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Die Geschichte eines fruchtbaren Austausches von Wissen und Waren, Innovationen und Ideen, Kunst und Kultur

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Fugger – Italien

die frühe Globalisierung der Wirtschaft „erfunden“: Doch kein anderes europäisches Unternehmen der Frühen Neuzeit hat vom Know-how italienischer Fernhandelskaufleute und Bankiers so sehr profitiert wie die Fugger in Augsburg, die seit dem 15. Jahrhundert ihre Geschäfte im Fondaco dei Tedeschi in Venedig und mit den Päpsten in Rom betrieben. Die Fugger holten nicht nur Wissen und Waren über die Alpen. Jakob Fugger „importierte“ die italienische Renaissance und ließ mit der Fuggerkapelle in der Augsburger Annakirche den ersten deutschen Renaissancebau entstehen. Seine Nachfolger holten Kunst und Künstler, Kompositionen und Lebensart aus dem Süden ins reiche Augsburg. Das führte schließlich dazu, dass man die Stadt ein deutsches Florenz nannte und die Fugger mit den kunstliebenden Medici verglich. Zeugnisse des wirtschaftlichen und kulturellen Austausches zwischen Italien und Schwaben entdeckt man in Augsburg, München und im Unterallgäu, in Rom und Venedig, in Trient und im Trentin sowie nicht zuletzt auch in Südtirol. 120 Seiten, 94 Abbildungen, EUR 9,90 Martin Kluger context verlag Augsburg ISBN 978-3-939645-27-6

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Fugger – Italien | Geschäfte, Hochzeiten, Wissen und Kunst. Geschichte einer fruchtbaren Beziehung

In Oberitalien wurden der Frühkapitalismus und

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Fugger – Italien Geschäfte, Hochzeiten, Wissen und Kunst. Geschichte einer fruchtbaren Beziehung

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Inhalt Über die Via Claudia nach Venedig Innovationen aus Italien: Barchent, Banken, Buchführung . . . . . . . . . . . . . 8

Am Anfang war die alte Römerstraße Die Pest brachte die Barchentweberei nach Schwaben . . . 10 Augsburg – „Deutschlands Tor nach Italien“ . . . . . . . . . . . 10 Handelswege: Obere Straße und Untere Straße . . . . . . . . . 11 Venedig, die Handelsdrehscheibe des Mittelmeers . . . . . . . 13 Italien exportiert die Barchentweberei . . . . . . . . . . . . . . . . 14 War schon Hans Fugger in Venedig? . . . . . . . . . . . . . . . . . . .15 Die Entwicklung des Bankenwesens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 Banken, Faktoreien und Nachrichtendienste . . . . . . . . . . . 18 Arabische Ziffern und doppelte Buchführung . . . . . . . . . . 19 Zahlen und Zeichen – Rüstzeug der Kaufleute . . . . . . . . . 19

Die Fugger entdecken den Süden Wie die italienische Renaissance nach Deutschland kam . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

Reicher Gewinn in Venedig und Rom Geschäfte im Fondaco dei Tedeschi und mit der Kurie . . . 22 Markus Fugger macht in Rom Karriere . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Jakob Fuggers frühe Ausbildung in Venedig . . . . . . . . . . . . 22 Die „Paradieskammern“ und das „Rosenkranzfest“ . . . . . . 25 Die Faktorei in Mailand und die Schweizergarde . . . . . . . . 26 Die römische Bank der Fugger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 Die Fugger „vom Reh“ in Italien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 Zwei Stiftungen und zwei Ablässe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Die Fugger und das römische Ablasswesen . . . . . . . . . . . . 31 Die römische Faktorei prägt Münzen der Päpste . . . . . . . . 33 „Sacco di Roma“ und das Ende der Faktorei . . . . . . . . . . . . 34 Die Markuskapelle der Fugger in Rom . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

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Jakob Fugger errichtet die Fuggerkapelle . . . . . . . . . . . . . . 37 Erster Profanbau der Renaissance – der Damenhof . . . . . . 40 Die Fuggerei und ein Konto für Gott . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 Die Fugger und die Thurn und Taxis . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 Jakob Fugger und die venezianische Goldhaube . . . . . . . . 45 Wichtige Geschäfte mit italienischen Partnern . . . . . . . . . 45

Die Fugger, die deutschen Medici Vom deutschen Florenz bis zum Teufelspalast in Trient . . . . . . . . . . . . . 46

Die Generationen nach Jakob Fugger Die Fugger holen Künstler aus Italien nach Schwaben . . . 48 Anton Fugger in Venedig, Rom und Neapel . . . . . . . . . . . . 48 Die Fugger in Neapel und Süditalien . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49 Tizian in den Augsburger Fuggerhäusern . . . . . . . . . . . . . . 50 Anton Fugger gibt den Medici in Florenz Kredit . . . . . . . . 51 Hans Fugger lernt die Hofkunst der Medici kennen . . . . . 52 Die „Badstuben“ in den Fuggerhäusern . . . . . . . . . . . . . . . . 53 Der Giambolognaschüler Hubert Gerhard . . . . . . . . . . . . . . 54 Italienische Kunst für Politik und Diplomatie . . . . . . . . . . 54 Fugger‘sche Grabkapellen in St. Ulrich und Afra . . . . . . . . 55 Sustris, Gerhard und Pallago auf Schloss Kirchheim . . . . . 59 Petrarcas „Trionfi“ und der Zedernsaal . . . . . . . . . . . . . . . . 60 Der Mars-Venus-Amor-Brunnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Markus Fuggers Schloss in Niederalfingen . . . . . . . . . . . . . 66 Antiken und Bücher: die Sammlungen der Fugger . . . . . . 67 Die Fugger fördern die italienische Musik . . . . . . . . . . . . . . 70 Austern, Südfrüchte und Wein für die Fugger . . . . . . . . . . 70 Die Loretomadonna der Westheimer Kobelkirche . . . . . . . . 71 Der Teufelspalast Georg Fuggers in Trient . . . . . . . . . . . . . . 73 Eine Fuggerin stiftet zwei italienische Klöster . . . . . . . . . . 75

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Inhalt Verlorene Gemälde großer Meister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 Ein Tizianschüler in der Augsburger Fuggerei . . . . . . . . . . . 76 Italienisches Barock – das Palais Fugger-Portia . . . . . . . . . 77 Heutige Fugger in Italien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77

Spuren der Fugger in Südtirol Fuggerhäuser, Bergsegen und Ehen mit dem Tiroler Adel . . . . . . . . . . . . . 78

Südtirol: Handel, Bergbau, Hochzeiten Fugger‘sche Geschichte zwischen Brenner und Trentin . . . 80 Die Fuggerhäuser in Bozen und Sterzing . . . . . . . . . . . . . . 80 Die Fugger im Tiroler Bergbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 Die Fugger und der Tiroler Adel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 Das Epitaph Veronika Fuggers in Bruneck . . . . . . . . . . . . . . 83 Das Fuggerwappen von Schloss Prösels in Völs . . . . . . . . . 85 Die Fuggerwappen auf Schloss Welsperg . . . . . . . . . . . . . . 86 Die Fuggerwappen auf Schloss Trostburg . . . . . . . . . . . . . . 87 Brixen und die Fuggerwappen von Feldthurns . . . . . . . . . . 88 Erinnerungen in Schlössern, Burgen und Ruinen . . . . . . . . 89 Das Fuggerwappen im Schloss von Noarna . . . . . . . . . . . . . 91

Spaziergang zu Italien in Augsburg Die Stadt, in der die deutsche Renaissance begann . . . . . . . . . . . . . . 92

Fugger – Italien an zehn Stationen Von der Augsburger Fuggerei bis zu den Fuggerkapellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 Die Fuggerei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 St. Peter am Perlach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 Das Rathaus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97 Der Augustusbrunnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98

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Die Fuggerkapelle in St. Anna . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 Der Merkurbrunnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101 Die Fuggerhäuser und der Damenhof . . . . . . . . . . . . . . . . 102 Der Herkulesbrunnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Italienische Reisende in der Stadt der Fugger . . . . . . . . . 104 Das Wohnhaus Philipp Eduard Fuggers . . . . . . . . . . . . . . . 105 Fünf Fuggerkapellen in St. Ulrich und Afra . . . . . . . . . . . 105 Prägende Konkurrenz: Augsburg und die Fugger . . . . . . . 107

Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Ortsregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112 Personenregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Bildnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120

Von Werken Filippino Lippis, Botticellis und Raffaels stilistisch stark beeinflusst, malte der Augsburger Jörg Breu d. Ä. um 1520 die figurenreiche Darstellung der Himmelfahrt Mariens auf dem rechten Flügel der Orgel in der Fuggerkapelle der St.-Anna-Kirche.

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Über die Via Claudia nach Venedig Innovationen aus Italien: Barchent, Banken, Buchführung Noch im späten Mittelalter ist die Via Claudia Augusta die wichtigste Verkehrsader zwischen Schwaben und dem Mittelmeer. Über die Handelsstraße zwischen Augsburg und Venedig kommt – lange vor den Fuggern – das Wissen italienischer Kaufleute über Zahlen und Zinsen, Banken und Buchführung, Fernhandel und ferne Welten nach Schwaben. Und die aus dem Süden importierte Barchentweberei macht Schwaben zum deutschen Zentrum der Textilherstellung.

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Am Anfang war die alte Römerstraße Die Pest brachte die Barchentweberei nach Schwaben Die Fugger sind die bekannteste Familie Augsburgs, Jakob Fugger „der Reiche“ ist der berühmteste Augsburger der Geschichte. Am Aufstieg der Fugger hat Italien überragenden Anteil. Seit jeher kommen neue Ideen in Sachen Wirtschaft und Wissenschaft, Kunst und Lebensart über die Alpen nach Augsburg. Sie gelangen zwar teilweise nach Schwaben, bevor sich der erste Fugger in der Stadt niederlässt. Doch vor allem Jakob Fugger, der sich von 1473 bis 1487 vermutlich überwiegend in Venedig und Oberitalien aufhält, nutzt das Wissen aus dem bewunderten Süden so genial wie keiner vor ihm. Dies gilt nicht nur für das Geschäft: In Italien lernt Jakob Fugger, wie Kunst zum Medium der Prestigebildung und der „Memoria“ einer Familie wird. Auch deshalb werden die Fugger später immer wieder mit den Medici verglichen.

Augsburg – „Deutschlands Tor nach Italien“ Schon die Nähe Augsburgs zu Italien trägt zum Aufstieg der Fugger bei, der so damals wohl nur in dieser Stadt möglich ist. Augsburg gilt wegen seiner günstigen Lage an der im Mittelalter nach wie vor genutzten Römerstraße Via Claudia Augusta als „Deutschlands Tor nach Italien“. Die Augsburger Kaufleute profitieren von der römischen Straßenbaukunst, die Mitte des 1. Jahrhunderts den Weg in die Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum gebahnt hat. Um das Jahr 80 ist die Via Claudia Augusta voll ausgebaut. Eine Straße im heutigen Sinne ist diese Römerstraße noch längst nicht: Schotterdämme führen kerzengerade durch das Lechtal in Richtung Süden. Bei Füssen erreicht die Via Claudia Augusta die Alpen, leitet über den Fernpass und den Reschenpass ins Meraner Becken und durch das Etschtal an die Adria beziehungsweise an den Po. Erst im 2. Jahrhundert wird die kürzere Alternativroute über den Brenner passier-

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Das Grabmal eines Weinhändlers im Römischen Museum Augsburg zeigt, wie Warentransporte mit dem Frachtwagen auf der Via Claudia Augusta abliefen. bar gemacht. Genutzt wird die Verbindung vermutlich auch nach dem Abzug der letzten Römer aus ihrer Provinz Raetia secunda und dem Untergang des einstigen Weltreichs im Jahr 476. Von den frühen Handelsbeziehungen über diese Straße ist nichts überliefert. Doch spätestens um 1200 wird schwäbisches Leinen über Venedig in den Mittelmeerraum exportiert. Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Italien wächst schon bald derart an, dass die venezianische Signoria den Fondaco dei Tedeschi – das Wohn- und Kaufhaus der deutschen Kaufleute am Canal Grande – errichtet.

Handelswege: Obere Straße und Untere Straße Auch die schwäbischen Kaufleute des Mittelalters nehmen den Weg an die Adria über die mehr als tausend Jahre alte Römerroute von Augsburg über Landsberg nach Schongau. Dort teilt sie sich in eine Obere Straße und Untere Straße. Die Obere Straße ist die längere Route über Füssen, Reutte, Imst, Nauders und Meran, Bozen und Trient nach Venedig (insgesamt rund 620 Kilometer). Auf der Unteren Straße (insgesamt rund 520 Kilometer) rollen die Wagenladungen

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Augsburg

Die Obere Straße Die Untere Straße

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Landsberg am Lech

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der Händler auf der Strecke über Oberammergau, Mittenwald, Innsbruck, Sterzing, Cortina d’Ampezzo, Conegliano und Treviso in die Lagunenstadt. Die Untere Straße über den Brenner ist der weitaus beliebtere Weg: Um 1430 nutzen ihn jährlich 6 500 Frachtwagen, während die Obere Straße nur von etwas mehr als 700 Gespannen befahren wird. Zehn Tage benötigt ein Reiter für den Weg über die Untere Straße. Die Wagen der Händler bewältigen täglich 30 bis 40 Kilometer. Auf dem Rückweg geht es sehr viel schneller, wenn Flößer Waren auf dem Lech bis nach Augsburg transportieren. Für eiligere Transporte setzt man schwer bepackte Saumtiere ein. Bis 1480 wird der Brenner auch für große Frachtwagen ausgebaut: Wenig später ist er der meistfrequentierte Alpenpass. Solange die Strecken befahrbar sind – vom Frühling bis in den späten Herbst hinein – überqueren die Gespanne die Alpen. In Richtung Süden befördern sie neben schwäbischem Leinen Salz, Silber, Kupfer und Eisenwaren, Schafwolle und Pelze, aber auch Bienenwachs und Bernstein von der Ostsee. Viel exotischer ist, was man aus dem Süden nach Schwaben transportiert – Granatäpfel und Zitronen, Feigen und Käse aus Oberitalien, Lederwaren aus Florenz, Gläser aus Venedig, Seide, Brokate und Teppiche aus dem Orient, Gewürze aus Indien. Zucker kommt aus Sizilien und Kreta nach Venedig.

Venedig, die Handelsdrehscheibe des Mittelmeers Die Lagunenstadt ist die Handelsdrehscheibe des Mittelmeerraums. Venedig erwirbt im 13. Jahrhundert bei Orientwaren annähernd eine Monopolstellung. Die Seestädte Venedig, Genua und Pisa treiben bereits in diesem Zeitraum Handel im gesamten Mittelmeerraum und über ihre Stützpunkte am Schwarzen Meer. Wie abwegig es ist, wenn heute der erst im Jahr 1459 geborene Augsburger Kaufherr Jakob Fugger hartnäckig als „erster Global Player“ bezeichnet wird, zeigt beispielsweise ein Blick auf die Geschicke der venezianischen Familie Polo: 1260 reisen die Brüder Niccolò und Maffeo Polo bis an die Wolga und nach Buchara. 1271 brechen die beiden mit Marco Polo – dem 17-jährigen Sohn Niccolòs – zu einer Reise in das Reich des Kublai Khan auf, die sie bis nach China führen wird. Erst 1295 kehren die drei in ihre

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Der „Schwarze Tod“ sorgte in Italien für Arbeitskräftemangel. Deshalb exportierte man die Barchentweberei nach Schwaben. Heimatstadt Venedig zurück. Aus Ägypten und Syrien importieren die Venezianer damals längst Baumwolle für die Barchentweberei, die ihren Ursprung im arabischen Raum hat. Der Barchent – ein Mischgewebe aus Leinenkette und Baumwolldurchschuss – wird seit dem 11./12. Jahrhundert von Webern in Venedig und in der Lombardei hergestellt.

Italien exportiert die Barchentweberei Vor 1370 kommt die Barchentweberei aus Norditalien nach Schwaben: Denn für die Produktion des Barchent gibt es im Süden mittlerweile zu wenig Arbeitskräfte. Dort hat der „Schwarze Tod“ – die Pest – gewütet und die Einwohnerzahl in oberitalienischen Städten mitunter halbiert. Um trotzdem weiter an der ertragreichen Baumwolleinfuhr zu verdienen, bringt man die Barchentherstellung über die Alpen, wo es genug Weber gibt. Dort ist sie eine technische Innovation, die ein massives Wirtschaftswachstum auslöst. In Schwaben hatte die Pest bis dahin wohl keine größeren Opfer gefordert. Erst 1401/02 wird in Augsburg eine Pestepidemie tausende Menschen das Leben kosten. Barchent-

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Um das Jahr 1370 entwickelt sich Ostschwaben zum florierenden Zentrum der Barchentproduktion. In dieser Zeit wanderten zahlreiche Weber aus dem Umland von Augsburg in die Freie Reichsstadt ein.

weberei macht Ostschwaben, die Region zwischen Augsburg, Ulm und Memmingen, zu einem oberdeutschen Zentrum der Textilherstellung. Der Flachs für das Leinen stammt aus der Gegend. Wegen des blau blühenden Leins spricht man vom „blauen Allgäu“. Baumwolle aus Ägypten, Syrien, Zypern und Armenien wird von Kaufleuten in Venedig und Genua aufgekauft und über die Alpen transportiert. 1367 wandert der nicht unvermögende Weber Hans Fugger aus dem Dorf Graben auf dem Lechfeld im Süden Augsburgs in die Freie Reichsstadt ein – so schildert es das „Ehrenbuch“, die bis 1549 entstandene Familienchronik der Fugger. Nach Augsburg wird Baumwolle aus Italien geliefert, dort webt man Barchent. Der erste Augsburger Fugger wird wohl rasch erkannt haben, dass an der Barchentproduktion weniger der Weber, als vielmehr vor allem der Händler verdient. Er sitzt also nicht mehr am Webstuhl, sondern ist Verleger. Verleger beliefern die Weber auf Vorschuss mit Baumwolle und lassen sich von ihnen mit Tuchen bezahlen. Das Verlagssystem bringt die Weber in immer stärkere wirtschaftliche Abhängigkeit.

War schon Hans Fugger in Venedig? Nach dem Bericht eines Urenkels ist es Hans Rem, der – vielleicht Ende der 1350er Jahre – als Erster Baumwolle in Augsburg einführt. Die spätestens seit den 1380er Jahren

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Im Jahr 1367 wanderte Hans Fugger vom Lechfeld nach Augsburg ein. Er profitierte vom Aufschwung der Barchentweberei. Das früheste schriftlich belegte Barchentgeschäft eines „Füker von Augsburg“ wurde jedoch erst 1440 in Nürnberg abgewickelt.

rasant wachsende Augsburger Barchentproduktion macht die Baumwolle zum bedeutendsten aus Italien importierten Massengut und bietet den schwäbischen „Weber-Verlegern“ reichen Verdienst. Unter den im 14. Jahrhundert nicht sehr zahlreich in Venedig belegten Augsburgern lässt sich nach dem Münchner Historiker Peter Geffcken im Jahr 1393 auch der Vertreter einer Weberfamilie identifizieren, für den Querverbindungen zu Hans Gfattermann – er ist der Schwiegervater von Hans Fugger – greifbar werden. Dies ist ein Indiz, dass bereits Hans Fugger seine Baumwolleinkäufe teilweise persönlich in Venedig abgewickelt haben könnte. Fehlende Sprachkenntnisse sind kein Problem, da sicher die Möglichkeit besteht, die Hilfe deutscher Kaufleuten in Anspruch zu nehmen, die der Landessprache mächtig sind. Während in der Folgezeit immer mehr schwäbische Kaufleute (wie ab 1416 zum Beispiel der reiche Weber Ulrich Arzt) in Italien präsent sind, gründen relativ wenige Italiener ein Unternehmen in Augsburg. Anders als im Handelszentrum Nürnberg fehlt dafür wohl der wirtschaftliche Anreiz. Denn die Augsburger Kaufleute haben den Handel zwischen Oberitalien und ihrer Stadt fest im Griff: Zumindest für die Zeit von 1550 bis 1650 ist dieser Zusammenhang dokumentiert.

Die Entwicklung des Bankenwesens Der Baumwollhandel mit Italien erfordert Kaufleute. Und Kaufleute benötigen für den Kauf ihrer Ware Liquidität und Kredit. Weil Augsburger Kaufherrnfamilien wie die Meuting

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Der Blick in ein Kaufmannsgewölbe zeigt Kisten, Säcke und Ballen. Derart verpackt wurden Waren in den Süden transportiert. in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts außerdem in den gewinnträchtigen Silber- und Kupferbergbau in Tirol einsteigen und Augsburger Firmen neben denen aus Nürnberg den Edel- und Buntmetallhandel in Süddeutschland, der Schweiz und Österreich beherrschen, beginnt in der Stadt am Lech die Thesaurierung großer Vermögen. Die Entwicklung des Banken- und Kreditwesens geht damit Hand in Hand. Das für Bankgeschäfte nötige kaufmännische Wissen importieren die schwäbischen Kaufleute aus dem Süden. Wie absurd es ist, wenn Jakob Fugger immer wieder schlagzeilenträchtig als „erster Kapitalist“ bezeichnet wird, zeigt bereits ein nur oberflächlicher Blick auf das Bankenwesen Oberitaliens. Dort steht – 200 Jahre vor der Geburt des Augsburger Unternehmers – die Wiege des frühen Kapitalismus. Südlich der Alpen kennt man den Zins seit Jahrhunderten, der bargeldlose Zahlungsverkehr ist längst üblich geworden. Die Handelsmetropole Florenz unterscheidet im 13. Jahrhundert drei Arten von Banken: „Lombarden“ sind Pfandleiher – Kreditgeber für kurzfristige Darlehen an kleine Leute – und handeln mit Wechseln. Die „banchi minuti“ betätigen sich als Geldwechsler und Edelmetallhändler, die ihre Geschäfte auf den Straßen und Plätzen abwickeln. Die „banchi grossi“ sind jene Großbanken, die im Fernhandel aktiv werden. Das

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Im Jahr 1202 führt der Mathematiker Leonardo Fibonacci aus Pisa die arabischen Zahlen in Europa ein – ein epochaler Beitrag zum Wachstum des Handelsverkehrs.

deutsche Wort „Bank“ entsteht aus jenen Bänken („banchi“), auf denen Händler und Geldwechsler in Venedig und Florenz, Mailand, Genua, Pisa, Siena oder auch in Rom sitzen, wenn sie unter freiem Himmel ihren Geschäften nachgehen.

