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Die Malerzeitschrift

Messe-Rückblick – Farbe – Ausbau & Fassade 2010 Nutzfahrzeuge – Schon gefahren! Kundengewinnung – Erfolgreiche Kaltakquise

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Es hat sich gelohnt Die Besucher waren höchst interessiert, die Stimmung in den vier Messehallen ausgesprochen gut, von Krisenstimmung war nichts zu spüren. Die Erwartungen der Besucher, Aussteller und Veranstalter wurden durchweg erfüllt, häufig sogar auch übertroffen, am Ende mussten also alle zufrieden gewesen sein. Damit bestätigte die Messe ihre Funktion als wichtigster Marktplatz und Indikator für die aktuelle Situation der Branche.

Nach drei Jahren war es wieder höchste Zeit für eine »Farbe – Ausbau & Fassade«. Man merkte das am regen Interesse der Besucher, die sehr strategisch über die Messe gegangen sind. Sie haben sich im Vorfeld der Messe selektiv informiert und suchten Anbieter gezielt auf, sie gingen aber auch auf Entdeckungsreise. Unternehmer und Mitarbeiter in leitender Funktion in den Malerbetrieben waren zwei, teilweise sogar drei Tage auf der Messe und nahmen sich Zeit für ausführliche Gespräche mit den Ausstellern.

Vielleicht deshalb rutschte die Besucherzahl erstmals in diesem Jahrhundert unter die 50.000-Grenze. Durchleuchtet man die Zahl 48.000 – das waren 27 Besucher pro Tag und Aussteller – ist es trotzdem ein gutes Ergebnis, denn 35 % waren zum ersten Mal auf der europäischen

Qualität vor Quantität

Leitmesse, davon besonders viele Fachleute aus Österreich, der Schweiz und Italien. Reine Produktinformationen erhalten Malerbetriebe heute schneller, einfacher und kostengünstiger aus anderen Quellen 1als auf einer Messe. Gefragt sind daher technische Vorführungen und besonders das persönliche Gespräch. Darauf waren die meisten Stände der Industrie ausgerichtet, deren gestalterische Elemente in die Höhe der stützenlosen Hallen wanderten, um Platz für die Kunden zu gewinnen. Das Ausnützen des Luftraums unterhalb der Hallendecke hatte nebenbei den Effekt, dass die Messestände einen geschlossenen Eindruck erweckten, und durch ungewöhnliche Ideen hatten sie insgesamt eine hohe gestalterische Qualität, die fast allein schon den Besuch der Messe lohnte.

Folgerichtig betonten Vertreter der ausstellenden Industrie die hohe Qualität der Besucher und der daraus resultierenden Gespräche. »Auf keiner anderen Messe können wir einen so intensiven und direkten Kundenkontakt pflegen«, war ebenso zu hören wie die Aussage, dass sich München hinsichtlich der Kunden als besseres Einzugsgebiet bevorzugt wird. Die ersten warmen Tage nach dem langen Winter haben sicherlich manchen Maler und Stuckateur von der Reise nach München abgehalten.

Die Messe-Nachlese Auf den folgenden Seiten lassen wir die Messe noch einmal Revue passieren: zuerst mit Impressionen und Aktionen, dann mit einem Überblick über innovative Produkte und Dienstleistungen, und zum Schluss geht es um den Auftritt der Malerschulen und das Bildungsforum. Seite 8: WDVS und Beschichtungsstoffe Seite 20: Tapeten und Raumgestaltung Seite 24: Innovationen aus Malerhand Seite 26: Werkzeuge, Hilfsmittel, Geräte Seite 32: Schulen und Bildungsforum Es berichten Bärbel Daiber, Brigitte Wagner-Rolle, Robert Bree, Klaus Halmburger, Matthias Heilig, Werner Knöller und Roland Wahl.

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Farbe – Ausbau & Fassade Messe-Spezial

Drei Jahre Rhythmus sind richtig Die Messe hat sich auch in der erweiterten Ausrichtung Richtung Ausbau und Fasade bewährt und entwickelt sich weiter. Das ist gut für die Bandbreite der gezeigten Produkte, Dienst- und Serviceleistungen, die sowohl für den traditionellen als auch den innovativen Handwerksunternehmer viele Ideen und Denkanstöße bieten können. Der dreijährige Zyklus wird von den meisten Besuchern und Ausstellern als richtige Taktung wahrgenommen.


