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1 | 2012 Februar | März 2012 4,90 Euro

Der Mittelstand. www.bvmw.de

Das Unternehmermagazin

Themenschwerpunkt: Mittelstand und Innovation

„Wir sind gut aufgestellt” .................................................. S. 6

Marktplatz Internet .................................................. S. 46

Kino im Kopf .................................................. S. 54

Interview mit Dr. Annette Schavan

Thomas Natkowski

Claudius Kroker


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Business Performance Index BPI

Wissen ist besser als glauben. Darum erhält der Mittelstand mit dem Business-Performance-Index jetzt die Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen: Wo steht mein Unternehmen? Wie gut sind meine Geschäftsprozesse organisiert? Wie weit ist der Wettbewerb? Checken Sie jetzt Ihre Performance im brancheninternen Vergleich – es lohnt sich: www.business-performance-index.de Zusätzlich zum BPI-Online-Check finden Sie hier Studien zum BPI Mittelstand und zu den BranchenBPIs Fertigung, Dienstleistung und Handel als Download. Sie haben die grundlegende Standortbestimmung des BPI-Online-Checks genutzt? Sie möchten Ihre Unternehmensleistung in der Tiefe analysieren und konkrete Ansätze zur Optimierung kennenlernen? Dann melden Sie sich zum BPI-Value-Workshop an – für Teilnehmer des BPI-Online-Checks kostenlos.


EDITORIAL

A

Innovation braucht Initiative Auf Deutschlands Tüftler und Denker bleibt Verlass. Sie sichern den technologischen Vorsprung der Verfahren und Produkte „Made in Germany” auf dem Weltmarkt – und somit hierzulande hunderttausende Arbeitsplätze. Mit über 30.000 forschenden und 110.000 hoch innovativen Unternehmen gibt der Mittelstand das Entwicklungstempo vor. Selbst auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise haben „viele Unternehmen neue Produkte entwickelt und diese im Aufschwung erfolgreich im Markt platzieren können”, lobt der jüngste Innovationsbericht des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. Denn die Unternehmer haben ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 121 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 130 Milliarden Euro im Vorjahr nochmals gesteigert. Und jeder zweite Mittelständler will in den kommenden Monaten seine Investitionen erneut aufstocken. So weit, so gut. Der Innovationsmotor indes könnte noch höhere Drehzahlen erreichen, gäbe es da nicht eine Reihe von Innovationshemmnissen. An erster Stelle steht das Fachkräfteproblem. Deutschlands Mittelstand leidet unter einem akuten Mangel an klugen Köpfen. Unserer Umfrage zufolge will jeder dritte Mittelständler in diesem Jahr zusätzliche Jobs schaffen. Gleichzeitig haben schon jetzt 90 Prozent der Unternehmer Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter zu finden. Ingenieure gar sind absolute Mangelware. Ebenso knapp fällt das Wagniskapital für findige Existenzgründer aus. In Deutschland werden nur 0,04 Prozent des BIP als Venture Capital eingesetzt. Das liegt vor allem an der schlechteren steuerlichen Förderung der Wagniskapitalgeber. Die Banken tun ein Übriges. Im Unterschied zu Der Mittelstand. | 1 | 2012

Immobilien bieten Innovationen keine Sicherheiten. Im Ergebnis ist die Fremdkapitalförderung für Forschung und Entwicklung oftmals nicht möglich, oder aber teuer im Vergleich zur Anlagen- und Immobilienfinanzierung. Last but not least bremst die Bürokratie auch hier. Die Anmeldung neuer Patente kostet Zeit, Nerven und Geld. Ein einheitliches Patent in Europa lässt noch immer auf sich warten. Statt dessen sehen sich Innovatoren einer Flut unterschiedlicher Förderprogramme von EU, Bund und Ländern gegenüber. Hier ist die Politik gefordert. Sie muss endlich eine Schneise durch den Förderdschungel schlagen. Erfinder wachsen nicht auf Bäumen. Ebenso wenig steht zu erwarten, dass Brüssel, Berlin oder der Freistaat Bayern auf eigene Fördertöpfe verzichten werden. Deshalb ist der Hebel bei der steuerlichen Forschungsförderung anzusetzen. Rund 45 Prozent der mittelständischen Unternehmen halten eine Vereinfachung des deutschen Steuerrechts für prioritär, um ihre FuE-Aktivitäten auszubauen. Dafür muss das Rad nicht neu erfunden werden. Es gibt Vorschläge zuhauf, etwa die Abschaffung der Gebührenpflicht für verbindliche Steuerauskünfte oder die Vermeidung extensiver Missbrauchsverhinderungsnormen. Schon der Begriff gehört abgeschafft. Unser Verband hat beim “Wachstumsdialog innovativer Mittelstand” des Bundeswirtschaftsministers eine Mittelstandskomponente ins Spiel gebracht. Klein- und Mittelbetriebe bekämen demnach 12 Prozent ihrer Personalaufwendungen für Forschung und Entwicklung steuerlich gefördert. Das wäre einfach, unbürokratisch – und innovativ. Ihr Mario Ohoven 3


INHALT

POLITIK

Service

12  Vorsichtiger

32  Online-PR: Nutzen Sie das

Optimismus

Internet für Ihre Pressearbeit

POLITIK

SERVICE

6 „Wir sind gut aufgestellt” 8 Mangelware Fachkräfte 10 Ungleichgewicht korrigieren 12 Vorsichtiger Optimismus 14 Biotech-Innovationen für Deutschland

16 News aus Brüssel 18 Estlands Tigersprung an die Spitze 20 Wachstumsbeschleuniger – Ein Zukunftsweg für Europa

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für den Mittelstand?

28 Urlaub und Krankheit 30 Die elektronische Rechnung 32  Online-PR: Nutzen Sie das Internet für Ihre Pressearbeit

34 Arm an Rohstoffen – reich an Ideen 36 Patentverwertungsgesellschaft 38 Von der Innovation zum Markterfolg 40  Ausgezeichnet – Preise für Mittelständler

Solarenergie am Zuckerhut

Essay

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26 Compliance – (k)ein Thema

Wachstum, Werte, Wettbewerb

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42 44 46

„Kunden haften wie ein Bürge” Buchtipps Marktplatz Internet


INHALT

Service

BVMW

34  Arm an Rohstoffen –

71  Riesenschnellkochtopf

reich an Ideen

48 50 52 54

für Kohlestaub

Datenzoll statt Netzneutralität Erfolg und Spaß mit Normung

70  Video – zentraler Erfolgsschlüssel für Unternehmen

71 Riesenschnellkochtopf für

Mehr Erfolg mit Xing

Kohlestaub

Kino im Kopf

BVMW

58  Mitgliederversammlung bestätigt

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V8 Alpenrausch

74

Impressum

IBWF-Vorstand

59 Kurz vorgestellt 60 Auf Erfolgskurs 62 Energie: sicher, effizient und nachhaltig

64 Elfenbeinturm ist längst passé 66  Gesellschaftliches Engagement in Unternehmen

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Bildung für eine bessere Zukunft

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Foto: Motherboard/fotolia

Politik

„Wir sind gut aufgestellt” Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan im Mittelstand-Interview

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Politik

Deutschland ist ein Hochtechnologieland. Über die Platzierung Deutschlands unter den innovativen Nationen, das Zusammenspiel von Wissenschaft und Wirtschaft und über die Rolle des Mittelstands als Innovationstreiber sprach „Der Mittelstand.“ mit der Bundes­ ministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Annette Schavan.

Schavan: Wir sind im Wissens- und Technologietransfer in Deutschland im internationalen Vergleich gut aufgestellt – auch gerade durch eine Reihe von unterstützenden Maßnahmen und Initiativen seitens der Bundesregierung. Das Engagement zahlt sich aus: Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten eng zusammen.

Der Mittelstand: Wie steht der Innovationsstandort Deutschland im internationalen Vergleich da? Auf welchen Zukunftsfeldern haben unsere Hochschulen und Forschungseinricht­ungen die Nase vorn, und wo müssen sie noch zulegen?

Bei den Drittmitteln beispielsweise, die die Hochschulen aus der Wirtschaft anwerben, führt Deutschland die Spitzengruppe an. Der Pakt für Forschung und Innovation hat den Aufbau von Partnerschaften von Wissenschaft und Wirtschaft angestoßen.

Die Expertenkommission Forschung und Innovation ihrerseits betont, dass die steigenden Investitionen des Bundes in Wissenschaft und Forschung sowie die Hightech-Strategie maßgeblich zu der guten Position Deutschlands beigetragen haben. Stärken des deutschen Innovationssystems bestehen besonders in den Bereichen technische Infrastruktur, Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft und im Innovationsoutput, gemessen beispielsweise anhand von Patenten und Publikationen. Der Mittelstand: Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft ein?

An immer mehr Hochschulen und Forschungseinrichtungen werden heute die Kooperation und der Verwertungsgedanke frühzeitig in den Prozess der Forschung und Entwicklung (FuE) einbe­zogen und als ein wichtiger Teil ihrer Mission angesehen. Gleichwohl sehe ich Potenziale, die Zusammenarbeit noch weiter zu verbessern.

Der Mittelstand: Planen Sie zusätzliche Forschungsimpulse für KMU (steuerliche Forschungsförderung)? Schavan: Ich bin davon überzeugt, dass zusätzliche steuerliche Anreize für Forschung und Entwicklung die Innovationsfähigkeit Deutschlands stärken. Noch haben wir dazu keine Einigung, aber wir sollten in dieser Wahlperiode den ersten Schritt tun. So ist es verabredet.

Der Mittelstand: Auf welche Weise fördert die Bundesregierung innovative Klein- und Mittelbetriebe? Schavan: Die Beteiligung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) am FuEGeschehen in der Innovationspolitik der Bundesregierung hat eine hohe Priorität. Gerade diese Unternehmen sind nah am Markt und bieten neue Technologien und Dienstleistungen. Seitens des Bundesforschungsministeriums erfolgt die FuE-Förderung vor allem durch jene Programme, an denen KMU maßgeblich beteiligt sind. Um den mittelständischen Unternehmen – insbesondere Erstantragstellern – den

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Foto: ddp images/dapd

Schavan: Deutschland gehört zu den führenden Innovationsstandorten weltweit. Dies belegen Deutschlands Spitzenplätze in namhaften Vergleichsstudien wie zum Beispiel dem „Innovationsindikator 2011“ der Telekom Stiftung oder dem „Global Competitiveness Report 2011-2012“ des World Economic Forum.

Einstieg in diese anspruchsvollen Programme zu erleichtern, bieten wir ihnen einen an ihrem spezifischen Bedarf ausgerichteten Zugang an. Auch in den großen Initiativen des BMBF wie dem „Spitzencluster-Wettbewerb“ und „Unternehmen Region“ wirken KMU mit. Eine wichtige Unterstützung erhalten sie zudem über das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand beim Bundeswirtschaftsministerium.

Prof. Dr. Annette Schavan Bundesministerin für Bildung und Forschung www.annette-schavan.de

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Politik

Mangelware Fachkräfte

Foto: alexsl/iStock

Deutschland muss attraktiver werden

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Politik

Das vergangene Jahr hat eindrucksvoll gezeigt, wie erfolgreich der Wirtschaftsund Industriestandort Deutschland bislang durch die Krise gekommen ist: Die Wirtschaft florierte und die Arbeitslosenzahlen gingen deutlich zurück. Laut BVMW-Unternehmerumfrage wird sich dieser Trend 2012 weiter fortsetzen. Damit hat auch das Thema „Fachkräftemangel“ im Mittelstand wieder Hochkonjunktur. Planen rund 33 Prozent der mittelständischen Unternehmer, neue Mitarbeiter einzustellen, so haben über 90 Prozent der Unternehmer Probleme bei der Besetzung neuer Stellen. Diese Entwicklung ist auf dem Arbeitsmarkt nicht neu. Vor allem im Mittelstand schwächen fehlende Fachkräfte die Wirtschaftsleistung. Hinzu kommt, dass sich der heutige Engpass in Zukunft deutlich verschärfen wird. Rezepte, um diesem Trend gegenzusteuern, gibt es viele. Neben der Zuwanderungspolitik steht vor allem die Qualifizierung der heimischen Arbeitskräfte im Mittelpunkt der Diskussion. Denn trotz des demographischen Wandels ist das Potential an Erwerbspersonen in Deutschland bislang nur unzureichend ausgeschöpft. Das betrifft vor allem Frauen und zu früh aus dem Erwerbsleben scheidende ältere Arbeitnehmer. Aber auch die Leistungsfähigkeit der in Deutschland lebenden ausländischen Arbeitskräfte bleibt bislang unerschlossen, dabei leben laut Institut der deutschen Wirtschaft rund 2,9 Millionen gut ausgebildete Ausländer in Deutschland. Diese könnten die Fachkräftelücke schließen, sind aber oft nicht entsprechend ihrer Qualifikation beschäftigt, weil sie sich ihre ausländischen Fach- und Hochschulabschlüsse in Deutschland nicht anerkennen lassen können. Für Abhilfe soll nun ein neues Gesetz der Bundesregierung sorgen. Ziel des Anerkennungsgesetzes ist es, Fachkräfte, die im Ausland einen Beruf erlernt haben, leichter in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren. Gleichzeitig können Arbeitgeber durch dieses Verfahren einen

umfassenden Überblick über die Qualifikationen und Fähigkeiten eines ausländischen Bewerbers erhalten. Mit dem neuen Anerkennungsverfahren wird die Transparenz am Arbeitsmarkt erhöht und es bietet Arbeitgebern wie Arbeitnehmern erhebliche Vorteile und Erleichterungen. Am 1. März 2012 soll das neue Gesetz in Kraft treten. Ob dadurch eine bessere Integration ausländischer Fachkräfte möglich wird, bleibt abzuwarten. Aber auch wenn alle inländischen Potentiale genutzt sind, die bereits zugewanderten Menschen eingeschlossen, wird es auf lange Sicht nicht reichen, das demographische Problem zu lösen: Laut Bundesagentur für Arbeit benötigt Deutschland bis zum Jahr 2025 rund 2,5 Millionen neue hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland.

Darüber hinaus ist es besonders wichtig, dass ausländische Fachkräfte aktiv in die Gesellschaft integriert und so langfristig im Land gehalten werden. Bisher hat die Politik nicht viel Erfahrung damit, ausländische Arbeitnehmer anzuwerben. Dies zeigte sich schon bei der Umsetzung der Arbeitnehmerfreizügigkeit der EU, die seit 1. Mai 2011 für die acht neuen osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten auch in Deutschland gilt. Die eher restriktive Einwanderungspolitik und die voll in Anspruch genommenen Übergangsfristen von sieben Jahren führten dazu, dass nach der „Öffnung der Grenzen“ nur wenige Fachkräfte nach Deutschland kamen.

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Auch die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Blue Card wurde in Deutschland lange hinausgezögert. Erst der zunehmende Mangel an qualifizierten Beschäftigten im letzten Jahr erhöhte den Druck auf die Politik. So wurde im Dezember des vergangenen Jahres im Bundeskabinett schließlich ein entsprechender Entwurf verabschiedet. Ziel der Blue Card ist die Anwerbung von Fachkräften aus dem außereuropäischen Ausland. Die für die Einreise- und Aufenthaltsgenehmigung benötigte Blue Card erhalten Arbeitskräfte, die einen Hochschulabschluss und einen Arbeitsvertrag mit einem Jahresgehalt von mindestens 44.000 Euro nachweisen können. Ingenieure und Mediziner sind dabei besonders gefragt. Um diese vermehrt nach Deutschland zu locken, senkte die Bundesregierung die Gehaltsschwellen für die Blue Card auf 33.000 Euro. Gemeinsam mit dem neuen Anerkennungsverfahren kann die Blue Card nun dazu beitragen, Deutschland attraktiver für Fachkräfte aus dem europäischen Umland zu gestalten. Die mittelständische Wirtschaft ist auf diese Arbeitskräfte angewiesen. Nur so können die Herausforderungen des demographischen Wandels bewältigt und zeitgleich das Wirtschaftswachstum in Deutschland langfristig gesichert werden. Darüber hinaus ist es besonders wichtig, dass ausländische Fachkräfte aktiv in die Gesellschaft integriert und so langfristig im Land gehalten werden. Dieser neuen Herausforderung muss sich die Politik in den kommenden Monaten stellen. Ökonomische Ziele allein überzeugen nur wenige, nach Deutschland zu kommen. Langfristig bleibt am Ende nur der, der sich wohlfühlt.

Sindy Vollmert Diplom-Volkswirtin www.bvmw.de

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Politik

Ungleichgewicht korrigieren Ein Plädoyer für eine stärkere Beteiligung der Industrie an den Kosten der Energiewende Der Umstieg auf Erneuerbare Energien wird in Deutschland in erster Linie von Privatpersonen und mittelständischen Unternehmen vorangetrieben. Sie investieren in neue, dezentrale Energieerzeugungsanlagen, schaffen Arbeitsplätze und holen Wertschöpfung in die Regionen. Gleichzeitig tragen Bürger und Mittelstand aber auch den Löwenanteil der Lasten, denn die Energiewende kostet viele Milliarden Euro. Und ein Teil dieser Milliarden muss gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von den Stromkunden aufgebracht werden: Mit jeder verbrauchten Kilowattstunde fließen 2012 knapp 3,6 Cent sogenannte EEG-Umlage in den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Dennoch – oder gerade deswegen? – geht es dem Wirtschaftsstandort Deutschland gut. Die Arbeitslosigkeit hat historische Tiefststände erreicht, Wirtschaft und Konsum wachsen gegen den Trend, der Export brummt. Und die – für die energieintensiven Betriebe maßgeblichen – Börsenpreise für Strom sind jüngst unter das Niveau gesunken, das sie vor dem Atom-Moratorium im März 2011 hatten. Dies ist nicht zuletzt ein messbarer Verdienst der Erneuerbaren Energien.

Foto: visdia/fotolia

Kein Wunder also, dass die staatliche Standort-MarketingAgentur „Germany Trade & Invest“ Deutschland als attraktiven Standort für energieintensive Industrien anpreist – und dabei darauf verweist, dass die Industriestrompreise in Deutschland bei hohem Verbrauch niedriger liegen als im EU-Durchschnitt.

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Politik

Etwa 600 Unternehmen mit besonders hohem Stromverbrauch sind heute schon weitgehend von der EEG-Umlage befreit. Sieht so ein Land aus, dessen Position als Industrienation in Gefahr ist? Zweifellos nicht. Insbesondere, da viele energieintensive Betriebe zur Finanzierung der Energiewende kaum etwas beitragen müssen. Etwa 600 Unternehmen mit besonders hohem Stromverbrauch sind heute schon weitgehend von der EEG-Umlage befreit. Und diese Zahl könnte sich nach Expertenschätzungen kurzfristig verzehnfachen. Denn ab 2012 werden die Schwellenwerte deutlich abgesenkt, ab denen ein Unternehmen von der „Besonderen Ausgleichsregelung für energieintensive Betriebe“ im EEG profitieren kann. Irrwitz inklusive: So kommen beispielsweise auch Braunkohletagebaue in den Genuss, als stromintensive Betriebe keinen nennenswerten Beitrag zur Energiewende mehr leisten zu müssen. Zahlmeister sind wieder einmal – Bürger und Mittelstand. Es ist logisch: Wenn eine Last auf immer weniger Schultern verteilt wird, hat der Einzelne zunehmend mehr zu tragen. Infolgedessen ist die EEG-Umlage für „nicht-privilegierte Letztverbraucher“ im Vergleich zu 2011 bereits um 0,6 Cent angestiegen. Das Institut für Zukunftsenergiesysteme in Saarbrücken hat errechnet, dass ohne die neuen Ausnahmetatbestände im EEG wohl keine Erhöhung der Umlage notwendig geworden wäre. Eigentlich ein klarer Auftrag an die Politik, das Ungleichgewicht zu korrigieren und die Industrie stärker an den Kosten der Energiewende zu beteiligen. Doch stattdessen übt sich eine kleine, aber lautstarke Gruppe von Wirtschaftspolitikern der Regierungsfraktionen in politischer Dialektik: Sie kritisieren massiv die steigende Umlage für Mittelstand und Privathaushalte, die sie vorher, etwa durch die Ausweitung der „Besonderen Ausgleichsregelung“ zugunsten der Industrie, selbst hervorgerufen haben. Dabei wird nicht einmal davor zurückgeschreckt, gegen eine scheinbar sozial ungerechte Umverteilung von unten nach oben zu polemisieren, da angeblich die Hartz IV-Empfänger über die EEG-Umlage die satten Renditen reicher Rechtsanwälte mit PhotovoltaikAnlage auf dem Dach finanzierten.

Kurios, dass solche Zerrbilder bevorzugt von jenen entworfen werden, die sich ansonsten eher selten als Sozialpolitiker profilieren. Zutreffend sind solche Vergleiche ohnehin nicht. Schließlich bieten die Erneuerbaren Energien wie noch keine Energieform zuvor die Möglichkeit, sich auch mit kleinem Geldbeutel an der Energiewende zu beteiligen. Etwa im Rahmen von Bürgerwindparks, Solarvereinen oder in einer der immer zahlreicheren Energiegenossenschaften. Mittlerweile stammt bereits jede fünfte Kilowattstunde in Deutschland aus regenerativen Quellen. Ein neuer, mittelständisch geprägter Wirtschaftszweig ist entstanden, der aktuell rund 370.000 Menschen Lohn und Brot bringt. Knapp 30 Milliarden Euro werden allein in Deutschland jährlich in neue regenerative Energieanlagen investiert. Und dank einer verlässlichen Förderpolitik haben deutsche Unternehmen eine hervorragende Position auf einem zukunftsträchtigen Weltmarkt erreichen können. Denn ohne eine gesetzliche Anschubfinanzierung wäre diese beispiellose Entwicklung nicht möglich. Das EEG ist im internationalen Vergleich das wirkungsvollste

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Instrument, um die Erneuerbaren Energien dezentral auszubauen und gleichzeitig die spezifischen Kosten der Technologien zu senken. Paradebeispiel für die Effektivität des EEG ist gerade die viel diskutierte Preisentwicklung des Solarstroms. Er ist seit 2008 um mehr als die Hälfte billiger geworden. Serienproduktion, Vervielfachung von Anbietern und Nachfragern sowie technische Entwicklungssprünge haben die Photovoltaik erschwinglich gemacht. Die Einspeisevergütung konnte entsprechend sinken – teilweise bis zu 30 Prozent binnen eines Jahres. Gleichzeitig bietet das EEG bislang ausreichend verlässliche Rahmenbedingungen und Investitionssicherheit für Mittelständler und Privatpersonen. Diese Gruppen erweisen sich infolgedessen als Motor der Energiewende. Eine verantwortungsvolle und mittelstandsfreundliche Wirtschaftspolitik täte gut daran, diesen Rahmen nicht den Interessen großer Konzerne zu opfern.

Philipp Vohrer Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbaren Energien www.unendlich-viel-energie.de

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Politik

Vorsichtiger Optimismus

Foto: Christian Kruppa

Mittelstand bleibt auch 2012 Wachstums- und Jobmotor – Ohoven stellt Unternehmerumfrage bei der Bundespressekonferenz vor

Großes Medieninteresse – Mario Ohoven im Interview zu den Ergebnissen der Unternehmerumfrage im vollbesetzten Haus der Bundespressekonferenz.

