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spektrum bregenzerwald

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A N S IC H T EN Z W I S C H EN BE S TĂ„ N DIG K EI T U N D NE U L A N D

energie

So viel Energie steckt im Wald

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Editorial Der Vorarlberger Landtag hat im Juli 2009 einstimmig beschlossen, dass unser Bundesland bis zum Jahr 2050 energieautonom werden soll. Man will nicht länger von Preissteigerungen und Versorgungsengpässen bei Öl und Gas abhängig sein. Und spätestens seit den Vorfällen in Fukushima ist wohl allen bewusst, dass ein Umdenken stattfinden muss. Energiesparen und erneuerbare Energie sind nun die Schlagworte. Das langfristige Ziel Energieautonomie betrifft natürlich auch uns im Bregenzerwald. Wobei wir uns doch sowieso als Energiepioniere sehen, oder? Und das nicht erst seit den letzten Jahren. Ehrlicherweise muss man dazu sagen, dass sie oftmals als „grüane Ökospeannar“ verschrien waren: Jene, die hinter den zukunftsweisenden Projekten gestanden sind. Langen Atem mussten sie beweisen und viel Überzeugungsarbeit leisten. Wasserkraft, Biomasse, energieeffizientes Bauen, E-Mobilität usw. machen nun aber das Thema Energie in unserer Talschaft sichtbar und täglich erlebbar. Und auch über die Grenzen hinaus erweckt der Bregenzerwald hier viel Aufmerksamkeit. Die Energieregion Vorderwald etwa wird von Interessierten bis aus Asien aufgesucht. Die Geschichten dieses Erfolges und einige jener Menschen, die daran beteiligt sind, stehen im Mittelpunkt dieser „spektrum“-Ausgabe. Wobei die Ansätze rund um das Energiesparen und die erneuerbaren Energieträger noch lange nicht Geschichte sind. Ganz im Gegenteil: Nachahmen und sich beteiligen muss das Ziel sein! Damit auch wir im Bregenzerwald unseren Beitrag zur Energieautonomie leisten können! Daniela Kohler Geschäftsführerin Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald

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Inhaltsverzeichnis Tipps & Veranstaltungen

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Aus den regionalen Institutionen REGIO Bregenzerwald Mobilitätsprojekte im Bregenzerwald Bregenzerwald Tourismus Nachhaltigkeit im Tourismus

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Werkraum Bregenzerwald Nachhaltiges aus dem Werkraum

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Offene Jugendarbeit Bregenzerwald Ehrenamtliche Jugendraum-MitarbeiterInnen

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KäseStrasse Bregenzerwald Immaterielles UNESCO-Kulturerbe

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Das aktuelle Thema: Energie Licht und Wärme für den Wald Hauptsache Holz Ein Dorf voll neuer Energie „Klar tar ma Fiaschtr uftua!“ Einkehren, um zu tanken „Wenn d’ eppas Nüs machascht …“ Leben ohne Strom

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Album

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Tipps & Veranstaltungen Bregenzerwald Tourismus

Vorarlberger Architekturinstitut

3Täler inklusive Brandnertal: DIE Saisonkarte in Vorarlberg

Energie Lounge 2011 Erneuerbare Energiesysteme

Wintersportfans wird mit dem stark erweiterten Angebot der 3TälerSaison- oder Jahreskarte ein Skipass mit grenzenloser Flexibilität geboten. Mit 37 Skigebieten, 168 Bahnen und Liften sowie 521 Kilometer Pisten und Skirouten ist der 3Täler-Skipass + Brandnertal der größte Skiverbund im Dreiländereck. Preisvorteil im Vorverkauf: Der 3TälerPass ist im 3Täler-Infobüro in Egg (Tel. 05512/2365), im Internet unter www.3taeler.at sowie bei nahezu allen Tourismusbüros im Bregenzerwald und den geöffneten Bergbahngesellschaften erhältlich. Der Vorverkauf dauert bis 11. 12. 2011

Energie-, Kosten- und Umweltbilanz von Wohnungslüftungen Termin: Mi. 7.12.2011 Beginn: 17 Uhr Ort: Marktstraße 33, Dornbirn Eintritt frei, unbedingt anmelden www.v-a-i.at

Heimatpflegeverein Bregenzerwald

Führungswechsel zum 30-Jahr-Jubiläum Obmann Tone Schmelzenbach übergibt an Richard Bilgeri und wird Ehrenobmann. Vereinsstruktur, Aufgaben und Ziele sowie das Bregenzerwald-Heft werden überarbeitet. Weitere Informationen: www.heimatpflegeverein.at info@heimatpflegeverein.at

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Bregenzerwald Archiv

Fotoausstellung Stadt und Land Historische Fotos aus neun Vorarlberger Kommunalarchiven dokumentieren Vorarlberger Lebenswelten in der Stadt und auf dem Land. Erstmals im Zuge der Langen Nacht der Museen in Hard präsentiert, befindet sich die Ausstellung nun auf Wanderschaft. In Egg liegt der Schwerpunkt auf Fotos aus dem Bregenzerwald. Termin: 16. 1. bis 12. 2. 2012 Ort: Raiffeisenbank Mittelbregenzerwald, Egg, Schalterhalle Angelika Kauffmann Museum

Adventsingen im Museum Das Adventsingen steht unter dem Motto „Der Hirt, der Buo, Ochs und Esl dazuo“. Evelyn Fink-Mennel lädt zum „Stimme Stimmen“ in Begleitung des Ensembles ADVENTure. Eintritt: 10 Euro. Kartenverkauf: Im Tourismusbüro unter Tel. 05512/3570 oder vor Ort. Termin: 17. 12. 2011 um 16 Uhr Ort: Angelika Kauffmann Museum in Schwarzenberg

Frauenmuseum Hittisau

FESTE.KÄMPFE. 100 Jahre Frauentag Fotos, Plakate, Transparente u.v.m. dokumentieren die bewegte Geschichte des Frauentags in Österreich. Ein Ausstellungsteil befasst sich mit der Lebenssituation und dem politischen Engagement von Frauen im Bregenzerwald. Die Ausstellung dauert bis 11. 3. 2012. Information zu den Führungen und Öffnungszeiten: www.frauenmuseum.at

Kulturforum Bregenzerwald

Entwicklung Bregenzerwald – wohin? Das Kulturforum wird sich bei einer Podiumsdiskussion der Frage ­widmen, wohin sich der Bregenzerwald entwickeln soll und welche Fördermaßnahmen ab 2014 unterstützend wirken könnten. Auf dem Podium: Anton Wirth, Obmann der REGIO Bregenzerwald; Erwin Mohr, Bgm. a.D., Mitglied im Ausschuss der Regionen, Brüssel; Sibylla Zech, Raumplanerin und Moderatorin des Weltkulturerbe­ prozesses im Bregenzerwald; Termin: 20. 1. 2012, 20 Uhr Ort: Rathaussaal Andelsbuch


kulturverein bahnhof Andelsbuch

Konzerte zum Jahresausklang und Neujahr Kleaborar Bahnteifl

Konzertreihe der Bahnteifl „WälderWahn“, die erste CD der Bahnteifl, wurde im September im ORF präsentiert. Zurzeit sind sie unterwegs mit dem aktuellen Programm „dar Mätsch 1-5“, ein Mix aus den besten Liedern aller bisherigen Programme (Oltbekannts, also Lieder von ihrer neuen CD) und neuen Liedern (Nagelnüs). Termine, Hörproben, Texte, Bilder, Videos etc. auf www.bahnteifl.at

Herbert Pixner Projekt: So, 18. 12., 20 Uhr Silberdisteln: Fr, 23. 12., 20 Uhr Hellhound & Bird: Mo, 26. 12., 21 Uhr 1st Lake of Constance Navy Orchestra Projekt: Fr, 30. 12., 21 Uhr 3 Ravens and a Puffin: Do, 5. 1.2012 Tangoquintett „Tres y dos“: Sa, 14. 1.2012, 21 Uhr

Buchtipp

Bauernalltag – von der Hofstatt bis zur Alpe

einfach wälderisch

Veranstaltungsreihe JUPPOKASCHTO

Schwarzenberger Advent

Adventmarkt und Konzerte Beim Schwarzenberger Adventmarkt gibt es Konzerte in der Barockkirche und poetische Lesungen mit Menü in der sonst so hektischen Adventzeit. Als Einstimmung auf das erste Advent­wochenende begleiten die Wiener Streichersolisten im Angelika-Kauffmann-Saal stimmungsvoll durch den Abend. Weitere Programmpunkte: www.schwarzenberg.at

Der Juppenkasten ist ein spezielles Möbel, das Platz für alle Bestandteile der Bregenzerwälder Tracht bietet. Bei der vom Verein „einfach wälderisch“ in Zusammenarbeit mit Resi Bals und Karin Kaufmann ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe wird dieser Kasten symbolisch für alle Interessierten, Fachleute und Initiativen geöffnet. Termin: 3. 12. 2011 um 9 Uhr Ort: Engel bei Frau Kaufmann, Egg

Das Buch beschreibt das Leben der Bauern zwischen Hofstatt, Vorsäß und Alpe zwischen 1900 und 1950. Neben der reichlich vorhandenen Arbeit wurde besonders an Sonn- und Feiertagen das Familiäre und Gesellschaftliche gepflegt. Der Bildband gewährt Einblicke in den großfamiliären „Bauernalltag“ vergangener Zeiten. 248 Seiten, Schutzumschlag, Fadenheftung, viele SW-Bilder aus privatem Besitz. Erhältlich im Buchhandel oder beim Buchverlag Benvenuti Oliver, 6800 Feldkirch.

