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reisemagazin

Hannah Greber

sommer 2020

Ausgabe 22 | € 5,50 | www.bregenzerwald.at

bei einer Gratwanderung

Bergikonen: Damülser Mittagsspitze Mountainbike im Bregenzerwald Gratwanderung: Winterstaude Im Dorfmoorteich Alp: Sennen und Singen Sterngucker Handwerk für Gäste Kräuter und Gemüse im Garten Vegetarische Küche reisemagazin bregenzerwald · 1


Raiffeisen. Meine Bank im Bregenzerwald

Wenn‘s um unsere Region geht, ist nur eine Bank meine Bank. Als aktiver Teil der Gemeinschaft in unseren Gemeinden sind wir ständig präsent. Direkte, persönliche Nähe, schnelle, kompetente Lösungen aber auch langfristige Strategien sind die Bausteine eines erfolgreichen Miteinanders.


is 17 Uhr

erreich

zerwald.at

Editorial ­ Herlinde Moosbrugger ist ­Geschäftsführerin von Bregenzerwald Tourismus

Reisebegleiter Bregenzerwald Parallel zu diesem Magazin erscheint halb­ jährlich (­Winter/Sommer) der Reisebegleiter Bregenzerwald mit allen Informationen zum Tourismusangebot der Region. Im Sommer von Wandern (inklusive ­kleiner Wanderkarten) über Outdoor-Aktivitäten, ­Programm mit Kindern, Kultur, Baukunst und Kulinarik bis zum Wohlfühlangebot. Im Winter von Ski alpin, Langlauf, ­Snowboarding, Winterwandern bis zu Kultur, Baukunst, Kulinarik und Wohlfühlen. Ihr persönliches Exemplar des ­ Reisebegleiters erhalten Sie kostenlos bei ­Bregenzerwald ­Tourismus.

AutorInnen dieser Ausgabe

reisebegleiter

b regen z erwald

s omm er 2020

Gratwanderungen

so m m er 2020 Anregungen & Adressen. Ihr Reisebegleiter durch den Bregenzerwald.

05.12.2019 09:42:35

Die erste Auskunftsstelle Das Informations- und Service-­Center in Egg berät Sie über alle Belange des ­Bregenzer­waldes und über Ihren Urlaub. Hier finden Sie u.a. einen frei zugänglichen Internet-­Terminal, eine Vorverkaufsstelle für den 3Täler Skipass sowie eine Ausgabestelle für die Bregenzerwald Gäste-Card.

Markus Curin: Journalist und Kulinarikexperte in Vorarlberg Robert Fabach: Architekturpublizist in Vorarlberg Birgit Feierl: Germanistin und Autorin Walter Fink: Journalist und Autor in Vorarlberg Hannah Greber: Autorin in Wien Toni Innauer: Olympiasieger im Skispringen, Sportexperte und Unternehmer Reinhard Johler: Universitätsprofessor in Tübingen Babette Karner: Autorin in Vorarlberg Miriam Kathrein: Geschäftsführerin des „Werkraum Bregenzerwald“ Irmgard Kramer: Schriftstellerin in Wien Bartholomäus Natter: Musiker und Autor aus dem Bregenzerwald Peter Natter: Philosoph und Autor in Vorarlberg Birgit Rietzler: Dichterin im Bregenzerwald Anton Sutterlüty: Käsehändler in Wien Armin Thurnher: Herausgeber der Wochenzeitschrift „Falter“ in Wien

Bregenzerwald Tourismus Gerbe 1135, 6863 Egg Vorarlberg, Österreich T +43 (0)5512 2365 F +43 (0)5512 3010 info@bregenzerwald.at www.bregenzerwald.at Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr www.facebook.com/visitbregenzerwald

Urlaubsland Österreich – Feedback geben und

www.youtube.com/bregenzerwaldtourism

gewinnen!

www.instagram.com/visitbregenzerwald

Hier geht es zur Umfrage: tmona.at/l7u2

Der Begriff „Gratwanderung“ hat vielerlei Bedeutungen. „Eine Gratwanderung“ kann heißen, eine Wanderung auf einem Grat zu machen, also auf der obersten Kante eines Bergrückens zu gehen. Eine Gratwanderung kann aber auch eine Vorgehensweise sein, bei der schon der kleinste Fehler großes Unheil auslöst. „Eine Gratwanderung“ beschreibt auch eine Situation, bei der man zwei gegensätzliche Aspekte gleichzeitig zu berücksichtigen hat. Dabei bewegt man sich „auf einem schmalen Grat“, der kein Abweichen nach links oder rechts zulässt. Eine Gratwanderung im Gebirge, also eine Wanderung auf der Oberkante eines Bergrückens, kann als eine Metapher für viele Lebenssituationen dienen – man könnte sie auch als „Lebensübung“ sehen. In jedem Fall erfordert eine Gratwanderung die volle Konzentration auf das „Hier und Jetzt“, die Fokussierung auf den nächsten Schritt, um sicher voranzukommen. Ablenkungen jeder Art können gefährlich sein. Dies ist heute für viele vermeintlich Multitasking-fähige Menschen die erste Herausforderung – einfach, und womöglich noch schweigend, einen Schritt vor den anderen zu setzen. Sichere Gratwanderungen erfordern ein Urteilsvermögen über die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Für manche bedeuten sie das Erkennen, dass die Zeit der Umkehr, des Nicht-Weitergehens gekommen ist. Es nicht als Schwäche oder Niederlage sehen, sondern als Erkenntnisgewinn, wäre ein vernünftiger Schluss aus dieser Erfahrung. In der Gruppe können Gratwanderungen leichter gelingen als allein. Allerdings erfordert das Vertrauen in die anderen und Verständnis für ihre Stärken und Schwächen. Eingeschworene, zumindest aber rücksichtsvolle Gruppen vermögen Großes zu erreichen. Gemeinsam bewältigte Gratwanderungen am Berg können das Leben bereichern. Sie lassen Menschen manchmal über sich hinauswachsen. So kann eine Gratwanderung am Berg zu einer Übung für das Leben werden.

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München Lindau

Bodensee Bregenz Zürich Dornbirn Vorarlberg

Bregenzerwald Vorarlberg – Österreich

Feldkirch

Bludenz Innsbruck Wien

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www.vorarlberg.travel www.vorarlberg.travel 4 · reisemagazin bregenzerwald

20 km

Österreich Austria


Inhalt

Bregenzerwälder Bergikone 6 Die Damülser Mittagsspitze Gratwanderung Die Autorin Hannah G ­ reber wandert mit drei Freundinnen über den Grat auf die Winterstaude und erzählt, was mit ihnen dabei geschieht 12

Sommer 2020 12

Jenseits von Spur und Straße Angebote für Mountainbiker 8

Werkzeug eines Dichters 26 Der Philosoph Peter ­Natter über die „Duineser Elegien“ von Rainer Maria Rilke und den Bregenzerwald

Im Moorteich von Sulzberg Das ­Moorbad, in dem Generationen das Schwimmen lernten 18 Singen und Sennen Anton Sutterlüty über sein Sennen auf der Alpe Untere Falz und seinen Käsekeller in Wien 20

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28

Aus dem Wald in die Sterne 28 Paul Baumgartner betreibt eine kleine Sternwarte in Krumbach

Handwerk und Gestaltung aus dem Bregenzerwald 40 Handwerkskunst in Gastbetrieben

750 Jahre Gemeinde Schwarzenberg Ein Dorf feiert sein Jubiläum 36 Umgang Bregenzerwald Ein Rundgang durch Bezau 38

Zeitgenössische Tradition 42 Werner Benteles Schnapsbrennerei und Imkerei mit Verkaufsraum

42 Kräuter im Kinderzimmer 48 Sonja Schwarzhans produziert Bregenzerwälder Kräutersalz

Kolumnen:

Aus der Luft gegriffen 17 G’hörig Wälderisch 25 Armin Thurnher 34 Alphabet des Waldes 35 Aus dem Werkraum 41 Felder und Wälder 47 Wälder, weit, weit weg 49

Service:

Buchbare Angebote 56 Tipps der Redaktion 59

Vegetarische Tradition 50 Der Koch Michael Bechter im Landhotel Hirschen ist ein Pionier ­vegetarischer Küche

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Essen mit Liebe 54 Feines aus den Wirtshausküchen des Bregenzerwaldes

Impressum: Herausgeber und Medieninhaber: Bregenzerwald Tourismus GmbH, Gerbe 1135, 6863 Egg, Österreich Konzeption/Redaktion: Fuchs & Partner, Wien Konzeption/Gestaltung: Frank Broger Fotoredaktion: Margret Broger Fotografie: Adolf Bereuter Illustrationen: Ligia González Druck: Druckhaus Gössler, Dornbirn reisemagazin bregenzerwald · 5


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Bergikonen im Bregenzerwald: Damülser Mittagsspitze (2.095 m) Auf die nahe gelegene Bergstation führt eine Sesselbahn bis 1.820 Meter Seehöhe. Danach heißt es bergsteigen, um auf den Gipfel zu kommen.

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Jenseits von Spur und Straße Er stammt aus dem Land der Dolomiten, seine Leidenschaft gilt den Mountainbike-Routen im Bregenzerwald: Als Mountainbike-Trainer sorgt er für Freude beim Fahren und kümmert sich um die Sicherheit am Berg. Auf den folgenden Seiten stellt er das Wichtigste zu diesem Sport im Bregenzerwald vor

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Mountainbike-Sport im Bregenzerwald Fahrtechniktraining & geführte E-Bike-, Mountainbike- und Rennradtouren • Die Bike Schule Bregenzerwald www.die-bike-schule.at • „bikeguide bregenzerwald“ www.bikeguide-bregenzerwald.at • Aktiv-Zentrum Bregenzerwald www.aktiv-zentrum.at • Alpinschule Widderstein www.alpinschulewidderstein.com • Mathias Fritz, Warth-Schröcken www.alpinschule-warth.com • Wendelin Küzler, Langen www.e-bikeguide-wendelin.at

Johannes Larch schätzt den Bregenzerwald als Mountainbike-Region, denn, so sagt er: „Hier im Bregenzerwald stehen Mountainbikern insgesamt rund 460 Kilometer an beschilderten Routen zur Verfügung. Die 23 Top-Touren ­führen durch ausgesucht schöne Landschaften, zu Vorsäßen und Hochalpen sowie auf aussichtsreiche Gipfel. Rund um die Routen gibt es ein ­breites Angebot an Serviceleistungen und speziellen Hotels – einfach ideal!“

Bike-Parcours Au-Schoppernau Im Bike-Parcours sind drei Lines angelegt mit den Schwierigkeitsgraden „Blau“, „Rot“ und „Pink“. Somit gibt es naturgetreu simulierte Singletrails in den Varianten S0, S1 und S2. Pumptrack, Northshore-Elemente, Wippe und kleine Drops sind dort auch anzutreffen. Geeignet für Cross Country, All Mountain und Enduro Bikes. Au-Schoppernau Tourismus www.au-schoppernau.at Mountainbike-Transporte bei den Bergbahnen • Seilbahn Bezau • Mellaubahn • Diedamskopf Au-Schoppernau • Uga-Express Damüls

Bike- und E-Bike-Verleih • Sport Fuchs, Au • MB Motors, Egg (nur E-Bike-Verleih) • Intersport Spettel, Hittisau, Alberschwende • Sport Gotthard, Hittisau • Sport Broger, Mellau • Sport Natter, Talstation Mellaubahn • Sport Madlener, Damüls • Sport Rössle, Faschina Mountainbike-Karte mit 23 Touren-Tipps Detaillierte Informationen zu den Touren finden Sie in der Mountainbike-Karte Bregenzerwald (erhältlich bei Bregenzerwald Tourismus, in den Tourismusbüros und in einzelnen Sportgeschäften). Mountain Bike Holidays Hotels • Hotel Hubertus in Mellau www.hotel-hubertus.at • Hotel Adler in Au www.adler-au.at • Hotel Rössle in Au www.roessle-au.at Road Bike Hotels • Hotel Bären in Mellau www.baerenmellau.at • Hotel & Wirtshaus Gämsle in Schoppernau www.gaemsle.at Mountainbike Package: siehe Seite 56

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Die Gratwanderung Eine gemeinsame Wanderung auf einen Berg, zu ­dessen Gipfel ein schmaler Grat führt, bringt die Beteiligten einander rasch näher und jeder Einzelnen Einblicke in die eigene Persönlichkeit

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Hinter mir höre ich meine Freundinnen zu mir aufschließen …

Für vier Schulfreundinnen, durch Leben und Zeit auf Distanz zueinander gebracht, wird eine gemeinsame Wanderung auf die Winterstaude zum Erlebnis, das die alte Vertrautheit aus Schultagen wiederbringt Vor uns liegen die letzten beiden Abstiege des sogenannten „Hasenstricks“, und damit der Höhepunkt der Wanderung. Links stürzt eine Felswand in die Tiefe, rechts fällt eine Wiese ab, ebenso steil wie die Felsen. Jetzt ist höchste Konzentration gefordert. Ich bleibe stehen, um den Blick zum heutigen Tagesziel, dem Gipfel der Winterstaude, zu heben. So mystisch habe ich diesen Berg, der mir doch seit meiner Kindheit vertraut ist, noch nie erlebt. Dort, wo man sonst von Schetteregg aus über das hügelige Alpenvorland bis nach Deutschland sieht, hängt jetzt eine dicke Nebelwand. Der Nebel steigt aus dem Kessel zu unserer Linken auf, ein leichter Wind von rechts treibt ihn wieder in den Kessel zurück. Es sieht aus wie eine Welle, die unentwegt bricht, aber sich nicht vorwärts bewegt. Hinter mir höre ich meine Freundin-

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nen zu mir aufschließen. Wir sind vier junge, wandererfahrene Frauen und trittsicher. Trotzdem machen der leichte Nebel und die steilen Abhänge des Grates die nächsten hundert Meter zum Nervenkitzel. „Positiv blieba, Moatla, es isch allat no ganga“, ermuntert Cathrin die Gruppe. Schon auf die morgendliche Anreise aus dem Rheintal haben wir uns gefreut. Wir vier, Natalie, Cathrin, Elisabeth und ich, kennen uns seit der Schulzeit. Doch

in den letzten Jahren haben sich Treffen auf die Weihnachtszeit beschränkt. Vom Leben in alle Himmelsrichtungen davongetragen, haben wir uns jetzt viel zu erzählen. In Bezau angekommen, fahren wir mit der Bergbahn zur Bergstation Baumgarten. Von dort wandern wir Richtung Winterstaude. Ohne Eile, schließlich haben wir uns den ganzen Tag für einander und den Berg Zeit genommen.


… Nebel und steile Abhänge machen die nächsten hundert Meter zum Nervenkitzel reisemagazin bregenzerwald · 15


Der erhöhte Adrenalinspiegel wird uns die Wanderung im Gedächtnis halten … Schritt für Schritt bewegen wir uns auf unser Ziel zu. Mit jedem Schritt schütteln wir etwas mehr von unserem Alltag ab. Abseits der ständigen Hektik und der Pop-up-Nachrichten auf den Handys senken wir die Augen höchstens, um die nächsten Tritte sicher zu setzen. Ist unser Gang zu Beginn noch ungleichmäßig, stellt sich schnell ein Gruppenrhythmus ein: links, rechts, links, rechts. Ganz automatisch gleichen wir uns an, aus der Truppe wird eine Gruppe mit demselben Ziel. Der Weg schlängelt sich zuerst an der „Niedere“ entlang über Grashügel hinunter zu einem Geröllfeld. Am leicht bewölkten Himmel schafft es die Sonne doch immer wieder, sich durchzusetzen und unsere Gesichter zu erwärmen. Am Geröllfeld wartet die erste Aufgabe. Wir wollen ein Steinmännchen als Gruß für die nächsten Wanderer hinterlassen. Angeführt von Elisabeth, suchen wir Steine und balancieren sie aufeinander. Kein Wunder, dass sich immer mehr Teambuilding-Experten mit ihren Gruppen auf den Berg begeben. Pädagogisch wertvolle Gruppenaufgaben liegen hier am Wegesrand. Als wir mit unserem Steinmännchen zufrieden sind, geht es über den steilen Aufstieg von der Stongerhöhealpe hinauf zur

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Stongerhöhe. Zwischen den Schafen und Kühen, die hier grasen, bahnen wir uns den Weg zum Höhepunkt der Wanderung: dem Hasenstrick. Leichter Nebel zieht auf, die Felsen des Hasenstricks werden etwas rutschig. Beim Betreten des Grates durch das Drehkreuz ändert sich die Stimmung schlagartig. Vorher noch ausgelassen schwätzend, sind wir jetzt konzent-

riert. „Vorsicht Moatla, do vorne wird’s rutschig!“, melde ich meinen Freundinnen den Zustand des schmalen Pfades. Einen Schritt vor den anderen setzend, überqueren wir das schmalste Stück des Kamms. Dann halten wir an, um ein Naturspektakel zu bestaunen. Es spielt sich genau vor unseren Augen ab: Direkt am Grat spüren wir den feuchten Windhauch des aufsteigenden Nebels, ein paar nasse Kügelchen setzen sich auf unseren Haaren ab. Vorsichtig steige ich auf dem Hasenstrick hinunter. Mit der Linken halte ich mich am Seil fest, den Blick stets auf den etwa einen Meter breiten Grat vor mir gerichtet. Bislang ganz auf mich konzentriert, drehe ich mich in der Mitte des Grates zu meinen Freundinnen um: Alle haben die erste Hürde gut gemeistert. Auch beim zweiten Abstieg gibt es keine Zwischenfälle. Ich bin sicher, die durch den Nebel verursachte Stimmung am Grat und der durch die rutschigen Felsen erhöhte Adrenalinspiegel werden dafür sorgen, dass uns diese Wanderung im Gedächtnis bleibt. Schließlich lässt die Spannung nach, Erleichterung macht sich breit, und wir genießen den Moment. Den letzten steilen Anstieg zum Gipfel nehmen wir in einem gemeinsamen

