Coburger Hochschulmagazin

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Wintersemester 2016/17

COBURGER HOCHSCHULMAGAZIN

SCHWERPUNKTTHEMA DIVERSITY PROFESSORINNEN IM PORTRÄT ZWISCHEN FORSCHUNG UND FAMILIE INTERKULTURELL DURCHS SEMESTER



EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser, das Schwerpunktthema unseres neuen Hochschulmagazins lautet „Diversity“. Seit August letzten Jahres setzen wir uns im Diversity-Audit „Vielfalt gestalten“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft intensiv mit den Fragen auseinander: Was bedeutet Diversity für uns? Wo erleben wir Vielfalt? Wie sensibilisieren wir dafür und wie gehen wir mit dem Anderssein um? Zu Beginn des Heftes finden Sie die Porträts unserer Professorinnen. Im Vorfeld haben wir darüber diskutiert, ob es heute noch angebracht ist, den Frauen, die eine Professur inne haben, in einem Heft zum Thema „Diversity“ besondere Aufmerksamkeit zu geben. Wir meinen ja. Denn auch aktuell beträgt der Frauenanteil bei den Professuren an unserer Hochschule nur 17 Prozent. Mit diesem Wert liegen wir im bayerischen Durchschnitt. Um junge Frauen zu ermuntern, nach der Promotion und Erfahrungen in der Praxis an die Hochschule zurückzukehren, braucht es Vorbilder. Frauen, die zeigen, dass Lehren und Forschen Spaß macht und das eigene Leben bereichert. Nur wenn es uns gelingt, die Zahl der Bewerberinnen um eine Professur zu steigern, ist es möglich, ihren Anteil – auch in den technischen und naturwissenschaftlichen Studienbe­ reichen – zu erhöhen. Unser neues Hochschulmagazin gibt Ihnen darüber hinaus vielfältige Einblicke in neue Lehr- und Forschungsprojekte an unserer Hochschule. Wir stellen Ihren unsere designierte Präsidentin Prof. Dr. Christiane Fritze sowie die neuen Professorinnen und Professoren kurz vor und machen Sie auf aktuelle Termine aufmerksam.

Viele Freude beim Lesen wünscht Ihnen

Prof. Dr. Jutta Michel Vizepräsidentin und ständige Vertreterin im Amt des Präsidenten

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Yvonne Kossmann, Justiziarin und Datenschutzbeauftragte

Prof. Dr. Wolfram Haupt, Dekan Fakultät Angewandte Naturwissenschaften

Im Diversity-Audit engagieren sich Menschen aus den unterschiedlichsten Einrichtungen der Hochschule. Wir haben sie gefragt, was Vielfalt fĂźr sie bedeutet. Ihre Antworten finden Sie im Heft verteilt.

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INHALTSVERZEICHNIS

Inhalt Editorial

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SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Diversity-Audit „Vielfalt gestalten“

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Diversity ist ein Change-Management-Prozess Interview mit Dr. Isabell Lisberg-Haag

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Professorinnen an der Hochschule Coburg

Prof. Dr. Barbara Scholz Bildung eröffnet ein selbstverantwortliches Lebensmanagement

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Prof. Dr. Andrea Tabatt-Hirschfeldt Sozialmanagement unter das Primat der Ethik stellen

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Prof. Dr. Petra Gruner Vernetzung ist wie Luft zum Atmen

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Prof. Dr. Jutta Michel Strenge Arbeitsweise der Mathematik und Vielfalt der Praxis

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Prof. Dr. Susanne Aileen Funke Leidenschaft für biologische und medizinische Zusammenhänge

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Prof. Dr. Hedwig Schmid Das Engagement der Menschen und ihre Innovationskraft machen Unternehmen erfolgreich

Prof. Dr. Maria Kufner Die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung überwinden

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Prof. Dr. Elke Schwinger Suche nach angemessenen Maßstäben für Gerechtigkeit

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Prof. Anne Bergner Design verbindet praktische Funktionen mit Ästhetik

Paten(t)rezept gegen Heimweh

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Man lernt nie aus

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Fit machen für ein Studium in Deutschland

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Zwischen Forschung und Familie

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Prof. Barbara Fuchs Freies, Konzeptionelles, Angewandtes und Bodenständiges verbinden

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Prof. Dr. Gundi Baumeister Metalle, Kunststoffe und Keramik – Werkstoffe sind faszinierend

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FORSCHUNG

Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann Unser Fokus liegt weniger auf der Krankheit, sondern auf der Gesundheit

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Prof. Dr. Susanne Gröne Lernen, mit Herausforderungen umzugehen

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Prof. Dr. Veronika Hammer Soziales und Kulturelles professionell gestalten

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Prof. Dr. Nicole Hegel Tätigkeit als Professorin ist unglaublich sinnstiftend

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Prof. Dr. Pamela Heise Gesundheitsförderung ist ein hoch dynamisches und innovatives Berufsfeld

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Prof. Dr. Susann Hößelbarth Vorurteile und Stigmatisierungen in Frage stellen

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Prof. Dr. Christine Kröger Theoretische Perspektive unterstützt das Verstehen

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Prof. Dr. Claudia Lohrenscheit Menschenrechte – mehr als ein formales Bekenntnis

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Prof. Dr. Karin Meißner Integrative Medizin – Selbstheilungskräfte therapeutisch nutzen

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Prof. Dr. Andrea Schmelz Internationale Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession und -politik

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Neue Implantate für die Wundheilung

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Das Blut kommt mit der Post

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Ungleichheit im Einkommen fördert Fremdenfeindlichkeit

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Design oder Nichtsein – Neues Ressort im TAC

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TAC entwickelt Kraftstoffsensor für Autos

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Interdisziplinäres Doktoranden-Seminar

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STUDIUM

Platz 3 der Weltrangliste

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In Washington die Arbeit der Vereinten Nationen simuliert

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Der Wegweiser im Schuh

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Coburger Studierende liefern Ideen für Landesausstellung 2017 70 Fit für den Beruf als Software-Ingenieur/in

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Master ZukunftsDesign hat sich etabliert

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Ausbau der internationalen Zusammenarbeit mit Shanghai

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EXTRA

Bewegte Geschichten

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PERSONALIEN

Eine Präsidentin für die Hochschule Coburg

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Prof. Krahl zum Präsidenten der Hochschule Ostwestfalen- Lippe ernannt

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Neu an der Hochschule Coburg

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TERMINE / IMPRESSUM

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Prof. Dr. Eckardt Buchholz-Schuster, Vizepräsident

VIELFALT IST ... DIVERSITY-AUDIT

Diversity-Audit „Vielfalt gestalten“

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as verstehen Sie unter „Diversity“? Das Ergebnis meiner Blitzumfrage unter Studierenden in der Cafeteria ist ernüchternd. Viele können mit dem Begriff überhaupt nichts anfangen. Sie schauen fragend zurück. Lediglich einige Studentinnen aus der Sozialen Arbeit haben davon schon gehört. Und sie verstehen darunter die Aufforderung, sich für Minderheiten einzusetzen und für entsprechende Rahmenbedingungen zu sorgen. Der Grund für meine Umfrage ist schnell erklärt: Seit Anfang 2016 durchläuft die Hochschule Coburg den Diversity-Auditprozess „Vielfalt gestalten“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Er soll im Januar 2018 mit der Zertifizierung abgeschlossen werden. „Vielfalt – Wo erleben Sie Vielfalt an der Hochschule?“ – Auf diese Frage bekomme ich von den Studierenden spontane Antworten: „Vielfalt erlebe ich, wenn ich im ‚Coburger Weg‘ mit Leuten aus anderen Studiengängen zusammenarbeite.“ Oder: „Wie vielfältig die

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Hochschule ist, sehe ich an den Studierenden aus anderen Ländern.“ Und: „Es ist spannend, mit Leuten aus anderen Kulturen zusammen zu sein.“ Vielfalt kann spannend sein. Sie schafft aber auch Komplexität und sie fordert heraus. Das erlebte und erlebt die Hochschule Coburg seit 2011 in ihrem Projekt „Der Coburger Weg“. Hier arbeiten aktuell elf der insgesamt 22 Bachelor-Studiengänge aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammen. Konkret bedeutet das: Von dem Projekt sind pro Semester 1.300 Studierende, ihre Dozentinnen und Dozenten und die Studiengangsverwaltungen betroffen. Welche Herausforderungen das birgt, beschreibt die langjährige Projektleiterin Dr. Claudia Schlager sehr anschaulich in ihrem Artikel „Erfahrungen mit interdisziplinärer Lehre. Ein ethnografischer Blick auf die Vielfalt der Fachkulturen“ in der Publikation „Gute Aussichten – Eine Zwischenbilanz zum Projekt ‚Der Coburger Weg‘“. 1

Vielfalt ist aber mehr als die Unterschiede in den Fachdisziplinen und die Staatsangehörigkeit. Menschliche Vielfalt umfasst beispielsweise das Geschlecht, die körperliche Konstitution, die soziale Herkunft, die familiäre Situation, die Religion, die persönlichen Werte und die politischen Einstellungen. Damit verbunden sind u.U. unterschiedliche Lebens- und Karrierechancen, persönliche Belastungen, soziale und gesellschaftliche Herausforderungen. Der Umgang mit Vielfalt setzt also zunächst ihr Erkennen voraus. Eine wichtige Maßnahme sieht der Lenkungskreis des Diversity-Audits daher in der Sensibilisierung der Studierenden, Lehrenden und Beschäftigten für das Thema „Diversity“. Wie vielfältig ist die Hochschule? Diese Frage beantwortete die Hochschule zu Beginn des Diversity-Audits in einem Selbstreport. Die verfügbaren Daten zeigen, dass über die gesamte Hochschule gesehen 50 Prozent der Studierenden weiblich und 50 Prozent


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

männlich sind. Zwischen den Fachgebieten gibt es jedoch erhebliche Unterschiede. So dominieren die Frauen im Bereich Soziale Arbeit und Gesundheit mit 84 Prozent, während sie in den MINTFächern2 mit 19 Prozent in der Minderheit sind. In den Studiengängen der Wirtschaft und im Bauen und Design herrscht weitgehend Parität. Die Hochschule Coburg hat aktuell 102 Profes­ soren und 21 Professorinnen (weiblicher Anteil: 17 Prozent), während der Anteil der Doktorandinnen 33 Prozent beträgt. Auch zur regionalen Herkunft und zur Art der Hochschulzugangsberechtigung liegen Zahlen vor: Neun Prozent unserer Studierenden kommen aktuell aus dem Ausland und 59 Studierende fallen unter die Kategorie „Beruflich Qualifizierte“. Die anderen Aspekte der Vielfalt entziehen sich in der Regel der statistischen Erfassung. Denn sie fallen unter den Schutz der Persönlichkeit und dem daraus resultierenden Datenschutz. Zwar kann der Behinderten-Beauftragte der Hochschule mitteilen, dass ein Prozent der Studierenden einen sog. Antrag auf Nachteilsausgleich stellen, weil sie eine körperliche Behinderung oder eine psychische Erkrankung haben. Er vermutet aber eine beträchtliche Dunkelziffer. Auch bei der Frage nach dem Anteil der sog. Studienpioniere, also der Studierenden aus Nicht-Akademikerfamilien, tappt die Hochschule im Dunkeln. Das Gleiche gilt für die Religionszugehörigkeit und den familiären Status. Brauchen wir diese Zahlen, um eine Diversitätsstrategie zu entwickeln? Sicher wäre es schön zu wissen, wie viele unserer Studierenden Christen, Muslime, jüdischen Glaubens oder konfessionslos sind. Viel wichtiger ist jedoch, dass wir es schaffen, in der Hochschule eine Kultur der Toleranz, der Offenheit und der Hilfsbereitschaft zu schaffen. Einen wichtigen Schritt dahin hat die Hochschule Coburg 2010 mit der Verabschiedung ihres Leitbildes getan. Darin heißt es: „Als Menschen brauchen wir Gerechtigkeit und Vielfalt. Die Vielfalt ist ein zentrales Merkmal unserer Hochschule, das es zu bewahren und mit Blick auf seine Potenziale zu erschließen gilt.“ 3 Mit dem Diversity-Audit wollen wir die passenden Strukturen und Angebote schaffen, die es Menschen in der Organisation „Hochschule“ ermöglichen, bei all ihrer Vielfalt auch Chancen­ gerechtigkeit zu erfahren. Es braucht Anlaufstellen für Studierende, die sich – aus welchem Grund auch immer – diskriminiert fühlen. Angebote, die das Selbstwertgefühl steigern, damit sich Studierende an schwierige Aufgaben trauen. Und wir müssen gemeinsam überlegen, wie es Frauen gelingt, die gläserne Decke (glass ceiling) auf dem Weg zur wissenschaftlichen Karriere zu durchbrechen. Unser Anspruch als Hochschule weltoffen und verwurzelt zu sein4, verpflichtet uns gleichzeitig, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Eine der größten Herausforderungen ist derzeit die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen, die auf der Flucht in unser Land gekommen sind. Damit einher geht die Angst vieler Deutscher vor Überfremdung und Identitätsverlust. Wir brauchen Programme, die es Flüchtlingen ermöglichen, ihre Potenziale auszuschöpfen. Wir müssen uns aber auch der gesellschaftlichen Diskussion stellen. Hochschullehre und Wissenschaft leben von der internationalen Vernetzung. Ängste in der Be­völkerung führen – das zeigen die aktuellen politischen Entwicklungen – zu nationaler Abschottung. Eine kluge Diversitätsstrategie darf aus diesen Gründen nicht zu einer falsch verstandenen Gleichmacherei oder Beliebigkeit führen. Wir sollten vielmehr Gelegenheiten schaffen, das Fremde und die Fremden kennenzulernen. So stärken wir unsere Identität und schätzen die Vielfalt um uns herum. Dr. Margareta Bögelein

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Sie arbeiten am Diversity-Audit mit: STRATEGISCHE STEUERUNGSGRUPPE Monika Faaß Familien- und Gleichstellungsbeauftragte Prof. Dr. Josef Löffl Wissenschafts- und Kulturzentrum Prof. Dr. Claudia Lohrenscheit Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit und Frauenbeauftragte LENKUNGSKREIS Antonia Baum Fakultät Wirtschaft Dr. Margareta Bögelein Pressesprecherin Prof. Dr. Eckardt Buchholz-Schuster Vizepräsident Katharina Gassauer Studierendenvertretung Amanda Ghazouani Studierendenvertretung Victoria Grohmann Referat für Qualität und Akkreditierung Prof. Dr. Wolfram Haupt Dekan der Fakultät Angewandte Naturwissenschaften Claudia Holland Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik Yvonne Kossmann Justiziarin und Datenschutzbeauftragte Prof. Dr. Jutta Michel Vizepräsidentin Christina von Obstfelder Stellvertretende Frauenbeauftragte Susanne Roos Fakultät Design Annette Stegemann Leiterin des International Office Mathias Stübinger Beauftragter für Studierende mit Behinderung

Selbstverlag Hochschule Coburg, 2016, S. 61-65 MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik siehe unter: https://www.hs-coburg.de/fileadmin/hscoburg/Leitbild_Hochschule_Coburg.pdf S. 3 (29.11.2016) Leitbild der Hochschule vom 19.11.2010, S. 3

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Amanda Ghazouani, Studierendenvertreterin

Mathias StĂźbinger, Beauftragter fĂźr Studierende mit Behinderung

VIELFALT IST ...

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SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Diversity ist ein Change-Management-Prozess Interview mit Dr. Isabell Lisberg-Haag

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m Diversity-Audit „Vielfalt gestalten“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft werden die Hochschulen von externen, unabhängigen und fachlich ausgewiesenen Auditoren und Auditorinnen begleitet. Die Wahl der Hochschule fiel auf Dr. Isabell Lisberg-Haag. Die studierte Historikerin ist Geschäftsführerin der Trio Service GmbH und arbeitet bereits seit mehreren Jahren für den Stifterverband. Sie begleitet die Hochschule Coburg während des zweijährigen Auditierungsverfahrens. Sie begleiten die Hochschule Coburg im Diversity-Audit des Stifterverbandes. Was ist das Ziel des Audits? Beim Audit „Vielfalt gestalten“ steht die jeweilige Hochschule im Mittelpunkt. Die Workshop-Teilnehmer entwickeln selbst die Ziele, die zur Hochschule passen. Es geht nicht um das Abhaken vorher festgelegter Pläne, sondern um das gemeinsame Erarbeiten von strategischen Zielen und Maßnahmen. Denn es nützt nichts, irgendwelche abstrakten Zielvorstellungen zu erfüllen, die nichts mit dem Alltag, den Beschäftigten, Lehrenden und Studierenden auf dem Campus zu tun haben.

ist, sondern dass es in den Fakultäten gelebt wird. Denn die Lehre ist das Herzstück im Hochschulleben und da gehört Diversity hin. Und: Diversity ist anstrengend, stellt dieses Thema doch immer wieder alte Gewissheiten und Gewohnheiten in Frage – bei jeder und jedem. Welche Chancen bietet es?

In den drei bisherigen Workshops haben Sie die Hochschule Coburg kennengelernt. Was zeichnet aus Ihrer Sicht die Hochschule aus? Die Hochschule Coburg ist mit ihren knapp 5.200 Studierenden klein, aber weitaus kreativer und innovativer als manch andere, größere Hochschule. Mir ist eine große Offenheit begegnet, Freude an der Diskussion auch bei kontroversen Meinungen und gleichzeitig Realitätssinn, wenn es um die Entwicklung der Ziele geht. Worin liegen die Herausforderungen des Diversity Audits? Diversity ist, wenn man das Thema ernst nimmt, ein Change-Mana­ gement-Prozess. Denn die Akzeptanz von Vielfalt und deren Verankerung in einer Hochschule muss alle mitnehmen: Studierende, Lehrende, Forschende und Beschäftigte – und zwar auf allen Hierarchiestufen. Es ist ganz entscheidend, dass das Audit nicht ein „Verwaltungsprojekt“

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Vielfalt existiert in der Gesellschaft und in jeder und jedem von uns. Lebt eine Hochschule diese Vielfalt, wird sie zu einem Teil der Gesellschaft. Und sie wird attraktiver für die unterschiedlichsten Menschen, die ihrerseits Forschung und Lehre bereichern. Eine Win-Win-Situation für alle! Was ist Ihrer Erfahrung nach unerlässlich für den Erfolg des Prozesses, der durch den Audit angestoßen wird? Die Bereitschaft, auch außerhalb der Workshops die oft mühsame Kleinarbeit zu leisten. Und vor allem nach dem zweijährigen Audit-Prozess weiter am Thema zu bleiben und Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Eine zentrale Diversity-Beauftragte oder ein –beauftragter kann Anstöße geben, immer wieder mobilisieren und damit für Diversity motivieren. Das Interview führte Dr. Margareta Bögelein.

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Leidenschaft für biologische und medizinische Zusammenhänge PROF. DR. SUSANNE AILEEN FUNKE IST PROFESSORIN FÜR MOLEKULARBIOLOGIE IM STUDIENGANG BIOANALYTIK IN DER FAKULTÄT ANGEWANDTE NATURWISSENSCHAFTEN.

Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Die Leidenschaft für biologische und medizinische Zusammenhänge zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Ich habe mich schon als Kind dafür interessiert und in der Schule entsprechende Vertiefungs­ fächer gewählt. An der Uni stellte ich fest, dass mir die anwendungs­ bezogene Wissenschaft im molekularbiologischen Bereich am meisten Spaß macht. Während meiner Dissertation habe ich versucht, Enzyme für die Produktion von Feinchemikalien zur verbessern. Später fand ich dann in der biomedizinischen Forschung meinen Platz. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Mir gefielen das ausgeschriebene Lehrgebiet und die angenehme, lockere und konstruktive Atmosphäre während des Berufungsverfahrens. Ich war mir gleich sicher, bei meinen künftigen Kolleginnen und Kollegen gut aufgehoben zu sein. Des Weiteren fand ich es spannend, am Aufbau des Studiengangs Bioanalytik mitwirken und gestalten zu können.

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Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Im Vergleich zu meiner vorherigen Position ist der finanzielle Handlungsspielraum hier an der Hochschule deutlich begrenzter. Außerdem vergeht hier viel Zeit bei Verwaltungsvorgängen. Das wird aber durch eine deutlich höhere Selbstbestimmtheit ausgeglichen. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Seid neugierig und folgt bei der Berufswahl euren Herzen und Talen­ten und nicht nur rationalen Kriterien, wie z.B. Verdienstmöglichkeiten. Im Beruf müsst ihr es lange aushalten, da sollte der Job schon Freude machen! Mir haben während meines Studiums der Biologie (die Jobchancen galten damals als schlecht) viele Leute eine Zukunft als Taxi­fahrerin prophezeit, ich habe mich aber nicht abbringen lassen. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Ist in der Welt von morgen unabdingbar. Ich finde interdisziplinären


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Kurzvita 2016 Vizepräsidentin für Forschung 2015 Umhabilitation, Universität Bayreuth 2014 Habilitation, Universität Düsseldorf April 2013 Professur für Molekularbiologie, Hochschule Coburg 2007 - 2013 Gruppenleiterin,Forschungszentrum Jülich GmbH: Therapie und Diagnose der Alzheimer-Demenz 2005 - 2007 Postdoc, Institut für Physikalische Biologie, Universität Düsseldorf 02/2005 Promotion am Institut für Molekulare Enzymtechnologie, Universität Düsseldorf

KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Straße 2 | 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-327 E-Mail: aileen.funke@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/funke

Austausch höchst inspirierend, auch wenn er durch unterschiedliche Fächerkulturen und -sprachen nicht immer einfach ist. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Sehr wichtig. Mir persönlich macht Forschung am meisten Spaß, wenn sie anwendungsbezogen ist. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Die Frage ist schwierig zu beantworten. Es wird schon viel getan, auch hier in Coburg. Allerdings ist da noch Luft nach oben. Es fehlt zum

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1995 - 2001 Studium der Biologie, Ruhr-Universität Bochum 1975 geboren im Ruhrgebiet

Beispiel ein Mentoring-Programm für Frauen. Wichtige Themen sind sicher die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Des Weiteren hilft es vielen Frauen, wenn sie durch eine fördernde Person in ihrem Selbst­ vertrauen gestärkt werden. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Beruflich lese ich aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen und ich mag es, in neu erschienenen Lehrbüchern zu blättern. Privat lese ich zur Entspannung gerne Romane, alles vom Krimi bis zum historischen Roman. Aktuell: „Titan“ von Robert Harris. Mein Tipp: „Blackout“ von Marc Elsberg.

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung überwinden Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Mit Vorliebe bewege mich an den Schnittstellen zwischen Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften, besonders rund um das Thema Licht. Über die optische Übertragung von Information und Energie bin ich nun bei der Sensorik und Aktorik angelangt. Es gefällt mir, über die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung hinaus zu erkennen, was um uns herum vorgeht, die Dinge aus dem Verborgenen zu holen und beeinflussen zu können. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? In Coburg war die Position einer Forschungsprofessur in Verbindung mit der Leitung eines Instituts ausgeschrieben. Diese Kombination mit der Möglichkeit Forschung, Lehre und Management miteinander zu verbinden, fand ich außergewöhnlich und sehr attraktiv, und es passte sehr gut zu meinen Wunschvorstellungen. Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Der Berufsalltag ist für mich vielseitiger und abwechslungsreicher. Ich finde mich im fliegenden Wechsel in unterschiedlichen Rollen zu unterschiedlichen Themen im Gespräch mit unterschiedlichen Menschen. Ich erlebe das als eine anspruchsvolle Aufgabe mit großen Handlungsspielräumen, die mich in hohem Maße fordert und zugleich bereichert. Ein besonderer Zugewinn für mich ist das kreative Umfeld und der Austausch mit den Studierenden. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Die Momente, in denen sich die Miene plötzlich erhellt, manchmal begleitet von dem Ausruf ‚Ach so!‘ sind es, die ich ihnen mitgeben möchte. Ich möchte ihnen Appetit machen, selbst Neues herauszufinden, genau hinzuschauen, zu hinterfragen und verstehen zu lernen. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? In unserem Institut ist Interdisziplinarität von zentraler Bedeutung, da wir von unseren Industriepartnern regelmäßig mit Aufgabenstellungen konfrontiert werden, die fächerübergreifende Kompetenzen erfordern. Deshalb ist unser Team in sich schon heterogen zusammengesetzt und es gibt darüber hinaus auch regen Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachgebieten. Dabei staune ich immer wieder darüber, was für eine gegenseitige Bereicherung der Blick aus unterschiedlichen Perspektiven sein kann.

