1515 Craft Bier Magazin #08 – Winter 2017/2018

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CRAFT BIER MAGAZIN

€ 5,—

AUSGABE 8 — WINTER 2017 — WWW.CRAFTBIERFEST.AT — WWW.FACEBOOK.COM/CRAFTBIERFEST

STEIERMARK

BEVOG

SCHOKOLADE

Die Bierszene im grünen Herzen Österreichs. — SEITE 18

Eine Erfolgsgeschichte beidseits der Mur. — SEITE 24

Süßer Genuss in und zu Bier. — SEITE 50

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EDITORIAL

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LIEBE BIERFREUNDE, als unser Team 2014 am Donaukanal mit dem Craft Bier Fest startete, war dieses nach den Weinfesten und dem Genussfest im Stadtpark eines der ersten Formate, das sich dezidiert mit einem Genussthema auseinandersetzte. Ein Jahr später folgten schon die ersten Streetfood-Festivals, die nun inflationär vor Strandbädern oder auf Parkplätzen diverser Einkaufszentren stattfinden. Es folgten Spin-offs wie Eiscreme- oder Cevapcici-Festival. Teilweise sogar mit großem Publikumsinteresse. Wenn nach dem neuen Sushi-Festival dann noch das Liptauer- oder das Butterbrot-Festival kommen, dann wird eines rar in Wien: gute und leistbare Veranstaltungslocations, um an zentralem Ort ein breites Publikum ansprechen zu können. Gute Locations wurden abgerissen, umgewidmet oder so renoviert, dass sie unleistbar wurden. Mit der Marx Halle fanden wir 2016 einen Platz, den wir zur Zufriedenheit aller Beteiligten bespielen konnten. Das dort im November stattfindende dritte Event ist beinahe schon Routine für unser Team, wenngleich wir das Format gemeinsam mit den Brauern und auch durch Anregungen unserer Gäste ständig weiterentwickeln. Wenn wir Glück haben, gibt es im Mai 2018 ein weiteres, aber wahrscheinlich das letzte Mal die Möglichkeit, die ehemaligen Rinderhallen zu nutzen. Wir sind da guter Hoffnung, freuen uns aber auch, wenn die schon so zahlreiche Craft-Bier-Fest-Gemeinde mit uns neue Wege geht. Es bleibt spannend, genauso spannend wie die Biere, über die es in dieser Ausgabe zu lesen gibt. ×× Dabei wünsche ich viel Spaß und tolle Biermomente. Micky Klemsch

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CRAFT BIER MAGAZIN

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BIERSZENE STEIERMARK Typen wie Reini Schenkermaier vom Erzbergbräu machen die steirische Bierszene aus.

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Bild: Robert Sommerauer, Jürgen Schmücking

BIER UND SCHOKOLADE Sensoriker Jürgen Schmücking stellt uns Bier in und zu Schokolade vor.

IMPRESSUM Produktion und Medieninhaberin: Biorama GmbH, Wohllebengasse 16/6, 1040 Wien. Geschäftsführer: Martin Mühl — Chefredakteur: Micky Klemsch — Art Director: Sig Ganhoer — Coverfoto: Barbara Zapfl / Foto Augenblick Autoren: Manuel Fronhofer, Roland Graf, Martin Mühl, Kevin Reiterer, Jürgen Schmücking Druck: NP-Druck, 3100 St. Pölten — Kontakt: info@craftbierfest.at

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CRAFT BIER MAGAZIN

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Editorial Inhalt Impressum Kurz und gut Neues aus der kreativen Brauszene Bild der Ausgabe

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Bierszene Steiermark Bevog Zu Besuch bei Vasja Golar Austrian Beer Challenge Protagonisten im Wordrap Ratschläge für Neueinsteiger Marktplatz Mittelkärnten Drei Brauer der Region

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Manchmal liegt das Gute so nah. Auf TREEDAY.

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Muttermilch Die neue Brauerei der Beer Lovers Angebot Braukurse Graft Cocktails 24 Gents von Peter Kunz 20 Jahre KGB Die Kolumne der Kampagne für gutes Bier Biershops Bierolog/innen in ihren Shops Bier und Schokolade Rund ums Bier Biermomente in Bildern Label Love Biertermine Buchtipps

B ra u Hol g ut 6e z t ra r ge r l + 1 51 5 -A bo

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KURZ UND GUT

Bild: Micky Klemsch

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NACHHALTIGES BRAUEN WEITER AUF DEM VORMARSCH Als vor wenigen Wochen auf der Biermesse Ried im Rahmen der Austrian Beer Challenge die besten österreichischen Biere gekürt wurden, war eine Brauerei wieder mit großem Abstand die meistdekorierte: Das Brauhaus Gusswerk aus Hof bei Salzburg. Dass damit eine Biermarke ausgezeichnet wurde, die zu 100 % bio-zertifiziert arbeitet, stärkt natürlich den Bio-Gedanken. Auch das Loderbräu im Tiroler Walchsee hat eben seine Bio-Zertifizierung erfolgreich abgeschlossen. Immer mehr Brauer setzen auf Hopfen und Malz aus natürlichem Anbau, etwa auch

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Wimitzbräu oder das Neufeldner Bier aus dem Mühlviertel. Mit anderen Initiativen zum nachhaltigen Brauen – vornehmlich der CO2-Neutralität – punkten die steirischen Brauereien Murau und Gratzer. Für diese Maßnahmen wird Gratzer Naturbier heuer die Auszeichnung „Green Brand“ erhalten. Mit 92 % erreichte man ein sensationelles Ergebnis bei der Validierung. Und auch der Nachhaltigkeitsindex treeday.net hat gerade die Kategorie Brauereien eingeführt, in denen Vorzeigebetriebe abgebildet und bewertet werden. ××

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Bild: Kattus

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Jetzt aber schnell: Es gibt nur 900 Flaschen von der Edition Bier.Pur 2017.

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Wenn man die Jubiläen der Ottakringer Brauerei und der Sektkellerei Kattus zusammenzählt, kommt man auf stolze 350 Jahre. Diesem Anlass zollten die beiden Wiener Traditionsunternehmen mit einem Kreativbier, das mit Kattus-Sekthefe vergoren wurde, Tribut. Anfang November wurde es unter dem Label der Edition Bier.Pur präsentiert. Bereits seit 2009 wird jährlich ein von Sepp „Biersepp“ Wejwar kuratiertes Bier in limitierter Auflage präsentiert. Auch Beerkeeperin Birgit Rieber schwärmt von dem 9 %-igen Starkbier: „Ein Hochgenuss am Gaumen: Noten von Weintrauben, Stachelbeeren und Kernobst, das Ganze findet in einer feinen, eleganten Säure Rückhalt. Erst im Nachtrunk gesellt sich eine dezent-edle Bittere dazu. Sie erinnert mit grasigen Noten daran, dass wir doch ein Bier im Glas haben – einen gebrauten Bogen zur Welt perlender Weine.“ ××

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PRICKELNDES JUBILÄUM

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Craft-Beer Etiketten müssen einzigartig aussehen damit sie sich deutlich von denen der Mitbewerber hervorheben. Sie stecken sehr viel Enthusiasmus in die Erzeugung Ihrer Biere, und haben ein genaues Auge auf all die notwendigen Arbeitsschritte welche Ihre Produkte einzigartig machen. Daher sollten Ihre Etiketten all die Arbeit und Energie die Sie für Ihre Biere aufwenden widerspiegeln. Wir von Labelprofi wenden eine Vielzahl von Veredelungsmethoden wie Blindprägung, Heißfolienprägung oder spezielle Lackveredelungen sowie Druck am Kleber und vieles mehr an damit Ihr Etikett das Alleinstellungsmerkmahl Ihres Craft-Beer optimal hervorhebt.

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KURZ UND GUT

Bild: Micky Klemsch

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BOCK AUF HOPFEN

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Erstmals wurde für die Vienna Beer Week ein eigenes Festivalbier eingebraut. Protagonisten der Kreativbierszene standen dafür gemeinsam am Sudkessel. Die Vienna Beer Week powered by Bierland Österreich bietet Bierenthusiasten rund um das Craft Bier Fest Wien die Möglichkeit, an diversen Locations exklusive Veranstaltungen rund um ihr Lieblingsgetränk zu besuchen. Dabei wird ein wunderbarer Bogen von Traditionsbetrieben bis hin zu kleinen, neuen Bars mit ausgefallenem Sortiment gespannt. So kommen auch zahlreiche internationale Brauer einige Tage vor dem Event in der Marx Halle in die Stadt, um in verschiedenen Lokalen die Zapfhähne zu übernehmen. Das macht Wien für eine Woche zum Mittelpunkt der internationalen Bierszene und bekräftigt den Ruf Wiens als Biermetropole. Nach zwei erfolgreichen Veranstaltungen in den Vorjahren, haben sich die Veranstalter gemeinsam mit kreativen Brauern und Lokalbetreibern als Part-

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KURZ UND GUT

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ner dazu entschlossen, ein eigenes Festivalbier einzubrauen, dass auch bei allen Veranstaltungen in dieser Woche verfügbar sein wird. In Beratung mit den Braumeistern von 100 Blumen (bei ihnen in Atzgersdorf wurde das Bier gebraut) und Next Level Brewing hat man sich für ein Wiener Bockbier entschieden. Dafür wurde am Schluss Orangenschale mitgekocht und mit der Hopgun abschließend noch Hopfen gestopft. Das Ergebnis ist ein zur herbstlichen Saison passender kräftiger gehopfter Bock mit Orangen. Bei einem gemeinsamen Verkostungstermin in der Brauerei kurz vor der Abfüllung in Flaschen und Fässer konnten sich die Protagonisten vom neuen Festivalbier am Bierzwickl überzeugen: Adi Lasic (Cafe Lassa), Stefan Wagenhofer (Brandauers Bierstube), Johannes Grohs und Alex Beinhauer (Next Level Brewing), Ruben Turner (Kochsalon Wrenkh), Kevin Reiterer (Vienna Beer Week), Alex Forstinger (100 Blumen Brauerei), Rolf Dittrich (Wuk StattBeisl), Jason Haines (Beaver Brewing Company). ××

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KURZ UND GUT

Bild: Moravia

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WIEDERBELEBUNG EINER ALTEN BIERMARKE Moravia ist nicht nur der Name des neuen Brauprojekts von Jan Grmela, es ist auch der tschechische Name für die Region Mähren. Als Biermarke wurde Moravia 1889 in der mährischen Hauptstadt Brünn gegründet. Ca. 1930 musste die Brauerei schließen, genau genommen wurde sie von Starobrno übernommen und dann geschlossen. Da Tschechien und eben auch Mähren weltweit für Brautradition stehen, wurde der Namen Moravia auch von anderen Brauereien

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genutzt, so auch bis 2001 von der Lüneburger Kronenbrauerei (Holsten/Carlsberg-Konzern). Als traditionelle Brünner Biermarke will Jan Grmela Moravia nun wieder aufleben lassen. Da er mit seiner Lucky Bastard Brauerei schon an den Kapazitätsgrenzen angelangt ist, wurde dafür ein neuer Standort im Bezirk Medlánky mit einem 30 Hektoliter Sudhaus eröffnet. ××

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Bild: Brickmakers

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WIR HATTEN BOCK! Ende Oktober, gerade als auch die Uhren vom Sommer- in den Wintermodus wechselten, wurde das Brickmakers zum Mekka der Bockbierfreunde. Kaum dass die Brauereien im Bierland Österreich in ihren Bierkellern und Veranstaltungszentren ihre Winterstarkbiere feierlich angestochen hatten, versammelte Wiens Topspot der Biergastronomie die wichtigsten Vertreter dieses Biertyps an seinen Taps.