„Der unternehmerische Mittelstand garantiert auch im Jahr 2012 Wachstum und Beschäftigung in Deutschland. Ich erwarte alles in allem ein Wachstum von einem Prozent. Entscheidend dafür ist allerdings, dass die Bundesregierung Planungssicherheit für die Unternehmen schafft. Vor allem die Steuer- und Abgabenlast darf nicht noch weiter erhöht werden.“ Klare Worte, klarer Kurs. Diese Kernbotschaft vermittelte Mittelstandspräsident Mario Ohoven, als er die Ergebnisse der traditionellen Unternehmerumfrage des BVMW bei der Bundespressekonferenz in

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Berlin vorstellte. Dabei war ihm wie jedes Jahr das Interesse der Medien sicher. Mehr Investitionen geplant

Prozent) wollen ihr Investitionsvolumen im Gesamtjahr 2012 steigern, immerhin knapp 47 Prozent der Betriebe wollen eben so viel investieren wie 2011.

Denn sie wissen: Ohoven hat den Finger am Puls der Millionen Klein- und Mittelbetriebe in unserem Land. Und die sind laut Umfrage mit vorsichtigem Optimismus in das neue Jahr gestartet. Knapp ein Drittel (31,2 Prozent) der Unternehmer erwartet, dass sich ihre Geschäftslage im ersten Halbjahr weiter verbessern wird, rund 52 Prozent gehen von einer gleichbleibend guten Geschäftslage aus. Drei von zehn Mittelständlern (29,6

„Ich bin besonders froh, dass der Mittelstand auch in diesem Jahr wieder seine Funktion als Jobmotor erfüllt“, betonte denn auch Ohoven. Der repräsentativen Befragung zufolge plant ein Drittel (33,2 Prozent) der Klein- und Mittelbetriebe, in den kommenden Monaten zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen. Weit mehr als die Hälfte (62,4 Prozent) will die Mitarbeiterzahl zumindest halten. Überaus positiv wird auch die Finan-

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Politik

„Ich erhoffe mir für unser Land einen klareren politischen Kurs als in der Vergangenheit.“

zierungssituation eingeschätzt: Etwas über 84 Prozent der Mittelständler bewerten sie mit den Schulnoten befriedigend, gut oder sogar sehr gut. Bekenntnis zum Euro Als einen „unmissverständlichen Arbeitsauftrag für die Bundesregierung“ bezeichnete der Mittelstandspräsident das überdeutliche Bekenntnis der deutschen Unternehmer zur europäischen Gemeinschaftswährung: Fast 87 Prozent sagen Ja zum Euro in der jetzigen Form. Allerdings nicht um jeden Preis, denn knapp 58 Prozent stimmen zugleich der Aussage zu, es könnten nicht alle Länder im Euro bleiben, weil die Wirtschaftsstrukturen zu unterschiedlich sind. Ohovens Fazit: Der Mittelstand erwarte eine konsistente Lösung der EUSchuldenkrise. Kritik übte Ohoven am schwankenden Kurs der Bundesregierung. Angesichts der „plötzlichen Richtungswechsel“ in der Energiepolitik, aber auch beim Thema Mindestlöhne im Vorjahr forderte er Planungssicherheit für die Millionen Klein- und Mittelbetriebe ein. „Ich erhoffe mir für unser Land einen klareren politischen Kurs als in der Vergangenheit.“ Der Mittelstand jedenfalls habe seine Hausaufgaben gemacht, und zwar erfolgreich. „Die Politik in Berlin und Brüssel hat es letztlich selbst in der Hand, ob 2012 ein gutes Jahr für den Mittelstand wird“, schloss Ohoven sein Statement bei der Bundespressekonferenz. Zumindest die Medienvertreter hatten die Botschaft verstanden.

Welches Investitionsvolumen planen Sie für die kommenden 12 Monate im Vergleich zur Vorperiode?

46,86% 29,64% 23,5%

steigend gleich kleiner

Soll der Euro als Gemeinschaftswährung in der jetzigen Form bestehen bleiben? 86,86%

13,32% Ja Nein

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Politik

Biotech-Innovationen für Deutschland BVMW-Partnerverband BIO Deutschland

Es sind die Innovatoren unter den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), denen dabei eine besondere Rolle zukommt. Denn ihre Ideen für neuartige Produkte und das Wagnis, diese zu entwickeln, sind der Schlüssel zur Sicherung der Stellung Deutschlands im globalen Wettkampf. Als gutes Beispiel hierzu dient die Biotechnologie-Branche mit ihren mehr als 500 meist innovativ arbeitenden KMU. Sie investieren etwa 50 Prozent ihres Umsatzes (2010 waren es rund 2 Mrd. Euro) in Forschung und Entwicklung (F&E). Im Vorfeld des Weltkrebstages Anfang Februar präsentierten einige Biotech-KMU die Ergebnisse ihrer Arbeit im Rahmen einer eintägigen Veranstaltung in Berlin – des German Science Day (GSD). Dazu gab der Branchenverband der BiotechnologieIndustrie, BIO Deutschland, die vom GSDTeam ermittelten Statistiken zum deutschen Biotechnologie-Sektor im Bereich der Onkologie bekannt: Die durchgeführte Studie evaluierte neun Nationen1, die auf dem Gebiet der Entwicklung neuer medikamentöser Krebstherapien am aktivsten tätig sind. Seit dem Jahr 2000 haben diese neun Länder Finanzmittel in Höhe von 10 Mrd. USD eingeworben, wobei 24 Prozent dieser 1

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Mittel deutschen Firmen zugute kamen. Der Studie zufolge arbeiten 109 BiotechUnternehmen in der Onkologie. Davon befinden sich allein 29 Unternehmen (27 Prozent) in Deutschland. Insgesamt führen die BiotechnologieUnternehmen der neun wichtigsten europäischen Nationen derzeit 256 onkologische Entwicklungsprogramme durch. Davon werden mehr als 58 onkologische Pipeline-Projekte von deutschen BiotechFirmen vorangetrieben (23 Prozent). Somit ist der Biotechnologie-Sektor in Deutschland innerhalb Europas im Bereich der Krebsforschung am aktivsten. Diese Daten beeindrucken umso mehr, als dass sich die Finanzierungssituation der Biotech-Branche (fast nur Eigenkapital in Form von Wagnisinvestitionen privater Anleger und über die Börse) seit Jahren verschlechtert: Die Mitteleinwerbung fiel von 650 Mio. Euro im Jahr 2010 um fast 80 Prozent auf lediglich 141 Mio. Euro im vergangenen Jahr. Um die Innovationskraft der deutschen Biotechnologie – stellvertretend für den innovativ arbeitenden Mittelstand – zu sichern, muss die Politik die Rahmenbedingungen verbessern: fiskalische Erleichterungen für Investoren, die Innovationen fördern wollen, uneingeschränkten Erhalt der Verlustvorträge und eine steuerliche Förderung von F&E wären ein guter Anfang. Das Beispiel der in der Onkologie tätigen Biotech-Unternehmen zeigt es: Eine Stärkung ihrer Position wird nicht nur hoch qualifizierte Arbeitsplätze schaffen und

die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken, sondern auch Millionen von Patientinnen und Patienten weltweit zugute kommen. Bezogen auf den derzeitigen Entwicklungsstand der onkologischen Programme führt Deutschland derzeit 23 Prozent aller Phase I Programme durch. Deutschland ist führend mit 30 Prozent aller Phase II Programme in Europa und somit mit 28 Prozent aller onkologischen Therapien in der Entwicklung. In der Durchführung von Phase III Programmen ist Deutschland mit 24 Prozent aller Firmen und 21 Prozent aller onkologischen Entwicklungsprogramme gemeinsam mit Dänemark führend. Deutsche Biotechnologie-Unternehmen stellen ca. 47 Prozent der Firmen in Europa dar, die derzeit Antikörper-basierte Therapien zur Behandlung von Krebserkrankungen entwickeln. Die durchgeführte Studie gibt insbesondere darüber Aufschluss, dass deutsche Biotechnologie-Unternehmen ca. 43 Prozent aller klinischen onkologischen Studien mit den verschiedensten Antikörper-basierten Wirkstoffen durchführen. Die Auswertung der Studie ergibt, dass sieben deutsche Biotechnologie-Unternehmen zehn Antikörper-basierte Produkte unter eigener Regie entwickeln, darunter befindet sich folgende am weitesten fortgeschrittene Unternehmen: Apogenix AG, Affimed Therapeutics AG, Biotest AG, Trion Pharma GmbH, Glycotope GmbH, MorphoSys AG und WILEX AG. www.biodeutschland.org

Österreich, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Norwegen, Schweden, Schweiz und Großbritannien. Quelle: BioCentury & GSD-Team

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Foto: Job Search/iStock

Die Finanzkrise hat es in aller Deutlichkeit gezeigt: Der Mittelstand konnte Deutschland durch die wirtschaftlichen Turbulenzen der vergangenen drei Jahre führen und die Stellung des Landes im weltweiten Wettbewerb nicht nur behaupten, sondern auch noch stärken.


Wir stärken Ihr Eigenkapital. Die NRW.BANK fördert kleine und mittlere Unternehmen mit Eigenkapital- Finanzierungen sowie Darlehen zur Stärkung des Eigenkapitals und zum Ausgleich mangelnder Sicherheiten. Fragen Sie uns danach: Tel. 0211 91741-1002. www.nrwbank.de/beteiligungen


Politik

News aus Brüssel EU-Vergaberecht

Erleichterung für KMU Das EU-Vergaberecht wird transparenter und flexibler. Wie aus dem Vorschlag zur Überarbeitung der Vergaberichtlinie hervorgeht, soll für kleine und mittlere Unternehmen die Beteiligung an Bieterverfahren verbessert werden, der Aufwand wird verringert und die Kriterien für die Mittelausstattung geändert. Künftig sollen nicht mehr nur der Preis, sondern auch soziale und Umweltkriterien berücksichtigt werden. Laut EU-Kommissar Barnier ist geplant, dass die neuen Regeln im Juni 2014 in Kraft treten. www.ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/10376_de.htm

Neue Kontonummern

Übergangsfrist bis 2016

Foto: Pulwey/fotolia

Die Bundesregierung ist mit ihrem Widerstand gegen die europaweit verpflichtende Umstellung auf eine 22-stellige Kontonummer (IBAN) gescheitert. Die Änderung der Zahlungssysteme für Überweisungen und Lastschriften bis Februar 2014 ist nun beschlossene Sache. Während einer Übergangsfrist bis 2016 können die alten Kontonummern noch genutzt werden.

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Parlament, Rat und Kommission hatten sich bereits Ende Dezember 2011 auf die Schaffung eines einheitlichen Euro-Zahlungsraumes geeinigt. Mit der offiziellen Zustimmung des Rates wird gerechnet. Im Bundestag gab es lange Zeit heftige Widerstände gegen die geplante

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Regelung. Der Vorsitzende des Europaausschusses Gunther Krichbaum, MdB, bezeichnete SEPA (Single Euro Payment Aera) und IBAN als „den größten Schwachsinn aller Zeiten“. Dagegen versucht Sven Giegold, wirtschafts- und finanzpolitischer Sprecher der Grünen im EP, die positiven Punkte des Kompromisses herauszustellen: „Auch unter SEPA gilt das bisher bekannte bedingungslose Rückgaberecht für Abbuchungen vom eigenen Konto durch Lastschrift. Dies ermöglicht eine rechtssichere und damit problemlose Umstellung der bisherigen Lastschriftmandate auf das SEPA-Format. Ein von Versicherungen, Vermietern und Verlegern befürchtetes Chaos bei der Umstellung bleibt uns damit erspart.“ Der Verbraucherschutz werde gestärkt. www.sepa-news.de


Politik

Keine Publizitätspflicht für Kleinstunternehmen

Foto: Kerrick/iStock

Europäisches Parlament, die Mitgliedsstaaten und die Kommission haben sich darauf verständigt, Kleinstbetriebe von unnötigen Verwaltungslasten zu befreien. In Zukunft muss etwa ein Handwerksbetrieb nur noch eine verkürzte Bilanz beim Unternehmensregister einreichen, die aber nicht veröffentlicht wird. Über diese Ausnahmen können die Mitgliedsstaaten individuell entscheiden. „Damit hat sich das Parlament in einem

Wahlkampf in Frankreich

Streit um den richtigen Weg Wie kann man eine dauerhafte Konsolidierung des Staatshaushaltes einleiten, ohne gleichzeitig das Wirtschaftswachstum abzuwürgen? Vor dieser Frage steht besonders Frankreich wenige Monate vor der Präsidentenwahl am 5. Mai. Die öffentliche Diskussion konzentriert sich dabei auf drei Schwachpunkte französischer Politik. 1. Im Gegensatz zu Deutschland hat bei unseren Nachbarn stets der nachfrageorientierte Grundsatz die französische Wirtschaftspolitik geprägt. Doch die Beschäftigungspolitik schuf zu viele Arbeitsplätze in wenig produktiven Sektoren. Während der Schuldenstand in die Höhe getrieben wurde, stiegen die Arbeitskosten und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verschlechterte sich.

2. In Frankreich ist der Staatseinfluss auf die Wirtschaft nach wie vor hoch. Die Staatsquote, also der Anteil der öffentlichen Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt, lag 2010 mit 56,6 Prozent um zehn Prozentpunkte höher als in Deutschland. Zwischen 1980 und 2008 ist die Zahl der im Öffentlichen Dienst Beschäftigten um mehr als 36 Prozent gestiegen. Heute arbeitet etwa jeder Vierte in Frankreich im öffentlichen Sektor. 3. Die französische Industrie leidet unter erheblichen Strukturschwächen. Die industrielle Beschäftigung geht stärker zurück als in den Nachbarländern. Die französischen Weltmarktanteile sind rückläufig, seit 2007 verschlechtert sich die Handelsbilanz. Der politische Streit um den besten Weg der Einsparungen wird nach der Präsidentenwahl erst richtig beginnen. Präsident Nicolas Sarkozy und sein Premierminister Francois Fillon haben die Konsolidie-

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wichtigen Punkt in den Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten durchsetzen können. Anstatt in unnötige Bürokratie können Kleinstbetriebe nun in Arbeitsplätze investieren“, erklärt der Vorsitzende des Rechtsausschusses im EP, Klaus-Heiner Lehne (CDU). Neben der Höchstzahl von zehn Beschäftigten darf ein Kleinbetrieb nicht mehr als 700.000 Euro Jahresumsatz und 350.000 Bilanzsumme haben, um von der Ausnahmemöglichkeit zu profitieren. Dem Europaparlament ist es damit gelungen, mehr Betriebe in den Genuss der Ausnahme kommen zu lassen, als der Rat ursprünglich geplant hatte. www.kh-lehne.de

rung der öffentlichen Haushalte zum wichtigsten Wahlkampfthema gemacht. Auch die Sozialisten mit ihrem Kandidaten François Hollande können sich dieser Herausforderung nicht entziehen. Es bleibt jedoch fraglich, ob sie die Politik der schrittweisen Rückführung der hohen Staatsquote konsequent betreiben können oder ob sie damit die Glaubwürdigkeit gegenüber ihren Wählern verlieren. www.kas.de/frankreich

Foto: illustrez-vous/fotolia

Bürokratieabbau

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Politik

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Estlands Tigersprung an die Spitze

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Politik

Erst 1991 erlangte Estland in einer „Singenden Revolution“ seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Das nördlichste und mit 1,3 Millionen Einwohnern kleinste Land des Baltikums durchlebt seither eine stürmische Entwicklung, die es in vielen Bereichen an die Spitze führte. Bekannt wurde Estland als Heimat von Skype und als Cyberland, indem viele tägliche Dinge über das Internet durchführbar sind. So ist an allen öffentlichen Plätzen freier Internetzugang verfügbar. Die Esten können die Sitzungen ihrer Regierung über das Internet verfolgen und Wahlen via Internet gehören zur Normalität. Weniger bekannt ist, dass diese Entwicklung durch ein sehr modernes und leistungsfähiges Bildungssystem angetrieben wird. Bei der Organisation des Gemeinwesens hat sich Estland an seinen skandinavischen Nachbarn orientiert, d.h. flache Hierarchien, Transparenz der staatlichen Organe und moderne Kommunikationstechnik. Hierbei spielt Finnland aufgrund seiner sprachlichen und kulturellen Nähe eine Schlüsselrolle. Eine treibende Kraft in Estland stellt die moderne Kommunikationstechnik dar, deren Ergebnisse unter dem Begriff „E-Estland“ zusammengefasst werden und die die Entwicklung Estlands hin zu einer der fortschrittlichsten Gesellschaften des digitalen Zeitalters beschreibt. Per Gesetz garantiert Estland den Zugang zum Internet und 99 Prozent des Landes sind mit einem kostenlosen Hotspot-Netz abgedeckt. Zusätzlich wird der Internetzugang an öffentlichen Terminals in Postämtern, Bibliotheken oder Dorfläden zur Verfügung gestellt. Auf der Grundlage des sehr guten Internetzugangs werden den estnischen Bürgern eine Vielzahl von elektronischen Dienstleistungen (E-Services) wie E-Wahlen, E-Steuern, E-Polizei, E-Gesundheit, E-Banking und E-Schule zur Verfügung gestellt. So können langwierige Behördengänge durch ein paar Mausklicks über das Internet ersetzt werden. Dabei bietet der IT-Sektor gerade für kleine und finanzschwächere Länder den idealen Einstieg in den High-Tech-Bereich, denn dort ist es ohne hohe Investitionen

und nur mit guter Bildung und Eigeninitiative möglich, wirtschaftliche Erfolge auf inländischen und ausländischen Märkten zu erzielen. Solche Entwicklungen blieben selbstverständlich nicht ohne Auswirkungen auf das estnische Bildungssystem. Bereits Ende 1990 hatten alle Schulen einen Internetzugang, und seit 2003 verfügen sie über das Internetportal „ESchule“, das elektronische Klassenbücher umfasst und Einsicht in Noten, Fehlstunden, Stundeninhalte und Hausaufgaben gewährt. Das Ziel von „E-Schule“ ist die aktivere Einbeziehung der Eltern in den Lehrprozess, die Lehrinformationen für Kinder und Eltern zugänglicher zu machen und die Arbeit der Lehrer und der Schulleitung zu erleichtern.

sich zum baltischen Tiger mit jährlichen Wachstumsraten zwischen fünf und zehn Prozent. Als die estnischen Schüler erstmalig im Jahr 2006 an der PISA-Studie teilnahmen, belegten sie auf Anhieb Platz fünf, während Deutschland nur auf Platz 13 zu finden war. Mit ähnlich guten Ergebnissen bestätigten die estnischen Schüler auch die PISA-Studie 2009. Dabei beschränken sich die Bildungsmaßnahmen im IT-Gebrauch nicht nur auf die Schulen. Als in Estland Wahlen und Volkszählung per Internet eingeführt wurden, startete eine gemeinnützige Organisation eine von Unternehmen unterstützte Bildungskampagne, um die ältere Generation an die digitale Welt heranzuführen und im Computerumgang zu schulen.

Aber der entscheidende Innovationsschub für das estnische Bildungssystem geht von dem landesweiten Bildungsprogramm „Tiigrihüppe“ (Tigersprung) aus, das in Form einer Stiftung organisiert ist. Die Anfänge reichen in das Jahr 1996 zurück, als der jetzige Präsident Toomas Hendrik Ilves und der damalige Bildungsminister Jaak Aaviksoo gemeinsame Ideen entwickelten, wie Estland in Form eines weiten Tigersprungs an die Weltspitze katapultiert werden kann. Das zunächst auf drei Jahre angelegte Bildungsprogramm ist bis heute in Kraft und wird vom Staat, den 15 Kreisen Estlands und der EU finanziert. Mit den Mitteln der Stiftung wurden Computer und Software für die Schüler und Lehrer angeschafft, und den Lehrern wurde gezeigt, wie diese im Unterricht eingesetzt werden können.

Als Erbe der sowjetischen Periode im estnischen Bildungssystem wird aufgrund der russischsprachigen Minderheit (etwa 30 Prozent) in einigen Bildungseinrichtungen noch in russischer Sprache unterrichtet. Außerdem resultieren die sehr guten PISA-Ergebnisse der estnischen Schüler aus dem hochwertigen naturwissenschaftlichen Unterrichtssystem vor 1991. Dies ging teilweise zu Lasten der Entwicklung der kommunikativen und sozialen Fertigkeiten. Diese Spuren des sowjetischen Bildungssystems lassen sich besonders gut im Vergleich mit deutschen Studenten im Rahmen von Austauschprogrammen an der TU Tallinn finden. Während auf estnischer Seite das technisch-naturwissenschaftliche Verständnis besser entwickelt ist und sich mehr an den Vorgaben der Lehrer orientiert wird, arbeiten deutsche Studenten selbstständiger an eigenen Problemlösungen und haben im kommunikativen Bereich die Nase vorn.

Das Verhältnis von Bildung und IT-Bereich ist keine Einbahnstraße. Nicht nur die Bildung hat einen wesentlichen Einfluss auf die IT-Entwicklung, ebenso wirken innovative IT-Produkte auf den Bildungsbereich. Denn der tägliche Umgang mit Computern beeinflusst nicht nur Denken und Handeln, sondern auch Lernprozesse und Fähigkeiten. Daher investiert Tiigrihüppe neuerdings mehr in Roboterbaukästen, denn der Roboterbau wird als gute Methode verstanden, um Schüler für die kreative Arbeit mit Computern zu begeistern. Zu einem Tigersprung kam es für Estland dann wirklich, denn das Land entwickelte

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Prof. Dr. Rünno Lumiste TU Tallinn runno.lumiste@tseba.ttu.ee

Prof. Dr. Gunnar Prause Hochschule Wismar gunnar.prause@hs-wismar.de

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Politik

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Wachstumsbeschleuniger – ein Zukunftsweg für Europa Parrainer la Croissance (Wachstumförderer) heißt ein junger Mittelstandsverband, der aus einem Netzwerk international tätiger Unternehmer hervorgegangen ist. Die Mitgliederzahl der PLC hat sich allein 2011 verdoppelt. Ausgerichtet auf die Unterstützung von Klein- und Mittelbetrieben, als soziales, wirtschaftliches und gesellschaftliches Bindeglied und einzige wirkliche Quelle für Wachstum und Beschäftigung, entwickeln die PLC innovative, leistungsfähige Angebote und zeigen neue Wege, um den Einfluss des

Mittelstandes in der Gesellschaft zu stärken. So gehörte auch PLC-Präsident Denis Jacquet zu den Vertretern ausgewählter Unternehmerverbände, die Sarkozy Mitte Januar zum Gespräch eingeladen hatte. Seit Mitte 2011 arbeiten auch BVMW und PLC zusammen. Ein Statement von PLC-Präsidenten Denis Jacquet finden Sie im Internet unter: www.bvmw.de/plc

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Ort

Mario Ohoven

BVMW - Bundesverband mittelständische Wirtschaft Unternehmerverband Deutschlands e.V. Leipziger Platz 15 · 10117 Berlin · Tel.: 030 533206-0 · www.bvmw.de Nach Ihrer Anmeldung erhalten Sie Ihre persönliche Eintrittskarte per E-Mail. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, die Vergabe erfolgt nach zeitlichem Eingang.

