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VORWORT Auf einem Sommerfest in einem Club mit B hat mir spät in der Nacht im Outdoor-Bereich ein betrunkener Typ auf den Schuh gekotzt. Das war eklig und auch etwas ärgerlich, denn abgesehen davon, dass sich der Kerl nicht entschuldigt hat, waren die Schuhe frisch gekauft und obwohl sie vollständig aus Kunststoff und meine Socken daher trocken geblieben waren, hatte ich keine Lust mehr, den bekotzten Schuh jemals wieder anzuziehen. Schuhe, habe ich da festgestellt, gehören zu den wenigen Produkten, von denen man zwar zwei gleiche Stücke hat, die man aber einzeln nicht gut benutzen kann. Bei meinem einzigen Besuch einer altehrwürdigen Disko mit P bin ich vom Türsteher nicht nur nicht hineingelassen, sondern auch in einer Weise ignoriert worden, dass ich zuerst annahm, er wäre blind. Die Sonnenbrille, die er scheinbar auch nachts trug, bestätigte diesen Eindruck. Als ich ihm meine Hand auf den Arm legte, damit er wusste, wo ich stand und nicht nur auf meine Stimme reagieren musste, und ihm sagen wollte, dass ich es ganz super fände, dass man ihm die Chance gäbe, sich in so einem Job zu beweisen und dass es nachts ohnehin sehr dunkel sei und auch normalsichtige Menschen kaum etwas erkennen könnten, wollte er mich treten und sagte mir, ich solle mich zum Teufel scheren (also in seinen eigenen Worten). In einem Szeneclub der Oberliga habe ich mich in der ersten Zeit dagegen echt wohl gefühlt. Das erdlochartige Ambiente gibt einem durchaus etwas Behütetes. Noch dazu kannte ich den Türsteher: Das schloss einige Schwierigkeiten von vorneherein aus. Nur setzte dort irgendwann der Szeneclub-Effekt ein und die ursprünglich insgesamt coolen, aber lustig durchmischten Besucher wurden zuerst von coolen, aber total geklont aussehenden Menschen abgelöst, bis dann schließlich die ersten Krawatten tragenden Afterworker auftauchten. Da hilft eigentlich nur noch ein Umzug und manchmal leider nicht einmal das. Einmal hatte ich mit der Band, in der ich gespielt habe, einen Auftritt in einem Café mit A. Wir sind weit vor Betriebsbeginn mit unseren Sachen angekommen und ich habe vom Auto aus gesehen, wie der Türsteher von außen an die geschlossene und ohne Türgriff versehene Eingangstür langte und diese mittels einer offenbar verborgenen Mulde oben im Türblatt aufzog. Als wir später unsere Instrumente ausluden und jeder mit schwerem Gerät unterm Arm vor der geschlossenen Tür stand, vom Türsteher weit und breit nichts zu sehen war, legte ich ein Teil ab, um die Tür mit dem gleichen Trick zu öffnen und meinen Jungs Zugang zu gewähren, bevor ihnen die Arme abfielen. So schnell, wie der Türsteher auf einmal vor mir auftauchte, konnte ich gar nicht schauen. Er beschimpfte mich und wollte mich treten. (Ich erinnerte mich an meinen Besuch in der Disko mit P und versuchte zu erkennen, ob dies vielleicht der Türsteher von damals war, der seinen Arbeitgeber gewechselt hatte, konnte aber vor lauter Pony sein Gesicht nicht richtig erkennen.) Was das mit dem Feierwerk zu tun hat? Gott sei Dank gar nichts. Ich gratuliere zum 30-Jährigen und trinke auf weitere 30 Jahre entspannter Feierei. Euer Thomas


FOTO: Stefan Caspari // stefancaspari.de

Hier fing 1986 alles an: Die 10.000 Quadratmeter groSSe Moll-Halle war die erste feste feierwerkLocation. Drei Jahre sp채ter bezogen die feierwerker die gegen체berliegenden Geb채ude in der HansastraSSe.


curt # 74 // 30 JAHRE FEIERWERK

04 // PORTRÄT 30 Jahre Lobbyarbeit für die Szene. War‘s das? 10 // IM GESPRÄCH Jetzt wird‘s Ernst! Interview mit Geschäftsführer Ernst Wolfswinkler 14 // ZUFALLSGENERATOR Wieso hat das Feierwerk dich verdient? 16 // IM GESPRÄCH Zwei Kultzeitzeugen erzählen 22 // ZAHLEN UND FAKTEN Zahlenspiele rund ums Feierwerk 24 // DIY Selbermachen möglich gemacht 28 // RADIO FEIERWERK Unerhört! 20 Jahre Radio 32 // PRÄSENTATIONEN curt legt euch feine Konzertabende ans Herz und verlost Freikarten!

33 // FEIERWERK ÖFFNE DICH! curt schaut hinter Türen 46 // DER VERGLEICH 1983 vs. 2013 48 // MUSIK Eine Doku unserer hauseigenen Band „The c.u.r.t.s“ 54 // MUSIK Feierwerk-Veröffentlichungen 56 // MUSIK Damals und jetzt: Marionetz 60 // SPORT Skateplatzl 62 // SELBSTVERSUCH Workshops im Dschungelpalast

82 // GASTBEITRAG Bob Lässig Ecco Meineke Christian Heine

Cover

86 // MADE IN 83 Der Jahrgang 1983 90 // IMPRESSIONEN After Hour – Eindrücke eines Barhockers 92 // FEIERWERK-FOTOGALERIE Die Aktivisten der ersten Stunde 94 // IMPRESSUM Die Aktivisten der letzten Stunde 96 // HINTEN RAUS Bora Bora – eine Hommage

Unsere Umschlagseiten basieren auf der grafischen Version des Keyvisuals von Bernd Hofmann aka Señor Burns zum 30-jährigen Geburtstag des Feierwerk e.V. Das Design wird eine limitierte Auflage von Plakaten und Tragetaschen schmücken.

64 // STECKBRIEF Ein paar Feierwerker stellen sich vor

Keyvisual-Design: Atelierwerkstatt für Siebdruck und Manufaktur Bernd Hofmann. red-can-com

80 // WASCHDLS GRANTNOCKERL Die Schattenseiten des Feierwerks

Covergestaltung: Melanie Castillo


4 curt // PORTRÄT

DAS FEIERWERKGELÄNDE ENDE DER 80ER-JAHRE KURZ VOR DEM BAU DES HANSAPARKS – NOCH MIT FREIEN AREAL FÜR DAS LEGENDÄRE „FEST“: EINE WOCHE MUSIK, KABARETT UND THEATER. 2003 FAND ES ZUM LETZTEN MAL STATT.


30 Jahre Lobbyarbeit für die Szene War’s das?

TEXT: BOB PFAFFENZELLER FOTOS: FEIERWERK BILDARCHIV


6 curt // PORTRÄT

Mal ’ne ketzerische Frage: Wer braucht eigentlich noch das Feierwerk? „Wir machen Dinge, die andere nicht machen können“, sagt Geschäftsführer Ernst Wolfswinkler. Aha. Geht’s auch ein bisschen konkreter?

Ein Gewerbehof für Kreative: Urban Art statt Urban Gschwerl Junge Münchner Kreative können ein Lied davon singen oder ein Schreckensbild malen, sofern ihnen nicht die Worte im Hals stecken bleiben: Die Raumsituation für junge Kreative in der Miet-Boom-City München ist katastrophal. Wo in Berlin kurzerhand Underground-Künstler in den Hallen ehemaliger Großschlachtereien oder in Industriebrachen Freiräume finden, haben in München oft schon die Investoren ihre Langfinger drauf. Das Projekt des Feierwerks: eine Art Gewerbehof für Urban Art und Popkultur. Ein Förderzentrum für Kulturund Kreativwirtschaft für alle, die mehr Ideen und Energie als Geld haben. Es sollen Werkstätten, Ateliers, Büros entstehen, in denen sich junge Künstler und Kreative erproben, entwickeln und austauschen können. Wo sie sich – neudeutsch – in einem Co-Working-Space zu erschwinglichen Kosten einmieten können. Sich mit anderen treffen, voneinander lernen, netzwerken können. Und es Workshops und Beratungsangebote gibt, zum Beispiel wie man sich selbst gut vermarktet. Wenn alles gut läuft mit den Genehmigungen, der Finanzierung und und und, tja, dann könnte der „Kreative Gewerbehof“ 2014 in München subkulturelle Wirklichkeit werden. First we take Neuperlach ...

WIR SIND DAS BINDEGLIED ZWISCHEN JUNGEN MUSIKERN, DER SZENE UND DER STADT. Ernst Wolfswinkler

Für viele ist das Feierwerk ja ein konkreter Ort: das Gelände an der Hansastraße. Dabei ist das Feierwerk mobil. „Wir haben schon immer in die Stadtteile gewirkt und wollen das in Zukunft noch stärker tun“, sagt Ernst. Ein Beispiel ist die „Südpol-Station“ in Neuperlach. Lange Zeit war das Kinder-, Jugend- und Begegnungszentrum ein Provisorium auf der grünen Wiese, untergebracht in Baucontainern. Passt zwar zum Subkultur-Image, ist aber ebenso unpraktisch wie respektlos gegenüber den Menschen. Jetzt ist eine neue „Südpol-Station“ in Bau: 750 Quadratmeter Treffpunkt für die Menschen aus dem Viertel. Mit einem Kinoraum mit 40 Plätzen, unter anderem für Kinderfilme, mit Kinderradio, Proberäumen, Eltern-Kind-Gruppen. Feierwerk in festem Mauerwerk. ... then we take Obersendling Und das Feierwerk wird sich weiter über München ausbreiten. So soll innerhalb der nächsten Jahre in Obersendling ähnlich wie in Neuperlach ein Veranstaltungs- und Kulturzentrum entstehen. Standort wird das ehemalige Siemensgelände sein. Stadtteilkultur auf Industriebrache – klingt fast wie Berlin.


Wir wollen in die stadtteile wirken. Ernst Wolfswinkler

Die „Südpol-station“ in Neuperlach existiert seit 1993 und ist damit das älteste Provisorium der Stadt. der neue treffpunkt für junge menschen ist bereits im bau.


8 curt // PORTRÄT

DIE STADT WIRD ENGER. DIE WOHNUNGEN WERDEN ENGER. DIE LOCATIONS WERDEN ENGER. DIE LEUTE SIND DANKBAR FÜR FREIRÄUME. Ernst Wolfswinkler

Farbe ist laut. Und es wird noch enger. Freiräume schaffen ist DIE Spezialität des Feierwerks. Seit 30 Jahren. Der Farbenladen steckt zwar noch in den Kinderschuhen, ist aber schon ein großer Freiraum. Das Konzept aus Galerie und Location für junge Kreative geht auf: Die Räume sind über ein Jahr im Voraus ausgebucht. Bringt zwar kein Geld, aber mitunter Ärger. Mit den Anwohnern. So wie auch rund um die anderen Feierstätten des Feierwerks. Wenn alles enger wird, wird’s auch lauter. Fremdgehen und dafür bezahlt werden Als findige Selbstvermarkter gehen die Feierwerker stets auch neue Wege. Oder gleich fremd. So sind in Zukunft immer wieder Veranstaltungen in größeren Locations wie Backstage, Muffathalle oder Kesselhaus anvisiert. Kooperationen, die für mehr Öffentlichkeit sorgen, und damit auch für mehr Einnahmen. Hansa 39: hübsch gemacht Subkultur und Kommerz gehen normalerweise ja nicht so zusammen. Andererseits: Auch die aufstrebende Band spielt lieber auf einer professionellen Bühne als versteckt hinter Säulen. Und deshalb sollen die Räume in der Hansa 39 generalsaniert werden. Die Wünsche der Feierwerker: Die Säulen kommen raus, der Dachraum wird geöffnet und die Bühne kommt mittig. „Schließlich wollen die Leute ja auf die Bühne gucken können.“ Klingt vernünftig. Und auf Dauer vielleicht auch lukrativer ... Wer bezahlt, schafft an? Aller (kommerziellen) Eigeninitiative zum Trotz: Das Feierwerk ist auf öffentliche Gelder angewiesen. Zumindest so lange, wie Projekte wie Stadtteilarbeit, Mehrgenerationenhaus, Angebote für Kinder, die Fachstelle gegen Rechts und vieles mehr zum Kern des Feierwerks gehören. Ernst sagt deshalb offen: „Vieles, was wir tun, finanziert sich nicht selbst.“ Zumindest, wenn man betriebswirtschaftlich rechnet. Doch wer will den Wert des Feierwerks schon in Euro taxieren? Das ernste Fazit von Ernst: „Das Feierwerk würde heute so nicht mehr entstehen.“


Der Farbenladen in der HansastraSSe 31 beherbergte früher tatsächlich ein Geschäft für Malerutensilien. Heute bietet er Künstlern Ausstellungs- und Verkaufsfläche. Auch curt hat den Laden im März 2012 mit seiner Ausstellung „70 plus 1“ auf Herz und Nieren geprüft: Top!

Der farbenladen zu seiner anfangszeit 2010

Noch mehr Veranstaltungen des Feierwerks müssen sich selbst finanzieren. Ernst Wolfswinkler


10 curt // IM GESPRÄCH

JETZT WIRD‘S ERNST! EIN GESPRÄCH DARÜBER, WIE MAN DIE WELT RETTET. ODER ZUMINDEST MÜNCHEN.

