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STEIN

S 10 | 2012 stein-magazin.de

Zeitschrift für Naturstein

BIldhauer arbeitet mit CNC

Ein Brunnen in XXL

gar nicht mies

Räume aus Stein in Villen aus den 1920-er Jahren Seite 8

Böden perfekt scheifen Polieren oder ­kristallisieren? So geht es richtig. Seite 30

Die neuen Alten als Kunden Sie sind aktiv ­­ und ­solvent: die Generation 50+ Seite 52


bis wann?

Inhalt

welches Ziel?

Die Zukunft des Bauens

wie genau?

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Mies van der Rohes Villa Tugendhat war ein Realität gewordener Traum. Seit April dieses Jahres ist das aufwendig restaurierte Gebäude wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

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Der Neue Dom zu Linz besticht durch seine durchgehende Steinsichtigkeit. Verschiedene Natursteine kamen zum Einsatz. Eine Herausforderung für die Restaurierung.

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Verkaufs­­gespräche verlaufen nach einem bestimmten Muster. Wer die Regeln kennt, kommt ­schneller ans Ziel. Die richtige Einstellung hilft, innere Hemmschwellen zu über­winden.

Der Kunde von morgen ist älter – und anspruchsvoller. Qualität wird vorausgesetzt, gute Beratung ist ein Muss. Wie Sie mit der Kientel 50plus als Kunde umgehen.

Schöne Welt der Steine

Kunden gewinnen

08 Villa Tugendhat: Die Moderne lebt! Die Villa von Mies van der Rohe ­ wurde aufwendig restauriert. 15

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Gar nicht mies Der Barcelona-Pavillon ist einer der ­ ersten modernen Natursteinbauten.

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52 Voll im Leben Wie Sie eine ältere und anspruchsvollere ­ Kundschaft überzeugen.

Segmente ganz individuell Wie eine Politur mit den  passenden Schleifkörpern gelingt.

panorama

25 Ein Brunnen in XXL Wie ein Brunnen aus einem 50-Tonnen-Block  mit CNC-Technik gefräst wird. 30 Schleifen und Polieren Sanieren eines Kalksteinbodens  in einem ­Badezimmer

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Menschen, Termine, Produkte und mehr

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Seitenblicke Der Kunde

Rubriken 03 Betreff 68 Impressum 82 Vorschau/Fotonachweis

36 Fläche machen Im neuen ADAC-Gebäude in München  wurde unter Hochdruck verlegt. 40

Überzeugend verkaufen Die Regeln eines Verkaufsgesprächs ­ kennen und nutzen.

Chancen Nutzen

Steine bearbeiten STEIN – auf Facebook Mehr Wissenswertes gibt es jetzt auf Facebook. Die STEIN-Community wächst von Tag zu Tag. Besuchen Sie uns!

20 Mal BAU – fünf Jahrzehnte Erfolg

Neugotik aus vielen Steinen Restaurieren und rekonstruieren  am Neuen Dom zu Linz

Weltleitmesse für Architektur, Materialien, Systeme

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D Messe München GmbH . info@bau-muenchen.com Tel. +49 89 949-11308 . Fax +49 89 949-11309


Schöne Welt der Steine



Schöne Welt der SteinE

Moderne Architektur in Reinform: Blick auf das Haus von der Gartenseite

Die Moderne lebt!

S In Würde jung geblieben: die Onyxwand im großen Wohraum des Tugendhat-Hauses

Sanierung der Villa Tugendhat aus den 1920-er Jahren Ein Meisterwerk! Eine Ikone! Ein Geniestreich! All das lässt sich zu recht über Mies van der Rohes Haus Tugendhat sagen. Aber es war auch ein Realität gewordener Traum und – wenn auch nur für viel zu kurze Zeit – das Heim einer Familie. Seit April dieses Jahres ist das aufwendig restaurierte Gebäude wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.  Von Jörg Stephan 8