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Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten unseres Instituts sind zum größten Teil aus Drittmitteln finanziert, denen Kooperationen mit Industriepartnern zu Grunde liegen. Die Vernetzung mit der Praxis ist deshalb für den Betrieb des Instituts von essentieller Bedeutung. Um­ gekehrt profitieren auch die Unternehmen von den Ergebnissen der Entwicklungen am Institut, und es ist für alle Beteiligten erfreulich, wenn gemeinsame Entwicklungen in Form von realen Anwendungen Früchte tragen. Vorteilhaft ist auch das Einbeziehen von Studierenden in industriegetriebene Projekte, da damit nicht nur ein höherer Lerneffekt erreicht wird, sondern sich auch schon Kontakte zwischen Firmen und künftigen Absolventinnen und Absolventen anbahnen. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitregelungen sehe ich als notwendig, aber noch lange nicht hinreichend an. Die Erhöhung der Sichtbarkeit von Professorinnen in der Öffentlichkeit erachte ich für wichtig, da Vorbilder für die Berufswahl eine entscheidende Rolle spielen können. Ferner sind karrierefördernde Maßnahmen, die zum Teil in Unternehmen schon durchgeführt werden, auf den akademischen Bereich zu übertragen. Zum Beispiel können das Ziel­ vereinbarungen sein, die innerhalb eines festgelegten Zeitraums zur Förderung mindestens einer talentierten Mitarbeiterin auf ein mindestens eine Stufe höheres Qualifikationsniveau verpflichten. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? von Bülow: Loriots dramatische Werke, Rowling: Harry Potter, Hofstadter: Gödel-Escher-Bach, Liedloff: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück

KONTAKT Institut für Sensor- und Aktortechnik ISAT Am Hofbräuhaus 1b 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-437 E-Mail: maria.kufner@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/kufner


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Kurzvita seit 2014 Forschungsprofessorin und Institutsleiterin des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg 2008 – 2014 Wissenschaftliche Mitarbeiterin, dann Abteilungsleiterin Planare Lichtwellenleiter, Leoni Fiber Optics GmbH, Neuhaus-Schierschnitz und Waghäusel 2002 – 2008 Hochschuldozentin für Mikrooptik an der Universität Mannheim und Geschäftsführerin der Kufner & Kufner GmbH 2000 Habilitation mit Venia Legendi für Informatik 1998 – 2001 Wissenschaftliche Mitarbeiterin, dann Leiterin der Abteilung Optik / Röntgen­ lithografie am Institut für Mikrotechnik Mainz GmbH 1995 – 1998 Postdoc mit Gastprofessur für Photonik an der Vrije Universiteit Brussel, Belgien 1993 – 1995 Postdoc am Institut d’Optique Theorique et Appliquée, Orsay, Frankreich 1993 Promotion in Physik (Dr. rer. nat.) 1988 – 1993 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für angewandte Optik, Universität Erlangen-Nürnberg 1987 – 1988 Software-Ingenieurin bei Philips Kommunikationsindustrie, Nürnberg 1981 – 1987 Studium der Informatik (Dipl. Inf. Univ.) an der Universität Erlangen-Nürnberg

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PROF. DR. MARIA KUFNER IST PROFESSORIN FÜR SENSOR- UND AKTORTECHNIK UND VERWANDTE LEHRGEBIETE IN DER FAKULTÄT ANGEWANDTE NATURWISSENSCHAFTEN

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Design verbindet praktische Funktionen mit Ästhetik Kurzvita seit 2009 Professorin für Integriertes Produktdesign an der Hochschule Coburg seit 2002 Selbständige Beraterin und Designerin in München 1998 – 2002 Angestellte Industriedesignerin bei Siemens Design und Messe GmbH / DesignafairsGmbH, München und Gaggenau Hausgeräte GmbH, München 1991 – 1997 Studium Industrial Design an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart und an der Central Saint Martins School, London 1988 – 1991 Goldschmiedeausbildung an der Staatlichen Berufsfachschule für Glas und Schmuck, Kaufbeuren/Neugablonz

KONTAKT Campus Design Am Hofbräuhaus 1, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-427 E-Mail: anne.bergner@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/annebergner

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SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

PROF. ANNE BERGNER IST PROFESSORIN FÜR INTEGRIERTES PRODUKTDESIGN IN DER FAKULTÄT DESIGN.

Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Gestalten und tüfteln hat mich schon als Jugendliche fasziniert. Nach einer handwerk­ lichen Ausbildung habe ich mich für ein Produktdesignstudium entschieden, weil hier so viele interessante Aspekte zusammen­ kommen: Praktische Funktionen und ästhe­ tischer Ausdruck, die Bedeutung, die Dinge für Menschen haben, und wie sie mit ihnen inter­ agieren, Industrie und Kultur, Innovationsprozesse und herausfordernde Problemstellungen... Im Design kann man sich gestalterisch und intellektuell „austoben“. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Ich kannte die Hochschule Coburg schon durch Lehraufträge. Insbesondere die familiäre Atmosphäre und der enge Kontakt mit den Studierenden haben mich begeistert. Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Als Professorin kann ich selbstbestimmter arbeiten als beispielsweise in meinen Tätigkeiten als angestellte Designerin. Das bedeutet aber auch Verantwortung. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Begeisterung für Design, Motivation, die Welt zu verändern, Kreativität ausleben, Streben

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nach Exzellenz, Freude am gemeinsamen Nach­denken, Entwickeln, Arbeiten mit Anderen. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Sehr wichtig: Design ist immer von interdisziplinärer Arbeit geprägt. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Auch das ist essentiell. Im Design verändern sich Themen, Arbeitsfelder, Werkzeuge, Kontexte, Netzwerke so schnell... Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? In der allgemeinen Arbeitswelt und Politik brauchen wir mehr und bessere Kinderbetreuungsangebote, flexible Arbeitsmodelle und einen Bewusstseinswandel. Der 24 Stunden an 7 Tagen arbeitende kinderlose Mensch darf nicht mehr das heimliche „Ideal“ sein. Die Hochschulen müssen gezielt suchen, werben und ermutigen. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Viel, ständig, alles! Fachliches, Poetisches, Politisches, Schönes, Aktuelles, Wissenschaftliches, Inspirierendes, Seltsames, Forderndes, Qualitätsjournalismus, Blogs, Tweets und Posts und manchmal auch Krimis.

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Freies, Konzeptionelles, Angewandtes und Bodenständiges verbinden Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Bei der Wahl zwischen einem Architekturstudium an der Technischen Universität München und dem Studium der Innenarchitektur an der Akademie der Bildenden Künste habe ich mich für die Akademie entschieden. Die Verbindung einer künstlerischen Arbeitsweise mit technischen Fakten, humanwissenschaftlichen Inhalten und pragmatischen Anforderungen hat mir das eröffnet, was ich gesucht habe: Freies, Konzeptionelles, Angewandtes und Bodenständiges in Einem. KONTAKT Campus Design Am Hofbräuhaus 1, 96450 Coburg Telefon +49(0)9561/317-434 E-Mail:barbara.fuchs@hs-coburg.de

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Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? An der Hochschule Coburg sind in der Fakultät Design auch die Studiengänge verortet, die die Innenarchitektur flankieren und ergänzen: das Produktdesign und die Architektur. Ich finde die Interdisziplinarität in der Lehre der Hochschule Coburg sehr gut, weil sie die Überlappung der Aufgabenstellungen gut abbildet und auf die beruflichen Realitäten des Ineinandergreifens der Professionen vorbereitet.


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

PROF. BARBARA FUCHS IST PROFESSORIN FÜR RAUMKONZEPTION IM FACHBEREICH INNENARCHITEKTUR DER FAKULTÄT DESIGN.

Kurzvita Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Ich habe die Zusammenarbeit in den beruflichen Teams sehr genossen. Da ist vom Handwerker über den Bauherrn, von Fachplanern und Wissenschaftlern bis zu Künstlern alles dabei gewesen! Als Architektin verfolgte ich das Ziel, alle Kompetenzen für ein Projekt so zusammenzubinden, dass das bauliche Ergebnis überzeugt. An der Hochschule sind das Ergebnis eines Teamprozesses und die Zusammenarbeit mit den Kollegen nicht direkt sichtbar. Und doch: Die Absolventinnen und Absolventen möchte ich genauso zufrieden stellen, wie es früher bei Auftraggebern gelungen ist. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Mir ist besonders wichtig, das Generalistische unserer Profession, das Vielseitige der anstehenden Fragestellungen als beglückende Herausforderung zu vermitteln. Mit neugieriger Freude können wir gemeinsam Antworten entwerfen auf Fragen, die über das Gebaute hinaus gesellschaftliche Relevanz haben. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Ich glaube, wenige Berufe sind so interdisziplinär angelegt wie der von Architekten/-innen und von Innenarchitekten/-innen. So ist für mich der interdisziplinäre Austausch auch innerhalb der Hochschule nicht nur gewollt, sondern gerne gelebt. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Neben der Professur eigene Arbeiten auszuführen, eigenen Fragestellungen nachzugehen, das brauche ich, um die direkte Erfahrung von der Realisierung eigener Gedanken zu erleben. Viel Zeit ist dafür nicht. Die Vernetzung mit der Praxis ist in der Lehre der Innenarchitektur an der Hochschule traditionell sehr wichtig. So besteht meine Vernetzung mit der Praxis darin, dass ich möglichst spannende Praxisprojekte für die Studierenden akquiriere, in denen die Komplexität von Projektaufgaben auch für mich interessant und zukunftsweisend ist. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Das bayerische Programm für weibliche Lehrbeauftragte „Rein in die Hörsäle“ halte ich für einen guten Baustein, die persönliche Ermutigung und Einladung zu Bewerbungen von Kolleginnen auch. Entscheidend für mich ist, dass das gesellschaftliche Bild von Wissenschaftlichkeit und unsere Vorstellung von der Vermittlung von Wissen an Hochschulen von Männern und Frauen gemeinsam diskutiert und neu formuliert wird. Dann hätten mehr Frauen Lust und Interesse, sich im Wissenschaftsbetrieb und der Wissensvermittlung zu engagieren.

seit 2009 Professorin an der Hochschule Coburg 2004 - 2008 Lehraufträge an verschiedenen Universitäten und Hochschulen zum Thema „Farbe und Raum“ 2009 Stipendium der Villa Massimo, Rom, in der Casa Baldi, Olevano 2005 - 2007 Forschungsstipendium „Farbe und Raum“ 1999 - 2009 Selbständig als Innenarchitektin und Malerin 1997 - 2001 Mitarbeit in unterschiedlichen Architekturbüros 1988 - 1996 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München, Malerei und Innenarchitektur, Diplom 1984 - 1986 Schneiderlehre, Gesellenbrief

Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Oh, Lesen an sich ist mir ein sehr Liebes, und das Liebste ist genauso vielfältig wie meine Interessen überhaupt. Das Lesen beginnt bei guten Tageszeitungen und geht über Fachbücher meiner Arbeitsgebiete zu geisteswissenschaftlichen Themenstellungen, die mit Philosophie und Gesellschaft zu tun haben. Ein guter Roman kann mich aber genauso packen...

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

PROF. DR. GUNDI BAUMEISTER IST PROFESSORIN FÜR WERKSTOFFTECHNIK IN DER FAKULTÄT MASCHINENBAU UND AUTOMOBILTECHNIK

Metalle, Kunststoffe und Keramik – Werkstoffe sind faszinierend Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Das technische Interesse liegt bei uns in der Familie, daher lag der Ingenieurberuf nahe. Für die Wahl der Studienrichtung „Werkstoff­ technik“ war es prägend, dass ich im Ruhrgebiet aufgewachsen bin, wo Kohle und Stahl immer präsent sind. Dieses ein wenig archaische Umfeld hat mich zunächst einfach fasziniert und die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Werkstoffen hat meine Begeisterung dann so richtig entfacht. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? An der Hochschule Coburg kann ich die gesamte Breite der Werkstofftechnik abbilden: Metall, Kunststoff und Keramik. Mich reizt die Vielfalt, die letztendlich jedoch auf ähnliche Zusammenhänge zurückgeführt werden kann. Die mechanischen Eigenschaften resultieren aus dem mikrostrukturellen Aufbau der Werkstoffe und das ist ein sehr weites Feld, das ich unter unterschiedlichen Aspekten vertiefe und untersuche. Dabei gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken und daher bleibt die Werkstofftechnik immer spannend.

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Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Früher habe ich hauptberuflich in der anwendungsorientierten Forschung gearbeitet und war nebenberuflich als Lehrbeauftragte tätig. Jetzt hat sich der Anteil von Forschung und Lehre umgekehrt. So groß ist der Unterschied daher nicht. Ich genieße es, beide Aspekte miteinander verbinden zu können und habe viel Freude daran, den Studierenden fundierte Grundlagen zu vermitteln und sie zu befähigen, diese Kenntnisse auf konkrete Anwendungsfälle zu übertragen. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Wichtig ist es mir zu vermitteln, dass sich Einsatz lohnt und dass man (fast) alles lernen kann, wenn man wirklich will. Von seinem Ziel sollte man sich auch durch schwierige Umstände und Rückschläge nicht so einfach abbringen lassen. Es macht einen guten Ingenieur oder eine gute Ingenieurin aus, nicht gleich aufzugeben, wenn mal etwas nicht funktioniert. Es macht Spaß, Herausforderungen anzunehmen und Probleme zu lösen, auch wenn es manchmal Schweiß und Mühe kostet. Erst wenn man an seine Grenzen geht, kann man über sich selbst hinauswachsen und sich signifikant weiterentwickeln und das ist ein tolles Gefühl.


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Kurzvita seit 2008 Professorin für Werkstofftechnik an der Hochschule Coburg 2000 – 2008 Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Materialforschung (IMF-III), Forschungs­ zentrum Karlsruhe 1996 - 2000 Promotion, Arbeitsbereich Metallkunde und Werkstofftechnik, Technische Universität Hamburg - Harburg 1991 - 1996 Studium des Maschinenbaus, Vertiefungs­richtung Werkstofftechnik, Ruhr-Universität Bochum KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-460 Mail: gundi.baumeister@hs-coburg.de

Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Der interdisziplinäre Austausch weitet den Blick und ist daher ein Wert an sich. Ich finde es immer wieder verblüffend, wie unterschiedlich Menschen verschiedener Fachrichtung auf dieselben Dinge schauen. In Bezug auf mein Fachgebiet der Werkstoffe ist es mir wichtig, auch mit Menschen anderer Disziplinen im Gespräch zu sein, weil Werkstoffe nahezu überall im Leben eingesetzt werden. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Für Ingenieure und Ingenieurinnen ist die Vernetzung mit der Praxis essentiell, denn wir wollen ja Maschinen und Geräte für die Anwendung entwickeln. Als Leiterin des Labors für Werkstofftechnik bin ich ständig mit interessanten Fragestellungen konfrontiert, die Firmen im Rahmen von Untersuchungs­

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projekten an uns herantragen. Daraus ergibt sich ein hoher Praxisbezug, von dem wiederum die Studentinnen und Studenten profitieren. Neben der Zusammenarbeit mit Firmen in Bezug auf die Werkstofftechnik engagiere ich mich als Praxisbeauftragte des Studiengangs Maschinenbau dafür, dass die Studierenden ein für sie geeignetes Industriepraktikum absolvieren können und auch dafür ist die Vernetzung mit der Praxis natürlich sehr wichtig. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Unsere Gesellschaft ist in weiten Teilen bis heute noch von dem Gedanken geprägt, dass die Männer die Hauptverdiener sind und die Frauen nur hinzuverdienen. Damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöhen kann, müsste ein Wandel in den Köpfen und Herzen sowohl der Männer als auch der Frauen stattfinden, durch den die gelebte

1985 - 1991 Studium des Ingenieurwesens, Studienrichtung Werkstofftechnik, Fachhochschule Dortmund

Gleich­berechtigung normal wird. Insofern hat die bewusste Besetzung von qualifizierten Positionen mit entsprechend geeigneten Frauen eine Vorbildfunktion und sollte verstärkt gefördert werden. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Beruflich lese ich Fachbücher und Zeitschriften mit Bezug zur Werkstofftechnik in der Regel unter einem thematischen Aspekt, der mich gerade beschäftigt. Dabei lese ich dann ganz viele Texte auszugsweise und parallel. Gerade bei Literatur über neue Materialien oder moderne Fertigungsverfahren lasse ich mich aber auch einfach mal zum Schmökern verleiten. Privat lese ich gerne Bücher, die in anderen Ländern oder Regionen spielen und somit Reisen im Kopf möglich machen – das ist für mich wie ein Kurzurlaub und herrlich entspannend.

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Unser Fokus liegt weniger auf der Krankheit, sondern auf der Gesundheit Kurzvita seit 2007 Professorin für Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg 2007 Erwerb der Zusatzbezeichnungen „Sportmedizin“ und „Reisemedizin“ 2006 - 2007 Kommissarische Chefärztin und ärztliche Direktorin der Tomesa-Klinik Bad Salzschlirf 2004 - 2005 Vima Marketing Fulda – Beratung von Firmen und Institutionen – zur Positionierung in den Bereichen Gesundheit und Wellness 1993 – 2004 Ärztin in verschiedenen sportmedizinischen und dermatologischen Kliniken und Praxen 1999 Facharztprüfung Dermatologie seit 1995 Regelmäßige Tätigkeit als freie Medizinund Gesundheitsjournalistin 1994 Promotion Humanmedizin 1986 - 1993 Studium der Humanmedizin Julius-Maximilians-Universität Würzburg

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Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Eigentlich wollte ich – so lange ich mich erinnern kann - Tierärztin werden. Nach dem Abitur habe ich mir dann sowohl tiermedizinische als auch humanmedizinische Fakultäten angeschaut. Am Ende entschied ich mich für die Humanmedizin und habe diese Entscheidung keinen Tag bereut. Nach dem Studium schloss ich eine Weiterbildung zur Hautfachärztin und Sportmedizinerin an. Auf den ersten Blick passen Dermatologie und Sportmedizin vielleicht nicht zusammen. In der Gesundheitsförderung kann ich aber das Wissen aus beiden Bereichen hervorragend nutzen. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Schon während des Studiums sowie im Rahmen meiner medizinjournalistischen Tätigkeit hat mich immer besonders interessiert, was Menschen gesund erhält. Ich erlebte während meiner langjährigen Tätigkeit in Kliniken und Praxen immer wieder, wie der Lebensstil oder Gewohn­ heiten, die leicht zu ändern wären, Menschen krankgemacht haben. 2007 gab es nur wenige Hochschulen, an denen Gesundheits­förderung gelehrt wurde und den damals noch recht jungen Studiengang „Integrative Gesundheitsförderung“ in Coburg empfand ich als innovativ, vielschichtig und zukunftsweisend. Und dieser Eindruck hat sich auch bestätigt. Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Die Arbeit mit Studierenden ist sehr bereichernd. Auch die Tatsache, dass der Fokus bei meiner jetzigen Tätigkeit viel stärker auf Gesundheit als auf Krankheit ausgerichtet ist, empfinde ich als angenehm. Hin und wieder vermisse ich die Arbeit mit Patienten. Weniger fehlen mir die Nachtund Wochenenddienste in der Klinik. Dennoch sitze ich nicht selten abends oder am Wochenende am Schreibtisch, wenn noch etwas fertig gestellt werden muss. Aber hier kann ich häufig selber entscheiden, ob ich bei tollem Wetter lieber tagsüber was unternehme und abends arbeite oder umgekehrt. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Ich möchte den Studierenden die Freude an dem Fach Gesundheitsförderung vermitteln und sie dazu ermutigen, diese Freude später im beruflichen Umfeld weiterzugeben. Denn ein gesunder Lebensstil sollte im Idealfall dauerhaft praktiziert werden, um langfristig messbare Effekte auf den Gesundheitszustand zu erzielen. Das kann nur dann erfolgreich sein, wenn man den Lebensstil nicht als schwierig, einschränkend oder gar belastend empfindet. Gesundheitsförderung sollte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vermittelt werden, sondern mit einem Lächeln. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Eine ganz große Rolle. Schon unser Studiengang ist interdisziplinär. Meine Kolleginnen und Kollegen kommen aus den Bereichen Betriebswirtschaft, Tourismus, Gesundheitswissenschaften, Psychologie, Pädagogik und anderen Disziplinen. Innerhalb unseres Studiengangs bzw. unserer Fakultät gibt es einen sehr regen interdisziplinären Austausch. Daneben führen wir regelmäßig Projekte und Veranstaltungen mit anderen Fakultäten sowie mit externen Partnern durch.


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

PROF. DR. MICHAELA AXT-GADERMANN IST PROFESSORIN FÜR GESUNDHEITSFÖRDERUNG IN DER FAKULTÄT SOZIALE ARBEIT UND GESUNDHEIT.

Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Vernetzung ist wichtig und erleichtert die Arbeit enorm. Leider fehlt mir häufig die Zeit, meine beruflichen Netzwerke auch zu pflegen. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Ich bin selber Mutter von zwei Kindern, die noch relativ klein waren, als ich an der Hochschule angefangen habe. Sowohl mein Mann als auch ich haben zehn Jahre lang in Teilzeit gearbeitet, um die Kinderbetreuung sicher­ zustellen. Das war teilweise anstrengend, hat aber insgesamt gut funktioniert und wir konnten beide unsere Kinder begleiten und gleichzeitig in einem spannenden beruflichen Umfeld tätig sein. Um den Frauenanteil an den Professuren zu erhöhen, sollten mehr Teilzeitstellen sowohl für Frauen als auch für Männer geschaffen werden. Und Teilzeitarbeit darf kein Karrierehindernis sein. Wer in Teilzeit Beruf und Familie jonglieren muss, ist häufig besonders gut organisiert, was auch ein Vorteil für den Beruf sein kann. Daneben sind natürlich gute Betreuungsangebote für Kindergarten- und Schulkinder wichtig, um Betreuungslücken zu schließen. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Beruflich lese ich die entsprechende Fachliteratur. Privat bin ich nicht auf ein Genre festgelegt. Hauptsache, das Buch ist spannend und fesselnd.

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KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon +49 (0)9561/317-369 E-Mail: michaela.axt-gadermann@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/axt-gadermann

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Lernen, mit Herausforderungen umzugehen Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Das war eine sehr konsequente biografische Entwicklung über etliche Jahre durch die Beschäftigung mit Bildungs- und Lernprozessen. Im Mittelpunkt meines Interesses, meiner berufspraktischen Tätigkeit und meiner wissenschaftlichen Arbeit stand immer die Frage, wie sich Menschen durch Lernen und Bildung weiter entwickeln können und wie sie lernen können mit Herausforderungssituationen, wie zum Beispiel Krisen im Leben, umgehen zu können.

KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-520 E-Mail: susanne.groene@hs-coburg.de

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Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Weil die Arbeit mit den Studierenden sehr bereichernd ist, weil ich selber die Möglichkeit habe, mich weiter zu entfalten und durch die Lehre selber immer wieder Neues lerne. Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Der Berufsalltag ist in hohem Maße ausgefüllt von unterschiedlichsten Ansprüchen, aber auch von einer hohen Gestaltungsfreiheit bei den Inhalten von Lehre und Forschung. Der trotz Bologna-Reform immer noch vorhandene relativ hohe Grad von Freiheit der Lehre macht die Arbeit so attraktiv. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Da möchte ich mich einer Aussage Kants anschließen: „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“.


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Kurzvita seit 2010 Professorin an der Hochschule Coburg 2008 - 2010 Leitung und Aufbau der Fachakademie für Sozialpädagogik der Inneren Mission, München 2007 - 2008 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Erwachsenenbildung der Universität Bamberg

PROF. DR. SUSANNE GRÖNE IST PROFESSORIN FÜR PÄDAGOGIK IN DER FAKULTÄT SOZIALE ARBEIT UND GESUNDHEIT

2005 Promotion zur Dr. phil., Universität Bamberg. Thema: Vom (Wieder-) Erlernen des aufrechten Gangs. Trennung und Scheidung in der Familienbildung 2001 – 2007 Fortbildungsreferentin für Fachkräfte in der Sozialen Arbeit (Diakoniekolleg Nürnberg) in den Themenbereichen: Methoden sozialen Handelns, Gesellschaft, Ethik und Sozialpolitik 1996 - 1999 Studium der Diplompädagogik, Universität Bamberg 1994 - 2001 Referentin für die Arbeit mit Alleinerziehenden (Diakonisches Werk Bayern, Nürnberg)

Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Die Soziale Arbeit ist per se interdisziplinär angelegt und deswegen ist der interdisziplinäre Austausch mit den für die Soziale Arbeit relevanten Disziplinen eminent wichtig. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Sehr wichtig, da sie ein Regulativ für die Arbeit an der Hochschule ist. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? In der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit ist der Frauen- und Männeranteil erfreulicher­­weise inzwischen sehr ausgewogen, da sehe ich keinen Nachholbedarf. Andere Bereiche tun sich da schwerer, insbesondere in den technischen Berufen. Hier könnte über besondere Anreiz­ systeme für Frauen nachgedacht werden, vielleicht wäre auch eine verbindliche Quote sinnvoll. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Beruflich lese ich gerade Literatur zur Systemtheorie als Vertiefung für ein Seminar. Privat lese ich vor allem die überregionale Tageszeitung ausführlich und ab und zu mal einen Roman.

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1993 - 1996 Zusatzausbildung: Systemische Einzel-, Paarund Familientherapeutin (ISYS, Regensburg) 1993 - 1995 Studium der Soziologie, Universität München 1990 – 1994 Kinder-und Jugendreferentin, Taufkirchen bei München 1987 – 1990 Jugendbildungsreferentin, Detmold 1984 - 1987 Studium der Sozialpädagogik, FH Fulda

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Soziales und Kulturelles professionell gestalten Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Ich war sozial und kulturell immer schon aktiv. Als Klassensprecherin in der Schule, Jugendvertreterin im Betrieb, Akteurin in einer Jugendzentrumsinitiative und in einer Theatergruppe. Hier habe ich die Neigung zu meinem Fachgebiet entdeckt. Mit Einzelnen oder Gruppen können Dinge in Bewegung gesetzt werden, die eine Situation sozial gerecht und kulturell kreativ verbessern. Menschen, Organisationen und Gesellschaften brauchen die Soziale Arbeit genauso wie die Ökonomie, die Technik und andere Disziplinen. Die Gesellschaftswissenschaften müssen wieder verstärkt in die Öffentlichkeit gebracht werden. Sie haben viel zu bieten, gerade in Zeiten großer gesellschaftlicher Herausforderungen.

KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-374 E-Mail: veronika.hammer@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/hammer

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Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Ich kann mit dieser Professur in meinem Fachgebiet lehren, forschen und publizieren. Und ich finde es gut, mein Wissen mit Menschen zu teilen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass ich in einer Region arbeite, in der ich lebe und die ich sehr schätze. Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Ich erlebe hier viel Wertschätzung und Offenheit zum Diskurs. Dies habe ich an keiner anderen Arbeitsstelle erlebt.


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

PROF. DR. VERONIKA HAMMER IST PROFESSORIN FÜR SOZIOLOGIE, EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG UND SOZIALARBEITSWISSENSCHAFT IN DER FAKULTÄT SOZIALE ARBEIT UND GESUNDHEIT.

Kurzvita seit 2006 Professorin für Soziologie, Empirische Sozialforschung und Sozialarbeitswissenschaft, Hochschule Coburg 2005 – 2006 Leiterin und Fachmoderatorin von Age-Management-Projekten; Koordinatorin des Demografie-Forums im Forschungsinstitut Betriebliche Bildung, Nürnberg 2004 Promotion zum Thema „Die Transformation kulturellen Kapitals – Berufliche Weiterbildung für Risikogruppen allein erziehender Frauen“; Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Erfurt

2002 – 2005 Social-Work-Exkursionen nach Südamerika und Südafrika; Evaluation einer beruflichen Qualifizierungsmaßnahme für Alleinerziehende, Erfurt; Expertise zur Weiterentwicklung des Lebenslagen-Ansatzes, Frankfurt; Coaching und Projektleitung im Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“, Kronach; Projektmanagement eines virtuellen Lehrprojektes „Sozialer Raum und Soziale Arbeit“, Bamberg; Marktanalyse zur Situation von Kurkliniken, Nürnberg 1999 – 2001 Empirische Analysen im Praxisnetzwerk der FH Erfurt, Fachbereich Sozialwesen, im Bereich „Alleinerziehen: Risiken und Chancen auf dem Arbeitsmarkt“

Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Die Lust zu entdecken, zu forschen, zu entwickeln und damit das Soziale und Kulturelle professionell zu gestalten und auszubauen. Und, dass es sich lohnt, sich für eine bessere Stadt, Gemeinde, Region oder Gesellschaft zu engagieren. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Um soziale und kulturelle Themen sinnvoll bearbeiten zu können, gehört interdisziplinäre Kompetenz unmittelbar dazu. In der Praxis ist die Zusammenarbeit von sozio-kulturellen mit juristischen, technischen, medizinischen oder betriebswirtschaftlichen Fachpersonen ganz alltäglich. Von daher ist es wichtig, bereits im Studium darauf zu achten, dass interdisziplinärer Austausch stattfindet, beispielsweise in speziellen Modulen. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Sehr wichtig. In meiner Lehre beziehe ich mich immer wieder auf praktische Beispiele, mache Exkursionen oder lade Gastdozierende aus der Praxis ein. Ich habe ein solides Praxis-Netzwerk aufgebaut, sammle aber auch immer wieder neue Erfahrungen durch weitere

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1998 – 1999 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg 1993 – 1998 Studium der Soziologie an der Universität Bamberg und an der Universität Wien 1988 - 1993 Studium der Sozialpädagogik an der Universität Bamberg 1977 - 1986 Ausbildung zur Industriekauffrau und kaufmännische Berufstätigkeit

Praxis­kontakte. Die Studierenden profitieren von praxisnaher Lehre, die mit empirischen und theoretischen Inhalten kombiniert wird. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Dazu ist es erforderlich, dass Frauen und Männer ihre Geschlechterrolle noch mehr als bisher reflektieren. Sie sollten versuchen, sich in Gebiete hineinzuwagen, die bisher üblicherweise dem anderen Geschlecht vorbehalten waren. Für Männer heißt dies, mehr Familienaufgaben zu übernehmen und für Frauen, häufiger Berufskarrieren umzusetzen. Dieser Ansatz sollte auch von Politik, Unternehmen und Medien getragen und verstärkt werden. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Beruflich lese ich am liebsten solide Gesellschaftsanalysen. Privat lese ich sehr gerne Romane, die sich auf das Leben in der Gegenwart beziehen. Im Urlaub las ich das Buch „Die Gierigen“ von Karine Tuil. Ich war sehr beeindruckt, wie die Autorin von Beziehungen, Liebe und Betrug zwischen Menschen schreibt, die mit ihrer Herkunft und Iden­ tität hadern.

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Kurzvita seit 2011 Professorin für Betriebliches Gesundheitsmanagement und Arbeitsmedizin, Hochschule Coburg 2009 - 2011 BMW Group, Personalressort, Abteilung „Gesundheitsmanagement, Planung, Steuerung und Grundsatzfragen“ 2007 - 2009 BMW BKK, Abteilung „Gesundheitsmanagement, Strategie, Programme, Projekte“ 2000 - 2007 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medizinische Psychologie, Heinrich Heine Universität Düsseldorf 2006 Promotion in Erziehungswissenschaft, Universität Düsseldorf 1999 - 2001 Studium der Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld 1991-1998 Studium der Erziehungswissenschaft, Universität Düsseldorf

KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-563 E-Mail: nicole.hegel@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/hegel

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Tätigkeit als Professorin ist unglaublich sinnstiftend Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Bereits früh im Studium begann ich mich für Gesundheit, ihre Entstehung und ihre Aufrechterhaltung zu interessieren. Zunächst aus einer gesundheitspsychologischen Perspektive in Bezug auf Zusammenhänge von Persönlichkeitsfaktoren und Gesundheit. Ein weiteres Interessensgebiet lag in der Erforschung dessen, wie Gesundheitsinformationen gestaltet sein müssen, um das Gesundheitsverhalten von Personen zu beeinflussen – ich befasste mich also intensiv mit Fragestellungen der Gesundheitsförderung. Nach einer Auseinandersetzung mit diesen Themen an der Universität als wissenschaftliche Mitarbeiterin reizte mich die praktische Umsetzung und ich wagte den Sprung zu BMW, wo ich einige Jahre in der Gesundheitsförderung und im Gesundheitsmanagement tätig war. Der Ruf nach Coburg war für mich anschließend ein folgerichtiger Schritt. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Während mir die Tätigkeit an einer Universität zu wenig praxisrelevant war, war mir das Vorgehen in der Praxis zu wenig theorie- und evidenzgeleitet. Die Professur in Coburg erlaubte es mir, beides zu vereinbaren. Ganz abgesehen davon hat es mir schon immer viel Freude bereitet, andere Menschen in ihrem Wissens- und Erfahrungserwerb zu unterstützen – sei es als Dozentin an der Universität oder als Moderatorin im Rahmen von Workshops in Unternehmen. Ich habe ja nicht umsonst auch Erziehungswissenschaft studiert. Im Rahmen der Professur darf ich sowohl mein fachliches Wissen weitergeben als auch weiterentwickeln und kann zugleich meinen persönlichen Neigungen und Interessen folgen. Ich empfinde dies als Privileg. Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Ich erlebe den Berufsalltag als selbstbestimmter und flexibler. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dadurch besser gegeben. Sich seine Themen und Projekte nach eigenen Vorstellungen gestalten zu können, das macht Spaß! Außerdem ist die Tätigkeit als Professorin unglaublich sinnstiftend, da der Erfolg in der Zusammenarbeit mit den Studierenden unmittelbar erlebbar wird. Sinn in der Arbeit zu erkennen, daran Freude zu haben und über Handlungsspielräume zu verfügen – das alles trägt zu einer hohen Arbeitszufriedenheit bei. Etwas kritisch sehe ich jedoch eine gewisse organisationale Trägheit – hier war das Arbeiten in einem Unternehmen zwar druckvoller, aber auch energischer. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Ich fühle mich dafür verantwortlich, den Studierenden das nötige Handwerkszeug mitzugeben, damit sie für den Arbeitsmarkt gut ausgestattet sind und einen guten Einstieg in das Berufsleben finden. Dazu gehören die fachliche Kompetenz ebenso wie die vielzitierten „soft skills“, also beispielsweise Sozial- und, Selbstmanagementkompetenzen. Wenn ich darüber hinaus dazu beitragen kann, eine Leidenschaft für Themen zu erzeugen, einen kritischen Geist zu entwickeln und ein gewisses Selbstvertrauen herauszubilden – dann bin ich zufrieden.


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

PROF. DR. NICOLE HEGEL IST PROFESSORIN FÜR BETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT UND ARBEITSMEDIZIN IN DER FAKULTÄT SOZIALE ARBEIT UND GESUNDHEIT.

Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Die Förderung der Gesundheit ist eine so komplexe Thematik mit unterschiedlichsten Frage­stellungen und Problemlagen – diese lassen sich überhaupt nicht aus einer einzelnen fachlichen Perspektive beantworten und bearbeiten. Insofern habe ich bereits früh eine interdisziplinäre Sicht eingenommen und möchte behaupten, dass Interdisziplinarität im Kontext der Gesundheitsförderung ein zentrales Arbeitsprinzip darstellt. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Die Vernetzung mit der Praxis ist ungemein wichtig. Um eine gute anwendungsorientierte Lehre zu machen, kann ich mich nicht auf den Erfahrungen ausruhen, die ich in der Zeit vor der Professur gemacht habe – irgendwann ist das nicht mehr glaubwürdig. Es ist das eine, sich wissenschaftlich auf dem neuesten Stand zu halten oder sogar zur Forschung beizutragen. Es ist etwas völlig anderes zu verfolgen, wie und ob diese Erkenntnisse in der Praxis umgesetzt werden. Zudem spielt der Transfer der Forschung in die Praxis insbesondere an Hochschulen für angewandte Wissenschaften eine zentrale Rolle. Insofern betrachte ich es als Aufgabe, mich mit Praxispartnern zu vernetzen, ebenso wie die Lehre zu meinen Aufgaben gehört. Und das macht im Übrigen genauso viel Spaß, wie das Lehren.

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Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Neben einer Vielzahl an gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen, die es noch zu bewältigen gilt, wäre es schon mal ein guter Anfang, wenn hochschuleigene Kindergärten nicht ausschließlich den Kindern von Studierenden zur Verfügung stünden, sondern auch von Kindern der Professorinnen und Professoren besucht werden dürften. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Eines meiner liebsten Fachbücher ist „Motivation und Handeln“ von Heinz Heckhausen. Eine solche Komplexität bei gleichzeitiger sprach­ licher Präzision – ich bin immer wieder beeindruckt. Es ist für Studierende sicher nicht ganz einfach zu lesen, aber ich möchte fast sagen, es hat eine Schönheit der wissenschaftlichen Sprache. Privat: Im Grunde lese ich alles, was meinen Weg kreuzt. Das darf ein blutrünstiger Krimi ebenso sein wie Fantasy oder die Belletristiklisten rauf und runter. Das letzte „Fachbuch“, das ich privat gelesen habe war von Giulia Enders „Darm mit Charme“, das nächste wird sein „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben.

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Gesundheitsförderung ist ein hoch dynamisches und innovatives Berufsfeld KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-526 E-Mail: pamela.heise@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/heise

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Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Als Stadt- und Regionalplanerin beriet ich Kommunen, Betreiber und touristische Destinationen bei der Entwicklung und Ansiedlung von Gesundheits-, Freizeit-, Bildungs-, Kultur- und Sport­ einrichtungen. Diese Tätigkeiten wurden wissenschaftlich durch Lehraufträge ergänzt, bevor ich meinen ersten Ruf als Professorin im März 2006 annahm. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Gesundheitsförderung - insbesondere auch an der Schnittstelle zu Destinations- und Tourismusmanagement - ist nicht nur ein hoch dynamisches und sehr innovatives Berufsfeld. Sondern gleichermaßen ein ökonomisch in hohem Maße relevantes und zukunftsfähiges berufliches Einsatzgebiet für unsere AbsolventInnen. Und das sowohl in Deutschland als auch weltweit. Zudem war es mir wichtig, dass mir die Hochschule Coburg auch weiterhin ermöglicht, meine interna­tionalen Berufserfahrungen einzubringen, zu vertiefen und im Sinne unserer Internationalisierungsstrategie auszubauen.


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

PROF. DR. PAMELA HEISE

Kurzvita

IST PROFESSORIN FÜR GESUNDHEITSFÖRDERUNG UND TOURISMUSMANAGEMENT IN DER FAKULTÄT SOZIALE ARBEIT UND GESUNDHEIT

Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Ich schätze das hohe Maß an Selbstbestimmtheit, Themenoffenheit und Entwicklungspotenzial, das mir mein Beruf ermöglicht. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Bleibt mutig, neugierig und weltoffen! Und aktiv! Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Ein Kernelement des Forschens, des Lehrens und der Beratungstätigkeit, auch im Rahmen von studentischen Projekten, ist für mich der interkulturelle Austausch zwischen Experten unterschiedlicher Disziplinen und aus verschiedenen Kulturkreisen, das Voneinander lernen sowie ein hohes Maß an Toleranz. Insofern kann ich gar nicht ohne den interdisziplinären Austausch innerhalb der Hochschule, mit Praxispartnern und in meinem persönlichen Umfeld leben! Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Besonders für die Lehre und Forschung an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften halte ich einen engen, synergetischen und auch kritischen Austausch sowie eine Vernetzung mit der Praxis für unabdingbar. Und genau dies ermöglicht mir meine Tätigkeit an der Hochschule Coburg! Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Gezieltes schmackhaft machen einer Dissertation bei geeigneten Masterstudentinnen und Vorstellung der sich daran anschließenden Karriereaussicht auf eine Professur. Und auch und vor allem deutlich machen, welche Flexibilität sowie Gestaltungs- und Entwicklungsspielräume dieser Beruf bereithält.

seit 2010 Professorin im B.Sc.-Studiengang „Integrative Gesundheitsförderung“ sowie M.Sc.-Studiengang „Gesundheitsförderung“, Hochschule Coburg; Schwerpunkte: Internationaler Gesundheits­ tourismus, Tourismusmanagement, Destinationsmanagement, nachhaltige Tourismusentwicklung, Crisis Management in Tourism, Projektmanagement, Zukünftige Herausforderungen und Lösungsansätze 2006 - 2010 International School of Management (ISM), Dortmund, Frankfurt/M., München, Studiengangsleiterin „Tourism & Event Management“ (B.A.), Professorin in den Bereichen Tourismus-, Event- und Hospitalitymanagement 2006 - 2007 International School of Management (ISM), Dortmund, Kommissarische Studiengangs­ leiterin „Tourismus-, Event- und Hospitalitymanagement“ (Diplom) 2002 - 2006 Andreas Waschk Consulting, Köln, Projekt­leiterin (Wissenschaft und Praxis) im Bereich Freizeit, Kultur, Tourismus, Bildung, Entertainment, Sport und Gesundheit 2000 - 2002 Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML), Dortmund, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin

Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Privat sehr gerne Dokumentationen und Literatur mit Auslandsbezug. Gerne auch über starke und mutige Frauenpersönlichkeiten. Beruflich lese ich häufig gesundheits- und tourismusbezogene Literatur, die mich jedoch auch privat und persönlich gleichermaßen bereichert!

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Vorurteile und Stigmatisierungen in Frage stellen Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Bereits während meines Studiums habe ich den Themenbereich Sub­ stanzkonsum und Abhängigkeitserkrankungen als viersemestrigen Schwerpunkt gewählt. In dieser Zeit absolvierte ich auch ein mehrwöchiges Praktikum in der niedrigschwelligen Suchthilfe, das schließlich in eine studienbegleitende Honorartätigkeit mündete. Ich fand sowohl die theoretische Auseinandersetzung mit Suchterkrankungen und den begleitenden Themen als auch das Arbeitsfeld sehr spannend. Und so hat mich dieses Fachgebiet auch nach dem Studium sowohl als Sozialpädagogin und Suchttherapeutin in der Praxis als auch in der wissenschaftlichen Arbeit und Lehre nicht mehr losgelassen. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Das war aus mehreren Gründen. Zum einen passt die Denomination der Professur sehr gut. Zum anderen kommt die hohe Bedeutung der Klinischen Sozialarbeit in den Bachelor- und Masterstudiengängen der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit meinen fachlichen Interessen und bisherigen beruflichen Hintergründen besonders nah. Die Größe der Fakultät und der Hochschule lässt eine studierendennahe Lehre und enge Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen zu. Die Hochschule setzt sich zudem für eine hohe Qualität in der Lehre ein. Nicht zuletzt ist Coburg eine sehr interessante Stadt in einer landschaftlich reizvollen Umgebung. Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Ich habe schon vor Antritt meiner Professur an einer Hochschule ge­ arbeitet und die wissenschaftliche Arbeit sowie die Arbeit mit den Studierenden in der Lehre immer sehr gemocht. Dies nun seit einem Jahr im Rahmen einer Professur tun zu können, ist für mich eine große Freude. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Die Arbeit mit Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen ist ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Arbeitsgebiet. Das möchte ich den Studierenden zeigen. Besonders wichtig ist es mir aber, den Studierenden die Freude an der Beschäftigung mit verschiedenen

KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-185 Mail: susann.hoesselbarth@hs-coburg.de

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Themen rund um die Soziale Arbeit zu vermitteln, auch außerhalb dessen, was man für Prüfungen lernen muss. Sie sollen neugierig sein, Fragen stellen, aber auch existierende Vorurteile und Stigmati­ sierungsprozesse gegenüber Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen oder anderen psycho-sozialen Problemlagen hinterfragen und gesellschaft­lichen Ausgrenzungen entgegenwirken. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Nicht nur Substanzkonsum und Abhängigkeitserkrankungen sind aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven zu betrachten. Auch für andere Problemstellungen, mit denen sich Soziale Arbeit beschäftigt, ist die bezugswissenschaftliche Perspektive von großer Bedeutung. Gerade in der Suchthilfe arbeitet die Soziale Arbeit mit ganz ver­­schie­ denen Berufsgruppen zusammen. Daher ist der interdisziplinäre Austausch sowohl in der Praxis als auch in der wissenschaftlichen Arbeit von hoher Bedeutung. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Durch meine langjährige parallele Tätigkeit in einer Suchtklinik und an der Frankfurt University of Applied Sciences habe ich in meinem Berufsalltag ganz praktisch Wissenschaft und Praxis miteinander verknüpft. Diese Kombination erlebte ich stets als große fachliche Be­ reicherung. So entstanden Kontakte zu zahlreichen Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe, die ich auch regelmäßig mit Studierenden besuche. Nicht nur in der Lehre, sondern auch in Forschungsprojekten sind eine hohe Praxisrelevanz der Forschungsthemen und ein hoher Anwendungsbezug wichtig. Auch hierfür ist eine gute Vernetzung von Vorteil. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Frauen sollten gezielt angesprochen und in wissenschaftlichen Berufswegen unterstützt werden, z.B. über Netzwerke für (Jung-) Wissenschaftlerinnen, Informations- und Fortbildungsmöglichkeiten, Einbindung von Studentinnen in Forschungsprojekten und erleichterten Zugang zur Hochschullehre über Lehraufträge. Neben Frauenför­der­ programmen und familienfreundlichen Arbeitsbedingungen sind m.E. auch Vorbilder und Personen wichtig, die bei Studentinnen Denkpro­ zesse in Richtung Hochschullehre anstoßen. Ich selbst wurde während meines Studiums von einer Professorin zur Promotion ermutigt und auf mögliche Wege zu einer Professur aufmerksam gemacht. Dies hatte als Anstoß für meinen Weg nach dem Studium eine große Bedeutung.


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Prof. Dr. Susann Hößelbarth IST PROFESSORIN FÜR THEORIE UND HANDLUNGSLEHRE SOZIALER ARBEIT MIT SCHWERPUNKT SUCHT- UND DROGENHILFE IN DER FAKULTÄT SOZIALE ARBEIT UND GESUNDHEIT

Kurzvita seit 02/2016 Professorin an der Hochschule Coburg 09/2009 – 02/2016 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Frankfurt University of Applied Sciences, zunächst in Suchtforschungs­projekten am Institut für Suchtforschung (ISFF), ab 11/2011 in der Entwicklung, Koordination und Lehre des weiterbildenden Masterstudiengangs „Suchttherapie und Sozialmanagement in der Suchthilfe M.A.“ 2009 – 2015 Verschiedene Lehraufträge, insbesondere im Schwerpunkt Suchthilfe im Bachelor Soziale Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences 11/2007 – 07/2015 Sozialpädagogin/Sozialtherapeutin in der Adaption der salus klinik Friedrichsdorf 06/2014 Abschluss der Weiterbildung zur Sozialtherapeutin Sucht/VT (GVS) 12/2010 Promotion zur Dr. phil. an der Universität Bremen 2005 – 2006 Sozialpädagogin im Anerkennungsjahr im Eastside, idh e.V., Frankfurt am Main 2000 – 2004 Studium der Sozialpädagogik an der Fachhochschule Frankfurt am Main

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

PROF. DR. CHRISTINE KRÖGER  I ST PROFESSORIN FÜR PSYCHOLOGISCHE GRUNDLAGEN DER SOZIALEN ARBEIT

Kurzvita

U ND KLINISCHE SOZIALARBEIT IN DER FAKULTÄT SOZIALE ARBEIT UND GESUNDHEIT

2014 Approbation zur Psychologischen Psychotherapeutin Seit 2011 Professorin für Psychologische Grundlagen der Sozialen Arbeit, Klinische Sozialarbeit und Klinische Heilpädagogik an der Hochschule Coburg 2006 – 2011 Beraterische und psychotherapeutische Tätigkeit in verschiedenen Arbeitsfeldern, u.a. in der Kinder- und Jugendhilfe (Kinder- und Jugendhilfeverbund Wartenburg-Wittenberg-Bitterfeld, Evangelisches Jugend- und Fürsorgewerk gAG), in der Psychiatrie (Tagesklinik Wedding der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig Krankenhaus Berlin) und in der Suchtberatung (Café Beispiellos Berlin – Beratungsstelle für Glücksspiel­ süchtige und deren Angehörigen) 2005 – 2006 Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) an der Kompetenzplattform Suchtforschung der Katholischen Hochschule NordrheinWestfalen, Abteilung Köln 2005 Promotion zur Dr. rer. nat. an der TU Braunschweig 2000 – 2004 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Schulpädagogik und Pädagogische Psychologie (Abteilung Lern- und Verhaltensstörungen) der Humboldt-Universität zu Berlin 1992 – 1999 Studium der Psychologie an der TU Braunschweig

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Theoretische Perspektive unterstützt das Verstehen Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Psychologie verbindet naturwissenschaftliches Denken mit geistes- und sozialwissenschaftlichen Inhalten, vor allem auch philosophischen Fragen – das macht mein grundsätzliches Interesse aus. Die beraterisch-therapeutische Arbeit mit Menschen ist aus vielen Gründen spannend und bereichernd. Es geht dabei häufig um existentielle Fragen und es hat mich oft tief berührt, daran teilhaben und dabei unterstützen zu dürfen, wie Menschen sich eine gelungenere und zufriedenere Lebensperspektive erarbeiten. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Ich kannte die Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit bereits durch verschiedene Lehraufträge die herzliche und kollegiale Atmosphäre hat die Entscheidung für Coburg leicht gemacht. Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Mit zu den schönsten Erfahrungen gehört, junge Menschen ein Stück auf ihrem Bildungsweg begleiten zu können. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Ich freue mich besonders, wenn es gelingt, den Nutzen theoretischer Grundlagen deutlich zu machen - wenn Studierende beispielsweise erfahren können, dass theoretische Perspektiven der


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Psychologie es ermöglichen, Menschen auch in ihren extremen und auf den ersten Blick vielleicht wenig nachvollziehbaren Verhaltens- und Erlebensweisen verstehen zu können. Außerdem wünsche ich mir, dass die Neugierde der Studentinnen und Studenten weiter wächst, dass aus dem, was sie verstanden und gelernt haben, neue Fragen entstehen… Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Der interdisziplinäre Austausch macht meinen beruflichen Alltag aus auch, weil an unserer Fakultät ganz unterschiedliche Grundberufe vertreten sind. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Sehr wichtig - ohne Praxiskontakte und Vernetzung ist gelingende Lehre an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften kaum möglich. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Es ist sicher wichtig, junge Frauen zu ermutigen, wissenschaftlich zu arbeiten - trotz der hohen Unsicherheit, die sich mit einem wissen-

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schaftlichen Werdegang verbindet. Ich hatte in meinem Doktorvater Kurt Hahlweg jemanden, der genau das verstanden hat, der mich zum Beispiel früh dazu ermuntert hat, zu publizieren. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Ich lese gerne und viel - dabei macht die Vielfalt auch die Faszination aus; von daher ist es schwer, Lieblingsbücher oder Lieblingsautorinnen und -autoren zu benennen. Zwei Autoren, die mich besonders beein­ drucken, sind Boris Vian und T.C. Boyle.

KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-368 E-Mail: christine.kroeger@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/kroeger

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Menschenrechte – mehr als ein formales Bekenntnis Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? In den 1980er und 90er Jahren haben sich viele Schüler*innen und Student*innen für Menschenrechte und die internationale Solidarität engagiert. In Südafrika, wo ich längere Zeit verbringen durfte, lernte ich die Vielfalt der Menschenrechtsarbeit kennen. Neben den klassischen Gebieten auch in Wissenschaft und Kunst, kultureller Bildung, Erinnerungsarbeit, Sozialer Arbeit gegen Rassismus und Diskriminierung, mit Frauen, Kindern, behinderten Menschen etc. Die Tatsache, dass ich an dieser praktischen Menschenrechtsarbeit heute selbst aktiv teilhaben und sie mit meinem Beruf verbinden kann, ist ein großes Glück. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Die Hochschule Coburg ist eine der wenigen Hochschulen, an der es gelungen ist eine Professur für Internationale Soziale Arbeit und Menschenrechte einzurichten. Dies gibt uns die Möglichkeit, praktisch zu erproben wie die Menschenrechte über das rein formale Bekenntnis

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hinaus wirksam in die Ausbildung der Sozialen Arbeit, aber auch insgesamt ins Hochschulleben eingebracht werden können. Dies ist angesichts der aktuell in manchen Zusammenhängen sinkenden Zustimmung für Demokratie und Solidarität dringend notwendig. Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Die Hochschule bietet ein Ausmaß an Selbst- und Mitbestimmungsmöglichkeiten, das mir bislang in keinem anderen Arbeitsfeld so begegnet ist. Freiheit und Selbstbestimmung bringen aber bei vielen engagierten Kolleg*innen auch den “Willen zur Selbstausbeutung“ mit sich, d.h. Gremienarbeit bis spät in den Abend, Konferenzen, Beratung und Netzwerkarbeit am Wochenende, Forschungsarbeit in den Ferien und - zu Recht - maulende Freund*innen und Familien, weil die Zeit nie ausreicht. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Als erstes möchte ich Student*innen vermitteln, dass sie mit ihren vielfältigen Anliegen und Themen willkommen und respektiert sind. Im


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Kurzvita PROF. DR. CLAUDIA LOHRENSCHEIT IST PROFESSORIN FÜR INTERNATIONALE SOZIALE ARBEIT UND MENSCHENRECHTE

seit 2012 Professorin an der Hochschule Coburg

IN DER FAKULTÄT SOZIALE ARBEIT UND GESUNDHEIT 2003 - 2012 Leiterin Abteilung Menschenrechtsbildung, Deutsches Institut für Menschenrechte, Berlin

Seminar geht es darum, gemeinsam kritische Fragen und gute Argumente zu entwickeln, zuzuhören, in den Dialog zu treten und dabei auszuhalten, dass unterschiedliche Positionen, Konsens und Dissens im Raum sind. Um es auf einen Begriff zu bringen: kritisches Denken. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Menschenrechtsarbeit ist per se interdisziplinär und braucht tatsächlich auch alle Professionen und Disziplinen. Ich finde es immer wieder faszinierend und bereichernd, hier die unterschied­ lichen Schwerpunkte und Herangehensweisen zu erleben, z.B. die Präzision und Interpretationsgabe der Jurist*innen, der ausgeprägte Sinn für soziale Gerechtigkeit in der Sozialen Arbeit, die Kreativität der Theaterpädagog*innen, das hohe Reflexionsvermögen der Philosophie oder die mehr oder weniger gut ausgebildete Debattenkultur in der Politik. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Das Zusammendenken von Theorie und Praxis ist in der Sozialen Arbeit eine Selbstverständlichkeit. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei den verschiedenen Akteuren in Coburg Stadt und Land, mit denen ich zu tun habe, erlebe ich als sehr groß, offen und sehr zugewandt. Mit Blick auf die internationale Zusammenarbeit bin ich sehr dankbar, dass so viele soziale Praxisstellen im europäischen und außereuropäischen Ausland mit uns zusammenarbeiten, z.B. um die Auslandspraktika unserer Student*innen zu ermöglichen. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Die junge Generation von Frauen, die heute die Hochschulen verlässt, ist hoch motiviert, gut ausgebildet und sehr engagiert; d.h. es liegt nicht an fehlenden Qualifikationen oder Kompetenzen. Wenn es noch Hindernisse gibt, die es zu überwinden gilt, so liegen diese noch immer an den schlechten Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Mutterschaft, Familie und Beruf sowie an den Barrieren in den Köpfen (von Frauen und Männern). Hierzu hat die US-Jobplattform «Speak With a Geek» jüngst ein interessantes Experiment durchgeführt: Sie legte einer Gruppe von Arbeitgebern zwei Mal insgesamt 5.000 Bewerbungen vor: Beim ersten Mal mit Angaben zu Namen und Geschlecht, beim zweiten Mal ohne. Tatsächlich zeigt das Ergebnis, dass Vorurteile noch immer eine große Rolle spielen, denn während beim ersten Durchgang nur 5 Prozent Frauen ausgewählt wurden, waren es beim zweiten 54 Prozent. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Ich liebe es bei meinen vielen Bahnreisen als Pendlerin ausführlich Tages- oder Wochenzeitungen zu lesen. Ansonsten lese ich fast immer und überall - meistens mehrere Bücher gleichzeitig: gerne Fachbücher, aber auch Belletristik, und immer wieder Lieblingsautor*innen wie zurzeit die deutsch-israelische Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff oder Tsitsi Dangarembga, die preisgekrönte Autorin aus Zimbabwe.

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2002 Promotion (Dr. Phil.) Erziehungswissenschaft (Menschenrechtsbildung) 1999 - 2002 Wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Geschäftsführung des Nord-Süd-Zentrums «ZES» am Fachbereich Pädagogik der Universität Oldenburg 1998 Wissenschaftliche Mitarbeiterin; IBKM Institut für Bildung und Kommunikation in Migrationsprozessen am Fachbereich Pädagogik der Universität Oldenburg 1997 Wissenschaftliche Honorarkraft; Präsidium der Universität Oldenburg und Kommission Bildungsforschung mit der «Dritten Welt» in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) 1990 - 1996 Studium der Kulturpädagogik (Universität Hildesheim), Politikwissenschaft/Geographie (Universität Oldenburg) und Interkulturelle Pädagogik (Universität Oldenburg); Abschluss 1996 (Diplom Erziehungswissenschaft)

KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-308 E-Mail: claudia.lohrenscheit@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/lohrenscheit

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Integrative Medizin – Selbstheilungskräfte therapeutisch nutzen Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Als ich mit dem Medizinstudium begann, merkte ich schnell, dass ich mich vor allem für Behandlungsansätze interessierte, die ohne Medikamente und Operationen auskamen. Besonders interessierte mich, welche Rolle die Psyche bei der Behandlung von Krankheiten spielt. So begann ich, über Placeboeffekte zu forschen – also über Effekte von Therapien, die gar keinen Wirkstoff enthalten. Dieses Thema ist so komplex, dass ich mich darüber nicht nur promovieren und habilitieren konnte, sondern über diesen Weg auch zur Integrativen Medizin fand. Dabei geht es mir vor allem um die Frage, welche komplementärmedizinischen Therapieansätze besonders wirksam sind, um Gesundheit möglichst effizient und nachhaltig zu fördern. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Die Hochschule Coburg bietet sehr spannende Studiengänge im noch jungen Gebiet der Gesundheitsförderung an. Es hat mich gereizt, die Ausbildung der Studierenden dieser Fachrichtungen aktiv mitzugestalten, mit ihnen spannende Projekte im medizinischen Bereich durchzuführen und nicht zuletzt meine Studien in den Bereichen Integrative Medizin, Traditionelle Chinesische Medizin und Placebo- und Noceboforschung weiterzuführen.

KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: 09561/317-8030 E-Mail: karin.meissner@hs-coburg.de

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SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Prof. Dr. Karin Meißner IST PROFESSORIN FÜR INTEGRATIVE MEDIZIN IN DER FAKULTÄT SOZIALE ARBEIT UND GESUNDHEIT

Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Auch wenn ich erst seit kurzem als Professorin an der Hochschule Coburg tätig bin, kann ich jetzt schon sagen, dass mir der Berufsalltag sehr vielseitig und vielversprechend erscheint. Mich freut es, dass ich das Wissen, das ich mir in den vorherigen Tätigkeiten erworben habe, nun gezielt an junge Studierende und Wissenschaftler weitergeben kann. Hinzu kommt der intensive Austausch mit den Studierenden. Nicht zuletzt genieße ich die in meinen Augen sehr gelungene Architektur der Hochschule sowie den großartigen Blick zur Veste Coburg! Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Ich möchte ihnen vermitteln, wie spannend und bereichernd Forschung auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung sein kann, und dass es einen gesellschaftlichen Mehrwert hat, sich hier zu engagieren. In meinen Augen hängt Gesundheitsförderung zudem sehr eng mit philosophischen Themen, wie Sinn und Ausrichtung des eigenen Lebens sowie ethischen Aspekten, etwa im Zusammenhang mit Kosten im Gesundheitssystem zusammen. Hier würde es mich freuen, den Studierenden auch den einen oder anderen Impuls zur Ausgestaltung des eigenen Lebens mitgeben zu können. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Diese Art des Austausches ist für mich sehr bereichernd und spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung neuer Projektideen. Alle meine bisherigen Tätigkeiten beinhalteten stets einen regen Austausch mit anderen Fachdisziplinen, und ich bin froh, an der Hochschule Coburg an diese Vorerfahrungen anknüpfen zu können. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Nur durch die enge Zusammenarbeit mit Ärzten und anderen Akteuren im Gesundheitssystem kann es gelingen, praxisrelevante Forschungsfragen zu identifizieren, deren Beantwortung zu nachhaltigen Veränderungen im Gesundheitssystem beitragen kann. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Nach wie vor ist der Frauenanteil bei den Professuren relativ gering, entspricht jedoch in etwa dem Frauenanteil unter den Bewerberinnen auf eine Professur. Daher müsste man in meinen Augen verstärkt daran arbeiten, die Anzahl potentieller Bewerberinnen für Professuren zu steigern. Das kann nur gelingen, wenn talentierte Frauen frühzeitig - möglichst bereits im Studium - identifiziert und gefördert werden. Im weiteren Berufsweg sind meiner Erfahrung nach vor allem positive Vorbilder, individuelles Coaching durch Mentoren sowie familiäre und institutionelle Unterstützung zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie von zentraler Bedeutung. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Beruflich stöbere ich gerne in der neuesten Fachliteratur und setze mich mit medizinischen Konzepten anderer Kulturen auseinander. Privat lese ich gerne Biographien von Künstlern und zur Entspannung Kriminalromane.

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Kurzvita seit November 2016 Professur für Integrative Medizin in der Gesundheitsförderung, Hochschule Coburg seit 2013 Leiterin des „Placebo Research Lab“, Institut für Medizinische Psychologie, Ludwig-Maximilians-Universität München 2013 Habilitation, Ludwig-Maximilians-Universität München 2012 Wissenschaftliche Angestellte, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Friedrich-Schiller-Universität Jena 2009 - 2012 Wissenschaftliche Angestellte, Institut für Allgemeinmedizin, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München 2007 - 2009 Selbständige Tätigkeit im Bereich Medizin 2000 - 2006 Postdoc, Institut für Medizinische Psychologie, Ludwig-MaximiliansUniversität München 2000 Promotion, Ludwig-Maximilians-Universität München 1997 - 1998 Ärztin im Praktikum, Fachbereich Psychiatrie, Bezirkskrankenhaus Haar 1995 - 1997 Forschungsstipendium, Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP), Freiburg 1987 - 1994 Studium der Humanmedizin, Ludwig-Maximilians-Universität München

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Internationale Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession und -politik Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Internationale Perspektiven standen für mich in Studium und Beruf stets im Zentrum. Zum einen fließen in mein Fachgebiet grundlegende bezugswissenschaftliche Perspektiven aus meinen Studienfächern der Politischen Wissenschaften, der Soziologie, der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie den internationalen und interkulturellen Beziehungen ein. Zum anderen profitiere ich von der Vielfalt meiner sozialpädagogisch orientieren Berufserfahrungen in inter- und transnationalen Kontexten der Sozialen Arbeit, u.a. mit Kindern und Jugendlichen, Migrant*innen und Geflüchteten, Menschen mit Behinderungen und Frauen. Internationale Soziale Arbeit und Entwicklung ist somit ein transdisziplinäres Lehr- und Forschungsgebiet. Insgesamt bilden die entgrenzte Welt, internationale Migration, vielfältige Herausforderungen der sozialen Entwicklung und Menschenrechte den roten Faden meiner Forschungs- und Berufsbiographie Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Coburg hat eine kleine, aber sehr dynamische Hochschule, die Studierenden und Lehrenden besondere Möglichkeiten bietet über die Grenzen von Fachdisziplinen hinweg zu lehren und zu lernen (Projekt „Der Coburger Weg“). In Deutschland ist die Hochschule Coburg eine von wenigen Hochschulen für angewandte Wissenschaften, an der das Fach Internationale Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession in der entgrenzten Welt und politisches Handeln gelehrt wird. Dies war für meine Entscheidung eine zentrale Grundlage. Hinzu kommt die Transnationalität und Internationalisierung als fester Bezugsrahmen in der Ausbildung von Sozialarbeiter*innen.

KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-656 E-Mail: andrea.schmelz@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/schmelz

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Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Der Lehr- und Forschungsauftrag an der Hochschule bietet großartige inhaltliche Gestaltungsspielräume. Dies schätze ich sehr. Im Unterschied zum Berufsalltag außerhalb der Hochschule genieße ich regelrecht die Denkräume für theoretische, reflexive Auseinandersetzungen mit aktueller und zukünftiger Praxis. De facto aber sind im Alltag angesichts der 18 Stunden Lehrverpflichtung die Zeitressourcen für eigene Forschung, die Beteiligung an Fachkonferenzen und das eigene Schreiben sehr knapp. Der Hochschulalltag ist stark geprägt von Lehre, Prüfungspflichten, Kommunikation mit Studierenden und komplexen Aufgaben der Selbstverwaltung. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Kritisches Studieren, Forschen und lebenslanges Lernen sind ein Privileg und Geschenk. Für Studierende, die in der digital vernetzten Welt auf­ gewachsen sind, scheinen Informationen, Wissen und oft auch Lösungsansätze schnell verfüg- und konsumierbar. Reflexive Kompetenzen und eine ethische sowie politische Haltung sind m.E. in der Sozialen Arbeit - über das methodische und theoretische Orientierungswissen in der globalisierten Welt hinaus - deshalb heute besonders wichtig. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Der Dialog mit anderen Fachkulturen ist ein wichtiger Baustein in der Forschung und Lehre der Internationalen Sozialen Arbeit. Die Herausforderungen einer menschenwürdigen Zukunftsgestaltung auf UNSERER EINEN ERDE sind komplex. Think Tanks und führende Forschungs­ institute der Welt, die sich u.a. mit Armut, Bildung und globalen Krisen befassen, sind geprägt von multidisziplinären Teams. Es ist für mich daher selbstverständlich, bereits in der Lehre immer wieder über den Tellerrand des eigenen Fachgebietes hinauszusehen. Seit vielen Jahren beobachte ich auch, wie sich die Grenzen zwischen gesellschaftswissenschaftlichen sowie naturwissenschaftlichen Disziplinen auflösen und Teilbereiche neu vernetzen. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? In der Lehre und Forschung an der Hochschule ist eine gute Vernetzung in die Praxis der Region Oberfranken bzw. Bayern und zum Beispiel im Feld von Migration und Entwicklung mit nationalen und inter­ nationalen Akteuren grundlegend, um die Studierenden praxisorientiert auszubilden.


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

PROF. DR. ANDREA SCHMELZ  I ST PROFESSORIN FÜR INTERNATIONALE SOZIALE ARBEIT  U ND ENTWICKLUNG IN DER FAKULTÄT SOZIALE ARBEIT UND GESUNDHEIT

Kurzvita Dr. Andrea Schmelz ist seit 2015 Professorin an der Hochschule Coburg. Sie studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Moderne Geschichte und promovierte an der Humboldt Universität zu Berlin.

Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Familien- und Sorgearbeit ist bis heute eine Frauenfrage geblieben. Im internationalen Vergleich gehört Deutschland noch immer zu den Schlusslichtern in Sachen Vereinbarkeit von (weiblichen) Karrieren und der Erziehung von Kindern - nicht nur an den Hochschulen. Eine geringe Akzent­ verschiebung und meist nur symbolische Entlastung für die weibliche Familienarbeit beobachte ich durch die neue Väterpolitik des letzten Jahrzehnts. Gesamtgesellschaftlich gesehen sind die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und die Karrierewege noch immer am Modell der männ­ lichen Standard(karriere)biographie ausgerichtet. Damit die Zukunft an den Hochschulen und in der Forschung weiblicher wird, brauchen wir dringend eine größere Vielfalt weiblicher Vorbilder in allen Fachdisziplinen. Dazu sind neben dem Ausbau der Fördermaßmaßnahmen ein faires Umdenken und geschlechtergerechtes Handeln in der Familien- und Sorgearbeit notwendig. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Verständlich und schön geschriebene Fachliteratur mit Tiefgang und Zeitungslektüre sind meine täglichen Begleiter. Viel mehr Zeit wünsche ich mir für belletristische Lektüren aus dem breiten Spektrum der Weltliteratur und spannenden Büchern bzw. Essays zu brisanten Zeitfragen. Außerdem bin ich ein Fan von (Auto-)Biographien, Filmen und Ausstellungen zu Gesellschaft, Politik und Kultur und Kunst.

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Sie war langjährig als Beraterin für die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) tätig. Ferner arbeitete sie viele Jahre für das Netzwerk Migration in Europa e.V. und als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für internationale Politik der Freien Universität Berlin. Sie hat zahlreiche internationale Beratungs-, Bildungs- und angewandte Forschungsprojekte im In- und Ausland durchgeführt, u.a. in Ghana, Südafrika, Kamerun, Ruanda, China, Bosnien und Italien. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind vor allem Internationale Migration, Flucht, Vertreibung und Menschenrechte; soziale Entwicklung in Ländern des Südens und Methoden der Sozialen Arbeit; Transnationalität, soziale Ungleichheit und Entwicklung; (postkoloniale) Erinnerungs- und Friedensarbeit.

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Bildung eröffnet ein selbstverantwortliches Lebensmanagement Kurzvita seit 2001 Professorin an der Hochschule Coburg 1989 - 2001 bfz gGmbH in der Abteilung Bildungsforschung als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektleiterin 1991 - 1993 Promotion an der Universität Regensburg in Pädagogik/Erwachsenenbildung 1989 Abschluss des Studiums Diplompädagogik an der Universität Regensburg 1985 - 1989 Dozentin im Bildungsbereich für Erwachsene

Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Meine Entscheidung für das Pädagogikstudium, das Psychologie und Soziologie als Nebenfächer einschloss, fiel nicht zuletzt aufgrund meines langzeitigen Engagements im Bildungsbereich. Zentral war für mich die Einsicht, dass nur mit Bildung ein selbstverantwortliches Lebensmanagement eröffnet werden kann. Folglich wollte ich den für mich wichtigen Gedanken der Teilhabe an Bildung unterschiedlicher gesellschaftlicher Zielgruppen wissenschaftlich und fachpraktisch befördern. Dieses Ziel bewog mich die Professorinnen-Laufbahn einzuschlagen. Zudem bereitete es mir viel Freude, Lehr-Lernprozesse für diverse Themenstellungen und Zielgruppen zu konzipieren, zu strukturieren und umzusetzen. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Die VertreterInnen des Studiengangs Soziale Arbeit und die Studierenden an der Hochschule stellten sich im Rahmen der Probelehrveranstaltung für mich als sehr kommunikativ orientiert dar. So war von Anfang an eine positive Atmosphäre für mich spürbar, die einen diskursfreudigen Umgang mit zukünftigen KollegInnen und eine interessante Lehrtätigkeit erwarten ließ. Die räumliche Nähe zu meinem Wohnort trug selbstverständlich ebenfalls zur Annahme der Professur an unserer Hochschule bei. Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? In meiner Tätigkeit in der Abteilung Bildungsforschung bestand mein Kontakt im Wesentlichen zu arrivierten Fachleuten aus Wirtschaft und Institutionen. Junge, motivierte Menschen waren in der gesamten Projektarbeit eher selten. Diese von mir präferierten KommunikationspartnerInnen habe ich jetzt an der Hochschule gefunden. Meine langjährige Tätigkeit in den transnationalen Projekten zum Thema Genderforschung (E-Quality Management), in deren Rahmen neben der Forschung eine thematisch vielfältige Workshop-Arbeit stattfand, bestärkte mich in Richtung einer lehrenden Aufgabenstellung. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Meine Intention ist eine Ausbildung von theoretisch orientierten Studierenden, die Handlungsstrategien im späteren Berufsfeld ableiten und begründen können. Insofern möchte ich bei den Studiengruppen das Interesse dafür wecken, erworbenes Wissen und Können auch im zukünftigen Arbeitsfeld fortwährend zu aktualisieren und zu reflektieren. In dem Kontakt mit Studierenden fokussiere ich zunehmend den Aspekt, sich die persönliche Weiterentwicklung während des Studiums bewusst zu machen und kritisch zu beleuchten. Das Interesse für aktuelle politische Zielstellungen, die auf die Profession und Disziplin wirken, halte ich prinzipiell für wesentlich. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Um eine disziplinübergreifende Kooperation zu bewirken, die die Sozialarbeitswissenschaften entwickeln hilft, ist der „gelebte“ Austausch mit KollegInnen anderer Disziplinen unerlässlich. Für die Lehre bedeutet dies, Studierenden eine Plattform zu bieten, die Perspektive anderer Disziplinen zu erfassen und auf die eigene fachspezifische Ausrichtung zu beziehen.

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SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

PROF. DR. BARBARA SCHOLZ IST PROFESSORIN FÜR PÄDAGOGIK, SOZIALARBEITSWISSENSCHAFTEN UND SOZIALINFORMATIK IN DER FAKULTÄT SOZIALE ARBEIT UND GESUNDHEIT

Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Meine Lehre in der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit setzt die Vernetzung mit der Praxis voraus, um einen gelungenen Theorie-Praxis-Bezug im Studium transparent werden zu lassen. Zudem sind Aufgabenstellungen, die in der Praxis der Sozialen Arbeit entstehen, zu analysieren und zu bearbeiten. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? An unserer Fakultät bin ich mit dem Frauenanteil der Professuren durchaus zufrieden. Zweifellos sind innovative Förderprogramme für die Ausbildung des weiblichen wissenschaftlichen Personals umfassend notwendig. Im Besonderen gilt dies für Frauen mit Familienaufgaben. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Am liebsten beschäftige ich mich beruflich mit Literatur, die sich kritisch mit der Theorie der Sozialen Arbeit auseinandersetzt und neue wissenschaftliche Diskurse eröffnet (z. B. Bettina Hünersdorf). Privat lese ich gerne politisch fundierte Literatur ebenso wie Regionalkrimis unterschiedlichster AutorInnen.

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KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-485 E-Mail: barbara.scholz@hs-coburg.de

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Sozialmanagement unter das Primat der Ethik stellen Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Nach 15-jähriger Berufstätigkeit als Sozialarbeiterin hatte ich wieder Lust auf wissenschaftlichen Input sowie beruflichen Aufstieg. Daher entschloss ich mich zu einem nebenberuflichen Fern­studium Sozial­ management. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Meine Lust am wissenschaftlichen Arbeiten verstärkte sich während des Fernstudiums, zudem wurde ich von den Professorinnen und Professoren zu einer wissenschaftlichen Karriere ermutigt. Nach wie vor habe

KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon:+49(0)9561/317-367 E-Mail: andrea.tabatt-hirschfeldt@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/tabatt-hirschfeldt

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ich Spaß daran, mich in neue Wissensgebiete einzu­arbeiten, zu lehren, mich innerhalb meiner wissenschaftlichen Community auszu­tauschen und gemeinsam zu forschen. Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Einerseits macht mir der Freiraum Spaß, in dem ich mich bewegen kann. Andererseits erlebe ich eine Entgrenzung der Arbeit. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Ein wissenschaftliches Standing als Selbstverständnis, wie Sozial­ management unter dem Primat der Ethik der Sozialen Arbeit dienen kann (im System arbeiten). Andererseits wie mit Sozial­management und Sozialpolitik das politische Umsystem der Sozialen Arbeit sozial­ anwaltschaftlich getastet werden kann (am System arbeiten). Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Nach Entwicklung einer eigenen Berufsidentität sehe ich den interdis­ ziplinären Austausch in den höheren Bachelor-Semestern und insbesondere im Masterbereich als eine Bereicherung an.


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Kurzvita seit 2009 Professur an der Hochschule Coburg 2008 Promotion an der Universität Hamburg, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Dr. rer. pol.) 2002 – 2005 Weiterbildender Studiengang Sozialmanagement (nebenberuflich), Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel, Abschluss: MSM (Master of Social Management) 1992 – 2009 Vollzeitbeschäftigung als Sozialarbeiterin bei der Stadt Braunschweig, Fachbereich Soziales und Gesundheit

PROF. DR. ANDREA TABATT-HIRSCHFELDT IST PROFESSORIN FÜR SOZIALMANAGEMENT UND PUBLIC MANAGEMENT IN DER FAKULTÄT SOZIALE ARBEIT UND GESUNDHEIT

Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Ich lade regelmäßig Praxispartner in die Seminare ein und mache auch Exkursionen mit den Studierenden. Ich halte dies für wesentlich, um das theoretisch Gelernte besser verorten und reflektieren zu können! Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Zur Verbesserung der Work-Life-Balance insbesondere der pendelnden Frauen sollte dies Be­rücksichtigung in der Stundenplanung finden sowie in der Kultur des Umgangs miteinander.