Wir danken unseren Partnern

Eröffnung und Begrüßung Stefan Beißwenger, BVMW Bundesgeschäftsführer Dr. Philipp Rösler, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Mario Ohoven, Präsident des BVMW und der EV-KMU (Europäische Vereinigung kleiner und mittlerer Unternehmen) Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission, Kommissar für Unternehmen und Industrie Liz Mohn, Geschäftsführerin der Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft

Liz Mohn

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Dr. Philipp Rösler

Einlass – Akkreditierung

Anna Maria Kaufmann, Starsopranistin Empfang mit Berliner Buffet

Hotel Maritim Berlin Stauffenbergstraße 26 10785 Berlin


Politik

Solarenergie am Zuckerhut EU-Kommissionsvizepäsident Antonio Tajani und Mario Ohoven mit hochkarätiger Delegation in Brasilien Auf Einladung von Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission und Kommissar für Industrie und Unternehmen, nahm der europäische Mittelstandspräsident Mario Ohoven als Mitglied einer hochkarätigen Kommission an einer offiziellen EU-Reise nach Brasilien teil. In der internationalen Wirtschaft wird das südamerikanische Schwellenland immer wichtiger, als ernstzunehmender Partner und aussichtsreicher Investitionsort fernab der europäischen Krise. Hochrangig waren auch die Gesprächspartner auf brasilianischer Seite. Ohoven traf nicht nur die Präsidentin des Gastlandes, Dilma

Rousseff, sondern auch zahlreiche Kabinettsmitglieder, darunter Planungsministerin Miriam Belchior, Forschungsminister Aloísio Mercadente und der Industrie- und Handelsminister Fernando Pimentel. Brasilien nimmt mit seinen mehr als 8,5 Millionen Quadratkilometern fast die Hälfte der Fläche Südamerikas ein. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 1,9 Billionen US-Dollar und einem Pro-Kopf-Einkommen von fast zehntausend US-Dollar im Jahr 2010 erwirtschaftet Brasilien einen höheren Wohlstand als so manches osteuropäische EU-Land.

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Das Center for Economics and Business Research (CEBR) vermeldete das Aufrücken der brasilianischen Wirtschaft auf Platz sechs der BIP-Weltrangliste und damit noch vor Italien und Großbritannien. Die britische Wochenzeitschrift „The Economist“ rechnet bis 2030 mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von fast vier Prozent pro Jahr. Gründe dafür sind die sinkende Inflationsrate, der Nachholbedarf beim Konsum und die Konsolidierung des Staatshaushaltes. Während Europa gegen die Krise kämpft, beweist sich Brasilien immer mehr als viel versprechendes Ziel für ausländische Direktinvestitionen. Das wirkt positiv auf die Pläne der brasilianischen Unternehmer: 70 Prozent von ihnen wollen im Jahr 2012 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

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Politik

Brasilien erwirtschaftet einen höheren Wohlstand als so manches osteuropäische EU-Land. Als Triebfedern wirken auch die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympiade 2016. Die Investitionen in die Infrastruktur werden jetzt geplant. Im Zuge der Sportveranstaltungen präsentiert Brasilien auch sein neues Image: innovativ, modern, umweltfreundlich. Der Staat fördert durch Pakete wie das PAC2 (Programm für die Wachstumsbeschleunigung) Infrastruktur und Transportwesen und investiert durch die Nationale Bank für Soziale Entwicklung (BNDES) fast eine Billion Real in Öl und Gas. Davon können auch Unternehmen aus Europa profitieren. Deutsche Technologie und brasilianische Power Ein Beispiel für die Zusammenarbeit zeigt sich bei der Solarenergie. Für die Weltmeisterschaft sind Megaprojekte im Bau: Sieben Stadien im ganzen Land werden mit Solardächern versehen. Gleichzeitig wird an der Entwicklung eines Einspeisegesetzes und am Ausbau von intelligenten Stromnetzen gearbeitet. Beim Besuch der EUDelegation brachte es der Vizepräsident der Europäischen Kommission und Kommissar für Industrie und Unternehmen Antonio Tajani auf den Punkt: "Wir liefern die Qualität." Aber so rosig die Aussichten auch sind, es glänzt nicht alles. Probleme bereiten die hohen Zölle, die oft schleppende Bürokratie und die Vorgabe der Verwaltung, dass bei Ausschreibungen ein großer Teil im Inland produziert werden muss. Bei Bussen etwa wird ein brasilianischer Wertschöpfungsanteil von 75 Prozent gefordert. So setzt sich der BVMW auch in Brasilien für die Interessen des deutschen Mittelstands ein. Ein Thema ist beispielsweise das anstehende Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Brasilien und Deutschland, das bei den Konsultationen mit der Wirtschaft von der BVMW-Repräsentantin in Brasilien, Ilka von BorriesHarwardt, begleitet wird.

Vereinbaren eine engere Zusammenarbeit zwischen brasilianischen und europäischen Unternehmern (v. li.): Alessandro Barberis, Präsident von Eurochambers; Jesús Serafín Pérez, Präsident von FoodDrinkEurope für Business Europe; Aloísio Mercadente, Forschungsminister von Brasilien; Antonio Tajani, Vize-Präsident der EU-Kommission und EU-Kommissar für Industrie und Unternehmen; Mario Ohoven, Präsident von BVMW und CEA-PME.

Mit uns nach Brasilien Alle BVMW-Auslandsrepräsentanzen verbinden politische Arbeit vor Ort und praktische Unterstützung für die Unternehmer. Das Team in Brasilien etwa unterstützt Mitgliedsunternehmen bei allen Herausforderungen, die das deutsch-brasilianische Geschäft mit sich bringt. Eine besondere Chance bietet dazu das Austauschprogramm für Fachkräfte, dass der BVMW zusammen mit dem brasilianischen Wirtschaftsverband CNI und weiteren Verbänden entwickelt. Es wird zukünftig die Möglichkeit bieten, Wirtschaftsverfassung und Unternehmenskultur des jeweils anderen Kontinents kennenzulernen. Interessierte Unternehmer können unter politik@bvmw.de mit uns Kontakt aufnehmen.

So erreichen Sie die BVMW-Repräsentanz in Brasilien: Ilka von Borries-Harwardt Tel.: +55-11-55056660 brasilien.sao.paulo@bvmwonline.com www.bvmw.de/auslandsvertretungen/auslandsbueros/ brasilien.html

Ilka von Borries-Harwardt www.bvmw.de/auslandsvertretungen

Dr. Michael Vogelsang Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff mit BVMW-Präsident Mario Ohoven während des Besuchs der EU-Delegation in Brasilia.

Chefvolkswirt des BVMW www.bvmw.de

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ESSAY

Foto: Stefan Schurr/fotolia

Wachstum, Werte, Wettbewerb Ist die Zeit reif für eine Erneuerung der Wirtschaftsethik?

Dem Spielen ist das Gewinnstreben implizit. Ohne Gewinnaussicht langweilen sich die – dann nicht einmal mehr als solche zu bezeichnenden – Gegenspieler. Noch vor einigen Jahren begann die erste Lektion eines beliebten deutschen Lateinschulbuchs mit den Worten: „Marcus currit. Cornelia currit. Marcus vincit et gaudet.“ (Marcus läuft. Cornelia läuft. Marcus gewinnt und freut sich.) Eine derartige Betonung des spielerischen Wettbewerbs vor zehnjährigen Schülern wäre wohl heute nicht mehr möglich, und was Alltag ist – dass nämlich Schüler, Sportler und Politiker gegeneinander antreten –, scheint aus dem Wirtschaftsdiskurs unserer Gesellschaft verbannt. Diese Gesellschaftskritik ist bedauerlicherweise geprägt von der Angst um die vermeintliche Endlichkeit unserer Fähigkeiten. Um nicht eingestehen zu müssen, dass die eigenen Ideale utopisch sind, solange wir uns von den Annehmlichkeiten unseres Wohlstands und unserer Wohlfahrt nicht verabschieden mögen, erklären die Befürworter von weniger Wettbewerb zugleich auch weniger Wachstum zu ihrem Ziel. Was heißt das konkret? Eines jedenfalls nicht: dass diejenigen, die das fordern, bereit sind, auf etwas zu verzichten. Vielmehr sollen diejenigen, die diese Wohlfahrt bieten, für die gleichen Produkte und Dienstleistungen weniger Energie, weniger Rohstoffe, weniger Arbeitszeit aufwenden. So wird die Bringschuld diskursiv verschoben: vom Nutznießer auf den Anbieter (damit korreliert die Verschiebung unseres Rechtssystems zugunsten des unmündigen und zugleich allmächtigen Verbrauchers). Nicht derjenige, der seinen Urlaub an entlegenen Orten verbringt, ist an seiner hohen persönlichen CO2-Bilanz schuld, sondern die Flugzeughersteller, die sich weigern, effizientere Maschinen zu bauen. Vielleicht sind wir gerade im Begriff, eine Gesellschaft von Neochauvinisten heranzuziehen. Da offenkundig der Unendlichkeit unserer persönlichen Bedürfnisse die Endlichkeit unserer Ressourcen entgegensteht, sind wir – unter dem Deckmantel des „weniger Wachstum, weniger Wettbewerb“ bereit, dem Gros der Menschheit den Anspruch auf unser Niveau an Wohlstand abzusprechen.

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Von politischer Seite kommt denn auch die notwendige Einschränkung, dass es einen Unterschied gibt zwischen Wettbewerb und „fairem Wettbewerb“. Dahinter steckt – wir können das nur hoffen – die Vorstellung, dass es einen Marktwert gibt, also den vom Markt generierten „gerechten Preis“. Dass sich dieser gerechte Preis häufig ungerecht anfühlt, ist das notwendige Übel der Freiheit, sich auf den Markt zu begeben. Wenn ein Arzt sich daran machte, ein Automobil zu bauen, und den Wert seiner jahrelangen und mühevollen Arbeit in den aus seiner Sicht jedenfalls gerechten Preis des Wagens einbezöge, würde er sich vom Ingenieur und dessen geringerem Preis übergangen, überrumpelt und ungerecht behandelt fühlen. Aber wäre dieser Wettbewerb wirklich unfair?

Nicht derjenige, der seinen Urlaub an entlegenen Orten verbringt, ist an seiner hohen persönlichen CO2-Bilanz schuld, sondern die Flugzeughersteller, die sich weigern, effizientere Maschinen zu bauen. Die ungerechte Behandlung des gerechten Preises gilt nicht nur für einzelne und Berufsgruppen, sie gilt auch im internationalen Vergleich. Wer in unseren geregelten Arbeits- und Urlaubszeiten einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Schwellenländern vermutet, der sollte nicht den Blick auf Gesellschaften scheuen, in denen neben einem dreizehnten auch ein vierzehntes Jahresgehalt gezahlt und gleichzeitig statt vierzig Stunden fünfunddreißig gearbeitet wird. Wahrscheinlich war früher die Relativität der Marktverhältnisse ein geringerer Faktor bei der Berechnung des Fairness-Grades unseres Wettbewerbs. Doch gerade die zunehmende Geschwin-

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ESSAY

digkeit unseres Austauschs und die Öffnung des Marktes verlangen von uns, dass wir vom Elfenbeinturm des moralischen Entweder-Oder hinabsteigen. An diesem Punkt kommen wir ohne den Begriff der Sozialen Marktwirtschaft nicht weiter. Vielleicht macht die Soziale Marktwirtschaft so erhaben, dass sie als Sündenbock für alle Krisen und Garant unseres Wohlstands zugleich gilt. Doch auf die fordernden Stimmen, die Soziale Marktwirtschaft in das Grundgesetz aufzunehmen, sollten wir zumindest mit Vorsicht reagieren. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass die Verteidiger der Sozialen Marktwirtschaft den Schild der Deutschen Verfassung um den Begriff legen mögen. Gleichzeitig ist zu befürchten, dass damit der Absolutheitsgehalt unseres gesellschaftlichen Grundsatzes reduziert würde. Wer meint, die Soziale Marktwirtschaft in Zukunft verfassungsrechtlich schützen zu müssen, gesteht implizit ein, dass die Soziale Marktwirtschaft heute schwächer ist als in den Jahrzehnten zuvor, als sie nicht den Schutz der Verfassung genoss – ja dass ihr überdies nicht mehr absolute, sondern nurmehr relative Geltung zukommt.

Wir brauchen eine Ethik für Staaten als Wirtschaftsakteure. Es ist zu bezweifeln, dass es tatsächlich einen Wettbewerb der Systeme gibt. Das Dilemma des dreifachen Scheidewegs, an dem es zu wählen gilt zwischen demokratischer Sozialer Marktwirtschaft (Deutschland), kommunistischer Marktwirtschaft (China) und demokratischem Neoliberalismus (USA), ist ein oktroyiertes und wohl aus wahl- und parteipolitischen Interessen eingeführtes Dilemma, das sich als nicht real existent abtun ließe, würden wir nur die Komponente der Zeit und des einzelnen Menschen hinreichend berücksichtigen. Dem Irrtum des Scheidewegs liegt die Annahme zugrunde, dass es dem Menschen stets darum geht, Erfolge zu verzeichnen; dabei gehört zu den erfrischend charmanten Eigenschaften des Menschen, dass es für ihn mindestens ebenso wichtig ist, faire Ergebnisse zu erzielen. Vielleicht ist es notwendig, dass wir die systemischen Unterschiede aus der umgekehrten Perspektive betrachten und uns die Frage stellen: „Gibt es Soziale Marktwirtschaft für globale Märkte?“ und weiter: „Können wir ethische Grundsätze für die globalen Finanzmärkte ausmachen?“ Manchmal genügt ein Beispiel aus der Alltäglichkeit der internationalen Politik, um zu zeigen, dass damit auch durchweg bodenständige Compliance-Standards gemeint sind. Bei Basel II etwa konnten manche Staaten sich einen nationalen Wettbewerbsvorteil dadurch verschaffen, dass sie die Regelungen verspätet umsetzten. Das bedeutet für

diejenigen Akteure, die rechtzeitig und regeltreu agierten, dass sie für ihre Verantwortung bestraft wurden (wir möchten gar nicht erst Vermutungen darüber anstellen, in welchem Ausmaß die von Land zu Land zeitlich versetzte Ratifizierung von Basel III zugunsten partikularer Interessen genutzt werden wird). Wenn also die Politik von sich behauptet, für ein Funktionieren des Marktes unabdingbar zu sein, dann muss sie auf der Ebene des Marktes auch diejenigen Regeln, deren Einhaltung sie von den übrigen, der Politik untergeordneten Marktteilnehmern verlangt, auch für sich selbst gelten lassen. Vielleicht also sollten wir im Anschluss an die oben aufgeworfenen Fragen sagen: „Brauchen wir eine Ethik für Staaten als Wirtschaftsakteure?“ Mit Geschrei und Forderungen nach Staatsschuldenbremsen allein – denn auf dem Spielfeld, das da heißt „Weltfinanzmarkt“, stehen sich als Gläubiger und Schuldner viel zu häufig Staaten gegenüber – ist das Thema nicht abgetan. Hier gehen die Sphäre der jeweils in sich geschlossenen Politik und die Sphäre des globalen Marktes, der globalen Politiken auseinander. Wie soll sich auch ein Politiker zweiteilen: einerseits um des Machterhalts willen sich kurzfristigen nationalen Interessen zuwenden und andererseits die langfristige Verpflichtung gegenüber einer möglichen Staaten-Compliance beachten? Die Politik drückt es noch drastischer aus (wobei es nicht an den Politikern sein sollte, sich selbst in den Arm und in Schutz zu nehmen): Die Politik von heute müsse den Wählern von heute erklären, dass die Wähler von morgen die Lasten heute versäumter Entscheidungen zu tragen haben werden, und dass das erschwert werde dadurch, dass die Wähler von heute gar keine Wähler von morgen mehr zeugen. Derartige Ausflüchte und die Forderungen der Politik an die Akteure des Marktes – bei gleichzeitiger Nichtbeachtung dieser Forderungen, sobald die Politik selbst zum Marktakteur wird – erschweren verständlicherweise die Wiederherstellung des Vertrauens des Marktes in die Politik. Dass sich die Politik ihrerseits jener Argumentationstechnik bedient, die eingangs erwähnt wurde, macht die Angelegenheit noch undankbarer. Wir hören beständig, dass die Politik nur darauf wartet, bis die Wirtschaft endlich (effizientere, nachhaltigere, gerechtere) Lösungen bietet. Dass es aber häufig genug die Politik selbst ist, die mit ihren regellosen und regeluntreuen Versprechen an die Wähler von heute Erwartungen an morgen schürt, davon hören wir aus den Gründen mangelnder StaatenCompliance herzlich wenig.

Josef Girshovich www.bvmw.de

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SERVICE

Compliance – (k)ein Thema für den Mittelstand?

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Benjamin Weiler Rechtsanwalt www.bvmw.de/leistungen/ rechtshotline

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Ein Bauunternehmer hilft bei der Vergabe eines öffentlichen Auftrages mit einer „Bonuszahlung“ an den zuständigen Verwaltungsbeamten seinem Glück nach. Für derart offensichtliche Fälle strafbaren Verhaltens hat sich in Deutschland über Jahrzehnte ein Unrechtsbewusstsein geschärft. Wie ist es jedoch, wenn der potenzielle Geschäftspartner mitsamt Ehefrau und Familie für einige Tage an den eigenen Produktionsstandort eingeladen werden soll, um sich dort über neue technische Entwicklungen auszutauschen – und ihm ganz nebenbei die Unterkunft im Wellnesshotel nebst Leihwagen zur Verfügung gestellt wird? In solchen Fällen werden viele Unternehmer von der Pflege guter Geschäftsbeziehungen sprechen. Juristisch gesehen, ist die Grenze zur Bestechung im geschäftlichen Verkehr erreicht, wenn nicht gar überschritten. Die Sensibilität und das Bewusstsein für Wirtschaftskriminalität ist nicht mehr nur Thema auf den Vorstandsetagen der Großkonzerne. Auch mittelständische Un-

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ternehmen versuchen, mit systematischer Risikokontrolle ihre Position am Markt zu behaupten und sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Der Begriff Compliance steht für die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien in der Wirtschaft, aber auch von freiwilligen Kodizes. Unternehmen und Unternehmensverantwortliche haben gemäß §§ 9, 30 und 130 Ordnungswidrigkeitengesetz dafür Sorge zu tragen, dass aus dem Unternehmen heraus keine Gesetzverstöße erfolgen. Komm es dazu, kann die Leitung und das Unternehmen selbst zu Strafen verurteilt werden, wenn sie entsprechende Organisations- und Aufsichtsmaßnahmen unterlassen haben. Eine Pflicht zur Sicherstellung der Compliance ergibt sich darüber hinaus aus §§ 91, 93 AktG sowie § 43 GmbHG zur Abwendung von wirtschaftlichem Schaden vom Unternehmen. Macht sich folglich ein Mitarbeiter des Unternehmens durch Korruption strafbar, so drohen dem Unternehmen nicht nur zivilrechtliche Klagen des Geschäftspartners, dessen Mitarbeiter bestochen wurden.


Perspektive Vielmehr muss es damit rechnen, dass ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet wird, weil den Organisations- und Aufsichtspflichten nicht nachgekommen wurde. Im Fall des Bauunternehmers sieht das Gesetz eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren vor. Umso wichtiger ist Prävention durch ein wirksames Compliance System, gerade auch für mittelständische Unternehmer. Dazu gehören zunächst die Identifikation von Risiken im Unternehmen und die Einrichtung eines Informationssystems. Dieses dient der Verbesserung eigener Richtlinien, der Meldung von Verstößen sowie zur Kontaktaufnahme mit Behörden. Von einer gewissen Unternehmensgröße an empfiehlt sich ein internes Kontrollsystem nebst Ernennung eines Compliance-Beauftragten. Kleinere Betriebe sollten in jedem Fall die Entscheidungskompetenz über Compliance relevante Sachverhalte regeln.

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Urlaub und Krankheit Kostenschonende Gestaltungsmöglichen kennen und nutzen Die Regelungen im Gesetz Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) sieht für Arbeitnehmer einen Anspruch auf Erholungsurlaub von mindestens 24 Werktagen (Montag bis Samstag) pro Kalenderjahr vor. Konnte ein Arbeitnehmer seinen Erholungsurlaub aus persönlichen oder dringenden betrieblichen Gründen in einem Kalenderjahr nicht nehmen, so werden die nicht genommenen Urlaubstage auf das Folgejahr übertragen. Der Urlaub muss dann bis spätestens 31. März genommen werden; anschließend verfallen die nicht genommenen Urlaubstage grundsätzlich. Der EuGH zum Ersten Für Aufsehen sorgte der EuGH mit der Entscheidung, dass Urlaub nicht verfällt, wenn er infolge von Krankheit weder im Kalenderjahr noch bis zum 31. März des Folgejahres genommen werden konnte (EuGH, Urteil vom 20.01.2009 – C-350/06 und C-520/06). Das bedeutet, dass längerfristig erkrankte Mitarbeiter ihren vor Beginn der Krankheit nicht genommenen Urlaub solange aufschieben können, bis sie wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren.

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Das kann mehrere Jahre dauern. Hinzu kommt, dass auch erkrankte Mitarbeiter jedes Jahr von neuem Urlaubsansprüche erwerben. So kommen leicht 50 oder mehr Urlaubstage zusammen, die nach der Genesung nachgewährt werden müssen. In der Praxis ist wohl allerdings die Konstellation weitaus häufiger, dass der langzeiterkrankte Mitarbeiter seine Tätigkeit nicht wieder aufnimmt und das Arbeitsverhältnis endet. Wenn Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr gewährt werden kann, hat der Arbeitnehmer Anspruch auf dessen Abgeltung. Das Unternehmen muss also alle aufgelaufenen Urlaubstage ausbezahlen. Es liegt auf der Hand, dass diese Entscheidung für Unternehmen drastische finanzielle Folgen hat. Das haben auch BAG und EuGH erkannt und in mehreren Folgeurteilen Einschränkungen an der Ursprungsentscheidung der europäischen Richter vorgenommen. Das BAG schränkt ein So hat das BAG entschieden, dass sich diese EuGH-Rechtsprechung nur auf den gesetzlichen Mindesturlaub bezieht (BAG, Urteil vom 24.03.2009 – 9 AZR 983/07). Oftmals gewähren Arbeitgeber aufgrund Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag jedoch einen über das gesetzliche Minimum hinausgehenden Urlaubsanspruch. Für diesen sogenannten Mehrurlaub können Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Arbeitsvertrag vom Bundesurlaubsgesetz und der vorgenannten Rechtsprechung abweichende Regelungen treffen. Das setzt aber eine ausdrückliche Differenzierung zwischen Mindest- und Mehrurlaub im Arbeitsvertrag voraus. Hierfür bietet

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Der Europäische Gerichtshof (EuGH) und das Bundesarbeitsgericht (BAG) haben in den letzten zwei Jahren mehrere Urteile erlassen, die das Urlaubsrecht ziemlich durcheinander gewirbelt haben. Für den Betrieb ergeben sich durch die Urteile aber durchaus Chancen für eine sinnvolle Gestaltung der arbeitsvertraglichen Regelungen zum Urlaubsanspruch (soweit nicht zwingend anzuwendende Tarifverträge entgegenstehen).