Farbe – Ausbau & Fassade 2010

Das war die »Farbe – Ausbau & Fassade 2010 - Impressionen -

Mehr Bilder von der Messe unter www.mappe.de → Bilder von der Farbe

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Chancen für hochwertige Aufträge Tapeten und Dekorprofile Große Namen der Designer- und Architekturszene, Lizenzpartnerschaften mit Modelabels und Magazinen, ungeahnte Möglichkeiten mit Digitaldruck und zusätzliche technisch-funktionale Eigenschaften machen die Tapete zum exklusiven Lifestyleprodukt in der Raumgestaltung. Die Aussteller zogen alle Register Ihres Könnens.

Erfurt: Die Erfurt Digitalvlies-Tapete kombiniert moderne Vlies-Trägermaterialien mit dem Digitaldruck für individuelle Wandgestaltungen

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Was die Messe Heimtextil bereits im Januar gezeigt hatte, bestätigte die »Farbe – Ausbau & Fassade« in München: Tapeten gehören ohne Zweifel zur Avantgarde der Raumgestaltung! Dass sie sich zu einem exklusiven Lifestylerodukt gemausert haben, das bei Endverbrauchern wie Architekten Aufmerksamkeit findet, hat nicht zuletzt mit der Popularität der Namen zu tun, mit denen vielen der Kollektionen in Verbindung gebracht werden: Design-Altmeister Luigi Colani, Zaha Hadid, eine der bekanntesten und angesehensten Persönlichkeiten der internationalen Architektur- und Designszene, Barbara Becker

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sowie das Modelabel Esprit, die Frauenzeitschrift Brigitte oder das Wohnmagazin Schöner Wohnen – sie alle tragen kräftig zu dem neuen oder wiedererlangten positiven TapetenImage bei. Dabei ist die neue Wandgestaltung »von der Rolle« alles andere als uniformiert, denn dank Digitaldruck können erstmals alle nur möglichen individuellen Motive auf hochwertigen Vliesträgern in der gewünschten Größe gedruckt werden. Die durchweg gut einsetzbaren Tapetenkollektionen wie auch die neue Digitaldrucktechnologie versprechen mit ihrem Gestaltungspotential und ihrer Exklusivität jedenfalls für Profiverarbeiter endlich wieder interessante Chancen für hochwertige Aufträge mit guten Erträgen. Doch nicht nur der gestalterische Aspekte war auf der Farbe in München ein Wandthema. Ebenso wichtig waren Themen wie Energieeinsparung, Flächen-Renovierung, Struktur gebende Flächen-Modernisierung und Flächen-Armierung, die die Hersteller mit so genannten »SanReMo«-Produktpaketen profigerecht bedienen.

Wärmende Tapete Erfurt (Fon 02 02/61 10-0, www.erfurt.com) bedient das Thema Digitaldruck dagegen mit »nackten« Vliesqualitäten, zwei glatte und vier strukturierte Vliese. Sie können in jedem Digital-


Farbe – Ausbau & Fassade 2010

druck-Betrieb mit jedem Motiv bedruckt werden, und eröffnen – so der Hersteller – dem Maler vielfältige neue Gestaltungsangebote. Heizkosteneinsparungen von bis zu 36% verspricht das Wuppertaler Unternehmen durch seinen neuen Wandbelag KlimaTec Pro KV 600, der den Anheizaufwand für Wände um bis zu 75% reduzieren soll. Das ca. vier Millimeter starke Vlies eignet sich laut Erfurt auch als Ergänzung zu Wärmedämm-Verbundsystemen, denn das Prinzip basiert nicht auf klassischer Innendämmung, sondern auf einer Erhöhung der Wandoberflächentemperatur. Indem der Belag den zu beheizenden Raum vom Mauerwerk entkoppelt, können die Innenwandflächen die Wärmeenergie der Raumluft in hohem Maß reflektieren. Dadurch stehen rund 80% der Wärme direkt dem Aufheizen des Raumes – und nicht zur Erwärmung des Mauerwerks – zur Verfügung. KlimaTec Pro KV 600 im Rollenmaß 1 x 15 m kann auf glatten bis mittel strukturierten Untergründen verarbeitet und anschließend mit Raufaser, Tapeten oder einem Putz versehen werden. Das Sortiment glatter Vliese wurde mit dem EcoVlies um eine Ressourcen schonende Variante ergänzt. Das Produkte ist mit dem TÜV-Siegel »Für Allergiker geeignet« ausgezeichnet und bietet sich als Untergrund für Tapeten und Farbaufträge an.