Nach der Euphorie am Gipfel die Erinnerung an Jugendtage …


Aus der Luft gegriffen Tempo. Oben angekommen, geht eine Welle der Euphorie durch die Gruppe. Stolz widmen wir uns dem Gipfelbuch. Ein Aufstieg gilt ja erst wirklich durch einen ausführlichen Eintrag. Erinnerungen an Jugendtage kommen auf. Ein wesentlicher Unterschied zu damals ist unsere mitgebrachte Jause: statt Gummiwürmchen und Chips gibt es Äpfel und Nüsse, statt Limonade den mittlerweile obligatorischen Gipfelschnaps. Beim Abstieg zerstreut sich die Gruppe, wir verwickeln uns in Zweiergespräche. Und immer wieder lässt sich eine zurückfallen, in Gedanken versunken. Das Wandern mit Freunden macht es möglich, unsere Bedürfnisse in verschiedenen Konstellationen zu erfüllen. Auch persönliches Innehalten und das Suchen nach Stille haben auf dem Berg Platz. Das gemeinsame Wandern bringt einen zusätzlichen Vorteil: Die Stille wird von Atmen und Tritten begleitet, es gibt keine unbequemen Gesprächspausen. Das hält uns stets in der Gegenwart. Der Pfad erfordert Konzentration auf das Hier und Jetzt, lässt uns aber auch Spielraum. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich auf das, was vor und in uns ist: Sinneseindrücke, Gefühle und Gedanken. Die Berge, die in uns allen ein tiefes Heimatgefühl auslö-

sen, die Stille der Natur, unsere rhythmischen Schritte und das Körpergefühl des Wanderns lassen Gespräche schnell sehr persönlich und nachdenklich werden. In keinem Café der Welt würden wir so gut über unsere Gegenwart und Zukunft sprechen können. Am Abend auf einer Wiese auf dem Sonderdach neben der Mittelstation der Bergbahnen: Es dämmert, und wir vier sitzen im Gras, warten auf den Moment, da die Glut unseres Feuers heiß genug ist, um unsere vegetarischen Würstchen zu grillen. In der Vorfreude auf das Essen – Wandern macht hungrig! – lassen wir den Tag Revue passieren. Cathrin empfand besonders das Feuermachen als schönen Abschluss. Dazu wurden Aufgaben verteilt: Die einen waren fürs Holzsammeln und Feuerentfachen zuständig, die anderen suchten nach Haselnussruten für die Wurstspieße. Wir singen Lieder aus unserer Schulzeit und sind wohlig erschöpft. Noch am Vormittag ist eine über die Jahre gewachsene Distanz zwischen uns spürbar gewesen. Jetzt, am Ende dieses Wandertages, sind wir einander wieder nah. Jahrelang haben wir uns nur sporadisch gesehen, doch dieser gemeinsame Abend fühlt sich an, als wäre die Zeit für uns vor zehn Jahren stehengeblieben. Hannah Greber

Olympiasieger im Skispringen, Sportexperte und Unternehmer ­(www.­innauerfacts.at) – Toni Innauer aus dem Bregenzerwald

Luftgänger

Man braucht ein bestimmtes Alter, damit längst Vergangenes auf eine vertiefte Weise nachschwingen kann. Wenn Erinnerungsvermögen, Vorstellungskraft und Emotionalität noch intakt sind, scheint sich dieser Resonanzraum mit der Zeit zu vergrößern. „Im Wald“, umgeben vom markanten Dialekt, bekannten und gemochten Menschen, liegen für mich Geschichten zum Greifen in der Luft. Wie lebendig ist mir etwa der Besuch einer Lehrerin im elterlichen Gasthaus. Sie bedauerte mich halbwegs glaubwürdig, weil ausgerechnet ich in den brütend heißen Sommerferien von Dr. Fink einen Gips am rechten Unterarm verpasst bekommen hatte. Der Versuch, eine Astgabel für eine Steinschleuder von einem hohen Baum zu hacken, war schiefgegangen: Ich hatte die Tragfähigkeit des letzten, als Stand dienenden Ästchens überlastet, bzw. mein über den Winter offenbar gestiegenes Körpergewicht unterschätzt. Mit der Axt in der Hand, aber ohne die begehrte Astgabel, muss es dann aus luftiger Höhe rasant nach unten gegangen sein. Vom Flug habe ich – aus heutiger Sicht die Folge einer retrograden Amnesie durch die erlittene Gehirnerschütterung – keinerlei Erinnerung mehr. Der Film setzte erst wieder ein, als ich heulend und schwitzend und mit weggeknicktem, schmerzendem Unterarm die Leite aufwärts robbte. In einer warmen Sommernacht saß ich fünf Jahre später erneut auf einem Baum, diesmal aber auf einem dicken Ast. Drei Kilometer weiter und 700 Höhenmeter tiefer im Tal lief die Attraktion des Sommers. Ein Artist wollte, auf einem Seil balancierend, den Bezauer Kirchturm erklimmen. Ich hatte keinen Ausgang bekommen, um das ­Spektakel aus nächster Nähe zu erleben. Auf meinem Hochsitz war es „stierdunkel“. Im Bildausschnitt von Vaters Fernglas zitterte der schwach beleuchtete Turm. Vom verzerrten Lärm aus dem Lautsprecher verstand ich kein Wort und auf der Kirchturmspitze konnte ich niemanden erspähen. Dass ich nichts versäumt hatte und viel Lärm um nichts gemacht worden war, berichtete man mir am nächsten Tag: „Das Seil ging nur bis zur Höhe des heiligen Jodok über dem Eingangsportal und nicht einmal dort ist er hinaufgekommen ...“

Gemeinsam am Feuer erscheint die Zeit wie vor zehn Jahren stehengeblieben reisemagazin bregenzerwald · 17


Moor, Teich, Sommer, Sterne

Das Moorbad Oberköhler in Sulzberg ist ein idyllischer, natürlicher Moorweiher unweit der Sulzberger Dorfmitte. Er verbindet Sippen und Generationen und setzt sich, frisch renoviert, auch gegen Freibäder durch Kaum ein Sulzberger Kind, das in den schwarzen Wassern des kleinen Sees nicht schwimmen gelernt hat. Kaum ein Teenager, die hier nicht seine ersten aufregenden Stunden unterm Sternenhimmel verbracht hat. Seit Jahrzehnten ist das Moorbad Oberköhler ein Rückzugsort für alle, die für den Spielplatz zu alt und fürs Gasthaus noch zu jung sind. Anders als in anderen Orten mit natürlichen Moorbädern gab es in Sulzberg nie Pläne, den Naturteich, dessen Wasser sich aus einem höhergelegenen Hochmoor speist, touristisch zu erschließen oder ihn in eine private Hotelanlage einzugliedern.

Dafür verbinden hier die Erinnerungen an unbeschwerte Schwimmnachmittage und verträumte Sommernächte die Generationen von Kindern, Eltern und Großeltern. Etwa Karin Dorner und ihren Sohn David: „Natürlich habe ich im Moorbad Oberköhler schwimmen gelernt. Denn ein leicht erreichbares Freibad gab es damals noch nicht. Die Weißach unten im Tal war für uns Kinder zu weit weg“, erinnert sich Karin, Jahrgang 1951. Ihr Sohn David, Jahrgang 1976, ergänzt: „In meiner Jugend war das Moorbad der abendliche Treffpunkt für alle Jungen, vom sommerlichen Lagerfeuerabend bis zum Klassenabschlussfest. Hier am See waren wir nie weit weg von zu Hause und dennoch immer unter uns.“ Der kleine See ist auch ein Treffpunkt für die drei Sulzberger Sippen: Süd-Sulzberger, Nord-Sulzberger und „Dörfler“. Mutter und Sohn lachen: Ja, diese Unterscheidung nach Hang- und Sonnenlage gibt es hier tatsächlich. Die beiden sind auf der Schattenseite des Dorfes aufgewachsen. Dort erfasst

Generationen von Sulzbergern haben im Moorteich Schwimmen gelernt

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Moore und Wasser Bizau – Wo Wasser an den Zehen kitzelt Im oder am Ulvenbach können Besucher über eine Strecke von rund 1 km barfuß wandern, die natürliche Bild- und Tonkulisse des Baches auf sich wirken lassen und seltene Pflanzen bestaunen. www.bizau-bregenzerwald.com

Der Moorteich ist ein Treffpunkt für die drei „Sulzberger Sippen“ der Blick Richtung Norden nicht mehr den Bregenzerwald, sondern die sanfte Hügellandschaft des Allgäus. Hier liegt der Hof, den die Familie bereits in vierter Generation gemeinsam bewirtschaftet. „Man traf als Jugendlicher im Moorbad Oberköhler immer auch welche, mit denen man sonst nicht viel zu tun hatte. Das trägt bis heute positiv zum Dorfleben bei“, sagt David. „Der Eintritt war immer frei. Es gab nie strenge Regeln, was man tun darf und was nicht“, erinnert er sich und grinst: „Wir waren dennoch immer ziemlich vernünftig.“ Den ersten Umbau erlebte der kleine Moorsee Ende der 1960er Jahre: Damals fasste man einen Teil des Gewässers mit einer Betonmauer ein, eine Holzhütte diente zur Umkleide und als Toilette. In den 1990er Jahren sei die Beliebtheit des Teichs etwas zurückgegangen, erzählt Karin Dorner: Neue Freibäder im Umland machten dem schlichten Moorsee Konkurrenz. 2016 beschloss die Gemeinde, das Moorbad Oberköhler zu renovieren und den Badeteich nach Plänen des Büros „Landrise“ und des Architekten Edgar Höscheler behutsam neu zu gestalten. Auch der Sulzberger Jugendrat war von Anbeginn an dabei. Am Umbau, den 2018/19 zahlreiche ortsansässige Firmen vornahmen, war auch David Dorner beteiligt – als alter Moorbad-Kenner und Teil der Ober­ köhler-Arbeitsgruppe.

Rechtzeitig zu Beginn der Badesaison wurde im Sommer 2019 alles fertig: Ausgestattet mit einem neuen, naturbelassenen Uferbereich, einer tiefen Schwimm- und einer flachen Kinderzone sowie mit Umkleidehäuschen und einem neuen Grillplatz hat das Moorbad Oberköhler eine Renaissance erlebt – und die nächste Generation Sulzberger Kinder. „Meine beiden Töchter“, sagt David Dorner, „die dreizehnjährige Ida und die zehnjährige Lea, sind im Sommer eifrige MoorbadBesucherinnen ­geworden!“ Babette Karner

Krumbach – Lebensenergie im Moor Weshalb dienen Moore auch dem Klimaschutz? Welche Pflanzen und Tiere finden wir im Moor? Und wie gewinnen wir Lebens­ energie? Die MoorführerInnen begleiten die Gäste mit lebendigem Wissen und spannenden Geschichten. Geheimtipps: Moorwanderung zwischen 6 und 8 Uhr morgens Angebote: Moorwanderung und Frühstück, Geführte Moorwanderungen www.krumbach.at Langen – Witmoos Europaschutzgebiet Die größte Besonderheit des Natura 2000Gebietes ist das ursprüngliche Spirken­ hochmoor. Dieses stellt gewissermaßen den „Ur­zustand“ der Langener Moore dar, bevor diese durch Torfabbau, teilweise Entwässerung und Streuenutzung großflächig verändert wurden. Gemeinsam mit den ausgedehnten „Moos­wiesen“ im Westen ist das Witmoos Standort vieler seltener und teils vom Aus­ sterben bedrohter bzw. stark gefährdeter Lebensraumtypen und Arten. www.langen.at Riefensberg – Barfuß-Parcours Auf dem Barfuß- und Fitnessparcours kann man an 22 Stationen Koordination, Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit trainieren. www.riefensberg.at Sibratsgfäll – Moorbad Mitten in der Natur finden sich eine Wassertrete, zwei Moorbecken und ein Natur-Wasserbecken zum Schwimmen (Juni bis Ende Sept.). www.sibra.at Sulzberg – Moorbad Oberköhler Nicht nur zum Schwimmen lädt dieser idyllische Platz am Waldrand ein, sondern auch zum Kneippen (Wassertreten), Spielen, Grillen (öffentliche Grillstelle) und Verweilen. Der Schwimmbereich hat Tiefen von 0,5 bis 2 Meter und ist also auch für Kinder geeignet. Zur Einrichtung gehören auch ein Umkleidebereich mit WC und Parkplätze. Öffnungszeiten: Juni bis Ende September www.sulzberg-bregenzerwald.com

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Vom Sennen und Singen Der Autor lebt das Jahr Ăźber in Wien. Bis auf die Tage, die er beim Sennen auf einer Alpe im Bregenzerwald verbringt. Diesmal ist auch Astrit aus dem Kosovo dabei

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Anton Sutterlüty beim Sennen auf der Alpe Untere Falz im Bregenzerwald. Das Ergebnis, den fertigen Käse, lagert er in seinem Keller in der Wiener City

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Astrit wird von den Bregenzer­wäldern auf der Alpe Untere Falz „Asterix“ genannt. Sie können sich unter seinem Namen einfach keinen Mann vorstellen … „Abarlong“. Ob die Kühe heute gut „abarlond“? Ich bin gerade am Computer gesessen, habe meine Buchhaltung gemacht, Rechnungen geschrieben, verschickt, und auch welche überwiesen. Nun liege ich auf der Couch, es ist Abend, aber noch hell. Der Tag war heiß und schwül, gegen halb sieben sind dunkle Wolken über den Häusern der Stadt aufgefahren und ein heftiger Regenguss hat eingesetzt. Die frischere, feuchte Luft hat etwas Entspannung gebracht. Auf der Couch liegend bemerke ich, dass ich überlege, ob der Regen vom Zeitpunkt her noch vor dem Küheholen z’Alp eingesetzt hat, weil nämlich die Kühe an schwülen Tagen viel besser „abarlond“, wenn der Regen sie noch erwischt, bevor sie in den Stall kommen. Auch Kühe entspannen sich, wenn die Luft frischer wird. Entspannte Kühe geben ihre Milch lieber her als Kühe, die von der Hitze und von den Bremsen genervt die Schwänze hin und her schlagen. Nein, es wäre schon zu spät gewesen, um sechs sind die Kühe bereits angebunden an ihren Plätzen. Draußen sehe ich wieder die Häuser und die Straßen des 9. Wiener Gemeindebezirks. Dennoch denke ich ans Worterklärungen Abarlong: guten Milchfluss haben abarlond: lassen die Milch gut fließen z'Alp: auf der Alpe Intua: in den Stall treiben Seagen: Sennsuppe, Molkeneiweiß Käsfische: Reste, die beim Käseauszug im ­Kessel zurückblieben Nachfahrt: Nachdem der letzte Käse aus dem Kessel geholt wurde, bleibt noch ein Rest von Käse, der beim Auszug nicht erwischt wurde, im Kessel. Dieser wird als Nachfahrt noch herausgeholt und zum letzten Käse dazu gepresst. lochig: paarungsbereit Vorsäß: Weide mit Hütte zwischen Tal und Alpe

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Auch sie folgt dem eigenen Tagesrhythmus auf der Alpe … „Intua“ und der Platz vor dem Stall, an dem immer der Stecken lehnt, ist plötzlich ganz klar und nah vor meinem Auge. Mir wird bewusst, wie weit die zwei Welten, Stadt und Alpe, in der Realität auseinanderliegen, wie eng sie aber doch in meinem Inneren verbunden und gleichzeitig sind.

Singen. Von 1999 bis 2003 nahm ich Gesangsunterricht. Nach den ersten paar Stunden merkte ich, dass mich nicht unbedingt das Liedersingen interessiert. Was aber wollte ich vom Singen? Ich nahm mein Inneres, mich selbst, immer als sehr abgeschlossen von der Welt wahr. Da war ich und dort war die Welt. Natürlich wusste ich, dass ich in dieser bin, aber die Verbindung war mir vollkommen unklar. Jahre zuvor hatte ich einmal bei einem Winterspaziergang in der Abenddämmerung begonnen zu singen, immer lauter, bis der Gesang von den Bäumen widerhallte und gleichzeitig mich selbst ganz ausfüllte. Die

Verbundenheit, die ich in diesem Moment gespürt hatte, war das, was ich im Grunde suchte. Mein Lehrer Wolfgang Dangl entwickelte eine Form der Improvisation mit mir, bei der die Aufmerksamkeit dem eigenen Körper gegenüber zum Ausgangspunkt für den Gesang wurde. Die Wahrnehmungen, die ich dabei machte, mündeten in einen Ton, einen Gesang. Und dieser Ton, dieser Gesang, veränderte das Gefüge im Inneren, und diese Veränderungen im Inneren veränderten wiederum den Gesang. Oder er hörte auf und begann wieder von neuem. Das Singen wurde für mich immer mehr zu einem Zustand der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung von Bewegungen im Inneren und Äußeren. Der Gesang ließ sich niemals wiederholen. Gefiel mir einmal, was ich sang und wollte ich das nächste Mal damit fortfahren, merkte ich, dass sich das nicht machen ließ. Es war nicht das Gleiche. Jeder Moment ist so voll


kleinster Bewegungen, die ihn ausmachen, dass aus der Aufmerksamkeit für diese Bewegungen ein Gesang entsteht, der in diesem Moment passend ist und sich richtig anfühlt. Ich machte die Erfahrung, dass jeder Moment seine eigene Schönheit hat, sei er nun leicht oder schwer, traurig oder freudig. Selbst der Moment der Verzweiflung, der seinen Ton findet, wird zu etwas Stimmigem. Der Ton ist, wenn er glückt, immer eine Überraschung. Er geschieht, ohne dass ich ihn mir ausdenken kann.