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Und es war nicht nur ein Tap Takeover vieler saisonaler Starkbiere: Patron Brian Patton präsentierte auch sein eigenes Bockbier. Unter der Wanderbrauermarke Me & Uwe hat er in der Brauerei Hofstetten einen kräftigen Bock eingebraut, der unter dem Namen Bock Me Amadeus am 27. Oktober im Brickmakers erstmals ausgeschenkt wurde. Musikalisch war nicht nur das Zitat im Biernamen, sondern auch das Rahmenprogramm: FM4-DJ Stuart Freeman unterstrich an den Turntables den kultigen Rahmen der Bierpräsentation. ××

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KURZ UND GUT

Bild: Micky Klemsch

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THE BEER BUDDIES ERÖFFNEN LINZER LOKAL Das Leopoldistüberl in der Linzer Altstadt ist Legende. Ganz nah am Hauptplatz, aber doch etwas versteckt im Innenhof des Finanzgebäudes in der Adlergasse 6. Der 84-jährige Betreiber hat das Lokal im März 2016 altersbedingt geschlossen und längere Zeit war unsicher, ob und wie der Betrieb weitergeführt wird. Nun eröffneten am 23. November die oberösterreichischen Brauer The Beer Buddies dieses traditionelle Wirtshaus neu. Zur Freude vieler, blieb das Konzept in vielen Teilen das gleiche. Andreas Weilhartner, Christian Semper und Eva Zahnt brauen ja schon seit 2014 in einem revitalisierten Gehöft im Mühlviertler Tragwein hervorragendes Bier. Nun

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haben sie mit dem Lokal auch ein Standbein in Linz, wo sie den Gästen weiterhin traditionelle österreichische Küche anbieten, wie man es schon vom alten Leopoldistüberl gewöhnt war. Neu werden aber die sieben Biere der Beer Buddies sein, eines sogar extra für ihr erstes Gastroprojekt gebraut. „Das neue Leopoldistüberl in dem nur sanft adaptierten fast 200 Jahre alten Gewölbe wird nicht nur die Linzer Bierszene neu beleben, sondern auch die Herzen von Musikliebhabern und Gourmets erfreuen“, kündigt die Geschäftsführerin Eva Zahnt an. Zur Eröffnung hat schon mal die Beer Buddies Blues Band aufgespielt. ××

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DAMALS IN GRAZ Alte Brauereiaufnahmen – vor allem Gruppenfotos mit Personal – strahlen immer etwas Besonderes aus. Die Bilder haben stets etwas Patriachalisches und selten entdeckt man in den Reihen der Männer ein Lachen, geschweige denn ein entspanntes Gesicht. Als das vorliegende Foto geschossen wurde, waren die legendären Gründer Johann Peter und Julius Reininghaus auch schon Geschichte, Therese Reininghaus hat die Firma kurz zuvor in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Enkel Peter Reininghaus, der die Großbrauerei ab 1920 führte, begründete mit dem Kauf der Gösser Brauerei in den 1930ern die Steirerbrau. Von der einstigen Großbrauerei ist heute nur noch das Maschinenhaus übrig, Graz-Reininghaus selbst gilt als bedeutendes Stadtentwicklungsgebiet. ××

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Bild: Brau Union

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BIERSZENE STEIERMARK

TEXT — MICKY KLEMSCH

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Bild: Robert Sommerauer / pixelmaker.at

BIERSZENE STEIERMARK

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BIERSZENE STEIERMARK

Das grüne Herz Österreichs hatte immer schon auch ein Herz für Bier. In der Steirerbrau waren mit Gösser, Puntigamer und Reinighaus drei der stärksten Biermarken Österreichs vereint, bevor das Unternehmen 1998 mit der Brau AG zur Brau Union verschmolzen wurde und schließlich im internationalen Heineken-Konzern aufging. Die Standorte in Graz und Leoben – nach wie vor die beiden größten Braustandorte in Österreich – wurden aber beibehalten. Gerade Leoben mutierte in den letzten Jahren durch zahlreiche Umbauten zu einer aus energiewirtschaftlicher Sicht sehr nachhaltigen Brauerei.

Nachhaltigkeit setzt sich durch Nachhaltig kann man heute gar nicht mehr als Trend bezeichnen, es ist eine Entwicklung, der sich niemand enthalten darf. In der Brauwirtschaft gibt es gerade in der Steiermark diverse federführende Beispiele, wie sich dies umsetzen lässt. Am größten Braustandort der Steiermark haben sich die Verantwortlichen in Leoben schon seit Jahren für die nachhaltige Umgestaltung der Gösser Brauerei eingesetzt. „Unter der Heineken-weiten Strategie ‚Brewing a Bet-

Bild: Toni Bräu

In kaum einem anderen Bundesland ist die Bierszene so vielfältig wie in der Steiermark. Auf der Reise zwischen traditionellen Großbrauereien, mittelständischen Brauhäusern, Craft-Brauern, Wanderbrauern und Gasthausbrauereien entdecken wir neben vorzüglichen Bieren vor allem eines: Menschen, die zu ihrem Handwerk stehen und dieses auch leben. ——— Man sagt, dass nirgendwo in Österreich so viel Bier getrunken wird, wie in der Steiermark und in Tirol. Bei Zweiterem sind es wohl die Touristen, die für den hohen Bierabsatz verantwortlich sind. In der Steiermark kann man die Aussage schon eher nachvollziehen – und das, obwohl große Teile des Bundeslandes auch zu den Top-Weinregionen Österreichs zählen. Stichhaltige Statistiken dazu gibt es aber nicht. Ist ja auch nicht so wichtig, denn was beim Bier zählt, ist ja nicht die Quantität, sondern die Qualität. Und da kann die grüne Mark stark punkten. Durch traditionelle Biermarken, die aus ihrer Region nicht mehr wegzudenken sind, oder Großbrauereien, die Österreichs beliebteste Biere brauen. Und dann gibt es noch die vielen kleinen aufstrebenden Brauer, die aus der Steiermark etwas Besonderes machen: nämlich ein Bierland.

TEXT — MICKY KLEMSCH

Erika und Toni Hofer von Toni Bräu. Bio-Bier aus der Ökoregion Kaindorf.

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ter World‘ setzt die Brau Union zahlreiche Initiativen, um unsere Arbeit in Einklang mit ökologischen und sozialen Herausforderungen zu gestalten und laufend zu optimieren – besonders in der Steiermark mit großem Erfolg, wie zum Beispiel die internationale Vorreiterrolle der Grünen Brauerei Göss belegt“, erläutert Gabriele Maria Straka, die für die Corporate Social Responsibility im Konzern zuständig ist. Die Genossenschaftsbrauerei in Murau gilt schon seit 2014 als CO2-neutral. Zur Bierherstellung werden keine fossilen Brennstoffe mehr verbraucht. Gebraut wird vornehmlich mit regionalen Zutaten und eigenem Brunnenwasser – nur beim Hopfen muss eine Ausnahme gemacht werden, denn in Österreich gibt es zu wenige Anbaugebiete, um den Bedarf aller Brauereien zu decken. Die ökologischen Bestrebungen sind durch zahlreiche Auszeichnungen belegt und gewürdigt worden, darunter etwa das österreichische Umweltzeichen oder das AMA-Gütesiegel.

Zusammenschluss regionaler Brauer Unter der Dachmarke Steiermarkbier haben sich zehn Brauereien aus allen Teilen des Bundeslandes zusammengeschlossen, um gemeinsame Aktivitäten umzusetzen. Die Idee stammt zwar aus einer Marketingfirma, wurde aber von Anfang an von GösserBraumeister Andreas Werner in seiner Funktion als Obmann der Lebensmittelindustrie in der WKO unterstützt. Mit seinem eigenen Betrieb ist er natürlich zu groß, um den Kriterien des Vereins zu entsprechen (maximal 50.000 Hektoliter Ausstoß), aber mit der Schladminger Brauerei ist auch ein Betrieb aus dem Heineken-Konzern vertreten. Mit Gratzer Bier, der Handbrauerei Forstner und der Herzog Bierbotschaft sind Kreativbrauer der ersten Stunde im Zusammenschluss, dazu kommen einige regionale Brauereien, der Brauanlagenbauer Fleck mit seiner Brauschauerei und Betriebe, die vornehmlich für ihre eigenen Gaststätten brauen. Für viele gilt zum Beispiel das Girrer Bräu aus dem Mariazeller Brauhaus von Hannes Girrer als eigentlicher Grund für eine Pilgerfahrt. Im Fall von Reini Schenkermaier vom Erzbergbräu, der die Aktivitäten der Marktgemeinschaft Steirisches Brauhandwerk koordiniert, ist der Betrieb in Eisenerz ein Bedarfswirtshaus: „Das erste Steirische Bedarfswirtshaus ist aus der Idee und dem Wissen entstanden, dass am Land ein Wirtshaus nicht mehr fünf bis sieben Tage pro Woche überleben kann. Es ist notwendig, dass – wenn das Wirtshaus geöffnet und Personal vor Ort ist – auch ausreichend Gäste da sein müssen, um kostendeckend zu sein. So haben wir uns vorerst auf

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TEXT — MICKY KLEMSCH

nur einen Öffnungstag pro Woche (Freitag) festgelegt, mittlerweile haben wir auch Samstagabend geöffnet. Oder eben wenn für Feiern zusätzlich Bedarf ist.

Vom „steirischen Hopfen“ So wie einige andere Kollegen von Steiermarkbier betreibt Wolfgang Dietrich Die Brauerei in Leutschach nicht hauptberuflich. Es war ihm aber sehr wichtig, dass im einzigen Hopfenanbaugebiet der Steiermark auch wieder Bier gebraut wird. Bonmot eins dazu: Da die lokalen Hopfenbauern – durchwegs zu ihren Gunsten – langfristige Exklusivabnahmeverträge mit der Brau Union haben, muss Die Brauerei in Leutschach mit Hopfen aus Slowenien arbeiten. Bonmot zwei: Auf Grund eines EU-Patents darf nur Hopfen aus Slowenien „steirischer Hopfen“ genannt werden. Das verstehe einer mal! Wolfgang Dietrich hielt das alles übrigens trotzdem nicht davon ab, in Leutschach auch das 1. Steirische Hopfenmuseum zu eröffnen. Es zeigt die Geschichte des Hopfenanbaus seit 1950, als Peter Reininghaus die lokalen Bauern beauftragte, für seine Brauerei Hopfen anzubauen. Heute werden von etwa 15 Bauern in Leutschach 80 Hektar Hopfen angebaut.