Frauen-Power A.S. Création (Fon 0 22 61/5 42-0 , www.as-crea tion.de) zeigt spannende neue Designmöglichkeiten und macht deutlich, dass dank Digitaldruck Einschränkungen durch feste Rapporte bei Tapeten der Vergangenheit angehören. Neben

der Möglichkeit, individuelle Bildmotive umzusetzen, bietet das Gummersbacher Unternehmen mit »XXL wallpaper« 120 verarbeitungsfertige Motive für außergewöhnliche Wandgestaltungen an. Die Motive, geordnet in die Kategorien Eyecatcher, Nature, City, Food, Wallpaper und Kids, können auf der Internetseite des Tapetenherstellers angesehen werden. Außerdem setzt das Unternehmen bei seinen Neuheiten wieder auf bekannte Namen wie das Modelabel Esprit, die Lizenzpartner Schöner Wohnen und ganz aktuell das Frauen-Magazin Brigitte. Und dass der Träger bei einer Tapete nicht immer Vlies sein muss, beweist AS Création mit der jungen, flippigen Kollektion Contzen Paper, die das Unternehmen gemeinsam mit dem deutschen Designer Lars Contzen entworfen hat.

Marburg: Spektakulär das Wanddesign von Zaha Hadid bringt mit Motiven von bis zu 9 m Breite und 3,30 m Höhe den Raum quasi in Bewegung

Deckenbelag mit Katalysatoreffekt Die Marburger Tapetenfabrik (Fon 0 64 22/8 10-0, www.marburg.com) geht mit seinen neuen überstreichbaren Patent Decor 3D Wandbelägen in die dritte Dimension. 20 ausdrucksvolle ornamentale Dessins in dreidimensionaler Optik versprechen dabei Wandgestaltungen der besonderen Art. Mit einem einzigen Anstrich soll das spezielle Granulat des Flachreliefs einen Zweifar-

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Begeisterung im Quadrat Schulen Die Münchner Städtischen Schulen gaben in den vergangenen MappeHeften Einblicke in ihren Auftritt auf der Messe unter dem Motto »München im Quadrat«. Während der vier Messetage konnten sich nun die Besucher live von dem gelungenen Konzept überzeugen. Besonderes Highlight: Auch der Boden war mit den einzigartig gestalteten Quadratmeter-Platten belegt.

Wie erwartet, fand die Fußbodengestaltung großen Anklang. Die Besucher hatten den Eindruck, über Glas zu schreiten . Wegen der Leuchtkraft der Lackierungen konnte man meinen, die Flächen wären von unten beleuchtet.

Geht das überhaupt?

Erstaunliche Einblicke gab es am Messestand zu entdecken

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Die Macher der Bodengestaltungen sind überzeugt: Hier könnte sich künftig eine neues Betätigungsfeld für unser Handwerk öffnen. Das Fachpublikum aber stellte sich schnell die Frage: Wie widerstandsfähig ist denn eine derartige Beschichtung, wenn sie im wahrsten Sinne des Wortes tausende Male mit Füßen getreten wird,

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und dann vielleicht auch noch – eine erschrekkende Vorstellung – mit hochhackigen Schuhen? Dem technisch und betriebswirtschaftlich denkenden Unternehmer kommen da Stichworte wie »Bedenkenmitteilung« oder »Ablehnung der Gewährleistung« in den Sinn. Damit sind aber häufig alle kreativen Gedanken zu einer Gestaltung des Fußbodens blockiert. Die Münchner Schulen haben sich nach umfangreichen Vorprüfungen für das hier eingesetzte Fußbodenlacksystem als Schlussbeschichtung entschieden. Eine weitreichender Entschluss, der nicht leicht fiel, denn eine dem Messebetrieb ähnliche Belastung lässt sich nicht vollkommen simulieren. Undenkbar, dass der Messestand bereits am zweiten Messetag wegen technischer Probleme der Fußbodengestaltung hätte geschlossen werden müssen!