Er war jung. Und er hat trotzdem das Feierwerk mit aus der Taufe gehoben. Ernst Wolfswinkler, seit 15 Jahren Geschäftsführer des Feierwerks, war 1983 Student der Pädagogik. Markenzeichen: Lederjacke, lange Haare, Motorrad, eine kleine Tochter. Er war aktiver Feierwerker. Die hatten viele abstruse Ideen im Kopf. Dass es Spielbusse für Kinder geben sollte, Auftrittsmöglichkeiten für junge Bands, die etwas anderen Feste. Eben nur mal schnell die Welt retten, ja, das gab’s damals schon. Mit dem Rockfest 1983 beginnt eine einmalige Münchner Geschichte. Und die persönliche Geschichte des Ernst W. ... TEXT: BOB PFAFFENZELLER // FOTOS: CHRISTIAN VOGEL


IM GESPRÄCH // curt 13

curt: Was war dein erster Job im Feierwerk? ERNST: Das Feierwerk gab’s damals in der Form ja noch nicht. Anfang der 80er ist in einem Zirkuszelt mit Musik und Rahmenprogramm das erste „Rockfest“ entstanden, damals z. B. noch im Hirschgarten. Wir Organisatoren waren alle Studenten und haben uns um alles gekümmert: vom Bühnenaufbau über die Mikros bis hin zur Kasse und zum Aufräumen. Und natürlich um den Ausschank – wir wollten den Alkoholausschank unter Kontrolle haben. curt: Alles in Eigenregie? ERNST: Wir haben uns sogar selbst um die ABMStellen für unsere Projekte gekümmert, als persönliche Antragsteller. Wir waren Studenten und Arbeitgeber in Personalunion. curt: Und dann ging’s ab? ERNST: Na ja, das Feierwerk-Fest hat sich prächtig entwickelt. 1986 waren wir zum ersten Mal in der Hansastraße und an fünf Tagen kamen rund 5.500 Besucher. Aber: Keiner von uns hat damals damit gerechnet, dass wir je von dieser Arbeit leben könnten. curt: Gut 1.000 Besucher pro Tag – klingt aus heutiger Sicht eher nach einer intimeren Veranstaltung ... ERNST: Mitte der 90er kamen dann innerhalb von zehn Tagen um die 100.000 Besucher – spätestens da haben wir gelernt, wie Veranstaltungen in großem Stil funktionieren.

curt: Und dann ging’s so richtig ab? ERNST: Erst mal sind wir Ende der 90er in die finanzielle Krise geschlittert. Wir wurden zu alt. Wir haben zum Beispiel den Elektro-Trend verschlafen bzw. sind sehr spät eingestiegen. Das war übrigens auch für mich persönlich eine schwierige Zeit ... curt: Weil? ERNST: Das Feierwerk musste sich neu erfinden, jünger werden, neue Angebote machen. Darüber hat sich der Verein gespalten: Es gab eine sogenannte Spaß-Fraktion und eine Kultur-Fraktion. Ich war damals schon Geschäftsführer und es gab heftige interne Kämpfe, letztlich wurden sogar meine Befugnisse eingeschränkt. Ein heftiger Nackenschlag.

Du kannst hier nicht mehr arbeiten. Das brauche ich wirklich nicht noch mal. curt: Dein Lieblingsprojekt aus 30 Jahren? ERNST: Da gibt’s so viele. Aber ein echtes Herzensanliegen ist mir die Fachinformationsstelle gegen Rechtsextremismus, die es seit 2009 bei uns gibt. Wir müssen hier Flagge zeigen. Alle! curt: Letzte Frage: Wer hat eigentlich den Namen Feierwerk erfunden? ERNST: Der wurde in einer Kreativrunde der Feierwerk-Gründer gemeinsam ausgedacht.

curt: Was einen nicht umhaut ... ERNST: Wir haben das Feierwerk verjüngt, ein neues Leitbild entwickelt. Ich nenne nur das Orangehouse, damals neu gestaltet als die clubbigste Location im Feierwerk, die l-o-k als die Stätte für elektronische Musik, die Kranhalle oder in jüngster Zeit die Popförderung. Nicht zu vergessen das Feierwerk-Radio, das wir schon Mitte der 90er initiierten. curt: Und damit war das Feierwerk fest etabliert in der Stadt? ERNST: Erst einmal wurden 2004/2005 die Mittel für die offene Jugendarbeit der Stadt München gekürzt. Eine der schlimmsten Erfahrungen für mich. Wir mussten fünf Mitarbeitern ins Gesicht sagen:

LANGE HER: DER JUNGE ERNST WOLFSWINKLER (LINKS) MIT BERND ORPEL (DER ERSTE BEZAHLTE FEIERWERK-TECHNIKER)


14 curt // ZUFALLSGENERATOR

Jeder Club hat genau die Gäste und Mitarbeiter, die er verdient! Aber warum eigentlich? Und gilt das auch fürs Feierwerk? Wir haben nachgefragt – und zwar bei denen, die es wissen müssen. INTERVIEWS: NURIN KHALIL // FOTOS: LAURA BREDIS

WIESO HAT D

Kristian, 37 Jahre Abenddienst im Feierwerk

Gesa, 22 Jahre Radiopraktikantin

Sandro, 30 Jahre Schreiner

Fabian, 23 Jahre Lebenskünstler

... ALS MITARBEITER VERDIENT?

... ALS GAST VERDIENT?

... ALS MITARBEITER VERDIENT?

... ALS MUSIKER VERDIENT?

Wegen mehr als 20 Jahren Engagement in der Jugendarbeit & Kulturförderung und dem netten Team. Das Feierwerk hat das Herz einfach am rechten Fleck!

Weil ich zur Musik nicht nur in der Ecke rumstehe, sondern abdance und konsumiere.

Weil ich so eine billige Arbeitskraft bin.

Weil mich sonst relativ wenige Läden in dieser Stadt spielen lassen und in ihr Herz schließen würden.


T DAS FEIERWERK DICH ...

Lee, 29 Jahre Veranstaltungstechniker

Micha, 47 Jahre Tontechnikerin

Flasheolet, 23 Jahre Sound-Bastler

Carolin, 20 Jahre Studentin

... ALS GAST VERDIENT?

... ALS MITARBEITERIN VERDIENT?

... ALS MUSIKER VERDIENT?

... ALS GAST VERDIENT?

Darum!

Weil das Feierwerk eine super Fl채che f체r junge Musiker bietet, fortschrittlich denkt und handelt. Ich bin seit 18 Jahren gerne hier.

Weil man hier gemeinsam mit den Technikern die Nacken zum Knacken bringt.

H채? Wieso bin ich jetzt im Feierwerk? Da wollte ich doch gar nicht hin ...


KORB UND KLO SIND MIT DIR IM GESPRÄCH MIT DEN BEIDEN FEIERWERK-KULTZEITZEUGEN STRANDKORB UND KLO-CONTAINER


IM GESPRÄCH // curt 17

Glücklich, wer im Strandkorb einen Platz ergattern konnte. Der Bestand von über 30 Stück ist über die Jahre leider deutlich geschrumpft.

In 30 Jahren hat das Feierwerk viele Leute kommen und gehen sehen. Zwei waren von Anfang an dabei und haben alles hautnah miterlebt: der grantige Klo-Container im Hof und der Strandkorb, den bis heute alle lieben. curt hat sie getroffen und ein Pläuschchen über ihre Zeit im Feierwerk gehalten. IDEE: CARINA NEUMANN // TEXT: PATRICIA BREU // FOTOS: FEIERWERK BILDARCHIV

curt: Wo kommt ihr her und wie seid ihr zu euren Jobs im Feierwerk gekommen? CONTAINER: Ich Scheiße ! STRANDKORB: Ganz viel ist hier schon vor meiner Zeit passiert. Als die Gründer 1982 anfingen, Live-Konzerte mit Bands aus München zu veranstalten, da waren sie noch ganz wild in den Vierteln unterwegs. Ein Jahre später haben sie dann einen Verein gegründet und eine leerstehende Halle an der Hansastraße genutzt. Die war gegenüber vom heutigen Gelände. CONTAINER: zum Kotzen! STRANDKORB: Jedenfalls ist das Feierwerk mobil geblieben, obwohl es eine Halle zur Zwischennutzung hatte. Der Konzert-Bus am Flaucher, das Theatron im Olympiapark – das waren Zeiten. 1986 war dann das erste der legendären Feste auf dem heutigen Gelände. Da bin ich nach München gezogen und statt der Möwen kreischten die Münchner um mich herum. curt: An welche Veranstaltungen denkt ihr am liebsten zurück?

Rechts im Bild: Martin Wehrhahn, einer der ersten Vereinsmitglieder. Jetzt ist er Chef der KulturreferatsTechnik.

STRANDKORB: Die schönsten Abende waren schon beim Fest. Da waren jedes Jahr im Sommer so viele Leute da, die hatten immer was zu lachen. Besonders als sie die Wackersdorfer Ritterspiele gemacht haben – Atomkraft, nein danke! Und nachher stand’s als Schlagzeile in der Bild-Zeitung. Weiß gar nicht, was das Problem war. Da war ein Zaun mit zwei Mannschaften. Die einen versuchten, möglichst viel vom Zaun abzusägen, und die anderen haben sie mit Wasserschläuchen davon abgehalten. CONTAINER: Wo die Strandkörbe herkommen, gibt’s noch nicht mal Atomstrom.


DER KLO-CONTAINER: IMMER WIEDER IN NEUER OPTIK


IM GESPRÄCH // curt 19

STRANDKORB: Aber als die jungen Leute losgezogen sind, um Fotoshootings und Radiointerviews auf der Straße zu machen. Das war doch lustig, oder? CONTAINER: Bei den Montagsmoden auf der Straße die heiße Braut dann so auf der Motorhaube geiles Foto.

FOTO: VOLKER DERLATH

curt: Wer waren euch die liebsten Gäste? „Die Szene braucht ein Radio!“ Mit Mikro und Aufnahmegerät suchte das Feierwerk-Team die Öffentlichkeit. Rechts im Bild: Thomas Taube. Heute ist er einer der Chefs der Eisbach-Studios.

Zum Abschuss freigegeben: Wasser marsch hieß es bei den Wackersdorfer Ritterspielen.

Einfach nur schön: die Fotoaktion „Münchner Montagsmoden“ von 1986. Mehr dazu nach Seite 32.

STRANDKORB: Ach ja, natürlich die Verliebten. Wenn es dann langsam Nacht wurde, ja, da haben sich so manche Paare in meine Kissen gekuschelt und zueinander gefunden. Laue Sommerluft, Grillenzirpen, Live-Musik im Hintergrund ... CONTAINER: Keine Gäste sind die besten Gäste. wackelt und der Dreck bleibt liegen! STRANDKORB: Den müden Trinkern war ich immer gern ein Bett, wenn sie nicht mehr nach Hause fanden. Ich habe sie gewärmt und schön träumen lassen. CONTAINER: Würfelhusten. STRANDKORB: Später bei den Partys waren immer viele unterschiedliche Menschen da. So fantasievoll geschminkte Leute mit schwarzen Klamotten. Die habe ich mit meiner guten Laune aufgeheitert. Also, was immer gut ankommt: Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum. CONTAINER: Schon mal Scheißhaustennis gespielt? bin ich oder was? Bei mir waren sie nur zum ! Bei den Techno-Partys in der Lokomotive in den späten 90ern haben sie mir immer das Wasser zum Überlaufen gebracht Gesichtsfasching war da echt beliebt. Heute machen sie Laut gegen Brauntöne fühle ich mich irgendwie verarscht. STRANDKORB: Und junge Menschen mit viel Metall im Gesicht, die mussten leider immer aufpassen, dass sie sich nicht verheddern. Wie aufregend! , das macht dann immer so klong CONTAINER: . Knorke Fete!


DER EINGANG DER EHEMALIGEN L-O-K: DIE LETZTE PARTY FAND DORT SYLVESTER 2002 STATT.


IM GESPRÄCH // curt 21

curt: Welche Gäste waren euch eher unwillkommen? STRANDKORB: Ach, ich mochte alle gern. Weißt du, alle lieben mich und sind auch immer gern zu mir gekommen. CONTAINER: Sprayer echt jede Nacht was anderes an meine Wände gemalt. hatten die Wachtmeister vom Dienst einen Ordner mit den ganzen Fotos Gerechtigkeit . Die haben’s sich gescheit verkackt. curt: Wie fühlt ihr euch nach so langer Zeit beim Feierwerk? STRANDKORB: Jetzt bin ich schon so alt – und trotzdem immer noch der Mittelpunkt. Diese ganzen weltberühmten Gäste beim Radio Feierwerk im ersten Stock lassen sich extra mit mir fotografieren. Bin halt einfach der Schönste von allen. Und ich hab schon so viele kennengelernt, die nachher richtig berühmt geworden sind. Die Sportfreunde Stiller waren schon 1995 bei uns. CONTAINER: War’s die Gelegenheit, die gefehlt hat in all den Jahr’n? Macht doch, was ihr wollt, ich geh jetzt! curt: Was wäre München ohne das Feierwerk?

Hall of Fame: Auf der Fassade der l-o-k haben sich viele Künstler ausgetobt. Das Gebäude wurde 2003 abgerissen.

STRANDKORB: Also, letztes Jahr haben hier fast 90.000 Leute Spaß gehabt auf Konzerten, Partys und Workshops. Da kommen Besucher aller Generationen. CONTAINER: Ich sag immer: Ob Clearasil-Testgelände oder Gammelfleisch, bei mir sind alle gleich. Am Schluss bleiben doch immer die Ärsche auf dir sitzen. ! STRANDKORB: Wenn du mit deiner Band groß rauskommen willst, gibt dir die Fachstelle Pop eine Bühne, Proberäume, einen Tourbus und ’ne Siebdruckwerkstatt für deine ersten Plakate. Im Farbenladen stellen junge Künstler ihre Sachen aus. Und wenn alles nach Plan läuft, kann in einem weiteren Gebäude das Förderzentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft eröffnet werden. Bleiben da noch Wünsche offen?


22 curt // ZAHLEN UND FAKTEN


Professionelle Beschilderungen sind das A und O.