BIERSZENE STEIERMARK

und auf allen Bierfesten ein Hingucker. Im Hotel und Gasthaus Steirisch Ursprung braut Walter Neuwirth sein Sonnenbier. Für das Brauen von Honigbier und anderen Spezialitäten verwendet er ausschließlich die Energie der Sonne. Während er sein Hotel das schrägste des Landes nennt, bezeichnet Gerhard Hurdax seine Brauerei in Großstübing als die steilste der Steiermark. So kommt auch der Name seines Leit’n Bräu von den steil abfallenden Hängen um den Betrieb. Auch das „Tibet der Brauwelt“ genannt. Und dann wär da noch der Toni. Eigentlich ist der Name des Bio-Bieres Toni Bräu ja irreführend, denn eigentlich braut ja seine Frau Erika für den Toni. Als der nämlich vor vielen, vielen Jahren Nierensteine bekam und die Familie gelesen hatte, dass Bier da hilft, begann man mit dem Bierbrauen. Dies wurde zur Leidenschaft und seit 2002 wird in Ebersdorf, in der Ökoregion Kaindorf auch kommerziell gebraut. Von Erika eben. Und auch in den nächsten Jahren wird sich viel in der steirischen Bierszene tun: Flecks hat die Ambition, die größte und bekannteste Genussbierbrauerei Österreichs zu werden. Dafür hat man gerade erst mittels Crowdfunding 500.000 Euro lukriert. Noch mehr Geld wird wohl Dietrich Mateschitz investieren. Wenige Kilometer vom Red Bull Ring entfernt, wird er 2018 in einem Schloss samt Wasserquelle im Murtal eine Brauerei eröffnen. Bier verleiht sicherlich auch Flügel. ××

Bild: Lizz und Viktor Sator, Flecks

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Klein, fein und lustig Ein weiterer Typ im Reigen der steirischen Brauer ist Alfried Borkenstein, als Wanderbrauer lässt er seine Alefried-Biere nur mit obergärigen Hefen in der Steiermark brauen. Mit seinen bunt etikettierten Bieren ist er schon in ganz Österreich vertreten,

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Oben: Das Girrer-Bräu in Mariazell ist jede Pilgerfahrt wert. Unten: Der Bierverführer Georg Obendrauf in der Flecks Brauschauerei.

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Vorzeigeprojekte und Auszeichnungen der Brau Union Österreich Grüne Brauerei Göss: Das beste Bier der Österreicher wird nachhaltig gebraut.

Als größtes Brauereiunternehmen Österreichs ist es für die Brau Union Österreich selbstverständlich, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. Zwei Vorzeigeprojekte im Bereich Nachhaltigkeit sind die Grüne Brauerei Göss und die Brauerei Puntigam. Für die „Grüne Brauerei Göss“ wurde die Brau Union Österreich bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. In der Brauerei Göss wird bestes Bier nachhaltig gebraut! Als reines Naturprodukt ist Österreichs bestes Bier abhängig von einer intakten Umwelt. Deshalb setzt die „Grüne Brauerei“ in Göss ganz auf Nachhaltigkeit: Neben sorgfältig ausgesuchten österreichischen Rohstoffen wird im Brauprozess ausschließlich erneuerbare Energie verwendet. Damit ist die Brauerei Göss ein Vorzeigebeispiel, das sogar weltweiter Vorreiter ist. Dafür wurde die Brauerei Göss bereits mehrfach ausgezeichnet: Unter anderem mit dem Energy Globe Austria und dem EU Sustainable Energy Award inkl. EU Publikumspreis Citizens Choice Award. Gabriela Maria Straka, Leitung PR/Kommunikation & CSR bei der Brau Union Österreich, dazu: „Die konsequente Einbindung von Stakeholdern und Konsumenten ist uns gerade im Bereich der Nachhaltigkeit ein Anliegen und trägt entscheidend zum Erfolg eines solchen Projektes bei. Besonders deutlich wird das bei Publikumspreisen, wie dem EU Citizens Choice Award. Öffentliche Abstimmungen wie diese bedeuten uns sehr viel – wir sehen

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Entgeltliche Einschaltung

Nachhaltige Bierkultur

es auch als Meilenstein auf dem weiteren Weg unseres Erfolges und Ansporn, so tatkräftig wie möglich an Ihren und unseren Anliegen weiterzuarbeiten. Diesen Weg des Stakeholder-Engagements wollen wir gerne fortsetzen.“ Nachhaltigkeit in der Brauerei Puntigam Mit einer Reihe von Umweltleistungen trägt auch die Brauerei Puntigam zur Nachhaltigkeit bei und ist Partner bei einem umweltfreundlichen Nachbarschaftskonzept. Die Brauerei Puntigam, die KELAG Wärme GmbH und das Immobilienunternehmen C&P Immobilien AG setzen für das „Brauquartier Puntigam“ in Graz eine clevere und umweltfreundliche Wärmeversorgung um: Die rund 800 Wohnungen sowie die Büros, Geschäftslokale und der Kindergarten werden mit Abwärme aus dem Gärprozess der Brauerei Puntigam versorgt. Über die Brau Union Österreich Über 5,0 Mio. HL Bier setzt die Brau Union Österreich in einem Jahr ab – mit vierzehn führenden Biermarken, über 100 Biersorten und laufenden Innovationen. Zusätzlich vertreibt die Brau Union Österreich seit April 2015 die Cider-Marke Strongbow in Österreich und bringt 2017 mit Stibitzer einen Cider aus 100% österreichischen Äpfeln auf den Markt. 2.300 Mitarbeiter in ganz Österreich sorgen dafür, dass rund 49.000 Kunden und 5 Mio. Bierliebhaber im ganzen Land mit Bier versorgt werden. Seit 2003 ist die Brau Union Österreich Teil der internationalen Heineken-Familie. ●

Die Brauerei Puntigam: einzigartiges Energieversorgungskonzept mit Gärwärme.

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TEXT UND BILD — MANUEL FRONHOFER

BEVOG

Grenzgänger zwischen Slowenien und Österreich: Vasja Golar vor Bourbon-Eichenfässern, in denen die Biere seiner neuen Bevog Paperbag Series reifen.

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LIEBE AUF DEN ERSTEN SCHLUCK Die Bürokratie hat ihn nach Österreich geführt, sein hoher Anspruch an Qualität in die Bestenlisten internationaler Bierwettbewerbe. In Kürze feiert der Slowene Vasja Golar das fünfjährige Bestehen seiner Vorzeige-Craft-Brauerei Bevog im steirischen Bad Radkersburg. ——— Vasja Golar sitzt im Gastgarten seiner Brauerei und deutet auf einen Wald wenige hundert Meter entfernt: Wären nicht so viele Bäume im Weg, könnte man dort auf einem Hügel ein Schloss sehen, erklärt er auf Englisch. Ganz in der Nähe davon hatte er das Brauhaus Bevog ursprünglich bauen wollen – „maximal eineinhalb Kilometer Luftlinie von hier“. Doch sein Plan ging nicht auf: Die Gemeindeverwaltung von Gornja Radgona (deutsch: Oberradkersburg) verwies auf ein Dokument, das er vom slowenischen Umweltministerium benötige, und verweigerte die Baugenehmigung. In besagtem Ministerium hieß es wiederum, es würde mindestens zwei Jahre dauern, bis dieses Dokument – es ging dabei um das Wasser für den Brauprozess – ausgestellt werden könne. Vielleicht aber auch fünf. Oder sechs.

Jenseits der Mur Nach langwieriger, ergebnisloser Kommunikation mit den Behörden gab Golar schließlich frustriert auf. Seine Brauerei wollte er aber dennoch bauen, also begann er nach Alternativen zu suchen. Und siehe da, gleich über der Mur, die die Grenze zwischen Österreich und Slowenien markiert, in Bad Radkersburg, war die rechtliche Situation eine andere, das „schwierige“ Dokument nicht notwendig. Der Jungunter-

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nehmer erwarb ein Grundstück im Gewerbepark, reichte sein Bauprojekt ein und hatte vier Wochen später die Genehmigung in der Tasche. Dass er in seiner Heimat ein Jahr lang vergeblich darum gekämpft hatte und letztendlich mit beträchtlichem Startkapital nach Österreich abwanderte, war einem Lokaljournalisten vor Ort eine Story wert. Andere sprangen auf und plötzlich war die Sache auch in Slowenien ein großes Thema in den Medien. „Am Ende wurde sogar das betreffende Gesetz geändert wegen dieses Falls“, erinnert sich der Brauer mit einem Schmunzeln.

Sein erstes Witbier Sein Erweckungserlebnis in Sachen Bier hatte Golar im Jahr 2008, als damals 24-Jähriger. Er arbeitete zu dieser Zeit noch im Unternehmen seiner Eltern, im Vertrieb elektronischen Equipments für Radio- und Fernsehsender. Auf einer Geschäftsreise in Belgien bestellte er sein erstes Witbier – im Glauben, „wit“, also „weiß“, würde einfach ein helles Bier bezeichnen. Eine geschmackliche Überraschung, die er nie wieder vergessen sollte. Zurück in Slowenien tauchte er in die Vielfalt importierter Biere ein und begann sich bald auch fürs Brauen zu interessieren: „Ich habe einfach gegoogelt ‚Wie macht man Bier?‘ und dann die ganze Nacht im Internet über Homebrewing, Equipment etc. gelesen.“ Nach einem Schnellkurs an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin braute Golar 2009 zum ersten Mal selbst – natürlich ein Wit. „Es war ziemlich schlecht“, meint er heute, „aber das Brau-

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TEXT UND BILD — MANUEL FRONHOFER

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BEVOG

B wie Bevog. Genau wie die Namen seiner Biere ist auch jener von Vasja Golars Brauerei eine Wortneuschöpfung.

en hat mir riesigen Spaß gemacht.“ Bis zu drei Mal die Woche stand er danach an der selbstzusammengestellten Anlage. Er begann zu experimentieren, fügte absichtlich zu viel Malz oder Hopfen hinzu, um herauszufinden, wie sich die einzelnen Zutaten auf das Ergebnis auswirken. Nach Rezept habe er damals nicht gebraut: „Ich bin eher so der Do-It-Yourself-Typ und hab mir immer gedacht, dafür bin ich doch viel zu clever“, erzählt er lachend.

Awards und Bestwertungen Schon damals, als Hobbybrauer, hatte er mehrere Businesspläne in der Schublade. „Ich habe sofort gewusst, dass ich das machen möchte. Der Job in der Firma meiner Eltern hat mich einfach nicht glücklich gemacht. Ich wollte selbst etwas herstellen und das verkaufen.“ Die Sache mit dem Brauen sei dann „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen. Eine Liebe, die immer noch anhält und so nebenbei auch eine ziemliche Erfolgsgeschichte ist: Zahlreiche Awards bei

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internationalen Bierwettbewerben und Bestwertungen auf diversen Rating-Plattformen belegen dies – und nicht zuletzt auch der wirtschaftliche Erfolg von Bevog. Dass sich dieser einstellen würde, war freilich keine ausgemachte Sache. Überzeugt von der Idee und Begeisterung ihres Sohnes hatten seine Eltern ihm bei der nicht gerade niedrigen Basisinvestition in Gebäude, Technik und Startphase unter die Arme gegriffen. Als die Verkäufe anfangs aber stockten, machte sich doch eine gewisse Nervosität breit: „Im November 2012 haben wir unser erstes Bier verkauft, sieben oder acht Fässer Oatmeal Stout an ein Pub in Ljubljana. Im Dezember darauf dann nichts mehr. Drei Angestellte, 1,4 Millionen Investment und ein Monatsumsatz von null Euro – man kann sich vorstellen, dass das eine sehr angespannte Zeit war.“ Erst mit Inbetriebnahme der Flaschenabfüllanlage 2013 zog schließlich auch der Umsatz an. Für Golar der eigentliche Geburtstermin seines Unternehmens.