1991 – 1992 Anerkennungsjahr als Sozialarbeiterin bei der Stadt Braunschweig, Gesundheitsamt, Beratungsstelle für behinderte Menschen 1989 – 1991 Teilzeitbeschäftigung als Leitung einer türkisch-deutschen Schularbeitsgruppe (Obdachlosenunterkunft, Außenstelle des Jugendamtes der Stadt Braunschweig) 1987 – 1991 Studium Fachhochschule Braunschweig/ Wolfenbüttel (Fachbereich Sozialwesen), Abschluss: Diplom Sozialpädagogin / Sozialarbeiterin

Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Sozialkritische Artikel und Bücher mit innovativen Anregungen auch mal andere Wege zu beschreiten.

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Vernetzung ist wie Luft zum Atmen Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Weil der Professor in Bankbetriebslehre an der FU Berlin so tolle Vorlesungen gemacht hat – klang alles so einfach, logisch und schlüssig ... wobei ich schnell festgestellt habe, dass es alles andere als einfach war (und ist). Seit ich in Coburg bin, beschäftige ich mich zudem intensiver mit dem Bereich der Versicherungsbetriebslehre.

KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/6317-332 E-Mail: petra.gruner@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/gruner

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Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Weil Lehre meine Leidenschaft ist – und ich an der Hochschule in Berlin nicht glücklich war und diese Leidenschaft schon aufgeben wollte, aber ich dachte, ich versuche es noch einmal... Stellen für Bankbetriebslehre sind relativ selten und Coburg hatte gerade eine in der Ausschreibung – für Bank-oder Versicherungsbetriebslehre. Da dachte ich mir: Oh, da gibt es einen großen Versicherer vor Ort, mit dem kann man bestimmt zusammenarbeiten. Und so ist es ja auch gekommen: Wir haben gemeinsam einen dualen Studiengang aus der Taufe gehoben, der durch einen berufsbegleitenden Master ergänzt wurde – und schließlich (als die gesetzlichen Rahmenbedingungen dies zuließen) machte ein berufsbegleitender Bachelor im Bereich Versicherung das Angebot komplett.


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

PROF. DR. PETRA GRUNER IST PROFESSORIN FÜR FINANZDIENSTLEISTUNGEN (BANKEN UND VERSICHERUNGEN) IN DER FAKULTÄT WIRTSCHAFT

Kurzvita seit 1998 Professorin für Finanzdienstleistungen an der Hochschule Coburg 1996 - 1998 Professorin an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin (FHTW) im Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Finanzdienstleistungen/ Bankbetriebslehre 1993 - 1996 Senior Consultant/Projektmanagerin bei der UBIS GmbH (Unternehmensberatung für integrierte Systeme), Schwerpunkt: Beratung von Kreditinstituten bei Geschäftsprozessoptimierung, Direct Banking und DV-Strategien

Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Mehr „Einsamkeit“ – ich habe früher in der Beratung im Team gearbeitet – das ist an einer Hochschule (nicht nur in Coburg) relativ schwierig. Es macht doch eher „jeder seins“, was ich sehr schade finde. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Lebenschancen, Mut zur eigenen Meinung, die Fähigkeit zum Denken. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Den interdisziplinären Austausch finde ich total spannend – das kommt meiner Tätigkeit in der Beratung etwas näher – und es scheint mit dem Austausch unter „fachfremden“ Kollegen auch besser zu klappen, als mit den Kollegen aus der eigenen Disziplin. Jedenfalls lerne ich von den Studierenden und den Kollegen im Coburger Weg sehr viel und es macht Freude. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Sehr wichtig – das ist wie „Luft zum Atmen“. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Noch mehr Vorbilder, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr Selbstbewusstsein bei den Frauen „Ich kann das auch“ (aber das wird schon besser). Mentorinnen wären gut, die Frauen Mut machen und sie ein Stück begleiten. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Beruflich alles, was mein Themengebiet betrifft – von der Börsenzeitung über Fachzeitschriften bis zum Fachbuch – leider ist immer zu wenig Zeit. Privat geht es „quer Beet“ – von Hape Kerkeling über Gabriele Krone-Schmalz, Joanne Rowling...

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1992 - 1993 Freiberufliche Tätigkeit, Beratung und Durchführung von Seminaren im Banken­ bereich 1987 - 1992 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität Berlin, Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre der Banken (Lehrstuhlinhaber: Prof. Dr. Karl Scheidl) 1985 - 1987 Vorstandsassistentin bei der GrundkreditBank e.G. – Volksbank 1982 - 1985 Mitarbeit im Vorstandssekretariat und in der Hauptabteilung Betriebswirtschaft, Abteilung Strategische Planung, der Sparkasse der Stadt Berlin West (heute: Landesbank Berlin) 1980 Während des Studiums: Praktikum im Filialbereich der Berliner Bank AG

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PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

Kurzvita seit 10/2014 Vizepräsidentin der Hochschule und seit 06/2016 Vertreterin im Amt des Präsidenten von 03/2010 - 03/2014 Dekanin der Fakultät Wirtschaft seit 2006 Professorin für Versicherungsbetriebslehre und allgemeine Betriebswirtschaft der Hochschule Coburg 1991 - 2006 Gothaer Lebensversicherung (Produktentwicklung im Bereich Betriebliche Altersversorgung, Abteilungsleiterin „Mathematische Analysen“, Hauptabteilungsleiterin „Leben Mathematik“) 1989/1991 Diplom bzw. Promotion am Mathematischen Institut der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Strenge Arbeitsweise der Mathematik und Vielfalt der Praxis Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Das Mathematikstudium habe ich begonnen, weil mich das logische Denken begeisterte. Zur Versicherungswirtschaft kam ich danach, weil mir mein späterer Arbeitgeber ein fachlich sehr breites Arbeitsfeld angeboten hat: die Produktentwicklung in der betrieblichen Altersversorgung mit vielen Anknüpfungspunkten zu Arbeitsrecht, zu Fragen der Bilanzierung, zur Sozialversicherung und zur Kalkulation von Versicherungstarifen und mathematischen Bewertung von Pensionsleistungen, aber auch zu Marketing und Personalführung. Nach der strengen Arbeitsweise in der Mathematik hat mich diese Vielfalt begeistert. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Eigentlich kam ich durch Zufall auf die Idee, Professorin zu werden. Ein Freund schickte mir die Stellenausschreibung einer Stiftungsprofessur Versicherungsbetriebslehre in Coburg, weil er es lustig fand, was sich in meiner alten Heimatstadt tut. Mein Eindruck von der Hochschule und der Konzeption der Versicherungsstudiengänge war dann sehr positiv. Trotzdem war es ein Sprung ins kalte Wasser, weil ich nicht genau wusste, was mich erwartete. Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Die Freiheit selbst zu gestalten, ist für die einzelnen Personen viel höher. Es gibt einfach weniger ausgeprägte Hierarchien und in der Lehre und Forschung große Gestaltungsspielräume. Auch die Zeiteinteilung liegt stärker in meiner Hand. Der Umgang mit Studierenden und deren Fragen fordert immer wieder, die eigenen Vorstellungen und Denkmuster zu hinterfragen. Das macht den Reiz aus. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Glaubt nicht immer dem ersten Anschein und dem, was andere sagen. Denkt über Hintergründe und Zusammenhänge nach, stellt Fragen und überlegt, was ihr besser machen könntet. Seid offen für andere Menschen und andere Sichtweisen. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Schon bei meinem Einstieg ins Berufsleben war für mich entscheidend, viele Themen miteinander verbinden zu können. Ich weiß, dass ich auch klarer über meine eigenen Lösungswege nachdenke, wenn ich sie Menschen aus anderen Professionen erklären muss. Das liegt daran, dass diese oft andere Denkmuster erlernt haben und mich mit Fragen oder Einwänden zwingen, genauer nachzudenken. Bei diesem wechselseitigen Prozess werden oft viel bessere Ergebnisse erzielt, als wenn nur Menschen mit ähnlichen Denkstrukturen an einer Sache arbeiten. D.h., ich halte den interdisziplinären Austausch für extrem wichtig.

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SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

PROF. DR. JUTTA MICHEL  I ST PROFESSORIN FÜR VERSICHERUNGSBETRIEBSLEHRE  I N DER FAKULTÄT WIRTSCHAFT

Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Reine Theorie hat mich irgendwann nicht mehr so interessiert. Ich wollte etwas machen, was mit dem Leben „draußen“ mehr zu tun hat. Für mich persönlich sind der Bezug zur Praxis und damit die Vernetzung mit der Praxis sehr wichtig. Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Wir müssen gemeinsam auch schon junge Studentinnen darin unterstützen, sich mehr - und insbesondere auch wissenschaftliche Karrierewege – zuzutrauen. Wir brauchen mehr Bewerberinnen für Professuren. Dazu müssen wir viel stärker kommunizieren, dass gerade die Verbindung von wissenschaftlicher Karriere (Dissertation) und Praxiserfahrung, die an Hochschulen für angewandte Wissenschaften gefordert werden, unterschiedliche Lebensmodelle ermöglicht und auch deshalb attraktiv ist. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Beruflich Fachzeitschriften, privat Krimis und Reisebeschreibungen.

KONTAKT Campus Friedrich Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-474 E-Mail: jutta.michel@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/michel

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Foto: privat

PROFESSORINNEN AN DER HOCHSCHULE COBURG

PROF. DR. HEDWIG SCHMID  IST PROFESSORIN FÜR PERSONALWIRTSCHAFT, INSBESONDERE PERSONALFÜHRUNG  UND PERSONALENTWICKLUNG IN DER FAKULTÄT WIRTSCHAFT

Das Engagement der Menschen und ihre Innovationskraft machen Unternehmen erfolgreich Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Im Studium habe ich mich zunächst breit aufgestellt. Durch die Disser­tation und vor allem durch die Praxistätigkeiten hat sich dann mein Interesse für Personal- und Führungsthemen herauskristallisiert. Die Bedeutung von Personalmanagement und Führung für den unternehmerischen Erfolg zu beleuchten, macht mir Spaß. Denn es sind die Menschen, insbesondere deren Engagement und Innovationskraft, welche gegebenenfalls den Unterschied zwischen erfolg­ reichen Unternehmen und weniger erfolgreichen Unternehmen ausmachen. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Die Professur sprach mich von den Inhalten und den Gestaltungs­möglichkeiten an. Das hat ideal zu meinem Background gepasst. Sowohl zu meiner Ausbildung als auch zu meinem Pra­xis­bereich. Hier kann ich mich einbringen und meine Interessensgebiete weiterentwickeln. Dieser erste Eindruck hat sich auch bestätigt. Ich finde, dass die Hochschule ein sehr interessantes Profil hat. Sie hat, u.a. mit dem Coburger Weg, viele innovative Dinge angestoßen, auch den Master-Studiengang ZukunftsDesign. Das sind alles Themen, die eine Affinität zu meinen haben. Und: Ich hatte wirklich das Gefühl, willkommen zu sein.

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SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Kurzvita Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? An der Hochschule liegt mein Schwerpunkt in der Lehre. Der gestalterische Freiraum in meinem Fachgebiet ist dabei sehr groß. So habe ich zum Beispiel ganz aktuell ein Forschungssemester bei Rohde & Schwarz verbracht. Sechs Monate bin ich also in Vollzeit in die Industrie zurück, hatte eigene Projekte, war international unterwegs. Dabei habe ich auch hinter die Kulissen gesehen und genau die Dinge erlebt, die ich in der Lehre thematisiere. Industrie und Hochschule, beides hat seine Herausforderung, seinen Reiz. Die Kombination von beidem ist mir wichtig. Das macht die Spannung aus. Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Ich möchte ihnen eine profunde Wissensbasis vermitteln und sie anregen, kritisch zu denken und zu hinterfragen. Sie sollen sich eine eigene Meinung zu Themen bilden, Ideen entwickeln, Lösungen finden, kreativ werden. Und zwar jeweils aus ihrer persönlichen Perspektive. Da muss es möglich sein, dass alle Denkrichtungen erlaubt sind, dass wir offen und lernbereit sind. Dabei möchte ich sie unterstützen. Denn es ist mir wichtig, ihnen einen guten persönlichen und beruflichen Start zu ermöglichen. Die Bildung ist ein Schlüssel dafür. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Besonders im Hinblick auf die persönliche Entwicklung spielt er eine wesentliche Rolle. Die Basis ist, dass man sich gut in seinem eigenen Fachgebiet auskennt. Aber der interdisziplinäre Austausch ist wichtig, um keine Scheuklappen zu bekommen und die Dinge auch mit anderen Augen betrachten zu können. Ich glaube, dass die Herausforderungen der Zukunft es notwendig machen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen. Sich mit Andersdenkenden auseinanderzusetzen, ist nicht immer reibungsfrei. Darum finde ich es gut, dass die Studierenden früh lernen, wie man profitieren kann, wenn man fachübergreifend zusammenarbeitet. Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung mit der Praxis? Ohne Praxisbezug geht es nicht. Gerade an der Hochschule für angewandte Wissenschaften ist ein Austausch mit der Praxis essenziell. Das ist beispielsweise auch das Ziel meiner Vortragsreihe „Personalpraxis im Dialog“, die jedes Semester organisiert wird. Hier haben Studierende die Möglichkeit, Experten aus der Praxis und deren aktuelle Projekte kennenzulernen, sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Es hilft auch, wenn man die Praxis zum Thema im Unterricht macht. Das verdeutlicht den Nutzen, den die Kombination aus Lehre und Forschung erzielen kann. Die Studierenden lernen motivierter, wenn sie an echten Problemen Lösungen erarbeiten dürfen.

seit September 2011: Professorin an der Hochschule Coburg 2006 - 2011 Human Resources Development, Bosch 2003 - 2006 Promotionsstipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung 2000 - 2003 Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Tübingen 1995 - 2000 Studium der Betriebswirtschaftslehre, Universität Tübingen 1991 - 1995 Ausbildung gehobener Dienst mit Studium, Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg

KONTAKT Campus Friedrich-Streib Friedrich-Streib-Str. 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-477 E-Mail: hedwig.schmid@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/schmid

Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Wir müssen frühzeitig das Interesse für diesen Weg wecken und Studentinnen anregen, diesen zu gehen. Das geht zum einen durchs Erleben. Wenn sie also im Studium Tutorate oder wissenschaftliche Hilfstätigkeiten übernehmen und sich den Alltag hinter den Kulissen anschauen. Hier können sie sich ausprobieren und bereits früh testen, ob es eine Passung gibt. Zum anderen müssen wir als Professorinnen den Spaß an der Lehre und Forschung vorleben und Studentinnen gezielt dabei unterstützen und auch ermutigen, diesen Berufsweg zu beschreiten. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Beruflich ist das Fachliteratur jeglicher Art. Aktuell sind dies besonders Themen wie Veränderungsmanagement, Agilität im Unternehmen und Leadership 4.0, die mich beschäftigen. Privat lese ich gerne Krimis.

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VIELFALT IST ... AN DER HOCHSCHULE COBURG PROFESSORINNEN

Suche nach angemessenen Maßstäben für Gerechtigkeit Kurzvita seit 2014 Leiterin des Wissenschafts- und Kulturzentrums der Hochschule Coburg seit 2012 Professorin im BMBF-Projekt „Der Coburger Weg“ der Hochschule Coburg 2004 - 2012 Privatdozentin an der Ludwig-MaximiliansUniversität, venia legendi für Politische Theorie und Philosophie, Dozentin an der Universität Eichstätt (Master „Wirtschaftsethik“) sowie an der Hochschule München 2004 - 2012 Selbständige Wirtschaftsmediatorin und Gymnasiallehrerin an der Europäischen Schule München sowie einem staatlichen Münchener Gymnasium bis 2003 Wissenschaftliche Assistentin (C1) am Institut für Theologie und Gesellschaft der Universität der Bundeswehr München

KONTAKT Campus Friedrich-Streib Friedrich-Streib-Straße 2, 96450 Coburg Telefon: +49(0)9561/317-477 E-Mail: elke.schwinger@hs-coburg.de www.hochschule-coburg.de/schwinger

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Wie kamen Sie zu Ihrem Fachgebiet? Persönliche Neigungen, Talent und Kompetenzen. Durch die angeborene Neigung zum Hinterfragen von „Normalität“, zu kritischem Denken, durch eine Begabung zu einer systematisch agierenden Analyse- und Diskursfähigkeit entdeckte ich nach und nach die Freude an abstrakten logischen Zusammenhängen. Eine Leidenschaft für die Suche nach angemessenen Maßstäben für „Gerechtigkeit“ treibt mich bis heute voran. Die Kompetenzen zu logisch stringenter Argumentationsweise und zu klaren Formulierungen wurde nicht zuletzt auch durch anspruchsvolle Debatten im eigenen Elternhaus von Kindheit an geschult. Weshalb haben Sie sich für die Professur an der Hochschule Coburg entschieden? Die Ausschreibung der Professur war vor allem aufgrund der inter- und transdisziplinären Bildungsziele des Projekts „Der Coburger Weg“ von großem Interesse für mich. Die Stelle war in hohem Maße kompatibel zu meiner eigenen Ausrichtung an „Angewandter Ethik“, mit Themen der Berufs- und Wirtschaftsethik, sowie der Zielsetzung der „Persönlichkeitsbildung“ In diesem Zusammenhang reizte mich auch die fachliche Vielfalt der angebotenen Studiengänge. Die überschaubare Größe der Hochschule erschien mir zudem als eine gute Chance, intensive persönliche Kontakte aufzubauen, mich „heimisch“ zu fühlen und einen effizienten Raum für das hochschulpolitische Engagement zu finden. Wie erleben Sie den Berufsalltag an der Hochschule im Vergleich zu Ihren vorherigen Tätigkeiten? Hier möchte ich drei verschiedene Aspekte hervorheben. 1. Gremienarbeit: Da mein beruflicher Schwerpunkt neben der Selbstständigkeit als Mediatorin vor allem im lehrenden Bereich gelegen war, fühle ich mich wie ein Fisch im Wasser. Ich genieße es auch, mittlerweile auf einen reichen Erfahrungsschatz in Hochschullehre und hochschulpolitischem Engagement zurückgreifen zu können. Ich lerne in beiden Feldern jeden Tag dazu und vor allem im zwischenmenschlichen Bereich ist ein Ende unabsehbar. 2. Forschung: Sehr problematisch erscheint mir im Vergleich zu meiner vorherigen Berufs­tätigkeit der Mangel an einem gesicherten Zeitraum für Forschung und Publikation, der an der Universität dem wissenschaftlichen Personal gewährleistet wird. Mein Einsatz für die akademische Selbstverwaltung als Leiterin des Wissenschafts- und Kulturzentrums nimmt sehr viel Zeit, aber auch psychische Belastungsfähigkeit in Anspruch. Dieses Engagement führt fast notgedrungen zu einer Grundsatzentscheidung in Bezug auf die eigene Forschungsleistung. Dadurch aber riskiert man im wissenschaftlichen Bereich schnell, den Anschluss an die Scientific Community zu verlieren. Gerade auf einer befristeten Projektstelle wie der meinen beinhaltet dies ein hohes berufliches Risiko. 3. Lehre und kollegiale Kommunikation: Der verstärkte Einsatz elektronischer Medien erleichtert heute vieles in der Lehre und bereichert sie. Er ist auch für die organisatorisch orientierte Kommunikation unersetzlich geworden. Aber die damit verbundene Ortsungebundenheit der Kommunikation und die starke Beschleunigung des beruflichen Lebens sind schwierige Herausforderungen. Es gilt, sich selbst Regeln der Befristung von Kommunikation und Arbeit zu setzen, sich diszipliniert zu organisieren, damit auch ein Raum für das wunderbare Leben jenseits der Arbeit ungestört erhalten bleibt. Sehr schnell kann man andernfalls zum Workaholic werden und zerstört die Quellen eigener Kreativität und Wohlbefindens.


PROFESSORINNEN SCHWERPUNKTTHEMA: AN DER HOCHSCHULE DIVERSITY COBURG

Was möchten Sie Ihren Studierenden mitgeben? Vor allem Freude an kritischem, selbständigem und vor allem auch politisch sensibilisiertem Denken. Das Zitat von Theodor Fontane (1905) „Lerne Denken mit dem Herzen, lernen Fühlen mit dem Geist“ trifft das Moment der Persönlichkeitsbildung, der mir hier am Herzen liegt. Welche Rolle spielt für Sie der interdisziplinäre Austausch? Im Interesse der problembewussten Analysen und gesellschafts­ politischen Zielsetzungen von Bildung, wie Themenstellungen nachhaltigen Wirtschaftens oder der Bekämpfung von Armut, durchaus auch betrachtet im globalen Maßstab, sind kommunikative Kompetenzen in inter­disziplinär gemischten Forscherteams mittlerweile unabdingbar. Es geht quasi um eine Art interkultureller Verständigung über die Perspektiven der eigenen Fachdisziplin hinaus, die in früheren Ansätzen der akademischen Bildung vernachlässigt wurde. Ein Training geistiger Flexibilität, aktiven Zuhörens und Empathie unter Fachexperten in interdisziplinären Teams kann in fallspezifische Kooperationen ein bürgerschaftliches Verantwortungsbewusstsein erst zur Praxisrelevanz reifen lassen. Dies gilt natürlich auch für Forschungsvorhaben im Wissenschaftsbereich, d.h. für Kooperationen auf der Ebene von wissenschaftlichen MitarbeiterInnen und ProfessorInnen.

PROF. DR. ELKE SCHWINGER IST PROFESSORIN FÜR PHILOSOPHIE, WISSENSCHAFTSTHEORIE UND ETHIK IM WISSENSCHAFTS- UND KULTURZENTRUM DER HOCHSCHULE COBURG

Was müsste getan werden, damit sich der Frauenanteil bei den Professuren erhöht? Hier ist die Phase des Master-Studiums mit entscheidend, um Talente unter den weib­ lichen Studierenden anzusprechen, ihnen persönlich Mut zu machen und die betreffenden jungen Frauen durch Coaching/Men­toring zu fördern. Leider trifft biographisch betrachtet der kritische Zeitpunkt für längerfristige Karriereplanungen bei Frauen meist genau auf die Lebensphase der Familiengründung. Auf­klärung und Öffentlichkeits­arbeit, even­ tuell auch Stipendien mit integriertem „Betreuungsgeld“ wären hier ein wichtiges

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Instrument der Förderung! Schwierig erweist sich aber auch die rechtliche Hürde für Hochschulprofessuren, mindestens fünf Jahre Vollzeit in einer außerakademischen Berufstätigkeit vorweisen zu müssen. Frauen, die grundsätzlich auf Familiengründung verzichtet haben, sind hier im Vorteil. Doch gerade diese Frauen haben sicherlich auch außerhalb der Hochschule so hohe Karrierechancen, dass das dort gebotene, wesentlich höhere Lohnniveau die Hochschule vermutlich nur als zweitrangiges Tätigkeitsfeld erscheinen lässt. Was lesen Sie am liebsten beruflich und privat? Zum einen wissenschaftliche Lektüre, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen Trends oder mit Kräften ökonomisch-sozialem Wandels beschäftigt. Zum anderen Prosa-Lektüre (Romane, Krimis), die Einblick in das individuelle Denken und die Persönlichkeitsstrukturen der Akteure ermöglicht.

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VIELFALT IST ... DURCHS SEMESTER INTERKULTURELL

Paten(t)rezept gegen Heimweh  Ein fremdes Land, eine fremde Sprache, fremde Menschen. Studierende, die aus dem Ausland kommen,  müssen sich erstmal zurechtfinden in Coburg. Bürger und Bürgerinnen aus der Region können deshalb  eine Patenschaft für sie übernehmen.

I

ch habe meine Mutter angerufen und geheult, dass ich nach Hause will.“ Allen - 23, dunkle gewellte Haare, braune Augen, voller Bart erinnert sich an seine ersten Tage in Coburg. Vor wenigen Wochen ist der Inder hier angekommen. Wir sitzen in einem Café am Coburger Marktplatz. Vor den großen Fenstern schlendern Familien vorbei. An diesem schönen Sonntag zieht es die Leute nach draußen: spazieren gehen, Kaffee trinken, die letzten Sonnenstrahlen genießen. Sonntag ist Familientag. Allen und seine Familie trennen fast 10.000 Kilometer. Doch der 23Jährige ist heute nicht allein. Der Coburger Fotograf Dieter Ertel hat eine Patenschaft für den Studenten übernommen. Heute haben die beiden eine kleine Tour durch den Hofgarten gemacht. Rauf zur Veste Coburg, den Ausblick über die Stadt bewundern, dann noch etwas Aufwärmen im Café. „Was möchtest du trinken?“, fragt Dieter Ertel den Studenten, als die Bedienung an den Tisch kommt. „Apple Juice!“ „Mit oder ohne Sprudel?“ hakt die Kellnerin nach und Ertel übersetzt. Vor zwei Wochen haben sich Allen und der Fotograf zum ersten Mal getroffen. Zusammen mit allen anderen Tandems, die beim Paten­ programm GastFREUNDschaft in diesem Semester zusammengewürfelt wurden. Die Idee dahinter: Bürger und Bürgerinnen aus Coburg und

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Umgebung nehmen die ausländischen Studierenden ein bisschen an die Hand. Sie lernen die Coburger Kultur kennen, machen gemeinsame Ausflüge mit ihren Paten und haben einen Ansprechpartner, der ihnen das Ankommen erleichtert. Wie oft sie sich treffen oder austauschen – das kann jedes Paar selbst entscheiden.

