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Das ArchitekturMagazin

Beton


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Ideen

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3 In einem Schwung wird aus der Boden- die Deckenplatte. Zur Straße dominiert der Beton, nach Osten und Westen sorgen Polykarbonatplatten für Transparenz.

Ti t e l t h e ma

Sportlicher Rohling

Direkt an der Spree in Berlin-Köpenick ist ein Ruderclub fürs 21. Jahrhundert entstanden: eine rohe Hülle aus Sichtbeton und Polykarbonat, die innen jederzeit verändert werden kann.

Architekten

Oliver Mang Architekten Kritik

Florian Heilmeyer Fotos

Kai Bienert


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Ideen Linke Seite: Oliver

Rechts: Die Freitreppe

Mang sagt, er sei sel-

mit ihrer Betonhülle

ber überrascht gewe-

führt den Schwung der

sen, dass die konse-

Deckenplatte zu Ende.

quente, raue Optik un-

Sie dient als Fluchtweg

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und separater Eingang

lern nicht für mehr

zum Clubraum.

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Kontroversen gesorgt hätte.

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er Bruno-Bürgel-Weg ist keine schöne Ecke. Zwar läuft er entlang der Spree, wo die sich wie ein nasser Finger, nur wenige Meter breit, durch Berlins Osten bohrt. An beiden Ufern haben sich eine handvoll Sportvereine angesiedelt, viele schon seit DDR-Zeiten, die Regattastrecke in Grünau ist nicht weit entfernt. Berlin will den Standort als Freizeitgebiet stärken, schrittweise sollen weitere Wassersportler folgen und irgendwann ein öffentlicher Fußweg am Fluss entlang führen. Klingt idyllisch. Aber vor Ort dominieren die kleinen Gewerbegebiete das Bild. Auf dem Weg zum neuen Wassersportzentrum des Vereins „Turngemeinde in Berlin“ (TiB) sieht man zuerst „Netto“ und „Fristo“ (der freundliche Getränkemarkt), und während links der Fluß hinter ein paar Bäumen schimmert, liegen rechts Autohäuser, Baracken, Mauern, Zäune und Parkplätze. Da wirkt der schmale Grünstreifen ein wenig dünn. Alleine der Blick zum anderen Ufer ließe sich „idyllisch“ nennen. Dort stehen einige ältere Ruderhäuser, darunter auch die beiden Baudenkmäler „Ruderclub Sturmvogel“ von Emil Frey (1910) und das Clubhaus „Elektra“, 1912 von Peter Behrens für die Betriebsruderer der AEG entworfen. Eben diesen Behrensbau nutzten in den letzten Jahren die Ruderer der

TiB; das Baudenkmal ließ in seinem großen Vereinszimmer auch modernere Nutzungen wie Aerobic-, Yoga- und Zumbakurse zu, aber Wünsche wie Sauna- und Fitnessräume waren sich nicht zu erfüllen. So entstand die Idee eines „Wassersportzentrums“, um die Ruder- und Kanusportler des TiB zusammenlegen zu können. Das Grundstück am Bruno-Bürgel-Weg nutzte der Verein bereits, ein altes, mehrfach umgebautes Haus diente mehr schlecht als recht als Bootshalle mit Umkleiden. Der Neubau wurde mit Geldern der Lotto-Stiftung möglich, die jedoch mit der Bedingung verbunden sind, einen Teil der Bausumme aus Eigenmitteln, einen anderen in Eigenleistung zu erbringen. Als Architekt des Neubaus wurde Oliver Mang engagiert. Das niedrige Budget und die vertraglich festgeschriebene Eigenleistung machte Mang umstandslos zu den Grundlagen seines Entwurfs. „Es war absehbar, dass die Vereinsmitglieder die Arbeiten relativ einfach ausführen würden“, sagt er beim Rundgang durchs Gebäude. „Umso robuster sollte die Architektur sein. Sie sollte einiges aushalten können.“ Das kann sie. Insbesondere im Vergleich mit den gegenüber liegenden, hundert Jahre älteren Ruderclubs wird deutlich, dass Mang eine typologische Revolution betreibt. Sein Wassersportzentrum ist kein Landhaus mehr, sondern ein Gebrauchshaus. Eine lichte, helle Werkstatt, die eine atmosphärische Verbindung zwischen den Gewerbegebieten und der Freizeit am Fluss herstellt.

