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Südafrika ••••••••••••••••••••

Als wäre es nie anders gewesen.

Mexiko ••••••••••••••••••••

Mit den besten Grüßen ins Jenseits.

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Island ••••••••••••••••••••

Prost Mahlzeit!


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Inhalt 02 Mexiko. Mit den besten Grüßen ins Jenseits. 06 Tansania. Room with a View. 08 Indien. Noch ein Pfund Wangenrouge? 12 Neuseeland. Wie ist die Gotteswelt doch schön. 14 Iran. Das Rätsel des ewigen Feuers. 16 Südafrika. Als wäre es nie anders gewesen. 20 Galápagos. Volle Kraft zurück. 22 Island. Prost Mahlzeit! 26 Kambodscha. Die Quellen des Glücks. 28 Argentinien/Chile. Wenn es Nacht wird, Señorita. 30 Einblicke. Chamäleon in Zahlen.


Lustfaktor Gänsehaut. Zugegeben, bei dieser Überschrift kann man sehr geteilter Meinung sein, entsteht echter Lustgewinn in der Regel doch durch die bewährten Mittel gegen Gänsehaut. Wärmflasche oder Glühwein zum Beispiel. Und nun kommen wir und verherrlichen den, medizinisch Piloerektion genannten, Effekt als unbedingt erstrebenswert. Ist er ja auch. Sehen wir doch mal was die Wissenschaft dazu sagt: Gänsehaut – oder der in südlichen Gefilden gelegentlich benutzte Begriff Hühnchenkostüm (chapeau!) – entsteht durch eine vom vegetativen Nervensystem gesteuerte Kontraktion des Haarbalgmuskels, weshalb Sie dort, wo keine Haare sind, auch kein Hühnchenkostüm bekommen können. Mögliche Ursachen – Achtung, jetzt kommt’s – sind Kälte, Angst oder Erregung. Kälte und Angst können wir in unserem Zusammen­hang ausschließen, bleibt – Sie ahnen es – die Erregung. Dieses unnachahmliche Gefühl, wenn ein mitreißendes Erlebnis nach der Seele greift und vor Spannung oder Rührung auf den Armen das Bild einer gerupften Gans hinterlässt, passiert den Menschen durchschnittlich 2 bis 3 Mal pro Jahr. Da können wir nur schmunzeln, das ist auf unseren Wunderwelten-Reisen die Tagesration.

In diesem Sinne eine prickelnde Stunde mit dieser Ausgabe wünschen Ihr Ingo Lies und das gesamte Chamäleon-Team

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chon der Gedanke, selbstgebrannten Tequila zu trinken, hätte mir die Haare zu Berge stehen lassen müssen und das will bei meiner Frisur etwas heißen. Aber kann man sich drei Monate lang ­erfolgreich gegen ein Nationalgetränk wehren? Kann man nicht. Schon gar nicht in Mexiko, wo der missverständliche Begriff ­»Feierabend« nicht das Ende eines Arbeits­ tages b­ eschreibt, nach dem es nichts zu feiern gibt. Von wegen Füße hoch. In Mexiko ist ­Feierabend eine Ansage. Da geht es erst richtig los. Da gelten keine Ausreden. Da muss man mit. Tequila-Time. Aber es sollte noch schlimmer kommen.

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as schlimmer kommen sollte, wurde 2003 von der UNESCO zum Meisterwerk des ­mündlichen und ­immateriellen Erbes der ­Menschheit erkoren und ­begann damit, dass meine Kollegen mich einluden, ihnen beim Backen zu helfen. Nach deutscher ­Zeitrechnung ging es auf Allerheiligen zu und was liegt näher, als an eine ­unterhaltsame ­Weihnachtsbäckerei zu denken. Ich höre mich noch sagen: »Oh fein, sehr gern, aber bitte ohne Tequila, wenn’s geht!«

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ie Weihnachtsplätzchen nahmen zusehends unanständige Formen an. »Was soll das werden?«, wollte ich wissen und die ­Antwort brachte wenig Licht in die Dunkel­heit der frag­ würdigen Aktion: »­Calavera de Dulce.« »Cala was? Es sieht aus wie ein ­Totenkopf.« »Es wird ein Totenkopf« war die Antwort, und auf meinen e­ ntsetzten Gesichts­ ausdruck hin nahm mich meine zur Freundin ­gewordene Kollegin Fernanda zur Seite, reichte mir einen Tequila und begann von einem Kult zu erzählen, dessen Ursprung weit in die ­vorspanische Zeit zurückreicht.


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ie begann mit leuchtenden Augen: »Día de los M ­ uertos ist unser wichtigster mexikanischer Feiertag. ­Vergleichbar mit A ­ llerheiligen bei euch, aber wir trauern nicht in aller Stille, sondern feiern unseren »Tag der Toten« so ausgelassen wie m ­ öglich, denn nach altmexikanischem Glauben kommen unsere Verstorbenen an diesem Tag für einen Besuch aus dem Jenseits zurück.« »Herzlich willkommen«, entfuhr es mir bei der Vorstellung, wie die Gebeine der Seligen durch die Straßen klappern würden. Und dann kamen sie t­ atsächlich.

Sitzt ein Skelett am Klavier. Doch bevor es soweit war, wurde alles aufgeboten, um ihnen einen grandiosen Empfang zu bereiten. Wir haben jede Menge Totenkopf-Kuchen gebacken, ­Mini-Grabstätten aus ­Zuckerguss gebaut, Schokoladen-Skelette in der Lieblings­ beschäftigung der Vorfahren geformt und das Ganze mit den unmöglichsten ­Accessoires verziert.

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raußen, in den ­Schaufenstern der Stadt, baumelte Calavera Catrina, das mondän ausstaffierte Gerippe einer reichen Dame, die es zur makabren Symbol­ figur gebracht hat. Überall entstanden reich gedeckte Totenaltäre und Gabentische, damit sich die Verblichenen nach ihrer langen Reise stärken können.

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aternen schmückten die Hausein­ gänge und ein Meer von Blumen wurde ausgelegt, damit die Heimkehrer den Weg vom Friedhof zum trauten Familienfest auch sicher finden. Schließlich liegt die Reise ins Jenseits bei manch einem schon lange ­zurück und wer weiß, ob aus den alten Gassen inzwischen keine ­Einbahnstraße geworden ist. Ich war überwältigt. »Und wann kommen jetzt die Toten?«, wollte ich wissen.


Drei Monate war Luisa Mentz Volontärin wo andere ihren Traumurlaub verbringen, in Playa del Carmen: An der Rezeption eines 5-Sterne-Hotels ins kalte Wasser geworfen, obwohl die Karibikstrände Mexikos doch für ihre wohltemperierten Strände berühmt sind. Gelernt für’s Leben, sagt sie und hat sich für Chamäleon entschieden, um in der Marketingabteilung für Unruhe zu sorgen. Sie organisiert unsere jährliche Gänsehaut-Tournee mit

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a lachte Fernanda, lotste mich vor ihren Schminktisch und vollzog an mir ein Werk schauriger Verwandlung. Die Augenhöhlen als schwarze Löcher, das Gesicht kalkweiß, der Mund eine einge­ fallene Höhle. Ich habe mich selbst nicht mehr erkannt, aber schön tot, keine Frage. Derart v­ erunstaltet versammelten sich nun tausende Menschen im Ort. Grellbunt ­kostümiert strömten sie herbei, um das Fest der Feste zu feiern, trugen Todes­symbole, die »Flor de muertos«, einige sogar Sombreros auf ihren Schädel­knochen und manch einer hatte sich den Namen des Toten auf die Stirn gepinselt. Sollte ­schließlich keine V ­ erwechslungen geben.

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un bin ich zurück in Deutschland. Allerheiligen ist wie immer: Still, trauernd, schwarz. Der Tod in unserem Kulturkreis. Darf man ein fröhliches Fest daraus machen? Spaß haben, den Sensenmann vergackeiern, Torten als Totenköpfe backen? So skeptisch ich zuerst war, mittendrin zu sein hat mir die Augen für eine andere Art des Gedenkens geöffnet: Der Freude und des Lachens über ein Stück gemeinsame Lebenszeit und die Liebe über den Tod hinaus. Ich finde heute, es ist eine schönere entsprechendere Art, als die ­Erinnerung ­in Trauer.