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Aus den regionalen Institutionen REGIO Bregenzerwald Text: Caroline Jäger

Mobilitätsprojekte im Bregenzerwald Die REGIO Bregenzerwald hat sich zum Ziel gesetzt, den ­Bregenzerwäldern „umweltbewusste Mobilität“ nahezubringen – also den Umstieg vom Auto auf Bus, Fahrrad und das Zufußgehen Im Rahmen einer klima:aktiv-Förderung wurde für den Bregenzerwald ein Mobilitätskonzept für das Jahr 2011 erstellt. Mobilitätsmaßnahmen mit verschiedenen Schwerpunkten wurden erarbeitet. Wie Kinder ihren Schulweg sehen So konnten Volksschüler an einem Kreativ-Wettbewerb teilnehmen. „Mein Schulweg“ will Kinder schon in frühem Alter auf eine umweltbewusste und eigenständige Mobilität vorbereiten. Ihr Verständnis für die Natur und deren Schönheit soll geweckt werden. Außerdem ist eine Verringerung des Verkehrs vor den ­Schulen beabsichtigt. „Mein Schulweg“ ermöglichte den Kindern, ihren Schulweg neu zu entdecken und auf ihre Art und Weise darzustellen. Für die Kunstwerke gab es einen Ausflug mit dem Wälder­bähnle als Belohnung. Exkursionen zu Naturschauplätzen An der Umweltwoche 2011 wirkten 19 Gemeinden mit. Dabei veranstalteten sie in Zusammenarbeit mit der Umweltabteilung des Landes verschiedene Ausflüge zu den schönsten Naturschauplätzen. Eine Überraschung gab es für alle, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Bus zu den Treffpunkten kamen. Sie erhielten ein ErfrischungsGel von Molke Metzler aus Egg.

Die Belohnung für die Teilnahme am Kreativ-Wettbewerb für Volksschüler: eine Fahrt mit dem Wälderbähnle

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Bregenzerwald

Regionalplanungsgemeinsa

Nahversorger boten Gratis-Lieferung Einkaufen zu Fuß oder per Rad stand von 16. bis 22. September 2011 im Mittelpunkt der Mobilitätswoche. 22 Nahversorger aus 21 Gemeinden boten ihren Kunden einen kostenlosen Transport der eingekauften Waren nach Hause. Diese gemeinsame Aktion förderte die umweltfreundliche Mobilität ebenso wie die regionale Nahversorgung. Andelsbuch bei Fahrradwettbewerb vorne Elf Bregenzerwälder Gemeinden nahmen am diesjährigen Fahrradwettbewerb teil. Zwischen dem 9. April und 11. September 2011 sollten möglichst viele Kilometer mit dem Rad zurückgelegt werden. Die Prämierungen erfolgten über die jeweiligen Gemeinden im ­Bregenzerwald. Mit 118 Teilnehmern lag Andelsbuch vorne. Bezau war die Gemeinde mit den meisten gefahrenen Kilometern (64.159 km) im Bregenzerwald. Weiters haben sieben Bregenzerwälder Gemeinden gemeinsam einen Förderantrag für Fahrradabstellanlagen an Bushaltestellen eingereicht. Auch 2012 werden wieder zahlreiche Mobilitätsmaßnahmen im ­Bregenzerwald von der REGIO geplant und umgesetzt. Alle Maßnahmen und ausführliche Informationen sind auf der Homepage unter www.regiobregenzerwald.at zu finden.

Mobilitätswoche: 22 Nahversorger boten einen Gratis-Lieferservice für die Kunden

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Aus den regionalen Institutionen Bregenzerwald Tourismus Text: Herlinde Moosbrugger

Nachhaltigkeit im Tourismus – wozu? Was will der Gast, damit er kommt und wiederkommt? Auf diese Frage gibt es ein kurzfristige und eine langfristige, nachhaltige Antwort Werte wie Energieeffizienz, Nachhaltigkeit, ökologisches Bauen oder Regionalität bewegen uns in diesen Zeiten. Sie werden immer wichtiger, weil unsere Wachstums- und Konsumgesellschaft an Grenzen stößt und sich neu ausrichten muss, um die Zukunft zu meistern. Diese neuen Werte nehmen natürlich auch Einfluss auf einen ­unserer wesentlichen Wirtschaftszweige, den Tourismus. Wer in seinem Alltag Wert auf gesunde Ernährung und Bioprodukte legt, wird nicht im Urlaub darauf verzichten wollen und sich mit „Fastfood“ abspeisen lassen. Wer daheim auf alternative Mobilität, Energie­ effizienz sowie schonenden Umgang mit Rohstoffen und Natur setzt, wird das in seinem Urlaubsort einfordern – oder diesen, wenn das fehlt, einfach wechseln. Es ist auch mit diesen neuen Werten wie immer im Tourismus: Erst kommen die Gäste, weil sie das, was sie vorfinden, für ­exotisch ­halten. Dann aber, um wiederzukommen, fordern sie, was sie von zu Hause gewohnt sind. So haben sich Tourismusbetriebe stets den Wünschen ihrer Gäste angepasst, um erfolgreich zu sein. Den erfolgreichsten ist es gelungen, die Wünsche der Gäste mit der eigenen Kultur und der eigenen Tradition zu vereinen. So sind sie ­authentisch geblieben. Und das wird auch in Zukunft der Schlüssel zum Erfolg sein: Auf die Wünsche der Gäste eingehen und dabei die eigenen ­regionalen Besonderheiten im Spiel halten. Gegenwärtig ändern sich die ­Wünsche der Gäste – und zum Glück in eine Richtung, die den Traditionen des Bregenzerwaldes entgegenkommt. Mehr und mehr verlangen die Gäste, was sie auch zu Hause erwarten: eine authentische Kultur mit gesundem Essen in gesunder Landschaft – kurz, ­gesundes Leben. Genau das bedeutet Nachhaltigkeit – langfristig gesundes Leben. Schon seit einiger Zeit legen erfolgreiche Köche, Wirte und Hoteliers Wert darauf, Regionales in Verbindung mit hoher internationaler Qualität anzubieten. Sie liegen nachhaltig richtig. Denn sie bieten schon jetzt, was Gäste in Zukunft mehr und mehr wollen: gesundes Essen und gesundes Wohnen in einer intakten Landschaft erleben.

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Kurzfristig stellt sich für die Tourismuswirtschaft die Frage nach der Bedeutung der neuen Werte für die Urlaubsentscheidung. Kommt einer wegen der gesunden Alp mit Kühen ohne Kraftfutter oder weil er den Hüttenzauber beim Skifahren erleben will? Im Moment lässt sich diese Frage leicht beantworten. Was aber, wenn Wüstendestinationen und Großstädte auch Hüttenzauber, und zwar billiger und bequemer zu erreichen, anbieten? Was macht dann eine Tourismusregion wie der Wald? Noch billigeren Hüttenzauber? Was gestern war, kümmert heute kaum mehr jemanden. Und morgen ist das Heute vorbei. Daher ist es wichtig, die Werthaltungen der Gäste zu beobachten und früh genug zu erkennen, wenn sich diese ändern. Tatsächlich trägt ja vor allem die Tourismuswirtschaft zu einer veränderten Sicht auf die eigene Umgebung bei. Die Alpenbewohner haben ihre Hochlandwüstenei erst als profitabel erkannt, als englische Bergsteiger durch ihre Begeisterung für Land und Leute klargemacht haben, dass das Hochgebirge etwas wert ist. Es geht aber nicht nur um die Gäste. Es geht auch um uns. Für Gäste ist es spannend zu sehen, wie ihre Gastgeber ticken. Wofür sie ­einstehen, was für sie wichtig ist, welche Werthaltungen sie haben. Im Idealfall kommt es so zu einem Austausch: Wir zeigen, worauf wir stolz sind, und die Gäste sagen uns, ob sie das auch so sehen. Oder machen uns auf etwas aufmerksam, das wir übersehen. Etwa, wie bewundernswert bei uns ist, was wir momentan vielleicht gar nicht so schätzen. Tourismus ist ein hartes Geschäft. Aber in seinem Grund geht es um die Bereicherung des Lebens – der Gäste ebenso wie der Gastgeber. Wer nur den Gaudimax fürs Publikum runterreißt, wird auf Dauer kaum Bereicherung erfahren – und damit auch bald keine mehr geben können. Man muss als Gastgeber mit seiner Energie haushalten – das gilt nicht nur für Strom und Heizung, das gilt vor allem für einen selbst. Wohlbefinden überträgt sich auf die Gäste – gestresstes Entertainment auch. In den großen Städten legen besonders die jungen Menschen immer mehr Augenmerk auf Werte wie Energieeffizienz, Nachhaltigkeit, ökologisches Bauen und Regionalität. Sie wollen gesund leben und essen. Die „Urlaubsparadiese“ sind noch auf die Ballermänner von gestern ausgerichtet. Und Ballermänner werden sie bleiben. Die guten Gäste suchen längst neue Destinationen. Der Wald könnte eine sein. Wenn er die neuen Werte richtig versteht und zur Geltung bringt. Hier. Auf der eigenen Wiese, auf der eigenen Piste, im eigenen Haus.

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Aus den regionalen Institutionen Werkraum Bregenzerwald Text: Renate Breuß

Nachhaltiges aus dem Handwerk In Anlehnung an den Themenschwerpunkt möchte ich die Aktivitäten im Werkraum an dieser Stelle einmal unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit betrachten. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ kommt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und meint den Versuch, einen möglichst großen Nutzen aus dem Wald zu ziehen, ohne das Kapital Wald kurz- oder langfristig zu mindern. Über diese Form des nachhaltigen Wirtschaftens hinaus umfasst Nachhaltigkeit auch soziale oder gestalterische Aspekte wie Gemeinschaft, Identität und s­ oziale Wertvorstellungen oder die einen Trend überdauernde Form. ­Beides ist angeregt über den Wettbewerb Handwerk+Form, der im kommenden Jahr 2012 zum sechsten Mal auf dem Programm steht.