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sich beispielsweise folgende Klausel im Arbeitsvertrag an: „In vollen Kalendermonaten, in denen das Arbeitsverhältnis ohne Anspruch auf Entgeltfortzahlung ruht, entsteht kein Anspruch auf Mehrurlaub. Eine Übertragung des Mehrurlaubsanspruches über das jeweilige Urlaubsjahr hinaus erfolgt nicht, auch nicht im Falle von Krankheit.“ Fehlt eine solche differenzierte Regelung, gelten für den Mehrurlaub allerdings die gleichen strengen Regelungen wie für den Mindesturlaub (BAG, Urteil vom 04.05.2010 – 9 AZR 183/09). Kehrt der Arbeitnehmer nach langer Krankheit an den Arbeitsplatz zurück, muss er den angesammelten Urlaub im laufenden Kalenderjahr, spätestens aber bis zum 31. März des Folgejahres nehmen, soweit dies zeitlich möglich ist. Tut er dies nicht, verfällt der angesparte Urlaub (BAG, Urteil vom 09.08.2011 – 9 AZR 425/10). Scheidet der Mitarbeiter vor seiner Genesung aus dem Arbeitsverhältnis aus (ist also der Urlaub abzugelten) muss er die im Arbeits- oder Tarifvertrag gegebenenfalls vorgesehenen (zulässigen) Verfallklauseln auch für Geltendmachung des Abgeltungsanspruchs beachten. Tut er dies nicht, erlischt der Urlaubsabgeltungsanspruch (BAG, Urteil vom 09.08.2011 – 9 AZR 352/10). Der EuGH zum Zweiten Eine weitere wichtige Entscheidung zum Thema Urlaub und Krankheit kam Ende 2011 wieder vom EuGH (EuGH, Urteil vom 22.11.2011 – C-214/10). In dem zu entschei-

denden Fall sah eine tarifvertragliche Regelung vor, dass der Urlaubsanspruch spätestens 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem er entstanden ist, erlischt. Der EuGH hat diese Regelung als zulässig und verbindlich erachtet. Dieses Urteil wird sich auch auf entsprechende arbeitsvertragliche Klauseln übertragen lassen. In künftigen Arbeitsverträgen sollte daher eine Klausel aufgenommen werden, die eine solche Begrenzung vorsieht. Sie könnte lauten: „Konnte der Urlaub wegen Krankheit nicht genommen werden, erlischt der Urlaubsanspruch spätestens 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Urlaubsanspruch entstanden ist.“ Ausblick Aus Sicht der Unternehmen bleibt nun noch zu hoffen, dass das BAG künftig auch dann einen solchen Verfall der Urlaubsansprüche annimmt, wenn es an einer entsprechenden arbeitsvertraglichen (oder tarifvertraglichen) Regelung fehlt. Das Landesarbeitsgericht BadenWürttemberg scheint diesen Weg gehen zu wollen (LAG Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011 – 10 Sa 19/11). Der Rechtssicherheit zuträglicher wäre allerdings eine klarstellende Regelung durch den Gesetzgeber. Es bleibt also spannend.

Tobias Grambow Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht www.buse.de

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SERVICE

Die elektronische Rechnung

Foto: Thomas Jansa/fotolia

(K)ein Problem für die Vorsteuer?

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SERVICE

Gerade Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen stellen den postalischen Versand von Rechnungen in den letzten Jahren zunehmend ein. Stattdessen kommt die Rechnung per E-Mail oder soll als Datei aus dem Internet heruntergeladen werden. Gerade Unternehmer brauchen ordnungsgemäße Rechnungen, wenn diese als Ausgabe steuerlich geltend gemacht werden sollen. Bis Juni 2011 war der Vorsteuerabzug aus einer elektronischen Rechnung aber nur möglich, wenn die Datei mit einer elektronischen Signatur (=Unterschrift) versehen war, diese Signatur elektronisch überprüft und das dann auch noch dokumentiert wurde. Weil das Verfahren so kompliziert war, hat es sich in der Praxis nicht durchgesetzt, und der Gesetzgeber musste eingestehen, dass da etwas geändert werden muss. Da auch die EU drängelte, wurde die Änderung in das Steuervereinfachungsgesetz 2011 aufgenommen. Ab Juli 2011 kann bei allen elektronischen Rechnungen die Vorsteuer abgezogen werden, allerdings nur, wenn einige Kriterien erfüllt sind. Die wichtigste Bedingung ist, dass für die eingegangene elektronische Rechnung dauerhaft (also bis zu 13 Jahre lang) die Echtheit der Herkunft, die Unversehrtheit des Inhaltes und die Lesbarkeit gewährleistet werden kann. Bei der praktischen Ausgestaltung liegt der Teufel im Detail. Eine auf dem Postweg eingegangene Papierrechnung wird erst vollständig

geprüft. Sind alle Rechnungspositionen korrekt und waren auch so vereinbart? In größeren Unternehmen bekommt die Post als erstes einen Eingangsstempel. Rechnungen wandern dann in die Fachabteilung, in der die Rechnung inhaltlich geprüft wird. Von hier wird sie zur Chefetage befördert, wo die Bezahlung genehmigt und von wo der Beleg zur Buchhaltung weitergereicht wird. Zuletzt überweist jemand den Rechnungsbetrag an den Lieferanten. Durch dieses „innerbetriebliche Kontrollverfahren“ besteht ein „verlässlicher Prüfpfad zwischen Rechnung und Leistung“ – genauso, wie es im neu formulierten Gesetzestext steht. Das Gleiche muss auch für elektronische Rechnungen gelten. Der Unternehmer muss dieses Kontroll- und Dokumentationsverfahren in seinem Unternehmen organisieren, und alle müssen sich daran halten. Die Herausforderung ist die Vielfalt, die uns die elektronische Welt bietet: Neben Download oder E-Mail-Versand einer Datei kann die Rechnung auch auf einem Datenträger, wie einem USB-Stick, oder im sogenannten EDI-Verfahren übermittelt werden. Doch damit nicht genug: Auch die übermittelte Datei kann alle denkbaren Formate haben. Die Rechnung kann nicht nur als PDF eingehen, sondern auch als Datei aus einer Tabellenkalkulation, aus einem Text- oder gar Bildbearbeitungsprogramm, aus Warenwirtschaftssystemen oder auch aus einer Datenbank. Alles ist möglich, solange die Rechnung nur die gesetzlich geforderten Mindestinhalte enthält.

Grundsätzlich kann der Rechnungsempfänger dem Versand der elektronischen Rechnung widersprechen. Es ist aber zu erwarten, dass insbesondere Dienstleister, die sich hier wichtige Potentiale für Kosteneinsparungen versprechen, diese Bedingung in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufnehmen werden. Dort werden dann auch ausreichend hohe organisatorische und finanzielle Hürden definiert, um auch erfolgreich einen Widerspruch umsetzen zu können. Jeder Unternehmer muss sich also zwangsläufig mit diesem Thema auseinandersetzen. Welche organisatorischen Abläufe müssen im Unternehmen verändert werden? Welche Hilfsmittel (insbesondere Software) werden dafür benötigt? Eine Betriebsprüfung des Finanzamtes kann sonst Jahre später zu einem bösen Erwachen führen. Wenn festgestellt wird, dass die eingegangenen elektronischen Belege nicht ordnungsgemäß aufbewahrt wurden, trägt der Unternehmer allein die Verantwortung und die Belastung der hohen Steuerrückzahlungen.

Dipl.-Wirtsch.-Inf. Ullrich Hänchen Vizepräsident des IBWF Institut e. V. Steuerberater www.wagemann.net

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Logistik – intelligent gemacht Erfurter Wirtschaftskongress 7. | 8. Juni 2012

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Online-PR: Nutzen Sie das Internet für Ihre Pressearbeit Das Internet hat auch die Pressearbeit verändert, denn es ermöglicht das schnelle Verbreiten einer Meldung bei gleichzeitig hoher Reichweite. Auch für kleine und mittlere Unternehmen ist Online-PR ein wirkungsvolles Informationsinstrument. Wie Sie Pressetexte schreiben, die wirklich lesenwert sind und über welche Kanäle Sie diese veröffentlichen können, erfahren Sie in diesem Beitrag. Was ist Online-PR?

Worüber schreiben?

Der Stil entscheidet

Online-PR ist eine Form der Öffentlichkeitsarbeit (auch Public Relations genannt). Wie jede PR soll auch sie dazu beitragen, dass eine Organisation, ein Unternehmen, Projekt oder Produkt von der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen und bewertet wird. Die wesentlichen Unterschiede zwischen Online-PR und klassischer PR sind:

Auch bei der Online-PR gilt, dass eine Pressemitteilung immer einen konkreten Anlass benötigt. Hier eine Auswahl möglicher Aufhänger:

Zuerst einige Tipps, was Sie nicht tun sollten: Verwenden Sie für Ihre Pressemitteilung nicht die Inhalte Ihrer Werbebroschüre. Vermeiden Sie Übertreibungen und Superlative. Flüchten Sie nicht in „Fachchinesisch“ oder unnötige Anglizismen.

• Bei der Online-PR veröffentlichen Sie Ihre Pressemitteilung direkt über OnlineRedaktionen, Presseportale und Webverzeichnisse (Blog-, Link-, RSS-Verzeichnisse). Ihre Meldung geht somit nicht nur an einzelne Redaktionen oder Redakteure. • Mit der Online-PR stehen Ihre Informationen unmittelbar und unverändert online zur Verfügung. Sie sind also nicht davon abhängig, ob ein Redakteur über Ihr Thema berichten möchte. 32

Themen gibt es also viele. Wichtig ist, dass alle Inhalte und Zahlen aktuell und auf Nachfrage belegbar sind. Und vergessen Sie die Quellenangaben nicht!

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Schreiben Sie Ihre Online-Pressemitteilung - sachlich und wertfrei - klar und verständlich - in kurzen Sätzen - im Präsens - in der dritten Person - mit aktiven Formulierungen

Foto unten/oben: Beboy/fotolia

• Bei der Online-PR erreichen Sie Ihre Zielgruppe über das Internet und nicht über TV-, Rundfunk- oder Printmedien.

• neue Produkte und Dienstleistungen • Jubiläen oder runde Zahlen • Teilnahme an Messen • soziale oder karitative Aktivitäten • Umweltschutzmaßnahmen • Zertifikate, Auszeichnungen, Patente • neues Firmengebäude • neue Produktionsanlagen • aktuelle Studien oder Umfragen • neuer Name, neues Logo • neue Werbekampagne • prominenter Kunde oder Gast • besonders großer oder außergewöhnlicher Auftrag


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Praxis-Tipp: Aufbau einer Online-Pressemitteilung Gut verständliche Online-Pressemitteilungen bestehen immer aus folgenden Bausteinen:

Foto: Beboy/fotolia

Der Weg zu Ihrer erfolgreichen Online-Pressearbeit 1. Schritt: Antworten auf die sechs W’s Ihr Pressetext muss dem Leser schon in den ersten Zeilen die sog. „W-Fragen“ beantworten: Wer (tut) Was, Wann, Wo, Wie und Warum? Nutzen Sie diese Fragen als Orientierung, wobei die Reihenfolge der „W’s“ beliebig ist und vom Thema abhängt. 2. Schritt: Die umgekehrte Pyramide Wenn Sie die „W-Fragen“ beantwortet haben, steht das Grundgerüst Ihres Textes, der nun mit weiteren Inhalten angereichert wird. Im Journalismus gibt es das Prinzip der umgekehrten Pyramide: Das Wichtigste kommt zuerst, dann folgen in den nächsten Absätzen die unbedeutenderen Angaben. Das hat den Vorteil, dass der Text von Journalisten problemlos gekürzt werden kann, ohne dass die wichtigsten Informationen verloren gehen. 3. Schritt: Suchmaschinen-Optimierung Damit Ihre Online-Pressemitteilung erfolgreich ist, muss sie sowohl gut geschrieben sein als auch in den Suchmaschinen gefunden werden. Verwenden Sie im Text die wichtigsten Suchbegriffe (Keywords) Ihrer Zielgruppe. Diese Begriffe können Sie z.B. mit dem kostenlosen Analyse-Tool von Google recherchieren.

Sie erreichen gleichzeitig eine Vielzahl von Portalen. Bei den renommierten Diensten geht Ihre Meldung zudem direkt an Redaktionen und Journalisten. Bei den kostenlosen Presseportalen sparen Sie zwar Geld, aber Sie müssen deutlich mehr Zeit einkalkulieren und Ihre Meldung in jedem Portal einzeln hochstellen. Auswahl kostenpflichtiger Pressedienste: pressetext.com, ots.de, ddpdirect.de, press1.de, pressrelations.de, pr-gateway.de Auswahl kostenfreier Presseportale: openpr.de, businessportal24.com, pr-inside.com, firmenpresse.de, pressemitteilung.ws, news4press.com 5. Schritt: Pressebereich auf Ihrer Website Richten Sie auf Ihrer Unternehmenswebsite einen Pressebereich ein und veröffentlichen Sie dort auch Ihre Online-Pressemitteilungen. So werden diese von Kunden und Journalisten schnell gefunden. Und die Suchmaschinen belohnen es mit einem besseren Ranking, denn Websites mit aktuellen Inhalten werden häufiger durchsucht und indiziert.

Kurze & aussagekräftige Überschrift Wecken Sie das Interesse der Leser. Aber fassen Sie sich kurz: 63 Zeichen sind optimal, damit Ihre Überschrift komplett in den GoogleSuchergebnissen angezeigt wird. Teaser-Text als Einleitung Schreiben Sie die Kernaussage in ein bis zwei Sätzen zusammen (max. 150 Zeichen). Der Teaser-Text wird in den Suchmaschinen direkt unter der Überschrift angezeigt. An ihm entscheidet sich, ob der Leser Ihre Meldung ignoriert oder aber anklickt, um den gesamten Text zu lesen. Ausführlicher Text Die optimale Länge einer Online-Pressemitteilung beträgt 300 bis 500 Wörter (bzw. 2.000 und 3.500 Zeichen). Kontaktinformationen und Ansprechpartner Adresse, Website, Telefon, Mail und Namen der Ansprechpartner, inkl. Funktion und Abteilung. Abbinder / Boilerplate Hier stehen allgemeinen Angaben zum Unternehmen, z.B. Anzahl der Mitarbeiter, Umsatz, Standorte, Gründung, etc. Dieser Text muss keinen direkten Bezug zur Meldung haben.

Claudia Mattheis Geschäftsführerin mattheis werbeagentur GmbH Die Full-Service-Agentur aus Berlin arbeitet bundesweit für Unternehmer aus dem Mittelstand und gestaltet u. a. das Magazin „Der Mittelstand.” vom BVMW. www.mattheis-berlin.de

4. Schritt: Veröffentlichen Um Ihre Online-Pressemitteilung zu veröffentlichen, gibt es eine Vielzahl von Kanälen. Welcher Weg der richtige für Sie ist hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit und Geld Sie investieren möchten. Bei kostenpflichtigen Pressediensten müssen Sie die Meldung nur einmalig einstellen und

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Arm an Rohstoffen – reich an Ideen Patente sichern den Innovationsvorsprung in Deutschland Deutschland gehört zu den weltweit führenden Patentnationen und ist ein starker Innovationsstandort. Wirtschaftlicher Aufschwung ist hierzulande untrennbar mit Innovation verbunden. Ist das Land auch relativ arm an Rohstoffen, so zeichnen sich die Deutschen durch Ideenreichtum, Forscherdrang und Kreativität aus. Dieses Know-how erfordert Schutz, um das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und weiter zu steigern. In Deutschland sind mehr als 525.000 Patente und mehr als 770.000 Marken in Kraft. Rund 60.000 Patentanmeldungen und mehr als 70.000 Markenanmeldungen werden jährlich beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) eingereicht. Mit der Erteilung und der Veröffentlichung rechtsbeständiger gewerblicher Schutzrechte leistet das DPMA einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Innovationen. Auch im weltweiten Wettbewerb spielen Patente, Marken und Muster eine immer größere Rolle: Geistiges Eigentum ist eine wichtige Ressource geworden. Geschützte Erfindungen sind bedeutende Werte eines Unternehmens. Innovative Produkte sichern deren Zukunft. Erfindungen und Patente sind der Gradmesser für die Entwicklung der Wirtschaft. Nur durch den Schutz des geistigen Eigentums in Form von Patenten, Marken oder Geschmacksmustern kann man die Produkte wirksam vor Nachahmern schützen und sinnvoll vermarkten.

beitsplätze. In einer weltweit konkurrierenden, wissensbasierten Wirtschaft kommt Innovationen und ihrem Schutz vor allem bei KMU eine besondere Bedeutung zu. Diese benötigen genauso wie große Unternehmen gewerbliche Schutzrechte, um ihre Entwicklungen vor Nachahmung zu schützen. KMU sind bei Patentanmeldungen aber nach wie vor unterrepräsentiert. Denn noch immer stammen circa 60 Prozent aller Patentanmeldungen in Deutschland von Großunternehmen, etwa zehn Prozent von sogenannten Einzelerfindern. Angesichts dieser Verteilung der Patentanmeldungen in Deutschland ist es umso wichtiger, dass der Mittelstand bei dem Schutz seiner Innovationen gefördert wird. Für mich haben daher die Informations- und Unterstützungsangebote für KMU hohe Priorität. Wir unterstützen den Mittelstand insbesondere durch unsere Auskunftsstellen in München, Jena und Berlin. Diese sind bei der Antragstellung zu gewerblichen Schutzrechten behilflich und erteilen allgemeine Auskünfte. Ergänzend dazu stellt das DPMA auf seiner Internetseite ein umfassendes Informationsangebot sowie kostenlose Datenbanken zu allen Schutzrechten für Recherchezwecke zur Verfügung. Zudem sind wir bundesweit auf den wichtigsten Messen mit Informationsständen präsent. Außerdem organisieren wir speziell für KMU und Einzelerfinder kostenlose Erfindererstberatungen der Patentanwaltskammer.

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Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind eine wesentliche Säule der deutschen Wirtschaftskraft und schaffen neue Ar-

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SERVICE

Rund 60.000 Patentanmeldungen und mehr als 70.000 Markenanmeldungen werden jährlich beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) eingereicht. Leistungsfähige Partner des DPMA auf Länderebene sind die 23 Patentinformationszentren (PIZ), die Erfinder und Unternehmen vor Ort betreuen und beraten. Sie helfen bei der Recherche nach bestehenden Patenten, Marken und Mustern, aber auch bei der Anmeldung, Überwachung und Bewertung von Schutzrechten. Auch eine kostenlose Erfindererstberatung gehört zu ihrem Dienstleistungsangebot. Die Anmeldezahlen beim Deutschen Patent- und Markenamt spiegeln wider, dass deutsche Unternehmen in vielen Hochtechnologien weltweit an der Spitze stehen. Gemessen an der Zahl der Patentanmeldungen sind in Deutschland der Fahrzeug- und der Maschinenbau nach wie vor die innovativsten Branchen. Sie gehören seit Jahren zu den eifrigsten Entwicklern. Auch bei den Erneuerbaren Energien ist die Innovationskraft ungebrochen. Knapp ein Prozent aller Patentanmeldungen stammt aus diesem Bereich. Wir haben allen Grund, selbstbewusst zu sein: In Europa hat Deutschland klar die Führung bei der Summe der angemeldeten Patente. Und auch im internationalen Vergleich stehen deutsche Erfinder mit der Anzahl der innovativen Entwicklungen zusammen mit den USA, Japan und Südkorea in der Spitzengruppe.

Cornelia Rudloff-Schäffer Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamtes www.dpma.de

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SERVICE

Patentverwertungsgesellschaften Keine Wettbewerber – schwergewichtige Gegner

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Unter einer Patentverwertungsgesellschaft (PVG) wird in der Regel ein Unternehmen verstanden, welches selbst keine Forschung, Entwicklung oder Produktion unterhält, sondern dessen Tätigkeit ausschließlich in der wirtschaftlichen Nutzbarmachung von Ansprüchen aus Patenten besteht. Die hierzu notwendigen Patente werden von Dritten erworben. Das Geschäftsmodell der PVG besteht zum einen darin, Umsätze durch den Abschluss von Patentlizenzverträgen zu generieren. Zum anderen werden gegenüber Unternehmen, welche patentgeschützte Lösungen ohne Lizenz verwenden, Ansprüche auf Unterlassung und Schadensersatz geltend gemacht. Ein Patent verletzt, wer sich einer geschützten Erfindung widerrechtlich bedient, so wie sie in den Patentansprüchen der Patentschrift beschrieben ist. Doch die Prüfung des Wortlauts der Patentansprüche allein bietet nicht verlässlich Auskunft, ob eine Patentverletzung vorliegt oder nicht. Es muss auch geprüft werden, ob eine Verwendung des Patents durch sogenannte äquivalente Austauschmittel gegeben ist. Äquivalente Austauschmittel können wörtlich benannte Merkmale der Erfindung aufgrund ihrer gleichen Wirksamkeit ersetzen (beispielsweise Nagel anstatt Schraube). Auch werden Patent­ ansprüche oft vage und abstrakt formuliert, um einen möglichst breiten Schutzbereich des Patents zu erzielen. Auch Recherche ist kein sicherer Schutz Dies führt dazu, dass selbst eine vorbildliche Patentrecherche einen Unterneh-

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mer nicht sicher davor schützen kann, unwissentlich das Patent eines Dritten zu verletzen. Zu berücksichtigen ist hier, dass das deutsche Prozessrecht den Patentinhaber gegenüber dem angeblichen Patentverletzer grundsätzlich bevorteilt. In einem Patentverletzungsprozess vor dem zuständigen Landgericht kann der angegriffene Unternehmer nicht etwa den Einwand vorbringen, dass das Patent nie hätte erteilt werden dürfen, weil es etwa mangels Neuheit nichtig sei. Das kann der Beklagte nur in einem Nichtigkeitsverfahren vor dem Bundespatentgericht in München geltend machen. Problematisch hierbei ist, dass das Landgericht nach der gängigen Spruchpraxis in der Regel nicht auf den Abschluss des Nichtigkeitsprozesses wartet, sondern den Unternehmer bei einer Patentverletzung zu Schadensersatz oder Unterlassung verurteilen wird.

für sie auch kein Risiko, selbst aus einem Patent angegriffen zu werden. Ganz im Gegenteil muss ein angegriffenes Unternehmen damit rechnen, bei einer gerichtlichen Verurteilung zur Unterlassung ein Produkt vom Markt nehmen zu müssen. Und weil deutsche Patentverletzungsprozesse so scharf sind, gilt dies sogar dann, wenn der Bestand des Klagepatents hinsichtlich Neuheit oder Erfindungshöhe zweifelhaft sein mag.

Klage wegen Patentverletzung riskant Auch wenn ein Unternehmer nun einen eigenen Patentbestand in einem bestimmten Marktsegment aufgebaut hat, ist es trotzdem riskant, einen Wettbewerber wegen Patentverletzung zu verklagen, weil es durchaus möglich ist, selbst aus einem Patent des Gegners angegriffen zu werden. Weil es so schwierig ist, die Schutzbereiche von Patenten zu bestimmen, ist auch der Ausgang von Verletzungsprozessen nicht vorauszusehen. Das führt soweit, dass Unternehmen erhebliche Hemmungen haben, ihre Patente gegenseitig durchzusetzen.

In der Rechtswissenschaft gibt es inzwischen durchaus Überlegungen, den Unterlassungsanspruch von PVGs zu begrenzen. An einer intensiven Patentrecherche und der Beseitigung zweifelhafter Patente durch Einspruchs- und Nichtigkeitsverfahren führt aber kein Weg vorbei.

Eine PVG ist aber kein direkter Marktteilnehmer und Wettbewerber auf den betroffenen Produktmärkten. Deshalb besteht

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Diese ungünstige Position bringt es mit sich, dass produzierende Unternehmen nur wenig Verhandlungsmacht bei der Durchsetzung günstiger Lizenzbedingungen haben. Eine PVG kann so erheblichen Druck ausüben, dass ein Unternehmen nach einer Abmahnung einen Lizenzvertrag mit der PVG abschließt, um so Rechtssicherheit zu erwerben.

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Von der Innovation zum Markterfolg

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Wie sich Mittelständler vor Nachahmung schützen können

In Deutschland ist es grundsätzlich erlaubt, innovative Produkte, wie Maschinen oder Bauelemente, nachzubauen. Auch Verfahren oder Dienstleistungen dürfen im Prinzip nachgeahmt werden, um damit auf dem Markt aufzutreten. Innovative Unternehmen sollten ihre Ideen und Innovationen gegen solche Nachahmungen schützen. Um dieses Ziel zu erreichen, stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Technische, aber auch nicht-technische Innovationen resultieren in der Regel erst dann aus Ideen (Inventionen), wenn letztere in neue Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen umgesetzt werden, die tatsächlich erfolgreiche Anwendung finden und den Markt

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durchdringen. Beim Schutz vor Nachahmung müssen die aus den Ideen entwickelten Produkte im Fokus des Unternehmens stehen. Den Vorsprung sichern Gewerbliche Schutzrechte, wie sie nachfolgend kurz vorgestellt werden, dienen als flankierende Maßnahmen, die gezielt eingesetzt werden sollten. In hoch innovativen Branchen können die Entwicklungszyklen so kurz sein, dass es ratsam ist, durch rasch aufeinander folgende Innovationen Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Unter bestimmten Umständen führt auch die Geheimhaltung von firmeninternem Know-how zu einem ausreichenden Vorsprung, um innovative Pro-


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dukte erfolgreich am Markt zu platzieren und die eigene Stellung gegenüber den Wettbewerbern behaupten zu können. Um schon frühzeitig das geistige Eigentum an Ideen bzw. den daraus entwickelten Produkten zu schützen, gibt es in Deutschland unterschiedliche gewerbliche Schutzrechte.