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is Punkt M ­ itternacht haben wir gesungen und getanzt, dann wurde es schlagartig still. Zeit für die »Heimreise«. Andächtig begleiteten die Menschen ihre toten Angehörigen zurück zu ihren Gräbern. Mit Kerzen und Weihrauch wurde noch einmal der gemeinsamen Lebenszeit gedacht, dann reisten die bleichen Gäste so geheimnisvoll ab wie sie gekommen waren. Niemand sprach es aus, aber auf den Gesichtern stand die inständige Hoffnung: Auf Wiedersehen, bis nächstes Jahr.

The wheel is come full circle, I am here. Shakespeare: King Lear.

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10 Erlebnistagen durch ganz Deutschland und das internationale Treffen unserer weltweiten Partner zur ITB. Ob sie dabei ihre Erfahrungen vom Tag der Toten einbringen kann, hat sie bisher nicht verraten.

Etwas Treibstoff für die Fantasie gefällig? Pyramide des Gottes der gefiederten Schlange. Palast des Jaguars. Gruppe der Tausend Säulen. Regengott Chac mit der Rüsselnase und Tikal, die antike Dschungelstadt. Das ist die Kultur der Maya. 1.000 Jahre Glanz, die bis in die Gegenwart strahlen. Und dann das Sahnehäubchen: Hängemattenwetter, Backpulver-Strände, Tequila aus dem »Haus des Mondes« und die Lagune der sieben Farben. •••••••••••••••••••• m www.chamaeleon-reisen.de/mz6/Mexiko


ROOM WITH A VIEW. Ich vermute, es gibt niemanden, der beim Stichwort »Serengeti« nicht an dieses legendäre Tierparadies im ost­ afrikanischen Tansania denkt. Beharrlich und mit hohem persönlichen Preis erkämpft vom Direktor des Frankfurter Zoos, Prof. ­Bernhard Grzimek, der auch zu Hause keine Peinlichkeit ausließ, um seiner Überzeugung Nachdruck zu verleihen. In Restaurants mit Froschschenkeln klebte er Protestzettel in die Speisekarten, bis er Hausverbot bekam. Und auf offiziellen Banketts versenkte er gerne mal eine ­Gottesanbeterin im Dekolleté hoch­ dekorierter Damen. Mit durch­schlagender Wirkung übrigens, fiel die Auserwählte doch plakativ in Ohnmacht.

Schwamm drüber. Jedenfalls verdanken wir seinem Engagement, dass in ­tansanischen Regierungskreisen das Bewusstsein für die Notwendigkeit und den Wert geschützter Lebensräume wuchs, aus denen eine Vielzahl überwältigender Nationalparks entstand, in denen Afrika Afrika bleiben durfte. Seit jeher mein Sehnsuchtsziel. Nun war es an der Zeit.

Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Ich bin einfach nicht mehr hinterher ­gekommen. Sage und schreibe 1,6 M ­ illionen Tiere ziehen als Großwild-Verbände durch das alte Land der Massai. Zehntausende Flamingos bevölkern den Ngurdoto-Krater, 25.000 Raubtiere den Ngorongoro-Krater, im Tarangire-Nationalpark treten ­tausende Elefantenherden alles platt, was ihnen

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im Weg steht und in den Ästen der Baobabs hängen die Löwen wie Lametta. »Beneidens­wert«, murmelte ich. »Kannst du auch gleich haben«, versprach unser Reiseleiter Badawi und hüllte den Rest seiner Ankündigung in ein vielsagendes Schweigen. Mir gefiel diese Vorstellung: Satt und zufrieden im Baum abhängen, sich von der Sonne wärmen lassen und warten, bis der nächste Imbiss vorbeiläuft. So würde es sich leben lassen. Noch während ich meinem Tagtraum nachhing, zeigte Badawi auf einen Punkt am Horizont. »Was soll das sein?«, wollte ich wissen. »Das ist heute unser Ziel, die Tarangire ­Treetops Lodge.« »Ich sehe nur einen Baum.« Pause. Doch je näher wir kamen, desto ­deutlicher ­zeichneten sich in den Ästen eines ­gewaltigen Baobabs die Umrisse einer Lodge ab.


Wenn im Sommer die Flüsse Afrikas austrocknen schlägt die große Stunde des Tarangire-Nationalparks, denn der TarangireFluss führt das ganze Jahr Wasser. Dann macht sich in den trockenen Regionen des Landes das Großwild auf die Suche nach dem Elixier des Lebens und weit über

6.000 Elefanten verkosten den Tarangire bis zum Rinnsal. Höchste Zeit, dass es wieder regnet.

Sehen Sie in überwältigenden Szenen, warum die Serengeti nicht sterben durfte. ••••••••••• m Tansania-Film erleben.

Living a dream high in the trees. Mit diesen Worten wurden wir ­empfangen. Und genau so war es. Ein wahr ­gewordener Kindertraum. Ein Baumhaus. Aber was für eins. Dort wo sonst die Löwen hängen, reihten sich rund um die Krone des 1.000-jährigen Affenbrotbaumes ­komfortable Zimmer mit einem sagen­ haften Blick in die glühende Savanne. In einer Ecke stand Badawi und grinste von rechts bis links. Ein Pool lag leuchtend blau in der Sonne. »Den haben sie nicht mehr in den Baum gekriegt«, feixte ein ­Reisegast. »Das Buffet auch nicht«, bemerkte ein anderer und wies auf eine Brigade ­hochbemützter Köche, die dabei waren mitten in der Wildnis ein von Öllampen illuminiertes Boma Dinner aufzubauen.

Welch eine unglaubliche Atmosphäre. Die Landschaft brannte in den Farben des Sonnenuntergangs. Ihre letzten Strahlen fingen sich im Sundowner und ein ­Sternen­himmel, wie ich ihn noch nie gesehen hatte, legte sich wie ein schützendes Tuch über das Land. Viele Stunden später stieg ich glückbeladen die Leiterstufen hinauf in mein Baumzimmer. Die raumhohe Fenster­front vor dem breiten Bett war wie eine ­Kinoleinwand, hinter der das fahle ­Mondlicht mit den Umrissen der Savannenbäume spielte. Ab und an wehte ein ­undefinierbares Geräusch herüber. Wahrscheinlich ein Löwe, war mein letzter Gedanke. Aber da träumte ich bereits, ich hinge satt und zufrieden im Geäst, gewärmt von der Sonne und schläfrig ­wartend, dass der nächste Imbiss ­vorbeiläuft.

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Es passiert nicht oft, dass man einen Urlaub bucht und drei bekommt. In Tansania geht das: Einen für die Safaris im Weltnaturerbe Serengeti und dem »Gefängniskrater« Ngorongoro. Einen für die Nächte in komfortablen Lodges mit Mehrblick in die Wildnis, die nie schläft. Und einen dritten Urlaub unter Palmen an den vorgewärmten Stränden von Sansibar. Alles auf einer Reise: Serengeti Deluxe. •••••••••••••••••••• m www.chamaeleon-reisen.de/mz6/Tansania


NOCH EIN PFUND WANGENROUGE ?

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Es gibt Traditionen, die sind nicht tot zu kriegen. Ganz ­besonders, wenn damit Privilegien einhergehen, die normalerweise ­undenkbar wären. Oder weniger kompliziert ­formuliert: Wenn man durch sie ungestraft mal richtig die Sau rauslassen darf. So überliefert eine ­altbabylonische Schrift aus dem 3. ­Jahrtausend v. Chr., dass der Priesterkönig Gudea nach Neujahr ein siebentägiges Fest mit der Maßgabe angeordnet hat: »Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen. Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herren Seite. Die Mächtigen und die Niederen sind ­gleichgeachtet.« Was für ein Freibrief, der selbst 5.000 Jahre danach noch die Narren ins Rathaus treibt, um für ein paar Tage das Regiment zu ­übernehmen. Und tatsächlich gilt das Gleichstellungs-Neujahrsfest des Priesterkönigs als ­Vorläufer unseres Karnevals. Narrenfreiheit eben. Aber stellen Sie sich vor, beim närrischen Treiben würde Ihnen statt ­Kamellen kiloweise farbiges Pulver um die Ohren gehauen. Freund und Feind begrüßen Sie mit »Räudiger Taschendieb« oder »Lahmender Sohn eines blinden Esels« und wenn Sie nicht aufpassen, trifft Sie eine ausgelatschte Sandale oder bestenfalls eine Gurke, mit Glück eine Aubergine, weil weicher. Wenn Sie sich dafür begeistern können, müssen Sie unbedingt nach Indien.