Sennen. Die Erfahrungen, die ich

beim Singen machte, verwoben sich im Laufe der Jahre immer mehr mit den Erfahrungen, die ich beim Sennen machte. Z’Alp gibt es einen täglich gleichen Rhythmus, der vom Weiden der Kühe, dem Melken und dem Käsemachen bestimmt wird. Innerhalb dieses Rhythmus ist aber jeder Tag auch anders. Die Milch ist jeden Tag anders, abhängig vom Wetter und dem Futter der Kühe. Ich arbeite beim Sennen mit Gebsen, also Holztrögen. Milch, die am Abend gemolken wird, schütte ich frisch und kuhwarm in die Gebsen, damit sich über Nacht die

Milchsäurebakterien, angeregt durch die Bakterienkultur, die sich im Holz der Gebsen bildet, entwickeln können. Am Morgen habe ich dann eine vorgereifte Milch. Von der schöpfe ich erst den Rahm für die Butter ab. Dann kommt die vorgereifte, entrahmte Milch in einen Kessel und wird dort mit der frischen Morgenmilch vermischt, um zu Käse weiterverarbeitet zu werden. Wenn das Wetter heiß ist, entwickeln sich die Bakterien schneller, als wenn es kalt ist. Diesen Prozess muss ich als Senn aufmerksam beobachten: Wie riecht und schmeckt die Milch am Morgen; welche Konsistenz hat der Rahm am Morgen; wie wird die Milch dick; wie verhält sie sich beim Schneiden; welche Farbe hat die Molke; wie schnell scheidet sich der Käsebruch von der Molke; wie schnell wird der Käsebruch nach dem Brennen rösch, also reif zum Ausnehmen; wie kommen beim Absennen der Bruch und der „Seagen“ …? Aufgrund der Wahrnehmung dieser Zeichen treffe ich meine Entscheidungen: Muss ich das Wachstum der Bakterien fördern oder bremsen? Jeder Senn, der mit Gebsen arbeitet,

entwickelt seine eigene Art, wie er die Balance in der Milch herstellt. Jeder hat seine Beziehung zur Milch und macht seine Erfahrungen, was funktioniert und was nicht. Zwei verschiedene Sennen können niemals denselben Käse machen, selbst wenn sie es versuchen wollten. Milch und Käse sind etwas sehr Lebendiges. Aus sehr vielen kleinen und kleinsten Bewegungen zusammengesetzt, die in jedem Moment etwas anders sind und sich immer neu zu dem entwickeln, was aus diesem Moment erwächst. Das Lebendige hat immer die Tendenz, sich zum Guten zu entwickeln – wenn man es lässt und ihm die gebührende Aufmerksamkeit schenkt. Mit den Jahren habe ich festgestellt, dass die gleichen Kräfte auf mich wirken wie auf die Milch und auch eine ähnliche Wirkung haben: Leichtigkeit und Schwere, Frische und Trägheit, Gereiztheit oder Entspanntheit.

31. Mai 2019. Wir sitzen am Tisch aus hellem Ahorn. Der ist unten am Bach gewachsen, auf den wir von der Küche aus hinunterblicken, und von einem der Bauern, denen die Alpe gehört, gefertigt worden. Dieser Tisch

… der natürlich ein ganz anderer ist als jener der Großstadt Wien, in der Anton Sutterlüty seinen Alpkäse lagert reisemagazin bregenzerwald · 23


hat als eines der wenigen Möbel einen Brand im Jahr 2004 unbeschadet überstanden. Gerade essen wir zu Mittag. Antonia, die Köchin, Alfred und Sefftone, die Küher, Astrit, der Untersenn, Manuel, der Unteruntersenn, und ich. Erst essen wir die Sennsuppe, Sefftone lobt sie. Antonia fragt, was ich mache, damit keine Käsfische drinnen sind.

seinen Verwandten anwenden kann, die zum Teil noch Kühe haben. Astrit und ich waren seit fünf Uhr früh in der Sennerei, Manuel ist etwas später dazugekommen. Er ist Serviceleiter im Wiener Restaurant Mraz und Sohn und wollte ein paar Tage mithelfen, den Käse zu machen, den er auf seinem Käsewagen den Gästen

Astrit, der Mann aus dem Kosovo, den sie auf der Alpe „Asterix“ nennen Ich antworte, dass ich nach der Nachfahrt immer noch einmal in den Kessel fahre, um den allerletzten Rest auch noch zu erwischen. Zwischen Manuel und Antonia rennt der Schmäh. Astrit, der zwar perfekt Deutsch spricht, aber vom Dialekt so gut wie nichts versteht, versinkt ein wenig in sich. Astrit ist Schauspieler. Einige Bauern waren so konsterniert, dass ein Mann „Astrit“ heißen kann, dass sie den Namen angesichts seines bärtigen Gesichtes nicht aussprechen wollten. Sie tauften ihn in „Asterix“ um. Astrit stammt aus dem Kosovo. Er ist mit Kühen aufgewachsen. Bei einem Besuch in meinem Wiener Käsekeller hat ihn etwas Ähnliches wie ein Alpendrang erfasst. Ob er auch einmal mit auf die Alpe kann, um mir beim Käsemachen zu helfen? Und dabei etwas zu lernen, das er dann im Kosovo bei

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kredenzt. Währenddessen haben ­Alfred und Sefftone ihre Arbeit mit den Kühen erledigt und Antonia die ihre im Haushalt. Sefftone ist Anfang siebzig, pensionierter Zimmermann, der immer auch Nebenerwerbsbauer war. Mein Vater hat einmal von ihm eine Kuh gekauft, mit der wir sehr zufrieden waren. Jetzt ist Sefftone den dritten Frühling als Küher dabei. Alfred, Anfang dreißig, ist Biobauer mit neun Kühen. Sie sind mit uns auf der Alpe Untere Falz. Er ist zum fünften oder sechsten Mal mit dabei. Antonia, Ende siebzig, geht seit ungefähr 15 Jahren im Frühling mit auf die Untere Falz, ist Älplerin durch und durch. Jedes Jahr wieder freuen wir uns auf die gemeinsame Zeit. Sie hat viel Humor, weiß mit jedem etwas zu reden und hilft so dem bunten Haufen, zusammenzufinden. Alte Geschichten

verbinden mich mit ihr: Ihr Vater hatte in Andelsbuch einen Stall voll Ziegen, darunter auch einen Ziegenbock, zu dem wir immer gingen, wenn eine unserer eigenen zwei Ziegen „lochig“ war. Für uns Kinder war das ein Abenteuer. Wir nahmen die Ziege am Strick und machten uns auf den Weg. Dabei mussten wir auf dem Andelsbucher Feld durch zehn Stacheldrahtzäune. Der alte Herr Gmeiner mit dunklem Bart und einem Stall voll Ziegen war uns ein wenig unheimlich. Wir waren froh, wenn der Bock seine Aufgabe möglichst schnell erledigte und wir wieder gehen konnten. Antonia war irgendwann in den 1950er Jahren als 14-Jährige für ein paar Wochen im großen, akkurat und streng von meiner Großmutter geführten Haushalt beschäftigt und erzählt, wie viel sie in dieser kurzen Zeit von meiner Großmutter lernen konnte. Am Nachmittag kommt Besuch: meine Frau und die Kinder, Astrits Frau und Sohn aus Wien und Frau Caze aus Berlin. Frau Caze, eine Berliner Möbeldesignerin, die ihre Möbel bei Anton Mohr in Andelsbuch fertigen lässt, habe ich bei der „Cheese Berlin“ kennengelernt, einer Käsemesse für Rohmilchkäse aus kleinen handwerklichen Betrieben. Die Frauen und die Kinder beleben für die nächsten paar Tage den Platz vor der Hütte, der der Winterstaude und dem Bullersch zugewandt ist. Am Nachmittag, nach getaner Arbeit, gesellen wir uns auch gern dazu, bis es Zeit wird zum „Intua“. Meine Alpzeit dauert nur zwölf Tage. Die Kühe werden für diese kurze Zeit im Mai bis Anfang Juni auf die Untere Falz getrieben, um das erste Gras abzuweiden. Dann gehen sie in die Egger Vorsäße Rehenberg, Eggatsberg und Hammeratsberg. Während der Vorsäßzeit wächst das Gras auf der Alpe nach. Anfang Juli kommen die Kühe für die Hauptsaison wieder hinauf. Da ist dann aber ein anderer Senn am Werk. Ich widme mich in Wien wieder meiner Firma „Anton Macht Ke:s“. Meine Alpzeit ist zwar etwas zu kurz, aber im Grunde bin ich froh, dass ich danach wieder gehen kann, damit die Geschichten nur verbinden und nicht verwickeln.


leider geschlossen, was ich sehr bedaure. Die ältesten Laibe in meinem Keller sind vier Jahre alt und haben eine ausgeprägte Kristallstruktur entwickelt. Auf den Märkten, auf denen ich den Käse verkaufe, biete ich ihn in sieben verschiedenen Reifegraden an. Jeder Reifegrad ist eine Momentaufnahme von ein und demselben Käse, und in jedem Moment hat dieser etwas Spezifisches zu bieten. Wenn die Menschen, die zum Käsestand kommen, von den aufgereihten Kostproben probieren, merken sie, welcher Käse gerade der richtige für sie ist. Passt so. Anton Sutterlüty

G’hörig Wälderisch

Reifung. Im sogenannten „Kipferlhaus“, einem mittelalterlichen Haus hinter dem Stephansdom, in dem der Legende nach zur Zeit der zweiten Türkenbelagerung das Kipferl erfunden wurde, wie die Wiener sagen – Vorarlberger nennen es „Gipfele“ –, habe ich meinen Käsekeller. In ihm lasse ich Käse, der jung nach Wien kommt, reifen. Dort liegen Laibe von der Unteren Falz, vom Vorsäß Rehenberg, von der Sennerei Mühle in Egg, von der Sennerei Kriechere in Bezau und auch noch einige Laibe von der Sennerei Hof/ Meßmerreuthe in Egg. Kriechere und Hof/Meßmerreuthe haben inzwischen

Birgit Rietzler, Dichterin im Bregenzerwald, stellt typisches „Wälderisch“ vor

Im Hohsummr Im Hochsommer Im Hohsummr trinkt ma Holdr-Saft und easst ­Hodlbeer-Muos.

Im Hochsommer trinkt man Holundersaft und isst Heidelbeermus. Winn as schüa ischt, lond Buro und Motorrädlar eare Kärra schnello.

Wenn’s schön ist, lassen Bauern und Motorradfahrer ihre Karren rattern. Alle sand drean as wia d’ Flutisch und d’ Höuschtäffl.

Alle freuen sich wie die Schmetterlinge und Grashüpfer. Bim Schaffo muss ma schwitzo, pfnäschto und pfnuso.

Beim Arbeiten muss man schwitzen, ­keuchen und schwer schnaufen. Am Undrats gaut ma is Schweammbad, a d’ Ah odr an an Plunta.

Am nächsten Tag geht man ins Schwimmbad, an die Ache oder einen Teich. Döt git as schöa Motla, Mugga, Briama und W ­ assrflöh.

Dort gibt es schöne Mädchen, Mücken, Bremsen und Wasserflöhe. So kriagod atol do Glaarar, an Sunnobrand odr an Hufo Biißbüggl.

So bekommen manche Stielaugen, Sonnenbrand oder viele Mückenstiche. Abr d’ F üaß wedod subr und do Häcklar woochat as uf.

Aber die Füße werden sauber und alter Schmutz löst sich auf. Winn as schwaaz kunt, muss ma gnot d’ Ise butzo.

Wenn es „schwarz kommt“ (ein Gewitter naht), muss man schnell flüchten. För ’s Hohwassr hat ma Karfritags-Oiar i do Nahtkäschtleschublad.

Gegen Hochwasser hat man Karfreitagseier in der Nachtkästchenschublade. „‚Bathlomä bringt a Krätle voll Schnee“, hat ma frühor gset.

Hl. Bartholomäus (24. 8.) bringt ein Körbchen voll Schnee, hat man früher gesagt. Do Summr künnod ou andr Heilige ghörige Pflänz hea.

Im Sommer können auch andere Heilige gehörige Marotten haben.

Anton Sutterlüty vor seinem Käsekeller in der Wiener Innenstadt reisemagazin bregenzerwald · 25


Werkzeug eines Dichters Der Philosoph Peter Natter nimmt sich im Bregenzerwald ein Buch vor und liest es mit Blick auf seine unmittelbare Umgebung. Diesmal: die „Duineser Elegien“ von Rainer Maria Rilke Wofür es gut ist? Das ist nicht die Frage. Warum Poesie, warum im Bregenzerwald? Weil es ums Echte geht und um den unverstellten Blick. Den hat der Dichter als der tatsächlich Kreative und Innovative. „Tatsächlich kreativ“ statt nur „scheinbar originell“ nenne ich ihn, weil er nicht im leeren, wertfreien Raum agiert, weil er sich weder von Licht blenden noch von Schatten einlullen lässt und weil er Tatsachen, also Werte schafft, stiftet, wie man das einmal genannt hat. Ich möchte das verstanden wissen als Gegenströmung und Gegengewicht, als Ausgleich zu all dem bloß Aufgesetzten, das so viel oder wenig hergibt wie eine aufgenähte Jackentasche im Vergleich zu einer richtigen, in der auch etwas Platz hat. Zur Erklärung: Ich bin aufgewachsen mit und trage immer noch Hosen mit richtigen Hosentaschen, in denen ein Sackmesser Platz hat, ein Sacktuch sowieso, und dies und das, was zu finden war und ist auf dem Schul- als Lebensweg: Steine, Holzstücke, Münzen, Regenwürmer oder ein frech gepflückter Apfel, eine Birne vielleicht, nicht gerade aus Havelland, aber doch köstlich, weil ein bisschen gestohlen. Wo sonst? Was sonst? möchte ich fragen, und schon sitze ich mit dem unvermeidlichen Buch in meinem Großdorfer Refugium. Um mich herum Bregenzerwald pur und mit mir reine Literatur: Lyrik. Dennoch ist es oft ein weiter Weg bis zum Naheliegenden. Vieles muss weggeschaufelt, umgegraben, abgetragen werden, bis zum Vorschein kommt, was (Tat-)Sache und wesentlich ist. Konkret bewerkstellige ich diese Distanznahme durch einen kleinen Rückzug, eine Auszeit, 24 Stunden, nicht mehr und nicht weniger. 24 sparsam, aber exquisit verproviantierte Stunden, die es in sich haben, in denen nur eines zählt, ohne Ablenkung, ohne Gschaftlhuberei,