DIY // curt 25

DAS DIY-EVENT

SELBERMACHEN MÖGLICH GEMACHT Von wegen wenig tun und viel kassieren! Ein eigenes Event auf die Beine zu stellen, verlangt dem Veranstalter einiges ab – von der großen Verantwortung einmal ganz abgesehen. Zweifel sind da durchaus berechtigt, werden aber mit fachkundiger Hilfe schnell aus dem Weg geräumt. Und zwar vom Feierwerk: der idealen Spielwiese für Veranstalter – zum Ausprobieren, ohne sich zu ruinieren. Ob Party, Konzert, Sportveranstaltung oder Swingertreff: Wer sich dazu entscheidet, eine einmalige oder auch auf Wiederholung angesetzte Veranstaltung ins Leben zu rufen, dem sei das Feierwerk ans Herz gelegt. Nicht nur wegen seiner vier in Größe und Aussehen unterschiedlichen Hallen, sondern auch aufgrund der fairen Konditionen, die sich mit einem Mitarbeiter auf sehr persönlicher Ebene bei einem Tässchen Kaffee bereden lassen. Auch wenn die Swinger an dieser Stelle dann doch darauf hingewiesen werden müssen, sich eine weniger auf die Jugendarbeit konzentrierende Location zu suchen. Wer veranstalten möchte, der hat meist schon einen Plan oder zumindest eine grobe Vorstellung, welche Richtung sein „Baby“ einschlagen soll. Live-Musik, Party, Extras wie Verlosungen? An diesem Punkt tauchen sie bereits auf, die wichtigsten Fragen rund ums Event: Wie viel kann ich investieren? Wie viel Zeit muss ich in die Planung stecken? Wie viel Verantwortung will ich tragen? Und, verdammt, wie viele Nerven bin ich bereit zu opfern? Eine einfache Rechnung also, bestehend aus vier Faktoren, die in Abhängigkeit ihrer Größe recht schnell zu folgendem Ergebnis führen:

Geld (wenig) + Zeit (wenig)

+ Verantwortun g (wenig) + Nerven (wenig) = Viel Glück ( = Lass es sein!) Geld (wenig)

+ Zeit (viel) + Verantwortun g (viel) + Nerven (viel) = Live-Newcome r Geld (vie l) + Zeit (wenig) + Veran twortung (viel) + Nerven (wenig) = Event mit DJs

Geld (viel) + Zeit (viel) (viel) + Verantwortung + Nerven (viel)

e? = Hast du Freund


26 curt // DIY

RUNGSAUF ERFAH BASIEREND RHIN ZU T ES WEITE WERTEN GIL BEDENKEN: gen keine Bands verlan • Unbekannte e. vierstellige Gag erzeugt, ltener davon üb • DJs sind se , als Gottes zu sein ein Geschenk Leadsänger. in bekommen sche • Live-Bands zu essen. selten etwas

bar

Performers ok-Fans eines • 600 Facebo . t 600 Gäste bedeuten nich usagen ok-Event-Z • 600 Facebo Gäste. n gar nicht 600 bedeuten scho

TEXT: NURIN KHALIL // FOTO: LAURA BREDIS

Ob man nun, nach Abwägung dieser Faktoren, ein Festival mit mehreren Bühnen plant, ein Konzert in Wohnzimmergröße oder eine bestuhlte Veranstaltung im schickeren Rahmen: In den Räumlichkeiten des Feierwerks ist all dies machbar. Zwar ist das Feierwerk wie jede andere Location auch an Brandschutzregeln, das Nichtraucher- und Jugendschutzgesetz und weitere gesetzliche Richtlinien gebunden. Abgesehen von solch zwingenden Rahmenbedingungen haben Veranstalter dort jedoch die einzigartige Möglichkeit, ihr eigenes Ding zu machen, etwa wenn es um Gestaltung, Musikstil, Eintrittspreis und Deko geht. Ein High-Class-Event mit Dresscode im Sunny Red, der gemütlichen Kellerlocation, die optisch eher einem Jugendtreff ähnelt? Klar, warum nicht? Die Konditionen im Feierwerk sind überaus fair, auch was das Finanzielle angeht. Das Menschliche kommt dabei ebenfalls nicht zu kurz: Ein Kabel, das Gaffa-Tape, das Stempelkissen für den Einlass vergessen? Dank sehr entgegenkommender Mitarbeiter, die immer einen Plan B zu haben scheinen, wird nichts davon zum ernsthaften Problem. In Raucherpausen vor der Tür wird sich ausgetauscht, der hauseigene Techniker, der zufällig vorbeikommt, gibt Tipps, erzählt von seinen Veranstaltungserfahrungen der letzten Jahre. Sehr schnell ist man per du mit den Angestellten, sogar private Freundschaften entstehen. Auch das Team untereinander pflegt einen familiären Umgang. Jeder kennt jeden. Und das Beste: Jeder ist willkommen – ob nun Hip-Hopper, Raver oder Geschäftsmann, mit zwanzig, vierzig oder sechzig Jahren. Bunt, offen und auf Augenhöhe: So gibt sich das Feierwerk gegenüber Mitarbeitern, Gästen und Veranstaltern.


17.–20. Mai 2013

, Lexy & K-Paul,

u nd b ei CTS - Eve nti m

INFOS & TICKETS :

PRÄSENTIERT

Schluck den Druck, Grossstadtgeflüster, D.I.M., Supershirt, Ostblockschlampen, Marcapasos, Breakfastklub, Gunjah, Disco Dice, Gestört aber Geil, Sun@Night, C-RO, Ron Flatter, Lexer, The Sexinvaders, Golden Toys, Reche & Recall, Plastikfunk, Zahni vs. Schrempf, Louis Garcia, Kiss feat. Seth Schwarz, Bassraketen, Susanne Blech, Stereofunk, Compact Grey u. v. m.

Booka Shade, Moonbootica , Vitalic , Oliver Koletzki, Karotte, Aka Aka feat. Thalstroem, Pan-Pot, Sascha Braemer, Boris Dlugosch, Dominik Eulberg, Die Orsons, Disco Boys, Felix Kröcher, Douglas Greed,

Cro, Fritz Kalkbrenner

SEEED K R A F T K L U B K N I F E PA RT Y

HALBINSEL POUCH BEI LEIPZIG


Unerhรถrt! 20 Jahre Radio Feierwerk


RADIO FEIERWERK // curt 29

TEXT: FELIX DAHLMANNS, MELANIE CASTILLO // FOTO: MICHAEL DENGLER

Noch ein Jubiläum, das aber eher still und heimlich daherkommt: 20 Jahre Radio Feierwerk auf der Frequenz 92,4. Erwartungsgemäß steht hier ein wildes, freies und frisch blühendes Beet aus Schallwellen auf dem Programm ... was aber leider nur die wenigsten wissen. Nichts da mit 24-Stunden-Gedudel im Hintergrund, Musik von der Stange und schmerzfreien Allgemeinplätzen für die Massen. Das Feierwerk versteht auch Radio als Motivation, viel mehr zu bewegen. Bereits 1985 entstand die Idee, junger Musik und Kultur in München über einen eigenen Sender Gehör zu verschaffen. Ein Kinderradio wollten die einen, ein echtes Münchner Szeneradio die anderen. Heute wissen wir: Beides hat sich durchgesetzt – allerdings nicht bei der Masse. Auch nach 20 Jahren ist der hauseigene Sender noch ein Geheimtipp. Das mag unter anderem daran liegen, dass – wie bei allen Herzensangelegenheiten – Qualität vor Quantität steht. So begnügt sich Radio Feierwerk mit dem Wochenende und sendet ausschließlich samstags von 6 bis 24 Uhr sowie sonntags von 7 bis 9 Uhr und 21 bis 24 Uhr. Die vergleichbar kurze Zeit allerdings ist bis oben hin gefüllt mit einem nicht kommerziellen bunten Mix aus Unterhaltung, Information und handverlesener Musik. Stets unter liebevoller Führung von Ulrike Find, ihres Zeichens Programmleiterin des Radios seit 2011. Großes Aushängeschild ist dabei das Kinderradio, das von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen größtenteils selbst gestaltet wird. Ein bundesweit einzigartiges Konzept, das mit


FOTO: FEIERWERK BILDARCHIV Radikal lokal und heftig mobil: Thomas Haube (links) und ein ehrenamtlicher Mitarbeiter moderieren auf Gartenst端hlen.


FOTO: FEIERWERK BILDARCHIV

RADIO FEIERWERK // curt 31

dem Deutschen Kinderkulturpreis 2000 ausgezeichnet wurde. Überhaupt: Von der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) unterstützt, gewann das Radio Feierwerk aufgrund der mit Hingabe durchgeführten Projekte schon Preise en masse. Immer auf der Arbeit junger engagierter Nachwuchsredakteure und Moderatoren basierend. Alles ehrenamtlich, versteht sich! Den weiteren Sendplatz teilen sich genrebezogene Sendungen wie „Coming in hot“, das „Urban Mag“, „Radio Traktor“, Szene-Plattformen wie „the Antennae“ oder Omas termingespickte Stunde im Kräutergarten – allesamt Sendungen, bei denen unüberhörbar die Liebe zur Sache aus den Lautsprechern tönt.

1985: KLAUS MARTENS MACHT PROGRAMM.

FOTO: MICHAEL DENGLER

2013: ULI FIND LEITET DAS PROGRAMM.

Bis es soweit war, bedurfte es jedoch großer Überzeugungsarbeit bei den medienpolitischen Entscheidungsträgern. Auf der Suche nach An- und Auflegestellen regierte zunächst das Provisorium: So wurden Schulhöfe zu mobilen Radiostationen, Fußgängerzonen zu Freiluftstudios, um fünf Ecken befreundete Radiosender wurden um Sendezeit angeschnorrt. Medienpädagogisch anfangs noch am Rande der Haarsträubung wurde im Laufe der Zeit schnell klar, dass da richtig was geht. Und zwar 1993 auf der Münchner Lokalfrequenz 93,3, ein Jahr später mit der 92,4 MHz, die sich mehrere Anbieter, etwa „Radio Lora“ oder das christliche Format „Horeb“, teilen. Zugegebenermaßen beides ein Grund, der die meisten Hörer unter der Woche davon abhält, die 92,4 in die Drucktastenwahlvorrichtung ihres Abspielgeräts abzuspeichern. Um es milde auszudrücken: Rock geht anders. Nach 20 Jahren ist es also dringend Zeit, das eher stiefmütterlich behandelte Medium zu puschen. Zurücklehnen und die ganze Arbeit dem Feierwerk in die Schuhe zu schieben, wäre jedoch zu einfach. Schließlich lautet das Motto: Jeder kann mitmachen! Also: Macht mit! Details zum Sendeprogramm gibt‘s auf radiofeierwerk.de


32 curt // PRÄSENTATIONEN

CURT PRÄSENTIERT IM FEIERWERK 15| 03

FRAMEWORKS FESTIVAL 2013 // MUG IM EINSTEIN. Zum dritten Mal treten auf dem Frameworks Festival internationale Künstler mit ausgefallenen Projekten auf: musikalisch unkonventionell, innovativ & spannend! Mit dabei: Swod, Roedelius Schneider, Rayon, Tom Verbruggen: Toktek, Radian, aus & Danny Norbury, Matmos, Fennesz. Eintritt frei!

19| 03

TIM NEUHAUS // ORANGEHOUSE Soulig, deep und in jedem Fall mitreißend kommt Tim Neuhaus daher, wenn er zusammen mit seiner Band The Cabinet Percussion, mehrstimmigen Gesang, ruhige Akkorde, etwas Klavier- und Orgelspiel sowie eine große Prise Melancholie zum Besten gibt. Ein Singer/Songwriter, der das Publikum zu begeistern weiß.

24| 03

22-PISTEPIRKKO // ORANGEHOUSE „22-Punkt-Marienkäfer“! Ins Finnische übersetzt: die Indietronic-Band 22-Pistepirkko, die sich vor 30 Jahren noch dem Punk verschrieben hatte. Heute haben sie musikalisch keinerlei Berührungsängste, lassen sich aber auch schwer kategorisieren. Aber: Sie sind und bleiben herrlich schräg, extravagant und unangepasst!

07| 04

NAKED LUNCH // HANSA 39 Fantastischen Indie-Pop mit melancholischen Tiefen, Pauken und Streichern präsentieren die Klagenfurter rund um Frontmann Oliver Welter. Ihr neues Album „All is Fever“ weckt hohe Erwartungen: „Wichtig. Groß. Mutig. Klug. Herzzerfetzend. Weltverlierend und weltumarmend“ ist es laut eigenem Bekunden. Wir sind gespannt!

ZU ALLEN KONZERTEN VERLOSEN WIR 3 X 2 KARTEN! ALLE GEWINNSPIELE FINDET IHR AUF CURT.DE/MUENCHEN

16| 04

MASERATI // ORANGEHOUSE Wenn Maserati loslegt, dann geht nicht der Punk ab, sondern der Psychedelic und Postrock: Bei ihrem rein instrumentalen und hypnotischen Sound ist alles auf Höllentempo beschleunigt – Synthies, Gitarrenspiel und Loops. Maserati gelingt die perfekte Verbindung von analoger Rockmusik und Elektronik. So klingt Psychedelic im 21. Jahrhundert!

03| 05

VERONICA FALLS // ORANGEHOUSE Ein Garant für herrlich ansteckenden Indie-Pop sind Veronica Falls aus London. Auf ihrem Album-Debüt kombinieren sie mit viel Gefühl düstere Klänge und beschwingte Pop-Melodien. Das Ergebnis: mitreißende Indie-Hymnen, Surf-Pop und melancholische Liebeslieder, die nicht mehr aus dem Kopf gehen!

30| 05

SWANS // HANSA 39 Die Zeit der infernalisch lauten Swans-Konzerte, die von der Polizei abgebrochen werden mussten, ist längst vorbei. Aber auch heute noch bezeichnet Frontmann Michael Gira die Konzerte seiner Band als „seelisch beflügelnd und körperlich zerstörerisch“. Beruhigend, dass die legendäre Postpunk-Band sich selbst nach 13 Jahren Trennung irgendwie treu geblieben ist!


FEIERWERK ÖFFNE DICH // curt 33

CURT ANTE PORTAS „Das Feierwerk? Klar, kenn ich!“ Oder doch nicht? Versteckt in Kellern, Nachbargebäuden oder unter dem Dach befinden sich Türen, von denen keiner so genau weiß, wohin sie eigentlich führen. Wir waren neugierig und haben einen Blick dahinter geworfen.

TEXT: ANDREEA HULA UND OLIVER ARMKNECHT // FOTOS: TOM GONSIOR


34 curt // FEIERWERK ÖFFNE DICH


Putzmittel, Handtücher, Seife – hier wird auf Vorrat gelagert. Und wer sich über das „Catsan“ unten links wundert ... Das gehört zum festen Feierwerk-Bestand, denn nichts saugt Kotze besser und schneller auf.