Das Wasser ist der Ausgangspunkt, um das Ra u m p ro g ra m m i n e i n e m e l e g a n t e n Schwung auf zwei Etagen zu sortieren: Vom Anlegeplatz über den beleuchteten Sattelplatz für die Wartung der Boote führt der Weg durch drei breite Tore in die Ruderhalle. Maßgebend ist der Wander-Achter, ein breites Holzboot mit der Länge von 18 Metern. „Wenn Sie den aufrichten, sind Sie fast auf Berliner Traufhöhe“, sagt Mang. „Mit so einem Boot will man nicht rangieren, das muss von der Halle geradeaus ins Wasser gebracht werden.“ So richtet die Halle ihre Tore orthogonal aufs Wasser, die Maße vom Vorplatz und der Halle ergeben sich aus dem Achter und den weiteren Booten. Zur Straße folgen Technikräume und die Werkstatt und am Eingang die Treppe ins Obergeschoss. Straßenseitig formt der vor Ort gegossene Beton eine schroffe, geknickte Außenwand, mittig sitzt eine grau gestrichene Lüftungsöffnung. Als Geste wird sie von den Gebäudeseiten lesbar: In einem Schwung wird der Beton ums Treppenhaus geklappt, wie Teig, und aus der Bodenplatte entsteht das Dach des Obergeschosses. Hier liegen Gästezimmer, Umkleiden, Sauna und Fitnessräume sowie vorne, zum Wasser, der große Clubraum. Davor wird der Beton wieder weich nach unten gefaltet und formt einen Balkon mit großen Fensterausschnitten. Vom Balkon führt eine Außentreppe nach unten, sie ist zweiter Fluchtweg und separater Eingang, damit der Clubraum auch für externe Veranstaltungen vermietet werden kann. Der Ortbeton in Sichtbetonklasse 3 (für hohe gestalterische AnforWeiter


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Ideen

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3 Die industrielle, provi-

Rechte Seite: Der Bal-

sorische Ästhetik des

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wird von Ortbeton um-

die Architektur kein

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sondern vom Nutzer

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fortgeführt werden soll.

Spreewasser.

Links: der Clubraum

d e r u n g e n) w i rd g e n u t z t, u m d i e verschiedenen Knicke und Wellenbewegungen des Gebäudes fließend wirken zu lassen. Die Büro- und Umkleideräume im Obergeschoss haben eine lichte Höhe von 2,75 Meter, dann knickt das Dach nach oben um den vorderen Räumen, insbesondere dem Clubraum, angenehmere Raumproportionen von 3,50 Meter Raumhöhe zu geben. In einem weiteren Knick fällt das Dach gleichzeitig zur Grundstücksgrenze hin ab, um die Abstandsfläche zum Nachbarn zu verringern. Zum Wasser und zur Straße dominiert in diesem Konzept der Sichtbeton. Die Ost- und Westfassaden bestehen hingegen aus Stegplatten aus transluzentem Polykarbonat, die auf eine Unterkonstruktion aus Aluminium geschraubt sind. Oliver Mang hatte sich gefragt, warum die Typologie des Ruderhauses die Boote bislang immer in geschlossenen Hallen versteckt hatte. Hier schimmern die aufgehängten Boote durch das Polykarbonat. „Gleichzeitig verhindert die Fassade einen allzu offenen Blick in die Ruderhalle, die ja nicht immer perfekt aufgeräumt ist“, schmunzelt Mang. Nach innen ergibt sich noch ein schöner Effekt, zeichnen sich doch in der Fassade auf abstrakte Weise das Licht und die Farben der Umgebung ab, sich im Lauf des Tages und der Jahreszeiten ändernd. Dabei wird auch die Tragstruktur des Gebäudes – insbesondere die schräg aussteifenden Stützen im Untergeschoss – in Szene gesetzt. Auch die horizontalen Aluminiumt räger, die auf der ganzen Länge