ABHAYDAT TA KAUFT FARBEN. Für Abhaydatta ist der Tag vor dem ersten Vollmond im März ein Datum, das ihn schon lange davor schlecht schlafen lässt. Er hat jede verfügbare Rupie zurückgelegt, um Farbe zu kaufen. Genauer gesagt Gulal, so nennen sie das Pulver, das jetzt die Läden füllt, wie bei uns die Feuerwerkskörper vor Silvester. Gulal knallt aber nicht von selbst, Gulal muss man knallen lassen. Nicht mit Schwarzpulver und Lunte, mehr so, wie man als Kind eine leere Brötchentüte aufbläst und sie am Ohr des Nebenmannes explodieren lässt. Pulver ist also nicht Pulver, und schwarz ist Gulal schon gar nicht. Gulal ist so bunt, dass einem die Augen weh tun. Je bunter, desto richtiger. Es gibt was zu feiern. Außer Abhaydatta ist noch ganz Indien auf den Beinen. Es gilt, das alte Leben auf null zu stellen. Nicht zu löschen, resetten würde man heute sagen. Die Lasten des Alltags, die großen und kleinen Probleme des zurückliegenden Jahres und vor allem die Feindschaften zu tilgen. Und – wenn Sie gestatten – all denen, über die man sich geärgert hat, ans Bein zu pinkeln. Denn Holi, so wird das Fest genannt, ist ein

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b­ efreiendes ­Umkehrritual, bei dem alle gesellschaftlichen Normen und ­Moralvorstellungen unabhängig von Alter, Geschlecht oder Kaste für ein paar turbulente Tage aufgehoben sind. Mit Holi, dem ursprünglich ­ältesten ­Ernte- und Fruchtbarkeitsfest der Welt, zelebrieren die Inder ein ­hinduistisches Ritual: Den Sieg des Frühlings über den Winter. Die Botschaft vom Triumph des Guten über das Böse.

KEIN HASCH IST AUCH KEINE LÖSUNG. Je nach Region und Kondition geht Holi bis zu 10 Tage. Abhaydatta hat vorgesorgt, denn wie will man diese Feiertortur durchstehen ohne – sagen wir – ein Helferlein? Es hört auf den Namen Bhang, und es hilft nicht sonderlich, aber wirkt umso besser. Logisch, Bhang ist ein Rauschmittel. Als Überdosis auch bekannt unter der Bezeichnung Big B(h)ang. Es erlaubt nahezu alles, was der Reinigung von Altlasten und der ersehnten V ­ ersöhnung dient. Und so zieht auch Abhaydatta in die Schlacht, um Dampf ­abzulassen, denn jeder darf seinen Nachbarn oder wen immer es trifft, von Vollhorst bis Rechtschreibüberprüfungs­programm-Benutzer alles heißen, was ihm Erleichterung verschafft. Wobei diese beispielhaft angeführten Titel noch am unteren Ende der nach oben offenen Beleidigungsskala ­angesiedelt sind. Man lacht. Schließlich ist der Druck weg, die alten Streitigkeiten sind vergessen, soziale Gräben überwunden und bestehende Freundschaften bekräftigt. In Deutschland sagt man: Wir machen den Weg frei. Der freie Weg beginnt mit Freudenfeuern am Abend vor dem ersten Feiertag. Abhaydatta ist ungeduldig, denn erst muss noch eine Strohfigur verbrannt werden. Eine symbolische Handlung an der Dämonin Holika, von der das Fest der Farben seinen Namen hat. Aber das führt zu weit in die ­Mythologie, denn Abhaydatta will, dass es endlich losgeht. Je ein Beutelchen hat er von allen Farben gekauft, die für den Frühling stehen. Da trifft ihn der erste »feindliche« Puderschwall. Pink, die indische Farbe der Gastfreund­ schaft, hüllt ihn in eine rosarote Wolke des Glücks. Der Wolken kommen noch viele. Von allen Seiten. Unaufhörlich. Ein Farben­ gewitter unvorstellbaren Ausmaßes. Und wenn er gerade mal nicht unter Beschuss steht, revanchiert sich Abhaydatta mit allem, was er hat. Blau und gelb und rot und türkis und violett und orange und grün und rosa und purpur und indigo. Und wenn er nicht gestorben ist, dann wirft er immer noch.

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Wenn es Ihnen so schnell nicht zu bunt wird oder Sie auch mal Tabula Rasa in Ihrem Gefühlsleben machen wollen, sollten Sie vielleicht einen Termin im Auge behalten. Denn das indische Holi-Fest 2017 beginnt am

13.03. Falls Sie so lange nicht warten wollen: Als Musikfest getarnt, findet 2016 die »Holi Festival of Colours Tour« auch in 12 deutschen Städten statt.

Sie werden um Ihre Fassung ringen. Sie werden Paläste betreten, die eine Fata Morgana sein müssen. Sie werden Erzählungen lauschen, die ins Reich blühender Fantasien gehören. Sie werden dem Königstiger ins Auge sehen oder in Luxus gepackt im Dünenzelt träumen. Beim Gongschlag am Allerheiligsten werden Sie frieren vor Ehrfurcht, und zum gerechten Ausgleich an den vorgewärmten Palmenstränden von Goa Platz nehmen. •••••••••••••••••••• m www.chamaeleon-reisen.de/mz6/Indien

Bilder, die man nie mehr vergisst. Man muss sie sehen, um es zu glauben. ••••••••••• m Indien-Film erleben.

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Wie ist die Gotteswelt doch schรถn,

wenn man gerade Glieder hat. Gut hรถren tut und richtig sehn, so schรถn ist es in keiner Stadt. Nach Neuseeland, nach Neuseeland, ach du schรถnes Ei- und Schneeland, dahin, Alter, lass mich hin. Wo die alten Menschenfresser und die neuen Beefsteakesser fuchtelnd ihre Messer ziehen. Dahin, Alter, lass mich ziehn.

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Der mit reichlich Sarkasmus gesegnete Oberamtsrichter Ludwig Eichrodt schrieb diese Zeilen und erfand im

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Jahrhundert die Figur des Dorflehrers Gottlieb Biedermeier. Ein spießiger Kleingeist, dem das Los als verachteter Schulmeister zur Glückseligkeit genügte. Nach ihm wurde später eine ganze Epoche benannt.

Sie lieben blau? Auch tiefblau? Und grün, auch hellgrün? Was ist mit türkis in allen Schattierungen? Zartgelb und schwefelgelb, rostrot und amethystviolett? Oder doch lieber korallenrot bzw. sonnenorange? Wie steht’s mit gold, mit purpur und lapuslazuli? Rubin vielleicht oder rosenquarz? Ach so, Sie lieben alles, was die Natur in ihrer maßlosen Spendierlaune zu verschenken hat. Dann wird es allerdings höchste Zeit für Gottes Meisterstück. •••••••••••••••••••• m www.chamaeleon-reisen.de/mz6/Neuseeland

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In Wirklichkeit wurden Blitzeinschläge im Nahen Osten bereits vor hunderttausend Jahren genutzt, um mit Feuer zu kochen. Aber was fasziniert daran schon? Da hat das Buch der Könige doch eine bedeutend schönere Geschichte parat. Sie berichtet uns, wie der Urkönig Husang mit seinen Getreuen durch die Berge zog, wo sie auf eine pechschwarze Schlange mit blutunterlaufenen Augen trafen. Rauch stieg aus ihrem Maul und hüllte die Berge in ein schemenhaftes Dunkel. Mit der übermenschlichen Kraft eines Königs nahm Husang einen ordentlichen Felsbrocken und schleuderte ihn gegen die Schlange. ­Vermutlich mangels vergleichbarem­ ­Training, ging die Attacke daneben. Doch wurde sein Pech für die Menschheit zu einem Segen, denn der Stein zersplitterte an einem Felsen und schlug Funken, aus denen im wahrsten Sinne des Wortes schlagartig ein Feuer entstand.

