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der beispielsweise mit Schloss Fontainebleau sowie den Loire­schlössern Blois und Chambord die Schlosskultur der Renaissance massgeblich beeinflusste. Die Bekanntheit von Franz I. in der Schweiz basiert zur Hauptsache auf seinem Sieg über die Eidgenossen 1515 bei Marignano. Die Drei Bünde waren von diesem Ereignis ebenfalls betroffen, da sie 1512 das Veltlin in das bündnerische Staatswesen integriert hatten. Sicher folgte aus der Machtpolitik von Franz I. das Interesse, mit der repräsentativen Gesandtschaft in Schloss Haldenstein eine diplomatische Nähe zu den Drei Bünden zu haben. Als Franz I. 1547 noch während der Bauzeit von Schloss Haldenstein starb, erneuerte sein Sohn und Nachfolger König Heinrich II. die Gesandtschaft Castions bei den Drei Bünden. Diese Kenntnisse des kultur- und machtpolitischen Hintergrunds von Schloss Haldenstein sind wichtig, um dessen Bedeutung im Bündner Umfeld erfassen zu können. Das Panorama als Bestandteil der Garteninszenierung Der dem Schloss auf der Talseite vorgelagerte Schlossgarten von rund 3000 Qua­dratmetern bedingte einen riesigen Bauaufwand, was sich bereits an den bis zu zehn Meter hohen Aussenmauern zeigt, welche den Rahmen für die Gartenterrasse bilden. Da sich vor dem Haupttrakt des Schlosses nach Süden eine genügend grosse Fläche befindet, um einen Garten zu realisieren, ist der Bau des aussergewöhnlich grossen Terrassengartens auf die damit angestrebte Wirkung zurückzuführen. Die dadurch bewusst erzielte Einbeziehung des umgebenden Panoramas spielte eine zentrale Rolle im räumlichen Konzept des Hängenden Gartens. Das in der Renaissance wieder erwachte ästhetische Interesse an der Landschaft wurde sehr aufwendig inszeniert. Die mit ihren Zinnen mit dem Mittelalter ko-

kettierenden Aussenmauern haben keinerlei militärische Bedeutung; vielmehr gibt die niedere Brüstung dieser Mauern zwischen den Zinnen die Aussicht auf die gegenüberliegende Talseite, die Rheinauen und die entfernte Stadt Chur frei. Farben und Formen der aktuellen Gartengestaltung Die Frage der pflanzlichen Gartengestaltung des Schlossgartens zu dessen Entstehungszeit lässt sich nicht anhand von detaillierten Pflanzplänen beantworten. Vielmehr ist das auf dem Täfer des Prunkzimmers von 1548 dargestellte Gestaltungsprinzip des Hängenden Gartens massgebend und der daraus resultierende Einbezug des umgebenden Panoramas, was auch nach 450 Jahren erlaubt, durch die gut erhaltene Terrassenkonstruktion und die dazu errichteten, mit Zinnen bewehrten Umfassungsmauern, nachzuvollziehen, wie die zwei­ dimensionale Gartenoberfläche gestaltet war. Damit dominiert die Terrassenkonstruktion als Idealtyp eines Schlossgartens der Renaissance Fragen der ursprünglichen Bepflanzung. Dies im Unterschied zu GartenDie erste Hauptblüte der Rosen erfolgt im Juni (Bild: Brigitta Michel)

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