Alle diese Schutzrechte bieten einen territorial begrenzten Schutz. Ein deutsches Schutzrecht entfaltet nur in Deutschland seine Wirkung, allerdings auch gegen Produkte, die importiert oder über das Internet angeboten werden, unabhängig davon, ob sie in Deutschland oder außerhalb hergestellt werden.

Das Patent schützt technische Produkte oder Verfahren, soweit sie neu und erfinderisch sind. Die Erteilung eines Patents erfolgt nach formaler und materieller Prüfung durch das Patentamt. Die Schutzdauer läuft so lange, wie die fälligen Jahresgebühren entrichtet werden, maximal 20 Jahre ab dem Anmeldetag.

Weltweiter Schutz

Das Gebrauchsmuster schützt technische Produkte, soweit sie neu und erfinderisch sind, jedoch keine Verfahren. Die Eintragung erfolgt nach formaler Prüfung. Die Schutzdauer läuft so lange, wie die fälligen Verlängerungsgebühren bezahlt werden, maximal zehn Jahre ab dem Anmeldetag. Nur in strittigen Fällen, d. h. wenn ein Löschungsantrag eines Dritten vorliegt, führt das Patentamt eine materielle Prüfung durch. Die Marke schützt eine Bezeichnung für bestimmte Produkte (Waren) oder/und Dienstleistungen. Der Anmelder hat einen Rechtsanspruch auf Eintragung der Marke, sofern kein absolutes Schutzhindernis entgegensteht. Die Schutzdauer beträgt zehn Jahre ab dem Anmeldetag; sie ist beliebig oft um zehn Jahre verlängerbar. Das Geschmacksmuster (Design) schützt die äußere Erscheinungsform eines Produkts, soweit sie neu ist und Eigenart aufweist. Die Eintragung erfolgt nach formaler Prüfung. Die Schutzdauer läuft so lange, wie die fälligen Verlängerungsgebühren bezahlt werden, maximal 25 Jahre ab dem Anmeldetag.

Um in mehreren europäischen Ländern oder weltweit Schutzrechte zu erlangen, besteht die Möglichkeit, eine nationale Anmeldung in den gewünschten Ländern selbst zu hinterlegen, oder eine einzige Anmeldung bei einer zuständigen internationalen Zentralbehörde einzureichen. Vom Europäischen Patentamt wird nach einem zentralen Anmelde- und Erteilungsverfahren ein europäisches Patent für die 38 europäischen Mitgliedstaaten erteilt. Nach der Erteilung kann der Patentinhaber entscheiden, in welchen Ländern das Patent durch die Erfüllung der jeweiligen nationalen Vorschriften validiert werden soll. Ein zentrales Patent-Anmeldeverfahren für ein noch größeres internationales, quasi weltweites Gebiet stellt das PCTVerfahren der Weltorganisation für Geistiges Eigentum (World Intellectual Property Organization, WIPO) bereit. Das entsprechende Erteilungsverfahren, das auch die materielle Prüfung der Patentanmeldung umfasst, wird von bestimmten nationalen oder regionalen Ämtern, etwa dem USPatentamt oder dem Europäischen Patentamt, durchgeführt. Marken und Geschmacksmuster (Design) können beim Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt der EU mit Wirkung für die gesamte EU angemeldet und eingetragen werden. Quasi weltweiter Schutz für Mar-

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ken und Geschmacksmuster kann zentral über die WIPO erlangt werden. Die amtlichen Gebühren für ein in Deutschland erteiltes/eingetragenes Schutzrecht, das während zehn Jahren aufrechterhalten wird, belaufen sich in einfachen Fällen und bei normalem Verfahrensverlauf auf 1.910 Euro für ein Patent, 1.120 Euro für ein Gebrauchsmuster, 290 Euro für eine Marke und 160 Euro für ein Geschmacksmuster. Für Schutz in mehreren Ländern fallen höhere Gebühren an. Auch für kleine und mittelständische Unternehmen ist es unverzichtbar, eine Strategie zum Schutz ihrer Innovationen zu entwickeln. Der flankierende Schutz durch gewerbliche Schutzrechte und die Geheimhaltung von firmeninternem Know-how müssen optimal aufeinander abgestimmt werden. Es ist ratsam, einen Fachmann beizuziehen, d.h. einen entsprechend qualifizierten Patentanwalt, dem auf Grund seiner technischen oder naturwissenschaftlichen Hochschulausbildung und der staatlich geprüften juristischen Zusatzausbildung Schnittstellenfunktion zwischen dem Unternehmen und den Patentämtern, Gerichten und Dritten zukommt. Ziel der Strategie sollte es sein, diejenige Kombination von Schutzrechten und anderen Maßnahmen zur Absicherung der Innovationen zu finden, die im Wettbewerb den größtmöglichen Vorsprung vermittelt.

Patentanwalt Dr. sc. techn. ETH Steffen Frischknecht Heller www.fripat.com

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Ausgezeichnet – Preise für Mittelständler Ob besonders innovativ, sozial engagiert oder umweltbewusst – mittelständische Unternehmen können bei Wettbewerben ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen und sich prämiieren lassen. Eine Übersicht bietet zum Beispiel das Onlineportal www.biz-awards.de. Hier eine kleine Auswahl aktueller Preise: Entrepreneur des Jahres Ernst & Young sucht den Entrepreneur des Jahres 2012. Innovative Mittelständler aus allen Branchen, sowohl Wachstumsfirmen als auch Start-up-Kandidaten, können sich bewerben. Voraussetzung ist, das Unternehmen hat seinen Sitz in Deutschland, besteht seit mehr als vier Jahren und beschäftigt mindestens 40 fest angestellte Mitarbeiter (außer in der Kategorie Start-up). Einem der Sieger in fünf Kategorien winkt zudem internationaler Ruhm: Er tritt als deutscher Vertreter bei der Wahl zum „World Entrepreneur of the Year“ an. Zu diesem globalen „Kräftemessen“ treffen sich die besten Unternehmer aus über 50 Ländern, in denen der Wettbewerb mittlerweile stattfindet.

Modellhafte CSR-Aktivitäten kleiner und mittlerer Unternehmen sollen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden. Dazu loben das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft und die Caritas 2012 zum sechsten Mal den Mittelstandspreis für soziale Verantwortung in Baden-Württemberg, Leistung – Engagement – Anerkennung, aus. Bewerben können sich baden-württembergische Unternehmen mit maximal 500 Vollzeitbeschäftigten, die einen Wohlfahrtsverband, einen Verein, eine soziale Organisation, Initiative oder Einrichtung unterstützen und gemeinsam mit ihrem Sozialpartner ein gemeinnütziges Projekt realisieren. Bewerbungsschluss ist der 31. März 2012. Am 26. Juni 2012 werden die beispielhaften Unternehmen im Neuen Schloss in Stuttgart für ihr Engagement ausgezeichnet. www.mittelstandspreis-bw.de

Nachhaltigkeitspreis der EthikBank Die EthikBank zeichnet im zweijährigen Turnus herausragende Unternehmen aller Branchen aus, die die drei Säulen der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie, Soziales) beständig in Einklang bringen. Die Bewertungskriterien orientieren sich an den sozialökologischen Anlagekriterien der EthikBank, wie Schaffen und Erhalten von Arbeitsplätzen, Aus- und Weiterbildung, Personalentwicklung, Gleichberechtigung und Umweltleistungen. Bewerber müssen ihren Firmensitz in Deutschland oder Österreich haben, seit mindestens fünf Jahren existieren und dürfen maximal 500 Mitarbeiter beschäftigen. Auch kleine und gemeinnützige Unternehmen mit mindestens drei Mitarbeitern können sich bewerben. „Tabukriterien“ sind: Militärwaffen, Atomkraftwerke, Ozon zerstörende Chemikalien, gentechnisch veränderte Pflanzen und Saatgut, Tierversuche bei Kosmetika. Die Ausschreibung endet am 30. April 2012. Der Preis wird im Oktober 2012 verliehen. www.ethikbank.de/dieethikbank/nachhaltigkeitspreis.html

Foto: Stefan Rajewski/fotolia

Bewerbungen sind möglich bis zum 31. März 2012: www.ey.com

Mittelstandspreis für soziale Verantwortung in Baden-Württemberg

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DRITTE RUNDE DER INDUSTRIESCHAU Jenaer Industrietage laden im März 2012 an die FH Jena ein Unternehmen, Fachbesucher und die Fachkräfte von morgen treffen sich am 28. und 29. März 2012 an der Fachhochschule Jena. Zum dritten Mal finden dann die Jenaer Industrietage statt; eine Veranstaltung des BVMW-Kreisverbund Jena/Saale-Holzland-Kreis, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Jena mbH und der Fachhochschule Jena. Zur Industrieausstellung am ersten Tag sind Fachbesucher aller Richtungen eingeladen (Eintritt frei!). Mehr als 40 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Institutionen präsentieren sich vor Ort mit ihren Innovationen. Das High-Tech-Treffen bietet eine Plattform, um sich über neueste technologische Entwicklungen auszutauschen, sich Kunden, Zulieferern und Dienstleistern vorzustellen und die eigenen Kontakte mit der regionalen und überregionalen Wirtschaft und Wissenschaft auszubauen. Die ausstellenden Unternehmen repräsentieren Branchen, die in Jena und der Region ansässig sind (Ausstellerliste siehe

Webseite). Ein Besuch lohnt sich also auch für Unternehmen mit einem längeren Anfahrtsweg. Interessant ist auch der Einblick in den Wissenschaftsbetrieb der Fachhochschule Jena, der mit Führungen durch Labore und zu Forschungsschwerpunkten geboten wird. Der Empfang für Unternehmer am Abend des 28. 3. ist ein weiteres Podium für Kontaktpflege und individuelle Gespräche. Begleitet wird der Fachbesuchertag von einem Anwenderforum Optik und Medizintechnik mit den Themen „Optics goes Photonics“ sowie „Medizintechnik – Prosperierendes Geschäft für den OEM“, in dem Fachleute aus Thüringer Unternehmen, vom Fraunhofer-Institut IKTS und der FH Jena zu Wort kommen (ausführliches Programm, Anmeldung und Teilnahmegebühr unter www.jenaer-industrietage.de). Fragen zum Ablauf beantwortet gerne Herr Winter, Leiter des Kreisverbundes Jena/Saale-Holzland-Kreis: Tel. 03641652769 oder per E-Mail dietmar.winter@bvmw.de

28. & 29. MÄRZ 2012 Fachhochschule Jena, Haus 4 28. März 2012 FACHBESUCHERTAG 9 – 17 Uhr: Industrieausstellung mit über 40 regionalen Technologieunternehmen (Eintritt frei!) 13 – 17 Uhr: Anwenderforum Optik und Medizintechnik mit den Themen »Optics goes Photonics« und »Medizintechnik – Prosperierendes Geschäft für den OEM« (bitte vorab anmelden) ganztags: Führungen durch den Wissenschaftsbetrieb der Fachhochschule Jena ab 17 Uhr: »Wirtschaft trifft«: Ausstellerabend mit Unternehmern, Referenten und Gästen Programm und alle Infos sowie Anmeldung zum Anwenderforum und zu Führungen unter: www.jenaer-industrietage.de Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Veranstalter:

www.jenaer-industrietage.de


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„Kunden haften wie ein Bürge” Im Mittelstand-Interview: Marcus Schulz, Vorsitzender der Geschäftsführung USG People Germany GmbH, eines der führenden Personaldienstleister in Deutschland, zur Nicht-Tariffähigkeit der Christlichen Gewerkschaften und den Konsequenzen.

Der Mittelstand: In der Zeitarbeit wurde die Tariffähigkeit der Christlichen Gewerkschaften vom Bundesarbeitsgericht verneint. Welche Folgen hat das? Schulz: Viele Personaldienstleister haben den Christlichen Tarifvertrag über Jahre hinweg guten Gewissens angewendet. Dann kam überraschend das Aus. Wenn die Arbeitsgerichte jetzt auch noch zu dem Ergebnis kommen, dass die Christlichen Tarifverträge von Beginn an unwirksam waren, ist die Folge, dass unser Arbeitnehmerüberlassungsgesetz Lohnnachzahlungen nach dem Equal-Pay-Prinzip vorsieht. Doch bereits jetzt fordern die Sozialversicherungen von den Personaldienstleistern auf diese möglichen Lohnnachzahlungen zusätzliche Sozialversicherungsbeiträge – man spricht von insgesamt zwei Milliarden Euro.

Foto: Alterfalter/fotolia

Der Mittelstand: Kann das Auswirkungen auch auf die Unternehmen haben, die Zeitarbeit genutzt haben oder noch nutzen? Schulz: Ja, es kann passieren. Die Höhe und der Bemessungszeitraum stehen aus Sicht der Sozialversicherungsträger bereits fest. Sie wenden sich an die Personaldienstleister und nennen ihre Forderungen. Die Höhe der Summe wird im Rahmen von Betriebsprüfungen festgelegt. Falls ein Personaldienstleister nicht in der Lage

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ist, die Nachzahlungen zu zahlen, tritt die Subsidiärhaftung in Kraft. Der Mittelstand: Was bedeutet die Subsidiärhaftung für ein Unternehmen? Schulz: Bei Subsidiärhaftung werden die Unternehmen, die Zeitarbeit genutzt haben, mit der Forderung der Nachzahlung konfrontiert. Das heißt, die Kunden haften wie ein Bürge, ohne sich gegen die zuvor ergangenen Beitragsbescheide wehren zu können. Diese Beitragsbescheide sind gegebenenfalls vorher bereits bestandskräftig geworden, sofern sich das Zeitarbeitsunternehmen nicht dagegen gewehrt hat. Die Sozialversicherung muss das Zeitarbeitsunternehmen lediglich einmalig mahnen. Erfolgt dann keine Zahlung, können die Beitragssummen bei den jeweiligen Kunden beigetrieben werden. Dies umfasst auch Säumniszuschläge von zwölf Prozent pro Jahr und Zinsen. Der Mittelstand: Sind bereits Sozialversicherungen auch auf Ihr Unternehmen zugekommen? Schulz: Wir haben vor einigen Jahren ein Zeitarbeitsunternehmen übernommen, das den Christlichen Tarifvertrag ange-

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wendet hat. Als Mitglied des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister haben wir dessen Mitarbeiter schnellstmöglich in den BZA/DGB- und IGBCE-Tarifvertrag überführt. Dennoch sehen wir uns auch mit Forderungen aus den Jahren 2006 bis 2009 konfrontiert. Der Mittelstand: Was haben Sie Ihren Kunden kommuniziert? Schulz: Unsere Kundenunternehmen waren über diese Schritte informiert. Außerdem haben wir mit den Kassen – ohne Anerkennung einer Schuld – vorsorglich Stundungsvereinbarungen geschlossen. Damit sind automatisch auch unsere Kunden vor existenzvernichtenden Forderungen geschützt. Der Mittelstand: Ihr Rat für Unternehmen, die Zeitarbeit mit Christlichem Tarifvertrag genutzt haben? Schulz: Wir raten Unternehmen, die Zeitarbeit genutzt haben, sich unter anderem bei dem Zeitarbeitsunternehmen darüber zu informieren, welcher Tarifvertrag in den Jahren 2006 bis 2010 zur Anwendung kam. Meine Empfehlung: Erst Informationen einholen und bei Unklarheiten, die einen wesentlichen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage haben können, sich Rechtsbeistand holen.


SERVICE

§ Wie ist die aktuelle Rechtslage?

Checkliste für Unternehmer • Mit welchem Zeitarbeitsunternehmen arbeiten Sie heute zusammen (genaue Firmierung mit HRB-Nummer)? • Mit welchem Zeitarbeitsunternehmen haben Sie in dem Zeitraum von 01.12.2005 bis heute zusammengearbeitet? Hat ein Wechsel des Zeitarbeitsunternehmens stattgefunden? Warum? • Welchen Tarifvertrag der Zeitarbeit hat der Personaldienstleister angewandt, mit dem Sie in dem Zeitraum von 01.12.2005 bis heute zusammengearbeitet haben? Lassen Sie sich hierzu Arbeitsverträge von Arbeitnehmern zeigen, die in diesem Zeitraum bei Ihnen eingesetzt waren. • Ist die Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und PSA (CGZP) an dem seinerzeit angewandten Tarifvertrag der Zeitarbeit beteiligt gewesen? Bis wann wurden entsprechende Tarifverträge angewandt? • Wurde der Personaldienstleister bereits von der Deutschen Rentenversicherung auf Nachzahlungen zur Sozialversicherung geprüft? Mit welchem Ergebnis? • Welche Bruttolohnsumme hat der Personaldienstleister in dem Zeitraum von 01.12.2005 bis heute / bis zur Beendigung der CGZP-Anwendung zur Sozialversicherung gemeldet? • Um wie viel Prozent (= Lohndifferenzsatz) hat der Stundenlohn, den der Personaldienstleister in dem Zeitraum

von 01.12.2005 bis heute / bis zur Beendigung der CGZP-Anwendung seinen bei Ihnen eingesetzten Mitarbeitern gezahlt hat, den Stundenlohn Ihres vergleichbaren Stammarbeitnehmers circa unterschritten? • Multiplizieren Sie die von dem Personaldienstleister genannte Bruttolohnsumme in dem Zeitraum von 01.12.2005 bis heute / bis zur Beendigung der CGZP-Anwendung mit dem Lohndifferenzsatz und ziehen Sie hiervon 25 Prozent ab. Unterstellt, diese Summe müsste der Personaldienstleister nachträglich zur Sozialversicherung verbeitragen (Beitragssatz ca. 43 Prozent): Verfügt er über die nötige Liquidität? Der Lohndifferenzsatz ist der prozentuale Satz, um den der in der Vergangenheit gezahlte Lohn das „Sollentgelt“ (Equal Pay) bei Kunden unterschritten hat. Also ist der in der Vergangenheit gezahlte Lohn entsprechend zu erhöhen beziehungsweise nachzuzahlen. Von dem in der Vergangenheit gezahlten Lohn ist aber ein nicht unerheblicher Teil nicht Equal Pay-relevant, also nicht zu erhöhen. Andererseits können Zwölf-Prozent-Säumniszuschläge aufzuschlagen sein. Im Ergebnis dürfte ein 25-prozentiger Abzug einer vorsichtigen Risikokalkulation Rechnung tragen. • Wenn der Personaldienstleister nicht über die nötige Liquidität verfügt: Durch welche Maßnahmen verhindert er die Insolvenz? Lassen Sie sich sein Konzept erläutern.

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• Bislang wurde mit Beschluss vom 14.12.2010 durch das Bundesarbeitsgericht (BAG) die fehlende Tariffähigkeit der CGZP ausschließlich für die Gegenwart und Zukunft festgestellt. • Das Landesarbeitsgericht BerlinBrandenburg hat diese Rechtsprechung mit Beschluss vom 09.01.2012 auf den Vergangenheitszeitraum bis einschließlich 2004 erstreckt. • Das Rechtsmittel zum BAG wurde gegen den Beschluss vom 09.01.2012 nicht zugelassen. Es wird erwartet, dass daher im Mai rechtskräftig feststeht, dass die CGZP seit einschließlich 2004 nicht tariffähig gewesen ist. • Bis Anfang 2013 werden die Urteile in I. Instanz in den Equal-PayKlagen der betroffenen Zeitarbeitnehmer ergehen. Die letztendliche Entscheidung des BAG zu der Frage, ob den klagenden Arbeitnehmern Equal-Pay-Ansprüche zustehen, wird nicht vor Ende 2014 erwartet. • Ob die Sozialversicherung tatsächlich berechtigt ist, die Beiträge – wie derzeit bereits erfolgt – nachzufordern, wird wahrscheinlich nicht vor 2016 abschließend geklärt sein. • In einstweiligen Verfügungsverfahren entscheiden die Sozialgerichte bislang je zur Hälfte für die Zeitarbeitsunternehmen oder die Sozialversicherung.

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SERVICE

Das Geheimnis der Arbeit Wie gut ist mein Ruf? So werden wir produktiver

Strategien für eine gute Reputation

Schon Friedrich Nietzsche erkannte: „Wer ein Warum hat, dem ist kein Wie zu schwer.“ Dieses Buch handelt sowohl von dem „Warum“ als auch dem „Wie“ der Sinnstiftung am Arbeitsplatz. Der globale Wettbewerb, wirtschaftliche Probleme, die Technisierung der Arbeitsprozesse und die Arbeitsplatzunsicherheit haben eine neue Arbeitswelt entstehen lassen. Die neuen Tätigkeiten sind anspruchsvoller und stellen hohe Anforderungen. Vielen Mitarbeitern fehlt jedoch der Sinn ihrer Tätigkeit, was zu Demotivation und weniger Leistung führt. Unternehmen müssen sich daher nicht fragen, wie sie ihre Mitarbeiter dazu bringen, mehr zu arbeiten, sondern wofür. Wer weiß, welche Ziele er mit seiner Arbeit verfolgt, ist engagierter, produktiver und loyaler, was sich auf den Unternehmenserfolg auswirkt. Dave und Wendy Ulrich helfen auf Basis von sieben Fragen eine positive Identität zu entwickeln, echtes Engagement zu erzielen, Beziehungen aufzubauen, ein gutes Arbeitsumfeld zu erzeugen, einen tieferen Sinn zu finden und einen kontinuierlichen Lernprozess in Gang zu setzen. Das Buch gibt Führungskräften Ideen, Instrumente und Praktiken an die Hand, die eine Steigerung der Sinnhaftigkeit und Reichhaltigkeit liefern können.

Noch nie war Privates so öffentlich wie heute! Warum ist es wichtig, was andere über mich denken? Weil Privates heute öffentlich ist und ein schlechter Ruf gesellschaftliche Ausgrenzung bedeutet. Und ist der Ruf erst ruiniert – adé Karriere und Erfolg. Rufmord und eine schlechte Reputation lauern im Internet an jeder Ecke. Ein jahrelang mühevoll aufgebauter Ruf ist heute innerhalb von Tagen ruiniert, das haben von Guttenberg und Strauss-Kahn deutlich gemacht. Wie sich ein guter Ruf aufbauen und dauerhaft bewahren lässt, zeigen die beiden Reputationsexperten Bernhard Bauhofer und Michael Neubert. Sie betrachten das Thema über den gesamten Lebensweg – von der Ausbildung bis zur beruflichen Karriereleiter, von der Partnersuche bis zum sozialen und kulturellen Engagement. Zudem gewähren sie einen Einblick in die Geheimnisse von Reputationsstars wie Steve Jobs und Juanes, dem kolumbianischen Weltstar und Friedensaktivisten. Das Buch beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Wie gut ist mein Ruf? Welchen Ruf will ich haben? Danach werden die Erfolgsfaktoren erklärt, die eine Reputation beeinflussen. Vier Praxis-Tools zeigen die Wege auf, um den guten Ruf sowohl in der realen als auch in der virtuellen Welt aufzubauen. Und falls es dann doch mal schief geht: Im Kapitel Krisenmanagement wird gezeigt, wie man mit die Fallstricke des Lebens umgeht.