Banken, Faktoreien und Nachrichtendienste Bereits bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts unterhalten die Florentiner Bankhäuser Peruzzi, Bardi und Acciaiuoli Niederlassungen in den bedeutendsten Städten Europas – ein Vorläufer des späteren Faktoreiensystems der Fugger. Als aber 1345 der englische König Eduard III. wegen des „Hundertjährigen Kriegs“ aufgenommene Kredite nicht mehr zurückzahlen kann, gehen die großen florentinischen Bankhäuser „banca rotta“ – bankrott. Ihr Untergang ebnet dem Aufstieg der Medici den Weg: Von 1348 an gedeiht das Bankhaus des Florentiners Vieri di Cambio de’ Medici. 1393 fällt allerdings auch seine Bank einem Konkurs zum Opfer. Doch ein Neffe Vieris, Giovanni di Bicci de’ Medici (er hat zuvor die Filiale des Bankhauses in Rom geleitet), geht nach dem Tod seines Onkels nach Florenz zurück und gründet die Banco Medici: Der jahrhundertelange Aufstieg der Medici beginnt. Die Medici, die schon vor 1400 Bankfilialen in den wichtigsten Städten Europas betreiben, nutzen nach dem Jahr 1400 „lettere private“ ihrer Faktoren zur Nachrichtenübermittlung. Sie können als frühe Vorbilder der „Fuggerzeitungen“, des legendären Nachrichtendienstes der Fuggerfirma, gesehen werden.

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Arabische Ziffern und doppelte Buchführung Der Mathematiker Leonardo da Pisa (um 1170 – um 1240) studiert in Algerien die Mathematik der Araber und Inder. Der Fibonacci genannte Sohn eines Zollbeamten und Notars aus Pisa vollendet 1202 sein „Liber Abaci“, das „Buch der Rechenkunst“. Fibonacci führt dadurch die arabische Zahlen in Italien ein. Sie erleichtern komplexere Rechenoperationen und das Rechnen mit großen Zahlen erheblich. Augsburger Stadtrechnungen belegen schon im 14. Jahrhundert die Verwendung arabischer Ziffern neben weiterhin dominierenden römischen Zahlen. Für das späte 15. Jahrhundert sind – so Peter Geffcken – arabische Zahlen auch in den Handelsrechnungen nachzuweisen. In Italien beharrt man bei den Hauptrechnungen noch lange auf „fälschungssicheren“ römischen Ziffern: Nur sie werden vor Gericht als Beweis akzeptiert. Belege für doppelte Buchführung finden sich in Italien seit dem frühen 14. Jahrhundert. Rechnungen der Medici-Gesellschaft im 15. Jahrhundert bezeugen eine voll entwickelte doppelte Buchführung. Jakob Fugger wird in Venedig die italienische Buchhaltung gelernt haben, die vor allem bei Wechselgeschäften Vorteile bot. Sie war aber nicht eins zu eins übertragbar, da italienische und oberdeutsche Firmen abweichende Strukturen aufweisen. Die Fugger übernehmen darum lediglich Elemente der Buchhaltung „a la veneziana“ (die Benedetto Cotrugli nach 1450 in Buchform vorstellt) wie die Gegenüberstellung von Soll und Haben im Schuldbuch.

Zahlen und Zeichen – Rüstzeug der Kaufleute Die Einführung der arabischen Ziffern durch Fibonacci dürfte in ihrer Wirkung der Einführung der EDV geglichen und erheblich zum Erstarken des Frühkapitalismus beigetragen haben. Doch auch der Norden steuert später zum Rüstzeug der Kaufleute dies- und jenseits der Alpen bei: Johann Widmans „Behende und huebsche Rechnung auf allen Kauffmannschafft“ ist 1489 das früheste Druckwerk, das die Operationszeichen „plus“ und „minus“ enthält. 1557 wird erstmals das Zeichen für „ist gleich“ in einem Buch des Engländers Robert Records abgedruckt.

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Die Fugger entdecken den Süden Wie die italienische Renaissance nach Deutschland kam In Rom und in Venedig beginnt die Geschichte der Fugger in Italien. In der Lagunenstadt erhält Jakob Fugger ab 1473 seine fundierte kaufmännische Ausbildung. Sein Bruder, der Geistliche Markus Fugger, macht ab 1471 in der Verwaltung der Kurie Karriere. Die Fugger finanzieren die päpstliche Schweizergarde, sie prägen für vier Päpste Münzen und stiften die Markuskapelle in Rom. Aus Italien bringt Jakob Fugger jene Eindrücke mit, die in Augsburg zum Bau der Fuggerkapelle – des ersten Renaissancebaus in Deutschland – und möglicherweise auch zur Stiftung der Fuggerei führen.

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Reicher Gewinn in Venedig und Rom Geschäfte im Fondaco dei Tedeschi und mit der Kurie Wie und wann genau die Fugger nach Italien kommen, ist bis heute nicht bekannt. Klar ist nur: Venedig und Rom sind zwei der für den Aufstieg der Familie im 15. Jahrhundert entscheidenden Stationen. Zwar entstehen auch in Mailand und (später) in Neapel Faktoreien der Fugger. Doch in Rom macht die Familienfirma Geschäfte mit den Päpsten, und im Haus der deutschen Kaufleute in der Handelsdrehscheibe Venedig sind die Fugger von 1473 bis 1646/47 vertreten.

Markus Fugger macht in Rom Karriere In Rom macht Markus Fugger (1448 – 1478), der vierte Sohn Jakob Fuggers des Alten (um 1398 – 1469), in der Verwaltung der Kurie Karriere. Seit November 1470 ist Markus, einer von sechs älteren Brüdern des 1459 geborenen Jakob Fugger, als Schreiber in einer päpstlichen Kanzlei für Bittgesuche nachweisbar. Der Geistliche positioniert die Familienfirma in Rom. 1472 wickeln die Fugger dort erste Bankgeschäfte ab. 1476 überweisen die Fugger über die Faktorei in Nürnberg päpstliche Gelder aus Schweden an die Kurie. Obwohl Markus Fugger 1478 in Rom stirbt, bleibt die Fuggerfirma weiter im Geschäft. 1488 übermittelt das Augsburger Unternehmen päpstliche Einkünfte aus Frankreich, Flandern, Schottland, Ungarn und Polen sowie aus niederdeutschen Bistümern.

Jakob Fuggers frühe Ausbildung in Venedig Einer der wichtigsten Schritte für die kommende Expansion der Fuggerfirma wird schon etliche Jahre zuvor getan. Unter dem ältesten Bruder Jakob Fuggers – Ulrich Fugger (1441 – 1510) – gründet das Familienunternehmen Faktoreien (Filialen) in Venedig und Nürnberg. Dass sie im Kauf- und Wohnhaus der deutschen Kaufleute, dem Fondaco dei Tedeschi, eine eigene Kammer erwerben können, zeigt die wachsende

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Der Fondaco war das Wohn- und Kaufhaus der deutschen Kaufleute in Venedig. Hier bekamen sie Kammern zugewiesen. Bedeutung der Fugger in Venedig. Seit wann sie dauerhaft in der Lagunenstadt vertreten sind, ist nicht belegt. Jedenfalls waren etliche Jahre vor dem Aufenthalt Georg Fuggers (1453 – 1506) und Jakob Fuggers die beiden nach Ulrich ältesten Brüder Andreas (geboren 1443, das Todesjahr ist unbekannt) und Hans (1445 – 1461) jung in Venedig gestorben. Es ist damals in den Familien der Nürnberger, Regensburger, Ravensburger und Ulmer Kaufherrn völlig üblich, die Söhne

Der große Venezianer Giovanni Bellini porträtierte 1474 den Augsburger Bürgersohn Georg Fugger. Nach dem Porträt entstand später dieser kolorierte Stich. Dadurch ist einerseits der Aufenthalt Georg Fuggers in Venedig belegt, andererseits ist das Gemälde Bellinis zugleich die früheste realitätsgetreue Abbildung eines Augsburgers.

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Ein Nürnberger Kaufmann und die Fugger bezahlten das „Rosenkranzfest“, das Albrecht Dürer für die Kirche der deutschen Kaufleute in Venedig malte. zur Ausbildung in die Lagunenstadt zu schicken. Spätestens ab 1473 lernt deshalb auch der damals gerade 14-jährige Jakob Fugger am Fondaco dei Tedeschi Handels-, Geld- und Metallgeschäfte kennen. Erst 2009 publizierte der Münchner Historiker Peter Geffcken ein Dokument, das belegt, dass sich der junge Jakob Fugger früh für den Kaufmannsberuf und eine mehrjährige fundierte Ausbildung in Venedig entschieden hat. Im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien entdeckte Geffcken das Schreiben von 1473, in dem neben dem Augsburger Kaufherrn Hieronymus Welser „Jacobo Fuger“ erwähnt wird. Bis zu diesem Fund war man allgemein davon ausgegangen, dass die Familie den jüngsten Sohn Jakob zunächst für eine geistliche Laufbahn bestimmt hätte. Man hatte angenommen, dass Jakob erst nach dem Tod seiner Brüder Peter Fugger (1450 – 1473) in Nürnberg und Markus (1478 in Rom) in die Familienfirma geholt worden sei. Heute vermutet man, dass Jakob Fugger bis zu seiner Rückkehr nach Augsburg (1487) überwiegend in Venedig gelebt hat. Dass sich Jakob Fuggers sechs Jahre älterer Bruder Georg in diesen Jahren ebenfalls in der Lagunenstadt aufhält, ist durch ein Gemälde des venezianischen Meisters Giovanni Bellini bezeugt. Bellini porträtiert in Venedig den jungen

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Deutschen Firmen war es untersagt, ihr Wappen an der Fassade des Fondaco dei Tedeschi anzubringen. Nur an die Fugger erinnern Lilien unter zwei Fenstern. Kaufherrn Georg Fugger. Mit dem Porträt entsteht 1474 die erste naturgetreue Darstellung eines Augsburger Bürgers.

Die „Paradieskammern“ und das „Rosenkranzfest“ 1505 brennt das Haus der deutschen Kaufleute nieder. Der Fondaco dei Tedeschi wird mit der Unterstützung der Fugger wieder aufgebaut und mit Fresken von Tizian und Giorgione verziert. Die Fugger erhalten jetzt sogar zwei Kammern mit Fenstern zum Canal Grande: Wegen ihrer einst prachtvollen Ausstattung werden sie die „Paradieskammern der Fugger“ genannt. Unter zwei Fenstern im ersten Obergeschoss sind bis heute die runden, durchbrochenen Steinmetzarbeiten zu erkennen, die stilisierte Fuggerlilien (eine der beiden steht auf dem Kopf) darstellen. Kein anderes Unternehmen durfte sein Wappen an der Fassade des Fondaco anbringen. Die Fugger fördern wohl auch den Aufenthalt Albrecht Dürers in Venedig (1505/06). Nicht zuletzt im Auftrag der Fugger malt Dürer für die Gruft der Nazio Alemanna in San Bartolomeo, der Kirche der deutschen Kaufleute in Venedig, sein berühmtes „Rosenkranzfest“ („Festa del Rosario“). Dass sich Angehörige der Familie Fugger zu Füßen der Madonna befinden, wurde behauptet, konnte aber nie bewiesen werden.

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Die Mailänder Faktorei der Fugger gab die Kredite, die zur Gründung der päpstlichen Schweizergarde in Rom führten.

Die Faktorei in Mailand und die Schweizergarde Im Jahr 1473 wird Ulrich, Markus, Peter, Georg und Jakob Fugger von Kaiser Friedrich III. jenes Lilienwappen verliehen, nach dem sich dieser Zweig der Familie zukünftig Fugger „von der Lilie“ nennt. Der (scheinbar) schon früher erfolgreiche Familienzweig der Fugger „vom Reh“ hatte bereits 1462 sein Wappen mit dem springenden Reh erhalten und wahrscheinlich schon vor den Verwandten „von der Lilie“ seine Geschäfte nach Venedig und Mailand ausgeweitet. Eine Faktorei der Fugger „von der Lilie“ ist in Mailand seit 1483 belegt. 1494 wickeln die Fugger dort zum Beispiel den finanziellen Teil der Heirat von König Maximilian I. mit seiner zweiten Frau Bianca Maria Sforza, der Nichte des Mailänder Condottiere Lodovico „il Moro“ Sforza, ab. 1505 wird die Mailänder Faktorei den Kredit geben, mit dem Papst Julius II. (1503 – 1513) die Tradition der Schweizergarde begründet. Am 26. Januar 1506 marschieren 150 Schweizer in Rom ein. Als sie 1527 beim „Sacco di Roma“ die Flucht des Papstes auf die Engelsburg decken, werden zwei Drittel der Gardisten getötet. Heute zählen die blau-gelb gekleideten Schweizer zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten des Vatikans. Als man 2006 in Rom das 500-jährige Bestehen der Garde feiert, werden auch Vertreter des Hauses Fugger eingeladen.

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Die römische Bank der Fugger Die Fuggerfaktorei in Rom nimmt vermutlich in den 1490er Jahren in einem längst abgerissenen Haus an der „Via dei Banchi Vecchi“ – im Bankenviertel Roms – ihren Betrieb auf. Dieser Bau liegt bei der Banco di Santo Spirito – der Zecca, der römischen Münzstätte. In den 1520er Jahren erhält das nahe, gleichfalls nicht mehr existierende Fuggerhaus aufsehenerregende Fresken des Raffaelschülers Perino del Vaga. Geldgeschäfte und Zinsnahme sind im Rom der Renaissance schon längst gängige Praxis, wohingegen man nördlich der Alpen Zins noch als Wucher und Verstoß gegen das offiziell noch lang bestehende kirchliche Zinsverbot versteht. Die

Die Fugger „vom Reh“ in Italien 1455 hatten Andreas Fugger und Jakob Fugger d. Ä., die Stammväter der Fugger‘schen Linien „vom Reh“ und „von der Lilie“, erstmals getrennt besteuert. Der Familienzweig „vom Reh“ (benannt nach ihrem wohl 1462 verliehenen Wappen) nimmt nach außen hin zunächst den weit glanzvolleren Aufstieg. Unter der Leitung Lukas Fuggers d. Ä. betreibt man – so später das Fugger‘sche „Ehrenbuch“ – „ainen gewaltigen handel … von Venedig aus“. Im Fondaco dei Tedeschi sind die Fugger „vom Reh“ durch einen der Brüder von Lukas – Matthäus I. Fugger – vertreten. Schon 1472 sind Matthäus und Lukas Fugger in Mailand nachzuweisen. 1477 überweisen die Fugger „vom Reh“ Gelder nach Venedig, 1484 nach Rom. Wegen unvorsichtiger Kredite an Erzherzog Maximilian I. werden die Fugger „vom Reh“ um 1490 mehr und mehr zahlungsunfähig: Markus Fugger, ein Sohn von Lukas, flüchtet vor seinen Schulden aus Venedig. Unter der Zusicherung freien Geleits verhandeln Lukas und sein Sohn 1494, 1497 und 1498 mit den Gläubigern. Doch weil die Fugger ihr Darlehen an den Habsburger nicht eintreiben können, geht dieser Zweig der Familie um 1504 endgültig bankrott. Matthäus I. Fugger stirbt (vermutlich 1492), als er mit seinem Maultier in den Comer See stürzt.

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An den 1511 in Rom verstorbenen Kurialen Markus Fugger d. J. erinnert die Lilie im Gitter des Sakramentshäuschens der Augsburger Kirche St. Peter am Perlach.

Mitglieder der Kurie übergehen dieses Verbot seit Jahrhunderten: Der Zins wird durch „Geldgeschenke“ oder überteuerte Verkäufe von Wertgegenständen bemäntelt. Zu den Anfängen der Geschäfte der Fugger mit der Kurie fehlen wohl die Belege. Jedenfalls eröffnet eine Zahlung des Würzburger Bischofs im Jahr 1495 die lange Reihe von Überweisungen, mit denen höhere und niedere kirchliche Würdenträger in Deutschland nun ihre Abgaben über das Augsburger Bankhaus an die päpstliche Kammer bezahlen. Bereits 1497/98 werden in größerem Umfang Gelder aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Italien, Polen und selbst aus dem schwedischen Lund über die Fugger nach Rom transferiert. Seit 1501 nutzt auch Papst Alexander VI. (1492 – 1503) die Dienste der römischen Fuggerbank. Am Ende des Pontifikats des verrufenen Borgia-Papstes wickeln die Fugger die meisten Zahlungen aus Deutschland, Polen, Ungarn und Skandinavien – sogar aus Island – nach Rom ab. Die Fuggerbank ist bloß eine unter vielen: Um 1500 sind etliche Banken aus Siena, Genua und Florenz für die Kurie tätig. Während des Pontifikats von Leo X. (1513 – 1521) sind 30 Florentiner Bankhäuser im Vatikan vertreten. Die Fugger kommen als einziges nicht-italienisches Bankhaus ernsthaft mit der Kurie ins Geschäft. „Deutsche Kirchenfürsten, deren Zahlungen nicht durch die Hände der Fugger gingen, sind sehr selten“, schreibt der Bonner Historiker Aloys Schulte 400 Jahre später im 1904 erschienenen Werk „Die Fugger

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Die Engelsburg, ursprünglich als Mausoleum des römischen Kaisers Hadrian erbaut, diente den Päpsten als Fluchtburg. in Rom 1495 – 1523“, das die Verbindungen der Fugger mit dem kirchlichen Finanzwesen jener Zeit akribisch analysiert. Sie „übernahmen von ihren Vorgängern alle die Manieren und Praktiken, die an der Kurie üblich waren…“ Auch der Historiker Max Jansen urteilt 1904 lakonisch: „ … für das Emporsteigen der Fugger bedeutet nicht gerade Rom eine der wichtigsten Etappen.“ Und: „ … monopolartig tritt ihre Stellung nicht hervor. Auch ist die Mitwirkung der Fugger bei der Mehrzahl der Geschäfte eine rein mechanische.“ Die übermittelten Gelder hängen großteils mit dem gewissenlosen Ämterkauf („Simonie“), Pfründen- und Ablasshandel zusammen. Damit haben italienische Bankiers kein Problem. Im Heimatland der Fugger denkt man ganz anders darüber. Der Humanist Ulrich von Hutten äußert voller Zorn: „Jetzt hat schier keiner eine gute Pfründe in Deutschland, er habe denn in Rom gedient oder aber habe sie mit Spenden erworben oder um Geld durch die Fugger erkauft.“ Dass kritikwürdige Umstände übertrieben dargestellt werden, gehört zum rhetorischen Rüstzeug der Reformatoren und Humanisten. Luther lässt in seiner Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation“ kein gutes Haar an den römischen Bankgeschäften der Fugger: „Zuletzt hat der Papst zu all diesen edlen Händeln ein eigenes Kaufhaus aufgerichtet …

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Da nun der unermessliche Geiz noch nicht genug hat an all diesen Schätzen, daran billig drei mächtige Könige sich begnügten, hebt der Papst nun an, solche seine Händel zu versetzen und dem Fugger von Augsburg zu verkaufen …“ Hutten ist der wohl scharfzüngigste Kritiker der römischen Verbindungen der Fugger: „Die Fugger verdienen, die Fürsten der Kurtisanen zu heißen … sie haben dort ihren Markttisch aufgeschlagen und kaufen vom Papste, was sie später höher verkaufen; nicht allein Benefizien, auch dauernde Gnaden; man findet bei ihnen Bullen, und Dispense gehen durch ihre Bank; und es ist auf keine Weise leichter, das Priestertum zu erreichen, als wenn du die Fugger zu Freunden hast.“ Zur Geltung der Fugger weiß Hutten: „Sie sind die einzigen, durch die man in Rom alles erreichen kann.“ Und weiter: „Die Kurie würde manchmal keine Geschäfte machen, wenn nicht die Fugger wären …“ Das war so sicher nicht richtig, hatten doch die Fugger erst kurz zuvor die Bankiers Ricasoli aus Florenz aus den Bankgeschäften der Kurie mit Deutschland verdrängt. Auch in Rom legen zahlreiche hohe Geistliche ihr Geld bei der vertrauenswürdigen Bank der Fugger an. Die bekannteste

Zwei Stiftungen und zwei Ablässe Die guten Beziehungen der Firma zur Kurie in Rom sind auch bei den Augsburger Stiftungen der Fugger hilfreich. Im Dezember 1509 bestätigt Papst Julius II. den Stiftungsvertrag der Fugger mit den Karmelitern, aufgrund dessen die Fuggerkapelle in der Klosterkirche St. Anna entsteht. Und Papst Leo X. stellt im Januar 1517 jene Bulle aus, die Jakob Fugger und seinen Erben das Patronatsrecht auf eine Predigerstelle bei der Pfarrkirche St. Moritz nahe den Fuggerhäusern einräumt. Derselbe Papst unterzeichnet die Bulle, mit der ein – nur wenig ertragreicher – Ablass für die Dominikanerklosterkirche St. Magdalena (heute Römisches Museum Augsburg) gewährt wird. Sogar die Freie Reichsstadt Nürnberg nimmt 1490 die Hilfe Georg Fuggers in Anspruch, um einen Ablass für den Bau des bis heute bestehenden Heilig-Geist-Spitals zu erreichen.