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Bis zu 7.000 Hektoliter Seitdem hat Bevog einen beeindruckende Entwicklung hingelegt: Von einer ursprünglichen Kapazität von nicht ganz 1.000 Hektoliter pro Jahr ausgehend, sind in der aktuellen Ausstattung und Größe der Brauerei – mit aktuell 14 Mitarbeitern, allesamt Slowenen – bis zu 7.000 Hektoliter möglich. Wobei man 2017 etwa 6.000 Hektoliter erreichen werde. Golar: „Unser Anfangswachstum war wirklich sehr groß, und wir haben immer noch ein Wachstum von 15 bis 20%, aber heuer haben wir uns verstärkt auf Qualität und Stabilität unserer Produkte konzentriert.“ Zu diesen Produkten gehören neben Standardsorten wie dem erwähnten Oatmeal Stout namens Baja oder einem Pale Ale namens Tak – dem Bevog-Bestseller, vor allem in Slowenien, immer noch Hauptabsatzmarkt des Unternehmens – auch ausgefallenere, streng limitierte Biere: zum einen jene der Who-Cares-Reihe, die Golar als kreativen Spielplatz versteht, und zum anderen – als Gipfel des Genusses – jene aus der neuen Paperbag Series, für die Biere zur Reifung in unterschiedlich vorbelegte Eichenfässer abgefüllt werden.

„MAN SOLLTE DIE UMGEBUNG, IN DER MAN LEBT, AUCH BEREICHERN. ES IST NATÜRLICH GROSSARTIG, WENN UNS DAS GELINGT.“ — VASJA GOLAR reichern. Es ist natürlich großartig, wenn uns das gelingt.“ Und selbst wenn man sich am Land gerne etwas mehr Zeit lässt mit neuen Entwicklungen, werden Bevog-Biere mittlerweile auch in Bad Radkersburg ausgeschenkt – in einem Restaurant und einem Hotel, um genau zu sein. Im Vergleich zu den sieben Bars im slowenischen Nachbarort natürlich noch einigermaßen bescheiden. „Vielleicht brauchen wir ein bisschen mehr Zeit für die Leute aus Bad Radkersburg, aber ich glaube, in ein paar Jahren wird sich das auch geändert haben. Wir sehen schon jetzt, nach unserem letzten Festival, dass sich einiges tut. Das war ein großer Schritt für uns.“

Innehalten und genießen

Ausgezeichetes Bier, stets ansprechend verpackt: Seit 2016 wird im Brauhaus Bevog auch in Dosen abgefüllt. Zur Vernetzung der Szene und um in der Region den Lifestyle, der mit Craft-Bier verbunden ist, zu promoten, lädt Bevog seit 2016 auch einmal im Jahr zum Who Cares For Beer Festival auf das Gelände der Brauerei. Das Bewusstsein für hochwertige Produkte, Handwerk und Regionalität, Qualität und Genuss steht dabei im Mittelpunkt – beim Bier, aber auch beim Essen und beim Musikprogramm. Golar: „Man sollte die Umgebung, in der man lebt, auch be-

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Und was passiert, wenn die Nachfrage weiter steigt, wenn die Kapazitäten aufs Neue ausgeschöpft sein sollten? Etwas Platz hätte man unter den aktuellen räumlichen Gegebenheiten noch zur Verfügung, danach müsste man aber wohl eine komplett neue Brauerei bauen, so Golar. Gut möglich, dass sich dann auch die Gemeinde von Gornja Radgona als Standort ins Spiel bringen würde. Doch für den Brauer stellen sich erst einmal andere Fragen: „Möchte ich immer weiter wachsen oder doch lieber auch ein bisschen Ruhe im Leben haben? Vielleicht muss man auch einfach mal innehalten und genießen, alles ein wenig stabilisieren und sicher gehen, dass das Produkt richtig gut ist und am Markt alles passt. Wir bauen schließlich in erster Linie auf Eigenständigkeit und Qualität. Das ist der Ausgangspunkt von Bevog.“ ×× www.bevog.at

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TEXT UND BILD — MICKY KLEMSCH

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AUSTRIAN BEER CHALLENGE

Bildunterschrift Links: Lorem Rechts: Lorem

AUSTRIAN BEER CHALLENGE 2017

Wenn man sich die Ergebnisse der 14 Kategorien der Austrian Beer Challenge anschaut und jeweils die besten drei Biere berücksichtigt, dann hat bei den kommerziellen Braubetrieben 2017 das Brauhaus Gusswerk aus Hof bei Salzburg am besten abgeschnitten. Danach folgt schon die Ottakringer Brauerei. Reinhold Barta konnte mit dem Nicobar die Kategorie der IPAs gewinnen und mit fünf anderen Bieren jeweils einen zweiten Rang belegen. Hier zeigt sich natürlich auch, mit welch breitem Sortiment das Brauhaus Gusswerk aufgestellt ist und dass es entsprechend viele Produkte eingereicht hat. Als einer der beiden Kärntner Preisträger überraschte Liliane Schneider, die erst im letzten Jahr vom Hobbybrauen auf das kommerzielle Handwerk umgestiegen ist. Mit ihrem Blackbierd, einem un-

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tergärigen Bock, erreichte sie auf Anhieb den ersten Platz in dieser Kategorie. Ihre Gärage-Brauerei in Spittal an der Drau ist ein Teil der Satisfactory, einem Erlebnislokal mit diversen Genussstationen. Dass Österreich keine lange Weißbiertradition hat, zeigen die Sieger dieser Kategorie: Sowohl in der Schärdinger Brauerei Baumgartner (Platz eins und drei) als auch in Zipf (Günther Seeleitner erreichte mit dem Zipfer Weizenbier den zweiten Platz) begann man erst vor kurzer Zeit Weizenbiere zu brauen. Die große Schar der Juroren (eine Vielzahl davon hat selbst Biere eingereicht) versammelte sich diesmal im Casino Baden zur Verkostung. Die Preise wurden wenige Wochen später auf der Rieder Biermesse übergeben. Im kommenden Jahr sollen beide Teile des Bewerbs in Baden über die Bühne gehen. ××

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DIE SIEGER DER AUSTRIAN BEER CHALLENGE 2017 (Kommerzielle Brauer oben, Hobbybrauer unten) AMERIKANISCHE ALES Nussknacker (Brew Age, Wien) P1 – West Coast Pale Ale (Grillparzer Bräu, Salzburg) ———————————————————————————————— BOCKBIERE UNTERGÄRIG Blackbierd (Gärage, Kärnten) Genussböckerl (Holzhüttenbräu, Oberösterreich) ———————————————————————————————— EUROPÄISCHE ALES Freibrauerei (Maurer, Burgenland) New Zealand Hopser (Hopfenkocher, Vorarlberg) ———————————————————————————————— EXPORT- UND FESTBIERE Goldfassl Spezial (Ottakringer, Wien) Pöllauberger-Märzen (Schmied’n Bräu, Steiermark) ———————————————————————————————— IPAS Bio-Nicobar IPA (Gusswerk, Salzburg) P3 – West Coast Session IPA (Grillparzer Bräu, Salzburg) ———————————————————————————————— KREATIVBIERE (FRUCHT) Berry White #1 (Bierkanter, Niederösterreich) Himbeer Weiße (Hofmühlbrauer, Wien) ———————————————————————————————— KREATIVBIERE (GEWÜRZ) Five O’Clock (Next Level Brewing, Wien) Coco Jambo (Two In A Rocket, Niederösterreich) ———————————————————————————————— KREATIV (HOLZFASS, SAUER, RAUCH) Imperial Dark Ale Barrel Aged (Loncium, Kärnten) Black Pearl Bourbon (Michaeli Bräu, Oberösterreich) ———————————————————————————————— LAGERBIERE DUNKEL Majmun Dark (Gratzer, Steiermark) Café Bauchstich (1AU, Wien) ———————————————————————————————— LEICHTE LAGER UND MÜNCHNER HELLE Helles (Ottakringer, Wien) Kiliani Hell (Kremstal Bräu, Oberösterreich) ———————————————————————————————— PILS Pils de luxe (Schnaitl, Oberösterreich) Tschecherant (Wappler Brewing, Wien) ———————————————————————————————— STOUTS UND PORTER Baltic Porter (Pfeiffis Bräu, Oberösterreich) IMP29 (Two In A Rocket, Niederösterreich) ———————————————————————————————— WEIZEN- UND ROGGENBIERE, WEIZENBÖCKE Weisse Dunkel (Baumgartner, Oberösterreich) BB-Weisse (Bauer Bräu, Oberösterreich) ———————————————————————————————— WIENER LAGER Wiener Original (Ottakringer, Wien) Schluckspecht (Wastl Bräu, Niederösterreich)

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PROTAGONISTEN

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„WELCHEN TIPP WÜRDEST DU EINEM HOBBYBRAUER FÜR SEINEN KOMMERZIELLEN EINSTIEG GEBEN?“

Michael Maurer Brew Age, Wien

Patricia Moien Totenhopfen, Luxemburg

Ganz oder gar nicht! Einem begeisterten Hobbybrauer wird im rauen Brauereialltag schnell die Lust vergehen. Hier geht’s nicht vorrangig ums Tüfteln, ob man 0,5% mehr Karamellmalz braucht oder 2 Gramm pro Hektoliter mehr stopfen sollte. Wer sich über die „x-Höhe“, präventive Schädlingsbekämpfung oder Produkthaftung noch keine Gedanken gemacht hat, sollte es sich zwei Mal überlegen. Und: Nur verkauftes Bier ist gutes Bier!

Mach deine Hausaufgaben. Sprich mit anderen Brauereien bzw. Baumeistern – anders als in anderen Branchen sind die meisten Craft-Brauereien offen und hilfsbereit. Groß denken! Investiere in die Grundlagen und wähle Tools, die dir helfen mit administrativen Aufgaben Zeit zu sparen. Finde Partner, die dir helfen, erfolgreich zu werden. Geschmack ist sehr persönlich, manche Leute werden dein Bier mögen und andere nicht. Einfach dranbleiben und qualitativ vorgehen.

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Alfie Borkenstein Alefried, Graz

Jana Neubert Doemens Academy, Deutschland

Die große Kunst des Heimbrauens ist es, immer wieder neue spannende Biere zu brauen und mit neuen Zutaten zu experimentieren. Im Homebrew-Maßstab können großartige Biere hergestellt werden, die den kommerziellen Bieren um nichts nachstehen. Homebrewer brauen als Hobby, können Rohstoffpreise vernachlässigen und verschenken ihre Biere. Feedback kommt meist aus dem Freundeskreis und daher oft positiv. Die Kunst des kommerziellen Brauens ist es, neben dem Brauen immer neuer spannender Biere auch ständig seine fixen Sorten in konstant gleichbleibender Qualität zu produzieren, ständig zu verbessern, auf schwankende Rohstoffen einzugehen, die optimale Hefe zu kultivieren und gesund zu halten, um den Gärverlauf so optimal wie möglich durchzuführen. Professionelle Brauer müssen versuchen, die besten Rohstoffe zum besten Preis einzukaufen, um ein Bier zu einem guten Preis anbieten zu können und am Markt zu bestehen. Feedback bekommt man meist durch Bewertungen im Internet, anonym und oft nicht so positiv, wie man es gerne hätte.