Ausstellung aller ­Einreichungen des Wettbewerbs Handwerk+Form in Andelsbuch

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HANDWERK+FORM 2012 Die Form von Dingen veraltet heute mitunter schneller als eine eingesetzte Technik. Zeitlose Formen, die eine schnelle Mode mühelos überdauern, sind für eine hochwertige handwerkliche Arbeit, gemacht und gedacht für einen längeren Gebrauch, eigentlich selbstverständlich. Seit mehr als zwanzig Jahren bietet Handwerk+Form eine Plattform für genau diese Auseinandersetzung. Zum 200. Geburtstag des Andelsbucher Handwerkervereins (HWV) von einer kleinen Truppe 1991 ins Leben gerufen, wird der Wettbewerb seit 2000 alle drei Jahre vom Werkraum Bregenzerwald ausgerichtet. Von Anbeginn stand der Austausch zwischen Handwerkern und Architekten im Vordergrund. Die ­Forcierung von betriebsund branchenübergreifenden Einreichungen und die Besinnung auf die ­eigenen kulturellen Werte sind heute genauso wichtig. Die Vorarbeiten für die kommende Handwerk+Form sind bereits im Gange, alle Handwerksbetriebe im Bregenzerwald sind schon jetzt zur Teilnahme eingeladen. Über die kontinuierlich ausgetragenen Wettbewerbe hat sich das Handwerk im Bregenzerwald nicht nur einen Namen gemacht, sondern Knowhow in der Zusammenarbeit mit Architekten entwickelt. Der Aufwand dieses Austausches zwischen Architekt und Handwerk ist im Bregenzerwald mittlerweile eine kalkulierbare Größe und damit ein Wettbewerbsvorteil geworden. Wirtschaftliches Denken und Nachhaltigkeit schließen einander nicht aus. Eine Konzentration auf gezielte Märkte unter klaren Prämissen verschafft unseren Produkten jene Merkmale, die von ­anderen so schnell nicht kopiert werden können. Daran zu arbeiten ist eine ständige Aufgabe. Preisverleihung und Wirtschaft im neuen Werkraum Haus Seit 2003 baut die Werkraum-Mannschaft zusammen mit dem HWV Andelsbuch zur Eröffnung und Preisverleihung von Handwerk+Form „Provisorien“. Hier versammelte sich für zwei Wochenenden alles, was zum Rundgang von Handwerk+Form gehört: Essen und Trinken, Feiern und Reden. Mit dem neuen Werkraum Haus gibt es dafür ab 2012 einen festen Ort, fürs Erste noch in Form eines letzten Provisoriums. Mit dem positiven Baubescheid konnte im Spätherbst die dreijährige Entwicklungs- und Entwurfsphase abgeschlossen und die Bauphase eingeleitet werden. Der Baubeginn startet je nach Witterung noch im Dezember 2011. Bis zur Handwerk+Form im Oktober 2012 sind die Fertigstellung der Beton- und Holzarbeiten bzw. das Aufrichten des Dachs, der Hülle und der Außenanlagen geplant, Innenausstattung und offizielle Eröffnung finden im Frühjahr 2013 statt. Einem Haus, das über viele Jahre dem Bregenzerwälder Handwerk und der Gemeinde Andelsbuch einen gut bearbeiteten und stimmigen Ort schaffen soll, steht eine nachhaltige Planungsphase im besten Sinne des Wortes auch zu. bregenzerwald spektrum

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Aus den regionalen Institutionen Offene Jugendarbeit Bregenzerwald Text: Angelika Schwärzler, ehemalige Teamleiterin des Jugendraums Kiba in Lingenau

Mehr als Limonade ausschenken Limonade ausschenken! Dies ist wohl der erste Gedanke, wenn wir von ehrenamtlicher Arbeit im Jugendraum hören. Doch hinter ­dieser Aufgabe steckt weit mehr Das ehrenamtliche Arbeiten in einem Jugendraum bietet viele ­Chancen für Jugendliche. Wer mittut, hat die Möglichkeit, sich mit seinen Ideen einzubringen und kreativ zu sein. Menschen kennenzulernen steht im Mittelpunkt der freiwilligen Arbeit in einem Jugendraum. Dabei lernt und erlebt man, Verantwortung für Entscheidungen sowie das eigene Handeln zu übernehmen – auch im Hinblick auf Pünktlichkeit und den Umgang mit Geld.

Wenn die Post im Jugendraum abgeht, sind die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen gefragt

Ehrenamtliche Arbeit zu verrichten macht sich gut in einem Bewerbungsschreiben. Allerdings ist sie zeitaufwendiger und anspruchsvoller, als vielen vorher bewusst ist. So sehen sich beinahe in jedem Dorf die Mitglieder des Jugend-Aktiv-Teams früher oder später im Spannungsfeld zwischen den Vorstellungen der jungen Besucher des Jugendraums und den gesetzlichen wie gesellschaftlichen ­Grenzen. Meist handelt es sich um Dinge wie die Lautstärke der Musik, der Ausschank von Alkohol oder eine von Seiten der Jugendlichen gewünschte Verlängerung der Sperrstunde. Die Freiwilligen des jeweiligen Teams müssen sich diesen Schwierigkeiten stellen und eine Lösung finden, die alle Beteiligten zufriedenstellt. Einer der wichtigsten Aspekte im Jugend-Aktiv-Team ist das Miteinander: Es geht um das Motivieren und Respektieren der Mitglieder. 12 bregenzerwald spektrum


Mountain Pub Sulzberg

Sixteen Langen

Riefensberg

NoName! Doren

Krumbach

Buch

UNDERGROUND Langenegg

Kiba

Brennpunkt

Jugendräume im Bregenzerwald

BARacuda Hittisau

Lingenau

Alberschwende

Capo Egg

Sibratsgfäll

BARfuaß

Schwarzenberg

Andelsbuch

papalapub Bezau

Reuthe

s´Firaubod Bizau

Mellau

Schnepfau

Au Schoppernau

Damüls

Schröcken

Warth

Die Tätigkeit in einem Team wird miteinander ge- und erlebt. Hier treffen Jugendliche mit unterschiedlichen Einstellungen und Wünschen aufeinander. Daher kommt es auch immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten. Im Team werden Ideen erarbeitet und besprochen. Neben dem Abwägen des Für und Wider einer Idee ist es die Aufgabe des Teams, stets neue und aktuelle Themen für Veranstaltungen bzw. Feste auszuwählen, um die Jugendlichen anzusprechen. Für die Zukunft des Waldes ist es wichtig, Jugendlichen einen ­eigenen Ort zu bieten und ihrem Miteinander sowie ihren Ideen Raum zu verschaffen. Zum Glück erfährt die freiwillige Jugend­ arbeit im ­Bregenzerwald von vielen hohe Wertschätzung und ­Anerkennung. Selbstverständlich könnte ein Jugendraum nicht ohne die ­finanzielle Unterstützung von REGIO, Land und Gemeinde bestehen. Ein herzlicher Dank für diese Unterstützung. bregenzerwald spektrum

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Aus den regionalen Institutionen KäseStrasse Bregenzerwald Text: Michael Moosbrugger

UNESCO Immaterielles Kulturerbe Die Dreistufenlandwirtschaft im Bregenzerwald Die KäseStrasse Bregenzerwald erreichte heuer gemeinsam mit über 100 gesammelten Original-Unterschriften von Ä ­ lplerinnen und Älplern die Listung im nationalen Verzeichnis des ­immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Antragsteller bei der UNESCO-Kommission: KäseStrasse Bregenzerwald, Verein zur Förderung der Bregenzerwälder Käsekultur

Was zählt zum immateriellen Kulturerbe (IKE) In Ergänzung zur UNESCO-Welterbekonvention (1972) erfahren seit 2003 auch die vielfältigen gelebten Traditionen internationale Aufmerksamkeit und werden unter demBegriff „immaterielles Kulturerbe“ weltweit von der UNESCO dokumentiert und geschützt.

Bereich: Umgang mit der Natur und dem Universum

Immaterielles Kulturerbe im Sinne des UNESCO-Übereinkommens: - Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Trägerin des immateriellen Kulturerbes - Darstellende Künste - Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste - Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum - Traditionelle Handwerkstechniken

Aufnahmedatum: 2011

Die Bedeutung des IKE Mehr noch als historische Bauwerke oder Landschaften sind diese oft nur mündlich tradierten Praktiken identitätsstiftend und für Gemeinschaften von hoher Bedeutung. Gerade im Zeitalter der Globalisierung gewinnen regionale Traditionen und lokales Wissen stark an Bedeutung. Beschreibung des eingereichten Elements Die Dreistufenlandwirtschaft hat für den Bregenzerwald eine sehr große Bedeutung. Sie ist ein fester Bestandteil des Kulturerbes der Familien, die auf diese Weise ihre Höfe, Vorsäße und Alpen bewirtschaften. Aber auch für alle anderen Bewohnerinnen und Bewohner des Bregenzerwaldes ist die Dreistufenlandwirtschaft wichtig: einerseits wegen der regionalen kulinarischen Produkte aus Milch und Käse, deren Herstellung durch diese traditionelle silofreie Bewirtschaftungsform erst möglich wird, und andererseits wegen der Feste und Bräuche (Alpaufzüge, Alpabtriebe, Alpmessen, Alpfeste, Käsemärkte, etc.), die in engem Zusammenhang mit der Dreistufenlandwirtschaft stehen.

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Das Wissen um die Bewirtschaftung der Weideflächen mittels Dreistufenlandwirtschaft wird seit Generationen innerhalb der Bauernfamilien durch Vorzeigen, Vorleben und durch mündliche Überlieferung weitergegeben. Die Technik der Dreistufenlandwirtschaft kam etwa im 14. Jahrhundert mit den nach Vorarlberg ausgewanderten Walsern aus dem Kanton Wallis in der Schweiz in das Gebiet des heutigen Bregenzerwaldes. Auch wenn die technische Ausgestaltung der Dreistufenlandwirtschaft einem stetigen Wandel unterworfen ist, so gibt es doch eine starke Kontinuität, da diese landwirtschaftliche Praxis seit Jahrhunderten kaum verändert wurde. Unmittelbar mit der Alpung verbunden ist die Pflege und der Erhalt der Kulturlandschaft. Die regelmäßige Bealpung verhindert u. a. die Verbuschung und Verkrautung von Alpwiesen und Berghängen. Der Tritt der Kühe auf steilen Hanglagen kann zudem Hang­ rutschungen, Murenabgängen und Lawinen vorbeugen. Im Bregenzerwald ist die Dreistufenwirtschaft seit Jahrhunderten Tradition – kein verstaubtes Relikt, sondern ein wesentlicher Bestandteil regionaler und bäuerlicher Identität und Lebensweise. Die erreichte Listung stellt eine klare Aufwertung bäuerlicher Lebens- und Arbeitsweisen in der Gesellschaft dar und kann auch ein Motiv für nachfolgende Generationen sein, dieses immaterielle Kulturgut weiterzupflegen und zu leben.