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Unter Papst Julius II. wurde ab 1506 nach einem Plan von Bramante der Neubau des Petersdoms in Rom begonnen. dieser Einlagen ist die des Gesandten König Maximilians I. in Rom – des Kardinals und Bischofs von Brixen, Melchior von Meckau. Als er 1509 stirbt, gilt Meckau als „richissimo“, also äußerst reich. Er ist zu dieser Zeit der Hauptgeldgeber der Augsburger Fuggerfirma, bei der er rund 150 000 Gulden gegen Zins angelegt hat. „… und als er tot gewesen, hatte man bei ihm kein Geld gefunden, denn allein ein Zettelin eines Finger lang, das in seinem Ärmel gesteckt war“, beschreibt Martin Luther jenen Todesfall, der die Fugger „von der Lilie“ beinahe in den Ruin treibt. Nur die Hilfestellung Maximilians I., der sich 1508 mit Unterstützung der Fugger im Dom in Trient als gewählter Kaiser ausrufen lässt, bewahrt die Firma vor dem Erbschaftsanspruch des Papstes und einer von der geforderten schnellen Auszahlung des Erbes verursachten Illiquidität – sprich: dem Bankrott.

Die Fugger und das römische Ablasswesen Im Oktober 1500 gewährt Papst Alexander VI. einen Ablass, der Gelder für einen Feldzug gegen die Türken einbringen soll. König Maximilian I. stimmt diesem Ablass im April 1501 nur unter der Bedingung zu, dass die eingehenden Gelder bei den Fuggern und Welsern deponiert werden. Die Fuggerfirma übernimmt deshalb die banktechnische Abwicklung des Ablasswesens in weiten Teilen Deutschlands. Ein Groß-

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teil der Ablassgelder landet in den Händen des Habsburgers Maximilian I., der überhaupt nicht daran denkt, einen Krieg gegen die Türken zu führen. „Maximilian war immer nach Ablassgeld lüstern“, urteilt der Historiker Schulte. Am 18. April 1506 erfolgt in Rom die Grundsteinlegung für die von Bramante anstelle der alten konstantinischen Basilika geplante Peterskirche. Papst Julius II. schreibt 1507 einen Ablass aus, der ausschließlich diesem monumentalen Neubau zugutekommen soll. „Unfraglich“, glaubt Historiker Aloys Schulte anno 1904, habe der Ablass für St. Peter bei Papst Julius II. das Ziel gehabt, die finanziellen Mittel für den zentralen Dom der Christenheit zusammenzubringen. Sogar der „Peterspfennig“ aus Schweden, Norwegen und Island wird über die Fuggerbank nach Rom überwiesen. Auch in Ungarn und Polen wickeln die Fugger den Ablass zugunsten der Peterskirche ab. Weil aber diese Länder von den Türken bedroht werden, fließt hier nur ein Drittel in den Bau von St. Peter. Die restlichen zwei Drittel erhalten die Könige von Polen und Ungarn für den Türkenkrieg. Für die Fugger ist die Abwicklung des Ablassgeschäfts wirtschaftlich eher unbedeutend. Aloys Schulte beurteilt die Annahme, dass ein Fugger‘scher Faktor den berüchtigten Ablassprediger Tetzel begleitet habe, als abwegig – „dafür warf der Ablass zu wenig Gewinn ab“. Den Fuggern sind vielmehr die politischen Kontakte und der Zugang zu Informationen wichtig. Fugger‘sche Postsendungen sind häufig die ersten, die Nachrichten aus Rom nach Venedig bringen. Anders als den Welsern, mit denen die Kurie beim Ablasshandel ebenfalls zusammenarbeitet, bringen Bankgeschäfte um den Ablass der Firma der Fugger die schärfste Kritik der protestantisch gesinnten Kreise ein. Doch „Bauten durch Ablässe zu fördern, war alte Gewohnheit, an der sich damals niemand stieß, so wenig heute die meisten an den Lotterien für kirchliche, wohltätige oder künstlerische Zwecke Anstoß nehmen“, urteilt Aloys Schulte. Die Mehrzahl der gotischen Kirchenbauten und Spitäler sei wohl mithilfe von Ablässen

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Münzprägungen der Fuggerfaktorei für die Päpste in Rom: Von 1508 bis 1524 hatten die Fugger die „zecca“ gepachtet. finanziert worden. Ablässe wurden sogar zur Erneuerung und zum Schutz von Deichen an der Nordsee ausgeschrieben. Erst der unablässige Ge- und damit Missbrauch des Ablasses durch die Renaissancepäpste Julius II. und Leo X. und Landesherrn wie Maximilian I. habe ihn in Misskredit gebracht.

Die römische Faktorei prägt Münzen der Päpste 1503 prägt die Fuggerfaktorei erstmals eine Gedenkmünze zu Ehren von Papst Julius II. 1508 pachten die Fugger die „zecca“, die Münzstätte in Rom. Bis 1524 sind insgesamt 66 Münzprägungen der Fugger bekannt. Sie tragen jeweils die Handelsmarke der Fugger, den Dreizack mit dem Ring. Unter den vier Päpsten dieser Ära sind auch zwei Cousins aus dem Hause Medici: Papst Leo X. verhängt den Bann gegen den deutschen Reformator Martin Luther, einen der heftigsten Kritiker der Fuggerfirma. Und Papst Clemens VII. (1524 – 1534) kündigt 1524 vorzeitig den Pachtvertrag der Firma für die römische Münze, obwohl die Fugger fest zum alten Glauben und zum romtreuen Haus Habsburg stehen. Dabei hatte erst 1522 der Vorgänger dieses Medici-Papstes – der „deutsche“ Papst Hadrian VI. (1522/23) – ein 15-jähriges Münzmonopol für die Städte Rom, Bologna und Macerata an den Fugger‘schen Faktor Engelhard Schauer vergeben.

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„Sacco di Roma“ und das Ende der Faktorei 1527 erobern und plündern mehr als 20 000 deutsche und spanische Landsknechte die „Ewige Stadt“. Während des grauenvollen „Sacco di Roma“ lässt man Tafelgeschirr und sogar Kreuze, Reliquienschmuck und die Apostelstatuen der päpstlichen Kapelle für Soldzahlungen einschmelzen. Der Papst wird mehrere Wochen lang in der Petersburg belagert. Über die Faktorei der Fugger überweisen deutsche Söldnerführer, Landsknechte und auch Frauen aus dem Tross 24 000 Gulden in ihre Heimat. Wie eine Insel in einem brennenden Meer ist die Faktorei der Fugger zwischen dem Morden und Brennen ein geschützter Ort. Selbst die Welser lassen kostbare Edelsteine bei ihren Konkurrenten in Sicherheit bringen. Die Fuggerfaktorei übersteht den wochenlangen „Sacco di Roma“, der das Ende der italienischen Renaissance markiert, wohl unbeschadet. Die Niederlassung der Fugger stellt jedoch ihre Geschäfte offiziell vermutlich schon vor 1530 ein. Inoffiziell sind die Fugger aber noch in den 1530er Jahren durch vertrauenswürdige Beauftragte in Rom vertreten. Aus einer Stiftung Markus Fuggers d. Ä. entstand die Markuskapelle in der Nationalkirche der deutschen Gemeinde in Rom, Santa Maria dell‘Anima.

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Noch immer ist unter dem Gewölbe der heute „Capella del Crocefisso“ genannten Fuggerkapelle in Santa Maria dell‘Anima das Lilienwappen der Fugger zu erkennen.

Die Markuskapelle der Fugger in Rom In der römischen Kirche Santa Maria dell‘Anima wurde 1478 der Kuriale Markus Fugger beigesetzt. Er vermachte der Nationalkirche der Deutschen eine Stiftung, die Jakob Fugger auszahlt. Zum Neubau der Kirche von 1500 bis 1514 steuern die Fugger ebenfalls bei. In der Markuskapelle wird 1511 Markus Fugger d. J. bestattet. Der 1488 geborene Neffe des älteren Markus und älteste Sohn Georg Fuggers hat wie der gleichnamige Onkel in einer Kanzlei der Kurie gearbeitet. Er stirbt allerdings schon im Alter von nur 23 Jahren. Die dritte Kapelle im rechten Seitenschiff der Santa Maria dell‘Anima wird zur Grabkapelle dieser beiden in Rom verstorbenen Fugger. Um 1516 ist der Bau der Markuskapelle abgeschlossen. Um das Jahr 1522 malt der Raffaelschüler Giulio Romano für die Kapelle jenes Altarbild, das seit 1750

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Auf einem der Fresken der Markuskapelle („Mariens Tempelgang“) soll Anton Fugger am rechten Bildrand dargestellt sein. den Hochaltar schmückt. Das auf Holz gemalte Bild zeigt unter anderem die beiden Apostel Markus und Jakobus d. Ä., die Namenspatrone Markus Fuggers und seines Neffen beziehungsweise Jakob Fuggers. Um 1549 wird die Kapelle mit Fresken des römischen Malers Girolamo Siciolante da Sermoneta ausgestattet. Eines dieser Fresken soll Anton Fugger (1493 – 1560) zeigen, der sich von 1517 bis 1522 (und nochmals 1524) in Rom aufhält und wohl die Ausstattung der Markuskapelle beauftragt. Die Kapelle heißt heute nach dem großen schwarzen Holzkreuz im Altar „Capella del Crocefisso“. Ein steinernes Fuggerwappen im Scheitel des Kapellengewölbes bezeugt jedoch die Stifter. Auch in Augsburg erinnert eine Stiftung an den in Rom verstorbenen jüngeren Markus Fugger. In dessen Namen stiftet seine Mutter Regine – auch im Namen ihres 1506

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Um 1522 schuf der Raffaelschüler Giulio Romano ein Altarbild für die Markuskapelle, das allerdings schon lange den Hochaltar der römischen Kirche ziert. verstorbenen Ehemanns Georg – ein Sakramentshäuschen für die Bürgerkirche St. Peter am Perlach, das man noch heute im Chor der Kirche sieht. Das Gitter zeigt eine Fuggerlilie. Wahrscheinlich wird damals auch das gotische „Fuggerkreuz“ der Kirche gestiftet. Heute ist St. Peter am Perlach die Kirche der italienischen Gemeinde in Augsburg.

Jakob Fugger errichtet die Fuggerkapelle Ulrich und Jakob Fugger stiften 1509 die Fuggerkapelle, den Westchor der Augsburger Karmeliterklosterkirche St. Anna. Den Stiftungsvertrag mit dem Prior des Karmeliterklosters unterschreiben die Fugger am 7. April. Die bis 1512 errichtete, 1518 geweihte und in den folgenden Jahren weiter ausgestattete Grablege der Gebrüder Ulrich, Georg und Jakob Fugger ist der erste deutsche Bau im Stil der italienischen Renaissance. „Auf welsche Art, der Zeit gar neu erfunden“ urteilt Chronist Clemens Sender über die kostbar geschmückte Fuggerkapelle. Vorbilder der Grablege sind in Venedig, Rom und Florenz zu suchen. Der Planer der Fuggerkapelle dürfte die dortigen Bauten gekannt haben, wollte sie jedoch wohl

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Ulrich und Jakob Fugger stifteten die Fuggerkapelle in der Augsburger Annakirche. Sie war der erste deutsche Bau im Stil der italienischen Renaissance. nicht nur kopieren: Das Gewölbe der Grabkapelle knüpft an die oberdeutsche Gotik an. Dass Dürer der Architekt dieser Kapelle war, ist nach neuesten Forschungen zweifelhaft. Zwei der Epitaphe in der Kapelle hat er jedoch sicher entworfen. Dass die Fuggerkapelle in der Annakirche massiv von Italien beeinflusst worden ist, ist für Kunsthistoriker wie Bruno Bushart, abseits aller Diskussionen um die architektonischen Vorbilder und Meisterthesen, keine Frage. Die Grablege der Gebrüder Fugger wird als ein typisch venezianisches Raumgebilde mit Maßverhältnissen betrachtet, wie sie auch bei vergleichbaren Bauten in der Lagunenstadt üblich waren. Für den zentralen Fronleichnamsaltar werden venezianische

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Hans Daucher d. Ä. schuf die Fronleichnamsgruppe des Altars und die „welschen Kindlein“ der Marmorbrüstung. Einflüsse ebenso wie das Vorbild ähnlicher Altäre in Padua angenommen. Die Fugger selbst könnten diese Altäre, aber auch die von Kunsthistorikern vorgeschlagenen architektonischen Vorläufer ihrer Kapelle in Venedig, Rom oder auch Florenz durchaus kennengelernt haben. Außer von Dürer weiß man von wenigstens zwei der wohl beteiligten Meister, dass sie Italienreisen unternommen haben, bevor sie an der Fuggerkapelle arbeiten – Hans Burgkmair d. Ä. und Hans Daucher d. Ä. Im Ersteren sieht man den Schöpfer der beiden Epitaphe Jakob Fuggers, der Zweite schuf wahrscheinlich die Fronleichnamsgruppe. Hans Daucher gilt zudem als Urheber von fünf der sechs „welschen Kindlein“ auf der Brüstung vor der Kapelle. Die Vorbilder für die steinernen Putti stammen ebenso aus dem Süden wie die als Chorschranke eingeführte Marmorbalustrade. In Bezug auf Komposition und Farbigkeit der Flügelbilder Jörg Breus d. Ä. für die große und die kleine Orgel der Kapelle gaben Werke der Florentiner Filippino Lippi und Botticelli sowie Raffaels in Rom stilistische Anregungen. Obwohl die Fronleichnamsgruppe Hans Dauchers 1581 in die St.-Markus-Kirche in der Fuggerei übertragen worden war, betonen spätere Besucher der Kapelle ihren hohen künstlerischen Rang. Gian Lodovico Bianconi spricht 1762 davon, dass aus der vollständig aus Marmor gehauenen Familien-

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Gemälde und Fresken großer italienischer Meister haben die Gestaltung der Orgelflügel der Fuggerkapelle beeinflusst. grabstätte der Fugger „das goldene Jahrhundert der Augsburger Mediceer“ abgelesen werden könne. Damals sind die 16 Büsten des 1817 zerstörten, 1832 dann endgültig abgebrochenen Chorgestühls noch vorhanden: Sie stellen acht männliche und weibliche antikisierende Figuren dar. Eine zeigt Jakob Fugger in der Pose eines römischen Feldherrn im Brustharnisch, mit einem Schwertknauf in der Hand.

Erster Profanbau der Renaissance – der Damenhof Ab 1512 entstehen die Fuggerhäuser am Augsburger Weinmarkt. Ihr Äußeres entspricht der lokalen Bautradition, doch Erdgeschosshallen und Innenhöfe werden im italienischen Stil gestaltet. 1515 lässt Jakob Fugger den Damenhof errichten. Dieser Innenhof ist der früheste Profanbau der Renaissance in Deutschland. Die Architektur des Damenhofs lehnt sich unverkennbar an die der Innenhöfe italienischer Stadtpaläste an. Zu seinen Vorbildern zählt vermutlich nicht zuletzt der Innenhof des Palazzo Medici-Riccardi in Florenz, den Architekt Michelozzo ab 1444 für Cosimo Medici den Alten baut: Damals entsteht der erste Profanbau der Frührenaissance. Den Glanz der Fuggerhäuser in der Renaissancezeit lässt der Damenhof erahnen. Arkadengänge mit toskanischen Säulen aus Rotmarmor, dazwischen Terrakottabögen mit den für

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1515 ließ Jakob Fugger in den Fuggerhäusern den Damenhof, den ersten Profanbau der deutschen Renaissance, erbauen. Florenz typischen runden Schmuckscheiben und dekorativen Malereien an drei Seiten sowie die Säulenbalustraden aus Terrakotta auf der Altane über dem Obergeschoss vermitteln mitten in Augsburg Ansichten, die man wohl eher von einem italienischen Renaissancepalazzo erwarten würde. Der 1444 erbaute Innenhof des Palazzo Medici-Riccardi in Florenz könnte für den Damenhof ein Vorbild gewesen sein.

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Venezianische Sozialsiedlungen könnten die Architektur und das Stiftungsmodell der ab 1516 von Jakob Fugger errichteten Fuggerei beeinflusst haben.

Die Fuggerei und ein Konto für Gott 1521 stiftet Jakob Fugger die Fuggerei. Architektonische wie ideelle Vorbilder für die Sozialsiedlung könnte er durchaus selbst in Venedig und Padua kennengelernt haben. Die Kunsthistorikerin Marion Tietz-Strödel hat 1982 – noch in Unkenntnis des jahrelangen Aufenthalts Jakob Fuggers in Venedig – auf die für die Lagunenstadt typische schlichte Reihenhausbebauung als Vorbild für die Anlage der Fuggerei verwiesen. Die Giebel dreier derartiger Häuser sind beispielsweise auf Gentile Bellinis Gemälde „Kreuzwunder am Ponto di San Lorenzo“ zu erkennen. Die Wohnform (gestifteter) Gemeinschaftsunterbringungen um geschlossene Höfe mit verschließbaren Toren hat sich in Venedig seit dem 15. Jahrhundert entwickelt. In diesen Anlagen ist das Stifterwappen am Tor ebenso üblich wie ein Gemeinschaftsbrunnen – nur zwei von etlichen Parallelen zur Augsburger Fuggerei. In Venedig entstanden derartige Stiftungsanlagen zum Beispiel im Stadtviertel Castello nahe dem Arsenale, dem Hafenzentrum. Dort wurden schon 1347 drei zweistöckige Reihenhäuser mit je 55 Wohnungen für alte Matrosen errichtet. Dieser Anlage wird 1661 eine Kapelle zugestiftet – wie dies schon 80 Jahre zuvor auch mit der Kirche St. Markus in der

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Strenge Reihenhausarchitektur wie in der Fuggerei war bei venezianischen Sozialsiedlungen nicht zuletzt wegen der Raumnot in der Lagunenstadt üblich. Fuggerei geschehen ist. Dass italienische Sozialstiftungen und ihre Architektur tatsächlich als Vorbilder der Fuggerei dienten, kann allerdings nur angenommen werden. Sicher ist, dass oberitalienische Kaufleute bereits im späten Mittelalter religiöse und wohltätige Stiftungen aus einem Konto „di Messer Iddio“ finanzieren. Florentiner Bankiers wie die Bardi und Peruzzi sichern sich im moralischen Zwiespalt zwischen dem offiziellen kirchlichen Zinsverbot und ihrem tagtäglichen Geschäftsgebaren göttliche Nachsicht. Außerdem wird in der Vorstellungswelt dieser Bankiers Gott oder auch ein Heiliger zum an der Firma beteiligten Gesellschafter und als Kontoinhaber sogar zum Gläubiger, dem das Wohlergehen „seines“ Unternehmens nicht gleichgültig sein kann. Die deutschen Kaufherrn folgen dem Beispiel der Italiener. Die Welser, die größten Augsburger Konkurrenten der Fugger, richten ein Konto „All Heiligen“ ein. Die Höchstetter führen das Konto „Unseres Herrn Hauptgut“. Die Fugger finanzieren ihre Stiftungen aus einem Konto „St. Ulrich“. Juristisch ist das Stiftungskonto so eingerichtet, dass es den Augsburger Bischof, Heiligen und Stadtpatron Ulrich zum stillen Teilhaber der Fuggerfirma werden lässt.

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Der Mann mit der venezianischen Goldhaube: So porträtierte Albrecht Dürer Jakob Fugger „den Reichen“ um 1518.

Die Fugger und die Thurn und Taxis König Maximilian I. holt anno 1490 Francesco de Tassis aus Cornello bei Bergamo nach Deutschland, dessen Familie sich auf die Mailänder Torriani als Vorfahren beruft. Der Italiener soll die Postlinie von Innsbruck nach Brüssel organisieren. In der Mitte liegt Augsburg, wo Jakob und Ulrich Fugger 1492 und 1495 Kredite für den Aufbau des Postwesens geben und die kostspielige Tassis-Post nutzen, die ab 1505 Privatleuten offen steht. Spätere Fugger bleiben den Thurn und Taxis und der Post eng verbunden. Ab 1579 sind Markus (1529 – 1597) und Hans Fugger (1531 – 1598) kaiserliche Postkommissare, 1597 wirken sie bei der Gründung der Kaiserlichen Reichspost mit. Dass in Augsburg das erste bedeutende deutsche Postamt entsteht, ist nicht zuletzt das Verdienst der Fugger.