DAS RÄTSEL DES EWIGEN FEUERS.

Irgendwann musste die Geschichte erzählt oder sagen wir, schön erfunden werden, damit die persische Mythologie zu ihrem Recht komme.

So wurde das Geheimnis entdeckt, mit Hilfe von Steinen ein kontrolliertes Feuer zu entfachen, das ab dem 8. Jahrtausend zur Blüte des persischen Reiches führte, denn nun konnte aus Erzgestein Kupfer heraus­geschmolzen werden. Durch den Import von Zinn gelang schon bald die ­Herstellung von Bronze, der 3.000 Jahre später das Eisen folgte. So entsprang aus der ­Mythologie die sehr reale, sagenhafte persische Kultur mit ihrem unvorstellbaren Reichtum.

Mit dem Feuer gegen die Feinde. König Husang aber sah im Feuer einen ­Abglanz Gottes und stiftete seiner ­Ent­deckung zu Ehren ein Fest, das als ­heilige Feuerzeremonie über die Jahr­ tausende hinweg ein neues, rätselhaftes Kapitel der iranischen Religionsgeschichte aufschlagen sollte. Die Feueraltäre der ­Achämeniden gelten als die »Initial­ zündung« eines heiligen Kultes, in dem das Feuer als Symbol der Reinheit und der Erkenntnis steht. Zunächst in die Felswände der Berge gemeißelt, huldigten die Feueraltäre dem festen Glauben, dass man den Geist Gottes nicht in einen Raum einschließen könne. Unter freiem Himmel aber war die ­Sicherung der ewigen Flamme etwas problematisch und so kam der Feuertempel nach babylonischem Vorbild gerade recht.

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Ein Wettlauf begann um die schönsten und prunkvoll verziertesten Tempel, durch deren Eingangshallen nun die Gesänge der Priester wehten. Wer aber zur Erkenntnis gelangen wollte, der musste durch viele kleine Räume hindurch zum Heiligsten, der das Heiligste barg: Das Feuer, das niemals ausgehen durfte. So schön hätte es bleiben können. Wäre da nicht der ewige Zwist, welcher Glaube der rechte ist. Mit der muslimischen Eroberung Persiens gingen die meisten Feuer­tempel zu Bruch oder wurden zu Moscheen u­ mfunktioniert. Mit ungewollt durchschlagender Symbolik, ist der typische Quaderbau mit seinen monumentalen Tonnengewölben doch zur Blaupause der islamischen Gotteshaus-Architektur geworden. So rächt sich die Geschichte. Heute brennt das ewige Feuer nur noch in wenigen zoroastrischen Tempeln.

Abgeleitet von ihrem Gründer Zarathustra, begeht die Glaubensgemeinschaft der ca. 150.000 ­Zarathustrier vornehmlich in der Region um Yazd ihre jährliche ­Feuerzeremonie. Dafür stifteten sie ein prächtiges Feuerheiligtum, dessen ­Eingangsfassade ein Relief des Gottes Ahura Mazda ziert: Für das Licht des Lebens gegen den Teufel Ahriman, womit der Islam und die ­mohammedanische Herrschaft gemeint sind. In der Stille seines Hauptraumes brennt das aus Indien stammende Ewige Feuer.

Seit nunmehr 1.500 Jahren ununterbrochen.

Auch wenn sie so heißen, brennt heute nur noch in den wenigsten Feuertempeln eine Ewige Flamme. Die sieben berühmtesten der Antike sind alle erloschen. Vielleicht werden sie von den Zarathustriern gerade deshalb sorgsam gepflegt, denn ihre Feuer repräsentierten die

7 höchsten Geister im Reich des Lichts: Ahura Mazda, Mensch und Tier, Pflanzen, Blitzfeuer, Riesenfeuer, neuer Frühling und das Heilige Feuer des Zoroastrismus.

Es war einmal in Persien und ist immer noch so. Märchenhaft ist gar kein Ausdruck, eher eine Herausforderung an den Verstand, schwankend zwischen Herzrasen und Glückshormonen. Das kommt davon, wenn man unendlichen Reichtum dazu nutzt, eine Kultur zu schaffen, die – abgesehen davon, dass sie Kulturerbe ist – ohne Übertreibung den Titel »Abbild der Welt« trägt. Bewahrt und verehrt im Bewusstsein absoluter Einzigartigkeit. •••••••••••••••••••• m www.chamaeleon-reisen.de/mz6/Iran

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KAPSTADT. MOTHER CITY.

ALS WÄRE ES NIE ANDERS GEWESEN.

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elch ein schöner Traum, wenn die Menschen am untersten Zipfel des afrikanischen Kontinents immer so eins gewesen wären wie an diesem ersten Adventssonntag in Kapstadt. Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Status – nichts zählt mehr, nichts privilegiert oder diskriminiert, wenn sie zu tausenden in die Adderley Street strömen, die an diesem besonderen Tag für den Verkehr gesperrt ist. Wo die ­Autokolonnen normalerweise vierspurig durch die Innenstadt rauschen, steht Bühne an Bühne, auf denen Popstars und solche, die es werden wollen, ihr Bestes – ­gelegentlich auch ihr Lautestes geben – um der wachsenden Menschenmenge die Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit zu verkürzen.

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och ist es hell, aber der große Moment naht, wenn der Moderator sein Podest betritt und mit einem F­ ingerzeig die Massen zum Schweigen bringt. Gleich wird er den Countdown beginnen. Langsamer, als die Sekunden tatsächlich verstreichen, zählt er von zehn abwärts und bleibt bei »1« stehen. Dann wechselt seine Stimme vom getragenen Pathos zu einem furiosen Tremolo: »Ist dies die schönste Stadt der Welt?«, brüllt er in sein Mikro. Und z­ehntausende Kapstädter reißen zur Bestätigung ihre Arme in die Luft und brechen in einen unbeschreiblichen Jubel aus. Das ist der Moment, wenn in Kapstadt die Weihnachtsbeleuchtung angeht.

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ie war nicht immer die schönste Stadt der Welt. Vielleicht sogar einmal das hässlichste Gesicht der Apartheit. Eine Karriere, die vor gut 350 Jahren ihren Lauf nahm. Die Ureinwohner der San und Khoikhoi hatten sich ein formidables Plätzchen ausgesucht, um sich nieder­ zulassen. Die geschützte Bucht unter dem Tafelberg war ein landschaftlicher Traum, fruchtbar dazu und gesegnet mit Tieren, die keinen Hunger aufkommen ließen. So hätte es bleiben können, wäre 1652 nicht der Niederländer Jan van Riebeeck ­vorbeigekommen. »Perfekt«, soll er ausgerufen haben, »besser geht’s gar nicht« und erklärte die Bucht zur idealen Versorgungsstation für die Handelsschiffe der Niederländischen Ostindien-Kompanie.


DIE SAN G WAREN IM WEG.

enau genommen machten sich die Ureinwohner ziemlich unbeliebt, weil sie im Traum nicht daran dachten, für die neuen Herren zu arbeiten. Aber das Menschenrecht war noch nicht erfunden und Sklaven nach wie vor die billigsten Arbeitskräfte. Geholfen hat es nicht. Nach 150 Jahren Herrschaft am Kap, begann der Stern der holländischen Schifffahrt zu sinken und die »Vereenigte Oost-Indische Compagnie« ging pleite. Des einen Leid, des anderen Freud. Die Briten machten dem Spuk ein Ende, erklärten Kapstadt mit Mann und Maus zur Britischen Kronkolonie und die Sklaverei zur Vergangenheit.

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urück blieb ein Schmelztiegel aus Europäern, Schwarzen, Indern, Malaysiern, Madagassen und Indonesiern, deren genetische Mischungsverhältnisse die heutigen Cape Coloureds hervorgebracht haben. Eine Bevölkerungsschicht mit einem Anteil von über 50 Prozent der Einwohner. Sie sind der Treibstoff, das Pigment, das Karussell der einzigartig kulturellen Vielfalt am Kap. Der schönsten Stadt der Erde.


Der Südafrika-Film, der sprachlos macht und Sehnsucht weckt. ••••••••••• m Südafrika-Film erleben.