Niemals die Leidenschaft und die Freude am Bierbrauen verlieren, aber um ein gutes Produkt mit hoher Qualität zu erstellen und zu vermarkten, bedarf es mehr als nur „Spaß“. Man muss bedenken, dass dieses „Hobby“ viel Arbeit mit sich bringt. Allein schon die ganze Reinigung, die man auf keinen Fall vernachlässigen darf! Rohstoffe aussuchen und der Preiskampf mit einigen guten Mitbewerbern, die auch nicht erst seit gestern brauen. Genaues Arbeiten, das Berechnen vieler „Kleinigkeiten“ und die Bürokratie erschweren die ganze Freude. Aber ich finde, wenn man viel angeeignetes Wissen und Erfahrungen mitbringt, dazu noch einige persönliche Gespräche mit dem/der einen oder anderen Brauer/in oder Braumeister/in geführt hat und diese auch immer im Hintergrund als Unterstützung hat, darf sich jeder leidenschaftliche „Hobbybrauer“ seinem Traum nähern und vielleicht den einen oder anderen mit seinen Kreationen überraschen.

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MITTELKÄRNTEN

TEXT — MICKY KLEMSCH

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BRAUER AM MARKTPLATZ MITTELKÄRNTEN Mittelkärnten gibt es nicht? In der Schule – so erzählen mir meine Kärntner Bekannten hätten sie immer gelernt, dass es Mittelkärnten nicht gibt. Kärnten wird in Ober- und Unterkärnten geteilt und die Trennlinie geht durch Villach. Seit einigen Jahren gilt Mittelkärnten aber als Tourismusregion. Dazu zählen die Bezirke Feldkirchen und St. Veit, beide nördlich der Landeshauptstadt Klagenfurt. Nun haben sich 45 qualitätsorientierte Premiummanufakturen zum Marktplatz Mittelkärnten zusammengeschlossen, um gemeinsam die Werte der handwerklichen Meisterleistungen zu transportieren. Darunter auch drei Brauereien, von denen jede einen bestimmten Typ des Braugewerbes darstellt.

Slow Brewing zu Hirt Die Hirter Brauerei ist sicherlich ein Flaggschiff der Region und stellt mit Niki Riegler auch den Obfrau-Stellvertreter des Vereins: „Wir als Unternehmer

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TEXT — MICKY KLEMSCH

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stehen voll und ganz hinter dieser Initiative. Regionale Produkte liegen hoch im Kurs, die Konsumenten legen zunehmend Wert auf Regionalität und Tradition. Als Mittelkärntner Unternehmen ist es uns wichtig, zusammen mit weiteren Partnern an einem Strang zu ziehen und gemeinsam aufzutreten.“ Das bemerken wir schon in der Hirter Bierathek, wohl einem der besten Brauereishops des Landes. Neben den Bierspezialitäten der Brauerei, essenziellen Merchandisingartikeln der Marke und einigen Spezialbieren anderer Manufakturen gibt es auch Spezialitäten aus der Region zu erstehen. So auch den luftgetrockneten Speck der Fleischerei Seiser aus dem Gurktal. Damit wurde Stefan Seiser 2016 im Rahmen der Wieselburger Messe sogar zum Speckkaiser gewählt. Auch die Wildspezialitäten von Johann Gucher können sich sehen lassen. Mit Niki Riegler fahren wir hinauf zum Hof der Guchers auf 1.123 m im Metnitztal. Dort können wir uns selbst von der Fertigkeit des Produzenten überzeugen. In den Abendstunden kann man das Wild am Waldrand auch sehen, bei unserem Besuch haben wir uns aber vor allem auf die Zirbenholztürme, also Holzschnitzereien der Guchers konzentriert, die wie auch das Wild über seinen Onlineshop vertrieben werden. Das so ein Besuch mit einer deftigen Brotzeit seiner Wildspezialitäten und dem dazupassenden Hirter Märzen endet, war nicht nur zu erwarten, sondern so auch erhofft. Dabei ging es danach gleich in die Brauerei, wo wir gemeinsam mit Braumeister Raimund Lunzer direkt aus dem Lagertank das Hirter Herbst Cult zwickeln konnten. Viel von dieser bernsteinfarbenen Spezialität geht auch in die Vereinigten Staaten. Dort wird Hirter Bier mittlerweile genau so gerne getrunken wie in China, von Österreich ganz zu schweigen.

MITTELKÄRNTEN

um die Brauerei in Kraig gibt. Eine Gegend, die man vormals als das Tal der Gesetzlosen kannte. Besonders stolz ist Josef Habich auf die Qualität des Wimitzer Brauwassers. Nach langem Weg durch Glimmerschiefer-Gestein sagt man dem Wasser eine spezielle Heilwirkung und Weichheit nach. Veredelt wird das unbehandelte Quellwasser nur mit Hopfen und Malz aus kontrolliert biologischem Anbau. Die Gerste sogar zu 90 % aus eigenem Anbau. Durch den Verzicht auf Kieselgurfiltration, Kurzzeiterhitzung, Pasteurisierung oder sonstige künstliche Stabilisierung stellt das Wimitzer Bier ein echtes Frischeprodukt dar. Am Marktplatz Mittelkärnten – zur Präsentation im Rahmen eines klassischen Marktes mit vielen prominenten Gästen – konnten wir erstmals das Pale Ale verkosten. Neben saisonalen Spezialitäten werden vom Wimitzer vor allem ein Märzen, ein Weizen und das bernsteinfarbene Lemisch gebraut.

Die Wirtshausbrauerei Das Wirtshaus Gelter gilt als Genusswirt. Vor einigen Jahren, als noch das klassische Villacher von den Vereinigten Kärntner Brauereien durch die Bierleitungen geflossen ist, wurden Gabi und Christian Gelter auch zum Bierspezialitätenwirt gekürt. Dies konnte der Patrone mit seinem Sohne nun noch mehr untermauern. Seit 2015 brauen die beiden nämlich in einem alten Stallgebäude gegenüber dem Wirtshaus. Man kann das Glitzern in seinen Augen sehen, wenn Christian Gelter über das Brauen auf seiner blitzblanken Flecks-Anlage spricht, und eigentlich wird man selbst durstig dabei. Im Wirtshaus, das mit traditioneller heimischer Küche in einem ab-

Das Bio-Bier aus dem Tal der Gesetzlosen Mit dem Wimitzbräu gibt es auch eine reine Bio-Brauerei am Marktplatz Mittelkärnten. Während Hirter Bier sich mit diversen Maßnahmen der Nachhaltigkeit nähert und mit einem Teilsortiment auch Bio-Biere anbietet, wurde in Wimitz von Beginn an biologisch zertifiziert gearbeitet. Nun mag diese Biermarke nur wenigen Lesern ein Begriff sein, schließlich setzt Brauereichef Josef Habich nicht nur auf Bio-Qualität, sondern auch auf Regionalität. Das heißt, dass es Wimitzer Bier auch nur in einem Umkreis von 50 km

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Seit 2015 wird im Wirtshaus Gelter auf einer Flecks-Brauanlage Bier gebraut. solut fantastischen Preis-Leistungs-Verhältnis angeboten wird, können die beiden Biere aus der eigenen Brauerei getrunken werden: Das Motl naturtrüb ist ein klassisches Helles Bier, das naturtrübe Simale ist ein dunkles Bier. Die Familie Gelter bietet Gästen aber auch an, hier ihr eigenes Bier zu brauen oder brauen zu lassen und mit eigenen Etiketten die Freunde zu erfreuen.

für den Schuh wird dann ein Leisten angefertigt. In Friesach und Althofen hat Ernst Knapp auch Filialen, in denen das qualitätsbewusste, betuchte Klientel angeworben wird – wobei das wohl fast der falsche Ausdruck ist: Mit dem Produzieren kommt der Handwerker kaum mehr nach, die Werbung geht eher über zufriedene Kunden. Wer einmal so einen Schuh trägt, der will nichts anderes mehr.

Der Trend zum Handwerk

Eine Art Schmelztiegel

Sehen wir im Bierbereich den Trend absolut zurück zum klassischen Handwerk und zur Wertschätzung des kleinstrukturierten Privatunternehmens, so ist dieses in vielen anderen Branchen leider schon fast ausgestorben. Hier in Kärnten, am Marktplatz Mittelkärnten, findet man noch einige Kleinbetriebe, die in sorgfältiger Handarbeit ein Gewerbe betreiben, das es in solcher Weise kaum noch gibt. Der Metnitzer Hutmacher Kollmann zählt mit Sicherheit dazu: Der Gang durch die Werkstatt ist ein Spaziergang durch jahrzehnte Kärntner Hut- und Handwerksgeschichte. Kollmanns Hüte sind sehr begehrt und eine Tracht ist immer nur mit dem passenden Hut komplett, so finden sich seine Kunden auch über Österreichs Grenzen hinaus. Noch exklusiver legt es sein Nachbar auf der anderen Straßenseite an: Maßschuhmacher Ernst Knapp werkt fast versteckt in der kleinen Gemeinde, ist aber für viele qualitätsbewusste Kärnter eine fixe Anlaufstelle für ihre Maßschuhe. Ein entsprechendes Börserl ist natürlich notwendig, um ein Paar Schuhe zu erstehen, für die der Meister hier mehrere Wochen braucht. Stil und Leder kann man frei wählen,

So wie Niki Riegler von der Hirter Brauerei. Mit flottem Schritte auf handwerklichen Schuhwerk führt er uns noch in das Gasthaus Bachler in Althofen. Irgendwie auch der Schmelztiegel des Marktplatzes Mittelkärnten: Biere aus allen drei Brauereien, Weine aus der Region und eine leidenschaftltiche Kulinarik mit Zutaten aus dem Marktplatz Mittelkärnten, die unter Hauben gar nicht mehr zu fassen ist. ××

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ENTDECKE

DEINEN

BIER STYLE

HOPFIG

FRISCH

Am Besten:

Am Besten:

PILS PALE ALE RED ALE

LAGER ZWICKL

und auf der bitteren Seite

und nicht zu süß

FRUCHTIG und aufregend

und geschmackvoll

DUNKEL

STARK

Am Besten:

Am Besten:

Am Besten:

WITBIER

PORTER

BOCK

EDERVILLACH

und vollmundig

w w w. s c h l e p p e . a t

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TEXT — KEVIN REITERER

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Bild: Beer Lovers

MUTTERMILCH

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TEXT — KEVIN REITERER

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MUTTERMILCH

Die Beer Lovers erweitern

Wiener Adel trifft Wiener Bier

Die Beer Lovers erweitern mit ihrer Brauerei Muttermilch – Vienna Brewery, die im Souterrain des Geschäfts in der Gumpendorfer Straße in Mariahilf eröffnet hat, ihr 360-Grad-Konzept. Neben dem Bier- und Homebrew-Fachgeschäft und verschiedenen Workshops schließt die neue Schaubrauerei den Kreis in der Themenwelt der Craft-Biere.

Doch nun zum eigentlich Wichtigen: den Bieren. Beim Launch, welcher im Rahmen des Craft Bier Fest Wien im November in der Marx Halle stattgefunden hat, wurden die ersten zwei Biere präsentiert. „Beides simple und süffige Biere, die ausgeflippten Dinge kommen noch“, hält Beer Lovers-Chef Markus Betz fest. Das Pils hört auf den Namen Bitta von Tresen, ist erfrischend hopfig und wie es der Name vermuten lässt angenehm bitter, bei 5,1 % Alkohol. Die zweite Kreation von Braumeisterin Marina Ebner ist ein Lager namens Wiener Bubi, aufgrund der 4,5 Vol.-% schön süffig und angenehm malzig. Zwei echte Wiener Biere eben. Für die Zukunft gibt es aber schon viele weitere Ideen und Pläne, so sollen in Bälde auch erste Collaboration-Brews mit nationalen und internationalen Gästen auf dem Brauplan stehen.