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pontan begeistert war der Bauherr nicht von der Idee: 60.000 Reichsmark allein für eine Wand aus Naturstein? Für solche Summen bauten andere Menschen ein Haus! Der Architekt sah das anders: »Mancher mag einen Aschenbecher aus Onyx haben – aber niemand hat eine ganze Wand aus Onyx!« Ob es wirklich diese Aussicht war, die Fritz Tugendhat letzten Endes zustimmen ließ, darf man bezweifeln. Als seine Frau Grete und er sich auf die Suche nach einem Architekten machten, hatten sie sehr klare Vorstellungen davon, wie ihr zukünftiges Heim aussehen sollte. »Ich hatte«, schrieb Grete Tugendhat rückblickend, »mir immer ein geräumiges, modernes Haus mit klaren, einfachen Formen gewünscht.« Schon nach kurzer Zeit waren sie sicher, in Ludwig Mies van der Rohe den richtigen gefunden zu haben, und als dieser ihnen am Silvesterabend 1929 die ersten Entwürfe präsentierte, war den Tugendhats klar: Das ist unser Haus. Mies hatte gerade mit dem Barcelona-Pavillon seinen internationalen Durchbruch erlebt, einem Bauwerk, das allerdings reine Form war und über seinen Repräsen­ tationscharakter hinaus keine Funktion besaß. Anfang der 1920er-Jahre hatte er mit seinen Landhausstudien ein Ideal des neuen Bauens formuliert, wartete aber immer noch auf eine Gelegenheit, diese Utopien Wirk-

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Steine bearbeiten



Steine bearbeiten

Die neue Härtelinie im SebaldSortiment ist blau markiert und bald in allen gängigen Segmentformen verfügbar.

Besser schleifen Schleifsegmente individuell Eine ­Politur ­gelingt dann am besten, wenn die Schleifkörper auf die Besonderheiten von Steinbearbeitungsmaschine und Stein ­abgestimmt sind. Zwei Granitwerke im ­Fichtelgebirge waren bei der Entwicklung neuer Bindungen beteiligt. 

Von Richard Watzke

Steinwissen

,, Relevant sind nicht die Werkzeugkosten, sondern die Arbeitszeit, die das ­Werkzeug einspart.

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Karl Schörner, Steinmetzmeister, Weißenstadt

Frostfrei lagern

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tefan Meier ist zufrieden. Auf dem Display seines Glanzmessers erscheint die Zahl 89. Da fehlt nicht mehr viel bis zur vollständigen Reflexion, die beim Wert 100 läge. Für den Produktentwickler des Schleifmittelherstellers Sebald Schleifscheiben ist dies ein Zeichen dafür, dass sich die Mischung in den Segmenten beim Kösseine-Granit bewährt. Bei einem so hohen Glanzgrad gibt es an der Politur nichts mehr auszusetzen, findet auch Gerhard Kuchenreuther. Der Steinmetzmeister ist Inhaber des Granitwerks

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Ludwig Popp in Waldershof-Schurbach und verarbeitet mit Kösseine und Epprechtsteiner einen hohen Anteil regionaler Steine aus eigenen Steinbrüchen. Besonders beim Kösseine erkennt Kuchenreuther auch ohne Prüfgerät, wann eine Politur perfekt ist. Für die mit Diamant Korn 36 vorgeschliffenen Roh­ platte benötigt sein Polierautomat rund eine Stunde pro Quadratmeter. Die Abstufungen der Segmente sind 120, 320, 6/8, das entspricht etwa Korn 800, und 1.200. Als letzter Schritt folgt ein Polierer. Der Hensel-Poliererautomat arbei-

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tet mit einem Wackelkopf mit vier Segmenten. Rund 15 Jahre hat der Kopf bereits auf dem Buckel. Kuchenreuther schwört dennoch auf die robuste Konstruktion, die sich sogar vom Anwender selbst lagern lässt. Bei Grabmalen ist eine hohe Qualität der Politur gefordert. Ware aus China oder Indien erreicht niemals den hohen Glanzgrad der Politur wie Stücke aus einheimischer Produk­ tion, erklärt Kuchenreuther. Hochwertige Segmente und mindestens acht Überschliffe sind nötig, damit der Kösseine bis in die Tiefe glänzt, sonst