Fazit: Die Autoren haben einen Leitfaden verfasst, der beschreibt, worauf es den Mitarbeitern im Unternehmen ankommt, worauf sie Wert legen und unter welchen Bedingungen sie bereit sind, ihre Leistung täglich zu hundert Prozent abzurufen – zum beiderseitigen Vorteil.

Dave Ulrich / Wendy Ulrich Das Geheimnis der Arbeit So werden wir produktiver Redline Verlag 2012 352 Seiten

24,99 €

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Fazit: Das Buch ist ein guter Reputations-Check für Situationen online und offline. Und ein wertvoller Ratgeber mit vielen, einfach umsetzbaren Tipps für den beruflichen und privaten Alltag.

Bernhard Bauhofer / Michael Neubert Wie gut ist mein Ruf? Die besten Strategien für eine gute Reputation GABAL 2012 176 Seiten

19,90 €

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SERVICE

Andreas Suchanek

Peter Wawerzinek

Ökonomische Ethik (Taschenbuch)

Rabenliebe Roman

UTB, Stuttgart 2007, 199 Seiten

btb Verlag 2012, 432 Seiten

9,90 €

10,99 €

Tomáš Sedlácek

Rolf Dobelli

Die Ökonomie von Gut und Böse (gebundene Ausgabe)

Die Kunst des klaren Denkens 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen

Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG 2012, 448 Seiten

Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG 2011, 256 Seiten

24,90 €

14,90 €

Marlis Thiel

Eberhard Hamer

Der Kaufmann und der Dichter Roman

Mittelstand unter lauter Räubern Die Plünderung der Selbstständigen

Donat 2011, 240 Seiten

Aton 2011, 250 Seiten

25,00 €

18,80 €

Data Unser Wie Kundendaten die Wirtschaft revolutionieren Google, Amazon, Apple, ebay und facebook haben ihre globalen Geschäftsmodelle auf (Kunden-)Daten aufgebaut und zeigen heute schon, wohin die Reise in Sachen umfassende Kundenkenntnis und differenzierte Ansprache geht. Doch während vor Björn Bloching / Lars Luck / Thomas Ramge Data Unser Wie Kundendaten die Wirtschaft revolutionieren Redline Verlag 2012 224 Seiten

24,99 €

zehn Jahren nur Großunternehmen über die Ressourcen verfügten, die Daten ihrer Kunden im großen Stil zu sammeln, kann heute jeder Pizza-Lieferservice datenbasierte Kundenbindung betreiben. Hersteller und Händler in Massenmärkten sammeln weltweit massenhaft digitale Daten. Kreditkartenfirmen wissen sogar, wer sich in den nächsten fünf Jahren scheiden lässt. In dieser neuen Welt können Unternehmen Kundenverhalten vorhersagen. Sogar oft besser als die Kunden selbst. Mit Social Media, Cloud und Smartphone heben sich die Grenzen von Online- und Offline-Welten mehr und mehr auf – und verbreitern die Datenbasis weiter. Die Gewinner im großen Stil des datenbasierten Marketings werden Firmen sein, die relevante Informationen über ihre Kunden herausfiltern und dieses Wissen in allen Bereichen einsetzen. Fazit: Datenanalyse statt Datenparalyse lautet das Gebot der Stunde. Am neuen Data Unser kommt niemand vorbei.

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Service

Marktplatz Internet Wertschöpfung neu denken

Thomas Natkowski Foto: Sebastian Kaulitzki/fotolia

Diplom-Volkswirt und Berater für E-Commerce und Online-Strategie, Herausgeber des Sammelbands "Online gewinnen" www.xing.com/profile/ Thomas_Natkowski

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Service

Permanente technische und gesellschaftliche Veränderungen verlangen von Unternehmen eine ebenso stete Prüfung und Erneuerung ihrer Produkte, Prozesse und somit ihrer Wertschöpfung, um im Wettbewerb bestehen zu können. Eine der größten Herausforderungen der letzten Jahre stellt sicher die Verbreitung des Internets dar, welche zunächst die Medien und den Handel, zunehmend aber auch viele weitere Branchen beschäftigen wird. Denn von E-Mail und Firmenwebseite abgesehen nutzen viele Unternehmen das Internet für ihre Wertschöpfung bislang nicht. Als Medium und Informationskanal ist das Internet gerade dabei, zumindest in einigen Teilen der Bevölkerung das Fernsehen als wichtigstes Nachrichtenmedium abzulösen. Damit erhöht sich auch seine Bedeutung als Werbeträger. Im vergangenen Jahr haben die Gesamtausgaben für Online-Werbung erstmals die 6-Milliarden-Euro-Marke überschritten und werden 2012 wohl ein Viertel zum deutschen Bruttowerbebudget beitragen. Medienunternehmen haben ihre Wertschöpfung mit unterschiedlichem Erfolg dieser Entwicklung angepasst. Vorreiter Versandhandel Für Branchen wie den klassischen Versandhandel ist das Internet längst Verkaufsplattform und Dialogkanal und somit integraler Bestandteil der Wertschöpfungskette. Schon vor etwa 15 Jahren haben viele Katalogversender begonnen, sich in gesonderten Abteilungen mit den neuen Medien zu beschäftigen. Heute macht der Anteil des Online-Handels nicht selten 80 Prozent des Umsatzes aus und stellt somit das Kerngeschäft dar. Viele Händler haben es aber bis heute nicht verstanden, die einstigen Innovationen in ihre Prozesslandschaft zu integrieren. Zentrale Abteilungen wie Einkauf, Marketing und Logistik arbeiten noch immer im OfflineModus. Zwar kann das Online-Geschäft die Einbußen aus dem Katalogversand kompensieren, am rasanten Wachstum des Online-Marktes nehmen diese Unternehmen aber oft nicht teil.

Die reinen Online-Player können mit anderen Kostenstrukturen Marktpreise setzen und mit schlankeren Prozessen oft agiler auf Kundenbedürfnisse reagieren. Diese Unternehmen haben ihre Geschäftsmodelle vollkommen auf technische Innovationen aufgebaut und zeigen, dass nur eine konsequente Ausrichtung auf das Nutzungsverhalten des Kunden zum Erfolg führt. Der Reifegrad, welcher bei der Analyse und Steuerung des Nutzerverhaltens im Online-Marketing und Online-Handel erreicht wurde, ist bemerkenswert: User Targeting, Personalisierung oder Mass Customization heißen die Schlüsselbegriffe einer effizienten Bedarfsdeckung im Online-Handel. Nachzügler Einzelhandel

Wie schnell Wertschöpfungsstufen im Netz übersprungen werden können, zeigen vor allem die dominanten Internet­ akteure. Google ist für die meisten noch immer eine normale Suchmaschine. Dabei hat das Unternehmen mit seinen Spezialsuchen, wie Google Products, dem Markt der Preis- und Produktvergleiche Konkurrenz gemacht und mit Google Checkout tritt es zumindest in den USA auch direkt gegen die Händler an. Amazon, einst ein Online-Buchhändler, bietet inzwischen nicht nur anderen Händlern einen Marktplatz mit Lager und Logistik, sondern produziert inzwischen auch eigene Geräte und verlegt eigene Bücher. Apple, einst ein Computer-Hersteller, ist inzwischen einer der größten internationalen Händler für digitale Medienformate.

Für lokale Händler und Dienstleister war das Internet lange Zeit kein Segen, fanden sie doch kaum eine Antwort auf das rasante E-Commerce-Wachstum. Aber noch werden fast 95 Prozent aller Handelsumsätze offline verdient und mit der zunehmenden Verbreitung mobiler Endgeräte sowie den Möglichkeiten der Lokalisierung entwickeln auch diese Akteure zunehmend Konzepte, die Sichtbarkeit ihrer lokalen Produkte und Dienstleistungen zu erhöhen, Kunden zu gewinnen oder zu binden. Als ein prominentes Beispiel sei Groupon genannt, welches online mit Hilfe traditioneller Gutscheine für Sonderangebote nach neuen Kunden für den OfflineHandel sucht.

Nachdenken über neue Geschäftsmodelle

Hersteller könnten die nächste Gruppe sein, welche ihre Wertschöpfung massiv in Richtung Internet und E-Commerce ausdehnen. Abgesehen von einigen Markenherstellern scheuen jedoch noch viele, ihre Produkte an den über Jahre gewachsenen Groß- und Einzelhandelsstrukturen vorbei anzubieten. Und doch sollten der direkte Draht zum Endkunden wie wesentlich höhere Margen Anreiz genug sein, im Internet neue Wege zu beschreiten. Online-Marktplätze, Payment- und Logistikdienstleister stellen schon heute jede erdenkliche Infrastruktur bereit und für viele lohnt sicher auch die Investition in die eigene E-Commerce-Kompetenz.

Dass dabei die Ergänzung oder Erweiterung der Online-Wertschöpfungskette durch Innovationen nicht immer eine Make-Entscheidung sein muss, beweisen die Beteiligungsgesellschaften der großen Medien- und Handelshäuser, von Holtzbrinck bis zur Otto Group. Diese finanzieren massiv innovative Geschäftsmodelle und Technologien junger Gründer. Dem Mittelstand fehlt für eine solche Infrastruktur nicht selten die Kapazität, doch sein Branchenwissen verbunden mit aktivem Innovationsmanagement kann mittelfristig auch Online zum Erfolg führen.

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Wie dargestellt, bieten sich selbst Branchen, die das Internet wie der Handel bereits intensiv erschlossen haben, erstaunliche Potentiale. Für Unternehmen gilt es, permanent nach Innovationen zu suchen und diese im Sinne einer größeren Wertschöpfung auszunutzen. Dabei ist es angebracht, auf jeder Stufe der eigenen Wertschöpfungskette technologische Neuerungen, Änderungen im Nutzerverhalten wie im Wettbewerb im Blick zu behalten und Prozesse zu implementieren, die es der Organisation ermöglichen, Innovationen flexibel und wirkungsvoll umzusetzen.

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SERVICE

Datenzoll statt Netzneutralität? Vier Qualitätsklassen für Datenübertragungen im Internet – wer trägt in Zukunft die zusätzlichen Kosten?

Der Erfolg des Internets beruht seit seinen Anfängen in den 60er Jahren immer auch auf dem sogenannten Best Effort Prinzip. Private E-Mails werden genauso schnell transportiert wie ein HD-Video einer neuen Produktlinie oder ein Voice-Over-IPTelefonat mit einem Vertriebspartner in Übersee. Und zum gleichen Preis.

Fotounten: T. Michel/fotolia | Foto oben: Joachim Kreft/fotolia

Damit moderne Anwendungen wie Breitband Streaming bei IPTV oder Telemedizin reibungslos funktionieren, sind allerdings Qualitätsstandards nötig, die zum Beispiel dem behandelnden Arzt zuverlässig garantieren, dass die hochauflösende Übertragung aus dem OP in Echtzeit bei ihm ankommt. Daneben nimmt das allgemeine Datenvolumen in den Kabelnetzen und insbesondere im Mobilfunk immens zu, und ein Ende der stetig steigenden Tendenz

ist dabei nicht abzusehen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist es einerseits nötig, bestimmten zeitkritischen Anwendungen eine höhere Priorität beim Transport zuzuweisen und andererseits die Netze auszubauen. Aus dieser Situation leiten die großen Netzbetreiber nun die Möglichkeit ab, generell Qualitätsklassen einzuführen, deren Leistungen aufeinander aufbauen und jeweils extra zu bezahlen sind. Aus dem Gewinnzuwachs durch Produktdifferenzierung soll schließlich der Netzausbau finanziert werden. Im Rahmen des von der Bundesnetzagentur initiierten NGAForums haben sie zunächst vier Qualitätsklassen für Endkunden vereinbart: Best Effort, Voice, Video und Critical Application. Die Einführung beliebiger weiterer Klassen behalten sich die Netzbetreiber dabei vor. Sie einigten sich außerdem darauf, dass die einzelnen Qualitäts- und Leistungsparameter ebenfalls mit dem Anbieter der Inhalte zu verhandeln sind. Im Klartext bedeutet das: E-Mails können wie bisher versandt werden. Aber die Möglichkeit, VoIP-Telefonate zu führen, hat künftig nur, wer die entsprechende Qualitätsklasse gebucht hat. Und das HD-Video auf einer Website wird nur derjenige potentielle Kunde verzögerungsfrei sehen, der auch die dritte Klasse

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bezahlt – vorausgesetzt, der Vertrag mit dem Provider schließt derartig datenintensive Formate auf der Internetpräsenz ein. Unternehmen wie Google, der Betreiber der Videoplattform Youtube, verhandeln bereits mit europäischen Providern, um möglicherweise auch den Endkunden, die keine zusätzliche Qualitätsklasse gebucht haben, ihr Angebot in bestmöglicher Form präsentieren zu können, indem sie die erhobenen Zusatzgebühren selbst übernehmen. Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) der Bundesregierung hat in ihrem Jahresgutachten 2011 bereits darauf hingewiesen, dass „sichergestellt werden [muss], dass vertikal integrierte Netzanbieter keine Möglichkeit erhalten, durch Blockierung, Verzögerung und Priorisierung bzw. strategische Preissetzung die Vielfalt von Angeboten im Internet einzuschränken.“ Sicherzustellen hat dies die Netzagentur, und der Gesetzgeber muss ihr klare Rechtsgrundlagen verschaffen, um zu verhindern, dass hier Marktkräfte eingeschränkt werden.

Thorbjörn Siebert Webmaster www.bvmw.de


ADVERTORIAL

Energiesparen mit System Steigende Energiekosten belasten viele Unternehmen zunehmend. Oft ist nicht sofort ersichtlich, wo die Stromfresser lauern und wie man sie ausschalten kann. Die Lösung kann ein Energiemanagementsystem liefern. Es hilft dabei, Energieverbrauch und Einsparpotenziale zu ermitteln und zu bewerten. Auf dieser Basis können Entscheidungen für Investitionen zur Verbesserung der Energieeffizienz getroffen werden. Dies ermöglicht Unternehmen, ihren Energieverbrauch kontinuierlich zu senken und dabei gesetzliche Anforderungen zu berücksichtigen. Die im Juni 2009 in Kraft getretene Norm DIN EN 16001 legt EU-weit einheitliche Kriterien für ein Energiemanagementsystem für Unternehmen fest. Die Norm wurde so entwickelt, dass sie mit anderen Manage-

mentsystemen, wie etwa Qualitäts- und Umweltmanagement, vereinbar ist. Die erfolgreiche Einführung und Umsetzung des Energiemanagementsystems wird durch staatlich anerkannte Organisationen, wie TÜV oder DEKRA, zertifiziert. Unternehmen mit einem Jahresstromverbrauch von mehr als 10 GWh müssen ein Energiemanagementsystem vorweisen, um Vergünstigungen bei den EEG Abgaben in Anspruch nehmen zu können. Auch Unternehmen des produzierenden Gewerbes mit Jahresstrombezugsmengen von 1 GWh oder mehr an einer Abnahmestelle können EEG-Vergünstigungen erhalten, wenn ihre Stromkosten mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung des Unternehmens ausmachen. Für diese Unternehmen ist ein zertifiziertes Energiemanagement nicht zwingend erforderlich.

Die EU-Kommission hat die Steuervergünstigungen der deutschen Wirtschaft bis zum 31.12.2012 genehmigt. Die Bundesregierung wird ab 2013 den im Haushaltsbegleitgesetz zu beschließenden Spitzenausgleich im Rahmen der Energie- und Stromsteuer nur noch gewähren, wenn die Betriebe einen Beitrag zu Energieeinsparungen leisten. Der Nachweis dafür kann durch ein zertifiziertes Energiemanagementsystem oder andere gleichwertige Maßnahmen erfolgen. Gern beraten Sie die Ingenieure von enviaM zu Möglichkeiten der Energie- und Kosteneinsparung sowie zur DIN 16001. Ansprechpartner: Dr. Lars Freygang, Leiter Energy Services, Tel.: 0371 482-2047, E-Mail: lars.freygang@ enviam.de

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„DENN GESCHÄFTSKUNDEN SIND NICHT OTTO NORMAL.“ Wir möchten Sie dabei unterstützen, dass Ihr Geschäft noch besser läuft. Zum Beispiel mit günstigen, planbaren Energiekosten und preisstabilen Lieferverträgen oder mit maßgeschneiderten Lösungen für den effizienten Energieeinsatz. Hört sich nach Arbeit an? Die können Sie gern uns überlassen. Weitere Informationen unter 0341 120-8646 oder www.enviaM.de.

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SERVICE

Erfolg und Spaß mit Normung

Foto: toolklickit/fotolia

Neue Märkte, neue Kunden: DIN als Dienstleister für Innovatoren

Normen und Standards bereiten Innovationen einen Markt. Kunden greifen bei der Auftragsvergabe lieber auf einen Standard als Grundlage zurück, als sich ausschließlich an ein Unternehmen zu binden, auch wenn dies noch so innovative, aber singuläre Produkte zu bieten hat. Die Kunst besteht für ein innovatives Unternehmen oder ein Forschungsprojekt darin zu erkennen, ob und in welchem Stadium

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der Innovation eine Entscheidung für Standardisierung sinnvoll ist. Dies hängt ab von der Strategie des Unternehmens, seiner Stellung am Markt und der Natur seiner Produkte, also etwa ihrer Einbindung in ein System. Im Deutschen Institut für Normung (DIN) finden interessierte Unternehmen und Forschungsinitiativen Ansprechpartner, die über lange Jahre Erfahrung haben mit dem frühzeitigen Ineinan-

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SERVICE

dergreifen von Forschungs-, Innovations- und Entwicklungsprozessen mit Normung- und Standardisierungsaktivitäten. Beispiel Nanotron Technologies GmbH „Innovation braucht Normung“, sagt Dr. Jens Albers, Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens Nanotron Technologies GmbH. Während nicht jeder mittelständische Unternehmer Normung und Innovation in einem Atemzug nennen würde, ist Dr. Albers davon überzeugt, dass sich die intensive Mitarbeit in der Normung für sein Unternehmen ausgezahlt hat. Das Berliner Unternehmen beschäftigt 20 Mitarbeiter und ist im Bereich drahtlose Sensornetzwerke tätig. Zunächst hatte Nanotron im Rahmen des amerikanischen Ingenieurverbandes IEEE an einer Norm für die entwickelte Funktechnologie mitgewirkt. Dadurch konnten die Produkte frühzeitig eine Zulassung der entsprechenden Behörden auch für den US-Markt bekommen. Inzwischen ist Nanotron in verschiedenen Gremien der Internationalen Normungsorganisation ISO tätig. „Fachmitarbeiter haben einen technologischen Austausch auf höchstem technischen Niveau. Außerdem besteht ein direkter Kontakt zu den Kunden, und es kann unmittelbar Kundenakquise betrieben werden“, nennt Albers neben der marktöffnenden Wirkung der Normen weitere Gründe für die Teilnahme seines Unternehmens an den ISO-Gremien. Beispiel COROCORD GmbH Auch Torsten Frank, Geschäftsführer der COROCORD GmbH, nimmt sich persönlich Zeit, die Interessen seines Unternehmens in der europäischen Normung zu vertreten und tauscht sich am Normungstisch mit Kunden und Prüfern aus. Das kleine Unternehmen hat sich auf Spielplatznetze spezialisiert. Innovative Ideen für Produkte und deren Komponenten müssen dabei stets den hohen Ansprüchen an die Sicherheit der Kinder genügen. Die Normung erlaubt es Frank, eigene Produktlösungen einzubringen oder mitunter auch zu verteidigen.

von Softwareherstellern, Branchenverbänden, Forschungsinstitutionen und Anwenderunternehmen erarbeitet wurde. Die Spezifikation erfreute sich schnell breiter Akzeptanz in der Industrie, weil es gelungen war, die Komplexität des elektronischen Datenaustausches zu reduzieren. Das Unternehmen myOpenFactory betreut heute mit zehn Mitarbeitern 500 Kunden aus der Maschinenbau- und deren Zulieferindustrie. Geschäftsführer Dr. Carsten Schmidt sagt dazu: „Die Nutzung der Spezifikation reduzierte das Risiko der anschließenden Markteinführung erheblich, weil der adressierte Markt durch die intensive Vorbereitung der potenziellen Kunden im Rahmen des gemeinsamen Standardisierungsprozesses bereits eingehend informiert war.“

Sibylle Gabler Kommunikationsmanagerin DIN Deutsches Institut für Normung e. V. www.ebn.din.de

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Als vor einigen Jahren die Gesamthöhe von Kletternetzen auf drei Meter Höhe begrenzt werden sollte, konnte er mit seinem Sicherheitskonzept dagegen halten. Auch Frank hat mehr als nur eine Motivation, an der Normung teilzunehmen, wie er augenzwinkernd zugibt: „Normung macht nämlich Spaß!“

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Beispiel myOpenFactory

Versorgung Debitorenmanagement

Normung, beziehungsweise ihre schnellere Schwester, die Standardisierung, kann nicht nur Produkten auf den Markt helfen, sondern gleich ganzen Unternehmen. Ausgangspunkt für eine Unternehmensgründung war beispielsweise die Spezifikation PAS 1047 „myOpenFactory: Prozess- und Datenstandard für die überbetriebliche Auftragsabwicklung“, die 2007 im Deutschen Institut für Normung (DIN) unter Beteiligung

Ich berate Sie gern in einem persönlichen Gespräch Rainer Schuler, Niederlassungsleiter SÜDVERS-GRUPPE - Niederlassung Leonberg Tel. +49 71 52 92 62-250, rainer.schuler@suedvers.de

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Mehr Erfolg mit Xing

Foto: seewhatmitchsee/iStock

Gewinnung von Neukunden und qualifizierten Mitarbeitern

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„Ein professionelles Xing-Profil ist die Basis für wirksame und erfolgreiche Maßnahmen in Xing“! Mit weltweit rund 11,4 Millionen Nutzern ist die Businessplattform Xing ein wichtiges Marketinginstrument für den Mittelstand. Allein im deutschsprachigen Raum nutzen 5,1 Millionen Mitglieder die Businessplattform. Sie suchen und finden dort Aufträge, Kooperationspartner, qualifizierte Fachkräfte und präsentieren ihr Unternehmen. Kaltakquise ade So lassen sich etwa neue Kunden über die „erweiterte Suche“ selektieren. Im Vergleich zu Kontaktadressen von Adressverlagen sind die Informationen bei Xing weit umfangreicher: Was suchen potenzielle Interessenten und was bieten sie? Welchen Organisationen und Gruppen gehören sie an? Alles relevante Informationen, um einfacher sinnvolle Kontakte zu knüpfen, aber auch Gemeinsamkeiten zu finden und Verbindungen zu schaffen. Xing eignet sich aber auch gut für das Empfehlungsmarketing. Wenn ein mittelständischer Unternehmer einen passenden Kontakt gefunden hat, erfährt er auch gleich, in welchem Verhältnis diese Person zu bereits bestehenden Kontakten steht. In vielen Fällen kennt einer dieser Kontakte den neuen Kontakt. Nun kann man den bestehenden Kontakt bitten, eine Empfehlung oder Referenz auszusprechen. So wird aus einem Kaltkontakt ein empfohlener Warmkontakt.

oder nicht, entscheidet sich in der Regel in weniger als zehn Sekunden. Deshalb sollten Sie auch die Präsentationsmöglichkeiten auf der Seite „Über mich“ voll ausnutzen. Außerdem kann jedes XingProfil auch von Google gefunden werden, wenn in Xing die entsprechende Einstellungen gewählt wurde. So ist das eigene Profil auch für Nicht-Xing-Mitglieder im Internet auffindbar. Social Media in der Personalbeschaffung Xing ist aber nicht nur für die Akquise einsetzbar, sondern auch beim Rekrutieren. Ein gut entwickeltes Netzwerk mit verlässlichen Kontakten ist gerade bei der Kandidatensuche Gold wert. Erfahrungsgemäß werden mehr als 50 Prozent aller Jobs über persönliche Netzwerke vermittelt. Eine empirische Untersuchung unter den deutschen Top-1.000-Unternehmen zeigt: Die besten Kandidaten kommen aus dem eigenen, persönlichen Netzwerk. 18 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, regelmäßig in Xing aktiv nach geeigneten Kandidaten zu suchen. Mit der sogenannten Xing „Recruiter-Mitgliedschaft“ finden Sie schneller und effektiver Mitarbeiter. Mit exklusiven Suchfiltern lässt sich die Relevanz der Suchergebnisse erhöhen. So lassen sich die Suchergebnisse per Klick etwa nach „Berufserfahrung“, „Karrierelevel“, „Arbeitsort“ oder „Letzte Position“ filtern. So lassen sich nicht nur viel Zeit, sondern auch Kosten sparen.