Farbe – Ausbau & Fassade 2010

Natürlich hinterließen die Messebesucher innerhalb eines Ausstellungstages Spuren. Allerdings waren solche Spuren auch bei den Kunststoffböden anderer Aussteller unübersehbar. Entscheidend war eine schnelle, umfassende Reinigung. Das Reinigungsteam der Münchner Schulen bewältigte diese Aufgabe am Ende eines Messetages bei den 200 m2 Ausstellungsfläche innerhalb von 10 Minuten schnell. Dies bedeutet:Technisch aktuelle Bodenbeschichtungssysteme lassen sich im Vergleich zu Kunststoffböden häufig besser reinigen, zumindest nicht schlechter. Der schwarze Gummiabrieb der Schuhsohlen stellt demnach kein Problem dar. Natürlich zeigten die vor und nach dem Einbau polierten Bodenflächen nach vier Tagen Messebetrieb leichte Kratzspuren. Diese ließen sich aber leicht herauspolieren.

Der Auftritt der Münchner Städtischen Schulen zeigte Gestaltung im Quadrat

Licht im Säulenlabyrinth

…und wenn doch, dann trat das Reinigungsteam am Ende des Messetages in Aktion

Selbst Stöckelschuhe können dem gestalteten Fußboden nichts anhaben…

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Vom Boden in die Vertikale: Mit Kuben und zu einem Labyrinth aufgestellten Säulen, alle aufgebaut auf quadratischem Grundriss, wurde der Stand horizontal in Bereiche gegliedert, in denen die Meisterschule für Maler und Lackierer und das Vergolderhanderk/Kirchenmalerei sowie die Fachschule für Farb- und Lacktechnik ihre Arbeiten zeigten. Eine zentral angeordnete, 4 m hohe Lichtstele, um die acht weitere, gleichhohe und zum Inneren hin mit 80 jeweils unterschiedlich weiß gestalteten Quadratmeterflächen belegten Säulen gruppiert wurden, stellten das verbindende Element der Schulen dar. In dem Säulenlabyrinth konnten die Messebesucher in einer Lichtinstallation im wahrsten Sinn des Worts in die Farbe Weiß eintauchen, die sich durch einen von der Lichtstele ausgehenden, sich ständig verändernden farbigen Lichtverlauf in vielfältigen Nuancen und Materialhaftigkeit zeigte. Um die Veränderungen durch das farbige Licht unmittelbar erlebbar zu machen, ließen die Münchner zwischen den vier Meter hohen Säulen gerade nur einen Meter Raum. Die Schüler und Lehrer haben von den Besuchern in den vier Messetagen positive und begeisterte Zustimmung zum Konzept und zur Qualität der Ausstellungsstücke erfahren. So mancher Besucher kann sich auch noch nach der Messe daran erfreuen, wechselten doch viele der Platten ihren Besitzer. Auch der Bundesverband hat sich zwei Platten gesichert, quasi als Dokumente für die Leistungsfähigkeit der Schulen, unseres Handwerks und der uns beliefernden Farbindustrie. Michael Bablick

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Betrieb und Kunde

Kultige Kiste wird erwachsen Nutzfahrzeuge Der Fiat Doblo startet seit wenigen Wochen mit einem neuen Modell durch. Pkw und Transportervarianten gibt es in unterschiedlichen Konstellationen. Gerade Handwerker, die für ihre Mitarbeiter praktische Fahrzeuge mit genug Platz im Laderaum suchen, sollten sich dieses Modell näher ansehen.

Rundum verbessert: Der Fiat Doblo ist gegenüber seinem Vorgänger größer und fortschrittlicher. Eine Erdgasvariante soll in Kürze das Programm ergänzen

Vorgängers wich einer satten Straßenlage und selbst fiese Kanaldeckel und Querfugen kontert der neue Transporter völlig unbeeindruckt: Er ist absolut solide und knisterfrei verarbeitet. Doch in engen City-Gassen macht dem Doblo seine gewachsene Statur Probleme: Wo man mit dem Vorgänger genügend Platz hatte, muss man jetzt abbremsen oder notfalls die Spiegel (mit Blinker und Weitwinkel) einholen. Erst recht wenn man mit der neuen Langversion unterwegs ist, die bei 4,74 m Außenlänge und 3,10 m Radstand in die Region des Modells Scudo reicht.