Neue Segmente enthalten eine Restfeuchte aus dem Produktionsprozess und müssen vor dem Einsatz gut abgelagert sein. Erst wenn das Bindemittel ausgehärtet ist, erreichen Schleifkörper die gewünschte Standfestigkeit. Am besten werden sie bei Raumtemperatur gelagert. Frost ist besonders für neue, aber auch für alte Segmente schädlich, da es zu Schäden im Gefüge kommen kann. Als Folge platzen die Steine ab. Ein Pauschalrezept für die optimale Bindung gibt es nicht. Das muss je nach Maschine und Gestein geprüft werden.

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Rohblock anliefern

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Millimeterarbeit: Anlieferung des 50-t-Blocks aus Sölker Marmor mit dem Tieflader bis direkt unter die Maschine.

S Steinplus Drehkopfsägen ­liefern unter anderem: breton.it burkhardt-bayreuth.de fickertwinterling.de ganster-maschinenbau.de goldschmidt-w.de janssen-steintechnik.de j-koenig.de loeffler-mb.de spielvogel-germany.de steinbearbeitung.de theobald-gruppe.de weha.com weiss-steintechnik.de Stein hat dieses Unternehmen besucht: steinmetz-egger.at

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Programmieren in 3-D

Anordnen der Bohrlöcher: Auf dem Bildschirm wirkt die Brunnenschale mit 2,8 m Innendurchmesser noch sehr handlich.

o einen Auftrag bekommt man nicht alle Tage. Ein Brunnen mit 3,5 Metern Außendurchmesser. Da schlägt das Herz jedes Steinmetzen höher. Für den Murauer Steinmetzmeister Michael Egger begann nach dem Zuschlag die intensive Planung. Ein Werkstück aus 50 Tonnen Rohmaterial nach Fernost hin- und zurückzutransportieren, wäre zu teuer. Außerdem wollte der Auftraggeber viele Details erst im Laufe des Projekts endgültig festlegen. Daher blieb nur die Fertigung in der eigenen Werkstatt. Bislang bearbeitete Egger Massivaufträge auf einer 20 Jahre alten Brückensäge mit Drehtisch und Folgeschnitt­ automatik − für ein so komplexes Werkstück mit Becken und Säule aus einem Stück undenkbar. Der Steinmetzmeister wagte die Flucht nach vorn und nahm den Brunnenauftrag zum Anlass, in die 3-D-Bearbeitung einzusteigen. Die Entscheidung fiel zugunsten einer CNCgesteuerten Drehkopfsäge vom Typ Thibaut T650. Eggers Logik dabei: Eine Säge mit mehr Spielraum in der Z-Achse und 800-mm-Trennblatt wäre für den anstehenden Auftrag ideal. Da solche

Sägen und fräsen

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Sonderprojekte jedoch äußerst selten sind, würde das Potenzial der größeren und damit auch teureren Maschine mit den alltäglichen Sägeaufträgen nicht ausgeschöpft. Stattdessen bevorzugte Egger eine wendige Säge für den täglichen Einsatz, für Küchenplatten bis zum Zuschnitt massiver Gesimse in der Restaurierung. Für größere Zuschnitte steht die vorhandene alte Säge bereit. Die größte Herausforderung war der enge zeitliche Rahmen, der keine umfangreichen Schulungen in Technik und CNC-Steuerung zuließ. Innerhalb kürzester Zeit mussten sich der Steinmetzmeister und seine Mitarbeiter mit der komplexen 5-Achs-Technik anfreunden. Als verlässlicher Partner stand der Maschinenlieferant Michael Kriwan zur Verfügung. Der österreichische Vertriebspartner von Thibaut programmierte die wesentlichen Arbeitsschritte vom Verdicken der Brunnenschale bis zum Fräsen des Gefälles im Beckenboden im 3-D-Programm T-CAD. Um den großformatigen Brunnen vollständig mit der Säge bearbeiten zu können, wurde sie zunächst ohne Werktisch installiert und die rohe Trommel aus

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Steinmetzmeister Michael Egger und seine Drehkopfsäge. Jetzt wird die ganze Dimension des Projekts deutlich.