durchs Obergeschoss laufen, bleiben so schimmernd sichtbar. Sie dienen als Haltepunkte für die frei positionierten Fenster und als Soganker für die Polykarbonatplatten. Das ergibt eine raue, robuste Ausstrahlung. Es ist ein bewusst unfertig gelassenes Haus, das benutzt werden soll; das zeigen die unverputzten Decken im Inneren und die grob an die Betonstützen geschraubten Aluminiumprofile. Auch die Statik räumt Freiheiten ein: Neben dem Treppenhaus und den wenigen gemauerten Kernwänden besteht das Haus aus Stützen, Unterzügen und Decken, es sind aufeinander gestapelte Hallen. Die untere Bootshalle ist unbeheizt, im Obergeschoss sorgt die Fußbodenheizung dafür, dass die Raumaufteilung um die beiden kleinen Innenhöfe, die Licht in die Gebäudetiefe bringen, flexibel verändert werden kann. Stützen und Unterzüge sind in Sichtbetonklasse 2 (normale gestalterische Anforderungen), die Decken in Klasse 3 ausgeführt. „Für das Projekt war wichtig, eine RohbauFirma zu finden, die mit Ehrgeiz und Spaß an diese Aufgabe herangeht“, sagt Mang. Gefunden wurde dieser Partner mit ANES Bauausführungen, die sich unter anderem mit dem Atelierhaus für Katharina Grosse (von Augustin & Frank Architekten) empfohlen hatten. Viele Stellen, vor allem in den Knicken der Nord- und Südfassade, sind in bemerkenswerter Qualität betoniert worden, der architektonisch gewollte Charakter eines Rohlings wurde aber erhalten. „Die Firma hat eine so gute Qualität abge-

liefert, dass ich auf Nachbesserungen ganz verzichten wollte.“ Das war aber dem Nutzer zu radikal, und so wurde die rohe Hülle an einigen wenigen Stellen doch nachträglich korrigiert. Es wird interessant sein, zu sehen, wie das Gebäude altert. Schon wächst an der Nordseite das erste Moos auf dem Beton, was das Gebäude enger mit der Natur zusammen bringt. „Ich hatte diese Diskussion schon im Vorfeld mit den Nutzern. Das Moos beschädigt das Gebäude ja nicht – wenn es einen stört, nimmt man einen Hochdruckreiniger.“ Mang sagt, er war erstaunt, wie schnell sich die Mitglieder des Ruderclubs, die sich in einer Abstimmung für seinen Ent wur f ausgesprochen hatten, auf dieses pragmatische Bauwerk geeinigt hätten. Zur Zeit wird diskutiert, an der Straßenseite eine Kletterwand einzurichten. Nicht, um die Seite weniger schroff wirken zu lassen, im Gegenteil. Eher entdecken die Sportler gerade, welche zusätzlichen Möglichkeiten ihnen dieses Gebäude eröffnet. Wenn es eine vorrangige Aufgabe der Architektur ist, sich auf die Gegenwart einzulassen und ihr eine Form zu geben, die auch der Zukunft funktioniert, dann ist das dem Wassersportzentrum in Köpenick gelungen.

Pläne auf den folgenden Seiten


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Fragen

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Kunst oder Architektur?

Die Kirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit in Wien stammt von Fritz Wotruba und wurde 1976 fertig gestellt. Ihre Monumentalität ist charakteristisch für die brutalistische Formensprache und wurde aus dem Querbezug von Kunst und Architektur entwickelt. Der Bau nimmt das Thema Kirche auf und wandelt es durch Ausdeutung zu einem neuen „Bekannten“ um. So entfaltet er eine Poesie, entstanden aus einem dynamischen Schaffensprozess, der sich radikal in Material und Raumbildung ausdrückt.

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Was ist Brutalismus ?

Tite lthem a

Fotos: Ane tte Busse

Anette Busse


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Fragen

von

III

Der Brutalismus ist für viele eine rätselhafte Architekturströmung – man liebt sie oder man hasst sie. Ihre Entstehung ist eng verknüpft mit den Ereignissen zwischen 1945 und 1960. Unsere Autorin schaut zurück auf den historischen Kontext. Mit diesem Beitrag beginnen wir eine dreiteilige Serie zum Thema.