UNESCO Immaterielles Kulturerbe Die Dreistufenlandwirtschaft im Bregenzerwald

Leidenschaft für Tradition Der gezielte und professionelle Umgang mit diesen Traditionen birgt ein qualitativ großes touristisches Potenzial in sich. Die Gäste sind fasziniert und begeistert von überlieferter Alltagskultur, da diese näher am Publikum, dem Touristen, stattfindet und die Menschen auf einer emotionalen Ebene erreicht. „Unbestritten kommt der Inszenierung, der Aufbereitung des kulturellen Angebotes eine große Bedeutung zu“, erklärt Professor Christian Knöbl. Hier sind aber nicht jene Inszenierungen, die eigens für den „touristischen Konsum“ produziert werden, sondern die „Bespielung“, die Ausleuchtung des vorhandenen Kulturerbes gemeint. bregenzerwald spektrum

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Licht und Wärme für den Wald Vom ersten Lichtdynamo in Mellau bis zur Energieautonomie der Zukunft Eine kurze Geschichte der Energieversorgung: Vom ersten Lichtdynamo in Mel­ lau über der Monarchie größtes Kraftwerk in Andelsbuch bis zum ersten Fernwärmewerk in Egg und der Energieautonomie der Zukunft Text: Georg Sutterlüty

Das erste elektrische Licht im Wald Es war Herbst, die Nächte wurden länger und kälter. Der Mellauer Schlossermeister Franz Josef Sutter saß in seiner Werkstatt und dachte an eine neue Maschine. Er hatte gehört, man könne damit Licht erzeugen. Ein helles und klares Licht, nicht vergleichbar mit flackerndem Petroleumlicht. Sutter fand heraus, dass er diese Maschine, in der Fachsprache Dynamo genannt, mit dem Wasserrad in seiner Werkstatt antreiben könnte. Er müsste nur einen zusätzlichen Riemenantrieb für den Dynamo anfertigen. Dieser liefert Strom, der, in eine Kohlenfadenlampe geleitet, diese zum Leuchten brächte. Schon bald stand die Mellauer Bevölkerung vor seiner Tür, um die neue Beleuchtung im Haus und in der Werkstatt des Schlossers zu bestaunen. Manche glaubten, Sutter habe mit dem Teufel paktiert, andere gingen mit dem Wunsch nach Hause, ihr eigenes Heim mit solchem Licht auszustatten. Diese Geschichte geht auf das Jahr 1886 zurück. Sutter war der Erste im Tal, der elektrischen Strom erzeugte und für sich nutzte. Der Schlossermeister konnte nicht ahnen, dass er zu einem Pionier einer neuen Epoche werden sollte. Diese sollte sich fast gänzlich von der lebenden Energie von Mensch und Tier lösen und völlig neue Entfaltungsmöglichkeiten in Gesellschaft und Wirtschaft schaffen. Elektrische sowie fossile Energie (aus fossilen Brennstoffen wie Kohle oder Erdöl) sind spätestens seit 1945 zu einem bestimmenden Faktor unseres Lebens geworden. Wasserkraft, die wichtigste Energiequelle Auch unabhängig von der Stromgewinnung war Wasserkraft für die Bewohner des Bregenzerwaldes immer schon die wichtigste Energiequelle. In jedem Dorf entstanden an den Ufern der Bäche und Wassergräben Handwerksbetriebe, die das vom Gefälle angetriebene Wasser auf ihre Wasserräder leiteten. So setzten sie ihre Mühlen, Sägen, Schmitten oder Stampfen in Bewegung. Entlang des Bezauer Dorfbaches beispielsweise siedelten sich im Laufe der Jahre sieben Betriebe an, die Wasserkraft zu nutzen ­wussten. Die meisten von ihnen mahlten Korn oder betrieben eine Sägerei. Es war aber auch Platz für ausgefallenes Handwerk. So produzierte Alois Dreher um 1880 spezielle Gebinde und Deckel für Käsefässer. Experimente mit Elektrizität Das Experimentieren mit Elektrizität ging vor allem von den ­Mühlen- und Sägewerkbesitzern aus. 1889 wurde in Egg erstmals eine Turbine für die Stromgewinnung eingesetzt. Danach entstanden

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fast im ganzen Wald kleine private Kraftwerke, die einzelne Weiler mit Strom versorgten. Die Nachfrage nach der neuen Energie stieg dabei stetig, sodass bald Genossenschaften gegründet wurden oder Gemeinden sich selbst um die Produktion und Versorgung bemühten. Ein erster Höhepunkt war 1932 erreicht, als Damüls als letzte Gemeinde im Tal ­elek­trische Energie zu produzieren begann. Im ganzen Wald gab es damals Dutzende Kleinkraftwerke, die meisten mit einer Leistung von 1 bis 50 Kilowatt (kW). Das größte Kraftwerk der Monarchie Das Kraftwerk Andelsbuch bildete die große Ausnahme. Erbaut und betrieben von der Fa. Schindler und Jenny in Kennelbach, ging es 1908 in Betrieb. Seine Leistung: sage und schreibe 8.000 kW, damals das größte Wasserkraftwerk in der gesamten Monarchie. Das überstieg bei weitem die Nachfrage im Wald, die Betreiber führten über eine Hochspannungsleitung die Energie ins untere Rheintal und auch ins Allgäu. Von einer VKW war damals noch nicht die Rede. Diese bildete sich 1916 aus den Kraftwerken Andelsbuch, Rieden und Ebensand (Dornbirn). In den ersten Jahren noch in privater Hand, übernahm 1929 das Land Vorarlberg die Mehrheit der Gesellschaftsanteile. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Hunger nach Energie kaum zu stillen. Die Wirtschaft florierte, die Gesellschaft wurde mobiler, im ­Keller dröhnte die Waschmaschine, in der Stube flimmerte der Fernseher. Jährlich nahm der Energieverbrauch beträchtlich zu. Hunger nach elektrischer Energie 1951 verbrauchte Bezau gut 500.000 kWh, zwanzig Jahre später über 2,8 Millionen. Man war stolz auf dieses Wachstum, deutete es doch auf ein reges Leben, auf Fleiß und Modernität hin. Die kleinen Kraftwerke schlossen wegen Unrentabilität oder gingen an die VKW. Diese kontrollierte nun die gesamte elektrische Versorgung des Bregenzerwaldes. Als das Kraftwerk Langenegg 1979 seinen Betrieb aufnahm, war eine neue Dimension erreicht. Seine Gesamtleistung beläuft sich auf 75.000 kW. Dafür mussten einige Eingriffe in die Natur vorgenommen, unter anderem die Bolgenach gestaut werden. Energiegewinnung und Ökologie Heute stehen wir womöglich an einem Wendepunkt, eingeleitet in den Achtzigerjahren, als im Tal die Ankündigung der VKW, ein weiteres Kraftwerk in Alberschwende zu errichten, heftige Proteste hervorrief. Sympathisanten der grünen Ökobewegung verurteilten die vorgesehenen Eingriffe in die Natur und das Landschaftsbild. bregenzerwald spektrum

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Private Kleinkraftwerke Kraftwerke 0 - 4.000 KW

Wasserkraftwerke im Bregenzerwald: Private Kleinkraftwerke Kraftwerke 4000 KW -30 MW

Kraftwerke 0 - 4.000 KW

Private Kleinkraftwerke

4.000 KW 0 -Private 30 - 200 MW4.000Kraftwerke Kraftwerke 4000 KW -30 Kraftwerke 30 MW – 200 MW kW – 30 MW 0 ���MW 4.000 kW Kleinkraftwerke Kleinkraftwerke Private

18 bregenzerwald spektrumKraftwerke 30 - 200 MW

0 - 4.000 KW Kraftwerke MW Kraftwerke 4000 KW -30 Kraftwerke 4000 KW -30 MW Kraftwerke 30 - 200 MW Kraftwerke 30 - 200 MW


So hieß es, die Bregenzerach würde zu einem Rinnsal verkümmern, die Natur bedenkenlos dem Fortschritt und dem Wachstum ­geopfert. Erstmals wurden Forderungen laut, auf alternative Energien wie Solarenergie oder auf Effizienz (Energiesparlampe) zu setzen. Das Kraftwerk kam trotzdem. Es ging 1992 mit einer Leistung von 30.000 kW in Betrieb, allerdings öffnete sich die Politik den Fragen alternativer Energiegewinnung. Erneuerbare Energie statt fossile Brennstoffe Gegenwärtig steht vor allem die fossile Energie unter Beschuss. Im Bregenzerwald spielt sie seit den Zwanzigerjahren eine bedeutende Rolle, als die ersten Autos und Motorräder eine neue Ära der individuellen Mobilität einläuteten. Nach 1945 löste dann Öl Holz als Heizstoff allmählich ab, der Kachelofen musste der Zentralheizung weichen. „Heute werden in Neubauten praktisch keine Ölheizungen mehr installiert“, sagt ­Stephen Kaltheier, Geschäftsinhaber von E-Plus, einem Ingenieurbüro für Haustechnik mit Sitz in Egg. Das habe aber weniger damit zu tun, dass der Häuslebauer besonderen Wert auf Umweltschutz lege als vielmehr damit, dass der Ölpreis in den letzten Jahren stark ­gestiegen sei, so Kaltheier. Stark im Kommen sei die Erdwärme. Ansonsten gewinne man Wärme vermehrt wieder über Holz, ob mit Pellets, Hackschnitzeln oder Stückholz. Mit Fernwärme wurden die ersten Akzente gesetzt, sich von der ­fossilen Energie zu lösen und sich wieder auf die eigenen ­Ressourcen im Tal zu besinnen. Das erste Biomasseheizwerk im Tal entstand in Egg, in Betrieb ging es 1995. Es beliefert heute sämtliche öffentlichen Gebäude, aber auch private Häuser und Unternehmen im Ort mit Fernwärme. Die Initiative hatte Vorbildwirkung, heute gibt es solche Werke schon in einigen Gemeinden. Verschwinden die Mineralölhändler? Diese Entwicklung hat natürlich Folgen. Der Mineralölhändler Edwin Kobras aus Lingenau gibt an, seit 2003 mit Einbußen von über 50 Prozent konfrontiert zu sein: „Ich belieferte Gasthäuser und Hotels, die verbrauchten jährlich gut 30.000 Liter Öl. Heute sind sie an die Fernwärme angeschlossen.“ Sein Geschäft habe daher keine große Zukunft, meint Kobras: „Gott sei Dank naht bald die Pension.“ Zu bedenken gibt er, dass ohne das Förderwesen Biomasse nach wie vor preislich nicht mit Öl mithalten kann. Doch gegen gezielte politische Steuerung sei er machtlos. Laut Kobras läuft sein Tankstellenbetrieb nach wie vor gut. Die wenigen Elektroautos, die neuerdings