„Braumeisterinnen an der Gumpe“ Marina Ebner, Braumeisterin von Muttermilch, hat in den Kellern des Geschäftslokals Jahrhunderte alte Rezepturen der früheren „Braumeisterinnen an der Gumpe“ gefunden und haucht diesen Rezepturen nun neues Leben ein. So erzählt man sich zumindest die Geschichte nach einigen Bieren zu späterer Stunde. Doch so abwegig erscheint die geschichtliche Überarbeitung gar nicht, da zu Zeiten des Wiener Adels im „Tümpel“, jener Bereich der regelmäßig mit Überschwemmungen des unregulierten Wienflusses zu kämpfen hatte, gebraut wurde. Und genau in diesem Bereich liegt nun der Häuserblock der Muttermilch-Brauerei, dort ist heute wie damals das Brauen wieder Frauensache! Auch für die Designs der neuen Wiener Mikrobrauerei zeichnet eine Frau verantwortlich, nämlich Magdalena Weyrer. Auf den knalligen und bunten Flaschenetiketten finden sich verschiedene Mitglieder des Hofstaates wieder, diese sollen den royalen Konnex schärfen und einen Gegenpart zum reduzierten Logo bilden.

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Braukurs und Kompetenzzentrum Damit soll der Beer-Lovers-Shop und die angeschlossene Muttermilch-Schaubrauerei noch mehr zur Anlaufstelle für Bierliebhaber und Hobbybrauer werden. Neben dem Equipment und den Zutaten fürs Heimbrauen sollen die interaktiven Braukurse ein zentrales Element der Wissensvermittlung werden. Ab Anfang 2018 werden Kurse für Kleingruppen, egal ob Vorwissen mitgebracht wird oder nicht, angeboten. In den Brautag wird auch eine geführte Verkostung integriert sein. Davon, dass die geballte fachliche Kompetenz des Beer-Lovers-Team gemeinsam mit einem selbst hergestellten Bier eine spannende Zeit garantiert, konnten wir uns bereits bei einem ersten Testlauf überzeugen. Durch die Kurse wird neben Braumeisterin Marina Ebner auch Diplom-Biersommelier und Beer-Lovers-Chef Markus Betz führen. Dieser beschreibt die Ausrichtung gewohnt euphorisch: „Es geht um die gemeinsame Freude am Experimentieren, Spaß am handwerklichen Brauen und das Interesse an neuen Geschmäckern.“ Dem können wir uns nur anschließen. ××

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„BEIDE BIERE SIND SIMPEL UND SÜFFIG, DIE AUSGEFLIPPTEN DINGE KOMMEN NOCH.“ — MARKUS BETZ

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BRAUKURSE UND -SEMINARE IN ÖSTERREICH In allen Teilen des Bierlandes Österreich werden Kurse und Seminare für Bierinteressierte angeboten. Dabei kann man grundsätzlich den Typus der Seminare vom Kurs unterscheiden. Bei Ersteren geht es vorrangig um das Erlebnis im Rahmen eines Brautages, bei dem man einem professionellen Brauer oder einer Brauerin über die Schulter schauen, Wissenswertes erfahren und in den Pausen das eine oder andere Bier verkosten kann. Das man da oder dort auch hingreifen und zupacken kann, verstärkt das DIY-Gefühl und macht diese Art der Veranstaltung auch für Gruppen, etwa als Firmenevents, Junggesellenabschiede oder Teambuilding, interessant. Eigentliche Braukurse, bei denen angehenden Heimbrauern jeder Schritt des Prozesses an Heimbrauanlagen, wie zum Beispiel dem Speidel Braumeister gezeigt wird, werden vor allem von Großhändlern von Brauanlagen und –zubehör angeboten.

TEXT — MICKY KLEMSCH

BRAUKURSE

Die Brauerei Leutschach (Steiermark)

Im Kurs in der steirischen Brauerei kann der Teilnehmer jeden Brauschritt selbst vollziehen und lernt in Theorie und Praxis den Brauprozess kennen. Bei einer gemeinsamen Verkostung gibt es auch eine Einführung in die diversen Bierstil. Kosten: € 69,– für 5,5 h Kurs und Mittagsjause sowie Prüfung/Braudiplom. www.diebrauerei.com

Naturwerte Braukurs (Oberösterreich)

Die Teilnehmer brauen auf zwei Geräten wie Grainfather, Hopfensau oder Braueule. Die Teilnehmer bekommen ein 32-seitiges Skriptum, Urkunde und nach fünf Wochen einen Liter selbstgebrautes Bier. Kosten: € 99,– für 7–8 h Kurs mit Bierverkostung, Bratl in der Rein, Kaffee und Kuchen. www.naturwerte.at

Kiesbye’s BierKulturHaus (Salzburg)

Im heimischen Kompetenzzentrum für Bierkultur werden Braukurse in den Kategorien Classic, Business und Craft angeboten. Diese Basiskurse bieten einen spannenden Einblick in die Welt des Bieres. Schritt für Schritt wird gemeinsam ein Bier gebraut. Kosten: € 119,– (Classic) für 7 h Kurs mit Bierverkostung, warmem Bauernbuffet, Führung in der Trumer Brauerei und einer Flasche Kiesbye’s Waldbier 0,75 l. www.bierkulturhaus.at

Hirter Brautag (Kärnten)

Einführung in Bierherstellung und heimische Bierstile. Nach der Erstellung des Rezeptes/Sudprotokolls das Brauen des eigenen Biers. Kosten: € 140,– für 6 h Kurs mit Mittagessen, Brauereiführung, Verkostung und vier Liter eigenen Bieres. www.beercademy.eu

Beer Store Vienna (Wien)

Der Brautag im Wiener Salon Wrenkh ist ein individueller Hands-on-Workshop für Bierliebhaber und Neueinsteiger bis hin zum bereits erfahrenen Hobbybrauer. Gebraut wird auf einer der besten und modernsten Heimbrauanlagen aus Deutschland (Speidel Braumeister 20 Plus) im 20-Liter-Maßstab. Kosten: € 130,– für 7 h Kurs und ganztägige Verpflegung (mit teilweiser Rückvergütung bei Kauf eines Gerätes) und Proben des selbstbebrauten Bieres. www.beerstorevienna.at

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Genuss-Akademie Vils (Tirol)

An einer Heimbrauanlage braut man das eigene Bier. Dazu erfährt der Bierliebhaber bei dieser Veranstaltung alles Wissenswerte zum Thema Bier: Bierherstellung, Biergattungen, Bierverkostung, Bier und Gesundheit sowie amüsante Geschichten und Anekdoten rund ums Thema Bier. Kosten: € 99,– für 6 h Kurs mit Bierverkostung, Mittagessen und Unterlagen zum Download. www.genuss-akademie.tirol

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Craft


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TEXT — ROLAND GRAF

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GRAFT COCKTAILS MIT BIER GEMIXT

Das Feierabendbier inspirierte den Wiener Barkeeper Peter Kunz zu seinem ebenso einfachen wie verblüffenden Gin-Drink. „Beim After Work dürfen Bier und Gin in England nicht fehlen“, weshalb es auch eine Kombination der beiden Getränke wurde. Der ehemalige Barkeeper der legendären seit 1908 bestehenden Loos Bar serviert seinen „24 Gents“ ohne Eis, wie dies früher für Aperitif-Cocktails nicht unüblich war. Den Namen verdankt der Drink dem Londoner Gin „24“ aus dem Hause Beefeater. Neben klassischem Wacholder-Aroma wurde er auch mit Pink Grapefruit und feinherben Grüntees aromatisiert. Ganz in der Tradition der Cocktailklassiker stehend, kommt dieser Drink mit nur drei Komponenten aus. Die ursprünglich vorgesehene Espuma,

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COCKTAILS MIT BIER

GESAMMELT VON ROLAND GRAF

einen schnittfesten Bierschaum als Krönung, hat Kunz in letzter Konsequenz weggelassen. Komplexität bringt zum einen das Newcastle Brown Ale ein, „das malzbetonte Bier besticht durch karamellisierte Röstaromen“. Das zweite Geheimnis ist der Granatapfel, dessen Saft in diesem „Sour“ die Zitrusfrucht ersetzt. Nur in der selbst gepressten Variante – anstelle der bequem verfügbaren, aber deutlich süßeren handelsüblichen Grenadine – kommt für Peter Kunz „die nötige Säure sowie eine leichte Fruchtigkeit“ zustande. Sie passt zu den Frucht- und Gewürzaromen des Gins. Eine weitere Brücke baut der Gerbstoff, der sowohl im Granatapfel als auch im Grüntee zu finden ist, der dem „Beefeater 24“ Geschmack gibt. Cheers! ××

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24 GENTS Peter Kunz, Wien Zutaten 4 cl Beefeater 24 (Gin) 3 cl Granatapfel-Saft (frisch gepresst) 0,5 cl Newcastle-Brown-Ale-Sirup Newcastle-Brown-Ale-Sirup Für den Sirup den Inhalt einer Flasche Bier aufkochen, den Schaum laufend abschöpfen. Mit braunem Zucker vorsichtig süßen, dabei ständig umrühren. Am Ende sollten die Bitternoten weitgehend verschwunden sein. Bis zum Verwenden kaltstellen. Zubereitung Alle Zutaten mit Eis in einen Shaker geben und ca. 20 Sekunden kräftig shaken. Doppelt ins Gästeglas abseihen und mit der GrapefruitZeste garnieren. Glas Weinglas Garnitur Pink-Grapefruit-Zeste

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TEXT — MICKY KLEMSCH

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KGB

15 JAHRE KAMPAGNE FÜR GUTES BIER Es begann in England Die CAMRA (Campaign for Real Ale) wurde 1971 von Bierkonsumenten gegründet, um dem zunehmenden Qualitätsverlust britischer Biere Einhalt zu gebieten. Heute hat sie ca. 200.000 Mitglieder. Weitere Organisationen in ganz Europa folgten. Sogar in Italien und Ungarn wurde für dieses Thema gekämpft. In Deutschland und Österreich (die Bierländer schlechthin) gab es noch keine derartige Vereinigung. 2002 wurde endlich auch in Österreich ein Verein gegründet, der sich um die Qualität des Bieres und die Rechte der Bierkonsumenten bemühen wollte. Mit folgenden Zielen: • Informationen rund um den Bierkonsum • Tests, Tipps und theoretisches Wissen für Konsumenten • Weiterbildung über Bierqualität und Bierfehler

Gutes Bier braucht Pflege „Ist Bier so schlecht?“, war eine der ersten Fragen, mit der die Kampagne für Gutes Bier konfrontiert wurde. Die Antwort gilt heute wie damals: Nein, Biere werden generell gut gebraut – oft gibt es aber das Problem, dass das Bier auf den letzten Metern zum Konsumenten verdorben wird. Der Fokus für

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Konsumentenschutz hat sich definitiv verschoben. Biervielfalt ist nun vorhanden – braucht aber auch die notwendige Pflege. Fehlende Schankpflege führt oft dazu, dass das Bier nicht mehr so schmeckt, wie es vom Brauer gedacht war. Aber auch andere Bierfehler zu erkennen, hat sich die Kampagne für Gutes Bier zur Aufgabe gemacht. Themenbezogene Verkostungen, gemeinsame Lokalaugenscheine, Bierreisen bringen dem Konsumenten alles rund ums Bier nahe. Bier-Pairings, nicht nur mit Speisen, sondern auch mit Käse, Schokolade, Zigarren, Kaffee oder als Biercocktails, werden immer wieder als Thema aufgenommen.