MOTHER CITY. W

er die Mutter aller Städte in ihrer überwältigenden Schönheit erfassen will, muss auf 1.087 Meter. Geht leichter mit der Seilbahn, und dann liegt die Perle Südafrikas ausgebreitet da, eingerahmt von einem wütenden Atlantik, im Rücken beschützt von den Cape Rocks, versöhnt durch eine Landschaft, die das Beste hervorbringt, was man in Flaschen füllen kann. Soweit der Überblick, und dann passiert das, weshalb böse Zungen Kapstadt den Beinamen Mother City gaben, weil hier jede Kleinigkeit neun Monate dauert. Aber was soll man auch machen in einer Stadt, deren Erlebnisdichte jeden Rahmen sprengt? Wer sich gleich zu Beginn in die Victoria and Albert Waterfront verirrt, läuft Gefahr, inmitten von Boutiquen, Bars und Restaurants die ersten fünf Wochen hängen zu bleiben.

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rei Wochen am Noble Square, zwei im Two Oceans Aquarium, eine im Castle of Good Hope, weitere drei im grellbunten Stadtteil Bo-Kaap, mindestens sechs zum Shoppen in der Long Street, nochmal zwei im District Six der Coloured People, ­wenigstens vier im Botanical Garden Kirsten­bosch und je eine im Canal Walk Center und auf Robben Island, der ­Gefängnisinsel Nelson Mandelas, die mittlerweile Weltkulturerbe ist.

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ie brauchen nicht nachzuzählen, es fehlen noch acht Wochen bis zu den neun Monaten. Aber dieses Programm will auch überlebt sein, und dafür gibt es die unbeschreiblich schöne Küste rund um das Cape of Good Hope, um sich zusammen mit Robben und Pinguinen in die watte­ weichen Buchten zu legen und sich von der atemberaubenden Brandung ein Schlaflied singen zu lassen.

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Von allem etwas. Den Stilepochen, den Nationalitäten, den Farben, den Sounds, dem Swing of Life – dafür muss man in die Long Street. Sie ist der älteste Straßenzug der Stadt und erzählt auf

3.200 Metern fast die gesamte Geschichte Kapstadts. Ein aufregender Marsch durch die Kulturen, aber why not, abregen geht schließlich auch: In einem, wenn nicht dem schönsten botanischen Garten der Welt: Dem National Botanical Garden Kirstenbosch im Schatten des Tafelberges.

Es gibt Sonnenanbeter, die von menschenleeren Stränden träumen. Connaisseure, die von Weinprobe zu Weinprobe pilgern. Fotografen, die meilenweit für den ultimativen Klick gehen. Tierliebhaber, die ein Leben lang von den Big Five träumen. Und Abenteurer, denen kein Schlund tief genug gurgelt. Warum so umständlich, wo es all das auf einer einzigen Reise gibt? Und als Zugabe die schönste Stadt der Welt. Südafrika verzaubert. •••••••••••••••••••• m www.chamaeleon-reisen.de/mz6/Suedafrika


Eigentlich hatten wir gratulieren wollen und dann kam doch alles ganz anders. Aber der Reihe nach. 1838 entwickelte Charles Darwin die ­Theorie der organismischen Evolution, aber war sich selbst nicht ganz sicher, weshalb er sie 20 Jahre in die Schublade legte, um weiter zu forschen. Vorausgegangen war eine fast fünfjährige Schiffsreise auf der HMS Beagle, die ihn am 18. September 1835 ins Galápagos-Archipel führte. Er war bereits seekrank, bevor es richtig losging und hatte noch die halbe Welt vor sich: Kapverden, die Allerheiligen­ bucht vor der südamerikanischen Küste, Rio de Janeiro, Montevideo, Feuerland, die Falklands, Uruguay und durch die ­Magellan-Straße hindurch auf die andere Seite des ­Kontinents.

Nach Vermessungsarbeiten in Chile und Peru, verließ die HMS Beagle das Festland mit Kurs Galápagos. Der Direktor des Gefangenenlagers auf Floreana war es, der ihm von einem seltsamen Phänomen erzählte, wonach er die Riesen-Schildkröten der verschiedenen Galápagos-Inseln am Muster ihrer Panzer erkennen könne, weil sie jeweils nur dort vorkommen. Ungewollt ­lieferte er Darwin damit das Schlüssel­erlebnis für sein Werk über die Veränderung und natürliche Auslese von Arten. Die Grundlage der modernen ­Evolutionsbiologie.

R.I.P. Das Experiment, der Evolution trotz dieser Erkenntnisse ins Handwerk zu pfuschen, hat leider nicht funktioniert. Kurz vor dem Salatbuffet zu seinem 100. Geburtstag, starb Lonesome George am 24. Juni 2012. Der Schildkröten-Mann war der letzte seiner Unterart. Eine Symbolfigur der Galápagos-Inseln hatte sich lautlos verabschiedet. Alle Versuche,

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ihn mit hinreißenden Schildkröten-­Damen zum Erhalt seiner Gattung zu bewegen, waren ­fehlgeschlagen. Mehrfach wurden Gelege gefunden, deren Eier allerdings erfolglos bebrütet worden waren. Die ­Evolution wollte, dass Schluss ist. Ruhe sanft, Schorsch.

IN 2 STUNDEN IN DIE STEINZEIT Von Guayaquil zwei Stunden mit dem Flieger, dort liegt das Archipel mit seinen 13 Hauptinseln und über 100 Winzlingen in der Sonne. 97 Prozent der Landmasse und 99 Prozent der Gewässer unterliegen dem weltweit strengsten Naturschutz. Flora und Fauna der Inseln zählen zum Welt­naturerbe der UNESCO. Wie die Schildkröten, die der Gefängnisdirektor aufgrund ihrer ­Panzerstrukturen einer bestimmten Insel zuordnen konnte, sind 40 Prozent des ­Tierreichs endemisch, kommen also an keiner anderen Stelle der Welt vor. Welch eine aufregende Gesellschaft: Galápagos-


Trotz Naturschutz und den strengen Auflagen, die den Fischern auf Galápagos das Leben nicht gerade leicht machen, gelten Fauna und Flora als ökologisches Risikogebiet. Mehr als

50 Prozent der endemischen Tierarten und jede fünfte Pflanzenart sind bedroht. Der Tourismus trägt zwar seinen Teil dazu bei, paradoxerweise ist es aber der Tourismus, der die finanziellen Möglichkeiten bringt, den Aufwand zum nachhaltigen Schutz und Erhalt des Nationalparks Galápagos zu finanzieren. Denken Sie daran, wenn Sie Ihren Fuß ins Paradies setzen.

Seebär, Aztekenmöwe, Bahamaente, Braunmantel-Austernfischer, Madeirawel­ lenläufer, Odinshühnchen, Wilsonwasser­ treter, die feuerrote Riesenkrabbe Grapsus grapsus, Drusenköpfe und andere, urzeit­ liche Drachenechsen, konnten die Evolution nur überlisten, weil sie auf den Inseln des Galápagos-Archipels unter sich waren. Sie sind es heute nicht mehr, denn es gehört zu den überwältigendsten ­Reiseerlebnissen, dieser einzigartigen Tierwelt Auge in Auge zu begegnen. Nicht sprichwörtlich, sondern tatsächlich, denn die einzige Frage, die hier von beiden Seiten gestellt wird, dient allein der Neugier: Wer bist du denn? Keine Scheu, kein Argwohn, kein Misstrauen.

Wozu auch? Hat es auf der Arche Noah eine Rangfolge gegeben? Hat jemand befohlen: Du oben und Du unten? Waren Klagen zu hören über die Enge, über besetzte Fenster­ plätze oder Privilegien bei der Essensaus­ gabe? Nichts dergleichen. Sie waren eins. Auf Galápagos sind sie eins geblieben. Zusammen mit den Menschen, die heute kommen und gehen. Als Gleiche unter Gleichen. Ungewöhnlich zwar, aber wunderschön.

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Geprägt von den Schätzen der Inka, beherrscht von umwerfender Natur, gestaltet vom 1000-fachen Grün des Regenwaldes. ••••••••••• m Ecuador-Film erleben.