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ohne Nebenschauplätze. Das auch deshalb, weil die gestellte Aufgabe, einen schönen Text zu schreiben, all das nicht mag, nicht verträgt, wenn ich genau und ehrlich bin. Genau das ist die erste Lektion, die mir Rainer Maria Rilke (1875–1926) erteilt: „Ich lüge woanders, aber nicht hier, vor mir selbst.“ Müssen wir allein sein, um wenigstens theoretisch dem Lügen zu entgehen? Es schaut ganz so aus. Apropos Lüge: In Rilkes Gedicht „Jetzt reifen schon die roten Berberitzen“ ist die Rede von einer Welt, in der uns alles anlügt. Auch die Authentizität einer Region hängt daran, ob es ihr gelingt, ehrlich zu sein mit uns, wahrhaftig und sich selbst gerecht zu werden – was etwas völlig anderes ist, als selbstgerecht zu sein. Nun zur Sache: „Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen?“ So setzt Rainer Maria Rilkes Gedichtzyklus der Duineser Elegien ein. So hebt dieser Gesang an, der in den 1910er und 1920er Jahren über einige Jahre hinweg entstanden ist. Ihren Namen verdanken sie dem Schloss Duino bei Triest, in dem Rilke 1912 als Gast der Gräfin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe weilte und sich zumindest von der Muse ausgiebig küssen ließ. So entstand die erste Elegie. Weil Rilke und wohl auch die Gräfin sahen, dass es gut war, folgten im Lauf der Jahre neun weitere. Wer ihn hört, fragt der Dichter. Niemand hört dich, lautet die Antwort, sonst gäbe es die zehn Elegien nicht. Auch mich hörte hier und jetzt niemand, nicht nur akustisch. Ich schreie auch nicht. Selbst mit dem Erhören ist es nicht weit her, aber das ist eine andere Sache, und an dieser Stelle noch nicht unser Thema. Lyrik ist schon eher unser Thema und damit auch die Vorurteile, die ihr begegnen, nicht zuletzt in einer Region des Schaffens und Handwerkens: für nichts gut zu sein als für sich selbst oder für den Lyriker, den weltfremden, weltfernen Dichter, dem die Welt ebenso abhandengekommen ist wie er oder sie ihr. Wo es so einfach ist: Ich brauche die „Duineser Elegien“ nur aufzuschlagen, irgendwo, und schon bin ich zu Hause,

nicht nur in Großdorf, nicht nur im Bregenzerwald: zu Hause in mir, in der Welt. Vor Jahren habe ich den Versuch gemacht, sie auswendig zu lernen. Ein schönes Stück weit bin ich gekommen, immerhin fast bis zur sechsten. Manchmal frage ich mich, was geblieben ist von diesem Tun. Verdichtungen sind geblieben. Verknüpfungen von Orten und Zeiten, wenn mir auf dem Gang zum Bäcker oder an einem Bahnsteig Verse in den Sinn kommen, die ich dort vor mich hin und in mich hinein und gleichzeitig in die Welt hinaus gemurmelt habe: „Liebende könnten, verstünden sie’s, in der Nachtluft wunderlich reden“ (zweite Elegie). Oder: „Fänden auch wir ein reines, verhaltenes, schmales Menschliches, einen unseren Streifen Fruchtlands zwischen Strom und Gestein.“ (ebd.) Was mich motiviert, den „Duineser Elegien“ meine Wald-Auszeit zu widmen, ist nicht zuletzt die Haltung des Dichters seinem eigenen Werk und sich selbst gegenüber. Ich will diese Haltung die Werkzeug-Haltung nennen. Es ist eine Verbindung aus hervorragender Meisterschaft, quasi handwerklich-technischem Können einerseits und Inspiration, Demut, Überantwortung andererseits. Da ist er dann wieder, mein Bregenzerwald: „Treten Liebende nicht immerfort an Ränder, eins im andern, die sich versprachen Weite, Jagd und Heimat“, steht in der vierten Elegie. Ein Rand, der gleichzeitig Heimat ist: Man muss nicht unbedingt ein von Ernst Steininger gemaltes Porträt des exemplarischen Bregenzerwälders Franz Michael Felder täglich vor Augen haben, um hier an unseren Dichter zu denken. Aber wenn man’s hat, ist es auch gut. In meinem Großdorfer Hüsle gibt es ein weiteres Felder-Porträt des originellen Bregenzer Künstlers, so unscheinbar wie unübersehbar platziert und wirkend. Mein Bregenzerwald ist ein Ort und Hort der Werkzeug-Haltung: Das Sinnliche steht neben dem Sozialen und dem Spirituellen, das Handwerkliche neben dem Mystischen. Alles hat seine Zeit und vielleicht noch mehr: seinen Raum und seine Sprache sowieso. Peter Natter


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Aus dem Wald in die Sterne

Den Mond vor dem Auge: Paul Baumgartner an seinem Teleskop in Krumbach

Eine Sternwarte im Bregenzer­wald? Noch ist es nicht so weit. Aber in den Himmel kann man hier jetzt schon mit einem starken Teleskop schauen: aus Paul Baumgartners Sternbeobachtungs­station in Krumbach Auf einem Hügel in Krumbach steht eine Holzhütte, vier mal vier Meter groß. Das Giebeldach liegt auf Rollen. Schiebt man es zur Seite, kommt ein großes Fernrohr zum Vorschein. Es gehört Paul Baumgartner. Er fühlt sich privilegiert, die Milchstraße mit freiem Auge sehen zu können, was Großstädtern wegen massiver Lichtverschmutzung nicht möglich ist. Auf Wunsch öffnet er sein Sternenhäuschen, organisiert Vorträge und verkauft in seinem Laden „Himmelklar“ am Krumbacher Dorfplatz Teleskope, Comics, ScienceFiction und Sachbücher. Paul Baumgartner kam in Wien zur Welt, erlebte die Kindergartenjahre in Moskau, die Volksschulzeit im Hatler­ dorf (Dornbirn) und in Wien und zog als junger Mann nach Mödling, wo seine Großmutter herkam. Es ist kompliziert. Vielleicht sollte man es so erzählen: Paul Baumgartner wurde auf dem Planeten Erde geboren und machte gerade eine Buchhändlerlehre, als sein Freund am Dachboden von Großvaters Haus das Zielfernrohr von einem Jagdgewehr fand. Damit fuhren die Buben auf die Perchtoldsdorfer Heide, ließen sich im Federgras unter Föhren nieder, spähten durch das Rohr und entdeckten in weiter Ferne den Flughafen in Schwechat. Waren das etwa Gepäckwägelchen? Unglaublich. Als es dämmerte, richtete Paul das Fernrohr auf den Himmel. „Schau, da ist ein Stern, der hat so einen komischen Ring.“ Natürlich wusste er vom Saturn, aber wenn er die Ringe selbst mit diesem alten Gerät sehen konnte, reisemagazin bregenzerwald · 29


Paul Baumgartner, Astronom. Seine Sternwarte in Krumbach sieht wie einer der ­Stadel hier aus, nimmt also die bäuerliche Tradition auf … was war dann noch möglich? Wild entschlossen kaufte er sich mit dem Lehrlingsgeld sein erstes Teleskop und trat dem Astronomieverein bei. Die Leidenschaft, Himmelskörper zu beobachten und zu fotografieren, ließ ihn nie wieder los. Mit Mond, Mars, Jupiter und Saturn fing es an. Später fand er DeepSky-Objekte: Plejaden, die Galaxie Andromeda, Kugelsternhaufen, den Orionnebel. Paul half seinem Vater in dessen ITFirma aus. Er blieb dann in der Branche hängen, programmierte Webseiten, was er heute noch nebenbei tut, und lieferte Drucklösungen für Großraumbüros in ganz Österreich. Seine Ferien verbrachte er mit seiner Frau Martina, die in Wien in der Gemüsebranche arbeitete, jahrelang in Lingenau. Die beiden liebten den Bregenzerwald mit seinen Menschen und den Sternen. Der Traum, sich hier niederzulassen, wuchs. Drei Jahre suchten sie, dann konnten sie ein Grundstück in Krumbach kaufen. Zu ihrem Wohnhaus mit Gästezimmer errichteten sie eine kleine Sternwarte. Der damalige Bürgermeister Arnold Hirschbühl war ihnen stets eine Hilfe und empfahl einen Architekten aus dem Ort. „Es

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gibt viele Hobby-Astronomen, die sich fertige Gartenhütten aufstellen. Aber das, was Rene Bechter daraus machte, ist besonders.“ Ende 2015 übersiedelten die Baumgartners endgültig nach Krumbach. Zum Tag der offenen Tür „­Krumbach goht um“ bat Arnold Hirschbühl darum, die Sternwarte zu öffnen. Paul lachte. „Das interessiert doch keinen.“ Er täuschte sich gründlich. Fasziniert hören ihm die Menschen zu, wenn er erklärt, dass ein normaler Fotoapparat 28, sein Teleskop jedoch 4.000 Millimeter Brennweite hat, die sich auf 8.000 Millimeter verdoppeln lassen. Nun kommen Schulklassen und Kinder wünschen sich Teleskope zu Weihnachten. In die Sterne schaut man üblicherweise mit einem Auge. Als Paul ein Binokular auf ein Teleskop steckt, sieht er den Mond zum ersten Mal räumlich – eine umwerfende, neue Erfahrung. „Die Krater sind unglaublich!“ Paul hält auch außerirdisches Leben für wahrscheinlich. Nur nicht auf der Erde. „Unser nächster Stern Proxima Centauri ist 4,2 Lichtjahre entfernt. Ein Funksignal würde hin und zurück 8,4 Jahre brauchen. Die Raumsonde

Voyager 1, die 1977 losgeschickt wurde, hat erst jetzt unser Sonnensystem verlassen, obwohl sie mit 62 000 km/h fliegt. Das sind Distanzen, die wir nie bewältigen können. Wir sind auf der Erde gefangen.“ Das versucht Paul Baumgartner allen klar zu machen. Denn das Klima ändert sich. Zu diesem Thema hat er viele Bücher in seinem Laden. „Weil es so gut passt. Ja, es kann sein, dass Menschen auf den Mars fliegen. Aber das betrifft in zwanzig Jahren vielleicht drei Personen, die wahrscheinlich nie wieder zurückkehren. Wir haben nur diese Erde.“ Ein Hobby-Astronom schreibt dazu im Internet: „Je mehr Menschen bereit sind, ins Weltall zu schauen, um sich ihrer Situation auf der Erde bewusst zu werden, desto größer ist die Chance für die Menschheit, zur Vernunft zu kommen.“ Im August, wenn es Sternschnuppen regnet, bietet Paul gemeinsam mit Rangern aus dem Naturpark Nagelfluhkette eine Nachtwanderung in Sibratsgfäll an. Die Menschen kommen angesichts der Sternschnuppen aus dem Wünschen gar nicht mehr heraus. Auch Paul hätte einen – und er ist nicht der Einzige: „Eine Volkssternwarte, das wär’s. Wir sind ganz am Anfang. Wir reden erst drüber“, sagt er vorsichtig. Aber das Wort stand bekanntlich immer schon am Anfang. Irmgard Kramer

… und setzt sie als schlichtes, aber durchdachtes Gebäude im Stil der zeitgenössischen Vorarlberger Architektur um.


Der Architekt Rene Bechter hat das Gebäude entworfen. Das Teleskop der Sternwarte wird sichtbar, sobald das Dach zur Seite fährt reisemagazin bregenzerwald · 31


Foto: Moritz Sonntag

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Am Nachthimmel über dem Bregenzerwald sind die Sterne gut zu sehen. Hier herrscht kaum „Lichtverschmutzung“ der Atmosphäre wie anderswo, hier ist der Blick in den Sternenhimmel noch möglich reisemagazin bregenzerwald · 33


Ein Wald für Gentlemen Eine Fahrt in den Bregenzer­ wald von Bregenz aus: vorbei am besten Biobauern des deutschsprachigen Raums in Doren, an den Bushaltestellen in Krumbach und den Holzschuhen von Devich, zum Ernele und dem Frauenmuseum in Hittisau

Eine Grafik des im Bregenzerwald geborenen Künstlers Tone Fink

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Manchmal fahre ich von Bregenz in den Bregenzerwald, einfach so. Meistens nehme ich den Weg über Doren. Der beginnt in Bregenz mit der Langener Straße, unterhalb des Gebhardsbergs und des Känzele-Massivs mit seinem rosigroten Nagelfluh. In Doren, lese ich gerade, wirtschaftet der beste Biobauer des deutschen Sprachraums. Herr Lingenhel hat die Jury des Ceres – des Preises eines großen deutschen Agrarverlags – überzeugt, ja begeistert. „Dieser Landwirt ist immer am Ball, bildet sich fort, probiert Neues aus, ohne sich zu verrennen“, lobt ihn die Jury. Spielt er vielleicht sogar Fußball? Nein, kein Mittelfeldstratege, aber ein kluger Bauer. Er sei „nah am Verbraucher“ und jeder Winkel seines Betriebs sei vorbildlich gestaltet und „jederzeit vorzeigbar“. Ein kluges Kreislaufkonzept betreibe er, lobten ihn die deutschen Juroren. „Ein dunkles Holzschindelhaus, daneben einige Kühe, die unter knorrigen Obstbäumen grasen, im Hintergrund eine weite Bergkulisse samt blauem Himmel. Umso überraschender: Hier wird moderne, mutige Biolandwirtschaft betrieben.“ Ja, so überrascht kann nur sein, wer den Wald nicht kennt. Beim jederzeit Vorzeigbaren muss ich wohl nächstes Mal vorbeischauen. Heute habe ich ein Ziel, das ich noch


Alphabet des Waldes Der Bregenzerwälder Reinhard Johler lehrt am Ludwig-Uhland-­Institut für Empirische ­Kulturwissenschaft der ­Universität Tübingen

nie besucht habe, von dem mir aber allgemein vorgeschwärmt wird. Nein, ausnahmsweise nicht Krumbach. Obwohl ich keine Gelegenheit auslasse, diesen schönen Ort und seine vorausschauende Art der Kommunalpolitik zu loben. Aus dem Augenwinkel stelle ich fest, dass die Bushaltestellen dort weniger vom Landvolk bevölkert werden, das auf den Landbus wartet. Der verkehrt hier auch. Aber tatsächlich parken PKW an Bushaltestellen, deren Insassen die Details der Architektur besichtigen. Wo gibt’s das sonst noch auf der Welt? Meiner privaten Statistik zufolge führt übrigens die Stabskulptur des Japaners Sou Fujimoto. Keine Kunst, sie hat wohl die Lage mit dem schönsten Blick. Ich halte mich hier aber nicht auf, denn ich bin mit einer Freundin zum Essen unterwegs, nach Hittisau. Wie ich so fahre und meiner Begleiterin erkläre, dass wir uns auf der Vorderwaldroute befinden, die man als fitnessbewusster Mensch mit dem Fahrrad bewältigt, in Vor-E-Bike-Zeiten schwitzend und körperlich beansprucht, tut sich linker Hand ein unverhoffter Halt auf. Ein eleganter, flacher Bau, zwei Holzkuben ineinandergeschachtelt, mit großen Schaufenstern, davor ein voller Parkplatz. Elegant und attraktiv, das müssen wir uns ansehen. Klar. Die Holzschuhfirma Devich hat hier ihren Schauraum. Vor Jahren schenkte mir meine Schwester einmal solche ursprünglich für den Stall gedachten, mit Kuhfell überzogenen Holzschuhe, da ich ja auch auf dem Land wohne, teilweise zumindest, in Niederösterreich. Auf dem unebenen Boden meines Anwesens erwiesen sich die Dinger aber als etwas gefährlich. Der Knöchel! Als ich das im Schauraum erwähnte, hielt mir die freundliche Verkäuferin gleich den Beweis entgegen, was

die Evolution nicht alles bewirkt. Die einst steifen Holzsohlen sind längst beweglich geworden, haben eine Fuge aus Plastik bekommen, sodass sie sich dem Untergrund beinahe anpassen wie Gummisohlen, nur härter. Einem Einkauf meiner Begleiterin stand somit nichts mehr im Weg. Man kann nicht sagen, dass sich der Ausstellungsraum dagegen gesperrt hätte. Im Augenblick, als ich ihn betrat, wusste ich, hier werden wir etwas finden. Freundlich, luftig, holzig, elegant – Schuhe in allen Varianten, Stiefel zum Schlüpfen und zum Schnüren, Felle glatt und zottig, Schaf, Ziege und Kalb, pink und Natur, weiter hinten lachten attraktive Kuhfelle hervor, und nahe der Kassa nahm man noch einen handgeschnitzten Buttermodel mit. Ich wollte meiner Begleiterin das Frauenmuseum zeigen, aber das kam, so viel war jetzt schon klar, erst nach dem Essen. Das Ernele in Hittisau, der Zubau zum berühmten Hotel Schiff, ist natürlich wieder so ein Holzbau, aber keiner gleicht hier dem anderen, alle sind sie elegant, die alten wie die neuen. Der hier ist ein cooler Würfel, innen Glas mit Holzlamellen rundum, mit einem feinen Garten. Erna heißt die Mutter des Chefs, die alemannische Verkleinerungsform deutet in der landesüblichen Bescheidenheit darauf hin, dass es erst recht um Größeres geht. Größere Gastlichkeit, zum Beispiel. Ehe wir bestellen konnten, erblickten wir das Gesicht eines älteren Herrn, eines englischen Gentleman, wie nicht zu überhören war, als er sich mit dem Kellner unterhielt. Er sah aus, als gehöre er genau hierher, in dieses helle Ambiente aus Holz mit der e­ insehbaren Küche, und er sah nicht nur vornehm aus, sondern glücklich. Wir freuten uns über die Umstände und auf die Gerichte, die einen so aussehen lassen. Armin Thurnher

Jassen Nach dem Kirch- und Friedhofsbesuch sitzen die Männer am Stammtisch zusammen und spielen Karten. Dabei geht es turbulent zu. Der Spielverlauf wird wortgewaltig kommentiert. Knapp vor zwölf Uhr Mittag endet alles abrupt: zu Hause wartet das Mittagessen. Wer zu spät kommt, muss mit heftiger Kritik von Frau oder Mutter rechnen. Auch sie spielen Karten. Allerdings zu Hause oder beim Preisjassen in der Fastnachtszeit. Im Bregenzerwald ist wie im ganzen alemannischen Sprachraum das Jassen ausgesprochen populär. Seine Ursprünge werden in Holland vermutet. Nach Vorarlberg ist es im 19. Jahrhundert aus der Schweiz gekommen und wie dort schnell zum Nationalspiel geworden. Das Jassen ähnelt dem weiter östlich gespielten Watten oder Schnapsen. Aber es hat eigene Karten und Spielregeln sowie eine Vielzahl von Dialektausdrücken. Jassen spielt man im Bregenzerwald zu zweit, zu dritt, zu viert, manchmal auch zu sechst mitund gegeneinander. Man kann „Steigara“, „Krüzjassa“, „Schiebar“, „Goaß“ und „Bock“, die Kinder auch „Herzla“. Der finanzielle Einsatz ist meist nicht hoch, trotzdem wird um den Sieg mit allen erlaubten oder verbotenen Mitteln gekämpft. „Bschiessa“, etwa dem Nachbarn in die Karten schauen oder einander Zeichen geben, ist in den meisten Jasserrunden nicht gern gesehen, wird aber doch von vielen mit einigem Geschick praktiziert. Zum Jassen braucht man 36 Karten, die in vier „Farben“ aufgeteilt sind: Eichel, Herz, Schell und Laub. Von jeder Farbe gibt es neun Karten mit unterschiedlichem Rang und Wert. Absteigend sind dies As, König, Ober, Unter, Zehner, Neuner, Achter, Siebener und Sechser. Ein Zuschauer möchte die oft recht abgegriffenen Karten wegen ihrer illustrativen Gestaltung womöglich länger anschauen, doch die Spieler haben dafür keine Zeit. Sie schreien „Trumpf!“, „Buur!“ oder „Näll!“. Nach jedem Spiel wird das Ergebnis auf einem „Blöckle“ festgehalten. Jetzt müssten eigentlich die Spielregeln erläutert werden, aber die lassen sich beim Zuschauen am Tisch erlernen. Bloß eines: Sich nie in ein Kartenspiel einmischen!