Blick in den Laderaum Dank als Extra lieferbaren ausgefeilten Dachträgersystemen muss kein Maler auf seine Leitern verzichten

Fiat sortiert sein Programm weiter nach oben: Der neue, deutlich hochwertigere Doblo rückt speziell als langer Maxi und mit Hochdach schon dem Scudo auf den Pelz. Wer weniger braucht, kann aber zum kleinen Fiorino greifen. Gegenüber dem Vorgänger ist der Doblo in allen Dimensionen gewachsen: In der Länge um gut 26 cm, in der Höhe um 3,5 cm und in der Breite um üppige 11,8 cm. Entsprechend erwachsener fährt sich der Neue: Das »Hüpfballgefühl« des

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Entsprechend üppig fällt auch das Lademaß aus: 4,2 m3 nennt Fiat für den Langen, 4 m3 beim Hochdach (das mit 2,10 m Höhe in keine Tiefgarage mehr passt) und 3,4 m3 für die Standardversion. Praktisch ist der klappbare Beifahrersitz (140 ¡), der das Verfrachten von bis zu 3,05 m langen Leitern ermöglicht. Bei der Ladungssicherung helfen in Serie die Stahltrennwand und sechs solide Zurrringe. Beachtlich: Das Leergewicht soll laut Fiat-Datenblatt gesunken sein. In der Praxis wird das Gewicht aber deutlich drüber liegen, wie ein erster Vergleichstest nahe legte: Da tendierte ein gut ausgestatteter Doblo Maxi leer auf über 1500 kg Leergewicht. Die vollmundig versprochene »eine Tonne Nutzlast« dürfte Theorie sein. Realistisch sind zwischen 600 (Standard) und 850 kg (erhöhte Nutzlast).

Welcher Motor ist der Richtige? Spätestens damit kommt der kleine 90-PS-Diesel an seine Leistungsgrenze. Er bringt den Doblo leer noch ganz passabel voran, ist aber immer rauer und angestrengter unterwegs als der neue 1,6 l Motor. Der hat zwar nur 15 PS mehr, aber mit


290 Nm viel mehr Drehmoment als die Einstiegsversion in die Waagschale, die es bei 200 Nm belässt. Leise und souverän gilt diesem Antrieb klar unsere Empfehlung. Der 2,0-Liter mit 135 PS fühlt sich mit 320 Nm kaum stärker an, pfeift aber laut mit dem Turbo und lässt sich unten herum immer etwas Zeit, bevor er vehement antritt. Sein größter Vorteil neben der höheren Anhängelast von 1500 kg (Motor 1,6 MJ 1300 kg, Motor 1,3 MJ 1000 kg): Er erfüllt stets die Euro 5 Norm, hat somit einen Partikelfilter und geht einher mit dem toll funktionierenden Start-Stopp-System. Dieses Paket kostet sonst 750 ¡ Aufpreis, Standard ist Euro 4 ohne Filter. Den 95-PS-Benziner mit seinen bescheidenen 127 Nm Drehmoment ist in diesem schweren Wagen wirklich nur was für Kurzstreckler in der Stadt.

Nachhaltigkeit demonstrieren Interessant könnte der bivalente Erdgasturbo 1,4 Tjet Natural Power werden, den Fiat im Laufe des Jahres nachschiebt. Er bietet auch für einen beladenen Doblo mit 120 PS und 206 Nm Drehmoment genug Mumm, extrem niedrige Emissionen und hoffentlich mit dem Ende der Ölpreisbindung eine schnellere Amortisation des Mehrpreises zum Diesel als bisher. Klasse in dieser Klasse: Wartungsintervalle von 35.000 km. Beim Verbrauch gilt, was auch für die Nutzlast galt:Theorie und Praxis klaffen ziemlich auseinander: Die ersten Testwerte bescheinigten dem Doblo 1,6 Multijet nicht die asketischen 5,2 l/100 km, sondern 6,8 l/100 km. Nicht nur für Be-

schleunigung, auch für zuverlässigere Verzögerung dank groß dimensionierter ABSScheibenbremsen in den größeren 15-Zoll-Rädern ist gesorgt. Ein Hill-Holder (Berganfahrhilfe) ist Serie, das perfekt regelnde ESP kostet aber extra.

