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Zeitschrift f端r Naturstein

Gestalten

Grabmale im Gr端nen

Chefsache

Marketing und Internet

Baustelle

Juni 2010

Ein Monument wird restauriert

Vorteil Stein

www.s-stein.com


Nachrichten 6

Neuer Vorstand – offene Fragen Wechsel beim BDS: Gustav Treulieb ist neuer Bundesinnungsmeister.

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Pilgram-Preis 2010 verliehen Der Pilgram-Preis zeichnet vorbildliche Natursteinarchitektur in Österreich aus.

Gut zu wissen 9

Mobil Unterwegs in Guatemala

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Chefsache Grundlagen des Onlinemarketings

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Angesprochen Was Kunden wollen.

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Steinmensch Ein Partner der Steine

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Sehen lernen Glaube und Wehrhaftigkeit in Stein

Gestalten 18

Refugien im Grünen Gestaltungsansätze auf den Landesgartenschauen

Baustelle 60

Neuer Prunk für Herzog Christoph Die Restaurierung eines monumentalen Grabmals im Dom zu Schwerin

Callwey Verlag STEIN Streitfeldstraße 35 D-81673 München Postfach 800409 D-81604 München Fon +49 89/ 43 60 05-0 Fax +49 89/ 43 60 05-164 redaktion@s-stein.com www.s-stein.com

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Inhalt

Vorteil Stein 24

Naturstein? Cool! Eine Studie beweist: Natursteinfassaden sind ökologischer als Glasfassaden.

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Heimvorteil? Warum Naturstein nachhaltig ist und wie man es den Kunden sagt.

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Zweimal Wert Warum das Recycling von Steinen hoch im Kurs steht.

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Müll macht Stein Auch Engineerd Stone kann umweltfreundlich sein: ein Beispiel

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Stadt-Halter Architekt Christoph Mäckler setzt auf den Baustoff Stein.

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Bitte festhalten Haltbar und nachhaltig: Ein Überblick über Fassadensysteme für Naturstein

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Im grünen Bereich Wie die Bauchemie auf die Forderung nach Öko-Produkten reagiert.

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Harz kann helfen Wie das Resinieren Einfluss auf die Eigenschaften der Steine nimmt.

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Schutz oder Trick Was zu beachten ist, wenn Naturstein mit Harz getränkt wird.

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Die Kirche im Dorf lassen Was die Behandlung von Natursteinoberflächen wirklich bringt.

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Wie viel Chemie darf’s sein Steinpflege und -reinigung zwischen Werterhalt und Ökologie

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Seitenblicke Der arme Plantagenarbeiter

Die Finanzkrise hat das 24 Thema Klimawandel zwar zunächst aus den Schlagzeilen verdrängt, das Problem bleibt aber bestehen. Eine Studie zeigt jetzt eine neue Möglichkeit auf, der globalen Erwärmung zu begegnen: bauen mit Naturstein!

Für Natursteinfassaden hat »Nachhaltigkeit« doppelte Bedeutung: Einmal müssen sie natürlich halten. Dafür sorgen verschiedenste Befestigungsund Verankerungssysteme. Aber wie ist es um die Nachhaltigkeit bestellt? Eine Bestandsaufnahme.

»Naturstein ist ein nachhaltiges Material. Und einheimische Natursteine sind besonders nachhaltig.« Das ist bekannt in der Branche. Aber was genau macht den Naturstein so nachhaltig? Und wie erklärt man das seinem Kunden?