In See stechen bedeutet hier das Herz treffen. Denn eine Kreuzfahrt im Galápagos-Archipel ist ohne Zweifel das spektakulärste Anschlussprogramm einer Ecuador-Reise. Sie fahren auf kleinen, komfortablen Schiffen, die gleichzeitig Ihr Hotel sind. Sie ankern in respektvollem Abstand vor den Inseln, so folgt den Abenteuern die cocktailbewaffnete blaue Stunde an der Reling, mit fasziniertem Blick, wie die untergehende Sonne Jahrmillionen ausradiert. Aber keine Sorge, morgen früh sind alle wieder da, die Sonne, die Zeugen der Urzeit, das Staunen und das Gefühl, etwas Einmaliges zu erleben. •••••••••••••••••••• m www.chamaeleon-reisen.de/mz6/Ecuador


PROST MAHLZEIT!

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So muss es gewesen sein. In einem Manuskript aus dem 12. ­Jahrhundert entdeckt der leicht verpeilte Professor ­Lidenbrock den rätselhaften Hinweis eines isländischen Alchemisten. Was will er der Nachwelt damit sagen? Lidenbrock kapituliert vor dem in Runen geschriebenen Dokument und verdonnert seinen Assistenten, das Geheimnis zu lüften. Wie so oft, wenn Hunger die Triebfeder besonderer Anstrengungen ist, entziffert der Assistent tatsächlich den kryptischen Text. Er beschreibt, dass ein I­sland-Reisender, der in den Vulkankrater des Snaefellsjökull steigt, wenn der »den Schatten des Skartaris vor dem ersten Juli ­liebkoset«, zum Mittelpunkt der Erde kommt.

Nach neuerer Lesart brodelt dort unten die Hölle, weshalb wir es vorgezogen haben, die Empfehlung Jules Vernes zu ­ignorieren. »Oder?« Fragender Blick unseres Reiseleiters Ólafur in die ­Gesichter der Gäste. Stummes Kopfschütteln. Also nicht, zumal der ­Stratovulkan bis hinauf zu seiner ewigen Eiskappe in einen veritablen Gletscher gehüllt ist. Kein Vergleich zu dem unverschämt saftigen, angenehm weichen Grün, auf dem wir stehen. »Lass uns den Krater vergessen, geh’n wir was Leckeres essen«, wirft einer in die Runde und diesmal nicken alle kräftig. Und dann erzählt uns Ólafur eine unglaubliche Geschichte, noch unglaublicher als die von Jules Verne, mit einem Unterschied: Der Abstieg in die ­(kulinarische) Hölle wird uns diesmal nicht erspart bleiben, und schon die Tatsache, dass die isländische Spezialität Monate der Zubereitung braucht, hätte uns stutzig machen sollen.

Ungenießbar bis giftig. »Sein Name ist Hákarl«, begann Ólafur. »Wenn die Grönlandfischer aus ihren Fanggebieten zurückkehren, haben sie nicht selten einen ungeplanten Hai im Netz. Weil sie selbst damit nichts anfangen können, finden sie in den Fischverarbeitern Islands dankbare Abnehmer, die nun nicht mehr raus müssen, um in den saukalten arktischen Gewässern auf die Jagd zu gehen.«

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Nun, ein Hai reguliert mit dem Atmen auch seinen Salzhaushalt und unterstützt dadurch den Auf- und Abtrieb, was in dem von der Natur eigentlich nicht vorgesehenen Haisteak eine bemerkenswerte Überdosis an Salz einlagert. Gepaart mit einer Konsistenz, die man üblicherweise von Gummibällen kennt. So weit, so gut, aber der Knüller kommt erst noch. Haie reichern zum Ausgleich des ­osmotischen Drucks ordentliche Mengen Harnstoff im Blut an. Bis dieser bei einem toten Hai abgebaut ist, vergehen Monate. Begleitet von reichlich Ammoniak als Nebenprodukt der Zersetzung. Soviel zu der bemerkenswerten Grundlage für die Zubereitung von Hákarl.

Ohne Gewürze oder sonstige Zutaten beginnt für das ausgelöste und gewaschene Haifleisch eine monatelange Hängepartie in offenen Hütten, damit es trocknen und das Ammoniak im wahrsten Sinne des Wortes verduften kann. Erst diese Fermentierung macht den Hai essbar, anderenfalls wäre das Fleisch giftig.

MUND AUF, AUGEN ZU. Soweit Ólafurs Geschichte, während wir durch eine märchenhafte Landschaft aus rostrot, graublau, schwefelgelb, braunbärenbraun und erbsengrün zu einem Gehöft wanderten, das vielleicht noch 300 Meter entfernt lag. »Das ist Bjarnarhöfn«, erklärte er, »wo seit Generationen Hákarl hergestellt wird«. In Erwartung des drohenden Unheils, verschwand unser Hungergefühl schlagartig, aber es blieb ein Rest an Neugier. Was mal ein Hai war, hing in braungelb ­verrotteten Streifen von der Decke. Aber – das muss man zur Ehrenrettung des Fisches sagen – einmal angeschnitten, offenbarte sich ein verlockend helles Fleisch, einem Appenzeller nicht u­ nähnlich. Nur die Konsistenz – nun ja, Ólafur hatte nicht übertrieben. Ein Konditionsprogramm für die Kaumuskeln. Mehr ­Mutprobe als Leckerbissen.

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Gemessen an dem bisschen Land, dürfte es nirgendwo eine höhere Einwohnerdichte geben. Zumindest, wenn man die mitzählt, die sich hier am wohlsten fühlen: Papageitaucher, Trottellummen, Basstölpel, Eissturmvögel, Thorshühnchen, Sterntaucher, Goldregenpfeifer und ihre entfernten Verwandten, die sich auf rund 230 Vogelarten summieren. Und aus den 13 Rentieren, die man 1771 aus Norwegen importierte, sind mittlerweile

3.000 geworden. Von den weltberühmten Islandpferden ganz abgesehen.

Die Erkenntnis, dass Geschmäcker unterschiedlich sind, gilt eigentlich auch für Island. Hier allerdings fiel das Urteil einstimmig aus. Von weit aufgerissenen Augen bis zu verzweifelt eingesogener Frischluft, bedurfte es keines zusätzlichen Kommentares mehr. Andererseits – und das macht einen wirklich guten Reiseleiter aus – hatte Ólafur vorgesorgt. Mit fürsorglicher Miene stellte er eine Flasche in unsere Mitte. Brennivín stand drauf. Giftgrünes Zeug. Pechschwarzes Etikett. »Haifischneutralisator«, raunte einer. Aber Ólafur wusste es besser. »Das schwarze Etikett sollte die Menschen ursprünglich davon abhalten, dieses Teufelszeug zu trinken, aber dann wurde es als Schwarzer Tod zu einem Markenzeichen und ist inzwischen unser inoffizielles Nationalgetränk.«

Gänsehaut gibt es nur in exotischen Ländern? Dann waren Sie noch nie in Island, wo von Augenblick zu Augenblick die Welt untergeht und wieder neu entsteht. Wo die Geysire bis zu 60 Meter aus dem Lavaboden schießen und Eisberge durch blaue Lagunen ziehen. Wo die Wanderwege durch kochende Schlammfelder zu goldenen Wasserfällen führen. Man kann nicht sagen, Island sei so oder so, Island ist Naturgewalt von sagenhafter Schönheit. •••••••••••••••••••• m www.chamaeleon-reisen.de/mz6/Island

Wer kann dazu schon nein sagen? Und ganz ehrlich, es wurde ein sehr lustiger Nachmittag: Ein Stück Hai, ein Brennivín ... ein Stück Hai, zwei Brennivín ... ein Stück Hai, drei Brennivín ...