Das kann Malern gefallen An Extras empfiehlt sich eventuell das Multimedia-Paket für 700 ¡ mit Tom-Tom-Navi, ergonomisch günstig über der Mittelkonsole befestigt und abnehmbar. Dahinter lässt sich eine Klemme mit Schreibbrett ordern. Überlegenswert für den Malereinsatz sind auch die Klassiker »Leiterklappe« (nicht für Maxi; 290 ¡),Trenngitter drehbar (90 ¡), Trennstreben im Laderaum (180 ¡) oder ein vielseitiger Dachlastenträger (nicht für Maxi) aus Alu. Bei Basispreisen des Doblo Cargo 1,3 MJ ab 16.541 ¡ brutto ist eine weitere Überlegung für handwerkende Mischnutzer, ob man nicht ab 17.250 Euro zum mit ESP, Euro 5, DPF und Start-StoppAnlage, komplettem Airbagpaket und zwei Schiebetüren deutlich besser ausgestatteten Doblo der PKW-Linie greift. Bei ihm lässt sich die assymetrisch geteilte Rückbank wickeln, aber leider nicht komplett entfernen. Man merkt am breit gespreizten Programm: Fiat Professional meint es ernst mit Transport und Handwerk. Gregor Soller Johannes Reichel

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Fotos: Gregor Soller, Johannes Reichel

Bedienung und Platzverhältnisse im Innenraum des Doblo sind gut. Die akustischen Verhältnisse sind bei den PKW-Modellen angenehmer

Testfahrten mit Beladung: Sie sind die Grundlage der Motorenempfehlungen

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Betrieb und Kunde

Kunden mit neuen Ideen ansprechen Aus- und Weiterbildung Das Wissen um neue Materialien, Techniken und Trends bringt Vorteile im Wettbewerb. So können Sie Ihre Kunden immer wieder auf Ihre Leistungen aufmerksam machen. Ein Praxisseminar zu dekorativen Werkstoffen für die Innenraumgestaltung bietet hierzu die besten Möglichkeiten. Die Redaktion schildert die Eindrücke aus einem solchen Seminar.

Wir haben beispielhaft von Sikkens ein Seminar über DecoEffect-Systeme zur modernen Innenraumgestaltung besucht, das an der Kerschensteinerschule in Wiesbaden stattfand. Bei der Raumgestaltung mit Farben und dekorativen Werkstoffen unterstützt Sikkens mit Seminaren, die zielorientiert auf Kompetenzgewinn ausgerichtet sind. Richard Rüttermann, Leiter Technik bei Sikkens, präzisiert das Angebot: »Fachlich sollte man stets auf dem aktuellen Stand sein. Wir unterstützen unsere Partner in Handel, Handwerk, Architektur und Innenarchitektur und deren Mitarbeiter mit einem ganzheitlichen Seminarprogramm, das auf deren Wünsche zugeschnitten ist.« Kon-

Anwendungstechniker Ralf Baumgarten zeigt die Arbeitsschritte und erklärt die jeweiligen Systeme

kret: Kompetente Referenten – sowohl von Sikkens als auch externe Fachleute – vermitteln in ein- bzw. zweitägigen Veranstaltungen Basisund Profiwissen.