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750 Jahre Schwarzenberg: Eine Gemeinde feiert Jubiläum! Vor 750 Jahren wurde Schwarzenberg erstmals urkundlich erwähnt. Im Schwarzenberger Jubiläumsjahr blickt die Gemeinde nach vorne, indem die Rückbesinnung auf die lange Geschichte dem Ort neue Möglichkeiten und Wege in die Zukunft weist. Die geplanten Feierlichkeiten sollen Spuren hinterlassen – sowohl in der Erinnerung der Teilnehmer und Gäste, aber auch in Form gesteigerter Nachhaltigkeit für die Gemeinde selbst. Das Programm für das 750-JahrJubiläum rückt deshalb insbesondere jene sozialen und ökonomischen Wertschöpfungsprozesse in den Fokus, die gleichermaßen Kunst, Kultur, Brauchtum, Lebensqualität, Gastlichkeit und Tourismus umfassen. Viele Schwarzenbergerinnen und Schwarzenberger brachten sich mit Verve und Elan ein, um ihre Gemeinde hochleben zu lassen. Wir laden Sie ein, mit uns zu feiern! www.schwarzenberg750.at reisemagazin bregenzerwald · 37


Gehen wir kuscheln? Das Kuschelhotel Gams ist neben der Kirche in Reuthe und ihrer Totenkapelle, einem Heimatmuseum und einigen anderen Objekten eine Station am Umgang Bezau. Der Autor ergeht hier auch einen Teil seiner eigenen Geschichte

Umgang Bregenzerwald Geführte Dorfrundgänge – Spaziergänge zu Architektur & Handwerk Mai – Oktober: dienstags und freitags um 9.30 Uhr an verschiedenen Orten Anmeldung bis 17 Uhr am Vortag im jeweiligen Tourismusbüro Information: www.bregenzerwald.at

Informationsmedien zum Umgang Bregenzerwald: Folder, Begleitbuch

Umgang Bregenzerwald in Bezau

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Wir spazieren durch das schöne Bezau und ich erzähle, dass ich hier meine Jugend verbracht habe. Wir gehen zur Kirche – und schon erblickt meine Frau mit ihrem geschulten Auge eine Infosäule. „Schau“, sagt sie, „ein Hinweis für den Umgang.“ Damit meint sie jenen Rundgang, der in den meisten Dörfern im Bregenzerwald eingerichtet wurde. Das Prinzip ist einfach: An jeder Infosäule, einer Stele mit Edelrost, gibt es Informationen zu jenem Gebäude, vor dem sie steht. Wir sind jetzt bei der Säule beim Kuschelhotel Gams in Bezau. Der Name ist hier auch für die Architektur Programm – durchaus einladend. „Gehen wir kuscheln?“, fragt mich meine Frau. „Brauchen wir dazu ein Hotel?“, frage ich zurück. Wir gehen weiter Richtung Oberbezau. Hier fällt mir ein altes Bregenzerwälderhaus neben einem modernen Holzhaus auf. Ziemlich typisch für die neue Vorarlberger Architektur, meine ich. Meine Frau schaut genauer. „Da gibt es Parallelen zum alten Haus“, meint sie. „Schau, die glatte Fassade, die Fensterbänder und schließlich so etwas wie den Schopf im Wälderhaus. Da haben die Architekten Helmut Dietrich und Much Untertrifaller auf die Tradition geschaut.“ Auf der Wiese steht ein alter Stadel. „Warum hat man zu diesem unscheinbaren Holzschuppen auch eine Stele gesetzt?“ fragt meine Frau verwundert. Ich versuche zu erklären, dass diese kleinen Städel früher landschaftsprägend für den ganzen Bregenzerwald waren. „Und überhaupt: In seiner Einfachheit ist dieser Stadel schlicht schön.“

Entlang des Grebenbachs kommen wir zu den ersten Häusern im Dorf, wo der Weg nach Reuthe führt. „Schau, die Kirche auf dem Berg. Das müsste unsere nächste Station sein.“ Schon hat sie die Stele gefunden. „Unglaublich, die Kirche ist schon 1250 urkundlich erwähnt.“ Gleich darunter, direkt an den Berg gebaut, finden wir die von Hermann Kaufmann entworfene Totenkapelle, ein kleines Meisterwerk. „Und dort unten“, ist meine Frau mit den Augen schon weiter, „sehen wir das Gesundhotel Bad Reuthe. Seit 250 Jahren gibt es das schon. Baukörper aus verschiedenen Zeiten stehen nebeneinander, einer davon aus neuerer Zeit von Bernd Frick und Hermann Kaufmann.“ Mir bleibt nur die Ergänzung, dass Bad Reuthe eines der am besten ausgelasteten Hotels Österreichs ist. Nach einem Bürogebäude, an dem gleich drei Architekten aus der Großfamilie der Kaufmanns beteiligt sind, kann ich, um meine Frau zu beeindrucken, wieder auf meine Familiengeschichte hinweisen. Eine Vorfahrin von mir war im Besitz eines alten Bregenzerwälderhauses, das sie der Gemeinde unter der Bedingung vermachte, darin ein Heimatmuseum einzurichten. So ist es auch geschehen. Der Gemeinschaft

Sie prägten einst die Wiesen im Bregenzerwald: die hölzernen Städel


Das „Hotel Gams zu zweit“ in Bezau dient auch das nächste Objekt, das durch eine Stele hervorgehoben wird: Das Sozialzentrum beherbergt eine Kinderkrippe ebenso wie Räume für alte oder behinderte Menschen. Schließlich ist auch die neue Bushaltestelle ein Platz für die Öffentlichkeit, ein Platz, dem in vielen Orten seit längerer Zeit mehr architektonische Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wir haben den Dorfkern erreicht und meine Frau äußert wieder eine Idee: „Du könntest mich bei unserer nächsten Station auf eine Wellness-Auszeit bei Susanne Kaufmann im Hotel Post einladen, derweil kannst du ja die Architektur des Hauses anschauen“, schlägt sie vor. Immerhin sind für die Architektur Vater und Sohn, Leopold und Oskar Leo Kaufmann, verantwortlich. Während sich meine Frau ihrer Schönheit widmet, gehe ich zum letzten Objekt des Umgang Bezau, dem Bildungshaus Kloster. Im ehemaligen Kapuzinerkloster wurde der Kreuzgang mit einem Dach versehen und zum Mehrzwecksaal. Am Ende des Umgangs lotse ich mit einiger Mühe meine Frau aus der Wellnessoase ins nächste Gasthaus. Walter Fink

Haus F. in Bezau. Ein Entwurf von Dietrich/Untertrifaller reisemagazin bregenzerwald · 39


Handwerk und Gestaltung aus dem Bregenzerwald Was macht einen Ort gastlich? Neben den Menschen, die Begegnung schaffen, kann Gastgeben auch durch Objekte, Installationen und (Raum-) Atmosphäre entstehen. Und wo, wenn nicht bei den zahlreichen Bregenzerwälder GastgeberInnen, kann man das am besten spüren? Die neun Hotelpartner des Werkraum Bregenzerwald haben in enger Zusammenarbeit mit ArchitektInnen, GestalterInnen und nicht zuletzt den regionalen HandwerkerInnen in ihren Häusern eine Atmosphäre geschaffen, die jeden Gast willkommen heißt. Hotel Gasthof Hirschen, Schwarzenberg Hotel Gasthof Krone, Hittisau Schtûbat, Andelsbuch Hotel Bären, Mellau Hotel Post by Susanne Kaufmann, Bezau Biohotel Schwanen, Bizau Genießer- & Romantikhotel Das Schiff Hittisau Hotel Adler & Rössle, Au Hotel Krone, Au

Bönkle

Eine Bank aus brüniertem und gewachstem Messing. Der einfache Körper des Möbels inszeniert die meisterhafte Handarbeit. Entwurf: Peter Figer Herstellung: Kunstschmiede Figer, Bezau

Die hier gezeigten Objekte wurden von Mitgliedsbetrieben gefertigt, die eine besondere Verbindung mit den Werkraum-Hotelpartnern unterhalten.

Gefäße Haut und Haar

Menage

Klein, handlich, elegant aus Stahl, Edelstahl und Kupfer – ein wahrer Handschmeichler und sogar reisetauglich. Entwurf: Jodok Felder; Oskar Leo Kaufmann Herstellung: Felder Metall, Andelsbuch

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Handgenähte Gefäße aus Leder und Wollfilz, die ineinander, nebeneinander oder aufeinander platziert werden können. Entwurf: Gertrud und Markus Faißt Herstellung: Holzwerkstatt Markus Faißt, Hittisau


Aus dem Werkraum Miriam Kathrein ist Geschäftsführerin der Handwerkervereinigung Werkraum Bregenzerwald.

Handwerk für die Gäste

Dinner for Friends

Eine edel verarbeitete Polsterbank am Esstisch, fördert das gesellige Miteinander und ermöglicht einen kurzen Mittagsschlaf. Entwurf: Johannes Mohr Herstellung: Mohr Polster, Andelsbuch

Der Werktisch

Eine Universal-Werkbank aus massivem Buchenholz, entworfen für die Werkraum­schule Bregenzerwald. Verschiedene Arbeitshöhen lassen sich ein­ stellen, um im Stehen oder Sitzen zu arbeiten. Entwurf: Wolfgang Lässer Herstellung: Bundschuh Holzhandwerk, Hittisau; Tischlerei Wolfgang Lässer, Riefensberg

Werkraum Bregenzerwald Werkraumhaus In Andelsbuch steht das vom Schweizer Architekten Peter Zumthor entworfene und von Mitgliedsbetrieben errichtete Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude. Im Shop sind regional hergestellte Handwerksprodukte und einschlägige Fachliteratur erhältlich. Öffnungszeiten: Di – Sa, jeweils 10 – 18 Uhr Werkraumdepot Die Studiensammlung für Handwerk und Design aus dem Bregenzerwald ist in ­Zusammenarbeit mit dem vorarlberg museum entstanden. Im Werkraumhaus bietet sie eine Übersicht auf die zeitgenössische Handwerksproduktion. Führung: jeden 1. Samstag im Monat, 11 – 12 Uhr, mit Voranmeldung Ausstellungen Wechselnde Präsentationen von Erzeugnissen und Installationen aus den Werkstätten der Mitgliedsbetriebe sowie Themenausstellungen zur Handwerks- und Baukultur. www.werkraum.at

Himmelbett mit Kräutern

Naturmaterialien und Vollholz als Basis für den gesunden Schlaf und zum Wohlfühlen. Zur Fixierung des Himmels dienen recycelte Fahrradschläuche. Entwurf: Innenarchitektur Reinhold Knapp Herstellung: Himmelgrün, Egg; Tischlerei Valentin Winder, Alberschwende

Nachdem ich die Stelle als neue Leiterin des Werkraum Bregenzerwald angetreten hatte, wurde mir eines öfter nahegelegt: Wenn ich das Bregenzerwälder Handwerk verstehen wolle, müsse ich abgesehen von unserem Werkraumhaus in Andelsbuch in die Gasthäuser, Hotels und Unterkünfte des Bregenzerwaldes gehen. Dort sollte ich speisen, verweilen und schlafen. Denn dort ist vieles von unseren Mitgliedsbetrieben gebaut und gestaltet worden. Das Handwerk trägt einen wesentlichen Teil zu einer Atmosphäre bei, die die Gastlichkeit des Bregenzerwaldes erlebbar und sichtbar macht. Schon beim Betreten der Räume vermitteln der Geruch der Materialien, die Farben und die Lichtsituation: Hier bist du angekommen. Hier kannst du bleiben und dich, wenn auch nur temporär, entspannt zu Hause fühlen. Es ist dieses einzigartige Zusammenspiel von Architektur, Objekten, Installationen und den Gastgeberinnen und Gastgebern, das Menschen aus der ganzen Welt begeistert. Das Schöne daran: Die Bregenzerwälderinnen und Bregenzerwälder – im Speziellen die Hotelpartner des Werkraum Bregenzerwald – verstehen, welches handwerkliche Können in den Räumen und den Objekten steckt. Aus einem intensiven Austausch bei einem Bau- oder Einrichtungsprojekt folgt oft eine lange Freundschaft. Die Verbundenheit der Gastgebenden mit den HandwerkerInnen des Werkraum Bregenzerwald bildet die Grundlage dafür, dass in Wirtshäusern und Hotels ein „Sei willkommen“ spürbar wird. Bei den Arbeiten an gemeinsamen Projekten entstehen auch Geschichten. Sie werden meist bei einem Glas Wein auf der Terrasse, einem Essen in der Gaststube oder einem Drink an der Bar erzählt. Auch fürs Essen und Trinken kommen die meisten Zutaten aus der Region. Das macht auch deutlich, welche Bedeutung das „Lebensmittelhandwerk“ neben dem Bau-, Installations- und Möbelhandwerk für den Bregenzerwald und seine Gastwirtschaften hat. Daher binden wir seine VertreterInnen verstärkt im Werkraum Bregenzerwald ein.

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Zeitgenössische Tradition Der Architekturpublizist Robert Fabach beschreibt ein besonderes Merkmal der Bregenzerwälder ­Architektur, nämlich außergewöhnliche Betriebs­ gebäude in der Region. In dieser Ausgabe geht es um Werner Benteles Schnapsbrennerei, Imkerei und Verkaufsraum in Alberschwende

Der Verkaufsraum von Werner Bentele in Alberschwende

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Weißtanne, Fichte, Glas und Beton, alles aus der Region. Gebaut von regionalen Handwerkern in der Baukultur Vorarlbergs. Und dazu ein aufmerksames Auge für die Natur. Das waren die Voraussetzungen, unter denen Werner Benteles Schnapsbrennerei, Imkerei und Verkaufsraum in Alberschwende einen neuen Standort fanden Die Bienen rund um das ganz mit Holz verkleidete Gebäude in Alberschwende finden eine besondere Mischung an Blüten vor. Mit dem Bau des neue Verkaufs- und Betriebsgebäudes hat Werner Bentele nicht nur für seine Kunden und seine 15 Mitarbeitenden einen besonderen Ort geschaffen. Die Flächen rund um das Haus, aber vor allem das Dach wurden vom Bregenzer Naturgartenplaner Eugen Sturmlechner als magere Wiesen angelegt. Zwei Zentimeter Rasenschnitt

auf kantigem Schotter reichen, um so viele Blumen wachsen zu lassen, dass die von Bentele und seinen Imkerlehrlingen betreuten Bienenvölker genug Blüten vorfinden, um einen würzigen Blütenhonig erzeugen zu können. Als Hobby begonnen, ist die Imkerei für Bentele schon längst zu einer Leidenschaft und zum Beruf geworden. Er bildet im Rahmen eines europäischen LEADER-Projekts und mit Unterstützung des Landes Vorarlberg jährlich acht Imker aus. Dabei verbindet er altes Imkerwissen mit Erkenntnissen der Wissenschaft zum Erhalt dieser für unser Ökosystem so wichtigen Tierart. Jetzt sind wir schon mittendrin in einer Herzensangelegenheit von Werner Bentele. Er kommt weder aus der Wissenschaft noch aus der Wirtschaft. Er packt Themen an, die ihn begeistern und arbeitet dann daran. Kurzum, es summt und brummt in seiner Umgebung. Das Haus an der Landesstraße in Alberschwende ist ein gutes Beispiel dafür. Der gelernte Maschinenbauer und Automationstechniker hatte seinen Brotberuf an den Nagel gehängt, um am damals noch elterlichen Hof in

Brigitte Bentele beim Einpacken der Ware reisemagazin bregenzerwald · 43


Egg seine Hobbys zum Beruf zu erklären: Schnapsbrennen und Imkern. Bald stellten sich interessierte Besuchergruppen ein. Das kann in den heute vor allem zu Wohnzwecken genutzten Streusiedlungen des Bregenzerwaldes rasch zu Ärger führen. So zog Bentele schließlich in sein heutiges Gebäude in Alberschwende um. Der neue Standort bietet die Möglichkeit, seine vielen Ideen unter einen Hut oder ein Dach zu bringen: Schnapsbrennen, Imkern sowie der Verkauf von ausgesuchten kulinarischen Nischenprodukten aus Österreich und Italien. Dazu werden Reisegruppen und Schulklassen geführt, es wird gelehrt, und der Seminarraum auch einmal einer lokalen Yogagruppe oder Vereinen zur Verfügung gestellt.