36 curt // FEIERWERK ÖFFNE DICH


In der Werkstatt des Kreativzentrums in der Hansastraße 31 wird alles geschreinert, gezimmert und gebaut, was anfällt – von der Bar bis hin zu den Faschingskulissen für die Dschungelparade. Einfach Sepp anrufen, der richtet’s schon.


38 curt // FEIERWERK ÖFFNE DICH


Ob für Bands, Mitarbeiterveranstaltungen oder auch auf Bestellung für externe Events – die Küche im Orangehouse zaubert von Asiatisch bis Vegan auf Wunsch alles auf den Tisch.


40 curt // FEIERWERK ÖFFNE DICH


Kaum zu glauben, aber auch im Feierwerk muss manchmal ein bisschen nachgeholfen werden, damit es heiĂ&#x; hergeht. Kein Problem mit dem Heizungskeller in der Hansa 41.


42 curt // FEIERWERK ÖFFNE DICH


Das Katerfrühstück gibt es direkt neben den Bandappartements in der dazugehörigen Küche. Und wer ein bisschen sucht, findet vielleicht sogar noch Platz für den eigenen Bandsticker.


44 curt // FEIERWERK ÖFFNE DICH


Ăœber geheime Sprossen musst du gehen: Gut versteckt an der Decke befindet sich die Klappe zum Speicher, auf dem so mancher Schatz zu entdecken ist.


1983

46 curt // DER VERGLEICH

„Wirklich, die 80er sind doch tot“, murmelt der Barista und macht sich auf die Suche nach einer tauglicheren Radiofrequenz. In einem Café müsse man doch Klassik oder Jazz spielen, meint er und ich nicke zustimmend. In meinem Kopf aber trällert Nena munter ihren 83er-Hit weiter vor sich hin und an meinem gedanklichen Horizont steigen die 99 Luftballons in die Lüfte. Die Luft da oben ist anders. Irgendwie frischer und belebender. Wenngleich der Sauerstoffanteil deutlich unter den üblichen 21% liegt und dafür eine beträchtlich nostalgische Note trägt. Film ab! Und der Sommer 83 läuft plötzlich im Kopfkino. Ich weiß noch ganz genau, wie sich Freude mit Aufregung vermischte und mir fast schwindlig wurde von der Überdosis beider Komponenten. Andreas hatte gefragt, ob wir gemeinsam zum Jugendfest im Neuhausener Grünwaldpark gehen würden. Okay, jetzt bloß nicht völlig abdrehen. Was eine Frage, natürlich würden wir das! Mit der Antwort zögerte ich obligatorisch dennoch bis zum nächsten Tag. An diesem Wochenende veranstaltete die neue Kulturstätte Feierwerk das neu umbenannte Rockfest – das Jugend-Fest. Feierwerk war nicht nur Name, sondern auch Programm. Wir genossen die neue Veranstaltungsmöglichkeit, welche uns in vorerst wechselnden Locations mit Musik und Feten lockte. Dies war bis dato eher eine Seltenheit. So verbrachte ich den halben Nachmittag vor dem Spiegel. Karottenhose: zu langweilig. Orangefarbene Leggings: Hatte ich erst vor Kurzem an. Wippend zu der Musik aus dem Walkman tanzte ich vor dem Spiegel zu Peter Schillings „Major Tom“. Der Song lief damals auf und ab und nichts hätte ihn stoppen können – außer der Tatsache, dass die Kassette schließlich riss. More is more, entschied ich. Der pinkfarbene Body und der enge Jeansrock machten also das Rennen, meine blonde Mähne wurde zu einem losen Pferdeschwanz zusammengesteckt. Zum Abschied schickte ich meinem Spiegelbild zufrieden einen Luftkuss. Bevor die 99 Luftballons am Horizont auftauchten, tat es Andreas. Da stand er: groß, mit Blue Jeans und weißem T-Shirt. Nonchalant glimmte die Zigarette in seinem Mundwinkel. Ich gab mich also gelassen und zündete auch eine an, während wir den Eintritt von 2 DM entrichteten. Heute würden EBS spielen, damals DIE Band. Wir tranken Eittinger Fischerbräu, sehr viel. Wir tanzten und tanzten, leider zu wenig. Schon damals wusste die Stadt durch Erteilung von Auflagen, ihre Bewohner vor dem lästigen Lärm namens Musik zu schützen. Der Nachhauseweg mit Andreas hätte auch länger sein können, aber das Haus war schon in Sichtweite. Ewig hätte ich noch durch den lauen Sommerabend gehen können. Doch dann der Blick, der zweite, und dann der erste, der Kuss. Und alles drehte sich, völlig losgelöst. Meine Zeitreise findet ein abruptes Ende, als mein Handy klingelt. Paloma möchte sich meinen pinkfarbenen Body von damals ausleihen. 30 Jahre später: Alles anders und doch so gleich. Sie gehe heute noch feiern und brauche mal etwas anderes. Meine Tochter ist das absolute Gegenteil von mir. Sie vermittelt manchmal eher den Eindruck, sie wünsche sich heimlich, eine Prinzessin zu sein. Somit ist Pink legitim ... auch wenn das total Losgelöste nicht so ganz ihres ist. TEXT: MARGARITA SEREDA-WILDENAUER


Ich habe Besuch. Meine Kindergartenfreundin Paloma ist auf der Durchreise hier und hat mich beauftragt, ihr das glamouröse Nachtleben Münchens zu zeigen. Während ich einen nicht sehr glamourösen Hustenanfall bekomme, als ich nach zirka zwei Stunden das Bad betrete und in eine Explosion von Haarspray, Puder und Chanel platze, zwängt sich Paloma gerade in ihren brandneuen hochhackigen Traum aus rosa Lack. Mit Palomas Miniatursektfläschchen und meinem Bier geht es ganz glamourös ins Feierwerk. „Dubstep ist Kult, du wirst es lieben“, sage ich, als wir in der Schlange zum Sunny Red stehen, und bezweifle es angesichts Palomas schockiertem Blick sofort, als sich unser Vordermann (ein Fabelwesen mit ellenlangen Dreads und psychedelischer Kriegsbemalung) gerade selbstständig mit einem Fünfzig-Cent-Stück einen Plug verpasst. Bässe wummern hinter beschlagenen Scheiben, das Bier macht sich langsam bemerkbar und Paloma funkelt mich unter rosa Lidern pikiert an. Doch sie ist tapfer, nimmt den letzten Zug ihres Nuttenstängels und verschwindet in eine Welt, die ihr weder Chanel noch Ken bieten können. Das weiß sie nur noch nicht. Wir sitzen bei Sekt und Bier an der Bar und plaudern über alte Zeiten. „Weißt du noch, damals an Fasching?“, vernehme ich Palomas Stimmchen zwischen verlockenden Beats. Ja, nur zu gut. Palomas Bruder weigerte sich, als Hofnarr zu gehen, und so war ich das Pendant zur Prinzessin. Als Paloma wenig später zwischen sämtlichen Subkulturen rosa in der Masse blinkt, habe ich wieder die Vision der kleinen Prinzessin vor mir. Ich grinse in mich hinein und hole mir noch ein Bier. Als ich mich umdrehe, ist es vorbei mit dem Prinzessinnendasein: Paloma verschmilzt gerade mit dem Fabelwesen! War das ein Bier zu viel? Nun kommt sie auch noch und fragt mich, ob ich ihr kurz meine Schuhe leihe – auf ihren Hacken könne sie nicht mehr tanzen. Barmherzig, aber widerwillig zwänge ich mich in den rosa Albtraum aus Lack und bereue es bereits auf dem Weg zur Toilette. Zurück auf der Tanzfläche merke ich, dass es definitiv ein Bier zu viel war, und sehe mich hoffnungsvoll nach einer Rettung um. Der kotzende Panda an der Wand versteht mich. Ich muss hier raus! Wo ist Paloma? Mein Bett schreit mittlerweile so laut nach mir, dass es kaum auszuhalten ist. Der Hofnarr flaniert auf hohen Hacken davon, biegt bei der Hansastraße falsch ab und wundert sich sehr lange, wo eigentlich die U-Bahn bleibt und wieso sich hier Autos mit Kennzeichen wie „SEXY666“ tummeln. Als dann ein Typ aus einem Taxi schreit, „Hey Schnitte, schon belegt?“, erahne ich meinen äußerst unglamourösen Auftritt. Ich mache auf dem Absatz kehrt, gable Paloma auf, die entzückt eine Dreadsträhne an ihrem Schlüsselbund befestigt, und lande zu guter Letzt endlich im Reich der Träume. Das Feierwerk hat Palomas Prinzessinnendasein auf dem Gewissen. Und das ist gut so! TEXT: CARINA NEUMANN


48 curt // MUSIK

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52 curt // MUSIK

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S.C.H.L.A.F.

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digkeit – mit angeKeine Zeit für Mü iter! geht die Reise we mietetem Tourbus


SCHÖNE TÖNE Ob auf Kassetten, Schallplatten oder CDs: Die gesammelten FeierwerkTöne dokumentieren drei Jahrzehnte Münchner Musikgeschichte. curt präsentiert eine Auswahl.

REZENSIONEN: MIRJAM KARASEK


MUSIK // curt 55

ROCK FEIERWERK – SIEGER 85 VÖ: 1986 // LABEL/VERTRIEB: FEIERWERK E. V.

Damals hieß er „Rock Feierwerk“, ab 2001 kennen wir ihn als „Sprungbrett“: Münchens traditionsreichster Band-Wettbewerb, der Newcomern bis heute die Möglichkeit bietet, erste Erfahrung auf der Bühne zu sammeln und Kontakte zu Veranstaltern, Medien und Labels zu knüpfen. Die Sieger von 1985 – Chrystalball, Challenge, Sweatshop, Nanu sowie KIROV & The Wild Cats – präsentierten sich übrigens als eine der ersten in der Hansa 39 und erhielten als Gage jeweils 50 Gratis-LPs!

RADIKAL LOKAL – FÜR EIN SZENE RADIO (DLP) VÖ: 1991 // LABEL/VERTRIEB: FEIERWERK RECORDS

„Du willst Radio hören und legst Dir eine Platte auf? Echt crazy, aber tu’ es trotzdem!“ Dieser freundlichen Aufforderung im Innenteil der Doppel-LP „Radikal Lokal“ kann man einfach nicht widerstehen. Sollte man auch nicht, denn auf „Frequenz 33 1/3 UpM“ demonstriert das Feierwerk mit eineinhalb Stunden Musik und News aus der Münchner Szene, mit Moderation, Werbung und Jingles, dass es Radio kann – und unbedingt auch machen will! Der Soll-Zustand damals: „DIE SZENE BRAUCHT EIN RADIO!“ Der Ist-Zustand: Radio Feierwerk auf der Frequenz 92,4!

LIVE IM FEIERWERK VÖ: 1995 // LABEL/ VERTRIEB: FEIERWERK-RÄKORDS

SOUND OF MUNICH NOW VÖ: 2012 // LABEL/VERTRIEB: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG GMBH

Zappaesker Heavy-Pop von den Illegal Aliens, Isar-Ska von den Be Nuts oder Funky Grooves & Soulful Vocals von Knister Sister gefällig? 1995 spielten diese und andere Münchner Bands in der Reihe „Live im Feierwerk“ ihre Musik direkt vor Ort ein – mit finanzieller Unterstützung des Stadtjugendamts/Jugendkulturwerks.

Wer gibt in München den Ton an? Welche Newcomer gibt es, welche neuen Labels? Das Feierwerk will es – zusammen mit der SZ – wissen und begibt sich mit dem Festival „The Sound of Munich now“ auf die Suche nach dem Klang der Stadt.

Von 1988 bis 1996 gab es genrespezifische Aufnahmen: Blues („Sunrise“, 1988), Latinmusic („Locomoc(sic!) ion“1989), ab 1990 dann als LiveAufnahmen aus dem Feierwerk: Jazz (1990), „Hard ’n’ Heavy“ (1991) und „Blues Attraction“ (1994) und ab 1985 zwar immer noch live, aber nicht mehr genrespezifisch.