„Heute werden in Neubauten praktisch keine Ölheizungen mehr installiert.“ Stephen Kaltheier

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im Umlauf sind, spüre er nicht. Aber auch in der Mobilität werden erste politische Maßnahmen gesetzt, die darauf zielen, bewusster mit Ressourcen umzugehen. Seit April diesen Jahres besitzt beispielsweise die Gemeinde Doren ein Elektroauto – einerseits für den Eigenbetrieb, andererseits für die Gemeindebürger, die in Form des Car-Sharings das Gefährt ausleihen können. Der Kilometerpreis für „Stromy“ beträgt 30 Cent, für Mitglieder der Gruppe „Energiegeladen“ 25 Cent. „Die Nachfrage ist gut“, sagt Bürgermeister Guido Flatz. Gewinne würden damit keine gemacht: „Uns ist in erster Linie wichtig, bezüglich der Mobilität ein neues Bewusstsein zu fördern.“

„Es herrscht Aufbruchs­ stimmung im Vorderwald, die Gemeinden demonstrieren in ihren Aktionen Geschlossenheit.“ Dominik Bartenstein

In Zukunft energieautonom? Es sind vor allem Vorderwälder Gemeinden, die neue Akzente im Energiewesen setzen. Im Frühjahr 2010 schlossen sich die ­Gemeinden Doren, Hittisau, Krumbach, Langenegg, Lingenau, Riefensberg, Sibratsgfäll und Sulzberg zur „Energieregion Vorderwald“ zusammen. Die Zielsetzung: Energie soll in Zukunft aus der ­eigenen Region stammen, so effizient wie möglich eingesetzt und von der Bevölkerung bewusster wahrgenommen werden. Zudem soll der motorisierte Verkehr vermindert werden. „Es herrscht Aufbruchsstimmung im Vorderwald“, erklärt der ­Hittisauer Gemeindevertreter und Grünpolitiker Dominik ­Bartenstein. „Die Gemeinden demonstrieren in ihren Aktionen Geschlossenheit.“ Die im Frühjahr gestartete LED-Lampen-Aktion, bei der in den einzelnen Gemeinden herkömmliche Lampen kosten­ günstig gegen LED-Leuchten umgetauscht werden können, sei in Sulzberg in wenigen Wochen ausgeschöpft gewesen, so Bartenstein.

„Bei entsprechender Nutzung von Photovoltaik und Wasserkraft könnte ein Großteil der Nachfrage nach Energie abgedeckt werden.“ Johann Punzenberger

Und die Zukunft? Bürgermeister Guido Flatz meint, Doren könne in etwa zwanzig Jahren energieautonom sein. Bedingung sei neben der Bereitschaft der Bevölkerung eine gute Zusammenarbeit in der Region. Johann Punzenberger vom Verein Öko-Strombörse ist überzeugt, dass bei entsprechender Nutzung von Photovoltaik und Wasserkraft ein Großteil der Nachfrage nach Energie abgedeckt werden könnte. Er rechnet vor: Eine 40 Quadratmeter große Photovoltaik­ anlage genüge für die Versorgung eines Vierpersonenhaushaltes. „Die Fläche entspricht nicht einmal einem halben Hausdach“, meint er. Die Industrie würde mit der Energie aus der Wasserkraft versorgt werden. Wichtig sei, so Punzenberger, den Bürgern in der Energiefrage wieder mehr Rechte, aber auch Verantwortung zu geben. Nur so mache eine Dezentralisierung der Energieproduktion Sinn.

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Hauptsache Holz Holz hat als Energielieferant im Wald Tradition – von der Buschl bis zu den modernen Biomasse-Anlagen „As isch uafach ou an schöana Ausgleich zum Beruf“, sagt Hans ­Metzler. Seit rund fünfzig Jahren macht er die traditionellen „Buschla“ und weiß genau, worauf es ankommt.

Text: Matthias Köb

„Wichtig isch, dass ussarhalb d Schittar sand und innerhalb das fein Züg. Däs isch zwor a bitzle meh Arbat, abör denn ka ma mit anar Buschl ou aführa, ohne dass ma a Zittung oder eatz brucht.“ Die Mehrarbeit auf dem Weg zur perfekten „Buschl“ nimmt er gerne in Kauf: „Ou wenn mas nochad varbrennt, freut mi a schöane Buschl allad widr.“ Früher hatte das „Buschla macha“ eine weit größere Bedeutung als heute. Es war die beste Möglichkeit, den Kachelofen zu beheizen. Dieser wurde weitgehend von modernen Anlagen abgelöst. An der Beliebtheit von Holz als Brennstoff hat sich jedoch wenig geändert. Ein Experte auf diesem Gebiet ist Dietmar Erath. Als erster Installateur im Bregenzerwald machte er die Ausbildung zum zertifizierten Biowärme-Installateur. 2009 wurde sein Betrieb von einer unabhängigen Jury aus über 800 Bewerbern österreichweit auf Platz 3 der Biowärme-Installateure gereiht. Die Popularität von Biomasse-Anlagen, ob mit „Schittar“, Hackschnitzeln oder Pellets befeuert, ist für ihn leicht erklärbar: „As gitt kan Brennstoff, wo ma so unabhängig isch wia be Holz, gad inar Region wia üsarar, wo oam‘s Holz vor dar Nasa ue wahst.“

„Ou wenn mas nochad varbrennt, freut mi a schöane Buschl allad widr.“ Hans Metzler

Besonders bei Kleinanlagen für Ein- und Mehrfamilienhäuser herrscht große Nachfrage nach Stückholz- (Schittar-) und PelletsAnlagen, denn damit bleiben auch die Heizkosten verhältnismäßig gering. Im Vergleich zu einer Ölheizung liegen die jährlichen Einsparungen bei rund 50 Prozent. Dank moderner Technologie ist auch der Mehraufwand kaum bemerkbar. Bei einer Pellets-Heizung etwa beschränkt sich der Aufwand auf das Entleeren der Asche einmal jährlich – alles andere läuft wie bei einer Ölheizung vollautomatisch ab. „Und d’ Äsche isch gad no an super Düngar“, merkt Erath an. Immer wieder macht er die Erfahrung, dass es den Wäldern wichtig ist, den heimischen und vor allem nachwachsenden Rohstoff Holz zu verwenden. Das bestätigt auch Hans Metzler. Egal ob mit traditionellen „Buschla“ oder moderner Biomasse-Anlage: „Ma hat scho dean ökologischa Heandar­grund ou im Kopf. Und mit Holz heiza isch uafach a ­gmüatliche, a frie Wärme.“ bregenzerwald spektrum

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Ein Dorf voll neuer Energie In punkto Energie ist Langenegg die Vorzeigegemeinde im Wald. Der Energie-Beauftragte Mario Nußbaumer erklärt, wie es dazu gekommen ist Text: Matthias Köb

Wenn Mario Nußbaumer über sein Heimatdorf spricht, klingt viel Stolz mit. Man kann nicht sagen, dass das immer so war. „Zu ­meiner Schulzeit war Langenegg ein verschlafenes Dorf“, erklärt der ­Energie-Beauftragte der Gemeinde. Seither hat sich einiges getan im einstmals in Ober- und Unterlangenegg getrennten Dorf. Nußbaumer bescheinigt den Langeneggern ein stark ­ausgeprägtes soziales Gewissen. Dieses zeigt sich an Einrichtungen wie der Lebenshilfe-Werkstätte oder dem Stützpunkt des Sozialsprengels Vorderwald. Auch deshalb, glaubt Nußbaumer, waren die Bewohner von Beginn an offen für Energie- und Umweltthemen. So entstand in den Neunzigerjahren ein sehr aktiver Umweltausschuss. Er nahm seine Arbeit mit damals neuen Themen wie Mülltrennung und Müllvermeidung auf. 1998 folgte der Beitritt zum e5-Programm. Ziel dieses Programms sind Gemeinden, die zukunftsfähig handeln und Nachhaltigkeit im Umgang mit Energienutzung, Konsum, Mobilität und Wirtschaft leben. Durch den Beitritt zu diesem Programm wurden in ­Langenegg die Grundlagen für die heutigen Erfolge geschaffen. Ein ­Energie-Team wurde gegründet. Dazu wurden Bürger, Verwaltung, Experten und Politik in ein Boot geholt. Das brachte ein Sprachrohr in alle Richtungen.

„Die Bürger von Langenegg sind offen für Energie- und Umweltthemen.“ Mario Nußbaumer

e5-Gemeinden müssen sich mindestens alle drei Jahre einer ­Prüfung durch eine fremde Kommission unterziehen. Je nach Leistung ­werden dann ein bis fünf „e“ verliehen – so wie in mancher Schule des Waldes die „Sternle“. Ab drei „e“ ist eine Gemeinde auch für die Auszeichnung mit dem „European Energy Award“ geeignet. Seit dem Beitritt zum e5-Programm wurden zahlreiche Projekte durchgeführt. 30 Prozent der Haushalte in Langenegg verfügen über eine Solaranlage. Bei allen Neubauten der Gemeinde wurde ­großer Wert auf Energieeffizienz gelegt. Als erste Gemeinde im Wald fördert Langenegg Holzheizungen. Bis 2015 soll das Dorf „ölkesselfrei“ sein. Zu 86 Prozent ist das bereits erreicht. Ob die 100 Prozent erreicht werden können, bleibt abzuwarten. Denn trotz aller Erfolge sagt der Energie-Beauftragte Nußbaumer bescheiden: „Also es ist jetzt auch nicht so, dass man behaupten könnte, wir wären das gelobte Energie-Land.“ Einige Kennzahlen aus dem e5-Bericht von 2009 zeigen die Vorreiter­ rolle der kleinen Gemeinde. Auf 1000 Einwohner kommen in Langenegg durchschnittlich 61,3 geförderte Biomasse-Kleinanlagen und 15,92 Energie-Beratungen (der Durchschnitt in Vorarlberg liegt

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bei 13,66 bzw. 5,79). Die Langenegger kommen auf 1,42 Quadratmeter Sonnenkollektoren pro Kopf, im übrigen Vorarlberg werden 0,52 Quadratmeter erreicht. Allein diese Beispiele rechtfertigen den Stolz von Nußbaumer. Dennoch vergisst er nie, darauf hinzuweisen, dass auch andere Gemeinden inzwischen ähnliche Wege beschreiten. So wurde im Frühjahr 2010 die „Energieregion Vorderwald“ gegründet. Zu ihr gehören Lingenau, Langenegg, Sulzberg, Hittisau, ­Krumbach, Sibratsgfäll, Doren und Riefensberg. Seither werden Projekte und Förderungen abgestimmt und einheitlich in den Gemeinden angeboten.