Sölker Marmor auf Kanthölzern aufgebänkt. Vom Steinbruch war die Trommel mit 60 Zentimetern Stärke geliefert worden und musste zunächst mit der horizontal gestellten Trennscheibe um zehn Zentimeter verdickt werden. Für einen unfreiwilligen Lerneffekt sorgten die 491 Bohrungen, um das Becken roh aus­ zuhölen. Ein auf die Materialeigenschaften des zähen Sölker Marmors abgestimmter 100-mm-Bohrer fraß sich zwar schnell in das

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Steine bearbeiten

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Oberfläche schlichten

Nach dem Verdicken mit dem Sägeblatt wird ein Topffräser zum Schlichten der Oberflächen eingesetzt.

,, Ich bin Steinmetz und will alle Aufträge möglichst selbst fertigen.  Michael Egger, Steinmetzmeister, Murau

,,

Steine bearbeiten

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chancen nutzen

chancen nutzen

Der Anteil der 50–70-Jährigen an der Gesamtbevölkerung steigt bis 2020 rapide in % der Gesamtbevölkerung 31 30 29 28 27 26

2010

2020*

2030*

2040*

2050*

*Prognose

Die neuen Alten sind aktiv, wollen ihr Leben genießen und sind neuen Entwicklungen aufgeschlossen.

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Voll im Leben

m mit älteren Menschen ins Geschäft zu kommen, muss man wissen, mit wem man es überhaupt zu tun hat, und verstehen, wie sie sich verhalten und welche Bedürfnisse sie haben. Aber zunächst einmal: Wer ist gemeint, wenn man von den »älteren Menschen« spricht? Der Beginn des Alters ist nicht genau anhand bestimmter Kennzahlen festzulegen. Die Lebensphasen gehen allmählich ineinander über, die körperliche Konstitution sowie der soziale und berufliche Rahmen variieren bei jedem Einzelnen. In den Industrieländern wird allgemein der Rentenbeginn als Schwelle zum Alter angesehen. Allerdings: Mit der Zunahme der Erwerbslosigkeit älterer Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, aber auch aufgrund von Frühverrentung scheiden vermehrt Menschen aus dem Erwerbsleben aus, die dem vorherrschenden Altersbild entsprechend noch nicht zur alten Generation zählen. Das frühere Ausscheiden aus der Erwerbstätigkeit und die Steigerung der Lebenserwartung führen zu einer erheblichen Verlängerung des Ruhestandes. Die Dauer des Alters als Lebensphase ist ebenso unterschiedlich. Überhaupt ist das Alter kein Zustand, sondern ein Entwicklungsprozess. Gerontologen unterscheiden bei fließenden Übergängen zwischen den »jungen Alten« (etwa ab 55 bis 65 Jahren) und den »alten Alten« (ab etwa 80 Jahren). Das Bild der Älteren hat sich daher in den letzten Jahren stark verändert. Den »Einheitsalten« gibt es nicht. Entsprechend vielfältig und unterschiedlich sind die Wünsche und Bedürfnisse dieser Menschen. Darauf gilt es z. B. bei der Angebotsgestaltung Rücksicht zu nehmen.

Ältere Kunden überzeugen Wie können Sie Angebote für die immer älter werdende Kundschaft konzipieren, um die Herausforderungen des demografischen Wandels für Ihren Betrieb zu nutzen? Wir zeigen Perspektiven auf.  Matthias Heilig verantwortet seit acht Jahren als Chefredakteur die Malerzeitschrift Mappe, Callwey Verlag.

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Von Bärbel Daiber und Matthias Heilig

Bärbel Daiber ist freie Redakteurin und schreibt seit elf Jahren für die Malerzeitschrift Mappe, Callwey Verlag.

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Quelle: Destatis

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