Am 3. November 2012 spielten sie deshalb zum vierten Mal auf in der Hansa 39: 20 Bands in 5 Stunden, Wechsel im Viertelstundentakt. Ergibt im Ganzen rund 60 Songs, die zeigen, wie München musikalisch tickt – 20 davon sind auf dem Soundtrack 2012 vertreten, u. a. von Ebow X, Stray Colors und Well Well Well.


damals und jetzt: MARIONETZ

Sigis und Mannys Memorabilia


MUSIK // curt 57

Die Münchner Musikschaffenden Sigi Pop und Manny Bachinger sind seit mehr als 30 Jahren auf Gedeih und Verderb gute Bekannte, haben jedoch bis vor ein paar wenigen Jahreszwölfteln niemals gemeinsam in die Saiten gehauen. Punk sei Dank hat dieser absurde Zustand jetzt ein Ende. Denn die alteingesessenen MARIONETZ gehen in die nächste Runde. TEXT: CHRISTOPH BRANDT // FOTOS: MICHAEL DENGLER Sigi Pop (*1957), seines Zeichens der selbsternannte Johannes Heesters des deutschen Punkrocks, ist eine Hälfte der Urbesetzung der ehemals betitelten THE MARIONETTES. Er gründete 1978 zusammen mit Günther B. die hiesige Punkband, die nach zwar überschaubaren (leider bisher unveröffentlichten), dafür hochkarätigen Studioaufnahmen anno dunnemals das Vorprogramm von POLICE und JAPAN beschallen durfte. Fortan folgte die Aufsplittung und der Umstieg auf zynische deutsche Texte. Die nun umbenannten MARIONETZ wandelten sich hierzulande zum poppigen Prototypen des Fun-Punks. Heute spielt Sigi des Öfteren in Komparsenrollen bei Film & TV die zweite Geige. Dazu begleitet er ab Sommer 2012 als Bassist die Rockabilly-Band THE CONTINENTALS und verfasst gelegentlich die IN MÜNCHEN-Rubrik „Meine Platte“. Manny Bachinger (*1962), früher Gitarrist bei der britisch-wavigen Lokalgröße IVY LEAGUE, machte über Jahre gemeinsame avantgardistische Sache mit Ex-MARIONETTES-Sänger Tommy Davis. Mittlerweile betreibt er MANNY’S MUSICSTORE in Aschheim und schreibt regelmäßig für das Bandmagazin SOUNDCHECK. Schon 1985 war Manny mit der Deutschrock-Gruppe VILLA HAMMERSCHMIDT auf diversen Feierwerk-CompilationTapes vertreten. Ende 2012 organisierte das umtriebige Duo spontan eine Veteranen-Jam-Session. Nachdem Sigi und Manny eine Nacht lang darüber gefeiert hatten, holten sie Drummer/DJ Chrissi „DRAGSTAR“ Bischoff ins Boot und aus der zündenden Idee einer Trio-Neuauflage der MARIONETZ wurde fix Nägel mit Köpfen gemacht. MANNY: Zur Teenagerzeit probten wir im Jugendheim in der Valleystraße. Das Feierwerk war eine erste Anlaufstelle für uns, um quasi in einem professionellen Rahmen auftreten zu können. Als es sich einzig und allein auf die lokale Bandszene konzentrierte, betrieb das Feierwerk bereits jede Menge Promotion, z. B. mit ihrem eigenen Radiosender. Wir wirkten an den dort in den frühen 80ern ständig stattfindenden Bandwettbewerben gegen einzelne Stadteile mit. Es konkurrierten dann 20-jährige Ramersdorfer gegen gleichaltrige Giesinger. Eine witzige Mischung: Von Blues bis Punk waren sämtliche Stile vertreten. Ein perfektes Sprungbrett für Leute, die es mit dem Musikmachen etwas ernsthafter nahmen. Und nachdem man einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hatte, folgten größere Gigs in der Alabama-Halle, im Theatron oder der Theaterfabrik.


Sigis POP

Manny bachinger


„OHNE SCHLEIMEN ZU WOLLEN, ABER DAS FEIERWERK ZEICHNET VORWIEGEND FÜR DEN ERHALT DER MÜNCHNER MUSIKSZENE VERANTWORTLICH, HARTNÄCKIG KREATIV UND KOOPERATIV.“ SIGI POP

MUSIK // curt 59

SIGI: Ohne schleimen zu wollen, aber das Feierwerk zeichnet vorwiegend für den Erhalt der Münchner Musik szene verantwortlich, hartnäckig kreativ und kooperativ. Leider dominieren ja bei uns größtenteils teure SchickiMicki- oder angestaubte Blues-Clubs, die einem normalen Menschen häufig den Eintritt vermiesen. Dagegen war und ist das Feierwerk eine stets offene, übergreifende und grenzenlose Begegnungsstätte. Im Gegensatz zu einer nüchternen Konzerthalle wie z. B. dem Zenith, wo du nur den Headliner anschaust und im Anschluss sofort abhaust. Es stört niemanden, wenn vor den Feierwerk-Gebäuden Punks mit ihren Hunden rumhängen. Am Stachus oder anderweitig würde man sofort verjagt werden. Es herrscht hier massenhaft Freiheit und ein sehr sicheres und soziales Feeling vor. Obendrein sehen sich auch die Künstler gezwungen, sich unters Volk zu mischen, weil die Garderobe so winzig ist. MANNI: Als unbedarfte Truppe wurden wir von den Feierwerk-Organisatoren niemals von oben herab behandelt. Ein jeder bemühte sich liebevoll um einen, ohne je arrogant zu wirken oder einen bestimmten Bierumsatz einzufordern. Es ging ihnen ständig nur darum, eine gute Show auf die Bühne zu bringen. Und uns interessierte vorwiegend der Spaß am Spielen und natürlich kostenlose Getränkemarken und die Gratis-Wurstsemmeln. SIGI: Ich habe an diesem Ort schon einige Abschiedskonzerte gegeben und kehre trotzdem regelmäßig sowohl als Artist als auch als Besucher des Feierwerks zurück. Ich schätze die gemischte Zuhörerschaft, die keinerlei Generationskonflikte zu kennen scheint. Dann das fette Licht und die geile Bühne, die genau die richtige Höhe hat, sodass man als Spectator ziemlich nah an die Performer herankommt. Shows wie die anti-faschistische Skapunkband TALCO, PETER & THE TEST TUBE BABIES, NO USE FOR A NAME, U.K. SUBS, TV SMITH oder TOTAL CHAOS werden mir wohl ewig in Erinnerung bleiben. Einerseits erlebt man Kult-Kombos, die vor Dekaden weltberühmt waren, andererseits ergeben sich tolle Chancen für gänzlich unbekannte Bands. Der vielleicht einzige negative Kritikpunkt: Früher verlangte man nix für den Techniker. 1995 hat Manny mit SILENT RUNNING das große Feierwerk ge“Prog“rockt und man drückte ihm einen SupportAct aufs Auge, der auf Biegen und Brechen im Programm untergebracht werden sollte. MANNY: Wir gaben FOOLS GARDEN sogar Autogramme, weil die uns vor Begeisterung wie Bauklötze bestaunten, und nur vier Wochen später landeten sie mit „Lemon Tree“ einen internationalen Nummer-1-Hit. Das Konzertdebüt der wiederbelebten MARIONETZ findet spätestens am 31. Juli auf dem Free& Easy-Festival im Backstage statt. Weitere Infos, News & Termine: facebook.com/MarionetzFanseite


60 curt // SPORT

SKATEPLATZL Bis zu 80 Skateboarder treffen sich im Sommer täglich auf der Skateplaza des Feierwerks, um ihre Tricks in der Miniramp, an Obstacles und Rampen zu probieren. Die wenigsten von ihnen wissen, dass das Label „unitedskateboardartists“ maßgeblich an der Realisierung des gut 850 Quadratmeter großen Parks beteiligt war. curt wollte mehr wissen und hat Mitinhaber Kristijan Mirkovic zum Gespräch getroffen. TEXT: CHRSTOPH STARK, ANDREEA HULA // FOTO: FLO JÄGER

KRISTIJAN MIRKOVIC

Wenn die unitedskateboardartists nicht gerade Bekleidung herstellen, tun sie es selbstverständlich selbst: Skateboarden! Die Bedürfnisse und Wünsche der Skater lagen ihnen daher ganz besonders am Herzen, als es um den Bau des Plazas ging. Bereits 2005 begann die Zusammenarbeit mit dem Feierwerk im Rahmen des Skateboard-Festivals „Transition Jam“ mit dem Bau einer Miniramp. Ab Mitte 2009 wurde der restliche Skate-Park in Angriff genommen, im Juni 2010 fand schließlich die Eröffnung statt. Der Skate-Park ist nach dem Plaza-Konzept errichtet, das mit Elementen der Stadtarchitektur versucht, die besten Bedingungen für Skater zu schaffen. Besonderes Anliegen der Planer war dabei, den Besuchern gute Lines zu ermöglichen. Für alle Nicht-Skater: Eine Line ist eine Abfolge von Tricks an verschiedenen Obstacles (Hindernissen) wie Treppenstufen, Rampen, Quarterpipes und Geländern. „Wir waren immer wieder auf der Baustelle vor Ort und konnten so den Bauarbeitern zeigen, warum und wie etwas gebaut werden sollte, damit es hinterher auch Spaß macht“, sagt Kristijan. Das Ergebnis beweist:


Das Engagement von Claus Bruch, dem Skateboard fahrenden Architekten, den unitedskateboardartists, dem später gegründeten Skateboarding München e. V. sowie Vertretern des Feierwerks und der Stadt München hat sich gelohnt. Neben dem täglichen Skate-Betrieb werden in den Sommerferien mittlerweile auch Kurse angeboten. Darüber hinaus nutzt Skateboarding München das Skateplatzl für Veranstaltungen wie Benefizkonzerte, BBQs und Contests – so auch 2012 für die „Munich Be(a)st“-Reihe, Münchens inoffizieller Skater-Stadtmeisterschaft. „Ich wünschte, ich wäre noch mal jung und könnte mit Skateboarden anfangen.“ Denn, so Kristijan weiter: „Die Situation für Skateboardfahrer in München wird immer besser – allerdings nur im Sommer.“ Im Winter sind die Spots, wie eben auch das Skateplatzl des Feierwerks, unter Schnee und Eis begraben. Es fehlt eine „offizielle“ Möglichkeit, sprich eine Skatehalle. Somit müssen die Skater auf Unterführungen und Parkgaragen ausweichen – und dort ist Ärger vorprogrammiert. Das größte Problem dabei ist, in München Platz für eine Halle zu finden. Es besteht aber Grund zur Hoffnung: Skateboarding München e. V. ist bereits im Gespräch mit der Stadt. Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst in Aktion zu treten und den Kids mit einem lockeren 360 Flip zu zeigen, wo der Hammer hängt, kann das jederzeit an der Hansastraße tun. An feste Öffnungszeiten ist man zum Glück nicht gebunden. Und auch wer nur zuschauen möchte, kann jederzeit vorbeikommen. Danke an Kristijan Mirkovic (unitedskateboardartists), Nick Fischer (Skateboarding München e. V.), sowie Phil Pham (philpham.de) und Flo Jaeger (flojaeger.com).


62 curt // SELBSTVERSUCH

WORKSHOPS IM DSCHUNGELPALAST Das Feierwerk ist ja so kreativ! curt wollte es auch werden und hat das Kursprogramm für Kinder und Erwachsene getestet.

Mein kleiner grüner Kaktus // Es sind die kleinen Freuden, die dem Dasein Wärme einhauchen: Ein grüner Kaktus mit orangefarbener Blüte gehört definitiv dazu. Das weiß ich, seitdem ich im Dschungelpalast an der Häkelwerkstatt teilgenommen habe. Zunächst allerdings muss ich in der Zeit zurückgehen, in die 80er-Jahre, als alle strickten. Na ja, fast alle. Ich jedenfalls leistete nicht den geringsten Widerstand, als es um lange Schals, warme Socken und bunte Winterpullover mit lustigen Applikationen im Partnerlook ging. Häkeln war damals nicht ganz so hip: Höchstens, um die Oma zu Weihnachten mit selbst gemachten Topflappen zu überraschen. Für niedliche Mäuse, lustige Klapperschlangen und lebensechte Kakteen – allesamt gehäkelt – konnte mich Kursleiterin Regina Lenk-Ostendorf dennoch gleich begeistern. Mit Häkelnadel Nr. 3 bewaffnet saß ich also erwartungsvoll neben Müttern mit ihren Töchtern sowie drei Schulbuben, um nach 30 Jahren Pause erneut handzuwerken. Um die Spannung nicht auf die Spitze zu treiben, gestehe ich es gleich und unumwunden: Es hat Spaß gemacht! Faden einmal um den linken Zeigefinger gewickelt, das kurze Ende zwischen Daumen und Mittelfinger; die erste Luftmasche, einstechen, drei Stäbchen in Spiralform, dann stäbchenweise weiter rundherum – fertig. Zugegeben, ganz so einfach war es dann doch nicht, aber mit der fachkundigen und vor allen Dingen geduldigen Hilfe der Kursleiterin in jedem Fall machbar. Kaffee, Muffins und Kürbissuppe gab es auf Wunsch auch, kurzweilige Gespräche sowieso und – Stolz, ganz viel Stolz, als es fertig war, das eigene Werk, die Klapperschlange, die wirklich klappert, der Kaktus, der grüne ... Dreimal dürft ihr raten, wo mein kleiner grüner Kaktus jetzt steht. TEXT: MIRJAM KARASEK Häkelwerkstatt im Dschungelpalast: Offene Werkstatt für Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene // Kursleitung: Regina Lenk-Ostendorf; Materialkosten: 5 Euro

ars memoriae ... und die Geschichte vom Esel //„Geh Du Alter Esel, Hol Fische“, lautete der Merksatz für die Notennamen im Musikunterricht in der Schule. Heute noch, wo nun die Schulzeit und schon gar der Musikunterricht ein paar Jährchen zurückliegen, finde ich ihn eigenartig. Was bitte haben der Esel mit den Fischen und die beiden mit den Musiknoten zu tun? Der philosophische Gehalt dieser Fragestellung ist wohl unermesslich. Jedenfalls half der Merksatz mir tatsächlich, wenn ich mich denn an ihn erinnerte, bei der Tonleiter. Auch bei den Lateinvokabeln hatte ich öfters mal seltsame, eigens kreierte Eselsbrücken (und da ist er wieder, der Esel!). Doch an keinem zieht das Alter unbemerkt vorbei und so fiel mir in letzter Zeit auf, dass auch meine Merkfähigkeit nicht mehr ganz die alte ist. Meine wachen curt-Kollegen vernahmen scheinbar diese Entwicklung und schickten mich zum Gedächtnistraining. Im Feierwerk angekommen, erwartete mich ein Stuhlkreis. Das Publikum bunt gemischt von alt bis jung, was im sogenannten Mehrgenerationenhaus


auch irgendwie Sinn macht. Ich befand mich im guten jüngeren Mittel, während das Angebot vor allem von Eltern mit ihren Kindern wahrgenommen wurde. Die Gedächtnistrainerin Christine gestaltet die Stunde jedes Mal ein wenig anders: Dieses Mal befanden wir uns im Tierreich.Vorname, dazu ein Tier mit dem passenden Anfangsbuchstaben und einer adäquaten Bewegung – Vorstellungsrunde mal anders. Okay, Margarita, M wie Maus und die Maus, die riecht mit ihrem Näschen. Davor aber bitte nicht vergessen, die Namen, die Tiere und die Bewegungen der Vorgänger aufzuzählen. In den zwei Stunden gab es viele verschiedene Aufgaben, welche in lockerer Atmosphäre und auf spielerische Art und Weise das Gedächtnis trainieren und fördern sollen. Für mich lief es ganz gut, ich revidierte meine Sorge um die nachlassende Merkfähigkeit und fuhr heim. Die Sache mit dem Esel aber lässt mich nicht los. Interessant ist übrigens die Tatsache, dass Esel sehr wasserscheue Tiere sind und Flüsse nur über Brücken überqueren. Man gelangt also dank einer Eselsbrücke schneller respektive dennoch ans Ziel, etwa zur richtigen Tonleiter. Zum Fisch dagegen wohl eher weniger. TEXT: MARGARITA SEREDA-WILDENAUER Gedächtnistraining im Mehrgenerationenhaus: Workshop für Kinder ab 8 Jahren und Erwachsene; Kursleitung: Christine Nitsch-Zens; Materialkosten: 2 Euro.