Mittlerweile hat Langenegg fünf „e“. Damit liegt es im europaweiten Vergleich ganz vorne. Außerdem gewann die Gemeinde 2010 den ­Europäischen Dorferneuerungspreis.

Alte Förderungen wie für Solaranlagen wurden aufgegeben, da diese bei Neubauten weitestgehend zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Stattdessen gibt es neue Schwerpunktförderungen, die jeweils für ein Jahr bestehen. Dadurch soll den Bewohnern ein Anreiz ­geboten werden, aktiv zu werden. Im laufenden Jahr geschieht dies mit einer Förderung für energieeffiziente Beleuchtung. Die in der Vergangenheit im Vorderwald durchgeführte Nachrüstaktion für Solaranlagen – mit Informationsveranstaltungen und Beratungen wurden die Einwohner bei Planung und Förderanträgen unterstützt – wurde später in ähnlicher Form in ganz Vorarlberg durchgeführt. Sehr zur Freude Nußbaumers. Mittlerweile hat Langenegg fünf „e“. Damit liegt es im europa­weiten Vergleich ganz vorne. Außerdem gewann die Gemeinde 2010 den Europäischen Dorferneuerungspreis. Er stand unter dem Motto „Neue Energien für ein starkes Miteinander“. Den Vorsitz der Jury führte der Landeshauptmann von Niederösterreich, Erwin Pröll. Sieger unter 30 anderen Gemeinden aus ganz Europa wurde ­Langenegg. Pröll erklärte es so: „Damit wird ein Projekt ausgezeichnet, das dem Wettbewerbsmotto auf überzeugende und mehrfache Weise gerecht wird und mit einer ganzheitlichen, nachhaltigen Entwicklung von herausragender Qualität besticht.“ 2012 ist Langenegg nächster Ausrichter der Preisverleihung des Europäischen Dorferneuerungspreises. Rund 800 internationale Gäste werden erwartet. Eine Chance, abermals zu beweisen, dass ­Langenegg mit seinen rund 1000 Einwohnern längst nicht mehr nur ein verschlafenes Dorf ist. Denn für Nußbaumer liegt der Nutzen nicht nur im Energiebereich. Oft hört er Sätze wie: „Wahnsinn, was ihr alles macht! Immer seid ihr in der Zeitung.“ „Man kennt ­Langenegg“, sagt Nußbaumer. Eine schöne Nebensache auf dem Weg zum Ziel: Die ­Verantwortung für das Leben nachfolgender Generationen wahrzunehmen und anderen Mut zu machen, diesen Weg mitzugehen. bregenzerwald spektrum

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„Klar tar ma Fiaschtr uftua!“ Auch im Bregenzerwald gibt es Passivhäuser, ja das Tal ist wie geschaffen für diese Technologie. Hier werden ein paar Vorurteile entkräftet Text: Matthias Köb

„I künnt etz dean Grüana ussar hänka lon und säga, i heas blöß wegad dar Umwelt ton.“ Sagt Tobias Bischofberger. Seit zwei Jahren ist er Bewohner eines Passivhauses in Mellau. Natürlich war der Gedanke an die Umwelt ein wichtiger Aspekt, doch ein weiterer ist eher finanzieller Natur. Im Regelfall erhöhen sich die Baukosten bei der Passivhausbauweise um fünf bis acht Prozent. Diese gleichen sich allerdings innerhalb von fünfzehn bis zwanzig Jahren durch die weit geringeren Heiz­ kosten aus. Bischofberger ist heute froh über diese Entscheidung. Dringend rät er jedem, sich bei der Beratungs- und Planungsphase an einen Spezialisten für Passivhäuser zu wenden. Dieser sollte das Projekt auch begleiten. „As nützt jo nix, wenn i am Afang moan, i künn überall spära, und nochad hea i blöß Maläscht.“ Zudem ­geistern viele Fehlannahmen über die Bauweise durch den Wald, die manch findiger Anbieter auch ausnutzt, wie Bischofberger aus Erfahrung weiß. Das sagt auch Thomas Hammerer vom Planungsteam E-Plus. ­Besonders die Annahme „Ma tar ka Fiaschtr meh uftua“ irritiert ihn immer wieder. „Klar tar ma. Wenn i Luscht hea zum a Fiaschtr uftua, toar i a Fiaschtr uf. Aber ma muss eigetle nümma.“

„Wenn i Luscht hea zum a Fiaschtr uftua, toar i a Fiaschtr uf. Aber ma muss eigetle nümma.“ Thomas Hammerer

Das Grundprinzip eines Passivhauses lässt sich recht einfach erklären. Wichtig ist vor allem eine sehr gute Gebäudehülle. Also eine hervorragende Isolierung, dreifach verglaste Fenster und möglichst keine Wärmebrücken. „Ma leiht dom Hus a dicke Jacka und an Schal ah“, so Hammerer. Dadurch können sowohl solare als auch hauseigene Energie gespeichert werden, wie Wärme, die von Bewohnern oder elektrischen Geräten (Kühlschrank, Herd etc.) abgegeben wird. Ein Markenzeichen eines Passivhauses ist die Südorientierung der Hauptverglasung, um die Sonne als Wärmequelle optimal zu nutzen. Damit das Haus trotz „Jacka und Schal“ noch atmen kann, ist eine kontrollierte Be- und Entlüftung notwendig. Die über das Lüftungssystem zugeführte kalte Außenluft wird dabei mit Hilfe eines Wärme­ tauschers über die Abluft erwärmt und benötigt dadurch nahezu keine Energie, der gesamte hauseigene Energiegewinn kann genutzt werden. Durch die ständige Frischluftzufuhr über das Lüftungs­ system wird auch das Öffnen eines Fensters zur Frischluftzufuhr prinzipiell überflüssig – bei Bedarf ist es aber kein Problem.

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Die Heizlast eines Passivhauses mit ca. 150 Quadratmetern liegt bei 2 kW und entspricht damit der Leistung eines Haarföns. Dass es sich bei einem Passivhaus um ein „Haus ohne Heizung“ handelt, ist dennoch eine Fehlannahme. Alle von E-plus geplanten Passivhäuser verfügen auch über eine Heizung. Bei guter Planung reicht jedoch schon ein Pellets-Primärofen im Wohnzimmer oder eine Kleinstwärmepumpe, jeweils mit Fußbodenheizung. „Für a Fall, dass as amol drü Wocha bocksecklruh isch zum Beispiel“, erklärt Hammerer.

Mittlerweile finden sich im Bregenzerwald zahlreiche Bei­ spiele für Passivhäuser, die über gewöhnliche Einfamilienhäuser hinausgehen

Mittlerweile finden sich im Bregenzerwald zahlreiche Beispiele für Passivhäuser, die über gewöhnliche Einfamilienhäuser hinaus­gehen. Gerade in diesem Bereich kommt der Passivhausstandard in den ­letzten Jahren verstärkt zum Einsatz. So wurden etwa der Kinder­ garten in Bizau, eine Wohnanlage in Krumbach, das Gebäude der Raiffeisenbank Mittelbregenzerwald und das neue Sozialzentrum in Egg als Passivhäuser errichtet. Laut Hammerer ist der Bregenzerwald geradezu geschaffen für Passiv­ häuser. Besonders aufgrund seiner sonnigen Lage. Denn nicht nur er weiß: „Fahr as Land usse, bisch idr Neablsuppe und be üs hean isch as goldschüah.“ Doch nicht nur die geografische Lage eignet sich bestens, auch der Rohstoff Holz spielt dabei eine wichtige Rolle. ­Elemente aus Holz lassen sich mit verhältnismäßig geringem Aufwand auf Passivhaus-Standard bringen. Ähnliche Töne schlägt auch Erich Reiner vom gleichnamigen Ingenieur­büro in Bezau an: „Holz hat die einmalige Eigenschaft, dass es sowohl tragend als auch dämmend ist. Bei den Dämmeigenschaften erreicht es ungefähr dreimal bessere Werte als ein Standard-Ziegel.“ Im Bregenzerwald genießt der Holzbau zudem eine lange Tradition. Und auch für die hohen Anforderungen an die Passivhausbauweise bietet der Bregenzerwald beste Voraussetzungen. „Es ist schon so, dass wir im Bregenzerwald über eine sehr hohe handwerkliche Qualität verfügen. Dadurch können Passivhaus-Standards leicht erreicht werden.“ In Zusammenarbeit mit Holzbautechnik Sohm aus Alberschwende hat das Ingenieurbüro Reiner 2010 international für Aufsehen gesorgt. Bei den damaligen Olympischen Spielen in Vancouver wurde das traditionelle Österreich-Haus von den beiden Bregenzerwälder Unternehmen und der Austrian Passive House Group errichtet. Die Idee entstand schon gegen Ende der Spiele in Turin. Ziel war es, die ­Bregenzerwälder Holzbaukunst in Verbindung mit der Passivhaustechnologie über die Grenzen hinaus bekannt zu machen. Mittlerweile ist das Gebäude in den Besitz der Gemeinde Whistler übergegangen und wird vom dortigen Skiclub genutzt.