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Die Selbstdarstellung früherer Herrscher reichte bis über deren Tod hinaus. Repräsentative Grabmonumente zeugen noch heute davon und offenbaren die Bildhauerkunst früherer Zeiten. Im Dom zu Schwerin wurde eine solche Grabanlage unlängst restauriert.

www.s-stein.com Unternehmen & Produkte 66

3 22 88 90

Neues und Bewährtes aus den Bereichen Naturstein, Maschinen, Werkzeuge und mehr Betreff S Promotion Leute Vorschau/Impressum/ Fotonachweis

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Meisterstücke aktuell Auf der STEIN-Homepage finden Sie die aktuellen Meisterstücke 2009 der diversen Meisterschulen. Viel Spaß beim Schmökern! www.s-stein.com -> Bildergalerie

Natursteindatenbank mit über 16000 Einträgen In Kooperation mit dem Abraxas Verlag und dem Informationsdienst Naturstein finden Sie die größte Natursteindatenbank mit über 16000 Steinsorten und 13000 Abbildungen – ab sofort ohne Wasserzeichen – direkt auf der STEIN-Homepage. www.s-stein.com/Natursteindb.html

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Gestalten

Refugien im Grünen Die Landesgartenschauen bieten alljährlich eine Plattform, um Werbung für das gestaltete Grabmal zu machen – eine Auswahl. Von Katharina Baus und Ariane Suckfüll

Idee: Kugeln als Symbol für Universum und Himmelreich – Kugeln in einer Schale als Sinnbild für Geborgenheit in der Familie Material: Anroechter Stein frei vom Hieb und angeschliffen, Eichenholz behandelt Gestalter: Stein + Holz, Georg Schulte, Möhnesee Landesgartenschau: Hemer

dezent & erdverbunden

Liegesteine können variabel auf dem Grab platziert werden. Sie drängen sich nicht in den Vordergrund und lassen sich harmonisch in die Grabbepflanzung integrieren.

Idee: Der Grabstein wächst aus dem Boden heraus, wobei sein größter Teil noch darin zu verweilen scheint. Er soll die stets präsente Verbindung des Menschen zum Boden, zur Erde, verdeutlichen. Der Spalt in der Mitte verkörpert einen Trennstrich, der eine geistige Grenze ist. Jeder hat seinen eigenen Platz. Material: Balé, italienischer Kalkstein Gestalter: Markus Barthuber, München Landesgartenschau: Rosenheim

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Idee: Der Lauf der Zeit gab den Steinen Formen und Oberfläche – dem Menschen ähnlich. Zum Gedenkstein werden diese Naturprodukte durch gezielte Einschnitte. Von minimal bis invasiv bieten sie individuelle Aussagen zu Leben und Tod des Verstorbenen. Material: verschiedene Natursteinarten, unterschiedliche Grundformen Gestalter: Ludwig Hauser, Ingolstadt Landesgartenschau: Rosenheim

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Gestalten

Idee: Form einer Knospe mit seitlichen Bohrungen als Durchbrüche. Diese verleihen dem Stein eine gewisse Leichtigkeit und können für Mitbringsel genutzt werden. Material: Ruhrsandstein Gestalter: Steinmetzbetrieb Peter Steffens, Hemer Landesgartenschau: Hemer

interaktiv & kommunikativ

Idee: Die Grabanlage bietet einen persönlichen Raum für Trauer, Gespräche und Gedankenaustausch. Die Steinquader, die mit dem Grabzeichen korrespondieren, dienen den Trauernden als Sitzgelegenheit. Material: Anroechter Dolomit, Jura Kalkstein Gestalter: Steinbildhauermeisterin Christine Jasmin Niederndorfer, Oberursel Landesgartenschau: Bad Nauheim

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Idee: Die abgeschlagenen Quader stehen für die Jahre eines Lebens. Jeder Quader ist mit einer Gravur des Namens und dem Sterbejahr des Verstorbenen versehen und kann von Angehörigen und Freunden als Erinnerung mit nach Hause genommen werden. Material: Schwarzer Granit Gestalter: Littman & Barnes, Bad Nauheim Landesgartenschau: Bad Nauheim

Interaktive Grabmale ermöglichen Hinterbliebenen, etwas am Grab zu tun. Grabmale mit Sitzgelegenheit bieten geschützten Raum für Kommunikation.

Idee: Den Mittelpunkt bildet ein quaderförmiger Sitzstein. In diesen wird die Inschrift eingeschlagen werden. An der Seite befindet sich zudem ein Glasschrein, der dazu dient, persönliche Erinnerungen an den Verstorbenen aufzubewahren. Diese Intimität bedarf auch eines Schutzraumes, welchen das dahinter angebrachte Eisenblech bietet. Material: Sandstein und Eisenblech Gestalter: Hans Doppel, Haßfurt Landesgartenschau: Rosenheim

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Nachhaltig

Naturstein? Cool!