Quick-Tipps für den Mittelstand: • Erweiterte Suche nutzen: Setzen Sie die erweiterte Suchfunktion ein, um die passenden Kontakte zu finden und grenzen Sie sie bei Bedarf regional ein. • Empfehlungsmarketing nutzen: Lassen Sie sich durch Ihre Kontakte empfehlen und vermeiden Sie so lästige Kaltansprachen. • L assen Sie sich finden: Von potenziellen Interessenten angesprochen zu werden, bringt Sie in eine bessere Position. Optimieren Sie Ihr Xing-Profil, nur so können Sie gefunden werden. • Empfehlungen aussprechen: Bei Social Media ist geben seliger denn nehmen. Insofern sprechen Sie für Ihre Kontakte Empfehlungen aus. Es wird sich um ein Vielfaches für Sie lohnen! • Recruiter-Mitgliedschaft buchen: Nutzen Sie als Personalentscheider exklusive Suchfilter. Finden Sie so effektiver und kostengünstig neue Talente.

Ihr professionelles Xing-Profil Auch für potenzielle Interessenten ist man bei Xing auffindbar. Das eigene Profil muss dafür aber sofort erkennen lassen, welche Leistungen und welchen Nutzen der Interessent erwarten kann. Die Entscheidung, ob ein Profil interessant ist

Ralph Dannhäuser Experte für wirksames Xing-Marketing & -Recruiting www.erfolgreich-netzwerken.de

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Kino im Kopf

Foto: Pozor/fotolia

Wie Mittelständler die Rede als Kommunikationsmittel und wichtiges Führungsinstrument nutzen können

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Viele Politiker, vor allem in Bundes- und Landesregierungen, lassen sich ihre Reden schreiben oder zumindest Formulierungsvorschläge vorbereiten von Profis, die ein Gespür haben für Aufbau, Struktur und Wirkung einer erfolgreichen Rede. Das ist kein Geheimnis, denn die Arbeit von fest angestellten und freiberuflich tätigen Redenschreibern ist eine anerkannte Dienstleistung. Leider wird sie zu oft nur mit Politikern in Verbindung gebracht. In Industrie, Handel und Wirtschaft werden Chancen und Bedeutung einer guten Rede vielfach übersehen. Wie ein Redetext zu verfassen ist, hängt unter anderem von der Zielgruppe und dem Ziel der Rede ab. Beim Entwurf sind daher Grundlagen und Regeln zu berücksichtigen, wie sie auch für andere Texte gelten, für Pressemitteilungen etwa, Imagebroschüren oder Geschäftsberichte. Gerade die Rede an eigene Mitarbeiter ist mehr als nur ein Kommunikationsweg, sie ist ein Führungsinstrument. Mit einer gelungenen Rede können Menschen ermutigt, Produktivität und Qualität gesteigert und heterogene Belegschaften zu vertrauensvoller Zusammenarbeit motiviert werden. Der Erfolg einer Rede setzt Vorbereitung und Übung voraus. 1. Das Ziel vor Augen haben Zunächst muss klar sein, welches Ziel mit der Rede erreicht werden soll. Ist die Rede das geeignete Mittel, um bestimmte Ziele zu erreichen? Dazu müssen auch Kernaussagen und Botschaften feststehen, die in dem Redemanuskript ausformuliert werden. 2. Reden ist Dialog Auch wenn nur einer redet: Eine Rede ist kein Monolog, sondern ein Dialog. In die-

ser Wechselbeziehung zwischen Redner und Publikum ist es wichtig, die Sprache der Zuhörer zu sprechen. Damit ist nicht (nur) die Landessprache gemeint, sondern vor allem die Verständlichkeit. Rede ich vor Handwerkern, vor Führungspersonen, dem Management oder Investoren, vor Technikern oder vor Endverbrauchern? Nur wenn die Zuhörer die Botschaften wirklich verstehen, können Redner ihr Ziel erreichen. 3. Inhalte aufbereiten und strukturieren Vor dem Ausformulieren werden die wesentlichen Inhalte einer Rede zusammengetragen. Zwei Dinge sind dabei wichtig. Erstens muss sich der Redner in seinem Thema auskennen und zweitens muss die Rede positiv bewegen. Auch schlechte Nachrichten sollen nicht Trübsal und Blockade, sondern Motivation und Engagement auslösen. Zu oft werden hier die Chancen der Motivationsrede unterschätzt. Wichtig ist, dass die Redner (Unternehmer, Geschäftsführer, Standortleiter etc.) nachvollziehbar erklären, wo Ursachen liegen, was getan werden muss und was für die Mitarbeiter langfristig von Nutzen ist. Eine gut strukturierte Rede lässt Mitarbeiter auch unspektakuläre Maßnahmen besser verstehen, nachvollziehen und akzeptieren. • So (schlecht) ist die Situation jetzt.

4. Reden ist Kino im Kopf Eine Rede ist mehr als die Auflistung von Bilanzen, Verkaufszahlen und Begründungen. Sie appelliert direkt an die Zuhörer, am besten durch starke Bilder. Den nüchternen Sachverhalt von Auf- und Abschwung in eine gemeinsame Bergtour zu übersetzen, macht den Inhalt verständlicher und lässt auch in der Krise leichter Chancen erkennen. Bilder, Geschichten und Anekdoten können sich die Zuhörer leichter vorstellen. Kino im Kopf nennen das professionelle Redenschreiber. Es versteht sich von selbst, dass Schachtelsätze und Fach-Chinesisch in diesem Kino keinen Platz haben. 5. Rede und Schluss vorbereiten Eine bildhafte Rede bleibt kaum in guter Erinnerung, wenn sie mit einer Bruchlandung endet, sich der Redner verhaspelt oder das Ende nicht deutlich wird. Die Kernbotschaft gerät dann in Vergessenheit, die Motivation der Mitarbeiter ist dahin, die Bildersprache verliert ihre Wirkung. Ebenso gilt: Wer mit leeren Phrasen startet, mit schlechten Witzen oder langatmigen Begrüßungen, verliert schnell die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer. Daher gilt für jede Redevorbereitung, besondere Sorgfalt auf Einstieg und Schluss zu legen – und auf den roten Faden, der Anfang und Ende möglichst knapp verbindet, ohne dabei an Spannung zu verlieren.

• Diese gute Situation wollen wir erreichen. • Das sind unsere Maßnahmen auf dem Weg dahin. Diese in drei Abschnitte aufgeteilte Gesamtbotschaft muss sich auch in der Struktur der Rede wiederfinden.

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Claudius Kroker Freier Journalist und Redenschreiber/ Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS).

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Mitgliederversammlung bestätigt IBWF-Vorstand Vor dem Umzug nach Berlin Veränderungen beim IBWF Institut: Auf der Mitgliederversammlung hat IBWF-Präsident Karl-Heinz Thor über die erfolgreichen Geschäftsjahre 2009, 2010 und 2011 sowie über den in diesem Jahr bevorstehenden Umzug nach Berlin berichtet. Der Vorstand wurde von neun auf künftig sechs Mitglieder mit jeweils eigenem Aufgabenbereich verkleinert.

Ohne Gegenstimme wurden gewählt: Präsident: Vizepräsident: Vorstand:

Karl-Heinz Thor, Rechtsanwalt, Unternehmensberater Ullrich Hänchen, Steuerberater Boje Dohrn, Unternehmensberater Dr. Manfred Hahn, Unternehmensberater Gabriele Kaufmann, Unternehmensberaterin Martin Wagner, Rechtsanwalt

Alle Vorstandsmitglieder gehörten bereits dem alten Vorstand an. www.ibwf.org Anzeige

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Kurz vorgestellt

Foto: José Carlos Pires Pereira/istockphoto.com

Hier bieten wir Mitgliedern unseres Verbands die Möglichkeit, ihr Unternehmen vorzustellen. Baukunst Immobilien Bodensee GmbH

marburger Signier-TechnikSysteme GmbH & Co. KG

Roadtrack AG: Events & Roadshows & LocationCinema

Leistungen: Wir sind für den Verkauf und die Vermietung von Wohn- und Gewerbeimmobilien am Bodensee spezialisiert. Mit modernen Marketing- und Werbestrategien, intensiver und kompetenter Betreuung erreichen wir einen hohen Servicegrad. Uns stehen in allen Bereichen der Immobilienwirtschaft professionelle Berater, Architekten und Gutachter zur Seite. Unser Team garantiert Ihnen professionelle Immobilienverwaltung und eine optimale Objektvermarktung.

Leistungen: Die marburger Signier-TechnikSysteme GmbH & Co. KG wurde im Jahre 2001 gegründet. Wir bieten Kennzeichnungssysteme aller Art und sind Marktführer für die Herstellung von Spezialgummitypen in den Bereichen manueller und mechanischer Kennzeichnungssysteme für die industrielle Anwendung. Mit 28 kompetenten und erfahrenen Mitarbeitern betreuen wir auch über die Grenzen Europas hinaus einen namhaften Kundenstamm.

Leistungen: Wir begleiten Events, Konferenzen und Roadshows, die mit Verstand geplant und mit Leidenschaft umgesetzt werden, die sich an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten und die gesamte Palette von bodenständig bis hin zu modern und interaktiv abdecken. Als FullService Event-Agentur hat Roadtrack seit 2003 mehr als 7.500 Veranstaltungen in Deutschland und Europa für große und mittelständische Unternehmen erfolgreich umgesetzt.

Hauptsitz: Überlingen ( Baden-Württemberg )

Hauptsitz: Marburg / Lahn (Hessen)

Hauptsitz: Frankfurt am Main (Hessen)

www.baukunst-konzept.de

www.marburger-sts.de

www.roadtrack.de

DERPART Reisevertrieb GmbH

Möller Druck und Verlag GmbH

RWG Maschinenbau GmbH

Leistungen: DERPART Travel Service unter dem Dach der REWE Touristik verfügt über die Kompetenz, Ihr Geschäftsreisemanagement optimal zu betreuen. Unsere Mitarbeiter vor Ort wissen genau, welche Erfordernisse in der jeweiligen Region verlangt werden. Vom Visaantrag bis zur Flugreise kümmern sich erfahrene Spezialisten um die lückenlose Organisation Ihrer Reisen und Veranstaltungen. Je nach Unternehmensgröße stehen Ihnen darüber hinaus individuelle OnlineBuchungsmaschinen und ein webbasiertes System zur Reisekostenabrechnung zur Verfügung.

Leistungen: Möller bietet als einziges Heat­ setrollenoffset-Unternehmen in Berlin/Brandenburg eine komplette Wertschöpfungskette: Digitale Vorstufe, Druck, Weiterverarbeitung, Verlags- und Versanddienstleistungen. Als Familienunternehmen verbinden wir inte­ grierte Leistungen mit dem Flair persönlicher Betreuung. Wir produzieren mit neuester 32und 16-Seiten-Rollenoffset- und modernster Verarbeitungstechnik Zeitschriften, Kataloge, Broschüren und weitere Printprodukte.

Leistungen: RWG stellt seit 1990 Sondermaschinen und Anlagen für die Holz- und Aluminiumstabbearbeitung her. Wir stehen für innovative Lösungen von Einzelmaschinen, bis zu kompletten Fertigungslinien. Unser Lieferprogramm erstreckt sich von FörderHandlingstechnik über Maschinen für Sägen, Bohren und Fräsen bis zur Säge-BAZ mit integrierter Bearbeitung. Automatische, fertigungsintegrierte Hochregal- und Flächenlager runden das Portfolio ab.

Hauptsitz: Frankfurt am Main (Hessen)

Hauptsitz: Ahrensfelde OT Blumberg (Brandenburg)

Hauptsitz: München (Bayern)

www.dts24.de

www.moellerdruck.de

www.mittelstand.max-it.de

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Auf Erfolgskurs Kontinuität und Aufbruch – BVMW-Jahrestagung in Berlin

Im Rampenlicht: Edda Schwarz, BVMW Dresden, nimmt stellvertretend für erfolgreiche Verbandsrepräsentanten den ganz persönlichen Dank von Mario Ohoven für ihre langjährige, erfolgreiche Arbeit entgegen.

Optimistisch wie der deutsche Mittelstand selbst ist sein führender Verband in das Jahr 2012 gestartet. Kontinuität und Aufbruch, so das Motto der ersten Jahrestagung des BVMW in Berlin, geben die Richtung vor. Mit einem klaren Bekenntnis zum Leistungsprinzip als unternehmerischem Wert stimmte BVMW-Präsident die mehr als 300 Verbandsrepräsentanten aus Deutschland und den Auslandsvertretungen weltweit auf die Herausforderungen der nächsten Monate ein: „Haben Sie nicht Angst vor, sondern Freude auf.“

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Workshops und Impulsreferate von Topreferenten, wie Franc Hagel, Karsten Brocke und Joey Kelly, vermittelten der „Basis“ das nötige Rüstzeug. Die Bandbreite der Themen spiegelte die Bereiche wider, in denen der Verband sich erfolgreich engagiert: Ob Energieeffizienz, Kommunalpolitik oder Corporate Social Responsibility, der BVMW ist für den Mittelstand Impulsgeber und Scout zugleich. Das müsse und werde auch 2012 so bleiben, betonte Bundesgeschäftsführer Stefan Beißwenger. Die Weichen dafür sind gestellt. Motiviert, kompetent und deutlich verjüngt – das BVMW-Team steuert auch 2012 auf Erfolgskurs.

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1 S  tandortbestimmung: Die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, Mitglied im Politischen Beirat des BVMW, analysiert die Politik der Bundesregierung. 2 N  o Limits: Extremsportler Joey Kelly verrät, wie man auch unter härtesten Bedingungen seine Ziele erreicht. 3 Künstlerisches Glanzlicht: Martina Welschbach & Ugo D'Orazio, Deutsche Oper Berlin 4 A  us der Praxis für die Praxis: Referent Franc Hagel spricht über moderne Methoden der Mitgliedergewinnung. 5 I nspirierend: Topreferent Karsten Brocke gibt Tipps für künftige Bestseller 6 G  esunder Betrieb: Dr. Hans-Joachim Petersohn, Leiter der BVMW-Gesundheitskommission, stellte medizinische Konzepte zur Senkung des Krankenstandes im Unternehmen vor. 7 G  efragt: Am Rande der Jahrestagung steht Mittelstandspräsident Mario Ohoven den Medien Rede und Antwort zu Problemen des Mittelstands.

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Energie: sicher, effizient und nachhaltig

Foto:

BVMW-Energiekommission will Mittelstand unterstützen

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• Stärkung der Dezentralität Energieerzeugung und -vertrieb sollen so dezentral wie möglich, so zentral wie nötig erfolgen. • Vielfältigkeit statt Monokulturen Nachhaltige Strukturen können nur durch individuelle und innovative Lösungen gefördert werden. • Nachhaltigkeit bedeutet nicht Verzicht Energieeffizienzmaßnahmen sind mehr als nur eine reine Kostenreduktion. •N  achhaltige Kommunikation Informationen schaffen Vertrauen. Ziel der Kommissionsarbeit ist es, eine wirtschaftlich effiziente, sichere und nachhaltige Energiepolitik zu fördern. Aus dieser Perspektive werden im Rahmen der Kommission energiepolitische Strategien und Konzepte entwickelt. Dabei umfasst die Arbeit nicht nur die Betrachtungen des Energiemanagements bzw. der Energie­ effizienzanstrengungen im Unternehmen als Teilprozess, sondern ebenso die Bewältigung der Energiewende als gesamtwirtschaftliche Herausforderung. Thematisch stand im vergangenen Jahr der im Juni beschlossene Umbau der Energieversorgung im Mittelpunkt der Kommissionsarbeit. Hierzu wurde ein

eigenständiges Konzept erarbeitet, durch das eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung möglich wird. Leitsatz des BVMW-Energiekonzeptes ist der Grundsatz „so dezentral wie möglich, so zentral wie nötig“. Mit dieser Prämisse werden die regionalen Potenziale einer nachhaltigen Energieversorgung aktiviert und die mittelständische Wirtschaft vor Ort gestärkt. Die Kommission und der BVMW stehen in einem engen Dialog mit Wissenschaftlern und Politikern aus allen Parteien, um dieses Konzept wirksam umzusetzen. In diesem Jahr wird die Energieeffi­zienz mit zu den Schwerpunktthemen der Energiekommission zählen. Denn vor allem kleine und mittlere Unternehmen bieten bei den Energieeinsparungen ein besonders hohes Potenzial. Neben einer reinen Kostenersparnis bieten Energieeffizienzmaßnahmen dem Mittelstand die Chance, sich in anderen Unternehmensbereichen zu profilieren. Trotz vieler Vorteile werden Energie­ effizienzmaßnahmen bislang kaum oder nur unzureichend von Unternehmen angenommen und umgesetzt. Verantwortlich hierfür sind oftmals unzureichende Kenntnisse über die Art, Ausgestaltung und Finanzierung von Energieeinsparungen und Nachhaltigkeitsstrategien. Diese Wissenslücke will die Energiekommission mit ihrer Arbeit schließen, damit Energieeffizienzmaßnahmen für mittelständische Unternehmen an Attraktivität gewinnen.

Sindy Vollmert Diplom-Volkswirtin www.bvmw.de

Foto: illustrez-vous/fotolia

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Steigende Energiepreise belasten kleine und mittlere Unternehmen in erheblichem Maße. Aus diesem Grund hat der BVMW 2011 die Energiekommission ins Leben gerufen. Hier erarbeiten mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer Lösungen, um die Energiewende aktiv mitzugestalten und nachhaltiges Wirtschaften als ganzheitlichen Ansatz zu verbreiten. Die Arbeit der Kommission orientiert sich an folgenden Grundsätzen:

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Elfenbeinturm ist längst passé

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Foto: Klaus-Peter Voigt

Magdeburger Wissenschaftler holen BVMW mit ins Boot – Forschungsprojekte mit Praxisbezug sollen mittelständischen Unternehmen helfen

Prof. Dr. Georg Rose vom Lehrstuhl Medizinische Telematik und Medizintechnik im Forschungslabor, in dem intelligente Katheter für schonende Operationstechniken entwickelt werden.

„Wir suchen ständig nach Möglichkeiten, unserem relativ jungen Lehrstuhl anspruchsvolle Projekte zu verschaffen", sagt Professor Georg Rose vom Lehrstuhl Medizinische Telematik und Medizintechnik der Magdeburger Otto-von-GuerickeUniversität. Vor sechs Jahren war der Professor von der Wirtschaft in die universitäre Forschung gewechselt. Ein Anfang 2011 gestartetes Vorhaben trägt erste Früchte und will helfen, den Mittelstand vor allem in

Sachsen-Anhalt zu stärken. Mit dem Kompetenzzentrum für Medizintechnik (KOMET) entstand eine interessante Plattform, die drei Jahre durch das Bundesland gefördert wird. Ziel ist es, wissenschaftliche Ergebnisse, die sonst oftmals regelrecht in der Schublade verschwinden, auf ihre kommerzielle Verwertbarkeit hin zu untersuchen. Im Idealfall finden sich industrielle Partner für die Umsetzung oder die Ingenieure machen sich

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selbstständig, um ihre Arbeitsergebnisse im eigenen Unternehmen umzusetzen. Der BVMW wird sich in diesem Prozess als Partner einbringen, Kontakte vermitteln und Interesse bei Firmen wecken. In diesem Jahr soll die Suche nach Partnern forciert werden. Ihnen will man Kooperationen mit der Universität bei der Produktentwicklung anbieten und ihr Interesse an solchen Projekten fördern, sagt Peter Martini, Leiter der BVMW-Wirtschaftsregion


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„Solche Forschungsprojekte mit einem engen Bezug zum Mittelstand sind für uns mehr als das Salz in der Suppe", versichert Professor Rose. Ohne Drittmittel könnten Universitäten heute kaum noch forschen. Allein für seinen Lehrstuhl bedeute Geld der Europäischen Union, des Bundes, des Landes und aus der Wirtschaft eine Sicherung der Forschungskontinuität und gleichzeitig auch von Arbeitsplätzen. Zwölf der 15 Mitarbeiter im Bereich der Medizintechnik würden über solche Projekte finanziert. Man sehe den BVMW als einen Partner für die Zukunft.

Foto: Uni Magdeburg

„Eines der erfolgversprechenden Vorhaben ist die Ausgründung einer Hochtechnologiefirma, in der zwei Wissenschaftler ab Anfang kommenden Jahres die für die Telemedizin-Lösung notwendige Technik und Software herstellen sowie vermarkten wollen", berichtet Rose zufrieden. Das sei der Weg, den man beschreiten wolle. Zu den grundlegenden Voraussetzungen gehöre stets eine umfassende Unterneh-

mensberatung, um Märkte, Absatzchancen und -möglichkeiten auszuloten. Ohne den „richtigen Riecher" gehe es nicht. Spezielle Endoskope für minimalinvasive Operationstechniken und Geräte für die Rehabilitation von Kniegelenken seien nächste Projekte, die in neuen Unternehmen verwirklicht werden sollen. Der Wissenschaftler berichtet zudem von einem erfolgreichen Projekt, dass sich in Sachsen-Anhalt bereits bewährt. „Mit ASTER werden Lösungen entwickelt, um Informationen per Telemedizin aus und in den Rettungswagen zu übermitteln", sagt der Professor. ASTER stehe für AkutSchlaganfall-Telemedizin im Rettungswagen. Patienten aus sieben Kliniken profitieren bereits von einem hochmodernen Netzwerk. Per Telemedizin werden Frauen und Männer, die einen Schlaganfall erlitten haben, von Spezialisten aus dem Magdeburger Uniklinikum untersucht. Neurologen nehmen per Videoschaltung und Datenübertragung eine Diagnose vor und geben den Ärzten vor Ort konkrete Behandlungshinweise. Nach den umfassenden Forschungsarbeiten geht „TASC – Telemedical Acute Stroke Care" jetzt in den Regelbetrieb, erläutert der Wissenschaftler. Während der Akutphase gebe es keine Zeit für eine Verlegung in andere Kliniken, unterschiedliche Verzögerungen oder Fehlentscheidungen. Gerade

Im Forschungslabor des Lehrstuhls Medizinische Telematik und Medizintechnik der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität.

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Foto: Uni Magdeburg

Sachsen-Anhalt Nord. Gerade bei Innovationen im Bereich Medizintechnik sei der Forschungsbedarf enorm. Die Scheu vor einer Zusammenarbeit mit der Bildungseinrichtung müsse ausgeräumt werden und es gelte, Potenziale zu erschließen. Dafür seien gemeinsame Veranstaltungen ebenso geplant wie die Vermittlung direkter Kontakte zu BVMW-Mitgliedern zwischen Altmark und Burgenland.