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Im Stil der frühen Renaissance entstand um 1515 das um 1950 auf Schloss Babenhausen wiederentdeckte Reliefporträt Jakob Fuggers. Das Bildnis aus Solnhofner Stein ist heute im Fuggermuseum Babenhausen zu sehen.

Jakob Fugger und die venezianische Goldhaube Nach einem Holzschnitt, für den eine Zeichnung Hans Burgkmairs d. Ä. als Vorbild dient, entsteht in Augsburg um 1515 ein Profilporträt Jakob Fuggers mit der Inschrift „IAKOBVS. FVGGER.CIVIS.AUGUSTE“. Es lehnt sich an antikisierende Imperatorenmedaillen im Stil der Frührenaissance an. Das bis heute prominenteste Porträt Jakob Fuggers schafft Albrecht Dürer um 1518. Dürer malt den Kaufherrn mit seiner venezianischen Goldhaube. Mit dieser Kappe – schlussfolgert Historiker Wolfgang Behringer – signalisierte Jakob Fugger, dass er in den Dimensionen der Weltstadt Venedig und nicht in denen des vergleichsweise provinzielleren Augsburg dachte.

Wichtige Geschäfte mit italienischen Partnern Italienische Kaufherrn sind des Öfteren Konkurrenten der Fugger. Bei zwei epochemachenden Unternehmungen sind italienische Handelshäuser und Bankiers allerdings Geschäftspartner: Als die Fugger 1505/06 zusammen mit mehreren deutschen Firmen eine Seehandelsfahrt von Lissabon nach Indien finanzieren, sind auch genuesische Unternehmen an der erfolgreichen Expedition beteiligt. 1519 stellen die Fugger 544 000 Gulden und die Welser 143 000 Gulden zur Verfügung, um so die Wahl des spanischen Königs Karl I. zum deutschen König und späteren Kaiser Karl V. abzusichern. Jeweils 55 000 Gulden steuern die italienischen Bankiers Filippo Gualterotti, Benedetto de Fornari und Lorenzo de Vivaldis für die Wahlgelder bei.

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| 46 | Fugger – Italien: Die deutschen Medici


Die Fugger, die deutschen Medici Vom deutschen Florenz bis zum Teufelspalast in Trient Bei Studienaufenthalten in Venedig, Bologna und Rom und bei Reisen in die Kunstmetropole Florenz lernen die Fugger die innovative bildende Kunst, aber auch Musik und Literatur Italiens kennen. Die Augsburger Familie holt nach 1560 mehrere Künstler aus dem Süden nach Deutschland. Meister wie Friedrich Sustris, Carlo Pallago oder die Giambolognaschüler Hubert Gerhard und Adriaen de Vries tragen dazu bei, dass man Augsburg ein „deutsches Florenz“ nennt und den Kunstsinn der Fugger auf eine Stufe mit dem der Medici stellt. Auch mit dem Fuggerschloss Kirchheim entsteht ein bedeutendes Zentrum deutscher Renaissancekunst. Nicht zuletzt hinterlassen die Fugger auch in Italien Spuren.

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Die Generationen nach Jakob Fugger Die Fugger holen Künstler aus Italien nach Schwaben Zu Lebzeiten Jakob Fuggers ist die schwäbische Familienfirma in Rom, Venedig und Mailand vertreten. In der Generation nach ihm – die Firma leitet nun sein Neffe und Nachfolger Anton Fugger – rücken auch andere Städte Italiens ins Blickfeld. Insbesondere die Kunstmetropole Florenz wird für die Fugger zu einem weiteren bedeutungsvollen Bezugspunkt. Da bereits Anton Fugger und noch viel stärker seine Nachfolger und Nachkommen mehr und mehr den Lebensstil des Adels übernehmen, werden die Kunstförderung und das Mäzenatentum in der Art großer italienischer Familien – und damit Musik, Literatur, Bildhauerei, Malerei, Architektur und Antiken – für die Fugger nach 1560 immer wichtiger.

Anton Fugger in Venedig, Rom und Neapel Anton Fugger (1493 – 1560) wird 1506/07 gemeinsam mit seinem Vetter Ulrich (1490 – 1525) nach Venedig geschickt, um im Fondaco dei Tedeschi zu lernen. Zwischen 1517 und 1522 hält sich Anton in Rom auf. Dorthin hat ihn Jakob Fugger nicht zuletzt wegen der Auseinandersetzungen um die 1517 von ihm errichtete Prädikaturstiftung für die Augsburger Stiftskirche St. Moritz beordert. Ein Schreiben Antons an seinen Onkel Jakob von 1519 ist erhalten. Es trägt die Handelsmarke der Fugger, den Dreizack mit dem Ring. Ein junger Fugger wird in Rom hofiert: Zwei Kardinäle – einer ist Giulio de‘ Medici – sorgen dafür, dass Anton in den Kreis der St.-Peters-Ritter aufgenommen wird. Damit erhält er eine Rente aus den päpstlichen Alaunbetrieben in Tolfa (Latium). Und als man in Rom erfährt, dass sein Onkel Jakob Fugger 1519 maßgeblich die Wahl Karls V. zum König des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation finanziert hat, erhebt Papst Leo X. den Neffen des Großbankiers umgehend zum päpstlichen Ritter, Hof- und Pfalzgrafen.

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Aus Rom sandte Anton Fugger 1519 einen Brief an seinen Onkel Jakob in Augsburg. Das Schreiben zeigt die Handelsmarke der Fugger, den Dreizack mit Ring.

Anton Fugger hat sich in Rom auch um die Geschäfte der von Faktor Johannes Zink geleiteten Filiale zu kümmern. Eines der Probleme dieser Jahre ist der kurzzeitige Verlust der Pacht der „zecca“. Anton kümmert sich überdies um die Heiligsprechung Bischof Bennos von Meißen, um die Ausschmückung der Fuggerfaktorei durch Perino del Vaga und um die Ausstattung der Fugger’schen Markuskapelle in der Santa Maria dell‘ Anima, der Nationalkirche der Deutschen. Ehe er 1526 in Augsburg die Leitung der Fuggerfirma übernimmt, lernt Anton Fugger auch Neapel kennen. Im November 1524 hält er sich noch einmal kurz in Rom auf.

Die Fugger in Neapel und Süditalien Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gehört das mit Sizilien vereinte Königreich Neapel zum habsburgischen Spanien. Seit 1524 – also noch unter der Ägide Jakob Fuggers – zahlt der Habsburger Ferdinand I. Schulden bei den Fuggern mit Einnahmen aus diesem Königreich ab. Anton Fugger richtet deshalb 1527 eine Faktorei in Neapel ein. Neapel ist eine rasch wachsende Stadt, die bis zum Jahr 1550 mit 210 000 Einwohnern sogar Venedig weit überflügeln und die nach Paris bevölkerungsreichste Metropole Europas werden wird. Über diese geschäftlichen Beziehungen hinaus sind die Verbindungen der Fugger zu Neapel bis heute kaum erforscht.

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Um 1550 schuf ein Maler aus dem Kreis um Tizian dieses Altersbildnis Anton Fuggers. Eine um 1600 entstandene Kopie des Gemäldes blieb erhalten (Privatbesitz).

Die Wissenschaft hat sich mit der südlichsten Faktorei der Fugger bislang noch nicht tiefergehend auseinandergesetzt.

Tizian in den Augsburger Fuggerhäusern Ausführlich ist dagegen ein Aufenthalt des italienischen Malerfürsten Tizian in Augsburg dokumentiert. 1547/48 hält Kaiser Karl V. nach dem Ende des Schmalkaldischen Kriegs in Augsburg den „geharnischten Reichstag“ ab. Der Kaiser residiert in den Fuggerhäusern, wo er sich vom Venezianer Tizian als siegreicher Feldherr zu Pferd nach der Schlacht bei Mühlberg (heute im Prado Madrid) und auf einem Lehnstuhl sitzend mit einem Ganzfigurenporträt (in der Münchner Pinakothek) malen lässt. Eine geschnitzte Zirbelnuss – Augsburgs Wahrzeichen – krönt die Rückenlehne des Stuhls. Man geht deshalb davon aus, dass der Stuhl zum Mobiliar der kaiserlichen Wohnräume gehört, die man in den Fuggerhäusern eingerichtet hat. Hinter dem Kaiser ist eine Wand zu sehen, die vermutlich mit einer jener Ledertapeten bezogen ist, die sich die Fugger aus Venedig kommen lassen. Das sogenannte „kaiserliche Palatium“ war 1531 speziell für die Aufenthalte des Kaisers während der Reichstage errichtet worden. Im Jahr 1547 erhält eine der dortigen Kammern einen Marmorkamin. Solche Kamine besitzen auch die beim Damenhof gelegenen Räume: 1517 bezeichnet sie Kaplan

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Ein Gemälde in den Fuggerhäusern stellt Karl V. mit Tizian und Anton Fugger dar. Antonio de Beatis in Aufzeichnungen zu seiner Reise mit Kardinal Luigi d‘ Aragona als „appartimenti all‘ italiana“. Der 60-jährige Tizian ist aus Venedig angereist und hält sich von Januar bis September 1548 in Augsburg auf. 1550 ist Tizian noch einmal in Augsburg, um Philipp II., den Sohn Karls V., zu porträtieren. Einen Fugger malt Tizian nicht: Dies hätte man wohl als Affront gegenüber dem Habsburgerkaiser empfunden. Erhalten bleibt die alte Kopie eines Porträts des Gastgebers in den Fuggerhäusern, Anton Fuggers. Das (verlorene) Original wird dem Umkreis Tizians zugeschrieben. 1548 wird – wohl in Augsburg – das Gemälde Tizians kopiert, das Karl V. mit Kommandostab zeigt. Eine anonyme Kopie aus dem 19. Jahrhundert hat sich in Privatbesitz erhalten.

Anton Fugger gibt den Medici in Florenz Kredit Anton Fugger gibt in diesen Jahren sogar den Medici in Florenz Kredit und unterstützt sie 1552/53 gegen Frankreich und gegen den rivalisierenden Stadtstaat Siena. Von 1548 bis 1554 sind die Fugger die Hauptgläubiger der Medici. Alessandro I. de‘ Medici war seit 1532 Herzog von Florenz. Cosimo I. ist seit 1537 sein Nachfolger. Er wird von Papst Pius V. 1569 zum Großherzog der Toskana erhoben. Zahlreiche Mahnschreiben der Fugger an Cosimo I. sind erhalten, erst 1566 wird dem Herzog neuerlich ein Kredit gewährt.

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Nach 1590 wird sich Großherzog Ferdinand I. noch einmal eine große Summe bei den Fuggern leihen. Wenig weiß man bislang über jene Herrschaften in Süditalien, die von den Fuggern 1549 aus dem Besitz der Medici erworben werden. In der Toskana versucht Anton Fugger, sich im Bergbau zu etablieren. Dieses Vorhaben misslingt allerdings. Die Fugger werden später nicht nur einmal die „deutschen Medici“ genannt werden. Dass so der Kunstsinn der Fugger betont wird, ist für die Familie überaus ehrenvoll. Es ist das Geld der Medici, das 1419 die Wiederherstellung der Basilica di San Lorenzo und den Bau ihrer Kuppel durch Brunelleschi ermöglicht. Die Förderung von Kunsttitanen wie Leonardo da Vinci und Michelangelo, Donatello und Botticelli, Filippo Lippi und Giambologna macht die Medici „unsterblich“. Aus Florenz stammt auch der Antwerpener Kaufmann Lodovico Guicciardini. Kurz nach dem Tod des 67-jährigen Anton Fugger im Jahr 1560 nennt ihn Guicciardini ehrfurchtsvoll „Principe veramente degl‘ altri mercatanti“ – einen „wahren Fürsten unter den anderen Kaufleuten“. Dieser Beiname ist Anton Fugger bis heute geblieben.

Hans Fugger lernt die Hofkunst der Medici kennen Angehörige des Hauses Fugger, wie seit dem Jahr 1560 auch zwei Großneffen Antons Fuggers, die Brüder Philipp Eduard Fugger (1546 – 1619) und Octavian Secundus Fugger (1549 – 1600), studieren in Padua, Bologna oder Rom. Markus Fugger (1529 – 1597), einer der Söhne Antons, hat ebenfalls in Padua studiert. 1557 führt ihn eine Reise nach Venedig. Sein Bruder Hans Fugger (1531 – 1598) hält sich im Dezember 1565 zehn Tage lang in Florenz auf. Anlass der Reise ist ein gebrochenes Heiratsversprechen eines weiteren Bruders – Hieronymus Fuggers (1533 – 1573). Er hat einer Patriziertochter aus Bologna die Ehe versprochen. Davon will er nun nichts mehr wissen. Die Affäre schadet dem Ansehen aller Fugger: Papst Pius V. droht Hieronymus und seinen Brüdern sogar mit dem Kirchenbann. Hans Fugger bittet deshalb Cosimo de’ Medici um Vermittlung. Darum ist er in diesen Tagen auch Gast bei den Festen um die Hochzeit Francesco

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Zwischen 1569 und 1573 entstanden in den Fuggerhäusern die „Badstuben“, zwei Sammlungsräume Hans Fuggers. de‘ Medicis mit Johanna von Österreich. Der Aufenthalt führt nicht nur dazu, dass Markus und Hans Fugger den Medici 1566 noch einmal 73 000 Gulden Kredit gewähren, sondern macht Hans Fugger überdies mit der Hofkunst in Florenz bekannt. Während der Hochzeitsfeierlichkeiten werden dort Skulpturen von Vorfahren der Habsburger und der Medici aufgestellt, Hans Fugger lernt auch die Innenausstattung des Palazzo Vecchio und anderer Florentiner Stadtpaläste kennen. Es wird angenommen, dass die Reise nach Florenz und die Hofkunst der Medici Hans Fugger und über ihn auch seinen Bruder Markus stark beeinflusst haben.

Die „Badstuben“ in den Fuggerhäusern Ab 1566 beginnt der Umbau der Fuggerhäuser, die Markus und Hans Fugger von ihrem Vater Anton geerbt haben. Ab 1569 entstehen die sogenannten „Badstuben“, zwei Sammlungsräume Hans Fuggers. Die Künstler für dieses Vorhaben holt sich der Fugger aus Florenz. Die Gesamtplanung der „Badstuben“ übernimmt der Florentiner Friedrich Sustris. Der um 1540 in Italien geborene Maler und Architekt ist der Sohn von Lambert Sustris. Der Maler Lambert Sustris – um das Jahr 1515 in Amsterdam zur Welt gekommen – war nach Italien gezogen, wo er in die Werkstatt Tizians aufgenommen wurde. Zur Künstlergruppe, die mit Friedrich Sustris

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zusammenarbeitet, gehören der 1540 geborene Florentiner Bildhauer und Stuckateur Carlo di Cesari Pallago (Carlo Pallago) sowie die Maler Alessandro Scalzi (genannt Paduano) und Antonio Ponzano. Mit dem Kleinen und dem Großen Sammlungsraum entsteht bis 1573 eines der frühesten Meisterwerke des Florentiner Manierismus, der „maniera moderna“, in Deutschland. Die Raumkonzeption, die Motive, die Malerei und die Stuckarbeiten werden auch für die Hofkunst der Wittelsbacherherzöge in München zum Vorbild.

Der Giambolognaschüler Hubert Gerhard Der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts führende Bildhauer Italiens ist der aus den Niederlanden eingewanderte Giambologna (Giovanni da Bologna). Giambolognas ebenfalls aus den Niederlanden stammenden Schüler Hubert Gerhard holen die Fugger 1581 nach Augsburg. Gerhard wird mit Reliefs und Figuren für einen Gedächtnisaltar Christoph Fuggers (1520 – 1579) in der Dominikanerkirche St. Magdalena beauftragt. Der Altar geht verloren, doch die bis 1584 entstandenen Schöpfungen Gerhards sind zum Teil erhalten. Ein Auferstehungsrelief, Engel und Propheten befinden sich heute im Besitz des Victoria and Albert Museums in London.

Italienische Kunst für Politik und Diplomatie Mit Hubert Gerhard ist der letzte der aus Italien stammenden Künstlergruppe genannt, die in den kommenden Jahren von Hans und Markus Fugger auch mit umfangreichen Arbeiten auf Schloss Kirchheim und in St. Ulrich und Afra in Augsburg beauftragt wird. Kunst und Künstler aus Italien sind für die Fugger (wie es schon die Fuggerkapelle in St. Anna für Jakob Fugger war) eine willkommene Möglichkeit, sich von den Patriziern der Reichsstadt Augsburg abzusetzen. Nicht zuletzt unter dem Einfluss des Jesuiten Petrus Canisius setzen die Fugger die innovative Gestaltung sakraler Kunst zudem als Instrument der Gegenreformation ein. Schließlich und endlich sind die von den Fuggern südlich der Alpen „entdeckten“ Künstler aber auch ein Mittel der Diplomatie. Die Fugger vermitteln „ihre“ Künstler an den Hof der kunstsinnigen Herzöge in München. Darum sind Friedrich Sustris,

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Von 1582 bis 1585 schufen Hubert Gerhard und Carlo Pallago die Figuren auf der Marmorschranke vor der Grabkapelle Markus Fuggers in St. Ulrich und Afra. Hubert Gerhard und Carlo Pallago später am Bau und an der Ausstattung der Münchner Kirche St. Michael beteiligt. Die Fugger bieten also mit ihren Aufträgen den zu diesem Zeitpunkt noch preisgünstiger arbeitenden Künstlern aus Italien nördlich der Alpen erstmals ein „Schaufenster“, mit dem diese sich am Münchner Hof „bewerben“. Die Familie fördert damit etliche jener Künstler, die für die süddeutsche Kunst des 16. Jahrhunderts große Bedeutung erlangen. In „ihren“ Künstlern sehen die Fugger allerdings lediglich „gut bezahlte Handwerker mit besonderen Fähigkeiten“, urteilt die Kunsthistorikerin Sylvia Wölfle, während Meister dieses Rangs in Italien eine weit höhere Wertschätzung erfahren.

Fugger‘sche Grabkapellen in St. Ulrich und Afra In Augsburg schaffen Gerhard und Pallago von 1582 bis 1585 für die Andreaskapelle – die Grabkapelle Markus Fuggers in St. Ulrich und Afra – die Figurengruppe des Christus und der zwölf Apostel. Die Kunsthistorikerin Sylvia Wölfle hat belegt, dass Werke von Michelangelo und Jacopo Sansovino, Baccio Bandinelli und Giambologna die Vorbilder für die Terrakottafiguren auf der gemeinsamen Schranke vor der Andreaskapelle und der angrenzenden Simpertkapelle sind. Als Vorbilder für die Kombination einer Marmorschranke mit einer

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Der Florentiner Friedrich Sustris entwarf den dreigeschossigen Altar der Andreaskapelle in St. Ulrich und Afra. Figurengruppe sieht Wölfle die Lettner von San Marco und von Santa Maria dei Frari in Venedig – beides sind Werke, die auch die Fugger gekannt haben sollten. Erhalten bleibt ein Entwurf des Florentiners Friedrich Sustris für den dreigeschossigen Altar der Andreaskapelle. Ob Sustris die Altargemälde schafft oder ob sie von den an den „Badstuben“ Hans Fuggers beteiligten Malern Alessandro Paduano und Antonio Ponzano stammen, lässt sich nicht mehr feststellen. Fünf Grabkapellen lassen die Fugger in St. Ulrich und Afra ausschmücken. An der Ausstattung aller Fuggerkapellen sind Künstler beteiligt, deren Ausbildung in Italien erfolgte. 1629 wird ein Marienbild in die Georgskapelle übertragen, das 1587 von Christoph Schwarz begonnen, 1594 jedoch von

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Werke Michelangelos und Sansovinos, Bandinellis und Giambolognas waren Vorbilder der Terrakottafiguren von Gerhard und Pallago auf der Schranke vor Markus Fuggers Grablege in St. Ulrich und Afra.

Peter Candid vollendet wird. Octavian Secundus Fugger hat den Münchner Hofmaler beauftragt. Er malt um 1583 auch das Altarblatt in der von Octavian Secundus Fugger damals erworbenen Benediktuskapelle. Der um 1548 in Brügge geborene Peter Candid (eigentlich de Witte) lebt ab 1568 bei seinem Vater, einem Bronzegießer, in Florenz. Candid ist ein Schüler von Giorgio Vasari und arbeitet ab 1575 für Großherzog Ferdinand I. de’ Medici, später im Vatikan sowie am Das Altarblatt der Benediktuskapelle, der Grablege Octavian Secundus Fuggers, schuf der in Florenz und Rom ausgebildete Münchner Hofmaler Peter Candid.

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Hans von Aachen lernte in Venedig, Rom und Florenz, ehe er die Marienkrönung der Fugger‘schen Bartholomäuskapelle malte. Dom in Florenz. Im Jahr 1586 holt ihn der Wittelsbacherherzog Wilhelm V. an seinen Hof in München. Die Bartholomäuskapelle lässt Philipp Eduard Fugger ab 1596 ausstatten. Das dortige Altarblatt mit dem Motiv der Marienkrönung schafft der Münchner Hofmaler Hans von Aachen um 1598. Der 1552 in Köln geborene von Aachen geht 1574 nach Venedig, wo er Werke Tizians, Tintorettos und Veroneses kopiert. Wenig später arbeitet er in Rom: Dort malt er ein (verlorenes) Altarblatt für die Jesuitenkirche Il Gesù. In Florenz studiert Hans von Aachen die Kunst Giambolognas und arbeitet 1585 am Hof Francesco I. de’ Medicis. Um 1588 lässt sich von Aachen in München nieder und malt nun für Herzog Wilhelm V. sowie den Jesuitenorden. Alessandro Paduano schafft übrigens zwei weitere Altargemälde. Eines beauftragt Octavian Secundus Fugger 1583/84 für die Kirche St. Salvator des im Jahr 1579 von den Fuggern gestifteten Jesuitenkollegs in Augsburg, das andere sein Bruder Philipp Eduard Fugger um 1590 für die Landsberger Jesuitenkirche Heilig Kreuz. Das Letztere gehört heute dem Neuen Stadtmuseum Landsberg. Zwei (erhaltene) Gemälde des Florentiners entstehen außerdem um 1580 für St. Petrus und Paulus, die Kirche des Fuggerschlosses in Kirchheim.

