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Editorial

Lange suchte ich nach einer geistreichen Geschichte, welche ich in dieses Editorial einflechten könnte. Während ich mich über Ostern erfolglos um diese Zeilen kümmerte, ereignete sich im Engadin gemäss Schlagzeilen ein GAU – Sicherheitsvorkehrungen versagten und eine bisher vorbildliche Symbiose zwischen Stromproduktion und Biotopregulation kollabierte. Ein Kollege meinte treffend und wohl eher nachdenklich als sarkastisch: «Zum Glück hantieren die nicht mit Atomstrom.» Im Rheintal weht bezüglich Stromproduk­ tion ein neuer Wind: Windenergie, ein Novum in Graubünden. Hier wurde vorgängig alles abgecheckt – für Pferde samt Reitenden, Fledermäusen, Hirschen und Wölfen soll keine Gefahr oder wesentliche Einschränkung ihres Lebensraumes entstehen. Ach ja, die Wölfe, sie sind wieder etwas aus den Schlagzeilen verschwunden, wohl weil sie mit den Hirschen saisonal aus dem menschlichen Blickfeld gezogen sind. Politisch bleibt ihre Präsenz aktuell. Eine Gruppe von Grossräten hält es für nötig, das Volk mitentscheiden zu lassen, ob Grossraubtiere hier leben sollen oder nicht. Eine nächste Frage also, welche basisdemokratisch entschieden werden könnte. Aus einer anderen Ecke wird die Regulation des Schalenwildes durch die Sonderjagd infrage gestellt – auch hier soll basisdemokratisch für Klarheit gesorgt werden. Spannend finde ich hierzu eine neulich erschienene Mitteilung zur Sicherheit im Strassenverkehr, welche statistisch einen neuen Rekord mit Wildunfällen dokumentiert. In diesen Tagen ist auch von Höchstzählungen bei der Hirschtaxation zu hören. Als junger Forstingenieur musste ich lernen, dass nicht die Anzahl Tiere, sondern deren Verteilung entscheidend ist. Daraus könnte man nun schliessen, dass sich Wildtiere ver-

mehrt auf Strassen verteilen. Ob dieses verschärfte Sicherheitsrisiko für Verkehrsteilnehmende durch die Sicherheitsholzerei zu kompensieren versucht wird, wäre eine weitere spannende Mutmassung für eine öffentliche Diskussion. Weniger Bäume für mehr Wild – dies kennen wir doch von irgendwoher. Weniger Bäume, dafür mehr Wind, spricht dann wieder eher fürs Windrad – da wird mir ja ganz sturm im Kopf. Schlaue Olympiagegner glaubten auch, die Sicherheitsholzerei entlang der Strassen sei eine vorgezogene Rodung für den Bau einer weiteren Autobahnspur. Ja Olympia, oder eher Nein – was wurde alles an diese Frage geknüpft. Auch da wurde mir ganz sturm. Nun gut, Olympia kommt nicht; das Windrad steht; die Wölfe jagen bald auf Strassen Hirsche; ein paar Grossräte wollen dies mit dem Volk diskutieren; eine weitere Gruppe will das Volk darüber entscheiden lassen, wie man Hirsche besser reguliert; Wild­ unfälle auf Strassen nehmen zu; die Anzahl Bäume neben Strassen nimmt ab ... wie gesagt, mir wird da ganz sturm – vielleicht auch, weil es in meinem Wohnort Maienfeld, seit das Windrad läuft, mehr stürmt. Oder habe ich da was falsch verstanden? Egal, darüber konnte man ja eh nicht abstimmen. Dies mache ich dafür an der diesjährigen Jahresversammlung in Haldenstein wieder, auch wenn ich dadurch nur den Kassier entlaste.

Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@awn.gr.ch

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15.04.13 10:06

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