Warmes Bier und kalte Würstel? Ja, auch nach 15 Jahren kann man bei Veranstaltungen – wie z. B. einer 15-Jahresfeier – immer noch etwas dazulernen. ;-) Die ersten zehn Jahre „bemutterte“ Obfrau Britta Dolenc die Organisation. Jetzt hat die Kampagne ihre Pubertät langsam überstanden (sie ist ja weiblich – da geht es schneller), und wir freuen uns schon darauf zu sehen, wie sie sich weiterentwickelt. ××

Weitere Infos: www.kgbier.at

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BIERSHOPS IN ÖSTERREICH

BIEROLOG/INNEN

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MARILIES MAURER (CRAFTBIERGSCHÄFT, GÜSSING)

Das Craftbiergschäft ist der neue Bierhotspot im Südburgenland. Im Sortiment sind die meisten heimischen Kleinbrauer und internationale Kreativbiere. „Wir konnten einfach nicht glauben, dass wir die einzigen hier sind, die gutes und spezielles Bier mögen“, sagt Marilies Maurer. Und die Geschäftsidee wird angenommen, von Einheimischen und insbesondere von den Hobbybrauern der Umgebung, die hier auch Zubehör erstehen können. Mit ihrem Mann Markus betreibt Marilies seit Anfang Juli auch die Freibrauerei Maurer, mit der die beiden 2017 bei der Austrian Beer Challenge den ersten Preis für das beste europäische Ale abstaubten. www.biergschaeft.at

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BIEROLOG/INNEN

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BIERSHOPS IN ÖSTERREICH

STEFAN OSWALD (MEIN-NASCHMARKT, WIEN)

Der Vorgartenmarkt in der Nähe des Wiener Praters hat sich zu einem wahrlichen Genussmarkt entwickelt. Seit letztem Jahr ist der kleine Gourmandisenladen mein-Naschmarkt Anlaufstelle für Freunde exklusiver Spezialitäten. Italienische Delikatessen, aber auch tolle Weine und Craft-Biere stehen im Regal. Anders als Weine dürfen Biere laut Marktordnung auch direkt ausgeschenkt und verkostet werden. Von den Inhabern war es Stefan Oswald, der die Idee mit Craft-Bier ins Konzept einbrachte. Besonders gerne arbeitet er mit kleinen heimischen Brauprojekten. So findet man hier die Biere von Alefried, der Brauküche 35, von 100 Blumen und der Rodauner Biermanufaktur. www.mein-naschmarkt.at

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BIEROLOG/INNEN

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C

BIERSHOPS IN ÖSTERREICH

BÁLINT KÓCZÁN (KÓCZÁN SÖRÁRIUM, SOPRON, UNGARN)

Quasi nur einen Katzensprung bzw. 60 Minuten mit der Bahn von Wien entfernt ist die ungarische Stadt Sopron. So wie in den meisten großen Städten unserer östlichen Nachbarländer ist auch in Sopron die Craft-Bier-Bewegung längst angekommen. Bálint Kóczán führt dort im Stadtzentrum – auch für Touristen leicht zu finden – einen kleinen, aber sehr feinen Craft-Bier-Laden. Biere aus Deutschland, Belgien, England, aber vor allem von den bekannten ungarischen Kleinbrauern stehen dort gut sortiert im Regal. Und: Balint braut auch selbst kézműves sör, wie man Craft-Bier auf ungarisch nennt. Sein 6%-iges IPA und ein belgisches Ale konnten wir gleich vor Ort verkosten. hazisorsopron.hu

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BIER UND SCHOKOLADE

TEXT UND BILD — JÜRGEN SCHMÜCKING

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KORN UND BOHNE IM TINDER-RAUSCH Wozu passt welches Bier? Der Kurs zum Diplomsommelier ist die höchste Ausbildung in Sachen „kultiviertes Trinken“, die man hierzulande machen kann. Die künftigen Edelkellner mit ausgeprägter Weinkompetenz lernen dabei (und das sehr intensiv), welcher Wein zu welchen Speisen passt und warum das so ist. Sie lernen auch alles Wissenswerte über andere Getränke. Destillate, Kaffee, Tee. Und natürlich Bier. Über Bier sogar deutlich mehr als über die anderen Nebendarsteller. Was dabei allerdings komplett ausgeblendet wird, ist die Frage, wozu welches Bier passt. Die Frage ist aber essenziell, weil Bier vom An- bis zum Abtrunk ein Spektrum der sensorischen Wahrnehmung aufmacht, das komplex ist, sich verändert und – richtig genutzt – unglaublich spannende Geschmackserlebnisse bieten kann. In der letzten Ausgabe von 1515 haben wir uns auf der Kontaktbörse von Bier und Käse umgesehen. Diesmal schauen wir, ob es auch funkt, wenn sich Bier und Schokolade treffen.

Kontaktbörsen und Beziehungen Eines vorweg – die Metaphern Swingerclub und OneNight-Stand sind dabei durchaus passend. Korn und Bohne sind nicht für dauerhafte Beziehungen geschaffen. Zu viele Gegensätze sind dabei im Spiel. Manchmal ziehen sich allerdings Gegensätze an und sorgen für ein leidenschaftliches Strohfeuer, das neu und aufregend ist. Dafür ist aber auch schnell die

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Energie wieder draußen. Genug der Metaphern. Betrachten wir die Sache nüchtern. Und der Reihe nach.

Bier im Schokomantel Bier und Schokolade kann man als Thema von drei Seiten angehen. Die ursprüngliche Intention für diesen Artikel war, das sensorische Potenzial beider Produkte in Kombination auf die Probe zu stellen. Bei der Recherche wurde aber schnell klar, dass es noch ganz andere Ebenen zu dieser Kombination gibt. Die Schokoladen mit Bier und das Bier mit Schokolade. Beginnen wir mit Ersterem. Einige Chocolatiers haben sich scheinbar der Geschmacksvielfalt verschrieben und schrecken dabei auch vor exotischen und schrägen Noten nicht zurück. Der Meister dieser Schokoexotik ist Sepp Zotter aus der Steiermark. Grammeln, Fisch und Blut sind mittlerweile Klassiker und jetzt eben auch Bier. Konkret das Nicobar India Pale Ale aus der Brauerei Gusswerk. Die Zotter-Schokoladen haben stets den gleichen Aufbau. Der Schokomantel besteht aus einer dunklen Bergmilchschokolade, gefüllt mit einer Ganache, in der die charaktergebende Zutat dominiert. In diesem Fall das IPA. Dazu und um die Bittere des Pale Ales ein wenig in die Schranken zu weisen, sind auch Zimt, Kardamom, Sternanis und ein wenig Bierbrand im Spiel. Die Schokolade ist cremig, süß und ausgesprochen gelungen. Das Bier-Aroma ist ziemlich klar, die IPA-Bittere allerdings so gezähmt, dass es auch ein anderes gutes Bier sein könnte. Ein Genuss ist er

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Guinness Dark Chocolate Nicht ganz so fein präsentiert sich die Dritte im Bunde, die Irin. Von Guinness gibt es bekanntlich nicht nur das süffige kohlrabenschwarze Stout, sondern – gefühlt – die gleiche Menge an Merchandise-Produkten. Vom Regenschirm bis zur Pralinenschachtel. Und eben auch eine Dark Chocolate. Mit Guinness-Geschmack. Es funktioniert. Die Schokolade riecht und schmeckt nach Guinness und eigentlich ganz okay. Besonders gut ist sie aber nicht.

Schokolade in Flaschen (im Ernst)

allemal, der Riegel. Vermarktet wird die Schokolade übrigens unter dem Namen „Starkes Bier“.

Der Pionier

Jetzt andersrum. Irgendwie hat es die Schokolade auch ins Bier geschafft. Oder doch nicht. Dazu aber später noch mehr. Hier seien ein paar Exemplare vorgestellt, die wir als überaus gelungen betrachten. Den Start macht die Wildshuter Männerschokolade aus dem Hause Stiegl. Es ist die Wildshuter Interpretation des obergärigen Bierstils Chocolate Stout. Die Männerschokolade ist ein dunkelbraunes, vielschichtiges und vor allem üppiges Bier, das zwischen Tönen von Espresso und dunkler Schokolade oszilliert. Grandios gut. Die Braukomposition setzt sich aus unterschiedlichen Bio-Malzen und der alten Getreidesorte Schwarzhafer zusammen. Für Konsumenten, die kaum Süße brauchen, ein Dessert für sich. Für alle anderen ein wunderbarer Begleiter für schokooder nussbasierte Desserts.

Der Pionier in Sachen „Bier in Tafelform“ ist allerdings ein anderer. In seiner kleinen Manufaktur in Kirchdorf an der Krems arbeitet Johannes Bachhalm (nebst einer Vielzahl an Schokoladen und Pralinen) auch an einer richtig guten Bier-Schokolade. In einem langen (72 Stunden) dauernden Conchier-Prozess rührt Bachhalm auch Bier und unvergorene Brauwürze aus der Brauerei Schloss Eggenberg in die Kakaomasse. Am Schluss kommen – in bewährter Bachhalm-Manier – noch Splitter von Criollo-Bohnen und grob geschrotetes Braumalz dazu. Das Aroma ist intensiv, kristallklar, ein wenig derb und vor allem über die Maßen sortentypisch. Nachdem sich auch die Qualität der Zartbitterschokolade sehen lassen kann, ein wundervolles Gaumenerlebnis.

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BIER UND SCHOKOLADE

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Boarisch Stout Dann der Bock. Marc’s Chocolate Bock von Maisel & Friends ist wieder ein Stout nach irischer Tradition. Moment, nein. Ist es eigentlich nicht. Genau genommen ist ein Stout ein tiefdunkles obergäriges Bier. Das kann als Leitlinie gelten, in Bayern wird das aber – mia san mia – dann doch recht bayrisch interpretiert. Also untergärig nach dem Vorbild deutscher Schwarzbiere. Und Bock heißt Power. Also über 7 % Alkohol. Auch am Gaumen lässt das Bier keinen Zweifel über seine Herkunft aufkommen. Kraft und Druck vom Antrunk weg. Schokoladenoten nach dunkler bis dunkelster Schokolade, Mokka, Rauch. In der Mitte dann noch einmal ein kräftiger Schub Bitter-Schoko-Ton. Erst gegen Ende, zum Abtrunk hin, wird das Bier gefälliger. Quasi eine kleine Versöhnungscremigkeit. Summa summarum ein Kraftlackel und Zierde seiner Art. Samuel Smith’s Organic Chocolate Stout ist anders. Während beim Bock und bei der Männerschokolade das Schokoaroma dadurch ensteht, dass

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die Braugerste so geröstet wird, dass sie wie Schokolade schmeckt (nicht eine Kakaobohne schafft es tatsächlich in die Flasche), hat Samuel Smith die Bohne sogar aufs Etikett gemalt. Dieses Chocolate Stout ist eine der seltenen Ausnahmen, bei denen gerösteter Kakao-Extrakt in den Brausud kommt und gleich mit dem Bier mitgebraut wird. Der Unterschied zu den beiden anderen Schokobieren: Das Aroma ist klarer, filigraner und präziser. Das Bier selbst ist heller und ebenfalls eine Spur klarer und eleganter.