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Der Zedernsaal von Schloss Kirchheim ist einer der bedeutendsten profanen R채ume der deutschen Renaissance.

Sustris, Gerhard und Pallago auf Schloss Kirchheim Zwischen 1578 und 1585 l채sst Hans Fugger vom Augsburger Stadtwerkmeister Jakob Eschay ein Schloss in Kirchheim erbauen. Mit der Ausstattung des von Weitem heute schmuckDer Giambolognasch체ler Hubert Gerhard schuf die Terrakottafigur des Herkules, der das Hauptportal des Fuggerschlosses in Kirchheim bewacht.

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Hubert Gerhard und Carlo Pallago schufen die Gruppe der zwölf überlebensgroßen Terrakottafiguren im Zedernsaal. los wirkenden, mächtigen Schlosskomplexes beauftragt der Bauherr jene Künstler, die sich bereits in Augsburg bewährt haben. Ab 1581 entsteht der Zedernsaal: Der große Festsaal des Schlosses wird einer der größten und künstlerisch hochrangigsten profanen Räume der deutschen Renaissance. Auch wenn es dafür keinen Beleg gibt, wird Friedrich Sustris die Konzeption der Ausgestaltung zugeschrieben. Für den Zedernsaal und das Portal an der Ostfassade von Schloss Kirchheim schaffen ab 1581 Carlo Pallago und seit 1582 auch Hubert Gerhard insgesamt drei Figurengruppen. Wohl durch seinen Aufenthalt in Florenz im Jahr 1565 angeregt, lässt Hans Fugger die beiden Künstler bis 1585 zwölf überlebensgroße Terrakottafiguren ausführen. Für die Ostwand

Petrarcas „Trionfi“ und der Zedernsaal 1578 wird die deutsche Übersetzung der „Trionfi“ des italienischen Dichters Francesco Petrarca (1303 –1374) den Brüdern Hans, Markus und Jakob Fugger gewidmet. Petrarca gilt als einer der Begründer des Humanismus. Seine Werke prägen die Lyrik im 15. und 16. Jahrhundert und beeinflussen angeblich die Gestaltung der Figurengruppe im Zedernsaal des Fuggerschlosses Kirchheim.

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Mars, Venus und Vulkanus stellt Hubert Gerhards Figurengruppe am Kamin des Zedernsaals von Schloss Kirchheim dar. des Zedernsaals entstehen – vielleicht mangels eigener als darstellungswürdig empfundener Vorfahren – die Figuren von sechs bedeutenden Herrschern. Die Westwand zieren Statuen von sechs bedeutenden Frauen der Geschichte. 1587 wird ein dreistöckiger Marmorkamin im Zedernsaal aufgestellt, für den Hubert Gerhard Terrakottafiguren der antiken Gottheiten Mars und Venus modelliert. Über den Liegenden sitzt der betrogene Mann der Liebesgöttin, der Schmiedegott Vulkanus. Darüber tragen zwei Putti eine Blumenkette. Für das Hauptportal an der Ostfassade gestaltet Gerhard um 1585 die in Muschelnischen aufgestellten Terrakottafiguren, die den Halbgott Herkules und den Kriegsgott Mars zeigen. Hubert Gerhard schafft auch eine dritte Figur – Minerva, die römische Göttin der Weisheit. Sie wird jedoch Ende der 1930er Jahre zerstört und durch eine damals entstandene Kopie der „Patrona Bavariae“ ersetzt. Briefwechsel Hans Fuggers mit Venedig wegen des Ankaufs von Gemälden für das Schloss in Kirchheim sind bekannt. Im Zedernsaal ist ein von ihm erworbener vierteiliger Gemäldezyklus Paolo Fiammingos mit allegorischen Darstellungen menschlicher Tätigkeiten erhalten. Paolo Fiammingo hieß ursprünglich Pawel Francks, war von Antwerpen nach Italien

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Zu den auf Schloss Kirchheim erhaltenen Gemälden italienischer Meister gehören auch die Marktszenen Vincenzo Campis. ausgewandert und arbeitete dort als Schüler Tintorettos. In Venedig leitet Fiammingo eine große Werkstatt, bei der Hans Fugger zwischen 1580 und 1592 fünf Gemäldezyklen bestellt. Drei dieser Zyklen sind noch auf Schloss Kirchheim erhalten. Acht von einst zehn Planetenbildern sind heute im Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Neben weiteren Gemälden und Skulpturen italienischer Meister für Schloss Kirchheim sind insbesondere die Marktszenen des aus Cremona stammenden Vincenzo Campi bekannt, die Hans Fugger gleichfalls über Venedig erwirbt. Ein fünfteiliger Gemäldezyklus Campis zeigt den Verkauf von Obst und Gemüse, Fischen, Geflügel und Wild.

Der Mars-Venus-Amor-Brunnen Für das Hochgrab des Bauherrn von Schoss Kirchheim, Hans Fugger, gestaltet Hubert Gerhard ab 1584 das Wachsmodell. Das Gesicht des von Alexander Colin ausgeführten Grabmals, das den liegenden Schlossherrn darstellt, vollendet Gerhard im Jahr 1587 jedoch selbst. 1584 beginnt Hubert Gerhard außerdem mit seiner Arbeit an dem von Hans Fugger beauftragten Mars-Venus-AmorBrunnen für den Schlossgarten von Kirchheim. Gerhard hatte

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Von 1584 bis 1594 entstand Hubert Gerhards Mars-Venus-Amor-Brunnen für Hans Fuggers Schloss in Kirchheim. um 1550 die Werke Michelangelos in Rom studiert und stand anschließend ab 1561 in den Diensten der Medici in Florenz. Sein Lehrer Giambologna hatte schon 1566 in Bologna den Neptunbrunnen – einen der ersten Monumentalbrunnen im Stil des Manierismus – aufgestellt. Einen vergleichbaren Brunnen mit einem – allerdings steinernen – Neptun hatte Bartolomeo Ammanati zwischen 1560 und 1575 in Florenz geschaffen. Die Neptunfigur Giambolognas wurde in Bronze gegossen – eine neue Technik, an der sich Hubert Gerhard nun in Kirchheim versucht. Zehn Jahre dauern die Arbeiten an Gerhards Mars-Venus-Amor-Brunnen, von etlichen miss-

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Von Hans Fugger vermutlich an die Freie Reichsstadt Augsburg vermittelt, gestaltete Hubert Gerhard ab 1588 den 1594 vollendeten Augustusbrunnen. lungenen Gussversuchen wird berichtet. Erst 1594 wird der Brunnen – einer der ersten Monumentalbrunnen im Stil der italienischen Renaissance nördlich der Alpen – aufgestellt. Die Marmorskulptur des Theseus und der Helena – um 1560 von Vincenzo de‘ Rossi für die Boboli-Gärten in Florenz geschaffen – liefert unverkennbar das Vorbild für Gerhards Brunnen. Das erotisch aufgeladene Motiv der Hauptgruppe seines Brunnens hätte Hans Fugger in Augsburg vermutlich kaum aufstellen lassen können, ohne damit einen Skandal zu riskieren. Parallel zum Mars-Venus-Amor-Brunnen für Hans Fugger gestaltet Gerhard von 1584 bis 1587 in München einen Monumentalbrunnen für Herzog Ferdinand, den zweiten Sohn von Herzog Albrecht V. Die zentrale Reiterstatue geht verloren, doch die Figuren auf dem Brunnenrand, die Flussgötter und die personifizierten Elemente, gehören bis heute zum Wittelsbacherbrunnen an der Münchner Residenz. Man geht davon aus, dass Hans Fugger Hubert Gerhard auch an die Reichsstadt Augsburg vermittelt hat, wo der Künstler den von 1588 bis 1594 geschaffenen Augustusbrunnen gestaltet. Kaiser Augustus, die auf dem Brunnenrand sitzenden

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Darstellungen von Lech, Wertach, Singold und Brunnenlech, die weiblichen Hermen und die mit Delfinen spielenden Putti sind erkennbar feiner modelliert als die noch vergleichsweise plump wirkende Hauptgruppe des Kirchheimer Brunnens. Der Augustusbrunnen stößt die Aufstellung zweier weiterer Monumentalbrunnen an. Von 1596 bis 1599 beziehungsweise 1596 bis 1602 entstehen der Merkur- und der Herkulesbrunnen: Die Figuren modelliert der Giambolognaschüler Adriaen de Vries. An beiden Brunnen ist ein Fugger beteiligt: Den Namen Octavian Secundus Fuggers, von 1594 bis 1600 Stadtpfleger, liest man in Inschriften an den Brunnenpfeilern. Der Mars-Venus-Amor-Brunnen von Kirchheim wird jedoch bereits 1650 zum Kauf angeboten. Im sittenstrengeren Klima der Gegenreformation wird der Brunnen jetzt wohl als anstößig empfunden. Beschädigte Figuren werden schließlich 1800 zum Metallwert veräußert, die Hauptgruppe 1822 an den Augsburger Baron von Schaezler verkauft. 1860 wandert diese Gruppe ins Bayerische Nationalmuseum in München. Giambolognaschüler Adriaen de Vries schuf den Merkurbrunnen. Am Brunnenpfeiler tragen zwei Inschriften den Namen Octavian Secundus Fuggers.

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Ab 1573 ließ Markus Fugger die „Marienburg“ in Niederalfingen bauen. Ideen des Architekturtheoretikers Sebastiano Serlio haben die Planungen wohl beeinflusst.

Markus Fuggers Schloss in Niederalfingen 1541 beginnen die Arbeiten an Anton Fuggers Schloss in Babenhausen. Dessen ursprüngliche Bauweise im Stil der Renaissance lässt nach seiner neugotischen Umgestaltung nur noch ein 1543 erbauter offener Arkadengang am westlichen Quertrakt am Schlosshof erkennen: Er wird erst 1992 wiederentdeckt und freigelegt. Schon 1533 errichtet Anton Fugger in Oberndorf am Lech eine mächtige Vierflügelanlage im Stil der Renaissance. Sie wird von Peter Apian als „arx elegantissima“ – als höchst elegantes Schloss – bezeichnet. Seit seiner Zerstörung durch die Schweden sind nur noch die Reste des Schlosses erhalten. Im Vergleich mit diesen Schlössern, aber auch mit dem von Anton Fugger ab 1537 in Donauwörth errichteten Stadtpalast, seinem ab 1550 ausgebauten Schloss in Glött und dem ab 1578 von Hans Fugger erbauten Schloss in Kirchheim, fällt die seit 1573 entstandene Burganlage in Niederalfingen (Gemeinde Hüttlingen im baden-württembergischen Ostalbkreis) als – so Ulrich Schütte – „Extremfall historisierender Architektur“ auf. Das „Marienburg“ genannte Schloss in Niederalfingen ist der einzige größere Bau, den Anton Fuggers Sohn Markus errichten lässt. Zwischen 1573 und 1577 entsteht ein durchgängig

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Vermutlich entschied sich Markus Fugger für das Rustikamauerwerk des Schlosses, weil er Serlios Architekturtraktate kannte. mit Buckelquaderfassaden ausgeführter Komplex: Er ist deshalb so ungewöhnlich, weil in Süddeutschland rustiziertes Mauerwerk allenfalls bei Verteidigungsanlagen üblich ist. Man glaubt, dass die Burg dadurch mittelalterlich wirken und so die im Vergleich mit älteren Adelshäusern sehr kurze Familiengeschichte der Fugger kompensieren sollte. Sicher ist, dass das „ornamento rustico“ des wehrhaft wirkenden Schlosses ebenso den Empfehlungen des 1475 in Bologna geborenen Architekturtheoretikers Sebastiano Serlio entspricht wie die seinerzeit moderne toskanische Portalgestaltung. Vom Bauherrn des Schlosses ist – darauf verweist die Kunsthistorikerin Sylvia Wölfle – bekannt, dass „Marx Fugger mindestens die ersten fünf Architekturbücher Serlios besaß“.

Antiken und Bücher: die Sammlungen der Fugger Antiken, aber auch Bücher zu italienischer Literatur, Musik und Architektur werden von den Fuggern für ihre weithin gerühmten Sammlungen und Bibliotheken insbesondere in Rom und Venedig planmäßig angekauft. Den Anstoß für die Sammelleidenschaft der Familie gibt der Augsburger Konrad Peutinger (1465 – 1547), der bereits Jakob Fugger in juristi-

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schen Fragen vertritt. Peutinger hat in Padua und Bologna sechs Jahre römisches Recht und Kirchenrecht studiert. Dabei kommt er mit dem Humanismus in Berührung. Als er 1515 sein Haus beim Dom errichtet, werden dort neben jüdischen auch römische Inschriftensteine und ein römisches Grabmal eingelassen. Als Wissenschaftler und Sammler gibt Peutinger dem Humanismus in Augsburg und der Beschäftigung mit der Antike wegweisende Impulse. An ihm, der auch Münzen und Schriften sammelt, orientieren sich Anton Fugger, dessen Bruder Raymund (1489 – 1535) sowie deren Söhne und Enkel. Das „Ehrenbuch“ der Familie nennt den Sammler und Mäzen Raymund Fugger einen „besonderen Liebhaber der Antiquitäten“. Seine Sammlung geben die Erben 1566 an Albrecht V. von Bayern ab. Für die Antiken Raymund Fuggers lässt der Herzog ab 1568 das Antiquarium der Münchner Residenz errichten. Nach einer Idee des Architekten Jacopo Strada aus Mantua erstellt Baumeister Simon Zwitzel aus Augsburg bis 1570/71 den Rohbau für den größten Saal der Residenz. An der Ausgestaltung des Antiquariums sind zwei von den Fuggern vermittelte italienische Künstler – Friedrich Sustris und Antonio Ponzano – beteiligt. An den Längswänden des Saals stellt man in Nischen und auf Sockeln antike Büsten und Skulpturen sowie Nachbildungen der Renaissance auf. Raymund Fuggers ältester Sohn – Hans Jakob (1516 – 1575) – entdeckt 1533/34 in Italien sein Interesse für die Antike. Vor allem über Venedig kauft er später Antiken, Münzen sowie 12 000 Handschriften und Bücher, die der schließlich hoch verschuldete Fugger 1571 an Herzog Albrecht V. abgeben muss. Hans Jakob Fuggers Sammlung wird zur Basis der Bayerischen Staatsbibliothek. Historiker Wolfgang Kuhoff schreibt mit Blick auf Raymund und Hans Jakob Fugger: „Der Grundstock der heutigen Bestände des bayerischen Staates an Renaissancedrucken und antiken Kunstwerken geht also auf einstigen Fuggerschen Besitz zurück.“ Ulrich Fugger (1526 – 1584), der jüngere Bruder Hans Jakob Fuggers, studiert in Bourges und in Bologna. Ulrich kauft über den Vertreter der Fugger in Venedig Handschriften aus

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Für Raymund Fuggers Antikensammlung ließ Herzog Albrecht V. das Antiquarium der Münchner Residenz errichten. der Bibliothek von Giovanni Battista Cipelli, die Werke von Cicero, Horaz und Martial enthält. Lateinische, griechische und hebräische Handschriften erwirbt er aus der Sammlung Gianozzo Manettis in Florenz. 1567 geht der protestantische, hoch verschuldete Fugger nach Heidelberg, wo der vierte Sohn Raymund Fuggers seine Bibliothek an den pfälzischen Kurfürsten Friedrich III. abtritt. Sie wird Teil der Heidelberger Hofbibliothek („Bibliotheca Palatina“). Im Dreißigjährigen Krieg wird sie von Bayerns Kurfürst Maximilian I. geraubt und 1623 dem Vatikan geschenkt: Bis heute gehören Bücher aus vormals Fugger‘schem Besitz zur päpstlichen Bibliothek. Markus – der älteste Sohn Anton Fuggers – erwirbt Bücher mit Werken der Römer Tacitus, Cicero, Sueton, Plautus, Iustinus und Valerius Maximus. Zu seiner Bibliothek zählen auch Architekturtraktate Sebastiano Serlios aus Bologna. Sein Bruder Hans – der zweitälteste Sohn Anton Fuggers – sammelt Kaiserbüsten, die er in Rom und Venedig erwirbt und in den „Badstuben“ in den Fuggerhäusern aufstellt. Neben Antiken kauft er zudem antikisierende Kunstwerke. Belegt ist auch Hans Fuggers Faible für venezianisches Glas. Octavian Secundus Fugger – ein Neffe von Markus und Hans Fugger – sammelt zwar Antiken, nachantike Kunstwerke und Kleinkunst mit antiken Themen, die er auch in

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Rom und in Venedig kauft. Seine Sammlung sei jedoch eher ein manieristisches Kuriositätenkabinett als eine ernst zu nehmende Angelegenheit gewesen, urteilt Wolfgang Kuhoff. Doch auch wenn sich kein Fugger wissenschaftlich mit der Antike befasst habe, sei Augsburg im 16. Jahrhundert durch sie das Zentrum deutscher Antikenbegeisterung geworden.

Die Fugger fördern die italienische Musik Eine der richtungsweisenden Schriften der Renaissance ist das 1528 in Venedig gedruckte „Il Libro del Cortegiano“ („Das Buch vom Hofmann“) des 1478 in Mantua geborenen Baldassare Castiglione – es gibt der Musik im Bildungsprogramm des Adeligen der Renaissance eine zentrale Stellung. Anton Fugger bestimmt testamentarisch, dass sich seine beiden jüngsten Söhne Hieronymus (1533 – 1573) und Jakob (1542 – 1598) in Italien neben Sprachstudien und „ehrlichem exercicio“ der Musik zu widmen hätten. Octavian Secundus Fugger legt während seines Studiums in Bologna 1562 ein Lautenbuch für den eigenen Gebrauch an. Die Fugger musizieren nicht nur, sondern stellen auch bedeutende Sammlungen von Notendrucken und Instrumenten zusammen. Vor allem aber machen sich die Fugger als Förderer italienischer Musik einen Namen. Hans Jakob Fugger (1516 – 1575) vermittelt von Antwerpen aus den in Italien ausgebildeten Kapellmeister und Komponisten Orlando di Lasso 1556/57 (zunächst als Tenor) an den Münchner Hof. Als Hofkapell-

Austern, Südfrüchte und Wein für die Fugger Für Küche und Keller besorgen sich die Fugger Köstlichkeiten aus Italien. So werden im Winter – insbesondere in der Fastenzeit – jede Woche Fische und Krustentiere aus Venedig geliefert. Die Lage Augsburgs erlaubt es, sogar Austern in Fässern über die Alpen zu transportieren. Aus Italien kommen Meerspinnen und gesalzener Rogen von Meeräschen, Oliven, Kapern, Zitronen, Pomeranzen, Granatäpfel, Mandeln, Kürbisse und Melonen auf den Tisch. Auch große Käselaibe aus Florenz und Fässer mit italienischem Wein werden nach Augsburg geschafft.

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meister holt di Lasso weitere Musiker aus Italien nach München. Durch Andrea Gabrieli und dessen Neffen Giovanni – beide werden später Organisten an San Marco in Venedig – kommen die Fugger mit der Musikszene Venedigs in Kontakt. Seit Ottaviano Petrucci 1498 den Druck von Musiknoten mit beweglichen Typen erfunden hat, ist Venedig auch noch das weltweite Zentrum des Notendrucks. 1582/83 erscheint der Name der Fugger erstmals in einem venezianischen Notendruck: Carl Luython widmet Hans Fugger „Il primo libro de madrigali“. In den folgenden Jahren widmen auch Giovanni Gabrieli, Philipp de Monte, Tiburtio Massaini, Orazio Vecchi, Jacobus Peetrinus und Gregor Aichinger den Brüdern Hans, Markus und Jakob Fugger sowie 1595 auch dem Sohn Hans Fuggers – Jakob (1567 – 1626), dem späteren Fürstbischof von Konstanz – in Venedig hergestellte Notendrucke. Als die Brüder Hans, Markus und Jakob Fugger 1597/98 kurz nacheinander sterben, enden die Beziehungen der Familie zur venezianischen Musikszene abrupt. Nur noch 1615 wird den Söhnen Markus Fuggers, Georg (1560 – 1634), Anton (1563 – 1616), Philipp (1567– 1601) und Albrecht (1574 – 1614), eine Symphonie Giovanni Gabrielis gewidmet. Das italienische Musik-Sponsoring der Fugger ist trotz seiner relativ kurzen Dauer keine unbedeutende Episode. „Mit ihrer VenedigPolitik haben die drei Fugger-Brüder Musikgeschichte gemacht …“, urteilt der Musikwissenschaftler Konrad Küster.