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Werner Bentele denkt regional, vernetzt und nachhaltig. Vor allem aber unkompliziert. Also bat er seinen Jugendfreund, den Baumeister Rupert Hammerer, ebenso um Unterstützung wie ausgesuchte Handwerker aus dem regionalen Kundenkreis. So ein Bauwerk macht man nicht allein, meint er. Da sei nicht um Cents gefeilscht worden, man wollte ehrliche Arbeit um einen ehrlichen Preis – und weiterhin Geschäftspartner bleiben. Benteles langjährige Erfahrungen und eine Reihe neuer Ideen führten zu einem dichten Aufgabenkatalog und genauen Vorstellungen vom neuen Haus. Ein großer, kommunikativer Verkaufsraum, eine Schnapsbrennerei mit allem Drum und Dran, Verpackungsund Versandräumlichkeiten und Platz

für Schulungen und Veranstaltungen, mit einer Lehrimkerei obendrauf. Das Ganze sollte aus dauerhaften Werkstoffen errichtet sein und den Bienen keine Handbreit Land streitig machen. Dass Rupert Hammerer daraus ein zeitgenössisches Gebäude gestaltete, ist dem Umstand geschuldet, dass zeitgenössische Formen mittlerweile zum Inbild eines Bregenzerwälder Baustils gehören. Da braucht man dem Werner Bentele gar nicht mit Architektur kommen. Alles gut und schön, aber was hier entstand, sollte vor allem den Köpfen und Kräften der Region entsprungen sein. Dagegen mag man architekturhistorisch vieles einwenden. Doch gerade dieses Gebäudes zeigt auch, wie einflussreich die Architekturentwicklung


Werner Bentele unterhält im Haus auch eine eigene Lehrimkerei

im Vorarlberg der letzten fünfzig Jahre ist: Sie hat sich in einem breiten Kulturverständnis niedergeschlagen und ist selbst Tradition geworden. Eine zeitgenössische Tradition, gewissermaßen. Dazu gehört eine massive Betonkonstruktion. Auch eine Wärmepumpe mit Tiefenbohrung sowie die Fußbodenheizung unter poliertem Estrich erscheinen heute so „traditionell“ wie einst die Hauskonstruktion per Holzstrick mit Schindelverkleidung. Werner Bentele hält Schindeln heute für Schnickschnack, aber sein Gebäude aus Sichtbeton sollte außen Holz zeigen, freilich nicht in Form eines modisch waagrechten Lattenzauns. Stehende, kräftige Querschnitte, mit denen andernorts konstruiert wird, wurden in einem Rhythmus von fünf

Reisegruppen und Schulklassen werden von Werner Bentele in die Feinheiten der Imkerei eingeführt reisemagazin bregenzerwald · 45


Im Außenbereich wie auch im Inneren des Gebäudes ist ungewöhnlich viel Platz

verschiedenen Abmessungen zu einer plastisch lebhaften Fassade aneinandergereiht. Unbehandelt, aber stark genug, um sich ein Leben lang keine Gedanken mehr darum zu machen. Die Organisation der Räume ist klar. Unter der Erde Gärkeller und Haustechnik, oben zur Straße hin der beeindruckend hohe Verkaufsraum, dessen Höhe aus der Größe der Destillieranlage abgeleitet ist, und nach hinten die Produktion und der Versand. Neben der Lieferung an eigene Verkaufslokale in Feldkirch und Bregenz verlassen über 10.000 Pakete aus dem Onlinegeschäft das Haus. Zu Benteles Service gehört auch die Direktvermarktung. Alles geht an Endkunden. Überall ist ungewöhnlich viel Platz und diese Großzügigkeit im Inneren des Gebäudes vermittelt auch, dass

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man nicht um Zentimeter fuchsen wollte, sondern unkomplizierten Spielraum für die Zukunft brauchte. Über eine präsentable Treppe gelangt man in das Obergeschoss. Ein offener Raum nimmt prominent die Mitte ein und lässt über einem großzügigen Luftraum den Verkaufsbereich überblicken. Drumherum gruppieren sich alle weiteren Bereiche in durchaus interessanten räumlichen Bezügen. Auf einer Terrasse mit blühendem Bewuchs stehen die Bienenstöcke der Imkerschule. Hinter einer durchgehenden Verglasung findet sich der Arbeitsplatz der Verwaltung. Kein Chefbüro, denn der sitzt einfach mittendrin. Daran schließen eine kleine Teeküche und ein großer gemeinsamer Mittagstisch mit Austritt auf die Terrasse an. Gegenüber befindet sich ein

Aufenthaltsbereich mit Küchenzeile und Nassräumen für Seminargäste und Veranstaltungsbesucher. Das Gefühl, es sei hier mit feiner Klinge gefügt und optimiert worden, stellt sich nicht ein. Vielmehr vermittelt das Haus, hier wurde unkompliziert und mit entschlossener Hand Raum geschaffen. Elegante Details sucht man vergeblich, wiewohl die Materialauswahl und der gesamte Entwurf von zeit­ genössischen Ideen und Lösungen leben. Aber das zeichnet die Baukultur in Vorarlberg und gerade im Bregenzerwald aus, dass Hausverstand und Handwerk offen sind für die Ambitionen der Architektur, aber zugleich nicht darauf angewiesen. Robert Fabach


Felder und Wälder Birgit Feierl-Giedenbacher schreibt über den ­ erühmtesten Autor aus dem Bregenzerwald, b Franz Michael Felder.

Wälder Sprachuniversum

Ich bin im Bregenzerwald aufgewachsen, lebe aber seit 2007 nicht mehr hier. Vor kurzem war ich wieder einmal in der alten Heimat zu Gast, um mit meinen ehemaligen Schulkolleginnen und -kollegen das 25-jährige Maturajubiliäum zu ­feiern und den Umbau „unseres“ G ­ ymnasiums in Egg zu bewundern. In einer entzückenden Pension in Andelsbuch untergebracht, war ich wehmütig berührt vom mir zwar vertrauten, aber eben schon lange nicht mehr gehörten Dialekt der Wirtsleute und dem Bregenzerwälder Wortschatz. „Was tuat Sie?“, wurde ich freundlich über den Grund meiner Anreise ausgefragt und mit dem „Tuond ordentle!“ auf den Weg zu meinem Treffen geschickt. Einmal mehr wurde mir bewusst, wie unverwechselbar dieser Dialekt ist, der alte Sprechweisen konserviert und gleichzeitig lebendig hält. Franz Michael Felder, der die meisten seiner Texte zwar geschliffen hochsprachlich verfasst, aber auch wundervolle Mundartgedichte hinterlassen hat, arbeitete an Worterklärungen zu Dialektausdrücken und Redensweisen und schrieb Beiträge zum Wörterbuch der Vorarlberger Sprache des Josef Ritter von Bergmann aus Hittisau. In seinen großen Romanen „Sonderlinge“ und „Reich und Arm“ entwickelt Felder eine ganz besondere Form der „Mischungssprache“, wie es der bedeutende Felder-Forscher Walter Methlagl nennt: Felder bemühte sich ganz bewusst um eine sensible Übertragung der syntaktischen und semantischen Eigenschaften des Dialekts ins Hochdeutsche und bewahrte so den Zauber der Wäldersprache. In seinem Brief vom 28. Mai 1866 schreibt Felder an den Leipziger Professor Hildebrand über seine Figuren: „Sind die Redenden Bregenzerwälder? Ja, durch und durch, voll und ganz so [...]. Würde ich das Werk dem Nächstbesten geben, der es nur zu lesen imstande wäre, so könnte der es nicht nur Satz für Satz, sondern Wort für Wort ins Wälderische übersetzen [...].“ Felders Texte zu lesen bedeutet wie das Gespräch mit den ­Bregenzerwälder Wirtsleuten und Einheimischen das Eintreten in ein liebenswertes und völlig unikates Sprachuniversum.

Werner Bentele an seiner Destillerie reisemagazin bregenzerwald · 47


Kräuter im ­K inderzimmer

„Als Kind konnte ich Gartenarbeit nicht leiden.“ Sonja Schwarzhans im Kräutergarten

Erst über den Umweg als Lehrerin fand Sonja Schwarzhans ihre Liebe zu Kräutern. In Hittisau baut sie an, verkauft wird in 15 verschiedenen Geschäften in Vorarlberg und dem Allgäu. Mittlerweile lehrt sie neben Erwachsenen auch Kindern in Workshops die Liebe zu den duftenden Pflanzen Nie hätte sie gedacht, dass Kräuter und Kräutersalz, das ihr Vater schon lange nach einem alten Familienrezept herstellt, einmal auch ihr Leben sein würden: „Ganz im Gegenteil“, sagt Sonja Schwarzhans und lacht. „Als Kind konnte ich Gartenarbeit nicht 48 · reisemagazin bregenzerwald

leiden.“ Also ist sie Mittelschullehrerin geworden und hat in Lauterach 13 Jahre lang mit großer Freude Mathematik und Musik unterrichtet. Dann kamen ihre Söhne Luca und Timo auf die Welt und sie begann, ihrem Vater Reinhold Eberle im Garten zu helfen. So hat sie ihre Liebe zu den Kräutern entdeckt: „Die Arbeit draußen erdet mich und erfüllt mich mit enormer Zufriedenheit.“ 2009 haben Vater und Tochter dank steigender Nachfrage begonnen, Kräutersalz in größeren Mengen herzustellen, 2017 wurde der SONI-Kräutergarten neu gestaltet und erweitert. Heute gibt es zwanzig sauber mit Metallkanten umrahmte Beete und eine kleine, moderne Werkstatt, vor deren Glasfront sich die weite Graslandschaft der Hittisauer Ebene ausbreitet. Hier, auf

800 Meter Seehöhe, wachsen die Kräuter langsam, was ihre ätherischen Öle besonders intensiv macht. Man findet Bekanntes wie Zitronenmelisse, Oregano oder Petersilie, aber auch Seltenes wie Rosenweihrauch, Anis-Ysop oder Pfeffersalbei. Nach der Ernte werden die nach streng ökologischen Kriterien angebauten Kräuter geschnitten und in breiten Holzschubladen in Sonjas ehemaligem Kinderzimmer getrocknet. Dann harren sie am Dachboden ihrer Verarbeitung in der Werkstatt. Knapp 3.000 Gläser Bregenzerwälder Kräutersalz produzieren Sonja und Reinhold pro Jahr, ganz ohne Geschmacksverstärker, Haltbarmacher oder Rieselhilfen. Ebenso viel Elan und Herzblut wie beim Gärtnern zeigt die fröhliche


Wälder, weit, weit weg Der Musiker Bartholomäus Natter berichtet von Menschen aus dem Bregenzerwald, die in der Fremde wirken

Vierzigjährige beim Experimentieren: „Unser Fleisch-, Pasta- und Käsegewürz, aber auch die Rezepturen für Suppenkräuter, für Essig, Liköre und Tee habe ich selbst entwickelt.“ Erhältlich sind die SONI-Produkte nicht nur im kleinen LONI Laden, den ihre Mutter Annemarie und ihre Schwester Melanie zwei Häuser weiter beim Sparmarkt Hittisau betreiben, sondern auch in rund 15 anderen Geschäften im Bregenzerwald, in Dornbirn und Feldkirch, aber auch in Balderschwang, Immenstadt und Oberstdorf. Ihre grüne Leidenschaft und ihr umfangreiches Wissen gibt Sonja Schwarzhans längst auch an andere weiter. Nicht nur in Workshops für Erwachsene: Seit einem Kurs für „Schule am Bauernhof“ verbindet sie ihren alten mit ihrem neuen Beruf: „Nichts ist schöner, als jungen Menschen den Weg der Pflanzen von der Erde in die Küche zu vermitteln!“ Babette Karner

Der Geschmackszauberer Vor acht Jahren kam Hubert Peter nach Wien. Seit letztem Jahr betreibt er ein Restaurant-BarWirtshaus-Hybrid mit Namen „bruder“ im sechsten Bezirk. Ursprünglich stammt Peter aus Schwarzenberg und erlernte das Gastrohandwerk in der Bezauer „Post“. Nach verschiedenen Stationen im Bregenzerwald und in Dornbirn kam er nach Wien. „In Vorarlberg war für mich ein Plafond erreicht, also schrieb ich Bewerbungen in alle Richtungen. Das erste vernünftige Angebot kam aus Wien.“ Er trat eine Stelle im gehobenen Restaurantmanagement an, merkte aber bereits nach wenigen Jahren, dass er nicht der Puffer zwischen Personal und Investor sein wollte: „Verschieben hier, optimieren dort, mehr Geld hier, weniger Geld dort. Ich hatte einfach keine Lust mehr auf Personalmanagement im großen Stil.“ Er wollte wieder in einer Bar arbeiten. Bald hatte er sich einen Namen als der innovativste Cocktailmischer in ganz Wien gemacht. Er lernte den Koch Lucas Steindorfer kennen, mit dem er sich rasch anfreundete. Beim gemeinsamen Philosophieren über Gastrothemen in Huberts Popup-Bar entstand die Idee zu einem gemeinsamen Projekt. Nach drei Jahren Vorbereitung war es im Jänner 2019 so weit: Das „bruder“ eröffnete. Der Start war fulminant, das Beisl bis weit in den Sommer hinein mindestens einmal am Tag ausgebucht. Die Gäste sind begeistert von der kreativen Küche, den abwechslungsreichen Drinks und den intensiven heimischen Geschmäcken und Aromen. Auf seine Ziele angesprochen, gibt sich Hubert wieder pragmatisch: wirtschaftliche Stabilität mit dem „bruder“, in ein paar Jahren vielleicht ein bisschen erweitern können. „Wenn Lieferanten und Mitarbeiter zufrieden sind, sind es die Gäste meistens auch.“ Den Bregenzerwald besuche er viel zu selten. Der Kontakt mit der alten Heimat ist aber regelmäßig, vor allem Familie und Lieferanten halten ihn auf dem Laufenden. Auf die Frage, was er am meisten vermisst, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Alpbutter! Frische Alpbutter.“ Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Aber nächste Woche bekomme ich wieder eine Lieferung“. Dabei strahlt er übers ganze Gesicht.

3.000 Gläser Bregenzerwälder Kräutersalz produziert Sonja Schwarzhans pro Jahr reisemagazin bregenzerwald · 49


Sich aus dem eigenen Garten selbst zu versorgen, ist im Bregenzerwald wieder sehr gefragt. Sogar Formen von „Urban Gardening“ gibt es hier, wie der Gemeinschaftgarten in Bezau

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Aus dem Garten in die Küche: Gemüse!

Vegetarische Tradition Michael Bechter ist aus Begeisterung über Köche selbst zum Koch geworden. Im Landhotel Hirschen in Hittisau hat er zu einem eigenen Stil gefunden, der im Wesentlichen von vegetarischen und veganen Speisen bestimmt wird Eigentlich ist es ziemlich unfair: Da kocht einer seit fast 25 Jahren auf Topniveau eine große Anzahl an vegetarisch-veganen Gerichten, bekommt aber erst mit dem Hype der letzten Jahre die verdiente Aufmerksamkeit. Andererseits kann es Michael Bechter egal sein: Die (Stamm-)Gäste wissen seine bewusst klein gehaltene Karte, sein Bemühen um regionale Produkte und seine kreative Vielfalt bei Getreide und Gemüse umso mehr zu schätzen. Dass er nach dieser langen Zeit noch immer Elan versprüht, ist schnell erklärt. Durch die Wohlfühlatmosphäre im sympathischen Familienbetrieb der beiden Schwestern Rosemarie und Gabriele ist für ihn der „Hirschen“ zu einem zweiten Zuhause geworden. Gerade dieser Teamgeist war ausschlaggebend, dass aus dem Handwerkslehrling Michael überhaupt ein Koch wurde: Im Sulzberger Lehrbetrieb war die Stimmung unter den Köchen derart motivierend, dass er die Werkstatt gegen die Küche tauschte. Die Kochkunst lernte er später in einem Schweizer Haubenrestaurant, entfalten konnte er sie schließlich in Hittisau. Hier kann er sich so richtig austoben. „Ich brauche eine freie Hand in der Küche. Die schulische Art oder nach Rezepten zu kochen ist überhaupt nicht meins“, stellt Michael gern klar. Das war ein Grund dafür, weshalb er von jeher gern vegetarisch und vegan kocht. „Es ist aufwändiger, aber viel interessanter. Man muss sich immer etwas dazu überlegen – aber dann ist die Vielfalt überwältigend.“ Da er sich nicht ausschließlich darauf konzentriert, werden im Hirschen alle Gäste glücklich. Gerichte wie seine vegane Kartoffelroulade in sämtlichen Variationen (mit Quinoa, Rote Beete, Kürbis, Rotkraut oder Kräutern) sorgen dafür, dass mittlerweile fast die Hälfte aller Essen die Küche ohne tierische Zutaten verlassen. Dank Kalbsburger, Kalbslasagne, Wälder Backhennele oder einem herrlichen Grillteller kommen auch Fleischgenießer auf ihre Kosten. Das Fleisch bezieht er aus der Metzgerei in Andelsbuch von Rosemaries Mann. Ebenfalls vorbildlich: Von den Nudeln bis zu der großen Auswahl an Kuchen ist alles hausgemacht. „Wenn man das entsprechende Team um sich hat, ist alles möglich!“ Markus Curin

Rosemarie Feurstein und Michael Bechter im Landhotel Hirschen in Hittisau reisemagazin bregenzerwald · 51


Rezept Michael Bechters Bergkäseterrine mit Löwenzahn-Pesto und frischem Brot

Bergkäseterrine: 350 g Bergkäse, 200 g Sahne ½ Becher Sauerrahm Rosmarin, Pfeffer, Salz 3 Blatt Gelatine 200 g geschlagene Sahne Alle Produkte langsam schmelzen und auskühlen lassen. Danach 200 g geschlagene Sahne und frischen Schnittlauch, ev. auch Rucola, unterheben. Eine Terrinenform mit Folie auskleiden, dann mit fein geschnittenen Bergkäsescheiben auslegen, die Masse einfüllen und dann zwei Stunden im Kühlschrank kühl stellen. Danach stürzen und in 1 Zentimeter dicke Scheiben schneiden. Löwenzahnpesto: 3 Bund Löwenzahnblätter fein hacken, 30 g geriebene Mandeln und 50 g fein geriebenen Bergkäse dazugeben. Dann mit 360 ml Olivenöl, 3 Prisen Salz und Zitronensaft gut vermischen. Das Pesto lässt sich 4 bis 5 Tage im Kühlschrank lagern. Brot: 500 g Weißmehl Type 700 10 g Karottensalz. Es kann selbst gemacht werden: Karottenschalen trocknen und mit einem feinen Salz vermischen, danach im Mörser fein reiben. Man kann auch normales Salz verwenden! ¼ l lauwarmes Wasser, 1 Würfel (42 g) Hefe Alle Zutaten miteinander 5 Minuten lang zu einem geschmeidigen Teig verkneten. 30 bis 40 Minuten gehen lassen, danach 30 bis 40 Zentimeter lange Baguettes formen, auf dem Blech noch einmal 30 bis 40 Minuten gehen lassen. Dann ca. 20 Minuten bei 180 Grad backen.