Üben fürs Meisterstück Auf den Facharbeiterbrief aufbauend können die Gesellen hier die Meisterschule bzw. Einjährige Fachschule in Vollzeit oder Teilzeit besuchen, um die Meisterprüfung/Prüfung zur Staatlich geprüften Male-rin/Maler und Lackiererin/Lackierer abzulegen. Das Praxisseminar, das von Anwendungstechniker Ralf Baumgarten geleitet und Axel Dahmen (regionaler Fachberater), begleitet wird, kombiniert das professionelle Know-how in Theorie und Praxis: Eine PowerPoint-Präsentation zum Einstieg sensibilisiert mit Raum- und Objektbeispielen und bietet motivierende Wissensimpulse zu den Produktsystemen. Die Rahmenbedingungen für die anschließende Praxisphase sind ideal, denn die Schule hat im Vorfeld die Musterplatten vorbereitet. Die Teilnehmer haben ihre Flächen im jeweiligen Systemaufbau grundiert, vorgespachtelt und geschliffen. Das funktionierte nur, weil man sich zuvor mit den Technischen Merkblättern beschäftigt hatte. Ralf Baumgarten erklärt: »Unsere DecoEffect-Systeme spielen mit den drei Komponenten Farbe, Struktur und Technik. Das Ergebnis sind dekorative Gestaltungsideen für alle Räume – von klassisch über elegant bis modern.«

Ausprobieren und kreativ kombinieren

Axel Dahmen berät bei der Auswahl der EffektWerkstoffe

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Dies ist die Einladung an die Teilnehmer, der Reihe nach fünf bis sechs vorgearbeitete Musterflächen selbstständig zu bearbeiten und kreativ zu gestalten. Dabei ist ein straffer Ablauf- und Zeitplan einzuhalten, da Trocken- und Ablüftzeiten zu


Betrieb und Kunde

Fotos: Mappe

Mit diesen Techniken können Sie Wände gestalten:

Alpha Elegance: Vorlegen von Alpha Elegance, einer Deko-Lasur, die im System mit Fondo Alpha Elegance für Innenwandgestaltungen im Patinato-Effekt oder für Lasureffekte eingesetzt wird

Die Systeme spielen mit den Komponenten Farbe, Struktur und Technik: Je nach Untergrund, Auftragsweise und Werkzeug lassen sich vielseitige Strukturen erzielen

Alpha Style: Nach dem Auftrocknen die Fläche mit einem Kunststoff-Spachtel bearbeiten, um die Kornstruktur herauszuarbeiten

Alpha Tacto: Erzeugt ansprechende Oberflächen im Velours- oder Textileffekt, nachdem die frischen Flächen zuvor mit dem Alpha Tacto Tool bearbeitet wurden

beachten sind. Die jeweiligen Arbeitsschritte werden vom Referenten vor der Gruppe demonstriert und kommentiert. Dann sind die Teilnehmer auf den eigenen Flächen dran. Die Fachgespräche untereinander, erste Überlegungen zum Meisterstück für die Abschlussprüfung, handschriftliche Notizen zu den ausgeführten Tätigkeiten, gegenseitige Hilfestellung: Das sind lebendige Eindrücke eines anspruchsvollen Seminartages, von dem jeder profitiert. Dass nach offiziellem Ende etliche Teilnehmer weiter arbeiten – freies Experimentieren steht hier im Vordergrund – unterstreicht die positiven Erfahrungen. Wo es auf Ästhetik und Strapazierfähigkeit ankommt, bieten die vorgestellten Produktsysteme professionelle Lösungen. Verschiedenste Räume

Rubbol BL Magura: Hier kann man mit unterschiedlichen Glanzeffekten und Farbnuancen experimentieren. Rubbol BL Magura mit Perlmutteffekt wird mit dem Naturschwamm auf einen uni lackierten Untergrund aufgetragen

– ob privat oder im Objekt – verwandeln sich in repräsentative Farboasen, deren Schönheit hoffentlich von langer Dauer ist. Roland Wahl

Seminar

info

Zielgruppe für die DecoEffect- und Multicolor-Seminare sind Meister und Gesellen, die sich mit moderner Innenraumgestaltung beschäftigen. Die in der Regel zweitägigen Veranstaltungen werden für maximal 12 Teilnehmer angeboten – Seminarkosten 170 ¡ zzgl. Mwst., Sonderkonditionen auf Anfrage. Darin enthalten sind Mitnahme-Werkplatten, schriftliche Unterlagen, Arbeitsmaterial, die Seminarverpflegung und die Übernachtungskosten. Die Seminarinhalte können nach Absprache variiert werden. Kontakt und Anmeldung: Akzo Nobel Deco GmbH – Anwendungstechnisches Zentrum, Fon (02 21) 58 81 - 266, E-Mail: seminare@akzonobel.com.

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