Die Loretomadonna der Westheimer Kobelkirche Anton Fugger d. J. (1552 – 1616) ist einer der Söhne Georg Fuggers (1518 – 1569) und der in Südtirol geborenen, zuerst evangelischen Ursula Fugger-Lichtenstein (gestorben 1573) und somit ein Bruder von Octavian Secundus und Philipp Eduard Fugger. 1560 bekehrt Petrus Canisius Ursula FuggerLichtenstein zum katholischen Glauben – sie wird nun zur glühenden Anhängerin der Jesuiten. Über den Wallfahrtsort Loreto in den Marken südlich von Ancona pilgert Ursula Fugger-Lichtenstein 1570 mit ihrem Schwager Hans Fugger nach Rom. Bei ihrer Rückkehr bringt sie einen 1566 entstandenen Stich des Gnadenbilds von Loreto, einer Madonna mit dem Kind, mit. Loreto gilt damals als bedeutendster Marien-

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wallfahrtsort. Dort steht die „Casa santa“ – das Haus der heiligen Familie, das Engel im 13. Jahrhundert von Nazareth nach Loreto getragen haben sollen. Diese fromme Legende entsteht vermutlich, weil wohl Kaufleute der Familie Angeli (Engel) den Bau kurz nach 1290 nach Loreto transportierten. 1580 erwirbt Anton Fugger die Herrschaft Hainhofen (heute Stadt Neusäß) vor den Toren von Augsburg, wo er sich ein Schloss errichten lässt und 1582 die Antonius von Padua und Antonius Eremita geweihte Antoniuskapelle erbaut. Im Schlossgarten wird 1582 eine Kapelle für eine Nachbildung der Loretomadonna errichtet. Die Figur schnitzt der Augsburger Christoph Murmann d. Ä. nach dem Stich, den Ursula Fugger-Lichtenstein 1570 aus Rom mitgebracht hat. 1601 muss der hoch verschuldete Fugger die Herrschaft Hainhofen an den evangelischen Augsburger Patrizier Wolfgang Paller abtreten. Paller lässt die Loretokapelle abreißen und schenkt die Madonna dem katholischen Patrizier Karl Langenmantel im benachbarten Westheim. Langenmantel baut 1602 eine Loretokapelle auf einem Hügel über dem Dorf Westheim. Sie ist der Ursprung der Kobelkirche und der dortigen Wallfahrt. Die Wallfahrt Ursula Fugger-Lichtensteins nach Rom verursachte indirekt die Wallfahrt zur Westheimer Loretomadonna.

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Im Jahr 1596 erhielt Georg Fugger die Villa Margone hoch über Ravina nahe von Trient als Lehen des Fürstbischofs.

Der Teufelspalast Georg Fuggers in Trient Ein Sohn des 1597 verstorbenen Markus Fugger wird zum „italienischen Sorgenkind“ der Familie. Dabei verspricht die Hochzeit Georg Fuggers (1560 – 1634) mit Gräfin Helena von Madruzzo im Jahr 1583 zunächst eine glänzende Zukunft: Die welsche (italienische) Braut stammt aus bestem Haus. Die Familie Madruzzo stellt von 1539 bis 1658 – 119 Jahre lang – den Fürstbischof von Trient. Über die Großmutter der Braut sind die Fugger mit Gian Angelo de‘ Medici verwandt, der 1560 Papst Pius IV. wird. Auch mit seinem 1610 heiliggesprochenen Neffen Carlo Borromeo sind die Fugger über die Madruzzos verwandt. 1593 ziehen Georg Fugger und seine Gemahlin von Augsburg nach Trient. Dort richtet er sich eine Alchemistenwerkstatt ein, um Gold zu machen. 1596 erhält Georg Fugger aus dem Besitz der Kirche die Villa Margone als Lehen – was dadurch erleichtert wird, dass Helena Fugger-Madruzzo die Nichte Fürstbischof Lodovico Madruzzos ist. Die Renaissancevilla liegt nah bei Trient hoch über dem Dorf Ravina in den Bergen. In ihrem Innern ist sie prachtvoll ausgestattet. 1602 lässt Georg Fugger in Trient den Architekten Pietro Maria Bagnadore einen dreigeschossigen Palast im Stil des

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Im Stil des 1508 in Padua geborenen, 1580 in Vincenza verstorbenen Renaissancearchitekten Andrea Palladio entstand in Trient 1602 der Palazzo Georg Fuggers. Renaissancearchitekten Andrea Palladio erbauen. In Trient nennt man ihn „Palazzo del Diavolo“: Die Sage erzählt, dass der Bauherr dem Teufel seine Seele versprochen habe, wenn er ihm den Palazzo in einer einzigen Nacht errichten würde. Seit 1642 heißt der „Teufelspalast“ nach einem späteren Besitzer, dem kaiserlichen Generalleutnant Matthias di Galasso, „Palazzo Galasso“. Die Fuggerlilien und die Frau von Kirchberg zieren die Fassade bis heute. Das Fuggerwappen sieht man im Stuck der Palastkapelle „La capella dei santi Martiri Anaumiesi“. Goethe bewundert 1786 die Schönheit dieses Palazzo und nennt es „das einzige Gebäude von gutem Geschmack“, das er in der Stadt an der Etsch gesehen habe. Georg Fugger aber gerät in Schulden und Rechtsstreitigkeiten. Kaiser Rudolf II. gewährt er gegen sechs Prozent Zins ein Darlehen – die dafür nötige Summe nimmt er 1606 selbst mit sieben Prozent auf. 1608 wird er kaiserlicher Orator in Venedig – ein Titel ohne Einkünfte, aber mit hohem Aufwand verbunden, den er zwei Jahre später zurückgibt. Nach dem Kauf der Tiroler Pfandherrschaften Enn und Kaldiff gerät er immer tiefer in Schulden und so in eine Auseinandersetzung mit dem Kaiser. Fürstbischof Madruzzo, Fuggers Verwandter, lässt ihn deshalb im mächtigen Stadtkastell Buonconsiglio

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Im Fugger‘schen „Palazzo del Diavolo“ in Trient ist die Frau von Kirchberg noch an der Fassade und an den Toren des Bauwerks an der Via Lunga zu sehen. in Trient festsetzen. Georg Fugger wird zu einer hohen Geldstrafe verurteilt: Doch statt zu bezahlen, setzt er sich 1616 nach Padua ab. 1634 stirbt Georg Fugger in Riva.

Eine Fuggerin stiftet zwei italienische Klöster Der Ehe Georg Fuggers mit Helena Fugger-Madruzzo entspringen von 1583 bis 1611 insgesamt 21 Kinder, von denen zwölf allerdings noch im Geburtsjahr versterben. Die 1595 geborene Tochter Helena und die 1598 geborene Tochter Elisabeth treten 1611 ins Kloster St. Martha in Mailand ein. Sibylla Lodron-Fugger, die 1585 geborene älteste Tochter, stiftet nach dem Tod ihres Mannes 1642 eine klösterliche Gemeinschaft, für die sie die Kirche San Carlo in Rovereto erwirbt. Papst Innozenz X. erteilt die Erlaubnis zur Gründung eines Klarissenklosters. Ihr Vermächtnis bestimmt die Fuggerin zur Gründung eines weiteren Klarissenklosters in Borgo. Margarethe Fugger (1592 – 1652) – die zweitälteste Tochter Georg Fuggers und Helena Madruzzos – heiratet 1615 den nachmaligen ligurisch-piemontesischen Feldmarschall Francesco del Caretto. Ihr 1629 geborener Sohn Otto de Grana wird kaiserlicher Heerführer und Statthalter in den spanischen Niederlanden.

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1713 erwarb Graf Maximilian Joseph Fugger das heutige Altarblatt in der St.-Markus-Kirche der Fuggerei. Die Kreuzigungsszene ist ein Werk des venezianischen Tizianschülers Jacopo Palma il Giovane.

Verlorene Gemälde großer Meister Zahlreiche Werke bedeutender italienischer Meister aus dem Besitz der Fugger gehen im Lauf der Zeit verloren oder werden verkauft – darunter Gemälde der Venezianer Tizian, Paris Bordone und Giorgione, Jacopo und Domenico Tintoretto, Paolo Veronese sowie des Tizianschülers Lambert Sustris. Ein 1580 beim Venezianer Alessandro Vittoria bestellter Bronzealtar für Schloss Kirchheim bleibt erhalten. Einen Einblick in die Fülle der oft aus Italien bezogenen Gemälde, Terrakottafiguren, Holzskulpturen und Kleinbronzen gibt das Nachlassinventar Octavian Secundus Fuggers. Dort finden sich Elfenbeinkreuze und Kupferstiche aus Venedig und Rom, Bildnismedaillons von Päpsten und antiken Kaisern und sogar die Wachsplastik einer nackten Venezianerin.

Ein Tizianschüler in der Augsburger Fuggerei Für die St.-Markus-Kirche in der Fuggerei wird im Jahr 1713 das Gemälde eines prominenten italienischen Meisters erworben: Im Zuge der Barockisierung dieser Kirche ersteht Maximilian Joseph Fugger (1693 – 1731) ein Altarblatt des Tizianschülers Jacopo Palma il Giovane aus dem Besitz des Fugger‘schen Kanzlers Ignaz Liborius Closterbaur. Das Gemälde zeigt eine Kreuzigungsszene des 1548 in Venedig geborenen Jacopo Palma, der 1628 in seiner Heimatstadt starb. Der Venezianer schuf neben zahlreichen religiösen Darstellungen das bekannte Gemälde „Tarquinius und Lucretia“ und im Jahr 1578 auch Deckengemälde im Dogenpalast, die Historien aus der Vergangenheit der Lagunenstadt zeigen.

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Hofbaumeister Enrico Zucalli errichtete ab 1693 das Palais Fugger-Portia. Der im Auftrag von Maria Anna Katharina Fugger entstandene Bau war in München der erste Stadtpalast im Stil des italienischen Barock.

Italienisches Barock – das Palais Fugger-Portia Paul Fugger (1637 – 1701), Obersthofmeister in München, heiratet 1685 in zweiter Ehe Maria Anna Catarina Franca de San Martino de Aglie de San Germano. 1693 erwirbt Maria Anna Katharina Fugger für sich und ihren Gemahl ein Anwesen nahe der Residenz. Sie beauftragt den aus Roveredo (Graubünden) stammenden Münchner Hofbaumeister Enrico Zuccalli mit dem Bau des „Fuggerischen Hauses“. Es wird der erste Münchner Privatbau im Stil des italienischen Barock: Des „Herren Grafen Fuggers Palatium“ begründet den Bautyp des Münchner Adelsstadtpalastes. Er wird in das Stichwerk „Theatrum der vornehmsten Kirchen, Clöster, Pallaest und Gebaeude in … München“ aufgenommen, das Johann Stridbeck von 1696 bis 1700 in Augsburg herausgibt. 1713 kauft Kurfürst Karl Albrecht, der künftige Kaiser Karl VII., den Palast und schenkt ihn seiner Mätresse. Nach ihrem späteren Ehemann, Fürst Johann Anton Portia, ist er ebenfalls benannt.

Heutige Fugger in Italien Die Genealogie der Fugger „von der Lilie“ zeigt, dass Nachfahren der Familie in Rom leben. Im 19. und 20. Jahrhundert führt die Stammtafel die Nachkommen der Zwillingsbrüder Rudolf Graf Fugger von Glött (1834 – 1890) und Albert Graf Fugger von Glött (1834 – 1916) in Rom und Mailand, Neapel und Viterbo auf. Als jüngste Fugger weist eine 1978 veröffentlichte Genealogie die 1957 und 1960 geborenen Massimiliano und Rodolfo Fugger, beide Söhne von Dr. Ermanno Fugger, „Secretario del Ministro delle Finanze“ in Rom, aus.

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Spuren der Fugger in Südtirol Fuggerhäuser, Bergsegen und Ehen mit dem Tiroler Adel Handel, vor allem aber der Bergbau der Fugger haben auch im italienischen Teil Tirols Spuren hinterlassen. Neben den Fuggerhäusern in Bozen und Sterzing erinnern Schlösser, Burgruinen, Wappen- und Gedenksteine an Angehörige der reichen Augsburger Familie, die zahlreiche Eheverbindungen mit dem Tiroler Adel einging. Deshalb wurden die Fugger 1613 in die Tiroler Adelsmatrikel aufgenommen. Bis heute ist das Fuggerwappen zum Beispiel auf Schloss Trostburg hoch über dem Südtiroler Ort Waidbruck zu finden.

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Südtirol: Handel, Bergbau, Hochzeiten Fugger`sche Geschichte zwischen Brenner und Trentin In den goldenen Zeiten der Fugger versteht man den südlichsten Teil Tirols als oberdeutsche Grenzregion auf dem Weg nach Italien. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation endet mit dem Bistum Trient, das sich bis ans nördliche Ufer des Gardasees erstreckt. Als deutsch-italienisches Durchgangsland sieht man Südtirol, zu dem noch das heutige Trentino gehörte, schon damals: Die mit Georg Fugger verehelichte Helena von Madruzzo wird zum Beispiel vor ihrer Hochzeit eine „welsche“ (italienische) Braut genannt. Staatsrechtlich gehört das 1919 annektierte Südtirol heute definitiv zu Italien. Darum wird es als „Kapitel für sich“ behandelt.

Die Fuggerhäuser in Bozen und Sterzing Mit ihren ersten Handelsfahrten über den Brenner beginnt die Geschichte der Fugger in Südtirol. Eine wichtige Station In Bozen betrieben die Fugger ihre Faktorei im Waaghaus (links) am Kornplatz.

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Den Fuggern gehörte ein großer Teil der Grubenanteile in Sterzing. In der Südtiroler Stadt erinnern drei Fuggerhäuser an diese Epoche. auf dem Weg in den Süden ist Bozen. 1517 wird dort „des Fuggers Haus“, vermutlich ein angemieteter Bau, genannt. Die Faktorei der Fugger befindet sich wohl im romanischen Waaghaus (die städtische Fronwaage) am Kornplatz, das 1634 – von wenigen Mauern abgesehen – neu erbaut wird. Auch in Sterzing, wo eine Urkunde von 1626 „der Fugger Behausung“ erwähnt, gibt es vermutlich noch ein Fuggerhaus oder gar mehrere. Jedenfalls werden die Hausnummern 22, 22/a und 22/b als Fuggerhäuser bezeichnet. Sie liegen in der Altstadt gegenüber dem Rathaus. Eines der dortigen Prunkstücke ist das „Lusterweibchen“: Der Leuchter zeigt die Halbfigur der Lukretia, die Arbeit eines unbekannten Augsburger Meisters von 1525. Sterzing nennt sich heute auch „Fuggerstädtchen“, weil die Fugger dort im Bergbau eine führende Position einnahmen. In und bei Sterzing besitzen die Fugger 1532 eine Schmelzhütte und 1546 einen Erzkasten. Die Firma erwirbt ab 1524 einen Großteil der Grubenanteile am Schneeberg und in Gossensaß, seit 1555 auch die in Graßstein. Doch 1657 tritt Leopold Fugger (1620 – 1662), erzherzoglicher Kammerherr und Obriststallmeister in Innsbruck, ohne Wissen anderer

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Das Lehensschloss Straßberg bei Sterzing besaßen die Fugger von 1619 bis 1628. Familienmitglieder die Bergwerksanteile entschädigungslos an den Tiroler Landesherrn Erzherzog Ferdinand Karl ab. Unweit der Brennerautobahn vor Sterzing steht im Dörfchen Sterzing-Ried die Ruine des im 17. Jahrhundert verfallenen landesfürstlichen Lehensschlosses Straßberg. Von 1619 bis 1628 ist es im Besitz der Fugger. An diese Episode der Fugger‘schen Geschichte in Südtirol erinnern nur noch der 26 Meter hohe Bergfried und die beinahe zwei Meter starken Mauerreste der Ruine Straßberg.

Die Fugger im Tiroler Bergbau In und um Sterzing, aber auch in Klausen, Terlan und Nals gewinnt die Fuggerfirma unter Jakob und Anton Fugger Kupfer und Silber. In Primör (Primiero, Trentino), das damals zur Grafschaft Tirol gehört, wird überdies Blei abgebaut. Die Rolle der Fugger im Bergbau hat sich in das kollektive Gedächtnis der Tiroler eingegraben. Nicht selten (so eine Website der Region Hall in Österreich) „ … herrscht das Bild der ausbeutenden Ausländer vor, die sich auf Kosten der armen, hart arbeitenden Leute bereichert haben“. Dass die Fugger durch den Bergbau lediglich ihre Kredite an die Habsburger refinanzieren, ist den ehemaligen Landesherrn vergeben und vergessen. Dagegen ist in Tirol für Schnorrerei und Tauschhandel noch immer das Verb „fuggern“ gebräuchlich.

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Heiratsbeziehungen der Fugger mit dem Tiroler Adel (nach Martha Schad)

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Die Fugger und der Tiroler Adel Im Jahr 1613 werden die Fugger von Glött in die Tiroler Adelsmatrikel aufgenommen. Damit wird offiziell, was sich über Jahrzehnte angebahnt hat: Denn immer wieder haben Angehörige der Augsburger Familie in Tiroler Adelshäuser eingeheiratet. Eheverbindungen gehen die Schwaben mit den alten Familien Firmian, Heudorf, Lichtenstein-Karneid, Lodron, Madruzzo (Madrutsch), Meggau, Spaur, Trautson, Vels, Welsperg und Wolkenstein ein. Am häufigsten sind Ehen mit den Spaur (sechsmal) und Welsperg (fünfmal).

Das Epitaph Veronika Fuggers in Bruneck Gleich fünf Töchter seines Bruders Raymund (1489 – 1535) hatte Anton Fugger (1493 – 1560), der Neffe und Nachfolger Jakob Fuggers, zu verheiraten. Zwei der von ihm arrangierten

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Das Grabmal der 1558 verstorbenen Veronika Fugger in Bruneck. Ehen haben in Südtirol Spuren hinterlassen. Im Fugger‘schen Schloss Schmiechen bei Augsburg heiraten 1542 Veronika Fugger (1524 – 1558) und Daniel Felix von Spaur, der Herr zu Welsch-Metz, Erbschenk von Tirol und Hauptmann von Bruneck. Die kleine Stadt liegt tief unter der fürstbischöflichen Burg Bruneck im Pustertal. In einer Mauer bei der Pfarrkirche sieht man den Grabstein der am 7. Februar 1558 verstorbenen „Veronica Freiin zu Spaur Geborne Függerin Freiin zu Kirchberg und Weissenhorn“, auf dem ein Engel die Wappen der Familien Fugger und Spaur hält. 1566 geht auch Veronika Fugger (1545 – 1590), eine Enkelin Anton Fuggers, die Ehe mit einem Angehörigen der Familie Spaur ein. Die Fuggerin vermählt sich mit Gaudenz von Spaur, dem fürstbischöflichen Hauptmann von Brixen und Bruneck.

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Nahe Bozen erinnert Schloss Prösels in Völs an die von Anton Fugger arrangierte Heirat einer Fuggerin mit einem Tiroler.

Das Fuggerwappen von Schloss Prösels in Völs 1548 heiratet eine zweite Tochter Raymund Fuggers in Schmiechen. Auch Barbara Fugger (1527 – 1573) ehelicht einen Tiroler Adeligen: Ferdinand Colonna Freiherr von Vels (Völs). Sein bekanntester Vorfahr hieß Leonhard d. Ä. von Am Palas von Schloss Prösels bezeugt das Fuggerwappen die Ehe zwischen Barbara Fugger und Ferdinand von Vels.

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Vels und war von 1498 bis 1530 Landeshauptmann an der Etsch und Burggraf von Tirol. Der mit Kaiser Maximilian I. befreundete Tiroler ließ um 1517 Schloss Prösels in Völs am Schlern nahe Bozen ausbauen. Dieser zur Zeit Maximilians bedeutendste Burgenbau Tirols wurde im spätgotischen Stil errichtet. An Barbara Fugger erinnert das Wappen unter dem Dachansatz an der Außenseite des Palas von Schloss Prösels.

Die Fuggerwappen auf Schloss Welsperg Nur äußerst schlecht erhaltene Reste eines Fuggerwappens über dem Burgtor von Schloss Welsperg in Welsberg-Taisten nahe Bruneck erinnern an fünf Fugger’sche Ehen mit Angehörigen der Familie Welsperg. Die erste Hochzeit wird 1582 von Adalberta Fugger (1560 – 1611) – einer Tochter des in zwei Ehen mit 18 Kindern gesegneten Hans Jakob Fugger (1516 – 1575) – und Christoph Freiherr von Welsperg gefeiert. Während vier Welsperger Fuggerinnen heiraten, ehelicht nur ein einziges Mal ein Fugger eine Welsperg: Im Jahr 1710 hält Gräfin Maria Anna Welsperg Hochzeit mit Anton Rupert Christoph Fugger (1683 – 1746), Herrn zu Marstetten, Pfaffenhofen und Brandenburg. Die kaum noch erkennbaren Reste eines Fuggerwappens entdeckt man über dem Burgtor von Schloss Welsperg.

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In der Holzdecke im Rittersaal des zwischen Brixen und Bozen gelegenen Schlosses Trostburg entdeckt man das Allianzwappen Fugger-Wolkenstein.

Die Fuggerwappen auf Schloss Trostburg 1576 heiratet Johanna Fugger (1558 – 1597), die Tochter von Markus Fugger (1529 – 1597) und Sibylla Fugger-Eberstein (1531 – 1589), den Tiroler Graf Carl von Wolkenstein. Die Auch eine bemalte Truhe in der Großen Neuen Stube auf Schloss Trostburg lässt das Fuggerwappen erkennen.