„Meine Kinder waren viel in der Welt unterwegs und überall wurden sie freundlich aufgenommen. Was liegt da näher, als selbst etwas zurückzugeben.“ Dieter Ertel Vor sechs Jahren hat das International Office das Patenprogramm ein­ geführt. Hochschule und Stadtmarketing Coburg arbeiten dabei zusammen. Vor Semesterbeginn gehen sie auf Patensuche. 23 haben sich diesmal gemeldet. Damit sind natürlich nicht alle ausländischen Stu­ dierenden versorgt. Aber auch nicht alle der 70 Neuen, die in diesem Semester angekommen sind, wollen teilnehmen. Pate werden kann eigentlich jeder. Vom alteingesessenen Coburger bis zum Studenten oder der Studentin an der Hochschule. „Da sind sogar schon Liebesbeziehungen entstanden“, verrät Veronika Wagner, die das Programm beim International Office betreut. Unter dem Motto „Interkulturell durchs Semester“ gibt es an der Hochschule noch weitere Angebote, die den Austausch mit den ausländischen


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Studierenden fördern sollen. Der englischsprachige Master Analytical Instruments, Measurement and Sensortechnology organisiert zum Beispiel ein „Buddy Programm“. Den Studierenden, die in diesem Studiengang aus aller Welt nach Coburg kommen, werden Kommili­ toninnen und Kommilitonen zur Seite gestellt, die mit ihnen die Stadt und die Hochschule erkunden. Ähnlich wie GastFREUNDschaft, nur dass hier speziell Studierende der Hochschule eingebunden werden. Auch um Deutsch zu lernen, gibt es verschiedene Programme. Zum Beispiel üben die Studierenden bei gemeinsamen Spieleabenden, die richtigen Worte zu finden. „Wir möchten, dass sie auch am gesellschaft-

lichen Leben hier teilhaben können“, erklärt Veronika Wagner. Bei Dieter Ertel und seinem letzten Patenstudenten Narayan Bhusal besteht der Kontakt auch heute noch. Der Fotograf ist sogar zur Hochzeit des Nepalesen geflogen und hat tolle Bilder mit zurückgebracht. Ein Bild will auch Allen Tom noch machen. Beim Spaziergang zur Veste bleibt er stehen und zieht sein Smartphone aus der Hosentasche. Erin­ nerungsfoto mit Dieter Ertel. Die beiden lachen in die Kamera. Ein­ drücke, die Allen jetzt auch seiner Familie nach Hause schicken kann. Madelaine Ruska

Hochzeit auf Nepalesisch Vor zwei Jahren hat Dieter Ertel zum ersten Mal beim Patenprogramm GastFREUNDschaft mitgemacht und dabei Narayan Bhusal kennengelernt. Jetzt hat der Nepalese den Fotografen zu seiner Hochzeit eingeladen. Narayan und seine Frau Salina gehören dem Hinduismus an. Insgesamt haben die Feierlichkeiten zwei Tage gedauert. Der erste Teil der Zeremonie hat bei der Familie der Braut stattgefunden. Am zweiten Tag ging es dann zum Bräutigam. Auf dem Bild übergeben sich Narayan und Salina gerade die Willkommens-Malas. Der Tausch dieser Blumenketten bedeutet, dass die beiden einander annehmen. Auf der Stirn hat das Brautpaar rot gefärbten Reis (Tika). Der soll Glück für die gemeinsamen Jahre bringen. Fotos: Sebastian Rüger (5), Dieter Ertel (1) COBURGER HOCHSCHULMAGAZIN | Wintersemester 2016/17

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VIELFALT IST ... SENIORENUNI

Man lernt nie aus

„A

ls Frau war es in meiner Generation nicht einfach zu studieren“, sagt Romy Singer. „Ich blieb zuhause und hab mich um das Kind gekümmert.“ Bei der SeniorenUni der Hochschule Coburg genießt sie nun nachträglich die Atmosphäre eines Studiums. Einmal im Jahr organisiert die Hochschule Coburg Vorlesungen für Seniorinnen und Senioren. Das Konzept dahinter nennt sich lebenslanges Lernen. Die Seniorinnen und Senioren, die an die Hochschule kommen, sind aktiv, geistig fit und neugierig auf neue Themen und Ideen. Die SeniorenUni ist ein interdisziplinäres Projekt der Integrativen Gesundheitsförderung und der Sozialen Arbeit. Prof. Dr. Nicole Hegel und Sozialpädagogin Beate Weigle starteten das Projekt im Rahmen des Coburger Wegs, um die ältere Generation zu erreichen. Die Studierenden lernen dabei fächerübergreifend zusammenzuarbeiten und erwerben Kompetenzen im Projektmanagement. 2013 startete die erste SeniorenUni, sie findet mittlerweile jedes Jahr mit vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Die Studentinnen Lena Falthauser und Sarah Henning haben ein Jahr lang an der Organisation der jüngsten SeniorenUni gearbeitet. „Eine große Herausforderung war es, Themen zu finden, die gerade Seniorinnen und Senioren interessieren“, erzählen sie. Sie entschieden sich für Vorlesungen zur Positiven Psychologie, dem sensorgesteuerten Fahren und zur Gesundheitskompetenz im Alter.

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Die Positive Psychologie stellt die Frage: Was macht mich glücklich? Diese Frage beschäftigt Menschen jeden Alters. Die Seniorinnen und Senioren haben darauf ganz einfache Antworten: Der Enkel lacht zum ersten Mal, die Sonne scheint auf den Frühstückstisch oder man geht gemeinsam spazieren. Diese kleinen Momente des Alltags wertzuschätzen, das ist das Ziel. Dem sensorgesteuerten Fahren stehen die Seniorinnen und Senioren zunächst skeptisch gegenüber. Die Technik ist das Gebiet, das sich am schnellsten weiterentwickelt, finden die Seniorinnen und Senioren. Autos ohne Fahrer halten sie dennoch für eine Utopie. Prof. Dr. Stefan Gast aus der Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik erklärt ihnen die Technik dahinter und beschreibt, welche Chancen und Risiken das sensorgesteuerte Fahren bietet. Sandra Nold und Alvia Killenberg stellen das Forschungsprojekt GeWinn vor. Die Hochschule Coburg erforscht darin, wie die Gesundheitskompetenz älterer Menschen gestärkt werden kann. Dazu gehören praktische Übungen, wie Meditation und Atemtechniken. Am Nachmittag erleben die Seniorinnen und Senioren in Workshops wie praktisch die Lehre an der Hochschule Coburg ist. Sie malen, führen eigene Experimente durch und lernen Methoden gegen Stress kennen. „Uns geht es darum, die Vielfalt der Lehre abzubilden“, erklärt Beate Weigle. Die Themen sind daher jedes Jahr andere. So gab es bereits


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

VIELFALT IST ...

Vorträge zu Coburg als Mittelpunkt Germaniens, zu Darmbakterien oder Sexualität im Alter. Vielen Seniorinnen und Senioren gefällt es an der Hochschule so gut, dass sie jedes Jahr wiederkommen. Romy Singer konnte dieses Mal auch ihren Mann motivieren. Die beiden freuen sich über den Kontakt zur jüngeren Generation. Auch der Studentin Lena Falthauser gefällt das besonders gut an ihrem Projekt. „Die Senioren bringen neues Leben in die Hochschule. Ihre Begeisterung ist erfrischend.“ Coaches wie Beate Weigle unterstützen die Studierenden bei der Organisation und Durchführung der SeniorenUni. Sie passt auf, dass sich die Studierenden beim Finanzplan nicht verkalkulieren und Vorträge und Catering rechtzeitig organisieren. „Für die Studierenden ist das manchmal eine ziemliche Herausforderung“, sagt Weigle. Die Studierenden bilden ein Team, das von einem Gruppenleiter oder einer Gruppenleiterin geführt wird. Das klappt mal mehr und mal weniger gut. Die Studierenden lernen dadurch, sich selbst zu organisieren. „Zu sehen, was wir selbst auf die Beine stellen können, ist schön“, hält Studentin Sarah Henning fest. Das sieht auch Beate Weigle so. Die SeniorenUni schlägt eine Brücke zwischen den Generationen. Beide Seiten sehen: So schlimm sind die anderen gar nicht. „Am Ende geht es doch darum, sich zu verstehen und zusammen leben zu können.“ Mareike de Raaf Viktoria Grohmann, Referat für Qualität und Akkreditierung

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STUDIENKOLLEG

Fit machen für ein Studium in Deutschland Nigeria, Mexiko, Vietnam – Studierende der Hochschule Coburg kommen von überall her. Neben jungen Menschen aus Bayern und Deutschland sitzen im Hörsaal viele internationale Kommilitoninnen und Kommilitonen. Am Studienkolleg Coburg erwerben sie zuvor die Zugangsberechtigung für das Studium an einer deutschen Hochschule.

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eit über fünfzig Jahren bereitet das Studienkolleg Coburg auslän­ dische Bewerberinnen und Bewerber auf ein Studium in Deutschland vor. Viele Schulabschlüsse aus dem außereuropäischen Ausland werden in Deutschland nicht anerkannt. Das Schulsystem vieler Staaten ist mit dem deutschen System nicht vergleichbar. Um an einer der 17 bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften studieren zu können, durchlaufen die Bewerber am Studienkolleg Coburg daher eine Feststellungsprüfung, die mit dem Fachabitur vergleichbar ist. Einer von ihnen ist Nicolas Rodriguez. Er kommt aus Kolumbien. In Deutschland wollte er eigentlich nur einen Sprachkurs machen und die Kultur kennenlernen. Jetzt bleibt er, um in Deutschland Mechatronik zu studieren. Als ein in Deutschland ausgebildeter Ingenieur habe ich später weltweit gute Jobchancen“, erklärt er seinen Wunsch hier zu studieren. Das Studienkolleg ist eine eigenständige Bildungseinrichtung, die dem bayerischen Kultusministerium direkt unterstellt ist. In Coburg ist das Studienkolleg eng mit der Hochschule vernetzt. Das spiegelt sich in den angebotenen Kursen wider. In drei Schwerpunkten können die Studierenden die Feststellungsprüfung ablegen: Technik, Wirtschaft und Soziales. 1963 startete das Studienkolleg mit nur einem Kurs und wenigen Schülerinnen und Schülern. Heute sind es 130 Studierende, die jedes Jahr die Vorbereitungskurse für ein Studium belegen. Auf die begrenzte Anzahl von Plätzen gibt es einen großen Ansturm. Die Bewerber müssen in einem Feststellungstest Deutsch- und Mathematikkenntnisse nachweisen. „Menschen aus aller Welt lernen Menschen aus aller Welt kennen“, beschreibt Katja Wagner das Studienkolleg. Sie leitet die Einrichtung seit fast fünf Jahren und unterrichtet die jungen Leute aus allen Ecken der Welt. Eine Herausforderung, die gleichzeitig viel Spaß macht, sagt sie. „Unsere Studierenden sind hochmotiviert und auf ihr Ziel konzentriert,

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schließlich erfüllen sie sich hier ihren Traum von einem deutschen Studium“. Keine Selbstverständlichkeit, denn es fällt viel Bürokratie auf dem Weg dahin an. Katja Wagner unterstützt die Studierenden im deutschen Behördendschungel. Dafür arbeitet sie eng mit der Ausländerbehörde Coburg zusammen. Der Aufenthaltsstatus jedes Studierenden ist begrenzt. Der Abschluss am Studienkolleg muss innerhalb von zwei Jahren erfolgen. Dafür müssen Kurse des gewählten Schwerpunkts sowie Sprachkurse erfolgreich absolviert werden. Für diese Zeit müssen die Studierenden 8.000 € auf einem Sperrkonto nachweisen. Die enge Zusammenarbeit mit der Behörde garantiert ein möglichst reibungs­ loses Studium.

„Menschen aus aller Welt lernen Menschen aus aller Welt kennen.“ Katja Wagner Vierzig Nationen sind momentan im Studienkolleg vertreten. Die größten Gruppen kommen zurzeit aus Vietnam, Indonesien und Marokko. Stéphanie Azzi kommt aus Brasilien. Sich fremd zu fühlen, beschreibt sie als das Schwierigste. „Wer bin ich, was möchte ich, das konnte ich nicht ausdrücken“, sagt sie. Das Studienkolleg ist dann eine große Hilfe. Es bietet Ersatz für die Familie, die weit weg ist. Zum Beispiel durch Freunde wie Peter Akindeinde, der aus Nigeria kommt. „Zu Beginn ist man sehr isoliert und versteht vieles nicht“ sagt auch er. Die Freunde aus Vietnam, Indonesien und Nigeria lassen das Heimweh aber schnell vergessen. Gemeinsam kochen sie Gerichte aus den verschiedenen Landesküchen, üben die deutsche Grammatik oder tanzen. Aus welcher Nation jemand kommt, ist dabei nicht mehr so wichtig. Das beobachtet auch Katja Wagner. Sie lernt in ihrer Arbeit am Studienkolleg viel über Kulturen und Menschen und stellt fest: Nationale Klischees treffen selten zu. Jeder Mensch ist anders. Wie er sich verhält, was ihm wichtig ist und wie aufgeschlossen er ist, bestimmen sein Charakter und seine Persönlichkeit. „Die Herkunft legt das nicht fest“, sagt sie.


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

VIELFALT IST ...

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Für deutsche Firmen sind die Studierenden später attraktive Mitarbeiter. Nach ihrem Studium beherrschen sie nicht nur ihre Muttersprache, sondern sprechen auch fließend deutsch. Besonders in technischen Berufen erwartet die Studierenden aufgrund des Fach­kräftemangels eine gute Arbeitsmarktsituation. Viele Absolventinnen und Absolventen schauen auch nach Jahren mal wieder beim Studienkolleg vorbei. Katja Wagner sieht dann, wie verschieden die Lebenswege sind. Einige studieren später in Coburg, andere gehen an andere bayerische Hochschulen. Nach dem Studium bleiben nicht alle in Deutschland. Für manche ist es aber zu einem neuen Zuhause geworden. Mareike de Raaf

Susanne Roos, Koordinatorin Fakultät Design

2003 bezog das Studienkolleg ein eigenes Gebäude auf dem Campus Friedrich Streib der Hochschule Coburg. So konnte die Vernetzung mit der Hochschule auch räumlich umgesetzt werden. Auf sechs Unterrichtsräume verteilen sich die Studierenden. Sie erhalten wie ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen von der Hochschule einen Studierendenausweis, sind im Hochschulsport tätig, engagieren sich in den Coburger Hochschulgruppen und essen gemeinsam in der Mensa. Die Neugierde der Studierenden auf Deutschland ist groß. Bereits kleine Selbstverständlichkeiten wie die deutsche Pünktlichkeit, die Sorge um das Wetter oder die bayerische Bierkultur sind für sie exotische Eigenheiten.

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VIELFALT IST ...

Zwischen Forschung und Familie Jeder Tag ist ein Spagat für Marwa Malhis. Die 32-Jährige will ihren Traum verwirklichen und an der Hochschule Coburg promovieren. Dafür muss sie Familie und Arbeit unter einen Hut bringen.

M

it großen Augen nuckelt Sidra (1 Jahr alt) an ihrer Flasche und mustert den Mann mit der Kamera. Er filmt erst ihren Schuh, dann ihr Gesicht und schließlich ihre Mutter, die neben der Kleinen an der Bushaltestelle wartet. Das Filmteam des Coburger Hochschulfernsehens begleitet Marwa und Sidra heute auf dem Weg zur Kinderkrippe. Denn es will die Geschichte der jungen Syrerin erzählen, die seit März 2016 als Doktorandin an der Hochschule Coburg tätig ist. Jeden Tag bringt Marwa ihre Tochter vor der Arbeit zu den „CampusZwergen“. Dort werden die Kinder von Studierenden der Hochschule betreut. „Ich bin froh, dass es Sidra da so gut gefällt“, sagt Marwa. Und tatsächlich, kaum durch die Tür, rennt die Kleine freudestrahlend auf die Erzieherin und die anderen Kinder zu. Viele berufstätige Frauen müssen irgendwie den Alltag mit Arbeit und Familie meistern. Gerade die Hochschulen haben dafür schon spezielle Angebote entwickelt. Kinderbetreuung, Halbtagsstellen, Beratung für werdende Mütter, Familienbeauftragte. Vizepräsidentin Prof. Dr. Susanne Aileen Funke weiß, dass in der Forschung andere Regeln gelten als beim Bürojob. „Im naturwissen­ schaftlichen Bereich sind Promotionen sehr, sehr zeitaufwändig. Das

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bedeutet, dass die Leute von früh bis spät im Labor stehen und Versuche machen. Bei solchen Versuchen kann man jetzt nicht einfach sagen – es ist fünf Uhr – ich geh nach Hause. Man muss auch mal länger machen oder am Wochenende kommen und das ist natürlich gerade für Frauen mit Familie ein relativ großes Problem.“ Für Marwa ist es eine Frage der Organisation: „Ich bin zum Beispiel so bis 17 Uhr in der Arbeit. Dann hol ich meine kleine Tochter ab und wir gehen nach Hause. Mit meiner großen Tochter machen wir noch Hausaufgaben und essen danach zusammen. Bis 20 Uhr bin ich also immer beschäftigt. Das ist zwar anstrengend, aber es lohnt sich.“ Vor vier Jahren sind Marwa, ihr Mann Mazen und Sidras ältere Schwester Hoor (8 Jahre alt) nach Deutschland gezogen. Marwa hat hier mit Bestleistung ihren Master abgeschlossen und nebenbei ihre zweite Tochter bekommen. Jetzt forscht sie an möglichen Heilmitteln für Alzheimer. Dass Marwa einmal promovieren würde, hätte sie eigentlich nicht gedacht. Dass das sogar in Coburg geht, erst recht nicht: „Ich hab meinem Mann gesagt: Die Stadt ist toll, gefällt mir. Aber der einzige Nachteil ist, dass ich hier nicht weiterstudieren kann. Und wir haben gedacht, vielleicht finde ich was in Bamberg oder Erlangen.“


SCHWERPUNKTTHEMA: DIVERSITY

Fotos (4): iTV Coburg

Marwa wurde in Syrien geboren und ist in Saudi Arabien aufgewachsen. Zum Studieren zieht die junge Frau zurück in ihre Heimat nach Aleppo. Sie schreibt sich für Pharmazie ein, lernt an der Uni ihren Mann Mazen kennen. Nach dem Abschluss gehen die beiden nach Frankreich. Eigentlich wollen sie nur ein paar Erfahrungen im Ausland sammeln, sich weiterbilden und dann nach Syrien zurückkehren. „Aber die Probleme haben angefangen und dann hatten wir Angst zurückzugehen.“ Marwa ist eine quirlige junge Frau. Wenn sie erzählt, sprudeln die Wörter aus ihr heraus. Sie spricht Englisch, Französisch, Arabisch

VIELFALT IST ...

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und natürlich Deutsch. Wie gut es ihr in Coburg gefällt, sagt sie nicht nur mit Worten, sondern mit ihrer ganzen Ausstrahlung. Die Stelle an der Hochschule wird durch ein Stipendium der Landeskonferenz der Frauenbeauftragten finanziert. „Darüber bin ich sehr froh“, sagt Vizepräsidentin Funke, die gleichzeitig auch Marwas fachliche Betreuerin ist. „So wie ich Marwa kenne, hätte sie das sonst noch unentgeltlich machen wollen!“ Ermöglicht wird Marwas Promotion auch durch die TechnologieAllianz­ Oberfranken (TAO). Hierbei kooperieren die vier oberfränkischen Universitäten und Hochschulen in Bamberg, Bayreuth, Hof und Coburg. Den Filmbeitrag über Marwa gibt es zu sehen unter: coburger-hochschulfernsehen.de/zwischen-forschung-und-familie Madelaine Ruska

Dr. Margareta Bögelein, Pressesprecherin

Als Marwa dann den neuen Master-Studiengang „Bioanalytik“ auf der Internetseite der Hochschule entdeckt, kann sie ihr Glück kaum fassen: „Ich war so froh. Ich hab sofort angerufen und einen Termin mit dem Studiengangsleiter gemacht und habe mich beworben.“

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Foto: photocase.com/Helgi

Neue Implantate für die Wundheilung Was geschieht während der Heilung eines Knochenbruchs? Prof. Dr. Stefan Kalkhof von der Hochschule Coburg erforscht diesen Prozess. Er hat in Kooperation mit der Universität Leipzig und der Technischen Universität Dresden eine Analysemethode für den Wundbereich entwickelt.

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ie Zahl der Knochenbrüche mit kompliziertem Heilungsverlauf ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Ein Team aus Materialwissenschaftlern, Biologen, Biochemikern, Chemikern, Medizinern, Bioanalytikern und Informatikern erforscht Möglichkeiten, Knochen- und Hautverletzungen besser zu heilen. Prof. Kalkhof arbeitet mit ihnen im Sonderforschungsgebiet 67 „Funktionelle Biomaterialien zur Steuerung von Heilungsprozessen in Knochen- und Hautgewebe – vom Material zur Klinik“ der Universität Leipzig und der Technischen Universität Dresden zusammen. Insgesamt zwanzig Arbeitsgruppen hat das Sonderforschungsgebiet, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Ziel ist die Entwicklung neuer Implantate, die Entzündungen vorbeugen und die Heilung aktiv unterstützen. Prof. Kalkhof erforscht in seinem Teilprojekt die molekularen Prozesse, die im Wundbereich ablaufen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Martin von Bergen vom Helmholtz-Institut für Umweltforschung und Prof. Dr. Stefan Rammelt vom Universitätsklinikum Dresden analysiert er behandelte Knochenbrüche. Mit einer minimal-invasiven Mikrodialyse entnehmen sie Proteine und Aminosäuren direkt aus der Wundflüssigkeit. Dafür verwenden sie einen kleinen Katheter, deren Kanüle nur die Größe einer kleinen Blutkapillare hat.

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Die Proben werden im Zeitverlauf der Heilung, meist in den ersten zwei Tagen, entnommen. Sie zeigen, wie sich die Zusammensetzung von Metaboliten und Proteinen während der Heilung verändert und welche Entzündungsmarker aktiv sind. Prof. Kalkhof und Prof. von Bergen konnten mit ihrem Team 400 Proteine, Aminosäuren und Lipide aus dem Wundbereich isolieren und mittels Massenspektrometrie quantifizieren. Erprobt wurde dies durch Versuche an Ratten und Schweinen im Labor des Universitätsklinikums Dresden. „Die Erkenntnisse helfen, passende Implantate zu entwickeln, die den Heilungsprozess aktiv fördern“ sagt Prof. Kalkhof. Die Forscher haben nun ein besseres Verständnis der Prozesse, die im Wundbereich ablaufen, und können die Implantate entsprechend optimieren. Im Fokus steht dabei, das Risiko für Entzündungen und Abstoßungsreaktionen zu verringern. Die Ergebnisse wurden in den internationalen Journalen Biomed Research International und PLOS One publiziert. Unter www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27441377 können sie nachge­lesen werden. Mareike de Raaf


Foto: photocase.com/s_karau

FORSCHUNG

Das Blut kommt mit der Post Der Transport von vergifteten Blutproben ist aufwändig und unterliegt strengen Sicherheitsauflagen. Eine Bioanalytik-Studentin der Hochschule Coburg hat für die Bundeswehr eine einfachere, kostengünstige Methode entwickelt und untersucht.

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eit dem ersten Weltkrieg werden chemische Kampfstoffe gezielt bei militärischen Auseinandersetzungen oder Anschlägen eingesetzt. Die Vergiftung im Blut der Betroffenen zweifelsfrei nachzuweisen, ist eine wichtige Aufgabe der Einsatztruppen vor Ort. Denn ein positives Ergebnis hat sowohl medizinische als auch politische und völkerrechtliche Konsequenzen. Häufig finden sich nur Spuren der eingesetzten Mittel im Blut. Deshalb ist es wichtig, dass die Probe während des Transportes nicht verändert wird. Nur so können spezielle Labore der Bundeswehr die chemischen Kampfstoffe nachweisen. Die Probenentnahme und ihr Transport stellen also gerade in Krisengebieten ohne Infrastruktur eine große Herausforderung dar. Die Coburger Studentin Sophia Willoh hat sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit deshalb mit alternativen Methoden auseinandergesetzt. Und die Lösung scheint verblüffend einfach: „Wenn man das Blut oder Blutplasma trocknet, lässt es sich einfach per Post verschicken“, erklärt

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Willoh. Die getrockneten Proben seien zum einen nicht als Gefahrgut eingestuft, zum anderen sogar stabiler als in flüssiger Form. „Selbst bei hoher Luftfeuchtigkeit oder hohen Temperaturen geht nichts verloren.“ Ihre Tests hat die Studentin am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr in München durchgeführt. Es ist das wissenschaftliche Kompetenzzentrum der Bundeswehr in allen Fragen des medizinischen Schutzes vor chemischen Kampfstoffen und vergleichbaren Giften. Betreut wurde sie von PD Dr. Harald John (Inst-PahrmToxBw) und Diplom-Ingenieurin Antje Vondran (Hoch­schule Coburg). Die Fachzeitschrift „Analytical Chemistry“ hat die Ergebnisse der Forscher publiziert: Harald John, Sophia Willoh, Philipp Hörmann, Markus Siegert, Antje Vondran and Horst Thiermann: “Novel procedures for analysis of dried plasma using mi-crosampling devices to detect sulfur mustard-albumin adducts for verification of poi-soning“, August 2016 (http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.analchem.6b02199) Madelaine Ruska

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Eine Studie der Hochschule Coburg und des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zeigt: Ein Verdienstrückstand verstärkt fremdenfeindliche Einstellungen.