Erst die Verwüstung der Städte im Zweiten Weltkrieg machte ihn möglich: Der Wiederaufbau war notwendig, und so konnten die Ideen und Thesen des 1928 gegründeten CIAM (Congrès Internationaux d’Architecture Moderne) umgesetzt und deren fortlaufend gemeinschaftlich formulierte Ideale Realität werden. Die Charta von Athen von 1933 hatte Le Corbusier im Jahr 1943 im Alleingang veröffentlicht – sie war maßgebend für die städtebaulichen Planungen der späten 1940er und frühen 1950er Jahre. Bekanntlich war das Ziel, städtische Funktionen streng in Nutzungszonen einzuteilen und so zu entmischen, mit ausschließlich autogerechten Verkehrswegen, die die „alte Stadt“ mit ihren Eigenarten negiert und standortunabhängige Prototypen proklamiert. Kurz, beabsichtigt waren Funktionalisierung, Industrialisierung, Standardisierung und ökonomische Produktionsmethoden, also eine Radikalisierung und damit Vereinheitlichung des Bauens. Gegen diese Grundsätze regte sich bei der jüngeren Generation Widerspruch, da die Thesen als zu formalistisch und diagrammatisch aufgefasst wurden. Besonders Alison und Peter Smithson, die Wortführer der englischen „Independent Group“, welche die Keimzelle des Brutalismus war, stellten in einem Artikel in der „Architectural Review“ 1953 die Forderung nach einer Reformulierung dieser Grundsätze. Sie vertraten als junge Delegierte am CIAM-Kongress 1953 die Auffassung, dass jedes Ordnungsprinzip grundsätzlich falsch, Planung überhaupt gefährlich und im Zufall ausreichend Möglichkeit neuer Entwicklungen enthalten sei – Stadtentwicklung sei vor allem ein sozialer Prozess.

menschliche Aspekte fehlten – ebenso wie erzählende und geschichtliche Bedeutung, was zum Verlust von Lebendigkeit und künstlerischer Imagination führte. Die Independent Group entwickelte Ausstellungskonzepte, die sie als Teststationen unter Laborbedingungen nutzten, um ihre neue Einstellung umzusetzen und neue Formen für die sich verändernden Verhältnisse zu finden. Diese Erkenntnisse übertrugen sie auf architektonische Konzepte als Ausdruck eines gesellschaftspolitischen Programms, mit groß angelegten Sozialwohnungsbauten, für den Ausgleich der Wohnverhältnisse von Ober- und Unterschicht. Der Architekturtheoretiker Reyner Banham, selbst Mitglied der Independent Group, veröffentlichte 1955 den ersten Artikel über den „New Brutalism“ in der Architectural Review. Darin führte er zu den brutalistischen Attributen aus, dass diese soweit gefasst seien, dass sehr viel oder auch nur sehr wenig darunter verstanden werden könne: je nach Auslegung erstens Erinnerbarkeit als „Image“, zweitens Sichtbarkeit der Konstruktion und drittens eine Hochschätzung der Materialien „as found“. Genau hierin liegt die Schwierigkeit der Definition. Nur in großer Kenntnis des Sujets lässt sich ein wahrhaft brutalistisches Gebäude identifizieren – es hängt ab von der Einstellung seines Gestalters und dessen Entwurfshaltung, vom Reagieren auf Vorhandenes, jedoch auch dem nötigen Eigensinn. Authentizität als Gegenmodell zur Moderne, im Wunsch das Gewöhnliche radikal zur Kenntnis zu nehmen und in Relation zur vorhandenen Wirklichkeit zu setzen.

der jeweiligen Architekten. Der Diskurs zur Definition des Brutalismus hat sich bis heute nicht aufgelöst. Auch das 2012 veranstaltete, von der Autorin mitinitiierte, internationale Symposium zum „Brutalismus, Architekturen zwischen Alltag, Theorie und Poesie“ hat zwar viele neue Aspekte und Erkenntnisse hervorgebracht, es blieben aber auch viele Fragen offen oder wurden neu gestellt. Die wichtigste Erkenntnis aus dieser vielschichtig geführten Diskussion ist jedoch, dass Brutalismus keine Stilausformung war, sondern als eine Haltung verstanden werden muss. Diese architektonische Haltung war eng verknüpft mit den sozialen und kulturellen Auffassungen sowie den biografischen Verflechtungen ihrer Schöpfer. Der Zweite Weltkrieg spielt hierbei, vor allem in den verschiedenen brutalistischen Ausprägungen einzelner Länder, eine große Rolle. Ohne den Krieg hätte es keinen Brutalismus gegeben, er hat ihn hervorgebracht. Deshalb sind auch die Ausformungen der brutalistischen Architektur so unterschiedlich geartet – ein internationales Phänomen mit jeweils regionaler und persönlich differenzierter Umsetzung. Diesem wird im nächsten Heft im Vergleich zweier formal brutalistischer Häuser im englischen und deutschen Kontext nachgegangen.