Jetzt der Paarlauf Last but not least noch zwei Empfehlungen von Kombinationen. Also Bier und Schokolade im klassischen Pairing. „Nur“ zwei, weil nur diese zwei es wert sind, zu Papier gebracht zu werden. Zu groß die Unterschiede, zu weit auseinander die Ziele. Meistens stehen sich die Kohlensäure im Bier und das Fett der Schokolade im Weg. Oder die beiden völlig verschieden gearteten Bitterkeiten. Außerdem die Tempera-

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tur und ein Aromenspektrum, das unterschiedlicher nicht sein kann. Hier also zwei Kombinationen und ein paar Vermutungen, warum es bei diesen Paaren trotzdem funktioniert.

Leichtfüssiger Hammer Kiesbye’s Waldbier – Edition 2017 „Wilde Kirsche“ & Blanxart 91 % Organic Dark Chocolate, Kongo Das Waldbier ist relative neu am Markt, weshalb im Moment eine Menge darüber geschrieben wird. Hier daher nur die für unser Experiment wichtigen Informationen. Es ist ein Strong Ale (7.2 Vol.-%, Alkohol) mit feinem Blütenaroma und zauberhaften Aromen wie Kirschblüte, Marzipan und Honig. Die Schokolade ist heftig. 91 % Kakaoanteil bedeutet: nichts für Anfänger- oder WeicheierInnen. Durch den hohen Kakaoanteil ergibt sich natürlich auch ein geringer Milch- und Zuckeranteil. Diese sensorische Herausforderung muss – im Fall der Getränkebegleitung – vom Begleiter aufgefangen werden. Beim Wein würde das bedeuten: Je höher der Kakaoanteil bei der Schokolade ist, desto mehr Restzucker sollte im Wein sein. Beim Bier haben wir keinen oder kaum Restzucker. Aber wir haben Bestandteile, die am Gaumen Ähnliches bewirken. Im Fall des aktuellen Waldbiers sind das Alkohol und Primäraromen. Der kräftigen Schokolade wird dadurch eine Bühne geboten, ein

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BIER UND SCHOKOLADE

sensorischer Scheinwerfer, der die zarten Aromen hervorhebt. Andererseits verstärkt auch die Schokolade aus dem Kongo die leichtfüssigen Töne von Kirschblüte und Honig. Man glaubt es kaum, aber die Kombination ist echt ein Hammer.

Zart floral und feinfruchtig Brauhaus Gusswerk, Das schwarze Schaf & Zotter, Labooko Seversal, Ecuador Zum Schluss wieder ein Stout. Einfach, weil es das beste Bier an der Seite von Schokolade ist. Diesmal allerdings kein Chocolate Stout, obwohl die Schokonoten auch hier nicht von der Hand zu weisen sind. Jedenfalls eignet sich das Bier durch seine Cremigkeit und die röstigen Aromen perfekt zur Begleitung dunkler Schokoladen. Ausprobiert haben wie es – um den Kreis wieder zu schließen – mit der Labooko Seversal von Josef Zotter, einer milden Schokolade aus ecuadorianischem Edelkakao. Auch dieses Pairing lebt von zart floralen und feinfruchtigen Noten. Hier kommen sie allerdings von der Schokolade, und das Bier steuert Fundament und Substanz bei. Fazit: Bier und Schokolade ist (und bleibt auch) ein schwieriges Thema. Allerdings macht das Experimentieren Spaß, und wenn eine stimmige Kombination erst einmal gefunden wurde, hat man am Ergebnis lange Freude. ××

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RUND UMS BIER Mit neuen Etiketten und Dosen präsentierten Marion Weinberger und Markus Lohner die bayrische Camba.

Georg Zwickl und Markus Betz nehmen den Beerkeeper-Award für den besten Online-Shop entgegen.

Karl Zuser wurde von Sepp Wejwar mit dem Beerkeeper-Award in der Kategorie Food-Pairing ausgezeichnet.

Rechts: Pro-Bier-Blogger Martin Voigt im Interview mit dem Dietrachinger Brauer Martin Seidl, der seine Schwarze Tinte präsentierte.

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BIERMOMENTE IN BILDERN

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Bild: Beer-Tasting-Event / Kalea

Oben: Was wäre ein Beer-Tasting ohne Cider. Karl Karigl mit dem spannendsten aus dessen Spezies. Unten: Zwei Obertrumer Originale: Das neue Trumer Zwickl und Johanna Panholzer.

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RUND UMS BIER Die versammelte heimische und internationale Verkostungselite bei der Austrian Beer Challenge im Casino Baden.

Schauspielerin Adele Neuhauser mit Stiegl-Braufamilie Alessandra und Heinrich Dieter Kiener und Herausgeber Nikolaus Brandstätter.

Wenn Bier-IG-Obmann Martin Seidl seinen 45. Geburtstag feiert, dann wird im Dietrachinger Braustüberl nicht gekleckst. Höchstens mit Schwarzer Tinte.

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NEXT LEVEL BREWING MONSTER JUICE

LABEL LOVE

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Die Meidlinger Wanderbrauer von Next Level Brewing haben zwischen Gail- und Lesachtal mit der Brauerei Loncium einen verlässlichen Partner gefunden. In Kötschach brauen sie im Moment die meisten ihrer Kreativbiere. Das Monster Juice, ein New England Double IPA, haben sie erstmals als gemeinsames Projekt entwickelt. Dass sie mit dem Bier monsterhaft viel Marillen mitvergoren haben, kann man in humoriger Art auch auf dem Etikett erkennen. Für dieses ist Brauer Johannes Grohs selbst verantwortlich, der kurz vor Halloween zwar etwas oranges, aber nicht so wie alle anderen Kürbis einbrauen wollte. So kamen halt die „Marillenviecher“ ins Bier und aufs Label. ××

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THE SISTERS BREWERY WAGGLE DANCE

LABEL LOVE

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Die beiden jungen Schwestern Annamijn and Josefien Beijeman brauen gemeinsam mit ihrem Vater Wilfran in Utrecht außergewöhnliche Craft-Biere. Zwei besondere Merkmale zeichnen jedes einzelne davon aus: Es sind sehr stark eingebraute Sorten und für jedes Bier zeichnet ein anderer Artist für das Label verantwortlich. Da der Name Bijeman übersetzt Imker bedeutet, ziert ein Bienenkopf das Logo der Familienbrauerei. Und der Name jeder Sorte hat etwas mit Bienen zu tun. Das Waggle Dance ist ein trocken gehopftes Session IPA und mit seinen 4,4 % Alkohol ein überraschend leichtes Bier im Reigen ihres Angebots. Das Label wurde vom jungen niederländischen Künstler Toto Stoffels, einem Studenten der Willem de Kooning Academy, entworfen. ××

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DAS BIERJAHR

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Bild: Tourismusverband Hochkönig

Mai 2018 Festival der Bierkulturen

G E R — Köln Ehrenfeld, Bürgerzentrum braustelle.com

23.–24. März 2018 Craft Beer Werkstatt

G E R — Landshut, S-Arena Messegelälnde getraenke-fleischmann.de

23.–24. März 2018 Craft Bier Fest der Alpen AU T — Region Hochkönig

23.–24. März 2018 Craft Bier Fest der Alpen

AU T — Region Hochkönig hochkoenig.at

11.–12. Mai 2018 Mikkeller Beer Celebration

D E N — Kopenhagen, Oksnehallen mikkeller.dk

25. November 2017 Winter Beer Day

G E R — Hamburg, Schanzenhöfe altes-maedchen.com

18.–20. April 2017 Salon Piva

S V K — Bratislava, Stará tržnica salonpiva.beer

10.–26. Mai 2018 Cesky Pivni Festival

C Z E — Prag, Letenská pláň ceskypivnifestival.cz

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24.–27. Mai 2018 Wiener Bierfest

AU T — Wien, Am Hof wienerbierfest.at

7.–9. Juni 2018 Salon Piva C Z E — Prag salonpiva.beer

8.–10. Juni 2018 Wrcolawski Festival

P O L — Breslau www.festiwaldobregopiwa.pl

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#1_

Und wie kommt man auf die Idee zu brauen ? So als Frau ?

#2_

Mit Lavendel ... richtiges Bier haben Sie keins ?

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Achso, das ist ein Radler! www.hopfenspinnerei.at

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• Brauprozess in der Praxis: gebraut wird eine unserer Standardsorten im Produktionsmaßstab und parallel dazu ein Versuchsbier im 20 Liter Maßstab • Einführung in die Biergeschichte, Bierstile, Biersensorik • Verkostung unserer lagernden Biersorten • Verpflegung (Mittagessen, Kaffee&Kuchen, Jause) • 6er-Tragerl des gebrauten Biers (kann nach ca. 6 Wochen abgeholt werden) Dauer: ca. 7 Stunden, Gruppengröße: 8-12 Personen AKTION: 79 Euro pro Person (bei Buchung bis zum 31.12.2017) Termine unter www.braukueche35.at/aktivitaeten Anmeldung unter post@braukueche35.at

Hasnerstraße 14, 1160 Wien Öffnungszeiten: Freitag 14–17 Uhr, Samstag 10–13 Uhr

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BUCHTIPPS

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Thomas Fuchs Craft Beer – Das kleine Buch

Kaum ein Getränk glauben wir so gut zu kennen, wie unser Bier. Doch die stetig wachsende Anzahl von Craft-Brauern zeigt, dass es 500 Jahre nach dem Reinheitsgebot längst an der Zeit ist, neue Aromen, wiederentdeckte Bierstile und spannende Braukunststücke kennenzulernen. Erfahren Sie, was hinter der Craft-Philosophie steckt, warum uns Bier auch heute noch überraschen kann, wer die wichtigsten Hersteller und welche die spannendsten Bierstile sind. Mit viel Witz und Sachverstand führt Thomas Fuchs durch die junge Geschichte der neuen Braukunst, stellt die agile und facettenreiche deutsche Szene vor und erklärt, warum Craft-Bier heute endlich in aller Munde ist. 96 Seiten, Hallwag Verlag, 9,99 Euro

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Gabriele Scheinast & Franz-Maria Sonner Gut Wildshut: Tradition, Natur, Pioniergeist

Ein idyllisches Gut, dort wo Oberösterreich, Salzburg und Bayern aufeinandertreffen, in Vergessenheit geratene Urgetreidesorten, Mangalitza-Schweine, Pinzgauer Rinder und herrliche Rezepte mit Brot und Bier. Das alles bietet der neue Bildband „Gut Wildshut: Tradition, Natur, Pioniergeist“. Es geht um die Schönheit der einfachen Dinge. Mit Gut Wildshut, dem ersten Biergut Österreichs, haben die Stiegl-Eigentümer Heinrich Dieter und Alessandra Kiener im idyllischen Wildshut einen Ort geschaffen, der für nachhaltige Landwirtschaft, für Vielfalt und vor allem für Experimentierfreude und Genuss steht. Hier kümmern sich die Brauereieigentümer intensiv um den Boden und dessen Gesundheit und lassen in Bio-Landwirtschaft alte Getreidesorten anbauen. Diese werden dann in einer weltweit einzigartigen Kombination aus Mälzerei und Rösterei selbst vermälzt und nach alter Handwerkskunst zu Bieren der Extraklasse gebraut. 240 Seiten, Brandstätter Verlag, 39,90 Euro

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