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rof. Dr. Lutz Schneider, Volkswirt und Forschungsprofessor an der Hochschule Coburg, untersucht in Kooperation mit dem Leibniz-Institut Halle die Ursachen für fremdenfeindliches Denken. Und er stellt sich die Frage, welchen Einfluss das Einkommen hat. Die Forscher zeigen: Nicht die absolute Höhe des Einkommens ist entscheidend, sondern der Verdienst im Vergleich zu Bekannten und Verwandten. Ist das Einkommen deutlich niedriger, steigt die Tendenz zu fremdenfeindlichen Einstellungen. Die Antipathien richten sich dabei besonders gegen Migranten aus Niedriglohnländern. Fremdenfeindliche Aktionen werden in Deutschland immer häufiger. Im Osten Deutschlands sind sie weit häufiger als im Westen. Was sind die Ursachen dafür? Lutz Schneider und Walter Hyll vom Leibniz-Institut erforschen die Rolle des Einkommens. Dafür analysierten sie Daten, die im September 1990

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in der DDR vom Zentralinstitut für Jugendforschung Leipzig erhoben wurden. Schneider und Hyll konzentrierten sich auf Ostdeutsche, die während der Teilung Freunde und Verwandte im Westen hatten. Mit dem Fall der Mauer und der gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsunion teilen sie sich einen Arbeitsmarkt und können ihr Einkommen vergleichen. Diejenigen, die deutlich weniger als ihre westdeutschen Bekannten verdienten, neigten zu negativeren Einstellungen gegenüber Ausländern. Die Forscher führen das auf die Furcht vor zusätzlicher Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt durch Migranten zurück. Die Studie zeigt, dass sich soziale Abstiegsängste in Fremdenfeindlichkeit äußern können. Die Ängste sind im Osten Deutschlands größer, da die Wohlstandsdifferenz zwischen Ost und West auch 26 Jahre nach der Wende noch existiert. Mareike de Raaf

Foto: photocase.com/zettberlin

Ungleichheit im Einkommen fördert Fremdenfeindlichkeit


Foto: photocase.com/view7

FORSCHUNG

Gutes Design ist mittlerweile ein entscheidender Erfolgsfaktor. Und zwar nicht nur für Mode und Konsumartikel, sondern ebenso für Industrieprodukte und auch für soziale Einrichtungen. Das Technologietransferzentrum Automotive der Hochschule Coburg TAC erweitert daher sein Themen­ spektrum. Prof. Michael Heinrich aus der Fakultät Design leitet das neue Ressort „Designfunktion und visuelle Kommunikation“.

Design oder Nichtsein – Neues Ressort im TAC

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ir wissen heute, dass beim Kauf von Produkten und Dienstleistungen rationale Überlegungen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Entscheidung beruht zum großen Teil auf emotionalen Reaktionen, bei denen ästhetische Reize und das Markenimage eine wichtige Rolle spielen. Besonders sichtbar wird das in der Automobilindustrie, bei Smartphones und in der Möbelbranche. Aber auch bei Industriebauten und der Gestaltung von Arbeitsplätzen gewinnt das Design mehr und mehr an Bedeutung. „Design ist unmittelbar wahrnehmbar und es spricht den ganzen Menschen an“, erklärt Professor Heinrich den Siegeszug des Designs. „Es macht Produkte und Dienstleistungen, aber auch potenzielle

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Arbeitgeber attraktiv, schafft Identifikation und fördert die Kreativität“, so Heinrich. Die grundsätzlichen Fragen sind jedoch: Was zeichnet gutes Design aus und wie kommt es zustande? Antworten darauf liefern psychologische, soziologische und neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse. Und: Gutes Design braucht den Dialog des Unternehmens mit den Kunden und den Mitarbeitern. „Wenn man Design ernst nimmt, dann setzt das im Unternehmen einen Change-Prozess in Gang“, davon ist Professor Heinrich überzeugt. Er will Unternehmen und Institutionen durch Vorträge, Workshops und Beratung begleiten und ihnen die Chancen und die Wege zum guten Design aufzeigen. Dr. Margareta Bögelein

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Foto: photocase.com/lama-photography

TAC entwickelt einen Kraftstoffsensor für Autos Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor werden auch in absehbarer Zeit auf unseren Straßen unterwegs sein. Um die weltweiten Klimaziele erreichen zu können, muss deshalb an vielen Stellschrauben gedreht werden. Ein Anknüpfungspunkt ist das Zusammenwirken des Kraftstoffs mit dem Motor.

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as Technologietransferzentrum Automotive der Hochschule Coburg TAC entwickelt in den nächsten drei Jahren – gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Rossner aus der Fakultät Elektrotechnik und Informatik einen sog. „onboard-Kraftstoffsensor“. Er soll im Fahrzeug die Zusammensetzung und die Qualität des Kraftstoffes messen. Die so erzeugten Daten können genutzt werden, um den Motor optimal auf den Kraftstoff abzustimmen und dadurch den Verbrauch und die Emission zu redu­ zieren. Ein weiterer Einsatzbereich sind Plug-in-Hybridfahrzeuge. Hier besteht die Gefahr, dass der Kraftstoff lange im Tank bleibt, degradiert und das Fahrzeug dann auf der Straße liegen bleibt. Hier soll der Kraftstoffsensor

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helfen, den Degradationsgrad zu bestimmen bevor sich Ablagerungen gebildet haben. Das Forschungsprojekt wird im Rahmen der FHprofUND-Förderlinie des Bundesforschungsministeriums für drei Jahre mit insgesamt 601.000 Euro gefördert. Außerdem unterstützt die Union für Oel- und Proteinpflanzen UFOP das Projekt mit 60.000 Euro. Die UFOP fördert die Biokraftstoffforschung des TAC bereits seit etlichen Jahren. „Die Forschung des TAC auf diesem Bereich ist national und international anerkannt. Mit unseren Mitteln wollen wir dazu beitragen sie weiter zu stärken“, erklärt Dieter Bockey von der UFOP. Dr. Margareta Bögelein


FORSCHUNG

Interdisziplinäres Doktoranden-Seminar „Zwischen den Welten“ – so nennt sich das interdisziplinäre Doktoranden-Seminar der Hochschule Coburg. Mehrmals im Semester sind alle Doktorandinnen und Doktoranden der Hochschule Coburg eingeladen, sich über Fächergrenzen hinweg auszutauschen.

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ie bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften haben zwar kein eigenes Promotionsrecht. Sie können aber Doktoran­ dinnen und Doktoranden beschäftigen, die in Kooperation mit einer Universität promovieren. Ziel des Doktorandenseminars „Zwischen den Welten“ ist es, den Promovierenden eine Plattform zur überfachlichen Diskussion zu bieten. Sie können so ihre Forschungsergebnisse in den gesellschaftlichen Kontext einordnen und gewinnen durch die Diskussion mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Wissenschaftsgebieten neue Erkenntnisse. Als Sparringspartner stehen ihnen dabei auch immer wieder externe Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zur Verfügung. In den letzten Seminaren diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer u.a. mit Prof. Dr. Thomas Garbe von der Volkswagen AG über den

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Einstieg und das Arbeiten in der industriellen Forschung. Dr. Gerhard Grimm, der als promovierter Physiker DAX-Unternehmen berät, setzte sich intensiv mit seinem Leben zwischen den fachlichen, theoretischen und Unternehmens-Welten auseinander. Von Prof. Dr. Christian Zagel aus dem Master-Studiengang ZukunftsDesign bekamen sie Tipps dazu, wie man sich mit seinen Forschungsergebnissen erfolgreich an aus­ geschriebenen Wettbewerben beteiligt und so Rückenwind für seine Forschung bekommt. Gemeinsam mit Prof. Dr. Milena Valeva, ebenfalls Master-Studiengang ZukunftsDesign, ging es schließlich um Fragen des ethischen Handelns und Wirtschaftens. Das Doktorandenseminar „Zwischen den Welten“ wird geleitet von Prof. Dr. Josef Löffl, der im Technologietransferzentrums Automotive TAC das Fachressort Wissenschaftsdialog betreut. Dr. Margareta Bögelein

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CAT-RACING

Foto: FSG

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n vier Wettbewerben in Italien, Ungarn, Spanien und auf dem deutschen Hockenheimring nahm CAT-Racing 2016 teil. In Italien und Ungarn wurde CAT-Racing Gesamtsieger. In Deutschland und Spanien fuhr das Team jeweils auf den sechsten Platz. Auf dem Hockenheimring feierte das Team zudem einen persönlichen Rekord: 751 von 1000 Punkten ist die höchste Punktzahl in einem deutschen Wettbewerb seit dem Bestehen von CAT-Racing. Der Einsatz hat sich gelohnt. 2016 gelang CAT-Racing der Sprung von Rang 27 auf Platz drei der Formula Student Weltrangliste. Berechnet wird das aus den Ergebnissen der letzten sechs Rennen des Jahres 2016. Das einzige deutsche Team, das vor ihnen liegt, ist das der Universität Stuttgart. Insgesamt sind 547 Teams gelistet.

Foto: FSG

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Foto: FSEast

STUDIUM

Platz 3 der Weltrangliste Das Formula Student Team der Hochschule Coburg ist in der Weltspitze angekommen: Zwei Gesamtsiege waren ausschlaggebend dafür, dass CAT-Racing 2016 in der internationalen Gesamtwertung auf Platz drei angekommen ist.

Jedes Jahr verfeinert CAT-Racing die Technik der Rennwagen und behebt Fehler. CAT-Racings Erfolg entspringt der technischen Expertise des Teams. Viel Know-how erhalten die Studierenden durch den Studiengang Automobiltechnologie. Prof. Dr. Stefan Gast, Studiengangsleiter des Bachelor Automobiltechnologie, und Prof. Dr. Philipp Epple, Experte für Strömungssimulation, unterstützen die Studierenden von CAT-Racing. In diesem Jahr 2017 feiert CAT-Racing sein zehnjähriges Jubiläum. Dafür plant das Team einen ganz besonderen Wagen. Verraten sei nur so viel: Es wird ein völlig neues Konzept geben und das Jubiläumsfahrzeug ein

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großer Sprung nach vorne sein. Der Wagen wird im Rahmen des jährlichen Roll-out vorgestellt, bei dem zur Feier des Jubiläums auch die zehn Wagen der vergangenen Jahre gezeigt werden. CAT-Racing ist das Formula-Student Team der Hochschule Coburg. Gegründet 2007 bauen die Studierenden verschiedener Fachrichtungen jedes Jahr einen neuen Wagen. 40 Teammitglieder hat CAT-Racing zurzeit. Von der Konstruktion, der Fertigung bis hin zum Marketing machen sie alles selbst. Regionale und überregionale Sponsoren unterstützen das Team. Waldrich Coburg ist zum Beispiel der langjährige Hauptsponsor von CAT-Racing. Mareike de Raaf

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In Washington die Arbeit der Vereinten Nationen simuliert Beim Planspiel National Model United Nations (NMUN) treffen Studierende aus der ganzen Welt zusammen, um nach den Regeln der Vereinten Nationen über die aktuelle Weltpolitik zu diskutieren. Jede Delegation vertritt einen UN-Mitgliedsstaat. Coburger Studierende beteiligen sich seit Jahren an der Konferenz und flogen dazu nach Washington, D.C.. Sie vertraten die Republik Südafrika.

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lf Studierende der Hochschule hatten in Washington, D.C. die Gelegenheit, mit rund 1.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus verschiedenen Nationen aktuelle weltpolitische und soziale Themen wie Friedensaufbau, Alternativen zu Flüchtlingslagern oder Nuklearsicherheit zu diskutieren und Resolutionen mit neuen Vorschlägen zu erarbeiten. Während der dreitägigen Konferenz arbeitete die Gruppe intensiv daran, die Position Südafrikas in die Resolutionen der verschiedenen Komitees zu integrieren. In diesem Zusammenhang hielten die Stu­dierenden beispielsweise öffentliche Reden auf Englisch und entwickelten mit Delegierten anderer Mitgliedsstaaten durch diplomatisches Geschick gemeinsame Standpunkte. Besonders freuen konnte sich die 12. Delegation aus Coburg über die Auszeichnung zum hervorragenden Positionspapier von Anna Valtchuk. Bei NMUN handelt es sich um Simulationen von UNO-Konferenzen, bei denen eine Vielzahl der 193 UN-Mitgliedsstaaten durch studentische Delegationen vertreten wird. Die Teilnehmenden aus aller Welt re­präsentieren dabei nicht ihr Heimatland, sondern beschäftigen sich im Vorfeld intensiv mit Politik, Kulturen, Normen und Werten einer anderen Nation. Die Coburger vertraten dieses Mal die Republik Südafrika. Um die politische Situation des aufstrebenden Schwellenlandes besser zu verstehen, besuchte die Delegation unter anderem die süd­afrikanischen Botschaften in Berlin und Washington. Bei einer Probe­simulation in Göttingen übten die Studierenden außerdem ihr Verhandlungs­geschick.

Bereits seit 2005 nehmen Studierende der Hochschule Coburg an NMUN teil. Dieses Jahr gipfelte die zweisemestrige Vorbereitung für die Coburger zum ersten Mal in Washington, D.C.. Betreut wurde die Gruppe von Prof. Dr. Claudia Lohrenscheit und Prof. Dr. Ralf Bohrhardt (Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit), Barney Craven (WiKu / Sprachenzentrum), Veronika Wagner (International Office) sowie den beiden Studierenden Tamara Tries und Stefanie Bötsch. Beide waren Mitglieder der letztjährigen Coburger NMUN-Delegation. Dass die Studierenden zum ersten Mal nach Washington, D.C. reisen konnten, ist neben der Hochschule folgenden Unterstützern zu verdanken: HUK Coburg Unternehmensgruppe, Schumacher Packaging und Michael Hörmann. red

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STUDIUM

Der Wegweiser im Schuh Sabine Harrer hat einen Schuh entwickelt, mit dem Blinde den Weg finden können. Die Absolventin der Hochschule Coburg erhielt für ihre Arbeit, die im Rahmen ihres Produkt­design-Studiums entstanden ist, den ersten Preis der Mia Seeger Stiftung.

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er blind ist, benötigt Hilfsmittel. Der Blindenstock hilft bei der Orientierung. Eine elegan­tere Lösung hat die Produktdesignerin Sabine Harrer parat. Ausgehend von einer Befragung des Bayerischen Blindenbunds entwickelte sie einen Schuh, der blinden und sehbehinderten Menschen den Weg mithilfe von Ultraschall weist. Harrer hat einen Schuh entworfen, der blinden und sehbehinderten Menschen den Weg mithilfe von Ultraschall weist. Der Ultraschall ortet Hindernisse und sendet Warnsignale an den Träger. GPS-Signale helfen zusätzlich, den richtigen Weg zu finden. Die Signale werden per Reizstrom übermittelt. Der Träger spürt ein leichtes Kribbeln im Fuß. Der Schuh erlaubt zudem durch eine spezielle Sohle das Ertasten von Unebenheiten im Boden. Die Jury des Mia Seeger Preises lobte die Technik des Schuhs, ebenso wie sein ansprechendes Design. Sie sieht in dem Produkt großes Potenzial: „Das System in seiner wegleitenden Funktion ist bedeutend, weil lernfähig und von allerneuester Ultraschallsensorik inspiriert. Mit Reizstrom-Massage und -Akupunktur bietet es erhebliche therapeutische Perspektiven.“ Der Mia Seeger Preis wird für Projekte mit sozialem Nutzen vergeben, gemäß dem Motto „Was mehr als einem nützt“. Die Stiftung möchte damit den Nachwuchs fördern. Harrer hat sich mit ihrem Produkt „Shoes – not just for the blind“ unter 93 Bewerbern aus 26 Hochschulen durch­ gesetzt und erhält den mit 4.000 € dotierten ersten Preis. Betreut wurde ihre Arbeit von Prof. Gerhard Kampe. Er ist stolz, dass eine Produktdesignerin der Hochschule Coburg den Mia Seeger Preis erhält und meint: „Das Produktkonzept überzeugt“. Der Schuh wurde auch mit dem If Student Design Award 2016 ausgezeichnet. Mareike de Raaf

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www.hdbg.de

DER COBURGER WEG

V e ra n s ta lt e r

Pa rt n e r

Coburger Studierende liefern Ideen für Landesausstellung 2017 Die Freiheit des (Christen-) Menschen wird sich als roter Faden durch die Landesausstellung „Ritter, Bauern, Lutheraner“ 2017 in Coburg ziehen. Doch: Wie steht es um unsere Freiheit im 21. Jahrhundert? Mit dieser Frage beschäftigen sich Studierende der Hochschule Coburg zwei Semester lang. Ihre Ideen sollen Teil der Landesausstellung werden.

Fotos: Kunstsammlungen der Veste Coburg (2), Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (1)

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STUDIUM

Eine andere Gruppe identifizierte das Designer­ baby und das Social freezing als Ergebnisse der Forschungsfreiheit, die persönliche Freiheiten schaffen und gleichzeitig Menschen in Wertekonflikte stürzen. Das Sozial freezing bietet jungen Frauen die Möglichkeit, Eizellen mit hoher Qualität entnehmen und schockfrosten zu lassen. In späteren Lebensjahren können sie dann bei gewünschter Schwangerschaft darauf zurückgreifen. Dass auch die steigende Tendenz zum Burnout etwas mit unserer erlebten Freiheit zu tun hat, davon ist schließlich die dritte Studierendengruppe überzeugt. Denn einerseits steigen zwar unsere Wahlmöglichkeiten im Beruf. Andererseits wird der hohe soziale Leistungsdruck von vielen Menschen als Einschränkung ihrer Freiheit erlebt.

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aniel Heimerl studiert Bioanalytik, Anne Müller Betriebswirtschaft und David Jung Versicherungswirtschaft. Gemeinsam mit neun weiteren Kommilitonen und Kommili­toninnen setzen sie sich zwei Semester lang über ihre Fächergrenzen hinweg mit der Frage auseinander: Was macht unsere Freiheit im 21. Jahrhundert aus und wo ist sie bedroht? Das Ziel der engagierten Studierenden ist klar: Sie möchten den Machern der Landesausstellung 2017 in Coburg wissenschaftlich fundierte Ideen liefern, die in die Ausstellung einfließen und umgesetzt werden. Die Chancen dafür stehen gut. Ausstellungsleiter Dr. Peter Wolf vom Haus der Bayerischen Geschichte kam mit seinen Mit­ arbeitern an die Hochschule, um sich die studentischen Ideen präsentieren zu lassen. Sein Feedback freut die Studierenden: „Vieles von dem, was Sie erarbeitet haben, werden Sie in der Ausstellung wiederfinden“, fasst Dr. Wolf das Urteil der Ausstellungsmacher zusammen. „Die Studierenden haben ihre Lebenswelt eingebracht und sich mit konkreten Aspekten von Freiheit auseinandergesetzt. Diese Impulse brauchen wir“, ergänzt er. Drei studentische Gruppen lieferten Ideen für die Ausstellung. Eine Gruppe fragte sich, welche Risiken für ihre Freiheit mit der Nutzung des Smartphones verbunden sind.

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Das fächerübergreifende Studienprojekt wurde von Prof. Dr. Christian Holtorf initiiert und gemeinsam mit Prof. Dr. Petra Gruner geleitet. Der Historiker und die Wirtschaftswissenschaftlerin lehren beide an der Hochschule Coburg, allerdings in unterschiedlichen Fachbereichen. Das Projekt „Der Coburger Weg“ macht es möglich, dass sie gemeinsam mit ihren Studierenden an derart spannenden Kulturprojekten und ihrer Umsetzung arbeiten können. Die Bayerische Landesausstellung „Ritter, Bauern, Lutheraner“ ist vom 9. Mai bis 5. November 2017 in der Veste Coburg und der Kirche St. Moriz zu sehen. Weitere Infos: www.hdbg.de/reformation Dr. Margareta Bögelein

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EVELIN

Fit für den Beruf als Software-Ingenieur/in Die Arbeitswelt im Berufsfeld Informatik ist schnelllebig. Eine heute moderne Software, kann morgen bereits veraltet sein. An der Hochschule Coburg arbeiten Pädagoginnen mit Informatikern im Verbundprojekt EVELIN gemeinsam mit fünf weiteren bayerischen Hochschulen daran, das Studium im Bereich Software-Entwicklung zielgerichtet und kompetenz­ orientiert weiterzuentwickeln. Die Studierenden trainieren überfachliche Fähigkeiten wie Gesprächsführung und Teamarbeit – und zwar nicht im Labor, sondern im fachlichen Kontext.

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as Klischee des isoliert arbeitenden Informatikers trifft längst nicht mehr zu. SoftwareIngenieurinnen und -Ingenieure tauschen sich bei ihrer Arbeit mit Menschen aus anderen Fach­bereichen aus, sie beraten Kunden und arbeiten in Teams. Erfolgreiche Software-Ingenieurinnen und -Ingenieure sind sozial kompetent und haben fachliches Know-how. Ein gutes Studium muss die Software-Spezialistinnen und -Spezialisten von morgen in beiden Bereichen praxisnah auf den Berufsalltag vorbereiten. „Das Informatikerleben ist anders, als viele sich das vorstellen“, sagt der Informatik-Professor Dieter Landes. Informatikerinnen und Informatiker werden mittlerweile in fast jeder Firma gebraucht. Die Informatik hat sich zu einer Querschnittsdisziplin entwickelt, die zentral den Erfolg des Unternehmens bestimmt. Professor Landes hat gemeinsam mit der Pädagogin Dr. Yvonne Sedelmaier Softwareunter­ nehmen befragt, was sie von ihren zukünftigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen erwarten. Die Antworten waren eindeutig: Neben der fachlichen Qualifikation spielen soziale und kommunikative Kompetenzen eine wichtige Rolle. Landes und Sedelmaier möchten ihre Studierenden darauf vorbereiten und entwickeln die Hochschullehre im Software Engineering weiter. Gemeinsam analysieren sie Lehrveranstaltungen, stellen auch Bewährtes infrage und setzen zielgerichtet neue Methoden ein. Dabei hilft der un-


STUDIUM

„Das Informatikerleben ist anders, als viele sich das vorstellen.“ Prof. Dr. Dieter Landes

verstellte Blick, den die Pädagogin auf Seminare, Praktika und Vorlesungen richtet. Landes und Sedelmaier arbeiten im Verbundprojekt EVELIN zusammen. EVELIN steht für Experimentelle Verbesserung des Lernens von Software Engineering. Etwa 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschulen Coburg, Aschaffenburg, Kempten, Landshut, Neu-Ulm und Regensburg sind an dem Projekt beteiligt. Allein an der Hochschule Coburg sind fünf Professoren sowie sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus drei technisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten mit dabei. Jedes bayerische Hochschulteam beschäftigt sich mit einem anderen Schwerpunkt des Software Engineering-Studiums. Landes und Sedelmaier konzentrieren sich auf Informatik als Hauptfach. In den „Vorlesungen“ von Professor Landes hat die Projektarbeit längst den Frontalunterricht abgelöst. Die Studierenden bearbeiten viele Fragestellungen aktiv in Gruppen und sind mitverantwortlich für ihren Lernerfolg. Sie trainieren fachliche und soziale Kompetenzen und wenden diese direkt auf Fragestellungen aus der beruflichen Praxis an. Im Vordergrund steht immer die Frage: Was macht gute SoftwareInge­nieurinnen und -Ingenieure aus?

COBURGER HOCHSCHULMAGAZIN | Wintersemester 2016/17

Die Studierenden beraten Kunden, die eine Software-Lösung brauchen. Das ist eine klassische Situation im Berufsalltag von Software-Inge­ nieurinnen und -Ingenieuren. Sedelmaier und Landes laden zu diesen Kundengesprächen Unternehmensvertreter ein, die die Studierenden mit der Realität konfrontieren. Diese Erfahrung zeigt den Studierenden, dass Informatikspezialisten und Kunden häufig völlig unterschiedlich denken und kommunizieren. Und dass kommunikative Kompetenzen und Gesprächsführung enorm wichtig sind um zu verstehen, was der Kunde will. Das persönliche Verhalten, verbale und non-verbale Kommunikation sind entscheidende Faktoren im Hinblick auf das Scheitern oder das Gelingen geschäftlicher Termine. Das motiviert die Studierenden, sich nicht nur fachlich, sondern auch persönlich weiterzuentwickeln. Das Projekt EVELIN hat Erfolg. Dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ist es im Rahmen des Förderprogramms „Qualitätspakt Lehre“ insgesamt ca. 14 Mio. Euro wert. Allein die Hochschule Coburg erhält für ihre Arbeiten bis 2020 insgesamt ca. 3,8 Mio. Euro. Mareike de Raaf

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MASTERSTUDIUM

Master ZukunftsDesign hat sich etabliert Im Frühjahr 2016 startete die Hochschule Coburg am Lernort Kronach den interdisziplinären Master-Studiengang ZukunftsDesign. Mittlerweile studieren dort 33 Studierende im ersten und im zweiten Semester.