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In Feldthurns dokumentiert eine Stammtafel die 1576 geschlossene Ehe Johanna Fuggers mit Carl von Wolkenstein. Schwester Georg Fuggers (1560 – 1634), der 1583 die Tiroler Gräfin Helena Madruzzo ehelichen wird, lebt hoch über dem Eisacktal und dem Ort Waidbruck auf Schloss Trostburg. Das Allianzwappen Fugger-Wolkenstein entdeckt man heute in der Kassettendecke des prächtigen Rittersaals. Die heraldisch nicht völlig einwandfreie Darstellung eines Fuggerwappens findet sich auf einer bemalten Truhe in der Großen Neuen Stube. Der sicherlich bekannteste Bewohner der Trostburg war der 1367 geborene Haudegen und Minnesänger Oswald von Wolkenstein. Dem Schloss gab der Humanist Engelhard Dietrich von Wolkenstein – er hatte in Padua studiert sowie in Siena und Bologna gelebt – das heutige Aussehen.

Brixen und die Fuggerwappen von Feldthurns Jeweils ein Enkel Adalberta Welsperg-Fuggers und Johanna Wolkenstein-Fuggers sowie ein Sohn Veronika Fuggers und Gaudenz von Spaurs werden Domherrn in Brixen. Brixener Domherr ist auch Ferdinand Fugger (1587 – 1644), ein Sohn Octavian Secundus Fuggers. Anna Maria Fugger (1624 –1703) tritt im Jahr 1640 in das Brixener Klarissenkloster ein: In der Südtiroler Bischofsstadt wird sie 1661 Äbtissin. Der in Rovereto geborene Sohn von Christoph von Welsperg und Adalberta Fugger – Wilhelm von Welsperg – wird Fürst-

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Kaldiff war nur sehr kurzzeitig eine der Pfandherrschaften Georg Fuggers. Das einstige Schloss wurde später zerstört. bischof von Brixen. Zu den 16 Geschwistern von Anton Ignaz Fugger (1711 – 1787), der in Regensburg Bischof wird, gehört auch Maria Josepha Walburga Fugger (1722 – 1795). 1741 heiratet sie Joseph Nikolaus Lodron. Einer ihrer Söhne – Karl Franz (1748 – 1828) – wird der letzte Fürstbischof von Brixen. Schloss Feldthurns nahe Brixen ist eine bis 1587 errichtete Sommerresidenz der Fürstbischöfe. In der dortigen Ausstellung bezeugt die gemalte Stammtafel von Graf Ferdinand Karl zu Wolkenstein und Trostburg mit Wappendarstellungen auch die 1576 geschlossene Ehe Johanna Fuggers mit Carl von Wolkenstein-Rodenegg. Das Gemälde zeigt sechsmal das Wappen Fugger‘scher Vorfahren, Anton Fugger (1493 – 1560) taucht in der Ahnenreihe des Tirolers gleich zweimal auf.

Erinnerungen in Schlössern, Burgen und Ruinen Etliche weitere Schlösser und Burgruinen im burgenreichen Südtirol sind steinerne Zeugen der Fugger‘schen Eheverbindungen. Ursula Fugger-Lichtenstein stirbt zum Beispiel 1573 auf Schloss Karneid. Von diesem Schloss der Lichtensteins bei Bozen ist nur eine Ruine erhalten. An die nahen, von Georg Fugger – dem Gemahl Helena von Madruzzos – erworbenen Pfandherrschaften Enn bei Montan (Montagno) und Kaldiff bei Neumarkt (Egna) erinnern hier ein Schloss

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Auch Enn war eine der Pfandherrschaften Georg Fuggers. Das Schloss blieb erhalten. und dort eine Ruine. Doch auch die Burg Sprechenstein bei Sterzing, der Ansitz Spauregg bei Meran und Schloss Ossana im Sulztal (Val di Sole) halten zum Beispiel die Erinnerung an Ehen zwischen den Fuggern und dem Tiroler Adel wach. Das Castel Noarna erinnert an die Ehe Maximilian Lodrons mit Sibylla Fugger.

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In den Fresken im Castel Noarna entdeckt man auch das Fuggerwappen.

Das Fuggerwappen im Schloss von Noarna Im Trentino, vormals der südlichste Teil der Grafschaft Tirol, erinnert neben dem Teufelspalast in Trient und der Villa Margone in Ravina auch das Kastell in Rovereto an Fugger’sche Ehen. Unweit von Rovereto liegt Noarna di Nogaredo im Lagarinatal (Vallagarina), dem südlichsten Abschnitt des Etschtals. Graf Maximilian Lodron gibt anlässlich seiner Heirat mit Sibylla Fugger (1585 – 1663) im Jahr 1602 den Freskenzyklus für die „Stuba Magna“ im Castel Noarna in Auftrag. In den Fresken, die an die finanzielle Unterstützung der spanischen Krone durch die Fugger erinnern, sieht man neben einem Wappen der Lodron auch das Fuggerwappen. Nach dem Tod ihres Gemahls Maximilian Lodron stiftet die Tochter Georg Fuggers und Helena Madruzzos die Klarissenklöster in Rovereto und in Borgo im Suganer Tal (Valsugana).

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Spaziergang zu Italien in Augsburg Die Stadt, in der die deutsche Renaissance begann Dass Augsburg heute die „nördlichste Stadt Italiens“ oder auch die „italienischste Stadt Deutschlands“ genannt wird, ist nicht zuletzt jenen Künstlern zu verdanken, die im Auftrag der Fugger (oder durch sie vermittelt) die Renaissance über die Alpen nach Schwaben brachten. Heute sieht man in Augsburg zehn Stationen, die diese glanzvolle Epoche in der Geschichte Augsburgs und des Hauses Fugger belegen – von der Fuggerei über die Fuggerkapelle in St. Anna und die Fuggerhäuser mit dem Damenhof bis zu fünf Grabkapellen in St. Ulrich und Afra.

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Fugger – Italien an zehn Stationen Von der Augsburger Fuggerei bis zu den Fuggerkapellen Die vielfältigen Beziehungen der Fugger nach Italien haben sich nicht nur in den Geschichtsbüchern niedergeschlagen. In der Fuggerstadt Augsburg, die gerne auch als die „nördlichste Stadt Italiens“ bezeichnet wird, sind bis heute Bauten und Brunnenkunstwerke zu sehen, die auf Verbindungen zwischen Schwaben und Oberitalien zurückgehen. Zehn Stationen zwischen der Fuggerei und den Fuggerkapellen in der Basilika St. Ulrich und Afra belegen den Einfluss Italiens auf die Architektur und Kunst der Renaissance. Ein Spaziergang zu diesen Punkten ist bequem zu Fuß zu absolvieren. 1

Die Fuggerei

Die Fuggerei ist die älteste Sozialsiedlung der Welt. Jakob Fugger hat sie 1521 gestiftet. Dort leben heute 150 bedürftige katholische Augsburger für eine jährliche (Kalt-)Miete Die Fuggerei besteht heute aus 67 Häusern mit 140 Wohnungen.

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Der Florentiner Carlo Pallago schuf vermutlich die von Octavian Secundus Fugger gestiftete Figur des Apostels Petrus für St. Peter am Perlach.

von 0,88 Euro und einmal täglich drei Gebete für den Stifter und seine Familie. Die Idee einer Stiftung aus einem Unternehmenskonto „für Gott“ haben die Fugger wie auch andere deutsche Kaufleute aus Italien übernommen. Architektonische wie stiftungsrechtliche Vorbilder für die Fuggerei könnte Jakob Fugger durchaus während seiner italienischen Jahre in Venedig und Padua kennengelernt haben. Zur Ausstattung der im Jahr 1581 von Markus und Philipp Eduard Fugger gestifteten Fuggereikirche St. Markus zählt das Altarblatt des Malers Jacopo Palma il Giovane. Dieser Venezianer gilt als ein Schüler Tizians. Fuggerei Jakoberstraße (Eingang) täglich geöffnet April – September 8 – 20 Uhr, Oktober – März 9 –18 Uhr www.fugger.de 2

St. Peter am Perlach

In die Nordwand des Chors der Kirche St. Peter am Perlach ist ein Sakramentshaus eingelassen: Gestiftet wurde es im Namen des Geistlichen Markus Fugger d. J., der 1511 in Rom verstarb. Eine Fuggerlilie im Gitter am Sakramentshaus erinnert daran. Die lebensgroße Terrakottafigur des Apostels Petrus am Chor stiftete Octavian Secundus Fugger 1581. Geschaffen wurde sie wohl vom Florentiner Carlo Pallago, der auch in den Fuggerhäusern, auf Schloss Kirchheim und in der Augsburger Ulrichsbasilika für die Fugger arbeitete.

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Vom Vorbild der Ausstattung des Fuggerschlosses Kirchheim und der „Badstuben“ in den Fuggerhäusern könnten Cäsarenbüsten und Herrscherfresken im Augsburger Rathaus angeregt worden sein. Das 1624 von Anton Jakob Fugger-Oberndorf (1610 – 1650) gestiftete Altarblatt schuf Johann Matthias Kager. Der ehemalige Münchner Hofmaler hatte in der Stadt an der Isar beim Florentiner Friedrich Sustris gelernt sowie eine Studienreise nach Italien unternommen. Im Jahr 1603 zog es Kager nach Augsburg, wo er 1615 zum Stadtmaler aufstieg. St. Peter am Perlach Rathausplatz 4 geöffnet täglich 8 – 18 Uhr 3

Das Rathaus

Das Rathaus erbaute Elias Holl in der Art der italienischen Renaissance. Den Stil aus dem Süden hatte der Augsburger Stadtwerkmeister wohl über Architekturtraktate in Fugger’schen Bibliotheken kennengelernt, bevor er 1600/01 nach Venedig reiste. Für die Ausstattung war der mehrmals für die Fugger tätige Maler und Architekt Johann Matthias Kager verantwortlich. Im Unteren Fletz und in den Treppenhäusern hat man 14 Cäsarenbüsten angebracht. Für sie wie für die Fresken heidnischer und christlicher Herrscher im Goldenen Saal waren nicht zuletzt Figurengruppen und Büsten im Besitz der Fugger (Fuggerhäuser, Schloss Kirchheim) Vorbilder.

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Das Rathaus, der Perlachturm und der Augustusbrunnen bilden ein europaweit bedeutendes Renaissanceensemble. In einem Tastraum für Sehbehinderte im Unteren Fletz entdeckt man den Bronzeabguss eines Holzabgusses jener geschnitzten Büste, die Jakob Fugger in der Rüstung eines römischen Feldherrn mit der Hand am Schwertgriff zeigt. Das verlorenen gegangene Original der Holzbüste gehörte zum abgerissenen Kirchengestühl der Fuggerkapelle in der ehemaligen Augsburger Karmeliterklosterkirche St. Anna. Rathaus und Goldener Saal Maximilianstraße geöffnet täglich 10 – 18 Uhr Unterer Fletz und Treppenhäuser öffentlich zugänglich Goldener Saal mit Eintritt 4

Der Augustusbrunnen

Den Augustusbrunnen beim Rathaus schuf der Niederländer Hubert Gerhard zwischen 1588 und 1594. Den Schüler des italienischen Meisters Giambologna, dessen monumentalen Neptunbrunnen in Bologna Gerhard zum Vorbild nahm, hatten die Fugger nach Schwaben geholt. Für das Schloss Hans Fuggers in Kirchheim hatte Gerhard ab 1584 seinen MarsVenus-Amor-Brunnen geschaffen: Er war einer der ersten

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Den Augustusbrunnen schuf Hubert Gerhard. Die Fugger hatten ihn aus Italien geholt und nach Augsburg vermittelt. deutschen Monumentalbrunnen im manieristischen Stil. Die Fugger haben Gerhard wohl an die Reichsstadt Augsburg vermittelt. Dort war Markus Fugger bis 1585 Stadtpfleger, Octavian Secundus Fugger von 1585 bis 1593 Baumeister der Reichsstadt und 1594 bis 1600 Stadtpfleger. Einen Stich des Augustusbrunnens widmete Lukas Kilian 1598 den Stadtpflegern Octavian Secundus Fugger und Quirin Rehlinger. Augustusbrunnen Rathausplatz

Der Blick vom Perlachturm auf den n채chtlich beleuchteten Augustusbrunnen auf dem Augsburger Rathausplatz.

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Hans Daucher d. Ä. schuf die Fronleichnamsgruppe der Fuggerkapelle. 5

Die Fuggerkapelle in St. Anna

Die Fuggerkapelle in der St.-Anna-Kirche ist der früheste Renaissancebau Deutschlands. Die Planung der Grablege für die Brüder Ulrich, Georg und Jakob Fugger hat man Albrecht Dürer zugeschrieben. Gesichert entwarf Dürer jedoch nur die Auf einem der großen Orgelflügel in der Fuggerkapelle hat Jörg Breu d. Ä. auch Jakob Fugger mit der für ihn typischen venezianischen Goldhaube dargestellt.

| 100 | Fugger – Italien: Stationen in Augsburg


beiden mittleren Epitaphe für Ulrich und Georg Fugger. In der Kapelle ist zudem Hans Dauchers stark von italienischen Vorbildern beeinflusste Fronleichnamsgruppe zu sehen, auch fünf der sechs „welschen Kindlein“ (Putti) auf der Marmorschranke stammen von ihm. Die zwei großen und vier kleinen Orgelflügel, die Jörg Breu d. Ä. bemalte, sind stilistisch ebenfalls stark von italienischen Werken geprägt. Fuggerkapelle in St. Anna Im Annahof 2 geöffnet Di – Sa 10 – 12.30 Uhr, Sommer 15 – 18, Winter 15 – 17 Uhr 6

Der Merkurbrunnen

Den Merkurbrunnen schuf Adriaen de Vries. Er war wie der von den Fuggern nach Augsburg vermittelte Hubert Gerhard ebenfalls ein Schüler des Bildhauers Giambologna in Florenz. Der Augsburger Merkur ähnelt verblüffend dem Merkur des italienischen Lehrmeisters im Museo Nazionale del Bargello in Florenz. Den Namen von Octavian Secundus Fugger, der zwischen 1594 und 1600 Stadtpfleger war, erkennt man in zwei Inschriften am Brunnenpfeiler des Merkurbrunnens. Merkurbrunnen Moritzplatz Adriaen de Vries schuf den von 1596 bis 1599 entstandenen Merkurbrunnen.

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7

Die Fuggerhäuser und der Damenhof

Die Fuggerhäuser ließ Jakob Fugger ab 1512 errichten. Der dortige Damenhof entstand 1515 – er ist der erste Profanbau der deutschen Renaissance. Toskanische Säulen, Terrakottabögen, Schmuckscheiben und Säulenbalustraden gestalten den Innenhof. Seine Dekorationsmalereien entstanden überwiegend erst im Zuge der Beseitigung jener Schäden, die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg verursachten. Relikte der Originalbemalung Jörg Breus d. Ä. und Jörg Breus d. J. sind noch erhalten. Zum Damenhof kommt man durch den Zofenhof (Eingang Maximilianstraße 36). Durch ein Tor am westlichen Ende des Zofenhofs oder über den Zeugplatz (Eingang Zeugplatz 7) erreicht man den Serenadenhof. Die dortigen „Badstuben“ ließ Hans Fugger bis 1573 von der Gruppe florentinischer Künstler um Friedrich Sustris gestalten. Den Stuck dieser beiden Sammlungsräume Hans Fuggers schuf Carlo Pallago. Diese Räume sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Im Serenadenhof sieht man eine jener Cäsarenbüsten, die möglicherweise die Vorbilder für die Büsten des Augsburger Rathauses darstellten. Den Damenhof in den Fuggerhäusern, den frühesten Profanbau der deutschen Renaissance, ließ Jakob Fugger errichten.

| 102 | Fugger – Italien: Stationen in Augsburg


Eine Cäsarenbüste im Serenadenhof am Westtrakt der Fuggerhäuser, der die sogenannten „Badstuben“ beherbergt. Der vierte Innenhof der Fuggerhäuser – der Turnierhof – ist nur in Ausnahmefällen (zum Beispiel bei Konzerten) über die Fürstenhalle in der Fürst Fugger Privatbank zu erreichen. Fuggerhäuser und Damenhof Zugang über Maximilianstraße 36 und Zeugplatz 7 Relikte der Renaissancemalereien Jörg Breus d. Ä. und Jörg Breus d. J. entdeckt man im Damenhof.

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Den Namen des Augsburger Stadtpflegers Octavian Secundus Fugger liest man auf einer Inschrift am Herkulesbrunnen. 8

Der Herkulesbrunnen

Der Giambolognaschüler Adriaen de Vries ist auch der Schöpfer des Herkulesbrunnens vor den Fuggerhäusern. Der Brunnenpfeiler trägt an seiner Nordseite eine Inschrift mit dem Namen des Stadtpflegers Octavian Secundus Fugger. Herkulesbrunnen Maximilianstraße

Italienische Reisende in der Stadt der Fugger Die Pracht der Fugger haben italienische Besucher Augsburgs häufig in ihren Reiseerinnerungen betont. 1517 hatte Antonio de Beatis geurteilt: „Hier leben die auch zum Stadtpatriziat gehörenden Welser, wohlbekannt in Italien, gute Kaufleute, doch nicht im Mindesten mit den Fuggern vergleichbar.“ Antonio Maria Graziani, der Sekretär des Kardinals und päpstlichen Nuntius Commendone, hielt 1562 fest: „Besonders ein Geschlecht macht diese seine Vaterstadt berühmt. Sein Name heißt Fugger…“ Im Jahr 1697 schrieb der venezianische Ordensprovinzial der Franziskaner, Kosmograph und Kartograph Vincenzo Maria Coronelli: „Man kann über den üppigen Palast der Fugger, eine der reichsten Familien Deutschlands, und den Glanz der Stadt nur staunen.“

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9

Das Wohnhaus Philipp Eduard Fuggers

Am Wohnhaus Philipp Eduard Fuggers lohnt ein Blick in den Innenhof an der Kapuzinergasse. Man entdeckt die Arkaden eines für Augsburg typischen Renaissancehauses, das nach 1550 entstand. An der Fassade sieht man die Fuggerlilien. Wohnhaus von Philipp Eduard Fugger Maximilianstraße 58 und Kapuzinergasse 6 (privat) 10

Fünf Fuggerkapellen in St. Ulrich und Afra

Auf der Marmorschranke vor der Simpert- und der Andreaskapelle, letztere die Grablege von Markus Fugger, steht eine Gruppe von Terrakottafiguren mit Christus und den zwölf Aposteln. Hubert Gerhard und Carlo Pallago, die zeitgleich für Markus Fuggers Bruder Hans auf dessen Schloss Kirchheim arbeiteten, schufen die Figuren um 1582. Ihre Vorbilder waren Werke von Michelangelo, Sansovino, Bandinelli und Giambologna. Den dreigeschossigen Altar der Andreaskapelle mit Figuren der vier Evangelisten entwarf Friedrich Sustris 1583. Auch der Entwurf der Marmorschranke nach italienischem Vorbild wird dem Florentiner zugeschrieben. Weil die Ulrichsbasilika insgesamt gleich fünf Grabkapellen Christus und die zwölf Apostel auf der Schranke vor der Andreaskapelle und der Simpertkapelle in St. Ulrich und Afra.

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Die Terrakottareliefs im sogenannten „Elfenbeinaltar“ der Michaelskapelle schuf wahrscheinlich Carlo Pallago. der Familie beherbergt, wird die nach dem Dom zweitgrößte Augsburger Kirche als „Fugger’sche Grablege“ bezeichnet. In der Georgs- und in der Benediktuskapelle sieht man Werke Peter Candids, in der Bartholomäuskapelle ein Altarblatt mit der Marienkrönung Hans von Aachens. Die beiden Münchner Hofmaler waren ebenfalls von Aufenthalten und Arbeiten in Venedig, Florenz und Rom geprägt worden. Für den im Stil von Friedrich Sustris entstandenen Flügelaltar der Michaelskapelle hat vermutlich Carlo Pallago die Tonreliefs mit der Darstellung der Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Christi modelliert. Wegen dieser nahezu weißen Reliefs wird der kleine Altar irrtümlich auch „Elfenbeinaltar“ genannt. Die Fuggerorgel auf der Westempore von St. Ulrich und Afra gehört zur 1580 von Jakob III. Fugger gestifteten Michaelskapelle. Das Gehäuse entwarf Johann Matthias Kager. Der vormalige Münchner Hofmaler hatte bei Friedrich Sustris in München gelernt und eine Studienreise nach Italien unternommen. Kager bemalte wahrscheinlich auch die beiden Flügel der Fuggerorgel auf der Westempore. Die Rückseiten der beiden Flügel hängen im Chor der Basilika. Die Bemalung

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Die Flügel der Fuggerorgel in St. Ulrich und Afra schuf vermutlich der Augsburger Stadtmaler Johann Matthias Kager. der Orgelflügel wird mitunter auch dem 1599 in Augsburg eingewanderten Maler Hans Freyberger zugeschrieben. Freyberger hatte sich in den 1590er Jahren in Oberitalien, vor allem in Venedig, aufgehalten. Ulrichsbasilika, Ulrichsplatz geöffnet täglich 8 – 18 Uhr, geschlossen Mi 10.30 – 15 Uhr

Prägende Konkurrenz: Augsburg und die Fugger Der Kunsthistoriker Julian Jachmann hat auf die starke Konkurrenz des Rats der evangelisch dominierten Reichsstadt Augsburg und der ausgeprägt katholischen Fugger hingewiesen. So hätten die Fugger zwar dem Rat Künstler vermittelt sowie selbst als Auftraggeber in Augsburg Kunst und Kunsthandwerk gefördert. Doch nicht zuletzt wegen der im Stadtraum dominanten Fugger’schen Bauwerke wie den Fuggerhäusern und der Fuggerei, aber auch den von den Fuggern geförderten Klöstern und Kirchen, habe der Rat der größten bikonfessionellen Reichsstadt selbst äußerst ambitionierte Bau- und Brunnenprojekte in Angriff genommen. Sie prägen Augsburg bis heute.

