische Anfrage. Ihr zufolge werden diese Pässe von den verschiedenen regionalen und lokalen Akteuren beim „Netzwerk Zukunft. Schule und Wirtschaft für Brandenburg“ bestellt und vertrieben. Zusätzlich fördere das Land bis einschließlich dem Schuljahr 2010/2011 bisher 24 Berufsorientierungsbüros und 19 Schülerfirmen.  MauSS


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Seit 1998 gestaltet und realisiert design­unit für die Verlagsanstalt Handwerk das Deutsche Handwerksblatt-Ma­gazin zuver­lässig und termint...

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