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Schritt für Schritt von Gang zu Gang

Kulinarisch wandern im Bregenzerwald Wandern und in ausgewählten Berggasthäusern und Restaurants Köstliches genießen: mit Bergfrühstück, Mittagessen und süßem Ausklang. Inkludiert sind außerdem Tickets für Fahrten mit den Bergbahnen und Bussen. Kulinarisch wandern in Bezau, Lingenau-Hittisau, Mellau, Schwarzenberg oder Warth-Schröcken Preis pro Person: € 47 – € 64* (je nach Wanderung) Bregenzerwald Tourismus GmbH, Gerbe 1135, 6863 Egg T +43 (0)5512 2365 www.bregenzerwald.at, info@bregenzerwald.at * Ermäßigung für Inhaber der Bregenzerwald Saison-Card, 3TälerPass-Jahreskarte und Bregenzerwald Gäste-Card

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Essen mit Liebe 1 Alte Mühle

schwarzenberg

Vorsicht, Frühlingsgefühle im Sommer! Alle 11 Minuten verliebt sich ein Genießer in den Bregenzerwald. Kein Wunder, bei all den Restaurants und Cafés mit Niveau. Erst dank Gastgebern, die sich auch als solche verstehen, lässt sich die große Liebe für Herz und Magen finden. Zum Glück müssen Sie weder nach Ihrem zukünftigen Liebling „tindern“ noch durch kulinarische Partnerannoncen wühlen – wir vermitteln Ihnen ein „Perfect Match“. Danken Sie uns später, wir wollen dann nur ein „Im Reisemagazin hat alles begonnen“ hören. Und nun, ­lieben … pardon, essen Sie los! Markus Curin

In diesem außergewöhnlich schönen Restaurant haben sich bereits zwei Suchende gefunden. Nach dem Tod ihrer Mutter Heide, die jahrelang Gäste von nah und fern mit Großmutters Küche begeisterte, übernahm Marietta Wild das Zepter in der Küche. Die hohe Kunst, aus regionalen Top-Produkten köstliche Klassiker aufzutischen, hat sie vererbt bekommen. Doch wer sollte an ihrer Stelle das Restaurant führen? Mit Jakob Handler fand sie schließlich die Best-Besetzung: Der sympathische Egger suchte nach Erfahrungen in der Spitzengastronomie und im Weinhandel eine neue Herausforderung. Mit Freude kehrte er in den Bregenzerwald zurück und ergänzt die Köchin als herzlicher Gastgeber. www.alte-muehle.cc

2 Gasthof Taube bizau

Der Bregenzerwald, eine einst bäuerliche Region, bietet eine erstaunlich große Menge an Wirtshäusern und Hotels in einer Qualität, wie man sie eher in urbanen Räumen erwarten würde. In jeder Ausgabe des reisemagazins stellen wir mindestens zehn davon vor. Was Sie auf diesen Seiten lesen, ist jedoch nur ein Ausschnitt aus dem lokalen Angebot an Kulinarik und Hotellerie. Am besten, Sie testen deren Güte einmal persönlich – dann wissen Sie, warum wir davon mit solchem Enthusiasmus schreiben.

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Traute Zweisamkeit, ach wie schön! Allerdings sind es keine Turteltäubchen, sondern Geschwister, die samt ihrem Team diesen wunderbaren „Laden“ schmeißen. Die Schwestern Margit und Monika Dietrich-Moosbrugger sind Aushängeschild für entspannt-hochkarätige Bregenzerwälder Gastlichkeit. Vom Schaf- über Ziegenmilchkäsle bis zum Fleisch setzt man auf regionale Erzeuger oder Hausgemachtes. Mit Knödel, Spätzle, Pasta, Salate, Rouladen und Braten sind Zeitgemäßes und Klassiker regelmäßig auf der angenehm übersichtlichen Menükarte zu finden. Aber auch dank herrlichem Gastgarten ist man für Bizauer Tagesausflügler und Genießer ein Objekt der Begierde. www.taubebizau.at

3 Alpe Unterdiedams schoppernau

Sie sind gern aktiv an der frischen Luft? Sind tierlieb, achten die Natur und wissen traditionelles Handwerk zu schätzen? Dann sind Sie genau der Typ für die Alpe Unterdiedams! Lage, Aussicht, Gastgeber – Romantik pur. Die Schwarzenberger Familie Schweizer zieht alljährlich mit über vierzig Kühen, mehr als zwanzig Schweinen und Katze Lucy auf diese großartige Alpe, die rund 25 Minuten von der Mittelstation der Bergbahn Diedamskopf entfernt ist. Käse, Butter und andere verlockende Produkte werden im Laufe der etwa 115 Tage mit viel Liebe produziert. Wanderer und Besucher wissen aber vor allem das Älpler Genuss-Frühstück zu schätzen, das auf Vorbestellung serviert wird. T +43 (0)5512 26158

4 Hotel Gasthof Krone hittisau

Wo die Liebe hinfällt, Teil 1: Wer die Kreationen von Küchenchef Michael Garcia-Lopez schon einmal probieren durfte, weiß: Hier muss Liebe im Spiel sein! Talent, Geschick, Ausbildung, alles schön und gut, aber dieses gewisse Etwas spürt und schmeckt man auch. Praktischerweise ist Angelika, seine Auserwählte, Teil des großartigen Serviceteams unter Hausherr Dietmar und Restaurantleiterin Beate. Die Harmonie scheint sich ohnehin durch die gesamten edlen Stuben des Traditionshauses zu verbreiten. Schon fein, dass man als Gast Teil dieses genussvollen Ensembles sein kann. Und da schon vom Essen die Rede war: An den Sibratsgfäller Forellen führt kein Weg vorbei (egal in welcher Form), aber auch die Süppchen bzw. generell die Vorspeisen sind allesamt verführerisch. www.krone-hittisau.at


5 The Falling Cow bezau

Wo die Liebe hinfällt, Teil 2: Slow Food als Fast Food? Oder doch umgekehrt? Völlig einerlei, solange die mit viel Liebe gemachten Burger, Muffins oder Salate so köstlich schmecken! Dass es für die vielleicht besten Hamburger in Vorarlberg eine Amerikanerin und einen Steirer brauchte, zeigt, was die Schmetterlinge im Bauch so alles anstellen können. Begonnen haben die amourösen Food-Abenteuer von Stefan Jazbec und Cindy Willam nach Jahren in der „klassischen“ Gastronomie mit einem Foodtruck. Mit diesem touren sie nach wie vor durch den Bregenzerwald und von Event zu Event. Über den Geschmack ihrer hausgemachten Kreationen darf man sich nicht wundern: Alle Zutaten (vom Fleischveredler „Der Jogi“ bis zu Biohof Dorner und Gemüse Natter) sind sorgsam ausgesucht. www.thefallingcow.com

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Biberacher Hütte au

Wo die Liebe hinfällt, Teil 3: Aller guten Dinge …, ach, sagen wir, wie es ist: Großartig, wenn sich ein Pärchen findet, das auf über 1.800 Metern eine besondere Hütte bewirtet. Raphaela Eberhart und Sandro Schöpf sorgen mit ihrem Team von Juni bis September für das Wohl der (Wander-)Gäste. Ist das Lechquellengebirge mit all den Pflanzen, Tieren, Hochmooren und Berggipfeln an sich schon Grund genug, hier heraufzukommen, gibt es dank den Köstlichkeiten aus der kürzlich renovierten Küche noch ein paar Gründe mehr. „So schmecken die Berge“ ist glücklicherweise nicht nur ein oberflächlicher Slogan des Deutschen Alpenvereins. Es bestätigt vielmehr die hervorragende Auswahl an Produkten und hausgemachten Speisen: Suppen, Kuchen, Strudel, Schmarren, Salat, Grillhuhn, Knödelvariation oder Brettljause – ein Traum! https://alpenverein-biberach.de

7 Cäsars Café

alberschwende

Wie wunderbar, wenn sich bei einem Blind Date herausstellt, dass der erste, vielversprechende Eindruck noch von Tiefgang und Persönlichkeit getoppt wird! Genauso geht es Gästen im Cäsars. Da steht dieses wunderschöne „Gunz-Haus“ mitten in Alberschwende samt prächtiger Sonnenterrasse. Als Besucher „muss“ man hier Fotos machen und an schönen Tagen einkehren. Aber statt sich darauf auszuruhen, verwöhnen Brigitte und Cäsar Greussing liebevoll ihre Café-Gäste mit hausgemachten Köstlichkeiten. Mit Salaten, Pasta, Süppchen, Flammkuchen und anderen Snacks sind sie bestens für hungrige Gäste gewappnet. Für Naschkatzen gilt: Wer süßen Gelüsten nicht widerstehen kann, schon beim Gedanken an frisch gebackene Kuchen schwach wird und sich die Eis-Kugel geben will, hat sein Paradies gefunden! www.caesars-cafe.at

8 Hotel Gasthof Wälderhof lingenau

On/off-Beziehungen können mitunter kompliziert sein, mangelnde Dynamik und Leidenschaft kann man ihnen aber nicht vorwerfen. Die Enttäuschung vieler Genießer war groß, als es im Wälderhof von Gastgeberin Barbara Wild kein À-la-Carte-Menü mehr gab. Hier die gute Nachricht: Bernhard Muxels Kreationen sind wieder zu haben und nicht nur den Hotelgästen vorbehalten! Sein Team um die neue Sous-Chefin Magdalena Bechter tüftelt alle zwei Wochen eine neue Auswahl an erlesenen Gerichten aus, die von Mittwoch bis Sonntagabend vom herzlichen Service aufgetischt werden. Gemüselasagne, Frischfisch, Wälder Cordon Bleu, Wildspezialitäten, Pilzstrudel oder Schaumsüppchen: Die Jahreszeiten geben den Ton an, an Veredelungsideen fehlt es nie. www.waelderhof.com

9 Alpengasthof Brüggele alberschwende

Wer will mich? Ich bin ein traditioneller, rustikal-gemütlicher Gasthof in wunderschöner Lage. Unsere Stuben bieten Platz für viele hungrige Gäste, eine hat sogar einen Kachelofen! Meine große Sonnenterrasse ist bei Wanderern, Mountainbikern und Tagesausflüglern sehr beliebt – kein Wunder, bei diesem Panoramaausblick. Meine Eigenschaften: Ich bin kinder- und tierlieb, kümmere mich leidenschaftlich um das Wohl meiner Besucher und empfange auch gern größere Gruppen zu verschiedensten Anlässen. In der Küche steht mein Hausherr Peter Oberhauser höchstpersönlich, nicht nur seine Käsknöpfle sind legendär. Ganz nach dem Motto „Hier kocht der Chef, kommen Sie trotzdem“ würde ich mich freuen, wenn es mit uns klappt! Bis bald. http://alpengasthof.com

10 Restaurant Schulhus krumbach

Liebe geht durch den Magen – hier ist die Floskel, auf die alle gewartet haben. Aber gemessen an den Glücksgefühlen, die beim Essen durch unseren Körper gejagt werden, hat der Spruch durchaus Berechtigung. Vor allem, wenn man die Gelegenheit hat, nochmals im Schulhus von Gabi und Herbert Strahammer die Schulbank zu drücken. Denn all die Liebe, die beim Pflücken, Sammeln, Ernten und Zubereiten der herrlichen Zutaten im Spiel ist, wird mit dem Genuss der feinen Speisen aufgenommen. Anders ist es wohl kaum zu erklären, weshalb gerade hier das Einkornrisotto mit Pilzen und Fruchtspiegel, die gefüllte hausgemachte Pasta, das weiße Tomatenmousse, die Gemüseschaumsüppchen oder das Filet vom Bodenseefisch so außergewöhnlich gut schmecken. Und abgesehen davon: Herberts Weinkarte und Empfehlungen sind eine Liebeserklärung an alle vinophilen Menschen da draußen. Hirtzberger, Knoll, Kollwentz, Proidl, Pichler, Altenburger, Krutzler – und das auch noch gereift! www.schulhus.at

reisemagazin bregenzerwald · 55


Bregenzerwald Tourismus: Buchbare Angebote

Buchung, Info: T +43 (0)5512 2365 www.bregenzerwald.at

Weitwandern Bregenzerwald Nur mit dem Rucksack bestückt, wandern Sie durch den Bregenzerwald. Ihr Gepäck reist währenddessen komfortabel von Hotel zu Hotel. Drei Alternativen stehen zur Wahl: • Der Käseweg führt an drei Tagen von der sanften Voralpenlandschaft bei Sulzberg über die Vorsäß-Siedlung Schönenbach nach Au. • Auf dem Wasserweg lernen Sie an zwei Wander­tagen die unterschiedlichen Gesichter der Bregenzerach kennen. • Der Architekturweg führt in vier Tagen durch schmucke Bregenzerwälder Dörfer. Inkludierte Leistungen: • 3, 4 oder 5 Übernachtungen mit Halbpension in ausgewählten 3- und 4-Sterne-Hotels • Gepäcktransport von Hotel zu Hotel

• Bei Anreise mit PKW: Parkplatz beim ersten Hotel und Transfer zum Auto nach Ende der Tour • Bei Anreise mit Bus/Bahn/Flug: Transfer vom Bahnhof* zum ersten Hotel und zum Bahnhof* nach Ende der Tour (*Dornbirn oder Bregenz) • Wanderkarten, Streckenbeschreibungen, Busfahrplan und Ortspläne • Bregenzerwald Gäste-Card Termine: 1.5. – 31.10.20 Preis pro Person: ab € 464 im Doppelzimmer mit Halbpension ab € 519 im Einzelzimmer mit Halbpension Auf Anfrage: Tour geführt von einem ­Wanderführer/einer Wanderführerin

Mountainbike Bregenzerwald Noch gilt der Bregenzerwald als Geheimtipp für Mountainbiker: Einige Routen wurden erst ganz neu angelegt. Viele der Wege führen auf die Spuren der Lebenskultur: zu Vorsäßen und Hochalpen, wo der köstliche Bregenzerwälder Bergkäse entsteht. Sie machen sich mit fachund ortskundiger Begleitung auf den Weg. Verwöhnendes für Körper und Gaumen bieten spezialisierte Mountainbike-Gastgeber. Inkludierte Leistungen: • 3 bzw. 7 Übernachtungen mit Halbpension in einer Unterkunft nach Wahl • 1 bzw. 3 Gutscheine für eine geführte Mountain­biketour oder E-Bike Tour mit geprüftem Mountainbike-Guide der BikeSchule ­Bregenzerwald

• Mountainbike-Karte inkl. 23 Top-Routen • Bregenzerwald Gäste-Card für beliebig viele Entdeckungsfahrten mit den Bergbahnen und öffentlichen Bussen und für erfrischendentspannende Stunden in den Freibädern Termine: 1.5. – 31.10.20 Preis pro Person: ab € 277,90 im Doppelzimmer mit Halbpension (3 Nächte) ab € 309,80 für 2 Personen in einer Ferien­ wohnung ohne Verpflegung (3 Nächte) ab € 634,90 im Doppelzimmer mit Halbpension (7 Nächte) ab € 649,80 für 2 Personen in einer Ferien­ wohnung ohne Verpflegung (7 Nächte)

Auf einer Hütte fernab vom Dorf zu übernachten, hat einen besonderen Reiz. Die einfache, gemütliche Atmosphäre verzaubert. Ringsum Wiesen und Wälder, Brunnen plätschern, die Kuhweiden liegen ganz nah. Ein besonderes Erlebnis für große und auch für kleine Wanderer! Drei Tage lang erkunden Sie auf leicht zu begehenden Höhenwegen die schöne Bregenzerwälder Berg­natur – zweimal übernachten Sie auf einer Hütte. Die Tagesetappen sind kurz, zwischen 2 bis fast 4 Stunden. So bleibt genügend Zeit für Spiele in der Natur oder den einen oder anderen Abstecher.

