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Trockenheit ein Hagelgewitter (Dauer ca. 30 Minuten) im Gebiet Kreuzboden auf 2040 m ü. M. Viel Feinmaterial und Ge­ schiebe vom oberen Bereich des Einzugs­ gebietes wurde bereits im Oberlauf mobili­ siert und teilweise auf der Alp Herenberg abgelagert. Danach nahm der Bach erneut viel Ge­ schiebe auf. Unter der Felswand suchte er sich mehrere Fliesswege ausserhalb seines Gerinnes. Der Murgang wurde gemäss den Zeitungsberichten (auch) am Gupf nördlich von der Ruine Haldenstein geteilt. Ein Zug floss direkt Richtung Dorfkern, wo vor al­ lem das Gebiet um den Friedhof betroffen war. Ein anderer Zug ergoss sich mehr Richtung Nordosten. Es gibt Meinungen in Haldenstein, die als Auslöser der Katastrophe die Zerstörung eines Wasserreservoirs oberhalb des Sied­ lungsgebietes sehen. In diesem Fall wäre das Ereignis hydrologisch nicht von Be­ deutung. Aufgrund der übrigen Beweis­ akten ist das Ereignis eindeutig auf Hagel­ schlag im Kreuzboden zurückzuführen. Bestätigt ist, dass der Dorfteil Süsswinkel vom Reservoir her betroffen wurde, wäh­ rend die grosse Rüfe von der Ruine her den grössten Schaden im Bereich Fried­ hof/Chrüzgass anrichtete. Der Teil des Er­ eignisses, welcher den Süsswinkel betraf, kann sich aber durch das zusätzliche Was­ ser aus dem Reservoir noch verstärkt ha­ ben. Im «Haldensteiner Bote» vom Oktober 2006 ist zu lesen, dass sich die Rüfe aus dem Altburgwald oberhalb der Burg noch­ mals teilte. Ein Arm schoss direkt durch die Gasse Oberdorf mitten ins Dorf, der ande­ re dürfte nördlich des Triangulationspunk­ tes (Bänklein oberhalb Oberdorf) durchge­ flossen sein. Beide Fliesswege sind heute noch vorhanden und offen.

Das Ereignis überraschte die Haldensteiner vollkommen, da es im Tal unten nicht ein­ mal regnete. Sie hörten den Lärm der Rüfi erst, als diese ins Dorf floss. Ein grosser Felsblock wurde bis in die Chrüzgass ver­ lagert. Die Ablagerungstiefe des Schuttes betrug gemäss den Fotovergleichen im oberen Dorfteil 0,5 bis 0,8 m, im Gebiet des Dorfplatzes deutlich weniger. Das Verkehrsschild rechts auf Abb. 6 ist nur ca. 1 m hoch. Die Höhe der Material­ ablagerung betrug demnach an der Haus­ ecke weniger als 50  cm, auf dem mittleren Bildteil wahrscheinlich etwas mehr (Stras­ se verflacht sich, Ablagerungen). Der Abb. 3: Felsbrocken in der Chrüzgass. (Quelle: Haldensteiner Bote, Oktober 2006; Bild: Lorenz Gasser-Gasser)

Abb. 4: Schlammmassen beim Restaurant Adler. (Quelle: Haldensteiner Bote, Oktober 2006; Bild: Lorenz Gasser-Gasser)

Bündner Wald 2/2013 45

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15.04.13 10:18

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