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as Ziel des Master-Studiengangs sollte sein, Studierende aus unterschiedlichen Fachgebieten zusammenzubringen und sie gemeinsam an Zukunftsprojekten arbeiten zu lassen. Heute zeigt sich: Dieses Ziel wurde erreicht. Die 33 Studierenden kommen aus 15 verschiedenen Disziplinen. Sie haben ihren ersten akademischen Abschluss beispielsweise in Betriebswirtschaft, Ingenieurwissenschaften, Sozialer Arbeit oder Design gemacht. Sie arbeiten neben dem Studium in regionalen Unternehmen oder sozialen Einrichtungen bzw. als Selbstständige. Und sie erleben im Austausch hautnah, wo die Herausforderungen liegen, wenn Menschen aus unterschiedlichen Professionen an neuen Projekten arbeiten. „Zu Beginn stellten wir fest, dass jeder von uns eine andere Vorstellung davon hatte, wie man das Projekt angehen sollte“, berichtet Martin Eisenreich. Er ist Ingenieur für Nanotechnologie und arbeitet bei einem regionalen Kunststoffunternehmen. „Das spiegelt die Realität wider, die ich erlebe, wenn wir in unserer Einrichtung Neuerungen durchführen wollen“, ergänzt sein Kommilitone Heinz Rembor, der Soziale Arbeit studierte und seit etlichen Jahren in einer sozialen Institution arbeitet. Damit die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Master ZukunftsDesign gelingt, stellt die Hochschule Coburg jedem studentischen Projektteam einen Coach zur Seite. Er macht den Studierenden klar, welche sozialen Prozesse bei Neuerungen im Team und im Unternehmen ablaufen und wie man mit ihnen umgeht. „Da ist es schon mal erforderlich, ein Team

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kurzfristig gegen die Wand laufen zu lassen, um erfahrbar zu machen, wo die Gefahren lauern“, stellt Dr. Thomas Kneitz fest. Der Vorstand des Innovations-Zentrums Region Kronach war an der Konzeption des Studiengangs beteiligt und engagierte sich im ersten Semester als Coach. Dass der Master ZukunftsDesign genau zur richtigen Zeit kam und die Qualifikationen vermittelt, die für die Industrie 4.0 und die anstehende Digitalisierungswelle gebraucht werden, davon ist Hochschul-Vizepräsidentin Prof. Dr. Jutta Michel überzeugt. Sie bedankte sich bei allen, die sich insbesondere bei der Entstehung und dem Start engagierten. So leisteten Hans Rebhan, Vizepräsident der IHK Oberfranken, und Dr. Thomas Kneitz gemeinsam mit dem verstorbenen Hochschul-Präsidenten Prof. Dr. Michael Pötzl wichtige Pionierarbeit. Ebenso wie Prof. Dr. Gunther Herr und Prof. Dr. Kai Hiltmann, die sich auch als Dozenten einbrachten. „Nun haben wir gezeigt, dass unser Konzept gut funktioniert und eines der Aushängeschilder unserer Hochschule ist“, so Jutta Michel. Im Januar 2017 starteten vier neue Professoren, die sich als Coach und in der Vermittlung von Wissen einbringen. Und auch hier gibt es eine Besonderheit: Alle neuen Professoren engagieren sich mit der Hälfte ihrer Arbeitszeit an der Hochschule. So bleibt ihnen Zeit für Tätigkeiten in der Industrie bzw. in selbstständigen Projekten. Die Erfahrungen daraus bringen sie wiederum in die Hochschule ein. Dr. Margareta Bögelein


STUDIUM

Ausbau der internationalen Zusammenarbeit mit Shanghai Die Hochschule Coburg und die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg vertiefen ihre Kooperation mit der USST Shanghai. Ein gemeinsames Memorandum of Understanding regelt die Zusammenarbeit für den Bachelor-Studienzweig Engineering Physics.

S

eit 2008 arbeiten die USST Shanghai und die Hochschule Coburg bereits in dem englischsprachigen Master Analytical Instruments, Measurement and Sensor Technology der Hochschule Coburg zusammen. Die Studierenden aus Coburg verbringen ein Jahr ihres Studiums in China, umgekehrt kommen die Studierenden aus Shanghai ein Jahr nach Deutschland. „Der Studiengang ist bei uns deshalb sehr beliebt“, betont Prof. Dr. Boqing Xu, Dekan des College of Optical, Electrical and Computer Engineering an der USST Shanghai. Boqing Xu ist in Zukunft verantwortlich für die Kooperation und besuchte die Hochschule Coburg deshalb kürzlich persönlich. Vizepräsidentin Prof. Dr. Jutta Michel stellte ihm dabei unter anderem das Studienangebot und die Besonderheiten des Studiums in Coburg vor. Vor allem der Praxisbezug und die Projektarbeit haben es dem Gast angetan. „Die chinesischen Universitäten sollten viel mehr von den deutschen Hochschulen lernen. Langfristig wollen wir dieses Modell auch auf unsere Studiengänge übertragen“, resümierte der Dekan. Im Oktober 2016 begann mit dem neuen Studienzweig Engineering Physics auch eine neue Kooperation auf Bachelorebene zwischen der USST Shanghai und der Hochschule Coburg. Diesmal ist noch ein dritter Partner im Bund: Die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg. Studierende aus Coburg und aus Regensburg können in China englischsprachige Module ihrer Studienschwerpunkte belegen. Umgekehrt können Studierende aus Shanghai entweder nach Coburg oder Regensburg kommen, um Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Auch hier gibt es entsprechende englischsprachige Kurse für sie. Madelaine Ruska

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Bewegte Geschichten Wie könnte man die Vielfalt an der Hochschule Coburg besser einfangen als in bewegten Bildern? Seit acht Jahren gibt es deshalb das Coburger Hochschulfernsehen.

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ie Medienwelt ist schnelllebig. Facebook, Instagram, WhatsApp, Snapchat - ständig nutzen wir neue Wege der Kommunikation. Eine Konstante bleibt: Bild und Ton spielen die entscheidende Rolle. Wir schreiben keine Erlebnisberichte, wir posten oder verschicken Schnappschüsse und kurze Videoclips. Dass diese Medien auch in der Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule genutzt werden können, haben Prof. Dr. Werner Reiners-Kröncke, ehemaliger Vizepräsident für Marketing und Kommunikation, und Pressesprecherin Dr. Margareta Bögelein schon vor acht Jahren erkannt, nämlich, als sie im September 2008 das Coburger Hochschulfernsehen ins Leben gerufen haben. „Wir haben gemerkt, dass der Trend zu bewegten Bildern geht, weil sie dem Betrachter die Atmosphäre besser vermitteln“, blickt Bögelein heute zurück. Die Idee: Das Hochschulfernsehen greift aktuelle Themen aus der Hochschule auf, stellt Profes­ soren und Professorinnen vor, berichtet über Projekte von Studierenden oder deren Studienalltag und zeigt die Verbindungen der Hochschule in die lokale Wirtschaft. Produziert werden die Beiträge vom Coburger Fernsehsender iTV Coburg. „Die Hochschule hat eine wichtige Rolle in der Region. Und diese Rolle wollen wir entsprechend dokumentieren“, erklärt Chefredakteur Wolfram Hegen. Das Team um Hegen ist verantwortlich für Kameratechnik, Schnitt und Vertonung. Neu ist seit einem halben Jahr, dass die Pressestelle der Hochschule die Redaktion der Filme übernimmt. „Wir sind nah an den Themen dran und kennen die richtigen Ansprechpartner im Haus. Das erleichtert die ganze Organisation“, erklärt Dr. Bögelein. Ausgewählt werden die Berichte in Absprache mit iTV Coburg. Denn es sollen keine Imagefilme entstehen, sondern authentische Geschichten erzählt werden. Der Beitrag „Eingreifen statt Wegsehen“ zum Beispiel. Mit knapp 7.500 Zugriffen ist er einer der meistgeklickten Filme des

DIE 20 BELIEBTESTEN BEITRÄGE NACH AUFRUFEN:

NACHWUCHS AN DER HOCHSCHULE COBURG (8273) - EINGREIFEN STATT WEGSEHEN (7426*) -

STUDIEREN MIT KIND (6912*) - HERZBLATT ON TOUR (6871) - NEUES SEMESTER (6490*) - STUDIEREN MIT HANDICAP (6428*) - JETZT KOMMT LEBEN IN DIE BOX (6023) - EINTAGSSTUDENTEN (5801) - 1.300 ERSTSEMESTER IN COBURG (5779) - PROJEKT&PRAXIS (5568) - WIE MAN EINEN AWARD GEWINNT (5242*)

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(* NICHT AUF YOUTUBE)


EXTRA

Hochschulfernsehens. Studierende der Sozialen Arbeit haben in der Coburger Fußgängerzone getestet, ob Passanten eingreifen, wenn sie Gewalt beobachten. Gern gesehen werden natürlich auch die Videos zum Studienbeginn. Über 8.200 Klicks erreichte der Bericht über die Ankommenswoche im Oktober 2013. Er ist damit Spitzenreiter. Im Durchschnitt haben die Filme mehr als 4.000 Aufrufe. „Klar, das ist immer auch vom Thema abhängig, aber die Geschichten werden von unseren Zuschauern gut angenommen“, sagt Hegen. „Die Zielgruppe des Hochschulfernsehens ist internetaffin. Die Filme werden gerne geteilt und weiterverbreitet.“ Zahlen, die auch dem Sponsor des Coburger Hochschulfernsehens Recht geben. Das Unternehmen LASCO Umformtechnik unterstützt das Hochschulfernsehen seit Anfang an. „Es ist schön, dass das über die vielen Jahre so toll geklappt hat und das Hochschulfernsehen ein fester Bestandteil der Hochschule geworden ist“, betont Margareta Bögelein. Der Erfolg der Filme ist auch darauf zurückzuführen, dass sie auf unterschiedlichen Kanälen verbreitet werden. Sie laufen auf den Internet­ seiten von iTV Coburg und der Hochschule sowie im HochschulYouTube-Kanal und auf Facebook. Darüber hinaus werden die Beiträge im Info-Kanal von iTV Coburg gesendet, der etwa 20.000 Zuschauer erreicht, sowie in Kooperation mit dem Südthüringer Regionalfernsehen in ca. 100.000 Haushalten in Südthüringen. Madelaine Ruska

AUF DER SUCHE NACH DEM GLÜCK (7357*) - 1.711 JOBS (7085*) - MEHR MATSCH! WARUM KINDER DIE NATUR BRAUCHEN (7065)

DAS MÄRCHEN VOM CAT-RACING (6262) - ALS WIR NAMIBIER WAREN (6095) - HAPPY BIRTHDAY, HOCHSCHULE! (6069)

WENN BUSHALTESTELLEN MUSIZIEREN (5399*) - SERENADE MIT AUSSICHT (5273) - STANDBY (5265*) - STUDENTENMEDLEY (5262)

Fotos: iTV Coburg (11), Hochschule Coburg (1) COBURGER HOCHSCHULMAGAZIN | Wintersemester 2016/17

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Eine Präsidentin für die Hochschule Coburg Der Hochschulrat hat Prof. Dr.-Ing. Christiane Fritze zur designierten Präsidentin der Hochschule Coburg gewählt. Ihre Amtszeit beginnt am 15. März 2017.

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rof. Dr. Christiane Fritze war bis vor kurzem Vizepräsidentin der Hochschule München. Die 49-Jährige stammt gebürtig aus Meschede (Nordrhein-Westfalen). Sie studierte und promovierte im Bereich der Werkstoffwissenschaften an der TU Clausthal. Danach sammelte sie Praxiserfahrung bei der BMW AG in München. Seit 2003 ist Dr. Christiane Fritze Professorin an der Hochschule München. Von 2008 bis 2016 war sie als Vizepräsidentin für die Bereiche Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs verantwortlich und gleichzeitig Vertreterin des Präsidenten. „Ich freue mich, dass das Ergebnis so deutlich ausgefallen ist und ich das Vertrauen gewinnen konnte. Ich hoffe, die Hochschule Coburg jetzt in diesem Sinne als Präsidentin gut zu vertreten“, erklärte Christiane Fritze nach der Wahl. Für die Hochschule Coburg hat die 49-Jährige schon konkrete Ideen. Ein ausgewogenes Verhältnis von Forschung und Lehre ist ihr dabei wichtig. „Ich möchte die Hochschule Coburg als die Hochschule mit Fokus für gesellschaftsbewusstes Handeln und Interdisziplinarität etablieren. Vergleichbar mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde.“ Als weitere wichtige Punkte sieht Christiane Fritze ein Promotionsrecht für forschungsstarke Bereiche, außerdem will sie die Gründung von Innovationsclustern in der Region fördern. In diesen Clustern können Hochschule, Wirtschaft und Region zusammenarbeiten und von einer Bündelung der Kräfte profitieren. „Man muss sich zusammenschließen, um einer einzelnen Stimme mehr Gewicht zu geben.“ Die Hochschule Coburg sei in vielen Bereichen schon unglaublich aktiv, betonte die designierte Präsidentin. „Das will ich bewahren und den eingeschlagenen Weg weiter schärfen.“ Christiane Fritze wird vom Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst als Präsidentin der Hochschule Coburg bestellt. Ihre Amtszeit beträgt fünf Jahre. Madelaine Ruska

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PERSONALIEN

Prof. Krahl zum Präsidenten der Hochschule Ostwestfalen- Lippe ernannt Der Vorstandssprecher des Technologietransferzentrums Automotive der Hochschule Coburg (TAC) Prof. Dr. Jürgen Krahl wechselte zum 1. Dezember 2016 an die Hochschule Ostwest­falen-Lippe. Er wurde dort in das Amt des Präsidenten gewählt. Professor Krahl ist in Detmold geboren, er kehrt also in seine Heimat zurück.

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rof. Dr. habil. Jürgen Krahl kam zum Wintersemester 1997/98 an die Hochschule Coburg und etablierte hier die Kraftstoffforschung. Der habilitierte Chemiker vertrat in der Fakultät Angewandte Naturwissenschaften die Lehrgebiete Ökologische Chemie und Anorganische Chemie. Von 2009 bis 2014 war Professor Krahl zudem Vizepräsident der Hochschule Coburg für Forschung und Internationales. In der Forschung gilt sein Interesse dem Kraftstoffdesign, den Biokraftstoffen und der Abgas­analytik. Als Vorstandssprecher des TAC initiierte er zahlreiche Forschungs- und Verbundprojekte mit der Industrie. Und er forcierte die TAC-Academy, die für den Wissenstransfer aus der Forschung in die Praxis sorgt. Professor Krahl baute in den letzten Jahren die Kraftstoffforschung an der Hochschule Coburg deutlich aus. Dank seines Engagements ist sie heute international und interdisziplinär verankert. So gibt es u.a. Kooperationen mit Südkorea und Südamerika. In der Kraftstoffforschung der Hochschule Coburg arbeiten Chemiker, Physiker, Elektroingenieure und Bioanalytiker zusammen. Seine Doktorandinnen und Doktoranden an der Hochschule Coburg werden von ihm bis zu deren Abschluss weiterhin wissenschaftlich betreut. Bis zur Wiederbesetzung der Professur wird das Ressort Kraftstoffforschung kommissarisch von Dr. Olaf Schröder, Wissenschaftler am Technologietransferzentrum Automotive TAC, geleitet. Darüber hinaus hat das TAC seit kurzem mit der Diplom-Betriebswirtin (FH) Caroline Rahn eine eigene Geschäftsführerin. Friedrich Herdan, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Coburg bedauert den Weggang von Professor Krahl: „Ihm war die herausragende Zusammenarbeit mit der Wirtschaft in der Region eine echte Herzensangelegenheit, dementsprechend setzte sich Prof. Krahl dafür ein. Mit viel Energie initiierte er Verbundprojekte und sorgte für den Wissenstransfer aus der Hochschule in die Industrie und die Gesellschaft. Die Zusammenarbeit zwischen Technologietransferzentrum Automotive TAC und IHK war beispielgebend.“ Dr. Margareta Bögelein

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VIELFALT NEUE PROFESSOR/INNEN IST ...

Neu an der Hochschule Coburg Prof. Dr. Philipp Precht vertritt seit 15. Februar 2016 in der Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik die Themen Logistik und Supply Chain Management. Er forscht auf dem Gebiet der digitalisierten Wertschöpfungsketten und des Supply Chains. So beschäftigte er sich bisher u.a. mit der Bündelung von Transportströmen in der bayerischen Automobilbranche.

Prof. Dr. Susann Hößelbarth ist seit 15. Februar 2016 in der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit im Lehr- und Forschungsgebiet Sucht- und Drogenhilfe aktiv. Sie beschäftigt sich mit dem Gebrauchs- und Gesundheitsverhalten sowie den Unterstützungsbedarfen von Menschen mit Substanzkonsum und Abhängigkeitserkrankungen. Weitere Themen sind u.a. die Qualifizierungsbedarfe und die akademische Weiterbildung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern in der Suchthilfe.

Prof. Dr. Michael Wick kam zum 1. August 2016 an die Hochschule Coburg. Er lehrt und forscht in der Fakultät Angewandte Naturwissenschaften in den Bereichen Optische Messtechnik, Computa­­ tional Imaging, Multiphysics Simulation und Sensortechnik. 80

Professor Wick leitet den internationalen Bachelor-Studiengang Engineering Physics und den internationalen Master-Studiengang Analytical Instruments, Measurement and Sensor Technology (AIMS). Er machte 2001 an der Hochschule Coburg sein Vordiplom in Physikalischer Technik. Danach studierte er an der Universität Würzburg und der Technischen Universität München Physik und promovierte in Theoretischer Physik an der TU München. Von 2011 bis 2016 war er Senior Scientist in der zentralen Forschung der Carl Zeiss AG.

Prof. Dr. Michael Engel wurde zum 1. September 2016 in die Fakultät Elektrotechnik und Informatik berufen. Hier vertritt er das Lehrgebiet Embedded Systems. In der Forschung beschäftigt er sich aktuell mit der Zuverlässigkeit von Hard- und Softwaresystemen sowie der Effizienzsteigerung von eingebetteten Systemen durch Einsatz von (absichtlich) unpräzisen Berechnungen (sog. “Approximate Computing”).

Prof. Dr. Klaus Drese kam zum 1. Oktober 2016 an die Hochschule Coburg. Der Physiker ist Experte für Mikro­ fluidik, Analytik und Diagnostik. Bis vor kurzem war Professor Drese wissenschaftlicher Direktor am Fraunhofer Institut für Chemische Technologie in Mainz (ICT-IMM). Dort leitete er den Bereich Analysesysteme und Sensorik. In seiner wissenschaftlichen Arbeit geht

Professor Drese u.a. der Frage nach, wie es durch innovative physikalisch-chemische Messmethoden und optimierte Arbeitsabläufe gelingt, Qualitätskontrollen für Produktionsabläufe zu etablieren. Dabei spielen mikro­ fluidische Analysemethoden und Sensorik eine wichtige Rolle. Das Ziel sind permanente, schnelle Messungen und Analysen in Echtzeit direkt vor Ort.

Prof. Dr. Jens Grubert ist seit 1. Oktober 2016 Forschungsprofessor für Mensch-Maschine-Interaktion im Internet der Dinge. Er kam über das Programm Zentrum Digitalisierung.Bayern des Freistaates Bayern an die Hochschule Coburg. Im Rahmen des Programms erhielten die bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften insgesamt zehn Professuren. Professor Grubert promovierte 2015 an der Technischen Universität Graz zum Thema „Mobile Augmented Reality für Informations­ flächen“. Seine Lehr- und Forschungsgebiete sind u.a. Mixed Reality, Computergrafik, Maschinelles Sehen, Multi-Display-Interak­ tion, Ubiquitous, Pervasive und Wearable Computing sowie Mobile Interaktion.

Prof. Dr. Josef Löffl vertritt seit 1. November 2016 im MasterStudiengang ZukunftsDesign das Lehr- und Forschungsgebiet Change- und Projekt­ management. Sein Herz schlägt für das


PERSONALIEN

Ausprobieren: Bereits während seines Studiums leitete er mehrere außergewöhnliche Feldversuche. Den explorativen Ansatz, durch eigene Projekterfahrung einen anderen Zugang zur Ver­gangenheit zu ermöglichen, setzte der Altertumswissenschaftler als Promo­ tionsstipendiat des Bayerischen Elitenetzwerks und als wissenschaftlicher Mitarbeiter konsequent fort. In der Folge führte ihn sein Weg als Strategie­ berater in eine Top-Management-Beratung und in verschiedene Funktionen in mittel­ ständischen Unternehmen. Im Bereich der Forschung beschäftigt sich Professor Löffl im Rahmen des Projekts „Zwischen den Welten“ mit dem Dialog unterschiedlicher Wissenschaftskulturen.

Prof. Dr. Karin Meißner lehrt und forscht seit dem 1. November 2016 als Professorin in der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit in den Studiengängen Integrative Gesundheitsförderung (B.Sc.) und Gesundheitsförderung (M.Sc.). Hier beschäftigt sie sich vor allem mit der Frage, wie die Gesundheit durch die Kombination aus schul­ medizinischen und komplementärmedi­ zini­ schen Therapieansätzen optimal gefördert werden kann. Sie studierte Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), promovierte und habilitierte dort im Fach Medizinische Psychologie. Nach einer Forschungs­tätigkeit an der Technischen Universität München gründete sie das Placebo Research Lab am Institut für Medizinische Psychologie der LMU. Darüber hinaus spezialisierte sie sich in den Bereichen Psychiatrie und Psychosomatik sowie Traditionelle Chinesische Medizin.

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Prof. Dr. Julius Heinicke ist seit dem 01. Januar 2017 Professor für an­ gewandte Kulturwissenschaften am Wissenschafts- und Kulturzentrum der Hochschule Coburg. Nach dem Studium der Kultur- und Theaterwissenschaften / kulturelle Kommunikation promovierte er an der HumboldtUniversität zu Berlin. Von 2012 bis 2016 forschte und lehrte er am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin zu den Themen Vielfalt und Interkulturalität im Theater und in der Kulturvermittlung in Deutschland und Südafrika. Julius Heinicke arbeitet seit vielen Jahren international im Bereich kultureller Bildung und im Kulturmanagement. Er initiierte mehrere Theater- und Kunstprojekte in Deutschland und im südlichen Afrika, war u.a. Company Manager beim Musical „Die Venus“ in Berlin, Produktionsleiter von Marianne Rosenbergs Jazz- und Chansonprogrammen und künstlerischer Koordinator des „Zimbabwe Arts Festival Berlin“.

Prof. Dr. Xun Robin Luo startete am 1. Januar 2017 im Master-Studiengang ZukunftsDesign. Geboren ist Prof. Luo in Chengdu, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan. Er studierte Germanistik, Linguistik und Interkulturelle Kommunikation in Beijing. Von 2009 bis 2016 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Interkulturelle Wirtschaftskommunikation an der Universität Jena und leitete dort den Arbeitsbereich China und Ostasien. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Interkulturelles Management, Personalund Organisations­ent­wicklung, Interkulturelle Päda­gogik, E-Learning und Soziale Medien.

Prof. Dr. Milena Valeva vertritt seit 1. Januar 2017 den Themenbereich Unternehmenskultur und Ethik im Master­ studiengang ZukunftsDesign. Sie ist Gründungs- und Vorstandsmitglied von ODYSSEY, einer Non-Profit-Organisation, die sich u.a. dafür einsetzt, das soziale Engagement von Menschen in Bulgarien zu fördern und soziale Institutionen vor Ort zu stärken. Als Joint-PhD am Internationalen Hochschulinstitut Zittau und an der Universität Leuven/Belgien arbeitete sie im Bereich Wirtschaftsethik und erforschte ethische Fragen im Banken­ sektor generell sowie im islamischen Bankenwesen im Besonderen.

Prof. Dr. Christian Zagel begann seine Lehr- und Forschungstätigkeit im Master-Studiengang ZukunftsDesign ebenfalls am 1. Januar 2017. Er vertritt hier das Gebiet Innovationstechniken und -methoden. Für seine Forschungsarbeiten in Digital Transformation, Mensch-Maschine-Interaktion und Consumer Experience wurde er unter anderem mit dem CeBIT Innovation Award und dem Wissenschaftspreis für die beste Praxis­koopera­tion ausgezeichnet. Neben seiner Tätigkeit als Professor an der Hochschule Coburg verantwortet er den Bereich „Forschung und Entwicklung“ im IT Innovation Team der adidas Group in Herzogen­aurach, das er mitbegründet hat.

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TERMINE / IMPRESSUM

Impressum

19. und 20. April 2017

Schnuppertage Studieninteressierte können an zwei Tagen die Studiengänge der Hochschule Coburg kennenlernen. www.hochschule-coburg.de/schnuppern

Herausgeber Präsidium der Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg Friedrich-Streib-Straße 2 96450 Coburg

12. Mai 2017

Silberjubiläum Einmal im Jahr laden Hochschulverein und Hochschule Absolventen und Absolventinnen ein, die vor 25 Jahren ihr Studium abgeschlossen haben. www.hochschule-coburg.de/silberjubilaeum 18. bis 21. Mai 2017

Campus.Design Open Beim Campus.Design Open präsentiert sich die Fakultät Design im Sinne eines offenen Campus. Studierende zeigen ihre Werke. Es gibt öffentliche Lehrveranstaltungen, Workshops, Vorträge, Führungen und vieles mehr. www.designcampus-open.de

Redaktion Dr. Margareta Bögelein Layout und Umsetzung: Franka Krüger Bilder Soweit nicht anders vermerkt, liegen alle Bild­rechte bei der Hochschule Coburg. Druck Schneider Printmedien GmbH www.schneiderprintmedien.de Auflage 2.500 Exemplare Erscheinungsdatum Februar 2017

Monika Faaß, Familien- und Gleichstellungsbeauftragte

VIELFALT IST ...

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