Early Sunday Morning // „Was spielen wir jetzt?“ Seitdem mein Sohn sich artikulieren kann, steht diese Frage jeden Sonntag zu nachtschlafender Zeit lautstark und in aller Deutlichkeit im Raum. In jüngster Zeit brüllt er mir stattdessen zwar ein „Guten Morgen“ ins Ohr, was aber sinngemäß auch nichts anderes bedeutet als eben dieses „Beschäftige-dich-jetztund-sofort-mit-mir!“. Ritualgemäß verharre ich in Schockstarre, bis mein Kopfkino sämtliche Gewaltfantasien abgespult hat und ich endlich wieder einen klaren – und rettenden – Gedanken fassen kann: „Early Sunday Morning“ im Feierwerk. Mit einem Glas Prosecco in der einen und einem Käsebrötchen in der anderen Hand sieht die Welt schon sehr viel freundlicher aus. Seit 1993 bietet der Dschungelpalast – übrigens als erste Location Münchens überhaupt – einen familienfreundlichen Sonntagsbrunch an, der auch meinen Sohn überzeugt. Aller Gaumenfreuden zum Trotz ist er dennoch kaum zu halten. „Spielst du mit mir?“ wird jetzt zu „Wann geht es endlich los?“ Natürlich um halb zwölf, wie jeden Sonntag. Same Procedure auch im Feierwerk: Während der Nachwuchs aufgeräumt im Dschungelpalast beim kleinen Maulwurf, der Maus und dem Elefanten sitzt, futtere ich mich bei entspannter Live-Musik fröhlich weiter durchs üppige Büffet. Allmählich wird es aber wieder Zeit: Mittagsschläfchen und so! Doch mein Sohn äußert Einwände. Zwar prangt auf seinem Zwischenzeugnis der dritten Klasse in Werken/Textiles Gestalten eine saftige Vier, beim Werkstattprogramm im Dschungelpalast ist er dennoch immer dabei. Vielleicht, so denke ich mir, sollten wir nächsten Sonntag auch die WTG-Lehrerin in den Dschungelpalast einladen, denn seine dort gebastelten Werke verdienen alle – ganz objektiv aus Mutteraugen betrachtet – ein „Sehr gut“ mit Sternchen. Deshalb erhält der neue Mosaik-Papagei zu Hause natürlich einen Ehrenplatz. TEXT: MIRJAM KARASEK Early Sunday Morning – jeden Sonntag von Anfang Oktober bis Ende April im Dschungelpalast: Livemusik, für Kinder ab drei Jahren ein vielfältiges Bastelprogramm und im 14-tägigen Wechsel spezielle Werkstattprogramme sowie spannende Filme im Kinderkino. Programm und Termine im gedruckten Dschungelpalast-Programmheft und online unter dschungelpalast.de


64 curt // STECKBRIEF

ANSAGE, BITTE! Manche der folgenden Gesichter habt ihr vielleicht schon einmal gesehen: die einen hinter der Bar, die anderen davor. Manche bleiben unseren Augen verborgen, denn sie ziehen die F채den eher im Hintergrund. Sie alle aber haben eines gemeinsam: die Arbeit im Feierwerk. curt stellt euch ein paar Leute aus dem Team vor.

STECKBRIEF-ACTION: MELANIE CASTILLO // FOTOS: MICHAEL DENGLER


JULIA, 28 JAHRE ERST FACHSTELLE POP, JETZT PRESSE Beim Feierwerk tätig seit 2011 Besondere Skills: Schnell reden, viel lachen, laut tippen Persönliches Feierwerk-Highlight: SCREED als Support bei No Use for a Name, Sound of Munich 2012, die Kuhherde beim Betriebsausflug u.v.m.


66 curt // STECKBRIEF

KLAUS MARTENS, 57 JAHRE FACHSTELLE POP

Beim Feierwerk tätig seit 1985 Besondere Skills: Zuhören, abwägen und alles nicht so ernst nehmen Persönliches Feierwerk-Highlight: Die l-o-k mit ihren „Neuen Formaten der Nacht“ (1999–2002)


CHRISTINE SCHLICHT, 28 JAHRE FINANZBUCHHALTUNG

Beim Feierwerk tätig seit 2005 Besondere Skills: (Hoffentlich) den Überblick über meine Zahlen behalten! Persönliches Feierwerk-Highlight: 850-Jahre-München-Feier, an der das Feierwerk mitgewirkt hat


68 curt // STECKBRIEF

SANDRA THULL, 23 JAHRE VA ABTEILUNG, AZUBI Beim Feierwerk tätig seit 2012 Besondere Skills: Hund mitbringen Persönliches Feierwerk-Highlight: Immer was zu Essen da und die Omma im Büro nebenan


JAKOB DOOMBRINGER, 29 JAHRE KONZERTE, VERANSTALTUNGEN USW. Beim Feierwerk tätig seit 2004 Besondere Skills: Labern Persönliches Feierwerk-Highlight: Die Kassierer 2005


70 curt // STECKBRIEF

SILVIE ZENKNER, 47 JAHRE MEHRGENERATIONENHAUS „DSCHUNGELPALAST“ Beim Feierwerk tätig seit 1986 Besondere Skills: Generationen-Brückenbauerin (Ich bringe Menschen aller Generationen unter einem Dach zusammen.) Persönliches Feierwerk-Highlight: Nach wie vor das legendäre Feierwerk-FEST


KAI, 41 JAHRE KOCH

Beim Feierwerk tätig seit 2010 Besondere Skills: Kuchen backen... und essen ohne zuzunehmen Persönliches Feierwerk-Highlight: Die Küchenkräuter-Spirale im Dschungelgarten und das Make or Break im April


72 curt // STECKBRIEF

IVANA VIAZZI, 62 JAHRE PROJEKTLEITERIN SÜDPOL-STATION VON OBERSENDLING

Beim Feierwerk tätig seit 1991 Besondere Skills: Flexibilität Persönliches Feierwerk-Highlight: Der Südpol-Station-Neubau


THOMAS LECHNER, 29 JAHRE KONZERTE, VERANSTALTUNGEN USW.

Beim Feierwerk tätig ab April 2013 Besondere Skills: Musik-Scouting & Vernetzungen Persönliches Feierwerk-Highlight: The White Stripes


74 curt // STECKBRIEF

MARKUS, ÜBER 30 JAHRE KOCHENDER ADMINISTRATOR Beim Feierwerk tätig seit 10 Jahren Besondere Skills: Spontan-Heilung durch Handauflegen Persönliches Feierwerk-Highlight: Kekse im Server, PROTON in der l-o-k


PEPSI, 32 JAHRE BAR

Beim Feierwerk tätig seit 2006 Besondere Skills: 3 bis 4 Leute bedienen und dabei Kniffel spielen Persönliches Feierwerk-Highlight: Sendling Boogie Breaks und USBA


76 curt // STECKBRIEF

INA ANDEXER, 39 JAHRE ÖFFENTLICHKEITSARBEIT, MARKETING Beim Feierwerk tätig seit 2009 Besondere Skills: Tausend Dinge gleichzeitig tun, ohne dabei wahnsinnig zu werden Persönliches Feierwerk-Highlight: Irgendwie hat jeder Tag im Feierwerk so seine Highlights – mein ganz aktuelles letztes Highlight ist die neue „Make or Break“-Grafik.


SEPP PERTOLD, 50 JAHRE LEITUNG BETRIEBSMEISTEREI UND GESPRÄCHSTHERAPEUT Beim Feierwerk tätig seit 1994 Besondere Skills: Hä? Flöte spielen vielleicht? Persönliches Feierwerk-Highlight: Jedes Jahr hatte für mich seine Highlights.


78 curt // STECKBRIEF

CHRISTIAN KIESLER, 31 JAHRE VERANSTALTUNGEN / PROGRAMM Beim Feierwerk tätig seit 2004 Besondere Skills: `Ne gute Kombination aus Diplomatie und `ner großen Klappe Persönliches Feierwerk-Highlight: Alle vergangenen und kommenden Melvins-Shows


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80 curt // WASCHDLS GRANTNOCKERL

WAS HABEN WIR UNS DA NUR EINGEBROCKT? DIE SCHATTENSEITEN DES FEIERWERKS, SCHONUNGSLOS AUFGEDECKT WASCHDLS GRANTNOCKERL

Weißwürschd, Lederhosen und das beruhigende Rauschen der Isar: München ist ein Traum von einer Stadt. Aber weil München nicht München wäre ohne eine ordentliche Portion Grant, lässt curt-Redakteur Sebastian Klug (bayerisch: „Waschdl“) an dieser Stelle in jeder Ausgabe einmal so richtig den Grantler raus und zeigt auf, was schiefläuft in der Landeshauptstadt. Diesmal im Visier: das Feierwerk.

Das Feierwerk feiert Geburtstag. Sauber. 30 Jahre Lärm, Unangepasstheit, Rock ’n’ Roll und hemmungsloser Bierkonsum. Und der Ude hält eine Rede dazu. Als ich 30 geworden bin, kam er nicht. Dabei hab ich weitaus weniger Bier getrunken und war auch 30 Jahre lang leiser. Stattdessen hat meine Mama leise vor Rührung geweint und dann mit mir gekickert. Mal sehen, zu was sich der Ude noch so breitschlagen lassen wird im Geburtstagsjahr. Vielleicht heult er ja sogar richtig.

alles, was ihr vor die Partyflinte kommt. Statt „einen trinken“ zu gehen, geht man heute „feiern“. Wer einen Kater hat, hat nicht zu viel getrunken, sondern „zu derbe gefeiert“. Wer sich in ein neues Album, eine neue Hose oder einen Film verliebt, sagt nicht einfach eben das – sondern „feiert“ wahlweise Album, Hose oder Film. Nur noch zu toppen ist diese Formulierung vom unsäglichen „Partymachen“. Insofern können wir ja froh sein, dass das Feierwerk nicht „Partypalast“ heißt. Wenigstens etwas.

Allein schon der Name. Das Wort „Feiern“ ist kein Wort, das man unbedacht gebrauchen sollte. Feiern kann man seinen Geburtstag, einen neuen Job oder meinetwegen auch den Verlust eines Jobs, wenn man den Kollegen, der ebendiesen Job verloren hat, partout nicht mochte. Man kann selbstverständlich auch Weihnachten feiern, Ostern auch gerne, wenn man arg fromm ist sogar Pfingsten. Eine Hochzeit sollte man ebenfalls feiern, weil’s sonst schiefgehen könnte, eine Beerdigung sowieso, weil sonst alles, was vorher war, umsonst gewesen ist. Grundsätzlich aber gilt: Ohne Anlass keine Feier.

Und dann dieses Gelände. Feinster Münchner Baugrund, Premiumqualität. Zentrale Lage, S- und U-Bahn-Anschluss auf der einen, dekadent großzügige Grünflächen im Westpark auf der anderen Seite. Ohne Probleme könnte man da einen ganzen Schwung Panorama-Appartements hinknallen, die einem der Geldadel nur so aus den Händen reißen würde. Aber nein: Wir lassen die tätowierten, rauchenden, stammelnd-radebrechenden und entweder zu enge oder zu tiefe Hosen tragenden Rocker, Rapper und Popper machen, was sie wollen. Wir lassen sie sich selbst regelmäßig förmlich überfordern, indem sie sowohl Kapellen aus der ganzen Welt als auch Münchner Bands spielen lassen, als wäre nicht eines davon genug. Wir lassen sie einen Radiosender betreiben, der nicht mal seine Mitarbeiter ordentlich

Seit einigen Jahren jedoch inflationiert sich die Wochenendgemeinde fröhlich ins Sprachnirvana und feiert so ziemlich


TEXT: SEBASTIAN KLUG // ILLU: JOVANA REISINGER

bezahlt, weil er sich weigert, unser Wirtschaftssystem, auf dem unser gesamter Wohlstand beruht, auf sich anzuwenden und die Musik zu spielen, die die werberelevante Zielgruppe hören möchte. Wir lassen sie unseren Kinder Dinge wie Kunst, Musik und Skateboardfahren beibringen, anstatt sie möglichst früh in die Betriebswirtschaft einzuführen. Und wir lassen sie Münchner jeden Alters dabei unterstützen, sich zu entfalten – die schlimmsten von denen sind wahrscheinlich dann die, die das Entfalten mit dem Entblättern verwechseln und Sommer wie Winter nackad im Englischen Garten umeinanderhüpfen. Wie blöd sind wir eigentlich? Nein, ganz ehrlich: Was wir da machen, ist hirnrissig. Vollkommen unvernünftig. Wenn man einmal genau nachdenkt, muss man zugeben: Ohne das Feierwerk wäre München weitaus zivilisierter. Ruhiger. Unaufgeregter. Reicher. Und – nicht zu vergessen – hochwertiger bebaut. Wenn man allerdings noch einmal nachdenkt und noch ehrlicher ist, als man es gerade eben schon war, wird man auch eines sagen müssen: Ohne das Feierwerk wäre München ein gutes Stück langweiliger. Etwas leblos. Grau. Kurz: München wäre nicht München. In diesem Sinne: Ois Guade zum 30sten! Und aus Erfahrung kann ich sagen: Die besten Jahre kommen erst noch!