Die Finanzkrise hat das Thema Klimawandel zwar zunächst aus den Schlagzeilen verdrängt, das Problem bleibt aber bestehen. Eine Studie zeigt jetzt eine neue Möglichkeit auf, der globalen Erwärmung zu begegnen: bauen mit Naturstein! Von Jörg Stephan

Natursteinfassaden bewirken eine geringere Aufheizung des Gebäudeinneren bei Sonneneinstrahlung.

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B

rad Pitt und Angelina tun es, George Clooney tut es, Al Gore tut es natürlich auch, und viele andere Menschen tun es ihnen gleich: Sie pflegen einen »Lifestyle of Health and Sustainability« – eine gesunde und nachhaltige Lebensweise. Man nennt sie kurz »LOHAS«. Was gesund ist, wissen wir alle, auch wenn wir es im Alltag nicht immer beherzigen, der Begriff »Nachhaltigkeit« hingegen bedarf vielfach noch der Erläute-

rung. Wer hat den Begriff erfunden? Ausnahmsweise einmal nicht die Schweizer, sondern die kursächsische Forstverwaltung, und zwar bereits im 16. Jahrhundert. Da erließ sie ein Dekret, demzufolge für die Verbauung in den kurfürstlichen Bergwerken nur so viel Holz eingesetzt werden durfte, wie die Gehölze ertragen konnten. Ein Grundsatz, der in der Forstwirtschaft bald allgemein Anwendung fand: Die Menge des ge-

schlagenen Holzes darf die Menge des durch Hege und Pflege des Waldes nachwachsenden Holzes nicht überschreiten. Diese Erkenntnis setzte sich schnell international durch, und die Briten fanden dafür den Begriff »sustained yield«, also: nachhaltiger Ertrag. Im geläufigen, umfassenden Sinne wird »Nachhaltigkeit« erst seit Ende der 1980ziger-Jahre verwendet. Noch im Bericht der Brundtland-Kommission, die 1987 im Auftrag der UNO ein Konzept für eine gerechte und ökologisch wie ökonomisch verantwortungsvolle Entwicklung unseres Planeten skizzierte, kam das Wort nicht vor. Aber der von der Kommission beschriebene Weg ließ sich durch keinen anderen Begriff besser auf den

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Nachhaltig

Eine Studie beweist: Steinfassaden sind um ein vielfaches nachhaltiger als Glasfassaden.

Punkt bringen und begründete dessen bis heute erfolgreiche Karriere. Konzerne veröffentlichen Nachhaltigkeitsberichte, Regierungen gründen Nachhaltigkeitsausschüsse, Hersteller von Automobilen, Fernsehgeräten und Müsliriegeln schmücken sich ebenso mit dem Signum der Nachhaltigkeit wie Konzertveranstalter und Ferienclubs. Und je inflationärer die Verwendung, desto größer die Gefahr, dass der Kern einer Aussage in Vergessenheit gerät. So verkommt ein Be-

griff zum Modewort. Auch in der Baubranche wurde Nachhaltigkeit bald zu einem beliebten PR-Argument. Ab Mitte der 1990ziger-Jahre wuchsen grüne, ökologische und natürlich nachhaltige Bürotürme in den deutschen Himmel: Der CommerzbankTurm in Frankfurt am Main, die RWEVerwaltung in Essen und das ARAGHochhaus in Düsseldorf seien hier nur als Beispiel genannt. Allen gemeinsam: eine fast vollständige Verglasung der Außenhaut. Transparenz war das Zauberwort. Ausgeklügelte Fassadendetails und rechnergestützte Haustechnik sollten die baulichen Riesen zu energetischen Zwergen machen, der RWE-Zylinder sollte gar als erstes Hochhaus vollständig natürlich zu be-