Die Bewegung zieht Kreise

1 Stirling und Gowan, Wohnbebauung Ham Common, Richmond, Surrey, 1955-1958 2 Denys Lasdun, Cluster-Wohnblock, Claredale Street, Bethnal Green, London, 1953-1955 3 Alison und Peter Smithson, Secondary School, Hunstanton, Norfolk, 1949-1954

Die Anfänge Den Grundsätzen „Wohnen“, „Arbeiten“, „Erholen“ und „Zirkulieren“ wurden die Begriffe „Haus“, „Straße“, „Stadtteil“ und „Stadt“ entgegen gesetzt. Dieser offensichtliche Generationenkonflikt des CIAM, aus dem sich das von der jüngeren Generation gegründete Team X als opponierende Gruppe herausbildete, hatte solch rebellische Sprengkraft und Polemik, dass sich der bis dahin sehr einflussreiche Congrès 1959 endgültig auflöste. Allerdings ist davon auszugehen, dass die brutalistischen Theorien sich überhaupt erst über den CIAM international verbreiteten. Die Smithsons hatten erst in den vierziger Jahren studiert und wurden schon sehr jung Vertreter im CIAM und später im Team X. Die Mitarbeit in diesen Gremien war für sie sehr wichtig und die Auseinandersetzung mit deren Mitgliedern prägend. Sie lernten aber auch durch ihre eigene Kritik an dem, was über Jahre erarbeitet worden war, dass nichts von Ewigkeit ist und sich alles weiterentwickelt, was ihre sehr offen gehaltenen Thesen belegen. Stetige Suche So ist nach meinem Dafürhalten der Brutalismus äußerer Ausdruck einer inneren Suche nach der richtigen Form für eine sich wandelnde Gesellschaft. Die Stadtplanung des Wiederaufbaus erschien vor allem deshalb unwirtlich, da

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Ab Mitte der 1950er Jahre weitete sich die Basis des Brutalismus von der Independent Group auf weitere Vertreter der englischen Architekturszene aus: etwa auf James Stirling mit seiner Wohnanlage „Ham Common“ 1958 1 oder Denys Lasdun mit dem „Cluster Block“ 2 in Bethnal Green 1955, die sich jedoch selbst nicht als Brutalisten bezeichneten, aber von den theoretischen Grundlagen der Smithsons und Banhams beeinflusst waren. Die Smithsons selbst hatten bis dahin nur sehr wenige Bauten realisiert, viele Projekte waren nur gezeichnet. Wie Denys Lasdun im April 1957 in der Zeitschrift Architectural Design anmerkte, sei es schwierig, die Theorien des Brutalismus an gebauten Projekten zu überprüfen, da es keine realisierten Bauten gäbe, die diesen Begriff veranschaulichen würden. Die Schwierigkeit in der Beurteilung der Theorie läge darin, dass der New Brutalism bisher nur über die Literatur wahrzunehmen sei. Aus diesem Dilemma erklärt sich auch die Deutung der „Secondary School of Hunstanton“3 , die von den Kritikern als erstes brutalistisches Bauwerk bezeichnet wurde. Denn sie entstand, als der Begriff New Brutalism noch nicht als Bezeichnung dieser Architekturströmung existierte, sie aber eben das erste umgesetzte Projekt der Smithsons war. Ab 1958 breitete sich die brutalistische Strömung international aus und erhielt je nach nationaler und regionaler Interpretation eine eigene Färbung durch die Biografien

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II

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Der erste Teil lei-

Im zweiten Teil

Im dritten Teil

tet in das Thema

stellen wir zwei

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Brutalismus ein.

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Ausblick auf den

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Baumeister 02 2014