82 curt // GASTBEITRAG

R.I.P. L-O-K NEUE FORMATE DER NACHT TEXT: BOB LÄSSIG

Feierwerk fing 1983 an. Diese Geschichte beginnt mittendrin – kurz vor der Jahrtausendwende – im Oktober 1999 mit einem Manifest: „An alle Stilrichtungen der neuen Elektronischen Medien wird hiermit appelliert: Besetzt einen neuen Raum, um neue Formate der Nacht zu schaffen ... Dies kann nur funktionieren, wenn die Grenzen zum Unerhörten jeden Abend erneut gesucht werden.“ In der Gründungsgeschichte der legendären „l-o-k“ scheint vielleicht durch, auf welchen Wegen Feierwerk nicht sich immer wieder neu erfindet, sondern immer wieder neu erfunden wird. Eine neue Generation kulturell ambitionierter Leute klopfte an, ein „Freundeskreis“ im Geiste des Underground-Techno. Der hatte recht konkrete Vorstellungen, wie Partys funktionieren: vom Platz, wo die Theke stehen muss, vom minimalistischen Ambiente, von gut gemachten Visuals und einem exquisiten Line-up an DJs. „l-o-k“ bedeutete für diese Crew ein Nonprofit-Projekt. Finanziell ging es allenfalls um die „schwarze Null“. Man wollte einfach Veranstaltungen mit niveauvoller Elektroakustik realisieren. Die Booking-Deals basierten auf „Begegnungen in der Nacht“, beim gemeinsamen Feiern gesponnenen Plänen, beruflichen Beziehungen oder auf freundschaftlichen Zusammenhängen, die bis zu Acts wie „Aphex Twin“ oder „Underworld“ reichten. Dem Appell des „Freundeskreises“ folgten auch Partyleute aus den Kiesgruben irgendwo auf dem Land. Dann Goa-, 2step-, Drum ’n’ Bass-Crews und

BOB LÄSSIG, DIENSTÄLTESTER FEIERWERKER

das „Kombinat“, die Keimzelle des „Sunny Red“. In einem alten Zirkuswagen vor der „l-o-k“ logierte dieser Zusammenschluss junger Münchner Kulturschaffender. Dessen Ziel war es, verschiedene Veranstaltungsformen wie Freestyle Sessions, Graffiti-Ausstellungen, selbst produzierte Skaterfilme, Lesezirkel in Biergartenatmosphäre oder politische Diskussionen unabhängig vom Druck des Marktes zu präsentieren. Unzählige Crews und in den Subkulturen Aktive haben sich seit 2002 angedockt. Das „Sunny Red“ ist ein Pool für DJs, MCs, Musiker, Layouter, für Leute, die organisieren und promoten, und für Kreative aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Videokunst, Digital Art, Street Art, Modedesign. Das „Sunny Red“ ist ein identifizierbarer Ort durch sein unvergleichliches Design, das immer wieder mit viel ehrenamtlichem Engagement von Teams um die Münchner Künstler Beastystylez und I Are Ugly, einer Gruppe Münchner Design-Studenten mit dem Namen 110Specialblack und weiteren kreativen Münchner Streetartists wie Fader, Eitel, EMILone erneuert wird. „Neue Formate der Nacht“ bedeutet nicht zwangsläufig „on the cutting edge“. Wesentlich sind Leute mit Ideen, die auch andere mitreißen; Leute, die sich längerfristig engagieren und Freiräume suchen für DIY-Kultur auf hohem künstlerischen Niveau.


2003: Abriss der legend채ren l-o-k // foto: bob l채ssig


84 curt // GASTBEITRAG

SIND WIR NICHT ALLE EIN BISSCHEN FEIERWERK? TEXT: ECCO MEINEKE

Sommer 82, es war scheiße heiß und ich kam, mit meinem Studentendasein hadernd, aus der Uni-Mensa. Direkt an der Straße parkte ein seltsamer Bus und flimmerte in der Hitze einsam vor sich hin. Er stand offen und im Inneren begrüßte mich ein ungleiches Alien-Paar. Heiner, eine Figur wie aus einem U-Comix entsprungen, entspannt wie ein Sack voller Shit und mit einem goldenen Humor gesegnet. Und Norbert, in dessen typisch allgäuerischem Lächeln man sich fallen lassen konnte; ein Buddha, für den Probleme einfach nicht existierten, nur Lösungen. „Guck mal“, sagten sie, „hier, eine Video-Kamera, drück mal da drauf! Und da, die Maschine, da kann man selber Buttons mit machen.“ „Booaah, geil! Buttons selber machen!“ „Ja, klar, alles kann man selber machen.“ „Und wieso ,Feierwerk‘?“ „Ja, mei, kommsch halt vorbei. Nächste Woche, da sind wir da und da.“ In irgendwelchen Häusern, auf jedem noch so ömmeligen Kiesplatz im hinterletzten vergessenen Stadtteil standen sie und packten aus und zeigten den Kids, was alles geht. Aber es wurde noch irrer. Plötzlich war da eine Halle! Draußen in der Hansastraße. Und irgendwie ... gehörte sie uns! Man konnte Krach machen, mitten in der Stadt, und die Bands, die da spielten, waren noch nicht berühmt und durften trotzdem spielen! Also quasi du und ich! Ich gebe zu, ich habe das schamlos ausgenutzt. Von ’84 bis 2000 habe ich hier 60 Konzerte gegeben – mit Soulfood, Folksfest, Shtetlmusikanten, Good Time Blues, StirningerMan und viele Male als Kabarettist und Singer/Songwriter.

ECCO MEINEKE, MÜNCHNER MUSIKER, KABARETTIST UND AUTOR

B J

Aber es wurde noch irrer. Plötzlich nahmen sie das Gelände vor den Hallen in Beschlag. Die sommerlichen Feierwerk-Feste waren inniger als alle kommerziellen Festivals draußen, denn man kannte sich und trat selbst auf. Die berühmten Strandkörbe, die Zelte, Bierbänke, rumlümmeln im Gras: ein Hauch von Woodstock mitten in der Stadt. Freiheit! Aber es wurde noch irrer. „Wir machen jetzt Radio“, sagte Norbert und zeigte sein unwiderstehliches Buddha-Lächeln. Und so moderierte ich von Mai ’93 bis Februar ’94 im Radio Feierwerk 40 Sendungen „After Midnight“. Es war genial! Ich durfte wöchentlich all die neuen Bands auflegen und staunte über die Tonnen von Kassetten und CDs nur aus dieser meiner Stadt! Von wegen „München is nix“! Es war klar, dass es immer noch irrer wurde: Orangehouse, Sunny Red, Kranhalle, „Rage against Abschiebung“, Mehrgenerationenhaus, Skaten, Farbenladen. Aber all das ist funkelnde Geschichte, an der ich, inzwischen im Würgegriff der Existenzsicherung, nicht mehr teilhatte. Leider! Im Optimalfall ist das Leben wie ein Wohnzimmer: Man hat einen lauschigen Platz und gute Leute um sich herum, mit denen man rumspinnen kann. So ein Platz ist das Feierwerk. Es hat Tausenden von jungen MusikerInnen, KünstlerInnen, PerformerInnen und MöglichmacherInnen ein Forum geboten. Man konnte sich TREFFEN und WAHRNEHMEN. Nur so entsteht so etwas wie eine SZENE. Nur so entsteht KULTUR. Sind wir nicht alle ein bisschen Feierwerk?

DR


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21.01.13 15:23


86 curt // GASTBEITRAG

1990 ZIVI IM FEIERWERK TEXT: CHRISTIAN HEINE

Mein Zivildienst kam mir sehr ungelegen. Ich hatte nach der Schule bereits eine Ausbildung im grafischen Gewerbe absolviert und nach einem Zwischenspiel auf der FOS Gestaltung gerade als Freiberufler in verschiedenen Agenturen Fuß gefasst, war von zu Hause ausgezogen. Da traf der verhasste Brief ein: Ich wurde mit 24 Jahren doch noch zum 20-monatigen Wehr- bzw. Zivildienst eingezogen. Anfangs war noch alles easy. Über ein paar Kontakte hatte ich in der Jugendherberge am Rotkreuzplatz eine vorteilhafte Stelle ergattert. Ich arbeitete in der Küche und musste lediglich frühmorgens zur Frühstücksausgabe anwesend sein. So konnte ich weiterhin meinen Beruf ausüben und meine Kunden halten. Das ging allerdings nicht lange gut. Nach einigen Monaten kam ein neuer Herbergsvater und vorbei war es mit der Herrlichkeit: Der 8-Stunden-Tag wurde eingeführt und die „alten“ Zivis versetzt. Um meine neue Stelle im Feierwerk hatte ich mich selbst gekümmert; die Vorstellung, wie viele meine Freunde im Keller eines Krankenhauses Leichen in die Kühlkammer zu schieben oder im Altersheim zu dienen, schreckte mich ab. Im Feierwerk erwarteten mich Aufgaben, die ich mir durchaus interessant vorstellen konnte. Ich war einer der ersten Zivis, die in der Hansastraße ihren Dienst antraten. Mit Heiner, Franz, Ulla, Bob und Klaus hatten einige ziemlich klischeehafte Öko-SozPäds nun die Befehlsgewalt über mich. Ich war damals unter dem Einfluss der 80er-Jahre jugendkulturell dem Rockertum verhaftet – mit Tolle, schwarzer

CHRISTIAN HEINE, GESCHÄFTSFÜHRER VOM ATOMIC CAFÉ

Lederjacke und Motorrad. Mit Heiner hatte ich, zumindest was Letzteres betraf, jedoch gleich einen gemeinsamen Nenner. Mein typischer Arbeitstag sah folgende Aufgaben vor: Müllentsorgung mit dem Mercedes-Lieferwagen, also Altglas und Kartons auf städtische Sammelstellen verteilen, da, warum auch immer, keine Abholung vor Ort vorgesehen war. Das machte ich gerne, da bei der Gelegenheit immer auch ein Besuch bei einer städtischen Sperrmüllsammelstelle drin war ... und Sperrmüll liebte ich schon immer. Mit dem Verkauf von verwertbaren Objekten hatte ich mir bereits als Teenager ein ordentliches Taschengeld dazuverdient. Mein handwerkliches Talent kam mir bei diversen Reparaturaufgaben im Feierwerk entgegen. Mit einem kleinwüchsigen Clown aus einem überwinternden Zirkus baute ich aus Eisen und Holz die Sitztribünen für die „Lokomotive“ – eine Veranstaltungshalle (die es heute nicht mehr gibt) – und mit einem ABMler zusammen eine mobile Bar für das Feierwerk-Fest (die heute noch im Einsatz ist). Ansonsten gab es die Konzert-Dienste: der Band aufsperren, Mikros ausgeben, Soundcheck, Show, hinterher den Saal fegen ... das war nach meinem Geschmack, hatte ich doch als Teenager in Germering schon gelegentlich Konzerte im Pfarrsaal organisiert. Alles in allem war es eine schöne Zeit im Feierwerk und nicht zuletzt habe ich dort einiges für mein späteres Wirken als Clubbesitzer und Konzertveranstalter gelernt.


Foto: feierwerk bildarchiv

Homepage facelift: www.curt.de/muenchen

Vorhang auf!


88 curt // MADE IN 1983

3 8 9 1

Das Feierwerk in München ging 1983 an den Start. Bis heute läuft es ununterbrochen und konnte sich im vielfältigen Freizeit-Programm unserer Stadt behaupten. Und es sieht nicht so aus, als würde es den Staffelstab so schnell abgeben oder gar erschöpft aufgeben. Eine respektable Leistung und Grund genug, den Blick auf andere Kandidaten zu richten, die viel Beachtung erhielten, als sie 1983 die Bühne betraten. Konnten auch sie 30 Jahre durchhalten? Oder ging ihnen die Puste aus?

Die Rede ist von Formel Eins. Obwohl eines der Markenzeichen ein rosafarbener Studebaker Starlight war und die Deko mit Autoteilen eher an einen düsteren Schrottplatz erinnerte, hatte diese Fernsehsendung, die ab April 1983 im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, nichts mit Motorsport zu tun. Lange bevor MTV Europe (gegründet 1987), MTV Germany (1997) oder Viva (1993) das deutsche Fernsehpublikum erreichten, wurden hier Musikvideos gezeigt. Produziert wurden die Folgen übrigens auf dem BavariaFilm-Gelände. Und auch einer der Vorläufer der bekannten Sendung war Münchner, nannte sich „Pop Stop“ und war eine Sendung des Bayerischen Rundfunks. Immerhin sieben Jahre hielt sich „Formel Eins“ im harten TV-Business, fand aber letztlich immer weniger Beachtung. Im Jahre 1990 war dann endgültig Schluss für die Sendung mit dem weißen Comic-Hund „Teasy“.

Obgleich curt ein Münchner Magazin ist, lassen wir ausnahmsweise internationale Teilnehmer aus den Bereichen der guten Unterhaltung und Freizeitgestaltung in diesem Wettbewerb zu. Da Internationalität für Bayern ja bekanntlich bereits nördlich des Weißwurstäquators beginnt, fangen wir mit einem Angebot an, das es ab 1983 den Jugendlichen deutschlandweit ermöglichte, aktuelle Pop-Musik zu konsumieren. Auch denen, die noch nie von Partys im Münchner Feierwerk gehört hatten.

Besseres Durchhaltevermögen zeigte eine andere Fernsehsendung, die 1983 zum ersten Mal in Deutschland ausgestrahlt wurde: DIE SCHLÜMPFE! Wobei ihnen der Atem zunächst einmal schon 1984 ausgegangen war. Die Luft war wohl etwas dünn geworden. Zumindest klangen die Stimmen der kleinen blauen Männchen in der ersten deutschen Vertonung durch das ZDF so extrem hochgepitscht, dass sie denen der menschlichen Sprecher völlig entfremdet waren. Die Ausstrahlung durch das ZDF

JAHRGANG 83

wurde letztlich nach nur zwei Staffeln eingestellt. Diese erste deutsche Fassung ist auch beinahe völlig in Vergessenheit geraten. Bis heute bekannt und immer noch im TV zu sehen, sind die Folgen mit einer neuen Synchronisation durch Tele5, bei der auch Adjektive und Verben wie „schlumpfig“ oder „schlumpfen“ fast völlig einem neutralen Hochdeutsch weichen mussten. Zu den Startern im Feld der Fernsehsendungen gesellte sich 1983 auch INSPEKTOR GADGET. Der unbeholfene Polizeiinspektor hatte die entscheidenden Vorteile, ein Cyborg zu sein und eine clevere Nichte zu haben, die ihm mit ihrem nerdigen Computer-Buch stets hilfreich zur Seite stand, wenn es – trotz seiner vielen Gadgets, die er in Kleidung und Körper herumtrug – brenzlig wurde. Mit dem berühmten Befehl „Go-Go-Gadget-o …“ verwandelten sich seine Finger wahlweise in Bohrmaschine, Schneekanone, Korkenzieher, Stift, Schraubendreher, Wasserpistole, Taschenlampe, Dietrich oder Laser. Inspektor Gadget ging 1983 zunächst in den USA auf Sendung. Eine deutsche Version flimmerte erst 1988 über den Bildschirm. Die Spuren des Inspektors im deutschen Free-TV verlieren sich vor etwa zehn Jahren. Zu einer Zeit, in der Smartphones für immer mehr Verbraucher erschwinglich wurden. Smartphones, die dafür sorgten, dass heute alle von Apps und nicht mehr von Gadgets reden.