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lüften sein, bis hinauf in die 30. Etage. Erste Zweifel an der Funktionstüchtigkeit dieser und ähnlicher Konzepte weckten Studien der TU Wien sowie des Instituts für Wohnen und Umwelt in Darmstadt. Das Problem war offenkundig: Die Glashäuser heizten sich übermäßig auf. Abhilfe konnte nur auf zwei Wegen geschaffen werden. Lösung eins: intensive Klimatisierung einschließlich des entsprechenden Energieverbrauchs. Oder Lösung zwei: radikale Verschattung mit dem entsprechenden Verlust an Transparenz und der widersinnigen Konsequenz, gerade an den sonnigsten Tagen die Arbeitsplätze künstlich beleuchten zu müssen.

Glasfassaden sind zu teuer Die Kritik sprach sich herum: Schon 2007 stellte der Bayerische Oberste Rechnungshof in seinem Jahresbericht fest: »Eine umfangreiche Studie hat ergeben, dass Glasfassaden in Planung, Bau und Betrieb aufwendiger und teurer sind als Fassaden in konventioneller Bauweise.« Nach Ansicht des Bayerischen Rechnungshofs sollten bei staatlichen Baumaßnahmen Glasfassaden nur in besonders begründeten Fällen zur Ausführung kommen. Wer es also wissen wollte,

hätte es schon länger wissen können. Wer immer noch auf einen unumstößlichen Nachweis gewartet hatte, dem kann jetzt geholfen werden. Im Auftrag des Deutschen Naturwerkstein Verbands (DNV) hat die Consulting Firma PE-International eine Studie verfasst, die sich ausführlich mit der Nachhaltigkeit von Natursteinfassaden im Vergleich zur Glasfassade auseinandersetzt.

Vorteil Stein Die Studie besteht aus zwei Teilen, im ersten Teil wird ein Quadratmeter einer typischen Natursteinfassade vor einer Betontragwand und hinterlüfteter Wärmedämmung mit einem Quadratmeter einer typischen Glasfassade verglichen. Im zweiten Teil der Studie werden verschiedene Fassadenkonstruktionen an einem realisierten Bauprojekt untersucht. Verglichen wurden zunächst eine klassische hinterlüftete Natursteinbekleidung mit vier Zentimetern Steindicke und eine Betontragwand mit einer ebenso klassischen Pfosten-Riegel-Konstruktion mit Wärmeschutzverglasung, betrachtet auf einen Nutzungszeitraum von 100 Jahren. Der Materialverschleiß und die daraus folgenden Austausch-Zyklen wurde auf der Basis des

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Nachhaltig

Bitte festhalten D

ass Stein hart und unverwüstlich ist, hat schon fast sprichwörtlichen Charakter. Wenn unsere Zivilisation dereinst den Weg alles Irdischen gegangen sein sollte, werden nur zwei Zeugnisse ihres Wirkens noch Jahrhunderttausende überdauern: die ägyptischen Pyramiden und die Porträts der US-Präsidenten am Mount Rushmore. So gesehen kann an der Nachhaltigkeit des Materials Stein kein Zweifel bestehen. Aber pharaonenhafte Massivbauten kann sich ein moderner Investor ebenso wenig leisten wie den Umbau der Zugspitze zu einem Verwaltungszentrum. An den zu erwartenden Widerstand gegen so ein Projekt wollen wir

Für Natursteinfassaden hat »Nachhaltigkeit« doppelte Bedeutung: Einmal müssen sie natürlich halten. Dafür sorgen verschiedenste Befestigungs- und Verankerungssysteme. Aber wie ist es um die Nachhaltigkeit bestellt? Eine Bestandsaufnahme. Von Jörg Stephan

gar nicht denken. Architektur muss wirtschaftlich sein und der Materialeinsatz muss dementsprechend auf ein vernünftiges Maß reduziert werden. So ist im System »Fassade« der Stein nur ein Bauteil von vielen, die im Wortsinn tragende Rolle haben andere übernommen: Anker, Schienen und Profile. Auch deren Hersteller haben das Thema »Nachhaltigkeit« entdeckt und interpretieren es auf vielfältige und zum Teil überraschende Art.