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Die Quellen des Glücks. ••••••••••••••••••••••••••••••••••

Der kleine Phönix. Ja, Angkor Wat kennt jeder. Aber hinter dem Weltkulturerbe geht die Straße weiter und führt auf direktem Wege in ein kaum zu ­beschreibendes Schicksal. Sein Anfang datiert auf den 17. April 1975. Tag 1 einer unvorstellbaren ­Schreckensherrschaft. Binnen weniger Tage hatten die Roten Khmer die Städte ­entvölkert und Millionen Menschen auf den »langen Marsch« in die ­Reisfelder getrieben. Wer überlebte, war von nun an Bürger des ­Agrarkommunismus. Zwölf Stunden Zwangsarbeit war die Norm. Sprechen verboten. Das Geld wurde abgeschafft, Bücher verbrannt, Lehrer und die gesamte intellektuelle Elite des Landes umgebracht. Aber das war nur der Anfang. Ein gigantischer Massenmord sollte alle Klassen­ unterschiede beseitigen. Wer der Sabotage verdächtigt wurde – und dafür reichte es, eine Fremdsprache zu sprechen – wurde erschossen, mit einer Feldhacke geköpft oder einer Plastiktüte erstickt, der Ehegatte gleich mit, ihre Kleinkinder an Bäumen zerschmettert. Wer die Folter in den berüchtigten »Sicherheits­ gefängnissen« überlebte, den erwartete auf den »Killing Fields« vor den Toren der Stadt ein grausames Ende. In den vier Jahren dieses Wahnsinns starben über 2 Millionen Menschen. Zurück blieb ein seelisch totes, traumatisiertes Land.

1979 wurde das Regime der Roten Khmer gestürzt. Allmählich füllten sich wieder die Städte, ein Funke Hoffnung kehrte zurück, es wird tapfer gelächelt, doch die Wunden sind noch nicht verheilt. Wie vereinzelte Pfützen, die nach dem Rückzug einer Sturmflut übrig bleiben, ringen viele abgelegene Dorfgemeinschaften um den Anschluss an das, was einmal ihr Leben war.

Ein Neubeginn. Bei null. Ja, Angkor Wat kennt jeder. Aber hinter dem Weltkulturerbe geht die Straße weiter und führt auf direktem Wege nach Phnom Kulen. Es war die letzte Bastion der Roten Khmer. Das Hochplateau ist übersäht mit Tempeln und Heiligtümern. Es hilft ihm nicht. Es gibt wenig zu essen, viel zu wenig. Die natürlichen Ressourcen sind gleich null. Einkommen? Woher denn? Gesundheitsversorgung Fehlanzeige. Schule, Lehrer? Wer will hier schon unterrichten? Und dennoch: Die Menschen in Phnom Kulen haben wieder eine Perspektive.

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Pilze, Gastfreundschaft, Bildung. Die drei Säulen eines neuen Lebens brauchen Hilfe zur Selbsthilfe, um sich nachhaltig entwickeln zu können. Hier springt seit

2014 die Chamäleon-Stiftung ein und unterstützt in erster Linie alle Aktivitäten, die den Menschen in Phnom Kulen ein geregeltes Einkommen ermöglichen. Denn nach wie vor gilt: Wer kein Geld für eine Schuluniform hat, dem hilft auch ein Schulbuch nicht, der muss draußen bleiben.

Man nehme: Einen Plastikbeutel und fülle ihn mit Sägespänen, gebe eine MSP vom Geflecht eines sehr leckeren Pilzes hinzu und warte. Etwas Wasser kann nicht schaden, aber die Luftfeuchtigkeit erledigt das Meiste. Beutel an Beutel auf engstem Raum kultiviert, ergeben drei Effekte: Eine hohe Produktivität (als Wirtschafts­ faktor bis dato völlig unbekannt). Eine Nahrungsquelle für den Eigenbedarf (sehnlichst erwartet) und einen gewinnbringenden Exportartikel (zumindest bis in die nächste Stadt). Dieses war der erste Streich.

Nach dem Kalender sind es nur 15 Tage. Aber in den Gefühlen und Erinnerungen werden es viele Jahre sein: Der Berg der 328 Stufen, die Stadt der 100 Tempel, die Grotte der ungezählten Buddhas, der Fluss der 4.000 Inseln, die 200 Gesichtertürme, die Morgenzeremonie der Mönche, der Nachtmarkt der Hmong, der Märchenwald unter Wasser, Phnom Kulen, Phnom Penh und natürlich Angkor Wat. Wat für ein Land. •••••••••••••••••••• m www.chamaeleon-reisen.de/mz6/Kambodscha

Der zweite betrifft eine Umleitung. Die Umleitung von Touristen in ihre kleine Welt, um sie zu bekochen und Geschichten zwischen Not und Zuversicht zu erzählen, bis es Zeit wird, gemein­­sam unter einem atemberaubenden Sternenhimmel davon zu träumen, dass alles gut wird. Schließlich der dritte: Die Erkenntnis, dass es ohne Bildung keine Zukunft geben wird. Aber wie dann? Dann passiert etwas, das manchen Gast zu Tränen rührt. Die Kinder spielen den Lehrer, der nicht da ist. Abwechselnd steht jedes an der Tafel, um mit den anderen die vorgegebenen Wörter zu üben. Wer glücklicher Besitzer eines Schulheftes ist, schreibt mit. Wer sich keins leisten kann, spricht wenigstens laut nach. Sie werden es einmal besser haben. Aber es kommt der Tag, an dem ihnen ihre Welt zu klein sein wird. Ihre Eltern und ­Großeltern werden zurückbleiben, so nah an einem ­weltbewegenden Ort und doch so weit weg. Die Jungen aber ziehen fort, um ihr Glück in den Städten zu suchen, aus denen ihre Vorfahren vertrieben wurden.

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Vielleicht erinnern Sie sich noch an unser Märchen aus der m ­ einezeit 04, wie der Himmelsgott Tya seine widerspenstige Sonnentochter Yih sandte, um das Dunkel der Erde mit ihren Strahlen zu erleuchten, was ein Meer aus Blumen sprießen und das Eis schmelzen ließ, damit gluckernde Bäche sie nähren konnten. So jedenfalls soll es sich in Neuseeland zugetragen haben. Am anderen Ende der Welt, so behaupten die indigenen U ­ reinwohner Südamerikas, sei es genau umgekehrt gewesen. Dort war es ständig hell und nichts hätten sich Mensch und Tier sehnlicher gewünscht, als im Schutze der Dunkelheit ein ­Nickerchen zu machen.

Da hatten es die Ureinwohner satt. »So geht es nicht weiter«, resümmierten sie, »wozu haben wir einen Häuptling, soll er doch bitteschön klären, wer die Nacht versteckt haben könnte«. Der Häuptling scharte seinen Beraterkreis um sich und gemeinsam kamen sie zu dem Ergebnis, es könne sich dabei nur um die Schlangen handeln, denn sie waren die einzigen, die stets zufrieden in der Sonne braten taten (Prägrammatik, Anm. d. Red.).

Unermüdlich brannte die Sonne vom Himmel. Stunde um Stunde trocknete sie das Leben ein bisschen mehr aus. Die Papageien pfiffen auf dem letzten Loch, die Truthähne gaben schon lange keinen Trut mehr von sich, auch die Ente war am Ende und es war nur eine Frage der Zeit, bis der erste Brillenbär vom Baum fallen würde. Eines sonnigen Tages fiel er tatsächlich und so fertig, wie er im Staub lag, sah er aus wie ein Bauernfrühstück.

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Also guckten sie unter den ihren einen aus mit Namen Dichali, was soviel bedeutet wie: Einer, der viel spricht. Macht Sinn. Dichali also wurde losgeschickt, um bei der Oberhäuptin der Schlangen gegen den Diebstahl der Nacht zu intervenieren. Die Oberschlange Kaa lag wie immer dösend im längst verdorrten Gestrüpp und hatte Dichali schon von weitem kommen sehen. »Was störst du mich?« zischte sie mit drohendem Unterton. »Man sagt, dass du die Nacht versteckt hältst. Ich bin beauftragt, dir einen Tausch anzubieten: Pfeil und Bogen gegen die Nacht.«


»Und was soll ich damit?«, entgegnete Kaa, »hab ich Arme und Hände, dass ich schießen könnte?« Das musste auch Dichali einsehen und machte sich unverrichteter Dinge wieder aus dem reichlich vorhandenen Staub. »Gibt es auch kurze?«, wollte Dichali wissen. »Klar doch«, kam es zurück, »Jugendliche lieben sie besonders, für unsereins nur noch im Falle pathologischer Unvernunft«. Gute Nacht, wünschte sie noch und war wieder verschwunden.