Neurologen nehmen in Sachsen-Anhalt per Videoschaltung und Datenübertragung eine Diagnose bei Schlaganfallpatienten vor.

in ländlichen Regionen ohne Schlaganfallspezialisten sei die Einhaltung des Vier-Stunden-Fensters sonst unmöglich. Die Entwicklung der Technologie wurde gemeinsam von den Lehrstühlen Medizinische Telematik/Medizintechnik und Entrepreneurship, der Klinik für Neurologie und dem Institut für Neuroradiologie umgesetzt. Dafür gab es eine Förderung 1,7 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Der Nutzen wird schnell deutlich, wenn man weiß, dass bei einem akuten Schlaganfall jede Minute zählt. Das Zeitfenster für die medizinische Hilfe ist sehr klein. In gerade einmal vier Stunden müssen geeignete lebensrettende Maßnahmen eingeleitet werden. Künftig sollen Patienten vom Eintreffen des Rettungsdienstes an von den Fachkenntnissen eines Spezialisten profitieren. Um mit einer umfassenden Betreuung schon vor Ort beginnen zu können, wird an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ein Rettungswagen mit modernster telemedizinischer Ausrüstung entwickelt. Mit im Boot sind dabei mittelständische Unternehmen, betont Professor Rose. Ihre Leistungsfähigkeit müssten sie längst nicht mehr unter Beweis stellen.

Klaus-Peter Voigt www.bvmw.de

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Gesellschaftliches Engagement in Unternehmen

Foto: Yuri Arcurs/fotolia

Der Mittelstand in Deutschland geht mit gutem Beispiel voran

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Die Begriffe Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltige Wirtschaft sind in aller Munde. Doch was steckt hinter diesen beiden Begriffen, und wie kann auch ein mittelständischer Betrieb CSR in seiner Unternehmensphilosophie verankern und in Projekte umsetzen?

ken zum Dialog anregen und Wissen vermitteln. Denn: Speziell durch nachhaltiges Wirtschaften und CSR-Maßnahmen der inhabergeführten Unternehmen kann sich in Deutschland viel bewegen.

Das Bundeskabinett hat am 6. Oktober 2010 die Nationale Strategie zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen in Form eines Aktionsplans CSR verabschiedet. Wichtiges Anliegen des Aktionsplans ist es, einen Bewusstseinswandel dahingehend herbeizuführen, dass CSR sich sowohl für Unternehmen als auch für die Gesellschaft lohnt. Denn CSR bietet für Deutschland die Chance, einerseits die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nachhaltig zu stärken und andererseits auch Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen zu finden.

So kann die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen ein wesentlicher Schlüssel zum Unternehmenserfolg sein – wenn es als strategiekonformes, integriertes Handeln verstanden wird. Als Standortfaktor (Nähe zur Region) und mit einer klaren Unternehmens-, Marken- und Produktpositionierung können CSR-Maßnahmen Wettbewerbsvorteile schaffen und Gewinne steigern.

Mit über 99 Prozent der Unternehmen und über 60 Prozent der Beschäftigten bildet der Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, ist der Motor für die Schaffung von Arbeitsplätzen und Innovationen. Gelebtes Engagement

Der BVMW wird in diesem Jahr das Projekt der BertelsmannStiftung „Unternehmen für die Region“ in Deutschland unterstützen. Ebenso engagiert sich der Verband mit der „Stiftung Unesco – Bildung für Kinder in Not“ für ein eigenes BVMW-Berufsbildungszentrum in Burkina Faso, Afrika.

Für den Mittelstand ist gesellschaftliches Engagement oft schon jetzt gelebte Selbstverständlichkeit: Lokale Unternehmen sind Teil der sozialen Gemeinschaft und haben eine Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern, Kunden und Nachbarn, ihrer Umwelt und der Gesellschaft insgesamt. Es sind oft die kleinen und mittelständischen Betriebe, die sich dieser Verantwortung stellen und sich weit über ein gelegentliches Sponsoring örtlicher Vereine hinaus engagieren. Aufgrund knapper finanzieller und personeller Ressourcen können sich allerdings mittelständische Betriebe oft keinen CSRManager leisten. Daher setzen sie sich selten systematisch mit dem Thema auseinander. Hier möchte der BVMW unterstützen, die Firmen auf ihrem Weg begleiten, Impulse geben, mit regionalen Netzwer-

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Schlüssel zum Erfolg

Eine mitarbeiterorientierte Personalpolitik mit regelmäßigen Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen und einem Ideenmanagementsystem, das Ideen der Mitarbeiter in die Unternehmensprozesse einfließen lässt, wirkt sich positiv auf die Motivation und Produktivität der Belegschaft aus. Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Kooperationen mit Schulen und die Beschäftigung von älteren Mitarbeitern helfen, den Fachkräftebedarf zu sichern. Ein schonender und effizienter Umgang mit natürlichen Ressourcen senkt Kosten und führt zu ökologischen Verfahrens- und Produktionsinnovationen. Gesellschaftliches Engagement vor Ort trägt zur nachhaltigen Entwicklung der Region bei, ist Grundlage für eine positive Unternehmensentwicklung und schafft Vertrauen. Mit dem neu gegründeten Bereich "Gesellschaftliche Verantwortung" steht der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft als Ansprechpartner für Unternehmen zur Verfügung.

Katja Weigand Gesellschaftliche Verantwortung und Kooperationen im BVMW www.bvmw.de

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Bildung für eine bessere Zukunft BVMW engagiert sich in Burkina Faso Ein Partner der Stiftung UNESCO

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Foto: Somwaya/fotolia

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Neben vielen gesellschaftspolitischen und sozialen Projekten im Inland unterstützt der BVMW auch den Aufbau eines Berufsausbildungszentrum im afrikanischen Burkina Faso. BVMW-Bundesgeschäftsführer Stefan Beißwenger sprach mit Thomas Goesmann, Geschäftsführer der Stiftung UNESCO – Bildung für Kinder in Not, die dieses Projekt initiiert hat.

Goesmann: Das UNESCO Programm "Bildung für Kinder in Not" wurde 1992 vom damaligen Generaldirektor der UNESCO Federico Mayor, Headquarter Paris, ins Leben gerufen. Seit dem setzt sich UNESCO-Sonderbotschafterin Dr. UteHenriette Ohoven für dieses Programm ein. Bis heute konnten mehr als 400 Projekte in 99 Ländern verwirklicht werden. Kindern und Jugendlichen wird vor allem durch den Zugang zu Bildung und die Möglichkeit auf eine Berufsausbildung der Weg in eine bessere Zukunft geebnet. Seit der Gründung der Stiftung UNESCO im Jahr 2002 wird das Sonderprogramm Bildung für Kinder in Not effektiv gestärkt und die Realisierung der Ziele intensiv verfolgt. Die Stiftung UNESCO leistet Hilfe zur Selbsthilfe und sorgt mit ihren Projekten für beständige und effektive Entwicklungen. Beißwenger: Der BVMW engagiert sich zur Zeit für den Aufbau eines eigenen Berufsausbildungszentrums in Burkina Faso. Was zeichnet dieses Projekt in besonderem Maße aus? Goesmann: Burkina Faso, vor allem aber das vorgesehene Projektgebiet, ist durch eine große und zunehmend um sich greifende ländliche Armut gekennzeichnet. Leider gibt es in Burkina Faso, wie in vielen anderen afrikanischen Regionen, aus historischen Gründen kaum ausgebildete Menschen in Handwerksberufen. Dies ist eine der Ursachen dafür, warum es oft nur schwer gelingt, diese Regionen aus sich selbst heraus zu entwickeln. Durch die Schulung von Kenntnissen im Lesen,

Foto: Katja Weigand

Beißwenger: Sie unterstützen mit der Stiftung sehr viele Projekte für Kinder in aller Welt. Seit wann gibt es die Stiftung UNESCO Bildung für Kinder in Not?

Bildung für Kinder in Not: Stefan Beißwenger (li.) und Thomas Goesmann im Gespräch.

Schreiben und Rechnen auf der einen sowie in landwirtschaftlichen und handwerklichen Techniken, etwa als Schweißer, Schneider oder Bäcker, auf der anderen Seite aber auch durch die Förderung von Selbstverantwortung, will das Projekt die Gemeinden und sozialen Strukturen direkt vor Ort dazu befähigen, ihr Leben selbst zu organisieren und wirtschaftliches Wachstum in der Region zu entwickeln. Die Alphabetisierung der Bäuerinnen und Bauern, die Vermittlung spezifischer Techniken und praktischer Technologien sowie die Ausstattung mit Maschinen, Geräten, Materialien und Zubehör werden zusammen dazu beitragen, dass die Menschen dort ihr Einkommen effizienter, ertragreicher und nachhaltiger selbst erwirtschaften können. Beißwenger: Mit dem Aufbau des Berufsausbildungszentrums in Burkina Faso möchten wir, neben anderen Aktivitäten und gesellschaftspolitisch wichtigen sozialen Projekten, die wir bereits heute auch in Deutschland unterstützen, einen konkreten Beitrag für die Entwicklung in Afrika leisten. Wir wollen in diesem Jahr verschiedene Veranstaltungen zu Gunsten des Projektes organisieren. Wie können sich BVMW Mitgliedsunternehmen am Aufbau des Zentrums regional beteiligen?

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Goesmann: Es gibt verschiedene Möglichkeiten aktiv zu werden, und wir freuen uns über vielfältige Aktionen in den Regionen. Sehr gut lassen sich Sponsorenläufe und Sportveranstaltungen organisieren. Weitere Spendenmaßnahmen können auch Online-Auktionen sein, etwa die Versteigerung von Dienstleistungen eines Unternehmens oder auch das Aufstellen von Spendenboxen im Unternehmen oder eine Gehaltsaktion: Jeder Mitarbeiter spendet die Cent-Beträge seines Nettogehaltes. Auch ein Spendenbutton auf der Homepage kann genutzt werden. Der deutsche Mittelstand engagiert sich bereits heute in vielfältiger Weise in sozialen und gesellschaftspolitisch wichtigen Projekten. Ich freue mich sehr darüber, dass der BVMW gemeinsam mit der Stiftung UNESCO ein Projekt zur konkreten Entwicklung der Menschen und der Strukturen in der Region aktiv unterstützt.

Wenn auch Sie sich mit uns in diesem Projekt engagieren wollen, senden Sie uns Ihre Ideen oder Aktionsvorschläge bitte per E-Mail an : katja.weigand@bvmw.de.

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Video – zentraler Erfolgsschlüssel für Unternehmen Wirtschaftssenatoren besuchten MAGIX in Berlin

„Das allgegenwärtige Internet wird alle Branchen und Unternehmen revolutionieren und zwar vom größten Konzern bis zum kleinsten Dienstleister.“ Keynote-Speaker, Bestseller-Autor und Vertriebsberater Edgar K. Geffroy

Der BVMW-Wirtschaftssenat besuchte kürzlich die MAGIX AG, ein international führender Anbieter von Software zur multimedialen Kommunikation. In deren Berliner Hauptsitz konnten die Senatoren erleben, was innovative Präsentationsmethodik in Verbindung mit Online Marketing bedeutet und warum führende Unternehmen immer stärker auf das Medium Video setzen. Sie erfuhren aus erster Hand, wie MAGIX in nur fünf Jahren durch gezieltes Internet-Marketing mehr als die Hälfte des Umsatzes über die Online-Vertriebsplattform erreicht hat. In einer Multimediavorführung lud Geschäftsführer Jürgen Jaron die Senatoren ein, mithilfe von videounterstützter Präsentationsmethodik in die „Köpfe der MAGIX-Mitarbeiter“ zu schauen. Bei dieser „Firmenführung“ ging es sowohl um die Vermittlung von MAGIX-Wissen als auch um die Darstellung neuester Multimedia-Trends als Erfolgsschlüssel für Unternehmen. Geladener Gastredner war Keynote-Speaker Edgar K. Geffroy. In einer dynamischen Präsentation gab er den Teilnehmern den entscheidenden Hinweis für mehr Unternehmenserfolg: „Nehmen Sie Ihre begeisterten Kunden auf. Video anschaffen, aufnehmen. Wie finden Sie unser Unternehmen? … Stellen Sie das ins Internet, mehr müssen Sie nicht erzählen.” Klingt simpel – ist es auch – trotzdem haben noch sehr viele Unternehmen in dem Bereich Nachholbedarf. Sebastian Merk, Senior Produkt Manager, stellte anschaulich dar, warum und wie Unternehmen mit Videos effektiver und effizienter

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kommunizieren können. Das liege zum einen am Menschen selbst, da Videos mehr Sinne des menschlichen Gehirns ansprechen als reiner Text. Dadurch werde die Botschaft effektiver aufgenommen und verarbeitet. Zum anderen könnten Videos deutlich mehr Informationen in kurzer Zeit und auch anschaulicher kommunizieren. Dass dies nicht kostspielig sein muss, beweist MAGIX in der täglichen Arbeit. Videos können Inhouse von den eigenen Mitarbeitern gedreht werden, oftmals ist das Wissen bei den Mitarbeitern aufgrund von privaten Videodrehs schon vorhanden, und die Ausgaben für technisches Equipment sind heutzutage zu vernachlässigen. Wie erreiche ich eine Topposition bei der Suchmaschinenoptimierung? Diese Frage stellt sich inzwischen jedes Unternehmen. Dr. Arnd Schröder, Executive Vice President Online Marketing, gewährte den Teilnehmern einen exklusiven Einblick in das schnelllebige Arbeitsfeld des Online Marketings bei MAGIX (www.magixcloud.com). Auch hier gehe der Trend zu Video, da Unternehmen mit Videos in Suchmaschinen eine höhere Aufmerksamkeit erreichten als mit traditioneller Text-/Bildkommunikation.

Hans-Joachim Döllgen www.bvmw.de

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Riesenschnellkochtopf für Kohlestaub BVMW-Mitgliedsunternehmen Grenol erhält Kyocera-Umweltpreis

"Respect the divine and love people" Auch bei der dritten Verleihung des von der japanischen Firma Kyocera gestifteten Umweltpreises in der Liederhalle Stuttgart hatten BVMW-Mitgliedsfirmen die Nase vorn. Der mit insgesamt 100.000 Euro dotierte Preis wird in drei Klassen vergeben. Träger des mit 50.000 Euro dotierten Hauptpreises war bereits zum zweiten Mal ein BVMW-Mitgliedsunternehmen: Nach der Solitem AG im Jahr 2008 ist es 2012 die Grenol GmbH aus Wülfrath. Der Vorsitzende der Jury, Professor Klaus Töpfer, würdigte das Firmenkonzept als zündende Praxisumsetzung naturgesetzlicher Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeitsethik. Die Preisverleihung fand in Zusammenarbeit mit dem Forschungsnetzwerk Office 21, dem

Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO) im Rahmen des Zukunftsforums 2012 „Arbeit und Leben in einer nachhaltigen Welt“, statt. Der Leiter des IAO, Professor Dieter Spath, und IAODirektor Dr. Wilhelm Bauer hatten hochkarätige Experten zu Themen wie nachhaltige Stadtstrukturen, nachhaltige Technologien und IT-Zukunft eingeladen. Die mittelständische Erfolgsgeschichte der Grenol GmbH begann 2006, als der Landwirt Alfons Kuhles und sein Mitstreiter Lothar Hofer, Inhaber einer Firma für Elektrotechnik, eher zufällig einen Film von Professor Markus Antonietti vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grundflächenforschung sahen. Der Film faszinierte die beiden so sehr, dass sie begannen, mit Bordmitteln aus der landwirtschaftlichen Praxis und moderner Computertechnik den von Antonietti angedachten „Riesenschnellkochtopf“ für die hydrothermale Gewinnung von Feinstkohlepulver zu bauen. Seit 2007 wird nun bei

Grenol Biomasse aus Landwirtschaft und Hausmüll in einem computergesteuerten Katalysereaktor (HTK) verarbeitet, der die eingesetzte Biomasse zu fast 100 Prozent in pulverisierte Kohle umsetzt. Heute laufen zehn HTK-Pilotanlagen, darunter auch eine industrielle Großanlage im Praxistest. Die Anlagen werden von acht hochmotivierten Mitarbeitern gewartet. Unterstützt wird die Firma von einem Netzwerk von Kooperationspartnern und engagierten Sponsoren. Das von BVMW-Kreisgeschäftsführer Horst-Werner Altena betreute Unternehmen entspricht ganz den Ideen des Kyocera-Gründers Kazuo Inamori. Verwurzelt in der tausendjährigen japanischen Kulturtradition, voller optimistischer Ruhe und Gelassenheit hat dieser außergewöhnliche Vorbildunternehmer einst das Leitmotiv „Respect the divine and love people“ in die Kyocera-Firmenbibel „Passion for success“ geschrieben. Frei ins Nachhaltigkeitsdeutsch übersetzt: „Respekt vor der göttlichen Schöpfungskraft und Liebe zu den Mitmenschen“. Der Fall Grenol belegt einmal mehr, dass ganzheitliches Management nicht nur einen Vertrauensbonus bei Firmenkunden verschafft, sondern durch ökonomische Energieeffizienz auch sichere Zukunftsmärkte.

Peter Menke-Glückert Der Geschäftsführer der Kyocera Mita Deutschland GmbH und Kyocera Mita Austria GmbH, Reinhold Schlierkamp (li.) mit Lothar Hofer, Geschäftsführer der AAG GmbH und Grenol GmbH, Ratingen.

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SERVICE

V8 Alpenrausch Luxusauto-Hersteller Peter Monteverdi startete als Jungunternehmer

Es war und ist der Traum von Generationen autobegeisterter Jungs, einen eigenen Sportwagen auf die Räder zu stellen. Peter Monteverdi aus Binningen bei Basel hat es geschafft – und dabei Automobilgeschichte geschrieben. Sein Monteverdi Hai 450 SS, ein ultraflaches Geschoss, war 1970 die Sensation beim Genfer Automobilsalon. Mit einem amerikanischen Hemi-V8-Motor spurtete der Sportwagen in weniger als 5 Sekunden auf 100 km/h und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 290 km/h. Damit ließ er zur damaligen Zeit italienische Vollblut-Sportler wie Ferrari, Maserati, Lamborghini sowie zeitgenössische Porsche und Mercedes hinter sich. Wer aber war dieser Peter Monteverdi? Der Enkel italienischer Einwanderer aus Cremona erbte 1954 von seinem Vater, der plötzlich verstarb, als 20-jähriger eine Autowerkstatt in Binningen bei Basel. Bei den Saurerwerken in Arbon hatte er die Ausbildung zum KfZ-Mechaniker gemacht und fuhr nebenbei erfolgreich Rennen auf Renault Gordini und Porsche. 1957 wird er als 23-jähriger aufgrund seiner großen Erfahrung mit Sport- und Rennwagen jüngster Vertragshändler aller Zeiten für Ferrari. Seine Sportkarriere endet abrupt, als er mit einer Rennwagen-Eigenkonstruktion 1961 auf dem Hockenheimring verunglückt: Er bricht sich Rippen, Becken, beide Beine und einen Arm. In den folgenden Jahren übernimmt er weitere Markenvertretungen für Jensen, Lancia und BMW. Als ihm Ferrari 1965 wegen

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Meinungsverschiedenheiten die Vertretung entzieht, beschließt Monteverdi, eigene Wagen zu bauen. Monteverdi geht gleich in die Vollen und präsentiert 1967 als 33-jähriger das erste Luxusauto, den High-Speed 375 S. Daraus entsteht eine ganze Baureihe, die Coupés, eine Limousine und einen Convertible umfasst. Das Konzept bestand aus einem amerikanischen V8, einer Schweizer Bodengruppe und einer italienischen Karrosserie von Frua und später von Fissore mit einer für damalige Verhältnisse traumhaften Ausstattung: Conolly-Leder, Automatikgetriebe, Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Colorverglasung, Stereoanlage und auf Wunsch sogar ein Fernsehgerät. Das sorgte für Gesprächsstoff unter den Schönen und Reichen. Die Ölkrise von 1973 beendete damals die weitere Entwicklung schlagartig. Monteverdi hatte aber bereits den nächsten Coup parat und stellte 1976 mit dem „Safari“ einen Luxus-Geländewagen vor. Er war mit 65.000 CHF zwar sehr teuer, wurde aber dennoch ein Erfolg. Er gilt als Wegbereiter heutiger Luxus-SUVs und macht formal neben diesen immer noch eine gute Figur.

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SERVICE

Insgesamt wurden in der Zeit von 1967 bis 1995 in allen acht Baureihen über 3.500 Fahrzeuge gebaut und ausgeliefert. Als Abrundung nach unten stellte Monteverdi ab 1977 auf Basis eines US-amerikanischen Großserienmodells von Dodge in kleiner Stückzahl die Limousine Sierra im edlen Stil der großen Boliden her. Als Ford 1982 ebenfalls einen Sierra anbot, ohne vorher die Markenrechte abzuklären, erhielt Monteverdi je 5 CHF Lizenzgebühr für 2,7 Millionen gefertigte Sierra. Später erhielt er auch Lizenzen aus dem Design des Volvo 740. Diese finanziellen Mittel erlaubten es ihm, für das geplante Museum besonders schöne und neuwertige Fahrzeuge aus eigener Produktion zurückzukaufen.

In den 1990er Jahren versuchte er sich mit einem Engagement in der Formel 1, was aber misslang. Mit den Resten an Technik aus dieser Epoche entstand 1995 der Hai 650F1, der formal und leistungsmäßig auch heute noch beeindruckt. Im Jahr 1998 verstarb Peter Monteverdi an einem Krebsleiden. Er wäre auf die schwindelerregenden Auktionsgewinne seiner Schöpfungen sehr stolz gewesen, die heute bis zu 400.000 EUR erbringen.

Oskar G. Loewe Landesbeauftragter Schweiz www.bvmw-schweiz.ch

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Ausgabe 02/12: ET Mitte April 2012 Anzeigenschluss 01.04.2012 Schwerpunkte: Mittelstand und Gesundheit

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Ausgabe 03/12: ET Mitte Juni 2012 Anzeigenschluss 01.06.2012 Schwerpunkte: Mittelstand und Management

Impressum Der Mittelstand. Unternehmermagazin des BVMW Herausgeber BVMW – Bundesverband mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands e.V. Präsident Mario Ohoven Mosse Palais, Leipziger Platz 15 10117 Berlin www.bvmw.de Redaktion Tel.: 030 / 53 32 06-16 Fax: 030 / 53 32 06-50 mittelstand@bvmw.de

Eberhard Vogt (Chefredakteur) Josef Girshovich Rotger H. Kindermann (Korrespondent) Friederike Pfann Frithjof Siebert Karlheinz Stöckner

Layout und Gestaltung, Mediadaten, Vermarktung v. Anzeigen & Beilagen mattheis. werbeagentur gmbh Tel.: 030 / 34 80 633-0 Fax: 030 / 34 80 633-33 bvmw-anzeigen@mattheis-berlin.de

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Rechnungsstelle BVMW Servicegesellschaft mbH Mosse Palais, Leipziger Platz 15 10117 Berlin Tel.: 030 / 53 32 06-26 Fax: 030 / 53 32 06-50 edda.mueller-molsig@bvmw.de

Verlag mattheis. werbeagentur gmbh Saarbrücker Str. 36 10405 Berlin Tel.: 030 / 34 80 633-0 Fax: 030 / 34 80 633-33 info@mattheis-berlin.de www.mattheis-berlin.de

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Das Magazin „Der Mittelstand.” ist das offizielle Organ des BVMW. Mitglieder des Verbandes erhalten das Magazin im Rahmen ihrer Mitgliedschaft. Die Redaktion übernimmt keine Haftung für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos und Illustrationen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge sowie Selbstdarstellungen von Unternehmen müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Nachdruck und Verbreitung mit Angabe der Quelle gestattet.

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