Dünne machen Die Firma alsecco hat mit dem System Airtec Stone eine spezielle Naturstein-Leichtfassadenplatte entwickelt. Diese Platte besteht aus einer acht bis zehn Millimeter starken Natursteinplatte, die mit einer 19 Millimeter messenden Trägerplatte verbunden ist. Die daraus resultierende Sandwichplatte hat je nach Natursteinauswahl eine Dicke von ca. 28 bis 30 Milli-

Airtec Stone von alsecco im Einsatz: Verwaltungsgebäude in Bad Oyenhausen

Airtec StoneEckdetail

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metern. Diese Konstruktion ist bis zu 60 Prozent leichter als massiver Naturstein und eignet sich daher besonders für Sanierungen im Bestand. Die bauaufsichtlich zugelassenen NatursteinLeichtfassadenplatten werden in verschiedenen Größen, Formaten und Oberflächenvarianten hergestellt. Je nach Anforderung und Anspruch von Bauherren und Planern können gemeinsam mit alsecco individuelle Lösungen erarbeitet und der spezifische Naturstein für das jeweilige Objekt bestimmt werden. Dabei können Natursteinplatten bis zu einer Größe von 4,7 Quadratmetern eingesetzt

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Nachhaltig

Hält dank T-Ankern von Stone Innovations: Haus am Fluss, Bremen

werden. Noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten bietet ein abgestimmtes Zubehör-Programm, mit dem sich nahezu jede bauliche und architektonische Anforderung systemsicher meistern lässt – von speziellen Sichtkanten bis hin zu abgestimmten, individuell vorgefertigten Formteilen. Bei der Ausbildung von Wärmedämmverbundsystemen in Naturstein-Optik bietet alsecco zusätzlich die Naturstein-Systeme Alprotect Stone und Alprotect Stone XL. Alprotect Stone ist eine acht bis zehn Millimeter starke Natursteintafel mit rückseitig kaschiertem Gewebe. Sie lässt sich bis auf Erdgeschosshöhe mit dem Wärmedämmverbundsystem verkleben. Formatgrößen bis zu 0,36 Quadratmetern können so verbaut werden. Bei Stärken von maximal zwölf Millimetern ermöglichen die Tafeln den Aufbau besonders schlanker Wandkonstruktionen. Der Grundaufbau der Systeme Alprotect Stone XL und Airtec Stone ist identisch. Jeweils wird eine Natursteinplatte auf eine Trägerplatte verklebt. Die maximale Plattengröße beträgt bei diesem System 0,72 Quadratmeter. Der Vorteil gegenüber Alprotect Stone liegt in einer extrem hohen Stoßfestigkeit des Sandwichelementes. Die NatursteinVerbundplatten lassen sich einreihig bis zu einer Anwendungshöhe von 1,20 Metern auf dem Wärmedämmverbundsystem verkleben. Auch wenn es bis dato noch keine Zertifizierung gibt, wird das Thema »Green Building« bei alsecco ernst genommen. Durch die reduzierten Materialstärken wird die Ressource Naturstein geschont, und das geringere Konstruktionsgewicht ermöglicht effizientere Tragkonstruktionen, die nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische Vorteile bieten.

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Der T-Anker im Detail

Flach setzen Einen anderen Ansatz verfolgt man bei Stone Innovations. In der Hansestadt Bremen wurde in den Jahren 2008/2009 das »Haus am Fluss« als Verwaltungssitz eines Bremer Speditionsunternehmens errichtet. Das Problem war die Lage direkt am Weserufer und der auch in Bremen noch messbar hohe Salzgehalt der Luft. So machte es der Bauherr zur Bedingung, dass bei der Verankerung der 2 200Quadratmeter-Fassade aus Jurakalkstein keine Beschädigung der Betonarmierung erfolgen durfte. Die Verankerung konnte daher lediglich in der 30 bis 40 Millimeter starken Deck-