1983 präsentierte Motorola stolz den Messias unter den Telefonen: das DynaTAC 8000X, besser bekannt als das erste kommerzielle Mobiltelefon. Der Knochen war 33 Zentimeter lang und hatte ein stattliches Gewicht von 800 Gramm. Die Gesprächsdauer lag bei etwa einer Stunde. Zugegeben, das war noch nicht so cool wie Inspektor Gadget, der telefonierte, indem er den Daumen als Hörmuschel und den kleinen Finger als Mikrofon benutzte, aber es war revolutionär. Wer dieses Telefon damals in die Ansammlung seiner Statussymbole aufnehmen wollte, musste knapp 4.000 US-Dollar für das edle Stück Hardware hinlegen (dies entspricht inflationsbereinigt heute einem Wert von etwa 9.000 $). Weiterentwickelt und produziert wurde die 8.000er-Serie bis 1995. Obwohl es längst handlichere Mobiltelefone gab, waren die DynaTACs, die als besonders robust galten, bis in die Mitte der 90er-Jahre beliebt. Robustheit war eben ein ausschlaggebendes Kriterium beim Kauf eines Mobiltelefons, denn den Tramfahrplan gab’s damals eben an der Haltestelle, Fotos machten Kameras und wer digital Daten verarbeiten wollte, der berührte nicht das Display seines Telefons, sondern nahm Lisa Mouse in die Hand. LISA MOUSE? Richtig! Keine verschollene Cousine von Mickey Mouse, sondern eine der allerersten kommerziell hergestellten Computermäuse. Geburtstsjahr: 1983. Wer sich statt eines Commo-

dore 64 (600 $) oder Atari 800 (1.000 $) den Luxus eines Apple Lisa (ca. 10.000 $) leistete, durfte sich nicht nur den Kopf darüber zerbrechen, ob der Computer nach Steve Jobs Tochter benannt war (die Wahrheit, die er erst Jahrzehnte später seinem Biografen anvertraute) oder tatsächlich für Local Integrated System Architecture stand, er durfte auch eine Maus über den Schreibtisch schieben, die noch keinen Infrarotsensor, sondern eine Stahlkugel zum Abtasten der Oberfläche benutzte. Trotzdem eine Revolution! Erfunden worden war die Computermaus zwar schon 1979, doch erst 1983 gelang es, nach Hunderten von Prototypen die Produktionskosten von 400 $ auf 25 $ zu senken und die Maus so zum Massenprodukt werden zu lassen. Die letzten 2.700 Lisa Computer (samt Mäusen) wurden von Apple 1989 nicht verkauft, sondern auf einer Mülldeponie in Utah „beigesetzt“. R.I.P. Lisa Mouse. Älter als jede Computermaus der Welt sind übrigens Joysticks für Videospiele – und damit sind wir beim letzten Starter von 1983 angekommen. Das japanische Traditionsunternehmen Nintendo (gegründet 1889 als Spielkartenhersteller) brachte in diesem Jahr ein Produkt namens FAMICOM auf den Markt, das sich in Japan schnell zur bestverkauften Videospielkonsole entwickelte. Für den Markteintritt in

die USA (die 1983 den legendären „Video Game Crash“ erlebt hatte) wollte man die Konsole ab 1985 unter dem Namen des bekannten Herstellers Atari vertreiben. Dieser jedoch lehnte ab, weil er sich zu dieser Zeit auf den Computermarkt konzentrieren wollte. Nintendo nahm den Vertrieb selbst in die Hand und nannte das Produkt Nintendo Entertainment System (kurz NES). Der Rest ist Geschichte. Doch immerhin über ein Jahrzehnt machte die NES Leute in aller Welt glücklich, die gerne vor dem Bildschirm daddelten, aber keine Lust hatten, mehrere Hundert Euro in einen Computer zu investieren. In den 90er-Jahren kamen die ersten 16-Bit-Spielkonsolen auf den Markt und die Tage der NES waren gezählt. 1996 erschienen die letzten Spiele in Europa. Die meisten, die heute eine Wii nutzen, kennen ihre Vorfahrin gar nicht mehr. Und die Moral von der Geschicht: Manches hält drei Jahrzehnte lang und vieles andere nicht.

TEXT: CHRISTIAN GRETZ // ILLUS: ANDREAS WEIXLER curt-Autor Christian Gretz bietet geführte Stadtrundgänge an, mit unglaublichen Fakten und Geschichten aus der bewegten Vergangenheit unserer Lieblingsstadt. Terminvereinbarung unter 0321 22201-222 oder ui-muenchen.com.


AFTER HOUR EINDRÜCKE EINES BARHOCKERS

Was bleibt am Ende einer Party oder eines Konzerts übrig? Richtig – fertige und durchgefeierte, nicht mitgenommene und gestrandete, alkoholisierte und desorientierte, nicht genug bekommende und noch fitte, gut und schlecht gekleidete, vernünftige und verrückte, zahme und wilde, verliebte und verlassene, motivierte und schlafende, glückliche und unglückliche, junge und alte, biedere und frivole,

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M TEXT & FOTOS: HOLGER WIESENFARTH


IMPRESSIONEN // curt 91

selbstdarstellende und sich versteckende, dominante und devote, friedliche und nicht friedliche, abgestumpfte und erregte, aufmerksame und müde, narzistische und unsichere, erwachsene und kindische Jungs und Männer, Mädels und Ladys. Ein Barhocker hatte sie alle. Beziehungsweise deren schöne, zarte, liebreizende, geile, dicke, dünne, muskulöse, schlabbrige Hintern, Popos, Ärsche, Backen, Allerwerteste, vier Buchstaben, Butts, Kisten. Und nicht immer ist er dafür zu beneiden. Doch er trägt es mit Fassung. Er trägt uns, mich, dich mit Fassung. Ein Barhocker im Feierwerk hat zumindest viel Abwechslung. Einerseits über die Jahre hinweg, andererseits aber vor allem über dessen angebotene Vielfalt. Von daher möchte er bestimmt mit keinem anderen Barhocker tauschen!

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92 curt // FEIERWERK-FOTOGALERIE

AUS DEN TIEFEN DES FEIERWERK-BILDARCHIVS: DIE AKTIVISTEN DER ERSTEN STUNDE

NORBERT ERHARD

MARTIN PROCHASKA

WOLFGANG FÄNDERL

FRANZ KRISCH

KLAUS MARTENS

ULLA KART

BOB LÄSSIG

ERNST WOLFSWINKLER

DR. MANFRED PRENZEL

HEINER SCHMITTNER

WIR HABEN ZWAR NICHT HERAUSFINDEN KÖNNEN, WIE DIESER NETTE HERR HEISST, ABER WIR FINDEN IHN SUPER.

PORTRÄTFOTOGRAFIE UND BEARBEITUNG: STEFAN CASPARI, 1986


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94 curt // IMPRESSUM

AUS DEM AKTUELLEN CURT-BILDFUNDUS: DIE AKTIVISTEN DER LETZTEN STUNDE

CHRISTOPH BRANDT

ANDREAS WEIXLER

CARINA NEUMANN

MIRJAM KARASEK

CHRISTIAN VOGEL

NURIN KHALIL

TOM GONSIOR

LAURA BREDIS

MARIUS ROHNE

PATRICIA BREU

CHRISTIAN GRETZ

MARGARITA SEREDA-WILDENAUER

VISAGEN-RETUSCHE: TOM KOLLER

MELANIE CASTILLO


CURT MEDIA GMBH GESCHÄFTSFÜHRUNG Stefan Neukam. steff@curt.de GESTALTUNG UND CVD CURT MÜNCHEN Melanie Castillo. mel@curt.de TEXT ONLINE UND SCHLUSSREDAKTION Mirjam Karasek. mirjam@curt.de DRUCK Blank Paper, Printmedien Produktion. blank-paper.de LEKTORAT Mirjam Karasek. mirjam@curt.de

DIE CURT-DEALER DER STADT Feierwerk // Südstadt // City Kino // Café Kosmos // Café am Hochhaus // Bergwolf // Trachtenvogl // Substanz // Münchner Volkstheater // Backstage // Valentin Stüberl // Zentraler Hochschulsport (ZHS) // Deutsche POP Akademie ... CURT-ABO FÜR LAU: ichwillabo@curt.de

CURT MAGAZIN MÜNCHEN curt Media GmbH Geschäftsführer: Stefan Neukam (ViSdP) Widenmayerstr. 38, 80538 München Tel. 089 - 520 30 681 // Fax 089 - 520 30 615 E-Mail muenchen@curt.de

AN DIESER AUSGABE HABEN MITGEWIRKT: Melanie Castillo, Mirjam Karasek, Thomas Karpati, Christoph Brandt, Michael Dengler, Christian Vogel, Bob Pfaffenzeller, Tom Gonsior, Christian Gretz, Carina Neumann, Nurin Khalil, Patricia Breu, Sebastian Klug, Oliver Armknecht, Andreea Hula, Margarita Sereda-Wildenauer, Veronica Burnuthian, Andreas Weixler, Holger Wiesenfahrt, Tom Koller, Laura Bredis, Christoph Stark, Marius Rohne, Jovana Reisinger, Birgit Andorf, Felix Dahlmanns und die Gastautoren Bob Lässig, Christian Heine und Ecco Meineke. Vielen Dank an Conny Seel für die Bildbearbeitung und an das Feierwerk-Team für den Support! curt München erscheint 4 x im Jahr in einer Auflage von 10.000 Stück und liegt kostenlos aus. Das idealistische Projekt ist der Zusammenarbeit kreativer Köpfe zu verdanken – Journalisten, Grafiker, Illustratoren, Künstler und Fotografen, die mit Herzblut ein Stadtmagazin von München für München gestalten. Danke an alle Beteiligten! DU WILLST AUCH MITMACHEN? Dann meld dich bei uns! muenchen@curt.de

DIE NÄCHSTE AUSGABE # 75 ERSCHEINT IM SOMMER 2012 Bis dahin sind wir online auf curt.de/muenchen für euch da und lassen nichts anbrennen. Termine, Konzertreviews, Theater, Rezensionen, Verlosungen und anderer geiler Kram!

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CURT MAGAZIN NÜRNBERG Chefredaktion: Reinhard Lamprecht Bogenstr. 43, 90441 Nürnberg Tel. 0911 - 940 58 33 Fax 0911 - 80 15 317 E-Mail info@curt.de

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96 curt // HINTEN RAUS

Wer ans Feierwerk denkt, kommt an einem Mann nicht vorbei: Bob Lässig – seines Zeichens dienstältester Mitmacher. Ab September 1985 war er am Start und hat alle Höhen und Tiefen höchstselbst durchlebt. Anlässlich seines Ruhestandes schenken wir ihm unsere letzte Rubrik – und er uns die wohl schönsten Archivfotos. Lässiges Räkeln auf der aufblasbaren Bora-Bora-Insel inklusive grüner Palme, schnittig im schwarzen Einteiler mit Schwimmbrille, Bademütze und weißer Gitarre: Das Feierwerk-Leben war für Bob Lässig sicherlich nicht immer reines Honiglecken oder – übertragen – Schwimminsel-Posing. Bob musste wohl eher ranklotzen. Zumindest anfangs in seiner Funktion als „Sachbearbeiter“– eine wohlwollende Umschreibung für „Mann-für-alles“. Schließlich konnte bzw. machte er auch alles: Telefondienst, Empfang, Korrespondenz, Presse, aber auch Mitarbeit bei den Veranstaltungen inklusive Kasse, Putzen, Technik aufund abbauen ... Eine Stufe höher auf der Feierwerk-„Karriereleiter“ war es schon etwas komfortabler: Bobs Schwerpunkt lag jetzt auf Projektarbeiten, beim „Rock Feierwerk“ (dem heutigen Sprungbrett), bei Musikerinnenstammtisch und Sessions von Munich Blues oder dem Rockbüro Süd, als dieses noch in München angesiedelt war. Bei der Produktion der insgesamt drei „Rockbücher“, der Organisation des Symposiums „Rockförderung & Stadtkultur“ und der Fortbildungsreihe für nicht kommerzielle Veranstalter: Bob mischte in erster Reihe mit. In seiner Funktion als Chef der „Abenddienste“ durfte sich Bob dann ab 1997 die Nächte um die Ohren schlagen: Vier von sieben Tagen bzw. Nächten die Woche war er vor Ort – wieder nichts mit Ausruhen auf der einsamen Insel! Und auch ab 2001 in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit war der Job eindeutig kein Strandurlaub unter Palmen. Aber jetzt, da könnte er auf der faulen Haut liegen, ein paar Akkorde auf der Gitarre anstimmen und in die Sonne blinzeln – es muss ja nicht Bora Bora sein, der Flaucher ist ja nicht weit. Ob er dazu die Muße hat? curt wünscht es ihm auf jeden Fall! TEXT: MIRJAM KARASEK // FOTOS: STEFAN CASPARI


RE 30 JAH ERK FEIERW !

CURT STADTMAGAZIN MÜNCHEN # 74 // FRÜHJAHR 2013

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A T UL W IR G R

IE R E N


curt magazin münchen #74