„Es ist schon so, dass wir im Bregenzerwald über eine sehr hohe handwerkliche Qualität verfügen. Dadurch können Passivhaus-Standards leicht erreicht werden.“ Erich Reiner

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Einkehren, um zu tanken Wird der Wald zum E-Wald? Silke Ritter testet die im Bregenzerwald vorhandenen E-Fahrzeuge auf ihre Tauglichkeit Text: Silke Ritter

Mit dem E-Roller nach Schwarzenberg Momentan erleben wir die Wende zur Elektromobilität. Aber wie sieht es mit der Alltagstauglichkeit von Elektromobilen aus, wenn sie im ländlichen „Bergauf-Bergab-Verkehr“ eingesetzt werden? Das will ich selbst erproben. Meine erste Fahrt mache ich mit dem e-max Roller 110S. Martin Bechter schult mich kurz ein: Kein Kuppeln nötig, weil Automatikgetriebe, kein Kickstart, weil Elektromotor. Beim Starten werde ich von der Begrüßung „Willkommen e-max-Fahrer“ am Digital-Cockpit überrascht. Nach einer vorsichtigen Proberunde – 20 Jahre bin ich nicht mehr Moped gefahren – düse ich von Egg in Richtung ­Schwarzenberg. Anfänglich begeistert mich der schnittige Roller – doch das letzte Stück auf den Buckel nach Schwarzenberg wird zum Kriechen. Ich schalte den Booster ein, der die Leistung per Knopfdruck von 2,75 kW auf 3,85 kW erhöht – nur schneller wird es nicht. Hinunter geht es flott. Es fühlt sich gut an, ein gemütliches Dahin­ gleiten – nur das Tuckern fehlt. Der Roller ist sehr leise und eine Gefahr für Fußgänger, die auf Gehör statt auf Sicht die Straße überqueren. Nach etwa 20 Kilometern Fahrt bringe ich den Roller zurück. Die Batterie ist noch zu zwei Dritteln voll. Die vom Hersteller angegebene Reichweite von 90 Kilometern wird vermutlich nur im Stadtverkehr und nicht im Dauervollgas-Betrieb erreicht. Beim Neukauf eines E-Mopeds gewähren die Kfz-Händler 200 Euro Rabatt und die illwerke vkw nochmals 400 Euro in Form von Strom-Gutscheinen. Mit dem E-Fahrrad noch einmal Schwarzenberg Für die E-Bikes gibt es keine einheitliche Förderung mehr, seit das Projekt „Landrad“ abgeschlossen ist. Jodok Bär von der Firma CIC stellt mir sein Test-E-Bike zur Verfügung. Ein original Schweizer Elektrovelo der Firma FLYER mit acht Gängen und elektrischer Verstärkung in drei Stufen, ideal für Einkaufsfahrten und tägliche Wege. Erneut mache ich mich auf den Weg nach Schwarzenberg und bin gespannt, ob die Versprechung stimmt, nicht ins Schwitzen zu kommen. Bereits in Kammern nach der Fluhbrücke kommen mir erste Zweifel. Treten muss man nämlich schon. Nicht viel langsamer als mit dem E-Moped schaffe ich es nach Schwarzenberg. Auf der Strecke von Bersbuch nach Andelsbuch bin ich vom E-Rad begeistert. Die Handhabung ist denkbar einfach, der Fahrkomfort sehr gut. Dieses Fahrrad braucht auf 100 Kilometer gleich viel Energie wie drei Minuten duschen, warm natürlich, behauptet man auf www.flyer.ch/Stand 2011.

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Mit dem E-Auto knapp bis Feldkirch und zurück Die letzte Probefahrt absolviere ich mit dem E-Auto von Claudio Mätzler aus Andelsbuch, einem Citroën Berlingo First Electrique. Seit einem halben Jahr ist Claudio elektrisch unterwegs. Er ist ­begeistert vom Elektroauto und dem Projekt VLOTTE: „Es ist wichtig, neue Technologien auszuprobieren, damit sie sich weiterentwickeln können. Derzeit werden in London, Berlin, München und Vorarlberg vier E-Mobilitätsprojekte von der EU gefördert. Dabei wird ganz besonderes Augenmerk auf die Rückmeldungen von Privatpersonen, Institutionen und von Firmen zur Alltagstauglichkeit gelegt. Dazu leiste ich meinen Beitrag.“ Im Auto fällt mir das leise Geräusch auf. Ein leichter, hoher Summton ist zu hören, mehr nicht. Das Automatikgetriebe ist für mich ungewohnt, aber sehr händig. Die praktische Display-Anzeige informiert laufend über gefahrene Kilometer, noch vorhandene Reichweite, ­fließende Ampere und Batterietemperatur. Wichtiger Bestandteil des Projekts „VLOTTE“ ist die Energiebereitstellung durch die illwerke vkw ausschließlich aus zusätzlichen erneuerbaren Energiequellen. Allein in Bregenz/Weidach steht eine Photovoltaikfläche zur Verfügung, die jährlich 65.000 kWh Strom erzeugt. Damit könnte man siebenmal um die Erde fahren oder 40 Elektrofahrzeuge ein ganzes Jahr lang betreiben, schreibt man auf www.vlotte.at, Stand 2011.

„Es ist schon vorgekommen, dass ich in Egg Strom tanken und zwischenzeitlich kurz einkehren musste, um noch nach Hause zu kommen.“ Claudio Mätzler

Die werksmäßig angegebenen 120 Kilometer Reichweite werden nach Claudios Erfahrung nicht erreicht. „Bis nach Feldkirch und zurück geht sich’s nur knapp aus – sehr knapp“, meint Claudio. „Nur wenn sich die Batterie teilweise wieder auflädt, wie zum Beispiel beim Bergabfahren vom Bödele herunter. Es ist schon vorgekommen, dass ich in Egg Strom tanken und zwischenzeitlich kurz ein­ kehren musste, um noch nach Hause zu kommen.“ Noch gibt es im ländlichen Bereich Probleme zu lösen, die hauptsächlich die Reichweite und somit Alltagstauglichkeit für Pendler betreffen. Aber wieso nicht ein Pionier sein und die Forschung vorantreiben? In ­Vorarlberg sind 94 Prozent aller getätigten Autofahrten an Werktagen kürzer als 50 Kilometer. Grund genug umzudenken oder, E-Wald? bregenzerwald spektrum

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„Wenn d’ eatz Nüs machoscht …“ sagt der Installateur Siegfried Steurer aus Bersbuch und ist sehr ­erfolgreich als Energiepionier im Wald tätig Text: Irmgard Kramer

„... do hascht ou nüa Züg probiera künna.“ Siegfried Steurer Mitglied im Werkraum Bregenzerwald

„ … fallscht ab und zua uf o Heandaro“, sagt der Installateur ­Siegfried Steurer. Das galt schon vor 150 Millionen Jahren, als die Dinosaurier die Erde beherrschten. Damals gab es große, seichte Meere, in denen viele Pflanzen und kleine Tiere lebten. Sie starben, sanken auf den Meeres­boden und wurden von Schlamm und Gestein zugedeckt. Weil keine Luft dazu kam, verfaulten die Pflanzen und Tierchen und verwandelten sich unter großem Druck zu Erdöl und Erdgas. Erdöl und Ergas sind weltweit Ursache für Machtmissbrauch, Kriege und Umweltkatastrophen. Zeit, sich davon unabhängig zu machen, dachte ein Wälder und wollte seinen alten Ölbrenner gegen eine ­Pellets-Heizung tauschen. Von allen Installateuren bekam er die ­gleiche Antwort: „A nüa Ölbrennar ischt varlässle und koschtat blos halb sovl wia das nümödisch Glump.“ Dann traf er Siegfried Steurer. Dieser baute Heizsysteme, Wärmepumpen und Solaranlagen schon zu einer Zeit ein, als sich das noch keiner traute. Nachdem Steurer die HTL für Maschinen­bau abgeschlossen hatte, arbeitete er in Schwarzenberg im Dreimannbetrieb seines Vaters, kroch fünf Jahre auf Baustellen herum, konnte anfangs weniger als ein Lehrling und nützte die Zeit, um zu ­lernen. „Wenn i nomma an Kurs gsea hea und si ar z´Oberöschtrich oder z´Wian, hean i mi agmolda. Döt hean i alls Theoretische mitgno.“ Die Mitarbeiter waren gleich alt wie Siegfried Steurer, als er den väterlichen Betrieb übernahm. Steurer knüpfte Kontakte mit dem Energieinstitut, mit Architekten, Bauherren, Heizungsplanern, wurde bekannt als junger Neuerer. Er hielt Vorträge im Rotkreuzheim in Schwarzenberg zum Thema Biomasse. „I hea uafach an Poschtwurf dur a Wold geschickt.“ Vom Bank­direktor bis zum Bauern kamen sie an, mit Plänen unter den Armen und ­Interesse an konkreten Projekten. Doch Tiefschläge waren vorprogrammiert. Bei alter Technologie ist alles, was passieren kann, schon einmal passiert. Bei neuer nicht. Nächtelang studierte Steurer die Geräte, lauschte, schraubte, drehte und dachte sich: „Horrgott, do lass i´s näscht mol d´Finger dorvu.“ Inzwischen beschäftigt er 18 Mitarbeiter in einem neuen Passivhaus, das er in Bersbuch gebaut hat. Für 250 Quadrat­ meter Büro und 1200 Quadratmeter temperiertes Lager zahlt er im Jahr 650 Euro fürs Heizen. Problemlos könnte er erweitern, möchte seine Freizeit aber mit seinen fünf Kindern und dem Klettern verbringen. Manchmal kriegt er am Stammtisch zu hören, man habe gehört, dass die Herstellung von Pellets oder Kollektoren mehr Energie ­brauche, als sie bringe. Da muss Steurer lachen – schon einmal darüber nachgedacht, was nötig ist, um 150 Millionen Jahre altes Öl von Saudi-Arabien nach Bersbuch zu transportieren? „Das Nachhaltigschte ischt klar der ogane Bom, der im Garto duss vo sealb umfallt! Abr wer hat das scho.“