schicht befestigt werden. Zum Einsatz kam der Knappe-T-Anker. Die sehr geringe Setztiefe der »T-Nut-AnkerTechnologie« gewährleistet, dass der Betonstahl nicht verletzt wird, und bietet zudem den Vorteil, dass zur Befestigung für die Unterkonstruktion handelsübliche Edelstahlschrauben bzw. Aluminiumprofile verwendet werden können. Die Nuten werden mit speziell entwickelten Fräsmaschinen in den Beton geschnitten, sechs derartige Nuten können in nur zwei Minuten erstellt werden. Je nach Härte des zu schneidenden Materials schaffen die Einsätze dieser Maschinen bis zu 1 000 Fräsungen. Derzeit ist für eine Montage mit dem Knappe-T-Anker noch eine Zulassung im Einzelfall erforderlich. Horst Knappe, der Entwicklungschef von Stone Innovations, möchte das auch gar nicht ändern, er zieht es vor, »ein exklusives Produkt für anspruchsvolle Bauherren« zu vertreiben. Seinem Verständnis von Nachhaltigkeit entspricht es, die tragende Struktur eines Bauwerks möglichst unberührt zu lassen und somit dessen Lebensdauer zu verlängern.

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Nachhaltig

Im grünen Bereich

Ardex: aus Sicht der Familie Ardex als konzernfreies, mittelständisches Familienunternehmen fühlt sich im besonderen Maße einer verantwortungsvollen und nachhaltigen Unternehmensführung verpflichtet, so Mark Eslamlooy, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ardex GmbH. Dabei gehe es nicht nur allein um die Absicherung der Zukunft, sondern

in unserer Unternehmensphilosophie festgeschrieben. Sie findet Ausdruck in vielen Bereichen unserer Unternehmensleitsätze ebenso wie im praktischen Handeln. Im Kern geht es um die ressourcenschonende Erzeugung und Verteilung unserer Produkte. Ardex praktiziert größtmöglichen Respekt im Umgang mit allen an der Wertschöpfung beteiligten Partnern innerhalb und außerhalb des Unter-

» Als Familienunternehmen denkt und handelt Ardex mit weitreichender Perspektive – und nicht in kurzfristigen Marktreaktionen. Wir begreifen Nachhaltigkeit als Chance zur aktiven Zukunftsgestaltung.

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Mark Eslamlooy, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ardex GmbH, Witten

vielmehr begreife man hier Nachhaltigkeit auch als Chance zur aktiven Zukunftsgestaltung. »Daher haben wir die Verpflichtung zur Nachhaltigkeit als einen der zentralen Werte

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nehmens sowie mit den Ressourcen, die der Erbringung dieser Leistungen dienen. Ganz ohne Unterschied, ob auf nationalen oder internationalen Märkten.« Als Familienunternehmen

denkt und handelt Ardex mit weitreichender Perspektive – und nicht in kurzfristigen Marktreaktionen. Ardex setzt auf langjährige und intensive Beziehungen zu allen Marktpartnern und bezieht deren Anforderungen in unternehmerische Entscheidungen mit ein. Man sieht sich über die Produkte hinaus als Garant für Transparenz, Fairness, Sicherheit und Zuverlässigkeit in allen Teilbereichen eines Wirtschaftsbetriebes. Alle Produkte können aufgrund ihrer hohen Qualität und Funktionalität bei nachhaltigen Bauvorhaben eingesetzt werden. Die Produkte und die Herstellungsmethoden entsprechen dem neuesten technischen Stand und erfüllen alle Anforderungen an eine hohe Zuverlässigkeit und Langlebigkeit. Darüber hinaus arbeiten permanent vier Forschungszentren weltweit an Produktneuerungen. Zur weiteren Innovationssicherung wurden allein in Deutschland in 2009 millionenschwere Investitionen getätigt. »Schließlich sind die stetige Optimierung der Produkteigenschaften und die Verbesserung ihrer Umwelteigenschaften in

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Nachhaltig

Nachhaltigkeit definiert die Nutzung eines regenerierbaren Systems. Das System soll in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleiben und auf natürliche Weise nachwachsen. Im Zuge der ökologischen Bewegung geriet die chemische Industrie unter massiven Handlungsdruck. Wie wird die Forderung nach nachhaltigem Wirtschaften in den Unternehmen heute gelebt? Von Anne-Marie Ring

Verbindung mit unserer sozialen Verantwortung verpflichtende Bausteine des Erfolgs«, so Eslamlooy.