Schlangen mögen Musik, ehrlich. Zuhause angekommen, berichtete Dichali von seiner missglückten Mission. »Dann müssen wir Kaa etwas bieten, wozu sie nicht nein sagen kann«, war die einhellige Meinung. »Eine Flöte«, rief einer, »Schlangen stehen auf Musik, hab ich im Orient gesehen«. »Hast du eine?« »Nee, du?« »Ich auch nicht.« So ging das reihum, bis der Älteste, vielleicht war es auch der Weiseste, sagte: »Dann nehmen wir statt der Flöte doch eine Klapper, sowas können wir selber basteln.« Helle Begeisterung im Team und so zog Dichali tags darauf erneut in Richtung Kaa.

»Du schon wieder?«, zischte sie in der bekannten Tonlage. »Dein Gezische ist einer Oberschlange ­unwürdig«, schleimte Dichali, »schau mal, was ich dir mitgebracht habe«. Dann band er der Schlange die Klapper an den Schwanz, damit sie Musik mache. Was man so Musik nennt, so genau weiß man es heute auch nicht immer. Jedenfalls klapperte die Klapperschlang, bis ihre Klapper schlapper klang. »Dolles Ding«, stöhnte Kaa erschöpft, »das isses mir wert«. Damit verschwand sie in ihrem Versteck, um mit einem prall gefüllten Sack zurückzukehren. Oben, wo er zugebunden war, hing ein Zettel mit dem Hinweis: Lange Nacht.

So kam es, dass uns die indigenen Ureinwohner Südamerikas die Dunkelheit und den erholsamen Schlaf brachten. Aber undankbar, wie die Menschen nun mal sind, begannen sie ein paar­hundert Jahre später, den Donnerstag als »Lange Nacht« auszurufen, bei der sie paradoxerweise besonders lange wach bleiben mussten, um einzukaufen.

Die einsamen, naturgewaltigen Landschaften Südamerikas sind ein karger Boden für blühende Märchen. Hier gibt es keinen Harun al Raschid, keinen Aladdin und keine goldklimpernde Scheherazade, die zur Weltliteratur geworden sind. Aber wenn sich im Valle de la Luna die Sonne über dem Mondtal verabschiedet, um zuerst an den Torres-Spitzen wieder aufzutauchen, könnte man ohne Übertreibung sagen, es sei noch tausendmal so schön. •••••••••••••••••••• m www.chamaeleon-reisen.de/mz6/Argentinien m www.chamaeleon-reisen.de/mz6/Chile

Lange waren die indigenen Völker rechtlos und ihrer Vertreibung durch den Kolonialismus ausgesetzt. Erst seit

1940 existiert das sogenannte »Handbook of South American Indians«, das den südamerikanischen Kontinent in 12 Kulturareale aufteilt. Mit ihm begann ein Bewusstsein um die Schutzwürdigkeit der kulturellen Identität, die Lateinamerika anders als im Norden viele indigene Elemente erhalten hat, die heute das Erlebnis einer Reise prägen.

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Da müssen Sie sich aber dranhalten. Jetzt sind es schon 42 Länder, die sich im aktuellen Chamäleon-Katalog auf über 100 Wunderwelten-Reisen summieren. Überlegen Sie mal, wie alt Sie werden müssen, wenn Sie jedes Jahr nur eine dieser unglaublichen Kulturen besuchen möchten. Da hoffen wir natürlich inständig, dass Sie zeitig anfangen und wenn’s trotzdem nicht reicht, eben zweimal im Jahr mit uns auf Gänsehaut-Tour gehen.

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meinezeit ist das Reisemagazin von Chamäleon. Redaktion & Copyright Chamäleon Reisen GmbH, Pannwitzstraße 5, 13403 Berlin Silja Bohry, Frank Kleinbrahm, Ralf Schulze Texte Frank Kleinbrahm Gestaltung Ralf Schulze Druck Königsdruck, Berlin Bildnachweis Langjährig verbundene Profi-Fotografen, Chamäleon-Experten und Freunde ADF Kulen 26 Bleyer, Dirk U2 / 12 / 22 / 23 / 25 Chamäleon-Archiv 5 / 18 / 21 / 24 / 27 Chamäleon: Bohry, Silja 30 Hergenröther, Christian U3 Lamme, Maja 27 Matthes, Sabine 30 Mentz, Luisa 3 / 4 Mosig, Andreas 7 Conze, Mathias 21 Grafenstein: Grafenstein, Ludia 14 Hansen, Klaus 18 / U3 Hatari Lodge 31 Island Pro Travel 23 Küchler, Kai-Uwe 16 / 17 / 18 / 19 Play Media 30 Szydlak-Bleyer, Aneta 5 / 32 Tarangire Treetops 6 / 7 Tierra Maya Tours 5 Vision 21: Beyer, Dr. Heiko 3 Teilnehmer am Chamäleon-Fotowettbewerb Breuer, Norbert 31 de Zoysa, Sabine 8 Krause, Lothar 7 Roggetin-Haag, Hans-Peter 3 Rusnak, Nina 20 Winiarsk, Alicja 28 Fremdenverkehrsämter FVA Iran 15 FVA Südafrika U2 / 18 iStockphoto AfricaImages 19 Arshinov, Andrey 4 Burzik, Alexander 11 Callan, David 17 Carillet, Joel 4 Chen, Jill 18 Dolby, Pam 21 fotokostic 14 helovi 25 JJRD 8 / 10 kantapat 26 kavram 23 kjorgen 20 Klabdee, Suppalak 22 / 24 Lunamarina 2 Martins, Henrique 17 oneinchpunch U2 / 4 / 5 powerofforever 24 Sanchez, Roberto A. 11 Smileus 1 Stamatoyoshi U1 Syldavia 29 Torres Martin, Osmany 3 van den Bergh, Frank 15 Wikimedia Chris 73 23 Žváček, Ondřej 15

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Erlebnistage und kein Ende. So ein Jubiläumsjahr kann einem an die Nieren gehen. Kein Wunder, dass die Organisatoren unserer Geburtstags-Erlebnistage derzeit in den Seilen hängen, um sich von 10 fantastischen Veranstaltungen und einem Publikum zu erholen, das gekommen war, um ausgelassen mit uns zu feiern. Von Hamburg bis München waren in 10 Städten die Säle voll und der Beifall für »20 Jahre Gänsehaut« groß. Nun ist die Show vorbei, aber die Erinnerungen bleiben wach. In einer Nachlese der schönsten Momente auf m www.chamaeleon-reisen.de/mz6/Erlebnistage und mit den begeisterten Kommentaren unserer Gäste auf m www.facebook.com/Chamaeleon.Reisen


Da lacht der Postbote. Obwohl ein Päckchen mit 1,9 Kilo nicht gerade zu seinen Lieblingssendungen gehört. Aber wenn es rundherum gelb ist, weiß auch der Postbote: Da steckt die Reise Ihres Lebens drin. Genauer gesagt: Ihre Buchungsunterlagen. Denn Vorfreude besteht bei Chamäleon nicht aus einem PDF zum selber Ausdrucken. Da kommt ein exklusives Paket mit allen Reiseinformationen, Reiseverlauf und ergänzender Reiseliteratur, ein Päckchen leckere Buddha-Bärchen, ein aktualisiertes Tag-für-Tag-Programm, ein Sympathiemagazin samt Kofferanhänger, ein Gutschein für eine reisemedizinische Beratung sowie Ihre Besitzurkunde über 100 Quadratmeter Regenwald. Sie wünschen sich auch so ein Vorfreude-Päckchen? Geht schnell: Einfach eine Chamäleon-Reise buchen auf m www.chamaeleon-reisen.de/mz6

Neuer Höchststand bei Stiftungs-Projekten. Sie sind jedes Mal ein Highlight. Sie bringen viel Freude, lachende Gesichter und gelegentlich eine Träne der Rührung in eine Chamäleon-Reise. Und manchmal bleibt der Kontakt durch eine Patenschaft weit über den Besuch hinaus erhalten. Die Zahl der weltweiten Projekte, die von der Chamäleon-Stiftung gefördert werden, hat mit 32 einen neuen Höchststand erreicht. Sie geben denen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, das Lächeln zurück. Und denen, die mit uns reisen, einen bewegenden Blick in die Seele eines Landes. Wenn Sie mithelfen wollen m www.chamaeleon-stiftung.org

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