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Leben ohne Strom Jahrtausendelang war es eine Selbstverständlichkeit – doch wie fühlt man sich heute, wenn man ohne Strom leben muss? Im ersten Alpsommer als Hirte auf dem „Gunten“ war ich praktisch stromlos. Ich besaß lediglich ein paar Batterien für das Radio. Ich ­erinnere mich noch gut, wie ich anfangs, als die Dunkelheit hereinbrach, gedankenverloren nach dem Lichtschalter griff. Handy hatte ich keines dabei, war also bei einer Schlechtwetterperiode oft tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Heute fast unvorstellbar – doch über Jahrtausende die gängige Praxis. Ich gewöhnte mich rasch an die stromlose Zeit. Ja ich lernte sie sogar besonders zu schätzen. Zum einen befreit sie einen von den vielen Verpflichtungen und Aufgaben, die in einer elektrifizierten Welt mittlerweile zum Alltag gehören – und sei es nur von dem mulmigen Gefühl, das Handy vergessen zu haben und für fünf Stunden nicht erreichbar zu sein. Zum anderen spannt sie einen stärker in den Rhythmus der Natur ein. Der Tag wird wieder zum Tag und die Nacht zur Nacht: Um neun, wenn es dunkelte, war ich im Bett, frühmorgens weckten mich dann die ersten Sonnenstrahlen. Das klingt ein wenig nach verklärter Idylle vergangener Tage. In Wirklichkeit empfinde ich es als Luxus, den sich heute kaum einer mehr leisten kann. Im dritten Alpsommer wurde die Hütte mit einer von einer Solarzelle gespeisten Autobatterie ausgestattet. Das Handyladen war von nun an kein Problem mehr, außerdem konnten mit dem Strom eine Leselampe und ein CD-Player betrieben werden. Aber ich wollte nicht mehr zurück – oder muss ich sagen nach vorne? Also kein CD-Player – mir genügte der Lärm, der aus dem Radio drang, und an das elektrische Licht konnte ich mich nicht mehr gewöhnen. Wenn die Nacht hereinbrach, wollte ich ins Bett. Verfinsterten untertags tief hängende graue Wolken die Stube, zündete ich lieber eine Kerze an.

Text: Georg Sutterlüty

Die Alpe „Gunten“ am Fuß des Triestenkopfes in Egg ist nur zu Fuß erreichbar und nicht an das Stromversorgungsnetz angeschlossen.

Im Herbst, wenn ich den Alp-Plunder nach Hause trage, ist es das Selbstverständlichste, wieder unter einer warmen Dusche zu stehen und den Computer einzuschalten, um E-Mails zu checken. Der Alltag fängt einen ein, treibt einen von Ort zu Ort, die Bilder von der Alpe sind dann weit weg. Das Leben ohne Strom ist hier im Tal eine Illusion, auf dem Berg jedoch gibt es nichts Schöneres. bregenzerwald spektrum

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Album

Das Album zeigt Fotos aus unserem Leben. Sie stammen von Privatpersonen und geben einen ­unmittelbaren Eindruck von alltäglichen oder auch besonderen Tätigkeiten. In diesem Heft zeigen die Fotos die Beschäftigung mit Energie­ themen im Wald.

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Großbaustelle Kraftwerk Andelsbuch 1904 Seit mehr als 100 Jahren liefert das Kraftwerk Andelsbuch Energie für den Wald. Mit einer Leistung von 8000 kW war es bei der Inbetriebnahme 1908 das größte Wasserkraftwerk der gesamten Monarchie. (Archiv VKW, 1904)

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Album

Bauen mit der Sonne Die Sonne ins Haus holen die Mitarbeiter der Firma Steurer bei der Montage von Solarzellen auf dem Dach eines Einfamilienhauses. (Siegfried Steurer, 2005)

Sichtbare Energie Klassische Kleinwasserkraftwerke nutzen die potenzielle Energie in Fließgewässern. Zum Antrieb von Mühlen und Maschinen waren sie schon im Mittelalter im Einsatz, heute wird die Energie in Strom umgesetzt. (Silke Ritter, 2011)

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Stromversorgung für ein Alpgebiet Im Jahr 2000 wurden in rund 40 Tagen 7262 m Stromleitungs­ kabel im Alpgebiet Baumgarten-Winterstaude verlegt und damit zwölf Alpen an das Stromversorgungsnetz angeschlossen. Die Alpbesitzer Dokus Mätzler und Jodok Metzler legten dabei selbst Hand an. (Florian Metzler, 2000) Kleinwasserkraft Zahlreiche Kleinwasserkraftwerke leisten einen wichtigen Beitrag zur Ökostromerzeugung im Bregenzerwald. Das Wasser­ rad von Ludwig Egender in Andelsbuch liefert täglich 2000 kWh Strom für den Eigenbedarf. (Silke Ritter, 2011)

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Album

Bürgermeister Arnold Hirschbühl testet „sein“ Elektroauto Seit 1. Oktober 2011 kann jeder Krumbacher den Citroën C-Zero bei der Gemeinde ausleihen und so seine ersten ­Erfahrungen mit ­Elektro­mobilität machen. (Gemeinde Krumbach, 2011)

Baumpflanzaktion Nach wie vor zählt Holz zu den bedeutendsten Energielieferanten im Bregenzerwald. Pfadfinder führten zusammen mit DI Peter Feuersinger und Waldaufseher Egon Schelling eine Pflanzaktion durch. (Gemeinde Krumbach, 2008)

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Aktion Landrad Acht Fahrräder wurden beim Start der Aktion Landrad von Krumbacher Bürgern abgeholt. Zusätzlich bietet die Gemeinde zwei E-Bikes zum Verleih an. (Gemeinde Krumbach, 2009)

100 Watt – viel oder wenig? Im Alltag benötigt oft schon eine einfache Lampe oder ein kleines Elektrogerät eine Leistung von 100 Watt oder mehr. Wie viel Leistung das ist, konnte man bei der Auftaktveranstaltung der Energieregion Vorderwald auf dem HuPo (Human-Power)Fahrrad­ergometer ausprobieren. (Energieregion Vorderwald, 2010)

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Biomasseheizwerk Bezau Mit Fernwärme wurden die ersten Akzente gesetzt, sich von der fossilen Energie zu lösen und sich wieder auf die eigenen Ressourcen im Tal zu besinnen. Das Biomasseheizwerk in Bezau ersetzt jährlich ca. 650 000 Liter Heizöl. Im Bild Heizwart Georg Meusburger. (Ing. Willi Meusburger, 2003)

Eisblockwette in Langenegg Jürgen Nußbaumer, Mitglied des Energieteams Langenegg, verdeutlicht die Qualität der Sanierung des Gemeindeamtes. (Energieteam Langenegg, 2008)

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Tone Fink beim „Achrettungssprung“ Die Ankündigung der VKW, ein weiteres Achkraftwerk in Alberschwende zu errichten, rief heftige Proteste hervor. Gegen die Eingriffe in die Natur und das Landschaftsbild wurden Unterschriften gesammelt und Kunstaktionen gestartet. (Nikolaus Walter, 1989) Energie für den Kachelofen Hans Metzler aus Andelsbuch buschelt aus Leidenschaft. Zuerst wird das nötige „Aagrîht“ gemacht. Ein passender Standplatz wird gesucht und der Hackstock in der Nähe der Tannenäste – dem „Krëas“ – hergerichtet. Daneben steht der Bûschôlôbock. (Hans Metzler, 1999)

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Bregenzerwald

Regionalplanungsgemeinsa

Regionalentwicklung Bregenzerwald GmbH Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald Impulszentrum 1135, 6863 Egg T +43 5512 26000 . F +43 5512 26000-4 E regio@bregenzerwald.at . H www.regiobregenzerwald.at Geschäftsstelle Werkraum Bregenzerwald Hof 800, 6866 Andelsbuch T +43 5512 26386 . F +43 5512 26387 E info@werkraum.at . H www.werkraum.at Offene Jugendarbeit Bregenzerwald Impulszentrum 1135, 6863 Egg T +43 5512 26000-12 . T +43 5512 26000-4 E office@ojb.at . H www.ojb.at KäseStrasse Bregenzerwald Verein zur Förderung der Bregenzerwälder Käsekultur Zeihenbühl 423, 6951 Lingenau T +43 5513 42870-41 . F +43 5513 42870-40 E info@kaesestrasse.at . H www.kaesestrasse.at

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Bregenzerwald Tourismus GmbH Impulszentrum 1135, 6863 Egg T +43 5512 2365 . F +43 5512 3010 E info@bregenzerwald.at . H www.bregenzerwald.at

Das „Bregenzerwald Spektrum“ erscheint zweimal jährlich und kann unter regio@bregenzerwald.at oder telefonisch unter +43 5512 26000 a­ ngefordert werden. Falls nicht alle Inhaber von Urheberrechten ausfindig gemacht werden konnten, ist der Herausgeber bei e­ ntsprechender Benachrichtigung gerne bereit, die Ansprüche im üblichen Rahmen abzugelten. Wir haben uns bei der Formulierung der Texte um leichte Lesbarkeit bemüht. Soweit personenbezogene Begriffe ­ verwendet werden, kommt ihnen keine geschlechtsspezifische Bedeutung zu. Impressum Herausgeber und Medieninhaber: Regionalentwicklung Bregenzerwald GmbH, 6863 Egg Auflage: 13.000 Exemplare Für den Inhalt v­ erantwortliche Projektleitung: Daniela Kohler; namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen Redaktion: Fuchs & Partner, Wien ­Gestaltung: broger grafik, 6866 Andelsbuch, www.broger.at Druck: Druckhaus Gössler GmbH, 6870 Bezau

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Raiffeisen. Meine Bank im Bregenzerwald

Wenn ’s ums Sanieren geht, ist nur eine Bank meine Bank. Das eigene Zuhause richtig sanieren schont nicht nur Ihre Geldbörse, sondern auch die Umwelt. Wie Sie am besten von den zahlreichen Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten profitieren, sagt Ihnen Ihr Raiffeisenberater. Infos unter www.raiba.at

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So viel Energie steckt in den W채ldern Michael Ritter pendelt t채glich mit dem Auto oder Motorrad von Schwarzenberg zu seiner Arbeitsst채tte nach Egg. Zu Probezwecken hat er sich kurzentschlossen auf den e-max Roller gesetzt und die elektrische Mobilit채t getestet.


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