Henkel: fest verankert Einer der zehn Unternehmenswerte von Henkel heißt: »Wir wirtschaften nachhaltig und gesellschaftlich verantwortlich.« Das Prinzip der Nachhaltigkeit sei fest im Unternehmen

lung von Prozessverbesserungen, die einen entscheidenden Beitrag zur Ressourcenschonung leisten. Die Erfahrung mit dem Thema Nachhaltigkeit nutzt das Unternehmen auch, um die Diskussion um die nachhaltigen Lebensstile kommender Generationen aktiv mitzugestalten. Dazu engagiere man sich auf nationaler und internationaler Ebene in Verbänden, Arbeitsgruppen und auf Konferenzen

» Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist fest im Unternehmen Henkel verankert. Nachhaltiges Wirtschaften umfasst bei uns die gesamte Wertschöpfungskette.

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Uwe Bergmann, Leiter der Abteilung Sustainability Management, Henkel AG & Co. KGaA, Düsseldorf

verankert, so Uwe Bergmann, Leiter der Abteilung Sustainability Management. »Die Art und Weise, wie Henkel Geschäfte führen, Gewinne erwirtschaften und Verantwortung in der Gesellschaft wahrnehmen will, ist die entscheidende Voraussetzung dafür, auch in Zukunft unser erfolgreiches Wachstum fortzusetzen.« Nachhaltiges Wirtschaften umfasst bei Henkel die gesamte Wertschöpfungskette. Henkel kooperiert daher entlang der Wertschöpfungskette eng mit Partnern, um die gesamtgesellschaftliche Aufgabe einer nachhaltigen Entwicklung gemeinsam wahrzunehmen. In internationalen Initiativen erarbeitet das Unternehmen Lösungen für den verantwortungsvollen Bezug der Rohund Inhaltsstoffe. Der Austausch mit den Industriekunden führt zur Entwick-

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– zum Beispiel im World Business Council for Sustainable Development. »Im direkten Dialog mit Verbrauchern über Verbrauchertelefone, Aktionstage und Schulungen informieren wir insbesondere über die verantwortungsbewusste Anwendung un-

serer Produkte. Zum Beispiel lernen in Mittel- und Osteuropa Handwerker in über 60 Schulungszentren die optimale Anwendung der BautechnikProdukte.« Der Anspruch des Unternehmens ist es, Produktleistung und Verantwortung für Mensch und Umwelt miteinander zu verknüpfen und damit einen neuen Qualitätsstandard zu setzen. Um das zu erreichen, hat Henkel fünf sogenannte Fokusfelder definiert: Energie und Klima, Wasser und Abwasser, Materialien und Abfall, Gesundheit und Sicherheit, gesellschaftlicher und sozialer Fortschritt. Jedes neue Produkt soll in mindestens einem dieser Fokusfelder einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten. Deshalb sind seit 2008 die Fokusfelder systematisch in dem unternehmensweit standardisierten Innovationsprozess verankert. Ein Beispiel aus der Bauchemie: Henkel ist Vorreiter bei der Entwicklung von staubarmen Produkten. Bereits vor gut vier Jahren hatte Henkel mit »CM 90 EasyFlex PLUS« den ersten staubreduzierten Fliesenkleber auf den Markt gebracht. Seitdem wird die Palette an staubarmen Produkten kontinuierlich erweitert.

» Unter der Dachmarke ›Green Innovation‹ werden bei Mapei nachhaltige Aktivitäten gebündelt. Erfolgreich setzen wir diese Positionierung bei Gebäuden ein, die nach LEED-Standard nachhaltig zertifiziert werden.

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Michael Heim, Leiter Produkt- und Marketingmanagement, Mapei Deutschland GmbH, Erlenbach

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Stein 06 2010  
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