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| 108 | Fugger – Italien: Literatur


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| 110 | Fugger – Italien: Literatur


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Ortsregister (für Seiten 10 bis 91) Das Register führt die allgemei-

Bruneck 84, 86

ne Erwähnung Augsburgs ohne

Buchara 13

nähere Ortsangabe nicht jeweils einzeln auf. Auch Länder und

Conegliano 13

Regionen sind nicht aufgelistet.

Cornello 44 Cortina d’ Ampezzo 13

Ancona 71

Cremona 62

Amsterdam 53 Antwerpen 61, 70

Donauwörth 66

Augsburg: Augustusbrunnen 64, 65

Enn 74, 89

Damenhof 40, 50 Fuggerei 39, 42, 43, 76

Feldthurns 89

Fuggerhäuser 30, 40, 50, 51, 53,

Florenz 13, 17, 18, 19, 28, 30,

69

37, 39, 40, 41, 43, 48, 51, 52, 53,

Herkulesbrunnen 65

54, 56, 57, 58, 60, 63, 64, 69, 70

Merkurbrunnen 65

Füssen 10, 11

St. Anna, Fuggerkapelle 30, 37, 38, 39, 54

Genua 13, 15, 18, 19, 28

St. Magdalena 30, 54

Glött 66

St. Markus 39, 42, 76

Gossensaß 81

St. Moritz 30, 48

Graben 15

St. Peter am Perlach 37

Graßstein 81

St. Salvator 58 St. Ulrich und Afra 54, 55, 56,

Hainhofen 72

57, 58

Heidelberg 69 Hüttlingen 66

Babenhausen 66 Bergamo 44

Imst 11

Bonn 28

Innsbruck 13, 44, 82

Bologna 33, 52, 63, 67, 68, 69, 70, 88

Kaldiff 74, 89

Borgo 75, 91

Karneid 89

Bozen 11, 81, 86, 89

Kirchberg 74

Bourges 68

Kirchheim 54, 58, 59, 60, 61,

Brixen 31, 84, 88, 89

62, 63, 65, 66, 76

Brügge 57

Klausen 82

Brüssel 44

Köln 58

| 112 | Fugger – Italien: Orte


Konstanz 71

Ravensburg 23 Ravina 73, 91

Landsberg 11, 58

Regensburg 23, 89

Lissabon 45

Reutte 11

London 54

Riva 75

Loreto 71, 72

Rom 18, 22, 24, 26, 27, 28, 29,

Lund 28

30, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37, 39, 48, 49, 52, 57, 58, 63, 67,

Macerata 33

69, 70, 71, 72, 76, 77

Madrid 50

Roveredo 77

Mailand 18, 22, 26, 27, 44, 48,

Rovereto 75, 88, 91

75, 77 Mantua 68, 70

Schmiechen 84, 85

Meißen 49

Schongau 11

Memmingen 15

Siena 18, 28, 51, 88

Meran 10, 11, 90

Spauregg 90

Mittenwald 13

Sterzing 13, 81, 82, 90

Montan (Montagno) 89 Mühlberg 50

Terlan 82

München 24, 50, 54, 55, 57, 58,

Tolfa 48

64, 65, 68, 70, 71, 77

Treviso 13 Trient 11, 31, 73, 74, 75, 91

Nals 82 Nauders 11

Ulm 15, 23

Nazareth 72 Neapel 22, 49, 77

Vatikan: siehe Rom

Neumarkt (Egna) 89

Venedig 10, 11, 13, 14, 15, 16,

Neusäß 72

18, 19, 22, 23, 24, 25, 26, 27,

Niederalfingen 66

32, 37, 39, 42, 45, 48, 49, 50,

Noarna di Nogaredo 91

51, 52, 56, 58, 61, 62, 67, 68,

Nürnberg 16, 17, 22, 23, 24, 30

69, 70, 71, 74, 76 Villa Margone 73, 91

Oberammergau 13

Viterbo 77

Oberndorf 66

Völs 85, 86

Ossana 90 Waidbruck 88 Padua 39, 42, 52, 68, 75, 88

Welsperg-Taisten 86

Paris 49

Westheim 72

Pisa 13, 18, 19

Wien 24

Primör (Primiero) 82

Würzburg 28

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Personenregister (für Seiten 10 bis 91) Das Personenregister führt

Castiglione, Baldassare 70

die Erwähnung der Familie

Cicero 69

Fugger „von der Lilie“ nicht

Cipelli, Giovanni Battista 69

jeweils einzeln auf.

Clemens VII., Papst 33 Closterbaur, Ignaz Liborius 76

Aachen, Hans von 58

Colin, Alexander 62

Acciaiuoli, Familie 18

Cotrugli, Benedetto 19

Aichinger, Gregor 71 Angeli, Familie 72

Daucher, Hans d. Ä. 39

Albrecht V., Herzog 64, 68

Donatello 52

Alexander VI., Papst 28, 31

Dürer, Albrecht 25, 38, 39, 45

Ammanati, Bartolomeo 63 Apian, Peter 66

Eduard III., König 18

Aragona, Luigi d‘ 51

Eschay, Jakob 59

Arzt, Ulrich 16 Ferdinand I., Kaiser, König 49 Bagnadore, Pietro Maria 73

Ferdinand, Herzog 64

Bandinelli, Baccio 55

Ferdinand Karl, Erzherzog 82

Bardi, Familie 18, 43

Fiammingo, Paolo 61, 62

Beatis, Antonio de 51

Fibonacci 19

Behringer, Wolfgang 45

Firmian, Familie 83

Bellini, Gentile 42

Friedrich III., Kaiser 26

Bellini, Giovanni 24

Friedrich III., Kurfürst 69

Benno von Meißen 49

Fornari, Benedetto de 45

Bianconi, Gian Lodovico 39

Fugger „vom Reh“:

Bordone, Paris, 76

Fugger „vom Reh“, Familie 26, 27

Borgia, Familie 28

Fugger, Andreas 27

Borromeo, Carlo 73

Fugger, Lukas d. Ä. 27

Botticelli, Sandro 39, 52

Fugger, Markus 27

Bramante, Donato 32

Fugger, Matthäus I. 27

Breu, Jörg d. Ä. 39

Fugger „von der Lilie“:

Brunelleschi, Filippo 52

Fugger, Adalberta 86, 88

Burgkmair, Hans d. Ä. 39, 45

Fugger, Albert 77

Bushart, Bruno 38

Fugger, Albrecht 71 Fugger, Andreas 23

Campi, Vincenzo 62

Fugger, Anna Maria 88

Candid, Peter 57

Fugger, Anton (1493 – 1560)

Canisius, Petrus 54, 71

36, 48, 49, 51, 52, 53, 66, 68,

Caretto, Francesco del 75

69, 70, 82, 83, 84, 89

| 114 | Fugger – Italien: Personen


Fugger, Anton

Fugger, Markus (1448 – 1478)

(II., d. J., 1552 – 1616) 71, 72

22, 24, 26, 35, 36

Fugger, Anton (III., 1552 – 1616)

Fugger, Markus (II., 1488 – 1511)

71

35, 36

Fugger, Anton Ignaz 89

Fugger, Markus (III., „Marx“,

Fugger, Anton Rupert Christoph

1529 – 1597) 44, 52, 53, 54, 55,

86

60, 66, 67, 69, 71, 73, 87

Fugger, Barbara 85, 86

Fugger, Massimiliano 77

Fugger, Christoph 54

Fugger, Maximilian Joseph 76

Fugger, Elisabeth 75

Fugger, Octavian Secundus

Fugger, Ermanno 77

52, 57, 58, 65, 69, 70, 71, 76, 88

Fugger, Ferdinand 88

Fugger, Paul 77

Fugger, Georg (1453 – 1506)

Fugger, Peter 24, 26

23, 24, 25, 26, 30, 35, 37

Fugger, Philipp 71

Fugger, Georg (II., 1518 – 1569) 71

Fugger, Philipp Eduard 52, 58, 71

Fugger, Georg (III., 1560 – 1634)

Fugger, Raymund 68, 69, 83, 85

71, 73, 74, 75, 80, 88, 89, 91

Fugger, Regine 36

Fugger, Hans († 1408/09) 15, 16

Fugger, Rodolfo 77

Fugger, Hans (II., 1445 – 1461) 23

Fugger, Rudolf 77

Fugger, Hans (III., 1531 – 1598)

Fugger, Sibylla 75, 91

44, 52, 53, 54, 56, 59, 60, 61,

Fugger, Ulrich (1441 – 1510)

62, 64, 66, 69, 71

22, 23, 26, 37, 44

Fugger, Hans Jakob 68, 70, 86

Fugger, Ulrich (II., 1490 – 1525)

Fugger, Helena 75

48

Fugger, Hieronymus

Fugger, Ulrich (III., 1526 – 1584)

(1533 – 1573) 52, 70

68

Fugger, Jakob („der Alte“,

Fugger, Veronika (1524 – 1558)

um 1398 – 1469) 22, 27

84

Fugger, Jakob (II., „der Reiche“,

Fugger, Veronika (1545 – 1590)

1459 – 1525) 10, 13, 17, 19, 22,

84, 88

23, 24, 26, 30, 35, 36, 37, 39, 40,

Fugger-Eberstein, Sibylla 87

42, 44, 45, 48, 49, 54, 67, 82, 83

Fugger-Lichtenstein, Ursula 71,

Fugger, Jakob (III., 1542 – 1598)

72, 89

60, 70, 71

Fugger-Madruzzo, Helena 73,

Fugger Jakob (IV., Fürstbischof,

75, 80, 88, 89, 91

1567 – 1626) 71 Fugger, Johanna 87, 88, 89

Gabrieli, Andrea 71

Fugger, Leopold 81

Gabrieli, Giovanni 71

Fugger, Maria Anna Katharina 77

Galasso, Matthias di 74

Fugger, Maria Josepha Walburga

Geffcken, Peter 16, 19, 24

89

Gerhard, Hubert 54, 55, 60, 61,

Fugger, Margarethe 75

62, 63, 64

| 115 |


Gfattermann, Hans 16

Lodron-Fugger, Sibylla 75, 91

Giambologna 52, 54, 55, 58, 63,

Luther, Martin 29, 31, 33

65

Luython, Carl 71

Giorgione 25, 76

Madruzzo, Familie 73, 83

Goethe, Johann Wolfgang von

Madruzzo, Helena von 73, 75,

74

80, 88, 89, 91

Grana, Otto de 75

Madruzzo, Lodovico von 73, 74

Gualterotti, Filippo 45

Manetti, Gianozzo 69

Guicciardini, Lodovico 52

Martial 69 Massaini, Tiburtio 71

Hadrian VI., Papst 33

Maximilian I., Kaiser, König, Erz-

Heudorf, Familie 83

herzog 26, 27, 31, 32, 33, 44, 86

Höchstetter, Familie 43

Maximilian I., Kurfürst 69

Horaz 69

Meckau, Melchior von 31

Hutten, Ulrich von 29, 30

Medici, Familie 10, 18, 19, 33, 51, 52, 53, 63

Innozenz X., Papst 75

Medici, Alessandro I. 51

Iustinus 69

Medici, Cosimo „der Alte“ 40 Medici, Cosimo I. 51, 52

Jansen, Max 29

Medici, Ferdinand I. 52, 57

Johanna von Österreich 53

Medici, Francesco 52, 53, 58

Julius II., Papst 26, 30, 32, 33

Medici, Gian Angelo 73 Medici, Giovanni di Bicci 18

Karl V., Kaiser (Karl I., König)

Medici, Giulio 48

45, 48, 50, 51

Medici, Vieri di Cambio 18

Karl VII., Kaiser (Karl Albrecht,

Meggau, Familie 83

Kurfürst) 77

Meuting, Familie 16

Kublai Khan 13

Michelangelo 52, 55, 63

Küster, Konrad 71

Michelozzo di Bartolommeo 40

Kuhoff, Wolfgang 68, 70

Monte, Philipp de 71 Murmann, Christoph 72

Langenmantel, Karl 72 Lasso, Orlando di 70, 71

Paduano, Alessandro 54, 56, 58

Leo X., Papst 28, 30, 33, 48

Palladio, Andrea 74

Lichtenstein-Karneid, Familie

Pallago, Carlo 54, 55, 60

83, 89

Paller, Wolfgang 72

Lippi, Filippino 39

Palma, Jacopo il Giovane 76

Lippi, Filippo 52

Peetrinus, Jacobus 71

Lodron, Familie 83, 91

Peruzzi, Familie 18, 43

Lodron, Joseph Nikolaus von 89

Petrarca, Francesco 60

Lodron, Karl Franz von 89

Petrucci, Ottaviano 71

Lodron, Maximilian von 91

Peutinger, Konrad 67, 68

| 116 | Fugger – Italien: Personen


Philipp II., König 51

Tietz-Strödel, Marion 42

Pius IV., Papst 73

Tintoretto, Domenico 76

Pius V., Papst 51, 52

Tintoretto, Jacopo 58, 62, 76

Plautus 69

Tizian 25, 50, 51, 53, 58, 76

Polo, Familie 13

Torriani, Familie 44

Polo, Maffeo 13

Trautson, Familie 83

Polo, Marco 13 Polo, Niccolò 13

Ulrich, Bischof in Augsburg 43

Ponzano, Antonio 54, 56, 68 Portia, Johann Anton 77

Vaga, Perino del 27, 49 Valerius Maximus 69

Raffael 27, 35, 39

Vasari, Giorgio 57

Records, Robert 19

Vecchi, Orazio 71

Rem, Hans 15

Vels, Familie 83

Ricasoli, Familie 30

Vels, Ferdinand Colonna von 85

Romano, Giulio 35

Vels, Leonhard d. Ä. von 85, 86

Rudolf II., Kaiser 74

Veronese, Paolo 58, 76 Vinci, Leonardo da 52

Sansovino, Jacopo 55

Vittoria, Alessandro 76

Schauer, Engelhard 33

Vivaldis, Lorenzo de 45

Schaezler, Johann Lorenz von 65

Vries, Adriaen de 65

Schütte, Ulrich 66 Schulte, Aloys 28, 32

Welser, Familie 31, 32, 34, 43, 45

Schwarz, Christoph 56

Welser, Hieronymus 24

Sender, Clemens 37

Welsperg, Familie 83, 86

Serlio, Sebastiano 67, 69

Welsperg, Christoph von 86, 88

Sforza, Maria Bianca 26

Welsperg, Maria Anna von 86

Sforza, Lodovico 26

Welsperg, Wilhelm von 88

Spaur, Familie 83

Widmann, Johann 19

Spaur, Daniel Felix von 84

Wilhelm V., Herzog 58

Spaur, Gaudenz von 84, 88

Wölfle, Sylvia 55, 56, 67

Strada, Jacopo 68

Wolkenstein, Familie 83, 88

Stridbeck, Johann 77

Wolkenstein, Carl von 87, 89

Sueton 69

Wolkenstein, Engelhard Dietrich

Sustris, Lambert 53, 76

von 88

Sustris, Friedrich 53, 54, 56, 60,

Wolkenstein, Ferdinand Karl zu

68

89 Wolkenstein, Oswald von 88

Tacitus 69 Tassis, Francesco de 44

Zink, Johannes 49

Tetzel, Johann 32

Zuccalli, Enrico 77

Thurn und Taxis, Familie 44

Zwitzel, Simon 68

| 117 |


Dank Für ihre Unterstützung bei der Erstellung dieses Buches danken wir I.D. Angela Fürstin Fugger von Glött I.D. Alexandra Fürstin Fugger-Babenhausen S.E. Markus Graf Fugger-Babenhausen der Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftungs-Administration, Augsburg dem Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Familien- und Stiftungsarchiv, Dillingen a. d. Donau Dr. Peter Geffcken, München Dr. Alexander Freiherr von Hohenbühl, Bozen Dr. Leo Andergassen, Provinz Bozen Fausto Zani, Castel Noarna Manfred Kosch, Königsbrunn der Národní galerie, Prag dem Südtiroler Burgeninstitut, Bozen der Fürst Fugger Privatbank KG, Augsburg der Regio Augsburg Tourismus GmbH den Fotografen Thomas Baumgartner, Augsburg und Wolfgang B. Kleiner, Neusäß

| 118 | Fugger – Italien: Dank | Bildnachweis


Bildnachweis Titel: Thomas Baumgartner (großes Bild), Martin Kluger (3), fotolia.de/Johanna Mühlbauer (1) Rücktitel: Thomas Baumgartner (1), Wolfgang B. Kleiner (2), Martin Kluger (1) Inhalt: Thomas Baumgartner: S. 20/21, S. 26, S. 29, S. 31, S. 34, S. 35, S. 36, S. 37, S. 62, S. 85 (2), S. 86, S. 87 (2), S. 88, S. 89, S. 90 (1) Bayerisches Nationalmuseum München: S. 63 concret-Archiv: S. 76, S. 98 Fugger-Archiv Dillingen: S. 49 I.D. Alexandra Fürstin Fugger-Babenhausen: S. 23 (1), S. 25 Fuggermuseum Babenhausen: S. 15, S. 17, S. 23 (1) Fürst Fugger Privatbank: S. 51 Fürstlich und Gräflich Fuggersche Stiftungen: S. 1 (1) Wolfgang B. Kleiner: S. 7, S. 11, S. 16, S. 39, S. 40, S. 42, S. 43, S. 46/47, S. 53, S. 55, S. 57 (2), S. 58, S. 59 (2), S. 60, S. 61, S. 64, S. 65, S. 99 (1), S. 100 (2), S. 101, S. 104 Hannah Kluger: S. 24 Martin Kluger: S. 2/3, S. 8/9, S. 28, S. 33, S. 38, S. 41 (1), S. 45, S. 56, S. 66, S. 67, S. 72, S. 73, S. 74, S. 75, S. 78/79, S. 81, S. 82, S. 83, S. 92/93, S. 94, S. 96, S. 97, S. 99 (1), S. 102, S. 103 (2), S. 105, S. 106, S. 107 Manfred Lehnerl: S. 14, S. 23 (1) Privat: S. 50 Regio Augsburg Tourismus GmbH: S. 44 Daniel Reißner: S. 80 wikipedia.de: S. 14 (Fingalo), S. 18 (Hans-Peter Postel), S. 41 (Roland Geider/1), S. 69 (Patrick Theiner), S. 77 (12345678) Fausto Zani, Castel Noarna: S. 90 (1), S. 91 Alle Karten und Schaubilder: context medien und verlag (www.context-mv.de)

| 119 |


Impressum Fugger – Italien. Geschäfte, Hochzeiten, Wissen und Kunst. Geschichte einer fruchtbaren Beziehung Martin Kluger context medien und verlag, Augsburg ISBN 978-3-939645-27-6 1. Auflage, Juni 2010 Grafik und Produktion: concret Werbeagentur GmbH, Augsburg Fotografie: Thomas Baumgartner, Wolfgang B. Kleiner u. a. Karten: context medien und verlag, Augsburg Alle Rechte vorbehalten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie, detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-939645-27-6 © context medien und verlag, Augsburg 2010 www.context-mv.de

| 120 | Fugger – Italien: Impressum


Die Geschichte eines fruchtbaren Austausches von Wissen und Waren, Innovationen und Ideen, Kunst und Kultur

context verlag Augsburg

Fugger – Italien

die frühe Globalisierung der Wirtschaft „erfunden“: Doch kein anderes europäisches Unternehmen der Frühen Neuzeit hat vom Know-how italienischer Fernhandelskaufleute und Bankiers so sehr profitiert wie die Fugger in Augsburg, die seit dem 15. Jahrhundert ihre Geschäfte im Fondaco dei Tedeschi in Venedig und mit den Päpsten in Rom betrieben. Die Fugger holten nicht nur Wissen und Waren über die Alpen. Jakob Fugger „importierte“ die italienische Renaissance und ließ mit der Fuggerkapelle in der Augsburger Annakirche den ersten deutschen Renaissancebau entstehen. Seine Nachfolger holten Kunst und Künstler, Kompositionen und Lebensart aus dem Süden ins reiche Augsburg. Das führte schließlich dazu, dass man die Stadt ein deutsches Florenz nannte und die Fugger mit den kunstliebenden Medici verglich. Zeugnisse des wirtschaftlichen und kulturellen Austausches zwischen Italien und Schwaben entdeckt man in Augsburg, München und im Unterallgäu, in Rom und Venedig, in Trient und im Trentin sowie nicht zuletzt auch in Südtirol. 120 Seiten, 94 Abbildungen, EUR 9,90 Martin Kluger context verlag Augsburg ISBN 978-3-939645-27-6

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Fugger – Italien | Geschäfte, Hochzeiten, Wissen und Kunst. Geschichte einer fruchtbaren Beziehung

In Oberitalien wurden der Frühkapitalismus und

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