56 · reisemagazin bregenzerwald

Inkludierte Leistungen: • 2 Übernachtungen auf Hütten mit Frühstück oder Halbpension • Wanderkarte und Streckenbeschreibung Termine: Schwarzenberg: 15.5. – 31.10.20 (15.5. – 28.6. nur an Wochenenden buchbar) Hittisau: 30.5. – 31.10.20 Preis pro Person: ab € 76 im Matratzenlager (jeweils 6 – 8 Betten) mit Frühstück ab € 102 im Matratzenlager (jeweils 6 – 8 Betten) mit Halbpension Kinderermäßigung auf Anfrage!

Fotos: Johannes Fink, Sebastian Stiphout, Benjamin Schlachter

Familien-Hüttenwanderungen Bregenzerwald


Bregenzerwald Tourismus: Buchbare Angebote

Buchung, Info: T +43 (0)5512 2365 www.bregenzerwald.at

Alpine Hüttenwanderungen Bregenzerwald Sie wandern von Hütte zu Hütte durchs Hochgebirge, genießen prachtvolle Ausblicke auf die Bergwelt des Bregenzerwaldes und weit über die Alpen. Die Tagesetappen sind durchaus anspruchsvoll – die Gehzeiten liegen zwischen 4 bis 6 Stunden pro Tag. Außerdem gilt es einige Höhenmeter zu überwinden. Sie können die Touren ganz gemächlich angehen, denn Ihr Bett in einer gemütlichen Hütte ist bereits für Sie gebucht.

Termine: Tour Schadonagebiet: 18.6. – 27.09.20 Tour Widdersteingebiet: 1.6. – 4.10.20 Preis pro Person: ab € 66 im Matratzenlager mit Frühstück ab € 102 im Matratzenlager mit Halbpension Ermäßigung für Alpenvereinsmitglieder und Übernachtung im Zimmer auf Anfrage!

Inkludierte Leistungen: • 2 Übernachtungen auf einer Hütte mit Frühstück oder Halbpension • Wanderkarte und Streckenbeschreibung

Schubertiade Bregenzerwald Die Schubertiade im malerischen Dorf Schwarzen­berg widmet sich der Musik Schuberts und seiner Zeitgenossen. International bekannte Interpreten und Ensembles gestalten rund 40 Liederabende und Konzerte und damit das weltweit bedeutendste Schubert-Festival. Mit ­diesem Arrangement möchten wir Ihnen die Organisation erleichtern. Informationen über das ­Programm finden Sie auf www.schubertiade.at. Inkludierte Leistungen: • Übernachtungen mit Frühstück oder Halbpension in einem ausgewählten ***Hotel oder ****Hotel • mindestens 3 Schubertiade-Konzertkarten pro Person der besten Kategorie • Tickets für den Schubertiade Shuttle-Bus,

der Sie vom Hotel zum Konzert und wieder retour bringt • Bregenzerwald-Informationsmappe mit Tipps für interessante Ausflüge und Unternehmungen und Tickethinterlegung im Hotel • Bregenzerwald Gäste-Card für beliebig viele Fahrten mit den Bergbahnen und Bussen (z. B. auch in die Städte Dornbirn und Bregenz am Bodensee) sowie für freien Eintritt in die Schwimmbäder der Region Wir stimmen das Arrangement auf Ihre individuellen Wünsche ab (Aufenthaltsdauer, Konzert­karten). Termine: 19. – 29.6.20 | 21. – 31.8.20

Fotos: Anja Koehler, Christoph Lingg, Johannes Fink

Bregenzer Festspiele Sie wohnen in einem ausgewählten Hotel in herrlich grüner Umgebung im Bregenzerwald und besuchen an einem Abend die Bregenzer Festspiele: Auf der größten Seebühne der Welt ist in diesem Jahr „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi zu hören und zu sehen.

• Ab 3 Übernachtungen erhalten Sie die ­Bregenzerwald Gäste-Card für beliebig viele Fahrten mit den Bergbahnen und ­Bussen (z. B. auch in die Städte Dornbirn und ­Bregenz am Bodensee) sowie für freien Eintritt in die Schwimmbäder der Region

Inkludierte Leistungen: • 1, 2 oder 3 Übernachtungen mit Halb­ pension in einem Hotel Ihrer Wahl • 1 Ticket für „Rigoletto“ (Kat. 3/So – Do oder Kat. 4/Fr – Sa) • Transfer zur Aufführung der Bregenzer Festspiele und retour (Festspiel-Transfer teilweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln)

Termine: 22.7. – 24.8.20 Preis pro Person: ab € 189 im Doppelzimmer mit Halbpension (1 Nacht) ab € 269 im Doppelzimmer mit Halbpension (2 Nächte) ab € 349 im Doppelzimmer mit Halbpension (3 Nächte)

reisemagazin bregenzerwald · 57


Bregenzerwald Tourismus: Buchbare Angebote

Buchung, Info: T +43 (0)5512 2365 www.bregenzerwald.at

Kennenlerntage Bregenzerwald Das genussvoll-praktische Bregenzerwald-Angebot zum Kennenlernen mit Preisvorteil. Wenn Sie von Sonntag bis Donnerstag buchen, übernachten Sie viermal und zahlen nur für drei Nächte! Inkludiert ist eine kulinarische Ganztageswanderung, bei der Sie Bergfrühstück, Mittagessen und Dessert an verschiedenen Orten genießen (siehe S. 47). Sie erhalten die Bregenzerwald Gäste-Card für beliebig viele Entdeckungsfahrten mit den Bergbahnen und öffentlichen Bussen und für erfrischend-entspannende Stunden in den Freibädern. Inkludierte Leistungen: • 3 Übernachtungen von Donnerstag bis Sonntag oder 4 Übernachtungen von Sonntag bis Donnerstag in der Unterkunft nach Wahl mit Frühstück oder Halbpension

• Gutschein für eine kulinarische Ganztageswanderung im Bregenzerwald • Bregenzerwald Gäste-Card • Bei Buchung von Sonntag bis Donnerstag übernachten Sie viermal und zahlen für drei Nächte. Termine: 31.5. – 1.10.20 (buchbar von Sonntag – ­Donnerstag oder Donnerstag – Sonntag) Preis pro Person: ab € 270 im Doppelzimmer mit Halbpension ab € 212,70 im Doppelzimmer mit Frühstück ab € 294 für 2 Personen in der Ferienwohnung ohne Verpflegung

Kinderabenteuer Bregenzerwald Sie wohnen 7 Nächte in einem BregenzerwaldPartnerhotel und stellen sich Ihren Bregenzerwald-Familienurlaub ganz nach Belieben zusammen. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Programme: von Abenteuerlichem bis zu Spielerischem spannt sich der Bogen. Für beliebig viele Fahrten mit den Bergbahnen und den öffentlichen Bussen erhalten Sie außerdem die Bregenzerwald Gäste-Card.

• Diverse Programmbausteine - Waldseilgarten Damüls - Kinderklettern & Schluchtenquerung in Mellau - Flying Fox - Erlebnisbauernhof Ingo Metzler

Inkludierte Leistungen: • 7 Übernachtungen in einer Unterkunft nach Wahl • Bregenzerwald Gäste-Card

Preis pro Person: Auf Anfrage

C

Termine: 1.7. – 31.8.2020

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Ausgesucht schöne Flusslandschaften und Gast­ geber, die sich ganz nach Ihrem ­Rhythmus ­richten: Verbringen Sie 3 oder 7 Nächte im ­Bregenzerwald und erkunden Sie im Umkreis die rund 60 Kilometer der besten, selbstverständlich nach­haltig bewirtschafteten Fliegenfisch-Reviere.

• Optional: Fliegenfischer-Kurs (mind. 4 ­Personen; max. 6 Personen); Fischerkarten für weitere Reviere

Inkludierte Leistungen: • 3 oder 7 Übernachtungen mit Frühstück oder Halbpension in einer ­Unterkunft nach Wahl • ½ Tag Guiding (Einführung), Termin wird ­individuell abgestimmt • Fischerkarte für 3 oder 6 Tage (plus Anreisetag) • Bregenzerwald Gäste-Card für beliebig viele Entdeckungsfahrten mit den Bergbahnen und öffentlichen Bussen und für erfrischend-entspannende Stunden in den Freibädern

Preis pro Person: Preis pro Person: 3 Nächte: ab € 557 im Doppelzimmer mit Halbpension 3 Nächte: ab € 490,70 im Doppelzimmer mit Frühstück 7 Nächte: ab € 977 im Doppelzimmer mit Halbpension 7 Nächte: ab € 838,30 im Doppelzimmer mit Frühstück

Termin: 1.5. – 30.9.2020

Fotos: Michael Namberger, huber-images.at, Alex Kaiser

Fliegenfischen Bregenzerwald


Tipp der Redaktion: Mit der Bregenzerwald Gäste-Card durchs Tal Die Bregenzerwald Gäste-Card gibt es bereits ab 3 Übernachtungen in den 24 Partnergemeinden im Bregenzerwald vom 1. Mai bis 31. Oktober. Sie ist die „Eintrittskarte“ zu allen bewegten und genussvollen Berg­ erlebnissen und bringt Besucher beliebig oft per Bergbahn nach oben. Sie gilt für umweltfreundliche Fahrten mit den öffentlichen Bussen und sorgt zudem für e ­ rfrischend-entspannende Stunden in den Freibädern.

D Lindau Bod

ens

ee

Langen

Sulzberg

Die Freibäder

Riefensberg

Bregenz Doren

Buch Bildstein

9 Freibad Au Solarbeheiztes Schwimmbad, Breitrutsche, Kinderspielplatz, direkt am Radwanderweg

Krumbach 15 Hittisau

Langenegg

Alberschwende

10 Waldbad Schoppernau Ideal für Familien mit Kinderplansch­ becken und Kinderbecken mit kleiner ­Rutsche, Tischtennis, Beachvolleyballplatz, Pit Pat-Kinderspielplatz in der Nähe

Lingenau 12 Egg

14

CH Dornbirn

Sibratsgfäll

Andelsbuch 1 2 11 Bezau

Schwarzenberg

Reuthe Mellau 3 13

Bizau

Schnepfau Au 9 B r

4 Damüls

Sonntag

7

11 Schwimmbad Bezau Barrierefreies, beheiztes Freibad, Kinderbereich, Doppel-Kinderrutsche, Beachvolleyballplatz

eg

12 Schwimmbad Egg Sprungturm mit 1 und 3 Metern, 50-m-­Rutsche für Kinder und Erwachsene, vier Bahnen zu 33 m, separates beheiztes Kinderschwimmbecken mit Baby-Rutsche

5 en

Schoppernau 10 ze

ra

ch

Warth 6 Schröcken

Fontanella 8

14 Schwimmbad Schwarzenberg Oberhalb von Schwarzenberg in ruhiger, sonniger Lage

Die Bergbahnen 1

7

Bergbahnen Andelsbuch www.bergbahnen-andelsbuch.at

Großwalsertaler Seilbahnen, Sonntag www.sonntagstein.at

2 Seilbahn Bezau www.seilbahn-bezau.at

8 Bergbahnen Faschina/Fontanella www.seilbahnen-faschina.at

3

Mellaubahn www.mellau-damuels.at 4

Uga Express, Damüls www.damuels-mellau.at 5 Bergbahnen Diedamskopf, Au-Schoppernau www.diedamskopf.at 6 Steffisalp Express, Warth www.warth-schroecken.at

13 Freibad Mellau 3-m-Springturm, schattiges Kinderbecken mit Rutsche, Tischtennis und Tischfußball

Die Bergbahnen sind ab Mitte bzw. Ende Juni bis Anfang Oktober täglich geöffnet. Im Frühjahr und Herbst sind die Bergbahnen an den Wochen­enden in Betrieb. Bitte entnehmen Sie die genauen Betriebszeiten aus dem aktuellen Reisebegleiter.

15 Schwimmbad Hittisau Familienbad, grander Wasser, Breit­rutsche, 55-m-Erlebnisrutsche, großer Sandspielplatz

Die Schwimmbäder sind je nach Witterung von Ende Mai bis Anfang September geöffnet.

Die Busse Freie Fahrt auf den Buslinien des Landbus ­Bregenzerwald bis Bregenz und Dornbirn (ausgenommen die Stadtbusse), bis Lech (ausgenommen blaue Wanderbusse – Spullersee/ Formarinsee), mit der Linie 98 von Hittisau nach Balderschwang und mit dem Landbus Großes Walsertal bis Thüringen. reisemagazin bregenzerwald · 59


Tipps der Redaktion: Kulturelle Treffpunkte An kulturellen Höhepunkten mangelt es im Bregenzerwald nicht. Von der S ­ chubertiade Schwarzenberg mit zwei Konzertzyklen bis zu den Bregenzer ­Festspielen mit dem Spiel auf dem See kann der Hochkultur gefrönt werden. Im von Architekt Peter Zumthor geplanten Werkraumhaus in Andelsbuch ­werden das Bregenzerwälder Handwerk und die Kultur des Bauens und Wohnens in augenfälliger Form präsentiert.

Museen und Ausstellungen D

1 Werkraumhaus, Andelsbuch (→ S. 40) www.werkraum.at

Lindau Bod

ens

2 Frauenmuseum, Hittisau www.frauenmuseum.at

ee

Langen Bregenz

Doren

Buch Bildstein

4 Franz Michael Felder Museum, Franz Michael Felder Weg & KulturTour App, Schoppernau www.au-schoppernau.at

Krumbach

Langenegg

Hittisau

2

Alberschwende 7

5 Kulisse Pfarrhof, Damüls Vorarlberger FIS-Skimuseum Damüls www.damuels.travel

14 Lingenau Egg 6

H Dornbirn

3 Angelika Kauffmann Museum, Schwarzenberg www.angelika-kauffmann.com

13 Sulzberg 10 Riefensberg

Schwarzenberg

Sibratsgfäll

3

6 Egg Museum, Egg www.eggmuseum.at

1 11 12 Andelsbuch 8 15 Bezau

Reuthe

Bizau

Mellau

7 Heimatmuseum Alberschwende www.alberschwende.at

Schnepfau

8 Heimatmuseum Bezau www.bezau.at

Au Damüls 5

Br

eg

4 en

9 Alpmuseum „uf m Tannberg“, Schröcken www.alpmuseum.at

Schoppernau ze

ra

ch

Warth 9

Schröcken

10 Juppenwerkstatt, Riefensberg www.juppenwerkstatt.at

Kulturelle Treffpunkte 11 Hans Bach Kino im Jöslar, Andelsbuch www.joeslar.at

Klassische Musik

Sommerfestivals & Feste

Schubertiade Schwarzenberg 20. – 28. Juni und 22. – 30. August 2020 www.schubertiade.at

FAQ Bregenzerwald 31. August – 6. September 2020 www.faq-bregenzerwald.com

Bregenzer Festspiele – „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi 22. Juli – 23. August 2020 www.bregenzerfestspiele.com Klassik Krumbach 13. – 16. August 2020 www.klassik-krumbach.at :alpenarte – Klassik neu erleben in Schwarzenberg 20. März und 8. – 11. Oktober 2020 www.alpenarte.eu

60 · reisemagazin bregenzerwald

Bezau Beatz – Musik aus allen Richtungen 6. – 8. August 2020 www.bezaubeatz.at Bregenzerwälder Bezirksmusikfest in Lingenau 9. – 12. Juli 2020 www.fest2020.at Walser im Wald: „Klassik bis Rock“ im Bergdorf Damüls Anfang Juli – Ende August 2020 www.damuels.at

12 kulturverein bahnhof, Andelsbuch www.bahnhof.cc 13 ThalsaalKultur, Sulzberg-Thal www.thalsaalkultur.at

Lokalgeschichte 14 Lingenau erzählt Auf 4 Routen finden sich Tonaufnahmen von LingenauerInnen, die ihre Geschichte zu dem Ort erzählen, an dem man gerade ist. www.lingenau-erzaehlt.at 15 Das „Wälderbähnle“ Die sorgsam gepflegte Nostalgiebahn fährt mit ­historischen Diesel- oder Dampflokomotiven ­zwischen den Bahnhöfen Bezau und Schwarzen­ berg. Die Remise in Bezau ist ein beliebter ­Veranstaltungsort. www.waelderbaehnle.at


Das Forum mit Festival charakter und kulinarischem Anspruch. Potentiale für eine gute Zeit 31. August – 06. September 2020 Bregenzerwald/Vorarlberg

www.faq-bregenzerwald.com reisemagazin bregenzerwald · 61


Mountainbike-Karte ­Bregenzerwald

Wanderkarte Bregenzerwald

inkl. 23 Top-Routen

inkl. Booklet mit 50 Wanderrouten

Zum Nachfahren und Miterleben. Die ­flotteste Form, um den Bregenzerwald zu erkunden und dessen mannigfaltige ­Gestaltung zu ­erfahren. Preis: € 9,90

Über 1.500 Kilometer beschilderte Wanderwege führen durch die Talschaft und auf ihre Berge. Fünfzig ausgesuchte Wanderrouten sind in einem Wander­ führer zur Wanderkarte versammelt. Preis: € 14,90

Erhältlich bei: Bregenzerwald Tourismus, T +43 (0)5512 2365, info@bregenzerwald.at und in den örtlichen Tourismusbüros und Sportshops im Bregenzerwald Online-Bestellung: www.bregenzerwald.at

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Profile for Bregenzerwald Tourismus GmbH

Reisemagazin Bregenzerwald - Sommer 2020  

Reisemagazin Bregenzerwald - Sommer 2020